Nr. 41 1880. zur „Angslmrger Pojheitimg." Samstag, 20. November Die Schrift und die. Natur zeigen uns die Frau als Gefährtin des Mannes, welche still und unterwürfig an feinem Glück und besonders an seinem geistigen Wohl arbeiten soll. Monod. Doktor Arion's Rubin ring. Von H. v. Götzendorsf-Graboivski. (Schluß,) Doctor Actons Vertraute, die alte Mrs. Stoward, auf deren Scheitel bereits der Schnee des Alters lag, während ihre Wangen noch Sommerrosen trugen, erhielt jetzt häufig den Besuch Mabel Harlands. Die junge Dame hatte von Anbeginn eine Vorliebe für die kluge, fröhliche alte Frau empfunden, neuerdings zog sie noch der Umstand mächtig an, nur dort, in dem winzigen, altväterisch möblirten Erkerstübchen der Aork- straße Genaueres über Lewis Acton und den verschwiegenen Kummer seines Lebens erfahren zu können. Mit den Verhältnissen des indischen Offiziers stand es in den letzten Wochen schlimmer als je, wie Mrs. Stoward sagte, während sie eines Abends mit Mabel aus ihren chinesischen Tassen den Thee nahm. „Sehen Sie, Miß Harland, — Lewis quält und müht sich rechtschaffen, und legt jeden Pfennig zurück, aber — du mein Himmel — was will das sagen, einem solchen Chimborazo unbezahlter Rechnungen gegenüber?! -— Nehmen Sie noch ein wenig kalten Lendenbraten, — ich bitte!" „Meine Zeit ist um, Mrs. Stoward — ich danke Ihnen. Ich will ins Theater. Georgine erwartet mich bereits unten. Nächstens sollen Sie mich wieder hier sehen." — An diesem Abend vermochte Mabel Harland der Vorstellung weniger als jemals zu folgen. Immer trat Lewis Actons's schönes, trauriges Antlitz zwischen sie und die Vorgänge auf der Bühne. .... Heut wie immer ward das leichte Gefährt, welches allabendlich an gleicher Stelle, ein wenig entfernt von den übrigen Wagen, zu halten pflegte, gerufen und führte Mabel nach Harland-Park zurück. Der Kutscher stieg wie alle Tage von seinem hohen Sitz herab, um Miß Harland beim Aussteigeu behilflich zu sein. Sie stützte sich heut schwerer als sonst auf seinen Arm, es lag etwas Zögerndes in ihren Bewegungen. Vor dem Gitter des Vorplatzes blieb sie stehen, zu dem Wagen zurückgewendet. „Gute Nacht!" sagte sie halblaut — „gute Nacht, du kleines, liebes Gefährt, du rasches, braunes Rößlein, — so Gott will, thaten wir heut mit einander unsere letzte Fahrt!" Sie trat ins Haus. Dröhnend fiel die schwere Pforte zu. Und den Kutscher schien es zu frösteln. Zusammenschauernd hüllte er sich fester in den weiten Mantel und trieb den erschrockenen Braunen zu rascherem Laufe an. In der Dämmerung des nächsten Tages just zu der Stunde, wo in dem wohlbekannten, bronzebraunen Zimmer der Theekessel zu singen begann und Mabel mit ihrer bunten Wollstickerci erschien, zog Doktor Acton die Glocke in Harland-Park. Mabel befand sich allein im Zimmer. Sie sah ein wenig erregt, zugleich nicht völlig unbefangen — 322 — aus, „Willkommen, Doktor Acton!" sagte sie und streckte ihm eine ihrer Hände entgegen — „Heut besonders ist mir Ihr Kommen lieb. Ich möchte Manches mit Ihnen sprechen, die Zeit drängt, denn ich werde vielleicht auf einige Zeit fortgehen; mit den Humphrep's nach Deutschland möglicherweise, — oder der Himmel mag wissen, wohin! Jedenfalls muß dieses noch besprochen werden. Ich bin Ihre Freundin, Mr> Acton, — und Sie sind mein Freund, nicht wahr?" „Sicherlich, Miß Harland, Sie wissen es — und ich weiß es auch." „Nun wohl. Ich will Ihrerseits den Beweis davon haben — und ihn meinerseits ebenfalls geben. Mr> Acton — Ihrem Bruder soll und muß geholfen werden!" Er sprang ungestüm auf. „Was wollen Sie damit sagen, Miß Harland?! Es ist mir schmerzlich, das; Sie von dieser Angelegenheit — von der Schande, welche nun dem Namen Acton für alle Zeit anhaften wird, durch Unberufene erfahren mußten!" „Und ich segne den Zufall. Ich bin glücklich, um Ihre Sorgen zu wissen, Ihnen dieselben vielleicht momentan erleichtern zu können!" „So sehr Ihre Güte mich bewegt und zu Dank verpflichtet, Miß Harland — ich muß bitten —" „Schweigen Sie, Mr. Acton!" unterbrach sie ihn ungewöhnlich lebhaft. „Sie haben kein Recht, einen Beistand zurückzuweisen, welcher Ihnen feinern Charakter nach, noch fremd ist. Es wäre mir in der That schmerzlich, wenn Sie meinen; Zartsinn weniger vertrauten, als ich dem Ihrigen! Und dann —: Ich bin Mitwisserin eines Ihrer wichtigsten Geheimnisse, Lewis Acton! Dieser Umstand gibt Ihr Schicksal völlig in meine Hände . . ." Ein herzensgutes, leicht schelmisches Lächeln ging über Makels ernstes Gesicht, während sie, mit flüchtigem Blick seine vom Handschuh entblößte Linke mit dem verhängnißvollen Nubinring streifend, hinzufügte: „Sie verstehen mich doch?!" Ueber sein schönes, kummervolles Gesicht flammte es wie Feuerschein. Er schien erschrocken und niedergedrückt; aber vor Mabels durch Thränen leuchtenden Augen und glückseligem Lächeln zogen alle schmerzlichen Empfindungen gleich Wolkenschatten vorüber. Die Sonne des Glückes stieg siegreich über den Kämpfen und Sorgen, über dem ganzen, heimlichen Elend und Herzeleid der vergangenen dunkeln Tage auf! — — — — — — „Mama," sagte Mabel an demselben Abend zu Mrs. Harland, und flocht sich, auf dem Bettrand derselben sitzend, das Haar zur Nacht — „Lewis Acton liebt mich! Wir lieben uns beide und werden einander, so Gott will, bald völlig angehören. Ja, ja, glaube es nur! Ich liebe ihn! Und weißt Du, wie laiuze? Seit ein gewisser kleiner, ländlicher Korbwagen mich zum ersten Mal aus dem Theater nach Hause fuhr! Das leichte, kleine Ding mit den lustigen Braunen! Der Kutscher hatte sein Antlitz so ziemlich durch Hut und Mantelkragen verborgen, aber die Augen sah ich — und seine Hände, Mama, waren auffallend weiß — und er trug einen Rubinring, Mama! Möchtest Du wissen, wer der Kutscher war? Doktor Acton! Ich erkannte ihn dann bei den Gregory'S an seinem Ringe wieder, und sann eine Ewigkeit dem Räthsel nach. Endlich ward mir durch Zufall die stille Schmerzensgeschichte seines Lebens klar, und er stand immer edler und größer vor meiner Seele da! Um seinen ehrlichen 'Namen vor Schande zu bewahren, um den Bruder vom Abgrunde zu reißen, ihn in ein neues, redlicheres Sein hinüber zu retten, that er Alles, Mama! Sguire Poore entlehnte Acton den Wagen — zu jenem seltsamen Zweck. Dergleichen soll bereits vorgekommen sein, mir — das muß ich gestehen — ist es ganz neu! Ich bewunderte Acton mehr, als ich sagen kann. Deine Mabel will nun — sie will es in allem Ernst! — die Gattin eines Fuhrmannes werden, Mama. Sie hat nichts gegen das Gewerbe ihres Auserwählten einzuwenden, nur darf er nicht mehr zur Nachtzeit seine Fahrten thun, und keine anderen Damen nach Hause geleiten, als sein Weib und höchstens — wenn Du lieb und artig bist, Mama — seine Schwiegermutter. Guts Nacht." (Deutsch. Montagsbl.) 323 Messina. Von Alsons v. Rosthorn. Die blutroth aufgehende, einen heißen 9. Mai verkündende Sonne fand mich an Bord eines von jenen Dampfern der Florio-Gesellschaft, welche längs der Nordküste Siciliens nur in Cefalu, S. Stefano und Milazzo anlegend, eine directe Verbindung zwischen Palermo und Messina herstellen. Trotz der frühen Morgenstunde und einer leichten Seebrise war der Zustand auf dem Schiff schon fast unleidlich. Keine Wolke trübte den hochblauen Himmel und nur ein leises Zittern der Rauchsäule ober dem Kamin gab eine matte Regung in der heißen Luft kund. Ich hatte eben von jenen Annehmlichkeiten Gebrauch gemacht, welche die Seereise der Fahrt aus Eisenbahnen voraus hat, indem ich mich der kleinen Dosis lauen Waschwassers, welche meine unbequeme mit übercinandergethürmten sogenannten Betten gefüllte Sabine darbot, zur Vollendung meiner Toilette bediente, als eine gesteigerte Bewegung unter den Leuten an Bord die Einförmigkeit des Schisflebens unterbrach. Ich eilte die kleine Treppe das Verdeck hinan, um nach dem Gegenstand der Unruhe auszuspähen. Siehe da! Wir befanden uns an der Einfahrt in die Meerenge von Messina. Gleich einem breiten Strome von beiden Seiten durch mächtige Gebirgsstöcke eingedämmt, öffnet sich dieselbe weithin gegen Süden, wo dem weitausschweifenden Blicke in der Fortsetzung von Himmel und Meer kein Einhalt geboten wird. Rechts erhebt sich in zackigen Umrissen die lange Kette der pelorischen Berge, früher die Gebirge Neptun's genannt, welche die herrliche Ostküste Siciliens entlang allmälig in blauer Ferne verschwimmen, während zur Linken, also ostwärts, die bewaldeten Höhen Calabriens bis knapp ans Gestade herantretend, schroff gegen das Meer abfallen und erst gegen Reggio zu einen schmalen Küstensaum übrig lassen, so daß man kaum begreifen mag, wie jene Menge von Ansicdlungen und kleinen Städten gerade hier, zwischen Land und Klippen sich hineinzwängend, ihre Entstehung nehmen konnte. Noch unbegreiflicher wird uns die Wahl dieser Steilküste für die Anlage menschlicher Wohnsitze, wenn wir bedenken, daß wir hier die Verbindungslinie zwischen Aetna und Vesuv, die den Erdbeben am meisten ausgesetzte Strecke Italiens, ja Europas, vor uns haben. Man muß stets fürchten, daß die ganze Küste mit all' ihren schönen Ortschaften bei der nächsten Erschütterung ganz gemüthlich inS Meer Hinabrutschen könnte. In unserer nächsten Nähe erhebt sich gleichsam aus den Meeresfluthen der stark befestigte Leuchtthurm des Faro, den am weitesten gegen Nordost vorgeschobenen Punkt der Insel, das Cap Pelorus bezeichnend. An einer sandigen Landzunge, welche sich weit ins Meer hinausstreckt, ist das kleine schmutzige Fischernest Faro gelegen, das durch eine Straße mit Messina und seiner Umgebung in Verbindung steht. Dem Dorfe Faro gegenüber, bezeichnet ein auf hohem Fels situirtes Castell den ehedem so gefurchtsten Ort, wohin die Poeten des Alterthums jenes gewaltige, mit Hunderachen versehene, die vorbeifahrenden Schiffe bedrohende Ungeheuer der Scylla versetzen zu müssen glaubten. — Wesentlich wurde diese Vorstellung von dem SchreckenSthier noch durch die Malerei gefördert, indem zur Darstellung desselben Phalerion mit. erhitzter Phantasie in nervösen Uebertreibungen sein Talent aufbot. Bis ins Mittelalter herauf geht dieser Aberglaube, bis der Leeheld Nelson als der Erste es wagte, mit seinem Geschwader ruhig durchzuführen. Doch der Umstand, daß die Athener, Syrakusaner, Locrer und Rhegier sich erkühnten, in dieser Enge einige Seeschlachten auszufechten, beweist hinlänglich, daß dieselbe von den Matrosen der Alten weniger gefürchtet gewesen sein mußte als von den Dichtern. Eines einzigen wirklichen Unglücks thun die Annalen Scylla's Erwähnung, indem sie berichten, daß im Jahre 1733 wahrend des schrecklichen Erdbebens durch eine kolossale Sturzwelle 2000 Menschen plötzlich weggeschwemmt wurden, ohne daß bei der Schnelligkeit der Erscheinung auch nur ein einziger Hilferuf der Opfer vernommen werden konnte. Der Fels, selbst kühn vorspringend, an der Basis etwas ausgehöhlt, zeichnet sich durch nichts Besonderes aus. Hinter ihm breitet sich eine sandige Bucht, in welcher 324 die jetzige Stadt Scylla, knapp an die Küste gebaut, in recht romantischer Umgebung sich ganz hübsch ausnimmt. Capital, Smyth, ein bedeutender Marinem-, konnte, wie seinen detaillirten sicilianischen Rcisebeschreibungen zu entnehmen ist, trotz eifriger Beobachtungen aller physikalischen und marinen Erscheinungen der Meerenge, hier nichts entdecken, was nur einigermaßen jene Fabeln der Alten glaubwürdig erscheinen ließe. Hesiod und Diodor beschreiben die Meerenge als. eine weite See und bis auf unsere Tage war die Breite derselben ein Gegenstand des Streites. Smyth gibt nach seinen Messungen die Breite, als Entfernung zwischen dem Leuchtthurm von Faro und dem Felsen der Scylla, mit 6047 Dards an, während jene zwischen dem Leuchtthurm von Messina und der Kathedrale von Reggio als 13,187 Jards betragend angeführt wird. — Die mit mehr Recht berüchtigte Charybdis, heute Galofaro genannt, befindet sich um ein bedeutendes tiefer gegen Süden außerhalb des Hafens von Messina, welcher Umstand gar sehr gegen die Bewahrheitung des alten Sprichwortes stimmn „Inoiclit in 8o^Uam, H,ü vult vitai-v CÜmr^bäim!" — Ein einfacher Strudel, unserm Wirbel der Donau vergleichbar, dürfte dieselbe für die Schifffahrt kaum Gefahr bieten. Für die primitiven unbedeckten Schiffe der Griechen mag sie freilich eine einigermaßen gefährliche Stelle gewesen sein, da selbst heute noch kleine Fahrzeuge zum Nundtanz gezwungen, nur durch herbeieilende Lootsen hievon befreit werden können. Smyth sah sogar ein Kriegsschiff von 74 Geschützen auf der Oberfläche der Charydis sich drehen, doch kann dieselbe bei einiger Vorsicht nicht Schaden verursachen. Immer klarer wurden die einzelnen Details, die sich nnt verwirrender Schnelligkeit entwickelten, bald hatten wir Messina in Sicht und nun begann das jedem Landen vorausgehende geräuschvolle Treiben, der Lärm der ablaufenden Winden und Hebmaschinen, der Spectaksl beim Loslassen des Ankertaues, das Geschrei der Schiffsmannschaft, das Fluchen des Capitäns und der Offiziere den Matrose», das Schelten der Passagiere den Camarieri gegenüber, das allgemeine Gewirre, das fortwährende Laufen Treppen auf und ab, das unstete Koffersuchen, Schachteln tragen u. s. w., so daß man selbst alle Ruhe verliert und in seiner Bequemlichkeit gründlich gestört wird. Messina gemährt von der See aus ein vollgerundetes, schön begrenztes Bild: Im Vordergründe imponirt eine endlose, längs der Marina hinziehende Palastreihe, die Palazzata, dahinter liegt die durch zwei erhöhte Castelle beherrschte Stadt, welche schließlich durch die knapp herantretenden pelorischen Berge abgeschlossen wird, davor das tiefe Azurblau der Meeresfluthen, deren wunderbaren Farbenwechsel einen Chromathologen zu ganz interessanten Forschungen anregen könnte. Wir hatten unterdessen den Hafen erreicht und waren in der Mitte desselben vor Anker gegangen. Wie eine Schaar hungeriger und blutdürstiger Haie die hiflose Beute lüstern umlauern, so unfreisten das einlaufende Schiff zahllose Barken. Nachdem ich das Gesinde!, welches sich als Vertreter des Hotels und dergleichen gerirt und die ganze geldverlangende Meute nach der auf italienischen Reisen gut erlernten Methode abgetrumpft hatte, eilte ich auf schwankende»: Kahne dem Gestade zu. Das Gefühl und das Bewußtsein sichern Boden unter den Füßen zu haben, that wohl und ich wollte mich in verschiedenen Betrachtungen ergehen, als ich plötzlich durch die grau-gelben, den eifrigen Dienern der Finanzbehörde angehörenden Uniformen an die realste Wirklichkeit gemahnt wurde. Die verführerisch wohlwollende Frage der ewig Ungläubigen, ob ich vielleicht etwas Zu versteuern hätte, die von einem Blicke der durchdringendsten Mcnschenkenntniß begleitet, mir sofort den Standpunkt klar machen sollte, mußte ich zum Leidwesen der Herren im Bewußtsein meiner diesbezüglich reinsten Unschuld verneinen, worauf meine Koffer, der Lynch-Justiz übergeben, mit den feinfühligsten Fingern der Welt Bekanntschaft machten. Wenn die Bestechung der Finanzbehörden hier nicht gerade so öffentlich und unverschämt betrieben wird, als auf Corfu, wo man von der Dogana förmlich gezwungen wird, seine Koffer nicht durchsuchen zu lassen, sondern dem Herrn Jnspector ein Trinkgeld xudliao zu verabreichen, so mochte ich doch den Ausdruck der Verachtung, mit dein ich schließlich entlassen wurde, fast auf die Unterlassung eines kleinen geheimen Trinkgeldes zurückführen. Hatte ich das Jn-die-Hände-drücken besser verstanden, so wäre es mir auf meiner Rückkehr-in Neapel wohl nicht passirt, daß man nicht nur den Weingeist, in welchem ich naturhistorische Präparate aufbewahrt hatte, sondern auch all' das Gethier, Quallen, Mollusken rc., die ich in demselben mitfühlte, als t'rutti Belästigung der Fremden ihre Zeit; hübsch ist es dennoch anzusehen, wie sich diese Jungen im Wasser, ihrem Element, bewegen und tauchen wie Seeottern. Die Sonne hat sich gesenkt. Während auf uns die pelorischen Berge schon tiefsten Schatten werfen, leuchten noch die gesegneten Küsten des hohen Calabriens in mattem Roth, das allmälig dunkler wird und einem inS Grünliche hineinspielenden Silberglanz weicht, so das baldige Erscheinen des milden Mondes verkündend. Das ist der geeignete Moment, diese Meerenge in ihrer einzigen Schönheit zu bewundern. Und mit Recht mag der Bewohner von Messina stolz auf seinen Abend-Corso sein, der an jener Palastreihe beginnend, weit die Küste entlang zieht und ihm täglich dieses Schauspiel bietet. Wohl mag man die Chiaja Neapels und die Marina Palermos mit ihn: vergleichen, doch keines kann man höher stellen. Wir waren schließlich auch unter die Schaaren der wallenden Paare und ledigen Fußgänger und auf den Versammlungsort der eleganten Welt gelangt, hatten das Erholungsgetriebe ein wenig mit angesehen und dachten nun an die Umkehr. Im Hafen war es still geworden; nur der einförmige Schritt der Strandposten unterbrach das tiefe Schweigen, das dem frühern Lärm gefolgt war. Die weitstrahlende Laterne des Leuchtthurms, die vielen hundert Lichter auf den Schiffen, die Reihe von Gasflammen längs des Quais und schließlich wie Irrlichter auf den nächtlich ruhigen spiegelglatten Fluthen lautlos hingleitenden Fackeln der Fischerkähne und Corallensänger verliehen dem finstern Bilde ein magisches Aussehen. (Deutsche Ztg.) Miseellen. Zwei böhmische Köchinen gingen am Faschingsdienstage auf die Nedoute und liehen sich bei einem Maskenhändler Masken aus. Dieser empfahl ihnen, auf dieselben wohl Acht zu haben, da sie von Merino seien. Auf der Redoute redet sie ein Herr an und spricht: „Meine lieben Masken, Ihr seid ja zwei sehr schöne Türkinen." Schnell antwortete die eine: „Mir sän kane Türkin' mi sän Merinos." (Feine Begriffsscheidung.) A.: „Aber, Herr Professor, es ist Unrecht, so viel zu trinken!" B.; „O nein aber nach Hause gehen zu wollen, wenn man so viel getrunken hat, das ist Unrecht." Für die Redaktion verantwortlich: Alphons Planer in Augsburg.— Druck und Verlag des Literarischen Instituts von 1),-. M. Huttlcr.