3. Juli 1896. Privatlilleresse und Gemeinwohl. Eine wirthschastliche Studie. „Gemeiner Nutzen geht dem Sender- nutzen vor." (Greif u. Dietherr, Deutsche NcchtSsprichwörter.) Ir. Die moderne Staatswirthschaftslehre stellt, wie einer der bedeutendsten Sociologen der Gegenwart, T. R. Cly, ausführt, die Wohlfahrt des Individuums über die Wohlfahrt des Ganzen. Der gleichen modernen Auffassung begegnen wir in Presse, Parlament und öffentlichem Leben. Auch dort werden heute, bewußt oder unbewußt, weniger die das allgemeine Wohl, das Wohl und Gedeihen von Einrichtungen und Bernfsständen als solche betreffenden Interessen berathen und vertheidigt, sondern viel mehr die persönlichen Interessen des Individuums oder einer Summe von Individuen. Durch Befriedigung der einzelnen Privatinteressen glaubt mau einen Theil des Interesses der Gesammtheit befriedigt und das allgemeine Wohl gefördert zu haben. Wenn die Interessen oder die berechtigten Forderungen jedes einzelnen Individuums sichergestellt und erfüllt wären, so müßte damit auch, kalkulirt man, für die Summe sämmtlicher Individuen, d. h. für unsere sogenannte Gesellschaft, das wirthschastliche Wohlbefinden garantirt sein. Es unterliegt keinem Zweifel, daß diese Anschauung auf dem modernen Subjektivismus, auf dem liberalen Principe des Individualismus beruht, auf jenem individualistischen „Systeme", welches seit der französischen Revolution und der Zerstörung des gesellschaftlichen Organismus das wirthschastliche Leben und die wirthschastlichen Theorien der großen Masse beherrschte. ES gibt kaum einen größeren Trugschluß, als die Annahme, durch Befriedigung der Interessen der einzelnen Individuen werde auch stets das Wohl aller Individuen, das Gemeinwohl gefördert, oder, das Gemeinwohl sei gleichbedeutend mit der Summe des Privat- wohles aller Gesellschaftsglicder. Wir werden in den folgenden Ausführungen sehen, ob oder wie weit die einseitige Förderung des Wohlbefindens der Gesellschaft im Gefolge hat, ob die Begriffe „Privatinteresse" und „Gemeinwohl" in einem logischen, kausalen Zusammenhange stehen oder ob dieselben Gegensätze bezeichnen. I. Als einen der größten Irrthümer des LiberaliSmnS bezeichnet C. Frantz die Auffassung der Welt als eines Logismus. „Die Welt ist eben kein Logismus, sondern, wenn schon in der sinnlichen Natur alles Leben durch einen innern Gegensatz bedingt ist, der sich im Magnetismus und am deutlichsten in der Duplicität der Geschlechter anLspricht, so ist die menschliche Entwickelung von vorne herein auf ein ganzes System von Gegensätzen gegründet, die alle ursprünglich sind, und von denen keiner aus dem andern abgeleitet werden kann, so daß jeder Versuch, durch die logische Entwickelung irgend eines einseitigen Princips zur Wahrheit zu gelangen, nothwendig scheitern muß."^) Die Welt und damit auch das wirthschastliche Leben ist daher kein auf dem Principe der Folgerichtigkeit aufgebautes Gebäude oder System, sondern eine durch Gegensätze bedingte Einrichtung. Dieselben Gegensätze, welche die Natur und ihre Gesetze ausweisen, zeigen sich auch im wirthschastlichen und politischen Leben. Diese bestehenden Gegensätze zeigt vor allem deutlich der Begriff der Freiheit. Nach Theorie und Logik müßte nämlich die den Einzelnen verliehene, weiteflgehende Freiheit auch die höchste Freiheit für die Summe der Einzelnen, für die Gesammtheit ergeben. Die Erfahrung zeigt jedoch genau das Gegentheil. Je wehr Freiheit und Ünge- bnndenhcit ich dem Einzelnen gebe, desto unfreier wird die Gesammtheit sein; sie wird der Zügellosigkeit und der Tyrannei der kommenden Anarchie ausgeliefert werden. Was daher für das einzelne Individuum gut ist, das ist nicht für die Gesammtheit gut, und Schlußfolgerungen, die man in Beziehung auf einzelne Individuen zieht, haben für die Gesammtheit keine Giftigkeit. Nicht darum kann es sich handeln, durch Förderung des Wohls und der Interessen der je einzelnen Individuen, vermeintlich und unter Verkenuung der Gesetze des Lebens, das Gemeinwohl zu heben, sondern unsere Aufgabe ist, den bestehe nden Gegensatz zwischen Privatinteresse und Gemeinwohl anzuerkennen, denselben in ein richtiges Verhältniß zu stellen und damit die Ruhe und die Wohlfahrt des wirthschastlichen Lebens zu sichern. Wir sind uns selbst und wir sind der Gesammtheit verpflichtet. Wir müssen auf manchen persönlich anzustrebenden Vortheil verzichten, wir müssen der Gesammtheit Opfer bringen, welche indeß in letzter Linie wieder, uns selbst zu gute kommen. Das Gemeinwohl geht dem privaten Wohle vor, denn ohne Gemeinwohl ist ein privates Wohlbefinden undenkbar. Die zu starke Betonung und gesetzliche Befriedigung des Privat- interesses schädigt zuerst das Gemeinwohl und in weiterer Folge das Wohl der Privaten sclbst; umgekehrt ist das durch der Natur entsprechende Gesetze und durch die cor- porative Organisation der Gesellschaft geschaffene Gemeinwohl die sicherste Grundlage des persönlichen und familiären Wohlbefindens. Das Gemeinwohl basirt: 1) auf Grund und Boden, dessen richtigem Verhältnisse zur Familie und dessen Bewirthschaftung, 2) auf der organisirten Gesellschaft und deren Corporationen. II. Grund und Boden ist die reale Grundlage des gesummten wirthschastlichen Lebens; das gesetzlich geordnete Verhältniß des Bodens zur Familie und zur Gesellschaft garantirt nicht nur das sociale Wohlbefinden der bäuerlichen Bevölkerung, sondern zum großen Theile auch das der übrigen Bernfsklaffcn. Grund und Boden ist heute in der Hauptsache Peivateigcnthnm und der freien privaten Bewirthschaftung anheimgegeben. Neben dem Privatbesitze an Grund und Boden haben wir noch kommunales und staatliches Grnndeigenthnm. (Der einst ausgedehnte Besitz der Kirche und der kirchlichen Corporationen ist zum größten Theile verschwunden.) An und für sich, d. h. wenn der Mensch von Natur aus, körperlich und geistig, vollkommen und nicht durch die Sünde verderbt wäre, würde ja das Collectiv- oder Ecmeineigenthnm und besonders der gemeinsame Besitz an Grund und Boden der idealere Zustand sein. Doch hat auch die Erbsünde das Privateigenthnm nothwendig Ccnstantin Frantz, „Kritik aller Parteien", S. 241. 210 und Zu einem Cülturfaktor gemacht, so ist heute noch für gewisse Arien des festen Besitzes, für Wald, Weide und Wasser das Princip dcs kommunalen oder korporativen, Eigenthums hochzuhalten. Dieser Auffassung entspricht auch das alte deutsche Recht. Wald, Weide und Wasser waren bekanntlich im Mitielalter „gemeine Nutzungen aller Markgenossen". Gerade beim Walde tritt die Verderblichkcit der individualistischen Theorie dcs Liberalismus, die Schädlichkeit der Verfolgung des Privatinteresses gegenüber dem Gemeinwohl, auffallend zu Tage. Die Erklärung des Waldes zum freien Privatcigcnthum bedeutet den Untergang der Forste und damit den Untergang der Fruchtbarkeit des Landes. Der Wald ist wie kaum etwas anderes ei nwichtigerFaktord es Gemein Wohles und soll niemals der freien privaten Benutzung, dem Privatinteresse und der privaten Spekulation ausgeliefert werden. Der Privatbesitzer, welcher seinen Waldkomplex ausrottet, schädigt in den meisten Fällen damit die angrenzenden Besitzer und das umliegende Land, dem er die Feuchtigkeit entzieht oder das er den Stürmen preisgibt. Am Walde haben alle ein Interesse, Gemeinde, Staat und das ganze Volk; ein Volk, welches noch einen reichen Waldbestand besitzt, hat damit in gewissem Sinne seine Zukunft garantirt. So sehr die Forstrechte der einzelnen Landgemeinden hochzuhalten sind, eben so sehr ist die Auslieferung dcs Waldes an die Privaten und die private Willkür Zu ver- nrtheilen. Der Mensch soll nur vorübergehender Nutznießer der Erde und kein Verwüster derselben sein. Der Wald ist nicht nur für das gegenwärtige Geschlecht, er ist für alle Geschlechter und für alle Zeiten vorhanden. Wir dürfen nicht nach dem brutalen Grundsätze: nvus lo ciäluAö! handeln und in herzloser Verfolgung des privaten und zeitlichen Interesses den Enkel berauben. Wir sollen den Wald nur ideell, nicht wirklich theilen. Wir müssen uns abgewöhnen, Grund und Boden vom individualistischen und kapitalistischen Standpunkt aus zu betrachten. Grund und Boden repräseniirt keine Waare und kein Stück Geld, sondern ein Stück des allen gemeinsamen Vaterlandes. Grund und Boden, und damit auch der Wald, ist kein Spielball kapitalistischer und persönlicher Speculation, sondern das festeste Fundament des allgemeinen Wohles. (Fortsetzung folgt.) Zm Mm'.ritinsfmge. Von Adam Hirsch mann, Pfarrer in Schöuseld. Die Kontroverse über die Märtyrer von Agannum scheint nicht zum Abschlüsse kommen zu wollen. Neuerdings liegen zwei wissenschaftliche Publikationen H über den hl. Mauritius und seine Genossen vor, welche weniger darauf gehen, neues Material zu bieten, als einen Ueber- blick über den Stand der Frage zu gewähren. I. Schmid, Professor der Theologie und Domherr in Luzern, erzählt zuerst den wesentlichen Inhalt der Aufzeichnung des Eucherins, Erzbischofes von Lyon 434—450, der von Jsaar, Bischof von Genf, und Theodor, Bischof von Oktodurum, welcher am Grabe der Thebäer gegen 350 die erste Kirche erbaut hatte, über das Er- eigniß von Agannum glaubwürdige Nachrichten erhalten ' ') Schmid, Der bl. Mauritius und seine Genossen. Luzern, 1895, Näber. 31 Seiten. Berg, Der hl. Mauritius und die thebäische Legion. Halle a. S-, Mühlmann's Verlagsbuchhandlung, 1895. 59 Seiten. hatte. Daran reiht sich eine kurze Notiz über die zwekke Recension des Anonymus von Agannum, welcher die Thebäer in Jerusalem getauft werden und in Rom mit Papst Marccllinus zusammentreffen läßt, zugleich die christlichen Soldaten gegen die Bagauden verwendet wissen will. Mit vollem Recht bemerkt Schmid, daß gerade die Jdentisicirung dieses späteren Berichtes mit der eucheri- anischen Passion die meiste Verwirrung in die Untersuchung über die Wahrheit des Martyriums der Thebäer gebracht habe und für viele Forscher Ursache zur Verwerfung der ganzen Ueberlieferung geworden sei. Die Dichter des Mittelaltcrs, die Martyrologicn und Kalendarien schloffen sich fast ausnahmslos an die zweite Recension an, deren Widersprüche den Zorn dcs kalvinischen Predigers Armand Dnbourdicu 1705 herausforderten, so daß er die ganze Tradition als unhaltbar verwarf. Ihm traten entgegen Jos. de l'Jsle 1737, Elens in dem großen Sammelwerke der Bollandisten (Illans. Faxt. VI iora. zum 22. September) 1757, De Nivaz 1779, der wohl die beste Vertheidigung der von Spreng 1756 zu gemeinen Wegelagerern herabgedrückten Thebäer geschrieben hat. Im 19. Jahrhunderte holte Nettberg aus der Rüstkammer Dubourdicus mit völliger Jgnorirung der Arbeiten von Cleus und De Nivaz die längst widerlegten Argumente hervor, fand aber an Braun, Gilpke, Friedrich, Lütolf schlagfertige Gegner. In neuester Zeit haben Ducis, Montmälian, insbesondere Allard ihre Feder in den Dienst der Vertheidigung für die Wahrheit dcs eucherianischen Berichtes gestellt, während Hunziker und Stolle zwar an der Glaubwürdigkeit des Eucherins nicht rüttelten, aber gleichwohl die Zahl der Märtyrer auf einige wenige Offiziere und Soldaten herabzudrücken suchten. So hat Schmid uns ein getreues Bild von dem üterarischen Kampfe für und gegen die Thebäer gezeichnet, wir haben keine der erschienenen Schriften bei ihm vermißt. Gleiches Lob hinsichtlich der Kenntniß und Benützung der einschlägigen Literatur können wir Berg nicht zutheilen, obgleich es der Verfasser S. 13 als seine Aufgabe bezeichnet: „den gegenwärtigen Stand der Untersuchung darzulegen, Wind und Sonne noch einmal zu theilen und soviel als möglich den historischen Kern der Legende zu ermitteln". So kennt Berg die eingehenden Studien des französischen Geschichtsschreibers Paul Allards nicht, der die Anschauung vertritt, daß bei St. Maurice nur ein Hilfscorps (vexillatlo) der Wuth des rohen Maximian zum Opfer gefallen sei. Auch die Arbeiten von Stolle und Schmid sind dem Oberpfarrer von Pyritz entgangen. Aber dessen ungeachtet wagt er die kühne Behauptung, daß die katholischen Historiker, ohne Zweifel aus Rücksicht auf das Tridentinum, °) es sich zur Aufgabe 2) Die Angäbe Seite 10 Anm. 7 aus dem LlartzeroloZina, Ui6ronz'iina.mmi ist jetzt nach der inzwischen erschienenen Ausgabe desselben von De Noffi und Dnchesne im II. November- bande der Leta Lauetormu xag-. 124 (auch separat) zu verbessern. o) In der Anm. 2 Seite 11 weiß Berg zu berichten, daß jede Kritik dcs Lebens, der Reliquien eines Märtyrers oder Heiligen, die nicht aus eine Glorification desselben hinausläuft, für den Katholiken ein äanmanelnm sei, sein Buch in den Index bringe. Aber zu Gunsten der Bollandisten muß Berg selbst eine Ausnahme zugestehen. Wir haben auch nicht gehört, daß Stolberg, der in seiner „Geschichte der Religion Jesu" die Thatsächlichkcit des Martyriums der Thebäer leugnete, oder Knöpfler, der in dem Lehrbuch der Kircheugcschichte Seite 59 211 machen, die Thatsächlichkeit der Legende bis in ihre einzelnen Züge zu behaupten, während die protestantischen sich bis auf verschwindende Ausnahmen negativ verhalten! (S. 11—12.) Nun, Paul Allard ist Katholik, ebenso Schmid, aber gerade hinsichtlich eines Hanptein- wnrfes gegen die Wahrheit des encherianischen Berichtes, der aus der Zahl von 6600 hingemordeten Legionären geschöpft wird, halten sie sich keineswegs krampfhaft an der Legende, ebensowenig der Jesuit Grisar (Zeitschrift für kath. Theologie, Innsbruck 1889, S. 748). Sehr unangenehm berührt bei Berg, der seinen Charakter als protestantischer Oberpfarrer an der St. Mauritiuskirche in Phritz mit Ostentation zur Schau trägt, die ungerechtfertigte Hcrvorkehrnng des confessionellen Standpunktes. „Dem gesummten Heiligen- und Rcliqnien- cultns der kath. Kirche liegt (nach Berg) eine dogmatische Ungeheuerlichkeit zu Grunde. Er ist eben die Erneuerung, das Wiederanf- und Fortleben des antiken Heidenthums in christlichem Gewände. Der Unterschied, wenn er geltend gemacht werden soll, besteht nicht in dem religiösen Werth oder Unwerth der Reliquien, sondern darin, daß die heidnischen, wie lächerlich immer, so doch viel geschmackvoller, decenter, gewissermaßen poetischer sind, das ästhetische Gefühl weniger verletzen, als die christlichen." (S. 5—7.) Auch der alte Vorwarf „der Anbetung der Märtyrer" (Seite 8), der „Vergottnng der Kreatur" (Seite 10) fehlt nicht. Oberpfarrer Berg mag sich für diese dogmatische und historische Verunglimpfung der katholischen Heiligen- und Neliquienverehrnng auf die symbolischen Bücher seines Bekenntnisses: auf die Apologie der Augustana Art. XXI>) und auf die Schmalkaldener Artikel (Abth. II, Art. II) °) berufen, aber schriftsgemäß ist diese Art von Confirmanden- uuterricht sicherlich nicht, wie schon Jansscn gegen Ebrard nachgewiesen hat (Janssen, „An meine Kritiker" S. 32 bis 33). Was nun die Dcccnz der heidnischen Reliquien betrifft, so hätte Berg gar leicht im Octavins des Mi- uucius Felix (Kap. 22 u. 28), in der Mahnrede an die Griechen des Clemens von Alexandrien (Kap. 2), im Goitesstaate des hl. Augustinus (1. VI o. 7, 9) die völlige Haltlosigkeit seiner unbesonnenen Behauptung erkennen können. (Vergl. Döllinger, „Judenihum und Heideu- thum" S. 151, 153, 168, 179, 400, 509.) Aber der Haß gegen die katholische Kirche trübt den historischen Blick. sagt: „cö ist jedoch überaus schwer, den wirklichen historischen Kern, der sicher darin verborgen liegt, überzeugend herauszuschälen", aus den Index gesetzt worden seien. Berg scheint diese Anincrknng nur geschrieben zu haben, um vor der katholischen Geschichtsschreibung, speziell vor Janssen, warnen zu können. Doch welch' protestantischer Historiker bat über Luther so offen und rückhaltSloS geschrieben, wie z. B. Pastor über Alexander VI. im III. Bd. seiner PapstgeschiLtc? ") In der Apologie der Augustana heißt es Art. XXI: „Auch so predigen ihre (der Katholiken) Gelehrten unverschämt, daß jeder untern Heiligen ein sonderliche Gabe könne geben, als S. Anna behüt für Armuth, S. Sebaftiannö snr die Pestilenz, S. Balten für die fallende Seuche, den bl. Ritter S. Jörgen haben die Reiter angeritten für Stich und Schoß und allerlei Fahr zu behüten und daö alles iin Grunde >st von Heiden herkommen." (Müller, Die symbolischen Bücher, 7. Auflage, Seite 228.) 5) Anrufung der Heiligen, heißt cS in den Schmalkaldener Artikeln, ist auch der cndcchrisilichcn Mißbrauchen einer und streitet wider den ersten gaanptartikcl und tilget die Erkenntniß Christi, ist auch nicht geboten noch gerathen, hat auch kein Exempel der Schrift. (Müller, I. o. 305.) Ueber die Nc- liquicnverebrung. worin „w manche ösfcnilichc Lügen und Narrcnwcrk erfunden", drücken sich die schmalkaldener Art kel noch schärfer aus (Müller. I. o. SOI). Ein Mann nach dem Herzen des Oberpsarrers von Phritz ist unzweifelhaft Armand Dnbourdicu, dessen Veranlassung und Beweggründe zur Abfassung einer heftigen Streitschrift gegen die Thebäcr mit behaglicher Breite erzählt werden, obwohl dieselben mit dem eigentlichen Thema in sehr losem Zusammenhange stehen. (Seite 32—34.) Wenn auch manche Behauptungen dcS kalvinischen Predigers vor einer ruhigen Forschung nicht Stand halten, wenn auch gar manches bestrittea wird, was unbestreitbar ist, wie Berg zugesteht, so kann ihm „gleichwohl dankbare Anerkennung nicht versagt werden. Er hat immerhin den Finger schonungslos aus manche Wunde des Katholizismus gelegt und den Nimbus, den dieser um sich zu verbreiten sucht, für den, der sehen kann und will, zerrissen." (S. 37.) Nun, diese Phrase ist belanglos; denn der Katholizismus besteht nicht in der Festfeicr zu Ehren der the- bäischen Soldaten Solnior, Advcntor und Octavius, welche Turin als Sladtpatrone verehrt, besteht auch nicht in den schwülstigen, dem Stile des 17. Jahrhunderts entsprechenden Lobreden eines Jesuiten auf die genannten Soldaten. Trotz der Kritik Dnbourdicus °) ist der Katholizismus bis auf den heutigen Tag nicht untergegangen, ja es hat den Anschein, als habe sich sein Nimbus allenthalben sogar gesteigert. (Schluß folgt.! Ueber Glasmalerei im Fraukenlande nnd die GlaSgemälde der St. Jakvbskirche zu RoLleu- lmrg o. d. Tauber. Von Dr. H. Oidimcinn in Limttch (Rheinland). Es ist eine ausfallende und befremdende Thatsache, daß in den Kirchen des Frankenlandcs einer der schönsten Zweige mittelalterlicher Kunst, die Glasmalerei, so wenige oder vielmehr gar keine Werke hinterlassen hat; heute wenigstens weisen die Krcnzgänge nnd Kapellen, die Kirchen und Dome keine alten Glasgemülde mehr auf; grell und kalt beleuchtet das helle Tageslicht die weißen, mit Gold verzierten Stuckornamcntc der Gotteshäuser in der alt- ehrwürdigen Bischofsstadt Würzburg; die mit einfach blankem Glase geschlossenen Fensteröffnungen starren uns als kahle Löcher aus der Architektur entgegen, ohne irgendwelchen vermittelnden Ucbergang, ein Vermächtniß der „Aufklärung" im 17. nnd 18. Jahrhundert. Ob es wohl immer so gewesen ist? — Das ist kaum anzunehmen; denn es wäre geradezu unbegreiflich, daß am HauptLirknngsplatze eines Tillmann Nicmcnschneidsr, dieses großen, vielbewnndertcn Meisters fränkischer Kunst, daß in der Residenzstadt der knnst- nnd prachilicbenden Würzburger Fürstbischöfe dieser herrliche Zweig mittelalterlicher Kunst so stiefmütterlich behandelt, ja sogar gänzlich vernachlässigt worden sein soll. Es ist undenkbar, daß die Baumeister der Dorne zu Bamberg und zu Würzburg auf dieses unentbehrliche Schmuckmittel der Architektur sollten verzichtet haben. Einzelne Nachrichten bestätigen denn auch, daß es ehedem anders gewesen ist. So wurde um das Jahr 1400 die romanische Kirche St. Burkard im Mainviertel zu Würzburg mit Glas» <9 Die Angabe BcvgS, baß Dubcurdicn 1731 (S. 32) geboren sei, kann unmöglich richtig sein, da derselbe schon 1691 im Gckolgc dcS Herzogö v. Schombcrg nach Tnrin gekommen nnd die kritische Untersuchung über den hl. Mauritius und seine Genossen schon 1705 (wie Berg S. 31 Anm. 4 selbst angibt) im Buchhandel erschienen ist. 212 fenstern versehen. Schon im Jahre 1331 wurde das Douistift verfenstert, die Fenster der beiden Abseiten mit Maßwerk verziert und GlaZgemäldr in dieselben eingesetzt. Im Jahre 1456 wurden die Glasmalereien der Marienkapelle, jener in schönen schlanken Verhältnissen gebauten Hallenkirche, von den Bleideckern gereinigt. Nm 1423 lebte in Würzbnrg ein Glasmaler Hanns Trust. Wie in anderen Städten, so hatte sich auch in Würzbnrg eine eigene Zunft der Glaser und Maler gebildet, welcher schon 1444 vom Rath eine neue Zunftordnung vorgeschrieben wurde. I Niedermähe! führt noch mehrere Einzelheiten an; so wurde noch 1467 für das venedische^) Glas zu den drei Fenstern der Chriacus- Knpelle am grünen Markt zu Würzburg 3 Gulden bezahlt. Um 1470 malte Konrad Lukas aus Breslau auf Tafeln, in Glas und auf Pergament, während sich gegen Ende des 15. Jahrhunderts bei Kuutz Wylandt, dem Glaser alter Art, mehrere Meister ausbildeten. Noch während des ganzen 16. Jahrhunderts und in den ersten Jahren des 17. finden wir in Würzburg Glasmaler; selbst noch zur Zeit des großen Fürstbischofs Julius Echter von Mespelbrunn waren in Würzburg verschiedene Meister thätig; leider war die schöne Kunst damals schon dem Werfall nahe, sonst würde jener hochherzige Kirchenfürst sicherlich in den Kirchen seines Sprengels für ihre Verbreitung gesorgt haben. Fürstbischof Julius hatte so viele Kirchen ausgestattet, daß man ihm nachsagte, es gäbe keine Kirche im Frankenlande, der er nicht das Gepräge seiner Bauart aufgedrückt hätte; er hätte einen Würzburger Stil gemacht?) Im Jahre 1470 erhielt die St. Lucas-Brnderschaft, die vereinigte Zunft der Maler, Glaser und Schnitzer, vom Rath eine neue Satzung. Das letzte Würzburger Zunftbuch wurde 1534 angelegt. Am Stephanstag 1534, da Meister Hanns Stang und Jörg Niemenschneider „geschworene Meister des Maler-, Glaser- und Schnitzerhandwerks der Lukasbruderschaft" waren, wurde beschlossen, die Ordnungen aus den „alten Büchern und Kästen" zusammenzubringen und neuerdings „aus beweglichen Ursachen" niederschreiben zu lassen. Bei Entstehung der Bruderschaft galten, wie auch anderwärts, die Glaser als den Malern durchaus ebenbürtige Künstler, als Glasmaler; im 16. Jahrhundert jedoch wurde auch in Würzburg zwischen Glaser und Glasmaler unterschieden, weß- halb die letzteren „Flosor uust molar" genannt werden. Technisch interessant ist folgende Vorschrift der Würzburger Zunst: „Itom Dia sollorvllonir Iistrirolloiio mit rnviiaolrom pleif. anst llestor scitto vereint aino stir III cll. ärmst mit solellem so! ein stoster meisten äie ankeift ven- LorZen, vnst verstelln stas stas llle^ nit gerindert rvenclt stau rvie üen gellnanell snnst gestalt rvnnät als clemmaell er solollen lon als III eil. mit got vnä er vercliemen vrmst nemen des rviss sicll ein fester meisten 2gv stalten.") H Nicdcrmaycr, A., Kunstgeschichte der Stadt Wirz- burg. 1860. 2 ) Venedisch Glas galt für das beste, daher u. a. die Bestimmung in dem Statut der Stadt Krakan: Xegmer 2 »! vorarbeiten settglas vor svueäiseb glas bei einem i-bunt ivacbs Kusse 26 oü't ber bsgriün rvirt. 2) Niedermähen, a. a. O.: »Dass ever sein ^ug auk Xirebon rvenüt, Das Drankenlanä vor andern kennt. Die scböne Dacb, blaun, Bbürn neu Teigen bald rvas IVürtsburgiseb sex.« *) Vgl. Niedennayer a. a. O. , Also beiderseitige Verzinnung wurde verlangt sowie ! kräftiges Blei. Sonst findet man mittelalterliche Fenster vielfach ohne Verzinnung; wohl die meisten sind einfach an den Knotenpunkten des Bleinetzes verlöthet. Die Zunftordnungen geben überhaupt bezüglich der Technik bemerkenswerthe Aufschlüsse; so belehrt uns das Buch der Malerzeche zu Prag, daß die Bleimühle schon vor dem Jahre 1527 in Gebrauch war, und nicht erst Ende des 16. Jahrhunderts in Aufnahme kam, wie allgemein angenommen wurde. Das Buch der Malerzeche spricht ausdrücklich von gezogenem Blei, nicht von gegossenem,°) Manche merkwürdige Vorschriften findet man in den Zunftsatzungen der verschiedenen Städte, welche auf die Güte vieler alten Arbeiten, auf die Haltbarkeit ihres angeblichen Schwarzloth ein recht schiefes Licht werfen. Einzelne Vertrüge aus dem 14. und 15. Jahrhundert, in welchen bei Bestellung von Glasgemälden ausdrücklich verlangt wurde, daß mit einbrenn baren Farben gemalt werden müsse, haben vielleicht Veranlassung zu diesen Bestimmungen gegeben. So finden wir u. a. in dem Statut der Krakauer Zunft Strafbestimmnngen gegen diejenigen, welche die Farben nicht einbrennen und andere Kniffe gebrauchen?) Verfasser dieses hatte mehrfach Gelegenheit, an alten Denkmälern sich von der zuweilen vorkommenden mangelhaften Haltbarkeit der alten Farbe zu überzeugen, zuletzt noch an Fenstertheilen aus St. Sebald zu Nürnberg. Auf Grund einer eingehenden Unterhaltung mit dem Chemiker und Apotheker Th. Wcigle über die sehr starke Patina auf den dortigen Fenstern sandte derselbe dem. Verfasser folgendes Gutachten: „Nürnberg, den 16. Dezbr. 1893. Wie ich Ihnen gegenüber bei Ihrem Hiersein äußerte, war auf chemischem Wege noch nachzuweisen, ob die auf dem fraglichen Glase befindlichen schwarzen Streifen aus Kienruß und einer Klebemasse bestehen, oder ob dieselben aus schwarzem Glase (Schwarzloth) bestanden. Wie ich Ihnen bereits mittheilte, ist das Glas, aus dem die Fenster der Sebalduskirche bestehen, ziemlich kalkhaltig. Durch die namentlich bei der Hopfenschwefelung in Masse produzirte schwefelige Säure, die ja bald in Schwefelsäure übergeht, bildet sich auf dem Glase ein dichter Ueberzug von Calciumsulfat (Patina). Bringt man nun das Glas in eine Lösung von Kaliumcarbonat, so bildet sich Calciumcarbonat, das mittels einer 6 °/gigen Essigsäure leicht entfernt werden kann. *) Des Buch der Melcrzcche in Prag enthält Seite 1LL in tschechischer Spreche folgende Bestimmung: „Item Beschluß im Betreff dcS gezogenen BleieS. Es ist ein Beschluß der ganzen Zeche zu Staude gekommen; da häufig Schwierigkeiten im Betreff des gezogenen Bleies vorgekommen sind, so heben sie darauf bestimmt, daß sie das nach ihren Privilegien zu thun die Macht haben und selber verkaufen können jedermann, den Einheimischen oder den Bewohnern dieser Stadt, die Juden ausgenommen. Die zu diesem Handwerk kein Recht haben und wer diesen Beschluß übertritt und anders handelt, Hai 2 Schock Meißnisch Strasc ohne alle Gnade zu erlegen. Geschehen im Jahre 1527, am Tags der Heiligen Simon und Juda." Das Buch der Malerzeche in Prag. Herausgcgcb. v. Pros. Dr. M. Paugerl u. Pros. Dr. A. Weltmann. Wien, 1873. Wilh. Branmüller. S. 84. «) Vgl. A. Esseuwein, Die mittelalterlichen Kuustdcnkmale ber Stadt Krakan. Leipzig, F. A. BrockhauS, 1869. Beilage XII, S. XXI. Statut der Maler und ihrer Zunftvcrwandten aus Baltasar Behem's Ooäex Illetorum statuta (Del. 266). »)Vir Ilotbmann üer Ltaä Orokorv bekennen mit äissm briste äas rvir neiniicb vn äew äors tarvsenä tirbunäsrt und xm uervntcmAssten der am äonrstags noeb bartiwlomsi be- Zere unä manche bete unser moler Leo. L:e. Nach vcr- 213 Auf diese Art und Weise gelingt es, die Fenster wieder ganz rein zu bekommen. Bei der oben erwähnten Behandlung des Glases Mit Kalinmcarbonat zeigte sich bei längerer Einwirkung des letzteren, daß die schwarzen Theile des Glases (Konturen und Schattirung) nach und nach verschwanden. Bei weiterer Untersuchung stellte sich nun heraus, daß die schwarze Farbe kein Glasfluß (Schwarzloth) war, sondern daß dieselbe aus Kienruß und Leinölfirniß bestand. Es mag dies als Beweis gelten, daß es auch die Alten nicht verschmähten, aus Ersparnißrücksichten Täuschungen zu begehen." Nähere Betrachtungen anzuknüpfen und Vergleiche zu ziehen, würde uns heute zu weit führen. Im Jahre 1571 noch wurden für die Würzburger Zunft Bestimmungen über die Anfertigung der Meisterstücke erlassen. Von allen Werken dieser alten Meister des Frankenlandes ist nichts erhalten geblieben. Vieles mag der „Aufklärung" der vergangenen Jahrhunderte zum Opfer gefallen sein, vieles wird auch der Bauern- und der Schwedenkrieg vernichtet haben. Noch heute hört man in der dortigen Gegend die bezeichnenden Verse: „Die SLweden sind kommen, Hab'n alles mitg'nommen, Hab'n d'Fenster neig'schlag'n, Hab'ns Blei davontrag'n, Hab'n Kugeln d'raus gössen Und d'Bauern erschossen." Heute ist das Würzburger nud Bamberger Land arm au Denkmälern unserer schönen Kunst. Dies zeigte recht auffallend die „fränkische Ausstellung von Alterthümern in Kunst und Knnstgewerbe" in Würzburg, welche in ihren für eine derartige Kunstsammlung vorzüglich geeigneten Ausstellungsräumen so viel des Interessanten und Schönen bot, aber nur einige wenige Erzeugnisse spätmittclalterlicher Glasmalerei auszuweisen hatte. (Fortsetzung folgt.) Was ist Instinkt? Von H. von Nemagen. (Schluß.) Dazu kommt noch anderes. Wir nehmen eine Reihe von Lebenserscheinungen bei den Thieren wahr, welche uns zwingen, ein ganz eigenthümliches Maß der Seelenthätig- kett anzunehmen, ja, die geradezu über unser Fassungsvermögen hinausgehen. Ich nahm einst eine meinem Freunde gehörige Brieftaube an einem Tage, wo dichter Nebel über Berlin gelagert war, zur Mittagszeit mit mir in einen weit entlegenen Stadttheil, um sie dort fliegen zu lassen. Wir hatten unsere Uhren übereinstimmend gestellt. Ich band der Taube einen Zettel an den Fuß mit der Notiz: Punkt ein Uhr. Um diese Zeit sollte ich sie, der Verabredung gemäß, loslassen. Nach zwei Minuten fünfzehn Sekunden kam sie vor ihrem Schlage an. Wie konnte das Thierchen sich in dem Häusermeer, wie konnte schiedencn anderen allgemeinen Vorschriften: Von lleu Klarern: ^Velck gla^er otk §Ias malst null llas nickt )n elom lsevr zmkrsnnet eins )'s teste ller Mlls ii,j ( 3 ) g-r, Kusse seev Karussell 20 ker keZritkeu rvirt null rvorlls zmanllt okr llrsze mal lle§riüsu lleu rat wau uns rotknumueu oü'su- karn. dlz'manät 2al mit krots aller mit rvackss lockor verkleben kvz? ij ( 2 ) uknut rvaeks Kusse snnller man ?al arbeitn mit crin null mit bls^ null sust als reckt ist.« es sich in dem Nebel, durch den man nicht hundert Schritte weit sehen konnte, orientiren? Man wird sagen: wer kann wissen, wie oft diese Taube schon über der Stadt hin und her geflogen war! Wohlaw; wenn aber die Brieftauben in ihrem Käfig im verschlossenen Eisenbahnwaggon, Tag und Nacht unterwegs, von Berlin nach Aachen gebracht werden und dort, sobald sie freigegeben sind, völlig orientirt sind, nach welcher Richtung ihre Heimath liegt; wenn sie nur in einigen schnellen Kurven sich in hohe Luftschichten erheben, um darauf mit der mehr als doppelten Schnelligkeit eines Eisenbahnzuges direct heimwärts zu eilen, wie dann ? Freilich kann der Anatom uns durch Vergleichung des Knochenbaues und dcS Muskelapparates dieses Vogels mit anderen seine besondere Begabung für schnelles Fliegen augenscheinlich beweisen; aber wo ist denn der Magnet verborgen, der diese unerklärte Thatsache begreiflich macht, den unauslöschlichen Zug zur Heimath; wo ist der Kompaß, der die untrügliche Sicherheit verschafft, die Heimath aufzufinden? Oder sollte wirklich die Taube von Aachen bis Berlin sehen können? Würde nicht diese enorme Gabe des Fernsehens noch räthselhafter sein, als der Heimaths- sinn selber? Uebrigens berechne ich, daß, wäre die Erdoberfläche eine gleichmäßige Kugelfläche, eine Erhebung von 30/4 Meilen nöthig sein würde, um von Aachen aus das achtzig Meilen entfernte Berlin am Horizont auftauchen zu sehen. Aber nur der Kondor kann zu einer Höhe von nahezu einer Meile sich erheben. Dazu kommt noch, daß das Thierchen seinen Flug bei trüber wie klarer Luft gleich sicher ausführt. Hier stehen wir also vor einer Erscheinung, die über unsern Horizont hinausgeht. Unsere Seele ist eben mit keiner analogen Kraft begabt, von der wir auf die Kraft des Heimathfinnes bei den Thieren schließen könnten. Wir stehen hier, wie bei dem Heimaths- und Wandersinn so vieler Thiere überhaupt, vor einem schöpferischen Original, das wir vernünftigerweise nur als die Gabe eines bewußten Gebers anzuerkennen haben. Nicht weniger als das eben beleuchtete Beispiel tragen die sogenannten Verirrnngen des Instinkts das Gepräge des Wunderbaren. Bekanntlich ist die Königin im Bienenstock das einzige Wesen, welches jene Eier legen kann, aus denen Arbeitsbienen entstehen. Zwar können auch gewöhnliche Arbeitsbienen Eier legen, und auch aus diesen entstehen — wunderbar genug ohne Paarung — lebendige Wesen; aber diese sind ohne jedwede Ausnahme Männchen, sogenannte Drohnen, die wohl fressen, aber nicht arbeiten können. Nun wird ein Volk seiner Königin und zugleich der Möglichkeit beraubt, sich eine neue zu erbrüten. Beides kann leicht geschehen, und geschieht oft genug. Was erfolgt nun? Es geht eine ganze Reihe von Arbeitsbienen daran, möglich viele Eier zu legen. ES treibt sie der Instinkt, den Stock vor dem AnSsterben zu retten; aber e§ ist ein verirrter Instinkt; denn durch die Erzeugung einer Unzahl von Drohnen geht der Stock um so sicherer seinem Ruin entgegen. Nun kommt im August die Zeit, wo die weiselrichtigen Völker ihre Drohnen tödten. Unser Stock aber tödtet keine; im Gegentheil, die wenigen Arbeitsbienen, die noch vorhanden sind, fliegen sich fast zu Tode, um ihren Drohnen das nöthige Futter herbeizuschaffen. Es treibt sie abermals der Instinkt, diejenigen am Leben zu erhalten, welche zur Paarung dienen sollen für die Königin, die nach ihrer Meinung (daß ich so sage) doch noch irgendwoher kommen könnte. Es liegt anf der Hand, daß an dieses Beispiel 214 zehnmal mehr Fragen geknüpft werden könnten, als der gründlichste Kenner des Biencnlebens beantworten kann. Uns ist es für jetzt nnr um ein Beispiel zu thun, das uns schlagend zeigt, wir haben eS bei den verschiedensten Thiergattnngen mit instinktiven Kräften zu thun, die uns zu der Annahme einer besonderen seelischen Begabung der Thiere unweigerlich zwingen. Um nun das Wesen dieser besondern Begabung richtig zu erkennen, überblicken wir kurz daZ ganze Gebiet der seelischen Thätigkeit. Nach drei Seiten äußert sich die Wirksamkeit der menschlichen Seele, nämlich als Denk-, Gefühls- und Begehrungsvermögen, und diese drei Kräfte haben im Thiere in gewissen Schranken ihre Analogien, und gerade auf diese Schranken kommt es an. Kann dein Hund denken? Diese hochinteressante Frage tritt oft an uns heran. Sie muß durchaus verneint werden, und in dem engeren Sinne des Wortes „denken" mit vollem Rechte. Allein der Begriff „denken" umfaßt vielerlei: Gedächtniß, Phantasie, Verstand und Vernunft. Die unterste dieser vier Stufen, das Gedächtniß, kommt dem Thiere zu, und zwar in einem beschränkten Maße, nämlich als Gedächtniß mechanischer Bewegungen. Das beweist schon jener Hund, der, als er einmal die Pforte zu offnen durch Zufall gelernt hatte, sie ferner zu offnen wußte. Herr Z. verkaufte ein Pferd. Jahre und Tage vergingen; er hatte längst seinen Fuchs vergessen. Da fährt eines Tages der Käufer am Gutshofe vorüber, und ehe er sich's versieht, ist der Fuchs durch das Thor auf den Hof getrabt. „War das nicht unser alter Fuchs?" fragte der Herr den Kutscher. „Ja wohl", sagt der, „er muß unsern Hafer noch nicht vergessen haben." „Wie lauge ist es denn her, daß er nicht mehr auf dem Hof war?" „Das muß ja wohl schon an die zehn Jahre sein," lautete die Antwort. Auch das historische Wiehern des Pferdes, das dem Darms, det HystaSpes Sohn, die persische Königskrone einbrachte, war Sache des Gedächtnisses. Aber kann dein Hund fühlen? will ich nun einmal fragen. „Ohne Zweifel," entgeguet jeder, der einen Hund besitzt. Aber was kann er denn fühlen? Schläge thun ihm weh, und Liebkosungen thun ihm wohl, mit andern Worten: das Thier empfindet sinnlichen Schmerz und sinnliche Lust. Damit ist aber auch sein Gefühlsvermögen zu Ende. Diese Gesühlsthätigkeit bezeichnet abermals die unterste Stufe einer Leiter, auf der wir höher hinauf Gefühle für das Schöne und Häßliche, für das Wahre und Unwahre, für Recht und Unrecht, Pflichtgefühl und — je mehr diese alle abgestumpft sind — Selbstgefühl finden, die sämmtlich nur dem Menschen eignen. Aber endlich: kann dein Hund etwas begehren? Die Frage ist fast lächerlich. Begehrt er denn nicht Futter und, wenn er angelegt wird, Freiheit? Wohl. aber damit ist die Frage noch nicht beantwortet. Denn Begehrungsvermögen ist Trieb, dann Willkür und zuletzt freier Wille; und wiederum kommt die unterste Stufe von diesen dreien den; Thiere zu. Es regt sich in ihm der Trieb zur Fortpflanzung, und dieser geht auf die Erhaltung des Individuums. Nun sind wir offenbar dem Begriff des Instinkts nahe, denn alles, was wir so nennen, dient diesen beiden Zwecken: der Sclbsterhaltuug und der Erhaltung der Gattung. Der Instinkt erscheint recht eigentlich als die Kraft, die in dem Kampf um das Dasein auch dem schwächsten Geschöpf die Existenz sichert, indem sie ein Gegengewicht bildet gegen die Uebermacht der sinnlichen Triebe. So ist er denn im Grunde ein angeborenes AhiinngsverMögen für das zur Selbsterhaltung Dienliche. Dieses Ahnnngsvermögen ist im Thier weit entwickelter und reger als bei uns Menschen. Und das hat seinen Grund. Auch in uns gibt es instinktive Ahnungen; aber der Instinkt unserer Seele wird durch das Ueberwiegen der Entwicklung des Erkenutuißvermögens von Hause aus weniger geweckt, durch das Urtheilen aus Gründen überall zurückgedrängt, zumal aber durch die Entscheidung unseres Willens durchweg geradezu aufgehoben. Beim Thiere dagegen, durch alle diese Faktoren unbeeinflußt, entfaltet er sich frei und wirkt frei; das Thier findet ohne Erfahrung, ohne Schlüsse, ohne Wahl die seinem Zweck dienenden Mitte! und Wege. Dennoch ist etwas dem thierischen Instinkt Achn- liches in unserer Seele vorhanden, ich meine die Antipathien und Sympathien. Vermöge dieser unwillkürlichen Zu- und Abneigungen ahnen auch wir Gutes und Böses, das sich uns naht, ohne uns der Gründe dieser Ahnungen bewußt zu werden. Hieraus erklären sich zwei Thatsachen. Einmal die, daß auf niederen Stufen der geistigen Entwicklung, wie bei Ungebildeten und bei Kindern, der Instinkt stärker ist, als bei geistig entwickelten Menschen. Es gilt auch hier das inhaltsreiche Wort: „Was kein Verstand dcr Ncrstäiidiacn ficht, Das übet in Einfalt ein kindlich Gemüth." Sodann, daß das vollkommenste Maß des Instinktes gerade der Thierwclt gegeben ist, weil er in ihrem Seelenleben die Ueberlegnng und den Willen gewissermaßen ersetzen soll. Cuvier,' dcr von den Darwinisten verspottete Forscher, sieht offenbar zehnmal schärfer, als seine von Vorurteilen geblendeten Gegner, wenn er sagt: „Die Thiere werden beim Instinkt gleichsam von einer angeborenen Idee als einem Traum verfolgt. DaZ, was diesen Traum erregt, kaun nur die nach vernünftigen Gesetzen wirkende, organisirende Kraft, die Endursache des Geschöpfes selbst sein." Gewiß, nur nicht occasioualistisch, in jedem einzelnen Falle, sondern wie Professor Wigand sagt: „So gewiß, wie in der Natur alles göttliche That ist, so gewiß geht in der Natur alles natürlich her. Gott hat durch freie That die Gesetze so gesetzt, daß in dem gesetzmäßigen Verlauf gerade sein Wille sich verwirkliche."*) Man könnte auch sagen: Gott hat beim Akte dcr Schöpfung jede Thiergattung mit dem ihr eigenthümlichen Instinkte als einer originalen, bleibenden Mitgift begabt. Da nun aber in der Thierwclt für den Zweck der Erhaltung der Gattung die Erhaltung des weiblichen Jn- ! dividuums von größerer Wichtigkeit ist, als die des männlichen, und die Erhaltung der Gattung wenigstens die eine Seite, wie wir sahen, des Zweckes alles Instinktes ist, so scheint es, als ob durchweg in dcr Thierwelt der Instinkt des Weibchens lebhafter und feiner ist, als der des Männchens. Ganz ausfallend ist diese Erscheinung bei den Bienen. Während die Drohne überwiegend „dick, dumm und gefräßig" erscheint, zeigt sich die Königin, um das mindeste zu sagen, graziös in ihren Bewegungen, schüchtern und scheu vor jeder Beobachtung, waS aber die Existenz des Volkes betrifft, vielfach so klug und berechnend, daß es nicht mehr bloß wunderbar, sondern geradezu erstaunlich ist. Um nur eines cmzn- *) Zntfragcn dcS christlichen VvlkcS. Bd. III, 5 und 6. 215 führen, so sind, wenn der Nachschwarm auswandert, oft zehn und mehr reife Königinnen in ihren Zellen. Jede hat Mit ihren scharfen Schneidezangen den Deckel so abgeschnitten, daß er wie an einem kleinen Scharnier hängt, jede hält den Deckel von innen zu. Jetzt kommt es auf den Moment an, wo die bisherige Königin den Stock verläßt. Die nun zuerst aus ihrer Zelle stürzt, ist die neue Herrscherin. Sie eilt sofort in fliegender Eile durch die Gassen ihres Reiches, und wehe einer Nebenbuhlerin! Sie würde sofort erstochen werden. Sie findet aber höchst selten eine; denn jene andern, die den entscheidenden Moment versäumt haben, bleiben ganz still in ihren Zellen; sie halten den Deckel von innen Zu und stecken nur dann und wann den Säugrüssel aus der Spalte hervor, woraus sie sofort von den Arbeitsbienen vermittelst des Rüssels mit Honig gespeist werden. Sie warten aus den Abzug eines neuen Nachschwarms, um dann den günstigen Moment besser wahrzunehmen. Welch eine Rivalität, welch eine Vorsicht! Ich glaube nicht zu irren, wenn ich sage, daß auch bei andern Thierartcn das Weibchen ausgesprochene instruktive Vorzüge vor dem Männchen hat. Die Kenner der Pferde und der Jagdhunde werden dies bestätigen. Das steht jedenfalls fest, daß überall bei der Fürsorge für die Jungen das Weibchen dem Männchen in jeder Hinsicht es weit zuvorthut. Der Fuchs wenigstens, der sonst doch so scharfen Instinkt hat, bekümmert sich absolut gar nicht um seine Familie, sondern überläßt Pflege und Schutz gänzlich der Füchsin, die ihrerseits allerdings das kaum Begreifliche leistet. Würde es nun irgend einen Werth haben, die Instinkte der Thiere als Anfänge oder Keime der analogen geistigen Fähigkeiten deS Menschen anzusehen? Bekanntlich hat dies Darwin gethan in der Absicht, zu zeigen, daß schließlich die Fähigkeiten der Mcnschenssele sich durch eine allmählich gewordene Steigerung des thierischen Instinkts herausgebildet haben. Dieser Grundfehler führt aber schließlich zu jenem drastischen Unsinn, den Wigand verspottet, wenn er sagt: „Die Menschen bauen Wiegen, die Bienen bauen auch Wiegen; die Weiselwiegen der Bienen werden gelegentlich zu Vorrathskammern benutzt; auch die Kindcrwtegcn können gelegentlich als Vorratskammern dienen; folglich — wird Hnckcl sagen — ist der Mensch nur eine Art vollkommener Biene." Nein, Taube und Thauwurm, Fuchs und Fisch, Infusorium und Mensch sind „ein jegliches in seiner Art" originale Schöpfungen eines und desselben Gottes, der eine jede Gattung mit ihren ihnen eigenthümlichen Gaben ausgestattet hat. Wir reden wohl von einer Thierseele, und thun es auf Grund gewisser analoger Erscheinungen des thierischen LebenöprincipS mit der menschlichen Seele. Aber wer kann es sagen, ob nicht der ganze Begriff der Thiersccle ein irriger, ob nicht die Seele des Thieres eine von dem menschlichen Lebensprincip doch gründlich verschiedene Schöpfung ist, sowie, trotz vieler Achnlichkeit :in Lampenlicht verschieden ist vom Licht der Sonne. Jedenfalls stellt das Wort der hl. Schrift, Pred. 3, 21, wie es auch verstanden werde, einen „himmelweiten" Unterschied fest zwischen Menschen- und Thierseels, und spricht der letzteren die Fortdauer ab. Erkennen wir stets nur die unendliche Mannigfaltigkeit und Fülle der Schöpfungen Gottes an, so haben wir das wahre Ziel vernünftiger Naimbetrachtnng erreicht. Recensionen und Notizen. * Erbauungsliteratur: Nazareth, Audachtsbuch für christliche Mütter, die sich eine glückliche Entbindung erbitten wollen. Von Pfarrer D. I. Faustmann. Verlag der F. X. Buchcr'schcn Verlagsbuchliandlung. 5. Auflage. Preis 75 Pf., gebd. 1 M. —Jesus, Bräutigam reiner Seelen. Lehr-und Gebetbuch für Jungfrauen, die in der Welt oder im Kloster leben. Von Pfarrer vr. I. A. Keller. Verlag der Alsousus- Buchhaudlung in Münster in Westfalen. Preis geb. M. 1,30' bis 4,50. — Kleines Ablaß buch. Auszug äuS ?. Fr. Beringcr's „Die Ablässe, ihr Wesen und Gebrauch" von I. Hilgers, Priester der Gesellschaft Jesu. Verlag von Fcrd. Schöuingh in Paderborn. Preis 3 M. (Zur Belehrung und zum Gebrauch sehr nützlich.) — Gehet zum hl. AntoniuS. Gebet- und Erbauungsbüchlcin für die Verehrer des hl. Antonius nebst einer Lcbciisskizze von ?. Arsenius Dotzler, Franziskaner- Priester. Verlag von A. Eöbel in Würzburg. 172 S, Preis 50 Pf., geb. 75 u. 90 Pf. Grnndzüge der Philosophie. Von Dr. Braig. Verlag von Herder in Freiburg. s der stattlichen Zahl von Lehrbüchern der Philosophie fürStudirende tritt die Edition des Herrn Dr. Braig, welcher als Vertreter der kathol. Philosophie an der Universität Fret- burg i. B. wirkt. Das ganze Werk soll aus 10 Theilen bestehen, und in den nächsten 3 Jahren vollendet sein; sie werden Pro- pädeutik, Logik, Noötik, Ontologie, Physik, Psychologie, Psyche- physik, Ethik, Aesthetik, Theologie (d. h. Neligiousphilosophie) behandeln. Die Logik ist bereits erschienen (gr. 8° VIII, 141S. Preis 2 M.). Das Buch weist eine für den Zweck als Lehrbuch sehr geeignete Anordnung des Stosses auf und wird hic- durch, sowie durch seine Präcision und Klarheit der Darstellung sich ohne Zweifel viele Freunde crweebcn. Nirschl, I)r. Joseph, Domdechant in Würzburg. Das Grab der heiligen Jungfrau Maria. Eine historischkritische Studie. Mit 3 Abbildungen, gr. 8°. (XII u. 118 S,) 1,80 M. Mainz, Franz Kirchheim, 1896. b Nach alter Tradition ist die sel. Jungfrau Maria in Jerusalem begraben worden. Nach einer andern Meinung, welche die fromme Anna Katharina Emmerich in ihrem Leben Mariä vorträgt, wäre das Grab der Gottesmutter auf einem Berge bei EphesuS zu suchen, wo in neuester Zeit Nachgrabungen und Forschungen angestellt wurden. Die Ilnhaltbarkcit dieser Meinung weist der gelehrte Verfasser mit durchschlagenden Gründen nach. In Betreff der frommen Dulderin von Dülmen wird ausgeführt, daß ihre Betrachtungen historische Nichtigkeit weder beanspruchen wollen, noch können. Nach diesem polemischen Theil wird unter Herbciziehnng aller zugänglichen Zeugnisse der positive Beweis für das Grab Mariä in Jerusalem mit einer Schärfe und Sicherheit erbracht, welcher wohl zur definitiven Erledigung dieser Streitfrage genügen dürfte. Heft 13 des Deutschen Hausschatzes führt die ergreifende Erzählung von Helene Erhardt: Verschiedene Wege, zu Ende und beginnt den meisterhaften Noman von Melati von Java: Das Düberlh-Geheimniß, der ebenso sehr wie Prada allgemein fesseln wird. Der Noman von Karl May: Die Jagd anfdcnMillionendieb, findet seine Fortsetzung. Außerdem enthält das Heft die fesselnde kleine Erzählung von Flodatto: In GotteS Hand. Von dcnArtikcln erwähnen wir namentlich den Besuch in Krupps Etablissements von Karl Kollback, der nmsomehr iutcr- essiren wird, als nur sehr wenigen vergönnt ist, Einblick in das großartige Werk zu erhalten; dann den sehr lehrreichen Aufsatz über die Lebensdauer des Menschen von vr. A. Kellner, die inhaltreiche Erörterung über das bulgarische Schisma von Otto von Schaching und die humorvolle Schilderung der Hofnarren von M. Schüler. Von der Anführung der zahlreichen kleinen Beiträge müssen wir absehen. Die Illustrationen sind zahlreich und geschmackvoll. Litterarischer Hanbwciser, begründet, herausgegeben und redigirt von Msgr. Dr, Franz Hnlskamp i» Munster. 24 Nrn. ä 2 Bogen Hochgnart für 4 M. P. Jahr. 1896. Nr. 5. Inhalt. Kritische Rcferare über: Haiuvol lles controeens didlignsg üs8 xroilicateurs (Dcppe), Fonrer Korca'S Märtyrer und Missionäre und Nenmann Leo Dupout (Dcppe), Acz. Müller DaS Marterthnm der thcbäischen Jungsraucn (Steffens), v. Posson-IVosierstzl, 216 I)s trlkn8 opiaeopia 8I08vio. I'rimis und vs Lka§. Lstamo. vrernmwi (Wurm), Erb Das LUcstcr Nheinan und die helvct. N-volution (G. Meier), Finke Laiuprc.cht über die kirchlichen »nd kirchcnpolitischcn Verhältnisse zu Ende des MittclaltcrS (Sl. Pieper), Pknroan-Van gll.r 8t. voruarüin äs 8ionna (Paulus), Pfister Der Dom zu Bambcrg (Hcimbucher), I. Wein Die musikal. Instrumente in den Büchern deS Alten Testamentes (W. Däumkcr), H. Pcsch Grundwahrheiten der christlichen Gesellschastölchre (Huppcrt). — 13 Notizen über Adoli Arudcr'S Leben und Schriften, Braig'S Grundzüge der Philosophie, Atzbcrgcr's Geschichte der voruicäuischen Eschatologie und verschiedene andere neue Erscheinungen (Hüls- kamp). — Novitätcn-Ncrzcichniß. Der Katholik. Ncdigirt von Joh. Mich. Naich, 12 Hefte, At. 12. Mainz, Kirchhcim. Inhalt von 1896. Heft VI, Juni. DaS Beichtgeheimnis vor Gericht. — vr. Selbst, Die Bibclwissenschaft des Protestantismus im Kampfe gegen das Alte Testament. — vr. L. Bendix, Die Deutsche Ncchtseinheit. — v. Kcnrad Eubcl, Der hl. Pbilipp von Zell im BiSthnur Speycr. — Zwei Kundgebungen in Sachen der christlich-socialen Geistlichen. — Literatur: 3. Xuakenkauar, 8. 3., Oom- montarins in guatnor s. oranZolia Oomiui hl. 3. OK. — Va vraueo ekrötleuno clans 1'kistoiro.— vr. Alois Knöpf ler, Johann Adam Mähler. — Vr. äs vummelauer, 3. ll., hloelitationum et contomplationum punota s. I§natii elo voz-wla. — Miscelle: Zur religiösen Stellung Albrechts V. von Bayern. Historisches I a h r b u ch der G ör r es g esel l s ch äst. CommissionSvcrlag von Herder u. Cic., München. XVII. Jahrgang. 2. Heft. Inhalt: Aufsähe: Helmolt, Die Entwickelung der Grenzlinie aus dem Ercnzsaume im alten Deutschland. Lang, Passauer Annalen. Forschungen zur Passauer Geschichtsschreibung im Mittclaltcr. Meister, Zur Kenntniß des venetianischcn Chiffrewesens. — Kleine Beiträge: v. Funk, Die Zeit des ooäsx vossanonsis. Falk, Zur Geschichte der öffentlichen Vüchcrsaiumlungcn Deutschlands im 15. Jahrhundert. — Recensionen und Referate: Mirbt, Quellen zur Geschichte des Papst thumS (G ic tl). v. Zallinger, Das Verfahren gegen die landschädlichcn Leute in Süddcntschland (Beyerle). Oeniklo-Okatolain, Okartniarinm vni- rorsitatis varisisnsis III — ^.netarinm I (Ortercr). — Zeitschriftcnschau. — N o v i t ätc ns ch au. — Nachrichten: Neue Unternehmungen. — KantauSgabc der preuß. Akademie. — Funde. — Archivalicnaustausch zwischen Bayern und Oesterreich-Ungarn. — Bayer. Gruppe der Gesellschaft für deutsche Literatur und Schulgcschichtc. — Preiöerlhcilungcn und Prcisausschrciben. — Vierter internationaler wissenschaftlicher Katholikencougrcß. — Streitfrage über den Ursprung deS siebenjährigen KrjegeS. — Nekrol. Notizen. — Erwiderung Sepx- Grupp. Miscelten. ll. O. (Kirchlicher Auflösungsprozeß in Lnthcr- anismuS.) Msgr. Falliza, apostol. Vikar von Norwegen, berichtet in Nr. 0 „Die kathol. Missionen" (Juni-Hcst) von cincni „neuen, außerordentlichen Zeichen der Zeit auf protestantischem Gebiete". Der hervorragendste lutherische Dogmatiker NorwcgcuS, vr. Krogh-Touniug, der einen sehr großen Anhang im Klerus der StaatSkirche besitzt, veröffentlicht eben im „Morgenblatt" (Christiania), dem Hauptorgan der lutherischen, orthodoxen, conservativen Partei, eine Reihe von Artikeln unter dem Titel „Der kirchliche Auflösungsprozeß rc." In diesen Artikeln weist er nach, daß der Protestantismus, speciell der Lutheranismus, in Auflösung begriffen ist, weil er die apostolische Succession verloren, die Unfehlbarkeit des kirchlichen Lehramtes leugnet, die Bibel allein als ElaubcnSnorm aufstellt und so Glaubens- und Sittcnlehre, Guadenmittcl und Organisation der Kirche selbst der persönlichen Auffassung und Deutungswillkür des Einzelnen preisgibt. In einen: seiner letzten Artikel sagt er ohne Vorbehalt: „Es gibt faktisch keiiw größere Kirchenabtheilung mehr, welche positiv und bekenntnißmäßig den ganzen, unverkürzten Christenglauben bewahrt hätte, außer der katholischen Kirche." Msgr. Falliza weist nun darauf hin, daß diese Thesen im lukhcr. Norwegen öffentlich aufgestellt werden von einem luthcr. Theologen, ohne daß irgend Jemand seine Stimme dagegen erhebt; ebenso wie erst neulich constatirt werden konnte, daß kein einziger norwegischer, lutherischer Theologe gegen die These desselben Verfassers Einspruch erhob, nach welcher die Lutheraner durch eine „stille Reformation" die wesentliche Lehre der Reformatoren ausgegeben und zu der Gnadenlehre der katholischen Kirche zurückgekehrt sind. Im Gegentheil — auch andere lutherische Theologen, z. B. Bröchln ann, sind seither in ihren Schriften mit derselben Entschiedenheit für die katholische Gnadenlehre eingetreten. ll. 6. (Der Ukercwe-Archipcl auf dem Victoria- Nyanza-Sce.) Vor einiger Zeit haben wir Näheres über den Sessc-Archipcl im Norden deS Nyauza mitgetheilt. Im Machest der „Katholischen Missionen" berichtet der Missionär v. Brard Näheres über die bisher noch gar wenig bekannten Ukerewe-Juseln im Süden bezw. Osten dieses großen Sce'S. Die Jnselreihe setzt sich zusammen aus etwa zwanzig bewohnten Eilanden. Die Hauptinscln sind: Ukcrewe mit 50,000 (!) Einwohnern, Ukara mit 10,000, Jrugwa 4000, Bwiro 2000, Naufuba ebenfalls mit 2000 Einwohnern. Die andern Inseln sind auch stark bevölkert, so das; vie Ge- sammtzahl der Bewohner dieses Archipels 150,000 beträgt. Die Eingeborenen theilen sich in die Stämme und Basita und Baruri; Völkcrstämme, welche in Sitte und Cultur den Ba- L-ukuma nahe stehen. Vier kleine Könige, vom Häuptling Lukonge erst vertrieben, von den Dcurschcn aber wieder eingesetzt. theilen sich in die Herrschait dieses JnsclrcichcS im „Meere deS süßen Wasserö". WaS nun daS ChristianisirungSwerk dieses Archipels betrifft, so ist sein Erstehen der göttlichen Fügung zu verdanken. Vor 3 Jahren wollte ein junger Mann aus dem Heidenthum zum Mohammcdanismns übergehen und sich deßhalb zu Arabern in den Unterricht begeben. Die Vorsehung führte seine Barke nach Bnkuiubi (der Hauplstation der kath. Mission). Er entschloß sich, erst die katholische Religion kennen zu lernen. Dieselbe gefiel ihn: derart, daß er nicbls mehr vom Islam wissen wollte. Nach einem Katechumenar von 3 Jahren erhielt er die heilige Taufe. Im Jahre 1L92 wurde er Katcchist auf der Insel Ukcrewe und ist beute Vorsteher eines Christen- dorfcS von 290 Einwohnen:. Ende des Jahres 1895 befanden sich auf dem Ukcrewe-'Archipel 600 Katecbumcncn; 4 Kapellen — für dieses Land „monumentale Bauten" — erheben sich über die elenden Hütten. Wenn keine äußeren Schwierigkeiten eintreten, wird sich daS Christenthum auch auf Ukcrewe — gleichwie cS auf Sesse der Fall — folgcrcich entwickeln. ll. 0. (Die Armenier in Rußland.) Bekanntlich sind die Armenier ein geistig hochbegabtes Volk — und sind für daS Lanv, in welchem sie nicht geknechtet, gerade kein Unglück; das beweisen sie in russisch Armenien — in Kaukasicn. Nach russischen Berichten kommt Kautasicn durch die Armenier immer mehr empor. DaS Land ist sehr fruchtbar, jedoch schlecht bestellt. Für einen geringen Preis erwerben die Armenier Grund und Boden und gelangen rasch zu Reichthum und Macht, so daß der beste Theil des Landes, sowie Handel und Industrie immer mehr ausschließlich in ihre Hände kommen. Sie halten fest zusammen und arbeiten sich gegenseitig in die Hand, was um so leichter geschehen kann, da sie zahlreiche und wichtige Aemter inne dabei:. Sollen doch nach der „Nowoje Wrcmja" in den kaiserlichen Finanzen 38 °/„, in der Gcrichtö- ve: Wallung 40 °/o, in den StaatS-Domänen 50 und inr Ministerium des Innern sogar 70 °/o der AmtSstellen mit Armeniern besetzt sei::(!). ll. 6. (Rühmliches Urtheil eines protestantischen Geistlichen über die katholische Mission in Nordamerika.) Ein höherer Geistlicher der englischen Hochkirche — Reynolds Hole— vav. 8. — schreibt in seinem unlängst erschienenen Ncisebuche über die Vereinigten Staaten in Bezug auf die Mission und die Katholiken: „Ich bewundere aufrichtig ihren begeisterten Eifer, durch den Amerika (Bereinigte Staaten) mehr als 10,000 Kirchen und mehr als 6 Millionen Gläubige auszuweisen hat. Nicht bloß sind ihre Kirchcnbautcn die schönsten — keine Kirche in New-Uork kann sich mit der St. Patricks- Kathedrale vergleichen —, sondern sie werden auch zu gotteS- dienstlichcn Zwecken mehr besucht, als andere Plätze der Gottes- vcrcbrung. Obgleich schon drei amerikanische (anglikanische) Bischöfe in den Ncucugland - Staaten an der Arbeit waren, bevor der erste römische Bischof John (Carrol) auftrat, hat doch die katholische Kirche zehnmal mehr Fortschritte ge- gemacht, als die unsrige. Dieses Ergebniß ist die Frucht langer, mühevoller und geeinigter Arbeit und jener edcl- mülhigen Opfer an Zeit und Geld, Zie selten ohne Erfolg bleiben." ^A-Igtlilv. Redacteur: Ad. Haas in Augsburg. — Druck u. Verlag des Lit. Instituts von HaaS L Grabhcrr in Augsburg.