wl'. 40 2. Ott. 1896. * Die Streitfrage über die Giltigkeit der anglikanischen Ordinationeu. (Schluß.) Das apostolische Schreiben lautet weiter: Die von Uns angerufene Autorität Julius' III. und Paulus' IV. zeigt deutlich den Anfang jenes Verfahrens, das schon seit mehr als drei Jahrhunderten beständig beobachtet wurde, daß nämlich die Ordinationen nach Eduardianischem Ritus für null und nichtig gehalten wurden, und zu diesem Verfahren liefern in vollstem Maße Belege die Ordinationen, die, auch in der Stadt Rom, oft und bedingungslos nach katholischem Ritus wiederholt wurden. — Der Beobachtung dieses Verfahrens wohnt eine zweckentsprechende Bedeutung inne. Denn wenn irgendwie Zweifel übrig blieben, in welchem Sinne obige päpstliche Urkunden zu verstehen seien, so gilt mit Recht der Grundsatz: „Die Gewohnheit ist die beste Auslcgerin der Gesetze." Weil es aber in der Kirche stets als fest und sicher galt, daß das Sacrament der Weihe nicht wiederholt werden dürfe, so konnte es unter keiner Bedingung geschehen, daß der apostolische Stuhl eine solche Gewohnheit stillschweigend zuließ und duldete. Er hat sie aber nicht nur geduldet, sondern auch selbst gebilligt und gutgeheißen, sobald in dieser Angelegenheit eine besondere Thatsache zur Beurtheilung gelängte. Wir führen zwei solche Thatsachen an von den vielen, die zeitweise vor die Inquisition gebracht wurden, die eine aus dem Jahre 1684, einen französischen Calviner, die andere aus dem Jahre 1704, Johann Clemens Gordon betreffend, die beide ihre Weihen nach dem Eduardianischen Ritual empfangen hatten. Bei dem ersteren gaben nach genauer Untersuchung nicht wenige Consultoren ihre Antworten, die man Vota nennt, schriftlich, und alle übrigen stimmten mit ihnen „für die Ungültigkeit der Ordination"; nur mit Rücksicht auf die Frage der Opportunität erachteten die Cardinäle zu antworten: „Aufgeschoben." Doch wurden dieselben Acten wieder hervorgesucht und erwogen bet dem zweiten Factum; es wurden neue Vota der Consultoren eingeholt, hervorragende Doctoren der Sorbonne und in Douai befragt, und keine Mittel scharfsinniger Klugheit unversucht gelassen, um zu einer vollkommenen Erkenntniß der Sache zu gelangen. Und hier ist zu bemerken, daß, obwohl sowohl Gordon selbst, den der Fall betraf, als auch einige Consultoren unter den Gründen für die Nichtigkeit auch die angebliche Ordination Parker's angeführt hatten, doch dieser Grund, wie die durchaus glaubwürdigen Documeute bewiesen, ganz bei Seite gelassen und kein anderer Grund angegeben wurde, als der Mangel der Form und der Intention. Um über diese Form ein vollkommeneres und sichereres Urtheil zu gewinnen, wurde ein Exemplar des anglicanischen Ordinale herbeigeschafft und wurden mit diesem die verschiedenen Ordinationsformen der orientalischen und occidentalischen Riten verglichen. Dann entschied, nachdem die betreffenden Kardinäle ihr einstimmiges Votum abgegeben, Clemens XI. selbst am 17. April 1704: „Johannes Clemens Gordon werde vollständig und bedingungslos zu allen Weihen, auch den höheren und namentlich zum Presbytcrat, ordinirt und empfange, wofern er nicht gesinnt ist, früher das Sacrament der Firmung." Diese Entscheidung entnimmt, was wohl zu beachten ist, dem Mangel der Darreichung der Instrumente keinerlei Begründung; denn dann wäre wie gewöhnlich die Wiederholung der Ordination »sud coiräiticms" angeordnet worden. Noch mehr aber ist zu beachten, daß diese Entscheidung des Papstes alle anglicanischen Ordinationen im Allgemeinen betrifft. Denn obschon sie ein specielles Factum betrifft, so ist sie doch nicht aus einem speciellen Grunde hervorgegangen, sondern aus einem Fehler in der Form, mit welchem Fehler alle jene Ordinationen in gleicher Weise behaftet sind, so daß, so oft nachher in ähnlicher Angelegenheit zu entscheiden war, das Teeret Clemens' XI. zur Anwendung kam. In Anbetracht dessen sieht Jedermann, daß die in unserer Zeit wieder aufgetauchte Controverse durch das Urtheil des apostolischen Stuhles längst entschieden ist, und es mag aus nicht genügender Kenntniß der Docu- mente geschehen sein, daß mancher katholische Schriftsteller sich für befugt hielt, darüber frei zu discutiren. Weil Uns aber, wie Wir im Eingänge gesagt, nichts wichtiger und erwünschter ist, als den redlich gesinnten Menschen mit größter Nachsicht und Liebe nützen zu können, so haben Wir abermals die aews^.schsL Untersuchung d-s gnzlstü'usschm Ordinale, auf welches Alles ankommt, angeordnet. Beim Ritus der AuSspendung jedes Sacramentes unterscheidet man mit Recht den ccremonicllen und essentiellen Theil, welch letzteren man Materie und Form zu nennen pflegt. Alle wissen, daß die Sakramente des neuen Bundes als wahrnehmbare und die unsichtbare Gnade wirkende Zeichen sowohl die Gnad- bezeichnen müssen, die sie wirken, als auch diejenigen bewirken müssen, die sie bezeichnen. Obwohl diese Bezeichnung in dem ganzen wesentlichen Ritus, der Materie und der Form, vorhanden sein muß, so gehört sie doch hauptsächlich der Form an, da die Materie an und für sich der nicht determinirte Theil ist, der eben durch jene de- terminirt wird. Dies tritt beim Sacrament der Weihe noch mehr hervor, da dessen Materie, so weit sie hier in Betracht kommt, die Auslegung der Hände ist; diese aber bedeutet für sich nichts Bestimmtes und wird bei einigen Weihen ebenso angewendet wie bei der Firmung. — Nun aber bedeuten die Worte, die bis vor Kurzem von den Anglicanern für die eigenthümliche Form der Priesterweihe gehalten wurden, nämlich: „Empfang'den heiligen Geist", sicherlich keineswegs ausdrücklich die Weihe des Priesterthums oder seine Gnade und Gewalt, die hauptsächlich darin besteht, „den wahren Leib und das wahre Blut des Herrn zu consccriren" (Concil von Trient, 23. Sitz., „über das Sacr. der Weihe", Can. 1), in jenem Opfer, das nicht eine „bloße Erinnerung an das am Kreuze vollbrachte Opfer" (Concil von Trient, 22. Sitz., „über das Meßopfer", Can. 3) ist. Diese Form wurde zwar später durch die Worte vermehrt: „Zum Amte und Werke eines Priesters"; doch dies beweist nur, daß die Anglikaner selbst eingesehen haben, daß jene erste Form mangelhaft und untauglich gewesen. Könnte aber auch dieser Zusatz der Form eine rechtmäßige Bedeutung verleihen, so ist er zu spät eingeführt worden, erst ein Jahrhunder: nach Annahme der Eduardianischen Ordinale, als es nach Erlöschen der Hierarchie keine Weihe- gewalt mehr gab. Auch andere nenestens angezogene Gebete desselben Ordinales können die Sache nicht besser machen. Denn, um Anderes zu übergehen, waS jeptz 314 Gebete als ungenügend erweist, sei statt aller um der eine Grund angeführt, daß aus ihnen Alles entfernt ist, was ini katholischen Ritus so klar Würde und Amt des Priesterihums bezeichnet. Es kann also für das Sacra- ment eine Form nicht Passen und hinreichen, die gerade das verschweigt, was sie recht eigentlich ausdrücken sollte. Mit der bischöflichen Cvnsccration steht es ebenso. Denn nicht nur wurden der Formel „Empfang' den heiligen Geist" erst später die Worte „zum Amt und Werk eines Bischofs" hinzugefügt, sondern diese sind auch, wie Wir alsbald zeigen werden, anders zu beurtheilen, als im katholischen Ritus. Es nützt auch nichts, sich auf das Eingnngsgebet „Allmächtiger Gott" zu berufen, da aus diesem gleichfalls die Worte entfernt sind, welche das „oberste Pricsterthnm" aussprechen. ES ist hier nicht der Ort, zu erforschen, ob der Episkopat die Ergänzung des Priesterthums oder eine von diesem verschiedene Weihe sei, oder ob er, wie man sich ausdrückt, „sprungweise", nämlich einem Nichtpricster ertheilt, Geltung habe oder nicht. Aber jedenfalls gehört er nach der Einsetzung Christi dazu und ist das Priesterthum auf der obersten Stufe und wird darum bei den heiligen Vatern und in unserem Ritus das „oberste Priesterthum, der Inbegriff h-'liaen Dienstes" genannt. Daraus folgt, daß, weil das Weihesacramenr üüd daZ wahr? Priesterthum Christi aus dem anglikanischen Ritus gänzlich ausgemerzt ist und darum bei der bischöflichen Consecration nach diesem Ritus auf keine Weise ein Priesterthum verliehen wird, auch auf keine Weise ein Episkopat wirklich und giltig verliehen werden kann, uwsoweniger, weil es zu den ersten Obliegenheiten des Episkopats gehört, Priester zu weihen zum Dienste der heiligen Eucharistie und des heiligen Opfers. Zur richtigen und vollständigen Beurtheilüng^des anglicanischen Ordinate gelangt man aber, abgesehen von den obigen Bemerkungen über einzelne Abschnitte desselben, erst, wenn man wohl in Betracht zieht, unter welchen Umständen es zustande gekommen und eingeführt worden ist. Es wäre zu weitläufig und ist auch nicht nothwendig, auf die Einzelheiten einzugehen; denn die Geschichte jener Zeit sagt es laut genug, von welcher Gesinnung die Urheber des Ordinate gegen die katholische Kirche beseelt waren, wen sie sich aus den irrgläubigen Secten als Förderer herbeiriefen, worauf sie eS schließlich abgesehen hatten. Gar wohl wissend, welch enger Zusammenhang zwischen Glaube und Cultus, zwischen dem „Gesetze des Glaubens und dem Gesetze des Gebetes" besteht, verunstalteten sie die Liturgie unter dem Scheine der Wiederherstellung ihrer ursprünglichen Gestalt auf vielerlei Weise nach den Irrthümern der Neuerer. Darum kommt im ganzen Ordinate nicht nur keine ausdrückliche Erwähnung des Opfers der Consecration, des Priesterthums, der Gewalt zu consccriren und zu opfern vor, sondern eS wurden auch, wie wir oben angedeutet, alle derartigen Spuren, die in den nicht völlig verworfenen Gebeten des katholischen NituS übrig waren, absichtlich herausgenommen und entfernt. So ergibt sich von selbst Charakter und Geist des Ordinale. Da es nun ob dieses ihm ursprünglich anhaftenden Fehlers nie und nimmer zur Ertheilung der Weihen verwendbar war, so konnte es dies auch im Laufe der Zeit, weil es ja dasselbe blieb, nicht werden. Vergebens hat man sich bet Carl I. bemüht, durch Zusätze zum Ordinale etwas von Opfer und Priesterthum einzufügen; vergebens auch strengt sich neuester Zeit ein nicht sehr großer Theil der Anglicaner an, dem Ordinale einen gesunden und richtigen Sinn unterzulegen. Vergeblich, sagen Wir, waren und sind derartige Versuche, und zwar auch aus dem Grunde, weil, wenn auch einige Worte im englischen Ordinale, wie es heute vorliegt, zweideutig sind, sie doch nicht denselben Sinn haben können, wie im katholischen NituS. Denn ist einmal, wie wir gesehen, der NituS in einer Weise geändert, daß dadurch das Sacramcnt der Weihe geleugnet oder gefälscht wird und der Begriff der Con- secration und des Opfers gänzlich verschwindet, so wird bedeutungslos die Formel: „Empfang' den heiligen Geist", welcher Geist doch mit der Gnade des Sacramentes der Seele eingegossen wird; ebenso bedeutungslos sind dann die Worte: „zum Amt und Werk eines Priesters" oder „eines Bischofs" und ähnliche, die eben nur Worts sind ohne die Sache, die Christus eingesetzt hat. — Die Kraft dieses Beweises erkennen selbst die meisten Anglicaner und halten es in genauer Auslegung des Ordinale Denjenigen entgegen, die, dasselbe in neuer Weise inter- preiireud, in eitler Hoffnung den nach ihm ertheilten Weihen einen ihnen nicht zukommenden Werth und Kraft andichten. Durch dieselbe Beweisführung fällt auch die Behauptung Derjenigen zusammen, die da meinen, als rechtmäßige Form der Weihe könne daS Gebet genügen: „Allmächtiger Gott, Spender aller Güter", das im Eingänge der rituellen Handlung steht, das allerdings vielleicht genügen könnte in einem von der Kirche gebilligten katholischen Ritus. — Mit diesem Mangel in der Form hängt eben innig zusammen der Mangel in der Intention, die beim Sakramente ebenso nothwendig ist. Ueber die Absicht oder Meinung, soweit sie etwas Inneres ist, urtheilt die Kirche nicht, allein soweit sie sich nach außen kundgibt, muß sie darüber urtheilen. Wenn nun Jemand bei der Verwaltung und Ausspendung eines Sacramentes die gehörige Materie und Form ernst und ordnungsmäßig angewendet hat, so wird selbstverständlich angenommen, daß er dasselbe thun wollte, was die Kirche thut. Auf diesem Grundsätze beruht die Lehre, es sei auch das ein wahrhaftes Sakrament, welches von einem Häretiker oder Ungetauften, wenn nur nach katholischem Ritus, gespendet worden ist. Wird hingegen der Ritus geändert, in der offenkundigen Absicht, einen anderen, von der Kirche nicht angenommenen einzuführen und das zu verdrängen, was die Kirche thut, und was nach der Einsetzung Christi zum Wesen des Sacramentes gehört, dann ist klar, daß nicht nur die zum Sakramente erforderliche Intention fehlt, sondern daß eine dem Sacramente entgegengesetzte und widerstreitende Intention vorhanden ist. All dieses erwogen Wir lange und gründlich bet Uns und mit Unseren ehrw. Brudern, den Cardinülen der Inquisition, die Wir zu einer eigenen Sitzung in Unserer Gegenwart beriefen, auf Donnerstag den 16. Juli, Fest der seligsten Jungfrau vorn Berge Carmel, dieses Jahres. Dieselben erklärten einstimmig, die vorliegende Angelegenheit sei längst vorn apostolischen Stuhle vollkommen entschieden, durch die neuerdings angestellte Untersuchung fei es aber um so glänzender ins Licht getreten, mit welchem Anfwande von Gerechtigkeit und Weisheit derselbe die ganze Sache zu Ende geführt habe. Indessen hielten wir es für das Beste, die Entscheidung zu verschieben, um noch wehr zu erwägen, ob es angemessen und nützlich sei, dieselbe Sache nochmals durch Unsere Autorität zu entscheiden, und um eine reichlichere Fülle himmlischer Erleuchtung zu erflehen. — Indem Wir dann 315 in Betracht zogen, daß dieser Punkt der Disciplin, obwohl bereits dem Rechte gemäß entschieden, von Einigen aus was immer für einem Grunde zum Gegenstände einer Controverse gemacht worden, und daß daraus für nicht Wenige, die dort das Sacrament und die Wirkungen der Weihe zu finden glauben, wo sie keineswegs sind, gefährlicher Irrthum fließen könnte, haben Wir im Herrn erachtet, Unsere Entscheidung zu erlassen. Indem Wir daher allen Bestimmungen der Päpste, Unserer Vorgänger, in dieser Angelegenheit allseitig zustimmen und dieselben vollinhaltlich bestätigen und gewissermaßen durch Unsere Autorität erneuern, sprechen Wir auS eigenem Antriebe und in sicherer Kenntniß aus und erklären, daß die nach anglikanischem Ritus vorgenommenen Ordinationen ganz und gar vngiltig und nichtig gewesen sind und noch sind. Es blieb noch übrig, daß, wie Wir im Namen und ,n der Gesinnung des „großen Hirten" die ganz sichere Wahrheit in einer so wichtigen Sache aufzuzeigen unternommen haben, in demselben Namen und Geiste Uns an Jene wenden, welche die Wohlthaten der Weihen und der Hierarchie aufrichtig wünschen und anstreben. Bis jetzt vielleicht, obschon eifrig nach christlicher Tugend trachtend, gewissenhaft in der göttlichen Schrift forschend, ihre frommen Gebete verdoppelnd, zögerten sie doch unschlüssig und ängstlich bet der Stimme Christi, die sie längst in ihrenl Innersten ruft. Nun sehen sie wohl, wohin er sie in seiner Güte einladet, und wo er sie haben will. Wenn sie zu seiner einzigen Hürde zurückkehren, dann werden sie wahrhaft die gesuchten Wohlthaten und die daraus sich ergebenden Heilsmittel erlangen, zu deren Ausspenderin er die Kirche gemacht hat, gleichsam als beständige Hüterin und Verwalterin feiner Erlösung unter den Völkern. Dann werden sie wahrhaft „Wasser schöpfen in Freude aus den Quellen des Heilands", seinen wunderbaren Sacramenten, durch welche die gläubigen Seelen nach wahrhafter Nachlassuug ihrer Sünden in die Freundschaft Gottes wiederaufgenommen, mit dem Himmelsbrode genährt und gestärkt und mit den kräftigsten Hilfsmitteln zur Erlangung des ewigen Lebens versehen werden. Möge sie, wenn sie wahrhaft nach diesen Gütern dürsten, „der Gott des Friedens, der Gott alles Trostes" voll Güte ihrer theilhaftig wachen! — Unsere Mahnung und Unsere Wünsche gehen aber in größerem Maße Jene an, die in ihren Gemeinschaften als Neligionsdicner gelten. Mögen sie als Männer, die schon von amts- wegen durch Gelehrsamkeit und Ansehen hervorragen, denen gewiß die Ehre Gottes und das Heil der Seelen am Herzen liegt, vor Allem bereitwillig Gott, der sie ruft, folgen und gehorchen und so ein glänzendes Beispiel geben! Die Mutter Kirche wird sie sicherlich freudig aufnehmen und mit aller Güte und Fürsorge umfassen, da sie ja große Seelenkrast und Edelmuih durch herbe und harte Schwierigkeiten in ihren Schooß zurückgeführt hat. Es läßt sich nicht aussprechen, welches Lob eben ob ihrer Tugendkcaft ihrer wartet bei den Brüdern in der ganzen katholischen Welt, welche Hoffnung und welches Vertrauen einst vor Christus beim Gerichte, welcher Lohn in seinem himmlischen Reiche! Wir werden nicht ablassen, ihre Versöhnung mit der Kirche auf alle mögliche Weise zu fördern, denn an ihr können sich, was wir lcbbaft wünschen, sowohl Einzelne als ganze Stände und Classen ein nacb- ahmungswertheS Beispiel nehmen. Inzwischen bitten und beschwören Wir Alle um der Barmherzigkeit Gottes willen, daß sie den offenkundigen Lauf der göttlichen Wahrheit und Gnade in Treue zu fördern sich bestreben. Wir bestimmen, daß gegenwärtiges Schreiben und Alles, was darin enthalten ist, niemals ob des Fehler- der Subrcption oder Obreption oder wegen Mangel- Unserer Intention oder wegen irgend eines andere» Mangels bekämpft oder angestritten werden kann, sondern stets giltig und in Kraft bleibt und von Allen, was immer für eines Grades oder Ranges, unverletzlich gerichtlich und außergerichtlich beobachtet werden muß, und erklären für null und nichtig, was immer dagegen von irgend Jemandem, unter was immer für einer Autorität oder Vorwand, wissentlich oder unwissentlich unternommen werden wöge, ohne daß irgend etwas dagegen aufkommen soll. Wir wollen aber, daß den Exemplaren diese- Schreibens, auch den gedruckten, falls sie von einem Notar unterzeichnet und mit dem Siegel eines kirchlichen Würdenträgers versehen sind, derselbe Glaube beigcmessen werde, der der Kundgebung Unseres Willens beigcmessen würde, wenn gegenwärtiges Schreiben vorgewiesen würde. Gegeben zu Rom bei St. Peter, im Jahre der Menschwerdung des Herrn 1896, am 13. September, im neunzehnten Jahre Unseres Pontificats. A. Card. Bianchi, C. Card. de Ruggtero. Prodatarius. Vidimirt von der Curie aus. I. De Aguila Visconti. Ort des Bleisiegels. Regtstrirt im Secreiartat der Breven. I. Cugnoni. Alexander der Große in der persischen nnd arabischen Literatur. Von G. G. (Fortsetzung.) II. Es ist schon mehrfach erwähnt worden, daß Alexander der Große in der morgenländischen Literatur den Beinamen Dsul-karnain führe, d. i. Besitzer zweier Hörner, Zwci- gehörnter, Doppelgehörnter. Erörterungen darüber, woher diese sonderbare Benennung komme, finden sich in vielen arabischen Prosawerken und auch bei Nisami in der Einleitung zum zweiten Theile seines Jskandername. Eine Zusammenstellung der landläufigen Erklärungen jenes Namens, welche von den verschiedenen Bedeutungen des Wortes Wru abgeleitet sind, gibt auch der schon genannte Com- mentar des Sururi zu Saadi'S „Rosengarten" und sagt, die einzelnen Ansichten auf ihren Werth abschätzend: „Der Beiname Doppelgehörnter ist Alexander gegeben worden, weil er über die Welt auf ihren beiden Seiten geherrscht hat, d. i. über das Morgen- und das Abendland; oder weil er einst geträumt hatte, er ergreife die beiden am Morgen zuerst sichtbaren Sonnenstrahlen (aaruaiir discii-sobsEi); oder weil er Zwei Locken hatte und die Haarlocke auch gärn genannt wird; oder weil zu seinen Lebzeiten zwei Menschenalter aus starben — hingegen heißt es auch, er sei kurzlebig gewesen, was nicht wahr ist; oder weil ihm die äußere und die innere Wissenschaft gegeben war; oder weil er eindrang in daL Licht uns in die Finsterniß — aber der Gebrauch von inruaiir für die beiden Wissenschaften und für das Licht 316 und die Finsternis; ist eine unwahrscheinliche Uebertragung (Metapher); und was das betrifft, daß gesagt wird, (er heiße Dsul-karnain,) weil er über Persien und Nom (das römische Reich) geherrscht habe, so ist dies nicht zutreffend, denn er beherrschte das bewohnte Viertel. Ferner wird gesagt: weil er auf seinem Haupte gleichsam zwei Hörner hatte — doch haben wir dieses in den Büchern der Chronik nicht gefunden; ferner, weil er von edler Geburt sowohl väterlicher- wie mütterlicherseits gewesen sei — jedoch der Gebrauch von e Excursionen. Redner erörterte, wie im Unterrichte der hoheru schulen die Technik überall die ihr gebührende Berücksichtigung finden könne. Die physikalischen Lehrbücher geben in Bezug am die technische Anwendung der Physik viel zu wenig. Für die Lehrer fehlt es ganz an einem übersichtlichen Werke über dies: Anwendung, nur einzelne Sondergebietc der Physik sind in diesem Sinne bearbeitet. Dahingegen gibt es eine ganze Anzahl guter Lehrbücher der chemischen Technologie, die der Lehrer sehr wohl zu seiner eigenen Ausbildung benutzen kann. Vortragender ging nun auf die technischen Ausflüge ein, welche am Dcrotheen- städtischcn Realgymnasium zu Berlin regelmässig unternommen werden. Eine wesentliche Stütze dieser Ausflüge ist die Einrichtung, daß die betreffenden Stunden als Pflichtsiundcn gerechnet werden. Für die richtige Verwerthung der Ausflüge ist freilich ein Lehrer nöthig, der die betr. Jndnstriecn nicht nur theoretisch, sondern auch aus eigener Anschauung kennt. 24. Sept. Einen für das gcsammte Um'allvcrsichcnmgSwesen bedeutsamen Vertrag hielt SanüäiSrath vr. Thie in (Cottbus) in der Abtheilung ffir Unfallheilkunde über N ückenma rks-Er- krankiiiigcii nach Verletzungen. Es ist noch nicht lange her, daß man eigentlich nur eine einzige Nückenmarks-Erkrankung kannte, die Tabes oder RückenmarkSdarrc. Vortragender sprach 319 zunächst über Entstehung der Takes; er glaubt nicht, daß sie durch eine Verletzung allein hervorgerufen werden kann. Langsam sich entwickelnd und schleichend verlautend, kann sie Jahrzehnte laug dem Kranken wie dem Arzte verborgen bleiben, dann aber durch eine Verletzung, meist einen Kncchcnbruch der Glied- maßen, plötzlich zum Ausbruche kommen. Vortragender stellte verschiedene Kranke vor, an denen er seine Beobachtungen und Anschauungen erörterte. Der Unfall beschleunigt eben nur den Verlauf der längst vorhandenen Krankheit; er ist aber nicht ihre Ursache. Zum Glück für derartig Betroffene hat sich bei uns eine Auslegung des Unfallgesetzes eingebürgert, die schon die bioße durch den Unfall verursachte Verschlimmerung eines Vorhaurenen Leidens unter den Sckutz des Gesetzes stellt. In der an den reichhaltigen Vortrag sich knüpfenden Erörterung sprach vr. Bnm (Wien) über die Bedeutung der Initial-Behandlung für das Schicksal der Unfall-Verletzten. Auch dieser Redner ist durch seine Erfahrungen in den österreichischen Unsallgesetzen zu den Forderungen gelangt, welche die deutschen Aerzte schon wiederholt aufgestellt haben, nämlich: 1) Die Behandlung der Unfall-Verletzicn sollte vom Beginn an, d. h. unmittelbar nach dein Unfälle, in die Hände eines in der Unfallheilkunde geschickten und erfahrenen Arztes gelegt werden. 8) Zu diesem Zwecke sollte in allen, die Unfallversicherung der Arbeiter gesetzlich regelnden Staaren den für die Uniall-Rente aufkommenden Körperschaften die Möglichkeit gewahrt sein, jederzeit auf das Heilverfahren einzuwirken, bezw. es durch von ihnen bestimmte Aerzte vornehmen zu lassen. 3) Als dringend nothwendig ist zu bezeichnen, daß die inedicinischen Facultäten der Unfallheilkunde jene Beachtung zuwenden, welche der praktischen Bedeutung dieses Zweiges entspricht, und für den Unterricht und die Ausbildung der Studirendcu in der Untersuchung und Begutachtung, sowie in der Behandlung der Unfallverletzten Vorsorge treffen. ' Privai-Docillt Kaufmann (Zürich) sprach über Zug- und Druckkraft der Hand. Gr zeigt: einen DYnamo- nretcr, der den Druck oder Zug der Hand aus einen Zeiger überträgt, der auf einem Zifferblatte die ausgeübte Kraft sehr genau in Kilogrammen anzeigt. Simulanten verrathen sich sehr fbald durch einander widersprechende Zahlen, wenn der Versuch 'snehrfacb wiederholt wird, während man bei ehrlichen Kranken eine genaue Zahlenreihe über den etwa vorhandenen Verlust an motorischer Kraft erhält. Dabei hat sich die Thatsache herausgestellt, daß die Handarbeiter bei einmaligem Drucke eine geringere Kraftentwickelung zeigen, als Leute sogenannter besserer Stände. Die Druckkraft letzterer läßt aber sehr bald nach, während der Arbeiter größere Ausdauer zeigt. ' ' Dr. Schulze, leitender Arzt des Krankenhauses zu Duisburg, zeigte und erläuterte Schiencn-Apparate mit Extcnsivnö- Vorrichtung für Armbrüche. Dr. Dittmer (Hannover) behandelte in längerm Vortrage die Frage, ob es zur Zeit zweckmäßig sei, Arbciter-Nachweis- stätten für Rcconvalescenten einzurichten. Die Frage sei zu Verneinen, aber die Aerzte sollten bemüht sein, zur Verbreitung her Kenntniß der allgemeinen Arbciter-NachweiSstättcn, wie solche sich vorzüglich in Baden bewähren, unter Arbeitgebern und Arbeitern beizutragen. In einer gemeinschaftlichen Sitzung der Abtheilungen für Mathematik, Phhsik, Jnstrumentenkunde und für mathematischen und naturwissenschaftlichen Unterricht fprachProf. Dr. Schwalbe Merlin) über die Vorbildung der Lehrer für Mathematik und Naturwissenschaft an den höheren Schulen den Forderungen der heutigen Zeit gegenüber. Anknüpfend an die englischen Naturforscher-Versammlungen, welche Fragen des Unterrichts und der Erziehung seit langen Jahren mit Sorgfalt erörtern, begründete Vortragender die Forderung, daß auch die deutschen Naturforscher-Versammlungen sich dieser Fragen mehr alö bisher annehmen möchten. Eine brennende derartige Frage sei die Vorbildung unserer Gymnasial- und Realscbul-Lchrer in Mathematik und Naturwissenschaft. Thatsächlich weise diese Vorbildung zahlreiche Lücken auf. Die Fertigkeit im Zeichnen und damit auch das Verständniß für Zeichnungen sei meist wenig entwickelt; einzelne Zweige der Mathematik, z. B. die darstellende Geometrie, finde man vernachlässigt, die Anschauung in zahlreichen wichtigen Zweigen der Naiurwissenschast mangelhaft. Die Universität viele eben zu wenig Gelegenheit zur Ausbildung in allcdcm. Wir litten noch immer unter der Einseitigkeit der vorwiegend sprachlichen Bildungstendenz, gegen die in England schon die Naturforscher-Versammlung zu Abcrdceu einen geharnischten Protest erlassen habe. Unsere Lehrer selbst haben den Uebelstand sehr wohl erkannt und auf ihrer Elbcrfelder Versammlung zur Erörterung gestellt. Direkter Holzmüller» der dortige Referent, Habs bemängelt, baß der mathematische Unterricht auf den böhern Schulen und Universitäten zu abstrakt, ohne Rücksicht auf die großartige Entwickelung der Technik, ge- bandhabt werde. DaS müsse geändert weroen: pflichtmäßige Vorlesungen in der darstellenden Geometrie an den Universitäten und Aufnahme dieses Gegenstandes in die Prüfungs- Ordming, Vorlesungen über Ingenieur-Mathematik an den technischen Hochschule», pflichtmäßige Vorlesungen über elementare Mathematik und Mechanik an jeder Universität. Vortragender selbst, der damals Corrcscrciit war, batte demgegenüber oavor gewarnt, die böhern Schulen zu Fachschulen werden zu lassen. Einivrcchcnde Forderungen, wie der Jngcnienrbcruf, könne ja schließlich jeder andere Beruf auch stelln,. Die Schule müsse eben die A l lgcm ein - B il düng sausta l t bleiben. Dem sehr beifällig aufgenommenen Vortrage folgte eine längere Eiörtcriing. in der vielfach »och über die Forderungen des Redners hinausgegangen, anderseits aber auch mitgetheilt wurde, daß manche Universitäten schon beginnen, sich obigen Forderungen anzubequemen. 25. Sept. Die zweite allgemeine Sitzung, mit welcher die Versammlung ihren officiellen Abschluß erreichte, begann heute früh 9 Uhr. Ihr voraus ging eine kurze GeschäftSsitzung. Zum Versammlungsorte für nächstes Jahr wurde Braunschweig gewählt; Vorsitzender wird Hosrath Pros. v. Lang (Wien), zweiter Vorsitzender Pros. Waldeyer (Berlin), dritter Pros. Neumayer (Hamburg). Der Kassenbericht stellte das Vermögen der Gesellschaft auf 74,000 M. fest; dazu kommt das der Gesellschaft zugefallene Trcnkel'schc Vermächtnis) von 94,000 M., über dessen Verwendung ein von Virchow vorgelegtes Statut die nöthigen Bestimmungen enthält. Geheimrath Waldeycr begründete einen Vorschlag, der dazu beitragen soll, dem Ueberhandnehmen vcr wissenschaftlichen Congresse zu steuern. Danach soll die Naturforscher-Versammlung nur alle zwei Jahre tagen, dafür aber müßten die naturwissenschaftlichen und mediciiüschen Sonder- Eongrcsse in den betreffenden Jahren wegfallen bezw. nur im Zusammenhange mit der Naturforscher-Versammlung alö deren Abtheilungen tagen. Der Vorschlag soll in Erwägung gezogen werden. In der allgemeinen Sitzung berichtet Pros. Dyck (München) über die Londoner Verhandlungen, betreffend den internationalen naturwissenschaftlichen Katalog. Die Noyal Society gibt ein Verzeichnis der sämmtlichen Veröffentlichungen aus naturwissenschaftlichem Gebiete heraus; der stetig wachsende Umfang dieser Arbeit hat sie nun veranlaßt, Schritte zu thun, um die Gelehrten der übrigen Culturstaaten zu der Arbeit mit heranzuziehen, und cS hat deßhalb vor Kurzem in Lonson eine Gelehrien-Coiifercnz stattgefunden. Die Beschlüsse dieser Confereuz gehen dahin, daß vom Jahre 1900 ab die gemeinsame Arbeit unternommen werden soll. Jedes Land sammelt die Erscheinungen des eigenen Gebietes, sendet sie, nach verabredetem Schema bearbeitet, nach London, und dort findet die Gcsammtbearbeitung statt. Sie erfolgt für englisches Geld und in einem von England zu erbauenden Hause, aber dafür in englischer Sprache. Der Katalog wird so eingerichtet, daß nicht nur jede einzelne Naiurwissenschast — Botanik, Mineralogie, Chemie, Astronomie usw. —, sondern selbst jeder einigermaßen sclbstständige Zweig der einzelnen Wissenschaften für sich im Buchhandel zu haben ist. Damit wird die umfänglichste Benutzung und weiteste Verbreitung deö Riesenwerkes möglich werde». Pros. Max Vcrworn (Jena) hielt einen Vortrag über Erregung und Lähmung, wobei er u. ci. auch aus die Hypnose zn sprechen kam, deren Verständniß durch das Studium der wechselnden Erregnngs- und Lähmungs-Znstände eine Förderung zu erhoffen habe. Charakteristisch für den hypnotischen Zustand ist einerseits das Fehlen der WillenS-Jmpulse, anderseits das Vorhandensein einer häufig übcrsehcncn, ziemlich starken tonischen Zusammcnziehung fast aller KörpermnSkeln, die dem hypnotisieren Thiere oder Menschen den Ausdruck der plötzlichen Erstarrung (Katalepsie) verleiht. Die bekannte Thatsache, daß starke Erregung einer Stell- deö Central-Ncrvensystems unter Umständen in gewissen Nachbargebietcn eine Hemmung erzeugt, ist besonders geeignet, über das Zustandekommen der Hypnose Licht zu verbreiten. Weiter sprach vr. Ernst Below (Berlin) über die praktischen Ziele der Tropcn-Hygicne, Ziele, die übrigens noch ziemlich unpraktisch aussehen und in dem phantastischen Prostete eines hygienischen Weltparlamcntcs ihren Schlußstein finden. 320 Gcheimrcith Pros. Carl Weigert (Frankfurt) verbreitete sich über neue Fragestellungen in der pathologischen Anatomie, ein Vertrag, dessen fachwissenscvastliche Feinheiten einer populären Berichterstattung noch ungünstiger sind, als die übrigen Vortrage des Congresses. Die Sitzung wurde alödann unter den üblichen Förmlichkeiten geschlossen, und damit hatte der csficielle Theil der 68. Naturforscher-Versammlung sein Ende erreicht. Recensionen nnd Notizen. Beissel Stepb. (s. I.), Die Verehrung U. L. Frau in Deutschland während des Mittelalterö. 8°, VI -s- 154 SS. Freiburg i. Br., Herder 1896. M. 2.00. s Die Verehrung der Gottesmutter ist so alt, wie die katholische Kirche, denn sie ist im Evangelium selbst begründet. Und wer etwa meinte, die Gegenwart leiste etwa in diesem Punkte gar zu Uebersckwängliches, der kaun durch einen Blick in vorliegendes kirchcn- Wie cultui geschichtlich sehr interessantes, auf genauestem Quellenstudium beruhendes Werk gründlich eines Besseren belehrt werden. Dem Geschmacke bleibt es immerhin aubeimgestcllt, einzelnen Aeußerungen und Neußerlickkeiten der mittelalterlichen Marienverehrnng den Beifall zu versagen, aber auch die moderne Art deö Cultus trägt Manches an sich, das gegen Ernst nnd Würde verstößt. Daß der mittelalterliche Mariencult auch manche zarte, ja unvergleichliche Blütbe der Poesie gezeitigt hat, ist allbekannt und bringt uns auch k. Beissel in gebührende Erinnerung. Das reich beigebrachte Quellen- material zeigt uns den deutschen Charakter von der schönen Eigenschaft der Gemüthstiefe. Die treffliche, historische Arbeit verdient von allen Gebildeten, vorab aber von dem Lesepöbel, der über Alles urtheilt, ohne es zu kennen, genauestens gewürdigt zu werden. _ Predigten und kurze Ansprachen von Dr. Johannes Katsckthaler, Wcihbischos von Salzburg. X. Bdch.t JesuS, unser Erlöser. Salzburg, Mittermüller. 2 M. Die nunmehr in 10 Bündchen erschienenen Predigten des hochwürdigsteu Herrn W.chbischofs von Salzburg sind wohl die gediegenste Leistung, welche seit dem Erscheinen deS Eber- hard'schen Werkes auf homiletischem Gebiete der Ocsfentlichkeit übergeben worden ist, und verdient darum die ganz besondere Beachtung des Seelsorgsklerus. DaS vorliegende 10. Bündchen behandelt in 8 Vortrügen, welche im Jahre 1895 im Dome zu Salzburg gehalten worden sind, die Fragen: Wovon hat JesuS uns erlöst? wodurch hat er uns erlöst? Daran reiht sich die Schilderung des übergroßen Reichthums der Erlösung, sowie die Darlegung der Bedingungen zur Theilnahme an der Erlösung. Der ganze Prcdigt-Cyclns findet seinen würdigen Abschluß in einer tiefergreifenden Betrachtung über Oelberg und Calvarienbcrg. Ein reiches Material ist hier geboten in einer lichtvollen, klaren Darstellung, welche die Anpassung auch für einfachere Verhältnisse leicht ermöglicht; das Ganze durchzieht zugleich ein so glaubcnsiunigcr, warmer Ton, der die Wirkung aus das Herz nicht Verfehlt. Jedenfalls ist das Studium solch eines einzelnen Bündchens der Katschthaler'scheu Sammlung für eine gediegene Fortbildung des Predigers ungleich wirksamer, als so mancher Jahrgang einer homiletischen Zeitschrift. Brüder, seid nüchtern und wachet! Zeitgemäße FrenndcSworte an reich und arm von k. Gratian von Linden, Orcl. 6ap. Paderborn, Schöniugh. oy. Der Alkoholmißbrauch ist der Krebsschaden, der am Wohlstände, an der Gesundheit, an der sittlichen nnd religiösen Lebenskraft des Volkes zehrt. Zu einem guten Theile wird darum die Lösung der socialen Frage auch die Aufgabe haben, das christl. Volk zur Mäßigkeit, Enthaltsamkeit und Sparsamkeit anzuleiten. Einen äußerst daukeuswertben Beitrag lüczu liefert das durch und durch praktische und Interesse weckende Schriftchen deS bereits rühmlich bekannten Verfassers. In ebenso ernsten als Wahren nnd überzeugenden Worten wird im ersten Theile die Uninüßigkeit als eine gefährliche Wunde unserer Zeit gekennzeichnet. Dem Urtheile deö göttlichen Wortes, der Kirchenlehrer und der Vernunft über die maßlose Genußsucht schließt sich die Lehre der Erfahrung aller Zeiten an; dieser letztere Abschnitt führt durch das bcigegcbcnc statistische Material eine so l>credte, überzeugende Sprache, daß ihr gegenüber jede Ausflucht unmöglich erscheint. Im zweiten Theile werden die Mittel gezeigt, durch welche die so verderbliche Leidenscb.ait Heilung finden kann. Von den unersetzbaren Mitteln ausgebend, welche - Migiiiw. Redacteur: der Glaube und die Gnadenmittel der Kirche bieten, nimmt der Verfasser Anlaß, über -Organisation, Zweck und Thätigkeit des deutschen Vereins gegen den Mißbrauch geistiger Getränke Aufschlüsse zu geben und ungerechte An- femdung dieses Vereins zurückzuweisen. Den Schluß bildet eine Aufzählung von Getränken, welche nicht bloß dem Durst- gefühle Genüge leisten, sondern zugleich jenen Reiz ersetzen, der dem Trinker die Alkobolgetränke so unentbehrlich macht. Wir wünschen dieses Schriftchen in die Hände reckt vieler Leier. Ist es ja Pflicht eines jeden Standes, jeder Confeistou und jeden Geschlecktes, sich an der Bekämpfung dieses Lasters zu betbeiligcn. Insbesondere wird aber der priesterlicke Stand aus dem Schriftchen nicht nur reiche Anregung zu opferwilliger Liebe schöpfen, sondern auch erprobte Mittel darin finden, um an diesem großen und edlen Werke mit Erfolg mitzuarbeiten. HeilgerSJ., Die Gründung der afrikanischen Mission durch den ehrw. U. Lib ermann: Anweisungen und Belehrungen für seine Missionäre, nach seinen Briefen dargestellt. Paderborn, F. Schöningh, 1896. 8°, VIII u. 259 SS. M. 3,00. S k. Libermann, der Stifter der Congregation „vom bl. Geiste" ist eine äußerst sympathische, Wahl hast apostolische Priestergestalt. Briese geben stets einen tieferen, unverfälschteren Einblick in das Geistesleben eines Mannes, als etwa andere literariscke Arbeiten; da zeigt er sich im wahren Lichte und offenbart er sein Herz, um so mehr, wenn er nickt ahnt, daß die Nachwelt, was er geickrieben, einmal auch gedruckt lesen könnte. Libermann's Briefwechsel offenbart einen durchaus vornehmen, von heiligster Begeisterung durchglühten Charakter, dessen wohlthuende Innerlichkeit auch den Leser zu erwärmen im Stande ist. Heckgers gibt auS der Sammlung der Briefe eine Auswahl in deutscher Sprache; vorliegendes Buch bildet den dritten Band dieser Auswahl (Bd. 1 n. II erschien.::: 1893) und schildert die Bemühungen deö eifrigen Paters für die Misston in Afrika mit dessen eigenen Worten. Niemand wird diese Briefsammlunz aus der Hand legen, ohne erbaut und innerlich gebobcn zu sein. Ziele und Wesen der Freimaurerei. Eine Studie von Franz Ewald. Verlag von Rudolf Abt in München Preis 50 Pf. In den letzten Jabren, besonders seit dem Erscheinen der bedeutungsvollen Eucyklika Leo'S XIII., den Enthüllungen Taxils u. a., lenkten sich daS Augenmerk und daS Interesse der christlichen, katholischen Kreise in höherem und ausgedehnterem Maße auf die Freimaurerei. Eine ganze Anzahl, zum Theil dick- bändiger Werke erschien auf dem Büchermärkte. Auch die oben genannte Broschüre von Ewald verdient Beachtung und Verbreitung. In einer kurzen und übersichtlichen Darstellung und in effektvoller Schreibweise zeigt uns der Verfasser das Wesen und die Ziele der geheimen Großmacht auf socialem, politischem, sittlichem und religiösem Gebiete, Ziele, die im SatanSculte ihren deutlichsten und blaSphemischen Ausdruck finden. Alle die vielen Belege sind auS Zeitschriften und Werken der Freimaurerei, welche dem Verfasser in außerordentlich reichem Maße zur Verfügung zu stehen scheinen, entnommen; die Freimaurerei wird mit ihren eigenen Waffen bekämpft. Die kleine Schrift hat für alle Interesse, insbesondere aber für jene Glieder des Klerus nnd der Laienwelt, welchen die Zeit zum Studium größerer Werke über die Freimaurerei mangelt. Stimmen vom Berge Karin el. Monatsschrift für das katholische Volk. Herausgegeben von Fr. Scrapion a. S. Andrea Corsini. Graz, 1896. Verlag des Karmeliten- conventes. Inhalt deS soeben erschienenen Heftes: Maria, Himmelskönigin. (Gedicht.) — Die Bitte eines Missionärs. — Ist der Ausdruck: Der Mensch solle Gott die Ihm „gebührende" Ehre erweisen, vollkommen entsprechend nnd sachgemäß? — Mailand. Verein zum gnadenreichen Jesnkiudlciu von Prag. — Gottheit Christi. — Tirol. Herz-Jesu-Bund. — Die heilige Eommnuion. Sprüche nnd Beispiele. — Maipredigten. Das Präger Jesulein. — Bekehrungen. — Gebets-Erhörnngen. — Maria, Unsere Liebe Frau von Czeustochau oder Frevel nnd Strafe, Verehrung und Lohn. — Q-Lensnachrichten. — Der Dritte Orden. — Die heilige Theresia. — Protestantismus. — Die erste katholische Prozession in London. — Opfergaben. — Corrcspo ndcnz. — GebctS-Jntentioneu. _ Lit. Instituts von Haas L Grabherr in Augsburg. Ad. Haas in Augsburg. — Druck u. Verlag deö