Nr. 4?. ZZ, Novbr. 1868 Augsburger Richt ein Tyrann, ein christlicher Monarch Sind wir und unsre Leidenschaft der Gnade So unterworfen, wie in unsern Kerkern Verbrecher, angefeffclt. , Shakespeare, Heinrich V. A. I. Z. Maximilian s Ende. Queretaro. Blätter aus meinem Tagebuch in Mexiko. Von Felix, Prinzen zu Salm-Salm. " Nebst einem Auszug aus dem Tagebuchs der Prinzessin Agnes zu Salm-Saim. Zwei Bände. (Stuttgart, A. jdröncr.) Mit mehreren Porträts, Planen" u. s. w. Prinz Felix Salm-Salm scheint etwas von der Natur eines mittelalterlichen Lanz- kiechts in sich zu haben. „Ich war mit Leib und Seele Soldat", sagt er. De» amerikanischen Bürgerkrieg hatte er als Oberst, dann als Brigadegencral der Republik mitgemacht; allein dort im Heer zu bleiben entsprach nicht seinen Wünschen, obschon es ihm an „Anerkennung seiner im Feld geleisteten Dienste" nicht fehlte. Er nennt ganz unbefangen als seinen hauptsächlichen Grund: das Leben dort zu Lande habe ihm nicht besonders zugesagt, weil man sich von „Jugendcindrücken und, wenn man will, von Vorurthcilcn" nicht freimachen könne. Zum angenehmen Daseyn in Friedcnszeiten Mochte er also eines Hofes und adeliger Genossen bedürfen. Er ging mit guten Empfehlungen nach Mexiko; doch der österreichische Gesandte Graf'Thun verhinderte nach Kräften die gewünschte Anstellung im Heere Maximilian's. „Ihm und seinem Verwandten^ dem General Thun, welcher das österreichische Korps befehligte, ist es zuzuschreiben, daß nicht ein einziger Preuße in dasselbe ausgenommen wurde." Der Preußische Gesandte Baron Magnus setzte es endlich durch, daß der Prinz (1. Juli 1866) zum Obersten im Generalstab ernannt ward. Von allen unbefangenen Beurtheilen! ist das Unternehmen dcS Erzherzogs Maximilian im Voraus als hoffnungslos bezeichnet worden. Um eine Herrschaft über Mexiko zu begründen, Hütte der Erzherzog einen Märaktcr von.Stahl, eine tiefe Mknschcnkcnntpiß, die rascheste Entschlossenheit im Handchi und die kälteste Rücksichtslosigkeit besitzen müssen. Das waren aber gerade die Eigenschaften, die ihm fehlten, und für welche seine Persönliche, Tapferkeit einen sehr geringen; seine Milde und Liebenswürdigkeit, sein redlicher Wille gar keinen Ersatz bieten/ konnten. Dazu war er ein Fremder, was ein romanisches Volk um so weniger verzeiht, je niedriger es aus der Stufe geistiger Entwickelung steht. Der „Fremdling" war den Gegnern ein Ziel unzerstörbaren Hasses und den eigenen Anhängern nur ein' Werkzeug ihres Interesses und Ehrgeizes ; und früher oder später das Verderben unvermeidlich über den Kaiser zu bringen, dazu genügte schon der einx Umstand, daß das Kaiserthum die Schöpfung eines Bonaparte war. Wenn es auch in Mexiko an ehrlichen Männern nicht fehlte, die dem Kaiserthum deßhalb beitratxn, weil sie die endliche Herstellung geordneter Zustünde von ihm hofften, so hätte doch der Erzherzog, wenn er jenen klaren Blick besaß, ohne den die Durchführung einer so schweren Aufgabe überhaupt unmöglich war, sich darüber nicht täuschen dürfen, daß sein Recht wie seine Macht nur , auf den französischen Bajonnettcn beruhte, und daß diese nicht um Mexiko's noch um seinetwillen, sondern allein um napoleonischer Zwecke willen verwendet wurden. Aber er täuschte sich und täuschte sich gern: Er begab sich in eine Stellung, deren Klippen und Abgründe er nicht ermessen hatte, zu Land und Leuten, die er nicht kannte, auf Männer vertrauend, die ihm keine Bürgschaft zu gewähre». 370 i« Stande warm, auf eine Partei sich stützend, deren Wesen und Ziele ihm im tiefsten Herzen widerstrebten. Prinz Salm gibt uns flüchtige, leider zu flüchtige Zeichnungen von den Männern, die seine Helfer und Vertheidiger sein sollten. „General Don Leonard» Marqucz ist ein kleiner, sehr lebhafter Mann, mit schwarzem Haar und schwarze», .sehr stechenden Augen. "Er trägt einen vollen, schwarzen Bart, um eine entstellende Schußwunde in der Wange zu verbergen. Er hat sich durch seine schändliche Grausamkeit, den Namen dcS Alba von Mexiko erworben. Zu früheren Zeiten schon das Haupt der alten Kirchenpartei, war er auf sehr vertrautem Fuße mit allen Geistlichen und Klosterbrudern. Obwohl sehr tapfer, war er doch als General von geringer Bedeutung, da er von strategischen Bewegungen gar keinen Begriff hatte. Sein Haupttalent bestand im , Orgaisisiren." seinen Charakter malt auch noch folgender Vorgang bei Gelegenheit eines ^ von den Kaiserlichen gewonnenen Treffens: „General Marquez wollte die Gefangene» ^ erschießen lassen; allein der Kaiser widersetzte sich diesem Befehl auf das Entschiedenste. Trotzdem, sagt das Gericht, ließ der blutdürstige General sie in der folgenden Nacht heimlich erschioßen." Marquez verübte zuletzt, als es mit dem Kaiscrthum bergab ging, an Maximilian einen noch unwürdigeren Verrath als Lopez, „der Judas bon Queretaro". „Pater Fischer ist ein großer, stattlicher Mann von großem Verstand und eben so großem Ehrgeiz Er ging in bürgerlicher Tracht und war erst ganz kürzlich zum KabiuetSsckretär des Kaisers ernannt worden. Ueber sein Moral zirkulirten nicht eben sehr erbauliche Gerüchte, und es war bekannt, daß er an verschiedenen Orten Kinder besaß. Sein Einfluß auf den Kaiser war bedeutend. Ihm war cS hauptsächlich, nächst Marqucz und Miramon, zuzuschreiben, daß der Kaiser sich, zur großen Bestürzung des Marschalls Bazaine und deS von Napoleon abgesandten Grafen Castelnau, entschloß, nicht abzudanken, sonder» in Mexiko zu bleiben. Marquez und Miramon versprachen dem Kaiser freilich hoch und theuer, daß ihn die Kirchenpartei mit Geld und Soldaten hinreichend unterstützen würde, und waren mit ihrem Ehrenwort sehr verschwenderisch; allein da der Kaiser den Werth dieser Versprechungen keineswegs überschätzte, so wußte Pater Fischer, der seinen großherzigen Charakter besser kannte, ihn dadurch festzuhalten, daß er ihm das traurige LooS seiner Anhänger nach seiner Abreise ausmalte. Pater Fischer meinte es gut mit dem Kaiser; allein bei ihm war das Interesse desselben dem der Kirche bei Weitem untergeordnet." „Don Miguel Miramon war einer der vorzüglichsten Generals,der Kirchen- parter^ind sogar schon in seinem 25. Jahre Präsident der Republik gewesen. Er war nun ein schöner Mann von einigen 30 Jahren, von mittlerer Größe, schöner Figur, eleganten Manieren, dunklem Haar. Er hatte viel Verstand, war außerordentlich ehr- ^ geizig und dabei tapfer und unternehmend, allein kein wissenschaftlich gebildeter Soldat »nd kein besonderer Strategiker " „Don TomäS Mejia war ein kleiner, gelber, merkwürdig häßlicher Indianer von etwa 45 Jahren, mit einem ungeheuer großen Mund und einem Paar struppigen schwarzen Haaren darüber. Er war ein durchaus ehrenwerther, zuverlässiger Mann, der dem Kaiser treu ergeben und ein tüchtiger Kavalcriegencral, der wegen seiner persönlichen Tollkühnheit berühmt war. Sobald es zum Angriff ging, nahm er stets einem seiner Leute eine Lanze ab und stürzte damit voran in den Feind. In früheren Jahren hatte er einmal den Liberalen Queretaro abgenommen. Als er in die Stadt eindrang, flüchteten die letzten Feinde in den ersten Stock des Rathhauscs. Mejla erschien an der Spitze einer Reiterabtheilung vor demselben, sprengte, die Lanze iu der Hand, die Treppe hinaus, ritt in den großen-RathhauSsaal und zwang die hieher gc- flüchtcten Feinde, sich zu ergeben. Dann ritt er an den Balkon heran und brachte seinen siegreichen Truppen ein Hurrah." „Don Ramon Mcndcz war ein kleiner, fetter Indianer mit hübschem Gesicht und schwarzbraunem Haar und Bart, der in seiner rothen mexikanischen Husarenjacke mit Generalsabzcichen sehr gut aussah. Er trug einen Sombrero (breitrandigen Hut) wie der Kaiser. Mendcz war ein außerordentlich guter Parteigänger, sehr tapfer »ud von seinen Soldaten vergöttert, allein leider zur Grausamkeit geneigt Er war dein 1 k i i. 371 Kaiser durchaus ergeben, aber ein entschiedener Feind von Miramon, dem er mißtraut^ und von dem er behauptete, daß er sich wenig um Kaiser und Kaiserreich kümmere, sondern nur ehrgeizige persönliche Zwecke verfolge; eine Ansicht, die ziemlich allgemein war, die aber bei Mendez vielleicht noch durch Eifersucht verstärkt werden mochte." Miramon und Meji'a wurden später mit Maximilian zusammen erschossen; Mendez hatte dasselbe Geschick schon einige Tage vorher getroffen. Zur Zeit als Prinz Salm in kaiserliche Dienste trat, war der Rückzug der Fianzosen nahe bevorstehend. Der Prinz erzählt uns ihren AuSmarsch aus der Stadt Mexiko recht anschaulich. „So kam der 6. Februar 1867 heran, der Tag, an welchem die Franzosen für immer Mexiko verlosten sollten. Es war einer jener klaren wunderschönen mexikanischen Morgen. Die ganze Bevölkerung der Hauptstadt war auf der Straße und in freudiger Aufregung: der Abzug der Fran- zo en war für alle ein freudiges Ercigniß, denn sie hatten sich bei allen Parteien verhaßt gemacht. Das Benehmen des Marschalls Bazaine brauche ich nicht zu charakterisiern; eS ist in vielen Schriften gewürdigt worden. Er mochte nach seinen Instruktionen gehandelt haben; allein er that es nicht nur in einer ihm eigenthümlichen brutalen Weise, sondern überschritt dieselben wahrscheinlich in manchen Punkten, je nachdem es seinem grenzenlosen Ehrgeiz und seiner Geldgier*) paßte. Die französischen Offiziere ahmten dem Marschall nach, und ihre Anmaßlichkeit und Habgier überschritt alle Begriffe. Was kümmerte sie Maximilian, oder die vorgeschützten zivilisatorischen Absichten ihres Kaisers! Sie verachteten die Mexikaner mit französischer Anmaßung, raubten so viel sie immer konnten, und beleidigten gröblich die Bewohner von Mexiko bei jeder Gelegenheit. Herrr» auf dem Trottoir, die ihnen nicht schnell genug aus dem Wege gingen, stießen sie auf das Pflaster hinunter, und Damen, die sich auf die Straße wagten, waren vor ihrer gemeinen Zudringlichkeit nicht sicher. Die mexikanischen Offiziere zogen es vor, meist in Zivil zu gehen, da sie ihre Uniformen nicht der Beschimpfung aussetzen wollten, daß ihre Begrüßung von den Franzosen nicht erwidert wurde. — Die mexikanischen schwarzäugigen Damen, den Rebozo (Schlciermchitille) leicht und kokett über Kopf und linke Schulter geworfen, füllten schon frühzeitig die zahlreichen Balköne. Der Ausmarsch began« um » Uhr. Kein freundlicher Zuruf, kein Äbschiedözeichen grüßte die verhaßten Bedrücker, und die Damen sahen unbeweglich und mit verächtlichem Lächeln auf die rechts und links umher kokettirenden Offiziere hinab. Das Volk herhielt sich durchaus still. Der Kaiser trat nicht aus Fenster: doch konnte er sich nicht v^agen, hinter der Gardine hervor, de» letzten Blick auf die Truppen seines treulosen Verbündeten zu werfen. Die Citadelle wurde erst am ander« Tage geräumt, damit die Besatzrtng Zeit hatte, vierzig dort stehende Kanonen unbrauchbar zu machen, und die Munition in's Master zu werfen. Sechs gezogene Geschütze und viertausend Granaten wurden sorgfältig begraben, damit die Liberale» sie sinken sollten; allein es wurde »errathen, und sie kamen in unsere Hände. Daß Marschall Bazaine dem General Porsiirio Dia; anbot, ihm die Stadt Mexiko zu überliefern kann ich in so weit bestätigen, als es mir von dem General selbst im November 1867 mitgetheilt wurde. Porfirio Diaz hatte das ehrlose Unternehmen abgelehnt, iude« er sagte, er hoffe die Stadt wohl selbst nehmen zu tönnen." (Fortsetzung folgt.) Die Erdbeben in Süd-Amerika. Die Bewohner der Westküste von Südamerika haben endlich die Beruhigung, glauben zu dürfen, daß die Erschütterungszeit nach mehr als andcrthalbnionatlichcr Das« *) Er uud der französische Geschäftsträger Dano benützten die gute Gelegenheit, um sehr reiche Mexikanerinnen zu heirathen. Um sich die Mitgift für alle Fälle gehörig zu sicher», trugen sie Sorge, ihre Gattiuen aus liberalen Familien zu wählen. vorüber ist, und daß sie, früheren Beobachtungen vertrauend, nun einer längeren Reihe von Zähren entgegensehen können, in welchen der Boden fester stehen wird unter ihren Füßen, und, was wichtiger ist, unter ihren Häusern. Der dreizehnte August brachte allerdings den ersten heftigen Stoß ; doch war die Erde schon im Anfange jenes Monats in bemerkbarer Erregung; die letzten Schwankungen verspürte man am 21. September, feit welchem Tage Ruhe eingetreten ist. Wenigstens in Petu; von Chili gilt auch die obige Bemerkung, daß das Vertrauen zurückgekehrt sei, nicht ganz, indem man in diesem Staate, welcher im August fast ganz verschont blieb, nach den letzten Berichten die Vorzeichen eines Erdbebens wahrzunehmen glaubte. Hoffentlich täuscht man sich. Von den August-Ereignissen erzählt ein Brief des Herrn Vicrau aus Lima, den Professor Dove der Ocffentlichkeit übergeben hat. Die große Mehrzahl der in demselben berichteten Thatsachen sind unseren Lesern längst bekannte Dinge. Als neu heben wir hervor, daß, während die gewaltigste Erschütterung in Peru am 13ten, in Ecuador aui löten und 16ten stattfand, das westliche Bolivien am 19. August, einem Tage, der in Peru ziemlich ruhig vorüberging, einen heftigen Stoß erlitt. Die Stadt Cosavilla ward gänzlich zerstört, eben so das Städtchen Curaguara de Carangas, südlich vom Titicaca-See. — Auch wird von Bergstürzen erzählt. Erwühnenswcrth ist eine Beobachtung an den Küsten Pcru's: „Dös nordamerikanische Kriegs - Dampfschiff „Powhatan" brachte am 27. August die NaMlcht, daß die Tiefe des Meeresgrundes in Folge des Erdbebens Vom 13ren an sämmtlichen jetzt gemessenen Stellen ganz bedeutend abgenommen habe; auf der Höhe von Sama fand mau durchschnittlich nur 6 — 7 Faden, wo stets 30 bis 40 Faden Tiefe gewesen waren. Weitere Messungen und deren Resultate an anderen Orten dieser Küste des Stillen Oceans sind noch abzuwarten, es sollen mit Nächstem von der Regierung von Peru zwei Commissionen entsandt werden, die eine zur Untersuchung der durch die Erdbeben vom 13. August bis 4. September hervorgebrachten Umgestaltungen auf dem Lande und besonders im Innern von Peru und Bolivia, und die andere zur Bestimmung etwa weiterer Veränderungen des Mecrgrundes längs der ecuadorischen, peruanischen und chilenischen Küsten." Nach amtlichen Berichten, welche am 26. August aus verschiedenen Theilen der ecuadorischen Provinz Jmbaburu nach Quito gesandt worden sind, waren die Cantonc Otavalo, Cotacachi und Zbarra wie von der Oberfläche verschwunden; vom Canton Zbarra existirt nur noch ein Kirchdorf, Pimam- piro, in der östlichen Cordillcre. Die Verwüstungen reichen bis an die Grenze von Neugranada, westlich vom Berge Cotacachi bis zu dem Orte Sau Lorenzo de Palacara, östlich bis Sau Pablo, welche in Ruinen liegt. Man glaubt, mit Sicherheit annehmen zu können, daß diese große Katastrophe von einem der niedrigsten Seitenkrater des großen Catacachi (auch Muyusurco genannt) ausgegangen sei; dieser Schlund ist in der Hacicnda von Ocampo gelegen. Der ganze Rest der Bewohner von Zbarra, die sich haben retten können, liegt in Caranqui in jämmerlichem Zustande, obschon Zbarra nicht so viel gelitten hat, als die Cantone von Otavalo und Cotacachi. Viele große patiicische Familien sind gänzlich ausgestorben, wir haben keinen Begriff, wie hoch sich die Anzahl der Todten versteigt. Der ganze Weg zwischen Otavalo und Zbarra ist mit Ruinen und Leichen besäet, außerordentlich viele Nisse des Erdreichs und große Strecken des Landes sind tief eingesunken, aber weit mehr noch, als hier, ist dies der Fall längs des westlichen Gebirgs- zuges von Majanda bis Sän Lorenzo; unterhalb der Abhänge des Cuicocha, außer ungeheuren Massen des herabgestürzten Geröllcs, befinden sich neue große Niste und Spalten, auch die alten haben sich erweitert. Die Wege sind völlig ungangbar Schreckliche Lawinen von Felsen und Geröllen sind von der Höhe des Cotacachi herabgckommen. Aus dem Berge Jmbaburu brach eine Art Strom hervor, aus lauter Schlamm bestehend, welcher sämmtliche Felder mit Morast überschwemmt hat, fast alles Vieh ist dort umgekommen; später folgte noch eine Ucberschwemmung Seitens des Flusses, welche bis heute fortschreitet. Zu Ocampo ergoß sich eine Masse bituminösen Schlammes. AuS den 373 Ortschaften Cotacachi (am Flusse des gleichnamigen Berges), Nrcuque, Tumbabiro, Sa- linas (wo die Salzwcrkc zu Grunde gegangen sind) u. s. w. haben sich nur wenige Personen retten können, man schätzt die Zahl der Todten hier auf 5000; die voy so .vielen Leichen ausgehauchten MiaSmen verpesten die Luft weithin, und befürchtet man in Folge besten gefährliche Krankheiten. Äm Mittelpunkte der Stadt Otavalo (wo bei dem Erdbeben gerade Messe war) sind etwa 7000 Leichen aüsgcgraben worden. Der Cotacachi oder Muyusurco hat einen kleinen Ausbruch gehabt, und zwar aus einem der unteren Scitenkratcr an seinem Fuße bei Otavalo, auch ist er oben an der N.-W.-Scite aufgcborsten und entsendete eine enorme Masse von Erde, Schlamm, Erdpech nach der Seite von Pinna zu. An seinem Ostabhange sind ungeheure Spalten und Gerölle. — In Nachrichten von-Neugranada und Panama findet sich von Erdbeben keine Spur. — Der englische Geschäftsträger in Lima berichtet über die vom Erdbeben betroffenen Orte Peru's: „An Lebensrnitteln ist in Arcguipa, Jslay, Arica und anderen Orten nunmehr . Ueberfluß, und Hanplbedürsniß ist jetzt Segeltuch zu Zelten und Holz zum Baue solider Wohnstätten vor Einbruch der Regenzeit. In Arcguipa kehren die Einwohner allmälig aus ihren Zelten zur Stadt zurück und gedenken dieselbe wieder aufzubauen. Doch dieses Unternehmen wird Angesichts der elenden Lage, in welcher die Familien sich jetzt sämmtlich befinden, für den Augenblick sehr schwierig, wenn nicht ganz unmöglich sein. Ucbcrdieß dürfte der Wiederaufbau Arequipa's ein ganzes Jckhrhnndcrt in Anspruch nehmen und einige vierzig Millionen Dollars kosten. Die Stöße hatten daselbst noch nicht gänzlich aufgehört; noch am Listen wurden deren drei, und zwar sehr heftige, verspürt. Daher sind auch Viele gesonnen, nicht nach der Stadt zurückzukehren, und haben sich bereits 7 bis 8000 Leute an die Küste oder in's Innere des Landes begeben — Ayacucho wurde gleichfalls von einem Erdbeben heimgesucht, doch ist der daselbst angerichtete Schaden im Vergleiche nur unbedeutend. In Arica war man mit Wegräumen der Trümmerhaufen in den am besten erhaltenen Straßen beschäftigt, und ein Theil der Bemannung der dort vor Anker liegenden drei Kriegsschiffe (ein englisches, ein amerikanisches und ein peruanisches) ging den Bewohnern bei dieser Arbeit zur Hand. Den Beobachtungen des Capitäns eines chilenischen Kriegsschiffe- zufolge war bei der Insel Juan Fernandcz (300 Meilen westlich von Valparaiso) um dieselbe Zeit die See ungewöhnlich bewegt, und wurde ein starkes unterseeisches Getöse gehört. Zm Ganzen genommen sind Handel und Industrie durch diese Unglücksfälle stark geschädigt worden, und es wird eine geraume Zeit verstreichen, ehe Südperu sich von diesem Schlage, der Eliigebornc und Fremde so hart getroffen, erholt haben wird.* Duell - Geschichten. Die einzige etwas stichhaltige Entschuldigung des Duells ist die, daß sie eine Schranke gegen die Rohheit sei. Wir selbst müssen dem Freiherr» von Bibra Recht geben, wenn er in einem seiner Romane sagt, daß die Lage eines gebildeten Mannes, der sich gemeinen und händelsüchtigen Menschen, die doch keine Genugthuung gäben, gegenüber befinde, eine schauderhafte sei; man sei in solchen Fällen vollkommen schutzlos. Doch ist die Schranke des Duells keine ausreichende. Man wird durch sie nicht gegen diejenige Rohheit geschützt, welche Genugthuung gibt und sogar auf Duelle ausgeht. Die Raufbolde vom Handwerk sind immer rohe Menschen und werden durch die Feigheit, die in allen steckt, besonders gefährlich. Sie suchen sich stets die schwächsten Gegner aus, um ohne alle Gefahr für sie selbst in den Ruf der Tapferkeit zu kommen. Sie sind ihres Ziel- auf dreißig Schritte sicher und schießen mit tödtlichem Erfolge zuerst, so daß sie nicht einmal zufällig getroffen werden können. In den Tagen Peter's des Großen kam das Duell in Rußland stark aus der Mode, weil jener Monarch eine Verordnung erließ, welche Leben mit dem Galgcu be- 374 drohte, der einen Anderen herausfordere, gleichviel ob da» Zusammentreffen stattfinde oder ' Nicht. General Saß und Fürst Dolgorucki fanden nichts desto weniger ein Mittel, ihre verwundete Ehre herzustellen. „Wir dürfen uns nicht schlagen, Fürst," sagte der General, „aber wir wollen uns auf jene Brüstung stellen, gegen die der Feind sein Feuer richtet, «nd dort so lange stehen bleiben, bis einer von uns getroffen wird." Diese scharfsinnige Auskunft wurde angenommen, und Beide begaben sich an die bezeichnete Stelle. Im -i Angesicht ihrer und der schwedischen Armee standen sie aufrecht da, mit einer Hand auf ! der Hüfte, und blickten sich wüthend an, bis der Fürst von einer Kanonenkugel in zwei j Stücke zerrissen wurde. Dieses Verfahren war wenigstens ehrlich, und ehrlich war auch der Apotheker, welcher seinem Gegner vorschlug, sich auf Pillen zu duelliren; einer mußte sterben, denn die eine Pille war vergiftet. Unehrlich war der Barbier, der sich mit einem Krämer auf Rasirmesser schlug und natürlich siegte. Er war ebenso im Vortheil, wi» der geübte Schütze über den Neuling. Es läßt sich nicht leugnen, daß Duelle zuweilen, wenn auch unabsichtlich, wohlthätige Folgen haben. In einem Duell bei Paris zwischen zwei unerfahrenen Personen wurde nach den beiden gleichzeitigen Schüssen ein lauter Schrei gehört. Die Duellanten waren unverletzt, aber einer hatte einen Wucherer erschossen, der auf der Straße vorüberging. In dem berühmten Duell zwischen Picrrot und Ärlequin feuerten Beide zugleich . und Jeder tödtcte den Sekundanten seines Gegners. Die Idee war vortrefflich, denn in > neun Fällen unter zehn sind cS die Sekundanten, welche die Duelle verursachen oder sie wenigstens nicht nachdrücklich zu verhindern suchen. Ein Herr, der mehr als einmal einer > Pistolcnmündung auf zwanzig Schritte gegenüber gestanden hatte, sagte: „Wenn die Sekundanten nur halb so dagegen wären, daß ihre Freunde auf einander schießen, als diese Freunde selbst sind, so hätten wir nicht viele Duelle, und wenn sie nur halb so dagegen wären, ihre Freunde fechten zu sehen, als selbst zu fechten, — dann hätten wir noch j weniger Duelle. ! In alten Zeiten würde dieseb Spott ein unverdienter gewesen sein, denn damals war es ganz gewöhnlich, daß auch die Sekundanten sich schlugen, so daß jedes Duell > ein Kampf zu Vieren war. Dadurch erklärt sich die folgende Anekdote. Ein Edelmann, j der eine Herausforderung erhalten hatte, bat einen Freund, sein Sekundant zu sein. — „Mein Theuerster," antwortete der Letztere, „ich habe in voriger Nacht fünfzehnhundert Guincen gewonnen und würd« heute Morgen beim Kampfe eine traurige Figur spielen. Wenn Sie aber zu dem Herrn gehen wollen, dem ich sie abgenommen habe und der nicht einen Pfennig mehr besitzt, so zweifle ich nicht, daß er sich wie eine wilde Katze schlagen wird." Zuweilen waren die Bedingungen so, daß Sekundanten unmöglich wurden. So wurden einmal zwei französische Edelleute in eine Miethskutsche gesetzt und ihre linken Hände zusammengebunden. Jeder hatte in der rechten Hand einen Dolch, und konnte beliebigen Gebrauch davon machen, während der Wagen zweimal um den Platz fuhr. Auch in dem Falle, wo zwei Engländer in ein Oxhoft krochen und sich mit Messern bearbeiteten, würden sich wohl keine Sekundanten gefunden haben, welche mit von der Gesellschaft gewesen wären. Im Allgemeinen war es aber höchst gefährlich, ohne Sekundanten zu kämpfen, weil den Ueberlebcndcn der Verdacht traf, schlechtes Spiel gespielt zu haben. Major Campbell wurde gehängt, weil er den Hauptmann Boyd von demselben Regiment in einem Zimmer neben dem Eßsaal erschossen hatte. Beide Pistolen waren abgefeuert worden, aber man hatte Boyd vor seinem Tode sagen hören: „Campbell, Sie überstürzten die Sache. Sie wissen, daß ich warten und Freunde zuziehen wollte." Diese Worte waren Campbell's Todesurthcil. In Frankreich und Nordamerika sind Duelle noch am häufigsten. Die französischen Journalisten werden wegen ihrer Aeußerungen häufig zur Rechenschaft gezogen, und Namentlich in der letzten Zeit sind eine Menge Duelle daraus hervorgegangen. I» Amerika haben die Duelle fast immer einen schlimmen AuSgang. Mag nun das Duel- liren für aristokratisch oder republikanisch gelten, genug, rS steht in großer Gunst. Vergebens haben einige Staaten, um der Unsitte ein Ende zu machen, festgestellt, daß der Neberlcbcnde in allen Fällen die Schulden seines Opfers bezahlen muß. Die Duellanten gehen über die Grenze und schlagen sich in einem andern Staate. Eines der wildeste» Duelle kam vor etwa dreißig Jahren in der Nähe von Philadelphia zwischen Dr. Smith und vr. JeffrieS vor. Die Entfernung betrug blo» acht Schritt, aber die ersten Schaffe sielen, ohne daß eine Verwundung vorkam. Die Sekundanten bemühten sich nun um eine Versöhnung, allein ohne Erfolg, da JeffrieS erklärte, daß nur einer von thue» lebend die Stelle verlassen dürfe. Man übergab ihnen die Pistolen zum zweiten Male, «nd als jetzt gefeuert wurde, zerschmetterte eine Kugel Smith's rechten Arm. Es entstand dadurch kein langer Aufenthalt, denn kaum war der Verwundete aus seiner Ohnmacht erwacht, so erklärte er, da er den Arm verlieren müsse, so wolle er lieber sterben. — Die Pistolen wurden zum dritten Mal geladen, und Smith nahm seine Waffe in die linke Hand. Bei diesem Kugclwcchsel wurde JeffrieS durch den Schenkel geschaffen und verlvr so viel Blut, daß er in Ohnmacht siel. Man mußte eine Pause von mehrere» Minuten machen, bi« er wieder zu sich kam, und nun verlangten Beide, daß die Entfernung verkürzt werde. Zum vierten Male stellten sie sich mit Blut bedeckt, in einer Entfernung von sechs Fuß auf. Sie schössen gleichzeitig u»d stürzten Beide zu Bodcu. Smith war auf der Stelle todt, denn die Kugel war ihm durch'- Herz gegangen. — JeffrieS war durch die Brust geschaffen und lebte noch vier Stunden. Noch vor hundert Jahren schützte nicht einmal da» geistliche Kleid. Bäte, Herausgeber der Morning-Post, machte seinem Titel eine- Mitglieds der streitenden Kirche Ehre, denn er schlug sich zwei Mal auf Degen und Pistole». Der Feldprcdigcr Hill wurde von einem Obersten erschaffen. In jener Zeit erschienen Handbücher für Duellanten, welche guten Rath gaben. „Die beste Zeit," sagt eines derselben, .ist die Morgenstunde und zwar im Sommer die sechste, im Herbst und Frühling die siebente, im Winter die achte. Ein vcrhcirathcter Mann wird eine späte Stunde wählen muffen, um seiner Fra» »nd seinen Kindern keine Unruhe zu machen. Wenn Jemand raucht, so soll er die Cigarre nicht ausgehen lasten Wird er verwundet, so muß er ruhig bleiben, und stirbt er, so soll er mit so viel Anstand als möglich Abschied nehmen." Diese Regeln beobachtete ein berühmter Duellant, al» er tödtlich verwundet wurde und beim Niederstürze» blas sagte: „Ich kann nicht begreifen, daß ich ihn nicht getroffen habe." Zum Schluß unserer Geschichten noch eine Anekdote. Ein berühmter Mathematiker- iu Cambridge hörte, daß einer seiner Schüler sich schießen walle, und ließ den junge» Mann kommen. .Wcßhalb wollen Sie sich schlagen?" fragte der Mathematiker. „Weit rr gesagt hat, daß ich gelogen habe," antwortete der Student. .Sehr schön, dann lassen Sie ihn i< beweisen. Beweist er e», dann haben Sie gelogen, beweist er e» nicht, dann lügt er. Wcßhalb wollen Sie einander todtschicßen? Laste» Sie ihn e< beweise». — tzuuä «rat lj«.-n>o„ztr>in Luft geflogen und in's Wasser zurückgefallen sei; wie ihm eine stürzende Schiffsplanke ! das Bein zerschmetterte, er aber trotzdem noch sechs Stunden umherschwamm, bis er von s einem französischen Schiff aufgenommen und dort amputirt worden sei. Solcher Erleb- > nisse wußte er viele zu berichten; auch bei dem Kampfe und der Vernichtung des französischen Kriegsschiffes „Vengeur" war er dabei. Trotz seiner hundert Jahre war der Alte noch sehr rüstig; er würde ohne Brille gelesen haben, wenn er überhaupt des Lesens ! kuudig gewesen wäre, er hatte alle seine Zähne noch und trotz seiner ruhmvollen Wun- ^ den marschirte er ohne Stock seine zwei Stunden täglich zu Fuß mit dem Stelzbein und > trank seine sechs Putten Ale und einen halben Liter Gin. Nun ist kürzlich der alte s Thomas Culliforth gestorben. Als man seine Papiere untersuchte, um vielleicht Material für die englische Geschichte zu entdecken, ergab sich etwas ganz Seltsames. Thomas i Culliforth war erst 67 Jahre alt gewesen; er ließ sich feiern und pflegen, aß Backwerk, ' trank 'Ale und rauchte unrer dem Namen seines Großvaters, dessen hiuterlaffeue Papiere ! er sich angeeignet hatte. O ihr guten Engländer! ! , _^ ' ) Das deutsche Element ist in verschiedenen Staaten der „Nordamerikanischen ! Union" in beträchtlichem Fortschreiten begriffen. So wird uns aus West-Wisconsin i geschrieben, dort finde eine solche Verdrängung der englischen Bevölkerung durch die ! deutsche statt, daß in amerikanischen Zeitungen verlangt werde, man solle deutsche Geist- ! liche dahin schicken, um die Kirchen zu benutzen, die von den aussterbcndcn englischen i Gemeinden gebaut wurden. Bei dem überhand nehmenden Wegziehen der englischen Bewohner würden diese Kirchen voraussichtlich nicht mehr anders benutzt werden können, als zu deutschem Gottesdienst. Ebenso bcachtcnswerth ist auch das Uebergcwccht, welches die römisch-katholische Kirche allmählig in den Vereinigten Staaten gewinnt., Sie bildet dort bereits die bei Weitem zahlreichste unter den Kirchen. In New-Nopk ^ Zg katho- > lische Kirchen, in St. Louis 30; in Cincinnati gab es vor 30 Jahren eine katholische ! Kirche, jetzt zählt man deren 21, für deren Aufbau 3 Millionen Dollars verwendet wurden, für die dazu gehörigen Klöster, Gchulen und Hospitäler l'/^ Million, Golum- ! bus, die Hauptstadt von Ohio, hatte vor 20 Jahren nur eine katholische Kirche, die sehr ^ arm war. Jetzt sind drei Pfarrkirchen da, eine prachtvolle Kathedrale wird erbaut, zwei s Klöster und ein großartiges Hospital, drei Schulen mit über 900 Schülern sind errichtet. ! Es gibt überhaupt in der Union keine einigermaßen bedeutende.Stadt mehr, in welcher ! nicht einige katholische Kirchen oder Kapellen sich befinden. ^ Frage: Warum hat der Perlachthürmer grüne Vorhänge vor den Fenstern? Antwort: 'invhffuirmh bunuhogx zuuj m guvmsizg mhi zimvE Dr»«, «erla» »»» «idoltt»» de« Mer-rüche» Jnsttt»!« »»» vr. M. Huttier.