26 . Juli 1868 , MrgsbWrger Schuld oder Leid des Herzeus bringt plötzliches Entfärben, Ein tödtlichcs Erschrecken wie Vorgefühl zu sterben. Ein brüderlich Erbarmen muß ein solcher Mensch erwerben. Johannes Schrott. Znm allgemeinen Concil 186 S.N) Herbei ihr Völker vom Erdenrund, Herbei zum heiligen Throne; Es soll euch werden aus heiligem Mund Ein Wort vom ewigen Sohne. Und der es euch kündet, das ist ein Greis Im Hohcnpriestcr-Talarc; Sein würdige? Haupt strahlt silberweiß, Ergraut im Dienst am Altare. Um ihn sich schaaren zum heiligen Krieg Die gesalbten Hirten der Kirche Auf daß ihnen werde der Wahrheit Sieg, Und der Wolf die Herde nicht würge. Des heiligen Geistes ewiges Wort, Das ist ihr theueres Erbe, Womit sie schützen den „Felsenhort" Und das Volk, daß es nimmer vcrd.rbc. Sehet Pins dort der Kirche Haupt, Das Christus nimmer verlassen, Der verlassen nun hat, die ihn beraubt, — Die Räuber — sie müssen erblassen! Sie haben gebrochen den heiligen Eid, Als Christen und christliche Fürsten, Sie wandeln nun auf der Straße breit, — Nach der Tempel Schätze sie dürsten. Doch „gewogen, gctheilet, gezählet" sind Die Tage der Stolzen der Erde, Und wie Balthasar jenem König so blind Ein prophetisches Wort ihnen werde; Das Gold ihres Thrones ist abgenutzt, Und zerschlagen sind bald ihre Wappen; Denn „der Fürst dieser Welt," der hat sie geputzt Mit Hammer und Kelle und Lappen. Doch des Kreuzes himmlische Fürstcnzier, Sie wollen sie fürdcr nicht tragen; Sie folgen dem apokalyptischen Thier, — Sie wollen dem Glauben entsagen. Hinaus aus dem Reiche, rufen sie laut. Umringt von höllischer Bande. Hinweg mit derKirche, der himmlischen Braut! Sie rusen's im eigenen Lande. Doch die „Hirten der Völker" das sind sie nicht mehr; Es verhallet ihr königlich Rufen — Der Hirte der Völker ist C h r i st n s der Herr, Und die Er zu Hirten berufen. Und die Völker, sie hören auf'S himmlische Wort, Wie cS kündet in heiliger Weise Der Hohepriester in Vomn dort In der Brüder geweihtem Kreise. Und er spricht im hohen Gottesrath: „Herbei ihr Völker der Erde! Wir wollen sie schaffen die ewige That — Ein heiliges Volk er reich werde! Die Fürsten, sie wollen die Wahrheit nicht. Nicht schützen die göttlichen Rechte, Gewichen ist ihnen das himmlische Licht; Ihr Völker ihr seid keine Knechte! Ihr Völker, die Freiheit, die biete Ich euch Die Freiheit von Laster und Lüge; Die Freiheit der Bürger für's Himmelreich, Die das Gute führet zum Siege. So kämpfet mit mir und seid mein Volk Und Ich, Ich bin euer Hirte — Und Christus der ewige Gottessohn, Er mache uns leicht seine Bürde!" vr. Lconhard Schneider. *) Zu welchem bekanntlich diesmal die Fürsten nicht eingeladen sind- 234 Clementina,^) (Fortsetzung.) So kam denn der löte August heran. Schon vor Tagesanbruch verließen Catalina «nd ihre Kinder das Dorf, und schlugen die Richtung nach Bilbäo ein. Catalina und Clemcntina saßen in einem doppelten Rcitsefsel auf einem prächtigen starken Maulthier. Miguel und seine Brüder, munter und kräftig wie sie waren, gingen zu Fuß und lenkten das Maulthier, sowie den Esel, der die Gepäcke trug. Schon begann die Sonne ihre Strahlen über die hohen Berge herzusenden, an deren Fuß die heilige Jungfrau von Begonna über der edlen gläubigen Stadt wacht, die voll frommer Verehrung zu ihren Füßen liegt. Schon ließ sich in dem köstlichen, reich bevölkerten Thale, welches der Jbaizabcl befruchtet, ein weithin rauschendes dumpfes Getöse vernehmen, und dort bei jenem Hügel, wo jetzt ein Trümmerhaufen emporsteigt, befeuchtet von dem Blute des Helden Zumla- cärrcgui, eines der edelsten Opfer unserer traurigen Bürgerkriege, da ertönte damals fröhliches Glockengeläute, das Geläute der Glocken der heiligen Mutter Gottes von Begonna Unsere Wanderer zogen längs der Ufer des Jbaizabcl dahin, bis sie bei einer Wendung der Straße Halt machten, an einer Stelle, von welcher aus der Pilger zuerst die Stadt und das berühmte Heiligthum erblickt. Diese Stelle nennt man „Salve", weil die andächtigen Landleute, wenn sie von dort aus auf ihrem Weg zur Stadt das Heiligthum entdecken, innc halten, um die Mutter Gottes mit dem schönsten und rührendsten der christlichen Gebete zu begrüßen. Solche liebliche Morgen im Frühling und Sommer verschlafen die Bewohner von Madrid, weil sie um Mitternacht oder noch später erst zur Ruhe gehen, während die Einwohner von Bilbäo mit der Sonne oder schon früher erwachen, weil sie um 9 Uhr zu Bette gegangen sind. Daher ist es auch eine ganz gewöhnliche Sache, während der schönen Jahreszeit die vornehmsten und hervorragenden Einwohner von Bilbäo bei Sonnenaufgang oder kurz nachher auf den öffentlichen Spaziergängen anzutreffen, den würzigen Duft der Blumen und die liebliche gesunde Morgenluft genießend. Ganz besonders ist dieß der Fall in der schönen Pappelallee und in den reizenden Anlagen des Arenal. Als Catalina mit ihren Kindern in diese Anlagen kam, lustwandelten eine Menge Leute in ihrem köstlichen Schatten. Auf einmal sahen sie sich einem jungen Manne gegenüber, bei dessen Erscheinen Elementina vor Ueberraschung und Freude einen leisen Schrei nicht unterdrücken konnte; -es war Don Juan. Er näherte sich, um die ländlichen Wanderer zu begrüßen. Clementina, deren Wangen bei seinem Anblicke sich mit Karmin gefärbt hatten, senkte die Blicke schüchtern zu Boden und traute sich kaum, seinen Gruß zu erwidern. Catalina fragte ihn gleich, warum er diesmal nicht, wie im vorigen Jahr, zum Sanct Antons-Feste in's Dorf gekommen sei. Ich war während einiger Tage krank, versicherte Don Juan. Und Sie, fragte er, kommen zum Feste der heiligen Jungfrau von Begonna? Ja, mein Herr; wir kommen, ein Gelübde zu erfüllen, und wollen unsere Clemen- Ima eine Zeit lang im Hause ihres Oheims lassen, um zu sehen, ob sie sich da zerstreut und erholt. In der That, Clementina sieht nicht ganz wohl aus. Ach, Sie haben ja voriges Jahr gesehen, wie blühend sie war. Aber schon wenige ') Eigenthum des literarischen Instituts, und ist der Nachdruck ohne eingeholte Genehmigung reicht gestattet. 235 ^ Tage nachher fing sie au, traurig, traurig zu werden, und aus dieser Traurigkeit h»x- die Arme seither ihr Köpfchen nicht mehr in ine Höhe gebracht. Das bedaure ich unendlich. Catalina und ihre Tochter dankten, Letztere mit einem leisen Anflug von Ironie, den Don Juan recht wohl bemerkte. , Miguel hatte unterdessen die Thiere untergebracht und kam wieder zu den Seinige». Catalina verabschiedete sich von Don Juan. Er ging noch einige Schritte neben Clementina her und sagte leise zu ihr: Ich bin Ihnen noch den Beweis schuldig, daß ich Sie nicht vergessen habe, obgleich ich Ihre Heimath nicht wieder besuchte. Jeden Morgen um 6 Uhr höre ich die Messe auf Begonna; dort können wir uns sehen, wenn Sie mich anhören wollen, ehe Sie mich verurtheilcn. Ich werde kommen, wenn ich kann, erwiderte Clementina, und verließ Don Juan, indem sie sich den Ihrigen wieder anschloß. Zwei Stunden später lagen Catalina und ihre Kinder auf den Knieen vor dem Altare der heiligen Jungfrau von Begonna. Reiche Thränenströme benetzten Clementina's Wangen. Mein Gott, wer kann die Gedanken und Hoffnungen des armen Mädchens ermessen, das mit seinem liebeverwun- deten Herzen unter den erbarmenreichen Schutz der Mutter Gottes sich flüchtete! Nachdem sie die Messe gehört und im Gebet ihre Herzen aufgeschlossen hatten, durchwandeltc Catalina mit den Ihrigen die Fluren, welche das Heiligthum umgeben. Eine fröhliche, lärmende, glückliche Menge wogte aller Orten; aber vergeblich suchten Clementina's Augen den Gegenstand, um dessen willen sie so oft thränenheiß geworden waren. Der Abend kam, und der heilige Hügel ward nochmals besucht. Die Menschen-- menge und das allgemeine Lebe« war noch größer, aber auch jetzt war Clementina's » ängstliches Suchen vergeblich. Des folgenden Tages kehrte Catalina vor Sonnenaufgang nach ihrem Dorf zurück, und ließ ihre Tochter in Bilbäo. VI. Das Heiligthum von Begonna steht auf einem die Stadt Bilbäo beherrschenden Hügel. An dem einen Ende der Stadt beginnt bei einem freien Platz, den schöne Gebäude, namentlich das prachtvolle der höheren Lehranstalt von Biscaya zieren, ein weit hinauf sich ziehender Stasfclwcg. Derselbe endigt auf dem Gipfel des Hügels Mallona. Diesen krönt ein Friedhof, wo die Blüthe der baskischen Jugend ruht, hingcopfert in der furchtbaren Belagerung von 1836, welche Stadt und Land mit Trauer, aber auch mit Ruhm bedeckte. Oft bin ich als Kind, wenn ich mit meiner Mutter beten ging, in diesen Gottesacker gekommen, bin mit der Gleichgiltigkeit der Kindheit unter seinen Nosengebüschen umhergestreift, die ich kaum schön zu nennen wage, da sie die Opfer deS bloßen TodeS verhüllen. Mehr als zwanzig Jahre später, als ich überall die Erinnerungen meiner Kindheit aufsuchte, um mit ihnen mein Herz zu erfrischen, das weit vom heimathlichen Thale in den Qualen des Lebens zusammengeschnürt worden war, wollte ich wieder diese düstere * Stätte betreten. Mich begleitete ein Freund, der, glücklicher als ich, die Stätte seiner Geburt, das Ufer des Jbaizabcl nie verlassen hatte. Als er mich jedoch auf den Kirchhof zugehen sah, blieb er stehen, und sagte: Du suchst auf diesem Friedhof nur Erinnerungen an Deine Kindheit; Du magst 236 ihn im Namen Gottes betreten, und tröstende Empfindungen davon mitbringen. Mich aber laß aus der Ferne diese düstere Ruhestätte Derer begrüßen, die ich am Meisten auf der Welt geliebt habe. Von Ferne laß mich Denen, die hier bestattet sind, mein An. denken weihen, und meine Gebete für sie zum Himmel senden. Und mit Thränen in den Augen, mit zärtlich klopfendem Herzen sagte er mir die Namen von mehr als hundert edlen Jünglingen, welche seine Gefährten waren in den Spielen der Kindheit und in den Hoffnungen der Jugend, welche einst der Ruhm und Stolz dieser reichen edlen Stadt hätten sein sollen, und welche nun Alle in jenem blutigen, riesenhaften, aber heldenmüthigcn Bruderkrieg gefallen waren. Wenn Alles schweigt am Ufer des Jbaizabal, fügte mein Freund bei, w^m nur das Geschrei der Eule auf Mallona's Leichenhügel, und das Pfeifen des Windes in den Bäumen am Gestade die Stille der Nacht unterbricht, dann treibt mich oft eine geheim- nißvolle Gewalt hinaus an den Rand des Muffes. Dann gedenke ich Derer, die in ihrer Kindheit dort mit mir spielten, und jetzt in dieser Erde Schooß den Tag drr allgemeinen Auferstehung erwarten. Wenn ich dann das Auge nach Mallona's dunklem und einsamem Hügel wende, so scheint es mir, wie wenn weiße, geflügelte Geister sich dort wiegen, und mit gcheimnißvoller, trauernder Stimme mir zurufen: „Auch Du bist Staub, und wirst wieder zu Staube werden." Die Stimmung meines Freundes hatte sich auch mir mitgetheilt. Ich ging nicht auf den Kirchhof, sondern zum Heiligthum von Bcgonna zurück. Und warum, o Gott, ließest Du die weißen Geister, die sich über Mallona's Hügel wiegen, nicht emportauchen, um die arme Clemcntina an den Tag des Gerichts zu erinnern, damals, als das leichtgläubige Landmädchen jeden Morgen mit Sonnenaufgang bei diesem Hügel vorüberging, Begonna's kühlen Lauben zu, wo sie die Unschuld ihres Herzens lassen sollte? Ja, jeden Morgen, wenn die Sonre über die Anhöhen von Gangurca emporstrahlte, schritt das Mädchen über den Krcuzplatz und erklomm die Anhöhe des Heiligthums. In der Anlage vor der Kirche traf sie den jungen Mann, der zum ersten Mal in ihrer Seele Träume von Glück erweckt hatte, die früher niemals den Frieden ihres Herzens störten. Tag um Tag verging, und diese Zusammenkünfte dauerten fort. Das Mädchen vom Dorfe hörte Betheuerungcn der Liebe an, so süß und glühend, daß ihr schon das Opfer ihres Lebens klein erschien, um der Liebe zu genügen, welche sie eingeflößt zu haben glaubte. So war sie auch eines Morgens bei ihrem Geliebten auf Begonna's Flur. Aber Don Juan schien heute unruhig. Clcmentina fragre nach der Ursache, und er antwortete, daß er ihr heute ein wirkliches Opfer gebracht habe, indem er zu der Zusammenkunft herbeigeeilt sei. Denn um die sechste Stunde des Morgens müsse er sich in der Stadt einsenden, in einer höchst wichtigen Angelegenheit, bei welcher seine Ehre in Frage stehe. Clementina beschwor ihn, augenblicklich zurückzukehren, als Don Juan, das Auge nach dem Mallonahügel gewendet, plötzlich zusammenfuhr. Die Uhr der St. Antons - Abtei schlug eben die Stunde, und diesem Umstand schrieb Elcmcntina das Erschrecken ihres Geliebten zu.- Schon schlägt es sechs Uhr, und ich muß mich von Dir trennen, sagte Don Juan heftig. Morgen muffen wir uns sehen, aber nicht hier. Und wo denn? Auf der Höhe von Miraflorcs, um sechs. Ich werde nicht fehlen. Leb' wohl! Lebe wohl! 237 Juan drückte seiner Geliebten die Hand, und schlug den Weg nach der Stadt ein, ohne in der Eile Clementinen zu erklären, warum er für den folgenden Tag ciuen andern Ort ihrer Zusammenkunft wünsche. Clementina trat in die Kirche und hörte die Messe, während Juan auf seinem Wege einer schönen jungen Dame begegnete, welche er in dem Augenblicke, als die Uhr sechs schlug, von ferne hatte erscheinen sehen. Sie weinte, als Juan ihr begegnete. Wohin, mein Kind? — fragte er sie. Und woher kommst Du? Aus der Messe in der Begonna-Kirche. Und seit 14 Tagen gehst Du jeden Morgen mit Tagesanbruch zur Kirche? Ja. Und seit wann bist Du ein so guter Christ? Das war ich immer. O, Heuchler! Und die Unglückliche sing auf's Neue trostlos zu weinen au. — Aber, Weib, was sollen diese Thränen? Elender, Treuloser, so erfüllst Du Deine Schwüre, mich ewig, und niemals eine Andere zu lieben? Aber wer sagt Dir denn, daß ich eine Andere liebe? Genugsam sagt es mir mein Herz, Deine Gleichgiltigkeit, und das geheimnißvolle Leben, welches Du seit Wochen führest. Ich schwöre Dir, daß meine frühen Gänge kein Geheimniß bergen. Morgen muß ich, wie Du weißt, eine weite Reise unternehmen, für welche ich den Schutz der heiligen Jungfrau angerufen habe. Die Höhe von Miraflores liegt am östlichen Ende der Stadt, nahe bei dieser, an der Heerstraße nach Vitoria; auf ihr befindet sich eine schöne, mit Ruhebänken versehene Anlage. Am folgenden Morgen um sechs Uhr saß Clementina auf einer dieser Bänke. Ungeduldig schaute sie nach der Stadt hin; aber Er, den sie erwartete, kam nicht. Da nahcte sich eine Eilkutsche. Und wie erstaunte das Mädchen, als am Fenster des inneren Wagcnraums Don Juan's Kopf erschien und gleich darauf der Wagen vor der Bank hielt, auf welcher Clementina ruhte. Juan sprang eilends heraus, ergriff das Mädchen am Arm, und zog es nach dem Wagen hin, während der Kutscher rief: Vorwärts, vorwärts, die Thiere sind erhitzt, und können hier nicht länger stehen bleiben! Clementina wollte Widerstand leisten, verlangte Erklärung dieser gewaltsamen Handlungsweise; aber es gebrach ihr an Zeit wie an Kraft. Bevor der Schrecken und die Ueberraschung sie recht zum Worte kommen ließen, sah sie sich bereits im Innern des Wagens an Don Juan's Seite. In eiligster Flucht verfolgte der Wagen die Richtung nach Zareoza. Clementina und ihr Entführer waren allein. Sobald sie ihrer Sprache wieder mächtig ward, verlangte sie von ihm Rechenschaft über sein Benehmen. Das arme Landmädchen wußte wenig von dem, waS unter gebildeten Leuten gesellschaftliche Schicklichkcit heißt; gleichwohl fiel es ihr schwer auf's Herz, daß Jnan's Handlungsweise kaum die eines Ehrenmannes sein könne. Er fing damit an, zu gestehen, daß sein Verhalten leicht zu ungünstiger Auslegung Anlaß bieten könne. Er erzählte, daß er sich gezwungen gesehen habe, in aller Eile nach Begonna zu reisen, wohin ihn Geschäfte riefen, bei denen sein ganzes Vermögen auf dem Spiele sei; da habe er die Kraft nicht gefunden, sich von Ihr zu trennen, ohne deren 238 Gegenwart und Liebe die ganze Welt nur eine furchtbare Wüste für ihn sei. Kommen wir nach Begonna, schloß er, und habe ich erst meine dortigen Interessen sicher gestellt, welche in die größte Gefahr kämen, wenn meine Ankunft auch nur einen einzigen Tag weiter hinausgeschoben würde, so soll die Kirche unsere Liebe heiligen, und nach kurzer Zeit kehren wir glücklich und geehrt nach Deiner Heimath zurück, um den Segen Deiner Mutter zu erbitten. Mit solcher Kunst, mit so blendendem Schein von Aufrichtigkeit und Wahrheit machte Juan diese Erklärungen, daß das arme Mädchen, besten Herz wie alle liebenden Herzen, nach Nichts begieriger verlangte, als nach einem Vorwand, um zu glauben und zu vergeben, seinem Entführer glaubte und vergab. Clementina und Juan stiegen in einem der ersten Gasthöfe in Begonna ab. Zwei Tage nach ihrer Ankunft weinte Clementina trostlos; sie hielt sich des Segen- «nd der Verzeihung ihrer Mutter nicht mehr würdig. Nach zwei weiteren Tagen wartete sie auf Juan Stunde um Stunde, einen ganzen Dag; er kam nicht wieder. (Fortsetzung folgt.) Zur Geschichte der Rose. Welcher Epoche der Weltgeschichte der Geburtstag der Rose angehört, wer vermöchte es zu behaupten?! Schon zweitausend Jahre vor Christi Geburt existirten die berühmten Gärten von Babylon und jedenfalls duftete schon in ihnen die edelste der Blumen, der Liebling der Frauen und Dichter, das Symbol der Liebe und Schönheit; benn Persien, das Nachbarland, war schon im graucsten Alterthum durch seine Rosen bekannt. Auch in China und Cochinchina wurde die Königin der Blumen seit den ältesten Zeiten kultivirt. Confuzius selbst feierte ihre Schönheit in seinen Gedichten und in der Bibliothek des chinesischen Kaisers, welche aus etwa 18,000 Bänden und Handschriften besteht, handeln 1600 über Blumenzucht, von ihnen über 600 speciell von der Rosen- zucht. Trotzdem kennen die Bewohner des himmlischen Reiches nur zweierlei Nosenarten: die weiße und die Moosrosc; und auch diese wachsen auf kaum fußhohen Sträuchern, während die Blume nur den Umfang einer Wallnuß erreicht. Aber diese Rosen werden namentlich in den weitläufigen kaiserlichen Gärten in so ungeheurer Menge kultivirt, daß die daraus gewonnene Essenz einen jährlichen Ertrag von über 30,000 Thalern gewährt. Nur die kaiserliche Familie und die Angesehensten des Reiches dürfen sich indeß dieser Parfumerie bedienen, für jeden Andern ist ihr Gebrauch auf das Strengste untersagt. Nebenbei bilden die mit Rosenblättern gefüllten „Kräutcrsäckchen" bei den Chinesen einen Talismann gegen die bösen Geister, welche in den Häusern ihr Unwesen treiben, Krankheiten und böse Träume erzeugen. Ein ähnlicher Aberglaube herrscht bei den Siamesen, welche den guten Genius unter einem Rosenstrauche entstehen lasten, während der böse Geist unter einer Cypreste zur Welt komme. Wer neben einem von dem Confuzius geliebten Rosenstrauche eine Cypreste pflanzen wollte, würde sich nur Unglück und einen frühzeitigen Tod heraufbeschwören, während Glück und langes Leben Demjenigen zu Theil wird, der Rosen im Ueberfluß hegte. In gleich hoher Weise wurde die Rose von den übrigen Völkern des Alterthum- geehrt. „Lastet uns Kränze tragen von jungen Rosen, ehe sie verwelken," heißt eS im Buche der Weisheit. Und „Gehorchet mir, ihr heiligen Kinder, und wachset wie die Rose, am Büchlein gcpflanzet," sagt Jesus Sirach. Ferner spricht die Bibel von der Rose von Saron und von Dem, „der die Wüste blühen läßt wie eine Rose." Die sogenannte Rose von Jerichow (eine nicht zutreffende Benennung, weil diese Pflanze hauptsächlich in Arabiens Sandwüsten gedeiht) genoß eine abergläubische Verehrung. 239 Sie besitzt nämlich die Eigenschaft, wenn ihr bauchiges mit dem Pistill gekröntes Schötchen^ besten Klappen oben rundliche Ochrchen haben, sich trocken zusammengezogen, mit ihrew holzig gewordenen Zweigen ein kugelförmiges Nest zu bilden. Wirft man dasselbe in's Master, so quillt es wieder auf und dehnt sich aus, welche natürliche Erscheinung von gar Manchen der Wundcrkraft der heiligen Stätten zugeschrieben wurde, auf denen die Pflanze wächst. Die ältesten griechischen Schriftsteller lasten die Rose ursprünglich in Kleinasien, oder selbst auf der Insel Kythere, wo man die Venus besonders verehrte, und ihr die Rose vorzugsweise geweiht war, ursprünglich einheimisch gewesen sein. Erst um die Zeit des trojanischen Krieges wäre sie nach dem Peloponnes und nach Mika verpflanzt worden. Achills Schild war mit Rosen geschmückt, und Rosen waren den Wohlgerüchen beigemischt, mit denen Hektor's Leichnam von Aphrodite einbalsamirt ward. Sappho (600 v. Chr.) nannte die Rose zuerst die „Königin der Blumen." — Anakreon läßt sie mythisch entstehen, als Aphrodite dem Meere entstieg; ein Tropfen des Meeresschaumes, der an ihren Gliedern gehangen, sei zur Erde gefallen, und hier der Keim geworden zu einem Nosenstrauche. Weiß wie der Schnee, aus dem sie er- sprosten, war ihre Farbe — vom Blute der Göttin färbte sie sich roth. Als Adonis vom Zahne des Ebers seinen Tod fand, verletzte sich die Göttin, indem sie ihrem Geliebten zu Hilfe eilte, den Fuß am Dorne eines Rosenstrauches; einige Blutstropfen seien auf die Rosen gespritzt, welche sofort die Purpurfarbe angenommen hätten. Weniger poetisch ist bei den Muhamedanern die Rose aus dem Schweiße ihres Propheten entsprossen, weßhalb die Gläubigen sich auch hüten, auf ein Rosenblati zu treten. Außer der Aphrodite war die Rose in Griechenland dem Dionysos, dem Gotte der Neben und der blühenden Natur geweiht; ferner der Diana von Ephesos, in welcher man die überschwengliche Fruchtbarkeit der Erde verehrte. Hymen, der Gott der Ehe, und Komos, der Gott heiterer Geselligkeit und der Genius des Lebens, trugen Rosenkränze auf dem Haupte. Auch stellte die antike Kunst den Frieden mit einem Rosensträuße, Kornähren und Oelzwcigen dar, und gab der Höre des Frühlings eine Rose in die Hand. Sie war ferner ein Attribut der Musen und der Charitinen. Zur damaligen Zeit kannte man nur vier Hauptartcn dieser Blume, wie sie noch jetzt in Griechenland gedeihen: die Hecken- oder Hundsrose, die Hagebutte, die Pimpernell- Rose und die schöne gefüllte hundertblättrige Rose (kosn oontikolin), welche zuerst durch Alexander den Großen nach Europa eingeführt wurde. Die alten Römer schmückten die Bildsäulen ihrer Götter und berühmten Männer mit Rosenkränzen, entweder allein oder mit Veilchen und Myrthenblüthen gemischt. Die Thore, durch welche triumphirendc Feldherren einzogen, wurden mit Rosengewinden behängen und Rosensträuße warf man ihnen in den Wagen. Die römische Braut trug einen Kranz von Rosen und Myrthenzweigen unter dem Purpurschleier, und auch das Haupt der Verstorbenen wurde mit Rosen bedeckt. Demnächst vermischte man die zu Asche verbrannten Gebeine, vor ihrer Beisetzung in der Gcabesurne, mit Wein und Rosenblättern, und bestreute den Todtenhügel alljährlich mit Rosen, für deren Pflege oft bedeutende Summen testamentarisch ausgesetzt wurden. Ferner beging man den Geburtstag der Verstorbenen durch Anpflanzung dreier Rasenstücke und einer gleichen Anzahl von Myrthen. Als der Luxus und die Schwclgerei bei den Römern mehr und mehr überhand nahmen, erreichte auch der Roscnluxus seinen Höhepunkt. Der Speisesaal Nero's war wegen seiner künstlichen Bauart besonders berühmt; die Decke und ein Theil der Scitenwände drehten sich mittelst eines Maschinenwcrkes um die Tafel her und stellten abwechselnd die verschiedenen Jahreszeiten dar, wobei statt des Hagels und Regens ungeheure Rosenmasscn auf die Gäste herabfielen. Zu diesem Zwecke verwendete der Tyrann für ein einziges seiner schwelgerischen Gelage vier Millionen Sesterzen (etwa 200,000 Thaler) für Rosen! 240 Hcliogabal, der Prasser aller Prasser, dessen Sprichwort war: „Es gibt keine "delikatere Brühe, als die Seltenheit," und der demgemäß nur Pasteten von Hahncn- kämmcn, Pfauenzungcn, Nachtigallen-, Papageien- und Fasancnköpfcn auf seine Tafel kommen ließ, der den Unsinn so weit trieb, daß er für einen Phönix, von dem er gehört, daß er nur einmal in der Welt existire, viele tausend Mark Goldes bot, machte den wahnwitzig ungeheuerlichsten Gebrauch von den Rosen. Er ließ dieselben von der Saaldecke herab in solchen Unmassen niederfallen, daß viele der Schmausenden in den Blumcn- hügeln erstickten! Er badete sich nur in Rosenwein, und ließ sogar die Reservoirs der öffentlichen Schwimmbäder mit Wein füllen, der durch Rosen parfümiri war. (Forts, f.) (Eine Heldenthat der Königsberg er Feuerwehr.) Aus Königsberg vorn 8. Juli wird von der Königsberger Hartung'schcn Zeitung berichtet: Heute, etwa um IV 2 Uhr stand plötzlich das große Gebäude Tragheimcr, Kirchenstraße Nr. 1, in hellen Flammen. Gegen zwanzig Familien, welche in diesem Hause wohnten, eilten unter Jammer und Wehklagen auf die Straße, während die schnell herbeigekoimnene Feuerwehr ihre Thätigkeit zu entwickeln begann. Da erscholl der Ruf, es seien oben in der brennenden Dach-Etage noch mehrere Personen, denen die Rettung durch die brennende Treppe und fürchterlichen Rauch unmöglich gemacht werde, und in der That erblickte man einen Arm aus einem etwa neun Zoll im Durchmesser haltenden Loche in der Mauer, der nach Rettung zu winken schien. Von keiner Seite war ein Zugang möglich, hier war keine Sekunde Zeit zu verlieren; der Branddirector ergreift eine Leiter und will den Rettungsversuch selbst wagen, woran ihn indeß drei seiner hcldcnmüthigen Feuermänner verhindern, während Feuermaun Stcnzel, ohne sich zu besinnen, das kühne Werk beginnt. Mit großer Sicherheit steigt er mit einer Leiter an der Vorderfronte des vierstöckigen Hauses in die Höhe nach der Ocsfnuug zu, wo noch (immer der Menschenarm sich bewegt; er hat den obersten Stock erreicht und ist etwa nur noch eine halbe Leiterlänge von dem Unglücklichen entfernt, als er zu seinem Schrecken gewahrt, daß er die Leiter nicht nochmals anlegen könne, da an dem Dache kein Gegenstand ist. an welchem dieselbe eingehakt werden kann. Ein schnelles Verständigen mit den ihm gefolgten beiden Kameraden ließ ihn nun ein Werk ausführen, das an Kühnheit und Un- erschrockenheit alles bis jetzt Geschehene überstieg. Die Leiter wurde von den beiden Männern gehalten, während Stenzel sie besteigt, und da er immer noch etwa 4 Fuß von der beschriebenen Oeffnung entfernt war, sich auf die beiden spitzen Leiterbäume stellt und so in dieser grauscn- erregenden Stellung mit seiner Axt die Oeffnung in der Mauer zu erweitern beginnt. Doch die leckenden Flammen zischen immer näher, der Unglückliche im Innern brüllt nach Rettung, und Stenzel verdoppelt seine Kräfte. Er reicht seine Axt demselben durch das Loch und rüst ihm zu, mitzuhelfen, während er sich eine andere Axt reichen läßt und rüstig das Loch erweitert. Und alles dies auf den beiden Enden der Leiter stehend, ohne jede ander Haltung oder Stütze. Das Publicum wagt keinen Laut, es hält ein Jeder den Athem inne, während die Aufregung dicke Schweißtropfen von den Gesichtern rinnen läßt. Da erschallt erst ein leiser allgemeiner Ruf, er wird stärker, Alles drängt näher, um eine kaum geahnte Möglichkeit von dem braven Feuermanne möglich gemacht zu sehen; ein Freudenschrei und ein endloser Jubel verkündet, daß der Unglückliche aus dem erweiterten Loche mit hundertfacher Lebensgefahr herausgezogen und von seinen Rettern heruntergetragen wurde. Leider sollte es den unsäglichen Mühen der Feuerwehr nicht gelingen, die noch oben befindlichen beiden anderen Menschen aus den Flammen zu retten. Es gelang der Feuerwehr auch, das im höchsten Grade gefährliche Feuer nur auf dieses Eine brennende Gebäude zu beschränke». Charade. (Aus zwei einsilbigen Wörtern.) Das Erste köstlich ist zu trinken, Doch trinkt man's nur für theures Geld, Das Zweite wird stets untersinken, Auch wenn es in das Erste fällt. Das Ganze zu der Kranken Heil Die Apotheke bietet feil. Auflösung der Charade in Nro. 28: D a ch st u h l. Druck, Merlan und Redaktion de» literarischen Institut» von vr. M. Huttler,