Nr. 41. 9. Mt. 1886. N Professor Dr. Anton Walter 7. * Am 1. Oktober starb zu Neichenhall, wo er vergeblich Gesundung gesucht, Herr Professor Dr. Walter von Landshut. Dem vortrefflichen Manne, dem auch dir Augsburger Postzeitung manchen schätzbaren litterarischen Beitrag zu danken hatte, widmet ein Freund in der „Landshuter Zeitung" folgenden ehrenden Nachruf: „I-udoreinns!" »Laßt uns arbeiten!" So klang es, mit großer Begeisterung gesprochen, vor zwei Jahren in Regensburg durch die weiten Hallen des Erhardihauses aus Anlaß der Generalversammlung des Cäcilienvereines. Zur Zeit heißer Arbeitstage wurden diese Worte der Aufforderung gesprochen von einem Manne, von einem Priester, dessen Leben mit den Schweißtropfen der Arbeit angefüllt war. Ein unfreundlicher Herbsttag hat dieses Leben nun ausgelöscht; der 1. Oktober hat uns den Mann der Arbeit, Herrn geistlichen Rath und Professor Dr. Anton Walter, in noch guten Jahren, im 52. Lebensjahre, hinweggenommen. Das in regster Thätigkeit sich entfaltende Priester- leben, die allgemeine, von allen Kreisen der hiesigen Bevölkerung gezollte Verehrung, die hohe Werthschätzung, die der Dahingeschiedene nicht bloß innerhalb der Erz» diöcese München - Freising, sondern auch außerhalb derselben, außerhalb der Grenzen Bayerns genossen, bestimmen, an seinem Sarge ein bescheidenes Stränßchen pietätsooller Erinnerung niederzulegen. Eine weite, in den Furchen reichgefegnete ArbeitS- strecke hat der Heimgegangene zurückgelegt, der Priester des Herrn, der edle Menschenfreund, der Diener des Heiligthums. „Der edle Menschenfreund", wie der Pädagog Bischof Dupanloup von Orleans schreibt, »ist der Priester, der verständig unterrichtet und weise erzieht". Professor Dr. Walter, der mehrere Jahre an der Lehrerbildungsanstalt in Freising und 14 Jahre am hiesigen Gymnasium wirkte, trug in sich den Geist und das Herz des edlen Menschenfreundes. Ausgestattet mit reichen GeisteSgaben, mit einem seltenen Wissen, mit einem hervorragenden Gedächtniß, war er im Stande, seinen wichtigen Beruf voll und ganz auszufüllen. Zeugniß von seiner Bildung liefert besonders die im Jahre 1893 edirte Schrift »Der Religionsunterricht an den humanistischen Gymnasien, Beitrag zur Didaktik und Methodik desselben", eine Schrift, die freilich auch manche Kritik hervorgerufen, die ihn jedoch nicht beleidigte, „aus der er zu lernen suchte". Großes Gewicht legte Dr. Walter auf den apologetischen Theil dcL Religionsunterrichtes in der Oberklasse; er suchte seinen Zweck zu erreichen durch besondere, aus dem Pensum herausgehobene, in einem „Hilfsbüchlein" niedergelegte Thesen. Durch die ihm ganz eigene Lchr- gabe wußte er auch seine Schüler sich eigen zu machen. Wie er nun auf den Verstand der Schüler einzuwirken suchte, so strebte er, in seiner Herzensgüte, sich denselben mitzutheilen und sie für ideale Bestrebungen empfänglich zu machen. Im „Trauner", einem populären Schriftchen, reicht er der studirenden Jugend eine Gabe, durch die er sie vor den sittlichen Verirrungen mit aller Wärme und Klugheit zu bewahren sucht. Durch den feinen Takt und das sprechende Wohlwollen, das sein Privatverkehr verrieth, wußte er so manchen Studirendeu von dem Abgrund zurückzuhalten. Das Ansehen, das er in seiner früheren Wirksamkeit als Präfect im erzbischöfl. Knabenseminnr in Freifing in hohem Grade besessen, steigerte sich beim Neligionslehrcr am Gymnasium zum autoritativen Einfluß. Kein Wunder, wenn im Lehrerrath das Wort des Neligionslehrers seine besondere Geltung gefunden, wenn der Ncctor und die Collegen das wohlwollende Wort des erfahrenen Lehrers zu würdigen wußten. Eine solche einflußreiche und verdienstvolle Thätigkeit auf dem Gebiete des Unterrichtes und der Erziehung blieb nun auch dem Blick des Oberhirten nicht verborgen. Es war hier eine allgemeine Kundgebung der Freude, als die Nachricht anlangte, daß »zum Christkind" Dr. Walter zum erzbischöfl. geistl. Rath ernannt worden. Ein reiches Arbeitsfeld bewältigte dieser Dienst des Menschenfreundes. Wie rege mochte sich nun die Arbeit im Dienste des Heiligthums gestalten! I)r. Walter stellte seine Feder, seine gesummte verfügbare Zeit in den Dienst des Heiligthums, der hl. Liturgie. Mir Recht konnte er einem Gratulanten bei seinem 25jährigen Pnesterjnbiläum. zurufen: „Gottlob, 25 Jahre konnte ich nngeschwücht meine Kräfte in den Dienst der Liturgie stellen!" Die Llnsiaa, snora, die hl. Musik, war die hl. Muse, die ihn entzückte, welcher er diente mit der ganzen Juteusivität seines Wirkens. Ein Benroner Benediktiner erkannte ihm den Namen eines liturgischen Schriftstellers zu. Der würdevolle, kirchliche Gesang, der sich innerhalb der von der Kirche gezogenen Grenzen bewegt, war das Ideal, für das er lebte. Mit großer Begeisterung vermochte er darum in seiner Studie über Gregor den Großen in den Historischpolitischen Blättern dem Begründer de§ Gregorianischen Gesanges einen würdigen Tribut zu zollen. Für dieses ideale Streben war es nun von großer Bedeutung, daß durch den Aufenthalt in LandShnt Dr. Walter mit dem Gründer und GeneralprüseS der Cäcilien- vereine deutscher Zunge, mit dem Canonicus Dr. Witt, in einen innigen Freundschaftsvcrkehr getreten. Der Wetteifer Beider in der Arbeit an dem gemeinsamen großen Ziel war gleichsam zu einem Unisono geworden, in welchem Dr. Witt sein I'orto, I)r. Walter mehr sein ?iano hervortreten ließ. Die Bedeutung und die Schöpfung des Meisters Witt ward von seinem Freunde in einer Biographie in einer geradezu classischen Weise gewürdigt. Abt Jldefons Schober von Sekkau nennt diese eine Mosaikarbeit. Zur Erreichung seines Zieles ist er in einen immer mehr sich erweiternden Kreis von Freunden, den Koryphäen der kirchlichen Musik, getreten. Einen theilnehmenden, innigen Freund nannte er I»r. Haberl, den verdienstvollen Director der RcgenSburger Musikschule und Forscher der Medicäa. Die Beuronischen Klöster mit ihren KunstschSpfungen zogen ihn mächtig an. k. Ambros Kienle, unerschöpflich in seiner Geschichte der Musik, muß dazu auch das Seinige beigetragen haben. Ein großes Verdienst erwarb sich I)r. Walter durch die Zusammenstellung des Jahresberichtes über die Thätigkeit des Cäcilicnvereins in dessen Jahrbuch. Nur sein großer Bienenfleiß, den die Liebe zur hl. Sache hervorgebracht, konnte das gehäufte Material beherrschen; sein klarer Kopf suchte stets eine interessante Uebersicht und nach Kräften ein objectives Urtheil zu verschaffen. In verschiedenen kirchenmusikalischen^ Zeitschriften 322 zeigte sich seine äußerst gewandte Feder. Es konnte darum nicht befremden, daß ihn die theologische Facultät der Universität Freiburg im Breisgau zum Doctor der Theologie erkoren in Anbetracht der Leistungen auf kirchen- musikalischcm liturgischem Gebiete. Und wie er eiferte mit seinem ganzen Können für den hl. Cult, so wirkte er für die Ehre der Kirche, die den hl. Cult auf's getreueste bewahrt. Wie war er doch so sehr erfreut, als sein ehemaliger Zögling, Beichtvater Modlmayr von Frauen- chicmsee, den von ihm componirten Festhymuus an die Kirche Christi zusandte; er lobte die jugendliche Kraft, die sich dem Preis der Kirche gewidmet. In lebhaftester Erinnerung ist noch jene Meisterrede (in der Jos. Thomann'schen Buchhandlung s. Z. im Druck erschienen), die er vor drei Jahren im Nathhaus- saale in Landshut aus Anlaß des 50jnhrigen Bischofsjubiläums dem Träger der Tiara gewidmet. Das allgemeine Urtheil rühmte die großartige Anlage und Begeisterung der Rede, die Eleganz und Kraft der Sprache. Und diese Liebe zur hl. Kirche, die aus allen seinen Kundgebungen gesprochen, war nicht gesucht, sie lag tief eingegraben in seinem Herzen. Fürwahr, ein solches Wirken war das Tagewerk im Weinberge des Herrn, die Arbeit beS Menschenfreundes, des Dieners im Heiligthum. Sollte es nun möglich sein, daß diese „unermüdctc Hand« so rasch im guten Manncs- alter ermüde? Zum allgemeinen Bedauern mußte man sehen, daß mitten im Sommer für diesen Mann der Arbeit es plötzlich Herbst geworden; das fahle Herbstlaub hat das Gepräge seinen Zügen verliehen. Der körperliche Verfall kam fast rapid; dazu gesellte sich auffallend zuletzt eine gewisse seelische Depression. Zum Schluß wollte er sich noch laben und Nutze finden in dem lieblichen Neichenhall, wo er ständig seine Ferienrnhe gesucht. Und er fand dieses Thal, um nach einem schweren Leidcns- lager für immer auszuruhen. Auf Wiedersehen! Ihm, dem edlen Menschenfreunde, dem begeisterten Diener des HeiliglhumS, sei mit dem letzten Gruß dieses Strüußchen geweiht. Ilave pia anima! Ueber die Entstehung, Anlage und Bedeutung der römischen Grenzmark in Deutschland. -o- Die römische Kaiscrzeit wird gewöhnlich als eine Epoche angesehen, in welcher die Schlechtigkeit der Sitten, die Liederlichkeit der Negenten und die Kraftlosigkeit des Volkes geradezu sprichwörtliche Bedeutung erlangten. Allein diese Annahme beruht nur zu oft auf einer allzu einseitigen, engherzigen Betrachtung der damaligen Verhältnisse. Freilich, wenn wir die tiefe Verkommenheit Noms, die gemeinen, schmachvollen Hof- und Palast- intriguen, die blutigen Handlungen eines „Cäsaren- wahnsinncs" als römische Geschichte erachten, dann wird die obige Anschauung allerdings gerechtfertigt. Aber „die Geschichte der Stadt Nom hat sich zu der der Welt des Mittelmeeres erweitert", sagt Mommsen treffend.*) Staat gleicht jetzt einem gewaltigen Baume, um dessen im Absterben begriffenen Hauptstamm mächtige Ncbentricbe rings emporstreben." Hier dürfte der Schlüssel liegen zu einer günstigeren Beurtheilung jener Zeit. Auch damals ist groß Gedachtes und weithin Wirkendes geschaffen worden. Doch wir haben es nicht im Innern des Reiches und in Nom, sondern in der „Peripherie" ?) zu suchen, nach welcher sich gleichsam der Glanz und die Herrlichkeit zu verschieben scheinen. Ja in den Provinzen mit ihren vielfach trefflichen, staatlich-culturellen Einrichtungen finden wir ein gutes Stück wirklicher Arbeit jener Epoche, das zu verachten uns die christliche Hochachtung vor dem Nächsten verbietet. Ein nicht unbedeutendes Objekt dieser Energie im Kaiserreiche, wenn ich so sagen darf, bildete unter anderem auch die Herstellung jener gewaltigen Grcnzanlagen, wie solche in Englands) an der untern Donau/) auch in Afrika und Aegypten entstanden sind. Dort nämlich, wo keine Meeresküste, kein mächtiger Strom, wie Donau, Rhein, Euphrat, Tigris, einen würdigen, sicheren NeichSabschlnß bildeten, baute sich der Römer entsprechende künstliche Demarkationslinien, die sogenannten „linrites", ein Wort, das sowohl die Grenze schlechthin, als auch den Grenzkörper, das Scheidungs- mittel bezeichnet. Als das ausgezeichnetste Werk der römischen Thätigkeit in dieser Beziehung aber gilt mit Recht „die römische Grenzmark" in Deutschland, oder der Innres Ii1ra6treo-ll?ra.nsrIr6nunu8, der heutzutage so vieles Interesse erregt, weßhalb wir den augenblicklichen Stand der Frage wohl auch einmal in diesen Blättern erörtern zu dürfen glauben. Was die Limesliteratur zunächst betrifft, so findet dieselbe bei den alten Schriftstellern nur sehr spärliche Quellen, so bei Tacitus, Spartianus, FrontinuS, gelangte aber besonders in dem letzten Jahrhundert durch gründliche Forschungen zu einer ausgezeichneten Entwicklung. Aus der Unmasse von Schriften über die Grenzmark wollen wir dem Folgenden zunächst j,ene von Büchner, Maier, v. Hundt, Platzer, Mutzel, James Iatcs, v. Co- hausen, Mommsen, Ohlenschlager und Marggraff, sowie die Limcsblätter und die Berichte der Neichslimescom- missioi/) zu Grunde legen. Suchen wir nun zunächst über die I. Zeitsrage einigermaßen klar zu werden, welche allerdings als der unsicherste Punkt der gesammten Limesforschung betrachtet werden dürfte. Schon Drusus, der bekanntlich im Jahre 15 vor Christus neben seinem Bruder Tiberins Rätien und Vindelizien (die nördliche, mittlere Alpenlandschaft nebst Südbaycrn) erobert hatte, dann in den Jahren 12 —9 vor Christus vier Felvzüge gegen das nördliche Germanien unternahm, scheint nach der Befestigung des linken Rhein- ufers durch Mainz (^loZuntiaeuin), Coblenz (6oir- sirrsntes), Köln (Oolouiu rVgri^pina), Kanten (Custia. vstsi-u) auch auf dem rechten Ufer in dem durch den kriegslustigen Stamm der Chattcn sehr gefährlichen Winkel ') Mommsen: Römische Geschichte. V. Bond: Einleitung. P HodriouSwoll zwischen Corlisle und Newcostle o» Thue, aus. einer Mauer mit vorliegendem Graben und Wolle beliebend; weiter nördlich davon zwischen GlaSgow und Edinburgh liegt ein zweiter von Antoninus Pius hergestellter Woll mit Groben. «) Der TrojanSwall in der Dobrudscha zwischen Tschcrna- wodo und dem schwarzen Meere. P Dieselbe besteht seit 1892 und hat ihren Sitz in Heidelberg. Die Ausführung der Pläne und Arbeiten geschieht durch zwei Dirigenten, denen die einzelnen Strcckencommissäre unterstehen. ') Mommsen: Römische Geschichte. V. Bond: Einleitung. 623 zwischen Rhein und Main eine bestimmte Sperrlinie angelegt zu haben. Wenigstens schreibt uns Tacitus?) daß GermanicuS auf seinem zweiten Zuge gegen die Chatten bereits auf den Trümmern einer von seinem Vater, also von Drusus, errichteten „Schutzwehr", „suxsr vsstigiis xiuesiäü xatsrni", weiterbaut, was sich mit dem oben Gesagten gut vereinen läßt. Inzwischen war auch die südliche Grenze bis an die Donau vorgeschoben worden. Tiberius setzte jedenfalls nach dem Tode seines Bruders diese Anlagen fort, welche wohl in einer Kette von hölzernen Signalstationen bestanden, hie und da verstärkt durch kleinere Castelle. Vielleicht sind viele der sogenannten Begleithügel am rheinischen Limes, welche auf Grund der sorgfältigen den definitiven Grenzabschluß zwischen Rhein and Main. Diese Thatsache wird uns besonders durch Frontinus gesichert, der als Zeitgenosse Domitians volles Vertrauen verdient und in seinem Werke 8trat6Ziriaticc>n I, III, 10 berichtet, daß Oussur vowrtianus ^uZustus eine Grenz- wehr 120 Meilen weit anlegte, um sich so von dem lästigen Guerrillakrieg der Germanen zu befreien, welche von ihren „Waldthälern" und Schlupfwinkeln aus die Römer beunruhigten?) Was ist dies anders als die Erbauung des Rhein« limes von Rheinbrohl aus durch den Taunus um die sogenannte Wetterau bis nach Großkrotzenburg? Sogar die Ausdehnung von 120 römischen Meilen, etwa 177 lrm, zeigt, wie Mommsen bemerkt, keine starke Differenz mit ^ ... > ^i.. > / Forschungen Jakobt's und Loeschke'S sich als ehemalige Holzthürme, als erste demonstrative Grenzlinie darstellten, in diese Zeit zu setzen, .. Nach der Schlacht im Teutoburger Walde (9 nach Christus) gingen für die Römer diese Punkte zwischen Rhein und Main jedenfalls eine Zeit lang verloren. Doch bald, besonders nach den allerdings zweifelhaften Siegen deS GermanicuS, scheinen die zähen Eroberer wieder festen Fuß gefaßt zu haben, vor allem in der unteren Mainebene, wozu wohl die Gegend von Wiesbaden (a^uas Lluttiaeao) mit ihren heißen Quellen und sonstigen Annehmlichkeiten vielfache Anregung gab. Nach dem Erlöschen des julischen Hauses war es namentlich der thatkräftige Vespasian, welcher die alten Grenzen nicht nur wieder herstellte, wo es noch nicht geschehen, sondern auch hinausschob. Sein Sohn Domitian bewerkstelligte schon im Jahre 83 nach Christus nach einem Feldzuge gegen die Chatten spaeitus Lnnnlss. I, 56. der wirklichen Länge dieser Linie, wie sie durch v. Co- hausen ermittelt wurde, ist aber „viel zu klein, um auf die Verbindungslinie von da bis nach Negensburg be« zogen werden zu können." ^) Für die endgültige und technisch vollkommene Vollendung dieser Anlage spricht noch besonders eine zweite Stelle des Frontinus, wo er davon spricht, daß Domitianus nach dem Chattenkriege im Lande der Ubier (?) Castelle mit Wällen anlegte?) - Schon früher war das sogenannte Dekumatenland (sZri äsouvautas), hauptsächlich das heutige Neckargebiet, an Rom gekommen, da bereits im Jahre 6 n. Chr. diese D -Iwpsrntor Oneonr Dow. Lngnstns, emn Osrmoni mors sno s snttibns st obseuris Intsdrio snbinüs iwpnZnarent, tutuw^ns rsg'rsssuw in proknnän silvarum bnberent, liwi- tibns per OXX willia, xossnnm netto non wntnvit tnntnw otntuw belli seil snbieoit äitioni snns bostes, guorum reknKin nnünvsrnt.» Drontin. 8trnteKwnt. I, III, 10. > °) Mommscn: Nöm. Geschichte. V. Bd. S. 136. v) >Omn in üuibns 6ubioinm (Dbiormn?) enstslln xoneret pro krnetibus toeoruw, gnns vnllo cowprsbenäedat. - Lrrnte^m. II, XI, 7. 324 Gegend von den Markomannen geräumt wurde und von „gallischen Abenteurern", wie sie Tacitus nennt, coloni- sirt worden war. Auch hier scheinen die Flavier, wahrscheinlich wiederum Domitian, eine bestimmte Grenzlinie geschaffen zu haben, vielleicht in der Mömling- oder Odenwaldlinie, welche von Wörth am Main ausging, ihre Fortsetzung in der Neckarlinie fand und aus Holzthürmen und kleineren Castellen bestand, ohne Wall und Graben. Selbstverständlich behielt man diese Linien noch bei, auch als der eigentliche Limes erbaut war, die Castelle wurden später verstärkt, die Holzthürme durch steinerne ersetzt, so daß oft diese Werke wegen ihrer solideren Bauart für späteren Datums gehalten werden, welche Annahme von Hettner, Dirigent der Neichslimcscommission, auf Grund der neuesten Untersuchungen widerlegt wird?") Mommsen führt Tacitus als Zeugen für diese Grenz- verschiebung an und meint hier die bekannte Stelle der Germania, in der unser römischer Gewährsmann bemerkt, daß die sogenannten deknmatischen Landstriche nach dem Baue eines Grenzwalles und nach Verschiebung der Posten linaits aoto xraasiäiis xronwtis Vorland des Reiches sinns imxsrii und Theil einer Provinz wurden.") Da die Germania, wie allgemein angenommen wird, im Jahre 98 n. Chr. vollendet wurde, so dürfte der Zeitpunkt für die obige Grenzverlegung kurz vor 98 wohl unter der Regierung des Domitian zu suchen sein. Was Tacitus eigentlich mit liraits aoto meint, dürfte nicht recht klar sein; denn wir haben hier nur an die Mömling-Neckarlinie zu denken, deren Stationen noch keine fortlaufende Verbindung durch Wall oder Graben besaßen; ebenso wenig kann hier von dem eigentlichen Limes, der sicher späteren Datums ist, die Rede sein. Vielleicht ließen sich einfach lirnits aoto und xras- siäiis xromotis als zwei analoge Begriffe fassen, durch welche diese Grenzregulirung deutlich zum Aus- drucke kommen soll. Höchstens könnte man noch an die jedenfalls nicht viel später erfolgte und aus einem einfachen Grübchen bestehende Grenzmarkirung denken. Doch ist der Abstand ein ziemlich bedeutender zwischen der älteren Castelllinie am Neckar und dem Grenzgräbchen, welches, wo es überhaupt noch auffindbar ist, meist in unmittelbarer Nähe des eigentlichen Pfahles oder Limes constatirt wurde. Wohl wurde auch hiemit bereits das an das Land der Hermunduren grenzende Gebiet nördlich von der Donau von Weltenburg über Gunzenhausen nach Lorch zum römischen Reiche gezogen, jedenfalls mit dem Baue der Straße begonnen, welche von Passau über Negens- burg, Eining, Jrnsing und weiter in das Dekumaten- land führt, insoweit Hiebei nicht alte keltische Wege benutzt werden konnten, und diese Route mit Befestigungen gedeckt. Ich möchte hier nur der Vermuthung Ohlen- schlagers beipflichten — der allerdings nur in sehr vorsichtiger Weise es nicht für unmöglich, ja sogar für wahrscheinlich hält, daß die Lagerkette Jrnsing, Kösching, Pfünz, Weißenburg, Theilenhofen, Hammerschmiede älteren Datums ist als das Grenzvallum oder die Tcufelsmauer — und diese Castelle als zunächst zu dieser Straße gehörig betrachten.^) ") Hettner: „Bericht über die Erforschung bcö Limes." Vertrag vorn 26. Sept. 1895. ") tHoriuania. 0. 29. Ohlenschlazer: „Die römische Grenzmark in Bayern." Seite 83. Wenigstens bestand diese Linie bereits unter Trojan nach einem in Weißenburg gefundenen Steine, der auf das Jahr 107 weist, auch beansprucht das Castell Weißenburg selbst auf Grund seiner mehr quadratischen (also älteren) Anlage ein höheres Alter, was auch von dem Archäologen Hettner angeführt wird, obwohl derselbe kurz vorher das gleichzeitige Entstehen der Teufelsmauer und der hinter ihr liegenden Lager verficht. Noch immer bestand außer der oben behandelten Strecke zwischen Rheinbrohl und Großkrotzenburg a. M der eigentliche Limes, die Mauer oder der Wall, nicht Wann dieses Werk zur Ausführung gelangte, dürfte nur sehr schwer zu beantworten sein, und bildet diese Frage wohl den wundesten Punkt in der ganzen Limes- forschung. Selbst Mommsen, der große Historiker, erlaubt sich hierüber kein entscheidendes Urtheil. Genanntes Problem wurde besonders verwickelt durch die Entdeckung des vorhin erwähnten sogenannten Grübchens, welches jetzt an vielen Orten stets in der Nähe des Limes aufgefunden wurde und nun hier der Uebersicht halber im Zusammenhange betrachtet werden möge. Schon Pfarrer Mayer besprach vor ungefähr 80 Jahren in seiner „Reise auf der Teufelsmauer" dieses Grübchen im Hienheimer Forste, und wurde dasselbe vom Rheins bis an die Donau zunächst durch die Herren Wolff, Soldan, Jakobi, dann von den meisten Herren Streckencommissüren constatirt. Die ersten und schönsten Resultate wurden im Taunus und in der Rheinprovinz erzielt, und besteht dort das Grübchen nach dem Berichte des Baumeisters Jakobi *b) in einer äußerlich unsichtbaren, etwa 20 römische Fuß von dem zeitlich jüngeren Limeswall abstehenden Vertiefung, die nach verschiedenen Arten ausgesteint und wieder zugeschüttet worden ist. Auf dem Boden des Grübchens liegen nämlich entweder in regelmäßigen Zwischenräumen größere Steine, oder die Steine liegen hart nebeneinander, oder endlich die ganze Vertiefung war mit Steinbrocken ausgefüllt. Nebenher finden sich noch die der römischen Grenzmarkirung eigenthümlichen Beimischungen, wie Scherben, Ziegel, Kieselsteine, Nägel, Holzkohle und Asche. Etwas anders verhält es sich mit dieser Erscheinung auf der Strecke zwischen Main und Donau. Auch hier wurde das Grübchen meistens gefunden, jedoch nicht als absichtlich verdeckt, sondern offen. Bei diesen Untersuchungen erfolgte nun zunächst durch Herrn Kohl die epochemachende Entdeckung von Pallisaden» reihen, eine Thatsache, welche auch bald von den Herren Dr. Eidam und Gutsbesitzer Winkclmann bestätigt werden konute. Es bestehen diese Pallisaden aus Baumstämmen von etwa 40 cnr Dicke, sind besonders an sumpfigen Stellen gut erhalten und mochten vielleicht 2—3 rn über den Boden hervorgeragt haben. Pfarrer Mayer hat also für seine Behaupmng eine glänzende Bestätigung gefunden, indem bereits er angenommen hatte, daß einst in dem Grübchen Pallisaden standen. Nur eine einzige Stelle wurde nachgewiesen in der Nähe von Gunzen- hausen, wo die Pfähle in einer eigenen, zweiten Vertiefung eingesetzt waren.") Aber Herr Hettner dürfte ") Limesblatt Nr. 7, S. 60. ") U-bngeiiS wurde in jener Gegend durch Herrn Dr. Eidam sogar eine dritte Rinne aufgedeckt in jüngster Zeit. 325 Recht haben, wenn er glaubt, daß eS sich hier lediglich um eine „lokale Correctnr" handele.^) Auch das müssen wir zugeben, daß nicht überall die Pallisaden zu finden sind, aber es werden dies doch mehr oder weniger Ausnahmen und wiederum dem Ermessen der betreffenden Beamten zuzuschreiben sein. Das Grübchen mit seinem Pfahlzaune scheint also, wie bereits Ohlenschlager meint, das Ueberbleibsel der ersten vorläufigen Abgrenzung zu sein;*°) der hölzerne und solide Zaun verlieh überdies den meisten Stellen eine gewisse Festigkeit gegenüber unbedeutenderen Annäherungsversuchen. Wann ist nun diese Grenzvermarkung in das Leben getreten, oder zunächst: ist sie mit einem Schlage und gleichzeitig entstanden? So sehr ich gewissermaßen vom idealen Standpunkte aus diese letztere Frage bejahen möchte, da ja erst durch eine solche im Zusammenhang geschaffene, kühn vom Rhein bis an die Donau führende Tracirung diese Vermarkung die gehörige Bedeutung bekommen und einzelne unterbrochene Strecken wenig Zweck besitzen konnten, so sprechen doch auch wichtige Gründe dafür, daß wenigstens das Grübchen zwischen Rhein und Main früher angelegt wurde, als jenes zwischen Main und Donau, einerseits weil die rheinischen Bauten fast insgesammt früheren Datums sind, andererseits weil sich das dortige Grübchen auch in seiner Anlage wesentlich von dem übrigen Theil unterscheidet. Was den eigentlichen Zeitpunkt der Entstehung betrifft, so dürfte nunmehr die Ansicht Mommsens") und Jakobi's nichtig geworden sein. Beide glaubten nämlich, das Grübchen und der Limes seien gleichzeitige Werke, und finden so die Erklärung zu welcher eigentlich nicht Grenze, sondern Grenz!örper, Abgrenzungsweg, bezeichnet, indem diese Straße nach ihrer Meinung durch die Versteinung oder Verpfählung auf der einen und durch den Limes auf der anderen Seite bestimmt war. An manchen Orten konnte sogar diese Einrichtung ganz gut bestanden haben. Allein wollte man diese Annahme für die Allgemeinheit gelten lassen, so wäre vor allem nothwendig, daß besagtes Grübchen stets parallel und in gleichem Abstände zu dem Walle oder der Mauer einher- liefe, waS aber bei weitem nicht der Fall ist. So wurde von Herrn Strcckcncommissär Gutsbesitzer Winkelmann nachgewiesen, daß z. B. bei Altdorf und Pfahldorf in Bayern die Grenzvermarkung sich sogar 7—10 in hinter der Teufclsmauer befindet. Auch bei Gunzenhausen wird das Grübchen mit seinen Pallisaden mehrfach von dem Pfahle geschnitten, ebenso in der Rheinproviuz. Die Grenzfurche, wenn ich diesen Ausdruck gebrauchen darf, mit ihren Pfählen ist also sicher früheren Datums als die Limesmnuer und wurde bei Erbauung der letzteren meistens außer Dienst gestellt. Ich möchte bei dieser Frage auf die schon viel besprochene Stelle des Spartianus aufmerksam machen in seiner vita. Haclriaui (Leben Hadrians),^) worin er uns ") Heliner: „Bericht über die Erf. d. Limes." Vertrag vom 26. Sevt. 1895. Ohlenschlager: „Die römische Grenzmark in Bayern." ") Vergl. Hettner: „Bericht über die Cri. d. LimeS". und Mommsen: „Römische Geschichte", Bd. V, Cap. IV, S. 111 Anmerk. Lelins Lpartiimns: Vita. Haäriani, 6. 12: >ker ea tsmxora st alias kregusnter in plurimis weis in gnibus barbari von ünininibns seä liinitibns (livikluntnr stixitibus Wagnis in moäum mni-alis seyis innäatis, iaetis atgus eon- nsxis. barbaros sevaravir.« versichert, daß der Kaiser in jener Zeit (etwa 124 n. Chr. Geb.) in den meisten Gegenden, wo die Barbaren durch keine natürlichen Grenzen geschieden waren, dieselben dadurch abgegrenzt habe, daß er große Pfähle in den Boden treiben und sie unter sich verbinden ließ, so daß sie das Aussehen einer Mauerhecke hatten. Es stimmt merkwürdiger Weise diese Stelle mit den Resultaten der neuesten Forschungen aber auch auf das genaueste überein. Ließen wir aber dieses Werk erst von Hadrian geschehen, so müssen wir die Entstehungszeit des eigentlichen Limes ziemlich weit hinausschieben und dem Kaiser Trojan, der nach der gewöhnlichen, allerdings man darf sagen ganz unbegründeten Annahme als Erbauer der Strecke Miltenberg-Lorch oder sogar Lorch-Hienheim gilt, keinen Antheil an dieser Befestigung gewähren In der That dürfte die Behauptung, daß Trojan den Limes erbaute, geradezu aus der Luft gegriffen sein; auch das älteste Zeugniß, welches bei Oehringen gefunden wurde, stammt erst aus dem Jahre 169 n. Chr., da bereits Mark Aurel regierte. Mommsen will sogar Hadrian vom eigentlichen Baue des Walles ausgeschlossen wissen, findet es aber dem Berichte des Spartianus zufolge für wahrscheinlich, daß dieser Kaiser eine „künstliche Sperrung" ") angebracht habe durch Verhaue. Daß solche Verhaue wirklich bestanden, ist jetzt durch die oben besprochenen Pallisaden des Grenzgräbchens evident geworden. Wenn wir auch diese Anlage in ihrem ganzen Umfange nicht dem Hadrian zuschreiben wollen, so werden wir uns doch stets hüten müssen, die Entstehungszeit der Teufelsmauer oder des Pfahles zu frühe anzusetzen, da diesem Werke jedenfalls die oben beschriebene Grenzfurche mit abwechselnden Pfahlhecken voranging. Der einfachste Ausweg dürfte der sein, daß wir eine stetige, successive Entwicklung der ge- sammten römischen Grenzmark annehmen, abgesehen wiederum von der öfters erwähnten, bereits unter Domitian vollendeten Rhcinstrecke, und zwar so, daß zunächst von den Flaviern eine Castell- und Straßenlinie geschaffen wurde von Wörth am Maine den Neckar entlang bis an die Nems über Pföring an die Donau» der nachher eine endgültige Vermarkung der Grenze durch das bekannte Grübchen folgte, welches später oder auch an manchen Orten gleichzeitig stellenweise eine Art Befestigung aus Pallisaden erhielt, und daß dann schließlich wahrscheinlich noch unter Hadrian mit dem Baue der Mauer oder des Dammes begonnen ward, ein Werk, das jcdochosicherlich erst unter den späteren Kaisern seine Vervollkommnung und Vollendung fand. Durch diese stetige, langsame Entwicklung der römischen Grenzbefestigung, welche nicht daS Verdienst eines einzigen ist, sondern einer Reihe von Regenten, dürfte sich auch die Thatsache erklären lassen, daß die späteren römischen Geschichtsschreiber uns fast gar keine Nachricht bieten über diese Bauten in Deutschland. Hätte hier irgend ein Kaiser einmal einen ganz besonders großen Schritt gethan, so würden sich das die kaiserlichen „Hof- bistoriker", wenn ich so sagen darf, wie Gallican, Tre- bellius Pollio, FlaviuS Vopiskus, Lawpridtus und Cavitolinus, für ihr Hanvwerk nicht haben entgehen lassen, und Hütte z. B. Hadrianus den Limes gebaut. 'v) Mommien: „Römische Geschichte." V. Bd., Cap. 4, Seite 141. 326 so würde uns Spartianus die Geschichte lang und breit erzählen. Ich habe bei den letzteren Punkten, besonders bei der Besprechung des Grabens, absichtlich länger verweilt, weil gerade dieser Theil jetzt das Object der eifrigsten Untersuchungen ist. (Fortsetzung folgt.) Alexander der Große in der persischen und arabischen Literatur. Von G. G. (Schluß.) Um dieselben Zeit regierte im „Westen" (Spanien, Andalusien) eine weise Königin, QuidLfa (nach einigen NuMbe von Berdaa), welche schon viel von Alexander gehört hatte und sein Bildniß zu besitzen wünschte. Sie schickte einen Maler nach Aegypten, wo sich Alexander aufhielt, und ließ ihn heimlich Porträtiren. Inzwischen hatte aber auch Alexander von der Königin gehört und suchte sich ihr Land zu unterwerfen oder tributpflichtig zu machen. Da er dies durch friedliche Unterhandlungen nicht erreichen konnte, brach er selbst gegen Westen auf, erstürmte die Burg eines Vasallen der Königin Kidafa und erschlug ihn. Dann tauschte er in einem Divan seine Stellung mit der seines Vezirs, und der Vezir mußte, als Alexander verkleidet, den Schwiegersohn des erschlagenen Vasallen und feine Gemahlin, eine Tochter der Kidafa, zum Tode verurtheilen. Alexander aber bat um das Leben der Beiden, der verkappte Vezir schenkte ihnen das Leben und schickte sie mit Alexander als Gesandten an den Hof der Königin. Diese aber erkannte ihn, da sie im Besitze seines Bildnisses war, entdeckte jedoch ihr Geheimniß erst, als sie mit Alexander allein war, und nur ihm allein. Sie versprach ihm, das Geheimniß für sich zu behalten und ihn unversehrt zu seinem Heere zurückkehren zu lassen, falls er sie und ihre Unterthanen nicht weiter behelligte, und warnte ihn nur vor ihrem Sohne Tinos, der voll des bittersten Hasses gegen ihn sei, zumal als Eidam des ermordeten Für von Indien. In einer Versammlung der Großen des Reiches, in welcher der angebliche Gesandte die Forderungen seines Herrn auseinandersetzte, kam er mit Tinos in heftigen Wortwechsel, welcher beinahe zum blutigen ! Kampfe geführt hätte, wenn nicht der Gesandte dem , Tinos versprochen hätte, den Alexander selbst in seine ' Hände zu liefern. Nun wurde er zu seinem Heere zurück- geleiiet, und als TinoS, dort angekommen, den, Alexander in seine Gewalt zu bekommen hoffte, reichte ihm dieser die Hand mit dem Bedeuten, hiemit lege er die Hand Alexanders in die seiniae. Tinos ging verblüfft von dgnnen. Auf dem Meere zog er weiter, dem Untergänge der Sonne zu. An das Ende der Welt gelangt, fand er den warmen Quell, welcher aus dem Ocean hervorsprudelt § (vergl. Koran Sure 18, 84: „Als er den Miedergang der Sonne erreichte, fand er sie in einer warmen Quelle voll schwarzen Schlammes untergehen"). Mach dem Rathe der Weisen unterließ er das Befahren ^deS Oceans, weil sein Wasser schwer wie Quecksilber sei, ein Ungeheuer berge, dessen Blick jeden Menschen tödte, und an seiner Küste zahlreiche Steine seien, welche unwiderstehlich Lachen erregten und den Tod verursachten. Krotzdem ließ er eine Ladung solcher Steine von Leuten Mit verbundenen Augen holen und mitsammt einer Menge gelben Sandes, an Farbe und Entzündlichkeit gleich Schwefel, mitnehmen, womit er später in einer Oase eine Burg aufzuführen befahl, „welche schon viele Reisende vermöge der Wirkung des Steines und des Sandes ums Leben brachte". Auf seinen weiteren Zügen durch die Länder der Erde, auf welchen das Heer äußerst viel zu leiden hatte von Ungeheuern, Drachen, Schlangen, von Feuer und Schnee, in Wüsteneien und steinigen Gebirgen, gelangte Jskander zu den Schwarzen von Habesch, welche das Heer mit Steinen angriffen, zu den Weichfüßigen, welche dem Heere auf den Knien entgegenrutschten und es ebenfalls mit Steinen bewarfen, zu den Brahmanen und Gymnosophen Indiens, und zur Stadt der Frauen. Die letztere bestand aus unzähligen Straßen, in jeder derselben wohnten 1000 Jungfrauen; ein Mädchen, das sich verheirathen wollte, mußte auswandern. Weiterhin kam Jskander zu den Wundergärten von Jram. Sie waren mit goldenen Bäumen bepflanzt, welche goldene Früchte und Juwelen trugen, die Teiche wimmelten von Fischen von reinem Onyx. Mitten im Garten stand ein Palast von gleicher Pracht. Ohne das geringste von den Schätzen mitzunehmen, verließ Alexander daS Wunderland. (Gewöhnlich verlegt man Jram nach Afrika.) Auch die Quellen des Nils suchte Alexander auf. Sie liegen auf einem steilen, abschüssigen Berge, dessen Farbe grünem Glase gleicht und von dem der Nilstrom herabfließt. Da die hinaufgeschickten Leute nicht mehr zurückkamen, beauftragte Jskander einen Mann, ebenfalls den Gipfel des Berges zu besteigen, das Gesehene auf einen Zettel zu schreiben und denselben feinem, mit ihm bis zum Fuße des Berges gehenden und dort wartenden Sohne zuzuwerfen. Dieser kehrte ohne den Vater zurück, jedoch mit der gewünschten Beschreibung. Auf einem schmalen, schlüpfrigen Pfade gelangte man nämlich zur Spitze des geheimnißvollen Berges, auf welcher auf der einen Seite höllenschaurige Wüstenei, auf der andern paradiesische Gärten sich befanden, welche jeden Ankommenden durch ihre Zauberpracht bannten und ihm alle Lust zur Rückkehr nahmen. Ohne dem Heere etwas von der verlockenden Schilderung mitzutheilen, eilte Alexander weiter. Auf seinem Zuge durch den „Süden" fand er das Diamantenthal, das von einer Menge großer Diamanten erglänzte, aber auch voll von Schlangen war. Er ließ das zerstückelte Fleisch geschlachteter Schafe in das Thal hinabwerfen, die Diamanten blieben an dem Fleische haften, und Raubvögeln, welche die Stücke zusammenrafften, wurde die kostbare Beute abgejagt. Fast in allen orientalischen Gestalten der Alexanderhistorie (auch in den abendländischen) wird die Geschichte von der Reise Alexanders in das Reich der Finsterniß und zum Quell des Lebens berichtet, jedoch mit mancherlei Variationen. In dieses Land dringt nie ein Sonnenstrahl; wer von jener Quelle trinkt, bleibt unsterblich. Alexanders Begleiter und Führer dorthin ist der Prophet Chidr (Chifr). ^) Sururi's Kommentar zu Saadi'S Chidr ist eine bei den arabischen und persischen Schriftstellern viel genannte und verschieden gedeutete Erscheinung. Nach den einen ist er ein sagenhafter Feldherr eines alten persischen Herrschers, nach andern der Prophet Ellas, nach andern der „ewige Jude". Als solcher scheint er in folgender Erzählung gemeint zu sein, da er vorn Lebensquell trinkt und sich so unsterblich macht. (Vcrgl. Rückertö Gedicht: „Chidr, Gulistan erzählt die Reise folgendermaßen: „Als der Zweigehörnte der Finsterniß nahe gekommen war und trotz des Abrathens der ihn begleitenden Weisen beschlossen hatte, hineinzugehen, sprach er zu den Männern der Erkenntniß: Welche Lastthiere sehen am schärfsten? Sie antworteten: Die Pferde. — Welche Pferde sind am scharfsehendsten? Die dunkelbraunen Stuten, die noch nicht geworfen haben. — Da wühlte er von den dunkelbraunen Pferden 6000 dunkle Stutenfüllen aus, wählte ferner 6000 verständige und erfahrene Männer aus und stellte über je 1000 Mann einen Anführer aus der Zahl der Weisen. Aber den Chtdr stellte er über die 2000 Mann seines Vortrabs. Dann befahl er dem übrigen Theil des Heeres, sich zu lagern und Zelte aufzuschlagen, und sie thaten es. Und er verbot ihnen, sich zu trennen, bis er zurückkäme. Da sprach zu ihm Chidr: O König I siehe, wir werden in die Finsterniß hineingehen, aber einander nicht sehen können. Was sollen wir thun, wenn wir irre gehen? Da reichte ihm der Zweigehörnte eine rothe VenuSmuschel und sprach zu ihm: Wenn ihr fehlgehet, so wirf diese auf den Boden, und wenn sie, auf die Erde geworfen, laut ertönt, so gehet ihrem Tone nach. Nun zog Chidr inmitten seiner zwei Abtheilungen weiter, bis er zum Thale gelangte, in welchem die Quelle war, und als er etwas sehr süßes roch, kam ihm der Gedanke, daß die Quelle wohl in diesem Thale sein könnte. Daher warf er jene Muschel in's Thal hinab, und sie ertönte laut. Chidr stieg hinab und fand den Quell, und sah weißes Wasser, weißer als Milch und süßer als Honig und angenehmer an Geruch als Moschus. Er trank davon, wusch sich, bestieg sein Pferd und kehrte zurück zu seinen Gefährten. Jskander aber erreichte und fand das Thal nicht." Vielmehr irrte er rathloS in der Finsterniß umher, kam zu vier auf Säulen sitzenden Vögeln, mit denen er sich in verschiedene Klagcgespräche einließ. Eine unbekannte Stimme rief aus der Dunkelheit, daß es sowohl denjenigen, welcher von den am Wege liegenden Steinen welche mitnehme, später reuen würde, als auch denjenigen, der es unterlasse. Einige Soldaten nahmen solche Steine, andere nicht. Als sie aber aus der Finsterniß herausgekommen waren, zeigte es sich, daß die mitgenommenen Steine kostbare Edelsteine, Hyazinthen und Chrysolithen, waren. Da ergriff in der That alle Neue, diejenigen, welche zu wenig, und die, welche gar nichts mitgenommen hatten. Nirgends fehlt bei den mohammedanischen Autoren die Geschichte vom Baue des eisernen Walles, den Alexander in einem Bergthore zum Schutze gegen die Näuberstämmc Nordasiens errichtete, welche gewöhnlich unter den Namen Gog und Magog („Jadschudsch und Madschudsch") zusammengefaßt werden, und mag dies wohl darauf beruhen, daß auch der Koran dieselbe ausführlich erzählt. Sure 18, 93 ff. heißt es: „Dsulkaruain verfolgte seinen Weg weiter von Süden nach Norden, bis er zu den beiden Bergen kam, unter denen er ein Volk fand, das kaum verstand, was er sagte. Und sie sagten: O Dsulkarnain, in der That, Gog und Magog verwüsten das Land. Sollen wir dir Tribut zahlen unter der Bedingung, daß du einen Damm zwischen uns und ihnen erbauest? Er antwortete: Die Macht, mit der mich mein Herr versehen hat, ist besser als euer Tribut; aber helft mir kräftig und ich will einen festen der ewige Jude".) Dem persischen Dichter Nisami ist Chisr das, was dem klassischen Dichter die Muse, und die Dichtkunst Wird von ihm als Lebenswasser, dem Chisr vorsteht, dargestellt. Wall setzen zwischen euch und zwischen ihnen. Bringt mir Eisen in großen Stücken, bis es den Platz zwischen diesen beiden Bergen ausfüllt. Und er sagte zu den Arbeitern: Blast mit euern Blasbälgen, bis das Eisen roth wird wie Feuer. Und er sagte ferner: Bringt mir geschmolzenes Erz, damit ich es darauf gieße. Deßwegen, als dieser Wall vollendet war, konnten ihn Gog und Magog nicht ersteigen, noch auch durchgraben. Und er sagte: Dies ist eine Gnade meines Herrn, aber wenn die Weissagung meines Herrn erfüllt werden wird, dann wird er diesen Damm zu Staub machen. Die Vorher- sagung meines Herrn ist wahrhaftig." Die hier genannte Weissagung ist die, daß die Barmherzigkeit Gottes den erbauten Niegel bis zum Erscheinen des großen Gerichtstages stehen läßt. Firdust beschreibt Gog und Magog als zwei Ungeheuer, die in ihren eigenen Ohren schlafen. Nach andern sind es Türken, Skythen, Tataren oder Chinesen. Auch Tibet erobert Alexander und kommt von da nach China. Um den Fagfur von China zur Unterwerfung zu bewegen, erscheint er, wie vor Darms und der Königin Kidafa, als sein eigener Gesandter, indem er einen seiner Vczire, Namens Fitaus, seine Stelle einnehmen und Alexander sich nennen läßt, er selbst aber als Vezir Fitaus zum Könige geht. Nachdem er dem Fagfur daS Schicksal des Darius und des Für von Indien erzählt und die Macht Alexanders geschildert hat, erkennt dieser den Alexander als seinen Oberherrn an und bewilligt ihm einen jähilichen Tribut aus den Früchten des Landes. Auch schenkt er dem Alexander seine eigene Krone, kostbare Pelze, chinesische Seide, indische und chinesische Waffenrüstungen, Gold und Silber, Moschus und Samba. In China findet Alexander einen von Nymphen bewohnten See, welche die Nacht mit Singen und Spielen am Ufer zubringen.^) Nachdem Alexander alle Dinge vom Untergänge der Sonne bis zu ihrem Aufgange erreicht, alle Völker der Erde besucht, alle Länder sich unterworfen, zahlreiche, nach seinem Namen benannte Städte erbaut und an den äußersten Punkten seines Zuges als Wahrzeichen („Talisma") eherne Standbilder (Roß mit Reiter) mit der Inschrift „Ueber mich hinaus kann niemand kommen" errichtet hatte, erhielt er vom Himmel den Befehl, umzukehren, da er bald sterben würde. In den Berichten über die Zeit, den Ort und die näheren Umstünde seines Todes gehen die persischen und arabischen Schriftsteller sehr weit auseinander. Nach der allgemeinsten Ansicht aber starb er in Mesopotamien oder in Alexandrien. In letzterer Stadt wurde er in einem goldenen, mit Edelsteinen reich verzierten und mit Honig und Aloe ausgefüllten Sarge begraben. Wie schon erwähnt, läßt Nisami Alexander noch eine zweite Reise durch die Länder der Erde unternehmen, nämlich als Prophet. Nach der Rückkehr von der ersten Reise verbrachte Jskander die Zeit mit gelehrten Gesprächen und Lösung philosophischer Streitfragen mit den sieben Weisen an seinem Hose: Aristoteles, Hermes, Plato, Thales, Porphyrius, Sokrates, Apollonius von Tyana, und gelangte auf den Stufen der Erkenntniß bis zu den Grenzen menschlicher Einsicht. Eines Tages brachte ihm ein Engel vom Himmel die Botschaft, daß Allah ihn zum Propheten auserkoren '°) Nach Spiegel, a. a. O. S. 58. °°) Die Erzählung hat Aehnlichkeit mit Plinius VI, 97 und XXXI, 35. 328 habe, und daß er die Welt dem rechten Glauben erobern und überall Sittlichkeit und Gottesverehrung verbreiten solle. Zugleich wurden ihm himmlische Hilfsmittel, namentlich die Sprachengabe, verheißen. Außer mehreren selbst erdichteten Abenteuern erzählt Nisami sodann auch von anderen Autoren (für die erste und einzige Reise Alexanders) berichtete und im Vorstehenden genannte Erzählungen. Recensionen und Notizen. Die Jos. Kösel'sche Buchhandlung in Kcmpten beginnt soeben ein neues literarischeS Unternehmen, das in erster Linie Seitens des kath. Klerus die grösste Beachtung verdient, das aber auch der kathol. Laicnwett nicht warm genug cmpioblen werden kann. Von der rühmlichst bekannten „Bibliothek der Kirchenvater", Auswahl der vorzüglichsten parristischen Werke in deutscher Ucbcrsetzung, herausgegeben unter der Oberleitung von dem leider inzwischen verstorbenen Dr. Val. Thalhofe r, veranstaltet die Firma eine Neue Subscription in einer Band- Ausgabe, die cS Jedermann ermöglichen und erleichtern soll, dieses einzigartige patristischc Sammelwerk auf einfache und bequeme Weise anzuschaffen. Die kathol. Literatur wird wenige Unternehmungen ausweisen, welche an Umfang und Bedeutung der „Bibliothek der Kirchenvater" gleichkommen. Zwei päpstliche Anerkennungsschreiben, biscböfl. Empfehlungen des gesummten hochw. Episkopates von Deutschland, Oesterreich und der Schweiz und die gesammte kathol. Fachpresse haben aus den hohen Werth dieser altchristlichen Klassiker-Bibliothen hingewiesen. Auch in protestantischen Kreisen, wo ein derartiges Werk gänzlich sehlt, wird die „Bibliothek der Kirchenvater" entsprechend gewürdigt, und einzelne Schriften werden gerade von dieser Seite besonders bevorzugt. Seit Beginn der ersten Subscription sind nahezu dreißig Jahre verflossen, und es ist inzwischen eine ganz neue Generation herangewachsen. Die Verlagshandlung verdient daher volle Anerkennung, daß sie durch Eröffnung der Neuen Subscription auch den jüngeren Geistlichen Gelegenheit gibt, das Sammelwerk anzuschaffen, das in jeder theologischen Bibliothek zu finden sein soll. Naturgemäß bietet die Neue Subscription auf das abgeschlossen vorliegende Werk viele Vorzüge vor der ersten Subscription, wo daS Unternehmen erst begonnen und noch Niemand den genauen Umfang der Sammlung vorauSbestimmcn konnte. Die Neue Subscription erscheint in 80 Bänden, eine dankenSwerthe Neuerung, do dadurch ein viel rascherer Abschluß gesichert ist. Jede Woche soll ein Band ausgegeben werden, so daß die Subscribcnte nach etwa 1'/, Jahren im Besitze der ganzen Sammlung sein werden. Der Bezug des Werkes in kürzeren Terminen oder vollständig auf einmal steht selbstverständlich Jedem frei und gelten für letzteren Fall ermäßigte Preise. Die drei letzten Bände werden jedem Abonnenten gratis geliefert. Im Uebrigcn gibt über die Art und Weise der Subscription, über die Bezugsbedingungen rc. ein „kurzer Berichts (32 Seiten) sowie ein „ausführlicher Bericht" (112 Seiten) ausreichende Auskunft. Der erstere kann gratis, der letztere für den Preis von 20 Pf. durch jede Buchhandlung oder direkt von der Verlagsbuchhandlung bezogen werden. Als eine sehr angenehme Neuerung begrüßen wir es a-ch, daß nunmehr auch jeder einzelne Kirchenvater sowie jeder einzelne Band ohne Erhöhung des PreiseS apart abgegeben lv rd. Wer z. B. lediglich sich für die Schriften des heiligen Augustinus oder ChrhsostomuS rc. interessirt, kann nunmehr ohne Preiserhöhung die betreffenden Bände einzeln beziehen, Was namentlich allen Jenen willkommen sein wird, welchen rotz der jetzt gebotenen großen Erleichterungen doch noch die lnscbaffung des ganzen Sammelwerkes zu kostspielig ist. Wir schließen, indem wir nochmals die Verlagsbuchhandlung zu dem großartigen Unternehmen beglückwünschen und der Neuen Sub- scripiion die gleiche Verbreitung und Anerkennung wünschen, die erfreulicher Weise das Unternehmen schon von allem Anfange an gesunden hat. /S. Im 32. Jahresberichte des naturwissenschaftlichen Vereins für Schwaben und Neuburg (Augsburg 1898) findet sich eine höchst interessante gcogiiostische Arbeit: „Beiträge zur Kenntniß der tertiären und quartä reu Ablagerungen in Bayerisch-Schwabcn" von Fritz Nühl in Jssing, die namentlich in paläontologischer Beziehung in hohem Grade nicht nur die Aufmerksamkeit der bezüglichen Fachgelehrten, sondern auch der gebildeten Laien auf sich lenken wird. Der dem geistlichen Stande angehörende Herr Verfasser, der seit Jahrzehnten theils unter Leitung hervorragender Geologen und Paläontologen, theils allein seine diesbezüglichen Forschungen in dem ausgedehnten Gebiete von den Alpen bis zum Jura und von der Jller bis zum Ammersee mit unermüdlichem Eifer betreibt, hat die bei seinen geognostiscben Untersuchungen erhaltenen faunistischcn und floristischen Petrefaktenfunde sorgfältig gesammelt, bestimmt, nach den verschiedenen Profilen ausgeschieden geordnet in einer sehenswerthen Privatsammlung untergebracht und in der erwähnten Arbeit die geoznostischcn Gliederungen des Gebietes mit allen in denselben aufgefundenen Einschlüssen zu einem übersichtlichen Gesammtschichtcnbilde vereiniget. Die Arbeit behandelt in 10 Kapiteln: Den Flysch und die eingelagerten Nummulitenschichten. — DaS oligocäne Molassemccr, die bayerischen Pechkohlen und die Cyrenenscbichtcn. — Die untermiocäne, gelbgrane Blättermolassc, die Nngulosa- und Crepidostomakalke. — Das mittelmiocäne oder Ncogcnmeer. — Die brackischen Kirchbcrgerscbichten oder der Kirchbcrger Schlier. — Die graue Günzburgcr Molasse. — Die gelbe Molasse oder die oberen Ablagerungen des Obermiocäns. — Die pliocänen Ablagerungen. — Die Glacialablagcrungen. — Das Postglaciale. — In vorurteilsfreier Weise hat der Herr Verfasser durchweg die geognostische Beschaffenheit des durchforschten Gebietes aufgefaßt und die Ergebnisse der Untersuchung, gestützt auf ein reichliches Einschlußmaterial, in objectiver Form dargestellt. Bescheiden und gut motivirt vertritt er seine hier und dort von den bisher geltenden Anschauungen abweichende Meinung, be- nützt mit großer Gewandtheit und gründlicher Stoffbeherrschung die von bewährten Autoren in ihren bezüglichen Werken geschaffene Basis für den weiteren Ausbau der gcognosiiscben LagerungSvcrhältnisse unseres Alpenvorlandes, und hat damit einen hochachtbaren Beitrag zur Vervcllständigung der Geognosie unseres engeren Vaterlandes geliefert. DidioC., Die moderne Moral und ihre Grund- principien kritisch beleuchtet. 8°, VIII -j- 103 Seiten. Straß-burg, B. Herder, 1896. M. 2,00. s Die „Straßbnrger Theologischen Studien", herausgegeben von Alb. Ehrhard und Eug. Müller, haben sich in der katholischen Gclchrtenwelt einen guten Klang erworben durch die kritische, wissenschaftlich-nüchterne Haltung ihrer Beiträge. Mit vorliegendem Bündchen, das seinen Vorgängern in keiner Weise nachsteht, sind die „Studien" zum 3. Heft des II. Bandes gediehen. Im ersten Kapitel bespricht Didio das sittliche Problem in der gegenwärtigen Zeit, die das traurige Bild einer Auflösung aller sittlichen Begriffe darbietet. Der folgende Abschnitt macht den EudämoniSmus und Militarismus zum Gegenstand der Erörterung. Daran schließt sich ein Kapitel über den französischen Positivismus und den Darwinismus. Besonders interessant ist das vierte Kapitel, welches das Moralprincip des Culturfortschrittes behandelt. Nickt minder belehrend sind die beiden noch folgenden Abschnitte über Kants Ethik und den Pessimismus. Die letzten Zeilen der lesenswertben Schrift gehen auch mit der „deutschen Gesellschaft für ethische Cultur" ins Gericht und fällen ein Urtheil, dem jeder besonnen denkende Leser nur zustimmen kann. Theologisch-Praktische Monatsschrift. Monatlich erscheint 1 Heft in der Stärke von 5 Bg. od. 80 S. gr. 8". Preis ganzjährig 5 Mk. Inhalt des 9. Heftes 1696: Die Hospize an den Alpenpässen. — Kloster VormbaS. — Ueber Predigten für Gebildete. — PastorcllcS von der Reise. — Competcnz bei Veränderungen von Kirchengemeinden. — Soll man in Predigten gegen die Mode eifern? — Kann ein offenkundiger Renegat und Todsündcr kirchlich getraut werden? — Der Klerus und die Jnteressenkämpfe auf dem Lande. — Die religiösen Standesvereine und ihre Bedeutung für die Gegenwart. — Mehr Beachtung der Armenscclsorge, besonders der verwahrlosten Kinder. — Beleidigungen von Seite der Pfarrkinder. — Wer ist verpflichtet, bczw. berechtigt, die Rogationsmesse zu lesen? — Be- achtenswerthe Kleinigkeiten. — Neueste Erlasse und Entscheidungen der römischen Congregationen. — Literarische Novi- tätenschau. Verantw. Redacteur: Ad. Haas in Augsburg. — Druck u. Verlag des Lit. Instituts von Haas L Grabherr in Augsburg.