l^° 32 7. Ang. 1896. Wagner und Liszt. Von Chnrles Soint-Paul. Das religiöse Gefühl in dem Werke Richard Wagners ist in letzterer Zeit ein Gegenstand eingehender Erörterungen geworden. Anlaß hiezu hat wohl insbesondere das bedeutende Werk des Abbe Marcel Hsbert über dieses Thema gegeben, das vor Kurzem auch in deutscher Uebersetzung (bei August Schupp in München) erschienen ist und viele neue Lichtpunkte zur Beurtheilung des Wesens des großen Meisters und seiner künstlerischen Thätigkeit geboten hat. Die sachverständige Erforschung und ruhige Beurtheilung seines Verhältnisses zur Religion, welche dieser Autor von seinem Standpunkte aus vornimmt, steht im Gegensatze zu den vielfach widersinnigen und entstellenden Behauptungen, die hierüber von Vertretern einer Richtung aufgestellt worden, welcher der Sieg des Christenthums über das Heidenthum in deutschen Landen ein Gräuel ist und die daher einem Künstler nie verzeihen können, der nach Verwerthung der heidnischen Mythologie in die christliche Legende sich vertieft, dem Geiste des Christenthums sich genähert hat. Wir meinen die modernen germanischen Uebermenschen, die Anhänger des „großen Philosophen Nietzsche". Wie weit dieselben in Absurditäten und Blasphemien gehen können, dürfte ganz besonders aus einer „zeitgemäßen Betrachtung" erhellen, die ein solcher Uebermensch vor Kurzem in der bekannten deutsch- reformerischen antisemitischen Monatsschrift „Das 20. Jahrhundert" hat erscheinen lassen. In derselben, betitelt „Wagner und Liszt", wird das Verhältniß der beiden Künstler mit Bezug auf die ,Bekehrung WagnerS zum katholischen MystizismuS", sowie das Verhältniß deutscher Kunst zum Christenthums in einer Weise besprochen, die zur Entgegnung herausfordert, obschon man eigentlich von Wiedergabe mancher der gemeinen Blasphemien des Autors abstehen möchte. Der Verfasser beginnt seine Erörterungen mit einer Parallele zwischen Nietzsche und Wagner und weist auf den zwischen Nietzscheanern und Wagnerianern, „dem Heerdenvieh unter den Anhängern Nietzsche's", wie er sie geschmackvoll bezeichnet, eingetretenen Zwiespalt hin. Nietzsche, so meint er, sei seinem eigenen Wesen treu geblieben, während Richard Wagner, nachdem er in seiner Götterdämmerung den Höhepunkt seines künstlerischen Schaffens erreichte, den Parsifal schuf, dieses von katholischem MystizismuS und christlicher Entsagung erfüllte Grab seines einstigen Uebermenschenthnms. Die kraftvollen Rhythmen der Trauermusik zum Tode Siegfrieds wären der würdige Abschluß der Künstlerlaufbahn Wagners gewesen, nicht die weibisch-weichlichen Accorde des Parsifal, dieses unsäglich schmerzlichen Bildes des Entsagens und Leidens, dieser Prozession zum Kreuze. In der Vollkraft seiner Jahre, als einen Uebermenschen an Kampf und Leiden, habe Nietzsche sein entsetzliches Geschick getroffen, doch Richard Wagner, der sich in der Zeit der größten Noth im Exile nicht zum Glauben bekehren ließ, — er sei ein frommer Christ geworden, als er seine kühnsten Künstlerträume erfüllt sah, als das Olympia deutscher Kunst auf dem Hügel bei Bayrcuth in prangender Schönheit stand. „Dann wankte er, von seinen! Beichtvater (I I) Franz Liszt geleitet, dem Golgatha des reinen Deutschtums (!), dem katholischen MystizismuS zu. Wahrlich, ein trauriges Bild!" Der Autor bemüht sich nach solchen einleitenden Worten, die wir später noch kennzeichnen werden, die Vorzüglichkeit des „germanisch-heidnischen" Schaffens Wagners noch genauer zu erörtern. Er findet, daß im Ringe der Nibelungen der Mythos des germanischen Volkes von dem gewaltigen Künstler in einem künstlerischen Weltbilde von seltener Plastik und Großartigkeit der Conception dargestellt und die heidnisch - germanische Darstellung klar und deutlich zum Ausdrucke gebracht wurde. In der Natur das Walten und Weben der Götter zu sehen, die den alten Germanen nur Ver- geistigung der Naturkräfte waren, das sei deutsche Weltanschauung. „Aus diesem innigen Leben in der Natur, aus dieser Harmonie mit der Natur entstand das hohe deutsche Sittlichkeitsgefühl, das „deutsche Gewissen". Denn wer ein Leben mit und in der Natur führt, kann sich gegen kein ewiges Sittengesetz vergehen, weil alles Natürliche auch sittlich gut ist(I) Wie großartig schildert da Richard Wagner in der Walküre die liebende Vereinigung von Bruder und Schwester, Siegmunb und Sieglinden. Ja, diese Geschwisterehe ist sittlich, denn des Walvaters Blut, das sich in diesen beiden Geschwistern theilte, es strebt wieder nach Vereinigung. Und nur aus solcher Liebesumarmung des wildverzweifelten Zwillingspaares konnte Siegfried, der hehrste Held der Welt, entstehen. Die Natur feiert in der wonnig-schmerzlichen Maiennacht, da Siegmund Sieglinde zu sich auf das Lager zieht, den gewaltigen Triumph über das menschliche Gesetz, wie es von Fricka gehütet wirb. Die germanische Weltanschauung liegt eben „jenseits von Gut und Böse", und die Worte Zarathustra's: „Brüder, w:rdc: hart!" sind von dem großen Philosophen in erster Linie den Deutschen zugerufen worden, die in ihrem Humanitätsdusel ihr Nationalgefühl zuerst vergaßen."(I) Man wird wohl mit Befremden solche Worte lesem die als Beweise dafür dienen können, daß gewisse Vertreter des modernen „Deutschthums" und seines wahnsinnigen Apostels thatsächlich bei den Folgerungen bleiben, welche Cultur und sittliche Begriffe, die hehre Schöpfung dcS Christenthums, in ihrer Nealisirung vernichten würden. Der Kritiker kaun sich nicht enthalten, von seinem Standpunkte aus auch einige allgemeinere wüthende Ausfälle gegen die Chrisiianistrung der Deutschen und die Kirche zu machen. Durch die Chrislianisirung der Deutschen entstand seiner Behauptung nach im deutschen Wesen ein Zwiespalt, an dem das deutsche Volk bis zum heutigen Tage krankt. Ein unauflöslicher Widerspruch bestehe eben zwischen Christenthum und wahrem Deutschthum, ja reinster Menschlichkeit überhaupt. „Wir müssen uns darüber klar werden, daß ohne das Christenthum unser Volk zu einer ebenso großen, wahrscheinlich noch größeren Blüthezeit seiner nationalen Eigenart wie das griechische emporgestiegen wäre. Doch die heiligen Wotans-Eichen wurden von der Hand christlicher Priester gefällt, aus ihrem Holze Kirchen gebaut, von den Thürmen erklangen die Glocken, die den deutschen Göttern zu Grabe, dem gekreuzigten „Messias" aber zur Auferstehung läuteten; 4500 Sachsen wurden auf Befehl Karls des Großen an einem Tage geschlachtet, weil sie sich nicht taufen ließen, Hunderttausende von Deutschen fielen in Italien dem Wahne der Wiedererrichtung des alten römischen Reiches, den die Päpste den deutschen Königen einimpften, zum Opfer, ungezählte Schaaren deutscher Mannen mußte» 250 bet den Kreuzigen zu Grunde gehen, und der 30jährige Krieg machte anS Deutschland.eine Wüste. Durch diesen unseligen Krieg, an dem nur das Papstthum schuld war, wurde der deutschen Sittlichkeit, der deutschen Weltanschauung die Todeswunde versetzt. Der westfälische Friede eröffnete der französischen Unmoral, die damals die Allongcperrücke aufhalte, Thür und Thor, und sie hielt bald ihren trinniphirenden Einzug in die deutschen Fürstenhäuser. Und schon früher hat Martin Luther, als er gegen das Cälibat predigte, auf die Unsiiilichkeit der katholischen Geistlichen hingewiesen, die die Verneinung des Willens als unnatürlich nicht zu Stande brachten und, weil sie nicht heirathen dürften, allzu un- genirt die Worte Luthers: ,Wer nicht liebt Wein, Weib, Gesang' befolgten rc. rc." — Man möchte, wenn man derartiges liest, fast glauben, daß gewisse Nietzscheschüler bereits den Meister übertreffen. Der deutsche „Uebermensch" bespricht sodann des längeren die Entdeckung, daß Wagner in seinem Wesen als Mensch und Künstler manchen undeutschcn Zug hatte, daß Namentlich eine orientalische Weichlichkeit immer stärker zum Ausdrucke kam, je älter er wurde, „was die Herren Wagnerianer nicht einsehen wollen". Seine Ausführungen gipfeln im folgenden Satze: Wie in der Seele Tannhüusers „reines Dcutschthum" mit „romanischer Sinnlichkeit" im heftigsten Kampfe liegt, so befehdeten sich in Wagners Wesen auch das deutsche Empfinden und die moderne „französisch-orientalische Sinnlichkeit", und wie licbcstolle Weiber im späten Alter oft Betschwestern werden, so schuf der alt gewordene Meister den Parsifal, jenes den Stempel kindischer Greisenhaftigkeit tragende undeutsche Werk, das Nietzsche mit folgenden köstlichen (?) Versen commentirt: Ist das noch deutsch? Aus deutschen, Heizen kam dies schwule Kreischen? Und deutschen Leibs ist dies Sich-selbst-zerfleischen? Deutsch ist dies Priesterhändespreizen, Dieö wcibranchdüstelnde Sinncrcizen, Und deutsch dies Stürzen, Necken, Taumeln, Dies zuckersüße Limbamboumeln, Dies Nonnenängeln, Avcglockenbimmeln, Dies ganze falsch verzückte Hiinmelübcrhiuimeln? Ist das noch deutsch? Erwägt! Noch sieht ihr an der Pforte! Denn, was ihr hört, ist Nom, — Nom'S Glaube obne Worte! ES ist unmöglich, hier alle die halbverrückten Phrasen und gemeinen Bemerkungen gebührend zu kennzeichnen, mit denen der Verfasser seiner Entrüstung über die Umwandlung in Wagners Wesen Ausdruck zu geben sucht. Er meint z. B., — um nur das als Probe anzuführen, — daß Wagner beinahe 60 Jahre nach dem Ideale gerungen, dem deutschen Volke ein deutsches Kunstwerk, ein nationales Theater, wie das im alten Athen, zu schaffen, „um dann im wahrsten Sinne des Wortes zum Kreuze zu kriechen", oder daß er sich im letzten Jahrzehnte seines Lebens von dem zum Grabe geleiten ließ, der am Kreuze starb, und daß so der Parsifal entstanden sei, „dieses Glaubensbekenntniß eines der größten deutschen Geister, der dadurch dem deutschen Volke die Schmach eines künstlerischen Canossas nicht ersparte". Die Ursache von all' dem ist nun nach der Anschauung des forschenden Nictzscheaners nicht nur in dem nndeutschen Element, das Wagners „reines deutsches Wesen" trübte, zu suchen, sondern auch in dem Einflüsse LiSzt'S und dessen ganzer Sippe, „dieses ungarischen Klaviervirtuosen", der keine Spur deutscher Art in seinem Charakter wie in seinen Compositionen Zeige, dieses „Typus der modernen kosmopolitischen Virtuosen, der mit feiner Kunst in aller Herren Länder Hausiren geht". Zum Beweise dafür, daß Liszt es war, der Wagner schließlich zum Christcnthume bekehrte und den „Parsifal" aus der Taufe hob, beruft er sich hauptsächlich auf den Briefwechsel zwischen den beiden Künstlern, dem er folgende Stellen entnimmt: Wagner an Liszt: „Ich wollte, wir beide machten uns denn von hier strikte auf, um in die weite Welt zu gehen! Lass' doch auch Du diese deutschen Philister und Juden! Hast Du etwas anderes um Dich? Nimm noch Jesuiten mit dazu, da bist Du gewiß fertig! Philister, Juden und Jesuiten, — das ist's, aber reine Menschen." Darauf die „im echtesten Hospredigertone gehaltene" Antwort Liszt's: „Deine Briefe sind traurig — und Dein Leben noch trauriger! Du willst in die weite Welt hinaus, leben, genießen, schwelgen. Ach! wie herzlich gönnte ich es Dirl Aber fühlst Du es denn nicht, daß der Stachel und die Wunde, die Du im Herzen trügst. Dir nirgends verheilen werden und nie und nimmer zu heilen sind? — Deine Größe macht auch Dein Elend! Beide sind unzertrennlich von einander und müssen Dich quälen und martern, .... bis Du sie nicht beide, im Glauben hinsinkend, aufgehen läßt! Lass' zu dem Glauben Dich bekehren! Es gibt ein Glück . . . und dieses ist das einzige, das wahre, das ewige! Ich kann Dir es nicht predigen, nicht cxpliziren. Zu Gott will ich aber beten, daß er mächtig Dein Herz erleuchte durch seine Gnade und durch seine Liebe. Magst Du dieses Gefühl noch so bitter verhöhnen. Ich kann nicht ablassen, darin das einzige Heil zu ersehen und zn ersehnen. Durch Christus, durch das in Gott resignirte Leiden wird uns Rettung und Erlösung." Diesen Brief nennt der Nietzscheanrr ein werthvolles Aktenstück für seine Ansicht, daß in erster Linie Liszt daran schuld war, daß Wagner am Abende seines Lebens von der germanischen Weltanschauung sich abwandte, um tm „Parsifal" „dem katholischen Mysticismus, der Welt- flucht, der Verneinung jedes thatkräftigen Schaffens" sich in die Arme zu werfen, und zwar „mit der ganzen plumpen Ehrlichkeit eines Deutschen, der sich in ein Ideal verbissen hat". Dabei findet er aber selbst später, daß die Antwort Wagners auf diesen Brief LiSzt's auch skeptisch und ironisch genug gewesen ist, und daß derselbe beweise, wie wenig Verständniß Liszt für Wagner als Dichter und Philosoph hatte, da es ja lächerlich erscheinen müsse, daß Liszt, als eben Wagner in der Schöpfung seines anti- christlichen heidnisch-germanischen „Ringes der Nibelungen" lebt und webt, mit der Kirchenfahne anrückt. Wie kann er also diesen Briefwechsel als werthbolleZ Argument für die Behauptung ausgeben, daß Liszt die „Bekehrung" seines Freundes gelungen sei! Später wieder spricht er davon, daß erst die enge Berührung mit dem Katholizismus, die seine Berufung an den katholischen bayerischen Königshof mit sich brachte, das weichliche und genußsüchtige Leben, das er seit seiner Verheirathung mit Liszt's Tochter führte, das stets Zusammensein mit seinem katholischen Schwiegervater die Veranlassung zur Aenderung der Weltanschauung WagnerS gewesen sei.*) Selbstverständlich wird Niemand einen ge- *) Die große Sachkenntnis; beS Autors wird auch durch folgende Aeußerung erwiesen: „So lange Wagner LiSzt. nicht kannte, war er deutsch in seiner Kunst und deutsch in seinem wissen Einfluß des großen Meisters auf seinen suchenden Freund bestreiken wollen. Jedoch sollte man, wenn man diesem nachforschen will, in der Beweisführung logischer zu Werke gehen und nicht die absurdesten Folgerungen mit den gemeinsten und tollsten Beschimpfungen des Andenkens großer Männer verbinden, wie es unser „Kritiker" thut. - - Wir müssen, um die Unrichtigkeit der Behauptungen desselben zu beleuchten, noch einige Thatsachen in Betracht ziehen, die geeignet sind, die Entstehung des letzten Kunstwerkes Wagners und dessen Verhältniß zu seiner angeblichen „Bekehrung" genauer erkennen zu lassen. (Schluß folgt.) Die Griefe des seligen Petrus Camslns. Von Adam Hirschmann. Am 21. Dezember 1897 vollenden sich drei Jahrhunderte, seit der erste deutsche Jesuit Petrus Canisius zu Freiburg in der Schweiz der Zeitlichkeit entrückt worden ist. Allenthalben rüstet man sich, die Wiederkehr dieses TageS würdig zu begehen; der internationale Congrcß der Katholiken soll in den Augusttagen des kommenden Jahres am Grabe des Seligen tagen, der mit Recht der zweite Bonitatius, der Apostel der Deutschen, genannt wird. Daher kann es nur freudig begrüßt werden, wenn endlich einmal die Briefe dieses seeleneisrigen Priesters und Gelehrten gesammelt und der Oeffentlichkeit übergeben werden. Dieser Mühe hat sich ein Ordensgenosse des Seligen, Otto Braunsberger, rühmlichst bekannt durch seine Studien über die Entstehung und erste Entwicklung der Katechismen des Petrus Canisius (Herder, Freiburg 1893; XII, 187), mit ebensoviel Liebe als Eifer und Geschick unterzogen.*) Vor uns liegt der I. Band, die Jahre 1541 — 1556 umfassend. Der Inhalt ist reich und abwechslungsvoll, die Sprache klar und einfach. Wir sehen, abgesehen von einigen Familienbriefen, die Entwickelung der Gesellschaft Jesu in Deutschland an unserem geistigen Auge vorüberziehen, wir lernen die Schwierigkeiten kennen, mit denen die junge Pflanzung in Köln (S. 103 — 113) gegen die NenerungSsucht des heirathslustigen Erzbtschofes Hermann von Wird zu kämpfen hatte. Daß die Kölner Kirche die Wirren jener verhängnißvollen Periode glücklich überstanden hat, verdankt sie außer ihre« tüchtigen Klerus unter Groppers Führung (S. 145) dem energischen Eingreifen des Petrus Canisius, der nach den Niederlanden, nach Ulm eilte, um das Absetzungsdekrct des Papstes gegen Hermann zur Durchführung zu bringen (S. 199). Vorübergehend weilte Canisius in Trient, in Bologna, um mit Snlmeron und Laynez an den Concilsarbeitcn thcilzunehmen (1547); Charakter. Daß „JcsuS von Nazareth" dramatisches Fragment blieb, war nur die Folge der gesunden germanischen Wcltan- schaunng Wagners." Er meint offenbar, „JcsuS von Nazareth" hätte Wagner in die Wege der Orthodoxie geleitet. Nun ist aber der Entwurf diesc-Z Werkes eigentlich nur aus einer revolutionären Stimmung hervorgegangen und politisch und religiös revolutionär gehalten. ES geht aus demselben überdies hervor, daß Wagner zu damaliger Zeit durch begelianisch: Ideen beeinflußt war. Was ferner Wagner von der Ausführung zurückhielt, war nichr die „gesunde germanische Weltanschauung", sondern, wie er selbst sagt, die erkannte Unmöglichkeit der öffentlichen Aufführung und die „widerspruchsvolle Natur des Stoffes". Er war offenbar mit der Behandlung des Themas später selbst nicht mehr zufrieden. ') Lsatä stetri tlanisii, 8. >7. onistulao et aota. OolloZid et aclnotatiollidus illustravib Otto Lro.nusdsrn'or. h'ridnrLÜ LnsZovms. Ilsräsi 1896. 816. im Herbste 1547 zieht ihn der heil. Orbensstlfier nach Nom, um den ersten deutschen Jesuiten so recht einzuweihen und zu befestigen in dem Geiste, auf welchem Jgnatius das Gebäude aufgeführt wissen wollte. Herrlich, voll überquellender Gefühle des Dankes gegen Gott, sind die Briefe unseres Seligen über die «seelische Schulung, welche er vom hl. Jgnatius empfing: Gehorsam und Demuth sind die Fundamente des Ordens (S. 247). Der Gehorsam führte den Sohn der rheinischen Tiefebene hinab nach Mesfina in Sizilien, wo die Jesuiten in der Schule, auf der Kanzel, in der Christenlehre, im Beichtstühle an der Nesorm des Volkes arbeiteten. Freudig berichtet Canisius nach Köln an Leou- hard Kessel, wie die sizilianische Jugend so eifrig zu den hl. Sakramenten gehe, wie sie gerne am Unterrichte sich betheilige (S. 284). Seinen lieben Karthäusern im deutschen Rom gibt er von Mesfina aus 1549 Nachricht über die Missionen seiner Gesellschaft in Nubien, am Congo, in Abessinien, und fordert dieselben auf, mit ihm zu beten für die Einheit der Kirche, ut üat unum ovils 8ul> unius xastoris tuZurio (p. 294). Am 13. November 1549 sehen wir den gehorsamen Ordensmann einziehen in die Mauern Jngolstadis. Wie hatte sich in dieser Universitätsstadt, welche durch Eck einen Weltruf erlangt hatte, das kirchliche Leben entwickelt und sich den Stürmen der lutherischen Neuerungen gegenüber bewährt? Traurig, sehr traurig sah es damals nach den Briefen des Canisius in der gefeierten Hochburg des Katholizismus aus. Nicht mit Geld sind die Leute zu bewegen, in bis hl. Messe zu gehen; selbst an hohen Festtagen wird nur eine frostige Predigt gehalten; vom Fasten ist gar keine Rede (S. 306—314); das Niederkniecn bei dem Gebete, bei der hl. Communion gilt fast als eine Schande (S. 395), äußerst selten geht man zu den Sakramenten. Wo liegt der Grund dieses „Todcsschlafes, der alles bedeckt" (381)? In der ganz und gar unzureichenden Vorbildung der Geistlichen; selbst die unfähigsten Köpfe werden ordiniri, weil der Priestermangel zu groß ist (S. 393). Daher kommt denn auch die tiefe Abneigung gegen den geistlichen Stand und Beruf: am allerwenigsten wollen die Deutschen vom Ordensleben etwas hören. Zwei Feinde drohen die katholische Kirche in Deutschland zu vernichten: das Lutherthnm und der Islam (S. 381). An der Universität sind die Juristen tonangebend, welche mit dem Lutherthum liebäugeln; Theologen finden sich selten: möchten doch wenigstens 4 — 5 Kandidaten anS unseren Vorlesungen, die möglichst einfach, ferne von allen sublimen Spekulationen zu halten sind, einigen Nutzen schöpfen! klagt Canisius. (S. 307.) Trotz dieser ruincnhaften Zustände verzagte der OrdenZmann nicht. Er predigte, katechisirte, hörte Beichte, besuchte die Kranken und Gefangenen, hielt unentgeltlich Vorlesungen an der Hochschule: durch diese apostolischs Thätigkeit gewann Canisius die Herzen der Jugolstädter, so daß er später selbst berichten konnte: nunmehr harren die Zuhörer seiner Predigten selbst bei der strengsten Winterkälte geduldig aus (S. 395). Groß war die Trauer und der Schmerz, als am 28. Februar 1552 der sceleneifrige Jesuit von Jugolstadt'S Hochschule und Bürgerschaft Abschied nahm, um nach Wien sich zu begeben. Hier, in der Hauptstadt Oesterreichs, und im Lande selbst zeigte sich daS religiöse Leben in noch düstererer Gestalt, als in Bayern: fast bis in die Hofburg des Königs Ferdinand I. war die Häresie gedrungen 852 Der Priestermangel in Vorderösterreich hatte die bedenklichsten Früchte sittlicher Fäulniß gezeitiget; die Türkengefahr lahmte jeglichen Aufschwung (S. 420 — 424). Daher Arbeit über Arbeit in der Seelsorgs für den unermüdlichen Prediger und Beichtvater. In Wien widmete sich Canisius seit 1552 der Ausarbeitung eines Werkes, das ihn so recht zum geistigen Mittelpunkt der katholischen Restauration machte: wir meinen den Katechismus, welcher 1555 vorerst ohne Namen des Verfassers erschienen ist (S. 537). Von Wien eilte Canisius nach Prag, um im Lande des Hus ein Colleg einzurichten (S. 545). Die Mittheilungen über die böhmischen Zustände sind wohl für den Historiker interessant, für den Katholiken jedoch nicht erfreulich (S. 553). Doch mitten in seinen Arbeiten in Wien und Prag vergißt Canisius des Bayernlandes nicht; er correspondirt unablässig mit WIguleus Hundt, Heinrich Schweicker, mit dem hl. Jgnatius, um all die Schwierigkeiten wegzuräumen, welche sich der Errichtung eines Jesuitencollegs in Jngolstadt entgegenstellten: die bayerische Regierung wünschte gar sehr die Jesuiten, aber nicht so, wie Jgnatius seinen Orden mit päpstlicher Gut- heißung eingerichtet hatte, sondern wie sich die herzoglichen Räthe denselben dachten: als Mittelding zwischen Staatsbeamten und kirchlichen Personen (S. 425, 563, 566, 570—572, 576—578). Canisius kam selbst von Prag nach Jngolstadt im Oktober 1555, um persönlich die Unterhandlungen an Ort und Stelle zu leiten (S. 587, 590), und seiner Umsicht und Geduld gelang eS. die Zustimmung des hl. Jgnatius zu dem Plane des Herzogs Albrecht V. zu erlangen. Am 7. Juli 1556 gelangten 18 Jesuiten nach Jngolstadt, und wenige Tage darnach, am 31. Juli 1556, starb der Ordensstifter: Jngolstadt ist sein Benjamin geworden. Noch am 22. Juli ließ der hl. Jgnatius durch seinen Geheimsekretär Johannes de Polanco an Canisius, den er am 7. Juni 1556 zum ersten Provinziell für Oberdeutschland bestellt hatte (S. 622), schreiben. Damit schließt die Briefsamm- lung des I. Bandes, dem noch verschiedene rnonuEntu cunisiunu (652—766) über des Seligen Thätigkeit und Beziehungen zu Mainz, Köln, Trient, Bologna, Jngolstadt, Wien und Prag bcigegeben sind. Die Lektüre der mit flaunensweriheni Fleiße allenthalben aufgesuchten und mit reichhaltigen Noten versehenen Briese des seligen Petrus Canisius war für den Referenten ein geistiger Hochgenuß: welch ein Unterschied zwischen den Briefen Luthers (man verzeihe diese Zusammenstellung) und jenen des ersten deutschen Jesuiten! Während der abtrünnige Mönch von Wiitenberg, zerfallen mit Gott und sich selbst, fast nur Worte des Hohnes, des Spottes, der tiefsten Verachtung gegen Papst und Kaiser, Priester und Mönche, gegen seine Widersacher im eigenen Lager ausstößt, überall den Teufel als Ursache des allgemeinen sittlichen Verfalles trotz des neuen Evangeliums wittert, kommt aus der Feder des Jesuiten kein liebloses, kein hartes, wenn auch berechtigtes Urtheil über den unglücklichen Apostaten: er beklagt die traurigen Zustände Deutschlands, aber er flucht nicht, sondern er betet, fordert feine Ordensgenossen und Freunde zum Gebete für das zerrissene Vaterland auf; ja er ist sogar bereit, für Christus sein Blut zu vergießen (S. 604). Für die Wahrheit und das Vaterland scheut er in Christus keine Gefahr (S. 543); denn Canisius ist, wie aus seinen AufzeiAnungen (55—59) erhellt, zeitlebens ein getreuer Ver'ehrev' des göttlichen Herzens Jesu gewesen. Wenn wir nach drei Jahrhunderten noch seufzen unter den Folgen der Glaubensspaltung, so zeigen uns die Briefe des seligen Canisius die Mittel und die Wege, durch welche die von Leo XIII. so sehnlichst begrüßte Einheit herbeigeführt werden kann: Gebet und selbstlose Arbeit im Weinberge des Herrn. Wir schließen mit dem Gedanken, den unser Seliger zum Weihnachtsfeste des Jahres 1555 seinem Gönner Heinrich Schweicker in München übermittelte: Hanasoanciurn äst xrorsns: von lert iioa-ta, illg, xuiria sorcisb veisris stoininm: vasoitur Lüristus, ut renusoeocii raunäo sit uutflor 6t 6UN8U (x. 589). I. H. Pestalozzi. 3. 8. Zu Beginn dieses Jahres wurde das Jubiläum „des größten Pädagogen" Joh. Heinrich Pestalozzi in der ganzen Welt auf's Feierlichste begangen. Es schien, als ob mit dem Wirken dieses Mannes Erziehung und Unterricht erstmals die richtige Würdigung erfuhren, als ob Elternhaus und Volksschule keinen größeren Wohlthäter auszuweisen hätten. Auf Lehrerversammlungen und geistlichen Konferenzen wurde Leben und Schassen jenes Schweizers der Betrachtung und Beherzigung empfohlen, sein Bild unserer ideallosen und selbstsüchtigen Zeit als vollkommenstes Muster hingestellt. Noch aus der letzten allgemeinen deutschen Lehrerversammlung zu Pfingsten in Hamburg waren diese überschwänglichen Töne zu hören, und unsere liberale pädagogische Welt wird sich auch fernerhin nicht von ihrem Idol abbringen lassen. ES gibt Leute, die sind nun einmal nicht zu belehren und zu bekehren, weil sie eben einfach nicht wollen; sie haben sich in einen Personencult verrannt, ohne den ihr „System" nicht lebensfähig ist, ohne den sie keine Begeisterung und keinen — Fanatismus zu erregen im Stande sind. Wenn mir jemand auf stichhaltige, vernünftige' Gründe hin, d. h. quellenmäßig klar und überzeugend, nachweisen kann, daß ich mich bezüglich einer Persönlichkeit und ihres weltgeschichtlichen Werthes geirrt, sie bedeutend überschätzt habe, ja — so weh mir dies auch thun mag! — mir sogar zeigt, daß jener Mann etwa nur die Rolle einer tendenziösen Parade- figur zu spielen berufen war, so werde ich sofort dankbarst meine historische Anschauung jenes Helden berichtigen und ihm in meiner Erinnerung jenen Platz anweisen, der für diejenigen bestimmt ist, die sich auf Kosten anderer eine Ruhmesleiter bauten und sich mit fremden Federn schmückten. Und ein solcher Mann war Joh. Heinr. Pestalozzi I Dies für jeden, der sehen kann und will, überzeugend nachgewiesen zu haben, ist das Verdienst eines gewissen I)r. Joh. Schweudimann in Noihenburg (Luzern). Derselbe hat vor einem Vierteljahre eine Schrift veröffentlicht — „Pestalozzi im Lichte der Wahrheit", 3. Auflage, Luzern, Räber u. Comp. — über welche die radikale Presse, namentlich der Schweiz, unaufhörlich loszieht, ohne aber bis jetzt das kleinste Detail widerlegen zu können. Die alte Geschichte: man schimpft und poltert und fällt in pöbelhafter Weise über den Verfasser her, während man doch im Grunde über den und die erzürnt sein sollte, welche die öffentliche Meinung so schändlich hinter's Licht zu führen suchten. Einleitend charakterisirt Schwendimann die Zeit, in der Pestalozzi aus die Weltbühne trat; es war eine Epoche des reinsten Nationalismus und „dex Seher 253 von Starts" wie geschaffen, ihr die Krone aufzusetzen. In den besseren Kreisen, denen ja auch Pestalozzi entstammte, lag Nousseau's Naturevangelium auf dem Tische. Man lebte parisermäßig. Das Wort „Natur" führten die sogenannten gebildeten Stände stetsfort im Munde. Es wurden Nobinsonaden aufgeführt und die Herrlichkeiten des Landlebens besprochen und genossen. Jetzt hatten zudem die feineren Städter den Vortheil, daß sie ihr Leben nicht bloß im Winter auf Parkettböden, sondern auch im Sommer auf dem Lande noch durchtriebener fortsetzen konnten. Mit Hirtinnen und Stallmägden konnte auch ein Gebildeter verkehren, ohne sich das Mindeste zu vergeben, denn auch diese sannen in den Gedanken der Philosophen und redeten die Sprache der Encyklopädisten. Und auf dem Lande? Schwendi- mann, der Cnlturhistoriker, verwahrt sich entschieden dagegen, daß damals das Bauernvol? in unsäglichem Elend und in höchster Unwissenheit gelegen habe, das einen Pestalozzi als „Retter" gebraucht hätte. Es herrschte im Gegentheil Wohlstand, und das Schulwesen war ein gehobenes. Der schwärmerische Experimentator wurde von dem Landvolkc mit Mißtrauen und Argwohn beobachtet, und für seine Anstalten mußte er seine Zöglinge bisweilen aus der Ferne kommen lassen. Verfolgen wir den „Niesenpädagogen" etwas näher auf seinen einzelnen Stationen! Klare Einsicht und festes Wollen wurden dem Knaben nicht eingepflanzt, ; und sein in sich gekehrtes, schwärmerisches Wesen con- trastirte zeitlebens mit der Weither Wirklichkeit. Von einem maßlosen Ehrgeiz besessen, kriiisirt er schon seine „unerträglich dummen" Lehrer und trögt sich mit der fixen Idee, ein zweiter Messias zu werden. In seinem „religiösen Katzenjammer" — eigenes Geständnißl — kam ihm nun Nousseau's „Emil" wie gerufen. Sein Kopf war ihm nun erst recht verdreht. Er studirt — Theologie und macht schon ein Examen als Pastor, i Doch bald vertauscht er das „reine Wort" mit dem voraus zuri8, um auch diesem nach kurzer Zeit valeb zn sagen. Das Herz dominirt über den Kopf, und er fängt eine warme Liebschaft an. Da „sie" viel Geld hat, verlangt sie auch von „ihm", daß er sich nach einer entsprechenden Existenz umsehe. Von andern ermuntert, wirft sich nun der theologische Jurist auf die Landwirthschaft. 15,000 fl., damals eine gewaltige. - Summe, steckt er in den Boden, der aber wenig hergeben will. Er baut sich ein „reizendes" Landhaus auf den „Ncuhof", in dem er die Schweine im zweiten Stocke unterbringen will. Anfangs treibt er Krappcultur, später operirt er mit spanischem Rindvieh. Da seine zukünftigen vermögenden Schwiegereltern nicht mit ihm zufrieden sind, so „holt" er seine Anna „ohne Abschied und Dank" vom Hause weg. Nun versucht's der Neuhöfler mit der Baumwollspinnerei; es fehlt ihm aber die Ordnung, Klugheit und Geduld. Man spricht von der Einziehung des ihm vorgeschossenen Geldes, und die Leute der Umgegend machen allerlei Bemerkungen über den sonderbaren Landwirth und seine religiös-politischen Ansichten. Da, in dieser heillosen Verwirrung, geschieht nun etwas, wovon so mancher „Eingeweihte" ein Lied singen kann, was aber den „Profanen" ein Räthsel war und blieb: die Loge wirft sich für Pestalozzi in'S Zeug; sie hat schon längst ein Auge auf den „geeigneten" Mann, und ihren thätigen Agenten ist es ein leichtes, den schwärmerischen Faselhans für den heiligen Bund zu ge- wiMen.'' Pestalozzi «weist sich als höchst würdiger Bruder, der zuletzt das Haupt des helvetischen Orbtits wird. Die Dreipunkte-Brüder hinter sich: so konnte sein Ruhm, fein Weltruf nicht ausbleiben! Er verläßt den Pflug und macht sich auf Anrathen der Loge an die — Erziehung der Jugend, jenes Gebiet, das die „königliche Kunst" ja mit Vorliebe an sich zu reiben pflegt. — Wie viel ist über den „Vater der Waisen zu Staus" nun geschrieben worden! Um demselben einen gehörigen Nimbus zn verschaffen, war es nun vor allen Dingen nöthig, von Land und Leuten um Stans die gräßlichsten Bilder zu malen, Bilder, welche die elendesten Londoner Quartiere in Schatten stellen. Das haben nun Pestalozzi's Biographen bis auf den heutigen Tag pflichtschuldigst gethan. Sie wußten wohl nicht, daß er sein Material für Cultnrexperimente von weit her holen mußte! Sie ließen ihn als ehrwürdigen Patriarchen unter dem Bettelvolke wandeln, ihn, der nie einen Schritt in die Hütten der Armuth gethan! Und in den Zeiten seines persönlichen Elendes schüttelt er den Staub von den zerrissenen Schnallschuhen und macht Reisen nach Deutschland, um in der Bekanntschaft mit Göthe, Wieland u. s. w. seinen Gram zu vergessen. Pestalozzi verspürt nun den Drang, seinen Gefühlen in öffentlichen Schriften Luft zu machen. Der Schriftsteller versteht wohl gut zu erzählen und den Dialog zu handhaben, aber eine solide Bildung geht ihm ab, und wenn die französischen Vorlagen und seine geistreiche Frau nicht gewesen wären, wer weiß, was er zu Tage gefördert! Da brach die Revolution, mit welcher der wässerige Demokrat schon längst sympathisirte, über die Schweiz und Stans herein. Pestalozzi bietet in einer Schrift sofort dem Bürgerministerium seine Dienste an, ein Aktenstück, das, nachdem es von den vielen orthographischen und Jnterpunktionsfehlern gereinigt, vom berühmten Zschokke im Satzbau geordnet worden war, auf Staatskosten gedruckt wurde. Noch wehr; man gründete, um auf die Stimmung der Kantone einzuwirken, das „Helvetische Volksblatt", das aber unter Pestalozzi's Leitung nach kurzer Zeit Fiasco machte. Die geschäftigen Biographen schildern Pestalozzi's Wirken zu Stans als dessen Glanzperiode. Wie aber lag die Sache in Wirklichkeit? Die Leute waren von der Ankunft des „vaterlandslosen Freiheitsschwärmers" nichts weniger als erbaut; der „Halbnarr" und „Eindringling" mit seinen Naturfchilderungen und seiner Vernunftreligion wurde den katholischen Nidwaldenern, deren Väter unmittelbar vorher für ihren Glauben und ihre Freiheit in den Tod gegangen waren, gerade vor die Nase gesetzt. Als er mit dem Einzug der Truppen in Staus das ehemalige St. Clara-Kloster verließ, trauerten nur die Jlluminaten. — Nun ging's nach Bnrgdorf, der „Heldenzeit seines pädagogischen Strebens und Thuns", wie Blochmann bemerkt. Auch hier wurde Pestalozzi immer unbeliebter; sogar Minister Ncngger sah sich trotz anderweitiger Fürsprache genöthigt, ihm den Posten eines Vorstehers abzunehmen. Die moralischen Schläge, die er erhielt, suchte der „humane" Mann den Kindern redlich heimzuzahlen. „Er prügelte", wie Pfarrer Businger in einem amtlichen Schreiben berichtete, „sehr viel". Als er es nicht mehr aushalten zu können glaubt, geht er in's Bad und verlebt fröhliche Tage. , Pestalozzi's letzte Station war Iverdon. „In Werden Erzieher der Menschheit, Mensch, Christ und Bürger, Alles für Andere, für sich nichts", sieht anf 254 dein dortigen Denkmal. Hören wir den schweizerischen Geschichtschreiber und Zeitgenossen Pestalozzi'L, Monnard: „Die Behörden von Burgdorf hatten damals nicht gewagt, dem Pestalozzi auch nur eine Primärschule anzuvertrauen. Auch hätte dieser Mann die Vergleichung mit dem allergewöhnlichsten Bewerber nicht aushalten können." Pestalozzi that sich etwas Zwang an und übernahm eine Stelle. Die Hintersassen waren aber mit der an ihren Kindern probirten „neuen Lehre" nicht zufrieden. Ihr energischer Protest hatte zur Folge, daß der „Niesenpüdagoge" versetzt wurde. Pestalozzi erhielt eine Lehrstelle an einer der untern Schulen der Oberstadt. Im waadtländischen Schlosse zu Iverdon nun spielten sich allerhand „Merkwürdigkeiten" ab. Bekanntlich hatte hier Pestalozzi die Mitarbeiter Jos. Schwill und Joh. Niederer. Ersterer war ein tüchtiger, praktischer Schulmann, letzterer ein philosophischer Schwärmer. Diese zwei Männer aber, insbesondere Schund, verdienen den Ruhm, den heute „Vater Pestalozzi" einerntet. Schund war „eine ungeheure Kraft", wie ihn Pestalozzi vorzustellen pflegte, durch dessen zielbewußtes, thatkräftiges Eingreifen die Iverdoner Anstalt europäischen Ruf erhielt. Doch, wer nennt heute diesen Mann? Sein Lehrgeschick und namentlich auch seine positiven religiösen Anschauungen brachten ihm Haß und Mißgunst in einem Maße ein, daß er nach Wien zog, von wo aus er Pestalozzi anzugreifen für nothwendig hielt. Die daraufhin nach Averdon abgesandten Experten konnten kein günstiges Urtheil über die „Weltanstalt" abgeben. Pestalozzi war gänzlich regierungsunfähig, wie Schnyder von Wartensee, der bekannte Componist, der an Pesta- lozzi's Anstalt Musikunterricht ertheilte, schreibt. Die ! Disciplin des Hauses war geradezu schauderhaft; das i kollegiale Einvernehmen unter den Lehrern mehr als ! traurig. Pastor Niederer hielt es sogar für nöthig, den j „Erzieher der Menschheit" ^öffentlich von der Kanzel — Pfingsten 1817 — als „den Verruchter all des Guten" bloßzustcllen. Der „sanfte" Pestalozzi fiel dem Angreifer „mit Löwenstimme" in's Wort, ließ aber die Sache sonst auf sich beruhen. Er wird wohl gewußt haben, warum! 1825 sank die berühmte Anstalt als existenzunfähig in Trümmer. Schließen wir! Aus diesen kurzen Andeutungen ist zu erkennen, welche Verdienste sich Pestalozzi um die Menschheit erworben. Wir wissen nun, was wir vom „Schöpfer der modernen Schule" zu halten haben. Mögen eS auch die jungen Leute in den Seminarien erfahren! Voritas liberabit vos! Universitäten und Studenten in Rußland. Von Theodor Hermann Lange. , (Nachdruck voi«n) Ueber die Zustände an den russischen Hochschulen ist man in Deutschland meist schlecht oder mindestens sehr mangelhaft unterrichtet, und man bringt den akademischen Verhältnissen im Zarenreiche nur ein geringes Interesse entgegen. Eine Ausnahme in letzterer Hinsicht bildet die Universität Dorpat, deren Umwandlung aus einer deutschen Lehranstalt in ein russisch-slavisches Institut in den letzten Jahren in Deutschland bekanntlich mit großer Aufmcrk- famkeit verfolgt wurde. Keine der zehn russischen Hochschulen kaun aus ein hohes Alter zurückblicken. Die älteste ist die Moskauer Universität, welche im Jahre 1755 von der Kaiserin Elisabeth Petrowna (1741—1762) begründet wurde, die jüngste die Universität in Tomsk (Sibirien), welche seit sieben Jahren besteht. Die meisten Universitäten wurden erst in diesem Jahrhundert ins Leben gerufen. Die Ein- theilung in vier Fakultäten (Theologie, Jura, Medizin und Philosophie) ist in Rußland unbekannt. Eine philosophische Fakultät gibt es nicht, aber eine theologische, juristische, medizinische, philologische, mathematische und naturwissenschaftliche Fakultät. Meist sind aber für die Theologen der orthodoxen Kirche besondere Akademien (Priesterseminare) errichtet, welche mit der eigentlichen Universität in keiner Verbindung stehen. DaS bedeutendste katholische Priester-seminar befindet sich in Petersburg und steht unter außerordentlich strenger Aufsicht der Regierung. Früher befanden sich übrigens in Russisch-Polen eine Reihe katholischer Priesterseminare, welche bis auf einige wenige in den letzten Jahrzehnten von der Regierung geschlossen worden sind. Die Schließung dieser katholischen Prtesterseminare bildet ein sehr dunkles Blatt in der neuesten Geschichte Rußlands. Diele Universitäten haben nicht sämmtliche Fakultäten. So hatte die Universität Odessa bis jetzt noch keine medizinische Fakultät und erhält sie erst im Laufe dieses Jahres, Tomsk hat keine juristische, philologische und naturwissenschaftliche; vie Petersburger Universität hat keine eigentliche medizinische Fakultät. Dafür gibt eS aber in Petersburg eine eigene medizinische Akademie usw. Ebenso existiren für die russischen Universitäten keine einheitlichen Ausnahmebestimmungen (JmmatrikulationZ- rcglements). Sogenannten Hörern (Hospitanten), sowie Ausländern kann nur infolge besonderer Erlaubniß des Ministers für Volksaufklärung der Zutritt zu den Vorlesungen gestattet werden. Die Rektoren haben in dieser Hinsicht niemals das entscheidende Wort zu sprechen. Was sonst noch die Ausnahmebestimmungen anbelangt, so bestehen hinsichtlich der Immatrikulation von jüdischen Studenten an sämmtlichen Universitäten ganz besondere Vorschriften. An der Petersburger Universität werden durchschnittlich nur fünf Prozent jüdischer Studenten zugelassen, im Technischen Institut in Petersburg nur ein Prozent Juden und in der Ingenieurschule (für Brücken- und Eisenbahnbau) gar keine Juden. In Odessa, Warschau und Tomsk werden augenblicklich zehn Prozent Juden zugelassen, aber auch nur solche, welche mindestens mit der Note 4 („ziemlich gut") vo« Gymnasium kommen. Hin und wieder wird aber doch der Prozentsatz der bei den Universitäten zulässigen jüdischen Studenten überschritten, und zwar, wenn deren Angehörige persönlich bei dem Minister in Petersburg vorstellig werden. Dazu genügt allerdings nicht eine einzige Audienz, sondern die Bittsteller müssen sich Monate hindurch jede Woche beim Minister melden lassen. Auch Katholiken werden bei ihrer Immatrikulation hin und wieder Schwierigkeiten bereitet. ^ Ein mir bekannter polnischer Rittergutsbesitzer bei Warschau, der früher in Sibirien als Verschickter gelebt hatte, wollte zwei Söhne Medizin studiren lassen. Sie wurden weder in Warschau noch an einer andern Universität immatriknlirt. Da bestach der Vater, wie er mir selbst einmal gestand, einen Ministerin!-Sekretär mit 1000 Rubeln. Daraufhin wurden die jungen Leute in Moskau irymatrikulirt. Dieser Fall dürfte übrigens nicht vereinzelt dastehen. Juristen, Medizinern und Philologen polnischer Nationalität (Katholiken) wird es übrigens bei der Jrnmatrikulation an der Warschauer Universität neuerdings regelmäßig mitgetheilt, daß sie niemals auf eine staatliche Anstellung innerhalb der polnischen Gouvernements zu rechnen haben. Neflektiren sie nach Absolvirung ihrer Studien auf derartige Posten, so können ihnen diese nur im Innern oder im Osten Rußlands verliehen werden. An den russischen Hochschulen gibt es keine Semester, sondern nur Jahreskurse, wofür in allen Fakultäten und an allen Universitäten je 100 Rubel Collegiengelder zu zahlen sind. Für die Immatrikulation hat man nur 25 Kopeken (52 Pf.) zu entrichten. Juristen, Philologen, Mathematiker und Naturwissenschaftler haben je vier Jahreskurse zu absolviren, also vier Jahre zu studiren. Mediziner jedoch müssen 5*/z Jahre studiren. Bei Schluß jedes Jnhreskurscs finden Prüfungen statt. Länger als zwei Jahre wird kein Student in einem Kurse geduldet. Hat er die Prüfung bei Jahresschluß dann nicht bestanden, so erfolgt seine Verweisung von der Universität. Jeder Kursus hat seine bestimmten Vorlesungen, an diesen muß der Student theilnehmen. Eine Wahl hinsichtlich der Vorlesungen, wie beispielsweise in Deutschland, Oesterreich usw., gibt es auf den russischen Universitäten nicht. Natürlich kann ein Student auch ganz ruhig einmal ein paar Kollegien „schwänzen", danach fragt niemand. Er kann auch eine Viertel- oder halbe Stunde zu spät inL Colleg kommen, deßwegen wird er nicht zur Rede gestellt. Die Hauptsache ist nur, daß er bei Jahresschluß die Prüfung besteht, wobei allerdings auf manchen Universitäten die Polen (Katholiken) gegenüber den National- russen insofern benachtheiligt sind, als man den eigentlichen Russen die mündlichen Examina wesentlich erleichtert und den Katholiken erschwert. Vereinzelt kommen auch hier Bestechungen vor, wie sie an manchen Gymnasien leider nichts seltenes sind, wo die Vater die Aufnahme ihrer Söhne von den Gymnasialdirektoren um 300—500 Rubel erkaufen müssen. Juristen und Philologen, welche der russischen SaatS- kirche angehören, erhalten nach bestandener Prüfung sofort Staatsanstellungen, Katholiken seltener. Es vergeht immer eine Reihe von Jahren, ehe man Katholiken staatliche Stellungen gibt. In Petersburg werden Katholiken immer noch am ersten angestellt. Die polnischen Gelehrten, welche die akademische Laufbahn einschlagen, haben immer nur Aussicht auf Anstellung bezw. Beförderung, wenn sie sich nach dem äußersten Osten versetzen lassen. An der Universität in Tomsk in Sibirien sind zwei polnische Professoren angestellt. Die russischen Studenten müssen, sobald sie das Universitätsgebäude betreten, in Uniform erscheinen. Auf der Straße zeigen sie sich gelegentlich auch in Civil. Bei feierlichen Anlässen kommt zu der Uniform noch der Degen. Die Universitätsprofessoren sind ebenfalls an ihrer Kleidung kenntlich: einem dunkelblauen Frack mit gelben Knöpfen, auf denen der russische Adler angebracht ist. In eorxors erscheinen die Studenten niemals auf der Straße oder im Universitätsgebäude. Rotten sie sich einmal zusammen, so werden sie gewöhnlich sehr rasch durch Kosaken mit der Kugelpeitsche auseinandergetrieben, sofort relegirt und der Polizei oder den Gerichten zur Bestrafung überwiesen. Meist erfolgen die studentischen Zusammenrottungen, um gegen mißliebige Professoren und Rektoren zu demonstriren. ^Schluß folgt.) Recensionen und Notizen. Cattaneo C. Ambr. (s. 1.), Geistliche Vertrages frei nach dem Italienischen von Höhl er. 8°. '3 Bde. (S. VIII -t- 603; 568; 592). Ncgensbnrg. Fr. Pustet 1896. M. 9,20. Fritz Ludw. (s. 6arm.), Daö Okkioinm LIarinnnm karvum oder die kleinen Marianischen Tagzeiten in homiletischen Vortragen erläutert. 8", 2 Bde. 1S. IV -j- 503; 644). Ncgensbnrg, Fr. Pustet 1895. M. 6,00. s Unsere asketische Literatur leidet an bedenklicher Hypertrophie; daß da in jedem neuen Buche so ziemlich dasselbe zu finden ist, was der Leser bereits aus früheren Werken kennt, kann nicht Wunder nehmen. Die beiden obigen Erscheinungen bieten eine auerkennenswcrthe Ausnahme. Cattaneo illustrirt die moralischen Ermahnungen durch eine große Menge von Histörchen, deren Glaubwürdigkeit freilich dahingestellt sein mag, die aber immerhin dem Buche den Stempel einer kurzweiligen Unterhaltung aufdrücken. Auch ist die genaue Anführung der verwendeten Bibelstellen zu loben. Sicherlich hatte der Ueüer- setzer, der seine Ausgabe vortrefflich gelöst bat, die wohlmeinendste Absicht, die Erbauungsliteratur nicht bloß zu vermehren, sondern auch zu bereichern. — Ein Buch tieferer Art ist deS k. Fritz Erklärung des Oküeiuw LIarianum, schätzbarer schon deßhalb, weil es den liturgischen Text zum Grunde hat, mit dem die vom bl. Geist geleitete Kirche die Gottesmutter preist; freilich ist heut zu Tage leider vielfach Uebung, sich am allerwenigsten an die kirchlichen GebetSsormulare zu halten und lieber zu allen anderen selbstersundencn Surrogaten zu greifen. AuS diesem Grunde ist das Unternehmen des L. Fritz, dem wir bereits eine ähnliche Bearbeitung des Todtcn-Officium verdanken, schon im vorhinein mit Genugthuung zu begrüßen, besonders aber verdient die Art und Weise, wie er es durchgeführt hat, unser volles Lob. Hier herrscht die verständige Nüchternheit der Kirche, ohne daß jenes undefinirbare und den Meisten unentbehrliche Ding „Gefühl" ganz verdrängt wäre. Schrift- und Väterstellen finden ausgiebige Verwendung, mit frommen Anekdoten und unglaublichen Wundergcschichtcn, womit man so oft etwas Besseres ersetzen will, sind wir glücklich verschont. Möchte daS sinnige und schöne Buch allen, die freiwillig eher Standes wegen sich mit dem Oküoium xarvum L. Ll. V. beschäftigen» ein Begleiter und Führer werden, um immer tiefer in den Sinn der hl. Texte einzudringen. Auch der „Marien-Prediger" oder, wie es das höchst geschmackvoll auch gibt, der „Hcrz- Maria-Prediger" wird bei ?. Fritz sehr brauchbare Gedanken finden, wie das Buch ja auch dem Bedürfniß des Predigers sein Entstehen verdankt. Der Verfasse: des Werkes, Senior der bayerischen Carmeliten, ein unermüdlicher Prediger, ist leider am 22. Juni d. Jö. im Kloster zu Straubing, 84 Jahre alt, gestorben. ck. Der auf dem Gebiete der schwedischen Literatur und Geschichte wohl bewanderte 1. Rath am k. allgemeinen Neichs- archive Dr. Pins Wittmann bietet in seiner neuesten Publikation: „Kurzer Abriß der schwedischen Geschichte. BreSlau, Köbner 1896," dem gebildeten deutschen Publikum eine auf den neuesten Forschungen beruhende Geschichte Schwedens. Dieselbe, in ihrem ersten Theil zwar übersichtlich, aber etwas knapp gehalten, wird vom 17. Jahrhundert an eingehender behandelt, unter besonderer Berücksichtigung der WittelSbacher auf dem schwedischen Throne. Zahlreiche Litcraturangaben geben auch demjenigen, der sich mit dem einen oder andern Abschnitte der Geschichte jenes Landes näher befassen will, praktische Winke. Wer die Wohlthat eines gut angelegten Registers zu würdigen versteht, wird dem Autor Dank wissen, daß er auch diese Mühe nicht gescheut. Der Verfasser erhielt für die Vorlage deS Schriftchens aus der Geheimkanzlei S. K. H. des Prinz- Regenten und von S. K. H. Herzog Karl Theodor anerkennende Dankschreiben. Die heil. Schrift im Predigtamt von I. Sigmunb. * Diese „Monatsschrift für Priester" von Jos. Sigmund, Pfarrer in St. Jodok (Tirol), verfolgt den Zweck 1) zu zeigen, wie die hl. Schrift besonders von alten Meistern auf der Kanzel behandelt wurde, und deren Verwendung im Predigt- amte zu fördern; 2) das Volk an der Hand des Kirchenjahres gründlich zu unterrichten, auch in apologetischen Materien; 3) die Wahl des Themas zu erleichtern und die Predigten nach einem bestimmten Plan einzurichten. — Die Schrift erscheint circa am 20. eines jeden Monats und enthält jedesmal je zwei Predigt-Skizzen für jeden Sonn- und Festtag des 256 nächstfolgenden Monats. Ferner enthält jedes Heft einen Anhang mit praktischen Uebungen über die Verwerthung der hl. Schrift im Predigtamte, vorzüglich aus alten, berühmten Predigern genommen. Der Hochwürdigste Fürsterzbischof von Salzburg, sowie die Hcchwürdigsten Fürstbischöfe von Brixcn und Tricnt haben den Zweck dieser Monatsschrift sehr belobt und das erste Heft warm empfohlen. So schreibt unter auderm der Hcchwürdigste Fürstbischof von Trient: „Das erste Heft befriedigt sehr und enthält vorzügliche Betrachtungen . . . Ihre Skizzen entsprechen jedenfalls den Ermahnungen des bl. Vaterö in der Euchclika Lo Ltuüio s. Lerip- turas vom 18. Nov. 1893 und super saera praeclications vvin 31. Juli 1894." — Zu abonuircn am besten bei der bcchw. Redaction der »Luolraristia« in Feldkirch (oder einfach: „Pelikan" Feldkirch, Vorarlberg) oder auch beim fürstbischöfl. Pfarramt St. Jodok, Vrennerbahn. Preis für diesen Jahrgang 2 fl. oder 3 M. 40 Pf. (Bei größerer Betheiligung wird der Preis künftig herabgesetzt.) _ Unsere eßbaren Pilze (Schwämme). Von Joh. Alfr. Ul sanier, Hauptlchrcr. Mit 5 Tafeln in Farben- lichtdruck. (Kempten, Jos. Köscl'fche Buchhandlung. Preis broch. M. 1,40, in Halblcinwand gebd. M. 1,60.) Der durch seine frühern Schriften, namentlich durch seine vorzügliche und weit verbreitete „Hausapotheke" vorthcilbast bekannte Verfasser gibt in diesem Schriftchen eine einfache und ganz leicht verständliche Anleitung, die besten und häufiger vorkommenden eßbaren Pilze, sowie deren Verwendung in überraschend kurzer Zeit kennen zu lernen. Das Schriftchen basirt auf persönlicher Erfahrung, sorgfältiger Beobachtung und genauer Prüfung und wurden dabei auch die Rathschläge anderer erfahrener Pilzkenner bestens berücksichtigt. In fünf vorzüglich ausgeführten Farbculichtdrucktafeln enthält das Werkchen eine illustrative Veranschaulichung der beschriebenen Pilze, welche das Büchlein erst recht praktisch brauchbar macht. Der ungewöhnlich billige Preis sichert dem durchaus empfehleuSwerthen Büchlein weiteste Verbreitung. _ Pädagogische Vorträge und Abhandlungen. Herausgegeben von I. Pötsch. Verlag der I. Köfcl'schen Buchhandlung in Kempten. Die Hefte 16 und 17 bringen treffliche Abhandlungen und zwar das 16. Heft einen Aufsatz des Hrn. Domcapitulars Professor vr. Stockt über „Kirche und Schule während und unmittelbar nach der NesormationSzeit" mit einer kurzen LebcnS- skizze des inzwischen verlebten Verfassers vom Herausgeber; das 17. Heft enthält eine „Beleuchtung von DittcS' Werken", von I. E. Weis, Priester der Diöcese Eickstätt; mit einen: Anhang „Etwas über Hrn. Dr. DitteS selbst" vom Herausgeber. Erbauungsliteratur. „Die Opfer des ErlöserS." Von k. Gg. Freund, 0. 8s. II. Verlag von Opitz in Warnsdorf (Böhmen). Enthält auf 112 Seiten eine Reihe von Betrachtungen, anknüpfend an die Opfer, welche Jesus bringt, und bietet frommen Seelen eine erbauliche Lesung. Zeitschrift des Historischen Vereins fürSchwaben und Neuburg. XXII. Jahrgang. Preis im Buchhandel 6 Mk. CommissiouSverlag der I. A. Schlvsser- sckcn Buchhandlung in Augsburg. Inhalt: 1. Zur Vor- und Frühgeschichte des Lechrainö. Von Franz Weber, Qbcramtsrichtcr a. D. 2. Die poetischen und historischen Schriften eines Angöburgcr Bürgers an der Ercnzschcide des 16. und 17. Jahrhunderts. Von Max Nadl- kofer. 3. Markwart von Naudcck, Bischof von Augsburg und Patriarch von Aquileja. Von Dr. Fr. T. Glasschröder. 4. Die Kirche der Heiligen Ulrich und Afra zu Augsburg. Beitrag zu ihrer Geschichte hauptsächlich während der romanischen Kunstperiode. Von Pros. vr. I. A. Eudres. 5. Beschreibung der Nömerstraste von Augsburg nach Krumbach. Vertrag, gehalten in der Abcndversammlung des historischen VcrcinS vom 6. März 1896. Von I. Schuster, k. Major a. D. Theologisch-Praktische Monatsschrift. Monatlich erscheint 1 Heft in der Stärke von 5 Bg. od. 80 S. gr. 8°. Preis ganzjährig 5 Mk. Inhalt des 8. Heftes 1896: Jakob Greiser als Apologet der Gesellschaft Jesu. — Freiheit in der Wahl deS Beichtvaters namentlich bezüglich der Ordensfrauen. — Die Bestimmungen über das Jrrenwesen in Bayern. — Die Hysterie. — DaS Laicnkatcchetenihum und die missio eanonica,. — PastorclleS von der Reise. — Concurrcnzpflicht der Filialistcn. — „Auf den Markt!" Neue Anforderungen an die Seelforge.— Drei Vorschläge über Verwendung der Pricsterbibliotheken nach dem Heimgang ihres Inhabers. — Verhalten deS Seelsorgers gegen weltliche Vereine. — Textvariante im Llissals äskunetoruiri. — Galanterie gegen Schulmädchen in amtlichen Bekanntmachungen. — Das wörtliche Citiren socialdemokratischer Gotteslästerungen in katholischen VcreinSvcrsammlungen. — Bcachtens- wcrthe Kleinigkeiten. — Erlasse der obersten Verwaltungsstellen und Entscheidungen der obersten Gerichtshöfe. — Novitätenschau. Liter arisch er Handwciscr, begründet, herausgegeben und rcdigirt von Msgr. Dr. Franz HülSkamp in Münster. 24 Nrn. ä 2 Bogen Hochquart für 4 M. P. Jahr. 1896. Nr. 7 u. 8. Inhalt. Kritische Referate über Schrader Kcilinscbriftliche Bibliothek (Kaulen), Minies Lota, Ooneilii 6onstaneiensis (Wurm). Ltsplisn Uistorz- ok tlis 8cottisli Olinrck (Bcllcsheim), Zaubzsr Betrachtungen über das Hohe Lied (Lierücimer), ölrrurz- drog-auess et I,S§eiicles cln mog'sn-ÜAo (Kampers), Briefe hervorragender Zeitgenossen an Franz Lisch (Bäumker), Dcvas Grundsätze der Volkswirthschaftslehre (Fr. Walter), Effinger Nachfolge Maria, Jox Wundcrthätige Medaille und Kerngebctc für Kranke nach Liguori und Cochem (Deppe), Keiter Confessiouelle Brunnenvergiftung, Kürschner Literaturkalender und Kürschner L-taatShand- buch für 1896 (HülSkamp). — 15 Notizen über AertnyS und Gaudö Moralfystem deS hl. Alphons (Deppe), Xillos Xaleinlarium bleelosias oriontalis od oeeütoutalis und verschiedene andere Nova (HülSkamp). - Novitätenschau und Zeitschciften-Juhalt. OestcrreichischesLitcraturblatt, herausgegeben von der Leo-Gesellschaft in Wien, redizirt von vr. Franz Schnürer. (Administration: Wien I., Anuagasse 9.) Nr. 15 enthält u. A.: Mauser I. A., kossibilitas xraemotionis pdz'sieao Dliomistioas in actibus lideris uatnralibuZ. (Spiritual- director Dr. C. Weiß, Wien.) — Ernst Jof., Die Lehre des bl. Paschasius Nadbertus von der Eucharisiie. (Pros. Dr. Cöl. Wolfögruber, Wien.) — Bcissel St., Die Verehrung 1l. L. Frau in Deutschland während deS MittelalterS. — Nehmke Joh., Lehrbuch der allgemeinen Psychologie, (vr. Nud. Hornich, Wien.) — Krampe W., Die italienischen Humanisten und ihre Wirksamkeit für die Wiederbelebung gymnastischer Pädagogik. — Andreae K., Zur inneren Entwicklungsgeschichte der deutschen Lehrerbilduugs-Austaltcii. — Schnitze Sigmar, Der Zeitgeist der modernen Literatur Europa'S. (Dr. Nich. v. Kralik, Wien.) - Bötticker Fr. v., Malcrwcrke des XIX. Jahrhunderts. t.Bd. (Dr. Th. v.Frimmel, Wien.) —Ott Emil, Kirchliche GcrichtSbaikeit. (lluiv.-Prof. Dr. Frz. Lauriu, Wien.) — Ortloff Hm., Staats- und Gcscllfchafts-Vertretung im Strafverfahren. (Ders.) — Vesaniö Sot., Ueber das Verhältniß der Vermehrung der Zinscapital-Juhabcr und der ZinL- capitalicn. (Thcol.-Prof. Fricdr. Piffl, Klosterneuburg.) — F öpp l A.. Einführung in die Maxwell'schc Theorie der Elektricität. (Pros. vr. A. Lanner, Salzburg.) — Darwinismus und Socialdemokratie oder Häckel und der Umsturz. (Pros. Dr. O. Hermann, Bibliothekar an der k. Bibliothek, Berlin.) U. s. w „Die katholische Welt." Jahrg. 1896. (Jährl. 12 Heft- ü 40 Pf. - 50 Cts.) Heft 9 u. 10 enthalten u. A.: Käthe und Kathiuka. Eine VolkScrzählung aus der Oberpfalz. Von Jos. Baier- lein. (Fortsetzung.) — Fürstin Marie Luise von Bulgarien. — Raffael. Kunsthistorische Skizze von J. Werne. — U. L. Frau vorn Berge Karmel. Von I. Ming. — Die Halligeu. — Nosiue vom Scherben Hof. Eine Geschickte aus dem Volksleben. Von August Butscher (Forts.) — Maria Magdalc na. — Die Jubelfeier des Landes Tirol. Von ik. Leitgeb, 6. 88. R. — Zwischen den Aehrcn. Ein Julibild. Von Theodor Berthold. — Der Tro llhätta-Fall. —Die Zarenkröuung in Moskau. — Getrennt im Leben — im Tode vereint. Novells aus dem Englischen. Von Odo Dowod. U. s. w. — Mit zusammen 83 Illustrationen. Die Erzählungen sind sehr gediegen. Probehefte versendet die Vcrlagöhaudlung A. Nif- farth, M.-Gladbach. Verauttv. Redacteur.: Ad. Haas in Augsburg..— Druck u. Vcrlaa des Lit. Instituts von Hao§ L tzsrabberr in Augsburg,