42 16. Giri- 189k Miß Diana Vanczhan in ihrer wirklichen Gestalt.*) Der antt-freimaurerische Kongreß zu Trient hat namentlich durch einen seltsamen Zwischenfall Aussehen erregt. Während alle Besucher desselben vollkommen einig waren über den Satz, daß die Freimaurerei aus religiösen und politischen Gründen durchaus verwerflich und mit allen erlaubten Mitteln zu bekämpfen sei, erhob sich ein, von der einen Seite mit förmlicher Erbitterung geführter Streit über die Frage: Wie steht's mit „Miß Diana Vaughan"? Dieser Streit steht in engerm Zusammenhang mit Erörterungen, welche im August und September lebhaft die katholische Presse Deutschlands beschäftigten. Ein Mitglied der Gesellschaft Jesu, als ausgezeichneter Kenner der freimaurerischen Literatur bekannt, hatte nachdrücklich vor den „Enthüllungen" gewarnt, welche eine angebliche Miß Diana Baughan, ehemalige „Palla- distin" und „Luciferanerin", Verehrerin des „guten Gottes" Lucifer im Gegensatz zu dem „adonaistischen" Christengott, in französischen Büchern und Zeitschriften zum Besten gegeben hatte. Es war eine alte Geschichte, deren Anfänge mehrere Jahre zurückliegen und die in Frankreich schon viel Staub aufgewirbelt hatte. Man konnte sie in Deutschland ignoriren, so lange der Schwindel nicht die Grenze überschritt. Aber als ein pseudonymer Dr. Michael Germanus (angeblich ein Geistlicher in Wien, nach anderer Version in München) die französischen Publicationen — ohne irgendwie eine kritische Untersuchung oder Prüfung anzustellen! — zu einer deutschen Flugschrift verarbeitete (Die Geheimnisse der Hölle, oder: Miß Diana Vaughan, ihre Bedeutung und ihre Enthüllungen über die Freimaurerei, den Cultus und die Erscheinungen des Teufels in den palladistischen Triangeln), als Hr. Künzle, der in Feldkirch (Vorarlberg) wohnende geistliche General- Director des Eucharistischen Bundes, dieses Machwerk in Tausenden von Exemplaren drucken ließ und in seiner religiösen Monatsschrift „Pelikan" dafür Neclams machte, da hörte das Gewährenlassen auf. Es kann ernsten Katholiken nicht gleichgültig sein, ob in weitem Volkskreisen, und zwar unter geistlicher Autorität, der wahnwitzigste Aberglaube verbreitet wird, beispielsweise das von „Diana Vaughan" veröffentlichte „Document" des Teufels Bitrn, laut welchem die Freimaurerin Sophia Walter am 29. September 1896 in Jerusalem die Großmutter des Antichrist zur Welt bringen sollte — ein Ereigniß, über dessen Verlauf leider nichts Näheres bekannt geworden ist, vermuthlich, weil die Freimaurer dasselbe sorgfältig mit dem Schleier des tiefsten Geheimnisses umgeben haben. Jetzt lag die Gefahr der Volksvergiftung auch in Deutschland nahe — der Münchener Lourdes-Kalender für 1897 bringt schon einen naiven Artikel: „Die Palladistin Diana Vaughan durch eine Heilung in Lourdes bekehrt", und der Einspruch wurde zur strengen Pflicht. Die deutsche katholische Presse hat diese Pflicht mit vollster Einmüthigkeit erfüllt. Ausnahmslos hat sie die Vaughan'schen „Enthüllungen" als kolossale Mystifikation behandelt und ist dabei von deutsch-österreichischen Blättern kräftig unterstützt worden. Angesichts des Gesagten erscheint es kaum nöthig, daß wir die öffentlich gestellten Fragen („Wo ist die angebliche Miß Vaughan geboren? Sie wird doch in keinem wilden Lande zur Welt gekommen sein, wo es kein Civilstands-Negister gibt. Wer waren ihre Eltern? Diese kann man doch unbedenklich nennen. Und vor allem: Wo ist Miß Vaughan' zur katholischen Kirche übergetreten? Bor welchem Geistlichen hat sie ihre Irrthümer abgeschworen? Von welchem Geistlichen ist sie getauft worden? In welcher Kirche hat sie ihre erste hl. Kommunion empfangen?") noch einmal wiederholen. Bis heute ist von Seiten der Parteigänger der angeblichen Miß darauf keine irgendwie genügende Antwort gegeben worden; die Fragen werden auch niemals beantwortet werden, weil eben eine „Miß Diana Vaughan" nicht existirt. Deutsche Geistliche, Msgr. vr. Gratzfeld, der Vertreter des Herrn Cardinal-ErzbischofS von Köln, und Msgr. vr. Baum garten aus Nom, waren es auch, welche in Trient die Ehre des Katholicismus wahrten. Ihre Erkundigungen nach dem Geburtsschein der Miß, nach den näheren Umständen ihrer Bekehrung usw. wurden von einigen französischen Kongreßmitgliedern mit nichtssagenden Ausflüchten oder geradezu kindlichen „Beweisen" beantwortet — wir erinnern an die Visitenkarte, welche die Existenz der Miß beweisen sollte —, und mancher Anwesende, der als Gläubiger gekommen war, ist sehr nachdenklich fortgegangen. Der Kongreß als solcher schob die Sache unter den Tisch: er verwies die Frage an ein Comiiö. Diesem Comits Material zu bieten, ist der nächste Zweck der folgenden Zeilen. Mit dogmatischen Fragen werden dieselben sich in keiner Weise beschäftigen; es liegt nicht der mindeste Grund vor, der Entlarvung eines systematischen, auf Geldmacherei und Discreditirung des Katholicismus berechneten groben Schwindels einen so ernsten Hintergrund zu geben. Der Fehler bei der bisherigen Behandlung der Vanghan-Frage liegt hauptsächlich in dem Umstände, daß man die geheimnißvolle Persönlichkeit und ihre angeblichen Schriften zu sehr für sich behandelte. Betrachtet man sie im Zusammenhang mit ältern „anti-freimaurerischen" Schriften, so tritt sogar für den bescheiden veranlagten Kritiker die Thatsache der Fälschung zweifellos hervor. Den Schlüssel bietet vor allem dus Buch 1-6 älaß 1s au XIX. siöels, pa,r 1s äooteur Lutuills. (Oellioraraa st ürigust, kario DieLieferungs- Ausgabe dieses Werkes erschien während der Jahre 1893 und 1894. Die Buch-Ausgabe umfaßt zwei schwere Bände, jeder von fast 1000 Seiten, mit Hunderten von Bildern großentheils blödsinnigen Charakters. Vielleicht niemals sind an die menschliche Leichtgläubigkeit solche Zumuthungen gestellt worden. ES ist eine Sammlung von Teufels- und sonstigen Spukgeschichten, so phantastisch, vielseitig, in ihrer Art auch so originell, daß die Matadore der Hexen-Literatur des 17. Jahrhunderts beschämt davor die Segel streichen müssen. Ihre kümmerlichen Darstellungen, in denen sich Hexenritt, Blocksberg-Scenen, Stigma, gewürzt mit Ob- fcönitüten, bis zur Ermüdung und zum Ekel wiederholen, sind die reine Stümperei neben diesen „Erzählungen eines Zeugen", der überall dabei gewesen sein will und — das muß man ihm lassen — auch zu erzählen weiß. In die Empörung, welche die Lectüre erregen muß, mischt sich *) Aus der „Kölnischen Volkszeitung". 330 auch für den ernstesten Leser manchmal ein Lächeln, Man lese zum Beispiel „die curiose Geschichte Wladimir's" (II, 7 ff.), deren Held sich in dritter Ehe mit einer „Geistcrfrau" vermählt, die in einer tadlo-FiAoZus wohnt! Auf dem dazu gehörigen Bildchen sitzt der Getstertisch in Kranz und Schleier neben dem Bräutigam, und die Hochzecks-Gesellschaft stößt mit Sectgläsern an auf das Wohl des Brautpaares! An anderer Stelle (I, 619) erfahren wir, daß ein Geistertisch sich plötzlich „in ein häßliches Krokodil mit Flügeln verwandelte. Das Erstaunen stieg auf den Wipfel, als das Krokodil sich dem Clavicr näherte, es öffnete und eine Melodie mit den seltsamsten Noten spielte. Während des Spiels warf das Krokodil der Herrin des Hauses ausdrucksvolle Blicke zu, welche diese, wie man sich denken kann, in eine sehr peinliche Stimmung versetzten." (Genaue Nachbildungen dieser beiden Bilder werden wir in den nächsten Tagen zum Abdruck bringen.) Eine Perle in seiner Art ist auch das große Capitel (I, 481 sf.) „Die geheimen Werkstätten und das Laboratorium Gibraltars". Da erzählt „Or. Bataille" im flottesten Neportersttl, wie er sich in eigener Person in das Innere des Gibraltarfelsens begibt und dort die Höhlen besucht, in denen Menschen und Dämonen mit Wissen der englischen Regierung die Requisite des Satansdienstes und die exquisitesten Gifte fabriciren. Tubalcain begrüßt ihn in feierlicher Rede (S. 533), zuerst „in ausgezeichnetem Französisch", am Schluß aber spricht er — Volapük, die „kürzlich erfundene Sprache, welche von dem Otto LiooelöiHuö angenommen worden ist." Beim Abschied aber „überreichte mir der Dircctor des occultist- ischen Laboratoriums ein einfaches kleines Fläschchen, das kaum einige CentilitreS faßte; es enthielt einen Stoff, mit dem man in einer Zweimillionenstadt wie Paris eine mörderischere Cholera als die Hamburger von 1892 hervorrufen könnte. Andern Tags habe ich daS verfluchte Ding in's Meer geworfen." Diese und noch unzählige andere Sachen erzählt „Or. Bataille", ohne mit einer Wimper zu zucken, und der feierlichste Ernst durchweht auch seine Vorrede: Wie sein kranker Freund Carbuccia, von Reue über seine satanistische Vergangenheit ergriffen, ihm seine Sünden beichtet und ihn in den Stand setzt, sich in die geheimsten Logen einzuschlcichcn und als Augen- und Ohren-Zeuge „die lucifcrianische Freimaurerei" zu entlarven. Jetzt ist Carbuccia ein frommer Christ und lebt in tiefer Verborgenheit — seinen Aufenthaltsort darf der discrcte Dr. Bataille natürlich nicht verrathen, eben so wenig wie heute Herr Leo Taxi! verrathen darf, wo die unauffindbare Miß Vaughan vor der Rache der Freimaurer sich verbirgt. Man sollte es für unmöglich halten, daß vernünftige Leute auf ein solches Buch hereinfielen, und eine Reihe katholischer Blätter Frankreichs, so der Monde, die Vvrito und die Scmaine religiense von Cambrai haben es denn auch von Anfang an als „Roman, illustrirtes Feuilleton" usw. behandelt. Aber das tolle Buch hatte manche Eigenschaften, die nur zu sehr geeignet waren, harmlose Seelen auf den Leim zu führen. Es war glänzend geschrieben, verrieth die Kenntniß einer ausgedehnten Fachliteratur, flocht bekannte Wahrheit und neue Dichtung rasfinirt zu einem kaum entwirrbaren Knäuel zusammen — und triefte von Frömmigkeit. So wurde es möglich, daß die Macher sich auf eine Menge von Zustimmungserklärungeu auch aus geistlichen Kreisen Frankreichs berufen und eine Reclame des Verlegers das Urtheil des guten alten Canonicus Muskel citiren konnte: „Lebhaft und leidenschaftlich angegriffen, bleibt das Werk des Or. Bataille intact und geht triumphirend aus dem Widerspruch hervor. Es ist eine furchtbare, aber wahrhaftige Enthüllung des Cultus und der Werke Satans in der ganzen Welt in unserer Zeit" (Revue cath. de Coutances 29. März 1895). Wer ist nun „Dr. Bataille", dessen anonyme Autorität hinreichte, um weitern, auch gebildeten Kreisen Frankreichs den «nassesten Aberglauben mundgerecht zu machen und dem oder den Verfassern des Oiablo au 19. siöolo riesige Summen in die Tasche zu treiben? Einer von diesen Verfassern ist längst bekannt, wenn auch nicht allgemein. Im Vorwort führt sich „Or. Bataille" als Schiffsarzt der Messageries Maritimes ein, als welcher er 1880 die Bekanntschaft des reuigen Carbuccia gemacht haben will. Dieser Schiffsarzt — denn das ist er wirklich gewesen — ist Herr Or. Charles Hacks, ein Pariser Arzt, der kürzlich bei der Enthüllung ! der Schwindel-Affaire der „Seherin der Nue Paradis" in Paris oft erwähnt wurde. Die Revue Maxonnique hat den Namen genannt, das Londoner Tablct noch ganz kürzlich ebenfalls, und in Paris weiß es eine Menge Leute, auch der Abbe de Bcssonieö, der in Tricnt so eifrig als Kämpe der Diana Vaughan auftrat. Ernsthaft bestricken worden ist unseres Wissens seine Betheiligung niemals. Ist er ein Betrogener? Nein. Dafür ist er zu gcscheidt, und man braucht nur einige Seiten der zweifellos von ihm geschriebenen Einleitung gelesen zu haben, um den Gedanken fallen zu lassen. Gläubige Seelen aber machen wir zum Uebeifluß aufmerksam auf ein Buch, das eben derselbe Or. Hacks ganz kurz vor dem Erscheinen des Oialcks unter seinem wirklichen Namen geschrieben hat: (Marios Ilaolrs, Oe Oosto. (1892, I'aris. Narpon 8e Olammarion.) Man lese dort den Abschnitt Oo Oosto icköratihno, los roli§ions Mr lours Zostos (S. 111 ff.) mit seinen Ausfühumgen über die Person Christi und daS Christenthum — fast auf jeder Seite die rücksichtslose Sprache des erklärten Freidenkers ohne eine Spur von Glaubens-Ueberzengnng. Das ist derselbe Mann, der kurz darauf als Or. Bataille ein von Verbeugungen vor dem Papste und frommen Redewendungen überfließendes Buch mit der Beschreibung eröffnet, wie er einem reuigen Luciferianer die Laien- bcichte abnimmt und diese Beichte zum Ausgangspunkte nimmt, um in einem Roman ü lu JuleS Vcrne den „Lucifcriancrn" zum Besten der Kirche bis in ihre geheimsten Schlupfwinkel nachzuforschen! Wir sagen damit nicht, daß Or. Hacks das ganze Buch geschrieben hat, sind vielmehr vom Gegentheil überzeugt. Manche Partien sind ihm mehr oder minder sicher zuzuweisen, in denen der weitgereiste Mann, der Mcdi- ciner und Kenner des modernen spiritistischen Treibens zu Tage tritt. Andere Capitel verrathen schon durch den Stil eine andere Feder. Das Buch war ein C o m- pagniegrschüft, berechnet auf die menschliche Dummheit, ausgehend von dem Gedanken: Wir wollen doch einmal sehen, wieviel wir unsern lieben Landslenten vormachen können, ohne daß sie den Braten riechen; damit verdienen wir ein schönes Stück Geld, und wenn dabei möglichst viele xrotros hereinfallen, so ist das ein angenehmer Nebenerfolg. In Frankreich ist die Specu- lation leider in weitem Umfange geglückt. In Deutschland hat freilich unseres Wissens nur Or. Germanus. 331 der Theologe des Pelikan-Verlags, den ausgezeichneten Dr. Bataille mit gebührender Hochachtung citirt (Die Geheimnisse der Halle S. 14). Der Charakter des „Dr. Bataille" dürfte damit genügend aufgeklärt sein. Wir hätten uns nicht so lange mit seinem Buche beschäftigt, wäre er nicht der Erfinder der „Miß Diana Van ghan" oder mindestens der Arrangeur der ganzen mit ihr getriebenen Komödie, der Geschäftsführer der Barnumiade, die man mit ihre« Namen geschmückt hat. Auf das schärfste muß betont werden, daß „Dr. Bataille" diese Heldin schon im Sommer 1893, also lange Zeit vor ihrem angeblichen Austritt aus der Freimaurerei oder gar vor ihrer „Bekehrung", auf der Bühne erscheinen läßt: zum Theil dieselben Märchen, die der gläubige Dr. GermanuS aus ihren Memoiren citirt, kann man schon bei Bataille I. 709 ff. lesen, in einer Lieferung, die im Juli oder August 1893 erschien, ihre Einführung in den „Pal» ladismuS", daneben auch den geistreichen Schlachtbcricht ihres Specialteufels Asmodäns, bei einem Kampf zwischen Engeln und Teufeln habe er dem Löwen des hl. Markus den Schwanz abgehauen — Herr Dr. Bataille hat die Güte zu erklären, hier habe Asmodäus gelogen — und die schreckliche Geschichte vom Herrn Bordone, dem Asmodäus den Hals herumdreht, weil er gegen Diana in- triguirt; zu seinem Glück dreht ihm die gutmüthige Diana nach „20 oder 21 Tagen" den Kopf wieder richtig herum. Man beachte, daß einige Jahre später die „Memoiren Diana'S" den Bericht des Dr. Bataille im wesentlichen „bestätigt" haben, daß sie ihn noch 1896 in ihrem „Bs 33 ^ 6risxi" bestätigend citirt — damit weiß man eigentlich genug, wenigstens könnte man genug wissen. Im 2. Bande (II, 847) wird dann daS Thema Diana Vaughan weiter gesponnen, mit welcher „Dr. Bataille" „lange Unterhaltungen gehabt" hat. Es hat keinen Zweck, auf die ganze Kette wunderbarer Dinge einzugehen, die er von Diana Vaughan zu melden weiß. Die Hauptsache ist, daß er die „Luciferianerin" als eine im Herzensgrund ganz prächtige Dame schildert, die in ihrer „Blindheit" leider auf verkehrten Wegen wandelt. Ihre spätere „Bekehrung" wird offenbar systematisch vorbereitet. Namentlich wird hier (848) schon ihre „angemessene Bewunderung für Jeanne d'Arc" hervorgehoben, die später als Brücke für ihre „Bekehrung" herhalten muß. Auch sei erwähnt, daß ihre Todfeindin Sophia Wälder, die schon genannte „Urgroßmütter des Anti- ChristS", und der famose Teufel Bitru schon bei Bataille eine große Rolle spielen. Kurz, in seinen Umrissen erscheint bei Bataille schon der ganze Humbug, der später unter dem Namen „Miß Diana Vaughan" aufgeführt worden ist. Dasselbe Handwerk wurde betrieben in den beiden Monatsschriften, die „Dr. Bataille" zur Neclame für den Oialols au 19. siöols herausgab, im Lnllstill lnonsusl (1893) und in der Bsvus Neusuells (seit Anfang 1894), zu deren gegenwärtigen „Mitarbeiterinnen" bekanntlich auch „Diana Vaughan" gehört. Im Bulletin vo« Oktober 1893 wird ein (natürlich gefälschter) Brief von ihr veröffentlicht, in dem sie sich über ihr elendes Porträt im Vialols (I, 705) beklagt. Die erste Nummer der ksvns (im Titel ausdrücklich als 6owplsmsnt äs 1a publi- vation Bs Olaläs au 19. siövls bezeichnet) enthält einen ellenlangen Bericht des Ooinmavclsur I?isrrv Bantisr, zitirt aus dem Loks äs Itoms, über seine Zusammenkunft mit Diana in Paris, die ihm der liebenswürdige Dr. Bataille vermittelt. Ich kann das Citat nicht prüfen und muß es dahingestellt fein lassen, ob der ganze Bericht gefälscht ist, oder ob Dr. Bataille sich den Scherz gemacht hat, irgend ein Pariser Frauenzimmer diese Rolle der Diana Vaughan spielen zu lasten. So viel ist sicher, daß auch auS diese« Bericht wieder zum Greifen deutlich der übermüthige Humbug zu Tage tritt, der uns im Oiadls aus allen Ecken angrinst. Man lese nur ein paar Sätze aus der Schilderung des Dejeuners, mit dem Diana Hrn. Lautier erfreut: „Als man uns den Kaffee fervirt hatte, ließ Miß Vaughan Liqucur bringen; sie verlangte Fine Champagne und Chartreuse. Ein brmerkenS- werthes Detail: sie rührte diesen Liqucur nicht an und machte sich sogar den Spaß, ihn uns anzubieten, wie ein Kind, das eine kleine Bosheit begehen will; sie selbst aber trank ganz alten Cognac. Die Feindschaft gegen die Kirche, bis zur Enthaltung vo« Liqucur der Carthäuser getrieben, das ist bezeichnend! Wir merkten es und lachten. Da sagte die Luciferianerin: Ein adonaitischer Liquenr, das ist nichts für mich." AIs ich das laS, glaubte ich beinahe, „Ör. Bataille" lachen zu hören. Nachde« der oder die Fälscher die Probe darauf gemacht hatten, daß sie selbst für die ausgelassensten Tollheiten noch Gläubige fanden, glaubten sie sich natürlich alles gestatten zu dürfen. Im Bulletin vom April 1894 wird in Fettdruck mitgetheilt: Diana habe ihre Entlassung aus der Freimaurerei genommen, Documente von der größten Wichtigkeit würden jetzt bekannt werden. Der Nest ist bekannt: „Dr. Bataille" verschwand in der Versenkung, als neues Gestirn stieg auf „Miß Diana Vaughan", die „unabhängige Palladistin", die »Bekehrte", die „Heilige", wie ein geistlicher Landsmann des „Dr. Bataille" sie in Trient genannt hat, und schrieb „Enthüllungen", daß die Balken krachten. Sie gründet das Ballaäiuin rsAsnsrs als würdiges Seitenstück zum Bullstin und zur Ravus Llsususlle, sie beglückt letzteres mit ihrer Feder und zankt sich neuerdings dort in massiven Ausdrücken mit Domenico Margiotta über die Frage herum, ob sie existire oder nicht. Seit Juli v. I. hält sie die Welt mit ihren Memoiren zu« Besten, und die Krone des Ganzen bildet 1-s 33 türlsxl, beginnend mit dem Prachtsatz: „Die Zahl drei spielt im Leben Crispi's eine gewisse Rolle. Er ist Trigamist. Er ist in Italien der Mann des Dreibundes. Außerdem ist er schon zwei Mal gestorben und wird demgemäß ohne alle Frage zu« dritten Mal sterben", gipfelnd in dem „Document" von der Großmutter des Antichrists. Zur Ergänzung und „Bestätigung" dient noch ein ganzer Pack sonstiger ^anti- freimaurerischer" Literatur, der Bnoiksr äsmasqus von dem angeblichen bekehrten Freimaurer Doinel alias Jean Kostka alias Kostka de Borgia; der ^ntiwaaoii; 1a IHans-matzoiiQsris äsrnasHnss, die Bivista anti- rnassonioa; Domenico Margiotta usw. usw. Der eine mehr, der andere weniger, Betrogene oder Betrüger, weben sie alle mit an den Maschen des Netzes, welches ein Pariser Geschäfts-Consortium zuerst im viabls an 19. siösle der Leichtgläubigkeit nur zu weiter Kreise über den Kopf warf. Immer wieder muß ja betont werden, daß dieser zweifellos erdichtete Roman bereits alle Elemente der spätern „anti-freimaurerischen" Literatur enthält, die palladistischen Triangel, das Freimaurer-Papstthum, sowie die Geschichten von Pike und Lemmi nicht ausgeschlossen. Daß an dieser spätern Entwickelung vr. Hacks noch betheiligt ist, glaube ich nicht. Die Rsvus auii- 332 matzvimiqns meinte neulich, er habe sich zurückgezogen und das weitere der Madame Leo Taxil überlassen, die jetzt unter dem Namen Diana Vaughan schreibe. Ersteres wird richtig sein; mit dem zweiten thut die Revue der Madame Taxil wohl zu viel Ehre an. Sie mag etwas mitarbeiten, aber für gewöhnlich dürste „Miß Diana Vaughan" — Hosen tragen. Es ist wohl einer der kleinen Scherze des Dr. Bataille, wenn er (I, 720) mittheilt, „Frl. Vaughan trage gern Männerkleider" — das kann man ihm glauben. Man erkundige sich bei Hrn. Leo Taxil selbst, der in seinen früheren Bekenntnissen so anschaulich beschreibt, wie meisterlich er als Freimaurer zu fälschen verstand, der in der ersten Nummer der Revue Neneuelle so warm und herzlich für seinen „Freund" Dr. Bataille eintritt, der neulich in Trient als begeisterter Kämpe der unauffindbaren Miß auftrat und die Zweifler mit Schimpfereien und albernen „Beweisen" überschüttete, bei Leo Taxil, der die Mitglieder des Congresses so gemüthlich vor sich selbst warnte, da man eines bekehrten Freimaurers vor seinem seligen Ende niemals sicher sein könne. Die Parteigänger der Miß auf dem Trienier Con- greß zeigten sich ängstlich besorgt um das theuere Leben der schätzbaren Dame, die seit ihrer „Bekehrung" spurlos verschwunden ist, natürlich aus Angst vor den Freimaurern. Das stimmt schlecht zu ihrem kühnen, entschlossenen Charakter, wie ihn ihr Intimus vr. Bataille uns schildert. Was könnte ihr auch die Flucht vor den Freimaurern helfen? Der Rache ihres Leibteufcls As- modäus könnte sie doch nicht entgehen, der ihr ebenso gut den Hals herumdrehen kann, wie einst ihrem Widersacher Bordone. Es stimmt auch schlecht zu dem Helden- thum der Zwillingsbrüder Leo Taxil und Dr. Bataille, die sich bei all' ihren „Enthüllungen" keinen Pfifferling um Dolch und Gift gekümmert haben, nicht einmal um Tubalcain und den ersten Dircctor des luciferianischen Laboratoriums im Felsen Gibraltar. Sie haben's auch nicht nöthig. Wahrlich, wenn Bataille und Vaughan nicht schon da wären, die Freimaurer müßten sie erfinden, denn sie leisten ihnen mehr als ein halbes Dutzend Großoriente zusammengenommen. Man weiß unter diesen Umständen nicht, ob man lachen oder sich ärgern soll, wenn die Vaughanisten der katholischen Presse Deutschlands „Begünstigung der Freimaurerei" vorwerfen, weil sie von dem Verstände, welchen der liebe Gott den Menschen gab, bessern Gebrauch gemacht hat, als andere Leute. Jeder, der mitschreibt an dieser supsrstitiösen Literatur und mithilft an ihrer Verbreitung, jeder, der einen Finger rührt zur Vertheidigung jener findigen Pariser Literaten, welche den Aberglauben des 19. Jahrhunderts in Kassenscheine umsetzen, unterstützt bewußt oder unbewußt das freimaurerische Anti-Kirchenthum. Denn was ist die Wirkung dieses durch Betrüger von langer Hand vorbereiteten und durch Betrogene fortgesetzten Fcldzuges? Verbreitung von groben Lügen und Schwindeleien unter der Maske der Frömmigkeit; viele Katholiken, auch Geistliche, in Narrheiten verstrickt, während sie wahrlich ernstere Arbeit zu thun hätten; die Köpfe verwirrt; ehrwürdige Dinge, wie eucharistische Bewegung und geistliche Mystik, bis zur Unertrüglichkeit verquickt mit den abgeschmacktesten Münchhauseniaden; die Kirche lächerlich gemacht in einer Reihe ihrer Diener; der ernsthafte Kampf gegen die Freimaurerei behindert und compro- mittirt durch ein reguläres WindMhletigefecht — was kann ein waschechter Freimaurer mehr verlangen? Starke Worte, wird man vielleicht sagen, aber eS ist Zeit, daß sie gesprochen und beachtet werden, wenn die Kirche namentlich in Frankreich und Italien dem Schicksal entgehen soll, nicht nur nach außen compro- mittirt zu werden, sondern auch innerlich schweren Schaden zu leiden. Das Ende des 19. Jahrhunderts steht bei all' feiner „Aufklärung" unter dem Zeichen des Aberglaubens. In den verschiedensten Formen erhebt er sein Haupt, unter der Maske der Frömmigkeit wie unter dem Banner des FreidenkcrthumS, als kirchlich gefärbte Wundersucht oder kindische Prophezeiung wie als occultistischer Spuk. Bald muß der Herr Bischof von Regensburg verlogenen Kindern daS Handwerk legen, die das Volk durch „Erscheinungen" verführen, bald muß die weltliche Behörde sich um die fliegenden Erdapfel von Resau bekümmern; heute hält ein spiritistischer Club seine „Säancen", morgen muß der NeichS-Anzeiger vor dem neuesten Weltuntergangsgefasel warnen, und eben geht wieder in Berlin das Gerücht um, daß die „weiße Dame" im königlichen Schlosse spuke. Eine Fluth des Aberglaubens orängt heran, in letzter Zeit namentlich von jenseits der französischen Grenze, ein Aberglauben, kein Atom weniger albern und auf die Dauer auch gefährlich, wie die schlimmsten Orgien des Hexeuwahns im 17. Jahrhundert. In der Zurückdämmung dieser trüben Fluth von unserm Vaterlande darf man in erster Linie auf den deutschen Episkopat rechnen, denn „die Kirche ist die geschworene Feindin des Aberglaubens; und sie allein vermag ihn in wirksamer Weise zu' bekämpfen" (Bischof Simar, Der Aberglaube S. 52). Aber es ist hohe Zeit, denn auch in der deutschen VolkLliteratur religiöser Färbung — auch in Kalendern und Zeitschriften, wobei wir durchaus nicht bloß an den Pelikan denken — machen sich schon seit Jahren Erscheinungen bemerkbar, die zu denken geben. Die kirchlichen Autoritäten werden — das ist unsere Ueberzeugung — auf diesem Gebiete prüfen, warnen und nöthigensalls mit voller Entschiedenheit einschreiten, nach ihrem guten Recht und ihrer strengen Pflicht, in die That übersetzend die Worte, in welche vor 20 Jahren der jetzige hochw. Hr. Bischof von Pader- born die kirchlichen Grundsätze zusammenfaßte (Simar a. a. O. 55): „Die Kirche hat für jenes ganze Gebiet des Ueber- natürlichen ihren Gliedern als sichern Führer und untrüglichen Maßstab das apostolische Wort allzeit dargeboten: „Glaubet nicht jedem Geiste, sondern prüfet die Geister, ob sie aus Gott." (Joh. 4, 1). Sie verlangt nicht nur die strengste und gewissenhafteste Beweisführung für die Thatsächlichkett angeblicher übernatürlicher Vorkommnisse, sondern auch eine ebenso strenge, allen Ansprüchen der Vernunft und des Glaubens genügende Feststellung ihres übernatürlichen Charakters. Nur wenn diesen beiden Forderungen vollkommen genügt ist, gestartet sie den Gläubigen, dieselben als göttliche Thaten oder Zulassungen zu verehren, ohne sie jeooch zum Gegen- stanoe ihres allgemeinen und für alle ihre Glieder pflicht- mäßigen Glaubens zu erheben. Diese Grundsätze hat die Kirche immer geltend gemacht. Eben weil es sich bei dem Uebernatürlichen um außerordemliche Werke oder Zulassungen Gottes handelt, kann sie eS nicht 333 dulden, daß durch Leichtgläubigkeit, durch Selbsttäuschung oder Trug die Majestät Gottes und Seine Weltregierung verunehrt, oder ihr eigener Glaube an dieselbe, wenn auch nur scheinbar, in den Augen der ungläubigen Welt compromittirt werde." Propstei «nd Pfarrei Litzlohe.*) Es war ein Herzenswunsch des Frankfurter Historikers Fr. Böhmer, daß sich die katholische Geistlichkeit vor allem mit der Geschichte besassen möge, da ja in der Kenntniß der Vergangenheit die sicherste Waffe zur Vertheidigung gegen die böswilligen Angriffe der Gegenwart gegeben sei. Unter diesem Gesichtspunkte begrüßen wir jede Pfarr- geschichte als werthvollen Beitrag zu einer Diöcesan- geschichte, weil nur auf dem Untergründe der einzelnen Pfarreien eine vollständige Darstellung des kirchlichen Lebens in der Vorzeit erzielt werden kann. Pfarrer Lehmeier hat sich der dankenswerthen Mühe unterzogen, den Spuren der Entwicklung seiner Pfarrei Litzlohe bei Neumarkt in der Oberpfalz bis in die entlegenste Periode nachzugehen. Er erzählt uns, daß Litzlohe von 700 bis 1537 eine Propstei des Benediktinerstiftes St. Emmeran in Negensburg gewesen sei: gewiß ein anregendes Thema. Leider fließen die Quellen zur Erhärtung feiner Thesis sehr spärlich; wird ja doch Lucilinaha d. h. kleines Wasser erst im Jahre 1031 in einem Nenteuverzeichnisse von St. Emmeran genannt. Was der Verfasser über das Alter Litzlohe'S, das er bis in die Zeiten des heil. Nupertus Hinaufrücken möchte, vorbringt, geht über den Grad bloßer Vermuthung nicht hinaus. Daß der heil. Nupertus erst 696 nach Bayern gekommen sei, behaupten zwar Mabillon und Hansiz nebst zahlreichen neueren Forschern, wozu wir indessen Preger, der ein Lehrbuch der bayerischen Geschichte, und Vogel, der 1855 eine Hciligenlegende geschrieben hat, nicht zu rechnen vermögen; aber gegen diese chronologische Annahme spricht mit aller Entschiedenheit die sogen. Salzburger Ueberlieferung, welche sich stützt auf die erste authentische Lebensbeschreibung des Apostels der Bayern. (Anthaller, Geschichte der Rupertusfrage, S. 149; Seefried, Die eealasia, katana und das Zeitalter des heil. Nupertus, Beilage der Angsb. Postztg. 1892; Histor.-Pol. Blätter Bd. 109 S. 573.) Ebenso bcstritten ist das Zeitalter des heil. Emmeran selbst. (Kirchenlcxikon von Hergcn- röther-Kaulen IV, 450.) Mit höchster Wahrscheinlichkeit darf jedoch dem heil. Nupertus die Priorität zugesprochen werden; denn er kam zu einer Zeit nach Bayern, als Herzog Thcodo und seine Großen noch Heiden waren und erst durch die Predigt des eifrigen Glaubensboten für das Christenthum gewonnen wurden (Kleimayrn, Juvavia, Anhang II; Kcinz, inäiaulus ^rnouis p. 27). Die zeitgeschichtliche Einreihung Nuperts wird wesentlich erschwert durch die Unsicherheit der Geschlcchtsabfolge der agilolfingischen Herzoge (Niezler, Bayer. Geschickte I, 78). Demnach steht das Alter Litzlohe'S aus dem beiläufig angenommenen Jahre 700 auf sehr schwachen Füßen. Das; Litzlohe wenigstens rm 12, Jahrhunderte bis zum Jahre 1333 eine förmliche Propstei der reichbegabten Abtei St. Emmeran in Regensburg gewesen sei (S. 51), ist urkundlich sehr schwach belegt. Nur ein einziger *) Von Jakob Lehmeier, Kammcrer und Pfarrer. Druck der I. M. Lögl'scbcn Buchdrucker« in Neumarkt i. Q. 1896. M7 S. Preis 2 M. Name aus dem Jahre 1262 kann aufgeführt werden. Leider hat Lehmeier die Originalquellen Llonura. Doiou oder Mresaurus rwsoä. uoviss. von Pez nicht citirt; die Angaben der Bavaria oder auch Löwenthals sind oftmals nicht recht zuverlässig. Daß von 1333 an der jeweilige Pfarrer von Litzlohe, welcher dem Weltpriesterstande entnommen wurde, den Ehrentitel „Propst" (S. 8) geführt habe, klingt sehr unwahrscheinlich. Denn die Bezeichnung: Propst, xwaaiwsitus findet sich naturgemäß nur an Dom- oder Collegiatkirchen, wo mehrere Geistliche in gewisser Unterordnung angestellt waren. Die bloßen Ehrenbenennungen, wie Propst, Geistlicher Rath, bei Seelsorgsgeistlichen gehören erst der Etiquette einer späteren Periode an. Litzlohe verehrt seit unvordenklichen Zeiten den König Oswald von Nordhumbrien, welcher am 5. August 642 auf dem Maserfelde im Kampfe gegen Penda, den Fürsten der heidnischen Mercier, gefallen ist, als Kirchenpatron. Wenn man von den Pfarreien, welche dem hl. Martin von Tours, dem hl. Remigius von Reims usw. geweiht sind, auf fränkische Colonisation zurückschließt (Grupp, Culturgeschichte des Mittelalters I, 196), so deutet der Name Oswald sicherlich auf schottischen Ursprung hin. Beda berichtet nun in seiner englischen Kirchengeschichte (Iiistoria, seolesiustiaa Zentis ^nglorurn oä. Holäar lili. III, o. 3) ausdrücklich, daß Oswald, welcher in langjähriger Verbannung durch schottische Priester für die Lehre des Kreuzes war gewonnen worden, nach Antritt der Regierung über die Anglen Priester aus Schott- land sich erbeten habe, um dem Heidenthume den Todesstoß zu versetzen. Bei der bekannten Wanderlust der irisch-schottischen Mönchs (Grupp, t. o. I, 182) ist wohl anzunehmen, daß einzelne auf ihren Missionsreisen auch in die waldreiche Gegend von Litzlohe gekommen seien und zu Ehren ihres hochgefciertrn königlichen Märtyrers, dessen Beda nur mit den höchsten Lobeserhebungen, wie i-6x eliristiaiussimus (II, 5), gedenkt, ein Kirchlein erbaut haben. Der Name Oswalds war nicht bloß in England wohl geehrt, sondern sein Ruhm drang auch über das Meer nach Irland und Deutschland, erzählt schon Beda (1. o. III, 13).*) Wäre Litzlohe von Mönchen des Stiftes St. Emmeran zu Negensburg christianisirt worden, so hätten dieselben sicherlich ihren eigenen Patron auch zum Schutzhcrrn der Kirche in der neuen Besiedelung erwählt. Daß die irisch-schottischen Mönche dem Benediktiner- orden angehört haben, wie Lehmeier S. 3 und öfter behauptet, dürfte sich kaum festhalten lassen. Allerdings gab es seit der Entsendung des hl. Abtes Augustin durch Papst Gregor den Großen 596 Benediktiner in der Hcptarchie, aber die wanderlustigen Söhne Irlands und Schottlands befolgten als Priester und Mönche die Regel des hl. Patrick und des hl. Columba. Gerade gegen das ') Ueber Schottenspitäler in Frankreich spricht sich Kanon 40 der Synode von Meaux 846 sehr lobend aus und fordert deren Wiederherstellung (Hefele, Conciliengesch. IV. 115; Past.- Bl Eiwsiätt VIII, 90). Das S. 3 erwähnre Dorf mit einer Sr. Oswaidkircbe beiß! dermalen: Unrerickwaningen bei Wasscr- trndingen. Im Martyrologium von Ado wird Oswald noch nicht crwäbnt (eä. OeorAi, Hamas 1744 x. 379), dagegen bei Lebner: Mittclalterl. Kirchenfeste und Katendarien, oft, z. B. S. 82, 112, 135. 154,164; auch fehlt er im üamberger Missale aus dem Anfange des 11. Jahrh., das Sauerland im Hestor. Jahrh, der Görresgesellsch. Bd. VIII, 475—487 (1837) herausgegeben bar. Im Jahre 789 erhielt das Kloster Herford in Westfalen „des bl. Oöwclldi Heiligthnm". Kirchenlex. IX, 1145. Lt. ^UL. II, 83. öagtrende Leben der Schottenmönche war die Verpflichtung der Benediktinerregel gerichtet, immer im gleichen Kloster zu bleiben. (Grupp, I. o. I, 183; Kirchenlex. III, 673.) Wie aus Beda ersichtlich ist, unterschieden sich die irischschottischen Mönche und Priester außer Abweichungen in Tonsur und Kleidung hauptsächlich durch die Zeit der Osterfeier von den römischen Benediktinern (I. a. III, 25). Daß gerade Messer das Vaterland des hl. Bonifatius und des HI. Willibald gewesen sei, läßt sich weder aus den Briefen des Apostels der Deutschen, noch aus deu Aufzeichnungen des Mainzer Priesters Willibald, noch aus den Nachrichten der Nonne von Heidcnheim erweisen. Zu S. 21 sei bemerkt, die Nonnen von Engelthal befolgten nicht die Regel des hl. Dominikus, sondern jene des hl. Augustinus (Falckenstein, tlutic;. NoräA. II, 332; Suttner, Schematismus für das Jahr 1480 x. 87). Im Jahre 1537 vertauschte der Fürstabt Leonhard von St. Emmeran die Besitzungen in Litzlohe an den Pfalzgrafen Friedrich II., welcher auf den nahegelegenen Schlössern Heimburg und Deinschwang gerne verweilte, gegen die Hofmark Kager. Unter dem Scepter der Kurpfalz machte Litzlohe alle die religiösen Wandlungen der jeweiligen Herrscher durch, welche zwischen Lutherthum°) und Kalvinismus stets schwankten, bis endlich durch Maximilian von Bayern 1625 der katholische Gottesdienst wiederhergestellt wurde. Der dreißigjährige Krieg, der österreichische Erbfolgekrieg brachten unsägliches Elend über die Pfarrei. Die Angabe (S. 89), daß 1691 Weihbischof Adam Nieberlein von Eichstätt am Sonntag nach Jakobi die Liebfrauenkirche in dem Filialdorfe Trautmannshofen eingeweiht habe, ist unrichtig, da derselbe erst am 29. April 1708 zum Bischof consecrirt worden ist; vor ihm bekleidete Christoph Nink von Balderstein die Würde eines Suffraganbischofes (Strauß, Viri ingiAnes L^ststtsiwas p. 348). Einige gar zu kräftige Ausdrücke S. 74, 76 wären besser unterblieben; der Satz S. 92 vom Schutze des hl. Michael über den Markt Lauterhofen klingt wie Spott; auch haben sich vielfache Wiederholungen eingeschlichen, woran allerdings die Anlage des Werkes Mitursache ist. Unseres Er- achtens hätte die Darstellung der Profangeschichte sehr eingeschränkt werden sollen; denn gar viele Grafen und Herzoge, deren Namen und Hauptaktionen erwähnt werden, standen zu Litzlohe in einem sehr losen Verhältnisse. Erwärmt und gehoben wird der Leser durch die großartige Opferwilltgkeit der Kirchengemeinde Litzlohe, welche, 750 Seelen zählend, von 1877 bis 1896 die Summe von 10,987 M. zur Nestaurirung der Pfarrkirche durch freiwillige Beiträge aufgebracht, und durch den unverdrossenen Eifer des Herrn Expositus Färber, welcher behufs stilgerechter Erneuerung der Ftlial- und Wallfahrtskirche zu Trautmannshofen die hohe Summe von mehr als 25,000 M. zusammengetragen hat! Gewiß, eine solche Freigebigkeit der Geber und eine derartige selbstlose Hingabe des Sammlers verdienen alle Anerkennung. Wir schließen unsere Besprechung über Lehmeiers Buch mit dem Wunsche, daß der Pfarrgeschichte von Litzlohe bald andere nachfolgen mögen; denn gerade durch die Kenntniß der Vergangenheit wird in den Pfarr- angehörigen selbst die Liebe zur Mutterkirche geweckt und befördert. Schönfeld. Hirschmann. ') Ob Butzcr wirklich den Kindern der Obcrpfalz zu Gesichte gekommen sei und der Schreckruf: Der Außer kommt! (S. 63) daher datire, erscheint sehr fraglich (Kirchenlex. II» 16Z7). Die Jahresmappe der Deutschen Gesellschaft für christliche Kunst. Von I. P. Endlich ist die Jahresmappr, welche die Deutsche Gesellschaft für christliche Kunst herausgibt, erschienen. Diese Verzögerung zwingt allein schon zu einem strengeren Maßstab; denn braucht gut Ding Weile, so hat es dieser Leistung an der Zeit gewiß nicht gefehlt. Die Mappe ist aber auch bereits die vierte ihrer Art und konnte deßhalb an den Erfahrungen ihrer Schwestern sich bilden. Ueberdies dient sie einer herrlichguten Fahne und muß sich in Anbetracht dessen auch eine strengere Kritik gefallen lassen. Für die christliche Kunst ist nur das Beste gut genug! Die heurige Mappe als Ganzes ist an Qualität und Quantität ein Fortschritt; i« Einzelnen kann man anderer Meinung sein. Zunächst soll diese Publikation der Welt künden, daß es noch christliche Kunst und Künstler gibt. ES ist ihr gelungen! Dann soll sie eben durch diese That künstlerisches Verständniß und damit Verlangen nach künstlerischer Arbeit wecken. Endlich will sie allen Freunden der hl. Kunst ein Dankeszeichen für ihre Theilnahme an den Bestrebungen der christlichen Künstler bieten — und eS ist ein edles, werthvolles Vergißmeinnicht geworden! Die Mappe umfaßt 12 Foliotafeln in Kupferdruck und Photothpie, 20 Abbildungen im Text nebst einem Geleitwort und Erläuterungen zu den Bildern und deren Meistern von Pfarrer Festing. Festing ist gewiß der geeignete Mentor auf dem Gebiete der christlichen Kunst und ein verdienter Vorkämpfer derselben; aber gerade deßhalb sind wir ihm ein wenig gram, daß er so karg war an wirklich einführenden und erläuternden Worten. Es handelt sich in einer derartigen Mappe, die von den Gegnern todtgeschwiegen und von den Leuten im eigenen Lager vielfach noch verkannt wird, doch vor Allem darum, daß immer wieder auf die Principien der heutigen christlichen Kunst hingewiesen und sie an den vorliegenden Bildern erläutert werden. Die beschreibenden Bildertexte L la Familienblätter, die meist nichts anderes sind, als eine schwerverdauliche Sauce über einen sonst guten Brocken, können die Ideen der Gesellschaft für christliche Kunst nicht gerade Vortheilhaft verbreiten. Es sollen diese Erläuterungen eine künstlerisch empfundene und ästhetisch sichere Erklärung des Gedankens und seiner Durchführung fein, wobei in vergleichender Weise auch auf die alte Kunst zurückgegriffen werden könnte. So hätten z. B. die Propheten von Samberger eine interessante Parallele mit den Aposteln von Albrecht Dürer zugelassen. Man hätte zeigen können, wie in beiden Fällen die monumentale Größe der dargestellten Persönlichkeiten im Gesichte con- centrirt erscheint, und wie alles Andere dagegen verschwindet. In keinem feiner Werke hat sich Dürer eine solche, fast übermenschliche Gewalt angethan, wie in der Behandlung des Gewändes dieser vier Gottgefandten. Gerade von diesem Punkte aus konnte dem Laien die tiefe Auffassung SambergerS klar gemacht werden, der sonst immer dunkel und schwer verständlich bleibt. Der in Kunstdingen weniger Unterrichtete wird sich an der Gewandung der Propheten stoßen; sie wird ihm zu nonchalant sein, so daß er darüber ganz die gewaltige Kraft 335 dieser Augen, die Beredsamkeit dieses Mundes, die Ausdauer solcher Stirnen übersehen zu müssen glaubt. Ja, es werden sicher auch Heuer wieder Stimmen laut gegen die Samberger'sche Kunst, die in der Mappe nur einen begeisterten Verherrlichet:, aber keinen Deuter gefunden hat. Die Bilder und Statuen der verschiedenen Stilarten hätten in ihrer Anpassung und Nachempfindung klarer gewacht werden sollen; bei Kolmsperger z. B. wäre eine passende Gelegenheit gewesen, dieses Künstlers vorzügliche Kenntniß des Barockstiles an den vorhandenen Beilagen zu erläutern. Die Notizen über die persönlichen Verhältnisse der Künstler interesfiren uns bei einem Dürer, Nasfael, Michelangelo u. dgl., nicht aber bei werdenden oder weniger originellen Künstlern; bei historischen, aber nicht bei mitlebenden Größen. Solange die christliche Kunst dieser Gesellschaft immer noch Mißdeutungen bei Zeitschriften, welche selber christliche Kunst pflegen, ausgesetzt ist, muß der Schriftsteller dieser Schaar wehr apologetisch und klärend wirken und das Lob der eigenen Leute, oft selbst berechtigtes, in den Hintergrund stellen. Hat doch die Zeitschrift von Schnüttgen über die Mappe des Vorjahres gesagt: „Die einzelnen Schöpfungen sind mehr beschrieben und verherrlicht, als kritisirt." Die allzu häufige Betonung des Monumentalen in den einzelnen Kunstwerken schien uns auch zu weit zu gehen; denn manchmal wird es wirklich schwer, diese Eigenschaft zu entdecken; anderseits möchten wir seit der Schrift Walter Crane's über das Dekorative in der Kunst gerade die christliche Kunst davon profitiren lassen. Nicht verschwiegen soll sein, daß der schwierig zu schreibende Text von einer warmen Begeisterung und gründlichen Kunstkenntniß zeigt; allein gerade deßhalb hätten wir mehr von diesen guten Sachen gewünscht. Was die Auswahl der Bilder betrifft, so können wir über diese nicht urtheilen, da wir ja die Art und Zahl der auszuwählenden Werke nicht kennen; jedenfalls aber hat die Jury in dem Vorliegenden gut gewählt. Es ist diesmal auch die metallische Kunst vertreten, welche bisher gefehlt. Der Altaraufsatz des Hauptaltares der Bcnnokirche in München nebst den Leuchtern und dem Mcßkreuz sind prächtige Werke der Meisterwcrkstätte von Rudolf Harrach. Gern verzichtet hätten wir dagegen auf den Altar-Entwurf von Schnell. Er enthält gar nichts Originelles und eröffnet die Gefahr, daß in Zukunft noch mehr von der gleichen Kunst in die Mappe aufgenommen werden soll. Die einzelnen Blätter sind gut reproduzirt; besonders hervorgehoben sei außer dem schon Genannten eine harmonische Ansicht der St. Bennokirche, die freilich auch von außen die schönsten Formen und die einladendste Ansicht zeigt. Am Inneren ließe sich Manches aussetzen, das zu einem praktischen und künstlerisch abgeklärten Gotteshaus fehlt. Der Marienaltar von Schmitt ist in seinem Haupttheil, der Madonna mit dem Kinde, vorzüglich; über die Wirkung der bemalten Reliefs kann man wohl verschiedener Meinung sein. Die Reliefs am Wilhelmsaltar hat Albertsdorfer streng im Geiste des Stiles geschaffen, uns dünkt: fast etwas zu streng. Wir möchten von dem trefflichen Künstler einmal Selbstständiges sehen. Das Schreinrelief zu einem Herz-Jesu-Altar von Buscher erinnert an gute spätgothische Muster; es ist von. eigenartiger Auffassung, in der Compofition fein gegliedert, beinahe zu ausgezirkelt, aber lebenswahr im Einzelnen. Die Statuen des hl. Bischofes Martin und hl. Jakobus d. Aelt. von Bradl sind ergreifend im Ausdruck und von einer meisterlichen Einfachheit der Durchführung; die Haltung zeichnet sehr zart das Ehrwürdige des Alters dieser Beiden, ohne an seine Gebrechlichkeit empfindlich zu mahnen. Von den Gemälden ist das auffälligste eine Madonna von Schuster-Woldan; diese Reproduktion, deren Original wir nicht kennen, muthct uns beinahe wie ein Feuerbach an, dessen Größe aber nicht in der Darstellung Mariens liegt. Schuster hat ein unleugbar bedeutendes Talent; will er es aber in den Dienst der christlichen Kunst stellen, so male er vorher eine gottvertrauende oder betende Mutter, eine gläubige Familie, und dann erst versuche er eS mit dem Ideal aller Mütter, mit Maria! Die übrigen Bildwerke vertreten bekanntere Namen und können, auch weil die Werke theilweise nicht mehr neu sind, Übergängen werden. Sinnig und mahnend schmückt den Einband der Mappe eine Abbildung der Loalasia, von Busch, allen Besuchern des Münchner Katholikentages gewiß noch in Erinnerung. Diese majestätische Frau mit dem feinen Zug des Schmerzes, sie ist ja die Verkörperung der ecalssia. railitans, hat auch die junge christliche Kunst unter ihren Schutz genommen und schon manchem Strebenden aus der begeisterungsfreudigen Künstlerschaar den Weihekuß gegeben. Sie hat die keimende Kunst in ihrem Dienst geschaut wie deren höchste Blüthe; sie gibt auch einem neuen Samen die Kraft und Blüthe des alten! Möchten Alle, deren Mittel es erlauben, und vor allem Jene, welche ihr hl. Beruf in das Gotteshaus an besondere Stelle gefetzt, dafür sorgen, daß die Wohnung des Herrn Zeuge der christlichen Kunst werde, nicht aber ihrer Surrogate! — Der Herr gibt uns auch nicht Steine statt Brod! Gerade die heurige Mappe zeigt, welch stattliche Schaar wahrhaft echter Künstler in christlichem Geiste wir besitzen. Gebt ihnen große Auftrüge, sorgt durch Beitritt in die Gesellschaft (Anmeldung bei Herder in München) für Hebung ihrer Mittel, und bald soll die katholische Welt erfahren, daß auch der Künstler wächst mit seinen höheren Zwecken. Necensionen und Notizen. Die göttliche Wahrheit des Christenthums. In 4 Büchern. 1. Buch: Gott uns Geist. II. Beweisführung. Von vr. Her in au Schell, Professor der Apologetik an der Universität Würzburg. 8", S. XII, 726. Paderborn 1896, Schöningh. Preis 9 M. A: Der zweite Theil des ersten Buches der SchclI'schen Apologie des Christentbnmö liegt hicmit vor. Der erste Theil beantwortet die erforderlichen Grundfragen, insbesondere über das Verhäüniß von Glauben und Wissen, Religion und Verminst, Erkenntniß und Willen, Kausatgesetz und Uriächlich- keit, Goltesbegriff und Gottesglanben, und zwar des Gottes, welcher ist die reinste und vollkommenste, weil selbstständigsie Pcrsönlichkeir. Die Beweisführung im einzelnen (II. Theil) gehl zuerst von den allgemeinen Eigenschaften der Dinge und des Wcltganzen aus und begründet so die kosmo- logische Gotleserkenntniß. Diese umreißt den Con- tingenzbeweis auS der Zufälligkeit der Welt, den Kau- salitäkSbewciS aus dem ursächlichen Wirken der Dinge, den Nom alogischen Beweis anS der Gesetzmäßigkeit der Well und den Theologischen auS deren Zielstrebigkeit. Deutlich ergibt sich aus jedem dieser Beweise die Persönlichkeit dcö überweltlichen Gottes. Die psychologische Gotteserkenntniß gründet sich auf die Vorzüge des Seelenlebens und des menschlichen Geistes, dessen Beweis die nothwendige 336 Grundlage bildet für die psychologischen GoiteSbcwelse. Die Innenwelt der Seele führt mit Sicherheit zur Annahm- Gottes als desjenigen Wesens, welches die allein hinreichende Ursache der geistigen Thätigkeiten und daS allein hinreichende Zielgut der geistigen Anlage ist. Vom bedingten Bewußtsein der menschlichen Seele schließt der Ideologische GotteSbcweis auf das absolute, sclbstbestimmtc, schöpferische Bewußtsein, auf Gott. Der Noetische GotteSbcweis geht auS von der Erkenntniß des menschlichen Geistes, welche durch Uebereinstimmung mit der thatsächlichen Wirklichkeit zur Wahrheit gelangt, und schließt von hier aus die unbedingte Erkenntniß der ewigen Wahrheit in Gott selber. Der Ethische Gottesbeweis schließt von der bedingten, heteronomen Sittlichkeit, wie sie sich im menschlichen Willen kundgibt, auf die absolute Freiheit und autonome Heiligkeit. Der Religiöse GotteSbcweis geht aus von dem Gegensatze zwischen Verdienst und Schicksal, zwischen Sittlichkeit und Seligkeit, welcher wirklich in der Welt besieht; von der Unfähigkeit des Menschen, daS Ideal der Gerechtigkeit durch den Ausgleich zwischen innerem Werth und äußerem Schicksal zu erfüllen, und schließt davon auf Gott als jene ewige Macht, welche in absoluter Gerechtigkeit daS Gute allenthalben würdigt, unterstützt und einstens in angemessener Seligkeit vollendet. Gelegentlich der einzelnen Gotlcsbeweise finden der Materialismus, Pantheismus, Pessimismus und ihre verschiedenen Unterarten eingehendste Widerlegung. Des weiteren rechtfertigt sich der Verfasser auch gegen den seinem GotteS- begriffe der Selb st Ursache katholischerseits gemachten Vor- wnrs des innern Widerspruchs und der pantheistijchen Entwicklung (S. 126—144). Der drcieinigc Gottcsbegrifs deS selbst- ursächlichen Geisteslebens ist ihm der vollkommene Erklärungsgrund der Welt und aller Gegensätze wahre Vwiöhnung: Leben, Licht, Liebe! Damit ist die unermeßliche Ewigkeit mit fruchtbarem Leben ausgefüllt; damit aber auch der Welt das strahlende Urbild der freien Arbeit und reinen Thätigkeit gezeigt, durch welche allein sie zu ihrer Vollendung und Beselignng emporsteigen kann. Arbeit und Liebe sind die zwei großen Ideale, von welchen die Lösung der socialen Frage zu allen Zeiten abhängt. Sind beide von göttlichem Adel, wie der drei- einige GottcSbegrisf bezeugt, so sind Arbeit und Liebe auch auf Erden der einzig mögliche Weg zu wahrem Leben, zu wahrer Seligkeit und Vollendung. Grundzüge der Metaphysik im Geiste deS heiligen Thomas von Aguin. Unter Zugrundelegung der Vorlesungen von Dr. M. Schneid, bischöfl. Lhcemns- rector in Eichstätt, herausgegeben von Dr. Jos. Sachs, Professor am kgl. Lyceum in Negensburg. Zweite, vermehrte und verbesserte Auflage, gr. 8, S. VIII, 253. Padcrborn 1896, Schöniugh. Preis 3 M. U Achnlich den Grundzügen der Apologetik und Dogmatik von Bautz liegen uns hier die Grundzüge der Metaphysik (Ontologie, Kosmologie. Anthropologie, Natürliche Theologie) vor, und zwar in zweiter, vermehrter und verbesserter Auflage. Die erste Auflage wurde als Manuscript gedruckt und diente als Vorlage bei philosophischen Repetitiouen. Bei der neuen Auflage wurde neben dem Zwecke einer Vorlage beim Unterrichte zugleich dem Privatgebrauch mehr Rechnung getragen. Der Herausgeber ist Schüler des sei. Regens Schneid und tritt ganz in dessen Fußstapfen, Darum versteht eS sich auch ganz von selbst, daß die Grundzüge wirklich im Geiste des hl. Thomas von Aguin gehalten sind. Pietätvoll werden sie dem Andenken Schneids gewidmet. Sie zeichnen sich durch Klarheit und UebersichtliLkeit aus und erfüllen durchaus den vorgesetzten Zweck. Was uns nicht gefallen will und was wir für eine neue Auflage geändert wünschten, ist zunächst der lang- athmige Titel, dann die Bezeichnung „Anthropologie" statt der althergebrachten „Psychologie"; abgesehen davon, daß man gewöhnlich Anthropologie als die naturwissenschaftliche Lehre vom Menschen faßt. Bei der metaphysischen Psychologie sollen die Vermögen und Thätigkeiten der Seele aus ihrem Wesen verstanden werden; deßhalb wäre dies voraus zu behandeln. In der Ontologie fehlen die Vollkommenheiten des SeinS: Einfachheit und^Zusammensetzung, Unendlichkeit und Endlichkeit, Nothwendigkeit und Contingenz, Unveränderlichkeit und Veränderlichkeit, Möglichkeit und Unmöglichkeit. Statt „Gleichung" (S. 20) hieße cS wobl besser „Gleichheit" oder „Gleichförmigkeit", statt „komplett" (S. 33, 73 und öfter) „komplet". Bei der grundlegenden Wichtigkeit der Unterscheidung von Wesen und Dasein in den endlichen Dingen wäre ein bündiger Hinweis auf die Unzuträglichkeit der gegen die Lehre des hl. Thomas (S. 16) gebrachten Einwände am Platze. Diese beruhen nämlich ausnahmslos auf einer Verwechslung der Begriffe „Wesen" und „Dasein", im letzten Grunde auf mangelhafter Analyse des Seinsbegrisses (vgl. Commer, System der Philosophie, 1. Buch, 3. Kap., 8 3, 12; Astiara, Ontoloxia, D II, 6.1, L. VI (12); lädorators, OntoloZia, 6.1, III, n. 16, I; Commer, Jahrbuch. Bd. II ff.). _ Hilfsbuch zum Unterrichte in der biblischen Geschichte. Für Seminaristen und Lehrer bearbeitet von C. Hoffmann, Seminar- und Neligionslchrer. Habel- sckwerdt, Franke's Buchhandlung. Preis brvsch. 2,40 M., geb. 2,80 M. 05. Vorstehendes HilfSbuch will den Lehrer resp. Katecheten in die Lage versetzen, bei seiner jedesmaligen Vorbereitung auf den Unterricht in der biblischen Geschichte in verhältnißmäßig kurzer Zeit sich alles das anzueignen, was sür schulgerechte Bc- banvlung einer biblischen Geschichte noibwendig ist, ohne etwas Wesentliches dabei zu übersehen. So sehr zu wünschen ist, daß der mnstergiltige Commentar zur hl. Geschichte von Knecht, oder das jüngst erschienene Handbuch von Dr. Beck sich in der Hand eines jeden Lehrers und Katccbetcn befinde, so bleibt doch außer Zweifel, daß im Sckiulleben Umstände eintreten können, welche die Lektionsverbercitnng n»b einem der erwähnten ausführlicheren Commentare erschweren oder unmöglich machen. Für solche Fälle wird unser Hilfsbuch unbedingt gute Dienste leisten. Dasselbe schließt sich zunächst an Schuster-Mey an, ist aber auch sür jede andere biblische Geschichte verwerthbar. Jede Lektion zerfällt in Vorbereitung, welche den Zusammenhang der Geschichte mit dem Vorausgehenden kurz vermittelt, Erzählung, wobei die Gliederungspuukte in Stich- worten gegeben werden, Erklärung dessen, was in sprachlicher und sachlicher Beziehung eines Aufschlusses bedarf, und Auslegung, welche die in der Geschichte enthaltenen Lehren darbietet mit Hinweisung aus den Deharbe'schen Katechismus; eine Nutzanwendung auf das christliche Leben, insbesondere auf das Leben der Kinder schließt die Lektion ab. Durch Ver- schiedenbeit des Drucks ist rasche Orientirnng über die Hauptpunkte sehr erleichtert. Unter der Einschränkung, daß durch dieses Hilfsbuch die bewährten umfangreicheren Kommentare keineswegs erseht werden wollen, kann dasselbe für den diesbezüglichen Unterricht in der Volks- und wohl auch in den unteren Stufen der Mittelschulen unbedingt empfohlen werden. Historisches I a h r b u ch der G ö r r es gesel ls ch aft. Kommissionsverlag von Herder u. Cie., München. XVII. Jahrgang. 3. Heft. Inhalt: Aufsätze: Mahr, Znr Geschichte der ältere» christlichen Kirche von Malta. Widcmann. Die Passauer Annalen. — Kleine Beiträge: Jansen, War das Herzog- thum Lothringen im M.-A. NeicbSleh» ? I 0 cichiins 0 hn, Zu Gregor Heimburg. v. Funk, Rcnchlins Aufenthalt im Kloster Denkcndorf. — Recensionen und Referate: Gothein, Jgnatius von Loyola und die Gegenreformation (Paulus). Reinhardt, Di- Correspondenz v. Als. n, Girol. Casati mit Leopold V. von Oesterreich (Pieper). LonIIot, I?o3prit pndl. u. Iss promisr. aunecs (Tbijm). Darmstädtcr, Das Neichsgut in der Lombardei (Meister). Neuere kirchen- rcchtliche Literatur (Gietl). — Zeitfchriftenschau. — Novitätenschau. — Nachrichten. Oauels Linus igiturl Licdersammlung sür Schüler höherer Lehranstalten von E. Kosteiff. 6- (VII. u. 151 S.) Mainz. Kirchheim. 1896. In Wachstuchband gebunden 1,20 Mark. Alle Herren, welche mit der Erziehung der kathol. Jugend zu thun haben, wissen, welche Menge von CommerS- und anderen Liederbüchern in die Hände ocr Schüler höherer Lehranstalten kommt, ihnen aber nur für Glaube und Sitte Gefahr bringt. Es wird deßhalb von allen Interessenten freudig begrüßt werden, hier eine Sammlung zu finden, die ohne Bedenken der stndirenden Jugend empfohlen werden kann. Jugendlichem Frohsinn und Heiterkeit ist bei der Zusammenstellung der 165 Lieder, die unter der Leitung des Rectors eines bischöflichen KnabenconvictS besorgt wurde, weitgehendste Rechnung getragen. Format und Einband des ansehnlichen, preiswürdigen Büchleins sind so eingerichtet, daß es zu gemeinschaftlichem AuS finge bequem mitgenommen werden kann. Für letzteren Zweck sind auch 14 religiöse Lieder beigefügt, die beim Besuch von hl. Orten gesungen werden können. H. von Haas L Erabherr in Augsburg. l Berantw. Redacteur: Ad. Haas in Augsburg. — Druck u. Verlag des Lit. Instituts