Festrede Sr. Magnificenz des Herrn Professors v?. Hermann Schell bei seinem Rektorats» ntritt während des Festaktes in der Aula der neuen Universität in Würzburg. Ew. Excellenz hochgrbictender Herr Staatsniinister! Hohe Ehrengäste unserer Universität! Verehrte Kollegen und werthe Kommilitonen! Hohe Festversammlung l Es ist eine weihevolle Stunde, eine für die Entwicklung unserer Universität bedeutungsvolle Feier, während der ich zum Antritt des Rektorats berufen bin, und tief durchdrungen von diesem Bewußtsein, fühle ich es als die erste strenge Pflicht meines AmteS, dessen Würde und Bürde mir mein Vorgänger soeben übergeben hat, hochverehrte Festversammlung, im Namen unserer gesummten Universität feierlich zu bekunden, welche Aufgabe sie in dem neuen stolzen Bau zu erfüllen hat und gedenkt, den uns die Arbeit der seitherigen Jahre auf Grund der wohlwollenden Fürsorge von Regierung und Land als neue Heimath der freien Wissenschaft eröffnet hat. ES gilt nunmehr, darin ein geistiges Ideal zu verwirklichen, einen geistigen Dom aufzuführen, der nicht bloß der stolzen Hochburg würdig ist, sondern der im vollen Sinne dem Namen Universität, einer deutschen Universität, Ehre macht und in fortschreitende« Maße dem gerecht wird, was der Fortschritt der Cultur von einer Universität erwartet und verlangt. Nicht, als ob es unserer Lima. runter seither an berechtigtem Ruh« und Erfolge gefehlt hätte. Sind ja von ihr gerade in den letzten Jahrzehnten die bahnbrechenden Anregungen zu neuen wissenschaftlichen Methoden auf mehreren Gebieten ausgegangen. Allein, was nicht fortschreitet, geht zurück, und was sich besonders bei so tiefgreifenden Umgestaltungen nicht der Pflicht des Fortschrittes bewußt ist, insbesondere auf geistigem Gebiete, sinkt schon hiedurch von jener geistigen Höhe herab, auf der man sich nur durch ununterbrochenes Aufwärts- streben erhalten kann. Daß nun gerade ein Theologe dazu berufen ist, diesem Gedanken in so feierlicher Stunde gebührend ge-' recht zu werden, mag wohl mit dem geschichtlichen Ursprung und der Vergangenheit unserer Lima flulia glücklich übereinstimmen, vielleicht aber beim Ausblick auf die Fort- entwicklung unserer Universität für die Zukunft Bedenken erregen. Wie unsere Universität darüber denkt, hat sie bereits durch das ehrenvolle Vertrauen beantwortet, mit dem sie mich, eiuen Theologen, an diese Stelle berief. Allein in weiten Kreisen erscheint die Theologie wesentlich anders geartet, wenn sie in ihren Voraussetzungen und ihrem Wissenschaftsbetrieb mit andern Fakultäten verglichen wird. Sie scheint vielfach behindert zu sein, dem Ideal der Voraussetzungslosen Wissenschaft und der unbeschränkten akademischen Freiheit des ForschenS und Lchrens gerecht zu werden. Und doch glaube ich sagen zn dürfen, es sei das nur scheinbar, und der Schein entsteht vielfach nur dann und deßhalb, wenn und weil man sich nicht in der Lage befindet, von seinem Standpunkt aus mit dem Ergebniß der theologischen Wissenschaft übereinzustimmen, aber auch deßhalb, weil «an wichtige Begleiterscheinungen der Theologie im Verdacht hat, unter Umständen als Ersatz für den wissenschaftlichen Betrieb selber einzutreten. Auch die Theologie kennt nur eine Gebundenheit, — die Gebundenheit an die Thatsachen; auch der Theologe kennt nur ein Kriterium des Thatsächlichen: daß sich die Sache eben mit der Vernunft und den Grundgesetzen aller Erfahrung sowie allen Denkens in Uebereinstimmung befinde. Auch die Theologie kennt nur eine Schranke für die wissenschaftliche Freiheit, nämlich die Wahrheit, die man bereits als solche erkannt hat, und sie erkennt fernerhin als Wahrheit nur das au, was sich in der Thatsächlichkeit nachweisen läßt, und im tiefsten und höchsten Sinne nur das, was sich zum hinreichenden Erklärungsgrund der Wirklichkeit und zur Ueberwindung aller Unvollkosrmenheiten und klaffenden Widersprüche eignet. Das ist allerdings zuzugeben, daß eS Thatsachen gibt, welche leichter verkannt werden können als andere — insbesondere leichter als die der sinnlichen Ordnung — allein das menschliche Denken hat zu allen Zeiten und bei allen Culturvölkern gezeigt, daß es vermöge seiner Freiheit sogar die Realität der Außenwelt bezweifeln, wenn nicht gar läugnen kann. Doch daS ist eine Folge der persönlichen Freiheit des Denkens: unmöglich kann ein solcher Gebrauch zum Grundgesetz und Endzweck der wissenschaftlichen Denkfreiheit gemacht werden wollen! Das Thatsächliche ist der Gegenstand wissenschaftlicher Erforschung und Erklärung; die Gesammtheit der Thatsachen sind der Gegenstand der Ilnivarsitas litsraiuM. Wer wollte indeß bestreiten, daß unter der Menge von Thatsachen die große und weltgeschichtliche Thatsache der Religion und des Christenthums eine ganz hervorragende Stelle einnimmt, sowie die Gedankenwelt, welche dcmit gemeint ist? eine ganze Gedankenwelt von Idealen, Gesetzen, Beweggründen, Zielen? Wer möchte bestreiten, daß diese weltgeschichtliche Thatsache und Gedankenwelt nicht übersehen werden darf, wenn es sich um den wissenschaftlichen Versuch handelt, eine hinreichende Erklärung für die Welt zu finden, sowie jene Quelle von geistigen Kräften zn entdecken, von der eine allgemeine und wirkliche Vervollkommnung aller menschlichen Verhältnisse zu erwarten ist? Ich «eine hiebet nicht etwa Thatsachen, die wohl als Massen, sogar als riesige Massen einen Leichnam früheren geistigen Lebens darstellen, sondern nur wahrhafte Thatsachen, die sich als treibende, gestaltende, befruchtende und belebende Kräfte noch heute erweisen! Ich darf wohl daran erinnern, daß es noch Niemandem gelungen ist, für das strenge Denken und Wollen einen Ersatz für dasjenige zu nennen oder zu bieten, was der Glaube an Gott und Ewigkeit für das sittliche und sociale Leben unmittelbar für die Gläubigen, wie mittelbar für die freidenkerischen Kreise leistet! Auch den Gedanken wird wohl Niemand ernst nehmen, man könne jemals die Religion als archäologischen Gegenstand des Wissens behandeln oder als eine pathologisch nothwendige Culturfor« — aber ohne Anspruch auf eigentliche Ueberzeugung und unbedingt heilige Geliungl Das Culturleven ist ebenso wie die Wclicutwicklung voll von Spannungen, voll von Problemen, roll von Gegensätzen, und Zwar meines EcachtrnS zum Vortheil seirue geistigen Fruchtbarkeit und seines geistigen Reichthums —, damit wenigstens im Ganzen jenes Ideal der Mseitigkeit erreicht werde, die für den Einzelnen nur in seltenen Fällen ohne Beeinträchtigung der charaktervollen Schärfe und Tiefe erreichbar zu sein scheint. Wenn nun die Universität ein Inbegriff und eine hohe Schule des geistigen Lebens ist, wie sie ein Brennpunkt und Länterungsherd aller geistigen Bestrebungen sein soll, dann muß sie auch organisch alle treibenden Geistesmächte in sich zusammenschließen, welche das öffentliche Leben bewegen und befruchten. Wenigstens alle jene, welche die Menschheit über das Gemeine erheben und zur Vervollkommnung vorwärtsdräugen! Was demnach ein Mangel, ein Anachronismus schien — im Vergleich zu den romanischen Ländern — das erweist sich bei schärferer Betrachtung als ein wirklicher Vorzug der deutschen Universitäten. Es ist nicht bloß ein historisches Band, das die theologische Fakultät dem Organismus unserer Universität eingliedert, es ist nicht bloß die Nachwirkung der geschichtlichen Vergangenheit, die mit mehr oder weniger pietätvoller Rücksicht betrachtet und weiter geduldet werden kann: es ist vielmehr eine innere Nothwendigkeit und ein innerlicher Vorzug der deutschen Universitäten! Dieser Standpunkt ist es, hohe Festverfammlung, der es mir unter voller Wahrung meines theologischen Charakters erlaubt, ja, der mich dazu drängt, im Namen unserer gesammten Universität den Wunsch und die Hoffnung auszusprechen, es möge in dem neuen Universitäts- gebünde das hohe Ideal einer deutschen Universität zur glänzenden Verwirklichung gelangen, ein wirkliches Ge- sammtbild aller edlen geistigen Bestrebungen und Gedanken- richtungen zu sein, welche als treibende Mächte im Cultur- leben der Menschheit wirken: eine wahre Vniversitao alles dessen, was ein inneres Wahrheitsrecht und darum ein Recht auf Würdigung, die Kraft zu segensreicher Befruchtung, zum Fortschritt und zur Vervollkommnung der Menschheit in sich birgt. Es obliegt «ir ferner, hochverehrte Versammlung, im Namen der Universität auszusprechen, wie wir den Dank für die neue Heimath in der Zukunft bethätigen und dem Vaterlande abstatten werden. Ich thue dies natürlich nicht bloß im Namen der unmittelbar in diesem Ban zur Lehrtätigkeit Berufenen, sondern auch i« Namen der medizinischen und naturwissenschaftlichen Institute, welche ja als Glieder der einen ^Irna runter ebenso in dem Hanptuniversitätsgebäude ihre Heimath haben; ich thue es, indem ich mir wohl bewußt bin der großen Verschiedenheiten, welche obwalten und vielfach sogar trennend wirken; ich thue es eben vor allem im Hinblick auf das, was uns alle trotzdem einigt: es ist die thatkräftige Begeisterung für die Wahrheit, es ist die gemetns««e Hingabe und Weihe für die Wahrheit! Und das ist es auch, was das Vaterland von uns erwartet. Veritnti: der Wahrheit ist der Bau geweiht als der Wahrheit hohe Schule: der Wahrheit weihen auch wir uns von Neuem, der Wahrheit, die wir forschend suchen und lehrend verbreiten! Es ist das Beste, was wir dem Vaterlande bieten können, es ist das Nothwendigste, dessen das Vaterland bedarf. Was das Streben nach Wahrheit an Spannungen und Gegensätzen hervorruft, das wird es am besten auch wieder überwinden! Veritati! Wahrheit ist ja das Höchste, dem sich der Geist weihen kann: selbst das höchste akademische Ideal, die Freiheit des Forschens, Lehrens und Lernens, hat ihren Hrund nur darin, daß sie den Weg zeigt, der auf die Weise zur Wahrheit führt, wie eS des Geistes und der Wahrheit würdig ist! Gerade dieses höchste akademische Ideal fühlt sich selbst als freies Recht deL Forschens innerlich gebunden durch die Wahrheit, von. der sich der Geist bereits überzeugt hat, wie sie sich als Freiheit des Lehrens selbst bindet durch die Pflicht der Gerechtigkeit, der gewissenhaftesten Rücksichtnahme auf das, was ein Gut ist von unbedingte« Werth und von unersetzlicher Bedeutung. Wahr kann ja im höchsten Sinne nur sein, was Leben, Fortschritt und Vervollkommnung verbürgt, was über die Gemeinheit und über die Gefahr geistiger Verknöcherung erhebt! Indem unsere Universität die Weihe für die Wahrheit in leuchtender Inschrift auf die Stirne der geistigen Hochburg geschrieben, hat sie zugleich pietätvoll den Gedanken des hohen Stifters und den Zusammenhang mit der alten Universität gewahrt wie es das ernste Wort des Fürstbischofs Julius fordert: nNostras Acnäewiae . . . tswxlum üoo anueetiwrw, ut es. nd invieem sexarari nullt peuitus lieent. 'Wir verbinden dieses Gotteshaus dermaßen «it unserer Akademie, daß es durchaus Niemandem gestattet ist, beide von einander zu trennen? L9. Sept. 1591." Beide Universitätsgebäude werden innigst und unzerreißbar verbunden bleiben! Dort erhebt sich ja der hehre alte Bau, der das Herz des hohe» Stifters birgt, der hehre Bau, in dem sich durch sinnbildliche Architektur der Goitesgedanke und Christusglaube verkörpert, jener Gedanke, in dem sich das vernünftige Denken auf wissenschaftlichem Wege am höchsten erhebt, jener Gedanke, der als Grund- und Eckstein für jede geschlossene Wclterklärung unentbehrlich ist, — aber auch ebenso unersetzlich für den Bestand der sittlichen Ordnung, wenigstens bei rücksichtslos folgestrcngem Denken, die keinen Anlaß hat, sich selbst den Folgerungen aus den angenommenen Grundsätzen gewaltsam zu verschließen! Dort bleibt die kgl. Universitätsbibliothek, diese Ute- rarlsche Fundgrube des gelehrten Schaffens, diese unentbehrliche Quelle jeglichen Wisserischastsbetriebs, die Sam- melstclle alles dessen, was die aufeinanderfolgenden Ge' neratianen für Wahrheit und Wissenschaft leisten! Dort bleiben, ihren Reichthum erst jetzt ungehemmt entfaltend, die kunstgeschichtlichen Sammlungen der Universität, jene hohe Schule des Schönen, welche für die hohe Schule des Wahren und Guten durch den stillen, aber gewaltigen Einfluß des Bildes auch immer von höchster Bedeutung war und fürderhin auch an unserer Mater zur weihevollen Verklärung wirken wird, waS die nüchterne Arbeit erzielt hat. Wie in dc« alten, so soll sich auch im neuen Universitätsgebäude eine hohe Schule der Wahrheit erheben, eine hohe Schule reichster Gedankenfülle, aber noch mehr, eine hohe Schule des selbstsrändigen Denkens! Eine hohe Schule, die dem unerschöpflichen Worte der Wahrheit geweiht ist, daß es zum immerfort wachsenden Gcistcs- besitz der Jugend werde, daß nichts von dem Erbe der vergangenen Geistesarbeit verloren gehe — eine hohe Schule, dem Geiste der Wahrheit geweiht, damit auch nichts vo« Ueberlicfertcn je erstarre, noch Zur Fessel und Schranke, -um Hemmniß des Fortschritts «erde, sondern verbunden mit dem Nenerworbenen lebendig wirke, leitend und läuternd eingreife in »ie Aufgaben der Zeit, in die gewaltigen und großen Spsnnungen, unter denen sich die Fortentwicklung zuw Besseren vollzieht! In reichen Strömen fluihe das lebendige Wort und der lebendige Geist der Wahrheit aus dem Baue heraus, 359 der durch seine Inschrift zu einer Hochburg der Wahrheit geweiht ist und durch seine reichen Segnungen dem gesummten Vaterland beweisen Möge, daß drinnen wirklich eine hohe Schule der Wahrheit walte, eine hohe Schule des kühnen, freien, rastlos vorwärts nnd aufwärt) strebenden Gedankens, der indeß in all' seiner Freiheit gewissen - haft auf all' daZ achtet, was Wahrheit ist und enthält! Das walte Gott! Wahrheit — das ist der Dank, den wir de« Vaterland für die stolzen Bauten bieten, die eS der Wissenschaft gebaut hat; es ist ein kraswrller und segensreicher Dank: denn allen Fortschrittes Bahnbrecher ist der Gedanke! Zu« feierlichen Ausdruck des Dankes, «it de« wir von der neuen Heimat!) Besitz ergreifen, bin ich zunächst im Namen der gesammten Universität verpflichtet — des Lehrkörpers »ie der Studentenschaft — aber ich darf, ja ich muß auch die gesammte h»he Frstversa««lnng einladen, sich zum gemeinsamen Ausdruck des Dankes «it uns zu vereinen — deL Dankes an Herrscher und Volk, «n StaatSregierung und Landtag. Dieser Dank sei in -ie tiefempfundenen Worte zusammengefaßt: Gott segne Bayern und das gesasmte deutsche Vaterland! Gott segne sie insbesondere durch die Wahrheit und Wissenschaft, welche die Frucht der geistigen Arbeit in dem neuen UniversitätSgebüude sein werden! Gott segne unseren geliebten Prinzregenten und dar gesammte kgl. HauS Wittelsbach! Seine kgl. Hrheit Prinzrezent Luiipold, der Königreichs Bayern Verweser, der erhabene und wohlwollende Schutzherr unserer Universität, er lebe hoch, hoch, hoch! Wie Klassiker begraben werden. (Weitere Beiträge zur Frennaurerfrage.) Es dürfte eine bekannte Thatsache sein, daß die Mehrzahl unserer großen Dichter der Loge angehörte. Man hört dann auch oft die Ansicht aussprcchen, daß sie diesem Umstände einen guten Theil ihres Nimbus verdanken sollen. In welcher Weise unsere klassischen Heroen den Bestrebungen der Drei-Puukte-Brüder gedient, das ausgesprochen zu haben ist das Verdienst der Logen- männer selbst. Greifen wir zwei charakteristische Beispiele heraus. In der Nacht vsm 10. auf den 11. Januar 1813 wurde Wieland von einem Schlaganfnlle getroffen. Zehn Tage darnach starb er. Da er 1808 mit Goethe wieder in die neu errichtete Loge „Anna Amalia" in Weimar getreten war, übernahmen die „Brüder" die Sorge für die Leichenfeier, die sehr glänzend ausfiel. Bertuch, der 1808 «it 9 gegen 3 Stimmen, die auf Goethe fielen, „Meister vom Stuhl" geworden war, ließ den mittleren Theil deS Landesindustrie-Comptoirs mit architektonischen Verzierungen schmücken. Da wurde a« Abende des 24. die Leiche ausgestellt, das Haupt mit einem Lorbcerkranz geschmückt und der Körper in weißes Tuch gewickelt. Auf dem Sarge prangten neben de« französischen und russischen Orden „Oberon" und „Mn- sarion" in feinem Einbande, ebenfalls mit Lorbeer umwunden. Am andern Tage wurde die Leiche nach OS- mannstädt gebracht und neben seiner Frau und feiner Freundin Laroche begrab?». Sechzehn Maurerbrüder wechselten im Tragen des Sarges. Die andern Mitglieder folgten dem Trauerzuge, welchen — charakteristisch genug! — der französische Gesandte mit Wieland's ältestem Sohne eröffnete. Am 13. Februar wurde dann in der Loge eine Trauerfeier gehalten. „Es durfte» nur Frauen von MagonS", schreibt Schillers Gattin, „noch dazu nur von hiesigen dabei sein. Ich, als die beste Freundin Wiclands, hätte wohl tiefer gefühlt, was da vorging, als manche Dame, die entweder nur da war, um da zu sein» oder in leere Acclamation anszu- brechen." In seiner Trauerrede entfaltete Bruder Goethe einen ebenso feingezeichneten als schmeichlerischen LebrnSabriß des Verstorbenen. „Nur »eisige Monate sind es", so heißt es darin, „als die verbundenen Brüder ihre geheimnißvolle Sphinx für ihn «it Rosen bekränzten, um auszudrücken, daß, »e«n Anakreon, der Greis, seine erhöhte Sinnlichkeit mit leichten Nosenzweizen zu schmücken unternahm, die sittliche Sinnlichkeit, die gemäßigte, gc.streiche Lebensfreude unseres Edlen einen reichen, gedrängt gewundenen Kranz verdiene. Schon als Jüngling mit demjenigen bekannt, «aS uns von den Mysterien der Alten überliefert worden, floh er zwar nach seiner heitern, klaren Sinnesart jene trüben Geheimnisse, aber verläugnete sie nicht, daß gerade unter diesen, vielleicht seltsamen Hüllen zuerst unter die rohen und sinnlichen Menschen höhere Begriffe eingeführt, durch ahnungsvolle Symbole mächtige, leuchtende Ideen geweckt, der Glaube an einen über Alles waltenden Gott eingeleitet, die Tugend wünschenswerther dargestellt und die Hoffnung auf die Fortdauer unseres Daseins sowohl von falschen Schrecknissen eines trüben Aberglaubens, als von den ebenso falschen Forderungen einer lebenslustigen Sinnlichkeit gereinigt worden. Ja, wenn dieser altgc- gründete und nach manchem Zeitwcchsel oft wiederhergestellte Bund eines Zeugnisses bedürfte, so würde hier das vollkommenste bereit sein, indem ein taleutreichrr Mann, verständig, vorsichtig, umsichtig, erfahren, wohl- denkend und mäßig, bei uns Seinesgleichen zu finden glaubte, sich bei uns in einer Gesellschaft fühlte, die er, der besten gewohnt, als Vollendung seiner menschlichen und geselligen Wünsche so gern anerkannte." So predigt der alte Heide Goethe vor den Brüdern und Schwestern von Gott und Unsterblichkeit, Ideen und Tugend, griechischen Mysterien und sittlicher Sinnlichkeit, Anakreon und Rosen, als ob es nie ein Christenthum gegeben, als ob die religiöse und sittliche Bildung Europa's nicht von der Lehre Jesu, sondern von den alten Orakeln herrührte, nnd — das ist noch das Schönste! — als ob Wieland, der Nach- schreiber antiker und französischer Pornographen, der Verderber deutscher Sitte, in feinen Schriften weitaus der unzüchtigste der deutschen „Klassiker", ein unvergänglicher Lehrer wahrer Weisheit und echter Tugend gewesen wäre! — Die Bestattung Goethe's erfolgte am 26. März 1832, unter allgemeiner Theilnahme und Trauer des Hofes, der Dichter, des Landes und der zahlreichen Verehrer, welche der Dichter allüberall besaß. Besonders war es die Loge, welche sich den Ruhm eines so bedeutenden Mitglieder sehr angelegen sein ließ. Daß Goethe's Zugehörigkeit zum Bunde bedeutende Lücken auswies und daß er die Brüder zeitweilig für „Schelme und Narren" ansah, das schien vergessen zu sein. Man dachte nur der Lieder, welche er seit 1808 dem edlen Bunde gewidmet, deren eins auch bei seiner Beerdigung gesungen wurde, insbesondere der salbungsvollen Reden, worin er die Heimgegangenen „Brüder" gefeiert, und der 3M Klugheit, mit der er so oft nach Umtrieben und Zwistig- keitcn die etwas aus den Fugen gekommene Gesellschaft wieder hatte zusammenleimen helfen. Nach dem Vorbild der Todtenfeier, welche 1813 für Wieland gehalten worden war, wurde am 9. November 1832 eine ähnliche Trauerversammlung zu Ehren Goethe's veranstaltet. Die Gcdächtnißrede hielt der Kanzler Friedrich von Müller. Es finden sich darin schon alle jene Ideen, welche den heutigen Goethecult beherrschen. „Ja fürwahr", sagt Müller, „die Feier des Andenkens an ein solches Leben verträgt sich nicht mit den hergebrachten Zeichen und Symbolen äußerer Trauer — sie muß zum höchsten Gefühl menschlicher Würde, sie muß zum frommen Danke gegen den ewigen Baumeister der Welten aufrufen, der solch eine segens- volle Erscheinung uns gegönnt, solch ein Leben bis zum spätesten Erdenzicl uns bewahrt, geschützt, gesegnet hat. Es scheine, daß in ihm, dem Einzelnen, die Natur den ganzen Kreislauf menschlichen Strebens und menschlicher Bestimmung habe abspiegeln, in ihm, in seinem Individuum, den Grundcharakter allgemeiner Menschheit, so in Tugenden wie in unvermeidlichen Schwächen, habe aufstellen wollen. Hat doch sein großer Geist immer ins Heitere gestrebt, dem Unvermeidlichen stets mit würdiger Ergebung sich gefügt und beharrlich alles abgelehnt, was frischer Lebenswirkung und heiterer Pflichtübung Hemmniß drohte. Denn ihm war das Leben ernste Kunstaufgabe, und es aufs edelste vielseitig zu ergreifen und zu gestalten, innere Naturnothwendigkeit. Denn mit jedem zunehmenden Lebensjahre bestätigte sich ihm mehr Und mehr jenes schöne, einst von ihm ausgesprochene Wort: daß die Menschheit zusammen erst der wahre Mensch ist, und daß der Einzelne nur froh und glücklich sein kann, wenn er den Muth hat, sich im Ganzen zu fühlen. Und kann wohl der tiefste Sinn des Maurerbundes jemals klarer aufgefaßt, würdiger ausgedrückt werden, als es Goethe in diesen wenigen Worten gethan? U. s. w." Wir sehen, Goethe wurde hier nicht, wie er es verdiente, als ein großer Dichter, sondern als ein universeller Charakter, als ein Jdealmensch hingestellt. Sein Leben wird als ein von der Nachwelt unkritisirbarer, weil einfach nothwendiger Naturprozeß hingestellt, seine epikureischen Maximen als das Menschhcitsideal der Freimaurer bezeichnet. „So! die Menschheit fort zu ehren. Lasset, freudig überciii, Als wenn wir beisammen waren, Kräftig uns zusammen sein!" Das sind wohl nicht die schönsten Verse, die Goethe gedichtet hat; aber das „Zusammensein", von dem der Dichter spricht, hat zu seinem Weltruhme mehr beigetragen, als „Jphtgenie" und „Lasso". Durch die Loge hat sich die dem Dichter zukommende Anerkennung in eine Art von religiösem Cult verwandelt. Sie hat den Alten von Weimar Zum Jdealmenschen erhoben, und wer nicht damit übereinstimmt, der kann sicher sein, als Dummkopf und Finsterling die Aufklärung des ganzen 19. Jahrhunderts an den Hals zu bekommen! Der Einfluß des christlichen Elternhauses auf Schiller. «l. 6. Ueber den „Lieblingsdichter der deutschen Nation", Friedrich Schiller, sind schon Bibliotheken geschrieben werden; wer aber hat schon etwas darüber vernommen, woher es kommt, daß dieser Dichterfürst, namentlich in seiner späteren Scho.ffenSprrisde, der wir gerade seine herrlichsten Schöpfungen verdanken, so wahre und so wohlthuende Klänge über das Christenthum, ja sogar den Katholizismus, anzuschlagen versteht? Sollte er diese „Converfion" seiner Beschäftizung mit der Geschichte, oder etwa der Philosophie, oder gar seine« Umgänge mit Goethe verdanken? Nichts weniger, als eines von diesen dreien. Nein, wir «achen hier wieder eine alte Erfahrung: Wo das Leben t« Eltern Hause auf solidem, well christlichem Fundamente ruht, da geht dies auch bei den Kindern selten ganz verloren; mag eS auch zeitweilig scheinbar geschwunden sein, von Zeit zu Zeit verschafft es sich doch wieder Geltung. Und so war es auch bei Friedrich Schiller. Dessen Eltern waren tief religiös gesinnt; in ihre« Hanse wehte ein ächt christlicher Geist. Alfred Freiherr von Wolzogen, ein Verwandter des Dichters, hat vor Jahren über das Leben Schiller's im Elternhausc hochinteressante Aktenstücke veröffentlicht, von denen zu wünschen märe, daß, unter Weglassung oft so unbedeutender Bagatellsachen, das eine oder andere Aufnahme in unsere Literatur- geschichtZbücher finden möge. Was für vortreffliche Leute waren doch Schillers Eltern! Arm und oft mit Noth ringend, doch immer voll des festesten Vertrauens aus Gott und seine Vorsehung. Was für eine herrliche, wahrhaft tugendhafte Frau muß seine Mutter gewesen sein! Das Wolzogen'sche Buch enthält unter Anderem mehrere Gebete zur Hausandacht, verfaßt vo«r Vater Schiller's. Vernehmen wir beispielsweise Folgendes: „Nun Herr, mein Gott, ewiger Dank und Anbetung seien Dir von mir gebracht für alle Deine Gnade und Güte, für mein Dasein und Leben, für meine Gesundheit, für meine unversehrten Sinne und Glieder, für die mir erschaffene Vernunft, für meinen guten N«hning,rstand, für den Vorzug, dessen Du mich vor vielen Anderen zenießen lassest, für meine häusliche Verbindung, für den Rath und Beistand meiner Freunde, für den inneren Trost meiner Seele auf Deine fernere Gnade, für die Züchtigungen, die mein Bestes befördern, für alle Freuden meines Lebens, für die Festigkeit meines Glaubens an Dich und Deinen hochgelobten Sohn Christum und für die Hoff nung einer ewigen Glückseligkeit meiner unsterblicher Seele. Von Dir, o Gott, habe ich Aller, von Dir hoff» ich Alles, waS zu meiner Seligkeit nothwendig ist, und auf Dich und Deine Gnade um Christi Willen baue ich im Leben, im Leiden und in meinem Sterben. A«en." Ein anderes Stück: „Herr Jesu, mein Heiland und Fürsprecher! zu Dir flehe ich, verstoße mich nicht. Durch Dich suche ich einen Zugang zum Vater, denn Du bist der Mittler zwischen Gott und dem Menschen. An Dich glaube ich, aus Dein Verdienst traue ich und bin gewiß, daß «ein Gebet um Deinetwillen gehört werde usw." So haben alle Gebete des alten Schiller das positive Christenthum zum Ausgang und zur Grundlage. — Aber auch die Briefe an seinen Sohn sind von religiösem Geiste durchweht. So schreibt er demselben a« 30. März 1785 im Anschluß an „Don Carlos": „ ... Ich bezeuge Ihm (Djrt), daß sowohl dieses neue Stück Seiner Beschäftigung, als auch die über- schriebenen guten Aussichten uns eine herzliche Freude machen, und daß Seine religiösen Ansichten a« Ende des heutigen Briefes mich und Seine Mutter zn Thränen 361 des Dankes gegen Gott gerührt, daß Vr unser armes Gebet für Ihn, um Regierung Seines guten Geistes, nicht verworfen hat, denn aus diesen Aeußerungen überzeugen wir uns, daß Er, unfer lieber Sohn, sich von der besonders unter Gelehrten herrschenden Freigeisterei so weit losgewunden habe, daß Er erkenne, wie alles Gedeihen durch den Segen von Oben herabkommen müsse. O, mein Sohn, was kann mich stärker überzeugen, als selbstgemachte öftere Erfahrung! Wo alle unsere Einsichten, Pläne, Borsätze, Anfänge scheitern, wo Rath, Zusage oder Hilfe vom Menschen nicht hinreicht, um einen sichern Schritt zu thun, und man sich in einer ernstlichen ^ Demuth und Gebet zu Gott wendet, das bringt aus Finsterniß Licht, und es erscheint Hilfe, die eine« Wunder gleichsieht. Und gesetzt, sie erschiene nicht so bald, als wir erwarten, so wird uns doch das Herz leichter, wir gewinnen Vertrauen und Zuversicht auf Gott und werden aufgemuntert, durch Geschäftigkeit, Fleiß und Ordnung auch das Unsrige beizutragen." Diese Proben mögen genügen. Aus Wolzogen'S Buch erhellt ferner, welch' inniger gemüthlicher Verkehr in der Schiller'schen Familie herrschte, und es werden uns manche Anschauungen und Aeußerungen aus den letzten Lebensjahren des Dichters verständlich, wenn wir erfahren haben, waS der große Sohn aus dem einfachen und schlichten Vaterhanse mitbekommen und mitgenommen hat. Ruft dieser doch einmal in den Tagen seiner irreligiösen Richtung aus seinem gepreßten Herzen: „Wenn ich beten könnte!" ES war in der Zeit (1795), da er unter dem Einflüsse seines Meisters Kant an Goethe die trostlosen Worte schrieb: „Ich finde in der christlichen Religion virtualiter die Anlage zu dem Höchsten und Edelsten, uud die verschiedenen Erscheinungen derselben im Leben scheinen mir bloß deßwegen so widrig und abgeschmackt, weil sie verfehlte Darstellungen diese? Höchsten sind. Hält man sich an den eigentlichen Charakterzug des Christenthums, der es von allen monotheistischen Religionen unterscheidet, so liegt er in nichts anderm, als in der Aufhebung de§ Gesetzes, deS kantischen Imperativs, an dessen Stelle das Christenthum eine freie Neigung gesetzt haben will usw." — Die Eltern aber liebten nicht bloß ihren Sohn, dieser hing auch trotz Sturm und Ungewitter mit jeder Faser seines Herzens an jenen. Im April 1895 waren Vater und Mutter auf den Tod krank. In dieser kritische» Lage schreibt Schiller an seine verheirathete Schwester in Meiningen: „Ueberlege, meine liebe Schwester, daß Eltern in solchen Extremitäten den gerechtesten Anspruch auf kindliche Hilfe haben. Gott! warum bin ich jetzt nicht gesund und so gesund, als ich es bei der Reise vor drei Jahren war, ich hätte «ich durch nichts abhalten lassen, hinzueilen! Aber, daß ich über ein Jahr fast nicht aus dem Hause gekommen, macht mich so schwächlich, daß ich die Reise entweder nicht aushalten oder doch selbst krank bei den Eltern hinfallen würde. Ich kaun leider nichts thun, als mit Geld helfen, und Gort weiß, daß ich das mit Freuden thue. Bedenke, daß die liebe Mutter, die sich bisher mit einer bewunderungswürdigen Standhaftig- keit betragen, endlich unter so vielen Leiden zusammenstürzen muß." Vierzehn Tage später schreibt er in der gleichen Angelegenheit: „Wärest Du nicht hingereist, ich Hütte nicht hier bleiben können. 'Die Lage der lieben Unsrigen war doch erschrecklich — so allein, ohne den Beistand liebender Freunde, und bei zwei Kindern, die in der Ferne von ihnen leben, verlassen. Ich darf nicht daran denken. Was hat unsere gute Mutter nicht an unseren Groß- eltern gethan, und wie sehr hat sie ein Gleiches von uns verdient!" Das muß man Schiller lassen: Wenn die Saiten deS Gemüthslebens anklingen, so finden sie in seinem edlen Herzen einen warmen Widerklang. Sein großer Rivale kannte derartige Töne nicht; dafür hatte Goethe aber auch andere Eltern. Rede des Herrn Pfarrers A. Schwarz in Ottenbach (Württemberg) gehalten auf dem Ersten Jntcrnaticualcn Antisreimaurer-Coii^rcß in Tricnt am 28. L-ept. 1896. (Schluß.) Fügen wir zum Beweise der engen Verbrüderung der ge- sammten Freimaurerei und ihres internationalen Charakters noch an das allen „Brudern" gemeinsame HilfS- und Noth- zeichen, auf Grund dessen jeder Freimaurer dem andern in Gefahr und Bedrängnis bcispringen muß. Dieses manrerische Nvihzeichcn wird sogar thatsächlich in Kriegsfällen angewendet, und zwar in vaterlandsverrätherischcr Weise. Wer die Beweise für diese sehr gravirende Anschuldigung wünscht, den verweisen wir auf die wiederholt citirlc Schrift: „Freimaurerei und Socialdemokratie", welche unter anderen Belegstellen eine amührt. in tvelcher eine derartige vaterlands- vcrräthcrische Handlung sogar als freimaurcrische Pflichterfüllung gepriesen wird (s. S. 138). Kein Wunder, daß der sächsische Kriegsminister im Jahr« 1852 ein Eintritts- verbot in di- Loge an die Offiziere erließ, um von anderen derartigen Verboten in Belgien (1845), Baden (1813), Frankreich (1845 und 1873) zu schweige». Denn, heißt cS in der Freimaurerschrist „Die Gegenwart und Zukunft der Freimaurerei in Deutschland" S. 33: „Die letzten Kriege gegen Frankreich sind reich an solchen Beispielen, woderfeind- liche Angreifer seine Waffen streckte, der Offizier seine eigene Mannschaft zurückhielt, um den erkannten Bruder in der Uniform des Feindes zu schonen." Das „Allgemeine Handbuch der Freimaurerei" sodann, in der Loge hochangesehen, schreibt unter dem Worte „Noth-oderHilsszcichen": „DiesesZeichen hat oft in Kriegs- zeitcn wohlthätig gewirkt und die bittersten Feinde entwaffnet .Seit dem Bestehen und der Verbreitung der Freimaurerei hat sich dieses Zeichen in den Kriegen des laufenden Jahrhunderts segensreich erwiesen und oft die unerwartetste Hilfe gebracht." Und trotz alledem soll die tzoM „vom Geiste der Vaterlandsliebe und anderer patriotischen Tugenden erfüllt sein". Das soll die Loge sein, deren Endziel und Hochideal „die Verbrüderung der freien Völker", die „Welirepublik" ist, ja welche iogar nach den Worten deß deutschen Freimaurers Dr. Fischer in dessen Jubiläumörede als die Mutter der Demokratie gepriesen wurde. Und in der Frcimaurerzeitung bricht derselbe vr. Fischer in die sehr bezeichnenden Worte auS: „Ja, meine Bruder, die Demokratie ist ein Kind der Maurcrei, und wir müssen sie anerkennen als unser Kind, und unser Berns ist es, daS Kind heranzuziehen zu aller Wcfttzeir, Kraft und Schönheit." Begreifen Sie jetzt, hochansebuliche Versammlung, nach solchen Geständnissen aus Freimaurcnnund, die zudem leicht vermehrt werden können, begreifen Sie jetzt, warum demokratische und socialdemokratische Zeitungen sofort über die Loge den deckenden Schild halten und für sie schützend in die Schranken treten, sobald man der Loge die Maske abreißt und sie aus Bekenntnisse aus eigenem Mund hin als daS hinstellt, was sie wirklich ist, ja daß dann Demokratie und Socialdcuiokratie sofort zur Vertheidigung der Loge am die Namen einiger gekrönter Häupter und deutscher Fürsten sich berufen, denen gegenüber sie sich sonst gar wohl hüten, sie als Auctoritäten für ihre Zwecke anzurufen. Liegt nicht gerade in diesem warmen Eintreten dieser Parteien für die Loge der beste Beweis, daß die Loge im Sinne der Demokratie und Socialdemokratie thätig ist und Wasser aus deren Mühlen schüttet? Wäre die Loge christensreundlich und Christenthum fördernd, wahrhaftig, dje moderne Demo- kralie würde sich dann nicht als Vertheidigerin >cr Lege auswerfen, und wäre die Lege so patriotisch und monarchisch gesinnt, dann käme eS der Socialdemokratie sicherlich nicht tu den Sinn. für dieselbe eine Lanze zu brechen. Was aber die Stellungnahme deutscher und anderer Fürsten für die Loge betrifft, so lassen Sie mich kurz nur noch sagen, die Loge legte es daraus an, womöglich gekrönte Häupter in ihren Bund zu ziehen, obwohl, wie wir bereits aus Freimaurermund gekört: „Freimaurer und Monarchist zwei mit einauoer unverträgliche Dinge sind "und „die Repnblik über allen Königskronen steht und daS Gesetz der Gesetze ist". Durch dieses Herbeiziehen gekrönter Häupicr aber, die grundsätzlich niemals in die wahren Ziele der Loge eingeführt werden, beabsichtigt die Loge in kluger Berechnung allen und jeden Verdacht von ihren, der Kirche und dem monarchischen Staate gefährlichen Bestrebungen abzulenken und um so unschuldiger und gerechtfertigter dazustehen. Aber von dieser Ausnahme gekrönter Häupter in die Loge ist in letzterer Zeit die Freimaurerei mehr abgekommen. Die letzten gekrönten Hohenzollcrn, die ihr angehörten, waren Kaiser Wilhelm I. und sein Sohn Kaiser Friedrich III. Aber gerade Wilhelm I., Kaiser von Deutschland (1863 bis 1883), lochte nach seinem Eintritt in die Loge durch Uebernahme des Protektorats und Einführung vieler regierungstreuen Beamten einen Einfluß auf die Freimaurerei zu gewinnen, um letztere in ihrem staat-gesähiticken Charakter zu überwachen und desselben nach Kräften zu entkleiden. Darum dachte er sich die Loge als ein christliches Institut, wie seine in Solingen im Jahre 1853 gehaltene Rede bekundet, in welcher er sagte: „Die Freimaurerei ist ein auf Religiosität gegründetes, ein christliches Institut. Diese AnfsassungSweise spreche ich überall, in jedem maurerischen Kreise und heute auch hier aus, hoffend, daß die Bruder im Geiste deS Christenthums und somit auch im Geiste der Freimaurerei denken und handeln, leben und wirken und dadurch dem Institut den weitesten und segensreichsten Raum gewinnen helfen." In dieser Hinsicht ließ aber die Loge ihren „hochwürdigcn Protektor und allerdurchlauchtigstcn Bruder" reden, ohne dessen gutgemeinte Mahnungen sich zur Richtschnur zu nehmen. DaS verbot der Loge ihre principielle Gegnerschaft zum Christenthum durchaus, welche Gegnerschaft zum sehr fühlbaren Ausdruck kam in der Jnscenirung deS unseligen „Cnlturkampfes". Weil Kaiser Wilhelm aber dar srcimaurerische Humanitätsprincip in Religion und Politik nicht anerkannte und, des CulturkampieS später satt, dem Volke die Religion erhalten wissen wollte, begannen die ^grundsätzlichen" Freimaurer in ihm mehr und mehr einen lästigen „Hemmschuh" zu erblicken und die „christ- .iche Unterströmnng", welche Kaiser Wilhelm in die Loge zu bringen und in ihr zu fördern suchte, energisch zu bekämpfen (s. Baubütte 1879, 1883, 1885). Der Freimaurer Karl Schulz trat sogar in offener Rede anläßlich deS GcburtSsestcS des Kaisers (1883) dessen früher ausgesprochenen Wünschen entgegen in den scharf gemünzten Worten: „Glauben Sie ja nicht, der Freimaurerbund sei eine christliche Institution." Als solches Institut hatte nämlich Kaiser Wilhelm D als Kronprinz die Loge bezeichnet, wie wir oben vernommen. Nach dem Tode des Kaisers aber schrieben französische Logenbrüdcr, die immer offener und kühner sich gerircn als die zahmeren Schurzfell- brüder in Deutschland: „Wilhelm I. hat sich niemals durch ernstliche Erfüllung seiner maurerischen Pflichten ausgezeichnet, aber er dielt eS nichtsdestoweniger für Vortheil- haft, persönlich an der Spitze einer in der Welt so weitverbreiteten Institution zu bleiben." (Lullotin inaxonnigns Nr. 102 x. 131, otr. Gerber „Die Freimaurerei".) Kaiser Wilhelm II. (15. Juni 1888) ist der erste aus dem Hohenzollernhanse, welcher in die Freimaurerei sich nicht aufnehmen ließ, eine Thatsache, über welche die zahmen Logenbruder trauern, die grundsätzlichen aber sich freuen, weil sie damit einen Herzenswunsch erfüllt sehen — das Bcfrcitsein von hoher Protektion, durch welche die grundsätzlichen Logenbruder sich in ihrer eigentlichen Maurerarbeit eingeengt fühlen. Als daher mit Kaiser Friedrich III. „der letzte Protektor der Königlichen Kunst aus dem Hohenzollcrnstammc zur dunklen (Todes-) Kammer hinabging" (Banhütte 1888), von den osficicllen Berliner Logen aber eine Erneuerung dieses Protektorates angestrebt wurde, erhoben sich hiegegen ganz energisch die grundsätzlichen Freimaurer. „Es ist ja fraglich," schrieb die „Bauhütte", „ob die fürstlichen Protektorate überhaupt ein Segen sind. Wenn sie dem Einfluß von Intriguen ausgesetzt sind, bringen sie das Gegentheil von Segen, deßhalb wäre Klarheit über die jetzigen Verhältnisse sehr erwünscht: sie könnle vielleicht dazu sichren, daß die o-cbuincht mancher Kreise nach Protektoraten sich merklich abkühlen ließe uns wenigstens ein fester Stamm den Muto bekäme, auf eigene Beine sich zu stellen," welch' letzteres durch Scttegast und seine Anhänger uuumebr geschehen ist. Und au einer anderen bcmcrkcnSwerthe» Stelle sagt die „Bauhütte": „Im allgemeinen sprechen gewichtigere Gründe gegen die fürstlichen Protckwrate, als iür dieselben." Mit gcwobntcr Offenheit äußerte sich anläßlich des NichtbeitrittS Kaiser Wilhelms II. zur Loge das schon früher citirte Pariser Bulletin magonuigns (okr. Gerber „Die Freimaurerei") in den srbr deutlichen Worten: „Wir stauben, die deutschen Freimaurer können sich nur Glück dazu wünschen, daß Friedrich III. seinen Sohn nickt in den Bun» aufnehmen ließ, und sie müssen sich durch die Abneigung, welche letzterer gegen die Freimaurerei zu hegen scheint, sebr geeint füdlcn. Denn eS iü einem Herrscher, trotz all' seines guten Willens — er müßte denn abdanken — einfackhin unmöglich, die Grundsätze der Freimaurerei (die auch »ach Finde! in der französischen Revolution Fleisch annahmen) mit der ganz eigenthümlichen Meral der StaarSraison, diesem transscendenten Gesetze, in welchem die Fürsten zum voraus die Absolution von allen Verbrechen finden, zu vereinbaren. Friedrich III. wäre dies anck nicht gelungen trotz des Liberalismus, den man ihm nachsagte, trotz seines philosophischen (d. b. frei- uiaurerisch-vemokralischen) Geistes und seines wohlwollenden Charakters. Sein Sohn aber wäre dem Frciinanrerbnnde nie in anderer Absicht beigetretcn, alt um denselben zu knebeln oder von seiner Ausgabe abzudrängen." — Und an einer anderen Stelle schreibt dasselbe Blatt: „. . . Die Freimaurer werden sich nicht einschüchtern lassen. Weil der Kaiser (Wilhelm II.) sich nicht einweihen lassen will, werden sie das Volk einweihen und wenn das Kaiserreich sie verfolgt, werden sie zurNcpublikübergchen (okr. Gerber „Die Freimaurerei"). Als sodann am 13. Februar 1889 Prinz Friedrich Leopold „mit allerhöchster Genehmigung" der Log- beitrat, den osficicllen Brüdcrn zur Freude, den „grundsätzlichen" und fortgeschrittenen zum Leide, schrieb die >01>»ine cl'nnion«: „. . . Nach dem Vorstehenden wird man es begreiflich finden, daß wir uns enthalten, die Berliner Freimaurer zu der neuen Erwerbung, die sie gemacht haben, zu beglückwünschen. Wir halten dafür, daß sie in großer Kntmüthigkeit den Wolf in den Schafstall eingeführt haben." Dock genug und mebr als genug. Wollen Sie sich mit diesem so knapp als möglich gehaltenen Bild der Freimaurerei, das noch mn vieles und sehr interessantes erweitert werden könnte, begnügen. Sie haben nnn einigermaßen wenigstens einen Einblick in den tieferen Geist und dar wabre Wesen der Log- thun können an der Hand deS angehäuften Materials auS Frcimanrermund selbst. Sie haben sich einen Begriff zu bilden vermocht von jener vielgepriesenen Freimaurcrhnmanität. Diese Freimaurerhnmanität bekommt unter allen christlichen Konfessionen niemand empfindlicher und nachdrücklicher zu fühlen, als die katholische Kirche, gegen welche die Loge nach wiederholtem eigenen Geständniß vor allem die Wucht und Spitze ihres Angriffes und ihres Hasses kehrt. Im Namen dieser „Humanität", dieser „Naturrcligion", dieser „Rcin- mcnschlichkcit" fordert und strebt die Loge allüberall an, wo sie eS irgendwie vermag, die Lahmlegung der Kirche, die Unterbindung ihrer Lebensadern, die Entchristlichung der Massen. Im Namen dieser „Humanität", dieser principiellen Gegnerschaft gegen jedes Christenthum und vor allen, gegen die kath. Kirche schwärmte und schwärmt der Freimanrerbund für den Kulturkampf, trat und tritt er ein für die Civilche, erhob und erhebt er sich gegen die Orden, protestirt er gegen christliche Schulen, ist eines seiner höchsten Ideale die religionS- und konfessionslose Schule, die er, wo immer seine Macht ausreicht, mit allen Mitteln einführt, wie in Frankreich, Italien, Belgien uiw., bringt er Schulgesetze, wie das Zedlitz'sLe, welche der Kirche auch nur ein minimalstes Recht in der Schnlfrage einräumen wollen, zu Falle, beraubt er trotz Protest der Aerzte und medizinischer Aiiktoritäten sowohl wie der armen Kranken die Spitäler in Paris der Pflege durch barmherzige Schwestern. All diese Vergewaltigungen an den heiligsten Rechten aber verübt die Loge im Namen der — „Humanität", d. h. im Namen ihres grundsätzlichen AntichristcnthumS, ihres Hasses gegen alles Uebcrnatürliche. — Ja die Loge, die Freimaurerei ist das große, gewaltige Triebrad der heutigen Zeit im Kampfe gegen das Cbristcnthum im allgemeinen und im Kampfe auf Leben und Tod gegen die katholische Kirche im besondern, welch letztere die Loge unter allen Confeisionen als jenen Factor erklärt, der allein noch zu fürchten sei. In diesem Nicscnkampf des Frei- 363 maurer-WeltbnndeS gegen die katholische Weltkirche sucht die Loge alle möglichen Factorcn in ihren Dienst zu stellen, sich zu ihren Bundesgenossen zu machen: Literatur und Kunst. Theater und Presse, Gesetzgebung und Erziehung, öffentliche Meinung und Bildung. Angesichts dieser greifbaren Thatsachen ist cö nothwendig, ist cö hl. Pflicht, daß wir alle, die wir nicht zum Weltbund der Loge, sondern zum Gottesbau der katholischen Weltkirche gehören, uns enge und enger zusammenschaare» und Schulter an Schulter stehen wie eine festgehämmcrte Mauer, in der Hand jene Fahne, auf die wir uns cingeschworcn seit wir leben und auf der die Worte prangen: Orocto in unrein sanotam catdoli- oam ob axostolioam eedesiam. Und noch eines ist nothwendig. Wir muffen nämlich dem vorzüglich organisirten Gegner — der Freimaurerei — durch eine womöglich noch vorzüglicher organisirtc, internationale Gegenorganisation entgegentreten. Diese Gegcnorganisation aber sollte ihr Centrum iin katholischen Wcltccntrum, in der ewigen Koma haben und von dort aus über den ganzen katholischen Erdkreis ihre wohlgeordneten Fäden spannen, hinaus und hinein in die einzelnen Länder und Diöcejcn. Das gäbe System, Ordnung, Leben, Halt und Rückhalt. Durch eine solche Organisation werden wir den Sieg beschleunigen, der kraft göttlichen Wortes unserer heil. Kirche verheißen und verpfändet ist, über deren bräuilicher Stirne auch inmitten des augenblicklich tobenden Kampfes die Flammenworte prangen: Tu so kotrus, 6t super staue petrain aecliüeasto eoelosiam moaw, 6t xortas iukeri non prasvalestuut aclvorsns oaw. Recensionen nnd Notizen. kraueonia saera. Geschichte und Beschreibung des BiSthums Würzburg. Begonnen von Dr. I. B. Sta mming er, fortgesetzt von l)r. A. Amrhein, Pfarrer in Roßbrunn. DaS Kapitel Lcngfurt. 2. Abth. v. Herausgeber. Würzburg, Fr. X. Buckier'iche Verlagshandlung, 1696. S. 200—468 nebst Jnhalts-Vcrzcichniß. Preis M. 3,20. §. In rascher Aufeinanderfolge erschien die 2. Abtheilung für das Kapitel Lengfurt von der mit Freuden begrüßten Publikation der Geschichte des Bisthums Würzburg. Für alle, die ihre Heimath lieben und sich gerne mit geschichtlichen Studien befassen, wird dies Werk ein wabrcr Genuß sein. Mit Talent und Geschick, aber auch mit großer Ausdauer hat der Verfasser aus den besten Quellen unermüdlich zusammengetragen, aber auch klar, gründlich und bündig verwerthet, was von Interesse ist von den Kirchen, Pfarreien, Filialen, Schulen nnd sonstigen Verhältnissen der 14 Pzarrcicn des Dekanates Leugsurt. Topographie, Statistik, Orts- und Stiftungrgcschichte, Reckte und Pflichten werden eingehend behandelt. Ein sehr genaues Register erhöht den Werth des ganzen Bandes (1. und 2. Abth.). Es ist dies ein Werk, das in keiner Pfarrcibibliolbek fehlen darf und auch auf Kosten der Kirchcnstiftung beschafft werden kann. Die Fortsetzung des Werkes läßt nicht lange auf sich warten, da bereits für ein weiteres Capitel (Mcllrich- stadt) das Material schon bearbeitet ist. Die Frauen in der Heilkunde. Ein Beitrag zurFraucn- sragc von vr. msll. B. Langer. Wiesbaden, H. Lytzen- kirchen, 1894. 27 S. M. 0,60. In der zur Zeit so viel verhandelten Fraucnfrage spielt die „Acrzün", speciell die „Frauenärztin" eine wichtige Rolle. Unter der diesbezüglichen, enorm angewachsenen Literatur verdient das- vorliegend: Schristckeu Beachtung und Anerkennung wegen der klaren und sachlich ruhigen Behandlung seines Gegenstandes. Den ersten Grund, warum die Frau von dem Studium der Medicin und dem ärztlichen Berufe ausgeschlossen bleiben soll, sieht Langer in der Unzweckmäßigkeil der Zulassung schlechthin, denn der Bcrui ist zur Zeil übcriültt. Das medicinischc Studium sowie die spätere Praxis stellen 'vdann die größten Anforderungen an Nerven und physische Kraft. Diese Schwierigkeiten aber zu überwinden nnd dann in der Ausübung des Berlins wirklich und concnrrcnziähig neben dem Manne zu bestehen, könnte der weiblichen Natur mir m Ausnabmesällen gelingen. Ein kürzlich erschienener Detanaidberiebi der mcdicin- ischcn Facnltät in Genf über das Meoicmstndium ter dortigen Studciilinncn lautet denn auch für die Allgenieisbeir ganz außerordentlich imaünstig. Geeignete Erwerbszw-'ige für die Frauentbätigkeil erkennr der Verfasser mii Neet". m dem Berns der Krankenpflege, wo immer aroße Nachfrage na«> weiblichen Kräften herrscht, in oem dem ärztlichen Berns nahestehenden Hebammen stand, der sich leider noch mmer aus den untersten Ständen rckrntirt und dem „einige Procent Beimischung besseren socialen Blutes sehr noth thäte" (S. 24), sowie in der Heranziehung weiblicher Gehilfinnen sür den Apothekerberuf. Möchten die Vorkämpfer der Frauen- frage hier die Hebel ansetzen! Tübingen. L. Dulcamara. Harmlose und unmaßgebliche Gedanken über Gott nnd die Welt, Religion und Philosophie, Kunst lind Wissenschaft, Gesellschaft und Politik und vieles Andere, von Paul Garin. Ncgenslmrg, Wnnderlina, 1896. 8°. 325 S. Stellenweise eine sehr anlegende und fesselnde Lektüre. Allein vvr lauter Bemühen, ja etwas recht Geistreiches und AparteS zu sagen, sagr der vielbelcsene Plauderer nicht selten etwas recht Alltägliches und Affckiirtes. ES steht keine markante Individualität hinter diesen Ccw.serien, ihnen mangelt der sichere Boden einer einheitlichen, harmonischen Weltanschauung obne Schwanken. Darum meinen wir noch nicht, daß die „süß-bitteren" Gedanken unter die Schablone von Schlagwörtern L la. „Liberalismus", „Idealismus" passen sollten. Allein durch ein solches systemloses Ab und Auf und Hin und Her von „unmaßgeblichen" und ausgeklügelten Ideen und abgerissenen Naisonnements sich durchzulcsen, gewährt keinen ruhigen, künstlerischen Genuß und hinterläßt keinen conccntrirten Eindruck. Dazu kommt noch, daß diese „Gedanken" nicht immer ganz „harmlos" und unanfechtbar sind. Geschickte der Franziskaner in Bayern, nach gedruckten und eingedruckten Quellen bearbeitet von k. Parthenius Minges. München, Lenin er (Stahl suii.). Lcx.-8°. XV. 302 S. M. 5.00. Der Verfasser ist sichtlich vorn Streben nach Obj.ctivi- tät uns Aufrichtigkeit geleite:. Daö stattliche Material für seine Geschichte — 1. von der Ankunft der ersten Franziskaner in Bayern bis zur Einführung der ersten Reform; 2. von der ersten Reform bis zur zweiten Rciorm; von der zweiten Ncscrm bis zur Gegenwart — hat er mit lobenswertbestem Fleiße allerorts zusammengesucht, gewissenhaft und im ganzen stilistisch recht geschickt verarbeitet. Schade nur, daß die mittelalterliche Zeit gar so kurz abgethan wird! Und da hätte es gar viel zu sagen gegeben, so daß der hier zugewiesen: Raum entschieden nickt in dem gebührendeil Verhältniß steht zur Bedemmig und Größe seiner Zeit. Wer für diese Zeil in oem vorliegenden Buche eine gründliche und ausgiebige Belehrung sucht, wird nicht immer ganz befriedigt werden. Der Nachdruck der Darstellung lieg: mehr auf der Neuzeit, die sehr eingehend und interessant behandelt ist. Aus Einzelheiten des BuchcS einzugehen, speciell zu berichtigen, wo der Vcisasser öfter auf die primären Quellen hätte zurückgreiscn sollen, vazu ist hier nickt der Ort. Das thut auch keinen wesentlichen Eintrag den: Ge- sammtuntcruehmen, welches als ein verdienstliches und gelungenes bezeichnet werden muß. Verfasser hat dies sein historisches Erstlingswerk seinem ehemaligen Lektor, Magister nnd Provinziell gewidmet, dem Hochwürdizsten Herrn Bischof von Augsburg. Von der protestantischen Theologie zum katholischen Priestcrthum. Von einem Priester der Tiö- ccse Würzbura. Ersurt, Brodmaim, 1896. 56 Seiten. Preis 0.60 M. In der von Herrn Donicapittllar Dr. tBeol. Scltinann tu VreStau trefflich redigirteu katholischen Monatsschrift Cd omuss nimm erschien im Lause der letzlcn Monate eine Reihe von Aufsätzen, welche allseitige Beachtung landen und nun. zur Broschüre vereinigt, noch mehr Aufmerksamkeit erregen dürften. Der Verfasser ba: die Geschickte seiner inncren Kämpfe und äußeren Führungen dem öffentlichen Urtheil unterbreitet, einmal weil es nicht zu den gewöhnlichen Fällen gehört, daß gerade ein protestantischer Theologe den Weg zur katholischen Kircke findet, und dann in der richtigen Ueberzeugung, daß der Leser in diesem Lebensgange manches Lehrreiche und Erbauliche finden werde, das ihn mi: Freude erfüllt über die wundervollen Wege der Gnade, die dock alle, so verschieden sie sein mögen, zu dem eine» Ziele führen. Gerade in einer Zeit, in welcher die Pastoren des „Evangelischen BnndcS" die gehässige Kampsweile der wäteren Jabrzehnle des 16. Jahrhunderts wieder aufgenommen haben nnd das protestantische Volk zur Feindseligkeit gegen die katholischen Mitcbristen aufzureizen suchen, ist es sehr angemessen, daß ein evangelischer Theologe vssent/H 364 Zeugniß ablegt von seinen früheren Vorurtheilcn und Jrr- tbnmern und seinem jetzigen Glücke im Schooße der wahren Kirche. Solch; C»nv-!sionSschriften sollten noch häufiger verfaßt und im Volke verbreitet werden. Sie sind dem Nicht- katholiken Wegweiser zur Wahrheit, dem Katholiken Beweise für die Echtheit seines Glaubens. Dr. Max Oberdreyer. Die Cisterzienser-Abtei Klosterlaugheim mit den Wallfahrtsorten Vierzehnhciligen unk Marien Weiber mit drei Holzschnitten. Von Dr. I. Baier. Würzburg, Ansr. Göbel', 1896. 8^. 49 S. Preis 50 Pf. Unter geschickter und trefflicher Benutzung und Fassung der ziemlich ergiebigen Quellen ist dieses Büchlein entstanden, welches uns die berühmte Klosterabtei ObersrankcnS, Laugheim, und die vielbesuchten Wallfahrtskirchen Vierzehn-heiligen und Marienweiher in sehr interessanter Weise eingehend schildert. Tausende und Abertausende besuchen diese beiden so schön gelegenen Wallfahrtsorte jährlich; für sie wie für viele andere Geschichtssreundc, welche eine dem Volke verständliche Darstellung wünschen, ist dieses Büchlein ganz speciell geschrieben und dürfte den Wallfahrern wie den Besuchern und Bewohnern jener paradiesischen Gegend einerseits ein; gediegene Vorbereitung zum Besuche der freundlichen Gnadenorte abgeben, andcrscit- einc liebliche Erinnerung an den geschehenen Besuch, um durch Nachlesung da- aufgenommene Bild sich noch tiefer einzuprägen. ES ist Pflicht der Katholiken Ober- wie Unterfrankens, sich mit der Geschichte der genannten drei Gnadenorte dieser ihrer engeren Hcimath bekannt zu machen. Die Lektüre wird Jedem Freude bereiten. Ausstattung sehr nett; Preis außerordentlich billig. Ausgewählte Volkserzählungen von N. Kolping, weil. Domvikar, Gründer und Präses des katholischen G-sellcnvercinS. NegcnSbnrg, Nationale VerlagSanstalt. 8°. Band 4—7 (Schlußband). Preis des Bandes M. 1,— broschiert, M. 1,30 gebunden. WaS uns an den Kolping'schen Erzählungen am meisten gefällt, ist der Umstand, daß sie so recht aus dem täglichen Leben gegriffen und warm und volkSthümlich geschrieben sind, und ohne Bedenken der reiferen Jugend in die Hand gegeben werden können. Wir führen den Inhalt der einzelnen Bände nur kurz an: IV. Band: Peter, der Schmied. — Unterhaltungen über daö Familienleben (Vater Johannes). — Waller, der Porzellanhändler. — TomS (aus dem Leben eines Bildschnitzers). V. Band: WaS Gott thut, ist wohlgethan. — Kindersinn u.Goltcsscgen. — Paul Werner. - Ein Spielchen. VI. Band: Andres, der Nachtwächter. — Gebet, und eS wird Euch gegeben werden. — Belohnte Wohlthätigkeit. — Zwei Nachbarn. — Tod eines Bettlers. VII. Band: Hcimath und Fremde. — Schuld, Strafe und Versöhnung. — (Schlußband.) Untreue schlägt den eigenen Urheber. — Du sollst nicht stehlen. In diesen Erzählungen tritt uns der ganze Kolping entgegen; seine scharfe Beobachtung des Volkes und dessen Anschauungsweise, seine Hoch- schätzung des Volkes und dcS guten KcrnS, der in demselben steckt, der Verwüstungen, welche Unglaube und Sittcnlostgkeit. falsche Aufklärung und Eitelkeit im Leben des Menschen anrichten, des Glücks der einfachen Sitten mid der religiösen Gepflogenheiten. Eigenartig, aber stets fesselnd ist die Art und Weise, wie Kolping znm Volke redet. Wie könnte man also unserem Volke in Stadt und Land eine bessere Lektüre in die Hand geben, als diese Erzählungen! ES ist daher einfaches Pflichtbewußtsein, wenn wir diese Erzählungen auf daS wärmste empfehlen, und zwar nicht nur den Gcscllenvereinen, sondern auch allen braven Familien, nicht bloß im Nheinlande, dessen ländliche Verhältnisse in ihnen meist so packend geschildert sind, sondern auch in ganz Deutschland. Kurzgefaßte theoretisch-praktische Grammatik der lateinischen Kirchensprache. Zum Gebrauche für Lehrer-Seminarien, Klostcrschnlen, Choralschulcn u. dgl., sowie zum Selbstunterricht von Lcop. Math. El. Stoff, Dechant und kgl. Kreis schulinspector in Kassel, gr. 8°. (XII u. 266 S.) Mainz, 1696, Kirchheim. Preis geh. 2.50 M., gebd. 3 M, DaS Buch ist ganz auS der Praxis herausgewachsen. Der Verfasser hatte sich in einer rheinischen Choralschnle den Lehrstoff zurechtgelegt und nach den gemachten Erfahrungen stetig praktischer und methodischer gestaltet. Damals handelte es sich darum, die Schüler so auszubilden, daß sie den lateinischen Chsrtext verstehen und erklären konnicn. Die allgemeine Klage, daß ein brauchbares Handbuch zum Unterrichte in der lateinischen Kirchensprache nicht existire, führte den Verfasser zu dem Entschlüsse, diese Arbeit zu erweitern. I» 3 Theilen: Formenlehre, Syntax oder Satzlehre und Lcscübungen, löst der Verfasser seine Ausgabe cinf'S praktischste. Die Stoffliche Gram- marik beschränkt sich nicht auf eine lose Zusammenstellung der Eigenthümlichkeiten der Kirchensprache, sondern sie baut sich systematisch auf den: Boden der klassischen Sprache auf, so jedoch, daß jene Eigenthümlichkeiten als solche betont werden und der Schüler durch die UebungSstücke in den Geist und die Ausdrucksweise der kirchlichen Sprach: eingeführt wird. Kurze Anleitung zur Erlernung des „Vertrages". Verlag der „Neichspost", Wien, VIII, Strozzigassc 4l. 6. Dieses 22 Seiten umfassende Schriftchen (Preis 10 kr., franco per Post 12 kr.) dürste namentlich jüngeren Männern, die gute Redner werden wollen, ersprießliche Dienste leisten, da eS in gedrängter Kürze eine streng sachliche, von einem alten PraktikuS stammende Anleitung zur Erlernung des „Bortragcs" gibt. Die Broschüre behandeli zunächst die Hanvtcrfordernisse der guten Deklamation (Deutlichkeit, Mannigfaltigkeit, Lebhaftigkeit, Natürlichkeit), gibt allgemeine Winke für die Action (Haltung des Körpers, die Bewegung des Kopfes, der Arme und Hände, Micncnspiel) und geht dann näher aus die oft veniilirte Frage ein: ob eS besser sei, eine Rede wörtlich auswendig zu lernen und dann sie wortgetreu zu halten, oder bloß den Stoff fleißig zu überdenken und nur den Gedankengang der Rede und die berv»rrageudsten Stellen sich zu merken, dann aber ant dem Stegreis zu sprechen. Der Schluß lautet: Allen jungen Rednern ist dringend zu empfehlen, daß sie mehrere Jahre lang — mindesten» sechs Jahre — ihre Vortrage sowohl schriftlich vollständig aurarbeiten, als auch wörtlich auswendig lernen und vortrage». Diesen Ausführungen schließen sich Winke für -in leichtere- Memorircn, rür den Nedeentwurf (Disposition) rc. an. Wir können diese Schrift nur bestens empfehlen. Theologisch-praktische Monatsschrift. Monatlich erscheint 1 Heft in der Stärke von 5 Bg. od. 80 S. gr. 3°. Preis ganzjährig 5 Mark. Verlag von Gg. Kleiter, Paffan. Inhalt des 11. Heftes 1896: St. Thiemo, Erz- bischos von Salzburg und Kreuzfahrer. — Kloster Vormbach. — Der Kampf der Kirche gegen die Freimaurerei. — Familien- oder Seminar-Erziehung? — Welche Mahnung soll in unseren Predigten am öftesten wiederkehren? — Einige Zweifel über Ablässe. — Der Klerus und der Lehrerstand. — WaS spricht der Oatsehismns roisaini, über die einzelnen Sakramente zum Katecheten? — Die Bittprozessioncu am MarkuS-Tage und den drei Tagen vor Christi Himmelfahrt. — Eingehende Belehrung über Mcßweinprcbcn. — BeachtenSwcrthe Kleinigkeiten. — Neueste Erlasse und Entscheidungen der römischen Kongregationen. — Erlasse der obersten Verwaltungsstellen und Ent- zchcidungen der obersten Gerichtshöfe. — Litcrarische Novi- tätenschan. Literarischer Hand weis er, begründet, herausgegeben und rcdigirt von Msgr. vr. Franz HülSkamP in Münster. 24 Nrn. L 2 Bogen Hochqnart für 4 M. p. Jahr. 1896. Nr. 12. Inhalt. Zum hundertsten Geburtstage AnnettenS von Droste-HülSüoff, I. Artikel (Arcns). — Weitere kritische Referate über VVIiite Listen/ oktbe ^Varkare ok Leioncs anst Theolog/(A. Zimmermann), Aich Heilige Familie von Nazarct und Steigenberger Früchte des PriesterthumS (Deppe), Nilner Lnel ok reliAious vontro- vers/, .4.1 lies 8t. Peter und -Illieg 8es ok 8t. Peter (BelleSheim), Gsny Jahrbücher der Jesuiten zu Schlettstadt und Rniach II. (Paulus), Bertram Bischöfe von HildcSheim (Grasn), Nnrxh/ Onr LIart/rs und Lee 1/ Oentenar/ Osledrations in Lla/nooth OolleZs (BelleSheim), Brosch Geschichte Englands IX. und Na via/ Listen/ ok tlis Ilnitsä Stetes Luv/ 1775—1893 (Zimmermann), Hofcle LourdeS- bncklcin, P. Eugen ins Präger Jesulein u. Kieffer Gnadcn- schätze der Messe (Deppe). — 24 Notizen über verschiedene Nova (HülSkamP). — Novitäten-Verzeichniß. Lcrantw. Redacteur: Ad. Haas in Augsburg. — Druck u. Verlag des Lit. Instituts von Haas L Grabhcrr in Augsburg.