kip. 28 10. M 1896. Friedrich Nietzsche. Ein Antichrist der Gegenwart. Von Joseph Popp. „Er wird Reden gegen den Allerhöchsten c>us- stotzen, und die Heiligen des Allerhöchsten aufreiben, und wird meinen, Zeit und Gesetz ändern zu können: sie werden in seine Hand gegeben werden bis auf eine Zeit und zwei Zeiten und eine halbe Zeit. Und das Gericht wird sich setzen, damit die Gewalt ihm genommen, zerschlagen und vollends vernichtet werde." Dan. VII. 25. Diese großartige Vision des Propheten Daniel, in welcher er den Antichrist in seinem vorübergehenden Sieg und dauernden Untergang schaut, paßt ganz genau auf den Modephilosophen der Gegenwart, auf Friedrich Nietzsche, der als letztes Werk einen „Antichrist" veröffentlicht, sich selber also nannte und in diesem Namen sich rühmte. Er meinte. Alles ändern zu können; eine „Umwerthung sämmtlicher Werthe" war sein titanenhaftes Unterfangen — mancher hat sich in seine Kreise locken lassen, immer mehr folgen; Nietzsche selber liegt mit gebrochenen Schwingen auf der Erde — er ist seit sieben Jahren wahnsinnig. Ob Nietzsche zum Antichrist überhaupt wird, ist nicht deutbar; sein Geist aber ist der Geist des Antichrist: leidenschaftlichster Gotteshaß klingt aus dieser mänadischcn Seele in hundert Tönen. Man kann Nietzsche unter den verschiedensten Gesichtspunkten betrachten, wie denn auch eine fast unübersehbare Hochfluth von Artikeln, Essays, Studien, Broschüren und Büchern sich des Mannes bemächtigt, um dessen Einfluß auf die Gegenwart zu schildern. Wir betrachten das Individuum Nietzsche psychologischpsychiatrisch, weil seine Ideen ihren Untergrund nicht in objectiv Gegebenem, sondern in den persönlichen Empfindungen und Anschauungen einer krankhaften Natur haben; auch erweitert sich dadurch unsere Nietzsche-Studie mühelos zu einer cultur-psychologischen Skizze des modernen Geisteslebens, dessen concreteste Erscheinung unser Philosoph ist. Nietzsche's Person und Art, seine Ideen und deren Einfluß auf die Gegenwart sollen im Folgenden skizzirt werden. I. Fr. Nietzsche's Person und Art. . Friedrich Wilhelm Nietzsche wurde geboren am 15. Oktober 1844 zu Röcken bei Lützen. Sein Vater war streng lutherischer Pfarrer. — Für einen Culturpsychologen ohne Arbeit wäre es ein interessanter Stoff, festzustellen, warum soviele Freigeister aus den Pasioren- häusern Deutschlands hervorgegangen sind. — Seine Schulbildung empfing der Knabe in Schulpforta und ging dann als Student der klassischen Philologie nach Bonn, wo der berühmte Nitschl als Lehrer wirkte. Dieser gewann den jungen Nietzsche bald lieb als den geistvollsten aller seiner bisherigen zahlreichen Schüler. Als der Lehrer nach Leipzig übersiedelte, folgte ihm sein treuer Jünger nach. Dort lernte Nietzsche den Com- ponisten Wagner und dessen Musik kennen, für die er bald im hellsten Enthusiasmus schwärmte; selber ein guter Musiker, war die Art dieser Tonkunst für den jungen Mann mit dem gährenden Herzen eine freudige Gelegenheit, sich auszuschwelgen. Daher seine Aeußerung: „Ich wüßte nicht, auf welchem Wege ich je des reinsten sonnenhellen Glückes theilhaftig geworden wäre, als durch Wagners Musik." Im Jahre 1869 wurde der junge Philologe, ohne seine Studien mit der obligaten Promotion abgeschlossen zu haben, auf Empfehlung RitschlL nach Basel als Uni- versitätsprofessor berufen; die ^.Iwu irratar von Leipzig gab dem Scheidenden das Diplom eines Ehrendoktors als Geleitbrief mit. Zehn Jahre wirkte Nietzsche dort als begeisterter und begeisternder Lehrer der antiken Sprachen und Cultur, bis er 1879 wegen hochgradigen Nervenleidens der vorher schon öfters unterbrochenen Lehrthätigkeit für immer entsagte. Nun beginnt des unglücklichen Mannes ruheloses Wanderleben, das ihn als „eosouns tu§itivu8" durch die Schweiz nach Tirol und Oberitalien trieb; überall suchte er an den stillsten und heilkräftigsten Plätzen Genesung seines furchtbaren Kopfleidens, das ihm wie sein Schatten folgte. Da brach in Turin 1889, als eine Erlösung, der Wahnsinn über den Müde-Gehctzten herein. — Welch schauerliches Geschick für einen so hoch gespannten und mächtigen Geist; ein Menetekel jedem, der in titanenhaftem Streben Gott und der Natur trotzen will! Ganz im Gegensatz zu diesem grandiosen Kampfe mit einem erdrückenden Leiden steht der äußere Mensch Nietzsche, wie ihn seine Freundin, Frau Lou Andreas/) schildert: „Etwas Verborgenes, die Ahnung einer verschwiegenen Einsamkeit — das war der erste, starke Eindruck, durch den Nietzsche's Erscheinung fesselte. Dem flüchtigen Beschauer bot sich nichts Auffallendes; der mittelgroße Mann in seiner überaus einfachen, aber auch überaus sorgfältigen Kleidung, mit den ruhigen Zügen und dem schlicht zurückgestrichenen Haar, konnte leicht übersehen werden. Die feinen, höchst ausdrucksvollen Mundliuien werden durch einen vornübergekämmten großen Schuurr- bart fast völlig verdeckt; er hatte ein leises Lachen, eine geräuschlose Art zu sprechen und einen vorsichtigen, nachdenklichen Gang, wobei er sich ein wenig in den Schultern wiegte; man konnte sich schwer diese Gestalt inmitten einer Menschenmenge vorstellen — sie trug das Gepräge des Abseitsstehens, des Alleinseins". — Ein Bild Nietzsche's mit ähnlichen Zügen ist gegenwärtig im Glaspalast in München ausgestellt. Er selbst war für sein Aeußcres trotz feiner schlechten Augen nicht blind. Den Materialismus Nietzsche's wie seine Selbstgefälligkeit charakterisirt der Ausspruch über seine kleinen und fein modcllirten Ohren, von denen er sagte, sie seien die „wahren Ohren für Unerhörtes" (Zarathustra I, 25); ähnlich bezeichnete er seine zart- und edelgeformten Hände als Zeichen seines Geistes. „Es gibt Menschen, welche auf unvermeidliche Weise Geist haben, sie mögen sich drehen und wenden, wie sie wollen, und die Hände vor die verrätherischen Augen halten (— als ob die Hände keine Verräther wären! — An einem Mann, noch dazu an einem Philosophen, finden wir dergleichen Aeußerungen läppisch; sie machen schon einer Frau keine Ehre. UebrigenS war Nietzsche der auserlesene Liebling der Damen, wie er denn auch ganz unter weiblichem Einfluß aufgewachsen ist. Auf eine so AndrcaS-SalcmL, Lou: Friedrich Nietzsche in seinen Werke». -) Jenseits von Gut und Böse 283. 218 sensitive Natur wie Nietzsche blieb dies gewiß nicht ohne Einfluß; es ist deßhalb ganz berechtigt, von einem „Fcmininismus" Nietzsche's zu reden, wenn auch seine Anhänger sich dagegen wehren. Gerade die Art von Nietzsche's Denken ist für diese Auffassung beweisend; er dachte Alles aus dem Herzen und durch das Herz, wenn wir so sagen dürfen. Seine Gedanken sind so regellos, so tief leidenschaftlich, so ganz und gar individuell! Ein Gedanke, der ihm einmal klar geworden, wurde zu einem Stück von Nietzsche's „Ich", und das Lossagen davon durch eine spätere, andere Erkenntniß war ihm immer ein Sterben. Es schreitet deßhalb mit dem wachsenden Anarchismus seiner Erkenntniß auch sein körperliches Leiden vorwärts, bis auf dem Höhepunkt des Schaffens, bei den gigantischsten Plänen, „der Umwerthung sämmtlicher Werthe", der Wahnsinn über den unseligen Denker hereinbricht. Auch das Gcmüthsleben Nietzsche's gleicht mehr jenem des Weibes als eines Mannes, noch dazu eines solchen, der als „größter Denker" gefeiert wird: Seine Begeisterung wie sein Haß geht leicht in's Ungemessene, seine Laune ist unberechenbar, seine Eitelkeit maßlos, und alle seine Leidenschaften haben etwas Abgründiges. Aus einem schwärmerischen Verehrer Wagners, dem er ein „sonnenhelles Glück" dankte, wird er der grimmigste Hasser dieser Musik; er nennt nun die Sympathie dafür eine seiner „Krankheiten". Aehnlich macht es Nietzsche mit Schopenhauer, Paul Rse und der ganzen modernen Cultur. Diese Schwankungen lassen sich nicht mehr durch einfache Meinung-änderungen erklären, sie sind die Anzeichen einer äußeren Ursache, eines krankhaften Zustandes. Damit kommen wir auf die viel und heiß umstrittene Frage nach den Entwicklungsstufen in Nietzsche's Denken. Frau Lou Andreas, deren Nietzsche-Biographie sich der weitesten Leserkreise und so ziemlich aller Sympathien außer denjenigen der Nietzsche-Narren und -Fanatiker erfreut, nimmt drei Perioden an: die erste steht unter dem künstlerischen Einflüsse Wagners und der Philosophie Schopenhauers; die zweite gilt dem Positivismus in der Zubereitung des P. Nse; die dritte ist die Originalzeit, in welcher Nietzsche, frei von allem fremden Einfluß, der Welt die Offenbarungen seines irrlichtelirenden Genius schenkte. Andere wollen Nietzsche von Anfang an als selbstständigen Denker aufgefaßt wissen, der im „Zarathustra" den harmonischen Abschluß seiner Weltanschauung gegeben; wieder andere meinen wieder anders. Nietzsche selbst möchte seine früheren Schriften mit den zuletzt erschienenen Werken durch eigens hiefür gekünstelte Vorreden zu, einem Ganzen verbinden — doch: man merkt die Absicht und wird verstimmt. Wir nehmen, nach reiflicher Uebcrlegung und auf Grund des Studiums der Personalakten Nietzsche's, zwei klar zu Tage tretende Schaffensperioden an; die Opposition der Nietzsche-Anbeter genirt uns dabei um so weniger, als wir Aeußerungen des Meisters selber für unsere Auffassung citiren können. Nietzsche hatte eine Zeit geistiger und physischer Gesundheit und eine Periode des schwersten Nervenleidens, das sein Denken unverkennbar, ja wesentlich beeinflußt hat. Nietzsche (Gesammt-Ausgabe seiner Werke Bd. IX, 474, 455) gesteht, daß der um Neujahr 1876 erfolgende Zusammenbrach seiner Gesundheit allen seinen Lebensplänen eine andere Richtung gab; zwei Jahre vorher, als die ersten Spuren jenes Uebels erkennbar wurden, schreibt er:^) „In mir gährt jetzt sehr Vieles und mitunter sehr Extremes und sehr Gewagtes? Diese „extremen" und „gewagten" Ansichten lassen sich anfangs nur vereinzelt constatiren; mit der zunehmenden Krankheit Nietzsche's werden sie häufiger, bis sie vom Jahre 1876 an in zusammenhängender Form auftreten. Erst von da an wird Nietzsche Philosoph, und zwar jener Philosoph, dessen antimetaphysischer und antimoralischer Radikalismus allmählig zu einer wahren Anarchie des Denkens wie Physisch zum Wahnsinn führte. — Wir bezeichnen damit das Hauptwerk Nietzsche's, um dessent- willen ihm jetzt Tausende principienloser, unreifer Leute bacchantisch zujauchzen, nicht als eine That des Wahnsinnes, aber als die Folge hochgradiger Nervosität, als etwas durch und durch Krankhaftes. Nietzsche hat diesen Grundzug seines späteren Wesens selber geahnt, wenn er ihn auch anders erklärte; er hat sich davor gefürchtet, aber ihn nicht verhindern können. In der „Genealogie der Moral" (131, 153) schreibt er: „Wer nicht nur seine Nase zum Riechen hat, der spürt fast überall, wohin er heute auch nur tritt, etwas wie Irrenhaus-, wie Krankenhausluft. / Wahrscheinlich sind auch wir noch die Opfer, die Beute, die Kranken des Zeitgeschmackes und Zeitgeistes, so sehr wir uns auch als dessen Verächter fühlen, — wahrscheinlich inficirt er auch uns noch." Diese Auffassung von Nietzsche's geistigem Schaffen deutet auch überzeugend seine früheren Aeußerungen des Radikalismus, welche seine Freunde als Anzeichen des in Nietzsche schon von Anbeginn vorhandenen Systemes auslegen wollen. Nietzsche ist eine bewegliche, unersättliche Natur mit einem dämonischen Herrschertrieb; dennoch wäre er nicht so abstrus geworden, wenn nicht Krankheit ihn beeinflußt Hütte. Wer einmal Nervenleiden!» war, der weiß aus eigener bitterster Erfahrung, wie da Gedanken und Empfindungen in uns wachwerden, vor denen wir uns in gesunden Zeiten entsetzten. Nietzsche aber hatte ein entsetzliches Nervenleiden, das ihn oft dem Tode nahgebracht. Dazu kommt noch, daß Nietzsche nicht nur am Glauben, sondern auch an der ganzen modernen Cultur verzweifelte und deßhalb in seiner physischen Einsamkeit auch geistig ganz allein stand; zwar ein Genie, aber ein krankes und irregeleitetes. So allein erklären sich auch alle Widersprüche dieses Denkers, die systematische Geister mit Befremden oder Widerwillen erfüllen: der ewige Wechsel seiner Gesichtspunkte, die Unfähigkeit, einen festen Grundstock von Erkenntnissen als sicheres Fundament seiner Weltanschauung festzulegen, die seltsame Mischung von poetischem Mysticismus und hartem Jntellectualismus („Diese neue Tafel, o meine Brüder, stelle ich euch: werdet hart." Zarath. 3. Theil), die eigenthümlichen Aeußerungen seiner selbstherrlichen Laune und ästhetischen Genußsucht, wie die ergreifenden Schilderungen kranker Seelen. Diesen irren und wirren Seelenzustand, seinen Seelenzustand, hat Nietzsche in dem „Don Juan der Erkenntniß" ergreifend geschildert (Morgenröthe 327): „Er hat Geist, Kitzel und Genuß an Jagd und Intriguen der Erkenntniß — bis an die höchsten und fernsten Sterne der Erkenntniß hinauf! —Bis ihm zuletzt nichts 2 ) Elisabeth Förster-Nietzsche: Das Leben Fr. Nietz'che's. I. Band, 219 mehr zu erjagen übrig bleibt, als das absolut Wehthuende der Erkenntniß, gleich dem Trinker, der am Ende Absinth und Scheidewasser trinkt. So gelüstet es ihn am Ende nach der Hölle — es ist die letzte Erkenntniß, die ihn verführt. Vielleicht, daß auch sie ihn enttäuscht, wie alles Erkannte! Und dann müßte er in alle Ewigkeit stehen bleiben, an die Enttäuschung festgenagelt und selber zum steinernen Gast geworden, mit einem Verlangen nach einer Abendmahlzeit der Erkenntniß, die ihm nie mehr zu Theil wird! — Denn die ganze Welt der Dinge hat diesem Hungrigen keinen Bissen mehr zu reichen." Klingt das nicht wie der letzte Verzweiflungsschrei eines in der Wüste verlassen Sterbenden? Solche Zustände hat nur ein körperlich und geistig leidender Mensch; Nietzsche ist deßhalb gerade in seinem eigentlichen Lebenswerke mehr psychiatrisch als psychologisch zu betrachten. Max Nordau, der geistesprickelnde Schriftsteller des ästhetischen Materialismus, hat dies bereits gethan in seinem Buch „Die Entartung". Haben wir auch das „Problem Nietzsche" mit unserer Auffassung nicht gelöst, so haben wir es doch begreiflicher gemacht: die Nietzsche-Anbeter freilich werden es uns nur durch ein Anathem lohnen. Weigand hat in seiner geistvollen Studie (Fr. Nietzsche. Ein psychologischer Versuch) dem Philosophen zu viel Ehre angethan; denn Nietzsche kann vom künstlerischen Standpunkt allein nicht begriffen werden. Im klebrigen ist das Buch die beste Deutung von Nictzsche's complicirter Persönlichkeit. Uns ist der bedauernswerths Mann ein Bild des modernen Menschen in seinen schließlichen Errungenschaften: die maßlose Selbstverherrlichung und Zügel- losigkcit führt Physisch zu« Wahnsinn, geistig zur Anarchie alles Denkens. Daher auch die Begeisterung aller „Modernen" für Nictzsche's Geistcsart! Am System Nietzsche ist nur der sich immer deutlicher entwickelnde Wahnsinn System, sonst nichts; an diesem Resultat ändern alle Nietzsche-Biographien und Biographen nichts, weil des Unseligen Geisteswerk zu laut und unwiderleglich das Brandmal eines Jrrgeistes an sich trügt. Gottfried Wilhelm Leibniz. ff. 8. Wie oft hört man heutigen Tages nicht den Gedanken anssprccheu, daß die sog. Reformation den Hauptanstoß zur Entfaltung des menschlichen Geistes, zur Hebung von Kunst und Wissenschaft, überhaupt zur heutigen Cultur gegeben habe. Bei Janssen kann man nachlesen, was von diesem protestantischen Axiom zu halten ist. Man kennt eben die alten Griechen und Römer besser, als das Mitielalter. Was nun die Erfahrungswissenschaften anbelangt, so haben dieselben einmal mit der Theologie blutwenig zu thun, und dann waren übrigens Schießpulvsr und Compaß, Magnetnadel und Buchdrncker- knnst, das entdeckte Amerika und noch tausend andere Dinge schon lange da, als Dr. Martinus mit dem Hammer an die Wittenberger Schloßkirche klopfte. Wie steht es aber mit dem idealen Streben der Wissenschaft? Hier wäre es am besten, unsere Gegner würden davon gar nicht reden. Fast zwei Jahrhunderte lang brachte der Protestantismus hier Bleibendes und Schätzbares gar nichts zu Stande. Der erste nun, der da genannt werden kann und muß, ist G ottfricd Wilhelm L e i b n i z. Der 250. Geburtstag dieses Mannes — geb. am b. Juli 1646 — wird von der Presse aller, nicht nur katholikenfreundlicher Schattirungen benutzt, allerhand historische Betrachtungen anzustellen. Es ist richtig, weil bewiesene historische Thatsache: Leibniz ist der glänzendste Repräsentant deutscher Universalität und Tiefe im 17. Jahrhundert, ein Polyhistor im vollsten Sinne des Wortes, „eine lebendige Akademie", wie Friedrich II. ihn nannte. Unsere heutigen Berühmtheiten aus der Gelehrienrepublik sind durchweg Spezialisten; in früherer Zeit aber gab es Köpfe, die in allem zu Hause waren, in Theologie und Philosophie, in Staatswissenschaft und Politik, in Naturkunde und Kunstproblemen Bescheid wußten. Der größten einer war Leibniz. Man könnte ihn vielleicht den protestantischen Thomas von Aquin nennen; wir bitten aber, dieses „könnte" sehr zu betonen, denn was er dem Protestantismus verdankte und was er diesem für die Folgezeit wurde, das eben wollen wir kurz betrachten. „Wenn die Billigkeit erheischt, daß man die Personen schont, so erheischt doch die Frömmigkeit, daß man die Gefährlichkeit der Lehren zeigt; und gefährlich sind jene Lehren, welche gegen die Vorsehung eines allwissenden und allgercchten Gottes und gegen die persönliche Unsterblichkeit der Seele ankämpfen, um von anderen der Sitte und der Gesellschaft verderblichen Meinungen gar nicht zu sprechen." So schrieb Leibniz im Jahre 1704 in seinem reifsten philosophischen Werke: „Houvmmx essais sur l'airtLuäeuiout siumaiu". Was würde der Mann sagen, wenn er unsere heutige Zeitlage in Augenschein nähme, jene Cultur, auf die man doch ge- wisserseits mit so großem Stolze hinzuweisen beliebt?! — Schon in seinen ersten philosophischen Schriften zieht er gegen die seichte Freigeisterei loS und sucht die kirchlichen Lehren auch durch wissenschaftliche Beweisgründe sicher zu stellen. Er verfaßt eine Schrift gegen den Atheismus, eine solche zur Vertheidigung des Dreieinig. keitsgeheimnisses, und später sucht er die Gegenwart Christi im Altarssakrament zu beweisen. Um dieselbe Zeit schreibt er, daß er sein irdisches Leben anwenden wolle, um sich des zukünftigen zu versichern, und daß diese Sorge um seine Seele die vornehmste Ursache seines Philosophircns sei. Er kämpft namentlich gegen Peter Bayle, jenen noch lange nicht genug gewürdigten Franzosen, bei dem auch unser „großer" Lessing in die Schule ging. Den Verheerungen, die der Protestantismus auf allen Gebieten angerichtet hatte, mit Freimuth und Offenheit entgegenzutreten, das war eine Hauptaufgabe seines Lebens. Eben das macht uns Leibniz groß, daß er sich von dem traditionellen Haß gegen alles Katholische lossagte und sogar die Wiedervereinigung mit der alten Kirche anstrebte. Man will es Leibniz zum Vorwürfe machen, daß er bei seinen philosophischen Untersuchungen sich nicht ausschließlich auf das reine Denken stellte, wie etwa Spinoza und Kant, sondern so viel mit Dingen aus der katholischen Vorzeit liebäugelte. Ganz sicher hatte Leibniz eine höhere Meinung von der edlen Gottesgabe Vernunft, als etwa Martin Luther; aber daß man mit diesem Vermögen allein nicht landen könne, das konnte dem scharfsinnigen Kopfe nicht entgehen. Da kommt nun der famose Buddhist Arthur Schopenhauer und will in Leibnizens Ruhm einen Beweis dafür erblichen, „daß das Absurde am leichtesten in der Welt Glück macht"! Der „Frankforter" fand gewiß in seinem trostlosen Pessimismus nicht das, was Leibniz bei der göttlichen Osfen- 220 barung entdeckte; er hätte am wenigsten Ursache, seinem Philosophenneide Luft zu machen. Er gehört zu jener Klasse von Leuten, die unser Leibniz selbst also schildert: „Mit großer Rednergabe sprachen sie von der Erhabenheit und den sittlichsnden Wirkungen der Wissenschaft, und beschimpften sich dabei oft gegenseitig so, daß man hätte glauben können, man wäre unter einer aufgeregten Menge auf der Gasse." Die Betrachtung Leibnizens in theologischer und philosophischer Hinsicht drängt jedem den Gedanken auf: Nicht weiter auf der verwegenen Bahn! Zurück zum Alten und Guten! Möge man an seinem Jubiläumstage aus ihm machen, was man will, der moderne Protestantismus hat am wenigsten Ursache, sich seiner zu freuen. Die Formel, in die man Leibniz' Streben bringen könnte, müßte allein heißen: Das objective, historisch gewordene Christenthum, nicht subjektive, flug- sandartige Ansichten können die Menschheit retten! Die religiösen Orden und ihre Geschichte. l>. Von jeher haben es die „Kinder der Welt", die in ihrer Art meist klüger sind als die „Kinder des Lichtes", richtig erkannt, daß der Kirche durch Bekämpfung der religiösen Orden, sicher aber durch deren Unterdrückung der schwerste Schlag versetzt werden kann. Wirkt doch das Beispiel freiwilliger Entsagung erhebend auf Weltklerus und Laienthum, ebenso aber auch der Mangel eines solchen Vorbildes lockernd auf die priesterliche Disziplin und lähmend auf die Bethätigung des Glaubens unter dem Volke. Auch in der Gegenwart ist der Sturm auf die Orden allenthalben in vollem Gange, in Frankreich wie in Deutschland gehört die „Ordensfrage" noch nicht zu den beigelegten: dort sucht man ihnen die Lebensbedingungen zu entziehen, hier erringen sie sich erst mühsam und allmählig wider die eingewurzelten Vorurtheile ihre frühere wahlberechtigte Existenz, und noch immer ist dem unvergleichlichen, dem segensreichsten und anerkannter Weise auf der Höhe der Wissenschaft stehenden Orden, der Gesellschaft Jesu, kein Platz auf deutscher Erde gegönnt. Selbst in gut katholisch sein wollenden Kreisen herrscht über Orden und Ordensleben oft ein solcher Wirrwarr anerzogener oder durch Nomanlektüre eingesogener, verschrobener Ansichten, daß es kein Luxus ist, wenn der fruchtbare Schriftsteller L. v. Hammerstein >) aus der Gesellschaft Jesu im 65. Ergänzungshefte der hochgeschätzten „Stimmen aus Maria-Laach" das katholische Ordenswesen vom apologetischen Standpunkt aus einer eingehenden Besprechung unterzieht. Die Methode, welche auch den übrigen Schriften des beliebten Verfassers einen so außerordentlichen Erfolg verschafft hat, ist auch hier eingehalten: das Thema bewegt sich theils in Brief-, theils in Gesprächsform, vermeidet jede lehrhafte Trockenheit, geht dabei freilich nicht sonderlich tief, erfaßt aber desto wirksamer das Gemüth auch des widerhaarigen Lesers. Unter Beibringung reichen statistischen Materials erreicht das frisch geschriebene Buch seinen Zweck vollauf, das katholische Ordenswesen unserm Verständniß näher zu bringen, seine hohe sociale Bedeutung zu zeigen und die Unhaltbarkeit der gegen dasselbe erhobenen Beschuldigungen darzuthun. Der Verfasser zeigt uns trefflich den wahren Werth jener schreckhaften Schlagwörter von der „todten Hand", vom „unbedingten Gehorsam", von der trüben „Vereinsamung", der ungesunden „Weltflucht" und der „Vaterlandslosigkeit" der Klosterleute. Ein Blick anf die Missionen in und außer Lande, sowie auf die vorzüglichen Leistungen der Orden im Schulwesen genügt, um uns auch zu überzeugen, daß die Orden höchst zeitgemäß sind. „Das Ordenswesen, sagt der Verfasser geradezu, ist die Blüthe des Katholicismus, des Christenthums". Den Culturpankern milderer oder wilderer Tonart ist Hammerstcins Buch dringend zu empfehlen, aber auch bei Katholiken wird es die Verehrung, die das Volk mit Recht seinen Ordensmännern oft in so rührender Weise entgegenbringt, rechtfertigen und vermehren. Die beste Apologetik deS Ordenswesens ist jedenfalls dessen Geschichte. Mit Freuden begrüßen wir ein kürzlich erschienenes Werk des unermüdlich thätigen Bamberger Lycealprofessors Or. Max Heimbucher^), das uns in übersichtlicher Weise die Geschichte der katholischen Orden und Kongregationen in wissenschaftlicher Darstellung vorführt. Die Geschichte, sie allein gibt uns ja den richtigen und zuverlässigen Maßstab der Beurtheilung, sie bewahrt uns ebenso vor übertriebener, leichtblütiger Bewunderung wie vor überlegener Geringschätzung; sie läßt die Thatsachen sprechen, die uns Schritt für Schritt erinnern, daß auch innerhalb der Klostermauern die Menschen Menschen bleiben und ihre Leidenschaften durch Schleier und Kutten durchbrechen können, daß aber auch die Klöster Culturstätten allerersten Ranges sind, mit denen sich keine andere menschliche Civilisationsarbeit, sei es mit dem Schwert oder dem Pflug oder der Feder, auch nur im entferntesten wessen kann. Das treffliche Werk bildet den 10. Band der theologischen „wissenschaftlichen Handbibliothek" ; für jetzt liegt der erste Theil vor, ein zweiter Band, der in Bälde folgen soll, wird das Werk zum Abschluß bringen. Die Einleitung (S. 1—30) ist vornehmlich kirchenrechtlicher Natur und handelt vom Begriff eines Ordens, von der Einthcilung der Orden, vom Ursprung des Ordenslebens, von der Würdigung des Ordenswesens und endlich von der Literatur über Orden und Kongregationen. Da man im Juden- und Heidenthum, im Islam und besonders bei den Buddhisten Erscheinungen findet, die dem Mönchthum der christlichen Kirche ähnlich sind, so hat man von «katholischer Seite, wie zu erwarten, mit Vergnügen diese Aehnlichkeit nicht nur ganz besonders betont, sondern sogar einen inneren Zusammenhang (z. B. mit dem Buddhismus) construirt, um vor allem das katholische Ordensleben als unbiblischen, trüben und unnatürlichen Asketismus darzustellen und herabzusetzen. Daß man da weit neben das Ziel geschossen, sieht jeder, der offene Augen hat, um in der hl. Schrift die drastischen Warnungen vor „Augenlust, Fleischeslust und Hoffart des Lebens", vor der „Welt, die im Argen liegt" u. s. w. zu lesen; das dürfte wahrlich genügen, um den Drang erklären zu können, die „Welt und ihre Lust" zu fliehen, in abgeschiedener Entsagung sein Heil besser und sicherer „in Furcht und Zittern" zu wirken. Daß die Vergleiche mit dem anßerchristlichen, theilweise (wie in Tibet) hochentwickelten, ernsten Asketenthum von großem Interesse sind, soll damit nicht geleugnet werden; die von Heimbncher angeführte Literatur dient vortrefflich zur Einführung in das Studium derartiger Fragen. Der erste Abschnitt des Werkes handelt nun von den Anfängen ') Hammerstein L. v. (s. 1.), Das katholische -Ordens- 00^°' ^ ^ SS- Freibnrg i. B., Herder, 1896. 2) Heimbncher Max, Die Orden und Kongregationen der katholischen Kirche. I. Bd. 8°, X -s- 531 SS- M. 6,00; geb. M. 7,M. Padcrborn. Schvaiiigh, 1896. 221 des Ordenslebens bis ciuf den hl. Benedikt, nnd da ist es zunächst der Orient, von dem das Möuchthum ausgegangen und wo es überaus mächtig herangewachsen ist nnd mitunter bedeutend in die Kirchen- und Dogmengeschichte eingegriffen hat. Besonders zu nennen sind die ägyptischen Asketen und die heute noch bestehenden Ba- silianer; unter den großen Männern leuchten aber besonders hervor Paulus der Einsiedler, Antonins der Große und Basilius. Die Anfänge des abendländischen Mönch- thums hob der hl. Benedikt zu ungeahnter Blüthe und Bedeutung empor. Von dem Benediktinerorden und den übrigen Genossenschaften auf Grundlage der Benediktinerregel (Camaldulenser, Vallombrosaner, Grammontenser, Ctstercieuser, Trappisten, Karthäuser u. s. w.) handelt Heimbucher im zweiten Abschnitt, den der billig denkende Leser mit andächtiger Verehrung und Dankbarkeit lesen wird, denn hier haben wir ein Stück Culturgeschichte vor uns: keine andere kirchliche Institution ist für uns so segensreich geworden, wie der Benediktinerordcn, dessen Verdienste um Cultur und Wissenschaft gar nicht genug gepriesen werden können; heute noch zehren wir von dem Wirken dieser großen Pioniere der Civilisation. (S. 237 Z. 26 ist Bartolocci zu lesen!) Es folgt nun der dritte Abschnitt, welcher dem Franziskanerorden und seinen Abzweigungen gewidmet ist; auch die wichtigsten Lebensbeschreibungen des hl. Franziskus sind angeführt, darunter das neueste, herrliche und genußreiche Buch des Protestanten Sabatier. Der vierte Abschnitt gehört dem Augustinerorden in seinen vielfachen Gliederungen: Chorherren und Chorfraucn, Prämonstratenser, Trinitarier, Augustiner-Eremiten, No- laskcr, Servilen, Pauliner, Alexianer, Hicronymiten, Jesuaten, Barmherzige Brüder, Brigittinnen und Nrsu- linerinnen, Salesianerinnen s tutti gnanti. Der fünfte und letzte Abschnitt dieses ersten Bandes handelt vom Dominikanerorden. Die immens reichen Quellenangaben verrathen eine ganz ungewöhnlich umfassende Literaturkenntniß ; daneben finden wir aber bei dem Verfasser ein außerordentliches Gruppirungsgeschick, das Alles aus den rechten Platz zu setzen weiß, auf eben den, wo es der Leser sucht; diese wohlthuende Eigenschaft eines historischen Schriftstellers scheint selbstverständlich, ist jedoch in Wirklichkeit nicht gar zu häufig. Und welch unsägliche Geduld gehört dazu, das Quellenmaterial herbeizuschaffen! Wie viele Folianten mußten nachgeschlagen, wie viele mangelhafte Angaben mühsam ergänzt, wie viele Privatbriefe um Aufschluß an OrdenSlcute geschrieben werden! Ein Blick auf den bibliographischen Theil des Werkes wird das zu würdigen wissen. Was planvolle, übersichtliche Darstellung betrifft, kann diese Ordensgeschichte als Muster dienen und macht sie zu einem vorzüglichen, nicht leicht versagenden Nach- schlagebuch, das in unserer theologischen Literatur eine schon längst empfundene Lücke ausfüllt. Dasselbe wird dem praktischen Seelsorger, dem Theologen, wie dem Studireuden ein unentbehrliches Orientiruugsmittel sein theils zur näheren Belehrung über bekannte Orden, theils zur Auffindung von längst verschollenen religiösen Genossenschaften, deren Namen oft nicht einmal Mehr bekannt sind. So darf der Verfasser mit Befriedigung sein Werk betrachten, das in dem Rahmen, den er sich selbst gesteckt, das Mögliche geleistet hat und wohl auch unter den strengsten Kritikern keinen Bemängler finden wird; von besonderem Interesse wird der Schlußband werden, da er. neben dem Carmelitenorden und den neueren kleinen Kongregationen den Jesuitenorden eüst halten wird, dessen eminent fruchtbare wissenschaftliche Thätigkeit wir in einer reichen Bibliographie wiederge» spiegelt finden werden. Damit wird Heimbuchers Ordeus- geschjchtc, ein Werk beharrlichsten Fleißes, abgeschlossen als wahres „stanäarä stovst" den Bestandtheil einer jeden theologischen Bibliothek bilden; das hoffen wir nicht bloß, dessen sind wir gewiß. Privatinteresse und Gemeinwohl. Eine wirthschaftliche Studie. (Fortsetzung.) III. Von der Bedeutung des Waldes für das Gemeinwohl kommen wir zu dem Verhältnisse des übrigen Grund und Bodens zum Privatinteresse und zum allgemein--» Wohl, und damit zur Landwirthschaft. Grund und Boden läßt sich von dem Bebauer desselben nicht trennen; der ächte Bauer und die ächte Bauernschaft ist mit Grund und Boden gleichsam verwachsen. Der ächte Bauer betrachtet sein Besitzthum nicht als ein privates Ausbeutungs- und Spekulationsobject, sondern als einen ehrwürdigen Familicnbesitz, zu seiner und seiner Familie dauernder Existenz und dauerndem Wohlbefinden gegründet. Der wahre Bauer veräußert den von seinen Ahnen ererbten Besitz nur in der äußersten Zwangslage, und es ist daher Aufgabe der Gesetzgebung, die willkürliche und spekulative Veräußeruuv der bäuerlichen Güter in jeder Weise zu erschweren. Der bäuerliche Besitz darf niemals vom Standpunkte des freien Individuums und des Kapitals aus betrachtet werden. Die Individuen, die Personen wechseln, Grund und Boden mit dem Familienstamme bleiben. Der bäuerliche Besitz muß mehr Familienbesitz als persönlicher Besitz sein. Mit dieser Auffassung des Bauerngutes als eines untheilbaren Familienbesitzes hängt auch eine Einrichtung zusammen, welche vielfach als eine der höchsten socialen Ungerechtigkeiten betrachtet wird, welche aber trotz alledem in hohem Grade das allgemeine Wohl der Bauernschaft bedingt, und die auch so recht das Verhältniß vom Privatinteresse zum Gemeinwohl beleuchtet: das Recht der Primogenitur. Statt eigener Ausführungen wollen wir hier einen Abschnitt aus einem höchst bcachteuswerthery in den „Stimmen aus Maria-Laach" erschienenen Aufsatz, „Pflichten und Schranken des Eigenthums" von H. Pesch 8. st., rcproduziren. Der gelehrte Verfasser schreibt im Jahrgang 1895 6. Heft: „Bei manchen Völkern, z. B. den Israeliten, den Deutschen im Mittelalter, bestand der gesetzliche Brauch, den Erstgebornen gewisse Privilegien binsichtlich der Erbfolge zu gewähren. Die französische Revolution räumte principiell mit dem Rechte der Erstgeburt auf. „Voraussetzung für die Berechtigung einer solchen Einrichtung bleibt jedenfalls, daß in gebührender, der Billigkeit entsprechender Weise für Erziehung und Unterhalt der übrigen Kinder genügende Fürsorge getroffen sei. „Ist diese Bedingung erfüllt, so sprechen in der That gewichtige Gründe für das Recht der Primogenitur. „Bei gleicher Theilung nämlich wird unmöglich der Familie jene wirthschaftliche Stellung gewahrt bleiben können, welche für ihre bürgerliche und politische Stellung die unentbehrliche Grundlage bildet. Alle Vortheile, die au? einer gewissen Stabilität, der leitenden preise für W das Gemeinwesen erwachsen, würden also in Wegsall kommen. „Aber nicht bloß für die leitenden Kreise, auch für das gewöhnliche Bauerngut empfiehlt sich in gewissem Umfange die Primogenitur oder das ,Anerberecht', wie es das im April 1894 dem deutschen Reichstage vorgelegte ,Heimstättengesetz' im Interesse der Landwirthschaft forderte. Die Heimstätte ist unthcilbar und durch Erbgang im Falle des Vorhandenseins mehrerer Erben nur auf einen derselben, den Anerben, übertragbar. Bezüglich der Veräußerung, namentlich aber der Verschuldung (die Hälfte des Werthes als Verschuldungsgrenze, Verschuldung nur in amortisirbaren Renten oder Annuitäten zulässig), werden gewisse Schranken errichtet. Die Heimstätte gewährt dem Bauernstande größere Festigkeit und wirksamern Schutz gegen die Uebermacht des mobilen Kapitals. Ueberdies beruht die Forderung nach Errichtung von Heimstätten auf dem durchaus richtigen Princip, daß Eigenthum an Grund und Boden vornehmlich in der Rücksicht auf die Familie seine natur- rechtliche Begründung besitzt. „Die Erfahrungen, welche Frankreich mit der gleichen Theilung gemacht hat, lehren sodann, daß dieses System die Gefahr der V olksverminderung im Gefolge hat. Die Eltern fürchten eine zahlreiche Nachkommenschaft, auf welche sich ihr Vermögen nur in geringen Portionen vertheilen würde. „Mag ferner auch die Lage deS einzelnen nachgc- borncn Kindes für den Augenblick als eine bessere erscheinen, wenn es seinen Kopftheil an dem elterlichen Nachlasse erhält, der Vortheil ist auf die Dauer geringer, als man bei oberflächlicher Betrachtung glauben Möchte. Zunächst für die Nachkommenschaft in ihrer Gesammtheit. Nach drei oder vier Generationen werden die meisten Familienglieder der Dürftigkeit anheimgefallen sein. Auch das einzelne nachgeborne Kind verliert jenen mächtigen Rückhalt an der Familie in Zeiten der Noth und in den mannigfachen Wechsel- füllen des Lebens. Werden speciell die Töchter, wo das System der Primogenitur herrscht, von der Erbschaft ausgelassen, so finden sie zum Theil einen Ersatz in dem Vermögen ihres Gatten, das eben durch jenes System eine Steigerung erfährt. Ueberdies hindert diese Erbfolge ein Vorherrschen des finanziellen Elementes beim Abschluß der Ehe. Die Gattin wird ihrer persönlichen Eigenschaften wegen gesucht, geschätzt, geliebt. Die Ehe bewahrt ihren hohen sittlichen Charakter, während sie heute vielfach zum Handelsgeschäft degradirt ist. „Die Feindschaft gegen alle Primogeniturrechte, Stammgütcr, Heimstätten u. dgl. entspringt dem individualistischen Liberalismus, der sich hier wieder als Engel des Lichtes aufspielt, von der ,natürlichen Billigkeit', von den ,Gefahren der Concentration des Besitzes' u. dgl. gar lieblich zu reden weiß. In der That aber bildet ein richtig durchgeführtes Primogeniturshstem einen festen Damm gegen die furchtbarste aller Coucenira- tionsarten, die kapitalistische, welche der Liberalismus uns gebracht hat." Es gibt wenig kurzsichtigere Auffassungen als die vielfach vertretene Anschauung, die gleiche Erbiheilung an Grund und Boden fei ein selbstverständlicher Akt socialer Gerechtigkeit und bedinge das künftige Wohlergehen der Erben. Das Umgekehrte ist, wie I>. H. Pesch 8. ll. ausführt, die Regel. Grund und Boden ist dem Menschen nicht gegeben, daß er ihn nach persönlicher Willkür zerstückle, sondern daß er ihn für Familie und Gesellschaft bebaue. Damit wollen wir indeß dem Großgrundbesitz in keiner Weise das Wort reden. (Schluß folgt.) Zur Manritiusfrage. Von Adam Hirschmann, Piarrer in Schönseld. (Schluß.) Was nun den Gang der historisch-kritischen Untersuchung bei Berg anbelangt, so berichtet er S. 15—2? den Thatbestand nach den Angaben des Eucherius; daran reiht sich der erweiterte Bericht eines ungenannten Mönches aus Agaunum, gegen 520 verfaßt (S. 23—24), welches die Episode des hl. Mauritius mit dem Bagaudenauf- stande in Verbindung bringt, während Eucherius die Zeit der Vernichtung der christlichen Thebäer unbestimmt läßt. Sehr ausfallend hat uns die Frage Bergs geschienen: Warum haben sich die Thebäer, wenn sie wirklich so zahlreich waren (S. 26), nicht mit den Waffen in der Hand gewehrt gegen den Blutbefehl des rohen Maximian? Mit gleichem Rechte könnte man fragen: Warum haben sich die äußerst zahlreichen Christen am Hofe Diokletians nicht mit bewaffneter Faust der Exekution der Verfolgungsedikte entgegengestellt? Das christliche Gewissen gestattet eben in beiden Fällen keinen aktiven Widerstand. Dann werden die Angriffe der Magdeburger Centuria- toren, Spanhsims, Dubourdieus gegen die eucherianische Passion, das Schweigen des SulpiciuS Scverus, des Laktantius (hier hätte die Ansicht Brandt's, daß der Verfasser des Buches Os inortibns psrsaoutornin nicht Laktantius, sondern ein nikomedischer Nhetor oder Advokat gewesen sei — Sitzungsberichte der Wiener Akademie, phil.-histor. Kl. 6XXV, 1891; Neue Jahrbücher für Philol. u. Pädagog. Bd. 147 s1893j, 121, 203 —berücksichtiget werden sollen) und des Eusebius besprochen. Aber wenn auch diese Historiker schweigen, so erhebt sich doch als „gewichtige, unverdächtige, ob auch stumme Zeugin die zu Ehren der Märtyrer in Agaunum zwischen 350 — 390 erbaute Basilika (S. 39). Auch Viktor von Marseille, wo Maximian am 18. Juli 303 von Afrika zurückkehrend landet, ist ein gewichtiger Zeuge für di Wahrheit des eucherianischen Berichtes (S. 42). So ha sich denn, faßt Berg (S. 44) die gewonnenen Resultat der Untersuchung zusammen, bisher nur ein zweifache) als unzweifelhaft ergeben: erstens, daß etwa in der zweiten Hälfte des 4. Jahrhunderts in Agaunum eins Kirche, bald auch ein Kloster des hl. Mauritius bestand, daß seit dem 5. Jahrhundert Pilger dahin wallfahrietcn und der Cult der Märtyrer zu wachsender Blüthe gedieh, und zweitens, daß die Geschichte ihres Martyriums nicht unmittelbar, nachdem sie geschehen, von Augen- oder Ohrenzeugen, sondern zum ersten Male fast 150 Jahre später berichtet wird. Nun hätte man erwarten sollen, daß Berg seine Abhandlung schließe mit dem Endurtheile, ob die vorgebrachten schriftlichen und monumentalen Zeugnisse genügen zur historischen Glaubwürdigkeit der Tradition, oder ob der Bericht des Erzbischofes Eucherius von Lyon in das Reich der Fabel zu verweisen sei. Statt dessen aber nimmt der Verfasser den Faden von neuem auf; so wirft er die Fragen auf: Gab es damals eine thermische Legion? War dieselbe aus christlichen Soldaten, ganz oder überwiegend, zusammengesetzt? Gehörte siezn den Gardetruppen? Wurde sie zur Verfolgung von Christen gebraucht? Wurde sie wegen Nichtantheilnahme an heidnischen Opserfesten bestraft und vollständig aufgerieben? Da es thöricht von Maximian gewesen wäre, eine ganze Legion, mochte sie auch nur 1000 Mann zählen, zu vernichten, so ließ er die christlichen Oberoffiziere hinrichten und vielleicht auch die Legion deci- miren; dann löste er sie auf und steckte die Soldaten in größeren und kleineren Abtheilungen in andere Legionen und Garnisonen (S. 62). Aber für diese Annahme Bergs fehlen in dem Berichte des Eucherius jegliche Stützpunkte; die Glaubwürdigkeit dieser ältesten Passion des hl. Mauritius und seiner Genossen schmilzt auf ein Minimum herab. DaS Ercigniß selbst wird auf den 22. September 302 verlegt (S. 68). Ueberblicken wir noch einmal die kirchengeschichtliche Studie des Oberpfarrers von Pyritz über den hl. Mauritius und die thebäische Legion, so müssen wir sagen: der Arbeit fehlt die logische Aneinanderreihung der einschlägigen Materien. All die Fragen nach S. 46 über die Existenz einer christlichen Legion aus Thebüern zusammengesetzt, über die Ursache der Decimirung und schließlichen Vernichtung derselben, über die Zeit dieses Vorkommnisses hätten schon im Anschlüsse an die Untersuchungen über die Legionsverhältnisse zur Zeit des Kaisers Diokletian (S. 26), über den Bagaudenaufstand (S. 27) in Behandlung gezogen werden sollen. Am Schlüsse vermißt man ein cudgiltiges Urtheil. Die Hauptfrage über das Martyrium des hl. Mauritius und seiner Genossen bildet immer die Untersuchung über die Echtheit des Berichtes von Eucherius. Ist dieser als echt und glaubwürdig anerkannt, so ist er nach den Regeln der historischen Kritik zu erläutern. Auch Wotke, der neueste Herausgeber der sämmtlichen Werke des Erzbischofes von Lyon, hat die Autorschaft des Eucherius an der Passion der agaunensischen Märtyrer nicht in Abrede gestellt (volles, I-. Luoliarii Inr§ännensi3 op>. omnia, in vol. XXXI p. 163—173 des 6ori)U8 Vorixb. eeales. tat. cci. Vinäoston. ^.ea- üainiaa 1804), wenn er auch es für wahrscheinlich erachtet, daß Eucherius eine ältere schriftliche Vorlage überarbeitet habe, die er von dem Bischöfe von Genf erhalten haben mochte (I. v. p. XXII). Wird aber die Glaubwürdigkeit des eucherianischen Berichtes in Abrede gestellt, so erhebt sich sofort die andere Frage: Wie entstand in dem Engpässe zu Agauuum die Verehrung the- bäischer Soldaten? Wie gelangten die äußerst zahlreichen körperlichen Ucberreste in jenes abgelegene Walliser Alpen- thal? Wie erhob sich schon gegen 350 n. Chr. über den Reliquien der Thebüer eine Kirche, der gar bald ein Kloster folgte? Wie konnte eine solche ausgebildete Tradition sich an Ort und Stelle erhalten, wenn sie grundlos gewesen? Darum gibt es nur eine doppelte Wahl: Entweder wird die eucherianische Recension als historisch glaubwürdig angenommen und erklärt, oder die ersten Bischöfe des Walliserlandes, Jsaak von Genf, Theodor von Mariigny, waren Betrüger, welche den frommen und gelehrten Erzbischof von Lyon in die Irre führten. Ist dieser Vorwurf gegen hochverdiente Männer historisch berechtigt, sittlich erlaubt? Gewiß nicht. Darum ist das Martyrium des hl. Mauritius und seiner Genossen geschichtlich festzuhalten. Recensionen und Notizen. o Jungst erschien im Verlage der kaiserlichen und königlichen Hoshuchhandlnng von Leo Wort i» Würzhurg in zweiter. neugcarkeitetcr Auflage ein Commentar zum Buche Judith und in Verbindung damit ein zum ersten Male veröffentlichter Cowmentar zu der Erzählung von Bel undDrache von Dr. Anton Scholz, Professor an der k. Universität daselbst. Der Verfasser trägt den in der Encyklica »krovulon- rissimus Dons- ausgesprochenen kirchlichen Grundsätzen in jeder Beziehung Rechnung; seine beiden Commentare sind nach allen Regeln der biblischen AuslegungSkunde und Kritik bearbeitet und verdienen so in Wirklichkeit in weiteren Kreisen bekannt und den Liebhabern wissenschaftlicher Bibel-Erklärung empfohlen zu werden. Dem Buche ist, S. III—XV, eine schneidige und einschneidende Vorrede vorangestellt, in welcher der Verfasser seine kritisch-exegetischen Grundsätze und Resultate als mit dem obengenanntcn päpstlichen Rundschreiben vom 18. Nov. 1893 vollkommen übereinstimmend darlegt, die Vorurthcile gegen seine Erklärung und prophetische (apokalyptische) Auffassung der alttcst. Bücher Tobias, Esther und Judith als unbegründet erweist und die Einwände seiner Gegner einer vernichtenden Kritik unterstellt. Der Vorrede folgt, S. XVI—XL, zunächst die Einleitung zum Commentare zu Judith. Dieselbe gibt Aufschluß über den Inhalt des Buches nach dem griech. Texte, über die kritische Beschaffenheit und das Verhältniß der verschiedenen griechischen und lateinischen Textcszcugen, über die beiden in hebräischer Sprache geschriebenen Midraschim, über die besondere Geschichte des Textes, über die im Buche vorkommenden Namen, über den prophetischen (apokalyptischen) Sinn, über den durch die Geschichte des Textes beeinflußten Stil und die Sprache des BnchcS und endlich über dessen Berührungen mit dem Neuen Testament. Der Commentar zu Judith selbst, welcher der höchst instructiven Einleitung, S. 2—196, unmittelbar sich anschließt» ist ein beredtes Zeugniß von eminenter Begabung und besonderer Geschicklichkeit, die von der wirklichen AuSlcgung geforderte Kritik in unvergleichlicher Weise zu üben. Dabei aber wird das Eine Ziel einer jeden Erklärung, den wahren Sinn des Buches aus diesem selbst d. h. im vorliegenden Falle aus den so verschiedenartig überlieferten Texten aufzufinden, keinen Augenblick außer Acht gelassen. Auch merkt man an dem Gange der fortschreitenden Erklärung, daß cS dem Erklärer allen Ernstes nur darum zu thun ist, das Buch in Wirklichkeit zu erklären. Der nun folgende Commentar, S. 197—233, zu der Erzählung über Bel und Drache ist nach denselben kritischen und exegetischen Grundsätzen gearbeitet und verfolgt in derselben consequenten Weise sein Ziel wie der zum Buche Judith. Den ersten Anhang bilden, S. II —OXXIII, verschiedene Textcszcugen zum Buche Judith, welche in ihrem überlieferten Umfange in griech., latein. Sprache oder in deutscher Ucbersetznng in vier Colnmncn nebeneinander abgedruckt sind, und zwar enthält Columne I den Sixtinischen Text, Col. II den Codex 71, Paris. I, Col. III die Vulgata und Col. IV den großen hebräischen Midrasch in deutscher Ucbcrsctznug. Diesen merkwürdigen Texten zu Judith folgen, S. 6XXIV—6XXXI, die griechischen Texte des Theodotion und der Septuaginta zu der Erzählung über Bel und Drache. Als zweiter Anhang ist, S. 6XXXV—OL, als Vertreter der vulgata antigua der lat. Lost. kaoluanns abgedruckt und die deutsche Ucbersetznng des kleinen hebräischen Midrasch zum Buche Judith beigefügt. Diese Beigaben der Texte ermöglichen es, daß der Leser, wenn er will, durch bloßen Augenschein ihr eigenartiges Verhältniß zu einander hinsichtlich des Umfangs und der nicht seltenen Abweichungen kennen lerne und verfolge. Die Sorgfalt aber, mit welcher der Commeniar im Ganzen gedruckt ist, und die saubere Form, in welcher er sich rcpräscntirt, deuten äußerlich schon die Noblesse und Accuratesse an, mit welcher er vom unermüdlich schassenden Autor ausgearbeitet wurde. -ü- Vor Kurzem erschien das 42. Heft der Augsburger BisthumSgcschichte. Mancher Abonnent mag bei der Durchsicht desselben etwas enttäuscht gewesen sein, da es sich nicht als FortsetzungS-, sondern als NachtragSheft erwies. Dasselbe enthält nämlich nicht, wie zu erwarten war, die Einleitung zur Beschreibung des Kapitels Kausbeurcn, sondern die Register zu Bd. 2 u. 3 des genannten Werkes. ES ist aber einleuchtend, daß in erster Linie für Herrn I)r. Schröder, den Fortsetze! des Stcichcle'schcn Werkes, Register zu den früheren Bänden unumgänglich nothwendig sind, nur fortwährendes, zeitraubendes und vielleicht doch rcsultatloseS Suchen nach etwaigen früheren Angaben über Personen, Orte und Ereignisse, die erst jetzt zur genaueren Darstellung gelangen, zu vermeiden. Die sorgfältig gearbeiteten Register ermöglichen ihm ein rasches und genaues Ausfiudcn der von seinem Vorgänger gewonnenen ForschungS- resultatc auch dann, wenn dieselben zerstreut in den einzelnen Bänden sich vorfinden sollten. Ebenso sind aber auch für den Leser und Benutzer deö Werkes Register von unschätzbare!», Werthe. Herr Archivrath vr. Banmann in München schrieb in dieser Hinsicht nach Erscheinen des mit Register ausgegebenen 5. Bandes in den Historisch-politischen Blättern (Bd. 116, S. 440): „Schröder ließ sich die große Mühe nicht verdrießen, dem 5. Bande ein genaues sorgfältiges Register beizugcben, und verheißt auch zu den früheren Bänden solche nachzuliefern. Damit verdient er ganz besonderen Dank, denn solche Werke sollten nie und nimmer ohne Register ausgegeben werden. Erst durch Register werden große Werke eigentlich zugänglich; deßhalb sollte kein umfangreicheres Buch ohne Register gedruckt werden. Es ist beinahe eine Rücksichtslosigkeit den Benutzern gegenüber, Werke von mehreren Bänden ohne Register erscheinen zu lassen. Daß diese Unterlassungssünde trotzdem immer wieder begangen wird, hängt mit der überaus großen und noch dazu eintönigen Mühe, ein gutes Register herzustellen, unläugbar zusammen ; um so mehr Lob schulden die Leser und Bcnützer einem Autor, der dieser Pflicht gewissenhaft nachkommt." Das noch ausstehende Register zum 4. Bande wird jedenfalls im nächsten Hefte zugleich mit der Einleitung zur Beschreibung des Kapitels Kausbeuren erscheinen. -s- Bürgerliches Gesetzbuch. Eine corrccte und handliche Text-Ausgabe des Bürgerlichen Gesetzbuches (mit Register) zu dem sehr billigen Preis von 2 M. 50 Pf. für das 40 Bogen starke gebundene Exemplar kündigt der C. H. Bcck'sche Verlag in München als demnächst erscheinend an. Für denselben Verlag ist auch eine Ausgabe mit Anmerkungen in Vorbereitung, bearbeitet von den RegierungSräthcn im K. B. StaatSministerinm der Justiz Henle und Schneider, in Verbindung mit Universitätsprofcssor Otto Fischer in Breslan. ; Diese Ausgabe soll ebenfalls alsbald nach der Verkündigung dcö Gesetzbuchs im Neichsgcsetzblatt in 1 Band complct und gebunden erscheinen und nicht mehr als ca. 6 M. 50 Ps. kosten. Apologie des Christenthums. Von Or. Hettinger. 7. Aufl. Verlag von Herder in Frciburg. * Von dieser Lieferungsausgabe des berühmten Werkes, welches von dem Straßbnrger Professor der Theologie, Dr. Engen Müller, herausgegeben wird, liegen bis jetzt 8 Lieferungen vor, das 8. Heft beschließt die Serie der 18 Vortrüge mit dem Vertrag über die Person Jesu Christi und eröffnet die weitere Serie von Vortragen mit dem ersten, der sich „Grund- und Aufriß" betitelt und über Geist und Kraft, die Frage der Menschheit und die Antwort der Menschheit, die Vorsehung, Dualismus, Pantheismus, Princip der christlichen Sitte u. a. m. handelt. Tiefe der Gedanken und Schönheit der Sprache zeichnen Hettingers Apologie, die in keiner gebildeten katholischen Familie fehlen sollte, in hohem Maße aus. Der Herausgeber hat seinerseits in den „Bemerkungen" zu den einzelnen Vortrügen trefflich für jene Ergänzungen gesorgt, welche das Werk auf die Höhe des heutigen Standes wissenschaftlicher Forschung stellen. P. Hermann Korn 0. 8. b'r., Seraphischer Stcrnen- himmcl, d. i. Lebensbeschreibung der Heiligen, Seligen und anderer Mitglieder des III. Ordens vom hl. Fran- ziskus, welche im Ruf der Heiligkeit verschieden. Neu bearbeitet und herausgegeben von vr. Engelbert Hosele, Priester der Diöcese Nottenburg, päpstlicher Hausprälat. Vollständig in 20 Lieferungen ü 40 Pf. Negcnöburg, Nationale Verlagsanstalt. 1896. * Der Seraphische Sternhimmel, eine Legende für alle in Kloster und Welt, besonders für die Mitglieder des III. Ordens und die es werden wollen, erscheint erstmals illustrirt und enthält gegen 200 Abbildungen, darunter 12 prächtige Farbendruckbilder. Besonders anziehend sind für uns die schwäbischen, bayerischen und überhaupt deutschen Heiligen und Seligen des dritten Ordens, daher sind auch vom Herausgeber Lebensbeschreibungen solcher theils neu eingeschaltet, theils ergänzt und erweitert worden. Der „Sternenhimmel" enthält für jeden MvnatStag das Lebensbild einer heiligen oder seeligen Person und daran anschließend eine Betrachtung, und ist geeignet, im Geiste des hl. FranziSkus viel Gutes zu wirken. Liiizcr thcol.-praktische Qnartalsckrift. Jahrgang 1896. Expedition: Linz, Stisterstraße Nr. 7. Preis pr. Jahr 7 M. Inhalt des 3. Heftes: Ein Vierteljahrhundert nach dem Jahre 1870. Von Pros. ?. Albert M. Weiß 0. kr. in Freiburg (Schweiz). — Die Erhaltung und Verwaltung des kirchlichen Immobiliarbesitzes. Von Domcapitular vr. Mathias Hohler in Limbnrg an der Lahn. — Zur Lösung des apo- calyptifchen Räthsels. Von Universitäts-Profcssor Dr. Bernhard Schäfer in Wien. — Wer hat von den Socialdemokraten Rettung zu hoffen? Von Victor Cathrein 8. I. im Jgnatius- Collcg bei Valkenburg (Holland). — Das Mcnsnrunwesen an den modernen Universitäten. (Ein Beitrag zur Behandlung dieser Frage im Religionsunterrichte an Gymnasien.) Von I. B. May, Pfarrer in Hambach. — Die Bergpredigt nach Matthäus (Cap. 5, 6, 7). Von A. Riesterer, Pfarrer in Müllen (Baden). — Der hl. FranciScus von Assist und die Wissenschaft. Von ?. Joseph a Leonissa 0. Oap. in Neu- Oetting (Bayern). — Bilder aus der Seclsorge. Gezeichnet von Mathias Rupertsbergcr, Pfarrer in Niederrana (Nieder- österreich). — Ueber Hauschroniken. Von I. M. — Waffen im Kampfe gegen den Socialismus. Dargereicht von Ich. Lang- tbaler, reg. Chorherr und Stiftshosmeister in St. Florian (O.-Oe.). — Pastoral-Fragen und -Fälle: 1) Durch kleine Diebstähle zu einer erheblichen Summe. Von Pros. Augustin Lehmku hl 8. ck. in Exaetcn (Holland). 2) Die kirchlichen Ehe- gesetze und die Nichtchristen. Von vr. Fr. A. Goepsert, Uni- versitäts Professor in Würzburg (Bayern). 3) Ein treuloser Bräutigam bestraft. Von M. H. 4) Kanu das Testament eines Selbstmörders, betreffend ein Messen-Stiftuugslcgat, cxeguirt werden? Von Dr. Ant. Brychta, Domcapitular in König- grätz (Böhmen). U. s. w. Nepertorinm der Pädagogik. Herausgegeben von Oberlehrer I. B. Schubert. Verlag der I. Ebner'schen Bucbbandlung in Ulm. (Preis 5 Mark 40 Psg. für 12 Monatshefte.) Das 9. Heft des SO. Jahrganges enthält u. A. einen Gc- denkartikel über Joach. Heim. Campe, Aufsätze über die Lehrer- gestalten der Jean Paul'schcn Muse, über Entwicklungsgeschichte deS deutschen LehrerstandcS seit 1800 u. a. m. Katech etische Blätter. Zeitschrift für NeligionÄchrcr. Zugleich Corrcspondenzblatt des Canisius-Katcchetcn- Nercins. Herausgegeben u. redigiert von Pfarrer Frz. Walk, Bcnesiziat zu GaimcrSheim (Oberbayern). Keuchten, Verlag der Jos. Kösel'schcn Buchhandlung. Preis pro Jahrgang (12 Hefte) M. 2,40. Das 6. Heft des 22. Jahrg. enthält u. A. den Abschluß von „Die sociale Bedeutung des Religionsunterrichtes in der Volksschule" von Lehrer H. Aals, einen Artikel zur Katechismusfrage in Bayern u. A. Philosophisches Jahrbuch. Auf Veranlassung und mit Unterstützung der Görrcsgescllschaft herausgegeben von Dr. Const. Gntberlet. Verlag der Fuldaer Akticn- Druckerei. IX. Jahrgang. 1. Heft. Inhalt: I. Abhandlungen. V. Cathrein 8. ck., Worin besteht daS Wesen des sittlich Guten und dcö sitttlich Bösen? L. Schütz, Der HhpnotiSmns. (Forts.) C. Gut- bcrlct, Ist die Seele Thätigkeit oder Substanz? (Schluß.) B. Paquö, Zur Lehre vom Gefühl. (Forts.). — II. Recensionen u. Referate. Oursns plftlosopliieus: 0. trieft, DoZica, u. Ontologie!.; II. Heran, llliilosopliia natnralis, von I. W- Aren hold. Beiträge zur Geschickte der Philosophie des M.-A.: M. Baumgartner, Die Erkenutnißlchre des Wilb. v. Auvcrgne; M. Doktor, Die Philosophie deS Josef (ibn) Zaddik, von I. A. Endres. L. Loireeo, I-'iüea ün pllßuomöns, v. F. T. Pfeifer. I. Müller, Das Wesen deS HumorS, von C. Gntberlet. P. Schanz, Apologie des Christenthums (2. Auflage) I., von A. Ottcn. A. Stöckl, Lehrbuch der Apologetik, v. demselben. G. Louis, Thomas Morus und seine Utopia, von B. Adlhoch 0. 8. B. — A. Nossig, Ueber die bestimmende Ursache dcö Pbilosophirens, V. demselben. Pbvzl-Lrülll, I-a. xliiloeoMs üs lacodi, von A. Ottcn. L. lll. Oinmor, I/amitiS, von C. Gut- berlet. T. Pesch 8. I., Christliche Lebensphilofophie, von I. D. Schmitt. — III. Zcitschriftcnschau. — IV. No- vitätenschau. — Miscellen und Nachrichten. Berichtigung. In dem Artikel der letzten „Beilage" Nr. 27, „Privat- interesse und Gemeinwohl", hat sich Spalte 1 Absatz 2 Zeile 8 von oben durch Auslassung von 2 Worten ein siunstörender Fehler eingcschlickcn. ES muß nämlich statt „die einseitige Förderung dcö Wohlbefindens der Gesellschaft" heißen: „die einseitige Förderung des Privatinterefses das Wohlbefinden der Gesellschaft" n. s. w. Verautw. Redacteur: Ad. Haas in Augsburg. — Druck u. Verlag des Lit. Instituts von Haas L Grabherr in Augsburg.