Des Todes Schmerz liegt in der Vorstellung. Der arme Käfer, den dein Fuß zertritt, Fühlt körperlich ein Leiden, ganz so groß, Als wenn ein Riese stirbt. Shakespeare, Maaß sür Maaß A. !N. 1. König Ludwig I. 'i' Wie hätten wir dich, schöner Tag, begrüßt Mit tausend Freuden, tausend Dankesthränen, Der uns der Botschaft frohen Inhalt brachte Daß Er uns wiederum erhalten ist. An dessen fernes Siechbett unser Sehnen Die heißen Wünsche der Genesung trug Und Der dem Land noch Seine Grüße sandte, Als für Ihn schon die Scheidestunde schlug Und Ihm kein Stern des süßen Hosfens lachte. Der Königsgreis am fernen Meeresstrande. Ludwig todt! Es ist das Loos gefallen. „Ludwig todt!" so schallts von Mund zu Munde. Und ach — in tiefes Leid versunken — In schlichter Hütte, in Palasteshalleu Fühlt jedes Herz den Schlag der Trauerkunde. „Ludwig todt" — so tönt's durch's ganze Land, Ja durch die Hemisphäre eilt der Ruf „Ein Königsherz gebrochen, todt die Hand, Die, bis verglomm des Lebens letzter Funken, Hier Gutes that und dort Erhabnes schuf." Uns grüßet schon des Frühlings holder Bote, Weckt die Natur aus ihrem Winterschlaf Und neues Leben keimt im Weltenall; Ihm ward sein Gruß der finst're Tvdesbote Der Ihn begrüßend, unsre Herzen traf; Doch zog Er auch nach jenen lichten Höh'n, Ludwig lebt doch ewig bei den Seinen. Ich seh' die Kunst am Sarkophage steh'n Und, ob des Schlages, der sie beide traf, Sie mit der Armuth, schmerzlich Ihn beweinen. 1 ! 74 Ludwig todt — das Löwenherz gebrochen! Fern von der theuren Heimath goldnem Heerd, Ludwig todt — o welch ein herbes Wort! Stumm ist der Mund, der hehres oft gesprochen Es ruht die Hand — die Leier und das Schwert. Nur Eines lebt und wird auch nie veralten Und dieses Eine ist Sein groß' Vermächtniß: Des Dankes Thräne und Sein Herrscherwalten, Die Ihm, der Armuth Freund, der Künste Hort, Ein Monument sind und ein groß' Gedächtniß! So riß auch Ihm des Lebens morschen Faden Die Hand entzwei, vor der Geburt nicht schützt, Die, wie den Bettler — so den König findet Und sich nicht kümmert um Verdienst und Thaten; Wohl Ihm, Der nun bei Seinen Vätern sitzt, Der nach des Lebens vielbewegten Tagen Jn's Reich des Friedens zog, ein ird'scher Allah, Den wir beweinen, Den wir tief beklagen, Und Dem die Nachwelt dankbar Kränze windet. Dem Königsgreis der ewigen Walhalla. D. Uödcl. Nacht und Nebel. (Fortsetzung.) Eben war man im Begriffe, das große Segel beizusetzen und die Bramsegel aufzuhissen, als Wullier mit dem Fernrohr in der Hand die Richtung des entdeckten Schiffes zu ermitteln suchte, das noch ziemlich entfernt, seine unsicheren Conturcn in Nebel hüllte und durch die hohe See auf- und abbewcgt, immer wieder aus dem Feld des Fernglases entschlüpfte. Endlich hatte er es erhäscht und sein geübtes Auge erkannte den schwarzen Piraten, den berüchtigsten aller Seeräuber jener Zeit und jenes Meeres. „Die große Schebeke (ein langes, schmales und sehr scharf gebautes Fahrzeug, welches fast von allen am Mittelmeere wohnenden Nationen vorzüglich zum leichten Kriegsdienst und zum Kreuzen gebraucht wurde) ist es," sagte er endlich mit seiner gewöhnlichen Ruhe, „und steuert auf uns los." Diese Worte, so ruhig sie gesprochen waren, goßen Eis in die Adern der umhcr- stchendcn Schiffsmannschaft; die sämmtliche Bemannung d^r Brigg bestand, den Kapitän mitgerechnet, in 21 Köpfen. Die Schebeke hatte deren wenigstens 100 an Bord, somit war an einen siegreichen Widerstand von Seite der „Arctusa" nicht zu denken. Wie ein Lauffeuer hatte sich die Schreckensnachricht vom Back bis auf's Hintertheil des Schiffes verbreitet und der Steuermann streckte den Hals, um seitwärts über Bord zu sehen, und sich selbst von der Nähe des gcfürchteten Unthicrs zu überzeugen. Während dessen war Wullier wieder auf's Hinterdeck gekommen, daS Licht in der Laterne am Bugsprit war erstürben, die Bramsegel, bis zu deren Höhe ebenfalls die Neuigkeit gelangt war, sanken wieder herab auf's Haupt der großen und Vorstange, der Wind flüsterte in den ungehißten Segeln, und brausten die Raaen bald vor, bald zurück. Alles halte die Fallen und Treppen verlosten, und war an den Steuerbord geeilt, um nach der Schebeke Hinauszulugen. 75 „Soll ich um einige Striche abfallen vom Steucrcnrs?" fragte ängstlich der Steuermann, „damit wir Zeit gewinnen und den Herrn Kapitän wecken können?" Und schon griff seine Hand nach der andern Spaten, um die Ruderpinne luvwärts zu stellen und so den Segeln volleren Wind zu geben. „Was füllt Dir denn ein, Hasenfuß!" rief Wullier erzürnt, „knapp am Wind und keinen Vicrtclsstrich geändert! Die Schcbcke hat uns in jedem Falle gesehen, dort am Bord schlafen die Ausluger nicht, wie bei uns, und wenn wir abfallen, zeigen wir Furcht und die Schcbcke nimmt dann auch viel Wind und ist uns auf dem Leibe." „Sollen wir den Kapitän wecken?" fragte ein Anderer aus dem Schiffevolk. „Laßt ihn schlafen," antwortete Wullier, „er ist müde und hat die halbe Nacht gewacht. Wir werden schon fertig werden; der Mond ist schwach und bevor es Tag wird, kann uns die Schcbcke nicht nahe kommen. Ruft mir einstweilen, ohne viel zu schreien, alle Mann von den Masten herab, hißt die Bramsegel nicht, auch das große Segel laßt wie es ist und paßt auf jede Bewegung der Schcbcke, ob man uns gesehen hat und wie man dort steuert. Hier hcißt's schlau sein und den Kopf zwischen die Fäuste nehmen, denn mit offener Gewalt richten wir nichts aus." Schnell eilte er wieder an's Vordcrkastcll, nahm das Fernrohr zur Hand und richtete es auf die Schcbcke. „Noch scheint man uns nicht bemerkt zu haben, aber schon fängt der Morgen an zu dämmern," fuhr er fort, „der Nebel wird sich lüften. Gebt also Acht auf meine Befehle! Sind alle Mann von den Masten herab?" Man bejahte die Frage und er überzählte seine Mannschaft. „Ihr begebt Euch nun Alle unter Deck, verhaltet Euch rubig und weckt mir den Schlafenden nicht." Erstaunt blickte einer den andern und Alle zusammen den Sprechenden an. Jetzt, wo die Gefahr von Augenblick zu Augenblick wuchs, wo in der nächsten Viertelstunde ein Entern von Seite des Piraten zu fürchten war, jetzt sollte Alles thatenlos bleiben, den Bord-Offizier und den Steuermann allein an Bord lassen. „Thut, was ich Euch sage," unterbrach Wullier das Stillschweigen der Erstaunten, „sorgt Euch um Nichts, morgen sind wir am Pistupi vorüber und in Nhodus wehen österreichische Flaggen, die uns Schutz für die weitere Reise geben werden." „Und was soll denn mit mir geschehen, Herr," fragte der Steuermann besorgt um sein Schicksal. „Du steure knapp am Wind und sei unbesorgt. Du bekommst die leichteste Rolle in der Comvdic, die ich der griechischen Rüuberscele spielen will. Und nun marsch unter Deck, das Schiff ist nahe und der Wind springt immer zurück, noch einmal sag' ich Euch, daß mir Keiner raufkriecht, ohne daß ich Euch rufe." Ein leichtes Gcmurmcl ließ sich unter der Mannschaft hören, man gehorchte ohne zu begreifen warum, die Ruhe, mit der Wullier alles behandelte, das unbeschränkte Vertrauen, das er sich bei so manchen Gelegenheiten durch sein besonnenes, kaltblütiges Entschließen und Ausführen zu verdienen gewußt, hatten auch dießmal blinden Gehorsam zur Folge, obwohl die Gefahr zu groß, zu augenscheinlich war, als daß auch nur Etner von Allen den Rettungsplan zu ahnen im Stande gewesen wäre, den Wullier dennoch rein und unfehlbar vor Augen zu haben schien. Der Letzte war durch die große Lücke kopfschüttelnd hinabgekrochen und brachte in die unter Deck versammelte Mannschaft noch die Nachricht, daß Wullier vom Steuermann noch das große Svrachrohr verlangte; aber auch diese Nachricht verbreitete noch kein Licht über die mystische Handlungsweise Wulliers. „Was will er mit dem Sprachrohr?" meinte einer, der durch's Hinabkricchcn der Ucbrigen in seinem Schlummer gestört, über der Nachricht von der schwarzen Schcbcke aus seiner Hängematte gesprungen war. „Will er die „ Aretusa" für ein „Kriegsschiff" ausgeben, und mit dem Piraten parlamentiren?" „Gott weiß es," sagte ein Anderer, „wenn ich nicht schon seit neun Jahren mit ihm eingeschifft wäre, so würde ich vielleicht an seiner Ehrlichkeit zweifeln und einen Vcr- 76 rath wittern; aber Wullier uns verrathen, und noch dazu den Griechen, die er schon seit seiner Jugend haßt, weit sein Vater in ihren Händen umgekommen ist!" Alles wurde still und horchte, um zu vernehmen, was sich auf dem Verdecke zutrug. Uutcrdcß hatte sich Wullier selbst an's Steuerruder gestellt und dem Steuermann den Auftrag ertheilt, sich wie todt luvwärts auf s Verdeck zu legen. Der Tag brach allmählig an, das Näubcrschiff war deutlich zu sehen und Wullier steuerte knapp am Winde ihm gerade entgegen. Die Unordnung im Tackclwcrk der Brigg, die flatternden, halb aufgehißten, halb niedergeholten Segel fielen jenem beim ersten Blick auf und der erste Schuß vom Pnateuschiff, dessen Kugel, obschon matt wegen der allzugroßen Entfernung in die Küche neben dem Fockmast fiel, streute alle Gattungen von Hausgeräthschaftcn auf dem Verdeck umher, und gab dem Ganzen einen noch größeren Anstrich von Verwirrung und Nachlässigkeit. Wullier steuerte nach dem Schusse unmittelbar, soweit es seine Segeln, die nicht gebraßt werden konnten, erlaubten, auf die Schcbcke los, an deren Vordcrkastcll sich eine Menge Volk mit rothen Mützen und schnurrbärtigen Gesichtern versammelt hatte, das, über die Art des Manövers verwundert, neugierig diesem Näherkommen entgegensah. So standen endlich die beiden Schiffe auf Flintenschuß Entfernung neben einander, da verließ Wullier las Steuerruder und eilte anf's Hintcrkastcll der Brigg, ergriff das Sprachrohr und schrie mit zitternder Stimme auf's Verdeck der Schcbeke herüber: „Gott segne Eure Ankunft, Ihr kommt, um mich zu retten, der Himmel hat Euch gesendet, seht Euch mein Schiff an und erbarmet Euch. Neunzehn Tage schon irre ich in der See herum und bin der einzige Lebendige auf der ganzen Brigg; von vierundzwanzig Mann, die wir in Allem waren, bin ich der Letzte, der vor einer Stunde Jenen dort — indem er auf den Steuermann zeigte — sterben sah. Alle Uebrigen hat die Pest dahingerafft, in fünf Tagen dreiundzwanzig Mann; die Cadaver liegen theilweise noch an Bord. — Ich konnte in den letzten stürmischen Tagen das Steuer nicht verlassen und verlebte mit dieser Verwirrung im Scgelwerk zwei schreckliche Nächte. Erbarmt Euch, gute Leute, werft ein Tau aus und nehmt mich zu Euch an Bord, wir können die Brigg dann iu's Schlepptau nehmen, nur rettet mich, denn ich fühle es, daß ich auch dem Tode nahe bin und hier allein elendig verschmachten werde." Unterdessen war man sich vollkommen nahe gekommen und so weit es die Umgebung erlaubte, betrachteten Alle von der Schebeke die menschenleere Brigg, die mit ihrem verwirrten Manöver wirklich das getreue Bild einer Pestverwirrung vorstellte. Wullier hatte sich bei den letzten Worten seiner Erzählung auf die Knie geworfen, das Sprachrohr war seinen Händen entfallen und seine Kniee zitterten vor Kälte. Noch war keine Antwort von Seite der Schcbeke erfolgt. Wullier sah die Menschenmasse unter sich reden, bald auf die Segel der Brigg, bald auf den vermeintlichen Kadaver deutend, den Einige auf dem Verdeck bemerkt hatten; der Piratenhauptling, ein langer, hagerer Mann mit martialischem von der Sonne verbranntem Gesichte und kleinen, fcuersprühenden Augen, stieg selbst die ersten Wcbelslinien der Wanten seiner Schcbeke hinauf, um sich von dem Zustande des Kauffahrers und der Wahrscheinlichkeit der Erzählung zu überzeugen, blickt eine Weile hinüber, kroch endlich kopfschüttelnd wieder herab und besprach sich mit den Uebrigen. Wullier stöhnte einstweilen wieder durch's Sprachrohr seine Beschwörung um Barmherzigkeit und Rettung aus dem verpesteten Schiff und der Sicuermann, der die Rolle des Todten übernommen hatte, fühlte trotz der kühlen Morgenluft große Schweißtropfen über seine Stirne rollen, so daß ihm der Gedanke, er sei wirklich pestkrank, nicht mehr ganz fremd war. Das Schiff gegen die Planken des Verdeckes gekehrt, wagte er es kaum, Athem zu holen, und seine Glieder blieben steif und unbeweglich, als ob wirklich der kalte Tod sie schon versteinert hätte. Endlich schien man auf der Schcbcke zu einem Beschluß gekommen zu sein. „Setze Deine großen Segel in Gci und beschlage die Marscgel so gut Du kannst," ertönte des Piraten-HäuptlingS Stimme, „fang das Schlepptau, das wir Dir hinüberschicken, nimm es doppelt, berühre aber Niemand im Boote, bleibe auf Deinem Schiffe, und thue, waS Dir besohlen wird?' Da hat man keine Lust, Fuß an Bord zu seyen, dachte Wullier, dankte für die Gyade, die Brigg in's Schlepptau zu nehmen, sprach im Vorübergehen seinen Leuten unter Deck Muth und Ruhe zu, schloß den Luckdeckcl, und schickte sich an, die Befehle des Piraten zu erfüllen. Der Wind war schwach, dennoch frisch genug für die Schcbeke, die sich trotz ihrer eingehöhltcn und zum Theile gestrichenen Segel immer, etwas weiter entfernte, und cS dadurch möglich machte, daß Wullier Zeit und Gelegenheit fand, dem Steuermann Muth einzusprechen, den Kapitän der Brigg durch die Mannschaft von Allem in Kenntniß zu setzen und so mit Sorgfalt und Klugheit seinen Plan ausführen zu können; das große Segel war thcilwcisc aufgcgcit, die Marscgel ebenfalls, die Bramsegel nur flatterten unordentlich um die Tope der Stangen, wurden aber durch die Brassen in die Richtung des Windes gebracht. Ein Boot wurde ausgeworfen, nm das Schlepptau unter die Brigg zu bringen, woselbst angelangt, es mit der größten Vorsicht an die eisernen Treppenklammcrn befestigt und von Wullier mühsam bis an's Vvrdcrtheil gebracht wurde. Dort angebunden, wurde es bald von der Schcbeke straff angespannt. Da sie nun wieder alle ihre Segel dem Winde ausgesetzt hatten, wandle die Brigg und brachte sie schnell in ihr Fahrwasser. (Fortsetzung folgt.) König Ludwig S. und der Jude Ephraim. Ein Jude, Namens Ephraim, erschien eines Tages bei König Ludwig I., um ihm einen geschnittenen kostbaren Stein von seltenem Werthe zu verkaufen, er hatte das Kleinod ererbt, und konnte für denselben keinen Käufer finden, denn derselbe hatte den Werth von einigen tausend Gulden. Dem Könige gefiel das Kleinod sehr, er zahlte die verlangte Summe und der Jude verließ ganz glücklich den Palast. Eines Tages erschien ein berühmter englischer Archäolog am Hofe des Königs, dieser ließ den geschnittenen Stein demselben zur Ansicht vorlegen. Der König nannte den Preis, um welchen er den Schatz an sich gebracht. — „Ich hätte," sagte der Kenner, „den zehnfachen Werth namhaft gemacht." Der König war hierüber erstaunt, und als von anderer Seite ihm das bestätigt wurde, ließ der König den Juden herbeirufen, um ihm den vollen Werth auszahlen zu lasten. Ephraim weigerte sich, das Geld anzunehmen. „Der Handel ist geschlossen, das geht nichr," sagte er, „im entgegengesetzten Falle hätte ich Euercr Majestät auch kein Geld zurückgezahlt." „So Hütte ich Sie geklagt und dazu gezwungen," sagte der König. „Majestät hätten den Prozeß sicher verloren, denn der Handel ist geschloffen." „Ich kann mir von keinem meiner Unterthanen etwas schenken lasten," sagte stolz der König. „Und ich nehme auch von Niemanden ein Geschenk an, selbst wenn es mein König wäre," sagte der Jude. „Und wenn ich Ihnen einen Orden gäbe," versetzte Ludwig. „Majestät, ich würde ihn nicht annehmen, denn ich habe ihn durch nichts verdient." „Sie sind der ehrlichste nnd uneigennützigste Mensch, der mir je vorgekommen ist." „Das verdient keine Auszeichnung, das ist nur meine Pflicht." Der König reichte dem ehrlichen Ephraim die Hand und sprach: „Seien Sie mein Freund, ich bitte Sie um Ihre Freundschaft," und schloß den alten Mann gerührt in seine Arme. Ephraim ward der Freund des Fürsten, obgleich er nur wenig besaß, erbat er sich doch nie eine Gunstbczeugung. Der König war bestrebt, sich seinem Freunde 78 als GöNttcr zu bezeugen, er erfuhr, daß Ephraim ein bigotter Jude sei, und ließ bei dem Oberrabbi in Fürth die Anfrage stellen, welches die höchste Auszeichnung und Würde sei, welche einem frommen Juden, als solchen, zu Theil werden kann. Die Antwort lautete ganz kurz: „Das Oberrabbinat." In Folge dieses Gutachtens ernannte der König Herrn Ephraim zum Honorar-Obcr-Rabbi. Das Diplom ward dem Juden zugestellt. Mit Angst und Entsetzen las Ephraim seine Ernennung, denn er war ein im Talmud gänzlich unbewanderter Mann, und die Auszeichnung würde ihn nur dem Höhne Preis gegeben haben. In später Nacht eilte Ephraim zum König, um diesen zu bestimmen, die Ernennung rückgängig zu machen, ehe dieselbe offiziell bekannt gemacht würde. Mit schwerem Herzen mußte der König nachgeben. „Das ist," sagte der König, „der erste Mensch, der mir auf meinem Lebenswege begegnet ist, dem selbst ein König nichts zu gewähren vermag. Ephraim ist ein antiker Charakter." (König Ludwig und der Trunkenbold.) Eines Tages schritt König Ludwig I. durch die Straßen Münchens, da begegnete ihm ein Mädchen, dessen traurige Miene ihm auffiel. Das Mädchen war von wundervoller Schönheit und der Ausdruck des Kummers verschönerte dessen Antlitz. Der König redete das Kind an und fragte nach der Ursache seiner Traurigkeit. Das Kind blickte in die großen hellen Augen des ihm unbekannten Mannes und faßte sogleich Vertrauen Es erzählte, daß der Vater, ein Trunkenbold, die Mutter mißhandelt habe, die Mutter sei in Folge dessen krank, zudem fehle es an Allem im Hause. Der König ließ sich von dem Kinde in das HauS seiner Eltern geleiten, er sah mit eigenen Augen, daß das Kind nur zu wahr gesprochen; er ließ den Vater herbeirufen. Dieser, ein trotziger Mann, kam mit störrischer Miene herbei, sah und erkannte den König und sank zerknirscht vor Reue auf die Knie. Der König machte dem Manne Vorstellungen, und um seiner Besserung gewiß zu sein, nahm er ihn in seine Dienste. Der Mann ward ein treuer, verläßlicher Diener, dem der König blindlings vertrauen konnte. Mit Stolz stellte er nach Jahren einmal diesen Menschen dem Czaren vor, mit den Worten: „Diese Seele habe ich vor dem Verfalle gerettet." Noch vor wenigen Jahren lebte der treue Georg, dessen Tochter gegenwärtig in München unter glücklichen Verhältnissen verheirathet ist. (Eine große Seele.) Ein Greis an Jahren, besaß König Ludwig I. die Rüstigkeit und frische Kraft eines Jünglings, seine Lebensweise war eine höchst einfache und regelmäßige. Wohl trafen sein Haupt manche schwere Schicksalsschläge, hoffnungsreiche Kinder und Enkel sah er vor sich in's Grab wanken, sein Herz blutete, doch seine Seele blieb von den Stürmen ungebrochen. Als er den Tod des Königs Max II. erfuhr, trat er an das offene Fenster und blickte zu dem wolkcnbedeckten Himmel empor, den ein Blitz durchzuckte und während der Donner rollte, murmelte er mit Thränen in den Augen: „Mein Sohn! wie dieser Blitz, so schwand Dein Leben." Währ.nd der Regen in Strömen sich ergoß, wandelte er sodann in seinen Gedanken versunken unter den Trümmern des alten Rom, und als er in seine Villa zurückkehrte, war sein Gemüth beruhigter und er schlief ruhig ein. Als König Ludwig den Tod seiner heißgeliebten Tochter, der Erzherzogin Hildegarde erfuhr, rief er, des eigenen Wehes vergessend: „Barmherziger Gott! tröste die verwaisten, armen Kinder." Mit thränenden Augen brach er die Blumen, die den Sarg der früh Heimgegangenen zu schmücken bestimmt waren. Ueber die Beschaffenheit der Sonne haben sich die Ansichten bedeutend geändert, wenn. man die Jetztzeit mit einer nun längst vergangenen Zeit vergleicht. — Früher dachte man sich den Sonnenkörper von einer Lichtsphäre umgeben, während er 79 selbst dunkel, von fester Form und mäßiger Temperatur sei, so daß etwa tropische Pflanzen und den Erdgeschöpfen ähnliche Wesen darauf gedeihen könnten. Jetzt weiß man, daß das Sonnenlicht nicht von einer einen dunkeln Himmelskörper unigcbcndcn Lichtfülle herrührt, sondern daß der Sonncnkörper selbst dieses Licht ausstrahlt und eine enorm kohe Temperatur hat, so daß seine Masse sich in hellster Glut befindet, ohne daß aber ein eigentlicher Verbrennungs-Prozeß besteht. Bielmehr wird wahrscheinlich daS Glühen des Sonnenballs durch den Anprall zahlloser großer Mcteormafscn bewirkt, welche sich zwischen dem Merkur und der Sonne befinden. Diese Ansicht wird durch die Annahme plausibel gemacht, daß durch Stoß eine 4000mal stärkere Hitze als durch den Verbrennungs-Prozeß erzeugt werden kann. Nach der Berechnung der Astronomen soll aber die Anzahl der den Sonncnkörper stoßenden und sich dabei mit demselben vereinigenden Mcteormassen so groß sein, daß sie noch 10,000 Jahre hindurch genügen, um die Sonne auf derselben Temperatur zu erhalten. Nach diesem sollen die Planeten (also auch die Erde) zum Stoßen kommen, wodurch dann nach und nach das ganze Sonnensystem von der Sonne verschlungen würde. — Wir wissen nicht, wer diese Theorie ausgeklügelt hat — doch wohl nicht der alte Schäfer Thomas? „Es ist keine Frcundschafts-Cigarre!" sagte jüngst ein riesiger Cigarren- Fabrikant in Leipzig, sein Cigarrcu-Etui präsentirend, zu einem Geschäftsfreunde, als ihn dieser um eine Cigarre bat. „In der That," schmunzelte der Geschäftsfreund, „dieses Kraut ist nicht übel! Eine gediegene Cigarre! Alle Hochachtung!" — »Daß Ihnen mein Upmännchen schmeckt," erwiderte der Fabrikant, „kann ich mir lebhaft vorstellen, aber wo bleib' ich? Thun Sie auch was, offeriern Sie mir auch irgend etwas Gediegenes!" — Die beiden Herrrn befanden sich bei diesem Cigarrcn-Geschäfte auf dem Hofe des cigarrenbeschenkten Geschäfts - Freundes und unfern von ihnen lagerte, seiner industriellen Bestimmung gewärtig, ein drei Centner schwerer Mahagoniblock. „Na," lächelte der Geschüfts-Freund schlau, „warum denn dieses nicht? Stecken Sie sich dieses Maha- goniblöckchen bei! S'ist auch eine sehr gediegene Pflanze!" Doch „Dem war kaum das Wort entfahren, möcht' cr's gern ini Busen bewahren," denn mit dem Rieseninaß seines Leibes trat unser Cigarrenfabrikant sofort heran an den Block, packte ihn mit den Klammern seiner eisernen Fäuste, legte ihn sanft auf seine Schultern und schritt mit einem freundlichen „Empfchl' mich Ihnen!" zum Hofe hinaus. Der Andere stand, den Ernst der Lage en dloc nicht gleich erfassend, erst sprachlos da, dann aber murmelte er: „Schweres Brct! Er wird doch Spaß verstehen?" Der Riese aber verstand keinen Spaß mit gediegenen Sachen, und da das Mahagoniblöckchcn einen Werth von circa 30 Thalern hatte, so kann man „die vcrhängnißvolle Cigarre" allerdings keine Freund- schaftScigarrc, aber doch eine 30-Thalcr-Cigarre nennen. (Guttenberg.) Am 24. Februar, dem 400jährigen Todestage des Erfinders der Buchdruckerkunst, war die „Gastwirthschaft zum Guttenberg" von Franz Emmermann in Elbcrfeld geschmückt durch die mit Blumen und Guirlanden bekränzte Statue des großen Meisters und durch folgendes Transparent: Umstrahlt von Glorie stehst dll lauscndfach baut dir die heutige Well lempel des Ruhmes für Zeit und Ewigkeil Einzig ist dein Werk, und schwinden kann'S niL liimm den Scgenskranz nach Jahrhunderten hiN bautest dir selbst das Denkmal auf's GraÖ kngel — aus — himmlischer — Höhk Kufen stets segnend herniedek 80 (Ein fataler Mißgriff.) Bärcnschinken sind zjvar ein beliebter und wirklich vortrefflicher Bissen, dennoch dürfte es selten vorgekommen sein, daß Jemand, der sich in den Besitz eines Schweines und dessen Schinken zu setzen bemüht ist, dafür einen Bären — nicht etwa anbindet — sondern wirklich antrifft und erfaßt. Doch selbst in unserer Zeit ist die Romantik nicht erstürben, das zeigt folgende, ergötzliche und wirkliche wahre Geschichte. Ende Januar d. I. wurde in Schwebt a. O. bei Berlin zwei große, starke Tanz-Bären herumgeführt, die auf der Tour nach Angcrmündc ihre Gcschicklichkeit im Tanzen auf der Straße zeigten. Gegen Abend zog die Truppe weiter, um in dem Dorfe Flehmsdorf an der Chaussee nach Angermünde zu übernachten. Der dortige Gastwirth verweigerte jedoch den fremden Gästen mit ihrer unheimlichen Begleitung ein Unterkommen, unter dem Vorgeben, daß er nur einen Schweinstall habe, der von einem Mastschwein besetzt sei und deßhalb die Bären nicht placiren könne. Auf Requisition der Ortspolizei mußte der Gastwirth jedoch wider Willen Unterkommen schaffen, und es blieb ihm deßhalb nichts Anderes übrig, als das fette Schwein auf die eine Nacht auS dem Stalle zu entfernen und denselben den Bären einzuräumen An dem Vormittage desselben Tages war beim Gastwirthe ein Händler gewesen, welcher um das fette Schwein gehandelt hatte; der Handel war indeß nicht zum Abschlüsse gediehen. Dieser Händler fand es nun bequemer, sich das Schwein in der Nacht, und zwar ohne Geld zu holen. Zu dem Zwecke kam er mit einem Wagen, den er von der Seite des Weges an das Gehöft des Gastwirthes gebracht hatte, und erbrach in Gemeinschaft mit einem Gehilfen den Stall, um das fette Schwein schnell und in aller Stille fortzuschaffen. In der nächtlichen Finsterniß tappte der Schwcincdieb im Stalle umher, aber, Iwiribils ciiotu, er erfaßte die rauhen Füße des einen Bären, ehe er jedoch seinen Irrthum einsah, hatte ihn dieser, über diese nächtliche Störung erbittert, bereits mit seinen Tatzen erfaßt und fing an, ihn auf das Schrecklichste zu zerfleischen. Auf des Ertappten und seines Gefährten Geschrei gelang es dem herbeieilenden Gastwirthe, noch ehe Schlimmeres geschehen war, die Besitzer des Bären zu rufen und den Dieb aus den Klauen desselben zu retten. Derselbe ist namentlich an Gesicht und Brust schrecklich zerkratzt, so daß er, wenn er auch das Augenlicht behalten sollte, jedenfalls sein Lebenlang gekennzeichnet bleibt. Jemandem, der nicht einmal seinen Namen schreiben konnte, wurde einst ein Schriftstück zur Unterschrift vorgelegt. Als er zu seiner Beschämung seine Unkenntniß einge- stand, sagte ein Spaßvogel: „Das können Sie bald lernen; machen Sie nur eine Null und ein Kreuz (OX)!" Charade (Viersilbig.) Ist das Erste stark und breit. Wird mit großer Leichtigkeit Odne viel und lang zu rasten, Uns auch zentnerschwere Lasten Jener bringe» stundenweit, Der, wenn ihm das Zweite gilt, Kaum sich sehr geschmeichelt fühlt. — Läßt sich dieser darauf ein, Rechts uud jinks sich so zu drehen, Wie's die Leute gerne sehen, Wird er bald das Ganze sein. Auflösung der Charade in Nro. 8: „ Todtenczräber ." Druck, B-rla» und Reduktion d«s lileratischrn Instituts von vr. M. Huttlii.