Heine als „Genosse"! vr. 8t. Die deutschen Socialdemokraten, welche 1891 dem internationalen Bergarbettercongreß in Paris anwohnten, legten auf Heine'S Grab einen Kranz nieder mit der Widmung: „Die Bergarbeiter ihrem Bruder Heinrich Heine". — Socialdemokratische Lesevereine werden „Heine" getauft. — Sein „Eiapopeia": „Verschleimn«! soll nicht der faule Bauch» Was lleitzige Hände erwarben. Es wächst hieniedcn Brod genug Für alle Menschenkinder, Auch Rosen und Myrten, Schönheit und Lust Und Zuckererbsen nicht minder", das sich in sämmtlichen socialistischen Liederbüchern findet, scheint ihn auch wirklich als einen Freund socialistischer Tendenzen zu beweisen. Aber Heine in der That ein „Bruder" der Arbeiter? Ein „Genosse" rußiger, derber Gesellen? Ein Freund comwuuistischer Tendenzen? Wer nur dessen Schriften etwas mehr als flüchtig gelesen hat, muß dazu staunend den Kopf schütteln. Heine war im Gegensatz zu Börne eine „aristokratische" Natur. Er fühlte sich auch am wohlsten in Aristokratenkreisen. Schon als Student verkehrte er fast ausschließlich theils in den Salons der Rahe! Levin, wo außer der Elite der Schriftstellerwelt auch hohe Aristokraten, wie Prinz Louis Ferdinand, die Herren v. Brinkmann u. a., sich trafen, theils im gleichfeinen Zirkel der Elise von Hohenhausen. In den Bädern von Norderney, Lucca, Cauterets war er ständiger Gast der auserlesensten Kreise. In München (1827) lebte er „im Foyer der Noblesse", liebte „die liebenswürdigsten Aristokratinnen" und sah sich selbst von „Prinzessinnen des kgl. Hofes" verzogen. In Paris war er oftgesehener Gast der ersten Salons, so bei Caroline Zaubert, bei der Fürstin Belgiojoso, von Comtessen und Fürstinnen umschwärmt. Kein Wunder, daß er die Gesellschaft der deutschen Emigranten, die ihm „mit ihrem beständigen Kannegießern" zuwider waren, mied. Heine taugt auch keineswegs zum „Märtyrer der Entbehrung". Mit der jährlichen Rente von 4000 Fr., die ihm sein Onkel Salomon, der reichste Mann in Hamburg, ausgesetzt hatte, kam er nicht aus; er bewirkte deren Erhöhung auf 4800 Fr.; daneben hatte er eine beiläufige Jahreseinnahme von 3000 Fr.; ferner erhielt er von der französischen Regierung das jährliche „Almosen" von 4800 Fr. — trotzdem litt der Dichter an ständigen Finanznöthen, freilich leicht erklärlich, wenn man dessen Gourmandise und Leichtlebigkeit kennt. Nun freilich, was Singer und Lassalle erlaubt ist, kann man auch Heine zusehen! Aber wenden wir uns seinen politischen Ansichten zu! Nicht oft genug kann er betonen — ob nun aus Ueberzeugung oder nicht, gehört nicht hieher — er sei „Monarchist". „Ich bin bei Gott kein Republikaner; ich weiß, wenn die Republikaner siegen, so schneiden sie mir die Kehle ab" — ein Ausspruch, der Börne zu einem leidenschaftlichen Angriff auf Heine reizt. Heine haßt, verabscheut jeden „Umsturz", seit er „die heidnische Wildheit entzügelter Bolksmassen in der Nähe betrachtete". Der Dichter ist Samt - Simonist. Aber wie sein Meister, sucht er Abhilfe von Seiten der „Gebildeten", es bangt ihm, daß der „Mob" diese Lehren aufgreift. „Die zerstörenden Doctrinen haben in Frankreich zu sehr die unteren Klaffen ergriffen — eS handelt sich nicht mehr um Gleichheit der Rechte, sondern um Gleichheit des Genusses auf dieser Erde, und es gibt in Paris etwa 400,000 rohe Fäuste, welche nur des Losungswortes harren, um die Idee der absoluten Gleichheit -u verwirklichen, die in ihren rohen Köpfen brütet." Ihm ist vom Standpunkte des Culturmenschen aus angst vor den radicalcn Zielen des CommunismuS. „Meine Scheu vor dem letzteren hat wahrlich nichts gemein mit der Furcht des Glückspilzes, der für seine Kapitalien zittert . . . nein, mich beklemmt vielmehr die geheime Angst des Künstlers und des Gelehrten, die wir unsere ganze moderne Civilisation, die mühselige Errungenschaft so vieler Jahrhunderte, . . . durch den Sieg des CommunismuS bedroht sehen. . . . Wir können uns nimmermehr verhehlen, wessen wir uns zu gewärtigen haben, sobald die große rohe Masse, welche die einen das Volk, die andern den Pöbel nennen, ... zur wirklichen Herrschaft käme. Ganz besonders empfindet der Dichter ein unheimliches Grauen vor dem Regierungsantritte dieses täppischen Souveräns. Wir wollen gern für das Volk uns opfern ..., aber die reinliche, sensitive Natur des Dichters sträubt sich gegen jede persönlich nahe Berührung mit dem Volke, und noch mehr schrecken wir zusammen bei dem Gedanken an seine Liebkosungen, vor denen uns Gott bewahre!" Die große Masse ist ihm „stupid". „Seine Majestät das Volk ... ist nicht sehr intelligent; es ist . . . fast so bestialisch dumm, wie seine Günstlinge." Der Atheismus ist ihm verekelt, seitdem er „merkte, daß die rohe Plebs, der Janhagel, ebenfalls dieselben Themata zu discutiren begann in seinen schmutzigen Symposien, wo statt der Wachskerzen und Girandolen nur Talglichter und Thranlampen leuchteten, als ich sah, daß Schmierlappen von Schuster- und Schneidergesellen in ihrer plumpen Herbergssprache die Existenz Gottes zu leugnen sich unterfingen — als der Atheismus anfing, sehr stark nach Käse, Branntwein und Tabak zu stinken —: da gingen mir plötzlich die Augen auf, und was ich nicht durch meinen Verstand begriffen hatte, das begriff ich jetzt durch den Geruchssinn, durch das Mißbehagen des Ekels, und mit meinem Atheismus hatte es Gottlob! ein Ende." D'rum empfand er auch eine „unbezwingbare Aversion vor der Annäherung des famosen Weitling", des communistischen Schneidergesellen. „Der liebe Gott hat mir gewiß alle meine alten Frevel von Herzen verziehen, wenn er die Demüthigung in Anschlag brachte, die ich bei jenem Handwerksgruß des ungläubigen Knoten- thums . . . empfand." „Was meinen Stolz am meisten verletzte, war der gänzliche Mangel au Respekt, den der Bursche an den Tag legte, als er mit mir sprach ..." — Und einen, der also spricht, nennt man „Genossen" N In Paris wohnte er einmal — und nicht wieder — einer Volksversammlung mit Borne bei. Man lese diese Schilderung, und der letzte Zweifel wird verschwinden: „Denkt Euch meinen Schreck, als ich in Paris der . . . Volksversammlung beiwohnte, fand ich sämmtliche Vaterlandsretter mit Tabakspfeifen im Maule, und der ganze Saal war so erfüllt von schlechtem Knasterqualm, daß er mir gleich auf die Brust schlug und es miz 242 platterdings unmöglich gewesen wäre, ein Wort zu reden." „Ich merkte überhaupt, daß die deutsche Tribunal- carriöre nicht eben mit Nosen und am allerwenigsten mit reinlichen Nosen bedeckt. So z. B. mußt du allen diesen Zuhörern ,lieben Brudern und Gevattern' recht derb die Hand drücken. Es ist vielleicht metaphorisch gemeint, wenn Borne behauptet: im Fall ihm ein König die Hand gedrückt, würde er sie nachher in'S Feuer halten, um sie zu reinigen; eS ist aber durchaus nicht bildlich, sondern ganz buchstäblich gemeint, daß ich, wenn mir das Volk die Hand gedrückt, sie nachher waschen werde. — Man muß .... das Volk mit eigenen Augen gesehen, mit eigener Nase gerochen haben. . . ." Im Gegensatz zu der rohen Masse ist ihm die „Elite der Nation, die auf den Universitäten .... die feinste Ausbildung erlangt hat". Kann ein „Bourgeois" anders sprechen? Dies wird genügen, um hinlänglich erwiesen zu haben, daß Heine als „Genosse" eine Lächerlichkeit in sich begreift, daß, wenn nicht vollständige Unkenntniß seiner Schriften oder absichtliches Vertuschen, nichts den „ungezogenen Liebling der Grazien" den Socialdemokraten, auch nur im entferntesten, zugesellen kann. Die Bibel in der Volksschule. 8. Aus Schwaben. Die Lehre der Protestanten, daß die Bibel die alleinige Norm des christlichen Glaubens und Lebens sei und daß ihr Verständniß der nämliche hl. Geist, der sie eingegeben, jedem heilsbegierigen Leser erschließe, hat naturgemäß dazu geführt, die Bibel zum Lesebuch der Volksschule zu machen. Lange war sie neben Katechismus und Gesangbuch fast daS einzige Schulbuch. Es fehlte nicht an solchen, welche die Realien nur im biblischen Nahmen betreiben und die Rechenexempel aus der Bibel nehmen wollten. Dabei kam es vor, daß die Bibel mehrmals von vorn nach hinten und von hinten nach vorn ohne Wahl durchgelesen wurde, also wohl auch die Volkszählung des 4. Buches Mosts und die Geschlechtsregister der Chronik (I), wobei die hl. Stoffe von den stotternden und hinkenden Lesebengeln verhunzt wurden. (Polack, Brosamen I, S. 80.) Dies ist nun freilich unter der Bewegung der modernen Pädagogik wesentlich anders geworden. Die Bibel hat aufgehört, das einzige Schulbuch der Protestanten zu sein. Diese haben, wie die Katholiken, ihre Lesebücher rc. rc. und bei uns sogar eine „Biblische Geschichte" von Buch- rucker. Daneben ist die Bibel doch noch als Schulbuch der Volksschule geblieben. In Bayern ordnet eine Cultus-Ministerial-Entschließung vom Jahre 1883 an, daß im 6. und 7. Jahrgang der protestantischen Schulen während des ganzen Jahres neben den für den Religionsunterricht bestimmten Wochenstunden eine weitere zum Bibellesen verwendet werde. Für Schwaben enthält eine Megierungs-Entschließung vom 9. April 1885 den Leseplan für beide Jahrgänge. Außer etwa 24 Psalmen ist der bezeichnete Lesestoff durchaus dem Neuen Testament entnommen.*) *) Wie es scheint, haben die Protestanten in den unge- theilten Schulen unseres Kreises für Religion in der Oberklaffe sechs Wochenstunden, während die Katholiken vielfach nur Vier Wochenstunden haben. Für letztere bestimmt eine Rggs.» Mfchl. v. 14. Sept. 18SS, daß die durch das Regulativ an- Obwohl der Lesestoff aus den Psalmen und dem Neuen Testament genommen ist, und der in der biblischen Geschichte enthaltene Geschichtsstoff als nahezu ausreichend bezeichnet wird, ist doch bisher, soviel bekannt, die volle oder ganze Bibel, wie sie Luthers Uebersetzung enthält, im Gebrauch geblieben, und die ernsten Bedenken haben bisher keine Beachtung gefunden. Diese Bedenken beziehen sich sowohl auf die sittlichen Gefahren, welche manche Stellen und Partien für die heranwachsende Jugend enthalten, als auf das schwierige Verständniß vieler Partien. Der bereits erwähnte Polack bemerkt darüber: „Manche leugnen zwar die sittliche Gefahr, die in der Lektüre dieser Stellen liegt. Ich weiß aus Erfahrung, daß sie vorhanden ist. Und die Erfahrung ist die höchste Instanz. In meiner Dorfschule kannten die meisten älteren Kinder die betreffenden anstößigen Stellen, lasen sie fleißig und machten ihre zweideutigen, ja zotigen Bemerkungen darüber. Einzelne ältere Schlingel vermachten die Kenntniß und das Verständniß dieser Stellen immer der nachfolgenden Schulgeneration. Ich weiß noch sehr genau, daß mir des Schulmeisters eigener Sohn die Stellen heimlich zeigte und Glossen dazu machte, die ich als neunjähriger Bursche nicht verstand und die mir doch ein eigenthümliches Gefühl erregten. Erst ziemlich spät ist mir das Verständniß dieser Stellen aufgegangen, und doch habe ich sie vorher mit einem unerklärbaren Gefühl daheim immer wieder gelesen." Gewiß muß der kgl. preuß. Kreis-Schultnspektor hierin als verlässiger Gewährsmann gelten. Die hl. Urkunde hat zumal in den Geschichtsbüchern des Alten Testamentes einen Realismus, welchen die heranwachsende Jugend im Allgemeinen nicht ertragen kann. Man denke nur an Erzählungen, wie sie Gen. 19, 34, 39 bietet. Dazu gehören einige Bestimmungen der bürgerlichen Gesetze 2 Mos. 21 ff. Auch in den Büchern der Richter, Ruth, Samuels und der Könige fehlt es nicht an bedenklichen Stellen und Partien. Es gehört doch ein sonderbarer pädagogischer Standpunkt dazu, der heranwachsenden Jugend diese Schilderungen von der düstern Nachtseite des menschlichen Sünden- elends als Schulbuch in die Hand zu geben! — Wer sagt denn dem Protestanten, daß gerade die bei ihm re- cipirten Bücher die Regel und Richtschnur des Glaubens bieten und daß jeder alle kennen und lesen muß? — St. Paulus sagt: „Ich konnte nicht mit euch reden als mit geistlichen, sondern als mit fleischlichen, wie mit jungen Kindern in Christo; Milch habe ich euch zu trinken gegeben, nicht Speise; denn ihr vermochtet es noch nicht" (1 Kor. 3, 1). Dieser Rücksicht entsprechen auch manche Partien der Lehrbücher und der Propheten nicht. WaS soll es für einen 12jährigen Schüler, wenn eS Spricht». 5,18.19 heißt — ich führe den Text Luthers an: „Dein Born sei gesegnet, und freue dich des Weibes deiner Jugend — sie ist lieblich wie eine Hindin und holdselig wie ein Reh." — Beim Hohenlied hat schon die alte jüdische Kirche ebenso wie die christliche den buchstäblichen Sinn für die Schale und den höhern geistlichen Sinn als den Kern bezeichnet. Zu dieser geistigen Beziehung vorzudringen, gehört eine gewisse Reife, die bet Leuten der Volksschule kaum anzunehmen ist. Selbst von den Briefen Pault sagt die hl. Schrift, daß darin manches schwer verständlich geblich frei werdenden Wochenstunden zu gleichen Theilen für den Sprach- und Rcchenunterricht verwendet werden! In diesem Punkte besteht ylfg. eine auffallend« Disparität! - 243 ist, welches ununterrichtete und leichtfertige Menschen zu ihrem eigenen Verderben mißdeuten (2. Petr. 3, 16). Zwar kann ein besonnener und gläubiger Pädagoge nicht mit allem einverstanden sein, was der sogenannte Deutsche Lehrertag schon beschlossen hat. Wenn sich aber derselbe so entschieden gegen den Gebrauch der Vollbibel in der Volksschule ausspricht, so kann man ihm darin nur zustimmen. In dieser Richtung haben die Protestanten, die sich so gern mit den Katholiken beschäftigen, eine Aufgabe, die immer dringender wird und die vom Standpunkt der Theologie wie der Pädagogik gestellt werden muß. Es ist merkwürdig, daß die Menschen gerade auf dem Gebiete der Jugendbildung so selten die goldene Mitte finden und sich so sehr in Extremen bewegen. Während der Protestant schon dem Werktagsschüler die Vollbibel als eine Art Zaubermittel in die Hand drückt, geschieht katholischerseits in der Heranziehung der Bibel vielfach zu wenig. Einige Lesestücke — darunter einige Psalmen — sollte schon die Volksschule in einer Beigabe zur biblischen Geschichte bieten. Statt dessen werden oft die Bibeltexte des Katechismus zu wenig beachtet! — In den Mittelschulen sollte neben den Katechismen und Handbüchern Lesung ausgewählter Stücke aus der hl. Schrift mit leichtfaßlicher Erklärung nirgends fehlen. DaS halte ich für eine wichtige Forderung. Die christliche Topographie und die Mystik. Von Dr. Gustav A. Müller. Eine Aufsehen erregende Kunde durcheilte jüngst die christliche Welt: man habe bei EphesuS das Wohn» und Sterbehaus der allerseligsten Jungfrau Maria entdeckt.*) Bereits zogen fromme Schaaren nach der kunnZiL OaxouU genannten Bergödung; Bischöfe besuchten die ehrwürdige Stätte; es hieß, Papst Leo XIII. habe seinem besonderen Interesse für die Untersuchung des Platzes Ausdruck gegeben. Die Entdeckung nahm immer bestimmtere Fassung an; zuletzt fand man noch Neste von Kreuzwegstationen, die sich Maria im Andenken an das Leiden ihres göttlichen Sohnes errichtet haben sollte. Grund für alle diese Annahmen: eine schwache und schwankende Tradition, der willkürlich gedeutete Name Oaxonli" — Wohnung der Allheiligen — und die Autorität der gottseligen Augustinernonne Katharina Emmerich, jener stigmatisierten Visionärin, die uns merkwürdige Betrachtungen über das Leben Jesu und Mariü, in fremder Aufzeichnung freilich, hinterlassen hat. Es ist ein Beweis für den Ernst katholischer Wissenschaft, daß sofort die archäologische und topographische Forschung ein Wort zu dieser auffallenden Entdeckung sprachen. Dies Wort ist durchaus negativ, ablehnend, ja energisch widersprechend ausgefallen. Insonderheit hat jüngst der hochgelehrte Domdekan von Würzburg, Dr. Nirschl, in einer glänzenden, die katholische Wissenschaft hoch ehrenden Studie über das Grab der hl. Maria (Mainz, Fr. Kirchheim) den Beweis angetreten, daß EphesuS nicht im geringsten Anspruch auf die Ehre haben kann, die Mutter des Herrn beherbergt zu haben, daß die nett entdeckte Stätte zu einem profanen Gym- nasion gehörte, daß die Visionen der Katharina Emmerich im thatsächlichen Gebiet vielfach irren, und daß *) Siehe den einschlägigen Aussatz in Nr. 52 >cö Untcr- haltungSblattes 1695. D. Ncv. > andererseits die uralte christliche Tradition, wonach Maria in Jerusalem wohnte, auf Sion starb und bei Gethsemane begraben ward, unantastbar sei! Der Beweis ist exegetisch, historisch, archäologisch, topographisch mit überwältigender Sicherheit geführt. Ich will ihn hier nicht ausschreiben und empfehle allen gebildeten Katholiken — auch unsern Gegnern — diese Glanzleistung eines pxiester- lichen Forschers in aufrichtiger Bewunderung. NirschlS Studie bedeutet aber auch eine — wissenschaftliche That! Leider war diese That nöthig. ES wird hier ein „Halt" zugerufen jenen gutmüthig gläubigen Forschern, die den verbindlichen dogmatischen Glauben mit „frommen Meinungen" verwechseln, kritiklos jede Sage für echt annehmen und gar beginnen, die Mystik religiöser Visionen in die reale Arbeit natürlicher Forschung hereinzuziehen, zum Schaden der Wissenschaft. Nirschl beugt sich wie wir vor der rein religiösen, sittlichen, transcendentalen Bedeutung visionärer Erscheinungen, er verehrt wie wir die gott- geliebten Seelen, denen mystisch enthüllt wird, was uns verborgen bleibt — aber er zeigt die Gefahr, in die wir durch einen naiven Mysticismus in der Wissenschaft gerathen — die Gefahr der Lächerlichkeit und des Betruges! Ein hartes Wort — gewiß l Aber es ist berechtigt, wenn wir auf verschiedene Vorkommnisse der jüngsten Zeit blicken, die wenig erfreulich waren. Weniger wollen wir tadeln, wenn fromme Palästinapilger in ihren Neiseschilderungen Bezug nehmen auf die Angaben visionärer Frauen: die Pilgerfahrt ist ein religiöses Unternehmen und mag der Mystik als eines Erbauungsmittels wohl gedenken. Schlimm war es aber, als ein sonst tüchtiger Palüstino- loge und biblischer Topograph, ein Rottenburger Domherr, vor wenigen Jahren die heilige Topographie des Orients, die Landkarte des christologischen Palästinas nach den Angaben der sei. Katharina Emmerich — vervollständigte. Wesentliche topographische Streitfragen entschied der gelehrte Autor nach den Visionen der Nonne von Dülmenl Schon principiell besteht kein elementarer Zusammenhang zwischen Geschichte und — Vision. Zudem, wo hört in Visionen das — subjecttve Moment auf? Dann — das Thatsächliche. Die allerschwersten, bedenklichsten, ja geradezu horrendesten Irrthümer und Ungeheuerlichkeiten weist NirschlS Analyse der Gesichte Katharina's auf: handgreifliche Unrichtigkeiten. Nun wissen wir Alle und weiß ich aus meiner Handschriften- sammlnng ganz besonders, daß Clemens Brentano, der Schreiber der Visionen, eine überwuchernde Phantasie besaß und dieser oft wehrlos unterworfen war: ein edler Mensch und unfaßbarer Schwärmer. Was mag von den Einzelheiten der Visionen alles auf sein — gewiß ehrlich gemeintes — Conto zu setzen sein? Er selbst verwahrt sich gegen den Anspruch auf — geschichtliche Wahrheit! Und die Forschung sollte trotzdem pietätvoll seine Niederschrift als Offenbarung betrachten?! Nein — die Erhabenheit der Visionen ü la. Emmerich liegt auf einem andern als wissenschaftlichen Gebiete. Trotzdem würden wir niemals läugnen, daß visionäre Förderung der wissenschaftlichen Forschung möglich sei. Damit würde ich das unmittelbare Eingreifen Gottes in die Weltgeschicke läugnen. Im Gegentheil — ich glaube an die Möglichkeit autoritativer Visionen von realem Werth. Ich glaube — ohne sie zu erklären. Der heilige Papst Damafus hat — dies ist Thatsache — auf Grund eines TraumgestchteS 244 das Grab Und die Reliquien der hl. Cäcilia neben der Papstkrhpta in den Katakomben des hl. Callistus entdeckt.*) Der „NomamZiims" in den Vereinigten Staaten. Von Charles Saint-Paul. Das Gedeihen der katholischen Kirche in den Vereinigten Staaten von Nordamerika veranlaßt die verschiedenen Gegner deS Papstthums daselbst zu fortgesetzten Angriffen, die nur ihre Ignoranz und Böswilligkeit beweisen. Vor einiger Zeit hat sich eine Vereinigung gebildet, die ausschließlich den Zweck verfolgt, den „drohenden Nomanismus" in Amerika zu bekämpfen. Es ist dies die sogenannte kroteotüvs Lssooikrtion", wie schon der Name sagt, ein Schutz- und Trutzbündniß gegen das Papstthum. Dieselbe geht in ihren Publikationen mit wüthenden Angriffen gegen die katholische Kirche vor. Mit welchen Waffen sie kämpft, wird besonders aus einer Publikation ihres Präsidenten, I. H. Traynor, betitelt Nsnave ok Ilornuvism" ersichtlich, die auch in der Xortd-^rnarioan ksvisv, der bekannten amerikanischen Monatsschrift (August 1895), erschien. Seinen längeren Ausführungen seien im Folgenden einige Hauptpunkte zur Charakteristik dieser Bestrebungen entnommen. Der Autor geht von der Thatsache aus, daß in den letzten Jahren wiederholt von einem liberalen Katholizismus in den Vereinigten Staaten gesprochen wurde, und sucht zu erweisen, daß derselbe nicht cxistiren könne. Der Unterschied, den die „liberalen Katholiken" angeblich selbst zwischen sich und den „Ultramontanen" ziehen, soll darin bestehen, daß sie sich damit begnügen wollen, dem herrschenden Papst Obedienz zu leisten, wenn er von Zeit zu Zeit Vorschriften für die Kirche erläßt, während der „Mramontane" die Principien der „Paparchie" überhaupt anerkenne, sowohl mit Bezug auf die weltliche wie geistige Suprematie des Papstes. Eigentlich könnten aber diese liberalen Katholiken sich in keiner Weise von den Ultramontanen unterscheiden, wenn sie nicht aus der päpstlichen Kirche ausgeschlossen werden wollten, da ja alle Gläubigen der letzteren ihre Canones und die Aussprüche der Päpste, die, sx oa- tdeära erlassen, auf dogmatischem oder moralischem Gebiete Geltung haben, annehmen muffen. Uebrigens lasse sich auch aus den Aussprüchen angeblich liberaler amerikanischer Kirchenfürsten folgern, daß trotz aller diplomatischen Klugheit das Papstthum dieselben Ziele in Amerika verfolge, wie in Europa, dieselbe Gefahr für die staatliche Freiheit und das staatliche Gedeihen daselbst bilde. Zum Beweise seiner Behauptungen muß dem Autor der Erzbischof von Saint-Paul, John Jreland, dienen, der als „der liberalste und loyalste aller Katholiken in den Vereinigten Staaten" hingestellt wird?) *) Interessant ist, daß unser Zeitgenosse Dr. Heinrich Schliemann, der Entdecker Troja's. es sich nicht nehmen ließ, das Grab Agamenmons in Mykenä auf Grund eines höchst merkwürdigen Traumes gefunden zu haben. , ') Die Ausführungen des Präsidenten der amerikanischen kroteotive Lssooiation über den liberalen Katholizismus stehen übrigens, wie hier noch bemerkt sein möge, in Widerspruch mit hen Anschauungen anderer „Antiromanisten", die so gerne von einem kommenden Schisma zwischen liberalen und ultramontanen Katholiken in Amerika sprechen. Besonders dürfte Zola in dieser .Hinsicht in Betracht kommen, der in einem vom Figaro dublierten Artikel »I/Oxxortrwismö äo I,ßon XIII« unter andern» klM Anschauung Ausdruck gibt, daß in nicht allzuserner Zeit Derselbe habe in einer Rede, die er in Boston am 28. April 1895 hielt, behauptet: „Nächst Gott kommt das Vaterland, der Patriotismus nächst der Religion. Es wird gesagt: Vox poxuli, vox Der. Diese Worte sind wahr, wenn die Nation oder der Staat in dem Kreise der Machtvollkommenheit sich bewegt, die ihnen von dem höchsten Meister übertragen ist." „Da aber", so folgert Traynor, „die päpstliche Hierarchie den Anspruch erhebt, der einzige Interpret der Aeußerungen des höchsten Meisters zu sein, so folgt daraus nothwendig, daß der Papst der legitime Definitor der Grenzen des Staatsgebietes ist." Jreland habe übrigens mit seinen Worten eigentlich nur früher aufgestellte Sätze, wie sie aus der Bulle „IInum Lnnotam" und dem Shllabus geschlossen werden können, in milderer Form wiederholt. Diese Folgerungen des fanatischen Antiromanisten aus dem zutreffenden Hinweise eines Kirchenfürsten auf die nothwendige Hebung des religiösen Bewußtseins im Volke im allgemeinen werden übrigens an Absurdität durch einige seiner folgenden Behauptungen noch über- troffen. Die Gründe der Zurückhaltung deS „liberalen Katholiken", der nicht anerkennen will, was der Papst nur aus diplomatischer Klugheit für Amerika noch nicht bestimmt hat oder waS hervorragende Prälaten nur in vorsichtiger Sprache ausgedrückt haben, werden, wie der Autor erklärt, bei einem Vergleiche der amerikanischen Constitution mit dem kanonischen Recht und den Ency- lliken der päpstlichen Herrscher ersichtlich. Diese seien unversöhnlich, wenn man nicht die Vereinigten Staaten als Provinz der päpstlichen Kirche betrachten wolle, eine Stellung, die ihnen eigentlich bereits vom Papstthum zugewiesen sei. Auf die hierarchische Obergewalt sei auch in dem apostolischen Schreiben hingedeutet, das am 6. Januar 1895 von Leo XIII. an die Bischöfe und Erzbischöfe von Nordamerika gesandt wurde und in dem gesagt werde: „Genau zu der Epoche, da die amerikanischen Colo- nien, nachdem sie mit katholischer Hilfe Freiheit und Unabhängigkeit erlangt, zu einer konstitutionellen Republik reiften, wurde die kirchliche Hierarchie glücklich unter Euch errichtet, und zu derselben Zeit, da die Volksstimme den großen Washington an die Spitze der Republik stellte, wurde der erste Bischof durch apostolische Autorität über die amerikanische Kirche gesetzt." Es gehört in der That die fanatische Blindheit und Böswilligkeit eines wüthenden Papstfeindes dazu, um in diesen Worten ein Argument für päpstliches Streben nach Oberherrschaft in weltlicher und geistlicher Hinsicht in den Vereinigten Staaten zu finden. Das erwähnte Sendschreiben wird übrigens von unserm Autor zu seiner Beweisführung noch weiter be- nützt. So meint er z. B., daß indirekt in demselben ganz ähnliche Principien zum Ausdrucke gebracht würden, wie in einigen Bullen Gregors XVI. und PiuS' IX. Wenn diese Päpste die Preßfreiheit anathewatisirten, so thue der gegenwärtige Papst das gleiche, wenn er die Journalisten ermähne, die Religion zum Führer zu nehmen und niemals die Handlungen und Beschlüsse der Bischöfe abfällig zu kritistren, da den Bischöfen in ihrer hohen autoritativen Stellung gehorcht werden müsse. — Diesem in Amerika ein Schisma, wahrscheinlich mit Msgr. Jreland an der Spitze, eintreten werbe, daß Leo XIII. dieses befürchte (I) und deßhalb mit seinen Zugeständnissen für die amerikanischen Bischöfe und Gläubigen sich so willfährig erweise. (!) 245 Schlüsse aus eine« Mahnung für katholische Journalisten stehen ebenbürtig die Erörterungen zur Seite, zu denen er andere Stellen desselben Rundschreibens benützt. Leo XIII. sagt in demselben unter anderm: „Deßhalb wünschen wir sehnlich, daß die Wahrheit sich immer mehr und tiefer dem Geiste der Katholiken einpräge, daß sie nicht besser ihre eigenen individuellen Interessen und das Allgemeinwohl sichern können, als indem sie der Kirche sich von Herzen unterwerfen und gehorchen.- Bezüglich der Unterwerfung unter den Staat bemerkt er: „In ähnlicher Weise sollen auch die Priester fortwährend das Volk auf die Beschlüsse des dritten Concils von Baltimore aufmerksam machen, speciell auf die, welche die Observanz der gerechten Gesetze und Institutionen der Republik einschärfen." Traynor findet in der ersten Stelle nur einen Beweis für die indirekten Bemühungen zur Ausdehnung der päpstlichen Herrschaft, und bemerkt zu der zweiten Mahnung, daß in derselben der Nachdruck auf der Beifügung „gerecht" liege, insofern der Papst eS sich vorbehalten habe, zu entscheiden, welche Gesetze und Institutionen gerecht seien, und die Katholiken nur zur Befolgung derjenigen anhalte, die er als solche erklärt habe. Es ist wohl kaum nöthig, darauf hinzuweisen, wie aus diesen Worten nur die wohlmeinende Absicht des Papstes, die Anerkennung der bestehenden Verhältnisse unter Wahrung der Nothwendigen Rücksicht auf eventuelle Besserung herrschender Mißstände in moralischer Beziehung erhellt, und wie nur Gehässigkeit dieselben derart deuten kann, wie Traynor es thut. „Wenn Leo XIII. und seine Stellvertreter in den Vereinigten Staaten, so äußert sich dieser weiterhin, dieselben Ziele in der Gegenwart anstreben, wie die frühere» Päpste, so hüllen sie sich klug in den Mantel der amerikanischen Freiheit und mildern ihre Sprache mit dem Oel der Diplomatie. Wenn PiuS IX. oder Gregor XVI. ihre Kundgebungen an das amerikanische Volk heutzutage richten würden, so gäben sie nur dem Satiriker Stoff; aber Leo XIII. macht substantiell dieselben Behauptungen, nur in feinerer, milderer Sprache, und diese werden dann stillschweigend oder mit offener Billigung von einem großen Theile der Presse und des Volkes der Vereinigten Staaten angenommen." ES ist dies wohl nur ein Beweis dafür, daß vorurtheilslose Kreise die weisen Kundgebungen des gegenwärtigen Papstes immer noch zu würdigen wissen. Besondere Aufmerksamkeit widmet Traynor noch den Bestrebungen des Papstes in der Arbeiterfrage. Er versucht, so meint er, deren Organisation unter die Herrschaft der Kirche zu bringen, um die Macht in der kommerziellen und Arbeiterwelt sich zu sichern, wie er überhaupt in alle Sphären deS bürgerlichen Lebens eingreifen und auf die politische Gestaltung einwirken wolle. Wie die Hierarchie darauf hinarbeitet, das bewiesen Aeußerungen von Bischöfen und Priestern bei den amerikanischen Wahlen. Der Präsident der kro- teotivs L88ooiatioll" hat diesbezüglich ein genaues Sündenregister zusammengestellt. So wurden, wie er behauptet, die Wahlen in New-Bork und in andern großen Städten von der Priesterschaft beeinflußt, die unter die Hauptfaktoren der amerikanischen Politik gerechnet werden will. Bei den Munictpalwahlen in New« Bork im Herbst 1895 haben die Priester der Erzdiöcese New-Aork die Pfarrkinder von der Kanzel informirt, wie sie zu wählen hätten. Der Bischof von Stoux-Falls und ein großer Theil Wer Priester huben öffentlich die Pfarrkinder zur Wahl beeinflußt. Der Erzbischof Jxekand hat Ende Mai 1895 „in nicht mißzuverstehenden Worten über die Silberfrage gesprochen". Wer die Zustände bet amerikanischen Wahlen kennt, der wird über diese Sünden- aufstellung nur lächeln können, und der Einsichtsvolle wag einen wachsenden Einfluß der religiösen Elemente auf dieselben herbeiwünschen. „Die zahlreichen speciellen Privilegien von Seite der Staatsregierung", deren sich gegenwärtig die katholische Kirche, z. B. mit Bezug auf die Heidenmissionen, erfreut und «die keine andere Religionsgesellschaft in den Vereinigten Staaten in diesem Maße genießt", si^d dem wüthenden Antiromanisten ein Dorn im Auge; sie sind nach seiner Ansicht ein Beweis dafür, welche Vortheile „die lokale und nationale politische Organisation" dem Papstthum in Amerika bereits gebracht hat. Er bemerkt hiezu noch am Schlüsse seiner Ausführungen: „Was also die offene Herrschsucht und Arroganz Gregors XVI. und PiuS' IX. in den Vereinigten Staaten nicht durchsetzen konnte, hat die höhere Diplomatie Leo's XIII. und seiner amerikanischen Prälaten theilweise gesichert, das Prä- dominiren der päpstlichen Kirche als Sekte, ihre Machtstellung als politische Körperschaft. Wenn dieselbe in der Schulangelegenheit die Oberhand bekäme, so wäre die Perverfion der amerikanischen Constitution, bis sie den päpstlichen Dogmen confokm wäre, nur eine Frage der Zeit, und von der Republik, wie sie von den Unterzeichnern der Unabhängigkeitserklärung geschaffen wurde, würde nur mehr die historische Erinnerung fortleben. Die Paparchie sucht in der neuen Welt die Macht zu erneuern, welche ihr in der alten geraubt wurde. Während sie in Europa Könige und Concilien als ihre Werkzeuge gebrauchte, adaptirt sie sich amerikanischen Verhältnissen und mischt sich in alle Elemente des öffentlichen Lebens ein, die zu ihrer Macht beitragen." In den Vereinigten Staaten ist bekanntlich allen Reltgionsgcsellschaften vollkommene Freiheit der Entfaltung ihres Einflusses nach ihrem inneren Werthe gegeben worden. Nur war in dem Lande der Sekten, ehe „die zahlreichen Privilegien" für die katholische Kirche existirten, ehe die Wirksamkeit der Katholiken die Intoleranz der Gegner mehr zum Schweigen brachte, dem „AntiromaniSmus" durch die bestehenden Verhältnisse schon ein Vorzug vor dem Papstthums verliehen. — Die „prädominirende Stellung" der Kirche hängt daher eben mit ihrem inneren Werthe zusammen; der vorurtheils freie Kenner der amerikanischen Verhältnisse wird nicht behaupten können, daß das Oel der Diplomatie das kirchliche Wachsthum gefördert hat. Allerdings konnte dem toleranten und weisen Verhalten deS gegenwärtigen Papstes, der seiner Achtung der bestehenden Verhältnisse in der amerikanischen Republik und seinen Anschauungen über dieselben vom christlichen Standpunkte wiederholt Ausdruck verliehen hat, sympathische Anerkennung auch in «katholischen Kreisen nicht versagt werden. Was die „Perverston" der amerikanischen Gesetze anbelangt, so würde wohl dem Wunsche nicht nur der Katholiken, sondern auch vieler Akatholtken entsprochen, wenn den vielen Mängeln und ungesunden Verhältnissen, die dem amerikanischen Leben bei dem herrschenden Materialismus noch anhaften, durch den ethischen Einfluß der Kirche immer mehr entgegengewirkt werden könnte, den sie auch ausüben kann, ohne die Vereinigten Staaten als ihre »Provinz" nach der beliebten Auffassung zu be» trgMy; Nachdem aber bMts in der Gegenwart die 246 katholische Kirche i» der neuen Welt wunderbar rasch sich entfaltet hat, dürste zu hoffen sein, daß die einigen „liberalen" und ultramontauen Katholiken ihren Anschauungen in der Zukunft noch trotz aller kroieotive Ls8oois.tions den Sieg verschaffen werden. Dr. Ratzinger's „Volkswirthschaft in ihren sittlichen Grundlagen". sH In der Beilage der „AugSb. Postztg." ist die zweite Auflage dieses Werkes des Abg. Dr. Ratzinger schon anerkennend besprochen worven. Heute soll constatirt werden, daß das Werk eine außerordentlich günstige Aufnahme gefunden hat. Wir heben aus den Recensionen einige heraus. Dr. Schaffte, der bekannte Sociologe, spricht sich in der Tübinger „Zeitschrift für die gesammte StaatSwisscnschaft" (2. Heft 1896) also auS: „Auch diese neue Auflage des BucheS, welches theoretisch tief fundirt ist, ins volle Menschenleben der gegenwärtigen Gesellschaft rückhaltlos hinemzreist und in jeder Zeile Charakter und Uebcrlegung atbmet, wird nicht verfehlen, in der katholischen Welt eine große Wirkung auszuüben. Es ist auch sür Protestanten in hohem Grade lesenSwerth; wir stellen dasselbe als nationalökonomische und alö politische, namentlich social- und kirchenpolilische Leistung über daS Werk PörinS, des bekannten kathol. Nationalökonomen der Universität Löwen. Bibliographisch ist auf den Anhang besonders aufmerksam zu machen." ?. Heinrich Pesch äußert sich im Mainzer „Katholik" (Märzheft 1896) wie folgt: „Ratzinger's Werk besonders zu empfehlen, ist eigentlich kaum mehr nöthig. Der Name des Verfassers hat in der wissenschaftlichen Welt einen so guten Klang, daß man im vorhinein überzeugt sein dürfte, auch diese zweite Auflage der „Volkswirthschaft" werde allen gerechten Erwartungen vollauf entsprechen. Es ist kein systematisches Lehrbuch der Nationalökonomie, das Ratzinger uns bietet. Vielmehr bandelt es sich um eine Reihe trefflich durchgeführter Essays über die wichtigsten Seiten und Fragen dcS volkSwirthschaft- lichen Lebens: über Wirthschaft und Sittlichkeit, Armuth und Reichthum, Eigenthum und Communisiuus, Arbeit und Kapital, Wucher und Zins, socialpolitische Theorie und Praxis, Cultur und Civilisation. Die Darstellung ist stets interessant, zuweilen klassisch schön. Eine echt religiöse Auffassung, innige Liebe zu Jesus Christus und der hl. katholischen Kirche, verbunden mit wissenschaftlicher Tiefe und ausgebreiteter Kenntniß der einschlägigen Literatur, zeichnen den Verfasser aus und verleihen seinem Werke in hohem Maße die Fähigkeit, Verstand und Herz dcS Lesers in gleicher Weise zu befriedigen. Ganz besonders eignet sich das Buch auch sür diejenigen, welche in öffentlichen Vortrügen volkswirthschaftliche und socialpolitische Stoffe zu behandeln haken. Wir finden hier eine durchgängig zuverlässige Entwicklung der principiellen Wahrheiten, herrliche Citate, insbesondere aus den Kirchcn- vätern, eine reiche Auswahl von Details aus dem praktischen Leben, packende Ideen und Schlagwörter, alles in schöner und anziehender Form." Nachdem ?. Heinrich Pesch einige wenige abweichende Meinungen in Dctailfragcn begründet hatte, schließt er: „Auf weitere Ausstellungen verzichten wir um so lieber, als die zahlreichen großen Vorzüge des Werkes für die wenigen Mangel reichlich entschädigen." Die »Sociologie catkoliqus« (Montpellier, Nr. 50, Aprilheft 1896) widmet dem Werke Ratzinzers eine ganz eingebende Besprechung von 8 Seiten, von denen die beiden letzten allein dein Kapitel der Wuchcrfrage gewidmet sind, das Dr. Ratzinger eingehend behandelt, wobei der Recensent der Freiheit des Zinsfußes im Gegensatz zu vr. Ratzinger bekämpft. Die Recension faßt ihre Auffassung allgemein dahin zusammen, daß vr. Ratzinger sich in allen Gebieten der politischen Oekonomic auSkennt, die er behandelt, möge er nun sich auf die hl. Schrift und die Kirchenvätcr oder. Kanzclrcdncr und kirchliche Schriftsteller der Gegenwart beziehen, oder auf die Schriften der Ockonomistcn aller Schulen in Frankreich, England und Deutschland. Seine Ausführungen seien klar. genau und logisch. Man empfinde ein Gefühl des Glückes bei der Lectüre eines so echt christlichen Werkes. Die „Oesterreich. Zeitschrift für Verwaltung" (Wien, Nr. 23 vom 4. Juni) bringt ebenfalls eine ausführliche Recension, welche auf den ganzen Stoff des Buches eingeht und LlMondey das Kapitel der Agrarfrage näher behandelt. Das allgemeine Urtheil der Zeitschrift lautet: „Der Verfasser, denen Uebcrlcgenheit und Sicherheit in der Darstellung A. Schaffte anläßlich der Besprechung der vor anderthalb Jahrzehnten erschienenen ersten Auflage des Werkes seinem umfassenden wirth- schaftSgcschichtlichcn Gesichtskreise zuschreibt, bietet uns in der vorliegenden zweiten Auflage wieder jene Fülle von Ideen, jene fesselnde, von einer Beherrschung der gesammten staatSwissen- schaftlichen Literatur zeugende Schilderung der wirthschaftlichen, socialen und sittlichen Zustände, jene treffende und schneidige Kritik herrschender nationalökonomiscbcr Lehrmeinungen, welche wir schon beim ersten Erscheinen des BucheS bewundert haben. Man braucht Ratzinger's Schlußfolgerungen nicht immer für zwingend zu halten, man braucht aber auch insbesondere nicht durchaus auf dem Boden seiner Weltanschauung zu stehen; dennoch wird dieses hervorragende Buch keiner aus der Hand . legen, ohne durch seine anregende Schilderung und durch seine ehrliche UebcrzcuguugStrcue erquickt, durch seinen großen Gedankengang und seinen Matcrialienschatz wesentlich belehrt worden zu sein." Recensionen und Notizen. Apologie des Christenthums von Albert Maria Weiß, 0. kr. 3. Auflage. 4. Band. Freiburg 1898, Herder. Wie die 2. Auflage vorliegenden Bandes, so erscheint auch die 3. Auflage in zwei Theilen, aber bedeutend (um 140 Seiten) vermehrt. Darum stieg auch selbstverständlich der Preis; derselbe ist 1 Mark höber als in 2. Auflage und beträgt M. 8.— ; gebunden in Halbsranz M. 11.20. Allerorts im ganzen Bande zeigt sich die bessernde Hand; so hat z. B. die Uebersichtlichkeit nicht wenig durch häufigere Absätze (Alineas) gewonnen; besonders aber finden wir die erste Abtheilung: „DaS öffentliche Leben unter dem Einflüsse der modernen Ideen", Vortheilhaft umgeändert. Ganz neu ist der Anhang: 2 Verträge auf dem socialen KurS in Wien am 3. August 1894: I. Individuum und Gesellschaft; II. Wesen und Zweck des menschlichen Gesellschastölcbens; in denselben werden die allgemeinen Begriffe der Gcscllfchaftslchre in 24 Thesen behandelt. Um die Lehre von der Gesellschaft zu fassen, müssen wir unS eben zwei Dinge klar machen: .1) Was versteht man unter dem Begriffe Gesellschaft? 2) Wie haben wir uns daS Verhältniß des Einzelnen zur Gesellschaft zu denken ? AuS praktischen Gründen zum leichteren Verständnisse beantwortet der Verf.isser zuerst die zweite Frage. DaS neue Vorwort ist geschrieben auf Neujahr 1896 und ist beim überaus ernsten Zeitcharaktcr auch sehr ernst gehalten. Mit vollem Rechte weist der Verfasser auf das erhabene, wahrhaft katholische, das ist allumfassende Beispiel des PapsteS Leo XIII., der allen ohne Ausnahme als einzige Richtschnur das ewige, unveränderliche Gesetz Gottes vorhält. Nach diesem müssen und wollen auch wir als treue Kinder der Kirche in unserer ernsten Lage handeln. DaS Vorwort schließt mit den tief bcherzigenöwerlhcn Worten: „Darauf kommt alles an, daß das Gesetz Gottes richtig verstanden und mit Selbstverleugnung erfüllt werde. Möge Gott allen, die in dieser schweren Stunde durch Wort oder That auf die Welt wirken müssen, möge er allen die Gnade geben, nichts suchend, nichts fürchtend, mit Muth und Geduld, kein Opfer verweigernd, auch nicht daS ihrer selbst, die göttliche Wahrheit hochzuhalten nach dem Beispiele dessen, der, seiner vergessend, verfolgt und verleumdet, daS Kreuz bestieg und damit sein Wort besiegelte: Mich dauert das arme Volk." Der IV. Band ist unter dem Titel „L-ociale Frage und sociale Ordnung oder Handbuch der Gesellschafts-" lehre" zum gleichen Preise auch separat erschienen. EbnerAd., Quellen und Forschungen zurGeschichte und Kunstgeschichte des Uissale Lomanum im Mittelalter. 8°, XII -j- 488 SS- Freiburg i. Br., Herder, 1896. M. 10,00; geb. M. 12.00. S Adalbert Ebner, Domvikar und Professor am crzbischöf« lichen Lyceum in Eicbflätt, gehört zu unseren besten jüngeren Theologen der historisch-kritischen Richtung. Vorliegender Band enthält hochinteressante und werthvolle Forschungsergebnisse, die der Verfasser als »sxolia itiueris italici- in die Heimach gebracht hat und welche seiner scharfen Beobachtungsgabe, wie seinem Sammelfleiße alle Ehre machen. Der kulturgeschichtlich wie kunstgeichichtiich bedeutsame Inhalt deS BucheS, daS von der Hcrder'schcn Buchhandlung in gewohnter Mustcrgiltigkeit ausgestattet ist, wird durch ein Titelbild und 30 meist Phototypische Tcxtbildcr erläutert. Zuerst (S. 3—295) kommt eine Beschreibung der vom Verfasser auf zwei Reisen untersuchten Sakramental» und Miffalhandschriften auS italienischen Biblia- 247 theken, bann folgen (S. L96---356) eiiiuubdreißig bisher unge- drucktc Texte aus alten Meßordnungen, Calendaricn u. s. w. nach Handschriften aus Florenz, Lucca, Mailand, Monte Cassino, Neapel, Padua, Venedig und Rom. Diesen beiden Theilen schließen sich vorzügliche Abhandlungen an über verschiedene Fragen zur Entwicklung der Liturgie. Das Buch gibt uns einen genußreichen Einblick in das künstlerische Streben, sowie in den kirchlichen Sinn des vielverlästerten MittelaltcrS, das unserm staunenden Auge immer größer erscheint, je mehr es durch die Forschung erschlossen wird. Möge uns darum der Verfasser bald wieder mit einer Gabe ähnlicher Studien beschenken! _ Ungedrucktes aus dem Göthekreise. Mit vielen Facsimiles. Herausgegeben von Dr. Gustav Ad. Müller. München, 1396. Verlag von Seitz und Schauer. Preis M. 8.—. V/. Eine Reihe bisher eingedruckter Briefe und sonstiger Handschriften Götbc'S und ihm freundschaftlich oder literarifch nahcgestandcucr Persönlichkeiten. Die in treuen Facsimiles wiedergesehenen Litcrärurkunden geben so manches neue Interessante für Literalurgeschichte, Gesellschaft und Politik der Göthe- periodc. Reizend ist das bisher ungedruckte Hochzeitsgcdicht von Jakob Michael Reinhold Lenz. Das Bück. allen Literatur- und Gölbesreundcn bestens zu empfehlen, ist bei der sorgfältigen Herstellung der Facsimiles (darunter auch Lavaters Selbstporträt) nicht zu theuer im Preise. k. Gg. Freund. 0. 8. 8. K., Die Opfer des Erlösers. Den Menschen zur Mahnung und zum Troste. WarnS- dori, Ambros Opih. 15 kr. A 'I'olls et IsAö. Nimm und lieS. DaS^gilt so recht von k. Freunds neuester Broschüre. Kraft- und gemüthvoll führt der bekannte populäre Kanzelrcdner und Volköschriftsteller in dieser Broschüre, das Leiden Christi als Untergrund nehmend, den Leser, den Armen wie den Reichen, den Hochgestellten wie den Niederen durch die verschiedensten Lebenslagen und das Ge- Wirre bunter Tagesfragen. Dabei weist der bochwürdige Verfasser in ergreifenden Tönen zur Mahnung und zum Troste auf den sterbenden Mittler, den göttlichen Heiland, der für uns ein siebenfaches Opfer gebracht hat: das Opfer seiner Freunde, das der zeitlichen Güter, der Gesundheit, der Ehre, des Trostes, endlich das große Opfer seiner Mutter und seines Lebens. Ueberzcugend und klar ist die Sprache und ungcmein eindrucksvoll und gedankenreich der Inhalt. Das alte Göthe-Wort bewahrheitet sich auch an diesem so zeitgemäßen Schriftchen wieder: „Greis' inö volle Leben, wo du es packst, ist es interessant." Dieö ist sein bester Reisepaß. Streitfragen aus dem bayer. VolkSschulrechte. Von Dr. zur. Jos. Elbert. Verlag von Boch und Englert in Frankfurt a. M. K Diese „verwaltungsrecktlicke Studie" ist eine tüchtige, kleißige Arbeit. Neben einer kurzen Skizze über die Entwicklung des Volksschulwesens seit Karl dem Großen und speciell in Kurbayern, ferner einer gedrängten Darstellung über die „Entwicklung der Deckung des SchulbedarfS" gibt der Verfasser eine kritische Untersuchung über „die Träger deS Schulauf- wandcs" und verbreitet sich hier insbesondere über die Streitfrage. ob bei Sprcngelschulen der Sckulsprcngel, d. h. die zu einem Schulsprcngel vereinigten Theile politischer Gemeinden oder letztere selbst als solche für die Aufbringung des Bedarfes für die Sprengelschulen verpflichtet sind; im ersteren Falle Würden mir die eingeschulten Gemeindeglieder zur Bedarfdeckung herangezogen werden können; im letzter» die bctr. politischen Gemeinden als solche. Die erstere Ansicht ist zur Zeit die herrschende, und ist auch von, VerwaltungSgcrichtshof adoptirt. Im Gegensatze biezu und in Uebereinstimmung mit Professor v. Seydcl (Blätter für adm. Praxis Bd. 38 S. 81—86 und Bayer. Staatsrecht Bd. 6 S. 452) entscheidet sich unser Verfasser für die gegentheilige Ansicht und bringt für diese so erhebliche Argumente bei, daß seine Beweisführung als eine durchaus stringente erscheint. Ebenso interessant und unseres Erachtens meist zutreffend sind von dem Autor eine Reihe von anderen Streitfragen behandelt, z. B. ob Art. 2 Abs. 4 deS SchulbedarssgesetzeS vom 10. Nov. 1861 eine Beschränkung der freien OrganisationSbefugniß der Regierung bei Schulcrrichtungen lnvolvirt oder nicht; ferner die Frage über die Bedeutung der Schulsassionen als RechtStitel. wobei der Verfasser einen mittleren Standpunkt zwischen einem Plenarcrkenntniß des Ver- waltungsgerichtShofes und der gegentheiligen Ansicht Professor v. Setzdels einnimmt, m s. tv. Der letzte Abschnitt der Untersuchungen ist der „Ausbringung des SchulauswandeS" gewidmet, auf welchem Gebiete namentlich Art. 5 des Umlagengesctzes von 1819 und Art. 206 Abs. 2 Ziff. 3 der Gemeindeordnung von 1869 (welche die Nicktverpflichtung für Deckung der Bedürfnisse von Kirchen und Schulen einer Religionspartei, zu der der Umlagepflichtige nickt gehört) gegenüber dem Princip des Art. 1. deS SckulbedarfSgesetzes manche kontroversen hervorgerufen hat. Wir können die Arbeit Dr. Elberts Allen empfehlen, die für diese Fragen irgend Interesse haben oder durch ihren Beruf dem Schulwesen mehr oder weniger nahe stehen. Für eine etwaige Neuauflage dürste sich eine sorgsältigere Corrcctur empfehlen. Der Weg zum innern Frieden. Vonk. v. Lehen 8. 7. AuS dem Französischen übersetzt von k. I. Drucker 8. 1. 14. u. 15. Auflage. Verlag von Herder, Frciburg. Preis geb. 3 M. Dieses Lehr- und Erbauungsbuch wurde schon bei früheren Auflagen rühmend besprochen. In der That gekört das Weilchen zu den besten Erzeugnissen der asketischen Literatur und zu den reinsten und reichsten Quellen inneren FriedenS, die uns auserlesene Geisteslehrer erschlossen. Die fort und fort nöthig gewordenen Auflagen — die Anerkennung sowohl von Seite bedeutender Theologen als von Taufenden heilöbedürftiger Seelen haben dieses Urtheil bestätigt. Kleines Ablatzbnch. Auszug aus k. Franz BeringerS größerem Werke „Die Ablässe, ihr Wesen und ihr Gebrauch". Von Joseph HilgerS, Priester der Gesellschaft Jesu. Mit Approbation der hl. Ablaßcongregation. Paderborn, Verlag von Ferdinand Schöningh, 1896. Preis brosch. 3 M. Ll. ES entspricht einem allgemeinen Bedürfnisse, daß ein so schwieriger Stoff, der sogar von Manchen im eigenen Lager nicht vollkommen beherrscht wird, in faßlicher Form und kleinerem Umfang dem katholischen Volke näher gerückt wurde. DaS praktische, inhaltreiche Buch führt beinahe alle Ablaßbewilligungen an, welche das diesbezügliche größere Werk enthält und ist zugleich durch seine trefflichen Belehrungen und Erklärungen Ablaßkatechismus und durch den GebetS-Anhang Ablaßgebetbuch. _ Myrrhengärtlein des bitteren Leidens und Sterbens Jesu Christi von k. Martin von Cochem, Orä. 6ap. Herausgegeben von K. Gratian von Linden. Orck. vap. Münster i. W., Verlag der AlphonsuS-Buchhand- lung (A. Ostendorf). » k. Cochem's Schriften sind seit langen Jahren im kath. Volke mit Vorliebe gelesen. Als besonders ansprechend dürfen wir aber die vorliegenden kurzen Betrachtungen über daS Leiden Christi bezeichnen, welche recht heilsame Tröpflein auö dem Leidenskelche Jesu zu kosten geben. Wunderbares Leben des hl. StaniSlaus Kostka 8. 7. Nach authentischen Daten bearbeitet von Matthäus Grub er. 8. 7. Frciburg i. Br. Geb. 1 M. » Dieser erbaulichen und interessanten Lebensbeschreibung eines der liebenswürdigsten Heiligen wünschen wir eine recht Weite Verbreitung unter unserer männlichen Jugend. Die Biographie des hl. Stanislaus Kostka prägt am meisten gerade jene Tugenden aus, die unsere Zeit am wenigsten besitzt. Taschenkalender für die studirende Jugend 1897- Vcrlag von L. Auer, Donauwörth. Preis 40 Pf. * In gewohnter hübscher Ausstattung liegt uns als erster Ankömmling der Kalenderliteratur für 1897 obiger Studentenkalender vor. Sein Kalendarium erstreckt sich vom Scpt. 1896 bis incl. August 1897 für die süddeutschen und vom April 1897 bis incl. März 1898 für die norddeutschen Anstalten. Er enthält außerdem entsprechende Tabellen für den Schülergebrauch (Meine Lehrer, meine Mitschüler, Stundenplan, Scriptions- notenlabcllen u. s. w.), Notizenblättcr mit hübschen Sinn- sprüchen und mehrere gediegene Aufsätze biographischen, historischen und religiösen Inhalts. Wir können den Kalender nur bestens empfehlen. dl Als einer der ersten Kalender für 1897 erscheint der Kalender Unserer Lieben Frau von Afrika. Derselbe bildet das Augusthest der Zeitschrift „Kreuz und Schwert" (Münster i. W., halbjährlich 75 Pf.) und ist für 15 Pf. käuflich. Sein Zweck ist Hebung des Interesses für die katholischen Missionen in unseren Kolonien, und dsiür eignet sich. der. recht 248 lesenslverthe Inhalt sehr gut. Dke Illustrationen sind vortrefflich, der Druck ist recht leserlich. Wer sich für die Missionen inter- essirt, erhält Partien mit bedeutendem Rabatt. Päpstliches Rundschreiben über die Einheit der Kirche. * Eine Ausgabe deS lateinischen Textes mit einer offiziellen deutschen Uebersctzung dieser hochwichtigen Encyklica ist in Herder's Verlagsbuchhandlung (Frciburg i. Br.) erschienen. Preis 80 Pf. Studien undMit theil» ngen aus dem Benedictiner- und Cistercienser-Orden. XVII.Jahrgang 1896. Preis pr. Jahrg. (4 Hefte ca, 40 Bogen) M. 8 — 4 fl. Nur zu beziehen durch die Administration genannter Zeitschrift im Stift Raigern bei Brunn (Oesterreich). JnhaltS-Verzeichniß deS 2. Heftes 1896. Abhandlungen: Leistle, Dr. David (Dillingen): Wissenschaftliche und künstlerische Strcbsamkeit im St. Magnusstifte zu Füssen. (IV.) Renz, G. A. (Rcgenöburg): Beiträge zur Geschichte der Schottenabtei St. Jacob und des Prioratcs Weih St. Peter (0. 8.8.) in Regent-burg. (VI.) Vlillsms, v. Oabriel (0.8.8. LküiZchsin): 8edolas 8eneäiotinas sivs: vö 8eisntiis, opera Llonaedorum Oräinis 8.veneäioti, anetis, ex- onltis, xroxaZatis st oonssrvatis; Vibri gnatnor a. v. Oäons Oambisr wonaodo LküiZsuisnsis Llonastsrii Oräinis ejusäom 8. 8sneäieti. (II.) — Grillnberger, Dr. Otto (0. Oist., Wilhcring): Kleinere Quellen und Forschungen zur Geschichte des Cistercienser-OrdenS. (VIII.) Schneider Ed. (Luxemburg): Johannes Beitels (O.8.8.), Abt von Münster und Echtcrnach. (I.) — Mittheilungen: Monte Cassino (Gedicht). Endl, 8. Friedrich (0. 8. 8., Altcnburg): Paul Trogcr, ein Künstler der Barockzeit. (Schluß.) Hölzer Odilo (0. 8. 8., Melk): Eine Wiener Schulrede aus dem Jahre 1432. Weikcrt, v. Thomas Aq. (0. 8. 8. von St. Meinrad, Am.): Meine Orientreisc (III.). E. P. A. (Montecassino): v. Michael AngeluS Cclcsia, 0. 8. 8., Cardinal-Erzbischof von Palermo. Einige Worte über dessen Leben und Schriften. (Schluß.) — Neueste Benediktiner- und Cistercienser-Literatur. (VXVI.) — Literarische Referate. — Literarische Notizen. — Ordensgeschichtliche Rundschau. — Nekrolog: Benedikt Niedermähe«:. — Nekrologische Notizen. — Beilage. _ Philosophisches Jahrbuch. Auf Veranlassung und mit Unterstützung der Görresgesellschaft herausgegeben von Dr. Sonst. Gutberle t. Verlag der Fuldaer Aktien- Druckerei. IX. Jahrgang. 3. Heft. Inhalt: I. Abhandlungen. Al. v. Schmib, Das Eausalitätsproblcm. B. Adlhoch 0. 8.8., Der Gottesbeweis des hl. Anselm. (Fortsetzung.) B. Paqus, Zur Lehre voin Gefühl. (Schluß.) — M. Kohlhofer, Zur Controversc über bewußte und unbewußte psychische Akte. — II. Recensionen und Referate. C. Braun 8. 7., Ueber KoSmogonic von« Standpunkte christlicher Wissenschaft, von C. Gutbcrlet. Onrsus pdilosoxkions: (5.) V. Cathrein, 8dilosoxdia mo- ralis (sä. 2.); (6.) 8lisoloAia natualis, von I. W. Arcn- hold. A. Stöhr. Die Vieldeutigkeit des Urtheils, von C. Gutberlet. C. Sickenberger, Ueber die sog. Quantität des Urtheils, von demselben. H. Schwarz, Die Umwälzung der Wahrnchmungshhpothescn durch die mechanische Methode, von Al. v. Schinid. I. Schütz, Der Darwinismus und die Ergebnisse der Naturforschung, von P. Schanz. M. Gloßner, Der Gottesbegriff in der neueren und neuesten Philosophie, von demselben. G. Thiele, Die Philosophie deS Selbstbewußtseins und der Glaube an Gott, Freiheit, Unsterblichkeit, von C. Gutberlet. Ll. vs Vlulk, vtuäss snr Henri äs Oanä, von I. D. Schmitt. — III. Zeitschriften» schau. — IV. Miscellen und Nachrichten. Katholische Warte. Jllustr. Monatsschrift zur Unterhaltung und Belehrung. XII. Jahrg. Heft 2/3 ü 15 kr., 25 Pf. Jahresabonnement fl. 1.60 (M. 3.60). Verlag von A. Pustet in Salzburg. Mit den nun vorliegenden Heften zeigt die Monatschrift, daß dieselbe in ihrem Programme nicht zuviel versprochen hat, denn beide Hefte sind textlich wie illustrativ sehr reich ausgestattet. Oesterreich. Leser werden Freude haben an Franz Peters Schilderungen „Aus BozcnS Umgebung", an dein Gedcnkblatt „Tirols Herz Jesu-Bund", vor allem aber an dein prächtigen Convertitenbildc „Corduka Wöblcr". Von Erzählern sind nebe» Josefine Flachs und Gerhard Schnorrcnbergs größeren Novellen Frau Anna Esser mit einer reizenden Erzählung „Eine Tbat der Liebe", Carl Achleitncr mit einer ergreifenden Dorfgeschichte „Geopfert" vertreten. Deutsche Leser wird die biographische Skizze „Dr. M. F. Koruin, Bischof von Trier" intcrcjsiren. Außer verschiedenen anderen geschichtlichen, natur- und kulturgeschichtlichen Essays, darunter 8. I. Bergmanns hübsche Plauderei über „Moderne Reclame", finden sich sodann poetische Gaben von A. E. Markl, 8. Ambros Schupp, Carl Land- steiner, Gertrud Mara, Jda v. Lißberg, Th. Singolt, A. Esser, F. L. Binhack. u. a. Literatur, BuntcS. Hauöwirthschaft usw. usw. Möge die billige, hübsche Zeitschrift immer mehr verdiente Beachtung und Würdigung finden I Literarische Rundschau für das katholische Deutschland. Herausgegeben von Dr. G. Hoberg, Professor au der Universität Frciburg i. Br. 22. Jahrg. 1896. 12 Nummern. M. 9. — Frciburg im Brciögau, Herder'sche Verlagshandlung. — Durch die Post und den Buchhandel. Nr. 7 enthält u. A.: Neuere katholische Dichtungen, (von Heemstcde.) — Veckenstedt, Das Paradies und die Bäume des Paradieses rc. (Schanz.) — Bougaud von Arenberg, Christenthum und Gegenwart. (Ahbergcr.) — Zicgler, Geschichte der Pädagogik. (Egen.) — Klopp, Der dreißigjährige Krieg bis zum Tode Gustav Adolfs 1632. (Alb. Weiß.) — Cornelius, Maria Stuart. Königin von Schottland. (Jos. Weiß.) — Domanig, Der Tiroler Frciheitskampf. (Jos. Weiß.) — Seeber, SpingeL (Jos. Weiß.) U. s. w. OesterreichischcsLiteraturblatt, herausgegeben von der Leo-Gesellschaft in Wien, redigirt von vr. Franz Schnürer. (Administration: Wien I.. Annagasse 9.) Nr. 13 enthält u. A.: Englert W. Ph-, Von der Gnade Christi. (Spiritualdirector vr. C. Weiß. Wien.) — Herr mann Fz., Das Buch des Propheten Jesaia. (Theol.-Prof. Othm. Mussil, Brünn.) — Kunze Joh.. MarcuS Eremita, ein neuer Zeuge für das altkirchliche Tausbekenntniß. (Pros. vr. Cöl. Wolfsgrube«:, Wien.) — Sendschreiben eines katholischen an einen orthodoxen Theologen. (Studiendircctor vr. A. Fischer- Colbrie, Wien.) — Ostwald W-. Die Ueberwindung des Wissenschaftlichen Materialismus, (vr. Nich. v. Kralik, Wien.) — Schlichter I., Der Begriff der Seele und der empirischen Psychologie. (Pros. vr. I. Cl. Kreibig, Wien.) — Juritsch Gg-, Geschichte der Babenberger und ihrer Länder (976 —1246). (vr. Alb. Starzer, Archivs« deS n.-ö. Statth.-ArchivS, Wien.) — Klopp Onno, Der drnßigjährige Krieg bis zum Tode Gustav Adolfs 1632. III, 2. (Geh. Rath Jos. Frhr. v. Helfert, Wien.) — Bäumker W., Ein deutsches geistliches Liederbuch mit Melodien aus dem XV. Jahrh. (vr. Nick. v. Kralik, Wien.) — Richter E., Ueber einen histor. Atlas der österr. Alpenländcr. (vr. Ant. Mell, Adjunct am steierm. Landesarchiv, Eraz.) — Behrens H., Anleitung zur mikrochemischen Analyse, (vr. Hs. Malfatti, Privatdocent an der Universität Innsbruck.) _ „Das hl. Land." Organ des Deutschen Vereins vom hl. Land. Comm.-Verlag von I. P. Bachen«, Köln. Das 4. Heft des 40. Jahrgangs enthält u. A.: Die Verehrung deS ersten Märtyrers, des hl. Stephanus, zu Jerusalem. (Von Patriarchal-Sccretär Heidct. Fortsetzung.) — Die äußere Feier der Sonn- und Feiertage im Oriente. — Europäische Besitzergreifung vom Nachlaß der Kreuzzüge in Palästina. (Von Pros. vr. I. N. Sepp in München.) — Die Äechtheit der hl. Orte. — Deutsche Pilgerfahrt zum hl. Lande 1896. — Von der Wirksamkeit deS deutschen Hospizes in Kaifa. — Vereins- Nachrichten. _ Der Katholik. Redigirt von Joh. Mich. Naich, 12 Hefte. M. 12. Mainz. Kirchhcim. Inhalt von 1696. Heft VII, Juli. vr. Paul Schanz, Der Consecrations- momcnt in der hl. Messe. — vr. Jos. Nirschl, Der Briefwechsel des Königs Abgar von Edessa mit Jesus in Jerusalem oder die Abgarfrage. — vr. L. Bendix, Die Deutsche Ncchts- einheit. — Literatur: vr. 8strns LiniK, Iraotarns äs g-ratia äiviua.— 7sän lllioliel ^.lkrsä Va.oa.nt, Vtnäss tirsolo^ignss snr los eonstitutions äu Oonoils äu Vatiean. W. Färber, Katechismus für die kath. Pfarrschulen der Vereinigten Staaten. --- Al. Knöppel, Bernhard Heinrich Overberg. ' Verantw. Redacteur: A.d. Lass in Augsburg,^- Druck u. Verlag des Lit. Instituts von Haas L Grabherr in Augsburg. -