Nr. 46 . 15. Novbr. 1868 ta „Warum zauderst du so mit deinen Schritten?" Nur ungern mag ich ruhn, Will ich aber was Gutes thun, Muß ich erst um Erlaubniß bitten. Nöthe. Lebensschicksale eines Candidaten der Theologie. ix. Schluß. .... und willst Du die Meine werden, So will ich Dich tragen mit starkem Arm, Auf des Lebens dornigten Pfaden. Der nächste Tag verging in Abstattung und Empfangnahme von Besuchen. Olcarius wurde dabei von Personen heimgesucht, die er sonst kaum dem Namen nach gekannt, und die es früher oftmals kaum der Mühe werth gehalten, den höflichen Gruß des armen Candidaten zu erwiedern. Jetzt freilich war das anders, denn jetzt hatte man ja nicht mehr den, in abgeschabtem Fracke für einige Groschen Stunden gebenden, unbedeutenden Magister, sondern den Hofprcdiger des Königs von Preußen, und wie man sich zuraunte, den erklärten Liebling desselben vor sich, und da war es natürlich eine Ehre, sich der früheren herzlichen Freundschaft erinnern und versichern zu können: man habe es ja immer gesagt und prophezeit, der Herr Olcarius würde es noch einmal zu etwas Großem bringen. Herzlich Gott dankend, als es dunkel geworden und der lästige Schwärm der aufdringlichen Bekannten und Unbekannten sich verlaufen, verließ der Hofprcdiger aus Furcht, noch einmal aufgehalten zu werden, fast wie ein Dieb so heimlich, seine Wohnung, um sich zu Agathen zu begeben, und in süßem Geplauder mit ihr den Abend zu verbringen. Als er das trauliche Hinterstübchen betrat, wo Agathe gerade im Begriffe war, ein Kapitel aus der Bibel zu beenden, das sie jeden Abend der alten Frau vorzulesen Pflegte, erinnerte diese sich plötzlich, daß sie noch einen wichtigen Gang zu machen habe, und ehe die darüber bestürzten jungen Leute Einwand erheben konnten, hatte sie schon ihre altcr- thümlich hohe Haube aufgesetzt und verließ, „gute Unterhaltung" wünschend, mit gutmüthigem schlauen Lächeln die Stube. Verlegen saßen sich die beiden Zurückgebliebenen ein paar Minuten gegenüber. — Vergeblich suchte Olcarius nach Worten, eine Unterhaltung einzuleiten, aber so oft er auch den Mund öffnete, es wurde kein Laut hörbar, und fast schien es, als blieben ihm alle Töi e in der Kehle stecken. Agathe ihrerseits strich sich schon zum hundertsten Male die frisch gebügelte Schürze znrccht, und ein über das andere Mal flog ein glühendes Roth über ihre rosigen Wangen. Endlich ermannte sich der Hofprediger, und indem er auf eine feine Stickerei, die auf dem Arbcitstischchcn Agathcns lag, deutete, fragte er mit halblauter, merklich bewegter Stimme: „Das haben wohl Sie gemacht, Fräulein Agathe? Ach, es ist so wunderhübsch!" Betroffen blickte das Mädchen auf. ES war das erste Mal, daß Olcarius „Sie" zu ihr gesagt hatte. Bläffe und Nöthe wechselte in ihrem Gesichte, ihre Brust hob sich krampfhaft und wie gebannt und geistesabwesend starrten ihre Augen den auf's heftigste erschrockenen jungen Mann an. Dann aber Plötzlich schien ihr das Bewußtsein wieder 362 zurückzukehren, ein krampfhaftes, schmerzliches Schluchzen entrang sich ihrer Brust, und das schöne Haupt in die zarten Händchen bergend, brach sie in bitterliches Weinen aus. ' Unfähig, sich länger zu halten, sprang Olearius auf, umfaßte die Liebliche, und die nicht Widerstrebende an sich ziehend, und die kostbaren Perlen aus den blauen Augen küssend, rief er, nicht länger im Stande, sein Gefühl zu verbergen: „Agathe, ja, ja, Du liebst mich! O, sag' an, theures Mädchen, willst Du mein Weib werden? Willst Du vertrauungsvoll Dein ferneres Geschick in meine Hände i legen? Ich will Dich wahren und schützen vor aller Unbill des Lebens und Dich lieben Iren und innig bis zum letzten Athemzuge." Agathe jedoch erwiederte nichts, sondern barg ihr Köpfchen an seine Brust. Als er aber leise ihr Haupt emporhob, um die Antwort in den schönen Augen zu lesen, da traf nhn aus denselben ein solcher Strahl reinster, überglücklichster Liebe, daß er voll seligen Entzückens das theure Mädchen in seine Arme schloß, Und einen glühenden Kuß auf die ; rosigen Lippen drückend, den Bund zweier reinen Herzen besiegelte. ^ In demselben Augenblicke öffnete sich leise die Stubenthüre, und Frau Silbermaier . auf die Schwelle tretend, klatschte freudig in die Hände und rief: j „Bravo! — bravo Kinderchen, — das habt ihr gut gemacht, gratulire, gratulire ! von Herzen." r Erschrocken fuhren die Beiden auseinander und Agathe wollte hochcrröthcnd entfliehen. i Olearius aber ergriff ihre Hand, und die leise sich Sträubende mit sanfter Gewalt > zurückhaltend, neigte er leicht das Haupt und sagte: „Segnen Sie uns, ehrwürdige Frau, denn wir haben uns so eben vor dem Herrn verlobt und den Schwur der ewigen Treue abgelegt." ^ Mit Thränen in den Augen hob die alte Frau die Hände, und sie auf die Häupter - der beiden Liebenden legend, sprach sie mit sanfter, gerührter Stimme: „Gott segne Euch, Ihr guten, edlen Menschen. Möget Ihr so glücklich werden, ! als Ihr es verdient." ! Ein fröhliches Mahl vereinte auch heute die Glücklichen, und als die Frau Silber- inaier um Mitternacht endlich an's Schlafengehen mahnte, da wußten sie nicht, wo die ' Zeit hingekommen sei, denn ihnen waren die Stunden gleich Minuten verflogen. Noch einen herzlichen Kuß drückte Olearius auf die schwellenden Lippen seines seligen Bräut- chcns, dann schob ihn die gutmüthig scheltende Alte zur Thür hinaus und überließ es ihm, seine glühende Stirne von der frischen Nachtluft abkühlen zu lassen. Am Sonntage darauf wurden der Hofprediger Gottfried OlcariuS und Agathe Wcintraut zum ersten Male von der Kanzel herab als Verlobte verkündigt, und vier Wochen später fand die Trauung in der alten Stadtkirche statt. Ganz Langcnsalza nahm Theil an Agathens Wonne, und wenn auch vielfach beneidet, gönnte mau ihr doch von Herzen ihr Glück, und von allen Seiten regnete eö Glückwünsche und Geschenke auf sie nieder. Nach Beendigung der kirchlichen Feier vereinigte der Hochzcitsschmaus sämmtliche Honoratioren der Stadt in der Krone. Als aber nach Tische die Pfropfen knallten und -er Wein die Zungen anfing zu beleben, führte Olearius sein kleines Weibchen heimlich aus dem Saale, hieß sie ihr bräutlich Gewand mit einem einfachen Kleidchen vertauschen, und hob dann die glücklich Lächelnde in die schon im Hofe harrende Postkutsche. Mit einem herzlichen Händedruck schieden sie von dem Wirthe und der guten Frau Silber- maicr, der die hellen Thränen über die vollen Backen rannen, dann stieß der Schwager jn's Horn, und dahin rollte das junge Ehepaar seiner neuen Heimath, Berlin zu. * Unsere Erzählung ist hiermit zu Ende. Doch wollen wir der wißbegierigen schöne» Leserin noch verrathen, daß der große König nach Verlauf eines Jahres, bei einer gewissen Feierlichkeit, in der Schloß-Kapelle zugegen war und dem Vater des neuen Weltbürgers als Pathengcschenk ein Dekret überreichte, welches ihn an Stelle des pensionirten 363 Collegcn zum Oberhofprediger ernannte. Auch erfuhr Olearius später, daß den gewissenlosen Verführer Lieschens schon hier auf Erden seine wohlverdiente Strafe ereilt habe, indem er, da es sich herausgestellt hatte, daß er schon Jahre lang Defrandation an den ihm anvertrauten Casscn verübt, infam cassirt, und nach Erstehung einer mehrjährigen Festungsstrafe aus dem Heerverband ausgestoßen und ihm die preußischen Lande verboten wurden. Er verschwand spurlos und niemals wieder hat man von ihm etwas gehört. Auf Lieschens Grab aber ließ der Oberhofprediger einen schönen Stein setzen und dem Andenken an die arme, so früh Verblichene, errichteten die beiden Glücklichen «ine« heiligen Altar in der Tiefe ihrer Seelen. Ein Herbst-Abend. Nebelschleier umhüllt Erde dein Angesicht, Kalt wie Schweiß auf der Stirn eines Verscheidenden Träufts vom Himmel, vom Dache, Träufts von Baum und von Felsenwand. Uhu hör' ich nur schrei'n, Naben und Elsterbrut, Trüb' wie Todcsgestöhn seufzet und ächzt der Wald. Mußt du sterben Natur, die Reich uns Blüthen und Frucht gebar? Plötzlich, eh' noch des Tag's Leuchte geschieden ganz. Dringt, obsiegend, das Licht nieder in's dunkle Thal: Glutroth brennt das Gewölk', zu Tausendmalen vom Licht getheilt. Ha! welch' Wunder geschah während der trüben Zeit, Wo nur Raben gehaust, Nebel die Welt umhüllt? Goldgelb glänzt das Gebüsch nun. Purpurn pranget der Buchenwald! Neues Leben entquoll doch nicht dem Erdenschooß, Daß schon Frühling uns nah', eh' noch der Winter floh; Doch dies Farbengcmisch mahnt Freundlich uns an den fernen Lenz. So wohl blickt noch im Tod auf mit entzücktem Aug', Wem aufleuchtet ein Strahl aus dem verheißnen Land. Friedvoll hebt er die Brust ihm, Nochmal färbt er die Wang' ihm roth! — A. Rirdl. 364 Ei« Brief Maria Theresia s aus dem Jahre 1778. „Jedermann in Europa weiß, welche Rechnung «an auf den König von Preußen und seine Worte machen kann. Frankreich hat es bei vielen Gelegenheiten erfahren, und überhaupt ist kein Fürst in Europa seinen Perfidien entgangen. Und ein solcher König will sich zum Dictator nnd Protector von Deutschland auswerfen! Indessen noch merkwürdiger ist, daß nicht alle Mächte zusammenhalten, um ein solches Unheil abzuwehren, das früher oder später auf alle zurückfallen muß! Seit 37 Jahren ist dieser Mann durch seine despotische Militär-Monarchie, durch seine Gewaltthätigkeiten das Unglück Europa's. Er hat sich losgesagt von allen anerkannten Principien des Rechtes nnd der Wahrheit; er spottet jeglichen Vertrages und jeglicher Allianz. Wir sind die nächst ihm Blosgcstellten, und mau verläßt uns! Wir werden uns vielleicht noch dieses Mal herausziehen, sei es wohl oder übel." „Aber ich rede nicht für Oesterreich. Was ich sage, betrifft alle Mächte Europa's. Die Zukunft liegt nicht lachend vor mir. Ich werde es ja nicht mehr erleben; aber meine Kinder und Enkel und meine guten Völker werden es nur zu sehr erfahren. Wir fühlen ja doch jetzt schon den grundsatzlosen, aber kraftvollen Despotismus dieser Militär-Monarchie, die keine andere Richtschnur ihres Handels kennt, als ihren Vortheil. Wenn man dieses preußische Princip noch immer mehr Boden gewinnen läßt, welche Aussicht bietet sich da für diejenigen, die einst nach uns kommen werden? Denn dieses System ist — darüber darf man sich nicht täuschen — in stetem Wachsthum." „Man wolle sich doch durch die Schmeicheleien der Preußischen Politik nicht irre führen lassen. Der König macht sie, um seinen Zweck zu erreichen, aber nach Erreichung desselben thut er immer gerade das Gegentheil und hält nie sein Wort. So handelt er gegen alle, nur nicht gegen die eine Macht, die er fürchtet. Es ist Rußland." Der Brief schließt mit folgenden prophetischen Worten: „Es handelt sich um alle heiligen Güter, um unsere eigenen Interessen. Wir werden überrannt und zu Boden gestoßen werden der eine nach dem anderen, wenn wir nicht im festen Bunde entgegentreten." Also Maria Theresia vor neunzig Jahren! Der «eue Wein. „Die Erde gibt den Saft, Die Lüfte geben Kraft, Die Sonne gibt den Geist; Gar schön der Wein beweist, Was er empfing für Leben. Weil er's kann wiedergeben " (M-ses). (Vorn Rhein, Ende Oktobers.) In unsern Weinbauenden Rhein- und Moselgegenden versteht man bekanntlich unter „Herbst" nicht allein die Jahreszeit dieses Namens, sondern spezieller gerade die Weinlese, und unter „Herbsten" demgemäß das Lesen undNach- hauseschaffen der Trauben. In diesem Sinne spricht der Winzer von einem guten oder schlechten rc. Herbst, und wenn wir in gleicher Anschauung heute sagen, daß der Herbst beinahe überall beendet sei, so kann Dieses keinem Mißverständnisse unterliegen. Ja unsere rebenumfponnenen Berge waren in den letzten Wochen sehr belebt, und unsere Winzer machten äußerst vergnügte Gesichter. Vor etwa zwei Monaten waren die Hoffnungen auf die Quantität sehr gering, denn auf das dürre Erdreich schaute mit ewig heiterer Miene der „unbewölkte Zeus", und aller Herzen Sehnsucht ging dahin, daß nun Jupiter Pluvius einmal das Szepter ergreifen möchte, um den vertrockneten Fluren sowohl, als auch den gar unscheinbar gebliebenen Beeren des Wcinstocks eine gründliche Erquickung 365 zu gewähren. Wohl uns! die Wünsche sind erhört worden. Spät kam er — doch er kam, nämlich der Regen, und seine segnende Kraft hat er auf wunderbare Weise bewährt. Die wohlgekochten, aber schlecht entwickelten Beeren sind durch den Regen aufgequollen, die harten und dicken Häute sind weich und dünn geworden, so daß die gewonnene Quantität fast durchschnittlich um die Hälfte die früheren Erwartungen übertrifft. An der untern Mosel, wo wir mehrmals in der Lese waren, hörten wir von vielen Seiten, daß Winzer, welche 2-4—6 rc. Fuder erwartet hatten, thachtsälich 3—6—9 rc. Fuder herbsteten. Der dadurch hervorgerufene Fäffermangel machte sich empfindlich bcmerklich, und während der Lese sahen wir die Winzer noch nach Fässern umherlaufen, die sie nunmehr mit 13—15 Thlr. per Stück bezahlen mußten, während sie früher zu 8—9 Thlr. per Stück zu kaufen waren. Einen wcitern Uebelstand hat diese unerwartete Fülle an vielen Orten für die kleinern Winzer, welche gewohnt sind, ihren Herbst gleich ungekeltert an größere Winzer und Produzenten zu verkaufen, hervorgerufen. Da diese letztem ihre Fässer meist von eigenem Gewächs voll erhalten, neue Fässer aber sehr theuer und fast nicht zu haben sind, so ist die Kauflust gering, und der kleine Mann muß seine ganze Ernte nicht selten für einen Spottpreis losschlagen, wsil ihm dieselbe sonst gänzlich zu verderben droht. An der untern Mosel wurde die Ohm im Faß meist zu 20 Thlrn. verkauft. Alles schaart sich um den jungen Helden, wie die Frauen Gevatterincn und Nachbarinen um die Wiege eines jungen Kindes, seine geistigen Anlagen zu erforschen und prophetisch seine Zukunft zu deuten. Da wird mit sachverständiger Kennermiene probirt, geschlürft, hin und her erwogen und Urtheil gesprochen. Auch die Mvstwaagc, welche den Zuckergehalt nach seinem spezifischen Gewichte angeben soll, wird erwartungsvoll in Anwendung gebracht. Diese Waage ist aber insofern ein unzuverlässiger Maßstab, als der Most neben dem Zuckerstoff bekanntlich noch Weinstein und sonstige gallertartige Substanzen enthält, welche in gleicher Weise wie der Zucker auf die Mostwage einwirken. Es kommt nicht selten vor, daß die Mostwaage bei dem Produkt aus geringeren Thallagen ein günstigeres Resultat zeigt, als bei demjenigen aus besseren Berglagen, ohne daß die Meine Dem entsprechend sich entwickelten. Das Warum ist leicht erklärlich, die Traube im Thalboden nähert sich vielmehr und eher dem Zustande der Fäulniß als die Bergtraube und enthält eine größere Menge jener schleimartigen Stoffe aufgelöst, welche beim Keltern sich mit auspressen und sogleich dem Zuckergehalt bei Anwendung der Mostwaage sich geltend machen. Für den rechten Winzer und Weiukcnner bleibt indessen die Zunge das beste Maß, die Güte des Weines zu schätzen und auch schon prophetisch gleichsam vorherzusagcn, sobald der Most in das fedcrweise Stadium gekommen ist. Noch anschaulicher beweist die Kraft des jungen Helden die oft überraschende Wirkung, welche er auf Körper und Geist des Menschen ausübt, der sich aus besonderer Zuneigung mit ihm in intimere Verbindung gesetzt hat. Bereits hört man schon interessante Fakta über solche Wirkungen erzählen die den in früheren Jahren nach guten Weinernten vorgekommenen sich würdig anreihen. Schon Horaz sagt, daß der Wein den Armen Hörner mache, daß sie sich vor nichts fürchteten; wir aber möchten fast, in Anbetracht der mancherlei Stöße, annehmen, daß der junge Wein selbst mit Hörnern auf die Welt komme. Gehen wir in diesen Tagen durch einen Weinort, so umweht uns überall ein eigenthümlicher lieblicher Weingeruch von der aus den Fässern und Kellern entweichenden Kohlensäure; und in den Kellern selbst hören wir es brodeln und gähren, daß es eine Lust, aber nicht selten auch gefährlich ist, sich in den unterirdischen Gewölben dem jungen Helden zu nähern. Darum warnt der Dichter: .Es nahe keiner seiner Kammer, Wenn er sich ungeduldig drängt Und jedes Band und jede Klammer Mit jugendlichen Kräften sprengt. Denn unsichtbare Wächter stellen, So lang er träumt, sich um ihn her, 306 Wir wissen indessen: Und wer betritt die heil'gen Schwellen, Den trifft ihr luftumwund'ner Speer." (Novalis.) „Wenn sich der Most auch ganz absurd gebärdet, Es gibt zuletzt doch noch'u Wein." Und dieses Mal dürfen wir mit Gewißheit auf einen recht guten rechnen. Doch lasse« wir ihn sich entwickeln in der engen Wiege im unterirdischen Geschosse, wo er, nach des Dichters Worten, von Festen und Siegen träumt und sich manches luftige Schloß baut, bis er seine Schwingen entfaltet, im Krystallgewande erscheint und iu ungezählten Strahle» sein inneres Leben in die Welt sprüht. Duell - Geschichten. „Die Romantik des Ducllircns" heißt ein vor Kurzem erschienenes zweibändiges Werk von Andrew Steinmetz. Gegen den Titel müssen wir uns erklären, denn von Romantik ist beim Duell, davon abgesehen, daß beide Theile ihr Leben auf's Spiel setzen, nichts zu spüren. Der Zweikampf hat seine sehr bestimmten und sehr prosaischen Gesetze, die leider nicht vom natürlichen Rcchtsgefühl eingegeben sind. Duellanten sprechen immer von Ehre, und doch kommen unter zehn Duellen neun vor, bei denen zwischen den Kämpfcnden die größte Ungleichheit besteht. Selbst der nicht übergewissenhafte Alexander Dumas, der sich mit Gaillardet wegen der Urheberschaft des schändlichen Drama's: „Der Thurm von Nesles" schlug, die Jeder für sich in Anspruch nahm, konnte das Duell,in dieser Beziehung nicht vertheidigen. Er wurde als Zeuge in einem Zweikampf vernommen, bei dem Bcauvallon, einer der besten Pistolenschützen, den Journalisten Dnjarier erschossen hatte. Der Richter fragte ihn, ob er es für ehrlich halte, daß Jemand, der auf dreißig Schritte ein Ei treffe, sich mit einem Andern schlage, der kaum wisse, wie man ein Pistol abdrücke; er antwortete: „Ja. Wenn man sich auf die Mensur stellt, so verschwinden alle Fragen des Edelmuths und des Zartgefühls, die an und für sich sehr schöne Dinge sind, vor der Frage der Existenz, die wir auf's Spiel setzen und die um loi! im Handumdrehen verloren gehen kann." Die Untersuchung ergab übrigens, daß das Duell nicht blos ein ungleiches, sondern ein unehrliches, ein Mord gewesen sei. Man sollte Pistolen gebrauchen, welche keiner der beiden Theile kannte, und Dujarier kannte die Waffen wirklich nicht. Um so genauer kannte sie Bcauvallon, denn sie gehörten seinem Schwager Gravier de Cassagnac, der sie ihm zu diesem Duell lieh, und noch am Morgen des Zwcikampfes hatte sich Bcauvallon mit diesen Pistolen eine Stunde lang eingeschossen. Das Gericht verurtheilte ihn zu acht Jahren Gefängniß. Die Blüthezeit des Duells war das vorige Jahrhundert. — Unser englischer Historiograph bemerkt, daß man sich damals so oft geschossen habe, wie man jetzt Cricket spiele. Staatsmänner und Parlaments-Redner stellten sich gelegentlich auf die Mensur. Fox schlug sich mit Adam, doch schoß er nicht, weil er, wie er ausdrücklich betheuerte, mit seinem Gegner gar keinen Streit habe. Als er an die Reihe kam, zur Scheibe zu dienen, rief ihm sein Sekundant Fitzgcrald zu: „Fox, Sie müssen eine Seitenstellung annehmen," — „Wozu?" fragte der tapfere Redner. „Ich bin von der Seite eben so dick wie von vorn." Die Folge war, daß er getroffen wurde. Pitt wurde wegen beleidigender Ausdrücke, die im Parlament gefallen waren, von Tierney gefordert und schlug sich auf der Putney-Haide. Sir Francis Burdett und Paul trafen sich bei Wimbledon und stellten ihre verwundete Ehre her, indem sie sich gegenseitig in's Bein schössen. — Zwei Jahre später verschaffte sich Cauning von Lord Castlereagh auf ähnliche Weise Genugthuung. Nicht so ungefährlich wie diese Conflikte wurde ein Streit zwischen O'Connell und D'Estcrrc zum Austrag gebracht. Der große Agitator hatte eine gewisse öffentliche Körperschaft mit gewohnter Derbheit als die „bettclhafte Corporation von Dublin" bezeichnet. D'Estcrrc war ein Mitglied derselben und forderte die übliche Genugthuung. Sie trafen sich in Bishop's Court, einer Besitzung des Lords Ponsonby. Se. Herrlichkeit hatte den Duellanten seinen Park zur Verfügung gestellt, wie man es heute bei einem Feste zu einem wohlthätigen Zwecke thut. D'Esterre feuerte zuerst und fehlte. O'Connell durchschoß seinem Gegner beide Schenkel. Längs der ganzen Straße herrschte ein allgemeiner Jubel, als man den Agitator unverletzt zurückkehren sah. D'Estcrrc starb am Abend des dritten Tages. Dieser Ausgang war seiner Partei unbegreiflich, denn er war ein sicherer Schütze und konnte seinen stämmigen Gegner eigentlich gar nicht fehlen. O'Connell wurde von dem Schicksal seines Feindes tief gerührt. Er ging mit seinem Sekundanten in die Kirche und leistete einen feierlichen Schwur, niemals wieder eine Herausforderung annehmen zu wollen. Der Wittwe des unglücklichen D'Esterre bot er eine Pension, welche so viel betrug, als ihr Mann verdient hatte, aber die Körperschaft, zu welcher der Verstorbene gehört hatte, setzte der Dame dieselbe Summe jährlich aus und O'Conncll's Anerbieten wurde zurückgewiesen. Später übernahm Morgan O'Connell die Zweikämpfe, welche die zügellose Zunge seines Vaters hervorrief, und bekam sehr viel zu thun. Unter Anderem schlug er sich mit Lord Alvanley und wurde am Tage darauf von dem jetzigen Premier-Minister Disracli gefordert. Der Herzog von Wellington hatte hinsichtlich des Duells ganz und gar die hergebrachten Ansichten seines Standes und Berufes. Als das zehnte Regiment in Dublin so unbeliebt geworden war, daß seine Versetzung beantragt wurde, entschied der Herzog, daß es bleiben solle. „Ich halte es nicht für unmöglich," schrieb er, „daß es zu einigen Duellen kommt, aber das ist ja ohne alle Bedeutung." Nach diesen Ansichten selbst zu handeln, war er jederzeit bereit. 1829 forderte er Graf Winchelsea auf, „ihm für sein Benehmen die Genugthuung zu geben, die ein Gentleman zu verlangen das Recht habe und die ein Gentleman niemals verweigere." Der Grund des Zwistes war ein politischer und stand mit der Emanzipation der Katholiken in Verbindung. . Die Gegner trafen sich auf den Feldern von Battersea, wurden aber durch gewöhnliche Leute sehr belästigt. — Wohl zwanzig Gärtner und Tagelöhner hatten sich versammelt, welche die Gesetze des vornehmen Duells nicht kannten, und die Duellanten wiederholt beschworen, die Sache mit den Fäusten auszumachen. Unseren Zeiten näher treffen wir Sir Robert Perl, der Dr. Lusington und Joseph Hume fordert, weiter Roebuck mit dem Beinamen „der Zerreißcr," den er sich selbst beigelegt hat und den er zu verdienen suchte, als er Herrn Black und Lord Powerscourt aus ein Gericht Kugeln einlud. Noch 1840 erschoß Lord Cardigan den Rittmeister Tuckett auf dem Anger von Wimbledon. Als Peer wurde der edle Lord vor das Oberhaus gestellt und bei der Umfrage antwortete ein Lord nach dem andern: „Auf meine Ehre, nicht schuldig." Blos der Herzog von Cleveland machte einen Zusatz und sagte: „Nicht schuldig vor dem Gesetz." Lord Cardigan gab dann noch einen Beweis im Großen, wie er fremdes und eigenes Leben verachte. Bei der Belagerung von Scbastopol sollte er eine russische Batterie nehmen. Er erstürmte sie, um sofort mit seinen sechshundert leichten Reitern sich auf eine feindliche Uhlancmnasse zu werfen, die von Artillerie unterstützt wurde. Dieser unsinnige Angriff kostete mehr als dreihundert Reitern das Leben. (Schluß folgt). 368 Am Grabe eines Mädchens. Im LcbenSmorgen sterbe noch als Knabe, Wen lieb die Götter haben, spricht der Weise; So ist wohl die geliebt im Engelkrcisc, Die, Jungfrau noch,- verschlungen wird vom Grabe. Es schickt der Himmel manche schöne Gabe, Die dieser Erde wär' zu Trost und Preise, Und nimmt sie wieder ungeahntcrwcisc. Damit wir nichts, er aber Alles habe. Der Himmel nimmt, doch kaun er nicht berauben. Er wollte nur mit weiser Huld vermehren An lichte Engelwesen unsern Glauben. Die Reine, die nichts durfte hier verfehlen. Mahnt nun, uns von der Erde zu entstauben, Und inniger das Ewige zu begehren. Johannes Schrott. Shakespeare spielte einst den König in einem seiner Stücke und stand nahe an der Loge der Königin. Er hatte seinen Dienern so eben Befehle gegeben, als Elisabeth, «m zu sehen, ob er aus seiner Rolle fallen werde, ihr Taschentuch auf die Bühne fallen ließ. Shakespeare ließ sich dadurch nicht irre machen, sondern sagte augenblicklich: „Ehe dieß geschieht, hebt erst das Taschentuch Unserer Schwester auf." Die Königin belachte und beklatschte den glücklichen Einfall und die Geistesgegenwart Shakespeares. (Prüfet Alles und das Beste behaltet) Ein hanakischcr Bauer fing einen gewaltigen Hecht, der in seiner Todesangst am Sandufcr ungcmcin herumschlug, und den solid möblirten Rachen bald öffnete, bald schloß. Der Jäger der Domäne kam dazu, begleitet von seinem Vorstehhunde. „Ah," rief er, „was habt Ihr da für einen Prächtigen Fisch gefangen. Beißt er?" „Versuchen Sie es und stecken Sie ihm den Finger in's Maul," grinste der frotzelnde Bauer. „Bin nicht so dumm. Ich will es mit der Ruthe meines Nero versuchen. — Nero herein!" Der Jäger that wirklich, wie er es vvrhergcsagt. Der Hecht schließt den Nachen, der Hund beginnt zu heulen und läuft, vom Schmerz geängstigt, eine Strecke herum und dann gerade zum Jägerhaus hin.- „Rufen Sie doch Ihren Hund zurück," schrie der verblüffte Hanake. „An Euch ist es, den Hecht zurückzurufen." Weder Hund noch Hecht kamen aber mehr zurück. Frage: Welcher Hof ist der größte nach der Zahl seiner mit Kreuzen Dekorirten? An welchem Hof ist der Aermste hoffähig? An welchem Hof halten sich keine Fürsten auf? Und welcher Hof hat oft nicht einmal eine Wache, obwohl dies nothwendiger wäre, als bei so manchem andern Hof? Antwort: »'sohqsmH" Drsck, Derlaa nnd Redalltvi, dt« lilrr-rilche» JvfttlM« »o» Dr. M. Huttler.