zur „Äilgsbnrger PostMimg." Nr. 23. Samstag, 18. September 1880. Lei dir geheimer Rath bei jedem Unternehmen! Du wirst dann seltener dich einer Thorheit schämen. Gleim. Der Derr Daran. Novelle von Ludwig Habicht. (Schluß.) Der Kammerdiener trat anfangs mit großer Keckheit auf; sein Muth brach jedoch rasch zusammen, als er jetzt erfuhr, daß sein künstliches und schlaues Gewebe bereits völlig zerrissen worden. — Das hatte er freilich nicht erwartet und als ihm endlich das Bekenntniß seiner Frau vorgelesen wurde, verlor er vollends alle Fassung. Er ließ niedergeschlagen den Kopf sinken und verharrte schweigend längere Zeit, ohne zu antworten. Das Beste ist, Du legst jetzt ein offenes und ehrliches Bekenntniß ab, ermähnte der alte Richter. Iwan starrte düster vor sich hin, ohne ein Wort zu entgegnen. Du hast zwei Morde auf dem Gewissen und der Tod ist Dir ohnehin sicher. Der Kammerdiener erhob ein wenig den Kopf und starrte den Alten betroffen an. Es ist gar keine Frage, daß Du auch Deinen gnädigen Herrn, den Baron Bloom- haus beseitigt hast. Bei diesen Worten sprang Iwan in die Höhe und streckte wie abwehrend die Hände aus. Nein, nein, ich bin unschuldig. Ich wurde von den Räubern mit überfallen und geknebelt, stieß er hastig hervor. Du konntest das alberne Zeug jenen einfachen Leuten vorschwatzen, einen alten, erfahrenen Kriw.'nalbeamten mußt Du aber damit verschonen. Es ist dennoch die Wahrheit, sagte Iwan, seinen alten Trotz noch einmal zusammenraffend. Mit diesen: Burschen war der alte Richter noch weniger Willens irgend welche Umstände zu machen. Er klingelte und der Kosack mit seinem kräftigen Ueberredungs- mittcl erschien. Zähle einmal dein Menschen da fünfundzwanzig auf. Das Wort wirkte auf Iwan völlig vernichtend. Ich will alles bekennen stammelte er verwirrt. Dann beeile Dich. Wie Sie wissen, war ich der einzige Diener, der den Herrn Baron auf seinen Reisen begleiten durfte. Wir gingen nach Italien und ich hatte immer gehört, daß dort ganze Räuberbanden hausten und reiche Reisende plünderten. Der Herr Baron mochte wohl selbst etwas Furcht haben, denn ich durfte nicht von seiner Seite und wenn wir fuhren, mußte ich mit im Wagen sitzen, deshalb hielten uns die Hotelwirthe und Kutscher für Brüder und nun kam mir ein böser Gedanke, den ich» nicht mehr los wurde. Iwan strich sich über die Stirn und fuhr erst nach einer Pause fort: Es war als ob ein böser Geist mir dies beständig zuflüsterte: Wenn Dein Baron von Räubern überfallen und erschlagen würde, könntest Du an seiner Stelle den vornehmen Herrn spielen. — Wir waren auf der Insel Kapri gewesen und seltsam genug, der Graf sprach fortwährend von Räubern, prüfte seine Pistolen und meinte: Wenn nicht gleich eine ganze Bande kommt, mit ein paar italienischen Schuften nehmen wir es auf. Ich bestärkte ihn noch in dieser Ansicht und entgegnete, daß ich gern einmal ein solches Abenteuer haben möchte. Wir sprachen dann von andern Dingen und ich wußte den Baron zu überreden, daß er den Wagen zurückschicke, denn ich hätte gehört, der Weg, den wir jetzt einschlügen, sei der schönste von Italien. Der Baron war ohnehin leicht zu lenken, ich konnte ihn zu Allein bewegen. Die Straße war jetzt sehr einsam und nun flüsterte mir wieder der Böse zu: jetzt ist der rechte Augenblick, die Gelegenheit kommt nicht wieder. — Ich führte einen eisenbeschlagenen Stock bei mir und unter dem Vorwande, daß dort eine prächtigere Aussicht sein müsse, lockte ich ihn von der Straße hinweg und dann — Der Gefangene stockte, ein leiser Schauder schüttelte seinen Körper. Er hatte bisher seinen Bericht stehend abgestattet, jetzt sank er wie gebrochen auf die Bank zurück. Nur weiter, drängte der alte Beamte streng und unerbittlich. Wirklich wurde Iwan durch diesen Zuruf wieder heftig aufgerüttelt, den Blick zu Boden geheftet, fuhr er mit leiser Stimme fort: Der Baron bückte sich nach einer Blume und nun durfte ich nicht länger zögern. Ich erhob meinen Stock und schlug nach dem Kopfe des Barons. Er blickte sich erschrocken um und wollte sich zur Wehr setzen: jetzt durfte ich ihn nicht mehr schonen. Ich hieb noch mehrmals auf den Schädel meines Herrn ein, bis er lautlos und blutend zusammensank. Ich hielt ihn für todt. Nun entfernte ich mich von ihm einige Schritte, holte aus meiner Tasche die Stricke, die ich mir zu diesem Behufe mitgebracht hatte, und begann mich selbst zu knebeln. Ich hatte mich schon lange darin geübt, aber ich hätte mich beinahe verrechnet. Der Strick um den Hals drohte mich zu ersticken und dann die furchtbare Aufregung. Glücklicherweise wurde ich noch im letzten Augenblicke gerettet. Schade! murmelte der alte Kriminalrichter in den grauen Bart. Als ich aus meiner Betäubung erwachte, drohte nur eine andere Gefahr, setzte Iwan seine Erzählung fort, dem es vielleicht selbst ein Bedürfniß sein mochte, sein Gewissen einmal durch ein offenes Bekenntniß zu erleichtern. Mein Herr war nicht todt. Unter den Gästen des Hotels, in das wir gebracht worden, befand sich zufällig ein französischer Arzt, der alle seine Kunst anwandte, den Schwerverwundeten zu retten. Wenn es ihm gelang, war ich verloren. . . . und die Erinnerung an jene Stunden schien so mächtig zu sein, daß sie Schweißtropfen auf seine Stirn brachten. Der Arzt that zwar den Ausspruch, daß der Verwundete seine klare Besinnung nicht mehr wiedererhalten werde? aber war es nicht dennoch möglich? — Ich wagte zuletzt gar nicht Mehr daran zu denken. Schon hatte ich mich als ältester Bruder des Barons ausgegeben; ich mußte meine Rolle weiter spielen, so schwer es mir auch siel. . . . Iwan strich sich über die feuchtgewordene Stirn. Alles fügte sich schließlich nach Meiner Berechnung, begann er nach einem tiefen Athemzuge von Neuem: Mein Herr .erhielt seine Besinnung nicht mehr zurück und ich konnte an seiner Stelle als Baron Vloomhaus auftreten. Es gelang mir auch und Niemand zweifelte an meiner Echtheit, und jetzt huschte beinahe etwas wie ein triumphirendes Lächeln um seine bleichen Lippen. Dieser elende Lump brummte der Alte wieder, laut und heftig setzte er hinzu: und dann hattest Du die Frechheit, eine italienische Fürstin zu beschwindeln, die so leichtfertig war, Dich für einen echten Baron zu nehmen und die ihre Thorheit dadurch büßen mußte, daß Du sie ebenfalls aus dem Leben schafftest. Iwan schwieg, was half es, diese zweite Anklage theilweise von sich abzuschütteln. Bekenne auch hier die Wahrheit. Dann muß ich sagen, daß ich meine erste Frau nicht selbst vergiftet habe. Das ist die Wahrheit. Aber Du gabst den Auftrag und das Gift. Diese Geschichte geht uns übrigens nicht viel an, fuhr der Kriminalrichter fort. Das wurde uns ganz unnütze Weiterungen verursachen. Der Mord an Deinem gnädigen Herrn und der freche^Betrug genügt schon, um Dich dahin zu bringen, wohin Du gehörst. Iwan antwortete auch jetzt nichts. Er ahnte sein Schicksal und wußte nur zu gut, daß es das Klügste war, sich demüthig schweigend zu unterwerfen. Als der Beamte befahl, ihn wieder abzuführen, machte er nur eine tiefe Verbeugung. VIII. Graf Brückenburg hatte gegen seinen Freund nicht eher von der Sache gesprochen, als bis alles ermittelt war und die Baronin sowohl als ihr sauberer Kammerdiener im Gefängniß saßen. Der Baron hatte geglaubt, daß sein Freund längst wieder die Angelegenheit vergessen und aus dem Gesichte verloren habe, hatte er doch selbst nicht mehr daran gedacht. Seit, jener Entdeckung war er ohnehin ein anderer geworden. Zum ersten Male hatte er eine tiefe leidenschaftliche Liebe empfunden, um die bittere Erfahrung zu machen, daß er getäuscht worden. Nein, das war er nicht; er hatte sich selber getäuscht und dennoch empfand er es wie die tiefste Demüthigung, daß er, der Baron Nosenberg, der bei allen Damen bisher fabelhaftes Glück gehabt, von einem elenden Bedienten aus der Gunst der von ihm angebeteten Frau verdrängt worden. Diese Kränkung seiner Eitelkeit traf ihn besonders tief. Plötzlich kam ihm das ganze Gesellschaftsleben flach und jämmerlich vor. Sein höchstes Vergnügen war es bisher gewesen, das Geld mit vollen Händen auszustreuen, wenn er überhaupt welches hatte, jetzt erschien ihm sein bisheriges Leben leer und abgeschmackt. Er zog sich in die Einsamkeit zurück und während er früher den Verkehr mit Büchern ängstlich vermieden hatte, wurde die Lektüre jetzt sein einziger Genuß. Der Baron bekam dadurch sogar den Anstrich eines Philosophen, wie sein Freund spottend bemerkte, der trotzdem bald seine Neigungen theilte. Baron Rosenberg war deshalb nicht wenig überrascht, als eines Tages der Graf mit den Worten in sein Zimmer trat: Ich gratulire Dir, Richard, Du bist seit gestern Besitzer von Bloomhans. So, ist sie gestorben, fragte der Baron ganz bestürzt. Wenn ihm diese Frau auch die tiefste Wunde geschlagen, er hatte sie doch einmal geliebt und die Theilnahme an ihrem Geschick war noch nicht erloschen. Sie sitzt mit ihrem treuen Iwan im Gefängniß. Der Baron sprang heftig auf und ließ die Cigarre aus den Händen fallen. Aus dem ernsten Antlitz des Freundes entnahm er wohl, daß dieser keinen Scherz gemacht hatte. Ah, ist es möglich! ? Und wie ist das gekommen? rief er in größter Aufregung aus. Meine dunkle Ahnung hat mich nicht betrogen, entgegncte Brückenburg. Wir haben es mit trefflichen Schauspielern zu thun gehabt, nur hat Iwan seine schwierige Rolle beinahe noch besser und mit größerem Anstand gespielt als seine Gehilfin.', Du sprichst in Räthseln. Die Dir gleich gelöst werden, wenn ich Dir sage, daß Iwan schon vor zwei Jahren seinen Herrn wahrscheinlich durch irgend ein jetzt noch nicht völlig aufgeklärtes Verbrechen ins Irrenhaus geschickt hat, daß er seitdem mit großem Glück in der Welt als Baron Bloomhaus aufgetreten ist, zuerst eine reiche italienische Fürstin gehcirathet, ihr Geld durchgebracht und sie dann vergiftet hat. Ist das Wahrheit? Ist das nur möglich? rief der Baron ebenso verwundert als wie empört. Dieser Schurke von Bediente! ' Das alles steht bereits aktenmäßig fest, unterbrach ihn der Graf. Du siehst also, wie leicht es in der Welt ist, den vornehmen Aristokraten zu spielen — eine Entdeckung, die uns Adelige wieder einmal recht demüthigen müßte. Was bleibt uns, wenn jeder hergelaufene Lump die Rolle des hochgeborenen Herrn spielen kann?! Der innere Adel! entgegnete der Baron und erhob stolz das Haupt. Früher hätte er diese Antwort nicht gefunden. — Seit seiner Wandlung war doch in seinem Innern ein reicheres Seelenleben erwacht. Du hast Recht, sagte Brückenburg nach kurzem Sinnen mit großem Ernst. Ein wirklicher Edelmann wäre auch solcher Schurkerei unfähig, wie sie dieser Bube begangen hat. Doch ich will Dir rasch seine Abenteuer zu Ende erzählen. Nachdem Iwan seiner ersten Gemahlin überdrüssig geworden und sie durch Gift hatte beseitigen lassen, hat er die Schauspielerin geheirathet, ob sie damals schon gewußt, daß ihr sauberer Gatte nichts weiter als ein Schwindler war, läßt sich vorläufig noch nicht genau feststellen. . Iwan ist also ihr angetrauter Mann? unterbrach ihn lebhaft der Baron. Brückenburg nickte mit dem Kopfe. Jedenfalls war dies Paar einander würdig. Um nun die glänzende Erbschaft Deines inzwischen verstorbenen Vetters anzutreten, übernimmt nun die Schauspielerin die Rolle der trauernden Wittwe, während sich Iwan mit der sehr bescheidenen des Kammerdieners begnügt. Weil er in Bloomhaus nicht als ein Anderer auftreten durfte und Du mußt gestehen, daß es für einen Künstler keine Kleinigkeit ist, plötzlich den Bedienten zu spielen, während er schon mehrere Jahre die Rolle des Barons gegeben hat und ich kann dem Burschen meine Bewunderung nicht vorenthalten, er hat seine schwierige Aufgabe sehr glücklich gelöst und ist nicht ein einziges Mal aus der Rolle gefallen. Wer hätte das gedacht! Es erklärt Alles! sagte der Baron und empfand doch eine gewisse Befriedigung, daß dadurch die Handlungsweise der schönen Frau eine andere Beleuchtung erhielt. Unter diesen Umständen war ihr freilich nicht zu verargen gewesen, daß sie treu zu ihrem Manne gehalten hatte. Und zum Erstaunen Aller lieferte die Schauspielerin einen Beweis von weit größerer Treue, den Niemand erwartet hätte. Da man ihr nicht beweisen konnte, daß sie schon vor Eingehung ihrer Ehe die Verhältnisse Jwan's gekannt hatte, wurde sie nur wegen einfachen Betruges verurtheilt und die Richter übten gegen die noch immer bildschöne Frau ganz besondere Nachsicht. Sie kam mit einigen Monaten Gefängniß fort, die rasch verbüßt waren. Der Kammerdiener dagegen wurde zum Tode verurtheilt, vom Kaiser jedoch zu lebenslänglicher Verbannung nach Sibirien begnadigt und seine Frau setzte alle Hebel in Bewegung, um die Gunst zu erlangen, das Schicksal ihres Mannes theilen zu können. Einer solch' rührenden Hingabe Hütte man die ehemalige Schauspielerin nicht fähig gehalten und selbst die Theilnahmslosesten wurden von dieser unerschütterlichen Treue tief bewegt. Um ihr Ziel zu erreichen, verschmähte es sogar Desiree nicht, den Baron Rosenberg um seine Vermittelung anzuflehen und das im Grunde noble, weiche Herz des Barons wurde davon tief erschüttert. Mochte diese Frau immerhin eine Abenteurerin sein, ihre festhaltende Liebe hatte doch einen heroischen Zug. Seltsam bewegt sagte er ihr die Erfüllung ihrer Bitte zu und seinem Einflüsse gelang es wirklich, für die schöne Frau die Genehmigung zu erlangen, daß sie ihrem Gatten nach Sibirien folgen konnte. Wie der alte Kriminalrichter schon erklärt hatte, wurde der Vergiftungsfall nicht weiter erörtert und deshalb auch die Untersuchung nicht gegen Enrichetta eingeleitet. Sie hatte sich, nachdem Sie ihren Rachedurst voll befriedigt gesehen, in ihr Heimathland zurückbegeben und nichts mehr von sich verlauten lassen. Nasinsky, der kluge Advokat, gelangte in der Folge zu immer größerem Ruf und Ansehen. Baron Bloomhaus-Rosenberg trat jetzt das Erbe seines Vetters an, aber er machte alle Voraussagen der Leute zu Schanden. Alle Welt war überzeugt daß er in kurzer Zeit mit Hilfe seines Freundes sein glänzendes Besitzthum vergeuden würde, und das Gegentheil war der Fall. Der Baron begann jetzt ein stilles, ruhiges Leben zu führen und als wolle er mit seiner Vergangenheit gründlich brechen, heirathete er bald darauf eine Bürgerliche, die nichts besaß, als ihre geistige Bildung und wirkliche Vorzüge des Herzens und des Charakters. An der Seite dieser Frau führte der Baron ein wahr- 181 hast glückliches harmonisches Dasein, das ihm weit mehr Befriedigung bot, als er je rm Strudel der Welt und inmitten der rauschendsten und kostspieligsten Vergnügen gefunden und um das Glück seiner Ehe voll zu machen, schenkte ihm seine Gattin vier blühende Kinder. Graf Brückenburg blieb »»vermählt und der treue Freund des Hauses. Fünf Städte über einander. In der deutschen Anthropologengesellschaft zu Berlin hielt am 5. August Dr. Schliemann einen Vortrag über seine Ausgrabungen in den Ruinen von Troja. Nach einem uns vorliegenden kurzen Berichte sagte er im Wesentlichen Folgendes: „In dem Schutthügel von Hissarlik, auf der Stelle, wo einst das alte Troja lag, befinden sich die Ruinen von fünf Städten übereinander. In der obersten Schichte fand Schliemann Idolen aus Marmor; in der zweiten, außer Idolen auch Vasen. Dann kam er in einer Tiefe von 30 Fuß an eine aus Ziegeln erbaute Stadt, die plötzlich zerstört worden sein muß, da er Gerippe von Menschen, zerbrochene Lanzen und zurückgelassene Schätze fand. Das Haus des Königs Priamos wurde aus diesen Trümmern hcrausgegraben. Dasselbe mußte mehrere Stockwerke und über hundert Treppenstufen haben. In diesen mit Asche bedeckten Räumen fand er einen Dolch aus Bronze und einen anderen aus Silber, auch goldene Schmuckgegenstände und kupferne Gefäße, aber von Eisen keine Spur; dagegen eine Menge Streitäxte und Tausende von Spindeln. Das Bild der Pallas-Athene kehrte häufig wieder. Schliemann legte die Mauern des Königshauses, den Thurm und die Reste der Stadtmauer bloß. Unter diesem Troja der Jliade fand er aber die Neste von noch zwei anderen Städten, auf weche er mittelst Schachten gerieth. In dieser vierten, beziehungsweise fünften Stadt erst. deckte er verschiedene Gebrauchsgegenstände, darunter solche, die aus Indien stammten." Danach liegen also in dem Schutthügel von Hissarlik die Ruinen von fünf Städten übereinander. Die oberste stammt offenbar aus den Zeiten der römischen Herrschaft, denn Strabon spricht noch vom „heutigen Jlium" und von einem nahe dabei liegenden Dorfe der Jlier, wo das alte Jlium früher gestanden. (Buch XIII. 1.) Strabon lebte aber zur Zeit des Cäsar und Augustus. Von der zweiten Stadt, die nach der Zeit des Priamos erbaut wurde, spricht derselbe Strabon an mehreren Stellen; sie fei zuerst unter der Herrschaft der Lydier wieder hergestellt worden. Im peloponnesischen Kriege wurde das damalige Troja den Mytilener von den Athenern entrissen, wie Thukydides berichtet. Ueber die dritte Stadt, von oben nach unten gerechnet, gibt die Homer'sche Jliade genügende Auskunft und gehen wir darum sofort zur viert-untersten über. Diese wurde durch den griechischen Hercules oder Alkaios zu der Zeit zerstört, als Laomedon, des Priamos Vater, dort regierte. Ueber diese Zerstörung gibt Diodor von Sicilien (IV, 49) folgende Auskunft: Als die Argonauten von Jolkos in Thessalien (nahe dem heutigen Volo) unter dem Pelasger Jason abfuhren, um auf Befehl des Pelias, des Oheims von Jason, das goldene Vließ in Kolchis zu holen, gesellte sich außer vielen streitlustigen Gesellen auch Herakles dem Zuge bei. Derselbe war von seinem älteren Bruder Eurystheus, dem Könige von Tiryus, der damals den ganzen Peloponnes beherrschte, wegen seiner wilden Streiche aus dem Lande verwiesen worden und trieb sich gerade in den Vergwäldern von Doris, südlich von Thessalien, mit einer Anzahl arkadischer Klcphten herum. Die Arche oder Argo, auf welcher die Argonauten abfuhren, war, um dies hier gelegentlich zu bemerken, von Minäern erbaut worden, wie die Erzarbeiter Griechenlands damals genannt wurden (min ist Erzmine). Von diesen Minäern segelte eine Anzahl mit, um an dem Abenteuer theilzunehmen, gerieth aber mit den Pelasgern, die den Oberbefehl führten, in Streit und wurde von denselben auf der Insel Lemnos ausgesetzt,, von wo 182 sie später nach Sparta geriethen und dort von den Bewohnern des Landes wegen ihrer Kunstfertigkeit gerne aufgenommen wurden. Aber auch hier entstanden Zerwürfnisse und wanderten diese Minäer dann nach Elis aus, wo sie in der „Triphylia" genannten Gegend am unteren Alpheus (der griechischen Albais oder Elbe) Fabriken anlegten, um Waffen aus Erz zu verfertigen und solche dann durch Jaoner oder Kaufleute (Jonier) weiter verhandeln zu lassen. Doch zurück zu den Argonauten. Diese landeten, nachdem sie einen schweren Sturm überstanden, an der trojischen Küste, beim Cap Sigeion, wo den Meerungeheuern die Opfer gebracht wurden (sio, seio ist Opfer, Folter, sekiren). Sie fanden dort die Hesyone gefesselt am Ufer, wo sie einem Haifisch oder anderem Seethier zum Fraß geopfert werden sollte; Hercules befreite dieselbe, erschlug das Seethier und erhielt als Lohn dafür selbige Hesyone sammt zwölf Pferden. Da er diese jedoch nicht nach Kolchis mitnehmen konnte, so gab er sie sammt der Hesyone dem Laomedon in Verwahrung, bis er zurückkäme. Dies geschah denn auch, nachdem das Vließ (ein vergoldetes Widderfell) in Colchis erbeutet war, aber nun wollte Laomedon weder die Hesyone noch die Pferde herausgeben, warf sogar die Boten des Hercules in das Gefängniß, nämlich dessen Bruder Jphiklos und den Telamon von Aegyna, den Vater des Ajax und Oheim des Achilleus. Priamos, ein Sohn des Laomedon, war aber mit diesem Verfahren nicht einverstanden und brachte den Gefangenen heimlich Schwerter, mit Hilfe deren sie die Wachen überwältigten und sich befreiten. Nun rüstete sich Herakles zum Sturm, übertrug dem Oikles den Schutz der Schiffe und zog gegen die Beste. Mittlerweile machte aber Laomedon einen Ausfall und griff die Schiffe an; Herakles hatte nämlich zu dem Zwecke eine Flottille von sechs Schiffen aus Jolkos herbeigerufen. Oikles siel gegen Laomedon, die Schiffe konnten aber noch zeitig vom Ufer abstoßen. Als nun Laomedon zur Stadt zurückkehren wollte, gerieth er der Schaar des Herkules in die Hände und blieb im Kampfe. Darauf wurden die Mauern von Jlion erstürmt; Telamon war der Erste, der in die Stadt drang, er erhielt dafür die Hesyone zugetheilt. Schließlich wurde Priamos wegen feines freundlichen Verhaltens gegen die Heraklidcn zum Könige eingesetzt, der dann die Stadt von Neuem herstellte und die Ringmauern stärker befestigte. Was nun endlich die fünfte Stadt auf dem Boden von Hisfarlik betrifft, in welcher indische Gebrauchsgegenstände gefunden wurden, so deutet dies auf eine Einwanderung von Indus her. Einen Fingerzeig für das Volk, welches diese urälteste indische Stadt am Hellespont gegründet haben mag, gibt die Sage von Dionys oder Bacchus, der, auf einen: Elephanten reitend, aus Indien nach dem Oxus, von da nach Phrygien in Kleinasien und endlich über den Hellespont auch nach Thrazien kam, überall Ackerbau und Weinkultur einführend, und die Hirten, Fischer- und Jägsrvölker in seßhafte Landbebaucr umwandelnd. Damit im Zusammenhange stehen die von den persischen Historiographen, als Firdusi, gelieferten Notizen über die Niederlassung indischer Derwische in Baktrien und anderen Strichen Vorderasiens. Diese Derwische, welche derzeit nur eine Secte bilden, entsprangen einem eigenen Volke druidischen oder drawidischen Stammes, das am Oxus in Verbindung mit arischen Völkern das erste Großreich der Jamuden stiftete, dessen Reste sich bis heute in den Jamudsn am Ostuser des südlichen Theiles des kaspischen Meeres erhielten. In diesem Meere liegen auch noch am alten Ausflusse des Oxus die Derwisch-Inseln. Die Griechen nannten sie Derbiker, die Perser Darjawusch, woraus später griechisch Dareios oder Darms wurde. Darms Hystaspes war ein solcher Derwisch, von den Großen des persischen Reiches aus Valkh herbeigeholt, um Ordnung in das Reich zu bringen, als dieselben nach dem Tode dcS Kambyscs, des Sohnes des Kyros, sich über die Einsetzung seines Nachfolgers nicht verständigen konnten. Denn in Susa, der Hauptstadt des von Kyros gestifteten Großreiches, lagen die verschiedenen Stämme, namentlich die Gawiden aus hem Elborus, denen Kyros angehört hatte (Zurr bedeutet Schmied), die Säten und die 183 Chaldäer in stetem Hader, so daß es blos der kirchlichen Autorität des Darjawusch oder Darms gelang, die hochfahrenden Gemüther all dieser Sirdare in Einklang zu bringen. Einer solchen Dermisch-Colonie mit einem Dionys, ober Gott von Rysa (Neustadt) an der Spitze und die Völker zum Ackerbau erziehend, mag das älteste Troja seine Entstehung zu verdanken haben, wozu kommt, daß der Name Troja in der That ein druidischer oder wälscher ist, denn die Sprache dieser Druidenvölker hat sich in Wales' in den Gebirgen des westlichen Englands bis heute erhalten. Dro ist Ring, ia, oder ion Ort Troja also Ringwall, cpklopischer Rundbau, während nach derselben Sprache II-ion einen Ort bedeutet, in dem gearbeitet wird, eine Fabrik oder Handwerker- Niederlassung, entsprechend dem Namen der Teukrer oder Zeugschmiede. Daher denn auch die vielen Geräthe aus Erz, Silber und Gold, die den Appetit der Achaier reizten, und die vielen Spindeln, welche Schliemann noch fand. Voro. Morgenandachl. Wacht auf! Die Welt hat ausgeschlafen, Die Morgensonne flammt empor, Die ersten Lerchemvirbel trafen Schon jubelnd mein entzücktes Ohr. Schon weicht der Nebel aus den Gründen, Nun glänzt der See, nun rauscht der Hain; Will Alles Licht und Tag verkünden — O süßes Licht, kehr' bei uns ein! Du nimmst die Welt zum Eigenthume, Du herrschest mild von Sonnenhöh'n, In Deinem Glanz die kleinste Blume Blüht wie ein Engelsantlitz schön. Und Nacht und Sorge, Sünd und Grauen Fliehen scheu vor Deinem Angesicht; — O selig, wer Dir furchtlos schauen Ins Auge darf, Du reines Licht! Im sanften Hauch der Morgenstunden, In diesem Schimmer ätherklar Wird tiefer Gottes Näh' empfunden, Sein Wort des Heils uns offenbar! Die Seele schwingt sich in Gebeten Voll Kindeslieb zu Gottes Thron, Wie einst, als Edens Palmen wehten Um's Haupt dem ersten Erdensohn. Gib Deinen Segen nur zu eigen, In stiller früher Morgenzeit! Wie sich dem Licht die Blumen neigen, Der Andacht sei mein Herz geweiht! Eh' mich des Tags geschäftig Leben In seinen Strudel reißt hinein, Will ich mich früh zu Gott erheben — t, O süßes Licht, kehr bei uns ein! Iulie Schuchardt. Miseelleir. (Ein Tausendkünstler vor Gericht.) Ein junges Mädchen in Paris vergnügt sich auf dem Valcone in etwas ungewöhnlicher Art, sie feuerwcrkcrt; „Frösche," „Schläge" und „Schwärmer" springen lustig aus ihrer Hand. Aber zu ebener Erde desselben Hauses befindet sich ein Erfrischungsetablissement, dessen Gäste durch das Platzen der kleinen Petarden verjagt werden. Darob Schelt- und Schimpfworte des ergrimmten Wirthes, und in Folge dessen nachstehende Scene vor dem Zuchtpolizeigerichte: — Präs.: Sie sind angeklagt, Demoiselle B. beschimpft zu haben. — Angekl.: Mit Petarden hat sie meine Gäste davongejagt. — Präs.: Sie haben eine Limonadehütte? — Angekl.: Ja, mein Herr, und als ich meine Waffeln von der heißen Platte nahm . . . Präs.: Sie sind also auch Waffelbäcker? — Angekl.: Ja, mein Herr: also während ich meine Waffeln aushob, springt ein „Frosch" aus die Uhr meines Gastes, der nach der Zeit sieht, der läßt die Uhr fallen und schwört, sie müsse zerbrochen sein, was mich veranlaßt, nachzusehen, ob die Uhr wirklich Schaden genommen. — Präs.: Sind sie denn ein Uhrmacher? — Angekl.: Gelernter Uhrmacher. Nun, der Schaden war gering. Da bringt mir mein Weib mein Klapperhorn, damit ich meinen Gästen durch meine Kunst das Fortgehen erschwere. — Präs.: Sie sind also auch Musiker? — Angekl: DaS will ich meinen. Nun, ich blase; bauz, fliegt ein „Schwärmer" einem Gaste auf den Rock. Der Gast flucht, ich aber besehe den Schaden und mache mich anheischig, mit einer Nadel die Sache !In zehn Minuten bestens hergestellt zu haben. — Präs.: Was, sind Sie denn ein Schneider? 184 — Angekl.: Ich arbeite als Schneider in meiner Loge. — Präs.: In ihrer Loge? Also sind Sie eigentlich Portier? — Angekl.: Mein Weib besorgt dieses Amt, ich bin nur Limonadier. — Präs.: Nur! . . . Nun, gestehen Sie, das Fräulein beschimpft zu haben? — Angekl.: Ich weiß wahrhaftig nicht, was ich ihr zugerufen habe; ich war ganz toll vor Zorn, besonders weil ich sonst artig und gefällig gegen Mademoiselle bin und sie z. B. auch manchmal gratis frisire. — Präs.: Demnach sind sie auch Friseur? — Angekl.: Wie nicht leicht ein Zweiter: aber ich habe dieses Handwerk aufgegeben. — Der Tausendkünstler wird zu sechzehn Francs Strafe verurtheilt, ist also von jetzt an auch ein Verurtheilter. Nur Wenige von den vielen Passagieren, welche Jahr aus, Jahr ein in Hotels wohnen, haben je das rege Treiben in der Küche eines ersten Hotels beobachtet, Keiner aber vielleicht gesehen, was dem Auge am 17. d. im „Hotel Metropole" zu Wien sich darbot — eine Küche unter Wasser. Nicht vielleicht eine geräumte, verlassene Küche, sondern ein mit zahlreichem geschäftigen Personal gefülltes, für mehr als 500 Personen in Thätigkeit gesetztes Laboratorium für culinarische Genüsse, aus welchen: dem Eintretenden die angenehmsten Düfte entgegenströmen. In Folge des hohen Wasscrstandes drang nämlich Grundwasser in die im Souterrain gelegene Küche, welches bis auf die Höhe von 14 Zoll stieg, und doch war kein Zimmer des Hotels unbesetzt, und Jeder der Passagiere wollte seine Mahlzeit zur gewohnten Stunde genießen. Da galt es, rasch zu handeln. Durch die vielen und weitläufigen Räume wurden über den Wasserspiegel hinweg drei Fuß breite Holztreppen in der Weise gelegt, daß die Verbindung mit und zwischen den einzelnen Herden und Tischen erhalten werden konnte. Da aber diese Treppen nicht für alle Fülle ausreichten, so wurde das zahlreiche Küchenpcrsonal mit bis zu den Knieen reichenden wasserdichten Stiefeln versehen. Es gewährt, nach dem „Kl. I.", einen eigenthümlichen Anblick, wenn ein zierliches Küchcmnädchen, mit dem schneeweißen Häubchen auf dem Kopfe und hochaufgeschürztem Kleide, mit den schweren Stiefeln durch das Wasser plätschert, um ein aufgespießtes Huhn vom Herde nach dein Tranchirtische zu bringen. Am Abend des 18. stand das Wasser in der Küche nur noch sechs Zoll vom Feuerherde entfernt. (Eine Rauch rede.) Im deutschen Rauchkollegium, welches in B. Welz Restaurant in Breslau tagt, hielt jüngst ein Mitglied folgende Rauchrede: „Raucher! Nichtig rauchende Raucher rauchen rauchende Rauch-Rippe ruhig 'runter. Ruhig rauchende Raucher rauchen reizende runde Nauchringe. Robuste Raucher rauchen ranzige, runzelige Runkel- rüben-Rolle. Rapide Rosse reitende Raucher rauchen Riemen rüttelnd. Nennende Raucher rauchen rar. Reelle rauchende Raucher rauchen recht reine Rauchrohre. Raubritter, Räuber, Rinaldo, ruppige Rangen rauchen riechenden Ratiborer, Rawitschcr. Russische radikale Reformer rauchen Nettige, rothe Rüben, Nabunze. Rhetorische Rauchredner reden rauchend recht rührend. Reimende Raucher reimen rauchend rabiate Rauch - Reime. Riecher rümpfende Raucher riechen rauchend Rauch. Reiche riechende Raucher riechen raren Rauch. Nochrige Raucher riechen recht rochrigen Rauch — Raucher! rauche, rooche! rieche —7 Ruhe!" (Ein grober General.) Der General N. war bekannt wegen seiner derben Ausdrücke. Eines Tages machte ihm der König Friedrich II. harte Vorwürfe wegen der Excesse, welche sich junge Offiziere zu Schulden kommen ließen, und endigte mit den Worten: „Er ist nicht grob genug." Ohne etwas zu erwiedern, wandte sich der General an das versammelte Offizierskorps: „Ich frage Sie auf Ehre und Pflicht meine Herren, kann wohl ein Mensch gröber sein, als ich?" — „Nein, Ew. Excellenz," war die einstimmige Antwort. (Was ist die höchste Potenz der Liebe?) Wenn der Mann sich aus Liebs für seine Frau erschießt, weil dieselbe geäußert, daß ihr schwarz so gut steht. Für die Redaktion verantwortlich: Alphons Planer in Augsburg. — Druck und Verlag des Literarischen Instituts von Dr. M. Huttler.