Up. 44. 24. M. 1896. August Graf v. Platen. Zu seinem 100 jährigen Geburtstag (21. Oktober 1796) gewidmet von A. G. Motto: „Nicht allein der Glaube ist es, der die Welt besiegen lehrt. Wißt, daß auch die Kunst in Flammen das Vergängliche verzehrt: Um den Geist emporzurichten von der Sinne rohem Schmaus, Um der Dinge Maß zu lehren, sandte Gott die Dichter aus." Platen. Oft und nicht mit Unrecht bisweilen wurde Platen tls Dichter geschmäht, und doch dürfte er als solcher nach erschiedenen Richtungen hin eine gute Stelle in der rutschen Literatur einnehmen und werth sein, daß seiner gedacht wird bei Wiederkehr seines hundertjährigen Geburtstages. Nicht nimmt er in den Herzen des deutschen Volkes einen Platz ein wie Schiller und Göthe, Uhland md Geibel, und doch auch er hat sehr Gutes erstrebt lud gewollt, wenn es ihm auch nicht in allweg gelungen rnd wenn er auch manchen xussng extra viara gemacht zat. Schiller und Göthe haben vielleicht noch bedeutendere zemacht, aber sie werden absichtlich zugedeckt, um das .igentlich Große, das sie als Dichter gewirkt, nicht zu verdunkeln. Mancher Literarhistoriker und Kenner der deutschen Literatur hat höchstens Platens Verdienste um die deutsche Metrik, um seine formalen Schönheiten gewürdigt; die Begeisterung für die Kunst aber, die ihn beseelte, der glühende Patriotismus, der ihm innewohnte und ihn begeisterte, sein Freimuih, der ihm eigen war, er wurde stets zu wenig gewürdigt. Viele haben ihn verstanden, die Menge nicht, wie er selbst seine Worte auf sich anwenden konnte: „Aber Pindars Flug und die Kunst des Flaccus, Aber dein schwerwiegendes Wort, Petrarca, Prägt sich uns längstüber in's Herz, der Menge Bleibt'S ein Geheimniß." Emanuel Geibel erkannte ihn und läßt ihn sagen: „Dann wird der deutsche Wald von Liedern schallen, Die prächtig wie auf Adlers Flügel rauschen, Der heitere Süden wird zum Norden wallen» Um seines Ernstes Schätze einzutauschen, Und heilig wird der Sänger sein vor allen, Und fromme Hörer werden rings ihm lauschen. Was soll ich d'rum den frühen Tod beweinen? Der Dichter lebt, so lang' die Sterne scheinen!" Ferner haben ihm Hermann Liugg, Herwegh, Strach- witz u. a. in ihren eigenen Werken Denkmäler der Anerkennung gewidmet, und er war der Anerkennung würdig. Da er Zudem auch ein Landsmann von uns war, so dürfte es sicher nicht unzeitgemäß sein, sein Andenken in gerechter, unparteiischer Weise aufzufrischen, was durch nachstehende Zeilen geschehen soll. August Graf v. Platen-Hallermünde war der Sohn des preußischen Oberforstmeisters Philipp Grafen v. Platen zu Ansbach und einer Freiin von Sichler und wurde am 24. Oktober 1796 zu Ansbach geboren. Die Familie stammte aus Rügen, und Platen war stets stolz auf sie. Die Mutter besonders übte den wohlthätigsten Einfluß auf das leicht bewegliche weiche Gemüth des Sohnes, welcher tm Jahre 1806 an die königliche Cadettenschule in München kam. Obwohl es ihm dorten nicht behagte, kam er doch seinen Verpflichtungen treu nach, mied aber ziemlich in seiner freien Zeit das Zusammensein mit den Kameraden, zog sich meistens auf sein Zimmer zurück zu seinen Büchern und studirte. Im Jahre 1810 trat er aus der Cadettenschule aus und in das königl. Pagen» Institut über, wurde 1814 Lieutenant im Leibregiment des KönigS Maximilian und machte ein Jahr darauf den Feldzug gegen Napoleon mit, wo er nicht nur kriegerisch thätig war, sondern auch schon dichterisch. Wenige seiner Lieder aus jener Zeit sind bekannt geworden, ein VerS auS seinem „Lied aus Frankreich" möge hier ein Plätzchen finden: „Schöne Worte, schöne Worte Hör' ick um mich her; Doch die Lippe spricht die Worte, Und das Herz ist leer." Im Spätjahr 1815 kehrte Platen wieder in die Heimath zurück und durchzog in den nächsten zwei Jahren mancher Herren Länder, denn er fühlte zeitlebens eine große Wanderlust in sich. Doch überall wurde gedichtet, und die lyrische Poesie wurde durch ihn ziemlich bereichert. Schon mit siebzehn Jahren veröffentlichte er Gedichte, selbstverständlich der Feile mitunter noch sehr bedürftig, denn er gesteht ja selber: „Noch ungewiß, ob mich der Gott beseele, Zu seinem Priester ob er mich geweiht, Malt' ich die klaren Bilder meiner Seele In glücklicher Verborgenheit." Er ging bei seinen ersten Gedichten von der romantischen Schule aus und schloß sich zum Theil an's Volkslied an. Seine Lieder und Romanzen sind der Beachtung sicher werth. Mag ihr Charakter noch so verschieden sein, wögen sie die reine Wonne der Naturbetrachtung, mögen sie Klagen über verschmähte Liebe, mögen sie das süße Glück des liebenden Herzens, mögen sie die erhabene Aufgabe der Dichtkunst behandeln, überall tritt dem Leser vollendete Form, Klarheit und Anmuth des Inhalts entgegen. Eines seiner frühesten Gedichte, „Mädchens Nachruf", darf wohl ein lyrisches Meisterwerk genannt werden; auch das kleine Gedicht „Erinnerung" des erst 18jährigen Platen ist ungemein anziehend geschrieben; es spricht aus seinen Liedern der ersten Periode eine „treuherzige Kindlichkeit", wie wohl Minckwitz mit Recht von unserm Dichter sagt. Daß er in seinen erotischen Liedern mitunter über die Schnur haut, kann nicht geleugnet werden, — welcher Dichter hat sich da frei, ganz frei gehalten bei den Erzeugnissen auf diesem Gebiete? Die Lieder, in denen er die Schönheit der Natur feiert, stehen hinter denen Nückerts weit zurück. Böhme sagt hierüber: „In diesen Liedern ist nur selten ein Eingehen auf das geheimnißvolle Naturleben zu beobachten; der Grund davon liegt wohl weniger in der Gleichgiltigkeit des Dichters gegen die Herrlichkeit und Lieblichkeit der Natur, als in den oft drückenden Lebensverhältnissen des Dichters, die ihn gleich unserm Schiller auf die Ideale hinwiesen, welche die Kunst, die Geschichte, die Poesie darbieten." Platen hebt dies gleichsam selbst hervor, sagt er ja in einem Gedicht: „Vergebt, daß alle meine Lieder klagen". In der That hatte er der Schmerzen viele zu erstehen; mehr von Feinden als von Freunden genannt, ging er einem frühen Tod entgegen, obwohl ihn glühende Liebe zur Kunst beseelte und er für die Freiheit in tiefster Seele begeistert war. Es ist Platen in seinen Liedern, den Produkten seiner Jugend, gewiß nicht arm an entschiedenen Stimmungen; vieler, was des Menschen Herz bewegen kaun und bewegt in den verschiedensten Phasen des Lebens, hat er in denselben mitunter schön niedergelegt. Auch seine Gelegenheitsgedichte enthalten sehr schöne Gedanken und sind, waS die Form als solche anbelangt, vollendet. Im Jahre 1818 ging der Dichter auf die Universität Würzburg, um sich philosophischen und philologischen Studien zu widmen. Sein Fleiß war überaus groß, fast zu groß für seine Körperkräfte; neben den meisten neueren Sprachen erlernte er nach und nach auch Lateinisch, Griechisch, Persisch und Arabisch. Im Oktober des folgenden Jahres bezog er die Universität Erlangen, wo er besonders für Schelling begeistert war, welcher ihn in Bälde sehr liebgewann. In den sieben Jahren, die er in Erlangen zubrachte, war er dichterisch so thätig, wie sonst nie in seinem ganzen Leben. „Student" war er, was man gewöhnlich im UniverfitätSleben darunter versteht, blutwenig; er schloß sich zwar nach alter und allgemeiner Sitte einer Burschenschaft an, aber verkehrte sehr wenig in und mit derselben, sein Zimmer, seine Spaziergänge in Gottes „lieber, frischer und freier" Natur behagten dem Denker mehr. Von Erlangen aus machte er jährliche kleine Vakanzreisen, in Jena machte er die Bekanntschaft Göihe's, in Bayreuth die Jean Pauls, in Stuttgart nahmen ihn Uhland und Schwab auf das liebenswürdigste auf, in Nürnberg traf er mit Nückert zusammen — Beweise dafür, daß die Kinder seiner Muse bereits bekannt waren und auch geschützt. Das Studium orientalischer Poesie, das Fr. von Schlegel durch sein Buch über die Weisheit der Inder aufgefrischt, war durch Hammer und besonders durch Göthe in seinem westöstlichen Divan wieder neu belebt worden und zog auch Platen, den empfänglichen Dichter und Menschen, an sich. Er strebte darnach, in das Wesen orientalischer poetischer Formen einzugreifen, und zwar tief, und es entstanden die „Gaselen" (Erlangen 1821). Diese Benennung bezeichnet kleine Gedichte von 10—20 Versen, und werden darin Liebe und Lust, Freude und Trauer, Wein und Wonne, Ruhe und Frieden verherrlicht. Der den „Saselen" beigefügte Epilog an Göthe bezeichnet klar den Antrieb, der den Dichter zum Orient führte, und die Worte: „Dcr Oricnt ist ncubewegt, Soll nicht nach dir die Wclt »ernüchtern," geben allerdings zu erkennen, daß es dem Dichter mit seinen Bestrebungen sehr ernst war. Aber wie er selbst von sich sagte: „er fei zu früh mit Ton und Klang getreten", so können diese inhaltschweren Worte auf die „Gaselen" in erster Linie angewendet werden. Der Schlußvers: „Verkünde mich indeß, Gasele, dem Vaterland!" wurde vom Vaterland nicht beachtet, und zwar nicht mit Unrecht. Zwei Jahre darauf erschienen die „neuen Gaselen", verschieden von den früheren, wie er selbst sagt: „Dcr Orient ist abgethan, Nun seht die Form als unser an," Während Göthe diese zweite Serie mit Anerkennung besprach, wurde sie von andern wiederum verworfen; andere, besonders Karl Jmmermann, brachen den Stab über sie, wie denn der letztere sagt: „Von den Früchten, die sie aus dem Gartmhciin von SchiraS stehlen, Essen sie zu viel, die Armen, und vomieren dann Gaselcn." Es steht fest: Platen gab sich viele Mühe mit seinen ^Gasclen", aber wir können ihnen Beifall nicht spenden, Und zwar aus verschiedenen Gründen. In manchen klingt das eigene Lob so laut, daß es den Leser anwidert, in seinen erotischen Gaselen sodann schlägt er des öfteren einen Ton an, der große Verwandtschaft mit den Tönen Heines ausweist, und damit dürfte alles gesagt sein. Wenig Leben enthalten die Gaselen, sie wirken gar oft lähmend aus den Leser. Dichter, wie Uhland rc., sie stiegen hinab in den so ungemein viel und Schönes bietenden Schacht des deutschen Volksliedes, es genügte ihnen der große Reichthum der deutschen Formen, und fremde Formen zu Hilfe zu nehmen, hielten sie für einen Rückschritt. Ihre Lieder sind deßwegen auch Lieblinge und Gemeingut deS deutschen Volkes geworden, Platens „Gaselen" und die anderer sind vergessen, die Form mag man, so man sie trifft, ja immerhin lobend anerkennen. Wahrlich, um „verliebte Jünglinge und geliebte Mädchen zu finden", braucht ein deutscher Dichter nicht den Orient zu durchstöbern, solche Gestalten findet er zu jeder Zeit auch in Deutschland in großer Anzahl und wohl ebenso originell und deßwegen des Gesanges würdig, wie in Ost- und West-, Vorder« und Hinter-Jndien l (Schluß folgt.) Der ewige Jnde. Episches Gedicht von Josef Seber. «n In 5. und 6. Auflage erschien im laufenden Jahre der „ewige Jnde" bei Herder in Freiburg — ein Erfolg, zu dem wir der katholischen Literatur nur Glück wünschen können. Jetzt, nach Webcr's Tod, ist unstreitig das hervorragendste katholische Dichtertalent der Sänger des „ewigen Juden", der Tiroler Priester Josef Seber, dem wir hoffentlich noch recht oft auf dem litcrarischen Markte begegnen werden. Es sei gestattet, im Folgenden auf diese Dichtung eingehender hinzuweisen, um so mehr, da sie, durch und durch poetisch, doch auch dem reinen Verstandesmenschen reichen Genuß gewährt. „Der ewige Jude" ist ein Thema, das von jeher seine Liebhaber gefunden hat und wohl auch in Zukunft noch finden wird. Die Gestalt dieses rastlosen Wanderers spielt eine große Rolle in der deutschen Volkssnge; sie hat, wenn auch nicht in christlichem Geiste, ihren französischen Dichter gefunden, und von den Deutschen hat besonders Julius Mosen, der Sänger des „Andreas Hofer", dieselbe wieder unter das feinere Publikum geführt. Aber alle diese haben die sagenhafte Persönlichkeit nur von der romantischen Seite erfaßt und den ernsten Hintergrund übersehen. So gibt Mosen in seiner Terzinen- dichtung dem Ahasver drei Gnadenfristen, wo er die sehnlichst erwünschte Ruhe wieder erlangen kann: bei der Zerstörung Jerusalems, bei dem versuchten Tcmpelbau unter Julian und bei der Eroberung der heiligen Stadt durch die Araber. Doch dieser Dichter kennt nur den trotzigen Ahasver, der die Gnadenfristen unbenützt läßt und zum Schlüsse noch dem Heilande flucht, der ihm noch einmal persönlich entgegentritt. Der dogmatische Untergrund der alten Volkssage scheint dem protestantischen Dichter verborgen geblieben zu sein. Anders bei Seber! Sein ewiger Jude ist, um es kurz zu sagen, historisch- dogmatisch, und doch ist die gefährliche Klippe einer lehrhaften Gedankendichtung glücklich vermieden. Ihm ist, wie er selbst in den „Bemerkungen" schreibt, Ahasver der Vertreter des altgläubigen Judenthums, das seine national- polnische Anschauung vom Messias bewahrt hat und darum dem in Jesus Christus erschienenen feindlich gegenübersteht. Als Typus dieses Volkes kann Ahasver erst dann zur Ruhe kommen, wenn „ganz Israel gerettet wird" 343 (Nöm. 11, 26), also am Ende der Zeiten (2. Makk. 2,7), nach den Tagen des Antichrists, welcher von den Juden, „deren Namen nicht eingeschrieben sind im Lebensbuche des Lammes" (Offb. 13, 8. Joh. 5, 43), als Messias aufgenommen wird. So hat also der Dichter die Thätigkeit Ahasvers mit der des Antichrists in organische Verbindung gebracht und uns auf diese Art ein äußerst genußreiches Epos geschenkt. Eine gedrängte Uebersicht der 17 Gesänge möge Seber's Werk neue Freunde gewinnen! Der erste Gesang „Die Weltstadt" führt uns sofort in die Metropole des Antichrists, dessen Herrschaft dreieinhalb Jahre dauern soll; in die Zeit, wo das christusfeindliche Judenthum seine höchste Blüthe erreicht hat. Packend ist diese Hauptstadt, Jerusalem etwa um'S Jahr 2000 nach Christus, geschildert. Es ist die Residenz des Antichrists, der nach den Ansichten der heiligen Väter selbst ein Jude, wahrscheinlich aus dem Stamme Dan, und die Frucht eines unerlaubten Umgangs sein wird. „Ein Marmorheer von Hallen und Palästen, Worauf die Silberkuppeln leise schweben Und Mast au Mast die schlanken Säulen ragen." Unzählige Fabrikschlote rauchen, alle Reichthümer der Erde sind hier aufgestapelt, tausend Sonnen elektrischen Lichtes erhellen die Straßen, „es ist ein Markt, auf dein sich Nord und Süden, die alte wie die neue Welt begegnen." Und König ist der Messias, Sotßr. Sein Zeichen ist der Stern, der im Kuppelknaufe der Königsburg auf Sion flammt. „Was all die Menschen hier vereint, verbrüdert, DaS ist die blutig rothe Sternkokarde, Die jeder trägt, das Zeichen des Messias." Nachdem so in frischem Fortschreiten die Szenerie geschaffen, tritt der Held auf: Ahasver kehrt nach zweijähriger Abwesenheit nach Jerusalem zurück, nachdem er, der Repräsentant des Judenthums, mit all dem Einflüsse und der Macht des Goldes auf dem weiten Erdenrunde für die Ausbreitung der Messiasherrschaft mit großartigstem Erfolge gearbeitet hat. Fast die ganze Welt, jedenfalls aber alle Katholiken, sind unterworfen und zu Sklaven gemacht. Eben treiben rohe Knechte unter Führung des Scheusales Kossof, dessen Name wohl die Stellung des Schisma's andeutet, eine Heerde gefangener Katholiken durch die Straßen Jerusalems, und der heimkehrende Ahasver ist glückseliger Beobachter dieses Trauerspieles, als plötzlich Stockung und Hemmung des Zuges eintritt. „Da plötzlich reißt mit rauher Kraft ein Greis Die Geißel aus des Wächters Faust an sich;" — es ist Elias, der mit Henoch in jenen Tagen wieder auf die Erde kommen wird, um die Schwachen zu stärken und die Neste Israels in den wahren Schafstall zu führen. Während er den christlichen Sklavenzug zum Stehen bringt, stürmt von verschiedenen Seiten „Mit wildem Ungestüm ein starker Trupp Von Eisenmännern vor; vom dunkeln Mantel Hebt leuchtend sich das Kreuzeszeichen ab. Es blitzt das blanke Schwert in ihrer Rechten, Bedrohlich hebt die Linke den Revolver." Mit großer Originalität verwerthet hier der Dichter die dem hl. Franz von Paula zugeschriebene Prophezeiung, daß Männer aus dem Orden der Kreuzritter mit ihren Führern in jenen Tagen gemartert werden. Sie sind es, die an der Seite der zwei Propheten die Truppe gefangener Christen in Sicherheit bringen, womit der erste Gesang abschließt. Der zweite Gesang „Sara" ist eine Episode, die aber durchaus organisch dem Ganzen eingefügt ist. Der alte Nabbi Laban zu Jerusalem hat eine Tochter, die dem Waffenhändler Kaleb verlobt, aber mit aller Leidenschaftlichkeit dem Reichskanzler Teitan, einem Don Juan und abtrünnigen Christenbischofe, zugethan ist. Fest steht in ihr der Entschluß, keines Krämers Weib zu werden, während der Alte über den ehemaligen Bischof von Sardes herzieht, der ja doch nicht auf Seite der Juden steht. Im dritten Gesänge „Der späte Gast" finden wir Ahasver beim alten Nabbi. Die Beiden sind eins im Hasse gegen den Kanzler und fürchten, daß dieser des Messias Herz immer mehr den Juden abwendig mache. „Ach, dciß der große König wider Recht Und Ueberlieferung den Mann erhob!... WaS du gesät, was wir mit allen Opfern An Geld und Gut für den Messias pflanzten, DaS erntet er, unö bleiben nur die Stoppeln." Durch die Gefangennahme Henoch's und Elias' will Ahasver dem Könige beweisen, daß er, daß der Jude eS ist, der Thaten vollbringt, während Teitan nur ein glatter, zungenfertiger Schwätzer ist. „Wie Donnerrollen ^ Im Hochgebirg erdröhnt des Alten Wort: „Und steigt er höher noch, so wird er fallen."" Nach langem, erregtem Gespräche überlassen sich dis Greise dem Schlafe und „hören nicht ein Fenster leise klirren, Im Hof die Rosse lausbcgierig stampfen." Sara, die verblendete, flieht, von Teitan entführt, auf dessen Gebirgsschloß. „Der Bericht" nennt sich der vierte Gesang. Ahasver hat Audienz bei Sotsr. Erwartend stehen die Fürsten der unterjochten Völker, sie sollen des Messias' Cortöge bilden. „Dann öffnet sich die hohe Flügelthüre: Von Königen geleitet steht Sotsr, Gehüllt in weiße, wallende Gewänder. Ein dreifach Diadem auf seinem Haupte." Es macht einen hochtragischcn Eindruck, wie nun Ahasver dem Könige Meldung erstattet, was er und sein Volk für das Reich des Messias geleistet. Der Arme! Er hält Sotsr für den König, den Ersehnten, und ahnt es kaum, daß er wohl den Feind Christi, aber nicht den Freund des gläubigen Judenthums vor sich hat. In großen Zügen entwirft er ein Bild dessen, was Israel seit Jahrtausendeu erlitt und erstritt, „seitdem der Herr sein Volk im Zorne schlug und in die Hand der Heiden übergab". Die Judenverfolgungen im Mittelalter und die Wuchergeschäfte der Hebräer, „wo Krieg und Frieden barg des Juden Toga", die jüdischen Philosopheme eines Spinoza, die Verjudung der Kunst, der Wissenschaft und des Kapitals — Alles führt Ahasver dem Könige vor die Augen; Alles, besonders aber die finanzielle Aus- saugung der Nationen, mußte dazu dienen, um daS jüdische Weltreich für den erhofften Messias bereits hinter den Coulissen bereit zu halten. „Was immer Menschmgcist und Menschenfleiß Sich hart erworben, floß in unsre Taschen . . . Wir nannten Alles, Alles unser eigen." 344 Doch es kam die Zeit des großen Papstes und deS großen Monarchen, und Alles schien rückläufig zu werden, bis die Völker und besonders die Priesterschaft wieder erschlaffte. Da kam die Entscheidungsschlacht am Walser- selde, das Unheil siegte, und Ahasver hat bei seiner Rückkehr aus Europa den letzten Papst in Ketten nach Jerusalem geschleppt. Große Ruhmesthaten im Nahmen von Jahrhunderten berichtet der Jude und verlangt nun, daß Sotör nur das Judenvolk in seiner Nähe, alle Akums aber nur als Sklaven dulde. Mit kaum merkbarem Höhne hört ihn der König und entläßt ihn dann gnädig. Teitan aber, der hinter dem Vorhänge gelauscht, ruft aus: „Es kann der Jude seines Wesens Kern, Und der ist ekle Frechheit, nicht verleugnen? In die „Katakomben" Jerusalems führt der fünfte Gesang. Durch List, indem er sich als Verfolgter stellt, kommt der Flüchtling Kossof als Sendling Ahasvers in den verborgenen Aufenthalt der Christen im Gebirge. Henoch weiht eben einen Jüngling zum Kreuzritter. Rührend ist das Auftreten der zwei Patriarchen, die den Rittern ihre letzten Ermahnungen geben, denn sie wissen, daß ihre Stunde gekommen ist. „Die Stunde naht. es fügt sich Ring an Ring, Geschlossen ist der Weltgeschichte Kreis." Inzwischen hat sich auch nach anderer Seite hin die Katastrophe genähert. „Die Wahnsinnige" des sechsten Gesanges ist die entehrt heimgeschickte Tochter des Nabbi. Bei gewitterschwülem Himmel im Garten auf einer Steinbank sitzt des Wahnsinns arme Beute, Labans Tochter. Sie fingt das Lied ihrer Liebe. (Wer denkt nicht an Ophelia?) Der alte Nabbi rast vor Wuth, und der unglückliche Bräutigam Kaleb schwört, die Schmach im Blute des Kanzlers zu waschen. Beiden dämmert jetzt auch der Gedanke: „Wer weiß, ob nicht der König Mit Ahasver und unser'm Volk sein Spiel treibt." Voll Kraft und hochtragisch endet dieser Gesang. (Schluß folgt.) Ueber die Entstehung, Anlage und Bedeutung der römischen Grenzmark in Deutschland. (Schluß.) -o- Wie im Mittelalter, ja bis in die Neuzeit jede ausziehende Truppe von einem Schwärme Marketender begleitet wurde, so waren auch römische Händler und Krämer den Legionen bis in die Provinzen gefolgt, einerseits, um den Soldaten die Beuteantheile abzuschachern, andererseits, um durch Verkauf von Lebensrnitteln, besonders natürlich von Getränken, nur um so schneller wieder zu ihrem Gelde zu kommen. Da nun auf Grund der strengen römischen Disciplin im eigentlichen Oastrum für sie kein Platz war, schlugen sie ihre Buden (oaüLbLs v. aariada, — Kneipe) außen an den Mauern, besonders hinter der xorta, cks- curuaug. auf, um so sich noch des Schutzes der Besatzung zu erfreuen und zugleich ihre Kunden stets in der Nähe zu haben. Damit dürfen wir jedoch nicht das eigentliche Lagerdorf verwechseln, welches sich ebenfalls gewöhnlich in der Nähe deS Castells befand, von den Soldaten-Weibern und Kindern, von ausgedienten Veteranen, übrigens auch von Landeseingebornen bewohnt wurde. Wenn auch von den bürgerlichen Niederlassungen am Pfahle selbst keine es zu einer solchen Bedeutung brachte, wie die Lagerstädte der Legionscastelle zu Salzburg, Negensburg, Augsburg, Straßburg und Mainz, so dürften doch auch jene An- siedlungen oft ganz ansehnlich gewesen sein und den Ursprung mancher noch heute blühender Ortschaften bilden. In der nächsten Umgebung des Castrums standen häufig die Cultusstätten der Lagergarnison, meist in Form von kleineren Tempeln (rund), die dem Apollo oder der Diana, der Astarte oder dem Serapis, dem Juppiter (Ooliolieinw) oder dem Sedatus (zu Pfünz) gewidmet waren. Sehr verbreitet scheint besonders der Mithras- dienst (Tempel zu Großkrotzenburg a. M.) gewesen zu sein, welcher den alten persischen Sonnengott MithraS mit dem römischen Juppiter identificirte, was dem Charakter und dem Bedürfnisse der damaligen Zeit vollkommen entspricht. Als Anlagen außerhalb der Castellmauern sind noch die Friedhöfe zu betrachten, auf denen die Asche, selten die Gebeine, der Gefallenen und Verstorbenen in Urnen nebst einigen Beigaben von Hausgeräthschaften beigesetzt wurde und nun mehr als anderthalb Jahrtausende im Schoße der Mutter Erde verborgen lag, bis der wissensdurstige forschende Archäologe des 19. Jahrhunderts sie aus ihrer Ruhe störte. Wer sich aber einen Einblick verschaffen will in daS damalige Leben und Treiben der Römer, der gehe hinein in ein Museum zu Mainz, Nürnberg oder München und betrachte aufmerksam die unzähligen Gegenstände, welche durch die Ausgrabungen vielfach in jüngster Zeit an das Tageslicht gefördert wurden, die Lanzen und Schwerter, Schilde und Panzerplatten, Pfeile und Wurfgeschosse, steinerne Inschriften und Statuen, Silber- und Goldmünzen, Töpferwaaren aus der bekannten rothen tsrra, siFillutu und Amphoren, Werkzeuge und Ziergegenstände, Kleiderspangen und Haarnadeln, Veteranendiplome (Bronzeplatten mit der Entlassungsurkunde) und Feldzeichen rc. rc. Dies wäre nun, wenn wir noch an das dichte Straßennetz denken, welches nicht nur im Innern der Provinz, sondern auch an der Grenze auf's beste entwickelt war, in Kurzem die Anlage der römischen Grenzmark, und es sei dieselbe noch einmal zusammengefaßt in dem passenden Gleichnisse des Herrn Bezirks- ingenteurs Marggraff, welcher sagt:^) „Ich möchte den Limes vergleichen mit einem langen Schienenwege: hier die eiserne Fahrbahn, dort die Mauer oder der Wallgraben; hier die Bahnwärterhäuschen, dort die Wachtthürmc; hier die Stationen und Ortschaften, dort die Castelle und bürgerlichen Niederlassungen; hier die Ueberfahrtsschranken, dort die Schlagbäume oder Wegdurchgänge; hier wie dort das Vorherrschen der geraden Linie.^) III. Bedeutung deS Limes. Nur ein kurzer Sprung führt uns von hier auf die Bedeutung der Grenzmark und auf die römische Grenz- bewachung überhaupt, insoweit diesem Theile nicht schon im Vorigen Rechnung zu tragen versucht wurde. Vor allem bildete der Limes selbst nicht etwa „eine Festungsmauer, an welcher der Anprall der Feinde zerschellen sollte, ähnlich den Bastionen von Babylon und n) „Die römische Rcichsgrenze in Germanien und ihre Bauten." S. 18. 2') Hier wären etwa noch die vielumstrittcnen Wartthürme innerhalb der Provinz zu besprechen, was ich mir jedoch auf eine bessere Gelegenheit verspüren will. Jericho," wie Ohlenschlager treffend sagt, dafür ist die Anlage zu schwach. Der Limes war auch keine Straße, eine Hypothese, welche sich leicht aus dem Umstände erklärt, daß der Pfahl sich vielfach zu einem straßenähnlichen Damme (besonders in Württemberg) verflacht hat und in unserer Zeit thatsächlich an mehreren Orten als Fahrweg benutzt wird. Denn die Nömer mußten sonst eine ganz besondere Geschicklichkeit im Fahren und Reiten gehabt haben, um über so halsbrecherische Abhänge und Schluchten hinauf- und hinnnterzukommen, welche der Limes oft überwindet. Die obige Ansicht stammt bereits aus dem vorigen Jahrhundert, wurde noch in neuester Zeit bis vor wenigen Jahren von einigen Württemberg- ischen Gelehrten, Herzog und Paulus, verfochten, dürfte nunmehr aber infolge der allseitigen, gründlichen Forschungen, hoffentlich für immer, widerlegt sein. Die Teufelsmauer und ebenso ihre Fortsetzung bis zum Rheine bildete nach der jetzt allgemein bestehenden Anschauung zunächst eine deutlich sichtbare, jedem auffällige Demarkationslinie, welche besonders durch die Großartigkeit in der Ausdehnung selbst dem wilden, unbändigen und freiheitslustigen Germanen einigen Respekt einflößen und ihn stets an die schlimmen Folgen erinnern mußte, welche eine etwaige Ueberschreitung dieser Schranke in unfehlbarer Weise nach sich zog. Der erste Zweck der Anlage war also, wie Mommsen^) sich ausdrückt, „die Verhinderung der Grenzüberschreitung", was auch in einer Notiz des Spartianus ^°) einige Begründung finden dürste, der selbst dem weit stärker befestigten britannischen Wall keine weitere Bedeutung zutheilt, als: gut barstaros Roruauos^us äiviäorat, d. h. „die Barbaren von den Römern zu scheiden". Gut eignete sich die Pfahllinie auch dazu, Handel und Verkehr zu überwachen, Ein- und Ausfuhr zu regeln, die Zölle einzutreiben?') Denn der Limes selbst bildete schon ein respektables Verkehrshinderniß, das noch durch die zahlreichen Wachthäuser und kleineren Zwischencastelle erheblich verstärkt wurde. Die Durchgänge aber müssen wir uns, K-enn auch nähere Anhaltspunkte fehlen, jedenfalls durch Pallisadenwerke, Grenzpfähle und Schlagbäume gesperrt und von eignen Wächtern besetzt denken. Wieweit die rein Militärische Bedeutung des Grenzschutzes ging, ist nicht leicht zu bestimmen. Am negativsten verfahren auch hier wieder v. Co- hausen und Mommsen, welche dem Limes aber auch fast jede Art von Grenzwchr absprechen, hauptsächlich auf Grund der allerdings nicht seltenen schwachen Punkte und der disponirten Stellung der Truppen. Es wäre freilich noch schlimmer, an eine „große, mit Thürmen, Lagern, Schlössern, Gräben, Verhauen, Pallisaden usw. wohlgeschützte Festung" zu denken, wie sich Büchner die Teufclsmauer in ihrer Vollendung denkt?2) aber eine gewisse DefensionsbestiMMUNg müssen wir immerhin anerkennen. Von höchster Wichtigkeit in militärischer Hinsicht sind natürlich die Castelle; auf ihnen beruht vor allem der Schutz und Schirm der Provinz. Von dort aus aber wurden die kleineren „Feldwachen" besetzt, welche wiederum die Posten in den Thürmen und Wachthäuschen -->) Röm. GesS. Bd. V, S. 143. Vita. Haäriaui 6. 11. °') Diese Ansicht wird besonders durch v. Cohausen stark Vertreten. by Büchner: Reise auf der Teufelsmauer. Z 22. versahen und ablösten. Diese letzteren endlich hatten ihre bestimmten Strecken zu begehen und zu überwachen. Einen solchen armen railss limitaneus (Grenzsoldat) haben wir uns etwa unter dem Helden des bekannten Scheffel-Liedes vorzustellen: „Ein Nömer stand in finstrer Nacht am deutschen Grenzwall Posten." Spürte nun dieser Wächter etwas Verdächtiges, so stellte er sich hoffentlich meist nicht so langweilig an wie der obige, „blies sein Horn" zur rechten Zeit, rief seine Wachtkameraden, gab seine Feuerstgnale, und „die Co- horte" aus dem nächsten Castell „erschien" dann wohl auch nicht zu spät „am Platze". Man sieht, „dem Andränge größerer Leermassen" konnte der Limes, wie Graf Hundt richtig bei der Beschreibung der Teufclsmauer bemerkt, „keinen bedeutenden Widerstand entgegenstellen". — „Wohl aber" kann man „aus den Resten eine Verthetdiguugslinie zum Schutze von Colonien erkennen, vollkommen ausreichend, mit ihrer Besatzungsmannschaft gegen den Uebermuth Einzelner und räuberische Anfälle kleinerer Wanderhorden Sicherheit zu gewähren."^) Bei größerer Gefahr jedoch war dadurch wenigstens einer unvorbereiteten Ueberrumplung vorgesorgt, und konnten sich die schwächeren Abtheilungen auf die stärkeren zurückziehen, bis man so gemeinsam den feindlichen Anprall auszuhalten im Stande war. Das Grenzmilitär rekruttrte sich meistens aus älteren, emeritirten römisch-germanischen Kriegern. Sie hatten Familie, trieben Ackerbau und besaßen als Lohn für ihren Dienst Ländereien vom Staate. Ueber die Zahl dieser Truppen lassen sich keine sicheren Angaben machen, v. Cohausen nimmt durchschnittlich für ein Castell 720, Mommsen gegen 500 Mann Besatzung an, dies jedoch in Kriegszeit oder noch besser im Belagerungsfalle. Für gewöhnlich brauchte wohl eine Garnison nur so stark zu sein, um die nöthigen Sicherheitswachen und Vorposten stellen zu können. Mommsen schätzt die rätische Grenzarmee im höchsten Falle auf 10,000 Mann,") der übrige Theil dürfte demnach nicht ganz zweimal so stark gewesen sein. Nicht eingerechnet sind jedoch dabei die Reservetruppen in den großen Standlagern innerhalb der Provinz, wie Regensburg, Faimingen, Augsburg, Straßburg, Mainz usw. Unter der Obhut der römischen Grenzmark blühte bald eine gewisse Cultur auf, aus den Castellnieder- lassungen erwuchsen kleine und große Städte, Handel und Verkehr nahmen einen mächtigen Aufschwung, die Herrlichkeit des Reiches schien fast in die Provinzen wandern zu wollen. Doch alles umsonst l Das Riesenwerk sollte keine lange Dauer besitzen. Das Nömerreich mit all seinen großartigen Leistungen diente nur dazu, dem Christenthums die Wege zu ebnen. Ein ungeschwächter jugend- kräftiger Stamm sollte über den Trümmern des morschen Baues neue Staaten gründen und die Lehren des Heiles empfangen. Bald ergriffen die Markomannen, welche etwa im heutigen Böhmen ihre Wohnsitze hatten, im Verein mit mehreren anderen Stämmen an der Donau die Offensive gegen Rom, durchbrachen die Grenzmark und drangen zweimal bis Aquilcja in Italien vor. Nur mit Auf- °°) Graf Hundt: Bericht über eine Begehung der Teufelsmauer. S. 15. ") Mommsen: Röm. Gesch. Bd. V, S. 143. (Anmerk.) 346 bietung aller seiner Kräfte vermochte Mark Aurel in drei Fcldzügen (von 166—175 und 178—180) diesen gewaltigen Anprall zurückzuweisen. Um diese Zeit gründen sich bereits die für das römische Reich so verhängnisvollen germanischen Völkervereine. Schon Caracalla kämpft gegen die Allcmannen, welche später, im Jahre 233, die Bollwerke nördlich von der Donau größtentheils zerstören und siegreich in Nütien einfallen. Alexander Severus, der aus Pcrsien herbeieilte, sowie sein Thronräuber Maximin können den Verlust nur theilweise wieder gut machen. Unter den Wirren der sogenannten Zeit der 30 Tyrannen ging sogar das Land links des Rheines verloren. Seit Ende des 3. Jahrhunderts bilden wiederum Rhein und Donau die Reichsgrenzen, und selbst der glückliche Feldzug des Kaisers Probus im Jahre 277 scheint wenig Erfolg gehabt zu haben. Nur Rätien, südlich von der Donau, hielt sich noch länger. Aber auch hier hatte sich „das ganze Leben und Treiben auf einige befestigte Orte concentrirt", welche endlich mit dem Sturze des römischen Kaisertums durch die Schaaren des Odoaker auch ihre Thore öffneten?') Schon bet den ersten Einfällen scheinen die Germanen mit den römischen Grenzbefestigungen ordentlich aufgeräumt zu haben, wie die überall reichlich entdeckten Aschen- und Kohlenreste z. B. uns zeigen; was sie aber nicht thaten, das brachte der Zahn der Zeit in 1600 Jahren zu Stande: der Landmann suchte den Lehmdamm abzutragen und anderweitig zu benutzen, man verflachte die umgestürzte Mauer zu einem Fahrwege, und aus den Steintrümmern der Thürme und Castelle baute man Straßen und ähnliche Anlagen! So ist es gekommen, daß in unserer Zeit die Arbeiten des Forschers oft mit vieler Mühe und mit nicht geringem Aufwande verknüpft sind. Mit Freude ist daher die Thatsache zu begrüßen, daß seit einigen Jahren vom Staate selbst dafür gesorgt wird, daß auch nicht die letzten Reste dieses gewaltigen Werkes spurlos von der Erde verschwinden. Rede des Herrn Pfarrers A. Schwarz in Ottenbach (Württemberg) gehqlten aus dem Ersten Internationalen Antiireimanrer-Congreß in Tricnt am 28. Sept. 1696. Euere Eminenz! Hochwürdigste Herren Bischöfe! Erlauchte Herren! Hochansehnliche Versammlung! Gestatten Sie auch einem Vertreter deutscher Zunge in dieser hehren Versammlung einige Worte über den hochwichtigen Gegenstand, zu dessen internationaler Berathung wir uns in dieser geschichtlich so berühmten Stadt vereinigt haben. Mit Rücksicht auf die eng bemessene Zeit lassen Sie mich gleich in weäias res eintreten und, wenn auch nicht ausschließlich, doch auptsächlicb das Ziel und Streben der deutschen Freimaurerei ,um Gegenstand meiner Ausführungen machen. Vergegenwärtigen wir uns vor allem die Thatsache, daß die Freimaurerei ein Weltbund und für die Menschheit das werden und sein will, was unsre Kirche auf Grund göttlicher Bestimmung ist, nämlich katholisch d. h. allgemein, die ganze Erde umspannend. Finde!, wohl der angesehenste, fruchtbarste und einer der gelehrtesten Logenschriftsteller Deutschlands, spricht diese Wahrheit an zahllosen Stellen, z. B. in seiner Schrift „Geist und Form der Freimaurerei", offen in den Worten aus: „Der Maurerbund soll ein Menschheitsbund sein, der sein einigendes Gezelt wölbt über die Verschiedenheit der Racen, ") Köstler: „Die Römer in Rätien". Artikelserie V in Heft 6 d. Jahrg. 1896 der Zeitschrift „Das Baycrland". Nationalitäten und Konfessionen." Und: „Dieser Bund der Bünde umsaßt die ganz- Menschheit." „Als Maurer sind wir nickt Deutsche, sondern Menschen; als Maurer sind wir nicht Staatsbürger, sondern Weltbürger." Ja, Findet nennt sogar die Freimaurerei in seinem Buch „Die mooerne Weltanschauung" wörtlich „den wahren, innerlichen und freien Katholicismus" gegenüber unserer hl. Kirche, die er als den falschen, aus äußere Auctorität gegründeten, mechanischen und cultnrwidrigen Katholicismus bezeichnet, der ein Zerrbild des Göttlichen sei." Also der von Christus gegründeten Weltkirche will die Loge eine andere gegenüber stellen, ihren freimaurcriscben Weltbund. Schon hier klingt somit etwas von dein Rufe durch: Hie Christus, hie Antichrist, hie katholische Kirche, hie Loge! Der Großmeister Bruder Settegast aber sagt: „Vollendet wird der Bau der Freimaurerei dann erst dastehen, wenn er den ganzen Erdkreis umspannt." Und: „Wir sahen . . . daß die Freimaurerei den Plan verfolgt, alle guten Menschen einem Weltreich unterzuordnen, in dem die Humanität als Herrscherin thront." Da legt sich wie von selbst die Frage nahe: Was soll nun aber das einigende Band, den geistigen Inhalt dieses neuen frei- maurerii'chcn Weltbundes ausmachen, zu welcher Religion wird er sich bekennen? zum Christenthum, als zu der geoffenbarten Religion, oder zur bloßen Vernunftrcligion, zu jener, die als Motto murmelt: „Wir glauben all' an einen Gott: Christ, Jud' und Heid' und Horrentott"? Damit stehen wir vor der wichtigen Frage: Wie stellt sich die Loge, die Freimaurerei zum Christenthum? Um diese ebenso objectiv als gründlich beantworten zu können, müssen wir nach jenem Worte suchen, das kurz und treffend den ganzen Bekenntniß- und Strebeinhalt der Loge zum Ausdruck bringt. Es ist das sreimaurcrische Schlag- und Stichwort „Humanität", ein Wort, das heutzutage auf so vielen Lippen sitzt. Von diesem Schlagwort wimmeln die Werke und Schriften der berufensten Vertreter des Bundes. So sagt Finde!: Das Ideal der Humanität theoretisch zu erzeugen und im Leben praktisch zu verwirklichen, ist unicre wahre und denkbar höchste Aufgabe. Wie oft spricht nicht Finde! von dieser Humanität! Wie oft redet nicht der als freimaurerisLer Schriftsteller und Logcnbeamtcr bekannte Professor und Geh. Regierungsrath Seitegast von ihr! So sagt letzterer z. B.: Die Loge ist eine Schule der Sittlichkeit und die Freimaurerei eine Gemeinschaft, welche die Humanität zur Herrscherin aus Erden einsetzen will. Was hat nun aber diese vielgenannte und vielgepriesene Humanität im Munde der Loge für eine Bedeutung? Diese sreimaurcrische Humanität bedeutet das „Reinmenschliche" unter Verläugnung alles Göttlichen im christlichen Sinne und im schneidigen Gegensatz zu demselben. Diese frcimaurerische Humanität macht die Menschheit unabhängig von Gott, löst sie los von jeder übernatürlichen Gewalt, stellt die Menschheit ganz auf sich selbst und trennt sie damit von jeder Offenbarung, von allem Christenthum. welch beide die Loge grundsätzlich verwirft. Also auf Grund ibreö HumanitätSprincipcs, ihres rein- menschlichen, alles Ucbernatllrliche und Göttliche im christlichen Sinne verwerfenden Standpunktes ist die Freimaurerei eine Läugnerin jeder Offenbarung Gottes, eine Vcrwerferin und Gegnerin des Christenthums. Diese schwerwiegende Beschuldigung muß bewiesen werden. Lassen wir diesen Beweis jene führen, welche theils als Mitglieder und Kenner der Loge, theils als ihre gefeierten Geschichtsschreiber und Schriftsteller das auj's genaueste wissen müssen. Ich will in dieser bedeutsamen Frage zunächst den angesehenen Freimaurer und im Studium des Logenwesens ergrauten Geschichtsschreiber, der als eine der ersten Auctoritg^n anerkannt ist, zum Wort kommen lassen. ES ist der bereits citirte Finde!. Er, der als das Orakel der deutschen Freimaurerei bezeichnet werden kann, spricht sich hierüber mit einer Grundsätzlichkeit und Offenheit aus, die deutlicher nicht sein könnte. In seiner „Modernen Weltanschauung" sagt er z. B.: An die Stelle der Offenbarung (Gottes) tritt die Vernunft und an Stelle der unfehlbaren Kirche oder Bibel das logische Denken. (S. 60.) Weiter: Das alte und das neue Testament sind für die moderne Weltanschauung, die Sittenlehre ausgenommen, überwundene Standpunkte, so gut wie die VedaS und der Koran. Er verwirft S. 49 die Erschaffung der Welt durch Gott, lehrt die Ewigkeit der Materie, er polemisirt gegen das Gebet im christlichen Lünne (S. 42, 43, 55), bezeichnet das Christenthum als ein menschliches Werk, verwirft den Sünden- fall, die Erbsünde, die Erlösung (57), nennt solch christliche Lehren Wahn und Irrthum und ruft, um seine ganze Feindseligkeit gegen jedes Christenthum zusammenzufassen, pathetisch aus: „Sagen wir es offen, meine Brüder, der Maurerbund sei keine christliche Union, kein Nblagcrnngsort sür die überwundene 347 theologische Phrase, sondern ein weltbürgerlickicS Institut, der Tempel der allgemeinen Menschenliebe und des freien Geistes." Sehen Sie hier ein gewaltiges Stück sreimaurcriscbcr, vielgepriesener Humanität. Ja, dieses sreimaurerische Humanitäts- princip mit seinem grundsätzlich christcnfeindlichen Charakter ist cS, das Finde! an einer andern Stell? ausrufen läßt: „Religiöse „Ketzerei" war somit von jeher der charakteristische Grundzug des Maurerthums. Auch in der heutigen Forni und Verfassung tritt es (das Maurertlmm), wenn auch unausgesprochen, den Prätensioncn der Kirche entgegen. Denn, fährt er fort, eine Anstalt (nämlich die Freimaurerei), welche daS Lichtsuchen gebietet, anerkennt keine göttlich geoffenbarte, für alle Zeiten feststehende Wahrheit." Diese Humanität ist eS. welche nicht nur Finde!, sondern die ganze Freimaurerei zur Gegnerin des Christenthums macht. Denn wie Finde! so denken und sage» alle wahren Freimaurer, alle, welche nicht bloß äußerlich mitthun, sondern den Geist der Loge erfaßt haben. Dieses Humanitätsprincip erklärt uns der deutsche Frciniaurer Gcttbold Salomon in seinen Stimmen aus Osten mit den Worten: „Eine christliche Freimaurerei wäre der entschiedenste Widerspruch, ein eckiger Zirkel, ein rundes Winkelmaß", erklärt uns der deutsche Freimaurer Stilting, der in der Freimaurerzeitung „Bauhütte" bekennt, daß die Logen seit ihrer Gründung die Trägerinnen und Verbreiterinnen des Naturalismus oder der sogenannten Vernunftreligion waren, also jener Religion, welche jede Offenbarung und damit den Höhepunkt aller Offenbarung, das Christenthum, verwirft, erklärt uns der deutsche Freimaurer Jochinus Müller, der in seinem Werke „Kirchenresorm" unheimlich offen eingesteht: „Ein freies, wahres Hcidcntbum steht unö näher, als ein engherziges Christenthum." Was unter diesem freimaurerischen Humanitätsprincip zu verstehen, wie sehr cS die gründliche Läug- nung alles Christlichen in sich begreift, daö lehrt uns die „Bauhütte", jene deutsche Freimaurcrzeitung, die sich „Organ sür die Gcsammtintercsstn der Freimaurerei" nennt, also gewiß alö Sprachrohr dcS freimaurerischen Geistes angesehen werden darf. Sie bringt ungescheut die Rede des Freimaurers Br.'. Schulze über die Unsterblichkeit und den Glauben. Darin heißt es: Unsere errungene Vervollkommnung lebt durch die geistige Nachlassenschast, durch die Kindererziehung oder das gute Lebens- bcispiel in unsern Mitmenschen, ja bei großen Menschen in künftigen Geschlechtern fort. Dies ist die, unserem Verstände erfaßbare, vernunftgemäß e Unsterblichkeit. Zur Erfüllung dieser Lebensaufgabe bedürfen wir weder der Versprechung himmlischer Freuden, noch der Drohung mit Höllenqualen, wir erkennen einfach in dieser Aufgabe unsere Pflicht. Nicht ein Wiedersehen im Jenseits soll uns trösten .Erst wenn wir unS von jedem Phantasiegcbilde frei machen, weroen wir unsere Lebcnsauigabc recht erkennen. Wäre uns zu ihrer Erfüllung etwas UebernatürlickeS nöthig, gewiß würde es uns von der allgütigen Natur (I) verliehen worden sein. Da uns aber von ihr der Blick über unser irdisches Dasein hinaus verschlossen wurde, so bleibt jedes Glaubensdogma, also auch das an die Unsterblichkeit, ein unnatürlicher Uebergriff, eine Anmaßung und Auflehnung gegen die Schöpfung, die uns alles Ucbernatürliche ... zu unserem Besten vorenthielt." — Gewiß ein unheimlicher und vielsagender Commcnlar zu dem Begriff freimaurerischer „Humanität", die ein Jenseits, die Unsterblichkeit der Seele, jedes Glaubcnsdogma, kurz „alles Uebernatürliche" rundweg verwirft. Gegenüber solchen offenen zahlreichen Geständnisse» einzelner Freimaurcrauctoritäten wie eines der ersten Freimaurcrorganc hilft alles Läugncn nichts, ist es sogar geradezu lächerlich, wenn der eine oder andere Freimaurer der niederen Grade noch von sein christlichen Wesen der Loge rührselig zu erzählen weiß. Den Geist und daö Wesen einer Partei erkennt und beurtheilt man mit Fug und Recht nach den Aeußerungen ihrer Anhänger, chrer Schriften und Organe. Das gilt und galt überall, muß also auch bei der Freimaurerei gelten — trotz ungeschickter Läugnungövcrsuche. Fügen wir, um alle diese Läugnungsversuchc unmöglich zu machen, ein Bekenntniß der Gesammtircimaurerci an, ein Bekenntniß eines Wcltfrcimanrcrcongresscs im Jahre 1869 zu Neapel. Nicht wcniaer als 700 Freimaurer, und zwar als Vertreter der Logen Europas. Nord- und Südamerikas, Asiens und Afrikas haben dieses Bekenntniß in der Forni eines Beschlusses abgelegt, der so recht zeigt, wohin das „Humanitäts- idcal" der Loge zielt, worin ihre vielgepriesene „Humanität" besteht. Dieser Beschluß lautet nach der „Dublin Rebielv" Juli 1884 S. 148 ff.: „Die Unterzeichneten, alö Abgeordnete der verschiedenen Nationen dercivilisirten Welt, proclamiren die Freiheit der Vernunft gegenüber der religiösen Auctorität; die Unabhängigkeit des Menschen gegenüber dem Despotismus von Kircke und Staat; die Freiheit der Erziehung gegenüber dem klerikalen Unterrichte, indem sie keine anderen Grundlagen für den menschlichen Glauben anerkenne» als die Wissenschaft; sie proclamiren die Frci- beit des Menschen und die Nothwendigkeit, alle officicllen Kirchen abzuschaffen; — das Weib muß von den Fesseln, womit es Kirche und Gesetzgebung bisher an der vollen Entwicklung gehindert haben, befreit werden; die Moral muß von jeder Dazwischenkunft der Religion vollständig unabhängig sein." In diesem radikalen Beschluß hat der Freimanrerwolf den Schafspelz gründlich abgeworfen und präscntirt sich als das, was er im innersten Grunde seines Wesens und Geistes immer ist, als haßerfüllt gegen jedes positive Christenthum, an dessen Stelle er die Vernunft, die Wissenschaft und die Unabhängigkeit der Moral von jeglicher Religion setzt, also jenes „Humanitäts- ideal" ausstellt, daS im satten Unglauben endet. Solch hochosficiellcn Aeußerungen gegenüber weiß man nur zu gut, was die Worte bedeuten sollen, welche das deutsche Freimaurerorgan „Die Bauhütte" 1879 S. 75 niederschrieb: Die Freimaurerei sei „das ursprüngliche, reine oder biblische Christenthum, das in den kirchlichen Satzungen verloren ging". Es mag ja sein, daß ein einzelner Freimaurer die eine oder andere christliche Wahrheit noch festhält, ja sogar ein gläubiger Christ sein will — die Freimaurerei als solche, in ihrem Princip, ist vollständig unchristlick, geborene Feindin jeder geoffenbarten Religion und alles Uebernatürlichen. Sie ist und will nach ihren eigenen Programmsägcn und oftmaligem Bckenntniß an die Stelle der Offenbarung die Vernunft, an die Stelle drS Glaubens die Wissenschaft und an die Stelle des christlichen MoralgcsctzcS die sogenannte „unabhängige Moral" setzen. Hicmit aber ist ihr Abfall vom Christenthum und dessen Verwerfung documenlirt. Die Freimaurerei bleibt aber auf Grund ihres Humanitätsprincipes, das eine unumschränkte Denk- und Gewissensfreiheit verkündet, bei der Läugnung des Uebernatürlichen und des Christenthumes nicht stehen, sondern schreitet in ihren ächten Vertretern weiter bis zur Läugnung eines persönlichen, über den Menschen als Richter und Vergeltcr stehenden GotteS. Die tiefer eingeweihten Freimaurer — ich meine also nicht jene, die bloß mitzablcn und milfestcn, sondern die fortgeschrittenen und maßgebenden derselben, und auf diese kommt es vor allem und hauptsächlich an, diese also bekennen sich zu jenem pauiheistisch- naturalistischcn Gottcsglanbcn, der unter Gott nichts anderes versieht, als die in der Welt wirkenden Naturkräftc, Naturgesetze, und erkennen und verehren im Menschen, als der Krone der Schöpfung, die höchste Erscheinung des Göttlichen. Ein solcher Gottesglaubc und GotteSbegriff kommt aber praktisch der Läugnung eines persönlichen Gottes, kommt dem Atheismus gleich. Um zu täuschen spricht die Loge ost vom Göttlichen, versteht aber darunter zumeist entweder einen Gott. der weder Schöpfer noch Richter ist, oder überhaupt nur die Naturkräste und den vergötterten Menschen, daö Reiumcnschlichc. Deßhalb protcstireu aufrichtige, cvnscqucntc Freimaurer gegen daö von der Loge viel gebrauchte und viel mißbrauchte Wort: ^Deltcn- baumeister und Allmächtiger Baumeister aller Welten. Finde! will. man soll den Weltenbaumcister einfach fallen lassen. Denn dieses „Symbol" sei als freimaurcrisches völlig unhaltbar. Die Anrufung des großen Baumeisters in den Logen habe nämlich fast durchweg die Bedeutung eincö Lückenbüßers. — Der Freimaurer Dr. Treut owSki, Mitglied der deutschen Loge, schreibt in der „Bauhütte" 1865 unbeanstandet: Ihr (der Freimaurerei) Weltenbaumcister ist und bleibt daS Wesen, welches man verstehen kann, wie man will — welches ebenso ein Christ, ein Jude, ein Muhamcdancr, ein Heide... ja sogar ein Atheist ...anerkennen niuß. Und die Freimaurcrzeitung von 1874 schreibt: Atheisten aus Grundsatz . . . können zugleich die ebrenwcrthcsten Menschen und die würdigsten Maurer sein. Noch offener predigen die französischen und italienischen Freimaurer den nackten Unglauben, welche, wie ;. B. das französische Logenblatt De proArös vom 6. Juli 1874, die Auffassung der christlichen Gorresidce geradezu als unsittlich bezeichnen. (Fortsetzung folgt.) 348 Recensionen nnd Notizen. Die Freundinnen und andere Erzählungen für junge Mädchen. Von Anna Benfoy-schuppe. Negcns- bnrg, Nationale VcrlagSanstalt. Preis gebd. 4 M., in Goldschn. 4 M. 50 Psg. Cordelia's Geheimniß. Novellen für junge Mädchen. Von Rcdeatis. RcgenSburg. Nationale Verlagsanstalt. Preis gebd. 4 M., in Goldschn. 4 M. 50 Pfg. n Ueber diese neue, elegant ausgestattete und von den beliebtesten modernen Erzählern verfaßte Collection illustrirter Jngendschriften äußert siL der k. k. Professor I. Repiifch in Wien folgendermaßen: Daß heutzutage das Viel lesen geradezu ein Bedürfniß ist, wird wohl von niemand ernstlich gcläugnet werden können; große Schichten des Volkes, die vor 30 und 40 Jahren nur, wie man zu sagen pflegt, alle heiligen Zeiten einmal — irgend ein Buch in die Hand nahmen, befassen sich jetzt gar eifrig mit der Lektüre, die einen zu ihrem größten Nutzen, die anderen zu ihrem größten Schaden, je nachdem die literarischcn Erzeugnisse, die der Zufall ihnen in die Hände spielt, in gutem, reinem, moralischem, oder in schlechtem, schmutzigem, irreligiösem Sinne geschrieben sind. Ist die gute Lektüre für die Menschheit ein Hauptansporn zu edlem Thun und Lassen, so ist die schlechte, die unmoralische, die nur auf die Sinnlichkeit berechnete, eines der ärgsten Gifte, die der armen, viclgeplagten, von so vielen Seiten betbörten Menschheit gereicht werden können. Zum Glück, Gott sei es gedankt, haben wir ausgezeichnete VerlagSfirmen genug, welche weit entfernt sind, das Böse, das Schlechte, das Unmoralische zu cultiviren- um es dann den Leuten unter verschiedenen mehr oder weniger „ziehenden" und verlockenden Titeln, oft um schweres Geld, aufzuhalsen; wir haben VerlagSsirmcn, die es 'sich znr besonderen Ehre anrechnen, dem Volke in seinen breitesten Schichten nur von echt religiösem, von echt moralischem Geiste durchwehte Lektüre zu bieten und es auf diese gar nicht genug zu lobende und anzuerkennende Art und Weise geistig und moralisch im wahrsten Sinne des Wortes zu heben und zu bilden. Und zu diesen hochehrcnwerthcn Firmen gehört auch die „Nationale VcrlagSanstalt" (früher G. I. Manz) in Regcnsburg, die soeben wieder eine Anzahl interessanter Werke herausgegeben hat, die man mit größter Beruhigung aus jeden Familicntisch legen, in jede gute Bibliothek aufnehmen und sowohl dem Alter, als auch der Jugend in die Hand geben kann. Praits äu äroit naturel Idsorigus st uxpligus par Danoroäs Lottrs, krokesssur anx Vasultss oattrolignes eis Lilie. Uario, Laross. Eine Recension mit der Aufstellung einer handgreiflichen „Wahrheit" beginnen, ist mißlich, und doch läßt es sich bei der Besprechung des vorliegenden Buches nickt wohl vermeiden. ES gibt eben derartige „Wahrheiten", die als solche, leider, lange noch nicht allgemein genug anerkannt und beachtet sind, und so müssen wir denn vor Allem den verderblichen Einfluß betonen, den Hugo Grotins auf die Behandlung des Naiurrechtcs ausgeübt hat. Besorgt über die in seiner Zeit immer heftiger werdenden Angriffe gegen das Christenthum, suchte er daß Recht vor Gefahren zu sichern, indem er es von seiner übernatürlichen Grundlage loslöste und es auf einer in der Natur des Menschen begründeten Basis neu aufrichtete. So gut die Absicht, so verhängnisvoll die Folgen. Man darf mit Recht sagen, daß der ganze moderne liberale Staatsbegrisf, und mit ihm der aus diesem entsprungene Socialismus, im Keime in dem Werke Grotius' enthalten sind. Stahl konnte mit voller Berechtigung GrotiuS als den „ersten und schon vollständigen Begründer einer Richtung, die in ihrer Folgerichtigkeit mit der Zerstörung der Sitte und des Rechts endet", bezeichnen. Was sich seit diesem AuSspruche Stahl's ereignet hat, muß auch den Kurzsichtigsten belehren. Liegt nun aber die Wurzel des Uebels in dem Brücke mit der christlichen Rechtsauffassung des MittclalterS, so mutz daS Heil in einem Wiederbeleben desselben zu suchen und zu finden sein. Und von diesem Gesichtspunkte vor Allem begrüßen wir mit Freude das Naturrecht Professor Rothe'S. Der vorliegende dritte Band behandelt das Familien- und Erbrecht mit besonderer Betonung der Er- ziehungösragen. während der 1893 erschienene zweite Band das Eherccht umfaßt. Wie immer zeigt sich Rothe als tiefblickender Philosoph, als scharfdcnkender Jurist und, was mehr ist, als «in achter, frommer, gläubiger Christ. Wir können diesem trefflichen Buche nur die weiteste Verbreitung wünschen, denn wenn unsere Gesellschaft gerettet werden soll, so mutz mit der un- heilschwercn Geistcsrichtnng gebrochen werden, die uns dem drohenden Verderben entgegenführt. Und Klarheit in die Geister zu bringen, dazu ist Nothe's Buch vortrefflich geeignet. Zum Schlüsse nur noch die Bemerkung, datz dieses elegant und fließend geschriebene Werk nicht zu den trockenen, nur für den Fachmann genießbaren Büchern gehört, sondern von jedem, der für die Bedürfnisse unserer Zeit Sinn und Verstänvniß hat, mit Vergnügen und Nutzen gelesen werden wird. Insbesondere wäre dasselbe den Herren Parlamentariern warm zu empfehlen: es sollte aber auch in keiner Redactions-Bibliothek fehlen. L. L. Ave Maria. Ein Waldkapellenstrauß von Gust. Adolf Müller. München, Seitz u. Schauer. 1896. kl. 8°. 64 S. M. 2. In einer Sammlung kurzer Lieder läßt der Dichter die Scclennoth eines wcltmüdcn Wanderers ausströmen vor dcnr gnadenreichen Bilde der Oonsolatrix aktlietoruw. Nur einige dieser Lieder haben was wirklich Ergreifendes. Im allgemeinen aber leiden sie an einer gewissen Einförmigkeit in Folge der steten Wiederkehr der Sclbsivorwürfe. sie gleichen sich zu sehr, und sowaS stumpft das Zutrauen und die Stimmung des il Lesers nach und nach ab. Das sind rein künstlerische Gebrechen, und zwar speciell nach unserem Empfinden. Wir sind indeß überzeugt, daß das Büchlein, zumal da es bei hochfeiner innerer und äußerer Ausstattung spottbillig genannt werden muß, ein beliebtes Geschcnkwerk werden wird. Der Katholik. Nedigirt von Joh. Mich. Naich, 12 Hefte, M. 12. Mainz, Kirchheim. Inhalt von 1896, Heft IX. September. Dr. Jos. Nirschl, Der Briefwechsel des KönigS Abgar von Edcssa mit Jesus in Jerusalem oder die Abgarfrage. — De Waal, Der Name Maria auf altchristlichen Inschriften. — l>r. N. Paulus, Die angebliche Lehre, Christus sei nur für die Erbsünde gestorben. — ?. Jos. Henninger 0. 8. L. — Dr. Seidcnbergcr, Ein hervorragender Gelehrter unserer Tage und sein neuestes Werk. — Literatur: OsorAso Oogmu, Luärs kerats, ?aul Labrs, Ls Vatioan, los kaxss st la Civilisation, lo Oonvsrnsiuenb äs I'Lxliss. -- L. ?. Lseanusd, Llontaiswdsrt. — Nikolaus Schleiniger, Grundzüge der Beredsamkeit. — Dr. Simon Widmann, vr. Joh. Bumüller's Lehrbuch der Weltgeschichte. — H.. XanusiiZisssr, ckuiks st Catliolignss sn Lartrieirs- HonAris. — Dr. H. Brück, Geschichte der katholischen Kirche in Deutschland im 19. Jahrhundert. — Schreiben des Hochw. Herrn Nuntius Petrus Franziskus Meglia an den Hochw. Herrn Erzbischof Paulus Melchers in Köln. — Dr. G. Natzinger, Lorch und Passau (Nachtrag). Litcrarische Rundschau für das katholische Deutschland. Herausgegeben von Dr. G. Hoberg, Professor an der Universität Freiburg i. Br. 22. Jabrg. 1896. 12 Nummern. M. 9. — Freiburg im Breiszau, Hcrder'sche Verlagshandlung. — Durch die Post und den Buchhandel. Inhalt von Nr. 9: Daschean, Armenische Texte zur Apostcllehre. (Vetter.) — Schall, Die Staatsverfassnng der Juden rc. (Ad. Schulte.) — Xabsr, Liavü llosopki Opera omnia. (Arens.) — Balbus, Das Verhältniß Justins des Märtyrers zu unsern synoptischen Evangelien. (Hoberg.) — 8olrrsvel, Listoirs äu ssmiuairo äs LruFss. (PlenkcrS.) — Stöckl, Lehrbuch der Apologetik. (Schanz.) — Atzberger, Geschichte der christlichen Eschatologie. (Röeler.) — Matthias, Praktische Pädagogik für höhere Lehranstalten. (Egen.) — Ziegler, Der deutsche Student am Ende des 19. Jahrhunderts. (Orterer.) — Muß-Arnolt, Assyrisch-englisch-deutsches Handwörterbuch. (Dornstettcr.) — Llsmoirss äu gchusral (st» äs 8ainti-OInrmans. (Al. Schulte.) — Wirz, Quellen znr Schweizer Geschichte. XVI. Bd. (Ebses.) — Aus den Briefen des Grafen Prokesch von Osten. (Franz.) — Schund, Cäremoniale für Priester, Leviten nnd Ministranten rc. (Ebner.) — Hilgers, Kleines Ablaßbuch. (Pruner.) — ä'rl.älismar, Xouvells säu- cation äs la ksmms äaus iss olasses eultivsss. (Kcppler.) — Spillmann, Die Sklaven des Sultans. (Seeber.) — Thamm, Am Herdfeucr. (Seeber.) — Börsch, Wieland, der Schmied. (Seber.) — Nachrichten. — Büchertisch. Verantw. Redacteur: Ad, Haas in Augsburg. — Druck u. Verlag des Lit. Instituts von Haas L Grabherr in Augsburg.