zur „Angslmrger Pojheitung." Nr. 13. Samstag, 14 . August 1880. Wer sich der Welt entzieht, Thut recht; nur lern' er tragen, Daß Jene, die er flieht, Auch nicht nach ihm mehr fragen. Friedrich Halm. Der Herr Daran. Novelle'von Ludwig Habicht. (Fortsetzung.) Während seiner Erzählung hatte sich der Todtengräber scheu umgesehen, ob man ihn etwa belausche, aber sie waren Beide längst in einsame Straßen gekommen und Niemand achtete weiter auf das Paar, denn es war kurz vor Mittag und die wenigen Leute, die Ihnen begegneten, hatten keine Zeit und waren viel zu sehr mit sich selber beschäftigt. Der elende Schurke! Er ist also selbst vor einem solchen Verbrechen nicht zurückgeschreckt, bebte es von den wuthzitternden Lippen Enrichetta's. Seitdem die blinde Leidenschaft für den Baron erloschen, die sie zur Mörderin ihrer guten Herrin gemacht, war die Liebe zu der Fürstin von Neuem in ihrem Herzen erwacht. Nun fühlte sie erst, das Schändliche ihrer Handlung und die bitterste Reue verzehrte ihre Brust. Ja, er ist ein Schurke, denn er hat sein Versprechen nicht gchalten. Seine ewige Dankbarkeit war leere Redensart, denn sobald ich zu ihm kam und ihn um eine kleine Unterstützung bat, fertigte er mich mit einer Bagatelle ab und schließlich ließ er mich gar nicht mehr vor. Da wurde ich freilich unangenehm und ließ einige Redensarten fallen, die muß man ihm hinterbracht haben, denn als ich heut' ihn wieder besuchen will, ist der Vogel plötzlich ausgeflogen. Das sieht ihm ähnlich! hat er doch die heiligsten Eide gebrochen, die er mir geleistet, rief die Italienerin erbittert, deren Groll gegen den Verräther mit aller Heftigkeit erwachte. Was sollen wir nun thun? Ich brauche Geld, meinte der Todtengräber und sah seine Begleiterin fragend an. Zeigen wir ihn an, daß er endlich seine gerechte Strafe erhält. Und ich mit in die Tinte komme, setzte der Mann kleinlaut hinzu, der lein klares Bewußtsein völlig wieder gewonnen hatte. Nein ich danke. Wenigstens wären dann die Behörden verpflichtet, seinen jetzigen Wohnort zq ermitteln. Was habe ich davon L Denken Sie von dem Baron noch einen Pfennig zu erhalten? Gewiß, sobald er nur zurückkommt. Er wird sich nie wieder in Paris seyen laßen. Selen sie davon überzeugt» — 98 — Der Todtengräber kratzte sich mit der freien Linken hinter den Ohren. Das wäre schlimm. Ich habe mir ein kleines Grundstück gekauft, denn ich will mich zur Ruhe setzen und brauche 10,000 Francs. Ich muß also sehen, daß ich den Baron entdecke. Und wie wollen Sie dies anfangen? Deutschland ist groß, Sie können viele Tausende wegwerfen, eh' Sie ihn finden. Deutschland ist groß, wiederholte die Italienerin, und glauben Sie wirklich, daß er dorthin abgereist ist? Wenn man uns jetzt sagt, daß er nach Deutschland gegangen, dürfen wir überzeugt sein, daß er eine ganz andere Richtung eingeschlagen hat. Sie wissen noch nicht, wie ungeheuer schlau dieser Mensch zu Werke geht. Ich weiß es doch, entgegnete der Todtengräber und ließ niedergeschlagen den Kopf sinken. Nun dann werden Sie mir auch glauben, daß Sie von Bloomhaus nie mehr einen Franc erhalten. Da können Sie wohl Recht haben, aber dann sitz' ich gründlich in der Patsche. Haben Sie schon Ihre Stelle aufgegeben? Ja, war die Antwort. Ich hatte seit jener abscheulichen Geschichte gar keine Ruhe mehr. Wenn ich an der Stelle vorbeikam, wo jetzt die Frau Baronin lag, war es mir immer, als hörte ich hinter mir flüstern: Du nichtswürdiger Schurke, hast mir meinen Frieden genommen. Ich konnt's nicht länger aushalten, und nahm meinen Abschied. Kaum war ich vom Kirchhof fort, da hörte ich, daß die Gerichte die Ausgrabung einer Leiche vorgenommen und nun verlor ich vollends den Kopf. Ich mochte mich nicht weiter «rkundigen, wie die Sache eigentlich zusammenhing, aber ich schwebte täglich in Angst, es werde Alles herauskommen und man werde mich verhaften. Seitdem habe ich mir das Trinken angewöhnt, um mich ein bischen zu betäuben. Glauben Sie mir, Madame, *ch war früher ein nüchterner Mann. Was wollen Sie jetzt beginnen? Ich weiß es nicht. Ich bin durch den Schurken ganz zu Grunde gerichtet, wenn ich die 10,000 Francs nicht schaffen kann. Auf den Baron dürfen Sie nicht mehr rechnen, der wird es schon verstehen, sich kür Sie auf immer unsichtbar zu machen. Dann bin ich verloren, seufzte der Todtengräber. Ich will Ihnen einen Borschlag machen, der Sie allein retten kann, wenn Sie ihn -annehmen, sagte Enrichetta nach kurzem Besinnen. Ihr Begleiter blickte ihr überrascht und verwundert ins Antlitz, während die Italienerin mit größter Ruhe fortfuhr: Wenn Sie vor Gericht Ihre Angaben wiederholen, will ich Ihnen die 10,000 Francs auf der Stelle auszahlen. Der Franzose stieß ein kurzes Lachen aus. Sie sind sehr gütig, sagte er etwas spöttisch; aber was kann mir das Geld nützen, wenn ich ein paar Jahre sitzen muß. So schlimm dürfte es nicht werden, entgegnete Enrichetta kühl. Sie haben ja nicht gewußt, um was es sich handelt und dem Drängen des Barons nicht zu widerstehen vermocht. Ihre höchste Strafe wird vier Wochen Gefängniß sein und wenn Sie diese abgebüßt, dann sind Sie im Besitz einer großen Summe und haben Ihr Grundstück bezahlt. Sie meinen wirklich, daß ich mit vier Wochen fortkomme? fragte der Todtengräber unsicher. Kein Zweifel, war die entschiedene Antwort. Sie haben ja keinen Leichenraub Gegangen. Die Särge sind einfach vertauscht worden, das ist nur ein unbedeutendes Berbrechen, wie Sie selbst einsehen muffen. Hm, vielleicht haben Sie Recht, erwiderte ihr Begleiter nachdenklich. ES ist so, wie ich Ihnen sage, begann die Jtalienerjn von Neuem; Sie laufen tzar keine Gefahr. Diese vier Wochen Strafe sind rasch vorbei und dann sind Sie ^S^rgen, Also entschließen Sie sich rasch. Begleiten Sie mich zum Gericht. Machen — 99 — Sie Ihre Angaben der Wahrheit gemäß und ich zahle Ihnen auf der Stelle die zehntausend Francs aus. Die kleinen Augen des Todtengräbers ruhten mit sehr mißtrauischen Blicken auf der Fremden. Wer bürgt mir denn dafür, daß Sie mir die zehntausend Francs zahlen, nachdem ich mich in die Falle gebracht habe? Der Baron versprach mir auch golden? Berge und wie hat er sein Wort gehalten? Sie haben es mit keiner Betrügerin zu thun. Ich werbe mein Wort einlösen, verlassen Sie sich darauf! versicherte Enrichetta und legte zur größeren Betheuerung die Rechte auf ihre Brust, doch der Franzose war davon noch nicht überzeugt. Verzeihen Sie, Madame, sagte er mit verlegenem Lächeln, denn er wollte einer Dame gegenüber nicht ganz unhöflich sein, ich möchte Ihnen so gern glauben, aber eii; gebranntes Kind fürchtet das Feuer. Die Italienerin sann einen Augenblick nach. Nun gut, sagte sie, plötzlich stehen bleibend, es wird sich für uns Beide ein Ausweg finden lassen. Können Sie schreiben? Der Todtengräber richtete sich stolz in die Höhe. Vollkommen, wie ein Notar. In der Schule bewunderten die Lehrer meine vorzügliche Handschrift, denn Sie müssen wissen, Madame, ich habe eine ausgezeichnete Erziehung genossen. An der Wiege wurde mir nicht vorgesungen, daß ich einmal das Amt eines Todtengräbers antreten würde, denn ich bin von sehr guterFamilie; aber das Schicksal hat es anders gewollt! — und der plötzlich sehr lebhaft gewordene Mann senkte traurig den Kopf. Dann schreiben Sie auf, was Sie mir soeben mitgetheilt haben, lassen Sie Ihre Unterschrift von einem Notar beglaubigen und bringen Sie mir das Papier und ich zahle Ihnen sofort die 10,000 Francs aus. Das läßt sich weit eher hören, sagte der Todtengräber nach kurzem Sinnen. Aber halt, rief er plötzlich, es geht doch nicht. Wenn ich mit meiner Beichte zu einem Notar- gehen soll, dann bin ich schon in seinen Händen, und wenn Sie mir schließlich die 10,000 Francs doch nicht zahlen? ^ Ach, braucht denn der Notar den Inhalt des Papiers zu kennen, unterbrach ihn Enrichetta sogleich. Der Mann hat ja blos nöthig, Ihre Unterschrift zu beglaubigen, das genügt. Sie haben Recht, Madame, entgegnete der Franzose. Ich sehe schon, daß Sie weit klüger find als ich. Und Sie meinen wirklich, daß ich mit vier Woochen fortkomme? Keine Frage, erwiderte die Italienerin mit großer Entschiedenheit. Vielleicht genügen schon vierzehn Tage, und bedenken Sie, daß Sie auf diese Weise aus aller Verlegenheit sind. Was haben dagegen vierzehn Tage oder vier Wochen zu bedeuten? Das ist wahr, so rasch kann ich mir eine solche Summe nicht verdienen, besonders jetzt, seitdem mir der Baron doch entwischt ist. i Es bleibt also bei unserer Abrede. Ich erwarte Sie morgen und Enrichetta nannte ihm ihre Wohnung und bat den Mann zugleich um seine Adresse. Er zögerte noch einen Augenblick, dann erfüllte er ihren Wunsch. Ich heiße Richard Mineur und wohne jetzt in Pantin, Gartenstraße Nr. 5. Nun gut, Sie erhalten sofort Ihre 10,000 Francs, sobald Sie mir die Anzeige bringen. Verlassen Sie sich darauf. Ich will ewig verdammt sein, wenn ich mein Wort nicht halte, setzte sie hinzu und reichte ihm die Rechte. Beide schüttelten sich die Hände und trennten sich dann. (Fortsetzung folgt.) Wittelsbacher Jubiläumsfeier aus dem Burgplatz zu Obermittelsbach. Wer wäre nicht gerne da, wo jugendlicher Frohsinn unter väterlicher Leitung die schönsten Blüthen entfaltet? D'rum auf und nach dem Bahnhof! So mag sich am 5. August dieses gnadenreichen Jahres manch' Augsburger gedacht haben, und eS war neben den circa 650 Studierenden der kgl. Studienanstalt St. Stephan ein stattlich Häuflein, das sich zur fröhlichen Fahrt am Bahnhöfe in Augsburg eingefünden, um das 700jührige Jubiläum des Wittelsbacher Hauses zu feiern, wo dessen unscheinbare Wiege gestanden. Schon wartet das Dampfroß, das heute ein festlich Kleid angelegt, stolz das bayerische Wappen trägt und gar schön anzusehen ist mit seinen grünen Kränzen und weiß-blauen Fähnchen. Die Einparquirung geht musterhaft von statten und ein schriller Pfiff, da fährt der lange Zug hinaus in den hellen Sommertag, in die schöne Gottes- Welt. Bald verschwinden die Häuser und Thürme der alten Reichsstadt, donnernd braust der Zug über die Lechbrücke und wir sind in Altbayern. Im hellen Sonnenschein lächelt das alte Friedberg mit seinen trotzigen Mauern und Basteien hernieder, doch immer weiter rast der entfesselte Zug hinein in's liebliche Paarthal und nach nicht ganz dreiviertel Stunden liegt das grünumrahmte ehrwürdige Aichach vor uns. Der Zug hält. Auf dem Perron stehen zahlreich die Einwohner des Städtchens, an ihrer Spitze der Bezirksamtmann und der Stadtpfarrer zur Begrüßung anwesend. Schnell formiren sich die Schüler in Sechserreihen und nun wird stramm mit klingendem Spiel — die Anstalt hat eigene Capelle — und wehenden Fahnen durch das freundliche Städtchen gezogen. Stehlen wir uns ein wenig weg und besehen uns den altehrwürdigen Ort. Aichach ist so ziemlich regelmäßig gebaut, hat eine hübsche Hauptstraße, deren Pflaster gut absticht von dem der frequentesten Straßen Augsburgs, weist ganz nette Häuser und namentlich zwei hübsche Thore auf. Die Pfarrkirche darf die Gemeinde ihren Stolz nennen. Sie ist rein gothisch und dreischisfig, hat sehr schöne Altäre, nur dürfte der Hochaltar durch einen stylgerechten ersetzt werden. Aichach macht auf den Besucher den Eindruck der Wohlhabenheit, und doch find manch' harte Stürme durch seine Thore gebraust. Aichach ist sehr alt, denn schon im Jahre 1126 befestigte Pfalzgraf Otto IV. von Wittelsbach die Stadt. Weiters ließ Ludwig der Gebnrtete in: Jahre 1418 umfassende Befestigungsarbeiten machen, ^.nno 1632 wurde Aichach durch den schwedischen Fcldmarschall Gustav Horn erobert, anno 1633 durch den kaiserlichen General Altringer aber ihnen wieder entrissen. Am 11. April nämlichen Jahres wurde die Stadt von den Schweden wieder erobert, geplündert und zum Theile niedergebrannt, ^.nno 1634 den 14. Juni ergab sich die Besatzung und Bürgerschaft mit Accord an den zum Entsetze der Stadt herbeigeeilten bayerischen General Johann von Werth, ^.rmo 1634 den 24. Juni wurde Aichach von dem schwedischen General Gustav Horn neuerdings belagert und in einen Schutthaufen verwandelt. Weiter wirkte noch während des spanischen Erbfolgekrieges das Brandunglück vom 10. August 1704 empfindlich, auch der östereichische Erbfolgekrieg und die französischen Feldzüge haben der Stadt manche harte Wunde geschlagen und nur langsam erholte sich die vielgeprüfte. Doch lassen wir die trüben Bilder der Vergangenheit und verlassen wir die von saftigen, grünen Wiesen umgürtete, von der Paar umschlängelte Stadt und hinaus zur Wiege der Wittelsbacher! Gleich außerhalb der Stadt zweigt sich der Weg nach Oberwittelsbach von der Landstraße ab, ein auf einem kleinen Sockel sitzender Löwe, mit dem bayrischen Wappen in den Pranken, zeigt uns den Weg. Nun geht's den sanft ansteigenden Hügel hinauf durch golden wogende Aehrenfelder. Blickt sich der Wanderer, oben am Saume des Waldes angelangt, noch einmal um, so thut sich ihm ein reizendes Panorama auf. Das liebliche, grüne Paarthal liegt zu unsern Füßen, eingerahmt von den dunklen Wäldern, die sich allmählig in blauer Ferne verlieren. Manch blühendes Dörfchen ist zu sehen, manch' stattlicher Kirchthurm ragt in die reine Sommerluft hinein. Und nun sei gegrüßt du schöner Tannenwald, der du das ersehnte Ziel birgst, der du schirmend mit deinen Armen die Stätte umfangen hältst, die jedem Bayer heilig ist. Wenige Minuten, und der altersgraue Thurm der Kirche von Oberwittelsbach grüßt durch den grünen Schlag. Wir find auf dem großen Rasenplatze, auf dem das bayrische Volk ein schlichtes, aber schönes Nationaldenkmal feinem erlauchten Fürstenhause errichtet. Sonst mag der 101 Platz wohl recht einsam sein und nur Finkenschlag und Falkenschrei die heilige Stille unterbrechen, aber heute ist es anders. Hoch aufjauchzend begrüßt die den Hügel hinan- klimmende Studentenschaar den heiligen Boden, wo einst ein hoher König (Max II. am 9 . September 1857) die Worte sprach: „Also hier stehe ich auf dem Boden meiner Ahnen." Alles gruppirt sich um das sit altdeutschem Style (im achten Regierungsjahre König Ludwig I.) ausgeführte Denkmal. Ernst und getragen erklingt mit frischen Stimmen „Gott mit dir du Land der Bayern!" Und nun betritt eine stattliche Gestalt im schwarzen Habit die Stufen des Monuments und ob auch die Haare schneeig gebleicht sind, nach langjähriger, mühevoller Arbeit, heute strahlt das edle Antlitz jugendfrisch und ebenso jugendfrisch erklingt die Stimme, die da preist der Wittelsbacher Ruhm. Es ist Herr Rektor ?. Thomas Krämer, der begeistert zu seinen Schülern spricht. Er greift zurück auf die Zeit, wo die Stätte, aus der sie stünden, von stolzen in das Land hineinschauenden Thürmen mit mächtigen Zinnen und gewaltigen Ringmauern gekrönt waren. Wie hätten die damaligen Burgherren in ihren kühnsten Träumen erhoffen dürfen, was ihren erlauchten Enkeln die Zukunft erbrachte, das sei der Segen edlen Strebens, Segen für das erhabene Wittelsbacher Haus und Segen für Millionen Unterthanen, die das Glück haben, mit diesem Hause durch Liebe und Treue und Dankbarkeit festverwachsen zu sein, wie die Wurzeln der 700jährigen Eiche. Und voller und Heller hat wohl noch nie ein Hoch aus Herzen geklungen, wie das der begeisterten Schaar da d'roben auf dem Burgplatze von Oberwittelsbach und das Echo vom Walde d'rüben klang wie Geisterchor dazwischen. Ob sie nicht segnend herunterschauten aus dem sonnigen Himmel, der sich weiß und blau in hohem Bogen über uns ausgespannt, die Geister der verblichene» Ahnen des Hauses Wittelsbach? Ja wer diese von jugendlicher Begeisterung glühenden Gesichter gesehen, der mußte sich sagen: „Noch blüht die Liebe des Bayernvolkes zum Fürstcnhause bis in die fernsten Geschlechter." Dank den ehrwürdigen Vatern von St» Stephan, die ihren Söhnen auch Vaterlandsliebe einzuimpfen wissen. Nach Absingung der Nationalhymne bewegte sich der Zug auf den Festplatz im Walde, wo durch die Liebenswürdigkeit des Freiherrn von Beck, von Kühbach für 12 hundert Personen Tische und Bänke geschlagen waren. Viele lagerten sich in kühlen Moos, denn Hunderte von Männern, die bei St. Stephan an der reichen Wissensquelle getrunken, hatten sich mit Familien eingefunden, wenige Stunden zu träumen, „wieder Student zu sein." Nachdem der Wald im Lied begrüßt war („Wer hat dich du schöner Wald"), tönte manch frischer Cantus, der die alten Burschenherrlichkeit heraufbeschwor, durch die grünen Tannen. Am Schlüsse sprach Herr Medizinalrath Dr. Bauer Namens sämmtlicher Festtheilnehmer den Veranstaltern des Festes herzlichsten Dank aus, in welchen die Anwesenden mit einem Hoch freudig einstimmten. Leider allzufrüh wurde aufgebrochen und mit frohem Jubel wurde Abschied genommen von der ehrwürdigen Stätte. Noch ein letzter Blick auf die bereits von Dämmerung umschleierte Kirche und wieder geht's durch den Wald hinab nach Aichach. Uns sei aber zuvor noch gestattet, einen Blick in das Kirchlcin zu werfen, das aus der ehemaligen Burgkapelle entstanden ist. Der hohe Sattelthurm, von dem aus man eine herrliche Aussicht bis hinüber nach München, zum hl. Berg Andechs und anderseits bis Neuburg a. D. genießt, ist der einzige Ueberrest der alten Burg. Die Kirche ist im gothischen Style erbaut, die drei Altäre gehören jedoch einer späteren Zeitperiode an. Im Presbyterium befinden sich an den Seiten- wänden ein paar gute alte Bilder. Beim Aufgang zur Emporkirche ist ein Bild der alten Burg an der Thür befestigt, ganz im Hintergründe gibt ein gutes Bild, jedenfalls aus späterer Zeit stammend, Andeutungen über die Entstehung der Kirche. Doch eilen wir dem Zuge nach. Wir sind wieder in Aichach. Mit klingendem Spiel wird durch die Straßen paradirt zum Bahnhöfe, wo der Extrazug unser wartet. Vom Kirchthurm zu Aichach tönt voll und feierlich die Abendglocke herüber. Schon glitzern einzelne Sternchen am dunkeln Nachthimmel, der Zug setzt sich in Bewegung und hineingeht's in die schöne Sommernacht. — Es ist über 9 Uhr, als der Zug in den Augsburger Bahnhof einfährt. Es war ein Tag des Herrn da oben auf dem sonnigen, waldbegrenzten Burg- Plätze von Oberwittelsbach und der Tag wird fortleben in der Erinnerung; der Samen, der dort in die empfänglichen, Herzen gefallen, wird wachsen und immer fester wird wurzeln die Liebe und Treue zu unserm angestammten Fürstenhause „Wittelsbach." A. Planer. , Der Barometer, -er Wind un- -er Thermometer als Wetteranzelger. Der Barometer hat eigentlich nur die Bestimmung, den Druck der Luft anzuzeigen und in Folge davon als Höhenmesser zu diene». Da sich indeß der Druck der Luft bei bevorstehenden! feuchten oder trockenen Wetter vermindert oder verstärkt, so läßt sich bis auf einen gewissen Grad sein Werth für Vorausbestimmung der Witterung nicht in Abrede stellen. Es gibt in dieser Beziehung gewisse Regeln, die ein Resultat der Beobachtung und Erfahrung sind und wir glauben deshalb, daß deren Mittheilung für unsere Leser nicht ohne Interesse sein dürfte. Vor Allem ist es nothwendig, zu wissen, daß die Anzeigen des Barometers jedesmal unzuverlässig sind, wenn gleichzeitig zwei Luftströmungen herrschen; eine in der Höhe, die andere in der Nähe der Erde. So, wenn z. B. zwei Winde herrschen, der eine aus Norden in den unteren Schichten der Atmosphäre, der andere aus Süden in der oberen Schichte, so kann der Barometer sehr tief stehen, ohne daß es regnet und umgekehrt, wenn der Wind in den unteren Regionen aus Süden und in den oberen aus Norden weht, so kann der Barometer sehr hoch stehen und doch Regen stattfinden. Stets muß man auch berücksichtigen, daß selbst wenn es regnet, der Barometer bei Nordwind in der Regel hoch steht. Er wird dann gewöhnlich nicht eher fallen, als bis sich der Wind. nach Süden dreht, ausgenommen den Fall, wenn, wie eben erwähnt, zwei entgegengesetzte Luftströmungen herrschen. Wenn im Winter der Wind aus Osten oder Südosten weht, so steht der Barometer gewöhnlich sehr hoch und wenn er auf dieser Höhe stehen bleibt, und der Wind sich nicht ändert, so kann man eine länger anhaltende Kälte erwarten. Wenn Gewitter sich am westlichen Himmel sammeln, so steht der Barometer stets niedrig, und wenn er dann weiter bis auf seinen niedrigsten Stand herabgeht, so wird der Sturm sehr heftig und der Regen stark und anhaltend sein. Wenn während eines Gewitters oder heftigen Regens der Barometer wieder steigt, so wird es bald wieder schön. Wenn wahrend schönem Wetter der Barometer fortwährend fällt, und dieses schöne Wetter dessenungeachtet den Anschein längerer Andauer hat, so darf man sich dadurch nicht täuschen lassen; es ist im Gegentheil sehr wahrscheinlich, daß binnen Kurzem viel Regen fallen, und daß, wenn der Wind aus Südwesten weht, ein Gewitter oder Sturm bevorsteht. Bei sehr heißer Witterung zeigt das Fallen des Barometers Donner und fernes Gewitter und wenn das Fallen .sehr rasch und stark ist, ein nahes Gewitter an. Wenn im Winter der Wind aus Westen weht und es dabei gefriert, so zeigt das Fallen des Barometers fast immer Schnee an. Wenn zur Zeit eines Gewitters oder Donners der Barometer sich nur ein wenig ändert, so muß man den Wind beobachten Die Gewitter ziehen fast immer von der dem Wind entgegengesetzten Seite auf. Wenn, nachdem ein Gewitter vorüber ist, der Wind sich nicht ändert oder wenn er, nachdem er sich verändert hat, wieder seine frühere Richtung annimmt, so wird das schöne Wetter zurückkehren. Wenn aber während oder nach einem Gewitter sich der Wind nach Westen dreht und sich dort erhält, während der Barometer fällt, so wird für einige Tage schlechtes Wetter eintreten» Der Westwind ist indeß nicht immer mit Regen verknüpft; er ist es vielmehr na* dann, wenn der Barometer gefallen ist. Hält er sich dagegen hoch, so dauert vielmehr das schöne Wetter an, trotz der Wolken, die der Westwind stets herbeiführt. Der reine Südwind bringt gewöhnlich keinen dauernden Regen, obschon der Barometer bei Beginn der südlichen Windrichtung fällt. Dauert aber dieses Fallen fort, so wird der Wind wahrscheinlich bald nach Westen übergehen und Regen eintreten. Wenn dagegen der Barometer ein wenig steigt, während der Wind aus Süden weht, so ist es wahrscheinlich, daß er sich nach Osten wenden und baß schönes Wetter eintreten wird. Eine vollständige Windstille geht gewöhnlich einer Witterungsänderung voraus. In diesem Falle zeigt das Steigen oder Fallen des Barometers die bevorstehende Witterung an. Wenn während des Regens der Barometer fortfährt zu fallen, so wird der Regen anhalten und nicht eher aufhören, als bis sich der Wind ändert. Wenn während schönem Wetter der Barometer steigt, so wird es so lange schön bleiben, bis der Wind eine andere Richtung annimmt. Wenn im Winter Ostwind herrscht, so zeigt das Steigen des Barometers Kälte in. Wenn er zu steigen fortfährt, so ist dies ein Zeichen stärkerer Kälte; wenn er dagegen füllt, so wird sie nicht von Dauer sein, sondern wahrscheinlich Schnee fallen. Wenn während starker Hitze der Barometer steigt oder seinen hohen Stand nicht verändert, so folgen auf die Hitze weder Gewitter noch Regen, wenn er dagegen fällt, so ist schlechtes Wetter zu erwarten. Wenn im Monat Juli der Barometer etwas steigt und die Luft ein wenig ruhig ist, so soll man keine Zeit verlieren, die Feldfrüchte einzubringen, denn wenn sich der Wind erhebe, so würde er Wolken Hertreiben, der Barometer würde fallen und Regen eintreten. Dies wäre nur dann nicht zu fürchten, wenn der Wind aus Osten wehte und die Luft ein wenig kühl wäre. Schnelle, häufige und bedeutende Barometerveränderungen zeigen veränderliche Witterung an; langsame und fortgesetzte Veränderungen sichern die Dauer desjenigen Wetters, das sie anzeigen. Wenn der Barometer des Nachts und nicht bei Tag steigt, so ist ein sicheres Zeichen von schönem Wetter. Wenn sich der Stand des Thermometers gleich bleibt, während der Barometer fällt, so regnet es. Wenn der Barometer und der Thermometer zugleich wesentlich fallen, so ist in der Regel viel Regen zu erwarten. Wenn dagegen beide zugleich wesentlich steigen, so ist es ein Zeichen von schönem Wetter. (Fundgr.) Nach dem Gewitter. Noch eben Donnergerolle In flammender Wolkenschlacht. Und nun die zanbcrvolle Selige Stille der Nacht. Es flohen die Ruhestörer Des Tages vor ihr hin Wie die besiegten Empörer Nor ihrer Königin. Hell schwimmt im Wasserspiegel Der ganze Himmesdom, Es drückt sein Sternenfiegel Der Himmel auf den Strom. Nur matt vom Himmelssauine .Leuchtet's noch ab und zu, Wie sich der Geist im Traume Noch regt in Schlafesruh'. Fr. v. Bodenstedt. Miseellen. Ueber die Bedeutung des farbigen Lichtes für das gesunde und kranke Auge theilt „Böttcher's Polytech. Notizblatt" aus dem mit obigem Titel versehenen Werkchen von Dr. Magnus Folgendes mit: Die Ergebnisse dieser Arbeit sind insofern von Bedeutung und beachtenswerth, als aus ihnen hervorgeht, daß die gegenwärtig noch allgemein verbreitete Licht-Therapie, welche bei allen Erkrankungen des Auges (welchen Charakter dieselben auch immer haben mögen) nur eine Lichtsorte, nämlich das blaue Licht, als geeignet und heilsam erachtet, doch nicht wissenschaftlich so fest begründet ist, wie man dies bisher annahm, vielmehr einer sehr ernstlichen und gründlichen wissenschaftlichen Reform dringend bedarf. Die Resultate, zu denen Dr. Magnus im Laufe seiner Untersuchung gelangt ist, führen im Allgemeinen dahin, daß das erkrankte Auge in keiner einzigen Lichtsorte den erforderlichen Schutz, die nothwendige Schonung findet, daß namentlich die wenigstens bei uns in Deutschland noch sehr verbreitete Anwendung des blauen Lichtes als Schutzmittel des erkrankten Auges in Wahrheit durchaus nicht im Stande ist, das Auge wirklich gegen alle Reizmomente des Lichtes zu schützen. Wendet man daher blaue Brillengläser als Schutzmittel des erkrankten Auges an, so wird man allerlei, unangenehme und störende Wirkungen beobachten können, welche lediglich auf Rechnung einer reizenden Eigenschaft des blauen Lichtes zu schreiben sind. Die Kranken klagen bei dieser Behandlung über Blendungserscheinungen, Schmerzen und Drücken der Augen bei hellerer Beleuchtung rc., alles Erscheinungen, welche bei Vermeidung des blauen Lichtes sofort zu verschwinden pflegen. Als vollkommensten und durchaus befriedigenden Schutz gegen das allzu stark reizende Licht bezeichnet Dr. Magnus schließlich eine durch graue (sogenannte Rauch-) Gläser erzielte Beleuchtung. Er hat diese Gläser experimentell geprüft und gefunden, daß sie in gleicher Weise, sowohl die Quantität als die Qualität des Lichtes Herabstimmen, also dem Auge gegen alle im Licht liegenden Reizmomente in gleicher Weise Schutz gewähren. (Oxford.) Der junge, geistreiche und witzige Fürst von P. ward eines Morgens von seinem General-Adjutanten um die Tagesparole ersucht. „Was gibt's Neues heute?" fragte der Fürst. — „Nichts Ew. Durchlaucht," lautete die Antwort, „als daß der Prinz von H. diesen Morgen abgereist ist." (Der Prinz von H. war wegen seiner Arroganz und Stupidität ein Gespött des Hofes.) — „Nehmen Sie zur Parole Oxford," erwiderte rasch der Fürst. „Meister Bader," sagte ein Bauer zu seinem Barbier, „das Getreide ist ja jetzt so wohlfeil, Ihr könntet mich nun wohl auch um den halben Preis rasiren!" — „Kann nicht sein, Meister Speck," versetzte der Bader, „ich sollte sogar jetzt den doppelten Preis bekommen, denn wenn das Korn so tief im Preise steht, machen die Bauern so lange Gesichter, daß ich zweimal so viel Fläche abschaben muß." (Rücklings gesessen.) Ein junger Oesterreicher machte mit seinen Eltern eins Reise nach Rom und Neapel. Nach seiner Zurückkunft wurde er in einer Gesellschaft aufgefordert, Etwas von seinen Reisen zu erzählen, allein er erwiderte: „Halten's zn Gnaden, das kann i nit." — „Und warum nicht?" fragte man. „Ja schaun's, i hab Halter rücklings g'sefsen, un da hab i gar nix g'seh'n." Buchstabenrebus. 8 s