UnteclmktumMtatt zur „Augsburger postzeitung." — 8?r. 42. Mittwoch, 24. November 1.660 Wer edel lebt, hat doch — stürb' er auch früh — Jahrhunderte gelebt. Klopstock. Wie man zu einem Amte kommt. Eine wahre Geschichte. In Gedanken versunken bummelte ich durch eine fashionable Gasse einer Hauptstadt, als eine bekannte Stimme mich aus meinen Träumereien aufschreckte. Ich wendete mich um und ein mir aus den Augen verschwundener Schulfreund stand mir gegenüber. Meine freudige Ueberraschung wurde aber noch- vermehrt, als ich sein elegantes Aeußere bemerkte; hatte ich doch den braven und fleißigen T. immer nur als einen armen Jungen gekannt. Er war der ärmste, aber der beste Schüler unserer Classe gewesen. Nach ab« solvirten Gymnasial- und Universitätsstudien trennten sich unsere Wege und nur so viel wußte ich von ihm, daß seine Armuth ihren Höhepunkt erreichte, als er das Doktordiplom und sonst nichts mehr in der Tasche hatte. Woher also die Wendung? Mein Schulfreund ließ mich nicht lange im Zweifel darüber und begann zu erzählen wie folgt: Nach Vollendung der Universitätsjahre suchte ich mit einem nur der noch unent- täuschten Jugend eigenen Eifer eine meinen Kenntnissen entsprechende Stellung, in der sicheren Ueberzeugung, durch dieselbe, wenn auch nicht allsogleich, so doch in einiger Zeit die Früchte eines Jahre langen, mühevollen und — Dir kann ich es sagen — erfolgreichen Studiums zu ernten. Wo ich aber anpochte, überall fand ich geschlossene Thüren oder i« günstigsten Falle inniges Bedauern. Darüber verstrichen Monate. Mein Selbstvertrauen wurde schwächer, meine Aussichten immer geringer — und Schneider, Schuster und leider auch mein Magen immer ungeduldiger. Das Einzige, was mich in dieser Misere noch aufrecht erhielt, war ein noch von den Universitätsjahren her datirendes zartes Verhältniß. Eine Stunde in „ihrer" Gegenwart verbracht, entschädigte mich reichlich für alle Schicksalstücke, und manche Enttäuschung, die ich erfuhr, war vergessen, durfte ich in Lilly's Augen lesen. Oft spendete sie mir süßen Trost, wenn ich muthlos an ihrer Seite saß, belebte hiedurch meine Hoffnungen und meine Spannkraft auf's Neue. Nicht so ihre Eltern, welche von Tag zu Tag un«! freundlicher und mürrischer mit mir umgingen. Erst war ich kleinen Nörgeleien ausgesetzt, später mußte ich unliebsame Andeutungen hören, die sich manchmal zu recht boshaften Bemerkungen zuspitzten, und noch später sah ich unzweideutig, daß Lilly's Eltern ein hoffnungsloses Verhältniß zu ihrer Tochter abgebrochen wissen möchten. Ich sah in Lilly's Augen, — ein Blick — und wir verstanden uns. Wir waren entschlossen, bessere Tage abzuwarten und — ich ging. . . . Von mannigfachen Entbehrungen gepeinigt, lief ich unruhig Straße auf, Straße ab und suchte Brod, und ich verlebte eine Zeit des fürchterlichsten körperlichen und geistigen Siechthums. Ich schrieb Gesuche für arme Leute, Rollen für Schauspieler, und merkte 330 — mit Schaudern, daß ich von Tag zu Tag immer tiefer sank und im Verzweiflungskampfe um's Dasein jene Richtung ganz aus den Augen verloren, die ich mir in meinen Jugend- träumen einst vorgezeichnet. Nun hinderte mich vollends mein herabgekommenes Aussehen, behufs Besserung meines Looses energische Schritte einzuleiten. Nach so vielen vergeblichen Bitten und Gesuchen, war es da ein Wunder, wenn ich entmutigt die Flügel sinken ließ und, finsterem Pessimismus mich hingebend, keine freundlichen Tage nwhr erwartete? — So war ein Jahr verflossen, als ich im Amtsblatts eine Stelle ausgeschrieben fand, welche, wie das Ausschreiben besagte, genau so viel trug, daß man zum Leben zu wenig, zum Sterben zu viel hatte. Nichtsdestoweniger beeilte ich mich, eine Offerte einzureichen, welche auch unverhoffter Weise nicht unbeantwortet blieb. Nach acht Tagen erhielt ich eine Zuschrift, mich beim Bureauchef I- des Finanzministeriums an diesem Tag vorzustellen, um den Bescheid auf mein Gesuch entgegenzunehmen. Nun erst befand ich mich in Verlegenheit, denn in meiner dcrangirten Toilette konnte ich nicht bei dem gestrengen Herrn Bureauchef erscheinen, wollte ich mich nicht der Eventualität aussetzen, schon dieserhalb abgewiesen zn werden. Was aber thun L — Da fiel mir zum Glücke ein, daß v. Z., unser alter Kamerad, dem ich vor einigen Tagen begegnet war, mich in leutseligster Weise ermuntert hatte, zu ihm zu kommen, wenn ich Etwas bedürfe und stracks ging ich zu ihm, klagte ihm meine'verzweifelte Lage, und mit größter Bereitwilligkeit stellte mir v. Z. seine reiche Garderobe zur Verfügung. Wer war glücklicher als ich? Mein Selbstgefühl kehrte wieder und gehobenen Hauptes und Muthes ging ich von einigen Bekannten, die mich früher kaum beachtet hatten, freundlich gegrüßt, die Straßen entlang. Da — welch' Entsetzen! — sehe ich meinen Schneider mir entgegenkommen. Mit khnte Schreckliches, aber zu meinem nicht geringen Erstaunen drückte mir der sonst so Unfreundliche ganz freundlich die Hand. — Es ist nicht schön von Ihnen, rief er in leutseligster Weise aus, daß Sie sich so lange nicht bei mir sehen lassen, und dabei blinzelte er unausgesetzt nach meinem Fracke. Ich wollte mich entschuldigen, er ließ mich aber nicht zu Worte kommen. — Erst heute habe ich neue Muster erhalten und ich bin überzeugt, daß die prachtvollen neuen Stoffe Ew. Gnade» gefallen werden. Wann darf ich also meine Aufwartung machen? — Bitte .... stammelte ich in meiner Verlegenheit hervor. — Also Nachmittags! und den Hut tief ziehend, ging er seines Weges weiter. Kaum hatte ich mich von dem ausgestandenen Schrecken erholt, als ich den Vater Lilly's bemerkte, der vor der Auslage eines Juweliers stand, und von dem jetzt nicht gesehen zu werden, mein sehnlichster Wunsch war. Er hatte mich Unglücklicher» aber schon erblickt, begrüßte mich freundlich und — machte mir laute Vorwürfe darüber, daß ich mich von seinem Hause gänzlich zurückgezogen habe, und um seine Liebenswürdigkeit zu vervollkommnen, lud er mich zum Abendessen ein und band mir auf die Seele, um so gewisser zu erscheinen, als der Vorabend von Lilly's Namenstag gefeiert werde. Ich hätte ihm um den Hals fallen mögen, Mußte aber blutenden Herzens seine Einladung zurückweisen, hatte ich doch die erborgte Toilette nach abgethaner Audienz zurückzuerstatten. Mein präsumtiver Schwiegervater gab sich aber nicht eher zufrieden, bis ich ihm für die allernächste Zeit eine Visite zusagte. — Ich wußte es ja, meinte der Biedermann, daß Sie endlich doch Carriere machen würden, und habe es immer mit Ihnen gehalten, aber daß sie ihre alten Freunde deßhalb vernachlässigen und sich gar nicht mehr um uns kümmern würden, das ist wahrhaftig nicht schön von Ihnen. Ich schnitt ein verlegenes Gesicht und versprach, mich zu bessern. Endlich langte ich beim Ministerhotel an. Der Portier grüßte ehrerbietig und ertheilte mir bereitwilligst die gewünschte Auskunft. Im Vorzimmer angelangt, werde ich allsogleich angemeldet und vorgelassen, ja der Herr Rath kommt rnir sogar verbindlich lächelnd entgegen, reicht 331 mir die Hand und fragt nach meinem Begehr. Ganz verwirrt trage ich ihm mein Anliegen vor, worauf er mir erwiederte, daß eS von einem so talentvollen und vielfach ausgezeichneten jungen Mann wie mir doch zu bescheiden sei, sich um einen subalternen Posten zu bewerben, und daß es ihn unendlich freue, in der Lage zu sein, mich für ein weit einflußreicheres Amt Sr. Excellenz dem Herrn Minister vorschlagen zu können, und er sei überzeugt, daß ich in dieser Stellung Ersprießliches leisten werde. Ich wäre vor Erstaunen fast zu Boden gesunken, der Herr Rath entlieh mich aber äußerst freundlich und wenige Tage darauf erhielt ich mein Ernennungsdecret zum Ministerial-Concipisten. Außer mir vor Freude lief ich zu v. Z. zurück, welcher von der Wunderwirkung feines Frackes nicht weniger überrascht war als ich. — Aber Freund — rief er aus, als ich gerade im Begriffe war, den Frack abzulegen. — Du hast ja das Band meines Franz-Joseph-Ordens im Knopfloch stecken? Nun war mir Alles klar l! . . . Und so bin ich zu ineinem Amte gekommen. Der Tonkünstler und sein Rosenkranz. In einem kleinen Dorfe der Oberpfalz lebte vor Jahren ein gar talentvoller Knabe, Christoph hieß er; die schönen Tage seiner Jugend flössen in Unschuld dahin und seine unbemittelten Eltern erlebten nur Freude an dem kleinen Liebling. Vorzüglich sah man denselben auch gern im naheliegenden Kloster, dort diente er mit vieler Andacht oft den Ordenspriestern am Altare und besonders brauchte man ihn in der Klosterkirche stets als Sänger; er hatte nämlich eine wunderliebliche Stimme und rein wie Gold drang diese durch, mochte er im Chöre der Mönche die ernsten Tageszeiten mitsingen oder mochte er allein irgendwie den Vorsänger bilden. Oesters muhte er nämlich ganz allein die Litanei vorsingen, während die Mönche und andere fromme Beter in der Kirche mit Andacht antworteten. Bald sprach man in der ganzen Umgegend von seiner engelrcinen, prächtigen Stimme und wurde gerade die Litanei von ihm vorgesungen, dann eilte Alles zur Klosterkirche. Da mußte man den Knaben selbst sehen und hören, wie er namentlich die laure- tanische Litanei mit rührender Andacht vorsang; dann erklang es so laut -und innig: Liniotu'Aai'iu, Unter Ollristi, lisgstna, nnZeioruiu und der fromme Knabe sang gleichsam jeden neuen Gruß an die Mutter mit stets erhöhter Andacht, ihm drangen in solchen Augenblicken immer die Thränen freudiger Rührung über die lieblichen Wangen, auch im weiten Gotteshause war es ganz still und die zahlreichen Zuhörer wurden oft genug bis zu Thränen gerührt durch den herrlichen Gesang des Knaben. Einstens sah und hörte ihn auch mit vielem Staunen ein frommer Ordensbruder; kaum war der Gottesdienst beendet, da wartete er schon auf den kleinen Vorsänger an der Kirchthür und als derselbe kam, drückte er ihn merkwürdig gerührt an seine Brust, gab ihm einen Rosenkranz und sagte: „Sieh', liebes Kind, dieses ist alles, was ich Dir geben kann, aber versprich mir doch, daß Du alle Tage Deines Lebens einmal diesen Rosenkranz beten willst und ich glaube, ja, bin überzeugt, daß Du noch ein berühmter Tonkünstler ivirst." Der kleine Christoph versprch in kindlicher Einfalt und Folgsamkeit, er wolle gern den Rosenkranz täglich beten und darüber freute sich der arme Ordensbruder gar schr^ Und merkwürdig, als der Knabe größer wurde, da fügte es Gott stets, daß derselbe trotz der Armuth seiner Eltern den besten Unterricht in der Musik erhielt, gleichsam immer im Dienste Anderer stehend, hatte er doch die schönste Gelegenheit zur eigenen Fortbildung. Längere Zeit war er in Prag bei einem vorzüglichen Lehrer der Musik; dieser erkannte bald die herrlichen Anlagen seines Zöglings und bildete ihn mit vieler Freude so weit aus, daß ,er fast seinem Lehrer gleich kam. Da mußte ein hoher WürdenträMr der Kirche nach Rom, um dort herrliche Stücke der Kirchenmusik zu sammeln und, o schöne Fügung, er nahm als Secretär den jungen Christoph mit. 332 Dieser war nun »»vermuthet in die ewige Stadt versetzt und damit an die Wiege der herrlichsten Künste; er konnte täglich die Werke der berühmtesten Tonkünstler studiren und den Unterricht ausgezeichneter Meister hören und das that er mit solchem Erfolge, daß er bald selbst die herrlichsten Stücke herausgab und dadurch schon damals seinen Namen berühmt machte. Doch ihm gefiel die. zu dieser Zeit in Italien herrschende leichte Richtung nicht, er kehrte nach Deutschland zurück und wurde der Gründer der ersten dramatischen Opern- Musik. — Bald erreichte Gluck, so hieß unser Tonkünstler, überall den höchsten Ruhm, seine neue» Stücke wurden mit stets steigendem Beifall aufgenommen. Aber der Künstler verlor bei aller Weltehre nicht den frommen Sinn der Jugend, oft sah man ihn im Hause Gottes und am Tische des Herrn knieen, täglich betete er auch den Rosenkranz, wie er vor vielen Jahren dem armen Klosterbruder bei der Klosterkirche seiner Heimath es versprochen hatte. Merkwürdig, der Astronom, welchem stets der gestirnte Himmel die Herrlichkeit Gottes verkündet und der Tonkünstler, den die lieblichen Weisen der Musik zur Andacht stimmen, sie sind oft fromme Seelen, die Gott und das Gebet lieben. Gluck war 63 Jahre alt geworden und noch ganz rüstig, er hatte aber die heil. Sakramente empfangen; gesund legte er sich Abends zu Bett, aber der Tod kam ihm wie so oft gleich dem Diebe in der Nacht; man fand den großen Künstler am andern Morgen nur mehr als Leiche, doch hielt er in den gefaltenen Händen noch den Rosenkranz, ihn betend war er gestorben. Sankt Hnbertus. Xenophon berichtet von Jagden, bei welchen die Griechen dem von Hunden gejagten Wilde zu Pferde folgten. Diese Jagden waren aber mehr Hetzen als Parforcejagden, indem die Hunde nur dem gesehenen Stück Wild nacheilten; die Parforcejagd unterscheidet sich jedoch gerade dadurch von der Hetze, daß die Hunde mittelst des Geruchsinnes die Fährte eines Wildes verfolgen, bis sie es einholen, seiner also erst zum Schluß der Jagd ansichtig werden. Bei den Persern wird die Parforcejagd zuerst regelmäßig betrieben, von ihnen haben sie die Römer kennen gelernt und über den westlichen Theil Europas verbreitet. Jmmermann erzählt in „Tristan und Isolde" von einer Parforcejagd beim Schlosse Tintopal in Cormvallis im sechsten Jahrhundert zur Zeit des Königs Artus, bei welcher es vollkommen waidgerecht zuging. Der Hirsch wird zuerst „laucirt", dann verbricht der Hauptpiqueur die Fährte, indem er ein Baumreis mit der Bruchfläche nach der Richtung, welche der Hirsch eingeschlagen hat, darauf legt; er ruft die Lancirhunde ab, bringt dann dem Jagdherrn die Meldung, und dieser befiehlt: „Forcirt das angesprochene Wild!" Die Meute jagt gut und sicher, selbst als der Hirsch durch ein Rudel Wild geht „nimmt sie keine Change" und stellt ihn schließlich. Der Kampf wird heiß, viele Hunde werden „geferkelt", und als kein Jäger sich dem wüthenden Hirsch zu nahen wagt, gibt Tristan ihm den Fang. Er schlügt die Hunde ab, bricht den Hirsch auf, gibt der Meute unter der Hornfanfare die Piqueure und dem Halaliruf der anwesenden Jäger die Curäe und führt dann mit Hörnerschall den Jagdzug zum Schlosse zurück. Das war damals schon eine Parforcejagd mit ähnlichem Zeremonie!, wie es Ludwig XI. in Frankreich eingeführt hat, welches von jeher die Pflegestütte dieser Art von Jagd war, weil sie dem Volkscharakter besonders zusagte. Schon im Beginne des achten Jahrhunderts hatte Hubert, der Sohn Bertrand's von Aquitanien, durch kühne und geschickte Handhabung der Jagd sich einen Ruf gegründet, der weit über die Grenzen seines Heimathlandcs hinausreichte. Von diesem Jünger Diana's erzählt die S> ^e, daß ihm, der sich zwar äußerlich schon zum Christenthume bekannte, im Grunde seines Herzens aber noch dem Glauben seiner Vater zugethan war, eines Tages, als er während der Messe jagte, das goldene Kreuz zwischen den Geweihen eines Hirsches erschienen sei. In Folge dieser Erscheinung entsagte er seiner Passion, gründete ein Kloster und starb als Bischof von Lüttich. Alte Jagdchroniken erzählen die Geschichte zwar noch in verschiedenen Versionen, aber das steht fest, daß die Kirche ihn als Sankt Hubertus zum Schutzpatron der Jagd gemacht hat, daß er durch Kreuzung mit den von den Römern nach Gallien eingeführten I«ut jagenden Hunden eine besondere Race von Parforcehunden züchtete, die unter dem Namen Hunde des Sankt Hubertus von den Mönchen des Klosters Audain in den Ardennen sorgsam in aller Reinheit erhalten wurden, und daß er heute noch im Munde der Jäger aller christlichen Nationen ohne Unterschied der Konfession als Schutzpatron der Jagd lebt, er als Repräsentant des sittliches Momentes in der Jägerei anerkannt und überall der dritte November als der Sankt Hubertustag zu seinem Andenken festlich begangen wird. Nachkommen der von ihm gegründeten Hunderace existiren nur noch in dem englischen Bloodhound, dem Stammvater aller Parforcehunde. Wenn daher auch ^ alle Jäger den heiligen Hubertus als ihren Schutzpatron verehren, so haben aus vorstehendem Grunde die Parforcereiter sicher eine ganz besondere Veranlassung, sein Andenken zu feiern. Schwerlich gibt es irgend eine Jagdgesellschaft, welche den 3. November nicht mit einer Festlichkeit begeht. Gewöhnlich findet sich an diesem Tage eine besonders zahlreiche Gesellschaft beim Jagdrendevous ein, die nach dem Ritt beim fröhlichen Mahle ihres Patrones gedenkt. Eine solche Parforcejagd hat einen ganz besonderen Reiz für alle activ Betheiligten und bietet oft in ihren verschiedenen Momenten höchst entsprechende Bilder für die Zuschauer. Der kleidsame Anzug der Jäger, welcher fast bei allen Jagdgesellschaften mit geringen Abweichungen ziemlich derselbe ist, verleiht einem solchen Jagdbilde, vornehmlich im Walde, Leben und Reiz. Nach altem Herkommen tragen beinahe überall die Jäger, welche mit der Meute den Hasen jagen, zu dem allgemein üblichen Kappenstiefel und der um's Knie ganz eng schließenden Neithose einen grünen, hinter dem Fuchs, Hirsch und Schwein einen scharlachrothen Rock mit goldenen Knöpfen. Früher war die Form dieses Kleidungsstückes diejenige des Gesellfchaftsfrackes und für die Jagdbediensteten der Rock, heutzutage bürgert sich der Reitrock auch bei den Herren immer mehr ein und die Bediensteten erhalten gewöhnlich ein Abzeichen durch dunkelfarbige Krägen und Aufschläge. Es ist ein wahrhaft anziehendes Bild voll Leben, wenn man eine Meute von etwa vierzig Hunden in einem enggeschlossenen Nudel mit Hellem Geläut in vollen: Laufe aus einem dichten Walde hervorbrechen sieht, gefolgt von den Reiten im rothen Rock und einigen Damen, welche die den Wald begrenzenden Barriere oder einen Graben fliegend nehmen. Und solche Gelegenheiten bieten sich auf jeder Jagd. Dem Parforcejäger ist an dem Tödten des angejagten Wildes wenig gelegen, er will es nur fangen und stellt sich bei Kastenhirschen sogar die Aufgabe, das verfolgte Stück womöglich unverletzt zu erhalten; ihm bietet das Reiten und die Beobachtung der fleißig arbeitenden Hunde den Hauptgenuß. Der Beginn einer Parforcejagd ist von der Witterung abhängig. Auf trockenem Erdreich erhält sich der Geruch des flüchtigen Wildes schlecht, der Jäger sagt: „Die Fährte steht nicht gut." Den Hunden wird ihre Aufgabe erschwert, die Jagd häufig in Frage gestellt; bei warmen: Wetter muß man deshalb früh Morgens jagen, so lange der Thau noch den Boden benetzt, bei feuchter Witterung ist die Jagd nicht an die Stunde gebunden. Der Hubertustag ist in unseren: Klima meist ein sehr geeigneter Zeitpunkt für diesen Sport. Man bestimmt das Rendezvous gewöhnlich zur Mittagszeit; die Jagdpferde entfernter Theilnehmer haben genügend Muße, den Bestimmungsort zu erreichen, Jäger und Jägerinnen können sich in aller Bequemlichkeit nach demselben begeben, und selbst für eine außerordentlich lange Jagd ist hinreichend Zeit bis zur eintretenden Dämmerung. 334 Zur bestimmten Stunde besteigt die Gesellschaft die Jagdpferde und begibt sich zu dem Punkte, wo das Jagdstück in Freiheit gesetzt werden soll, oder wo das zu jagende Wild eingespürt ist. Die Meute ist zur Hand, wird jedoch so gehalten, daß sie das fortbrechende Wild nicht sehen kann. Gibt der Jagdherr das Zeichen zürn Beginn, so wird der zur Stelle geführte Jagdwagen geöffnet und der Kastenhirsch sucht das Weite. Man läßt ihm einen Vorsprung yon 10 bis 15 Minuten, je nachdem man bei dem Wetter auf ein mehr oder weniger gutes Stehen der Fahrte rechnen kann. Darauf führt der Oberpiqueur mit den beiden Einpeitschern die Meute geschlossen zu einem geeigneten Anfangspunkt, den der Hirsch überschritten hat. Ist die Jagdequipage nach dem alten französischen Zeremonie! gehalten, so blasen die Piqueure auf ihren Jagdhörnern mit einer Fanfare die Jagd an, während die Hunde aus voller Kehle Laut gebend, mit Sehnsucht des Momentes harren, wo sie auf der Fährte dem Wilde folgen dürfen. Vor dem gegebenen Zeichen wagt kein Hund, sich von seinem Kameraden zu trennen. Der Oberpiqueur lüftet seine Kappe und mit einem „Hui! Hui!" entläßt er die jagdbegierige Gesellschaft. Mit Hellem Geläute fliegen sie dahin, zunächst folgen die Piqueure und der Leiter der Jagd, der inuster ok Inmncks, und dann erst die Jagdgesellschaft, deren Ausgabe es nun ist, den Hunden mit möglichst geringen Abweichungen zu folgen, ohne sie jedoch -in ihrem Geschäfte zu stören. Kein Reiter darf ihnen zu nahe kommen oder gar ihnen vorbeireiten, weil das Eine die Thiere stört, das Andere durch ein mögliches Ueberreiten der Fährte die Jagd in Frage stellen kann. Steht die Fährte, so ist das Tempo gewöhnlich ein so schnelles, daß die Jäger bemüht sein müssen, die Hunde nicht aus den Augen zu verlieren; so lange der Boden gut ist und die Reiter nicht an zu groben Hindernissen scheitern, geht die Jagd in flotter Fahrt. Nimmt der .Hirsch aber einen Sumpf an, so sind seine Verfolger zu Pferde gezwungen, denselben zu umgehen, und dann ist es eine Frage, ob sie Ausdauer und Schnelligkeit genug besitzen, selbst durch einen nicht zu großen Umweg die verlorene Entfernung wieder gut zu machen. Schwieriger wird die Sache noch, wenn der Hirsch einen dichten Wald erreichen konnte, weil der Jäger in diesem Falle auch die Hunde aus dem Gesicht verliert und sich nun auf sein Gehör verlassen muß. Nicht allein die Reiter verlieren zuweilen die Hunde, es gibt auch Gelegenheiten, bei welchen den Hunden die Fährt entschwindet. Wenn sie zum Beispiele an einem Bache oder Wassergraben bis zum diesseitigen Ufer mit Hellem Geläute geschlossen gingen, auf der anderen Seite aber verstummen und auseinander schwärmen, so kann man mit Sicherheit annehmen, daß der Hirsch, vonr Instinkte geleitet, sie irrezuführen wußte. Gewöhnlich geht er dann ein längeres Stück im Wasser stromauf, ehe er seine Flucht weiter fortsetzt und häufig bei dieser Gelegenheit eine ganz veränderte Richtung einschlägt. Die Hunde kommen durch ein solches Manöver in große Verlegenheit, denn die Fährte ist unterbrochen und das Wasser trägt die Ausdünstung des Hirsches, welche bei längerer Dauer und gesteigerter Schnelligkeit der Jagd immer intensiver wird, stets stromabwärs, entfernt die Hunde also immer weiter von der richtigen Direktion, während dieser Zeit gewinnt der Hirsch Terrain. In einer solchen Lage thut der Master am besten, gleich die Hunde abblasen, auf beiden Ufern stromaufwärts suchen die Piqueure nach der Fährte abspüren zu lassen. Glaubt ein Hund die Fährte wieder gesunden zu haben, so gibt er sofort Laut, ruft damit seine Kameraden zu Stelle, und hat er sich nicht getäuscht, so ftimntt die ganze Meute in seinen Jubel ein, und dahin fliegt die kleine Gesellschaft wieder mit freudigem Geläut in voller Fahrt. Eine solche oder ähnliche Unterbrechung dient Pferden und Reitern oft zu einer sehr nothwendigen Erholung und bietet den schwereren Herren, welche aus Vorsicht ein zweites Pferd unter leichtem Gewicht geschont folgen ließen, bei einer sehr anstrengenden Jagd vielleicht die Gelegenheit zu einem Pferdewechsel. Gelingt es den Hunde», das 335 Jagdobjekt auf der Fährte einzuholen und den Reitern der Meute in nächster Nähe zu folgen, so bekommen sie schließlich das Wild zu Gesicht, es beginnt die Jagd A. Z.) Miseelleu. (Aus der Judenschule.) Rabiner, der seinen Schülern die Geschichte Joseph's erklärt hatte: „Na, war das denn eine Sünde, daß die Brüder den Joseph verkauften? Wer waiß? Du Levil" — Levi: „Na, weil sie ihn zu billig verkauft hatten." (Trumpf.) Passagier: „Sie, Schaffner, wann geht eigentlich dieser Bummelzug ab?" — Schaffner: „Nun, wenn die Bummle alle beisammen sind!" Zum Feste des sel. Albertus des Grasten, gefeiert in Launigen, 1S. November 1880. Des großen Albert Ruhm und Ehren So weit es möglich ist zu mehren Hat sich die halbe Welt verbunden Und neue Kränze ihm gebunden. Hier Launigen am Donaustrom Dann Köln mit Deutschlands schönstem Dom Das edle Ratisbona dort Selbst Roma an der Engelspsort Das allberühmte Padua, Das Atberts goldne Jugend sah, 66Ü Die Bischossstadt am Lechgestad Die Albert oft betreten hat — Sie bieten weihevollen Gruß Des großen Alberts Genius. Es schließt der Norden mit dein Südm In Alberts Name» seinen Frieden. Es nennt der Ungar und Franzos Den sroinmen Bruder Albert groß; Und wenn sonst selten Nationen, Noch seltener Konfessionen In Einem Stücke sich begegnen, Dasselbe Grab mit Andacht segnen —, Hier ist es anders — Allen Allen Hat dieser große Mann gesallen. Jedwedes Fach der Wissenschaft Preist Alberts hohe Geisteskraft. Bor Allem wars die Gotteskunde, Wo mit dem Glauben treu im Bunde Des großen Alberts Willensstärke Erschuf unsterblich hohe Werke. Als Meister der Philosophie Löst Albert Fragen, wie sie nie Vor ihm ein Anderer verstand — Man suche auf und ab im Land. Im weiten Reiche der Natur Gab's sür ihn keine srcnidc Spur Die Thiere, Pflanzen, das Gestell Schließt sein System getreulich em Und auch des Menjchen-Lcibs Gestalten Und seines Geist's geheimes Walten, Architektur und Physik« Mechanik, Technik, Musika, Und was man nennet Medicin Erforscht sein rastlos hoher Sinn: Die irdische und Geister-Welt Hat Gottes Gnad' ihm klar gestellt. War Albert selbst auch kein Po St Wie mau sonst dieses Wort versteht, Verdanket dennoch ihm die Dichtung Manch hohes Thema, manche Richtung. Ein üppig reicher Sagenkreis Umschloß in sinnig edler Weis Den seltenen, den großen Mann, Und reiht an seinen Namen an Manch sroh Ereigniß, manches Glück, Manch unerklärtes Meisterstück. — Seht, mitten in des Winters Tosen Erblühen auf sein Wort die Rosen; Und während Eis und Schnee entflieht - Der Vogel singt, die Taube glüht! Entfernter Zeiten leisem Raulchen Weiß er Verständniß abzutauschen. Er bildete mit Meisterwitz In seinem stillen Klostersitz Ein kunstvoll menschliches Gebilde, Deß Ideal sein Herz erfüllte. 's rvar eine herrliche Figur Von edler, reizender Struktur; Und diese Kunstgestalt — sie sprach Dem Meister manches Wörtchen nach: Ihr „Salve" so geheimnißvoll Fand staunender Bcwund'rung Zoll. Und wer rühmt nicht die Folianten Die Alberts Geist und Hand entstammten? Für seine Zeit — erhabne Ehre Für alle Zeiten reich an Lehre! Mit etwas seltsamen Latein Jedoch bedeutsam, wahr und sein Hieß es von diesem großen Mann Der Alles, was man wissen kann Gewußt — „gui ecivit omoo ocibilo Lt guivit, guocl possibilo." Und dieser Mann — er war dabei So sern von aller Heuchelei So frei von Stolz und Eitelkeit So groß an wahrer Frömmigkeit, Daß wer ihn kannte, chn geehrt, Daß öfters ihn zu sehen begehrt, Wer einmal ihm in's Auge sah: Wie dreimal glücklich war der da! Plato und Aristoteles, Galenus und Hipprokrates, Gregorius und Äugustin Sehn wir vereint in seinem Sinn, Und staunen Alle freudig an Was er geschrieben und gethan. Nun in der sel'gen Geister Schaar, So reich gekrönt sür immerdar Schau, großer Meister, du herab, Verschmähe nicht die Weihegab, Die hier wo deine Wiege stand, Dir dankbar bieten Stadt und Land Erhabener, der Sonne gleich Befördere der Wahrheit Reich Laß ächte Weisheit bei uns blühen Und segne jeglich fromm Bemühen! Es sei und bleibe uns dein Bild Ein unbezwingbar sestcr Schild, Der uns beschützt vor Irrthums Nacht, Dein Geisles-Auge halte Wacht Daß, wie wir treulich auf dich sehen Mit dir mir vorwärts — auswärts gehen! Und Licht und Wahrheit bringen Frieden Der Gaben herrlichste hienieden, Verbinden die zerstreuten Glieder, Vereinen die getrennten Bruder, Und Licht und Wahrheit, Lieb und Recht Erhöh'» der Sterblichen Geschlecht: Und dieses Glück — es komme bald, Ihm unser Gruß entgegen schallt. b>. U—nv! Für die Redaction verantwortlich: Alphons Planer in Augsburg. — Druck und Verlag des Literarischen Instituts von vr. Max Huttlcr.