Ar-. 49 21. Ul>v. 1896. Henrik Ibsen, Gerhart Hanptmann, Hermann Sud ermann im Zusammenhalte mit der „modernen" Poesie und Ethik. (Vortrug, gehalten im katholischen Kasino zu München.) (Fortsetzung.) — 2 . Die wenigsten von den „Modernen" waren von geklärtem Wesen, ihre Leidenschaften schäumten noch. Sie sahen, welche Erfolge der Großmeister des Naturalismus, E. Zola, ^) errang, dem die Welt nicht viel mehr als ein unendliches Spital ist, worüber er in seinen Experimental- und Dtrnenromanen — „Nana" hat jetzt die 100. Auflage — gewissermaßen ein Protokoll aufnimmt. Getreu dem Darwinismus und feiner Lehre von der Vererbung und von der thierischen Herkunft des Menscken, stellte Zola es sich zur Aufgabe, in einem Romancyklus von 20 Bänden die thierischen Gräßlichkeiten, die im Menschen schlummern, die Verbrechenvererbung in einer Familie zu enthüllen. Für ihn gibt es nicht gut und bös, sondern nur nützlich und schädlich; alle Erscheinungen der Verthierung führt er auf einen einzigen Instinkt, den erotischen Mord- oder Zer- storungsinstinkt, zurück. Das Weib ist für Zola eine verderbliche, elementare Naturmacht, die dem Manne die Energie aus dem Willen zieht. Nur in der Arbeit findet die sieche Menschheit ihr Heilmittel, so erlöst auch Dr. Pascal die Familie Nougon-Marqnardt aus ihrer Verthierung; strenge Arbeit ist das einzige Mittel znm neuen Leben. Als ob nicht schon oft die größten Schurken die unverdrossensten Arbeiter gewesen wären! Als ob die blutigsten Tyrannen und Despoten sich nicht durch eine unermüdliche Arbeitskraft auszeichnen könnten, wie z. B. Navoleon I.! Unsere Jungdeutschen verkannten von vornherein den Unterschied zwischen dem germanischen und gallischen Volksgemüthe, als sie die Poesie ausschickten auf die Forschungsreise in die dumpfen Niederungen des Einzelnen und der Gesellschaft, in die Gaffen und Baracken, zu Dirnen und Verbrechern. Dem Germanen fehlt im normalen Zustande der Gefallen am Nervenkitzel, nicht umsonst haben die Deutschen die Worte Decadence, Hautgout und „Frivolität" erst entlehnen müssen aus dem Französischen! Die Meisten der Jüngstdeutschen meinten aber am besten zu thun, wenn sie mit lüsternem Behagen allerlei schmutzige und perverse Instinkte behandelten, mit denen wohl Arzt und Strafrichter, die Literatur jedoch nichts zu schaffen hat, wenn sie mit brutaler Offenheit das mit den Thieren Gemeinsame im menschlichen Liebesleben als das Wesentliche betonten und fast als das der Dichtung ") Wie die Beil. z. Allg. Ztg. 1898 Nr. 257 meldet, hat der Irrenarzt E. Toulouse, Chef der Klinik an der mediz. Fakuliät in Paris, es unternommen, an E. Zola eine medizinisch-psychologische Untersuchung über das Verhältniß zwischen geistiger Supenorirät und Neuropathie anzustellen. Zola ist darnach ein wirklicher Neuropath, der an einem auffallenden Mangel von Gedächtniß und literarischem Spürsinn leidet: ein Bruchstück einer eigenen Kritik v. I. 1876 schrieb er Sarcey oder Lemaitre zu, eines seiner Jugcnd- gedickste hielt er zuerst für ein Werk Musscts, ein Fragment von Pascal schrieb er Voltaire oder Diderot und ein Fragment aus Moliöre s „Geizigem" dem — Abbs Prob oft zu!! „ES geht hieraus jedenfalls daS eine hervor, daß Zola's literar. Bildung sehr unvollständig gewesen ist, was man aus seinen Werken schon oft vermuthet hatte." allein Würdige hinstellten. Sie litten an ihrer Vergangenheit, sie waren Dekadenten, „Verfallzeitler", von denen W. Weigand eine so treffliche Schilderung gibt: „Die historische Kritik hatte ihren Glauben an die Ewigkeit jener Denkmäler, denen ganze Geschlechter gesteigerte Verehrung weihten, zerstört oder geschwächt; so ward der Einzelne allmählig geneigt, jene schillernden Ereignisse deS Tages, die seine eigenen Neigungen rechtfertigen und seine Leiden beschönigen, als Werke von Bedeutung anzusehen und anzupreisen. . . . Der Verfallzeitler versteht es, seine Willensschwäche auf die geistreichste Weise zu verhüllen; er versucht es nicht einmal zu wollen; er ist im höchsten Grade wählerisch in seinen Geistesgenüssen und genießt zuletzt nur solche Werke, die schon Erzeugnisse eines Ausnahmezustandes sind, einer herbstlich-reifen Weltanschauung, eines Blickes für die Scheidegrenze zwischen Füulniß und strotzender Gesundheit. Er liebt die Werke, in denen die mannigfaltigsten Säfte und Düfte vermengt sind, die das Nahe und Ferne verschmelzen; er liebt vor allem die Kontraste gewaltsamer Art. ... Es liegt etwas Teuflisches in seinem Verneinen des Schaffens, in seinem ironischen Einsamkeitsgefühl des Verbannten, der auf kein Verständniß hoffen kann, noch hoffen will." Und gerade diese Leute haben den berechtigten Kern, den für mancherlei die neue Bewegung zweifellos enthielt, gar bald in gründlichen Verruf gebracht. Bezeichnend ist, daß daS 1. Sammelbnch der Münchner Modernen 1891 unter dem Titel „Modernes Leben" eröffnet wurde mit Vierbaums künstlerisch und sittlich gleich ordinärer „Waschermadlhistorie" in Briefenl! So wallte denn auch zu München der Modernen streitbare Schaar auf und ab, „in Lebensfluthen, im Thatcnsturm". Mein Gott, was haben sie sich alles geträumt! Durch Vortragsabende, durch Errichtung einer freien Bühne, durch Sonderausstellung moderner Kunstwerke und Herausgabe einer Zeitschrift sollte der moderne Geist im Volke verbreitet werden. Und heute? Als einmal der Frühling über's Land kam, als der Englische Garten sein junges Grün anlegte und am Gasteig dir Amseln ihre Kehlen zu üben begannen, da sprach kein Mensch mehr von „Freier Bühne" und „Freier Ausstellung", einzig den „Modernen Musenalmanach" und ein windiges Kunst- und Literatmblatt hatte die abgelaufene Hochfluth am Strande in München angeschwemmt. Doch nein! Die „Freie Bühne" lebt jetzt erst auf im „Deutschen Theater" ^), das als Titelvignette seiner Textbücher bezeichnenderweise den Faun sich erkoren hat, die grinsende Verkörperung sinnlicher Nohheit und lüsterner Begehrlichkeit; die „Freie Ausstellung" wird gepflegt von der Secession, und dem Evangelium des modernen Geistes suchen in Wort und Bild Verbreitung zu verschaffen „Die Jugend" und der „Simplictssirnus". Und auch die Jerichomauern der Repertoires der k. Theater, sie sind gefallen vor den Posannenstößen der sie umdrängenden Schwarmgeister. Auf der Bühne kamen die Modernen zu Wort, ihre führenden Geister wurden daselbst seßhaft und literarische Tagesgötzen. Richard Wagner, der Erfinder des musikalischen Dramas, wollte den Deutschen eine nationale Tragödie in Aussicht stellen, ein zweiter Aeschylus. Allein er nber- >°) Man vergleich- nur die obige Zusammenstellung der „Mcdermn" mit den Nomen, die im Repertoire des Deutschen Theaters vertreten sindt 378 sah den Unterschied zwischen seiner eigenen Musik, deren himmelstürmenden, alles vergewaltigenden Tomnussen und dem schüchternen Lallen einer unentwickelten Kunst. Er übersah, daß die sinnliche Knust die geistige stets todt wacht und schon im einfachsten Liede eine herrliche Melodie die Blößen der Poesie zudeckt. Er war auch der erste, welcher in den Gedankenkreis der modernen Philosophie trat, in den Bann der Verherrlichung des Willens und der Heiligsprechung der Kraft. Unsere Gegenwart beschäftigt sich ungcmein viel mit Sittenlchre, mit dem Gebiete der Ethik. Eine eigene „Gesellschaft für ethische Cultur" hat sich gebildet. Die Fragen nach dem Werth, der Bestimmung, der Richtung des Lebens, den Gesetzen unserer Handlungen und Beziehungen, sie stehen im Vordergründe des heutigen philosophischen Denkens, beinahe jede Nummer der philosophischen Zeitschriften bringt eine einschlägige Abhandlung. „Säkularisation" ist da ebenfalls das Losungswort. Wie man der Kirche das irdische Vermögen genommen hat, so möchte man auch unser Denken und Empfinden dem Bereiche der Kirche entziehen, so möchte man Moral und Religion trennen. DaS Endziel aller Richtungen, mögen sie auf dem Grnndprincip des persönlichen Vortheils oder des allgemeinen Nutzens oder des universellen Fortschrittes beruhen, es ist die Befreiung von der religiösen Moral. Einmal, indem man die Weltanschauung des Realismus ins sittliche Leben übersetzt und glaubt, es genüge den Menschen naturellcment seinen Leidenschaften zu überessen und man werde die Sittlichkeit von selbst entstehen sehen. Dann aber auch, indem man die Sittlichkeit als solche überhaupt verwirft, weil sie schädlich seil AIs Hauptvertreter dieser Richtung kann der in Berlin 1856 verstorbene Philosoph Kaspar Schmidt mit dem Schriftstellernamcn Max Stirner gelten, dessen Lehre sich dahin zusammenfassen läßt: „Alles, was der Mensch denkt, begehrt und vollbringt, ist recht und gut. Absolute Freiheit ist das höchste Gesetz." Ueber den Standpunkt Stirners, wie ihn vor allem die Schrift ,Der Einzige und sein Eigenthum* markirt, ist noch hinausgegangen jener gottlose Evangelist der Freigeisterei, der Modephilosoph der Gegenwart, dem Literatur, Kunst und Theater zu opfern pflegen: Fr. Nietzsche.^) Er ist der Philosoph des Realismus und Naturalismus, er ist der Philosoph des auf seine Beute gerichteten Willens. In seinen vielgclesenen Schriften feiert er die „Herrenmoral", d. i. das Recht des Stärkeren auf rücksichtslose Ausbeutung der Schwachen. Der Staat ist nach ihm durch „ein Nudel prachtvoller, nach Beute frei schweifender, blonder Bestien" entstanden, welche „in der Unschuld des NaubthiergewissenS" die Schwachen unterjocht haben. Die Schwachen sind dazu da, daß sich ihrer die Herren scrupelloS Zu ihrem eigenen Wähle bedienen. Die Tugenden der Uebermcnschcn sind Stolz, Muth, Freude, Todesverachtung, Härte und Grausamkeit. Die Unterworfenen machen aus ihrer Noth eine Tugend, aus Kleinlichkeit, Acngstlichkeit und Feigheit machen sie Entsagung, Selbstzucht und Demuth. Diese „Sklavenmoral" wu.de vom Christenthum auf den Thron gehoben. Und seitdem krankt die Menschheit an tausend Moralgesetzen, das Individuum ist geknechtet durch Demuth und Liebe und Pflicht. DuS Christenthum ist weiter nichts als eine feige Ruche der jüdischen Sklavenfeelen an ihren heidnischen Herren, und der Tod Jesu von Nazareth ist der I. Popp bat in der „Beilage" Nr. 28 — 30 eine ünSfl'chtliche Sl-zze-von ihm gegeben. Köder, um über den Sinn der Pflichtmoral zu tauschen. Mit der Moral des Christenthums, mit dem Autoritätsglauben der Wissenschaft muß aufgeräumt werden: ungezügelte Freiheit des großen Individuums, des „Herrenmenschen" ist zu erstreben: das Endziel der Entwicklung ist nur das Ich, das alles nach feinem Willen aus sich heraus vollzieht. Und dieser Philosoph, dem es als unanständig gilt, Christ zu sein, er ist der Prophet, auf dessen Worte die Modernen schwören, er ist ihnen „der Prometheus, der das Feuerlicht einer neuen Weltanschauung vom Himmel geholt". Citate und Mottos aus seinen Werken, Ideen aus seinem Anschammgskceis begegnen uns auf Schritt und Tritt in dem Schriflthum der Jüngstdeutschen, und ihre Prosaisten widmen ihm Essay um Essay?') Nur noch Einer ist, der sich mit Nietzsches Autorität in der Ethik der Modernen messen kann. Und das ist ihr literarischer Messias selbst, Henrik Ibsen, geb. 1828 zu Skien in Norwegen. Im hohen Norden sind eine Reihe bemerkenswerther moderner Schriftsteller entstanden: sie alle haben uns viel zu sagen, und sie wandeln alle ihre besonderen Wege. Sie rühren weniger unser Herz, als sie unsern V rstand anregen. Sie sind weniger impulsive Dichter, über die eS kommt wie ein Flügelschlag, der sie empor- und mitreißt, als grübelnde Denker, welche sich abquälen an der Lösung der Menschen- und Lebensräthsel. Sie sind mehr interessant als eigentlich gesund, und sie erwärmen uns nicht so sehr als sie uns interessiren. Zumeist sind sie Atheisten. Der Glaube ist ihnen der abzuschüttelnde Staub; darin herrscht eine beklagenswerthe Uebereinstimmung zwischen ihnen, kein einzigez>geht einen andern Weg. Gemeinsam ist ihnen der Kamps gegen die Lüge, nur daß sie dabei auch den Glauben einbegreifen. Die Führer sind Björnstjerne Björnson und Henrik Auf den 15. ds. fiel der 52. Geburtstag des Philosophen, der, geistig umnachtet, gepflegt von seiner greisen Mutter, der Pastorswutwe Nietzscbe, in Naninburg lebt. Man berichtet über seinen Zustand: Halbe Tage lang sitzt er in seinem Lehnstuhl im Zimmer oder auf der mit wildem Wein dicht bewachsenen Veranda, den Blick unbeweglich nach einem Punkte gerichtet, unbekümmert um alles, was um ihn her vorgeht. Im vorigen Jahre noch machte er oft Spazierfahrten mit seiner Mutter, jetzt sind auch diese unmöglich geworden, und die vier Wände seines Zimmers sind seine Welt. Im großen und ganzen dauert dieser Zustand nun schon Jahre lang an, nur unterbrochen durch Augenblicke, die man auch noch nicht einmal „lichte" Augenblicke nennen darf. Fast immer war es die Musik, selbst in der primitivsten Form, die ihn aus seinem dumpfen Brüten riß. Charakteristisch in dieser Beziehung ist ein Vorfall, der sich vor etwa vier Jabren abspielte. Eines Abends im Dämmerschein war Nietzsche auS seiner Wohnung verschwunden, niemand wußte, wohin. Nach längerem Suchen fand man ihn zwei Häuser von seiner Wohnung entfernt auf der Straße sieben, wo er andächtig einem Arbciterquartett lauschte, das einem Geburtstag feiernden Kollegen ein Ständchen brachte. Willenlos ließ er sich dann von seiner besorgten Mutter nach Hanse führen. Es liegt etwas ungemein Rührendes und doch wieder eins herbe Schickialöironie darin, den äußerlich fast noch bleibend aussehenden kräftigen Mann von der Sorge einer Frau abhängig zu sehen, den Mann, der in dem Weib ein mindenverthigcS Wesen, eine Art von HauSthier erblickt! Dieser feindselige Zug gegen das Weib prägt sich ja in allen seinen Schritten aus, und als einmal seine Mutter, stolz auf den Nubm ihres Sohnes, ihn fragte, welches seiner Werke er ihr zur Lektüre empfehlen könnte, antwortete er abweisend: „Nichts, meine Mutter, meine Werke sind für ein anderes Publikum geschrieben; höchstens .Schopenhauer als Erzieher' kann ein Weib versieben". Acußerlich kräftig und fast blühend, wie gesagt, sieht Nietzsche auch heute noch aus, und doch empfindet der schwergeprüfte Mann zu Zeiten auch körperliche Schmerzen, die ihn laut auischrcien lassen; unzarte Naturen sagen; „Das Wetter ändert sich, der Prosissor schreit." 379 Ibsen. Beide sehen wie der Nüsse Tolstoj in der Sinneulust die Quelle socialer Entartung, ohne deßhalb aber mit diesem zu einem überspannten Urmenschendasein zurückzuschreiten. Bei beiden ist das Weib der that- kräfüge Theil, die Triebfeder zum neuen, veredelten Zustand, der Mann ist der feige Träger und Vertheidiger verrotteter Gesellschastsinstitutionen. Der Mann ist ihnen der Urheber aller Entartung,^nicht das Weib, wie das die Franzosen lehren. Ibsen hat als wahrer Dichter begonnen. Dann warf er den Idealismus von sich und brachte in nackter Prosa der Menschheit ganzen Jammer auf die Bühne. Mit Nachdruck führte er das naturwissenschaftliche Element des Darwinismus in die Bühnendichtung ein. Sein Standpunkt ist akkurat der, welchen der 1893 in Rom verstorbene Professor Jak. Moleschott einnahm, daß der Mensch einfach das Additionsexempel sei von Eltern und Amme, von Art und Zeit, Luft und Wetter, Schall und Licht, Kost und Kleidung. Ibsens Stücke sind fast alle sogenannte Thesen stücke, d. h. sie sind componirt, um gewisse sittliche Anschauungen des Dichters zur Erörterung zu bringen, sie umkleiden irgend ein ethisches Problem. Er denkt dabei an einen bestimmten, einzelnen Menschen und richtet an die Gesellschaft die Frage, inwieweit dieser einzelne Mensch fein persönliches sittliches Ideal in der Gesellschaft verwirklichen könne. Demgemäß ist seine sittliche Forderung: Selbstständigteitl Das führt dazu, daß in der Ehe — und mit der Ehe beschäftigen sich „Nora", „Die Gespenster", „Die Frau vom Meere", „Hedda Gabler", „Klein Eyolf" — nach Ibsen die Frau nicht zurückgehalten werden darf durch einen Zwang, sei es vom Gesetze, sei eS von der Gesellschaft, sondern daß sie die Freiheit haben soll, von Gatten und Kindern wegzulaufen, sobald sie ihre Eigenart bedroht glaubt. Gerade in diesem ersten Bezirk des MenschcnreicheS, in der Ehe, da untersucht Ibsen mit Vorliebe den Niedergang der modernen Gesellschaft. Und da klagt er die Männer härter an als die Frauen. Anzuerkennen ist immerhin, daß Ibsen die Ehe geistiger auffaßt als Luther, dem sie nur als „weltliche Han- tirung" gilt. Auch führt er uns keine Ehebruchsscenen vor, dergleichen ist in die Vorgeschichte gelegt. Gewiß zeigt es von einer ernsten Auffassung, wenn er fordert, daß die Erschließenden sich kein Wort über ihr Vorleben verhehlen sollen. Er hält ein unsittliches Vorleben des Mannes durchaus nicht für etwas Erlaubtes oder gar Selbstverständliches. Freilich, die christlichen Anschauungen von der Unlösbarkeit der Ehe, der Vergeltung Gottes u. dgl. sind ihm „Gespenster". Er ist zweifelsohne ein Freund der immerwährenden ehelichen Verbindung, eines cdeln Gedankenlebens. Ein Leben aber ohne Einvernehmen in der Ehe ist ein Leben der Unwahrheit, und die rückhaltlose Wahrh eit ist daS Centrum der Jbsen'schen Ethik, in ihr beruht die Erlösung der Menschheit, wie sie Zola in der Arbeit sucht. „Freiheit und Wahrheit", sagt Ibsen, „sind die Stützen der Gesellschaft!" Entsprechend der naturwissenschaftlichen Grundlage, m welcher Ibsens Weltanschauung wurzelt, sind seine Personen nicht bloß mit einer cowplicirten Vorgeschichte, sondern auch mit ererbten, angestammten Krankheiten belastet, die ihre Willensfreiheit aufheben und ihnen die sittliche Verantwortung für ihre Handlungen abnehmen. Besonders in den Dramen „Rosmersholm", den „Gespenstern", „Hedda Gabler", „Baumeister Solneß" hat man nicht selten das Gefühl, als befände man sich in einer Nervenheilanstalt. Eine Person erscheint bis in die Mitte des Stückes ganz vernünftig, plötzlich jedoch grinst uns aus allen ihren Zügen der blanke Wahnsinn an; auch die Gesunden schleichen zwischen ihnen umher in einer nervösen Gespanntheit, die jeden Augenblick überschnappen kann. Die Personen kämpfen nickt mehr gegen ihr Schicksal, sie lassen sich einfach zermalmen. In den „Gespenstern" brütet der Ton dumpfer Verzweiflung: Frau Alving kann thun was sie will, ihr Sohn wird zur bestimmten Zeit wahnsinnig. Um die öde Trostlosigkeit dieses Totaleindrnckes noch zu steigern, gibt Ibsen noch gewisse scenische Vorschriften, wie z. B. in den „Gespenstern", wo es heißt: „Durch die Glaswände unterscheidet man eine düstere Fjordlandschaf!, welche durch gleichförmigen Regen verschleiert erscheint". Diesen Regen läßt Ibsen durch 2 Akte andauern, um im 3. Akte der Nacht Platz zu machen. Notabene ist es kein lebenswarwer Lenzregen, sondern ein todkaltsr Novewberregen, unter dem Mensch und Natur erschauern. Es ist freilich nicht immer leicht, aus einer Dichtung gerade das herauszusuchen, was sich mit Sicherheit als Ansicht des Dichters bezeichnen läßt, und nicht vielmehr als subjective Aeußerung der jeweils redenden, vom Dichter rein psychologisch aufgefaßten Personen. Wenn man aber aus allen Stücken Ibsens das Facit zieht, so erkennt man, daß er die Fähigkeit, noch mit unver- grübelten, hoffnungsvollen Sinnen Menschen und Dinge aufzufassen, einfach verloren hat. Es ist, als gösse er allen seinen Personen das Blei seines Pessimismus in die Glieder, und gerade durch ihn ist die trübselige, verbitterte Weltanschauung des Darwinismus und Pessimismus in die moderne deutsche Literatur autoritativ hineingetragen worden. Auch die Gottesidee, wenn anders wir in Ibsens Gedicht „Brand" eine Art Glaubensbekenntniß überhaupt suchen dürfen, steht bei Ibsen mehr und mehr mit der Vererbungslheorie in Zusammenhang: Gott ist ihm einzig nur der Gott der unbeugsamen Vergeltung und Rache, der noch die Kindeskinder heimsucht. „Eins ford're ich nur als mein: Platz, um ganz ich selbst zu sein. Dies zu heischen, ist gesetzlich, Daß mein Selbst sei unverletzlich, — Ganz ich selbst? Doch wie verbellt sich's Zum Ererbten? Und wie stellt sich'S, Denk' ick deS Geschlechtes Sünden?" (Fortsetzung folgt.) Ueber das Alter des babylonische» und des biblischen Sintflutberichtes. Von Joh. Bumüller, Stadt-Kaplan in Nenburg a. D. (Schluß.) Ist nun diese Ansicht von der Zusammensetzung deS biblischen Flutbcrichtes richtig, so beweist dieses, daß die schriftliche Fixirung des Berichtes mit dessen Entstehung nicht zusammenfällt, daß er sich vielmehr aus Ueberlieferungen zusammensetzt, welche den babylonischen Bericht an Alter weit übertreffen können. Ob sie ihn aber an Alter wirklich übertreffen, das können wir vorerst nur durch kritische Vergleich,ing dieser Berichte eruiren. Es folgt daher eine Gegenüberstellung der Hauptpunkte ihres Inhaltes. Art der Ueberlieferung der Berichte. Nach der babylonischen Erzählung, welche einen Theil eines Heldenepos ausmacht, kommt Gisdubar, um von einer Krankheit zu genesen, an das Gestade des Todtenflusses zu seinem Ahnen Schamaschnapitschtim, mit dem Beinamen AdrahasiS oder Hasisadra. Der letztere erzählt dort dem ersteren die Flut als selbst erlebtes Ereigniß. Der babylonische Bericht beginnt also mit einem Poetisch- Mythologischen Abenteuer, während der biblische Bericht sich als rein historische Erklärung ohne allen poetischen Beisatz einführt. Dieser Unterschied zieht sich durch den ganzen Bericht hin und zeigt sich besonders in der poetischen Ausführung der Einzelheiten. Der biblische Bericht ist allerdings auch breit, aber seine Breite beruht auf der wiederholten Erzählung derselben Thatsachen, was eben auf die Zusammensetzung des Berichtes zurückzuführen ist. Wenn man aber von diesen dadurch bedingten Wiederholungen absieht, so ist der biblische Bericht eine schlichte historische Erzählung ohne poetische Ausschmückungen, während die babylonische Dichtung in poetischer Weise beschreibt,, wie dunkles Gewölk vom Grund des Himmels sich erhebt, in dessen Mitte der Sturmgott seine Donner sprechen läßt. ... „Die Götter des großen unterirdischen Wassers bringen gewaltige Fluten herauf, die Erde lassen sie erzittern, des Sturm- gotts Wogenschwall steigt bis zum Himmel, alles Licht ward verwandelt in Finsterniß. Die Göttin Jstar schreit wie eine Gebärende und ruft: „So ist denn alles in Schlamm verwandelt, wie ich cs den Göttern prophezeit. Ich aber gebäre meine Menschen nicht dazu, daß sie wie Fischbrut das Meer erfüllen." Da weinten die Götter mit ihr über die Geister des großen unterirdischen Wassers.Ich aber durchfuhr das Meer, laut klagend, daß die Stätten der Menschen in Schlamm verwandelt waren, wie Baumstämme trieben die Leichen umher. Eine Lücke hatte ich geöffnet, und als ich das Licht des Tages erblickte, da zuckte ich weinend zusammen . . . Aehnlich würde auch heute noch ein Dichter die Sintflut beschreiben, wenn er den biblischen Bericht in poetisches Gewand kleiden wollte. Der babylonische Bericht enthält nur mythisch-abenteuerliches Beiwerk mit poetischer Bearbeitung der Ereignisse, der biblische Bericht ist ohne solches Beiwerk, einfach, schlicht, rein historisch referireud. Deßhalb ist vom Standpunkte der Kritik aus der biblische Bericht der ältere und enthält die Originalschilderung der Flut, wahrend in der babylonischen Tradition im Laufe der Zeit Erweiterungen hinzugekommen sind. Diese Annahme allein entspricht den Grundsätzen der Kritik, von denen freilich manche meinen, sie dürften nur gegen die Bibel angewendet werden. Ort der Flut. Im biblischen Bericht ist der Schauplatz der Flut nicht näher bestimmt; es wird von ihr betroffen: ka-aäain da-ares, der da vernichtet werden soll mcuü xone dn-rräamati. Lros und aclamast sind nun 1) — Iiurnu8, 2) — aZsr, 3) — tarra, roZio. Wie nun tarra. im Lateinischen sowohl Erde als Land bezeichnet, so auch ere? und aäamnlr im Hebräischen. Es kann also übersetzt werden, daß der Mensch auf Erden vom Angesichts der Erde vertilgt werden soll oder aber die Bewohner des Landes, jenes Landes nämlich, welches von Noe bewohnt, aber nicht naher bezeichnet wird. Die letztere Uebersctznng ist wohl als die richtige anzusehen. Zn der jüdischen Tradition ist also die Erinnerung an den Namen des Landes verschwunden, was auf das hohe Alter der Tradition hinweist, zugleich aber auch auf die Unversehrtheit derselben, während bei der Miauen babylonischen Ortsbcstimmuiia ein Zusammenwerfen späterer Ereignisse mit dem Flutberichte zu vermuthen ist. Hier wird nämlich als Ort der Flut die Stadt Surippak am Euphrat angegeben. Dies ist ein sehr verdächtiger Umstand, besonders wenn wir noch hinzunehmen Die Art der Entstehung. Die Flut wird nach dem babylonischen Berichte zurückgeführt auf Wirbelwind, Ueberströmen der Kanäle , Donner, gewaltige Fluten, welche die Götter des großen, unterirdischen Wassers herausbringen, Erdbeben. Hier ist offenbar eine mit Wirbelwind, Gewitter, durch Stauung der Flüsse er- folgtes Ueberströmen derselben verbundene Erdbebenflut beschrieben, welche vom Meere herkam, die Euphrat- niederungen überschwemmte und die Stadt Surippak zerstörte. Hier liegt nichts näher als die Vermuthung, daß die Originalüberlieferung später mit lokalen Naturereignissen, also mit einer Erdbeben- oder Sturmflut, zusammengeworfen wurde, sei es nun, daß diese Verschmelzung allmählig geschehen, oder daß der babylonische Dichter einfach bekannte Erscheinungen bcnützt hat, um die Einzelheiten der Sintflut näherhin auszumalen. Diese Ansicht wird dadurch unterstützt, daß es im babylonischen Bericht zuerst heißt, daß am siebenten Tage sich die Flut legte und das Meer in sein Bett sich zurückzog. Dann aber wird berichtet, wie Hasisadra das Meer durchführt: „Ueber die Länder, jetzt ein furchtbares Meer, fuhr ich dahin, da tauchte Land 12 Maß hoch aus. Nach dem Lande Nizir steuerte das Schiff. Der Berg des Landes Nizir hielt das Schiff fest." Wie wollte aber Hasisadra über die mit Meer bedeckten Länder-fahren, nachdem das Meer bereits in sein Bett zurückgetreten und Sturm und Flut aufgehört hatten? Dieses Fahren über die mit Meer bedeckten Länder weist auf den ursprünglichen, mit dem biblischen Berichte identischen Kern der Erzählung hin, welcher zu der erst später herangezogenen, aus Erfahrung bekannten Sturmflut nicht mehr paßt. Die Annahme einer in Babylon erfolgten lokalen Färbung des ursprünglichen Berichtes gewinnt endlich noch dadurch an Berechtigung, daß Franz v. Schwarz in seinem Buch „Sintflut und Völkerwanderungen" — wie er wenigstens meint — den „unumstößlichen Beweis" liefert, daß die Katastrophe, welche den Simflutsagen zu Grunde liegt, gar nicht am Euphrat, sondern in Ccntralasien, und zwar in Turkcstan, stattgefunden. Mir wollen kein vorschnelles Uriheil über die Beweisführung von Schwarz abgeben, sondern die definitive Stellungnahme maßgebender Kreise abwarten. Soviel aber ist jedenfalls sicher, daß v. Schwarz gewichtige Gründe für seine Ansicht und damit gegen die Verlegung der Sintflut an den Euphrat angeführt und dadurch unserer obigen Beurtheilung des babylonischen Berichtes eine bedeutende Stütze gegeben hat. Dagegen ist der biblische Bericht über die Entstehung der Sintflut frei von jeder lokalen Färbung. Die Flut wird hier aus Regen und das Aufbrechen der Brunnen der großen Tiefe (Abgrund, Flut, Meer) zurückgeführt. Diese allgemeine und Lheilweise unbestimmte Angabe deutet darauf hin, daß jeder Versuch, die in Folge der langen Zeit abgeblaßte Erinnerung durch lokale Ereignisse auszufüllen und auszuschmücken, peinlichst vermieden wurde. Dies alles zeigt, daß wir im biblischen Berichte das Original zu erblicken haben, welches in der babylonischen Tradition durch spätere, an örtliche Ereignisse sich anknüpfende Zuthaten gefälscht worden ist. Betheiligung göttlicher Kräfte an der Flut. Nach dem biblischen Bericht beschließt Jahve, die Bewohner des Landes wegen ihrer Sündhaftigkeit durch eine Flut zu vernichten. Jahve verkündet aber Noe ob seiner Frömmigkeit die Flut vorher und gebietet ihm eine Arche zu bauen, in welcher er gerettet werden soll. Nach der Flut verläßt Noe die Arche, bringt Gott von den reinen Thieren ein Dankopfer dar, und Gott verspricht, daß er kein solches Strafgericht mehr senden werde; er schließt einen Bund mit Noe und seinen Nachkommen (der eben in diesem Versprechen besteht), und Noe wird der Stammvater vieler Völker. Hier fehlt also wieder jede phantastische Ausschmückung, und der einfache Gottesbegriff ist vorhanden. Nach dem babylonischen Berichte nun trieb die Götter zur Anrichtung einer Flut ihr Herz an. Die Götter beschlossen eine solche: ihr Vater Amu, ihr Berather Bei, ihr Führer Ennuzi. Der Gott Ea aber verkündet Hasisadra den Beschluß der Götter. „Sie wollen vertilgen den Samen des Lebens; darum erhalte du am Leben und bringe hinauf Samen des Lebens von jeglicher Art auf das Schiff, das du erbauen sollst." Nach der Flut bringt Hasisadra gleichfalls ein Opfer dar und errichtet einen Altar auf dem Gipse! des Berges. Die Götter erscheinen nun in Folge des Opfers und gerathen in Streit über die Sintflut und ihre Folgen. Bel ist aufgebracht und will keine Seele entkommen lassen; er will auch die Geretteten vernichten. Ea beschwichtigt ihn und verlangt, daß keine Sintflut mehr stattfinde. Bel gibt sich zufrieden und erhebt den frommen und weisen Hasisadra unter die Götter. Hier zeigt sich ganz deutlich die spätere De- gcnerirung des ursprünglichen, in der Bibel enthaltenen Berichtes. Der einheitliche Gottesbegriff hat sich hier aufgelöst in polytheistische Anschauungen, welche, ausgehend vom Begriffe einer höheren göttlichen Kraft, diese besonders mit Anlehnung an die Naturereignisse in die verschiedensten Kräfte zerlegen, jeder derselben einen besonderen Namen und zuletzt ein eigenes persönliches Wesen unterschieben: also im biblischen Berichte Original, im babylonischen eine spätere Entwicklungsform des Berichtes im Sinne polytheistischer Ausartung. Mit diesem polytheistischen Moment sehen wir iw babylonischen Bericht zugleich eine herabwürdigende Vermenschlichung des Gottesbegriffes verbunden. Indem Ea Hasisadra die Flut verkündet, ist bereits ein Gegensatz zwischen ihm und den andern Göttern construtrt, der dann auch zum Ausbruche kommt und in Streit ausartet beim Opfer nach der Flut, wobei Bel schließlich von Ea beschwichtigt wird. Daß Gott die Schlechten bestraft, einige Gerechte aber rettet und dann verspricht, nicht wieder eine solche Flut zu senden, ist der zu Grunde liegende, verborgene Kern dieser Schilderung. Allein der Begriff von einem gerechten und zugleich barmherzigen Gott, der sich in diesem Gedanken ansspücht, ist dem babylonischen Berichte unbekannt. Als er abgefaßt wurde, hatte sich unter diesem Volke der reine Gottesbegriff längst zersetzt. Man suchte Erklärung dafür, daß einige Menschen der Flut entrinnen konnten, obwohl die Götter selbst die Flut angerichtet, und man kann sie nur in einer auf der Vermenschlichung des göttlichen Wesens basirenden Zwietracht finden. Das moralische Element, welches in der Bibel »«verhüllt in den Vordergrund gestellt wird, taucht im babylonischen Berichte erst am Schlüsse deutlicher wieder auf, aber in einer Weise, welche gleichfalls auf tiefen Verfall der Religion hinweist: der fromme Hasisadra wird unter die Götter erhoben. Hieraus geht wieder die spätere Abfassung der uns vorliegenden Form des babylonischen Berichtes und die Priorität der noch den ursprünglichen, reinen Gottesbegriff enthaltenden biblischen Tradition klar hervor. Allerdings wird vielfach behauptet, daß sich der monotheistische Gottesbegriff erst aus dem polytheistischen herauS- entwickelt habe. Allein dieser willkürlichen Theorie steht die Thatsache gegenüber, daß die Zahl der Götter bei den Völkern nie abgenommen, sondern zugenommen hat, daß sich ferner unter all dem Wust polytheistischer Fabeln nicht selten eine mehr oder minder erblaßte Erinnerung an ein höchstes Wesen findet. Es kann auch nicht behauptet werden, die Juden hätten den babylonischen Bericht nach ihrem Gottesbegriffe umgemodelt. Eine solche Entlehnung aus fremden Mythologien ist bei ihnen ganz undenkbar und durch 5>in einziges Beispiel erweisbar. Denn keine Mythologie eines andern Volkes dürfte so sehr aller fremden Einflüsi- bar erscheinen, wie die Geschichte des jüdischen Volkes. Dann haben die Juden ihre heiligen Bücher anf's allersorgfältigste vor jeder Fälschung bewahrt. Wenn sie von Zeit zu Zeit etwas aus fremden Religionen herübergenommen haben, so haben sie dies nie mit ihrem Gottesbegriff in Vereinigung zu bringen gesucht, sondern entweder den Glauben an ihren Gott aufgegeben oder diesen nur äußerlich und formell weiter bestehen lassen, ohne aber das eine mit dem andern zu vermischen. Wenn wir all diese Momente zusammenfassen, so erscheint als die einzig berechtigte Annahme, daß der biblische Bericht der ältere und mit dem Originalbericht jedenfalls inhaltlich identisch ist, daß dagegen der babylonische zwar aus derselben Quelle hervorgegangen, aber während der polytheistischen Ausartung der babylonischen Religion in diesem Sinne verändert, nach örtlichen Ereignissen wie Sturmfluten umgestaltet und mit poetischen Schilderungen und Ausschmückungen versehen ist. Er ist daher in seiner vorliegenden Gestalt viel jünger als die dem mosaischen Berichte zu Grunde liegenden U bcr- lieferungen. Ob er direct aus den im biblischen Bericht enthaltenen Traditionen geschöpft oder ob beide aus ein und demselben Originalbericht hervorgegangen, läßt sich nicht entscheiden. Für die letztere Annahme liegt eis stichhaltiger Grund kaum vor. Vor Jahrhunderten. Von A. Zottmann. Was in längst vergang'ncn Jahren Großes ist gcschch'n, Heute noch wir gern erfahren Und im Geiste wiederseh'n. In einer Zeit, welche gar oft ganz unsinnige und nichtssagende Jubiläen feiert, ist es gewiß am Platze, diesen unzähligen kleinlichen Erinnerungen gegenüber, wirklich bemerkenswerthe Ereignisse aufzufrischen und nichr merkwürdige hundertjährjge Gedenktage von solchen Personen und Ereignissen ohne jegliche Notiznuhme vorübergehen zu lassen, welche wohl werth sind in unserem Geiste neu aufzuleben. Da unser gegenwärtiges Jahr 1896 eine so stattliche Anzahl derartiger Tage, wie wenige andere, auszuweisen hat, so sei es gestattet, die bedeutenderen derselben in Kürze vorzuführen. 96. Der erste sechSnndneunziger Jahrgang unserer Zeitrechnung versetzt uns zurück in den von Gold und Marmor erstrahlenden, großartigen Kaiserpalast der römischen Imperatoren auf dem Palatin zu Rom. Eben wüthet ! die zweite große Christenverfolgung, und Kaiser Domitian, welcher 14 Jahre lang das Christenthum geschont hatte, schändet nun sein letztes Ncgicrungsjahr auch mit dieser Grausamkeit?) Es ist jene Verfolgung, welcher der berühmte Mitkonsu! und Verwandte deß Kaisers Flavius Clemens und dessen Gattin Domitilla, wahrscheinlich auch deren Kinder, ferner die Soldaten Nneus und Achilleus u. And. zum Opfer fielen. Auch die Marter des hl. Evangelisten Johannes, daß er in einen Kessel siedenden Oeles getaucht und, als er unversehrt blieb, nach Pathmos verbannt wurde, fällt in dieselbe, ebenso die Berufung und Vernehmung der leiblichen Verwandten deS göttlichen Heilandes, worüber uns HegesippuS folgenden interessanten Bericht gibt:?) „Zu damaliger Zeit waren noch aus der Verwandtschaft des Herrn die Enkel des Judas übrig, welcher dem Fleische nach Verwandter Jesu genannt wurde. Diese gaben sie an, daß sie aus dem Geschlechte Davids seien. Ein Evokaius führte sie daher zum Kaiser Doruitian. Denn dieser fürchtete die Erscheinung Christi ebenso wie Herodes. Er fragte sie, ob sie von David abstammten, und sie bestätigten es. Hierauf fragte er sie, wie viele Besitzungen sie hätten und wie groß ihr Vermögen sei. Beide antworteten, sie besäßen nur 9000 Denare, und hievon gehöre jedem die Hälfte. Allein, sagten sie, auch dieß hätten sie nicht in baarem Gelde, sondern in dem Werthe eines Feldes, daS nur in 99 Hufen bestände. Davon bezahlten sie die Abgaben und nährten sich selbst mit ihrer Hände Arbeit. Hierauf zeigten sie ihm ihre Hände und bewiesen durch die harte Haut und durch die Schwülen, die von der beständigen Arbeit sich gebildet hatten, daß sie selbst arbeiten. Ueber Christus und sein Reich befragt, von welcher Art es sei, und wo und wann es erscheinen würde, gaben sie die Antwort, es sei kein weltliches und irdisches, sondern ein himmlisches und englisches das in der Vollendung der Zeit erscheinen werde, dann, wenn er in Herrlichkeit kommen würde, zu richten die Lebendigen und die Todten und einem Jeden nach seinen Werken zu vergelten. Auf dieses hin verurtheilte sie Domitian nicht, sondern verachtete sie als ganz geringe Leute. Er ließ sie daher frei und befahl auch, die Verfolgung gegen die Kirche einzustellen." Domitian hatte nach diesem Vorgänge nicht mehr lange zu leben. Obwohl er in seinem Argwohn und Mißtrauen so weit ging, daß er die Wände in seinem Palast mit spiegelndem Leuchtstein belegen ließ, so daß er immer wahrnehmen konnte, wer sich hinter seinem Rücken befand und was da vorging, so war es doch Verschwörern gelungen, an ihn heranzukommen und in einem unbewachten Augenblick, während er ein ihm vorgehaltenes und vorgeblich sehr wichtiges Schriftstück las, ihm den Dolch in den Unterleib zu stoßen. Personen des kaiserlichen Hofgesindes waren die Thäter, als An- stifterin des Mordes wird seine eigene Gemahlin Do- mitia Longina bezeichnet, welche für ihr Leben fürchtete. ES war der 18. September 96, als der grausame Tyrann in seinem Blute zusammenbrach. Leichenträger der niedrigsten Volksklassen schassten den Todten auf ärmlicher Bahre nach einer Villa, wo Phyllis, seine Amme, die sterblichen Neste verbrannte.?) Auf Befehl des Senates wurden die ihm zu Lebzeiten gesetzten Inschriften und Bildsäulen mit seinen Ehrentiteln vernichtet, und da er keine Kinder hinterließ, gab ihm der Senat st EusebiuS. KirchengcsK. III, eap. 17 u 18. st Bei EusebiuS I. o. oaz>. 2V. st Lal. Ncumont, Gcsch. der «Stadt Nom I, 428 f. einen Nachfolger in der Person des auch die Christen wieder duldenden, mild regierenden Kaisers Nerva, von 96—98. „Mit ihm, sagt TacituS, begann ein glückliches Jahrhundert, welches zwei bis dahin unvereinbare Dinge mit einander verband, Principal und Freiheit." Zugleich begann mit seiner Regierung die größte und glänzendste Zeit für die Stadt Nom?) 196 und 296. Hundert Jahre nach dem Tode DomitianS und der zweiten großen Christenverfolgung finden wir als Bischof von Rom und Oberhaupt der Kirche den hl. Viktor verzeichnet, in dessen Thätigkeit, wie Schwegler bemerkt, bereits „alle Faktoren des Papstthums beisammen sind"?) An seine Regierung knüpft sich der berühmt gewordene Streit °) über die Zeit der Osterfestfeier zwischen Occident und Orient. In ersterem feierte man Ostern am Sonntag, im Orient aber, vorzüglich in Kleinasien, wurde es immer am 16. Nisan begangen, gleichgültig ob derselbe auf einen Sonntag oder Wochentag fiel; auch bezüglich der Fasten herrschte verschiedene Praxis: die einen ließen sie bis zum Auferstchungsfeste dauern, die andern beendeten sie bereits mit dem Todestage Christi. Viktor war nun bestrebt, möglichste Einheit in diesem Punkt in der Kirche herzustellen, und hielt um 196 eine Synode st, in welcher festgesetzt wurde, „daß daS Geheimniß der Auferstehung Christi an keinem andern als am Sonntag gefeiert werden und daß erst an diesem Tage das Oster- fasten beendet sein solle." Damit hatte Viktor einen wichtigen Schritt zur Herstellung in der Einheit der kirchlichen Festfeier, speciell deS Hauptfestes gethan. Die meisten schlössen sich denn auch der römischen Praxis an, nur der kleinastatische Bischof Polykrntes von Ephesus Machte mit seinen Bischöfen, auf die Ueberlieferung der Apostel Philippus und Jakobus sich stützend, verschiedene Einwendungen, und der Streit zog sich noch etwas in die Länge, bis im Jahre 325 auf dem Concil zu Nicäa die occidcutalische Anordnung allgemein und endgültig vorgeschrieben wurde. Das Jahr 296 bringt den Tod und die Beisetzung in den Callixiuskatakomben des hl. Papstes Casus?) Die über ihn cxistirenden Nachrichten werden stark angezweifelt. Er soll aus Dalmatien gebürtig und Neffe oder Großneffe des Kaisers Diokletian gewesen sein. Auf dessen Veranlassung erlitt er auch am 22. April des genannten Jahres das Martyrium, weil er nämlich seine Nichte, die hl. Susann«, eine gottgeweihte Jungfrau, in dem Vorsatz bestärkt hatte, in die ihr von Diokletian angetragene Verchelichung mit Galerius Maximianus nicht einzuwilligen?) Sein Nachfolger war im nämlichen Jahre der hl. Marcellinus. Diokletian verfolgte aber nicht nur die rechtgläubigen Christen, sondern er war überhaupt bestrebt, die Einheit der heidnischen Religion in seinem weiten Reiche aufrecht zu erhalten, oder vielmehr wieder herzustellen. Deßhalb wendete er sich besonders auch gegen den gefährlichen Manichäismus, welcher als ein Versuch erscheint, den persischen Dualismus von zwei ewigen gleichgeordneten Grundwefen und ihren Reichen, dem Gott des Lichtes st Ebenda 441. st Bei Hergenrötber, KirLengescb. I. xaA. 301. st Vgl. EusebiuS, Kirckengcsch. V, cap. 26-28. st labe, ItsA. koiitik. iisx. 4. st Luinart, Lot» Llartzeruni (RcgcuSburg, Mauz 1659) xa§. 631. st Kirckenlexikon, 2. Aufl., II, xa§. 1683. 383 und dem Gott der Finsterniß, mit einem gnostiscki gefaßten Christenthum zu einer Volksccligion zu vereinigen. Im Jahre 296 erließ er gegen diese Sekte, welche viel Schändliches enthalte, die Unzucht der Perser einführe und Unruhen erzeuge, ein strenges Edikt, welches die Häupter sammt allen ihren Gütern zu verbrennen, ihre Anhänger zu enthaupten und deren Güter zu confisciren befahl. Trotz dieser Strenge richtete die Staatsgewalt nichts aus und vermehrten sich die Manichäer, bis die Kirche ungehindert auf den Kampfplatz treten konnte und mit ihrer siegreichen Macht auch diese Irrlehre überwand?") 396. Dieses Jahr erinnert uns an ein wichtiges Ereigniß im Leben eines großen Heiligen und in der Geschichte der Kirche. Paulinus von Nola deutet es an, wenn er an Augustin gelegentlich seiner Bischofswahl schreibt: „Der Herr hat in seiner Güte sein Volk heimgesucht ... um die Hoffart der Sünder, der Donatisten und Manichäer zu zerschmettern". Augustin war am 15. November 354 zu Tagaste im nördlichen Afrika geboren, war in seiner Jugend 9 Jahre lang dem Manichäismus verfallen, ein dessen Lehren entsprechendes unglückliches Leben führend. Aber sein nach Wahrheit forschender Geist, das Gebet, die Thränen und Mahnungen einer hl. Mutter und vor Allem die rufende und leitende Gnade Gottes brachten ihn wieder auf den rechten Weg. 387 empfing er vom großen Ambrosius die hl. Taufe und zeichnete sich nun in jeder Beziehung, durch Wissenschaft und Heiligkeit aus. Bald zum Priester geweiht, wurde er im Jahre 395 vom gleisen Valerius zum Coadjutor angenommen und nach dessen Tod, im Jahre 396, zu dessen Nachfolger als Bischof von Hippo gewählt. Die Bedeutung dieses Ereignisses zeichnet schön die Gräfin Hahn-Hahn mit folgenden Worten: „Das christliche Afrika stand auf dem Höhepunkt seiner Entwicklung. Augustin war die geistige Sonne, die alle Keime zur Blüthe brachte; heilige Bischöfe lehnten sich an ihn, fromme Priester blickten zu ihm empor, blühende Klöster gediehen unter seiner Fürsorge; zahlreiche Concilien, deren Seele er war, entwickelten und bestimmten Lehrfragen und stellten Ordnung und Zucht in der Kirche fest. Der Manichäismus, der Do- natismus, der Pelagianismus, drei furchtbare Häresien, waren zu Boden geschmettert. Unvcrtilgbar ist der Same des Drachen, und in immer neuen Unformen bildet ein Lucifer sich aus. Aber das ist eben die wunderbare Macht der Kirche, daß sie eben auch immer wieder einen Erzengel Michael erzeugt, der den Lucifer überwindet. Augustin war der St. Michael seiner Zeit."") (Fortsetzung folgt.) Recensionen und Notizen. Das Leben der Aller seligsten Jungfrau Maria, dem kathol. Volke dargestellt von k. Rohn er 0. 8. L. Vcnziger u. Comp. in Einsiedeln, 1895. In schönem Leinwandcinband mit Goldprcssung und Nothschiütt. Preis M. 2.50. k. Die Verehrung der allcrseligsten Jungfrau Maria kann nicht groß genug, nicht zu verbreitet sein. Die „Helferin der Christen" muß in der That beständig angerufen werden, soll die unheilvolle Zeit, die Thron und Altar zu stürzen droht, *°) Hergenröther, Kirchengesch., 3. Aufl., I, xaZ. 211 ff. u. 414 f. ") Vgl. Einleitung Augustins Ausgewählten Schriften (Kempter Ausg.). bald ein Ende nehmen. Leo XIII. ruft deßhalb unaufhörlich der Christenheit zu: „Empfehlet euch dem Schutze Mariens, nehmet zu ihr euere Zuflucht." Mit dem greisen Papste vereinen sich die Stimmen der Bischöfe und Priester, um daS ganz- Volk zu größerer und innigerer Verehrung der himmlischen Mutter zu führen. Maria wird aber erst dann gebührend verehrt werden, wenn ihr heiligstes Leben, ihr Schatz von Tugenden, ihre unermeßliche Liebe zu den Menschen mehr bekannt ist. Dieser Aufgabe hat sich ?. Rohncr. der verdiente Schriftsteller, unterzogen. In vorliegendem Büchlein bietet er dem kathol. Volke eine Lebensbeschreibung der lieben Gottesmutter, von ihrem Eintrilte in die Welt bis zu ihrer Krönung im Himmel. Die Sprache ist lcichtfaßlich, die Beispiele vortrefflich qcwäblt, und sind insbesondere alle Vorbilder des alten Bundes berücksichtigt. Der Werth dieses Büchleins wird erhöht durch 28 ganzseitige Bilder von Joseph Nstter von Führich. Approbationen von vielen Kirchenfürsten garantiren für die Gediegenheit dieser Arbeit. — Möge das Büchlein in recht viele, viele Hände frommer Christen kommen, insbesondere aber unter den Mitgliedern der Jungfrauen-Kongregationen große Verbreitung finden, damit Maria, die Königin der Heiligen, immer mehr geliebt, erkannt und verehrt werde und durw ihre mächtige Fürsprache uns helfe in allen zeitlichen und geistlichen Anliegen! Vier Bücher von der Nachfolge Christi von Tboma» von Kempen. Bcnziger u. Comp., Einsiedeln, 1894. 480 Seiten in Leinwand gebunden, Nothschnitt u. Gold- titel. M. 1,50. k. Kaiser Friedrich trug bekanntlich die Nachfolge Christi stets bei sich, und kein Tag verging, ohne daß er wenigstens ein Capitel in ihr gelesen. Der wunderbare Jnbalt dieses goldenen Büchleins verdient mit vollem Rechte in den Händen aller Menschen zu sein. Gibt es doch keine Lebenslage, in der unS die Nachfolge Christi nicht Rath und Trost gewähren würde. Gebildete und Ungebildete, Reiche und Arme, Jung und Alt sollen sich mit dieser Perle der Literatur bekannt machen! — Die Ausgabe III mit großem Druck aus Benzigcr's rühmlichst bekanntem Verlag ist wegen ihrer schönen Ausstattung besonders empfehlcnSwerth. Für Leute mit schwachen Augen kennen wir keine geeignetere Ausgabe, zumal sie init einem schönen Stahlstich geziert ist und die nothwendigsten Gebete enthält. Der billige Preis wird zur weitesten Verbreitung gewiß viel beitragen, und machen mir insbesondere die Herren Geistlichen auf dieses Büchlein aufmerksam, indem es alten Leuten, die am Besuche der Predigt verhindert sind, einen Ersatz bietet durch das Verzeichniß der geeigneten Capitel für die einzelnen Sonn- und Festtage. Je mehr die schlechte Lcctüre auch auf dem Lande verbreitet wird, desto mehr müssen wir für Verbreitung guter Literatur sorgen, und ein besseres und geeigneteres Buch als die Nachfolge Christi wird um diesen billigen Preis nicht gefunden. München. Seine geschichtliche, örtliche und monumentale Entwicklung unter den WittclSbachcrn. Von vr. I. Weiß. kgl. Sccrctär am Geh. Staatsarchiv. Verlag von A. Brnckmann, München. * Diese niit 66 Illustrationen und einem Doppelstadtplan ausgestattete Monographie bietet eine vortreffliche historische Darstellung des Werdeganges unserer daher. Metropole. Prägnante Schilderung, geschickte Vertbcilnng des Stoffes und sichtlich liebevolle Hingabe au dessen Bearbeitung zeichnen dieses Städtebuch aus. Selbstverständlich nimmt darin die Geschichte der alten und neuen Monumentalbauten und deren Schilderung einen entsprechenden Raum in Anspruch. — Den praktischen Werth des Buches erhobt im Anhang ein „Führer" unter dem Titel: „Rundgang durch die Stadt". Allen Freunden unseres schönen München können wir dieses „Städiebild", das weit über vielen andern derartigen Werkchen steht, nur bestens empfehlen. Sanct Paulus, der Heidenapostel. Nach neuen Quellen und archäologischen Forschungen dargestellt von?. Phili- bert Sceböck, 0. 8. §r., Lektor der Theologie. Pader- born, Schöningh, 1897. VII, 240 S. L.V. Der unermüdliche Tiroler Schriftsteller ist soeben mit einem Buche an die Oeffenilichkeit getreten, welches sicherlich bei Vielen hohes Interesse erwecken wird. Der hochw. Herr Verfasser meint in seiner Bescheidenheit, auf den Beifall der Theo- logicprofessoren nicht rechnen zu können, und hittet nur um milde Beurtheilung und eventuelle Belehrung. Er denkt sich als Leserkreis „studirende Theologen, in der praktischen Seel- 384 sorge stehende Priester und wissenschaftlich gebildete Laien". DaS Werk ist die woblgereiite Frucht langjähriger Studien, wobei dein Verfasser sein Aufenthalt in der ewigen Stadt sehr zu statten kam. Daö in 25 Kapueln entworfene Lebensbild des großen Heldenapostels wird in jedem Leier die Liebe und Begeisterung für St. Paulus erhöhen. Möge das herrliche Buch recht Viele Käufer finden! Der beste und kürzeste Weg zur Vollkommenheit. Von 8 . Nieremberg, 8 . I. Auö dem Spanischen übersetzt von 8 . I. Jausen, 8 . .7. Freiburg i. Br., Herder'iche Verlagsbuchhandlung. Preis M. 2,2V, gcbd. M. 2,80. i- Die „aöcetische Bibliothek" hat durch vorliegendes Werk eine wcrthvolle Bereicherung erfahren. Der Verfasser (1590 bis 1658) nimmt unter den ErbauungSschriftstellern der Gesellschaft Jesu eine hervorragende Stelle ein. In seinem „Weg zur Vollkommenheit" bat er die tiefsten und praktischsten Wahrheiten der Philosophie und Theologie klar und anschaulich mit einer Menge von passenden Bildern und Vergleichen dargestellt. Die christliche Vollkommenheit mit ihren zahlreichen Mitteln wird darin ganz auf die Hingabe und Vereinigung mit dem göttlichen Willen zurückgeführt. Einen Beweis für die Gediegenheit des Inhaltes geben die zahlreichen Ausgaben und Uebcrsctzungen in vlämischer, italienischer, französischer und lateinischer Sprache. Aus dem Lateinischen wurde das Werk ins Deutsche übertragen. Möge darum daö Büchlein, wie in früherer Zeit so auch jetzt, für OrdenSgcnossenfchaften und alle, die nach Vollkommenheit streben, mit Gottes Gnade reichen Segen stiften! Amaranth. Von Oscar von Redwitz. 41. Auflage. 8 ° (XXIV u. 300 S.) Mainz 1896, Franz Kircbheun. Preis geh. M. 3,60. In Salon-Callicoband M. 5,60. * Zu der herannahenden Weihnachtszeit möchten wir als Geschenkgabe, namentlich für die jüngere weibliche Generation, das Redwitz'sche Erstlingswerk in empfehlende Erinnerung bringen, das in den 50er Jahren bekanntlich bahnbrechend für die christliche Poesie gewirkt hat und heute in 41. Auflage vorliegt. Es ist ja richtig, daß das Jugendwerk N dwch' Vielen ^ romantisch erscheint aber gegenüber der jetzigen bhperrealistischcn Literatur mit ihrem Hautgout schadet es wahrlich nicht, wenn auch zu einer so überaus lieblichen Dichtung wie die „Amaranth" gegriffen wird, die an Reiz der Form und Sinnigkeit des Inhaltes zu dem Besten gehört, was in diesem Genre geschaffen wurde. Redwitz hat in diesem romantischen Epos nämlich nicht nur eine Saite angeschlagen, die stets in aller Herzen tausendfachen W:derhall findet, er hat dies auch in einer Form gethan, welche, im Einzelnen untadel- hafr und von hinreißender Schönheit und Bilderfülle, im Ganzen die gewöhnliche epische Einförmigkeit durchbricht und im wohlbedachten Maße der Mannigfaltigkeit Ruhe- und Einheitspunkte genug findet, um nicht zu ermüden und nicht zu zerstückelt. Dabei sind wie gelöste Körner einer Perlenschnur durch die ganze Dichtung die Lieder ausgestreut, welche unstreitig zu dem Innigsten und Scelenvollsten gehören, was die an herrlichen Liedern so reiche deutsche Lyrik hervorgebracht hat. Ueber die Tendenz des Epos die durch und durch christlich ist, ist natürlich hier kein Wort mehr zu verlieren. Die katholische Welt. Jllustrirtes Familienblatt mit den Beilagen „Der Hausfreund" und „Für fleißige Hände". Jeden Monat erscheint ein 80 Seiten starkes Heft mit einer Knnstbeilage und ca. 35 Illustrationen zuni Preise von 40 Pfg. Verlag von A. Rfffarth, M.-Gladbach. Inhalt von Heft 1 deS neuen Jahrganges (1697): Prinz Max von Sachsen — Priester. Dcö Goldeö und her Liebe Glück. Eine Herzensgeschichte von L. Niderberger. Fra G. Angelico da Ficfole. Kunsthist. Skizze von I. Ming (mit 18 Illustrationen). Daö kostbarste Erbe. Erzählung von Nedeatis. Panzerschutz der Landbefestigung e n. Von M. Buckwald (mit 4 Illustrationen). Künstler und Verbrecher. Roman von Th. H. Lange. Der unsolide Mann. Skizze von Margarethe Mirbach. Frühlingsblumen im Winter. Von Max HeSdörffir (mit 10Illustrationen). „Wer?" Erzählung von Hermann Hirschfeld. Graz. Von G. Stroriedl (mit 8 Illustrationen). Die Rückkehr des Nordpolfahrers Nansen. Studien undMittheilungen aus dem Benediktiner« und Cist ercienser-Orden. XVII. Jahrgang 1896. Preis pr. Jahrg. (4 Hefte cä. 40 Bogen) M. 8 — 4 fl. Nur zu beziehen durch die Administration genanurek Zeitschrift im Stift Raigern bei Brunn (Oesterreich). Jnhalts-Vcrzeichniß des 3. Heftes 1896. Abhandlungen: Veith JIdefonö (0. 8 . 8 . Eniaus): Die Martyrologien der Griechen. (I.) Leistle, Dr. David (Dillingen): Wissenschaftliche und künstlerische Strebsamkeit im St. Magnusstifte zu Füssen. (V.) Vkilloms, 8 . Oabriol (0. 8 . 8 ., LküiAirsin): 8 elwlak Lenoäiotinao, sivo: vo Loientüs, opera Lonaelwrum Oräinio 8 . Boneäioti, anotns, sxenltis, propagatis ot oonsorvatis,- labil gnatuor a. l). Oäons Oambior wonaobo AktliK'oniensis lllonastorii Orclinis ssrwäem 8 . Lsneäieti. (III.) — Renz, G. A. (Regeusburg): Beiträge zur Geschichte der Schottenabtei St. Jacob und des Primates Weih St. Peter (0. 8 . 8 .) in Rcgensburg. (VII.) Schneider Ed. (Luxemburg): Johannes Bertels (0. 8 . 8 ), Abt von Münster und Eckternach. (Schluß.) Grillnberger, vr. Otto (0. tlisr., Wilhering): Kleinere Quellen und Forschungen zur Geschichte des Cistercienser-OrdenS- (IX. Schluß.) — Mittheilungen: Steiner, Berchtold 8 . ( 7 -0. 8 . 8 ., Emsicdeln): Historisch- kritische Untersuchung über den Verfasser deS „Geistlichen Kampfes". Halnsa, Teszelin 8 . (0. Oiot. v. Heiligcukreuz): Notiz über Langhcims 0. 6 ist. Oonköckoration nnd die - 8 otnla- des AbteS Michael von Bantz, 0. 8 . 8 . Wcikert, 0. Tbomas Ag. (0. 8 . 8 . von St. Meinrad, Am.): Meine Orientreise. (IV.) Breitschopf, Robert 8 . (0. 8 . 8 ., Altenburg): Eine Handschrift auö dem Bcncdiktinerinnen-Kloster zu Göttwech. M. K. (0. 6 ist.): Ueber ein dem bl. Bernard zugeschriebenes Gedicht. Halnsa, T. (0. 6 ist.): Eine Bulle Benedicts XIV. an Abt Robert von Hciligenkreuz wegen Errichtung einer Bruderschaft deS heiligen Kreuzes. — Neueste Benediktiner- und Cistercienser - Literatur. ( 8 XVII.) — Literarische Referate. — Literarische Notizen. — Ordcnsge- schichtliche Rundschau. — Nekrologe. — Beilage. Philosophisches Jahrbuch. Auf Veranlassung und mit Unterstützung der Görresgesellschaft hei ausgegeben von vr. Const. Gutberlct. Verlag der Fuldaer Akticn- Druckerei. IX. Jahrgang. 4. Heft. Inhalt: I. Abhandlungen. L. Schütz, Der Hyp- notismus (Fortsetzung). I. Uebinger, Die mathematischen Schriften des Nik. Cusanus (Fortsetzung). I. Bach, Zur Geschichte der Schätzung der lebenden Kräfte. I. Geyser, Die philosophischen Begriffe von Ruhe und Bewegung in der Körpcrwelt, entwickelt im Anschluß an die Versuche an der Alwood'fchen Fallmaschine. — II. Recensionen und Referate. Tb. Esser, 0. 8 ., Die Lehre des hl. Tbomas v. Aq. über die Möglichkeit einer anfangslosen Schöpfung, von B. Adlboch, 0. 8 . 8 . R. Wrzecionko, Das Wesen des Denkens, v. C. Gutbcrler. R. Weinmann, Die Lebre von den specifischen Sinncsenergien. von demselben. G. Martins, Beiträge zur Psychologie und Philosophie, von demselben. W Schneider, Das andere Leben, 4. Anfl., von demselben: — III. Zeitschriftenschau.IV. MiS- cellen und Nachrichten. Nekrolog über Albert Stöckl. CharitaS. Zeitschrift für die Werke der Nächstenliebe im katholischen Deutschland. Unter Mitwirkung von Fachmännern herausgegeben vom Charitas- Comitö zu Freiburg i. Dr. Erster Jahrg. 1896. Erscheint, 16 Seiten stark, je am 1. des Monats und kann durch die Post und den Buchhandel bezogen werden. Abonuementspreis jährlich 3 Mark. — Freiburg i. Br. Herder'sche Verlagshandlung. Inhalt von Nr. 10: Ein bischöfliches Wort über die christliche Charitas. — Die socialen Aufgaben der christlichen Cbaritas. I. — Zum Charitastage in Schwäbisch-Gmünd. — Bausteine zum internationalen katholischen Mädckenschntzverein. — Der Verein St. Marienhans zu Freiburg i. B. — Geisteskrankheit und Jrrenseelforge. — Die Anstalten der christlichen Wohlthätigkeit in Rom. II. — Die goldene Jubelfeier des St. Hedwig-KrankenhnuseS in Berlin. — Kleinere Mittheilungen. (Bettelei, Landstreicher« und Armenpflege. — Daö neue Heim für kaufmännische Gehilfinnen in Trier. — DaS Werk der Borromäerinnen in Nlcxandria.) — Fragekasten, Zusendungen an die Redaction. Verantw. Redacteur: Ad. Haas in Augsburg. — Druck u. Verlag des Lit. Instituts von Haas L Grabherr in Augsburg.