Markwart von Randeck, Bischof von Augsburg (1348 - 1365 ). Ueber den obigen Bischof hat der kgl. Archivsekretär Dr. Glasschröder im historischen Verein für Schwaben und Neuburg im 15. und 22. Band der Zeitschrift 1888 und 1896 zwei äußerst gediegene Arbeiten veröffentlicht und Urkunden in Negesten im 20. Bande abdrucken lassen. Besondere Aufmerksamkeit hat er neben der Bis- thumsthätigkeit Markwarts dessen allgemein geschichtlicher Stellung und Bedeutung gewidmet, besonders seiner Thätigkeit in dem Streite zwischen Ludwig dem Bayern und den Päpsten zu Avignon und als Neichsverweser in Italien 1355. Er stützt sich dabei auf ein ausgedehntes Urkundenmaterial aus allen möglichen Archiven und Veröffentlichungen, namentlich auf neue italienische und römische Forschungen; ein Material, welches der Verfasser mit Bienenfleiß zusammengetragen und mit viel Geschick zu lesbaren Abhandlungen verarbeitet hat. Wer die Schwierigkeit zu würdigen weiß, die der spröde Akten- stoff, lose Notizen und »«zusammenhängende Urkunden einer zusammenfassenden Bearbeitung entgegenstellen, der wird dem Verfasser doppelt Dank wissen, daß er seinen Stoff so geschickt angeordnet und des Bischofs Thätigkeit in einfach schöner und objectiv ruhiger Weise geschildert hat.*) Markwart, geb. 1296, stammt aus dem schwäbischen Nittergeschlechte derer von Neidlingen, der Dienstmannen der Herzoge von Teck, die sich in drei Linien: die Neid- linger, Lichtenecker und Nandecker, theilten. Das Geschlecht erscheint häufig unter den Kanonikern zu Augsburg, und so war eS auch ein Oheim, Konrad von Randeck, später Custos der Domkirche, der den jungen Markwart nach Augsburg zog und dort erziehen ließ. An der Domschule genoß Markwart eines guten und klassischen Unterrichtes, wie aus den zahlreichen Citaten aus Klassikern, die der nachmalige Bischof in seinen Reden anzubringen liebte, zu schließen ist. In Bologna setzte er seine Studien fort, wurde durch daS Vertrauen seiner Landsleute 1322 zum Schaffner (proaurator) der deutschen Nation ernannt und erwarb sich die Würde eines Licentiaten des kanonischen Rechtes. Er bildete sich aber auch in der feinen Rittersitte und dem Waffenhandwerke aus. Nach seiner Rückkehr in die Heimath erhielt er, ohne die höheren Weihen empfangen zu haben, 1328 die Pfarrei Möhringen in Baden, wurde 1331 Subdiakon und Kanonikus zu Augsburg und lehrte als solcher das kanonische Recht den Domicellaren des Hochstiftes. Bald lenkte er die Aufmerksamkeit des Kaisers Ludwig des Bayern auf sich und wurde von ihm 1335 auserseheu, mit zwei andern rechtskundigen Klerikern die kaiserlichen Gesandten Grafen Ludwig den Aeltern und Jüngern von Oettingen (VIII und IX) an den päpstlichen Hof nach Avignon zu begleiten. Dort hat er vor Papst Benedikt XII. am 9. Oktober eine berühmte Rede gehalten, die in Niezlers vatikanischen Aktenstücken abgedruckt ist. Glasschröder gibt eine ausführliche Analyse (s. e. XV S. 27). Die Sprache ist hier sehr demüthig, und die Versicherung der Reue und des sehnlichen Wunsches nach Aussöhnung kehrt immer wieder. Der Papst war dem Redner auch sehr gewogen Die letzte Arbeit GlasschrvderS 1896 ist auch separat zu haben und wird den Lesern der Augsb. Postztg. angelegentlichst empfohlen. und ernannte ihn 1336 zum Dompropst von Bamberg. Als er aber 1343 von einem Theil des Bauiberger Kapitels zum Bischof erwählt wurde, bestätigte ihn der strengere Nachfolger Bencdikts, Clemens VI., nicht und ernannte 1344 Friedrich v. Hohenlohe zum Bischof. Und doch war Markwart kein blinder Anhänger Ludwigs; er ließ der Kurie volle Gerechtigkeit zu Theil werden. Er denkt genau wie Bonifaz VIII.: Die geistliche und weltliche Gewalt verhalten sich wie Sonne und Mond, Gold und Blei; aber auch die weltliche Gewalt sei eine göttliche Einrichtung, und Ludwig sei rechtmäßig (aunonioa) gewählt worden. Die geistliche Gewalt solle dafür sorgen, daß die weltliche Achtung und Gehorsam finde, der Kaiser bedürfe den Arm der Kirche, um mit den Bösen der Welt aufzuräumen. Die Maßlosigkeiten vieler Anhänger Ludwigs billigte er nicht, ebensowenig die früheren Ausschreitungen des Kaisers selbst. Als daher 1447 Ludwig gestorben war, konnte er, ohne treubrüchig zu werden, dem „Pfaffenkönig" Karl IV. huldigen. Er wurde auch gleich von letzterem zu einer Sendung nach Avignon verwendet, um vom Papste die Befreiung der Anhänger Ludwigs von den kirchlichen Censuren zu erwirken. Markwart erlangte dies nicht nur, sondern auch das volle Vertrauen des Papstes, der ihn im Mai 1348 zum Bischof von Augsburg ernannte; obwohl der Anhänger Ludwigs des Bayern, Bischof Heinrich von Schöneck, noch lebte und selbst von Kaiser Karl IV. begünstigt wurde. Es dauerte aber fast ein Jahr, bis ihn die Augsburger Bürgerschaft festen Fuß fassen ließ, und erst 6. Januar 1350 kam zwischen dem Randecker und Schönecker durch Vermittlung der Grafen Ludwig und Friedrich von Oettingen (Vertreter des Schöneckers) und des Dompropsts Eberhard von Tumnau (Vertreter Markwarts) ein Vergleich zu Stande. Darnach versprach Markwart dem Schönecker gegen dessen Verzicht, einen Bisthumstitel zu gewinnen, die Burg Zusamegg auf Lebenszeit zu überlassen und ein Jahrgeld von 400 Pfund Heller zu bezahlen, sowie eine Domherrnpfründe. Unter Heinrich von Schöneck war das Bisthum arg verwahrlost worden, viele Güter und Rechte waren verloren gegangen und Schulden aus Schulden gehäuft. Markwart konnte nicht einmal die „Kanzleisporteln"*) von 800 Eoldgulden an die Kurie bezahlen und wurde, da er den Termin immer weiter hinausschob, excommunicirt und empfing wider Wissen als Excommunicirter die Priester- und Bischofsweihe, letztere am Osterfeste 1354 in der Klosterkirche zu Kaisheim. 1355 und 56 konnte er endlich seinen Verpflichtungen nachkommen. Der Kaiser half ihm die verwirrten Finanzen verbessern, ließ die Judenschulden uach(I), gestattete, daß er die vom Reich verpfändeten augsbnrgischen Güter und Rechte wieder einlöse, und gewährte 1356 eine neue Münzstätte, nachdem die alte an die Bürgerschaft verloren war. Mit der Bürgerschaft gerieth der Bischof öfters in Streit wegen der Gerichtsbarkeit und des Steuerrechtes, besonders wegen einer Getränksteuer (Ungeld). Gegen adelige Raubritter ging er strenge vor und brach schon 1349 die zwei Burgen Mindelberg und Brenz. Sehr zahlreich sind die Erwerbungen, die durch ihn geschahen. Glasschröder führt sie ! *) So nennt Glaöschröder die Schuld; wäre es Vielleicht- ' nicht richtiger „Annaten" zu jagen,? 274 in gedrängter Zusammenfassung auf und bietet in nachfolgenden Ncgesten genauere Angaben. Ueber den weltlichen Geschäften vernachlässigte Mark- wart nicht den geistlichen Zustand der Diöcese, ordnete sogleich eine Visitation an, erließ Verordnungen zur Wahrung des ciseorurn olsriorüs, sorgte für genügenden Unterhalt der Pfarrer und trat gegen jede Verschleuderung von Kloster- und Stistsgut ein (S. 53). Da er oft abwesend war, setzte er einen Generalvikar ein, damit die Verwaltung nicht Noth leide. Interessant ist die Verordnung über die geistliche Tracht. Die Aermcl des Unterkleides sollten nicht um mehr als Handbreite über den Ellbogen, die Aermel des Oberkleides aber nur bis zum Ellbogen reichen. Die Geistlichen sollten ferner den Gürtel über dem Oberkleide nicht ablegen, keine in die Augen fallende Waffen oder Schwerter tragen und sich der „zerschnittenen" Schuhe, wie sie die Laien tragen, sowie der Kukulle nicht mißbräuchlich bedienen. Zur Zeit des Gottesdienstes solle endlich kein Geistlicher ohne Röchet die Kirche, der er angehöre, oder ms Kloster, dem er vorstehe, betreten. Indessen vermochte den kräftigen Mann die stille Diöcesanarbeit nicht ausschließlich zu fesseln und zu beschäftigen; sein Geist, der zwischen dem Papstthum und dem Kaiserthum hin- und herzufliegen gewohnt war, strebte nach weiterem. Er war 1355/56 Neichsverweser in Italien — über diese Zeit bringt Glasschröder äußerst interessante Mittheilungen — und ließ seine Hand kräftig fühlen. 1365 wurde er zur wichtigen Stelle eines Patriarchen von Aquileja erhoben — die Patriarchen von Aquileja haben eine Zeit lang sogar Rom Trotz geboten. Die Aqnilejercpoche (1365—1381) hat Glasschröder nicht behandelt, sie ist in kurzen Umrissen geschildert im Artikel der Allg. deutschen Biographie XX, 410 über ihn. Hier heißt es, man gewinne eine günstige Vorstellung von Markwarts Umsicht und Tüchtigkeit, wenn man sehe, wie -r als Ausländer den unbotmäßigen Vasallen Friauls Gehorsam abnöthigte und zwischen den Carraresen zu Padua und den Venetianern sich zu halten wußte. Ein unvergängliches Denkmal setzte sich Markwart durch die Codisicirung des Friaul'schen Rechtes in den Lonstitutiones xatria.6 lorogutiensis, das er schon 1366 dem Stände- parlament vorlegte. Alles in allem gewährt das Leben Markwarts das Bild eines ungemein kräftigen, eifrigen und klugen Regenten mitten in den trüben Zeiten des 14. Jahrhunderts. Zwar fehlt ihm der spezifisch geistliche Charakter, und die Welt der aufkeimenden Mystik lag ihm sicherlich ferne. Er hielt nicht auf geistliche Correctheit, aber sein Maßstab war ihm das kanonische Recht. Er ging von juristischen Gesichtspunkten aus, war gewandt in diplomatischen Formen und ließ sich auch von dem camsralistisch-finanziellen Zuge der Zeit, der seit dem Ende deS 13. Jahrhunderts in allen Herrscherfiguren zu bemerken ist, nicht unwesentlich bestimmen. Das Rechnungswesen spielt eine große Rolle in seinem Leben. Deßwegen war er aber noch kein Bureaukrat; der kriegerische Zug ist stärker, als selbst beim Kaiser Karl IV. Er war ein tüchtiger Kriegsmann und blieb Tage lang im Harnisch. Mit besondern: Vergnügen hat er die stolzen italienischen Städte gedemüthigt, Pisa 1355, dem er 13,000 Goldgulden auflegte, Florenz 1368 und zwang es zur Bezahlung von 50,000 Goldgulden an Kaiser Karl, und endlich hat er in der großen Coalition gegen Venedig 1379 Belluno gedemüthigt und Trieft den Venetianern entrissen. Noch vor Schluß des Venetianischen Krieges starb er in dem für die damalige« Zeiten sehr hohen Alter von 85 Jahren. vr. G. Grupp. Der dritte internationale Congreß für Psychologie. Von Charles Saint-Paul. (Fortsetzung.) Dem vulgären anatomischen Materialismus trat später Professor H. Obersteiner (Wien) in seinen Erörterungen über „Die materiellen Grundlagen des Bewußtseins" (Sektion I.) entgegen. Man könne zwar, so führte er aus, nicht anzweifeln, daß in der inneren Organisation des Nervensystems gewisse Bedingungen gegeben sind, welche das Zustandekommen jener Vorgänge ermöglichen, die man als „bewußte" zu bezeichnen Pflegt. Es sei aber doch noch keineswegs erwiesen, daß diese in dem anatomischen Bau des Gehirns gelegenen Bedingungen auch nur annähernd genügen, uns die Bewußtseinsakte verständlich zu machen. Man sei sehr gerne geneigt, auf Grund sehr schwankender Hypothesen Theorien über die seelischen Prozesse aufzustellen, die sich anscheinend auf anatomische Thatsachen stützen, einer strengeren Kritik aber doch nicht Stand halten können. Selbst das Dogma, daß die Hirnrinde Sitz des Bewußtseins sei, ist durchaus nicht fest fundirt; es gebe sogar manche dieser Anschauung eher widersprechende Erscheinungen. Noch weniger unanfechtbar seien jene Thatsachen, die speciell einzelne Theile der Hirnrinde, z. B. die Rinde des Stirnlappens, als „Sitz der Intelligenz" auffassen lassen wollen. Wenn man in jüngster Zeit Bewegungen an den Nervenzellen oder Gliederfasern zu einer Erklärung der verschiedenen Vorgänge und Zustände des Bewußtseins herangezogen habe, so fehlten für die Berechtigung einer solchen Annahme auch schon die sicheren Beobachtungen. Die Associationsbahnen zwischen den einzelnen Ntndenstellen können und werden bei der psychischen Thätigkeit jedenfalls in Aktion treten, aber als bloße Leitungsbahnen nicht den Ausgangspunkt oder das Centrum darstellen. Wir seien nicht im Stande, in unseren jetzigen anatomischen Kenntnissen die genügenden Grundlagen für das Verständniß der seelischen Vorgänge zu finden. Einen eifrigen Vorkämpfer fand Darwin's Lehre in Pros. W. Preyer (Wiesbaden), der in seinem längeren Vortrage über „Die Psychologie des Kindes" es bedauerte, daß, während auf beinahe allen Gebieten der Biologie die von Darwin gefundene und zuerst erprobte genetische Methode mit großem Erfolge angewendet wird, die Psychologie, wenigstens in Deutschland, also in ihrer Heimath, bis jetzt durch dieses neue mächtige Forschungsmittel im Allgemeinen fast gar nicht und im Einzelnen nur hie und da, man könnte sagen sporadisch, gefördert worden. — In dem Begriffe der Entwicklung liege immer die generelle und individuelle Entwicklung. Daß diese letztere eine abgekürzte und oft durch Anpassung wesentlich modifizirte Wiederholung der Stammesentwicklung sei, werde sür die Gestaltung der Organismen nicht mehr bezweifelt. Für die Psyche ist es nach seinen Beobachtungen an Kindern und jungen Thieren nicht minder gewiß. Daher sei die Psychologie des Kindes und die vergleichende Psychologie von der größten Wichtigkeit für die Erkenntniß der ganzen psychischen Organisation des Menschen und werde es bleiben. Die geistige Entwicklung des ganzen Menschengeschlechtes finde sich abgekürzt im Kinde wieder. Redner schloß diese seine Ergänzungen 275 des Darwinistischen Evangeliums mit dem Ausdrucke der Hoffnung, daß sie dazu beitragen würden, in Deutschland zur gründlichen wissenschaftlichen, d. h. natürlich physiologisch-psychologischen Untersuchung des kleinen Kindes anzuregen. Eine Fülle von neuen Thatsachen sei hiernach zu entdecken, die theoretisch sehr weit reichen und praktisch neue Hilfsmittel zur Förderung der Menschwerdung des Kindes in Aussicht stellen Energischen Widerspruch fanden gewisse Behauptungen des Dr. O. Näcke, Oberarztes an der Irrenanstalt HnbcrtuSbrrrg bei Leipzig, der „Ueber Criminalpsychologie" (Sektion III.) sprach. Er will als Vergleichs- und Ausgangspunkt der criminalpsychologischcn Erörterungen die untere Volksschicht, die Matrix der meisten Necidivisten, betrachten. Er ist der Ansicht, daß im untersten Volke im Ganzen schon die Sinnesempfindung, die Ncceptions- organe, ebenso die Denkoperationen, die „persönliche Gleichung", endlich auch die sogenannten Charaktereigenschaften, welche in letzter Instanz auf Gefühlsbetonung, Affekten beruhen, stumpfer sind, als in den oberen Schichten. Dies müsse natürlich bei den Verbrechern auch der Fall sein, nur daß hier diese oder jene Componente schärfer hervortritt, bedingt durch das endogene Moment, den stärkeren „Keim zum Bösen", durch das ungünstige Milieu, die größere Trunksucht rc., wodurch besonders die Faulheit, Lügenhaftigkeit, ethische Stumpfheit rc. großgezogen werde; secundär werde dann Weiteres durch daS Zusammenleben mit andern Verbrechern hinzugefügt, was eine gewisse Klassenähnlichkeit verleihe. Trotz alledem könne aber Specifisches hierin kaum gefunden werden. Es handle sich nur um graduelle Unterschiede von der untersten Volksseele, genau so, wie es keinen eigentlichen anatomischen Verbrechertypus gibt, sondern nur gewisse Abnormitäten, die schon bei Normalen vorkommen, sich gehäufter bei Verbrechern vorfinden, und dies zwar als Ausdruck des endogenen Moments, das das sociale meist an Wichtigkeit übertreffe, wie er jetzt glaube. Wenn also die meisten Autoren scharf ausgeprägte psychologische Züge bei den Verbrechern finden wollen, die den Ausdruck „Criminalpsychologie" rechtfertigen, so kommt dies, wie er vermuthet, daher, daß 1) alle Kategorien von Verbrechern in Betracht gezogen wurden, — oft durchaus heterogene Elemente, — 2) die vielen darunter befindlichen Geisteskranken, Epileptiker, Schwachsinnigen nicht ausgeschlossen wurden, und endlich 3) weil die Psyche der untersten Volksschicht zu wenig Berücksichtigung fand. In der auf den Vortrag folgenden Debatte traten verschiedene Fachmänner dieser Kennzeichnung der „untersten Volksseele" energisch entgegen und wiesen darauf hin, wie einseitig und unrichtig es sei, gerade bei den jetzt zu Tage tretenden Verhältnissen die intelligenteren und „besseren" Kreise criminalpsychologisch auszunehmen. Speciell opponirte auch Dr. I. Jäger, prot. Pfarrer und Strafanstaltsgeistlicher (Ebrach), auf Grund seiner eigenen Erfahrungen. Derselbe hielt selbst einen interessanten Vortrag über Willensanomalien, in welchem er deren 2) Eine eingebende Besprechung der Vortrüge der dritten allgemeinen Sitzung würde zu weit führen. In derselben behandelte Pros. Franz Brentano (Wien) die Lehre von der Empfindung, speziell dcn Jntcnsitätsstrcit, Pros. TH.Lipps(München) den Begriff des Unbewußten in der Psychologie, des realen, von dem unmittelbar Erlebten unabhängigen Ich, und Pros. H. Ebbinghaus (Brcölau) erstattete über eine neue Methode zur Prüfung geistiger Fähigkeiten und ihre Anwendung bei Schulkindern Bericht, i Genese, die Abulie, ihr Verhältniß zu den Depresfions- zustünden, die Hhperbulie, ihr Verhältniß zu den Exal- taiionszuständen und die Dysbulie, ihr Verhältniß zu der Criminalität einerseits und zur „rnoral insanitzc» andererseits in Betracht zog. Mit Rücksicht auf die Prognose und Therapie der Dysbulie empfiehlt er das Zusammenwirken der betheiligtcn Faktoren, Kirche, Schule, Staat, der öffentlichen und privaten Wohlthätigkeit zur Bekämpfung der Ursachen, der Prostitution, des Bettels, der Vagabondage, des Alkoholismus. Wir glauben, daß aus den zahlreichen Vortrügen der Sektion III besonders noch der des vr. Franz C. Müller (München) „Ueber den Selbstmord und seine Beziehungen zum Alkoholismus" Interesse bietet. Redner constatirte eine ständige Zunahme des Selbstmordes, die nur in den letzten Jahren einer Stagnation Platz gemacht habe. Neben Noth, Krankheit und Sorge müsse auch der Alkoholismus als eine der Ursachen des Selbstmordes erscheinen. Es sei durch die Statistik bewiesen, daß auch dieser progressiv wächst. Namentlich in solchen Ländern, in welchen dem Ausschank keine gesetzlichen Schwierigkeiten bereitet werden, ist der Consum an Wein, Bier und Schnaps gestiegen. Da das Bier nicht weniger schädlich wirke, als der Schnaps, der Alkohol nicht allein in concentrirter, sondern auch in verdünnter Form de- struirend auf Gehirn und Körper wirke, sei es falsch, den Bierimport oder die Bierproduktion zu begünstigen. In denjenigen Ländern, welche durch eine weise Gesetzgebung dem Consum einen Riegel vorgeschoben haben (Norwegen), ist nicht nur der Verbrauch in auffallender Weise gesunken, auch die Menge der Selbstmordfälle hat sich deutlich vermindert. Redner empfiehlt energisches Zusammenwirken gegen das „Völkergift" des Alkoholismus. Die ersten Vortrüge der Sektion IV waren der Psychologie des Schlafes und Traumes gewidmet. Zuerst sprach vr. Santa de Sanctis, Adjunkt der psychiatrischen Klinik der k. Universität Rom und Docent der Psychiatrie, über „Träume und Gemüthsbewegungen" (LoZniot Lwo- moni). Er zog einige interessante Folgerungen aus eigenen Forschungen hinsichtlich der Einwirkung der Gemüthsbewegungen auf das Traumleben, z. B. daß Gemüthsbewegungen, die eine allzu intensive organische Störung oder einen übermäßigen Kräfteverbrauch verursachten, auf den Schlaf nur sehr schwierig und sehr langsam einwirken; er nimmt die Existenz eines emotionellen Gedächtnisses an, welches unterschieden und, bis zu einem gewissen Punkte, unabhängig von dem „intellektuellen" Gedächtnisse ist. Pros. Dr. Mourlh Bold von der Universität Christiania sprach über „Einige Experimente über Gesichtsbilder im Traume". Er behandelte seine Versuche zur Bestimmung der Wirkung, welche die Abends beim Einschlafen gehabten Gesichtsbilder auf das Traumleben der kommenden Nacht ausüben. Er hat diese Experimente während der letzten 7 Jahre periodenweise und gruppenweise mit verschiedenen Personen ausgeführt, indem er den wahrscheinlichen Erfolg im voraus verheimlichte. Unmittelbar vor dem Einschlafen ließ er einen kleinen, gefärbten, plastischen Gegenstand oder eine kleine Figur, die er eben aus einem Packete herausgenommen und die deßhalb einige Ueberraschung bewirkten, bestimmt und deutlich fixiren. Am folgenden Tage ließ er sich Bericht erstatten. Die wichtigsten Erfolge der im Ganzen etwa 300 betragenden Einzelversuche waren folgende Feststellungen: 1) daß Form, Farbe und Größe des Wer- suchsgegenstandes sehr selten alle unverändert wiederkehren; 2) daß Form und Große sich zuweilen von der Farbe und häufig unter sich trennen, beide sich ändern oder verschwinden. Interessant sind auch seine Beobachtungen hinsichtlich der Farben gewesen; wir können jedoch hier auf dieselben nicht eingehen. Von praktischer Bedeutung war der folgende Vortrag von E. Nömer (Heidelberg) „Ueber einige Beziehungen zwischen Schlaf und geistigen Thätigkeiten." Redner berichtete über Experimente, die er im psychologischen Laboratorium der Heidelberger psychiatrischen Klinik angestellt hat, um die psychische Leistungsfähigkeit 1) zu verschiedener Zeit nach dem normalen Schlafe und 2) nach Morgens und Abends abgekürztem Schlafe zu untersuchen. Dabei diente ihm als Methode 1) das Auswendiglernen einstelliger Zahlen in Reihen von je zwölf, 2) das Addiren einstelliger Zahlen, 3) die Messung von Wahlreaktionen und 4) von Associntionsreaktionen. Die Hauptpunkte seiner Resultate erwiesen nun Folgendes: I. Der Zustand kurz nach dem Aufstehen nach normalem Schlafe besteht in einer mehr oder weniger großen Müdigkeit. II. Kürzen Personen, die ihre größte Schlaftiefe erst gegen Ende der Nacht erreichen, ihren Schlaf Abends ab, so wird dadurch meist die Leistungsfähigkeit am folgenden Morgen so gut wie gar nicht beeinträchtigt, weil sich der so abgekürzte Schlaf entsprechend mehr vertieft. Kürzen diese Personen aber den Schlaf Morgens ab, so resultirt ein Zustand der Ermüdung. III. Bei Individuen, deren größte Schlaftiefe sehr bald nach dem Einschlafen erreicht ist, wird nach Abends abgekürztem Schlafe die Leistungsfähigkeit am folgenden Morgen nur wenig oder gar nicht beeinträchtigt, da sich der abgekürzte Schlaf ebenfalls meist vertieft. Noch geringer ist bei diesen Individuen die Beeinträchtigung der Leistungsfähigkeit nach Morgens abgekürztem Schlafe. In keinem von beiden Fallen ergaben bei ihnen die vorliegenden Versuche eine deutliche Ermüdung nach abgekürztem Schlafe, sondern nur eine gewisse Müdigkeit mit Symptomen, auf die Redner in seinen Erörterungen wiederholt hinzuweisen Gelegenheit fand. Er hält den principiellen Unterschied zwischen Müdigkeit und Ermüdung als das wichtigste Ergebniß der Versuche. Besonders macht er noch auf die Bedeutung seiner Resultate für die Schulhygiene aufmerksam; es dürste seiner Ansicht zufolge hier besonders bcachienswerth sein die Ermüdung nach Morgens abgekürztem Schlafe bei Individuen, die ihre größte Schlaftiefe erst gegen das Ende ihres Schlafes erlangen, sowie die größere Ermüdbarkeit für schwerere und die geringere Uebungssähigkeit auch für leichtere geistige Arbeit in der Müdigkeit nach normalem Schlafe. — Wie werden sich unsere Jungen, die meist ihre größte Schlaftiefe erst gegen das Ende ihres Schlafes zu erlangen scheinen, freuen, wenn diese bedeutungsvollen Resultate in den Erziehungsanstalten berücksichtigt werden! Professor Ottomar Nosenbach von der Universität Breslau hielt einen längeren Vortrag über den „Mechanismus des Schlafes", in welchem er auch in längeren Erörterungen über den hypnotischen Schlaf sich verbreitete. Nicht zustimmen können wir seiner Behauptung, daß im hypnotischen Schlafe nicht nur keine bewußte Vorstellung stattfinden kann, sondern auch die wichtigen körperl. Transformations- resp. Negenerationsprocesse, die den normalen Schlaf charakterisiern, nicht stattfinden können, „weil die Hypnose ja gerade nur die Oberflächenspannungen, die den KKrtzzr von den Massen der Außenwelt isoliren, — ihn sich als Einheit der Masse bethätigen lassen, — besonders begünstigt und sie nicht, wie der Schlaf, zu Gunsten der inneren Arbeit, des stärkeren Betriebes der kleinsten Maschinen (Energeten) aufhebt". Es haben doch die bedeutendsten Forscher auf dem Gebiete der Hypnose darauf hingewiesen, daß in derselben vielfach ein erhöhtes Transformations- und Negenerationsvermögen sich zeigt. Brmerkenswerth war auch der Vortrag des Münchener Arztes Dr. Billinger über „Die niederen Körpertemperaturen im Winterschlaf und ihr Verhältniß zur Infektion". Er will die Frage beantworten, ob, angenommen, daß die Temperatursteigerung im Fieber ein antibakterieller Faktor ist (den Bacillen verderblich ist), und ebenso die Temperaturerniedrigung, es möglich ist, die Körpertemperatur bedeutend zu erniedrigen, ohne daß das Leben dabei gefährdet wird. Er bespricht einige Thatsachen, die als Beweis dafür gelten können, daß dies unter Umständen möglich ist, unter andern auch die Wirkung des hypnotischen Einflusses in dieser Hinsicht, der sich z. B. im Fakirschlaf und bei Versuchen von Krafft-Ebing (35°), von Maras und Hellich (32°) gezeigt hat. Er meinte, daß dieser sich unter Umständen therapeutisch verwerthen lassen könnte, zumal wenn die Garantie des Nutzens eines derartigen Experimentes gegeben werden könnte. Er kam nun auf den Winterschlaf der Thiere zu sprechen und bemerkte, wie in demselben ein Zustand erkenntlich ist, in dem sich diese niederen Körpertemperaturen von selbst einstellen. Seine Versuche an Winterschlafenden Thieren jedoch, wie an Haselmäusen und Murmelthieren, mit Milzbrand-, Rotz- und Tuberkelbacillen haben negativen Erfolg gehabt, nur ein Versuch mit einem Bakteriengift (Tetanusgift) hatte bis zu einem gewissen Grade positiven Erfolg. (Fortsetzung folgt.) Beiträge zur Entzifferung der mosaischen Schvpfungsurklmde. Von Joh. Bumüller, Kaplan in Holzheim. (Fortsetzung.) Der zweite Tag schildert die Sonderung der Gewässer über und unter dem Firmament. Mit der Lichtentwicklung im Universum ist dessen beginnende Entwicklung selbst angedeutet, so daß der erste Tag die erste Entwicklung aller Welten in sich schließt. Diese weiter zu verfolgen, hat aber für den Zweck der hl. «Lehnst keinen Werth, weßhalb der Bericht nun auf den Wohnort des Menschen übergeht. Aber ist hier nicht ein großer, unmotivirter Sprung: am ersten Tag die in Entwicklung übergehende Urmaterie, aus welcher sich einst auch die Erde bilden soll, am zweiten Tage bereits die von einer festen Kruste umzogene Erde mit Meer und Wolken? Nein; denn in Wirklichkeit ist hier eine schöne Eintheilung der Entwicklungsphasen der Erde. Am ersten Tage nämlich führt uns der Bericht die Erde in ihrem feurig-glühenden Zustande vor Augen, am zweiten Tage stellt er jenen großen Wendepunkt in der Entwicklung der Erde fest, da sich der feurige Ball in Folge von Abkühlung mit einer festen Kruste umgab, auf der sich nun jenes die Erde aufbauende und umbildende Element, das Wasser, niederschlagen und so in den anfangs in Dampfform den Erdball umgebenden Wassermassen die Scheidung derselben zwischen Gewässern oberhalb und unterhalb der Ausdehnung, zwischen Meer und Wolkenbildung, stattfinden konnte. Wir sehen,, in dieser Hinsicht findet auch 277 der erste Tag seine Erklärung und Bestätigung durch die Naturwissenschaft; der zweite Tag stimmt mit der von der Naturwissenschaft geforderten Entwicklung der Erde ganz überein. Am dritten Tage sondert sich nun das Festland vom Meere ab, die ersten Continente resp. Inseln treten hervor. Wie die Schale eines aus» trocknenden Apfels, in Folge Klcinerwerdens der Fleisch» Masse, Runzeln bildet, ähnlich ungefähr trat bet der Erde in Folge der durch die Abkühlung bedingten Zusammen- ziehung des Erdkernes eine Zusammenziehung und Falten- bildung der Erdrinde ein. Anfangs waren die Faltungen und Stauchungen zu unbedeutend, als daß sie den Spiegel des Urozeans erreicht hätten. Als sich aber der feuerflüsstge Erdkern immer mehr abkühlte und zusammenzog, so mußte auch die nachsinkende Erdrinde immer mehr sich zusammenziehen und mußte das Zuviel ihrer Oberfläche nach oben entweichen, d. h. die Faltungen nahmen an Höhe zu, bis sie schließlich den Spiegel des Urozeans zu überragen begannen: erstes Auftauchen oes Festlandes. Auch das Wasser arbeitete bei Bildung desselben mit, doch in mehr untergeordneter Weise. Wir können also bis jetzt noch nicht das geringste Bedürfniß verspüren, die chronologische Reihenfolge der Bibel fallen zu lassen. Der dritte Schöpfungstag berichtet uns ferner noch von der Entstehung der ersten Organismen, der Pflanzen. Hier gäbe es zwei wichtige Fragen zu besprechen, die wir nur kurz berühren können. Erstens einmal: sind pflanzliche Organismen wirklich vor den ersten thierischen entstanden? Die Paläontologie kann nach den bisherigen Funden weder einen strikten empirischen Beweis dafür noch dagegen erbringen. In den ältesten Schichten, dem unteren Kambrium, finden wir Thiere in überwiegender Zahl. Allerdings gibt es auch unterkambrische sogenannte Fukoidensandsteinc, welche nur Pflanzcnreste enthalten sollten. Allein diese angeblichen Fossilien werden jetzt mit Recht als Abdrücke von Thierspuren, zufällig entstandene Vertiefungen und Rinnen, nach Koken auch manche als zufällige, durch die Bewegung von harten Fukoidenstengeln auf dem Meeresboden entstandene Eindrücke angesehen. Doch von diesen kam- brischen Schichten dürfen wir auch gar nicht erwarten, daß in ihnen Pflanzen allein enthalten sind, denn die ersten und ältesten Organismen waren zweifellos in Folge ihrer zarten Struktur gar nicht versteincrungsfähig, und schon deßhalb dürfte es — neben anderen Gründen — einem stichhaltigen Zweifel nicht unterliegen, daß die erste Entwicklung der Organismen noch weit hinter dem Kambrium zurückliegt. Mehr theoretische Erwägungen dagegen führen uns mit größerer Bestimmtheit zu der biblischen Behauptung von der Priorität der ersten pflanzlichen Organismen. Senft schreibt in seinem Handbuch oer Geologie Seite 785, daß Pflanzen die ersten Organismen sein mußten, da sie, um die Existenz thierischer Organismen zu ermöglichen, das Wasser von den vem Thierleben schädlichen Substanzen wie von löslichen Mineralsalzen und besonders von der Kohlensäure, die sie einathmen, befreien und dasselbe zugleich mit dem für die Thiere unumgänglich nothwendigen Sauerstoff, den sie ausathmen, zu versorgen hatten. — Außerdem neigt man immer mehr der Ansicht zu, daß in den Anthraziten, Graphiten u. s. w. der vorkambrischen Schichten Ueberreste organischer Wesen zu erblicken seien. So sagt z. B. Senft in seinem citirten Werke S. 755: „Wenn man bedenkt, daß noch gegenwärtig der abgestorbene Pflanzenkörper durch den Verkohlungsprozeß nach und nach in Torf, Braunkohle, Steinkohle und Anthrazit umgewandelt wird, wie sich in den ersten Stadien dieses Prozesses viel Kohlenwasserstoff-Verbindungen (Asphalt und Bitumen) entwickeln, welche von den sie umgebenden schlammigen oder doch weichen und noch durchdringbaren Gesteinsablagerungen in der nächsten Umgebung der verkohlenden Pflanzenmaffen aufgesogen werden, — und dann im zweiten Stadium des Verkohlungsprozesses eine fast nur noch aus Kohlenstoff bestehende Kohlensubstanz, — der Anthrazit, — übrig bleibt; wenn man ferner bedenkt, daß — wie man in jeder Gasfabrik beobachten kann, — wenn eine bitumenreiche Kohle unter Luftabschluß stark erhitzt wird, nicht nur ihr ganzer Gehalt von Bitumen, sondern auch ein Theil ihres Kohlenstoffes sich verflüchtigt, welcher sich dann beim Eindringen in kältere Räume als Graphit wieder absetzt; wenn man ferner berücksichtigt, daß selbst in heißen Quellen (— z. B. in den 36 Grat warmen Quellen von Bormio —) noch gegenwärtig Gallert? algen in großer Ueppigkeit wuchern, und daß dann dieselben nach ihrem Absterben einen bitumenreichen, kein« Spur von organischer Struktur mehr zeigenden Kohlenschlamm entwickeln (— wie dieses auch der Fall ist mit dem auf den Grunde von tiefen, stehenden Gewässern verkohlenden Algen, welche bekanntlich den feinsten Pech- und Baggertorf liefern —), — wenn man dieses alles ins Auge saßt, so gelangt man freilich zu der Ansicht, daß all der Graphit und Anthrazit, sowie auch das Bitumen im Urgneis, Urkalkstein und Magneteisenerz Produkte der Verkohlung von Gallertalgen sind, welche sich schon kurze Zeit nach der Entwicklung der eben genannten Urgesteine auf dem Grunde des warmen Ozeans entwickelt und sich bei ihrer Verkohlung unter dem vollen Verluste ihrer ganzen organischen Struktur in reine Kohle umgewandelt haben. Vielleicht ließe sich dann durch diese Ansicht auch der Reichthum von Schwefelerzen in der Urgneisformation ^klären; denn diese konnten sich am ersten entwickeln aus der Einwirkung des sich bei der Verkohlung dieser Algen reichlich erzeugenden Schwefelwasserstoffes auf die damals im Ur- ozeane noch vorhandenen Metallsalze." Hiemit können wir sagen: die Naturwissenschaft macht die von der Bibel behauptete Priorität der Pflanzen sehr wahrscheinlich, kann sie jedenfalls nicht widerlegen. (Schluß folgt.) Ein Literaturbild aus der Gegenwart von Joh. Bapt. Föhr. (Forrsetzung.) Ein erlauchtes Glied des bayerischen Königshauses Wittelsbach ist es, das sich zur Ehre anrechnet, eine Zunftgenossin Deutschlands katholischen Sängerbundes zu sein. Es ist das die hochedle Spanierin Prinzessin Ludwig Ferdinand. Den Lesern vom „Deutschen Hausschatz" glaube ich entgegenzukommen, wenn ich ihnen meine Ahnung verrathe, daß wir die Verfasserin der blüthenduftigen, so unendlich wehmuthvollen „König- Ludwig-Novelle" „Ein ewiges Geheimniß" in dieser hohen Dame vermuthen dürfen. (Hausschatz Heft 10.) Viele Sänger hätte ich noch zu nennen, die bekannt geworden sind und, falls dem nicht so ist, verdienen, bekannt zu werden. Namen, wie: Happe, Freeriks, Jüngst, Jseke, Singolt in München, Herbert (Frau Therese Keiter), Eichert, Alinda Jakoby, Cordula Pere- grina, Eggert, Hermann Schilling, F. I. Holly, Eschel- 278 'L»-. bach, Zlatnik, sind würdig, der deutschen Leserwelt empfohlen zu werden. Manche von ihnen werden uns auf dem Felde der epischen Dichtung wieder begegnen. Und was singen denn unsere Dichter und Dichterinnen im deutschen Dichterwald? Lieder und Gesänge in jed- mögltchem Rhythmus, in allen Tonarten, doch nicht im leichtfertigen Tone der blassen Sinnlichkeit. „Was nicht gut ist, kann nicht schön sein", das ist ihr oberster Grundsatz. Sie singen von Liebe, die den Frühling des Lebens als schöne Zugabe begleitet, vom blühenden Lenz, vom reifenden Sommer, vom stürmischen Herbst, vom kalten Winter, dann wieder vom deutschen Wald mit seiner grünen Herrlichkeit, seinem goldigen Grün und heitern Vogelfang, wieder dann von einem Silberquell, von herrlichen Thälern, wo die bunteste Blumenwelt mit würzigem Hauch die Luft durchduftet, die nach der idealen Anschauungsweise der Dichter von engelholden Wesen bebaut zu sein scheinen — o, das klingt wie Abendglocken- klingen über stille Sommerlandschaft hin. Aber wie im Chamounythal die Wasserfalle in einer Symphonie zu- sammenrauschen, darein der Lawinen Donner sich mischt, so tönen die Lieder und Klänge wuchtig und kernig in einander. Hier ist das deutsche Lied nicht zur lüsternen Sirene geworden, das deutsche edle Mädchen nicht zur welschen Dirne, die junge Herzen schrullenhaft, übellaunig und griesgrämig macht, hier ist die Muse angethan mit wunderbarer Größe, Würde und Erhabenheit, die mit herzbeglückendem Genuß die schöne Seele labt. Denn dem reinen Künstler wohnt auch der Funke der höheren Weihe der Kunst inne, und seine keuschen Ideale sind Glaube, Liebe, Vaterland. 2 . In der lyrischen Dichtung haben als leuchtende Vorbilder Uhland und Eichendorff den Ton angegeben. Nedwitz' „Amaranth" und Scheffel's „Trompeter von Säkkingen" haben den epischen Dichtern ihre Wege vorgezeichnet, ohne deßwegen in ihnen blinde Nachahmer zu finden. Weber und Brill ruhen nun längst unterm kühlen Nasen, aber Genossen von ihnen weilen noch unter uns. „Daß Behringer nicht schon einen Namen hat, wie der Dichter von ,Dreizehnlinden*, ist nicht seine, das ist die Schuld eines Jahrhunderts, das für religiöse Epen im Stile des Mittelalters wenig Sinn mehr hat," sagt Keiter sehr bezeichnend für unsere Zeit vom bayerischschwäbischen Dichter (geb. 1828 zu Babenhausen, nun Eymnasialrector in Aschaffenburg). Großes Aufsehen hat er erregt mit der epischen Dichtung „Die Apostel des Herrn". Schönheit der Sprache, Tiefe der Gedanken reichen sich die Hand, die Dichtung zu einer der bedeutendsten unserer Tage zu stempeln. Frühere Werke, „Das Morgenopfer" und „Das Felsenkreuz", haben dem Verehrungswerthen Dichter viele Freunde zugeführt. Ein idyllenreiches Epos ist „Das Felsenkreuz", dessen Handlung in der Zeit der Ungarnkriege spielt, dessen Schauplatz ins oberschwäbische Allgäu verlegt ist. „Die Königin des Rosenkranzes" und „Das Vater unser" mit einem Reichthum religiös erbaulicher Gedanken zeigen uns Behringer als formvollendeten Lyriker. Er auch ist der Dichter, der uns ermöglicht hat, den Liedesweisen des Sängers auf dem Felsen Petri zu lauschen, indem er die Gedichte unseres heiligen Vaters Leo mit dichterischem Geschicke verdeutscht hat. „Wie eine Frühlingslerche hat sich aufgeschwungen, um in hellen, frischen Tönen Lieder göttlicher Minne zu singen, vr. Friedrich Wilhelm Helle (geboren am 28. Oktober in Böckenförde bei Lippstadt). Sein gewaltiges Epos „Jesus Messias" ist gedichtet mit dem hohen Gedankenfluge und Schwünge eines Klopstock, von dessen Messtade seine Dichtung nur dadurch sich unterscheidet, daß sie wirklich ein Epos nach den Ueberlieferungen der heiligen Schrift ist. Ein geheimnißvoller Zauber liegt in dem Gedicht, der uns mächtig ergreift, ja es wird uns versichert, daß Leser, deren sittliche Stützen wankend geworden, wieder aufgerichtet wurden. Ferner hat Helle sich als katholischer Dichter einen Namen gemacht durch das Epos „Golgatha und Oelberg" und „Kalanyas Völkersang", das ein mittelafrikanischer Schöpfungsmythus ist. Daneben ist Helle Lyriker i« Tone der Romantik in seinem Epos „Marienleben" und in der Gedichtsammlung „Marienpreis"." Eine poetische Kraft von bedeutender Begabung ist in Josef Albert Schäle hervorgetreten durch die epische Dichtung „Staufenlied", worin sich vor uns ein großartiges Welt- und Culturgemälde entwickelt, belebt von warmer Liebe zur katholischen Kirche wie zum deutschen Vaterlande. Der Held des Liedes ist eigentlich der alte Barbarossa, der fesselnde Mittelpunkt aber die liebliche und heidenmäßige Landgräfin von Thüringen, die heilige Elisabeth. Eine der schönsten Gestalten der Weltgeschichte, den letzten Sprossen des großen Hohcnstaufengeschlechtes, wählte die Westfalin Antonie Jüngst (geb. am 13. Juli 1843 zu Werne a. d. Lippe, jetzt iu Münster) zur epischen Behandlung in »Konradin". Statt jedes weiteren Urtheils lassen wir Rudolf Gottschall reden, der in den tonangebenden „Blättern für litterarische Unterhaltung" schreibt: „In den zwanzig Gesängen des ,Konradin* hat der Dichter ein wirkliches Epos von präciser und conciser Gliederung des Aufbaues und von bedeutendem Inhalt geschaffen; das Gedicht darf dem Besten beigezählt werden, das die epische Produktion in Deutschland letzthin hervorgebracht hat." Gleich den übrigen Landsmänninen macht die Dichterin unter den deutschen Frauen, die der Feder ihre Thätigkeit leihen, eine rühmliche Ausnahme von der» bekannten Flüchtigkeiten schriftstellernder Damen. Recht anschaulich spricht sie zum Gemüthe, wie gebildete Frauen das ja oft besser können, als Männer. Der nordisch- germanischen Göttersage entnommen ist „Der Tod Baldurs". Eine hochpoetische Schilderung aus der Zeit der Kreuzzüge ist „Unterm Krummstab", ein Sang aus alter Zeit. Einen Cyklus von Gedichten bietet uns Jüngst durch ihre elf poetischen Betrachtungen über das Gebet des Herrn: „Das Vater unser". Im Jahre 1895 hat sie uns mit einer Sammlung ihrer Lieder und Gedichte beschenkt unter dem Titel „Leben und Weben". „Die Schöpferin des ,Konradin*", so läßt sich darüber F. Hülskamp im ,Literarischen Handweiser* (1894 Nr. 607/8) vernehmen, „hat zweifellos ein großes episches Talent, .... aber seit den lyrischen Einlagen des ,Konradin* ist mir's schon nicht mehr zweifelhaft gewesen, daß ihre eigentliche Kraft und Stärke doch in der Lyrik liege, und die vorliegende lyrische Gedichtsammlung bestätigt das durchaus." Den Lesern der „Kölnischen VolkSzeitung" ist die Dichterin auch als vortreffliche No- vellistin bekannt. Die katholische Gruppe in der neuesten deutschen Literatur zählt einen Dichter mehr in Eduard Eggert, Oberjustizrath in Stuttgart (geb. am 13. Januar 1852 zu Ludwigsburg). Sein Name bedeutet vollwerthiges Dichtergold, der auch in jenen Kreisen, wo man gegen alles, was nur katholisch gefärbt ist, sich abschließt, gehört werden muß. Eng verschwistert mit Redwitz' „Amaranth" und Weber'L „Dreizehnlinden" ist sein episches Gedicht „Der Bauernjörg", ein Sang aus Oberschwaben. Der Held ist Georg Truchseß von Waldburg, der im Bauernkriege neben Georg von Frundsberg eine der ritterlichsten Erscheinungen jener Zeit ist. Gewaltig ist der Stoff, greuelvoll sind die Thaten, die der Bauernkrieg geboren, aber Eggert hat nur Erhebendes und Erfreuliches aus dem furchtbar Argen herausgegriffen, eingedenk des großen Dichterwortes: „Ernst ist das Leben, heiter ist die Kunst." Wolfram von Eschenbach und UHIand sind seine Vorbilder. Wohl mag dem feineren Leser recht eigenartig, wenn nicht abstoßend, eine Scene mit Maler Jeggle und seiner unseligen Tochter vorkommen, doch „was seltsam ist, das duonket guot," hat schon der alte Freidank gesagt. „Wo die Meisterwerke der Poesie des ausgehenden neunzehnten Jahrhunderts aufgezählt werden, wird künftighin ,Der letzte Prophet* mit au erster Stelle genannt werden müssen," so schrieb in der „Kölnischen Volkszeitung" der Recensent über Eggert's neuesten Sang. Der Mittelpunkt in den 11 Gesängen ist Johannes der Täufer von seinem ersten Erscheinen in der Wüste bis zu seiner Hinrichtung. Der Vorläufer des Heilandes ist die Seele des Ganzen. Die lüsterne und rachsüchtige Ehebrecherin Herodias mit ihrem unsauberen Anhang nimmt darin die zweite Stelle ein. „Der letzte Prophet" ist nichts weniger als Tendenz- poesie, alles Frömmelnde liegt ferne. Nur gereifteren Lesern sagt die Dichtung zu. Mit vollendeter Steuerfertigkeit ist Eggert über die Klippe hinweggekommen, an der wohl mancher nichtchristliche Dichter gescheitert wäre; die üppige Herodias und ihre reizende Tänzerin hätten für manchen ein verführerisches Weib werden mögen. „Der letzte Prophet" ist gedichtet mit der farbenprächtigen Gluth morgenlündischer Phantasie, aber die bilderreiche Sprache enthält echtes deutsches Mark — das Epos ist deutsche Urwnldpoesie. Möge das herrliche Dichtertalent im Neckarthal noch lange, lange blühen! In Karl Macke (Linz a. Rh.) ist ein neuer katholischer Dichter erstanden, der den kühnen Wurf gewagt, den Auszug der Jsraeliten aus Egypten und ihre Schicksale in der Wüste zu besingen in seinem Wüsten- fang „Vom Nil zum Nebo". Eine Zierde der katholischen poetischen Literatur deutscher Sprache ist auch der Tiroler Josef Seeber (geb. 1856 zu Bruneck, nun in Brixen), der mit seinem epischen Gedicht „Der ewige Jude" ein Meisterwerk von Hoher Bedeutung und edelster Form geschaffen hat. Seeber, ,der in den schönsten Mannesjahren steht, verspricht uns wohl noch manche poetische Gabe. Was christlicher Frohsinn für üppige Blüthen treibt, zeigt in köstlichster Weise „Gottfried, der Student", ein moralisch-akademisches Epos nach alten Handschriften zusammengestellt von einem Verfasser, der sich unter dem Namen Emmanuel Bim st ein verbirgt. Zwerchfellerschütternd ist es, zu lesen, wie der fidele Bruder Studio die Schwierigkeiten der Quarta überwindet, wie er die Flegeleien der Tertia absolvirt, wie er glücklich die Sekunda erreicht, wo der Professor „höflich nun Sie Faulpelz sprechen muß". Tabak und Lagerbier, Solo, Skat und Schafskopp macht ihm viel zu thun; und als stattlicher Primaner scheitert er glücklich an den Klippen der ^ Liebe. Die Lachmuskeln kommen beim Leser vollauf in ! Thätigkeit; die komische Kraft der Dichtung reicht an die Jobftade heran, nur daß wir mit den zweideutigen Zoten der Kortum'schen Muse verschont bleiben. Eine liebliche Waldidylle mit frischem, würzigem deutschen Tannenduft, belebt von lustigen Vogelstimmen und träumerischen Mädchenliedern, ist „Gleichen", ein Sang aus der Zeit der Freiheitskriege von Th. Herold, das Jünglingen und Jungfrauen mit jugendlich schwärmerischen Gemüthern wie auch den ernsteren Lesern so lieb und vertraut werden wird, wie den Kindern die Märchengestalten. So zeitigt die katholische Poesie auch auf dem Gebiete der epischen Kunst immer mehr duftende Blumen, als wollte sie Ersatz bieten für die Giftpilze, die iA weiteren Bereiche der Literatur so üppig wuchern. (Schluß folgt.) Recensionen und Notizen. k. ?. Lernarelini a kioonio Orä. Oax. eoneionaboris, emsritl s. BbsolvAias xrots88oris, antigui xroviueias karisi- snsis äoünitoris Mixlsx Lxpositio dsati kauli Lxostoli Dpistolas sä Romanos all usum stuäiosorum 3 . Hievt, st saosräotuM in vinea Oowiui laborantium smsnclreta ei aneta xsr ?. Niodaslsm Uetxsnansr Orä. Oax. venixonts, l'xxis st sumxtidns sooistatis Llarlanas, MKlllue 603. -- Bernhardin von Peguiny in der Picardie (1633 bis 1709) veröffentlichte 1703 ein Priplsx expositio blvLNAkIioinm. Dieselbe fand den Beifall des Papstes Clemens XI., welcher ihn denn auch ermunterte, ein ähnliches Buch über die Briefe deS hl. Paulus zu verfassen. Diese Arbeit erschien erst 1726; also 17 Jahre nach seinem Tode. Der triplsx exxositio bietet zuerst eine Lnalxsis, gna tsxtus Lpostollei viel» st oonnexiv äeolaratnrdann eine Paraphrase, gua msns ^xostoli drsvitsr exxonltur st vlars, und endlich einen ausführlichen Commentar mit vielen moralischen und asketischen Anwendungen. Es ist also mehr ein erbaulicher als ein wissenschaftlicher Commentar. Als solcher ist auch die vorliegende Arbeit, welche sich mit der Verbesserung und Erweiterung der triplex expositio üpistolas aä Lomanos befaßt, zu betrachten. Hetzcnauer verbessert Ungenaues; macht Zusätze, welche der Fortschritt der biblischen Studien erfordert. Zuerst gibt er den griechischen Text sowohl, wie den Vulgaiatcxt. Dem Kommentar sind kritische und philologische Bemerkungen hergegeben, wo cS nöthig schien. Hetzenaner fügt zum Gebrauche fürPrediger zahlreiche L-tellcn ausdenSchristen des hl. Bonaventura und des hl. Thomas bei. blt gnia mnltis animarnin pastoribns totnm psrlsAsrs sommsntarium im- xossibils srit, unionigns operi inäiosm aäiunZam speciellem, in gusin rss maZis notabilss rstsrsutnr. Dieser Index ist dankenöwerth und verdient Nachahmung. Das Latein ist klar und fließend, die Darstellung allerdings etwas breit, bei einiger Beschränkung hätte sich das Buch um '/, Theil verringern lassen. Da das Buch vornehmlich praktischen und aScetischen Zwecken dient, so wird man nicht die strengsten wissenschaftlichen Anforderungen an die exegetische Methode sowohl als an die einzelnen Aufstellungen stellen dürfen. Holzhey C., Der neu entdeckte Ooäex 8^rns Linaiticns, untersucht; mit einem vollständigen Verzeichniß der Varianten des Ooclsx Linaitiens und Ourstonianus. 8", 59 -s- 39 München, Lcntner 1896. M. 5,00. 'S Zwei gelehrte Damen, die Schwestern Smith Lewis und Gibson, haben im Jahre 1892 im Katharinenkloster aus dem Sinai ein syrisches Evangclicnpalimpsest aufgefunden, das zwei Jahre später veröffentlicht wurde und den Gelehrten Veranlassung gegeben hat, die Frage nach dem Verhältniß der syrischen Bibelübersetzungen zu einander von neuem zu untersuchen. Diesem Zwecke dient auch vorliegende, mit philologischer Gewissenhaftigkeit geleistete Arbeit. Das Ergebniß der Untersuchung, das wohl allgemeine Anerkennung finden dürfte, ist dieses: daß der Ooäsx Lzwns Liuellticus und der Ouretonianns zwei Recensionen eines und desselben Textes seien, wobei der ersterwähnte der ältere ist. Die Peichitta, die bis 1858 für die älteste syrische Uebersctzung galt, ist demnach eine um 400 entstandene Umarbeitung älterer syrischer Uebnlragungen, während der ncnentdeckte Codex gegen Ende dcö 2. Jahrhunderts entstanden sein dürste, also von großem Werthe ist. Druck urzh 280 Ausstattung der überaus klar geschriebenen, lebrreichen Schrift ist ganz vorzüglich; die prachtvollen syrischen Typen entstammen der jetzt an erster Stelle stehenden orientalischen Druckerei von Drugulin in Leipzig. Handbüchlein für Priester in Sachen des dritten Ordens des hl. Franziskus. Zusammengestellt von k. Bernard, Orä. Oap. Mit Erlaubniß des bischvfl. Ordinariates Mainz und der OrdcnSobcren. Mainz, Franz Kirchhcim, 1896. 18 (VIII u. 136 S.) 60 Pfg., gebd. 80 Pfg. Vorliegendes Büchlein aus der Feder des redegewandten bekannten Predigers ist für die Priester bestimmt, welche entweder die unmittelbare Leitung einer Ordensgemeinde übernommen haben oder sonst häufig in die Lage kommen, Tertiariern die geistlichen Güter des 3. Ordens vermitteln zu müssen. Denselben wird daS Büchlein willkommen sein, da die meisten Regelbüchlein nur für Mitglieder bestimmt sind und darum über diejenigen Angelegenheiten, welche für den Priester besonders wichtig sind, entweder gar keine oder nur unvollständige Angaben machen. Umsomehr aber ist auf einen Erfolg des außerordentlich billigen Büchleins zu hoffen, da dasselbe alle neuesten Entscheidungen der 8. 6. lustulA. enthält und eine kurze Zu- s ammenstellung der wichtigsten Bestimmungen des 3. Ordens von manchem Priester als dringendes Bedürfniß häufig empfunden wurde. _ DaS Beichtgebeimniß vor Gericht. Von einem Juristen. Mainz, 1896, Kirchheim. gr. 8. (36 S.) 10 Pf. Wie behandelt die moderne Gesetzgebung uM Rechtsprechung Deutschlands und der bedeutsamsten Staaten Europa's daS Beichtgebeimniß vor Gericht? Diese Frage löst hier ein hochangeschener praktischer Jurist unter kritischer Vorlage der einschlägigen Gesetze und gerichtlichen Entscheidungen. Diese Schrift ist ebenso für Juristen wie für Geistliche bestimmt Für die letzteren ist es eintretenden Falles von hoher Bedeutung, die Vorrechte, welche ihnen auf diesem Gebiete in den verschiedenen Ländern eingeräumt sind, genau zu kennen, um sich und andere vor Nachtheil und Schaden zu wahren. Letzteren Zweck bat der Verfasser in seiner vortrefflichen Studie offenbar vor Augen gehabt und sein Ziel vollkommen erreicht. Daß er uniwthige Polemik gänzlich ausgeschlossen hat, ist nur zu begrüßen. _ Grundzüge der christlichen Apologetik von Dr. Jos. Bautz, o. ö. Professor der Theologie an der kgl. Aca- demie zu Münster i. W. 2. verbesserte Auflage. Mit Genehmigung des bischöflichen Ordinariats von Mainz. Mainz, Franz Kirchhcim, 1896. gr. 8. (VIII u. 1ö9 S.) Mark 2.-. Das deii- Gesammtstoff der Apologetik umfassende Werk, ursprünglich für Lehrzwecke bestimmt, ist nach Inhalt und Form besonders auch für weitere Leserkreise, namentlich für gebildete Laien, geeignet. Denn es behandelt aus verhältnißmäßig engem Raum zahlreiche und wichtige, Christenthum und Kirche betreffende Fragen, ermöglicht im gegebenen Falle schnelle und bequeme Orientirung und setzt so den Leser in den Stand, nicht bloß sich selbst, sondern insbesondere auch andern gegenüber von der unantastbaren und unerschütterlichen Wahrheit des christlichen und katholischen Standpunktes mit Gründen der Vernunft und Wissenschaft allseitig und erfolgreich Rechenschaft zu geben. Und gerade an gebildete, gläubige Laien tritt die Zeit eben mit vielfachen Anforderungen, oft Herausforderungen heran. So findet die gebildete Männerwelt in diesem „Grundriß" ein vortreffliches apologetisches „Vademecum". Einst und jetzt! Sociale PassionSbilber und ihr Widerschein. Von k. Nector Georg Freund, 6. 8o. R. 2. Aufl. 52 S. 6°. Preis 30 Pf. Diese Vortrüge erschienen nach kaum drei Monaten bereits in 2. Auflage. Verlag der Alphonsus - Buchhandlung in Münster in Wcstphalen. Der durch seine populären Schriften bestbekannle Ne- demptoristen-Nector von Prag schildert hier die verschiedensten Vorgänge des Leidens und Sterbens unseres Erlösers und zieht dabei die herrlichsten Parallelen zwischen der damaligen und unserer Zeit. Schonungslos geißelt?. Freund den Mammons- dicnst der Gegenwart und warnt eindringlich vor dem schrecklichen Gift Geist und Herz verderbender Lektüre. Wiederum enthüllt uns der Verfasser die bunten Erscheinungen des Zeitgeistes, begeistert zu religiösem Muth und Entschiedenheit oder mahnt ernst und liebemild zur Heilighaltuug des Familienlebens und entlarvt das dunkle Treiben moderner Volksver- sührer. Mit dem Triumphe des bl. Kreuzes schließt die herrliche Schrift. Bisheriger Absatz 8000 Exemplare. „Fabiola." Religiöses Schauspiel nach Wiseman's gleich, namigem Roman bearbeitet von M. L. v. B. Mainz. 1896, Kirchheim. 8. (60 S.) 60 Pf. „Der Geiger von Gmünd." Schauspiel in 3 Auszüge» nach dem gleichnamigen Gedicht von I. Kcrncr frei bearbeitet von Aloysia M. Mainz, 1896, Kirchheim. 8 (42 S.) 50 Pf. Die beiden dramatischen Spiele behandeln bekannte Stoffe. Wer kennt nickt Cardinal Wiseman's herrlichen Roman und die fromme Legende von der hl. Cäcilia, die dem vor ihrer Statue knieenden Geiger zur Linderung seiner Noth den goldenen Scknh zuwirft? Beide Stücke haben sich bei Aufführungen bestens bewährt und sind allen katholischen Vereinen, Instituten rc. sowohl wegen ihres trefflichen Inhalts als auch der theatralischen Wirkung bei leichier Jnscenirung bestens zu empfehlen. Das junge Mädchen ini Verkehr mit der Welt. Fingerzeige und Rathschläge von L. F. PeterS, Priester der Kongregation des Allerbeiligsten Erlösers. Dritte Auflage. Mit kirchlicher Approbation. Mainz, Kirch- bcim, 1896. 12. (IV u. 168 S.), in Leinen gebunden Mark 1,20. Wi- vielen und großen Gefahren ist das junge Mädchen in der Well ausgesetzt! Diese Gefahren deckt in obigem Büchlein ein erfahrener Seclemührcr auf und gibt die Schutzmittel dagegen an. Zu diesen Gefahren zählt auch die Standeswahl. Deßhalb werden ausführlich der Ehestand, daS Leben im Kloster und das jungfräuliche Leben in der Welt behandelt und über diese drei Stände beherzigcnswerthe Belehrungen und Rathschläge ertheilt, von deren Befolgung für manches Mädchen das ganze Lebensglück abhängt. Im Verlage der Jos. Kösel'schcn Buchhandlung in Kcmptcn erschien soeben ein neues Werk des berühmten Prälaten Kneipp, betitelt: Ocsfentliche Vortrüge, gehalten vor seinen Kurgästen in der Wandelbahn in Wörishofcn. III. Band. Die Vortrüge der Jahre 1890 und 1891. Nach stenographischen Aufzeichnungen bearbeitet und herausgegeben von Prio: §r. Bonifaz Neile, Sekretär des Herrn Prälaten Kneipp, und H. Hartmann. Mit einem Titelbilde. (M. 2,60.) Wie die beiden ersten Bände, so enthält auch dieser neue Band der gesammelten Vorträge eine reiche Fülle von praktischen GesundheitSregeln und unzählige auS langjähriger Beobachtung hervorgegangenc, praktisch wohlerprobte Bemerkungen über die Wasserheilmethode und naturgemäße Lebensweise. Ein sehr ausführliches Register erhöht den praktischen Weith dieses neuen Werkes, daS den Anhängern der Kneippkurmcthode sehr willkommen sein wird. Der Schmied von Neumarkt. Die bekannte Wochenschrift „Das Bayerland" von Heinrich Leher weckt in ihren Centenar - Erinnerungen von 1796 die Erinnerung an einen oberpfälzischen Wiukilried, an den tapfern Hufschmied Jung aus Neumarkt i./O. Am Morgen des 23. August versuchten die Oestcrreicker in Neumarkt einzudringen, welches oie Franzosen besetzt hielten. Das obere Tbor war mit Eisenwerk und Gebälk verrammelt und die französischen Chasseure hatten' dasselbe vom Ratbhaus aus unter Feuer genommen. Da trat der Thorschmied Jung mitten unter dem Kugelregen aus seiner Schmiede hervor, schaffte mit wuchtigen Hieben das Gebälk und Eisenwerk weg und ließ die Oesterrcichcr herein. Die Redaction des „Bayerland" hat umfassende Nachforschungen angestellt, ob noch Nachkommen des tapferen Mannes existiren und ob das Grab desselben erhalten sei. Das Ergebniß derselben war, daß das Grab auf dem Kirchhofe in Neumarkt nicht mehr zu finden sei, dagegen ist an seinem Sterbehause eine eigene Tafel mit folgender Inschrift angebracht: „SterbchauS des ThorschmiedeS Veit Joseph Jung, welcher in dem Kriegsjahre 1796 durch Muth und Entschlossenheit bei Oeffnung des oberen Stadtthores sich um die Stadt Neumarkt verdient gemacht." Ferner wurde con- statirt, daß noch drei Urenkel Jung's leben: der Schneidermeister Xaver Jung in Deckung i./O., der Hafnermeister Michael Jung in München und der Schuhnzacher Joseph Jung in Fürth. Verantlv. Redacteur: Ad. Haas in Augsburg. 17 Druck u. Verlag des Lit. Instituts von Haas L Grabherr in Augsburg.