Nf. 30 24. Illli 1896. Friedrich Nietzsche. Ein Antichrist der Gegenwart. Von Joseph Popp. (Schluß.) III. Fr. Nietzsche und die moderne Cultur. Fr. Nietzsche ist für unsere Cultur symptomatisch, in seiner Person und seiner Lehre. Er ist der moderne Mensch mit all seinem Wissensballast und seinem Bildungs- ekel; er ist der konsequente Freigeist und Atheist, wie er kommen mußte. Weigand, selbst ein Moderner, schildert Nietzsche als den modernen Menschen also: „Aus diesem hochgespannten Geiste reden die geheimsten modernen Wünsche und Begierden ihre bezauberndste Sprache; in seinen Ausbrüchen finden wir Alles, was die widerspruchsvolle moderne Seele peinigt und beglückt: Kraft, Adel, Fülle, Harmonie, dichterische Anschauung und historischen Scharfblick, Zorn, Haß, Empörung, Bosheit, Naivität, Schalkhaftigkeit, Größenwahn, poetischen Tieffinn, sublimirteste Genußsucht; hier ward der Geist der Vergangenheit Mensch und — glaubt die Sprache der Zukunft zu reden." Ebenso unersättlich Nietzsche's theoretische, geistige Genußsucht, ebenso abgründig ist des modernen Menschen Verlangen nach Abwechslung, nach etwas Neuem, noch nie Dagewesenen, der Durst nach „noch nicht ausge- trunkenen Möglichkeiten". Weil aber dieses Sehnen des Menschen-Herzens nach dem Höchsten, Unendlichen hienieden mit natürlichen Mitteln nicht gestillt werden kann, daher dieser Ueberdruß trotz alles Raffinements des Genteßens, trotz aller Genußfülle, trotz aller Gaben einer hochentwickelten Cultur! Gerade dieses Hangen und Bangen zwischen Freud' und Leid hat Nietzsche in seiner „Gefahr der Glücklichsten" lebensvoll gezeichnet. „Feinen Sinn und einen feinen Geschmack haben; an das Ausgesuchteste und Allerbeste des Geistes wie an die rechte und nächste Kost gewöhnt sein; einer starken, kühnen, verborgenen Seele genießen; mit ruhigem Auge durch's Leben gehen, immer zum Aeußersten bereit wie zu einem Feste und voll des Verlangens nach unentdeckten Welten und Meeren, Menschen und Göttern; auf jede heitere Musik hin- horchen, als ob dort wohl tapfere Männer, Soldaten, Seefahrer sich eine kurze Rast und Lust machen, und im tiefsten Genusse des Augenblickes überwältigt werden von Thränen und von der ganzen purpurnen Schwermuth des Glücklichen: wer möchte nicht, daß das Alles gerade sein Besitz, sein Zustand wäre!" Diese Predigt über das Glück des Genießenden, über die Herrschaft aller Instinkte und Leidenschaften ist das Evangelium des modernen Menschen; darum wird Nietzsche vor alle« von der Jugend als Messias einer neuen Zeit gefeiert. Die moderne Kunst und Literatur läßt sich von seinen Ideen befruchten und will damit das Ihrige thun, um den „Uebermenschen" baldmöglichst verwirklicht zu sehen. Solches ist charakteristisch für das Erlösungsbedürfniß der durch die heutige Cultur Blafirten, wie auch für ihre Blindheit. Die Uebermenschlichkeits - Lehre eines Wahnsinnigen, der an sich selber tausendfach das Elend eines von den alten Menschheitsbahnen abgewichenen Denkers erfahren, wird das Muster einer neuen Glückseligkeitstheorie — und Christus, der als wahrer „Uebermensch" durch sein Leben uns gelehrt, wie wir an seiner göttlichen Natur theilhaben können, Christus wird als Feind der wahren Menschen-Veredelung gebrandmarkt. Daß die barocken, ja wahnwitzigen Ideen eine» Nietzsche Anhänger finden, daß sie eine ganze Literatur hervorgerufen, daß in jeder Zeitschrift, jedem bedeutenderen Roman, im Salon wie in öffentlichen Versammlungen Schlagworte aus Nietzsche sich finden und hören lassen, zeigt die grenzenlose Zerfahrenheit der Zeit, zeigt die große Masse derjenigen, die einer einheitlichen, auch nur natürlichen Weltanschauung entbehren; sonst würden sich nicht soviele von den Taschenspieler-Kunststücken eines Sophisten wie Nietzsche täuschen lassen. Nietzsche gesteht einmal ausdrücklich, daß seine Bücher bloß von seinen „Ueberwindungen reden"; er will sich also damit den tollen Wust seiner Gedanken und Gefühle vom Herzen schreiben; er will durch ihre Entledigung genesen — übrigens ein altes Recept seit Göthe —. Und nun fällt die moderne Culturmenschheit über diesen Abfall und Auswurf her, wie die Geier über das Aas. Es erinnert diese Art lebhaft an die Zeit der römischen Schlemmerei, wo man gewisse Fische nur dann wollte, wenn sie in der Nähe der Cloaken gefangen wurden. Es zeigt dieses Anklammern an Nietzsche, den Einen und Einzigen, das nicht auszurottende Bedürfniß nach Autorität; man will, ohne es einzugestehen, jemand, auf den man sich berufen kann. Nun Nietzsche als großer Geist die unumschränkte Herrschaft der Triebe verkündet, nun er jede moralische That leugnet, die Wissenschaft unter der Optik des Künstlers gesehen wissen will, glaubt man beruhigt sein zu können. Jetzt sind selbst neronische Gelüste und das Waten im Schmutze gerechtfertigt; nun hat die brüchige Seele doch den zweifelhaften Trost, daß am Ende auch die bedenklichsten Ausschreitungen in irgend einer Weise dem Leben zu Gute kommen müssen; nun mag sich sogar der eifrigste Catilinarter der Großstädte, dieser Cloaken der späteren Civilisationen, für einen Schaffenden halten und sich des cynischen Muthes rühmen, Mit dem er seinen auseinandergehenden Trieben folgt. Nietzsche's Verherrlichung der weltgeschichtlichen Ungeheuer, sein Schwärmen für die „starken Naturen" der Verbrecher sind das Gegenstück zu jener anderen modernen Lehre, daß der Verbrecher ein Kranker ist; die eine Auffassung entschuldigt die Schlechtigkeit, die andere verherrlicht sie. Ist das nicht ganz der passende Boden für die Dynamitarden und Petroleure; ist solche Lehre nicht Lebensweisheit für die Lebemänner, die nun ihre Liederlichkeit mit einer gewissen philosophischen Begründung genießen können? Der moderne Mensch hat in Nietzsche fein Vorbild in Theorie und Praxis; aber auch die moderne Wissenschaft und Philosophie hat in ihm ihren konsequentesten Lehrer gefunden. Freigeisterei und Atheismus, das ist die Signatur der Geisteswelt unseres Jahrhunderts. Soweit ist das freie Denken gekommen, daß jeder Einzelne auf Grund einer guten Geistesanlage sich zum Meister aller Anderen erkoren glaubt und im Ton des Gottgesandten redet, b) Hegel versicherte: „Ich möchte mit Christus sagen: ich lehre die Wahrheit, ich bin die Wahrheit;" Fichte °) ek. Limbourg, Zur Charakteristik der modernen Kant- Strömung. Jnnsbr. Zeitschr. 1893 S. 312 ff. 234 hielt die Verkündigung seiner Lehre für „die Ausgießung des hl. Geistes über alles Fleisch"; Kant meinte, sein System sei für alle zukünftigen Zeitalter zu den höchsten Zwecken der Menschheit unentbehrlich; Schopenhauer betheuerte: „Ich habe den Schleier tiefer gelüftet, als irgend ein Sterblicher vor mir." Diese maßlose Eitelkeit und Selbstvergötterung treibt Nietzsche auf die Spitze; er rühmt") sich: „Ich habe den Deutschen die tiefsten Bücher gegeben, die sie überhaupt haben; Grund genug, daß dieselben kein Wort davon verstehen." „Mein Zarathustra ist das tiefste Buch der Menschheit." Die Unverständlichkeit ist auch eine wesentliche Eigenschaft unserer großen Geister, und Nietzsche ist als der größte auch der unverständlichste, ein moderner Heraklit. Seine Tiefe besteht im „Ahnenmachen". Nietzsche hat diese Art Tiefe selber also verspottet: „Wer uns ahnen macht, macht uns tief. Entschließen wir uns, meine Herren: ... wir wollen sie ahnen machen. So viel vermögen wir noch! Was das Ahnenmachen betrifft, so nimmt hier unser Begriff „Stil" seinen Ausgangspunkt. Vor allem kein Gedanke! Nichts ist compromittirender, als ein Gedanke! Sondern der Zustand vor dem Gedanken, das Gedränge der noch nicht geborenen Gedanken, das Versprechen zukünftiger Gedanken, die Welt, wie sie war, bevor Gott sie schuf, — eine Nekrudescenz des Chaos . . . Chaos macht ahnen." Dennoch kennt Nietzsche nur die Tiefe der Verwirrung; bei ihm sind die Begriffe in völliger Auflösung. „Nichts ist wahr, Alles ist erlaubt." — So mußte es kommen, nachdem man die menschliche Vernunft nur auf sich selber gestellt, nachdem man sie frei gemacht von allen Denkgesetzen. Es müssen dann aber auch jene, welche zu solcher That beigetragen, darunter leiden, wie die Revoluttonsmänner von eben dieser Revolution verschlungen wurden: Nietzsche nennt den kritischen Kant den „verwachsensten Verstandeskrüppel"; Strauß, den Befreier der modernen Welt vom Glauben, heißt er den „Vildungsphilister"; Schopenhauer, der Vater des Pessimismus, ist ihm ein „psychologischer Falschmünzer". Sogar allgemein anerkannte Koryphäen werden ihres Lorbeers beraubt: Sokrates wird zum „Hanswursten" degradirt, Plato ist langweilig; und so bekommt jeder sein Urtheil — eine Beleidigung. Wir sehen in Nietzsche die Toleranz des Freigeistes; sie ist zwar in ihrem Wesen nie anders gewesen, Nietzsche ist nur die Frucht der früheren Blüthen. Ganz so wie in der Selbstüberhebung, dem schließ- lichen Nihilismus des Denkens und dem Haß gegen Andersdenkende ist Nietzsche auch im Atheismus der vorläufige und wohl kaum zu übertreffende Höhepunkt des modernen Unglaubens. Haben die vorausgehenden Denker und Philosophen mit allen möglichen Mitteln das Dasein Gottes untergraben, so findet Nietzsche den traurigen Muth, diese That als eine erlösende zu feiern. Er rüst der modernen Welt die schauerlichen Worte zu: „Wohin ist Gott? Ich will es Euch sagen! Wir haben ihn gelobtet! — Ihr und ich! Wir alle find seine Mörder! -Hören wir noch nichts vom Lärm der Todten- gräber, welche Gott begraben? — auch Götter verwesen; Gott ist todt! Gott bleibt todt! Und wir haben ihn getödtet! — Ist nicht die Größe dieser That zu groß .für uns? Müssen wir nicht selber zu Göttern werden, «M nur ihrer würdig zu erscheinen?" Die berufenen Pfleger und Hüter der heutigen Cultur, die liberalen Professoren, wenden sich nun freilich voll Entrüstung gegen Nietzsche oder ignoriren ihn ganz. Einer, Dr. Stein, hat sogar ein ganzes Buch geschrieben „über die Gefahren von Nietzsche's Weltanschauung"; aber der Herr Professor hat eben damit den Beweis erbracht, daß Nietzsche ganz Fleisch von feinem Fleisch und Geist von seinem Geist, nur konsequenter, verwilderter ist. Da nützt alles Abschütteln und Ableugnen nichts; nicht darum handelt es sich, ob die modernen Cultur- apostel Nietzsche beistimmen und ihn verherrlichen, sondern das ist der Kernpunkt: Nietzsche hat nur auf dem vorhandenen Material weitergebaut; er hatte den Geist und die Kühnheit, anS voller Seele ein Moderner zu sein. Ihr müßt ihn also nicht völlig verleugnen! Ihr lehret freie Wissenschaft, ihr fordert freies Denken. Damit habt ihr die Geister gerufen, uns, die unabhängigen Geister, welche kein Blatt vor den Mund nehmen, welche über den „blassen Atheismus" der unfreien Geister, „die noch an die Wahrheit glauben", weit hinaus sind; uns, die „Erkennenden von heute", „die Europäer von übermorgen", die „Gottlosen und Antimetaphysiker", die mit der Freiheit Ernst machen und Freiheit des Geistes nirgends fanden, als in der Losung: „Nichts ist wahr, alles ist erlaubt." Nietzsche ist nur in dem „Milieu" der Gegenwart möglich, welche in ihrem gottentfremdeien Streben, die dem Menschen gesetzten Grenzen zu überschreiten, körperlich nervös, ja wahnsinnig, und geistig anarchistisch wird. Für alle besonnenen Zuschauer hat der Nietzsche- Cultus nur eine rein symptomatische Bedeutung, ist aber als solche nicht zu unterschätzen. ' Wir sehen auch in Nietzsche's prometheischew Streben das Schicksal der von Gott losgetrennten Vernunft verkörpert: ein Fiasko, ein Bankerott, um so unheilbarer, je weiter die Entfernung des bankerotten Geschöpfes vom unendlichen reichen Schöpfer. Jetzt schon leiden solche „freie Geister" die ärgsten Tantalusqualen, die sie vor sich selber erschauern machen und ihnen einen Klageruf auspressen, wie den folgenden: „Halb ist mein Leben um, Der Zeiger rückt, die Seele schaudert Dir! Lang schweift sie schon herum Und sucht und findet nicht — und sie zaudert hier? Halb ist dein Leben um: Schmerz war's und Irrthum, Stund' um Stund' dahier'. Was suchst du noch? Warum?- Dieß eben such' ich — Grund und Grund dafür!" Ja, uns selber find wir ein unlösbares Räthsel ohne den Glauben; wie wollen wir also Anderer Wesen deuten? Nietzsche hat dies geahnt und einmal auch ausgesprochen: „So beginnt nun der Lauf und wird fortgesetzt — bis wohin? Wenn Alles durchlaufen ist — wohin läuft man alsdann? Wenn alle CombinationsMöglichkeiten erschöpft wären — was folgte dann noch? Wie? Mühte man nicht wieder beim Glauben anlangen? Vielleicht bei einem katholischen Glauben?" O, wir Seligen hienieden schon, die wir als sicherste und beglückendste Erkenntniß, als Trost und Frieden unseres Lebens besitzen, was den Kindern dieser Welt kaum in der Ahnung gehört! Die Wahrheit und die Freiheit! „Die Wahrheit wird euch frei machen," dieses tiefsinnige Wort der hl. Schrift, es könnte als Mahnung und Drohung über Nietzsche's Leben und Lehre, über die Geistesgeschichte der Gegenwart geschrieben werden. /) Fall Wagner S. 48. Wer sich von der Wahrheit entfernt, begibt sich in die Sklaverei, und jede Freiheit ohne Wahrheit ist nur ein Schall, ein Rauch, ist nur morZaira,, über deren Betrachtung uns schon der Staub der modernen Geisteswüste um die Sinne fliegt. Nietzsche und Christus t — Christ und Antichrist! Welch ein Unterschied; ein Himmel und eine Hölle liegt zwischen Beiden. Wir können ruhig die Welt ihre Feste feiern und hernach ihre Todten begraben lassen; auch ein Nietzsche ist nur Werkzeug Gottes, der unselige Zeuge eines gott- entfremdeten und darum unglücklichen Menschenlebens. Ueber Glasmalerei im Frankenlande und die Glasgemälde der St. Jakobskirche zu Notheu- bnrg o. d. Tauber. Von vr. H. Oidtmann in Linnich (Rheinland). (Schluß.) Das vierteilige Mittelfenster, durch Quereisen in mehr als 50 Felder eingetheilt, ist geradezu überwältigend in seiner leuchtenden Farbenpracht; Noth, Blau, Gelb, Grün und „Weiß" vereinigen sich mit vielen Mitteltönen zu einer wunderbaren Farbenstimmung von seltener Harmonie; es fällt dem entzückten Auge schwer, von dem herrlichen Gesammteindruck sich loszureißen und an die Beachtung der Einzelheiten heranzugehen. Das Nothen- burger Mittelchorfenster muß seines Gleichen suchen; schön durchsichtig und klar gehalten, hat dasselbe den richtigen Glascharakter. „Es ist ein großartiger, gleichsam gold- durchwirkter, mit Perlen und Edelsteinen reich geschmückter Teppich, der uns in dieser spätmittelalterlichen Arbeit entgegentritt." * 0 ) Leider verschwindet das farbenprächtige Bild schon gegen Mittag, und eine graue, nur hier und da eine Farbe durchtastende Fläche starrt uns kalt entgegen. Die außen um das Fenster laufende Bordüre enthält auf die Geburt Christi bezügliche Stellen aus der heiligen Schrift; die einzelnen Buchstaben sind in dem rothen Grund des Frieses eingebleit. Der Teppich der beiden Mittleren Reihen, auf welchem die Medaillons aufliegen, ist roth und blau mit zwischengebleiten gelblichen Rosettchen; die ihn begleitende Bordüre besteht (von außen nach innen) aus einem gelblichen Perlstreifen und einem rothen Bande, auf welchem grünlich-weiße Blumen mit gelben Stengeln sich emporranken; die Medaillons, lang gestreckte, verschwommene Vierpäste, haben abwechselnd verschiedenfarbige, damascirte Hintergründe; die Fleisch- theile der Figuren sind aus weißem, gelblichem oder blaß- röthlichem Glase geschnitten. Das Fenster beginnt unten mit einem kleinen Steinmaßwerke, unter welchem wir in den äußeren Feldern einen knieenden Ritter und das Wappen derer von Lösch sehen; die mittleren Felder zeigen die Gestalten der hl. Elisabeth") und des hl. Jakobus. Von diesem unteren Maßwerk setzen sich die Pfosten des Fensters ununterbrochen bis zum oberen Steinwer! fort; die beiden mittleren Reihen des Fensters enthalten in jedem Felde ein Medaillon; zunächst sehen wir die Symbole der Evangelisten, dann, über diesen, geschickt auf beide Medaillons vertheilt, den englischen Gruß. Die vierte Reihe enthält die Hirten von Bethlehem und die Heimsuchung, die ") Detzel H., Eine Kunstreise durch das Frankenland. Würzburg, 1885. Kolb H., Glasmalereien des Mittelalters und der Renaissance, Stuttgart 1834, bringt eine farbige Abbildung des Feldes mit der hl. Elisabeth. fünfte in beiden Medaillons die Geburt Christi, die sechste Reihe die Anbetung der heiligen drei Könige. Ueber diesen die Flucht nach Aegypten und die Taufe Christi, weiter das heilige Abendmahl und Christus am Kreuz; hieran schließen sich der Verrath des JudaS und Christus vor Pilatus, Christus am Oelberg und die Grablegung, Christus in der Vorhölle und die Auferstehung des Heilandes. Wo eine Darstellung auf beide Medaillons vertheilt ist, ist die Gruppirung geschickt angelegt. Nach der falschen Reihenfolge der Medaillons zu schließen, find dieselben später gelegentlich einer Restauration planlos eingesetzt worden. In den äußeren Seitenfeldern finden wir unter farbenprächtigen Baldachinen und Architekturen die Darstellungen von zwölf Propheten mit Spruchbändern; auch hier begegnet uns sowohl in den Hintergründen und Architekturen, als auch in den Gewändern der Figuren ein großartiger Farbenreichthum und geschmackvolle Abwechselung in der Zeichnung. Die Medaillons der mittleren Reihen sind allerdings im Verhältniß Zum Maßstab des Fensters etwas klein; hierin erinnern sie etwas an die Fenster der Ste.-Chapelle zu Paris; aber die einzige Farbenwirkung dieses Kunstwerks läßt über alles Andere hinwegsehen. Das dreitheilige Fenster der Epistelseite zeigt wieder eine ganz andere Anordnung und eine ganz andere Behandlung; es ist jedenfalls jünger, als die beiden anderen Fenster. Die unteren Felder rechts und links werden durch die Figuren der heiligen Apostel Petrus und Jakobus ausgefüllt, welche in ihrer ganzen Auffassung und Behandlung mehr zum Mittelfenster passen, jedoch keinesfalls zu den übrigen späteren Theilen des Fensters, in welchem sie heute stehen. Auch bei diesen Figuren finden wir die eingebleite Schrift. Der Engel in dem mittleren unteren Feld mit dem Wappen der Stadt Nothenburg verräth auch schon ohne die ausdrückliche Angabe „Re- staurirt 1856" die mangelhafte Arbeit der damaligen Zeit. Die nächsten neun Felder bilden eine Abtheilung für sich. In der Mitte sehen wir Christus am Kreuz, umgeben von vier Engeln; zwei tragen zur Seitenwunde des Heilandes kleine Kindergestalten, welche nach der Auffassung Detzels Seelen darstellen sollen. Am Fuße des Kreuzesstamwes „sieht man stehend und sitzend die sündige Menschheit, welche um des Blutes Christi willen um Vergebung fleht und auf welche dieses von seinen Füßen herabfließt." Aus der rechten Hand des Gekreuzigten fließt Blut in den Kelch, welchen ein Priester beim Meßopfer am Altare in die Höhe hält; hinter dem Altar zwei Männer. Engel tragen auch dieser Wunde die Kindlein zu. Aus der linken Handwunde fließt das Blut auf ein Kind, welches ein Priester über den Tauf- stein hält; daneben eine männliche und eine weibliche Gestalt, wohl die Tauspathen. Nach oben findet die ganze Darstellung ihren Ab' schluß in einem doppelten Rundbogen, in welchem sich eine Darstellung des Fegfeuers befindet; Engel löschen an einer Seite das Feuer und tragen an der anderen arme Seelen auf ihren Armen heraus. Ueber dieser herrlichen, großartig gedachten Darstellung finden wir in ganz anderer, nicht minder sinnreicher Anordnung die Darstellung des heiligen Meßopfers. Im mittleren Felde bringt der Priester das unblutige heilige Opfer dar; links kniet ein betender Mann, hinter ihm zwei Engel; rechts will sich ein Mann vom hl. Opfer abwenden, wtxtz. 236 jedoch von einem Engel zurückgeholten. Detzel vermuthet hierin die Darstellung von Glaube und Unglaube. Ueber dem Altar sitzt oben in der Mitte der Heiland in großer Gestalt, drei Seelen in Kindergestalt auf seinem Schoße haltend; links bringen Engel ihm wettere Seelen zu, rechts knteen drei Heilige; über diesen seitlichen Darstellungen knieen die Donatoren, begleitet von einem Engel. Die nächsten neun Felder bringen das Vorbild des HI. Abendmahls, den Mannarcgen; Engel werfen die Brode und Bretzeln in lebhaft bewegter Darstellung auf die unten sitzenden und stehenden Juden. Die weiteren Felder zeigen den segnenden Christus mit der Weltkugel, zu beiden Seiten einen Engel und über dieser Darstellung auf rothem Grunde den Propheten Malachias mit einem Spruchband. Der obere Theil dieses Fensters ist, wie man auf den ersten Blick sieht, renovirt. Wie schon oben bemerkt wurde, deuten Compofition, Zeichnung und Technik auf eine etwas spätere Ausführungszeit hin; in der Farbcnstimmung herrscht das Grün etwas stark vor. In diesem Fenster besitzen wir eine schöne Darstellung des Erlösuvgswerkes, eine recht sinnige Verbindung des unblutigen Meßopfers mit dem blutigen Opfer des Gottessohnes. Die drei Fenster bilden einen kostbaren Schmuck der herrlichen Kirche; nur ungern trennt sich das Auge des bewundernden Beschauers von diesen farbenprächtigen Werken. Nebenbei sei hier noch kurz auf die aus dem Ende des XIV. Jahrhunderts stammenden Glasgemälde der im Jahre 1384 gebauten Herrgottskirche im nahen Creglingen hingewiesen. Eine nähere Beschreibung derselben vielleicht später unter Württemberg. In der Schwanenordenskapelle, dem im Jahre 1528 vollendeten Chöre der St. Gumbertus - Stiftskirche zu Ansbach befinden sich in vier Fenstern im Ganzen 2V Felder zerstreut erhalten, außerdem noch 5 kleinere Wappen. Die Felder sind leider fast alle beschädigt; sie stellen einige Madonnen, Crucifixe, Heilige, Personen aus der markgrüflich hohenzollernschen Familie und einige größere Wappen dar; die bei Graf Stillsried^) abge- oildeten markgröflichen Porträts sind nur sehr schwer wiederzukennen; theilweise find sie nur in Bruchstücken erhalten. Der knieende Ritter rechts mit der schwarzweißen Fahne, in burggräflichen Farben (roth und gelb) gekleidet, ist Markgraf Casimir; im Mittelfenster sehen wir Georg den Frommen, ebenfalls mit einer schwnrz- anßen Fahne; das dritte Bild zeigt den Markgrafen Gumbert; der Kopf fehlt, während von der Markgräfin Susanna, der Gemahlin Castmirs, einer bayerischen Prinzessin, nur noch das Brustbild zu sehen ist. Mehrere Felder sind zart und sorgfältig durchgearbeitet, besonders eine hl. Dreifaltigkeit und eine Selbdritt. Es ist bedauerlich, daß diese Reste alter Glasmalerei in der Schwanenordenskapelle sich in einem so schlechten Zustande befinden. Auch das früher an Glasgemälden reiche Kloster Heilsbronn bei Ansbach hat heute in seinem Hauptchorfenster nur noch einige spärliche Reste alter Glasmalerei erhalten, aber nur so spärliche Reste, daß man sie in dem 1876 mit den technischen Mitteln der damaligen Zeit restaurirten Fenster kaum zu erkennen vermag. Es war ursprünglich ein Votivgemälde für den 1297 ge- ") Alterthümer und Kunstdenkmale des Erlauchten Hauses Hohenzvllttn. . storbenen Burggrafen Friedrich III. Die Reste dieses Fensters waren die einzigen alten Glasmalereien, welche bei der Aufhebung des Klosters nicht entfernt wurden; aus dieser Zeit finden wir folgende Notiz: „Am rothen Fenster hinter den oberen Altar im mittleren Fenster sind die Bildnus Burggrafs zu Nürnberg, so zu Kaiser Rudolfs Zeiten gelebt, und über ihm der Zollcrische Schild und Namen Fridericus, gegenüber aber seiner beiden Gemahlinnen Bildnus, über denen auch der Zollerische Schild mit diesen Worten: Dürre Donnnae DurAgravIae." Es ist unter den Glasgemälden der Kirche das einzige, welches man im zerstörungslustigen 18. Jahrhundert der Aufbewahrung werth erachtete; man nahm es bei der damaligen verunglückten Restauration der Kirche heraus, verwahrte es sorgfältig und setzte es dann wieder ein. Auch die 16 von Abt Petrus Wegel in den Jahren 1466 — 1472 angeschafften Glasgemälde des Kreuzganges mit Darstellungen aus dem Leben des hl. Bernhard waren bei der Aufhebung des Klosters noch unversehrt in Heilsbronn, kamen aber mit noch zwei anderen Fenstern 1774 nach Ansbach laut folgenden Liefer- und Empfangsbescheinigungen : „Aum Iioostlürstliesteii Drmarat Oaol3- staost werclen rmnrit äie aus clsr kiesiZen Xirests genommenen gemalten Venster au 18 I'lügeln üdsr- sauclt. üailsstrcmu, am 28.1)63.1774. «I. ll. VVsinstarck, Verwalter." — „Die Dinlieleruug 3um Dauamt ke- sosteint, Ouelöstaeli, am 29.1)63.1774. 6.IV Xnoll."") Wohin die Fenster von dort aus gerathen sind, ist nicht bekannt; man hat nichts mehr davon gesehen noch gehört. Uebrigens finden wir die Anbringung der Lebensgeschichte des hl. Bernhard in den Kreuzgängen mehrerer Cistercienserklöster, so auch in Altenberg bei Köln. Diese Bilder wurden leider 1824 in Köln verkauft. In der Klosterkirche selbst waren nur die hintersten Fenster des östlichen Chors mit Glasmalereien geschmückt. Ueber dieselben wissen wir nicht mehr, als oben über das Hohenzollernfenster berichtet wurde. Und auch dieses Fenster war 1770 in großer Gefahr. Zeugniß für das rücksichtslose Verfahren in der damaligen Zeit gibt die auf Vorschlag wegen Erleuchtung der an den sogenannten neuen Chor anstoßenden Sakristei der neuen evangelischn Kirche erfolgte Resolution vom 7. Dezbr. 1770: „Die Haupt Musterung in der Sacristeh Verursachet das mittlere lange gemahlte Fenster im Chor. Und da diesse Mahlerey bis oben hinauf, wo ein Burggräfltch Monument stehet, leediglich keine figuren Vorstellet, sondern blos gefärbte Scheuben sind, so wäre der Vorschlag, dieses gemahlte Fenster bis zum Monumente herauszubrechen und dagegen mit neuen Taffeln zu Versehen." ^) Wie schon oben bemerkt wurde, find die alten Neste so geringe, daß man kaum noch von einem alten Fenster sprechen kann. In den obersten Feldern sehen wir in langgestreckten Medaillons eine kleine Kreuzigung, links Zuerst abgebildet von M. Sylvester Schmidt in einem Programm vom Jahre 1701; hierauf von Hocker im Hecks- bronner Antiguitätenschatz S. 3 und nach letzterem von Klingsohr S. 27. Ferner in „Alterthümer und Kunstdenkmale des Erlauchten Hauses Hvhenzollern" von Graf R. Stillsried, Heft I. eine farbige Abbildung. Eine Abbildung des Erneuerungsentwurfes bei Dr. H. Oidtmann, Technik der Glasmalerei. Seite 38. Geschichte von Kloster Heilsbronn von der Urzeit bis zur Neuzeit, von Georg Muck; 3 Bände, Nördlingen 1679. Bd. III, S. 201 u. 266. *°) Vcrgl. Stillsried a. a. O. bei der Beschreibung der ! Münstttkffche^ 237 die knieende Gestalt des 1297 verstorbenen Burggrafen Friedrich III. von Hohenzollern, rechts die knieende« Figuren seiner Gemahlinnen Elisabeth und Helena. Das Fenster entspricht keineswegs den Erwartungen, welche einzelne Schilderungen dieser „figuralen Malereien" erwecken müssen. In den meisten Werken über Glasmalerei wird von den Fenstern zu Heilsbronn gesprochen, eine unliebsame Ungenauigkeitfür den wißbegierigen Leser. Glücklicherweise bieten die übrigen Kunsidenkmäler der Klosterkirche dem Besucher reichlichen Ersatz für diese Enttäuschung. Wie wir sehen, hat das Frankenland, abgesehen von Rokhenburg, nur wenige Denkmäler alter Glasmalerei auszuweisen, eine wahre Fundgrube dagegen für daS Studium alter Glasgemälde bietet Nürnberg in feinen vielen Kirchen und Kapellen; wie tn der Glasgemäldesammlung des Germanischen Museums, so finden wir auch in den Kirchen fast alle Perioden vom 14. Jahrhundert an vertreten. Hierüber vielleicht ein anderes Mall Mein Abschied von den Ptolemäern. Ein X-Strahl durch die Wiener Clique. Von L. (Schluß.) In seinem Exposä („Presse" vom 20. März d. I.) will Herr Jlg seinen Fehler gut machen und behauptet, daß die „aus Thon modellirten und bemalten Porträt b ästen gleichfalls (wie die Porträts auf den Holztafeln) an den Mumien als getreue Konterfeis der darin Bestatteten angebracht waren. „Wir können diesen Büsten keinen Geschmack abgewinnen und muthen ihnen auch keinen besonderen Kunstwerth bet, aber für „getreue Konterfeis" der Bestatteten kann sie nicht einmal ein Zimmermaler halten; selbst der selige Meister Fludribus in Scheffels „Trompeter", der für sieben Schilling den Quadratfuß malte, hätte über die „getreuen Konterfeis" gelächelt. So hat Herr Jlg das getreue Konterfei dort, wo es thatsächlich zu finden war, übersehen und macht seine epochale Entdeckung am unrechten Platz und zu unrechter Zeit! Diese böse Verwechslung erinnert uns an die lustige Scene in Nestroy's „Schlimme Buben", wo die Taferlschüler auf Anregung eines aus ihrer Mitte die Frage- und Antwortzettel verwechseln, die ihnen vom vorsichtigen Schullehrer vor der Prüfung durch den Schulinspektor in die Kappe gelegt wurden. Wir sind am Schlüsse unseres AbschtedsworteS von den Ptolemäern und reproduciren hier den Brief, resp. die Duplik Theodor Graf's auf die Behauptungen Jlg's, da „Die Presse" der Erwiderung des Entdeckers der Bilder und Büsten nicht Raum gegeben. Es ist nicht edelsinnig, daß „Die Presse" nur Verdächtigungen ihrer Mitarbeiter aufnimmt, die Entgegnungen der Angegriffenen jedoch abweist. Herr Jlg kann leicht den Achilles spielen, wenn ihm die Redaction seines Leibblattes den Papierkorbdeckel als Schild vorhält! Herrn Graf's Antwort ist ernst gehalten, ohne Kalauer, wie wir'S nur von den Auslassungen des übermüthigen Feuilletonisten der „Presse" gewohnt sind, der in einer ernstseinsollenden Kritik mit Worten und Ausdrücken herumwirft, die sich nur in '") Uebngeiis sei schon hier bemerkt, daß derartige Unge- nauigkeiten sich in vielen Werken über GlaSmälerci recht unangenehm anhäufen und wiederholen. einem Referat in der „Juxzeitung vom Gschnasabend* schicken. Indem wir den Brief Herrn Graf's und die Antwort der „Presse" wiedergeben, glauben wir, obwohl schon mehr als drei Monate verflossen sind — solange wurde Graf mit Aufnahme seiner Erwiderung hingehalten, deren Veröffentlichung er nach so langer Zeit mit Unrecht für ganz illusorisch hielt —, doch nicht mit dem „Senf nach dem Essen zu kommen", da es sich um eine gerechte Sache handelt, die von der Wiener Clique vertuscht werden wollte! Herrn Graf's Erwiderung lautet: „Erst dieser Tage auf einen in der Abend-Presse vom 20. März erschienenen, mit „Jlg" unterfertigten Aufsatz über meine Ausstellung antiker Porträts und griechisch-römischer Porträt-Büsten und -Masken aufmerksam gemacht, ersuche ich die löbliche Redaction der Presse um Berichtigung mehrerer darin vorkommender Irrthümer. Es ist nicht richtig, daß der genannte Verfasser in meinem Ausstellungs-Local am Kolowratring Nr. 7 die 100 Porträts, die vor 5 Jahren im Künstlerhaus ausgestellt waren, jetzig „vollzählig" wiedersah, weil seitdem, wie auch aus dem Katalog ersichtlich, 25 dieser Bilder an öffentliche Sammlungen (an die kgl. Neue Pinakothek in München, die Museen in Dresden, Kopenhagen, Boston und Philadelphia) und an verschiedene Privat - Galerien verkauft und abgeliefert worden sind. .Bevor er eine so bestimmte Mittheilung machte, hätte er doch wohl die kleine Mühe nicht scheuen sollen, sich über die wahre Zahl der jetzt ausgestellten Bilder zu unterrichten. Wenn der Verfasser des erwähnten Aufsatzes die Aussprüche der größten Maler unserer Zeit über den hohen Kunstwerth dieser unserer antiken Porträts als „Dilettantcngefchwätz" bezeichnet, so trifft er dadurch Männer wie Lenbach, Menzel, Knnus, Gabriel Max, Defregger, Kaulbach, O. Piltz, Wauters, Jan Weth, Passini und Meissonier, die einen solchen Vorwurf gewiß nicht verdienen. Von einem Knaus wurden sogar einzelne dieser enkaustischen Bildnisse, die der Verfasser des erwähnten Artikels als Machwerke von „Provinzhandwerkern" jener Zeit bezeichnet, copirt, und Professor von Lenbach schreibt darüber an einen Kunstfreund: „Sie wissen, wie enthusiastisch beim ersten Anblick der griechisch-ägyptischen Porträtsammlung, dieser für uns ganz neuen Welt, ich bei Bild für Bild gewesen, welche Freude über die naive Auffassung, über die Schönheit deS Tones, über die interessante, ganz verloren gegangene Technik ich geäußert habe. Ich habe die Sammlung dann hier oftmals und neulich wieder in Berlin gesehen und jedesmal denselben erhebenden Eindruck gehabt. Muß es doch zu den Wundern der Welt gezählt werden, daß so viele Porträts aus der antiken Zeit, so frisch wie heute entstanden, gefunden und uns zugänglich gemacht worden sind. Für mich war der Einblick in den Gang einer so geschmackvollen längst vergangenen Zeit ein großes Er- eigniß und eine Quelle von Anregung. Ich wünsche von Herzen, daß diese merkwürdige Galerie des Herrn Graf Deutschland erhalten bleibt."^) „Was nun die Zweifel anbelangt, die der Verfasser ') Jlg: »Hier (Kolowratring Nr. 7) begegnet uns die ganze Galerie dieser merkwürdigen MnmienporträtS wieder, bei 100 Nummern, über die wir uns hier nicht abermals auslasten können." (Wir wissen warum! X. 8.) Dieses Urtheil des ersten Porträtistcn Deutschlands, ja der Welt. über die hellenistischen Porträts wird Herrn Jlg wohl total zudecken! X 8. 338 des kritischen Artikels über die Echtheit der bemalten Büsten und Masken durchblicken läßt, so möge er sich darüber bei dem k. k. Museum für Kunst und Industrie, der k. k. Akademie der bildenden Künste in Wien, dem British Museum in London, dem Llussnin ol Ime Lrts in Boston, dem Museum der Universität von Pennsylvania, die alle aus meiner Collection eine Reihe solcher erwarben, erkundigen, ob sie die ihnen von mir gelieferten polychromirten Büsten und Masken für echt oder unecht halten. „Der Verfasser jenes Artikels sei daran erinnert, daß sich im Museum ägyptischer Alterthümer in Gizeh bei Kairo eine recht bedeutende Sammlung solcher bemalier Büsten und Masken aus der gleichen Fundstätte Bcilan- surah befindet, deren Echtheit vor der Aufstellung festgestellt wurde. «Wer die assyrisch-babylonischen Steinsarkophage im Louvre in Paris, welche die Züge der Verstorbenen in Puppenkopfgröße zeigen, kennt, dem wird die Kleinheit einiger dieser Porträt-Masken gewiß nicht befremdlich erscheinen und keinen Anlaß zu Zweifeln geben. „Die alten Aegypter und auch die späteren griechischen und römischen Bewohner des Nilthales, die den Todten-Cultus der ersteren annahmen, waren zweifellos der Ansicht, daß der Ka, d. i. der Geist oder Genius des Verstorbenen seine sorglich aufbewahrte irdische Hülle, mit der sich auch die äußere Erscheinungsform des Entschlafenen erhielt, auch dann leicht wiederfände, wenn der Kopf nicht die volle Lebensgröße zeigte. Dafür sprechen auch die von mir ausgestellten gemalten Porträts, die vielfach unter Lebensgröße ausgeführt wurden." Diese durch ihre Ruhe und Sachkenntniß ausgezeichnete Erwiderung wollte Theodor Graf in die „Presse" lancireu; aber der Herausgeber dieses Blattes anwortete dem Rechtsfreunde des Angegriffenen: „Der von Ihnen (Graf) eingesandte Artikel enthalte bis auf einen einzigen Punkt, nämlich, daß die Porträts, die Sie gegenwärtig ausstellen, dieselben seien, welche Sie vor fünf Jahren im Künstlerhause exponirt haben, im Uebrigen lediglich einen Gegenartikel über die Kritik des Herrn vr. Albert Jlg. Trotzdem sei er bereit, Ihren Artikel unter der Spitzmarke,Eingesendet' zu bringen, wenn Sie denselben derart umarbeiten, daß ihm jede Spitze gegen den Verfasser des erschienenen Artikels fehlt." Zuletzt versucht es noch der Herausgeber der „Presse", den Nechtsfreund Graf's mit einigen nebensächlichen Für und Wider zu beschwichtigen. Uns ist die fascinirend naive Forderung der Angreifer, der Erwiderung Graf's müsse „jede Spitze gegen den Verfasser" (Jlg) fehlen, genug, um gegen diese Unfehlbarkeits-Erklärung eines Kritikers energisch zu Protestiren! Der Mitarbeiter der „Presse" darf lustig mit Steinen werfen, darf aber dafür nur mit Watte behandelt werden! Wir überlassen die Kritik einer solchen Kampfesweise den Lesern; mögen sie ihr vernichtendes Urtheil über dieses beispiellose Stück Wiener Clique-Wesen fällen. Uns war es darum zu thun, beizutragen, daß derlei Wirthschaft durch Veröffentlichung die verdiente Rüge erhalte. Wenn mir Herr Jlg, der als flotter und witz- reicher Fabulist in der „Wiener Mode" und im Feuilleton Jlg: Wie nun aber die plastischen Köpfe an den Mumien, noch dazu die ganz kleinen, angebracht waren, ist mir unverständlich^ ' anderer Blätter gern gelesen wird, das Privilegium zum Kunstkritiker abgesprochen, so möge er sich kein graues Haar wachsen lassen; man kann ein Fachmann in Beurtheilung von Etsenblcchrüstungen sein, braucht aber deßwegen nicht auch über antike Bildwerke urtheilen zu können, die auf Sykomorenholz gemalt sind. Huoä bans noimuäuirr! Historische Commission bei der k. bayer. Akademie der Wissenschaften. (Bericht des Sekretariats über die 37. Plenarver» sammlung der historischen Commission.) (Schluß.) Die ältere Pfälzische Abtheilung der WittelS- bacher-Correspondenzeu, die am dritten Band der Briefe des Pfalzgrafen Johann Casimir steht, hat von dein Herausgeber, Professor von Bezold, nicht nach Wunsch gefördert werden können, da er durch unerwartete Einberufung zur Theilnahme am philologischen Staatsexamen verhindert wurde, die sür die vorigen Herbstferien beabsichtigte größere archi- valische Reise auszuführen. Während der beiden Semester und der Osterferien mußte er sich darauf beschränken, theils in München, theils in Erlangen einige Archivalien des allgemeinen Ncichsarchivs und des Staatsarchivs, ferner Akten des Straßburger Stadtarchivs, Schlobitteuer Archivalien und Khevenhillersche Depeschen aus dem Germanischen Museum zu bcnützen. Die ältere Bayerische Abtheilung der WittclS- bacher-Correspondenzcn, unter Leitung deö Professors Lassen, hat die von Druffel'schcn Briefe und Akten zur Geschichte des 16. Jahrhunderts mit besonderer Rücksicht auf Bayerns Fürstenhaus in den von dem Urheber geplanten Grenzen zu Ende geführt. Der vierte Band, bearbeitet von Dr. Brandt, wird in den nächsten Tagen ausgegeben werden. Er umfaßt die Jahre 1553—1555. Die wichtigsten der in ihm enthaltenen Aktenstücke zur Geschichte des Neligionsfriedens sollen in einer zum Gebrauch der historischen Uebungen geeigneten Separatausgabe veröffentlicht werden. Auch der Druck der Beiträge zur Geschichte Herzog Albrechts V. und des Lands» berger Bundes, bearbeitet von Dr. Götz, hat begonnen. Da Dr. Götz, der unterdeß Privatdocent an der Universität Leipzig geworden ist, im Winter Urlaub nehmen und sich in München ganz der Bearbeitung des Manuskripts für den Druck widmen wird, so ist zu hoffen, daß dieser Band der nächsten Plenar» Versammlung fertig vorgelegt werden kann. Damit werden die Aufgaben dieser Abtheilung der Wittclsbacher-Correjpondcnzen vorläufig erledigt sein. Die jüngere Bayerische und Pfälzische Abtheilung der Wittelsbacher-Correspondenzen, die Brief« und Akten zur Geschichte des dreißigjährigen Kriegs, unter Leitung des Professors Stieve, ist in erfreulichem Wachsthum» so des Umfangs ihrer Forschungen wie der Zahl ihrer Mitarbeiter, begriffen. Leider ist Professor Stieve durch Krankheit im vergangenen Jahre verhindert worden und wird durch eine andere wissenschaftliche Aufgabe auch im nächsten Jahre verhindert werden, seine langjährigen Arbeiten für die Zeit von 1608—1610 durch die Drucklegung des 7. und 8. Bandes zu beendigen. Anderseits ist es ihm möglich gewesen, für die Zwecke der Abtheilung einen vorbereitenden Besuch der Archive zu Zerbst, Weimar und Würzburg auszuführen. Seine alten Mitarbeiter, Dr. Chrou st und Dr. May r» Deisinger, haben, der erstere zunächst für die Jahre 1611 bis 1613, der andere sür die Jahre 1618 bis 1620, weiter gearbeitet. Dr. Eh roust hat die protestantische Correspondenz des hiesigen Staatsarchivs durchgesehen und hierdurch mit den Münchner Akten für die bezeichneten Jahre nahezu abgeschlossen. Daneben beschäftigten ihn die Schlobitteuer Papiere, deren Ueber- senbung wir dem überaus gütigen Entgegenkommen des Grafen Richard zu Dohna-Schlobitten auch während des verflossenen Jahres zu danken hatten, unter welchen zwei von Abraham von Dohna geschriebenen Bänden Brandenburger Ge- heimrathSprotokolle für 1611 —1618 eine hervorragende Bedeutung zukommt; ferner Anhaltische Akten, deren Ucbcrsendung aus dem Zerbster Archiv die herzogliche Regierung gestattet hat. Außerdem beendigte er in sechSwöchentlichcm Aufenthalt zu Wien seine dortigen Arbeiten im Ministerium des Innern und im Staatsarchiv. Das Ergebniß seiner jetzt abgeschlossenen Wiener Reisen ist die erschöpfende Aufhellung der kaiserlichen und der Kurmainzcr Neichspoliiik in jenen Jahren.' Unter manchen überraschenden Aufschlüssen mag die Enthüllung der eigentlichen Ziele des Passaucr Kriegsvolks erwähnt werden- vr. Chroust wird nun den Rest der Anhaltischen Papiere, dann die Dresdner und Jnnsbrucker Akten vornehmen. Schließlich darf hier darauf hingewiesen werden, daß vr. Chroust in diesem Jahr ein umfangreiches satirisches Gedicht des Grafen Abraham von Dohna über den Reichstag von 1613 veröffentlicht hat. vr. Mayr-Deisinger fuhr fort, die Dresdner Akten, insbesondere die Lebzelter'schcn Berichte, zu bearbeiten, und hofft damit gegen Ende des Jahrs fertig zu werden. Daneben werden die Anhaltischen Akten zu durchforschen sein. Ein Wiener Aufenthalt von acht Wochen ergab überraschend reiche Ausbeute. Im Staatsarchiv fanden sich in der Sammlung Bohemica, die ein früherer Forscher nur oberflächlich benutzt hatte, unter andern höchst wcrthvollen Briefen auch Theile der nach der Schlacht am Weißen Berg erbeuteten „Heidelberger Akten" mit der Corrcspondcnz Friedrichs V. und seiner Staatsmänner und Generale. Ferner bot das Hoskammerarchiv, welches ein anderer Verstorbener Forscher auch nur höchst flüchtig benutzt hatte, in sechs mächtigen Fascikeln einen tiefen Einblick in die traurige Finanzlage des Kaisers. In der Hosbibliothek fanden sich handschriftliche Denkwürdigkeiten, die wahrscheinlich von Martiniz herrühren. Ferner erhielt vr. Mahr durch die Vermittlung des Professors Mencik aus dem Archiv der Grasen Harrach zwei Bände eigenhändiger Aufzeichnungen des Grafen 'Karl von Harrach über die Geheimrathssitzungen am Wiener Hof, mit Briefen Bucquoys und anderer Feldherren u. a. m. Eine nochmalige Reise vr. Mahrs nach Wien wird erforderlich sein. Zwei andere junge Gelehrte, vr. Altmann und vr. Hopfen, sind als Mitarbeiter des Professors Stieve eingetreten, ohne Besoldung und in einem freieren Verhältniß, in der Art, daß sie verwandte Ziele unabhängig verfolgen und für die Förderung, welche ihnen der Anschluß an die Commission im In- und Ausland gewährt, sich verpflichten, ihre Auszüge und Abschriften der Commission zu überweisen, vr. Altinann hat zum Gegenstand seiner Studien die auswärtige Politik BahernS in den Jahren 1627 — 1630 gewählt. Nachdem er schon früher in derselben Richtung thätig gewesen war, hat er im letzten Jahr in Dresden, Prag, Wien, Innsbruck gearbeitet, und wird nun fortfahren, hier die Münchner und die aus deutschen Archiven hierher geschickten Akten zu durchforschen. vr. Hopfen bat sich die Aufgabe gestellt, die deutsche Politik Spaniens in den Jahren 1621—1634 zu ergründen, und ist zu diesem Zweck im letzten Jahr in SimancaS und Madrid, dann in Paris, weiter in London, Brüssel und im Haag gewesen. Ihm ist gelungen, die in SimancaS, Madrid, Brüssel und London zerstreuten wöchentlichen Berichte der spanischen Botschafter am kaiserliche» Hof aus den Jahren 1621—1634 fast vollzählig zu sammeln. Ferner fand er die meisten Instruktionen für die bezeichneten Botschafter. Außerdem konnte er die Berichte an den König über die Verhandlungen des Staatsraths und die Korrespondenzen der spanischen Regierung mit dem Brüsseler Hof und den italienischen Statthaltern ausbeuten. Ueber die gleichzeitigen Verhandlungen mit England in der Piälzer Frage und über das Verhältniß zu Frankreich gaben ihm die Berichte der französischen und der englischen Gesandten am spanischen Hof Ausschluß. Den glücklichen Erfolg, den er namentlich in Spanien selbst hatte, verdankt er der hilfreichen Unterstützung des Minister-Präsidenten Cänovas del Castillo und zahlreicher anderer spanischer und deutscher Gönner. Recensionen nnd Notizen. Psychologie und Philosophie. Ein Wort zur Verständigung von vr. C. Güttler, Privatdocent. München. Verlag von Piloty und Loehle. " Bekanntlich findet Heuer in München ein Psychologischer Congreß statt, für welchen ein überaus großes Arbeitsprogramm festgestellt und durch zahlreiche publicistische Avis die öffentliche Aufmerksamkeit beansprucht wurde. Die oben erwähnte Broschüre vr. Güttlcrs ist an sich und angesichts jenes Congrcsses sehr dankenSwerth. Die Psychologie im Sinne der modernen Psychologen hat die alten Bahnen verlassen; sie ist eine Wissenschaft geworden, in welcher schon das — Experiment Trumpf ist; sie ist wesentlich physiologische Psychologie und Psycho-Physik und „kommt ohne Laboratorium und Apparate nicht vorwärts". Die Vorstellung der älteren Psychologie von einer „substantia. oogitans per ss oxistous'; ist für diese moderne „Psychologie" nicht vorhanden; für die Gewinnung einer Weltauffassung ist sie selbstverständlich ohne Werth, und wo ihre Adepten an dieses Ziel überhaupt noch herantreten, wandeln sie die ausgefahrencn Geleise des Materialismus. Der Autor unserer Broschüre, welcher das höbe Interesse anerkennt, das der modernen „Psychologie" zukommt, gliedert seine Darlegung nach drei Gesichtspunkten: 1. welche Aufgaben stellt sich die heutige Psychologie, und wie sucht sie dieselben zu lösen; 2. welche wissenschaftliche Definition kommt der Psychologie zu; 3. welches ist ihr Verhältniß zur Philosophie, und welchen Platz nimmt sie als Lehrfach ein? Seine Erörterung dieser Punkte ist fesselnd und anregend und scheint uns sehr geeignet, für eine „reinliche Scheidung" der Disciplinen Grund zu legen und der philosophischen Psychologie gegenüber der im Laboratorium arbeitenden — die rsets als ein Zweig der Naturwissenschaften zu betrachten wäre — die ihr gebührende Stellung zu sichern. Möge die Arbeit vr. Güttlcrs Beachtung bei den Sachverständigen finden, aber auch von Jenen gelesen werden, welche von der „Umwerthung" der rationalen Psychologie zur physiologischen und Psycho-Physik noch wenig Kenntniß haben! Edmund Behringer, Ein Erbenwallen. Aschaffenburg Verlag der C. Krebs'schen Buchhandlung (E. Kriegenherdt) Preis 3.60 M. v Der Name Behringer ist neben dem Verfasser von Dreizehnlinden in der von christlichem Geiste getragenen poetischen Literatur unserer Zeit schon längst rühmlichst bekannt. An die früher veröffentlichten Gaben seiner Muse, „Das Felsenkreuz", „Die Apostel des Herrn", „Der Königin des hl. Rosenkranzes", „DaS Vaterunser", reiht sich in würdiger Weise das oben angeführte Werk an und wird, mit dem wohlgelungcnen Bilde des Verfassers ausgestattet, ganz besonders -den zahlreichen Freunden und Bekannten des gotrbcgnadcten, großen Sängers hochwillkommen sein. In diesem „Erdenwallcn" wird dem Leser in einem reizenden Cyklus von Bildern und Szenen das ganze, reiche Dichtcrlebcn Behrinzers vorgeführt, der herrliche Maienmorgen seiner Kindheit, seine sonnigen, sangesfrohcn JünglingS- und Studienjabrc, nnd so geht es fort bis zum Höhepunkte und zur poetischen Vollkraft und Reife seiner dichterischen Entwicklung. So singt er bald mit lyrischer Innigkeit, bald mit epischer Fülle von allem Hohen und Edlen, was Menschenbrnst bewegt, von Freiheit und Mannesmuih, von Gottesminne und Nächstenliebe, von Heimath und Vaterland. Sein liederliches „Erdenwallcn" ist fortgeführt bis zur Gegenwart, wo wir ihn zusehen meinen, wie er durch die Wälder und Höhen des Spessarts wandert und dort in den Hütten der Armuth Trost und Segen verbreitet. Denn wie sein ganzes Leben, so sind auch diese Gesänge nicht bloß von dem Hauche gotiinnigster Frömmigkeit durchweht, sondern auch von jener herzlichen, opferwilligen An- theilnahmc mit allem fremden Weh nnd Leid, die nichts für sich sucht, sondern in allem Thun und Streben nur das Wohl der Mitmenschen im Ange hat. Ist doch der volle Ertrag aller Dichtungen BehringerS der Förderung und Erziehung der armen Spessartwaisen gewidmet, ein Umstand, der gewiß jede weitere Empfehlung überflüssig macht. Der Marienbote. Jllnstrirte Monatsschrift für Marien- kiuder und Töchter katholischer Familien. Verlag von Carl Aug. Seyfricd u. Comp., München, bl. Die Feinde des Christenthums haben eine reiche Literatur in's Leben gerufen, welche die weibliche Jugend dem positiven Glauben entfremden und von der althergebrachten frommen, tugendlichen Sitte emancipiren soll. Wir haben dem eine verhältnißmäßig spärliche katholische Mädchenliteratur gegenüberzustellen und gar Weniges, was sich mit dem blühenden Stile, den interessanten Zusammenstellungen und den sonstigen formellen Vorzügen gegnerischer Erzeugnisse messen könnte. Deßwegen ist cS ungemein dankenSwerth, daß es eine hervorragende Kraft unternommen, der katholischen Mädchenwelt Monatblätter zu widmen, welche an Gediegenheit des Inhalts und streng kirchlicher Tendenz auf unantastbarer Höhe stehen und zugleich durch formvollendete Sprache und wohlbercchnete Abwechslung zwischen Unterhaltung und Belehrung den Ansprüchen einer feinen wie praktischen Mädchen-Erziehung in gleich ersprießlicher Weise entgegenkommen. Eben dieser Doppel- vorzug, der Pflege des Idealen und Praktischen, tiefer Frömmigkeit und werkthätiger Nächstenliebe — das Emporziehen des weiblichen Gemüthes zum Himmel und das sinnige Herabsteigen in die Gebiete alltäglicher Pflichterfüllung — dieser Geist der Maria und Martha, welcher die stattliche Reihe der uns nun vorliegenden Blätter durchzieht, ist es, der uns dieselben ganz befondcrs rjchmenswerth macht. Der Marjenbote wird daS 840 zuweilen in tiefem Schlummer liegende Pflichtbewußtsein unserer jungen Dämchen wecken, die Verschrobenheiten moderner Bildung bekämpfen, der Vergnügungssucht, dem Luxus, der weiblichen Eitelkeit den Geist der Entsagung, der Einfachheit und der Demutb entgegensetzen — den Maricnkindern wird er die Segensbotschast der Himmelskönigin verkünden, und allenthalben wird er ihr neue Töchter zuführen. Welche katholischen Eltern und Erzieherinnen dürften also wohl dem Marienboten ihre Thüre verschließen? _ Sophie von Künsberg, Marienleben. 8°. 32 S. Negensburg, Nat. Verlagshandlung (G. I. Manz) 1896. 7r. In „tiefem Waldcsfrieden ein schlichtes Muttcrgotles- bild" am Stamme einer Linde hat sich die Verfasserin erwählt, um dasselbe nach dem Laufe der marianischcn Festzeiten mit sinnigen Blumen der Poesie zu schmücken. Das lauschige, zur stillen Andacht stimmende Plätzchen an der „Maricnlinde" wird uns im ersten hübschen Gedicht geschildert. Nun folgen die Maricntage des Kirchenjahres; ein paar Einleitungsstrophen Versetzen uns in eine wahr empfundene Naturbetrachtung, um dann in weiteren Versen das betreffende Festgeheimniß damit in Zusammenhang zu bringen. Wir treffen in den kurzen und formell abgerundeten Gedichtchen keine erkünstelte Gedankentiefe, sondern den Erguß einer schlichten, aufrichtigen Andacht verbunden mit der Gabe poetischen Natursinnes. Der Uebelstand des einerlei Versmaßes, den sovicle derartige Versuche haben, ist sehr glücklich vermieden, und erfreuen wir uns einer Abwechslung in der Metrik, welche die lieblichen Strophen nie langweilig und langathmig macht. Bei der Fülle religiöser Poesien ist das Unternehmen der Verfasserin immer ein Waguiß gewesen, aber wir sind der Ansicht, daß sich ihre Gabe auch neben den besten Erzeugnissen dieser Gattung mit Ehren sehen lassen kann. Von absonderlichen Wortbildungen, sowie von trivialen Phrasen sind die 32 Seiten frei, auch merkt man den Zeilen eine gewissenhafte Feilung an. Das sehr hübsch ausgestattete Büchlein verdient gewiß empfohlen zu werden sowohl Wegen seines eigenen Werthes, wie auch wegen deS guten Zweckes, nämlich zum Besten der Afrika-Missionen. Meschler M. (s-9.), Die Gabe des bl. Pfingstfestes. Betrachtungen über den hl. Geist. 8", VIII -s- 518 S. Freiburg i. Br., Herder 1896 (III.) M. 3,50; gebd. M. 5.00. s. Die in kurzer Zeit nöthig gewordene dritte Auflage dieser Betrachtungen beweist zur Genüge, daß sie einem Bedürfniß entgegengekommen sind. In der That ist die Literatur über diesen Gegenstand äußerst spärlich; gut aber ist es, unserm Volk, das die dritte Person der hl. Trinität in der Andacht über Gebühr zurücksetzt, auch den hl. Geist und den Glauben an ihn, der das Leben der Gnade auswirkt, zuni Bewußtsein zu bringen. Das geschieht durch k. Meschler anerkannter Weise in vorzüglicher Form. Man kann für das Buch also nur dankbar sein. Warum gründen wir katholische Arbeiterv ereine? Von I. Eckard, Präses des katholischen Arbeitervereins in Stuttgart. Stuttgart 1896. Buchdruckerei der Act.-Ges. „Deutsches Volksblatt". Preis 20 Pfg. R. Herr Redakteur und Laudtagsabgeordnetcr Eckard, der in Württemberg unermüdlich thätig ist für Gründung katholischer Arbeitervereine, weist in dieser kleinen Broschüre, in welcher die innerste Ueberzeugung des Verfassers und dessen Begeisterung für die Sache der katholischen Arbeitervereine zu beredtem Ausdruck kommt, die Nothwendigkeit dieser Vereine nach. Die Broschüre ist in erster Linie nicht an die Arbeiter gerichtet, obwohl auch diese über Zweck und Organisation der katholischen Arbeitervereine aus ihr sehr vieles entnehmen können, sie wendet sich vielmehr an alle jene — Geistliche wie Laien — die vermöge ihrer socialen Stellung berufen sind, die Gründung eines katholischen Arbeitervereins zu veranlassen, einen solchen Verein zu leiten oder irgendwie zu unterstützen. Wir können die Broschüre aufs wärmste empfehlen und wünschen, daß sie eine gute Aufnahme und weite Verbreitung finden möge. „Die Wahrheit." Herausgegeben von Ph. Wasserburg. Verlag von Rud. Abt in München. (Erscheint monatlich zweimal. AbonnemeutSpreis pr. Jahr 8 M.; Einzel- hefte 50 Ps.) * Von dieser Halbmonatsschrift liegen uns die ersten 12 Hefte vor, welche im Ganzen und Großen die Erwartungen rechtfertigen, welche an die Gründung dieses litcrarischen Unter» nebmens seitens der Leser geknüpft wurden. Eine Reihe vortrefflicher Aufsähe behandeln theils aktuelle Fragen der Tagesgeschichte, theils allgemeine Themen aus den Gebieten der Geschichte, Socialwissenschast, der Kunst u. s. w., und zwar derart, daß die betr. Aufsätze in jedem Hefte ein abgeschlossenes Ganzes bilde». Der Aufgabe der Zeitschrift entsprechend, tragen die Abhandlungen vielfach apologetischen Charakter, wodurch diese Zeitschrift zu einer Quelle der Belehrung und zu einem Arsenal für die Discussion mit Gegnern sich gestaltet. Sink auch, wie natürlich, nicht alle Abhandlungen von gleichem Werth und Interesse, so darf man doch das Unternehmen, das von einer tüchtigen Redaction Zeugniß gibt. auf's beste empfehlen. Sehr lobenswerth ist auch die gute Ausstattung und das gut gewählte Format der Hefte. Theologisch-praktische Monatsschrift. Monatlich erscheint 1 Heft in der Stärke von 5 Bg. od. 80 S. gr. 8°. Preis ganzjährig 5 Mk. Inhalt des 7. HefteS 1896: Jakob Greiser als Apologet der Gesellschaft Jesu. — Vollständigkeit der Beicht bezüglich der vergessenen, nachher wieder erinnerlichen Sünden. — Ueber das Wallfahrten und die Verhütung der dabei unterlaufenden Ucbelstände. — Lehrreiches vom „Moraluntcrricht" in der französischen Volksschule. — Rechtliche Natur des sogen. Pfarrgeldes und Einfluß des Religionsbekenntnisses aus die Pflicht zu dessen Entrichtung. — Verweigerung des elterlichen Consenses zur Verebelichung. — Die Erziehungsfehler, welche die Ursache der Nervosität sind. — Sind schwach begabte Kinder, sobald sie das gehörige Alter erreicht haben, zur ersten bl. Beichte zuzulassen? — Pflicht der Gemeinden zu Scbulhausl anten. — Das Werk vom Brode des hl. Antonius, eine „sociale Andacht". — Mehrere Aemter äs Lsgniom an einem Tage in der nämlichen .Kirche. — Appellation von der geistlichen an die weltliche Regierung in Vcrwaltungssachen. — Beachtenswcrthe Kleinigkeiten. — Neueste Entscheidungen der römischen Congre- gationen. — Erlasse der obersten Verwaltungsstellen und Entscheidungen der obersten Gerichtshöfe. — Novitätcnschau. Stimmen aus Maria-Laach. Katholische Blätter. Jahrgang 1896. Zehn Hefte M. 10.80 (oder zwei Bände L M. 5.10). — Freiburg im Breisgau. Herder'sche Verlagshaudluug. Durch die Post und den Buchhandel. Inhalt des 6. Heftes: Die Naturgesetze der culturellen Entwicklung und die Volkswirthschaft. I. (H. Pesch 8. 9.) — Herbarts Ansichten über Religion. (A. Schwabe 8. 9.) — Die historische Vorlage zu Shakespeares Falstaff. (O. Pfüls 8. .1.) — Das Hexenwesen in Dänemark. I. (-s- W. PlenkerS 8. 9.) — Des hl. Ambrosius Lied vom Hahnenschrei. (G. M. DrcveS 8. 9.) — Recensionen: Gutbcrlet, Der Mensch. Sein Ursprung und seine Entwicklung (E Wasmaun 8. 9.); Brandts, Die katholischen Wohlthätigkeits-Anstalten und -Vereine (H. Pesch 8. I.); Uam^, Oalsris illnstrss äs la DompaZnis äs 9ssvs (St. Beissel 8.9.) -- Empfehlenöwerthe Schriften. — Miscellen: Zum Jubiläum der Dublin Lovlorv; ZolaS Buch über Rom; Die Universitäten Italiens. Charitas. Zeitschrist für die Werke der Nächstenliebe im katholischen Deutschland. Unter Mitwirkung von Fachmännern herausgegeben vom Charitas- Comits zu Freiburg i. Br. Erster Jahrg. 1896. Erscheint, 16 Seiten stark, je am 1. des Monats und kann durch die Post und den Buchhandel bezogen werden. AbonnementsprciS jährlich 3 Mark. — Freiburg i. Br. Herder'sche Verlagshandlung. Nr. 7 enthält u. A.: Die Liebesthätigkeii der Cistercienser im Mittelalter. — Wie kann das Vermögen von Wohlthätig- keitsanstalten, Vereinen und Kongregationen am besten sicher gestellt werden? II. (Schluß.) — Ueber das Sammeln von Briefmarken u. dgl. im Dienste der christlichen Charitas. — Kleine Mittel zur Verbesserung der Armenwohnungen. — Der Orden und die Genossenschaften der Barmherzigen Brüder. I. — Zum Kampf gegen den Alkohol. (2. Die nichtkatholischcn Bestrebungen.) — Marianischer Mädchenschutzverein. — Die Bekämpfung des Concubinats zu München. — Eine Haushaltungsschule für Bauernt ächter. — Katholische Trinkerheilanstalt in der Centralschweiz. Peranffv, Redacteur.: Ad, Haas in WMurg..—D.ruck u, Verlag des Lit. Instituts von Haas L Grabherr in Augsburg.