zur „Mgslmrger Pojheiümg." nterüaktung^ökatt 9?r. 24. Mittwoch, 22. September 1880. Wär' halb so leicht die That wie der Gedanke, Wir hätten eine Welt voll Meisterstücke. Rauppach. Ein Opfer aus Kindesliebe. Ein Bild aus dem Leben, erzählt von F. von Carncville. Es war ein trüber, regnerischer Tag, als wir an einem Oktoberabend in eine der rheinischen Festungen einrückten, wo wir ein Jahr garnisoniren sollten. Ich werde nie den traurigen Eindruck vergessen, den es auf mich machte, als wir über die Zugbrücke in den Ort einmarschirten; die Stadt an und für sich war klein, sie zählte nur ein paar tausend Einwohner und war wohl ursprünglich nur ein Fischerdörslein; wenigstens deuteten die uralten, kleinen, niedrigen und düster aussehenden Häuser und die schlechten, schmalen und winkligen Gassen darauf hin; nur der neue Stadttheil, der allmälig entstand als der Ort zur Festung umgestaltet wurde, hat bequemere und größere Gebäulichkeiten und es war da auch mehr Sorgfalt auf die Straßen und Plätze verwendet. Die nähere Umgebung war nichts weniger als anmuthig; ringsum Gräben, Mauern, Festungswerke, Sümpfe und Tümpels, welch' letztere die Stadt höchst ungesund machen, so daß das Fieber unter den Einwohnern heimisch ist. In den ersten Tagen war mir der Aufenthalt in dieser finstern, rauchigen Stadt recht unheimlich und ich glaubte gar nicht an die Möglichkeit, daß es Menschen geben könnte, die von Geburt aus hier lebten und hier starben, ohne von der übrigen Welt etwas gesehen zu haben; und doch gab es viele solche, die diesem Schicksale verfallen waren, die keine andere Zerstreuung kannten, als ihre tägliche Arbeit, mit der sie ihr monotones Leben fristeten und damit die Mittel erwarben, um ihre armen Kinder zu nähren und ihnen die Betrübniß vergessen zu lassen, wenn der Himmel grau und düster war und sie in ihren gefängnißartigen Keuchen zurückhielt, wo sie selbst das entbehren mußten, was der liebe Gott sonst allen Menschen gegeben hat, Licht, Luft und Himmel. Und in diesem Erdenwinkel sollte ich ein ganzes, langes Jahr verleben! — — aus dieser Zeit will ich denn meinen lieben Lesern eine Episode erzählen, welche mir dies traurige Einerlei einigermaßen verkürzte. Wie es eben in einer Festung ist, hat man da nur ein oder zwei Ausgänge, um in die Umgegend zu gelangen und so mußte ich um aus dem nördlichen Festungsthor zu kommen, die krummen Straßen des alten Stadttheils passiren, wo ich zur Abkürzung des Weges meist noch einen schmalen Nebenweg einschlug, der mehr einer Treppe gliech, denn der Boden war staffelförmig ausgetreten, bis man wieder in die größere Straße gelangte. Wenn ich immer diesen Weg verfolgte, dachte ich wohl an nichts anderes, als an das freie, offene Land, das ich nun bald erreichen sollte, und kümmerte mich um nichts weiter. Eines TageS hasteten meine Blicke aber zufällig auf einem armseligen, kleinen Häuschen/ das wohl nur von ein payr Menschen bewohnt sein mochte, denn es hatte nur zwei niedrige Fenster und dazwischen eine Thüre. Die Mauer war von Alter grau und das Fensterglas in den kleinen Kreuzstöcken, war eine dicke, grünliche Masse, durch welche der Tag nur schwach dringen und das Innere der Wohnung kaum genügend beleuchten konnte. Bedenkt man noch das schmale Gäßchen, rückwärts hinter den Häusern eine hohe Festungsmauer, so. mag man sich eine Vorstellung von diesen Wohnungen machen, in die nie ein Sonnenstrahl schien. — Im Winter, wo der gefrorene Schnee auf den Stufen dieser kleinen Gasse lag, war es wiälich gefährlich zu gehen; ich begegnete auch nie einem Menschen auf diesem Wege, da er wohl seiner Abgelegenheit halber, möglichst gemieden wurde.— Dies besagte Häuschen mochte wohl nur von alten Leuten bewohnt sein, die von der Außenwelt, so zu sagen, Abschied genommen halten, denn.es wäre wahrhaft schauderhaft gewesen, wenn eine junge Person darin hätte leben müssen. So oft ich vorüberging fand ich immer Alles geschlossen, Alles still, als wäre es ganz unbewohnt und schließlich ging ich, ohne irgend mehr darauf Acht zu haben, daran vorüber; so wich allmälig der Winter und man glaubte sich nun bald des schönen Frühlings freuen zu können; aber eitle Hoffnung. Nun trat der Rhein mit seinen Bächen und Flüssen aus, überschwemmte die ganze Umgegend und verwandelte das Land ringsum in einen Morast, der namentlich die Nordseite ganz unpassirbar machte und ich mußte meinen Spaziergang zum anderen Thor hinaus machen, wo es etwas weniger morastig war. — Als ich endlich meine gewohnte Promenade wieder unternehmen konnte, waren wir schon in den ersten Tagen des Juni und wer beschreibt mein Erstaunen, als ich in dem mehrerwähnten Häuschen ein Gläschen mit einem hübschen Veilchenstrauß am Fenstergesimse stehen sah. Diese Wahrnehmung betrübte mich fast (man verzeihe mir den Ausdruck) denn wer Blumen liebt, muß — wenn auch eben nicht jung sein, aber doch wohl eine freudige Erinnerung an die Jugend haben, und kann für das materielle Leben noch nicht völlig abgestorben sein, auch verräth es gewissermaßen eine Krrte.Heele, wenn eine Persönlichkeit in dem Wohlgeruche einer Blumö noch einen Genuß findet; — ich hätte daher wissen mögen, wer diese zarten Blümchen, hier pflegte, weil sie mir sagten: sie gehören Jemanden, der da leben und in diesem trübseligen Winkel Licht, Sonne und Glück entbehren mußte, Jemanden, der wohl Alles fühlt, was ihm mangelt, und wenn auch sonst arm an Genüssen, doch mindestens Freude an diesem Veilchenstrauß fand. — Kurz gesagt, es interessirte mich jetzt zu wissen, wer hier wohne und ich hätte gewünscht, ihm diese Veilchen, die er so zu lieben schien — recht lange erhalten zu können. Andern Tags regte sich schon die Neugicrde in mir, als ich gegen das Häuschen kam; die Veilchen waren noch da, aber nicht mehr recht frisch, obwohl sorgsam gepflegt; das Fenster, war heute mehr geöffnet und damit drang ein wenig Helle, ich will nicht sagen Sonnenschein, in den inneren Raum Und warf einen Lichtstreifen in's Zimmer, daneben herrschte aber gleich wieder Dunkelheit und ich vermochte nichts zu unterscheiden. Der nächste Tag war ein Sonntag, es war sehr warm — alle Vöglein sangen, taufende Insekten summten, Alles glänzte in der Sonne, überall herrschte Freude und Leben, nur das Häuschen war gleich traurig, wie immer, aber diesmal sah ich eine Frauensperson am offenen Fenster sitzen, die über eine Handarbeit gebeugt war. Der erste Blick, den ich auf dieses Fraüenbild warf, vermehrte noch die Traurigkeit, die mir schon der erste Anblick dieser Behauptung bereitete; ich ging langsam, um sie 'anger betrachten zu können, und in die Nähe gelangt, glaubte ich, daß sie nicht mehr ,ung, vielleicht auch nicht hübsch, oder nicht mehr hübsch sei. Ihr Aussehen war bleich, kränklich und traurig; aber ihre Züge schienen sanft und wenn sie leidend und ältlich aussah, mochte es vielleicht auch von vorübergehendem Kummer herrühren; sie hatte ein reiches, schwarzes Haar, ihre Hände waren weiß; sie trug ein braunes Kleid, eine schwarze Schürze und eine weise Halskrause; alles einfach aber reinlich und sorgfältig gehalten. Das Veilchenbouquet, was zwei Tage am Fenster geprangt hatte, war vorn am Kleid- ausschiritt angebracht, damit nichts von dem Wohlgeruche der abwelkenden Blumen verloren ging. Als ich ganz nahe am Fenster war, sah sie auf; ich grüßte sie und sie dankte freundlich und bescheiden. Nun sah ich sie genauer. Sie war noch jung, offenbar war sie aber leidend, doch zeigte ihre Physiognomie von Ruhe und Ergebung, dies sagte ihr Blick, ihre Haltung und ihr Aussehen. Es gibt -Leute, mit denen man nicht zu sprechen braucht, deren man sich aber doch gut und gern erinnert, wenn man sie auch nur kurze Zeit gesehen hat. Jeden Tag fand ich sie nun an demselben Platze; sie erwiderte immer meinen Gruß sehr höflich und später fügte sie noch ein trauriges Lächeln hinzu; sonst wußte ich nichts von ihr; es befremdete mich, sie immer zu Hause zu treffen, sie konnte deshalb keine gewöhnliche Arbeiterin sein und die Armuth, die rings um sie herrschte, ließ auch nicht annehmen, daß sie ohne zu arbeiten, leben könne; ich traf sie auch häufig an eleganten Stickereien, die bei ihrem einfachen Anzüge doch nicht für sie gehören mochten; sie arbeitete also doch wohl gegen Bezahlung. Am darauffolgenden Sonntag sah ich sie nicht, auch war Alles zu; Tags darauf saß sie aber wieder am Fenster und wieder stand ein kleines Veilchenbouquet vor ihr am Gesimse; so war sie also am Sonntag wohl irgendwo gewesen, wo ihr die schönen Blumen zu Theil wurden. Als ich dem Fenster nahe war, hörte ich eine fast gebieterische Stimme „Ursula" rufen; es war eine weibliche Stimme und der Ton war nichts weniger als liebevoll. Ursula gehorchte diesem Rufe nicht wie eine Magd und doch gab sie in der Art, wie sie dem Rufe folgte, eine gewisse gutmüthige Dienstfertigkeit kund, und wie man auf alles Rücksicht nimmt, wenn man sich für Jemand interessirt, so meinte ich, selbst aus diesem geringen Anzeichen entnehmen zu können, daß sie wohl von denen nicht geliebt war, mit denen sie lebte — daß sie vielleicht sogar Übel behandelt wurde — während ihre sanfte Natur ihnen trotzdem mit Liebe begegnete. — So verfloß die Zeit und jeden Tag wurde ich mehr eingeweiht in das Leben der armen Ursula, obgleich ich um ihre Geheimnisse zu errathen, kein anderes Mittel hatte, als täglich an ihrem offenen Fenster vorbei zu promeniren. Wie ich bereits erwähnte, lohnte Ursula die ihr geschenkte Aufmerksamkeit bei meinem Vorbeigehen stets mit einem freundlichen Lächeln und so erlaubte ich mir denn eines Morgens die Freiheit, einen Strauß von Feldblumen auf ihr Fenster zu legen. Ursula erröthete, dankte mir aber mit einem noch freundlicheren Lächeln als gewöhnlich. — Ich wiederholte nun die Freiheit so oft ich von meinen Spaziergängen heimkehrte und fügte später den Feldblumen auch hübsche Gartenblumen bei und so prangten denn stets Blumensträuße am Fenster Ursula's und zierten das traurige graue Häuschen mit einem kleinen Fenstergärtchen, an dem ich selbst meine Freude hatte. Eines Abends als ich in die Stadt zurückkehrte, traf es sich, daß mich ein Gewitterregen überraschte, just als ich in die Nähe der mchrerwähnten Wohnung kam, und Ursula, die mich erblickte, verließ schleunigst ihren Platz, öffnete die Hausthüre und lud mich zum Eintreten ein, welcher Einladung ich auch bereitwilligst folgte. Als wir in den Uurgang traten, der vor ihrem Zimmer lag, bot mir das arme Mädchen freundlichst die Hand und drückte mit einem thränenfeuchten Blick mir schüchtern ihren Dank aus. Das war das Erstemal, daß wir uns sprachen. Ich trat mit in ihr in's Zimmer. Dieser Raum, in dem Ursula gewöhnlich arbeitete, schien die Wohnstube zu sein. Der Boden war mit rothen Steinplatten ausgelegt, zwei einfache Strohstühle, die am Fenster standen und ein paar alte Wandkäftchen bildeten die ganze Einrichtung des Vord«theils der Stube. Das Gelaß war lang und schmal, nur von dem einzigen kleinen Fenster, das auf die Straße ging, spärlich erhellt und dumpf und feucht. Ö, wie sehr Recht hatte Ursula ihren Platz am offenen Fenster zu wählen, um nur ein wenig Luft und Licht zu genießen. Nun begriff ich die Bläffe des armen Kindes, das war nicht verlorene Frische, sie war nicht zu verlieren, denn sie bestand wohl von Anbeginn nicht. Als ich mich näher in dem Zimmer umsah, erblickte ich rückwärts in einem düstern Winkel der Stube, auf zwei etwas bequemeren Stühlen, zwei Personen, die ich anfänglich in der Dunkelheit gar nicht gleich beobachtet hatte. Es war ein Greis und eine alte Frau; diese strickte fern vom Fenster, ohne etwas zu sehen, mechanisch fort. Der alte Mann that gar nichts, er stierte theilnahmslos vor sich hin. Er hatte die gewöhnlichen Grenzen des Lebensalters überschritten, sein Körper allein existirte nur noch, man durfte ihn nur anschauen, um zu erkennen, daß er wieder zum Kinde geworden war. Welch' trauriges Bild bot dieser Raum in seiner Vereinsamung, seiner Stille und Düsterheit! — Ein blödsinniger Greis, eine alte erblindete Frau, ein armes, vorzeitig verblühtes Mädchen, deren Jugend durch diese alten, für das Leben abgestorbenen Leute vergällt, deren Gesundheit innerhalb dieser dumpfen Mauern, die sie gefangen hielten, untergraben wurde. Aber so traurig ich mir das Schicksal Ursula's auch vorstellte, so übertraf doch die Wirklichkeit nach meinen Voraussetzungen, wie aus ihrer Lebensgeschichte hervorgeht, die sie mir eines Tages, als ich bei ihr am Fenster saß, treuherzig mittheilte. „Ich bin", so erzählte sie mir, „in diesem Hause geboren, und habe es seit meiner Geburt nicht verlassen; meine Eltern sind aber nicht von hier, sie sind hier eingewandert und wir stehen völlig allein, ohne Freunde, ohne irgend welche Verbindung; sie waren schon in den Jahren vorgeschritten, als sie heiratheten. — Meine Mutter erblindete und dies herbe Unglück trübte ihren Charakter. In unserem Hause war es immer ernst und gemessen, Alles war still und freudlos um mich her, man duldete nicht den geringsten Lärm von mir und ich wußte während meiner ganzen Lebzeit nicht einmal, daß ich durch einen Gesang, diese Stille unterbrochen hätte. — Nie ward mir irgend eine Liebkosung Seitens meiner Eltern zu Theil und dennoch liebten sie mich, gaben es aber in keiner Weise kund. Ich beurtheilte ihr Herz nach dem meinen, ich habe sie geliebt und zweifelte daher nie, daß ich auch von ihnen geliebt wurde. — Doch war mein Leben nicht immer so traurig, wie gegenwärtig, ich besaß eine Schwester ..... ." Die Augen Ursula's wurden naß, aber es flössen keine Thränen — sie waren gewohnt verborgen zu bleiben. Sie fuhr fort: „Ja, ich hatte eine ältere Schwester, sie war wie meine Mutter, still und schweigsam, war aber sonst, mitfühlend und liebreich mit mir. — Wir liebten uns innig und theilten uns völlig in der sorgsamsten Pflege unserer Eltern. — Niemals genossen wir das Vergnügen uns zusammen, außen, der schönen Natur zu freuen, und die schönen Ufer des Rheins, die herrlichen Waldungen und die reizenden Höhen zu genießen. Eine von uns mußte stets zu Hause sein, den alten, gebrechlichen Vater zu pflegen, der blinden Mutter hilfreich beizustehen. Die aber, der gegönnt war auf kurze Zeit in's Freie zu gehen, brachte dann einige Hagedornzweige heim, die sie an den Hecken gepflückt hatte und erzählte von der Sonne, von den Bäumen, von der frischen erquickenden Luft, was wir hier Alles entbehren mußten. So glaubte dann die Andere bei diesen Erzählungen, sie habe dieses Alles mitgenossen. — Abends arbeiteten wir zusammen beim Lichte der Lampe, dabei durften wir aber nicht sprechen, da unsere Eltern neben uns stets eingeschlafen waren, aber doch, wenn wir von unserer Arbeit aufsahen, begegnete jede von uns einem liebevollen Lächeln der Andern; wir schliefen beide in einem Zimmer und gingen nicht zu Bette, ohne daß wir uns nicht geküßt und „gute Nacht, schlaf wohl!" gesagt hätten. „Der liebe Gott hätte uns beisammen lassen sollen, nicht wahr? — aber doch ich murre nicht, — Martha ist ja glücklich da oben." i (Schluß folgt.) 189 Die durch die Sonneuwärme arbeitende Wafserpumpe von Foueault. Bei der letzten Weltausstellung in Paris zogen besonders die Reflexions-Apparate von M. Mouchot die Aufmerksamkeit der gelehrten Welt auf sich. Diese bestanden in großen, parabolischen Spiegeln mit einem kleinen, centralen, tubulären Kessel. Das in diesem enthaltene Wasser sollte durch die vorn Spiegel zurückgeworfenen Sonnenstrahlen geheizt werden. Die Apparate waren mehr gelehrte Spielereien als praktisch verwendbare Maschinen. Nach der Ausstellung wurden sie aber von den Herren Pifre und Sakeron bedeutend vervollkommnet. Diese Mechaniker construirten Reflexions-Spiegel, welche in ihrem Brennpunkte einen Tubulair-Kessel enthielten, der eine bestimmte Menge industriell verwendbaren Dampfes erzeugte. Man kann durch dieselben in der That einen kleinen Motor, eine Wasserpumpe, ja selbst einen Pulsateur in Bewegung setzen. Wir zweifeln aber, daß diese Apparate je allgemeine Anwendung finden werden. Denn, wenn nichts anderes, ihre Kostspieligkeit, welche von der Nothwendigkeit bedingt wird, daß man erstens dem Spiegel eine automatische Bewegung geben muß, damit er den Lauf der Sonne verfolge, und zweitens, ihn sehr groß construircn, um eine starke erwärmende Kraft zu erhalten, wird ihrer allgemeinen Verbreitung ein starkes Hinderniß entgegensetzen. Die Lösung des Problems aber, wie man die Wärmekraft der Sonne in der Mechanik nutzbar machen könnte, wurde von einem genialen Physiker in die Hand genommen und, wenigstens in einer Richtung, das heißt, insoferne als man durch Sonnen- wärme Wasser heben kann, wie es uns scheint, praktisch gelöst. Dieser geniale Physiker ist Herr Foueault. Wir wollen seine Erfindung in ihren Grundsätzen besprechen. Der Apparat wurde von seinem Erfinder chemische Pumpe benannt. Um uns diese zu vergegenwärtigen, stellen wir uns eine gewöhnliche Saugröhre vor, welche im Wasser taucht und mit einem Ventile versehen ist. Sie verlängert sich nach oben in eine Ablaufröhre, die ebenfalls ein Ventil besitzt und in ein oberes Reservoir mündet, in welches das aufgesaugte Wasser sich ergießen muß, um zu weiteren Zwecken verwendet und anderswo hingeleitet zu werden. Im Verlaufe dieser Röhre mündet eine zweite Röhre, welche dieselbe mit dein Stiefel der Pumpe verbindet. Nun stellen wir uns in diesem Stiefel, der senkrecht steht, einen Piston vor, der auf- und absteigt, und der ganze Apparat wird als eine einfache Pumpe erscheinen, die Wasser aufsaugt und ausgießt. Sie unterscheidet sich aber von den anderen gewöhnlichen Pumpen dadurch, daß sie in einem weiten, geschlossenen Cylinder aus Eisenblech besteht, in welchem ein flüssiger Piston auf- und absteigt, der aus einer Schichte von Erdöl gebildet wird und der einen Schwimmer trägt, welcher einen um ein wenig kleineren Durchmesser hat als der innere Durchmesser des Stiefels ist, damit er sich in diesem frei bewegen könne, ohne an den Nieten oder anderen Erhabenheiten anzustreifen. Stellen wir uns weiter diesen flüssigen Piston am Ende seines Verlaufes angelangt vor, und über ihm ein mit genügender Spannkraft versehenes Gas, und wir werden leicht einsehen, daß dieses Gas den Piston hinabstoßen und in Folge dessen das darunter vorhandene Wasser durch die Ablaufröhren hinausstoßen wird. Wenn nun, sobald der flüssige Piston am unteren Ende seiner Bahn angelangt ist und noch bevor das Erdöl in die Saugröhre eindringen kann, der Druck von oben plötzlich aufhört und dagegen ein luftleerer Raum daselbst entsteht, ist es ebenfalls leicht einzusehen, daß der Piston wird hinaufsteigen müssen. Die Folge davon wird sein, daß der atmosphärische Druck das Wasser in die Aufsaug- röhren hinauftreiben wird, welches oberhalb des Aufsaugvcntils angelangt, durch den seitlichen Zweig der Saugröhre, eben in dem Maße, in welchem der Piston aufsteigt, den Stiefel der Pumpe füllen wird. Wir haben einen flüssigen Piston, welcher ohne jedwede Vorrichtung, ohne jegliche Reibung und ohne zu gestatten, daß ein Tropfen Wasser zwischen ihn und die Wand des Stiefels eindringe, in seinem Stiefel auf- und ^igt, denn wegen seines «erinneren specifischen Gewichtes muß er immer auf dem Wasser schwimmen. Der flüssige Pisten von Erdöl war also die erste griechische Idee von Foucault. > . . Da wir so weil in der Beschreibung der chemischen Pumpe gelangt sind, müssen wir untersuchen, wie eS geschieht, daß oberhalb des Pistons der Druck entsteht der denselben hinunterdrückt, und abwechselnd der luftleere Raum, der ihn hinaufzusteigen zwingt. Wir müssen außerdem noch untersuchen, inwieferne die erwännende Sonnenkraft bei dem beschriebenen Vorgänge eine Rolle spielt. Um dies aber leicht zu begreifen, müssen wir einige physikalische Sätze in Erwähnung bringen. Diese sind: 1. Das Ammoniakgas ist im Wasser sehr löslich, denn, wenn man eine Eprouvette voll von demselben Wasser umstürzt, ist seine Auflösung eine augenblickliche. 2. Die Auflösbarkeit des Ammoniaks im Wasser steht im umgekehrten Verhältnisse zur Temperatur des letzteren. 3. Ein Liter Wasser löst, bei -f- 15 Grad, 743 LitreS Ammoniak auf. 4. Bei -j- 24 Grade löst das Wasser kein Ammoniak auf. 5. Bei 50 Grade entweicht alles Ammoniakgas, welches früher im Wasser aufgelöst war. 6. Während das Wasser bei -s- 100 Grade Dampf von einer Atmosphäre Spannkraft entwickelt, ist die Spannkraft des aus einer ammoniakalischen Wasserlösung bei derselben Temperatur entweichenden Gases 7^/z Atmosphären gleich. 7. Dasselbe Wasser, welches erhitzt, das aufgelöste AmmoniakgaS entweichen läßt, löst selbes wieder auf, sobald es kalt wird. 8. Um eine bestimmte Menge von Spannkraft zu erzeugen, braucht eine ammonia- kalische Wafferlösung viel weniger Wärme-Einheiten als das Wasser, denn während jene bei 100 Grad nur 126 Wärme-Einheiten benöthiget, braucht dieses deren 537. Aus diesen Sätzen geht hervor, daß man aus einer ammoniakalischen Wasserlösung eine viel größere Spannkraft mittelst viel weniger Wärme erhalten kann, als wenn man Wasser in Dampf verwandelt, und daß man diese Spannkraft mittelst derselben Lösung constant regeneriren kann. Nun hatte Foucault die zweite glückliche Idee, die Spannkraft des AmmoniakgaseS zu benützen, um den flüssigen Piston in dem Stiefel der Pumpe in Bewegung zu setzen und die Wärmekraft der Sonne, um das Gas aus einer wässerigen Lösung frei zu machen oder selbes im Wasser wieder aufzulösen. Denn, wenn man eine wässerige Ammoniaklösung erwärmt, und das sich dabei entwickelnde Gas oberhalb des Pistons in den Pumpenstiefel eindringt, so wird dieser hinuntergedrückt. Wird aber die Lösung wieder kalt, so saugt sie das zuvor entwichene Gas wieder ein, es entsteht dadurch ein leerer Raum oberhalb des Pistons und dieser muß in die Höhe steigen. Daraus sieht man auch die Nothwendigkeit eines Pistons von Erdöl ein, welcher das Ammoniakgas von dem aufzuhebenden Wasser vollkommen absperrt, damit dieses kein Ammoniak aufsaugen könne, sondern das Gas nur mit dem Wasser in Verbindung bleibe, in welchem es aufgelöst war. Auf welche Art wird aber das Ammoniak-Gas von seiner Lösung entbunden, wie dringt es in den Pumpenstiefel oberhalb des Pistons ein, wie wird es von seinem Lösungswaffer eingesaugt? . . . Der Apparat, wo diese Vorgänge stattfinden, ist eiw eigenthümlich construirter Kessel, der mit dem Pumpenstiefel in Verbindung steht, von den Sonnenstrahlen erwärmt wird, und den wir Sonnenkessel nennen wollen. Er ift- aus zwei Platten von Eisenblech zusammengesetzt, die an ihren Rändern hermetisch genietet sind, und dazwischen einen 2 bis 3 Millimeter hohen, freien Raum einschließen. Wenn man nun diesen Kessel auf Schwellen horizontal liegend sich denkt, und sein Perimeter von einem erhabenen Rahmen umschrieben, damit seine obere Seite von einer Schichte von Wasser constant bedeckt sein könne, so hat man das klarste Bild dieses Sonnenkessels. Mittelst einer feinen Röhre kann tnan ihn mit der amMniakalischen 191 Lösung füllen, und mittelst einer anderen feinen Röhre steht er einerseits mit einem Kondensator und andererseits mit dem Stiefel der Pumpe oberhalb des PistonS in Verbindung. ' -7^- ' Der Kessel ist flach, um den Sonnenstrahlen die größtmöglichste Oberfläche darzubieten, und um sein Wärmeaufsaugungsvermögen.M- erhöhen, ist er schwarz gefärbt und unter ein Glasdach gestellt. Sobald die Sonne darauf scheint, entweicht das Ammoniak äuS der Lösung, es dringt in den Stiefel ober dem Piston hinein, drückt diesen hinunter, stößt vor sich das unter ihm vorhandene Wasser hinaus, und hebt folglich dasselbe bis zum oberen Behälter. Die chemische Pumpe muß so construirt sein, daß sowohl der Behälter als der Kessel und der Pumpenstiefel eine solche Größe haben, daß der Kessel während der ganzen Zeit arbeiten kann als die Sonnenstrahlen am wärmsten scheinen. Sobald die Ladung von Ammoniak, welche in dem Kessel enthalten war, verbraucht ist, oder das ganze in dem Pumpenstiefel enthaltene Wasser ausgestoßen wurde, muß man den Kessel abkühlen, damit die Wiedereinsaugung des Gases, die Entstehung eines leeren Raumes an dessen Stelle, und folglich das Aufsteigen des aufzupumpenden Wassers in den Stiefel vor sich gehe. Zu diesem Zwecke braucht man nur das Verschwinden der Sonne vom Horizonte oder die Kühle der Nacht abzuwarten. Es ist aber viel bester, um den Erfolg zu beschleunigen, auf die obere Seite des Kessels ein wenig frisches Wasser durch einen Syphon zu leiten, der automatisch zu spritzen anfängt, sobald das Wasser des oberen Behälters eine bestimmte Höhe erreicht hat, und aufhört, sobald das Letztere ein wenig heruntergesunken ist. Es ist leicht begreiflich, daß man eine verschiedene Anzahl von Apparaten zugleich in Thätigkeit wird setzen können, um ein größeres Resultat zu erzielen. ' Ebenso leicht wird man einsehen, daß man die Sonne durch jede andere Wärmequelle ersetzen kann. Der Erfinder zeigt seinen Freunden eine chemische Pumpe, welche von einer einfachen Petroleumlampe in Thätigkeit gesetzt wurde. Die Lampe wurde durch eine automatische Bewegung des Apparates dem Kessel-untergeschoben, oder von-demselben entfernt. Nun entsteht die Frage: Ist diese chemische Pumpe in her That eine hydraulische Maschine, welche eine Zukunft hat/ eine Maschine, welche zu hydraulischen Zwecken wird im Großen verwendet werden können? . . . Wir zweifeln gar nicht daran, denn erstens muß sie sehr billig zu stehen kommen, und zweitens kostet ihre in Thätigkeitsetzung gar nichts in Ländern, wo die Sonne sehr warm und lange am Himmel scheint. Selbst in dem Falle, daß man sie durch eine künstliche Wärmequelle in Thätigkeit erhalten müßte, beweisen die Berechnungen, die wir oben angeführt haben, daß die Betriebskosten derselben kaum zu vergleichen wären mit denen einer Dampfpumpe. Wir müssen noch besonders betonen, daß die wässerige Ammoniaklösung sehr billig im Handel vorkommt, und daß der einmal vollgefüllte Kessel ohne weitere Nachfüllung jahrelang functioniren kann. Man könnte aber glauben, daß mit der chemischen Pumpe die Arbeit noch nicht continuirlich sein kann, das heißt, daß, wenn man Wasser zu pumpen angefangen hat, man diese Arbeit jedesmal und während der ganzen Zeit unterbrechen muß, als der Kessel auskühlt. Dies wäre ein großer Fehler. Die Sache verhält sich aber nicht so. Denn man braucht nur zwei Pumpen neben einander aufzustellen und mit denselben abwechselnd auszupumpen, d. h., während ein Kessel auskühlt, den anderen durch dieselbe Wärmequelle zu heizen, lind die Arbeit wird ununterbrochen vor sich gehen. In der Ueberzeugung also,- daß die chemische Pumpe von Foucault vor jedem anderen Pumpensysteme den Vorzug verdient, und hauptsächlich in der Landwirthschaft, wo man heutzutage leider nur durch die Verringerung der Produktionskosten im Stande ist, seine Steuer aufzubringen, bald eine große Rolle spielen wird, haben wir keinen Anstand genommen, sie hiemit bekannt zu machen. Auch thun wir dies um so liebes als die chemische Pumpe schon beurtheilt und uns anempfohlen wurde von einem der ersten mechanischen Ingenieure Frankreichs, von Herrn Poillon, welcher kein Mechaniker am Rechentisch, sondern Besitzer einer großartigen mechanischen Fabrik ist. ^W. V.) M i s e e l l e rr. (Theorie und Praxis.) Professor der Therapie, von seinen Schülern umgeben, tritt in der Klinik an das Bett eines Kranken, der am Delirium tremens leidet, und fragt den Patienten: „Ihr Gewerbe?" — Patient: „Musikant." — Professor: „Meine Herren! Es ist eine Thatsache, daß die Behandlung von Blasinstrumenten die Kehle dermaßen austrocknet, daß nur durch häufigen und ausgiebigen Gebrauch von Getränken — natürlich meistens alkoholhaltige — der Bläser der Ausübung seines Berufs nachzukommen vermag. Eine natürliche Folge dieses Mißbrauches von Getränken ist die Krankheit, die wir hier vor uns haben. Welches Instrument blasen Sie?" — Patient (mit matter Stimme): Violoncelli" (Ein nützliches Hausthier.) „Kannst du mir ein recht nützliches Hausthier nennen?" fragte eine Erzieherin ihre Schülerin. — Das Kind sinnt nach, dann ruft es jubelnd: „Der Storch, der Storch!" — „Aber, Kind! der Storch ist kein Hausthier." — „Er sitzt aber doch stets auf unserem Hause." — „Nun, wenn er auch ein Hausthier wäre, nützlich ist er unserem Hause darum nicht." — „Doch Fräulein! Er bringt uns alle Jahre ein Brüderchen oder Schwesterchen." (Eine Sünde kann auch eine Tugend werden.) Der Kornhändler Bär hat auf Ostern gebeichtet, daß er hie und da schlechtes Korn unter das gute mischte. „Das ist eine schwere Sünde, sagte der geistliche Herr, „wenn Ihr das wieder thut, kann ich Euch nicht mehr absolviren." Der Bär läßt das Mischen nicht, beichtet aber das nächste Mal: „Ew. Hochwürden, ich hab' meine Sünd' wieder gut g'macht und gutes Korn unter das Schlechte gemischt." „Sagten Sie nicht," fragte ein Professor der Medizin einen der prakticirenden Studenten, „daß das Fieber des alten Hirsenmayer weggegangen sei?" — „Jawohl, Herr Professor; aber es hat den Kranken mitgenommen." (Bei der Militärconscription.) Feldwebel: „Wer einen Fehler angeben will, der muß sich ausziehen!" — Conscribirter: „Ich habe aber blos ein Augenleiden, Herr Feldwebel?" — Feldwebel: „Macht nichts — ausziehen!" Jude: „So bezahlen Sie mir doch die Kleinigkeit, sehr geehrter Herr! Sie wissen ja doch, wer bezahlt seine Schulden, thut verbessern seine Güter!" — Student: „Glauben Sie doch den Schwindel nicht, das ist nur so'n Gerücht, was die Gläubiger ausgesprengt haben." ^riginal-Charade. Doch wenn euch Gott nicht gnädig ist Wenn Zwietracht herrscht, und Trug und List Ja freilich, dann gibt's manchen Zwist; Der Gram, der dann am Herzen frißt Wird früh die Wange bleichen. Es bleibt, wenn man es rückwärts liest Genau das was es vorwärts ist, Dieß Wörtchen von drei Zeichen. Auslösung der Original-Charade in Nr. 21: Nazareth, Lazareth. Für die Redaktion verantwortlich: Alphons Planer in Augsburg. — Druck und Berlag des Literarischen Instituts vonvr. M. Huttler.