Leo Taxil*) hat nun auch gesprochen! Ein voller Monat ist vergangen, seitdem man ihn auf dem antifreimaurerischen Congreß zu Trient wegen des Vaughan-Schwindels ins Verhör nahm; seitdem hat man ihm in allen europäischen Sprachen Dinge gesagt, die direct an seine „Ehre" gingen. Er aber schwieg. Jetzt endlich findet er sich bemüßigt, im Univers in einem vorn 28. Oktober datirten Schreiben sich zu vertheidigen. Umfang und Inhalt des Schreibens stehen in umgekehrtem Verhältniß. Wortreiche Versicherungen, daß jeder Pfennig, der bei den Schriften der „Miß Vaughan" verdient wird, Zu guten Zwecken verwendet werde, Polemik gegen ein englisches Buch und gegen das Freimaurerblatt „Alpina", allerhand beweislose Behauptungen, und zur Sache — im wesentlichen nichts. Hier aus dem endlosen Gerede diejenigen Sätze, die allenfalls in Betracht kommen könnten. Die Directorcn der guten Werke, welche von der unbedingten Uneigennützigkcit (der Miß Vaughon) Nutzen gezogen haben, werden darüber Zeugniß ablegen können bei der römischen Commission, welche der Tricnter Congreß eingesetzt hat, um sich über die dreifache Frage ihrer Existenz, der Aufrichtigkeit ihrer Bekehrung und der Anlhcntie der von ihr veröffentlichten Documentc auszusprechen. Die Freunde der Convertitin erwarten mit dem größten Vertrauen daö Urtheil der römischen Commission. Diese allein hat die Besugniß, über die Thatsachen zu urtheilen und sich auszusprechen; denn cö gibt bestimmte Zeugen, welche Zeugniß ablegen können und ablegen, welche aber, aus besondern Gründen, nicht in derLage sind, ihreNamen an dicOeffcnt- lichkeit kommen zu lassen(I). Sie werden dann sehr erstaunt sein zu erfahren, daß Miß Vaughan bereits mehrere Jabre vor der Zeit gesehen wurde und bekannt war, als ihr Name im „Teufel im 19. Jahrhundert" gedruckt wurde. (Folgt eine absolut gleichgültige Polemik gegen die kölnische Nolkszciiung und Lr. .'. Finde!.) „Geben wir der Sache auf den Grund," schreiben Sie über ihren gestrigen Artikel. Der Grund der ganzen gegenwärtigen Polemik ist iolgcnde Hypothese: Ich bin es, der alles organisirt hat und alles leitet, um mich herum eine Anzahl von Mitschuldigen und Betrogenen; der ganze Palladismus soll ein Erzeugnis meiner fruchtbaren Einbildungskraft sein; das Freimaurer-Papstthum Pike's und feiner Nachfolger ist lediglich eine Fabel; die Hoch-Freimaurerei oder der oberste Ritus, die geheimen Logen, in denen man den OccnltismuS treibt, wo man die Hostien profanirt, der Satans-Cult in den Triangeln, alles das existirt nicht. In England ist ein Buch von einem Herrn Whaire erschienen, der alles das behauptet. Sehr schön; aber wie entstand dieses Buch? Miß Vaughan hatte sich mit dem Erzbischof von Edinburgh in Beziehung gesetzt und die Schlupfwinkel der lucifcrianischen Rosenkrcnzer der Diöcese enthüllt; eine von Herrn Consiline, dem Advokaten des ErzbiSthums, geleitete Umersuchung hat festgestellt, vaß alles von der Convertitin Behauptete absolut genau war; der Haupt-Geheimtempcl lag zwei Schritte vom erzbischöflichen Palais. Der Erzbischoi von Edinburg hat Miß Vaugban seinen Segen geschickt. Andererseits waren die Roscnkrcuzer von England unv Schottland wüthend, was leicht zu begreifen ist. Das Buch Whaite's folgte sofort auf die Einhüllungen der angeblich erfundenen Ex-Frei- manrerin. Und wer ist Herr Whaite? Der englische Neber- setzcr des Rituals der hohen Magie, von Eliphas Levi, zum Gebrauch der Rosenkrcnzer von Großbritannien. Besonders in Erstaunen setzt mich der Umstand, daß die *) Wir reproduciren diese Ausführungen der „Köln. Volkszeitung". um unsre Leser über den Stand der Kontroverse auf dem Laufenden zu erhalten. Daß dem Leo Taxil mit dem größten Mißtrauen zu begegnen ist, unterliegt wohl keinem Zweifel. Andrerseits wäre eS sicher unrichtig, wenn man Alles a. priori als falsch verwerfen wollte, was über den OccultiSmus, PalladiSnius und sonstigen Geheimcult der Logen geschrieben worden ist. D. Red. unerhörten Erklärungen des Dr. HackS mit ihrer handgreiflich übertriebenen Anmerkung Ihnen nicht in einer ganz andern, als der von Ihnen beliebten, Richtung zu denken geben. Sie erblicken darin ganz einfach einen »Ilondlarel kaussuut oomxgAuio ä sog eompöros«. Vielleicht wird die römische Com- Mission darin etwas anderes finden, jedenfalls können Sie versichert sein, daß wir ihr erbauliche Dmge schicken werden. An diese zuständige Commission halten wir unS; sie wird prüfen, was man von den heutigen Erklärungen des Dr. HackS festhalten muß, und in welchem Umfang es festzuhalten ist- Die meisten alten Freunde kannten sein bedauerliches (d. h. absolut ungläubiges) Capitel über den -Costa llisratigue-, und er schien es damals zu bedauern (bekanntlich ist das Buch Cs Costo 1892 erschienen, unmittelbar bevor „vr. Bataille" den Unfug mit dem „Teufel im 19. Jahrhundert" begann), aber wir waren alle sehr erstaunt, durch den UniverS zu erfahren, — allerdings folgt der Uiuvers dabei der Kölnischen Volkszeitung und dem Nouvclliste du Nord — vr. Hacks sei allezeit „ein activer Freidenker" gewesen, er sei „Verfasser mehrerer Werke von ausgeprägtem Anti-KlerikalismuS". (Die Kölnische Vvlkszeitung hat ausschließlich von feinem Buch Vs Costo gesprochen, das an „ausgeprägtem Anti-KlerikaliSmns" nickts zu wünschen übrig läßt.) Der Nouvclliste du Nord hätte doch eine Freidenker-Gesellschaft nennen sollen, die meinen alten Freund zu ihren Mitgliedern zählte, und einige anti-klericale Werke, die ihn zum Verfasser oder wenigstens zum Mitarbeiter haben. Ich verkenne nicht den Ernst deS hauptsächlich gegen mich gerichteten Angriffs. Ich weiß, daß ein Konvertit bis zu seinem Tode verdächtigt werden kann. und die Kränkungen, mit denen Ihr Blatt mich überschüttet, erscheinen mir als eine Prüfung, die ich tausendfach durch meine traurige Vergangenheit verdient habe. Ich verlange nicht Ihre Achtung, wodl aber Ihre und Ihrer Leser Gebete; ich bedarf derselben sehr in dieser Prüfung. So Herr Taxil, unschuldig und fromm wie er ist. Wir haben seine Erklärung mehr als einmal gelesen, und sind enttäuscht. Wir hätten von dem mit allen Hunden gehetzten Manne mehr erwartet, als einen Schwall von Redensarten und unbewiesenen Behauptungen. Seine räthselhafte „Miß Vaughan" schwebt noch immer genau so in der Luft wie früher, an den höchst unbequemen Geständnissen seines Freundes Hacks drückt er sich leise vorbei, und dann schiebt er die ganze Geschichte auf die lange Bank der römischen Commission, die nach seinem Wunsch mit Zeugen arbeiten soll, deren Namen der Oeffentlichkeit verborgen bleiben. In seinen Bemerkungen zu der Taxil'schen Erklärung fragt Eugen Tavernier neugierig, wer denn eigentlich zu dieser Commission gehöre, fürchtet, sie werde zu einer gründlichen Prüfung der ganzen Vaughan - Literatur ein oder zwei Jahre nöthig haben, und verlangt von dem Mandatar (Leo Taxil) und dem Verleger (Pierrct) der Vaughan'schen Schriften genaue Rechnungslegung über die Verwendung der aus ihnen vereinnahmten Summen. Wir unserseits möchten schon heute einige Gründe vorbringen, weßhalb wir von den beweislosen Betheuernngen des Herrn Taxil kein Wort glauben. Wir werden dabei erheblich präciser sein als der wortreiche Vertheidiger der Miß, deren Geburt, Lebensumstände und Aufenthaltsort noch immer in tiefes Dunkel gehüllt sind. Vor seiner „Bekehrung" ist Herr Gabriel Jogand- Pagss alias Leo Taxil ein Fälscher von Beruf gewesen. Zeuge ist er selbst in den „Bekenntnissen eines ehemaligen Freidenkers" (wir citiren nach der deutschen Ausgabe, Freiburg und Paderborn 1888). Dort erzählt er u. a. folgende Stücklein, die in die achtziger Jahre (frühestens ganz kurz vorher) fallen. 1. Er veranstaltet eine neue Ausgabe der gefälschten „Werke des Pfarrers Meslier". erkennt die FällÄuna 366 bei der Correctur des ersten Bandes und hat trotzdem „die Lüge Voltaire's weiter ausgesponuen". (S. 182 bis 186.) 2. Zu dem infamen Schandroman 1^68 amours ssorstsv äs kis IX. hat er „wirklich die Idee geliefert, wenn ich ihn auch nicht selbst verfaßte. Wir unterschoben das Werk einem Geheimen Kämmerer Sr. Heiligkeit. Ich selbst schrieb einen Brief des angeblichen Kämmerers, welcher als Vorrede herauskam. Die Grundidee stammt von mir. Der ganze Schmutz der lügnerischen Anekdoten, welche der Verfasser ausspann, wurde von mir gesammelt und mitgetheilt" (189 ff.). Dieses saubere Compagnie-Geschäft, welches an die unter dem Namen Dr. Bataille vereinigten Compagnons deS viabls rm XIX. 81661s erinnert, spielt 1881. 3. Er erfand (202) eine apokryphe (päpstliche) Ex- comwunications-Bulle, die er aus Sterne's Trtstan Shandy abschrieb, es ist dieselbe schmutzige Fälschung, auf die noch vor einigen Jahren ein deutsches socialistisches Blatt hineinfiel. 4. Eine kolossale „Mystifikation" hat er sich gegenüber dem Pariser ultra-socialistischen Blatt „La Bataille" (nomsn st oinsu?) gestattet, für das er, als „einer der Privatsccretäre in der erzbischöflichen Kanzlei von Paris", „alle Intriguen enthüllte, welche im erzbischöflichen Palaste gesponnen werden". Der Streich gelang, und „auf dem Bureau des ,Anti-Clsrical' (den er redtgirte) lachte man sich jedesmal krumm, wenn ich wieder einen mit Jean Sierre gezeichneten Brief auf die Post gab" (203 ff.). Weitere „schamlose Mystificationen". die er mit andern ausheckte, zählt er S. 217 auf. Auch hier verfehlt er nicht beizufügen: „Man lachte sich buchstäblich krumm. Die Verfasser hatten die größte Freude darüber, daß sie dem Publikum solche Bären aufbanden, und sagten lachend: Nur zul Die menschliche Dummheit hat keine Grenzen." Der Verdacht liegt nahe, daß dieser selbe Taxil auch nach seiner „Bekehrung" Gelegenheiten fand und schuf, um sich wieder einmal „krumm zu lachen". Die Einzelheiten, mit denen er seine „Bekehrung" erzählt, sind nichts weniger als geeignet, eine innere Umwandlung dieses Fälschers von Profession glaubhaft zu machen. Sie soll erfolgt sein, während er — mit der Fälschung der Acten des Processes gegen Jeanne d'Arc beschäftigt war, urplötzlich, am 23. April 1885. Schleunigst am nächsten Morgen geht er beichten, bekommt aber wegen eines Reservatfalles nicht die Absolution, die ihm vielmehr erst Anfang September zu Theil wird. Erst am 23. Juli, also nach genau einem Vierteljahr, stellt er sich auf der Redaction des Univers als Bekehrter vor. In der Zwischenzeit reicht er (27. April) seine Entlassung als Sccretär der anti-klerikalen Liga ein, macht aber ganz andere Gründe geltend und erklärt sich bereit, „die laufenden Geschäfte, wie bisher, bis zu seiner Ersetzung zu erledigen", geht auch Ende Mai noch als Abgeordneter zum anti-klerikalen Congreß nach Rom l Trotz allem Geschwätz, mit welchem er diesen Schritt zu entschuldigen versucht, wird man das Erscheinen des reuigen Schäfleins in der römischen Wolfshöhle einigermaßen befremdlich finden (S. 298 ff.). Am 16. Mai 1885 veröffentlicht der reuige Leo Taxil einen Abschieds-Artikel in seiner „Nspubligue Auti- Clsricale" (S. 305), in welchem von seiner „Bekehrung" noch keine Rede ist. Wohl aber verwahrt er sich entrüstet gegen die Behauptung, er sei „pornographischer Schriftsteller, da man in keinem einzigen meiner Werke auch nur einen Satz unsittlichen Inhalts ausfindig machen könne". Da sagt der geistige Urheber der t1wonr8 8sorst63, der (S. 201) bekennt, er habe eine „Schandschrift" 1^63 Iüvrs8 Lsorsts äs8 Lsminuirss herausgegeben! Indessen haben wir diese vor 1885 liegenden Dinge nicht nöthig, um Leo Taxil als Pornographen zu bezeichnen. Vor uns liegt die zweite Auflage seines scheußlichen Buches I,u 6orruiition tin-äs-sisols, erschienen 1894, zu einer Zeit, als Diana Vaughan bereits durch „Or. Bataille" introductrt und die förmliche Jnscenirung des Vaughan-Schwindels in voller Vorbereitung war. Hier werden — natürlich ausschließlich zu streng „moralischen" Zwecken und mit einem großen Aufwand von sittlicher Entrüstung — die Geheimnisse der Pariser Bordelle im allgemeinen und der widernatürlichen Unzucht im besondern mit einer Sachkenntniß und einer liebevollen Vertiefung in den stinkenden Stoff geschildert, daß das Buch einen Ehrenplatz in der internationale« Abtritts - Literatur beanspruchen darf. Wenn der Ekel, welchen ein selbst flüchtiger Blick in diese Kloake hervorruft, überhaupt noch einer Steigerung fähig wäre, so würde dies der Umstand zu Wege bringen, daß Taxil sich in frommen Redensarten ergeht und nicht verfehlt, dem hl. Vater seine Verbeugung zu machen. Man kann der Brüsseler radicalen Reforme nur recht geben, wenn sie ihm neulich anläßlich seines Auftretens beim Trienter Congreß das Prädicat ertheilte: „Leo Taxil, dieser schlecht abgeputzte Freimaurer, welcher der infamste anti-klerikale Schriftsteller war und nach seiner ,Bekehrung' gewisse pornographische Ausgeburten in Weihwasser badete." Nebenbei bemerkt, verrathen auch die sogen. Memoiren der Miß Vaughan das Bestreben, durch Nuditätsscenen und obscöne Anspielungen die Oede der unsäglich kindischen „Enthüllungen" und des „frommen" Gefasels zu beleben. Der Unterschied ist freilich vorhanden, daß das „Weihwasser" hier stromweise fließt. Wer hiernach über die „Vertrauenswürdigkeit" Leo Taxil's noch nicht ganz aufgeklärt sein sollte, dem müssen die letzten Zweifel angesichts seines Verhältnisses zu „vr. Bataille" schwinden. Wir wissen nicht, ob es nach den Geständnissen des Du. Charles Hacks — wir wiederholen, daß wir diesen für eine Nebenperson bei der Fabrication des Oialils au XlX. sissis halten — noch einen halbwegs vernünftigen Menschen gibt, der an diese „Erzählungen eines Zeugen" glaubt. Mit unbedingter Sicherheit ist ja festgestellt, daß der erklärte Freigeist und fanatische Kirchenhasser Hacks an diesem Teufelsroman mitarbeitete, und daß er sich als „Dr. Bataille" feiern ließ. Die vortrefflichen Aufsätze, die in den letzten Tagen Eugen Tavernier im Pariser „Univcrs" der wettern Entlarvung des „I)r. Bataille" widmete, haben noch einige bezeichnende Einzelheiten beigebracht. „Am 5. Mai 1893 hielt I)r. Hacks im Saale der Socists Bibliographique einen Vortrag, in welchem er feine Reisen und seinen Forschungszug durch die teuflischen Riten schilderte. An diesem Abend bildeten Or. Hacks und Dr. Bataille nur eine einzige untheilbare Person. Und Dr. Hacks entwarf, unter dem Namen des Dr. Bataille, das ganze Programm der Enthüllungen, das sich während mehrerer Jahre entwickeln sollte" (UniverS, 27. Oktober 1896). Drei Tage später gräbt Tavernier (Univers von» 30. Oktober) die prächtige Annonce aus, die im Angnst 1894 aus einem der Liefsrungshcfte des Oiaffls prangte. 367 Herr Dr. HockS, „ehemaliger Arzt der Gesellschaft Nss- suZsries maritimes" — so führt sich bekanntlich auch „Dr. Bataille" im ersten Satz der Vorrede zum Oiadls ein — empfiehlt sich zu ärztlichen Konsultationen und bemerkt zum Schluß: „Besondere Preise und Bedingungen für die Herren Geistlichen sowie für die religiösen Kongregationen und Genossenschaften". Ein sehr frommer Mann, wie man sieht, und als solcher hat er sich auch in seiner Zeitschrift „Der Arzt der christlichen Familie" gegeben — schade, daß diese Frömmigkeit ihn nicht hinderte, sowohl vorher als nachher als Freigeist und Voltaireaner aufzutreten. Herr Hacks - Bataille, über den man jetzt wohl die Acten schließen kann, ist aber der Busenfreund — Leo Taxil's. Wer es nicht ohnehin wußte, kann es schwarz auf weiß in Nr. 1 der üevrm mansualls (Januar 1894) lesen, der zur Neclame für den Oiublo gegründeten, von „Dr. Bataille" geleiteten tollen Monatsschrift. Dort bricht Taxil (mit Namcnsunterschrift) in 14 enggedruckten Spalten eine Lanze für den wegen seines viabls angegriffenen vr. Bataille: „Ich konnte es nicht ablehnen, an der Seite meines Freundes zu kämpfen. Bataille ist ein alter Jugend-Kamerad von mir, dessen Ehrenhaftigkeit ich stets geliebt, dessen ritterlichen Charakter ich stets bewundert habe. Ueber ihn habe ich in meinen Bekenntnissen eines ehemaligen Freidenkers geschrieben" — folgt eine Erzählung, wie nobel während seiner Verbannung in Genf „sein Freund H., heute einer der bedeutendsten Aerzte von Marseille," sich gegen ihn benommen habe. Dann fügt er bei, dieser brave H., der später der weltberühmte Dr. Bataille geworden sei, habe immer versucht, ihn auf den rechten Weg zu bringen und habe nie an seiner Bekehrung verzweifelt! Weiter schildert er des Langen und Breiten, wie er von den Verlegern des Oialols gebeten worden sei, ein Auge auf die Veröffentlichung dieses Teufelsromans zu haben, wie er sich mit Bataille-Hacks besprochen und ihm weitere Informationen verschafft habe; er sei nicht Mitarbeiter im eigentlichen Sinne gewesen; eS habe „eine freundschaftliche Ueberwachung in theologischer Hinsicht und bezüglich der speciell freimaurerischen Thatsachen" stattgefunden; aber das Buch des Dr. Ba- taills sei dessen „absolut persönliches" Werk. Merkwürdig: Dr. Hacks hat bekanntlich 1896 die Ehre, Dr. Bataille zu sein, in den bestimmtesten Wendungen abgelehnt, während sein Freund Taxil 1894 das schnurgerade Gegentheil versichert hat. Es ist traurig, wenn zwei so intime Freunde in solcher Weise einander Lügen strafen. Die volle Complicität Taxil's mit vr. Hacks- Bataille, seine Mitverautwortlichkeir für den unter dem Namen Bataille verübten groben Schwindel ist damit zur Evidenz bewiesen. Zum Ucbcrfluß hat kürzlich Herr Pierre Lautier, der leichtgläubigsten und urtheilslosesten einer in dieser tollen Geschichte, ausgeplaudert, bei seiner famosen Zusammenkunft mit „Diana Vanghan" im Pariser Hotel Mirabeau, bei welcher der gefällige Dr. Bataille die Honneurs machte, sei auch Leo Taxil dabeigewesen! So Herr Lautier im Röster de Marie; ich finde das Citat, an dessen Richtigkeit ich zu zweifeln keinen Grund habe, im Mailänder Offervatore Cattolico vom 14./15. Oktober. Also bei dieser grotesken Komödie I)r. Bataille und Leo Taxil Arm in Arm! Sage mir, mit wem du umgehst, und ich sage dir, wer du bist. Ein Fälscher von Beruf, ein Pornograph, der Herzensfreund des entlarvten Dr. Bataille und Mitarbeiter a« Oiulilö, ist heute der Kämpe der unauffindbaren „Miß Vaughan". Einer der Verfasser oder Mitarbeiter des Buches, in dem die Miß zuerst an die Wand gemalt und ihr Auftreten systematisch vorbereitet wurde, hat jetzt die Kutte abgeworfen und steht wieder vor aller Welt da als der Freidenker, der er immer gewesen ist; aber sein „Jugendkamerad" Taxil pilgert nach Trient, schimpft und schwört, und vergißt dabei die Antwort auf die allereinfachsten Fragen, durch deren Beantwortung er die Existenz der Miß beweisen soll. Einem italienischen Erzbischof hat er, wie uns aus Rom mitgetheilt wird, „auf'S Crucifix" zugeschworen, die Sache sei richtig. Gelegentlich sitzt er auch in Trient mit Herrn Künzle beim Bier und fordert namens der durch die „Geheimnisse der Hölle" in ihren Autorrechten beeinträchtigten „Miß Vaughan" von ihm eine kleine Entschädigung von 20,000 Fcs. Nun, das ist nicht einmal soviel, als Herr Margiotta für die große Gunst verlangt hat, seine „Enthüllungen" in'S Deutsche übersetzen zu dürfen, nämlich 50,000 FcS. Den Verblendeten, die ihn in Trient mii einem Hoch begrüßten, hat er in seiner frivolen Manier eine Lection gegeben mit der bekannten Warnung, man möge mit dem Beifall bis zu seinem Tode warten. Wir sind — so schließt die Köln. Volksztg. ihre Ausführungen — so frei, diese Mahnung zu befolgen und bei unserer Meinung zu bleiben, daß Taxil in Trient gethan hat, was er so viele Jahre gepflegt und gethan: er hat gelogen, und heute lügt er weiter. * » * Leo Taxil weigert sich, wie vorauszusehen war, der Aufforderung des Univers Folge zu geben, den Nachweis für die nach seiner Angabe nur zu wohlthätigen Zwecken geschehene Verwendung der Honorare aus den „Enthüllungen" der „Miß Vaughan" zu liefern. Selbstredend! Seine eigenen Taschen werden schon nicht wider ihn zeugen. Wir würden uns höchstens gewundert haben, wenn er seine Behauptung irgendwie bewiesen hätte. In seiner neuesten Nummer übernimmt der Univers aus dem „Nouvelliste de Lyon" einen Bericht, in welchem von einer zweiten Zusammenkunft zweier Ungenannter mit der der „Miß Vaughan" die Rede ist. Die eine hat, wie bekannt, in Paris mit dem unglaublich leichtgläubigen Herrn Lautier stattgefunden, die zweite in Ville- franche. Das Lyoner Blatt glaubt nicht an die Existenz der Vaughan: Da wir den Geschäftsgeist derjenigen kennen, die sie patronisinen, kamen wir zu dem sehr natürlichen Schlosse, daß, wenn die Miß existirt hätte, ihre Barnums nicht verfehlt haben würden, sie bei Gelegenheit mit der dicken Trommel gegen gutes Eintrittsgeld zu zeigen. Wir kennen indeß Leute, deren Ungläubigkeit nicht von diesem Argument befriedigt wurde und welche Leo Taxil und seinen anonymen Cumpan, den Dr. Bataille, baten, die Pricsterin des Palladisninö sehen zu dürfen. Sie erhielten zur Antwort, daß sie dieselbe sehen würden. Die erste Scene dieser Komödie spielte in Paris, die zweite vor drei Monaten in Billefranche. Also zwei Persönlichkeiten, die wir nickt näher bezeichnen, deren Namen aber einige katholische Kollegen in Paris angeben könnten, sprachen den Wunsch aus, Diana Vaughan zu sehen. Da sie nickt in der Hauptstadt wohne, sagte Leo Taxil, müsse schon eine kleine Reise gemacht werden, und die Neugierigen waren damit einverstanden. Das Stelldichein wurde in Wllefranche nach Tag und Stunde festgesetzt. Warum gerade Villefrancke? Wer die Vergangenheit Leo Taxil's kennt, wird diese Frage leickt beantworten können. Also um die bestimmte Zeit warteten die beiden Ungläubigen in einem Gasthofszimmer zu Villcfranche auf die geheimnißvolle Lucifcrianerin. Die Tbüre öffnet sich, und zwei feingekleidete Damen treten ein. Die eine jung, hübsch, von fremdartiger Schönheit, die andere reifern Alters, ihre Hüterin. Nach der gegenseitigen Vorstellung plauderte man von Freimaurerei, PalladismuS, Alles ging anfangs wie am Schnürchen. Wenn auch nicht ganz klar, stimmten doch die Aeußerungen derjenigen, die sich Diana Daugban nannte, mit den Einhüllungen der Zcbnpfcnnips-Brofchürcn übcrein. Aber nach und nach gericth die Unterhaltung aus dem Geleise, die Rede nahm eine seltsame Form an, und der Accent, anfangs englisch, wurde Platt, während gleichzeitig die falsche Palladisti», offenbar müde von der eingelernten Lection und von der Rolle, die man sie spielen ließ, sich andern Gegenständen zuwandte, die, wenn auch an sich luciferianisch, doch nicht mehr dem Charakter entsprachen, den die Erfinder der Diana Vaughan verliehen hatten. Die beiden Persönlichkeiten saßen aber in der Falle und waren düpirt. Vollständig erbaut nahmen sie den nächsten Rückzug nach Paris. Die zwei .... Frauenspersonen aber kehrten wieder auf die Trottoirs von Lyon zurück, von wo sie gekommen waren. Mehr sagen wir nicht, um nicht einen unserer Pariser Kollegen zu berauben, der recht erbauliche Einzelheiten über die erstaunliche Myslification der Taxil und Consorten besitzt und dieselben sicherlich auch veröffentlichen will zur Erbauung allzu leichtgläubiger Seelen. * 4 - 4 - Leo Taxil hat neuerlich ein zweites langes Schreiben an den Univers gerichtet, welches hauptsächlich Anklagen gegen den Dr. Hacks enthält. Der Univers charakterisiert denjenigen Theil dieses Schreibens, welchen er nicht für nöthig hält abzudrucken, mit der Bemerkung, es sei Taxil's Art, jedesmal, wenn man ihn nach den Beweisen für eine Behauptung frage, mit zehn neuen Behauptungen zu kommen, deren jede beweisbednrftig sei. Leo Taxil beschuldigt den Dr. Hacks, sich für 100,000 Francs an die Freimaurer verkauft zu haben(l). Das ist, sagt der Univers, ein nettes Sümmchen. Bisher wußte man noch nicht, daß die Freimaurer so gut bezahlen. Vielleicht haben sie eine Anleihe bei der palla- distischen Kasse gemacht. In dem langen Schreiben Taxit's wird dann ausgeführt, daß Dr. Hacks keineswegs in irgend einem seiner Schreiben der neuesten Zeit sage, daß irgend eine der von ihm gebrachten „Enthüllungen" in 1,6 viabls falsch sei; dieses Werk enthalte denn auch keine Täuschung; ein großer Theil der darin enthaltenen wunderbaren Thatsachen sei von Abonnenten mitgetheilt und erhärtet; die von Dr. Hacks persönlich erzählten Thatsachen seien von Missionaren bestätigt. „Was einzig mit Gewißheit aus den Briefen des Or. Hacks hervorgeht, ist, daß er mit seinen alten Freunden bricht." Leo Taxil nennt die Erklärungen in diesen Briefen, zumal in seinem Schreiben an die Kölnische Volkszeitung, „unerwartet" und „von unerhörter Gottlosigkeit", nachdem „Hunderte von Priestern" diesen „Unglückseligen" als einen „ausgezeichneten Christen" gekannt hätten. Seine alten Freunde hätten nach seinen Erklärungen sich gefragt, ob er nicht plötzlich irre geworden sei. „Es wäre hundertmal besser, daß wir vor einem Wahnsimus-Anfalle (statt vor solchem Sturze) ständen". Dr. Hacks habe sich dem Freunde (für 100,000 Frcs.l) hingegeben, um „Spaltung unter den Vertheidigern der Kirche hervorzurufen, die onti-freimaurerische Bewegung zu stören, im Augenblicke, wo der Trienter Cougreß den Grund gelegt hat zur Organisation des Widerstandes". Die Miß Vaughan anlangend sagt Taxil, dieselbe werde der römischen Commission (die Namen der Mitglieder nennt Taxil noch immer nicht, nur nennt er den bekannten VorbereitungsAusschuß des Trienter Congresses (ihre Buchhändler- rechnungen vorlegen; auch werde die Entscheidung dieser Commission vor Jahresschluß erfolgen. Der Univers begleitet diese „Explicationen" Leo Taxil's mit spöttischen Bemerkungen. Dieselben zielten nur dahin, die Sachlage zu verwirren und Zeit zu gewinnen. Wir finden, daß Taxil nur sein Lügenhandwerk mit unverminderter Dreistigkeit fortsetzt, indem er jetzt sein Erstaunen und seinen Schmerz darüber kundgibt, daß sein „Busenfreund" Dr. HackS mit einem Mal wieder aufgehört habe, „guter Christ" zu sein. Niemand weiß besser, wie Leo Taxil, daß Ör. Hacks nie etwas anders war, als radicaler Freigeist und Voltaireauer, der nur als „Or. Bataille", d. h. als Mitverfasser des Uiaftls au XIX siöels bei leichtgläubigen französischen und italienischen Katholiken zeitweise als neues Kirchenlicht gegolten, diese Rolle, weil sie seinen Zwecken diente, sich hat gefallen lassen und heuchlerisch mitgespielt hat. Leo Taxil weiß das, wie gesagt, ganz genau, da er selbst hinter demselben Ofen gesessen hat, nur daß er versuchte, die Rolle als „Bekehrter" und Anti-Freimaurer noch etwas weiter zu spielen, während Dr. Hacks sich wieder so gibt, wie er immer war und insbesondere in seinem 1894 er» erschienenen Buche 1,6 6