Nr. 40 13. Decbr. 1868. Augsburger Soilnta Sckwelgen ist der sicherste Herold des Glücks. Derjenige fühlt sich nicht vollkommen glücklich, der sagen kann, wie sehr er es sei. Maximilian s Ende. (Fragmente aus dem Tagebnche der Prinzessin AgueS ,u Salm-Salm.) (Fortsetzung.) m. Am nächsten Tage war Charfreitag, 19. April, und kein Wagen, kein Pferd oder Maulthier durfte auf der Straße von Mexiko erscheinen. Da es jedoch dringend nöthig war, die Meinung von Baron Magnus und den Obersten einzuholen, so machte ich mich zu Fuß auf den Weg, was in der großen Sonnenhitze eine höchst anstrengende Tour war. Ich ging zuerst zu Baron Magnus und dann zu den Obersten, die mir sagte», daß sie sich auf die Anerbietungen des feindlichen Generals nicht einlassen könnten, ehe sie nicht den Willen des Kaisers vernommen hätten. Ich schlug dann vor, daß ich auf meine eigene Verantwortlichkeit nach Qncretaro gehen wolle; aber dem widersetzte sich Baron Magnus, der überhaupt nicht wollte, daß ich Mexiko nochmals verließ, und mich zu bewegen suchte, wenigstens einige Tage zu bleiben, während welcher vielleicht sichere Nachrichten von Qncretaro kommen würden. Da ich Porferio Diaz versprochen hatte, baldigst zurückzukehren, so fügte ich mich nur ungern der Ansicht des Barons. Derselbe schien zu besorgen, daß General Mcirquez von meinen Schritten Nachricht erhalten habe und mich auf dem Rückwege arrctiren tasten möchte. Als ich im Lager der Liberalen war, hatte mir Oberst Leon gesagt, daß er eine Anzahl fremder, kaiserlicher Gefangener unter seiner Obhut habe, welche bei San Lorenzo gefangen waren, und denen es an Allem fehlte und die sich in der traurigsten Lage befänden. Er sagte, wenn ich für diese Gefangenen in Mexiko etwas thun könne, so wollte er gerne gestatten, daß ich ihnen Kleidungsstücke und Geld überliefere. Ich sprach daher darüber mit Baron Magnus und den Obersten und wir sammelten unter uns hundert Dollars, die mir eingehändigt wurden. Es litt mich nicht länger in Mexiko und am 24. ging ich wieder zu Baron MagnuS und sagte ihm, daß ich nach Tacubaya gehen und Vorbereitungen zu meiner Reise nach Querctaro machen wolle, für welche ich mir seine Instruktionen erbat. Am Morgen des 25. sandte mir der Gesandte seine Equipage und ich fuhr nach der Garita Von hier ging ich nach der Casa Colorado, wo ich Oberst Leon sah, dem ich sagte, daß ich einiges Geld für die Gefangenen mitgebracht habe. Er brachte mich selbst nach dem Schloß von Chapultepec und ließ die Gefangenen rufen. Sie waren, ein Hauptmann, Rudolf Spornbcrger, und einige Korpora e und Gemeine, zusammen fünfzehn Mann. Sie hatten in der That nur nothdürftige Lumpen auf dem Körper und befanden sich in der allertraurigsten Lage. Ich gab dem Hauptmann fünfundzwanzig Dollars und jedem der übrigen Gefangenen fünf, über welche sie Jeder einzeln auf meiner Liste quittirten, die noch in meinem Besitze ist, zum Beweis, daß ich meinen Auftrag nicht vergessen habe. Von dort ging ich nach Tacubaya. Gleich bei meiner Ankunft bemerkte ich an der Art der liberalen Offiziere gegen mich, daß irgend Etwas nicht war, wie es sein sollte und als ich zu Hube's kam, fand ich sie alle in Thränen und in großer Angst. Ich weiß nicht genau, was während meiner Abwesenheit vorgefallen war; allein am 24. April erließ Porferio Diaz eine Ordre, in welcher gesagt wurde, daß alle Personen, die unter dem Vorwande von Unterhandlungen von Mexiko kommen würden, erschossen werden sollten, und da ich in dieser Lage war, so sahen mich Hube's bereits in meinem Sarge. Ich wollte augenblicklich zum General gehen, um meine lange Abwesenheit zu entschuldigen; allein Frau Hübe wollte mich nicht gehen lasten und hielt mich mehrere Stunden zurück. Es hielt darauf vor der Thüre ein vierspänniger Wagen und es erschien ein Offizier, der mir ankündigte, daß er den Befehl habe, mich augenblicklich in das Hauptquartier zu bringen. Der Jammer bei Hube's war groß; allein ich hatte Folge zu leisten und nachdem ich einige nothdürftige Kleidungsstücke zusammengepackt hatte, stieg ich mit Margaretha und Jmmy in den Wagen. Als ich beim Hauptquartier angekommen war, theilte mir ein Adjutant des Generals mit, daß ich augenblicklich Mexiko verlassen müsse. Er gab mir einen Paß und ersuchte mich, einen Hafen zu nennen, von welchem ich absegeln wolle und wohin ich durch eine Eskorte gebracht werden sollte Dieses ganze Arrangement paßte mir durchaus nicht und ich beschloß, daß nichts daraus werden sollte. Ich verlangte daher, den General Porferio Diaz zu sehen, da irgend ein Mißverständniß obwalten müsse, welches ich aufklären wolle. Der General wollte mich jctoch uicht sehen, und der Adjutant bestand darauf, daß ich abreisen solle. Ich erklärte ihm jedoch auf das Bestimmteste, daß ich freiwillig nicht gehen würde. Sie möchten mich in Fesseln legen oder erschießen, aber sie sollten mich nicht dazu bringen, das Land zu verlassen. Meine Entschlossenheit setzte sie in große Verlegenheit und sie wußten nicht, was sie machen sollten, denn ich blieb von 6 Uhr Nachmittags bis 12 Uhr Nachts im Hauptquartier und ging nicht von der Stelle. Endlich ließ ich es mir gefallen, daß man mich in einem Privathause bei einer mexikanischen Familie unterbrachte, die mich sehr freundlich behandelte; allein man stellte mir eine Wache vor die Thüre. Am 26. April Morgens kam wieder meine vierspännige Equipage vorgefahren und der Offizier, der mich cskortiren sollte, bestand auf meiner Abreise. Ich bewegte mich indessen nicht von der Stelle, und sandte General Porferio Diaz meine Empfehlung mit der Bitte, mich nach Querctaro gehen zu lassen; ich erhielt indessen eine abschlägige Antwort und blieb entschlossen wo ich war. Am Nachmittag kam Frau Hübe, brachte mir einige Kleider, und mit ihr kam General Baz, welcher von Querctaro zurückkehrte und der ein großer Freund der Hubc'schen Familie war. General Baz war ein ziemlich wohlbeleibter Herr mit einem angenehmen, wohlgenährten Gesicht, hellen, braunen Augen, schwarzem, lockigem Haar und hellerem Schnurr- bart und Kinnbart. Er war in seinen Manieren sehr elegant und gewandt und machte mir mehr den Eindruck eines Franzosen als Mexikaners. Er war viel in Europa gereist und außerordentlich liebenswürdig und angenehm, mit einer gewissen Würde in seinem Wesen. Trotzdem, daß er durch und durch Liberaler war, genoß er doch die Achtung und Liebe beider Parteien. Der General war sogleich bereit, zu Porferio Diaz zu gehen und sich zu erkundigen, was eigentlich der Grund seiner großen Strenge gegen mich sei. Wir erfuhren denn auch bald den Zusammenhang. Porferio sagte, ich hätte mein Wort gebrochen und versucht, seine Offiziere durch Geld und schöne Worte zu bestechen, welches ein großes Verbrechen sei. Ich sei eine zu gefährliche Person, als daß mau mich in Mexiko lassen könne. General Baz brachte indessen die Angelegenheit in Ordnung und rang Porferio Diaz die Erlaubniß für mich ab, nach Qucretaro gehen zu dürfen, doch wollte er mir keine Eskorte geben. Escobedo möge thun, was ihm gefiele, er möge mir erlauben, nach Quere- taro hineinzugehen, oder mich weiter senden. General Baz, der wirklich außerordentlich gütig war, that Alles, was nur immer möglich war, mir den Weg nach Qucretaro zu ebnen. Er gab mir nicht weniger als sieben und dreißig Empfehlungsbriefe an Hacienda-Befitzer, Postmeister, Gastwirthc und Offiziere. Herr Smith, ein Kaufmann und Direktor oder Obcraufseher der Eisenbahn, gab mir vier sehr gute Maulthiere und seinen Kutscher und dazu bekam ich noch eine sehr auffallend hellgelbe Kutsche, die wahrscheinlich schon seit der Eroberung als Fiacer in Tacubaya gedient hatte. Die Straße zwischen Mexiko und Qucretaro ist durch Räuber sehr unsicher gemacht und die vier Tage dauernde Reise eine ziemlich gefährliche. Mein gutes Glück ließ mich indessen nicht im Stich. Es war da ein Herr von der liberalen Partei, Herr Parra, der drei Tage gereist war, um Porferio zu sprechen, ohne daß er seine Absicht erreiche» konnte, und der nach Hause zurückkehren wollte. Er erbot sich, mich zu eskortiren, was ich um so lieber annahm, als er einen bewaffneten Diener zu Pferde bei sich hatte und auch einen Kutscher. Porferio hatte nichts dagcgegen einzuwenden, daß mich der Herr begleitete. Unter vielen Thränen nahm ich von Hubes Abschied und trat am 27. April meine Reise an. Margaretha und Jmmy begleiteten mich natürlich und auch mein kleiner, sieben- schüssiger Revolver, den ich stets bei mir trug. Die Empfehlungsbriefe, welche mir General Baz so freundlich gegeben hatte, waren von dem allerhöchsten Werth. Ich wurde überall mit der größten Freundlichkeit und Gastfreiheit empfangen und mit einer "tchiung und Aufmerksamkeit behandelt, als sei ich eine Königin. Für mich, meine Begleiter, Diener und Maulthiere wurde überall auf das Sorgfältigste gesorgt und Bezahlung wollte man nirgends annehmen, was unter den obwaltenden Umständen gar nicht unangenehm war, da ich nur drei Unzen in der Tasche hatte. Eines Morgens auf dieser Reise verließen wir Sän Francisco vor Sonnenaufgang. Nachdem wir eine kleine Strecke gefahren waren und die Sonne eben aufging, sah ich rechts am Wege einen Gegenstand an einem Baum, den die Strahlen der Sonne voll beleuchteten. Ich steckte den Kopf aus dem Wagen, um zu sehen, was eS sei und erkannte zu meinem Entsetzen einen liberalen Offizier in Uniform, mit Reitstiefeln an den Füßen und einer schwarzen Kappe über Kopf und Gesicht. Das Blut lief von dem Körper an die Erde hinunter, was bewies, daß er seinen Tod nicht allein durch Hängen gefunden hatte. Als ich mit Abscheu und Entsetzen meinen Kopf zurückzog und schnell zu der andern Seite des Wagens hinaussah, erblickte ich dort ebenfalls einen Baum, an dem ein anderer liberaler Offizier hing, dessen Anblick noch abschreckender war. Wie ich erfuhr, waren diese ein Oberstlieutenant und ein Major, welche ein Verbrechen gegen ein junges Mädchen begangen hatten, und die den außer sich gerathenden Vater, als er sein Kind zu rächen versuchte, niederwarfen, ihm die Zunge ausschnitten und endlich ermordeten. Nach mexikanischer Sitte waren sie auf der Stelle erschossen worden, wo sie das Verbrechen begangen hatten und zum warnenden Beispiel hier für einige Zeit an Bäume gehängt worden. Es dauerte lange, ehe ich den Eindruck los werden konnte, den diese scheußliche Szene auf mich machte, und ich schaudre noch jetzt, wenn ich daran denke. Wir langten endlich in Queretaro an. Von der Höhe der Cncsta China konnte man die ganze Stadt übersehen; aber man wurde ebenfalls von dort gesehen und meine glänzend gelbe Equipage mit vier Maulthiereu und Eskorte entging den Kaiserlichen nicht. bie mich, wir mir später der Kaiser sagte, für Juarez gehalten hatten. Als ich den Hügel , hinunter nach der Hacienda de Hercules fuhr, die Herrn Rubio gehörte, an den ich einen Empfehlungsbrief hatte, erwartete ich stets eine Kugel aus den Batterien der Stadt zu erhalten, denn wir waren überall in Schußweite. Das Hauptquartier des Generals Escobedo war auf der anderen, der Nordseite des Rio blanco, am Abhänge des Hügels La Cantera. Da ich Briefe an ihn abzugeben hatte und auch wissen wollte, woran ich war, so kleidete ich mich sogleich um und ritt f hinüber. Ein Pferd war leicht zu haben- allein ein Damensattel war nirgends aufzu» treiben, und so hatte ich als solchen einen gewöhnlichen, hölzernen mexikanischen Sattel zu reiten, was keineswegs angenehm war und auch feine Schwierigkeiten hatte. Der Herr, der mich von Mexiko begleitet hatte, war mir schon vorausgeeilt und meine Ankunft angemeldet. Als ich bei demselben ankam und General Escobedo meine Karte hineinschickte, trat aus einer Gruppe von dort versammelten Offizieren ein blonder Kapitän hervor, der mich als alte Bekannte aus den Vereinigten Staaten begrüßte, dessen ich mich aber nicht erinnerte. Es war ein Hauptmann Enkling, welcher Artillerie-Lieutenant in General Blcnker's Division gewesen war, und der einst, als ich dessen Lager besuchte, als Eskorte gedient haben wollte. Dieser junge Mensch hatte sich, wie ich später hörte, gerühmt, daß er mich sehr genau kenne, während ich mich nicht einmal seines Gesichtes erinnern konnte. Er benahm sich auch später in der verächtlichsten Weise und schien sowohl bei seinen Kameraden als bei seinem General in sehr geringer Achtung zu stehen, denn als er sich erbot, demselben als Dolmetsch zu dienen, lehnte es derselbe ziemlich kühl ab, und ließ zu diesem Ende einen Mexikaner rufen, der englisch verstand. Herr Enking stand bei der amerikanischen I,6§ion ok konor, und als Queretaro genommen wurde, brach er mit seinen Leuten in Privatwohnungen und vergriff sich an dem Privateigenthum von Offizieren, weßhalb er von General Escobedo mehrere Tage in Arrest geschickt wurde. Bei einer späteren Gelegenheit, als ich den General ersuchte, mir einen Offizier als Begleiter mitzugeben, ließ er diesen Hauptmann Enking holen, dessen Bemerkungen in Bezug auf mich mir mitgetheilt waren. Ich wies diese Begleitung mit Entrüstung zurück und drückte mein Erstaunen aus, daß der General mir die Gesellschaft eines solchen Menschen, den er als einen Schurken kenne, zumuthe. Hauptmann Enking zog sich sehr verwirrt zurück, und Escobedo entschuldigte sich. Er schien eine besondere Absicht gehabt zu haben, diesen Herrn mir gegenüberzustellen und zu erwarten, daß ich ihn refüsiren würde. General Escobedo empfing mich in einem sehr kleinen, ganz außerordintlich elenden Zelt, welches überall mit Stöcken gestützt und aus Brettern und Leinwand in sehr dürftiger Weise zusammengeflickt war. Es stand darin ein von rohen Bretter» zusammengeschlagener Tisch, und eine hölzerne Kiste diente als Sitz. Der General trug eine Uniform, ähnlich der von Porfcrio Diaz, nur daß etwas mehr Treffen und Knöpfe daran waren. Escobedo empfing mich sehr freundlich. Ich sagte ihm, ich hätte gehört, daß mein Mann verwundet sei, und bat ihn um Erlaubniß, in die Stadt zu gehen und ihn zu pflegen. Der General erwiderte, daß er nichts von einer Verwundung meines Mannes wisse und mir die gewünschte Erlaubniß nicht geben könne. Alles was er thun könne sei, mir einen Brief an Präsident Juarez nach^an Louis Potosi zu geben, der vielleicht meinen Wunsch erfüllen werde. Er äußerte, daß er meinen Mann sehr wohl kenne, machte mir viele Komplimente m Bezug auf ihn und sagte, derselbe sei ein außerordentlich tapferer und kühner Offizier, wie er zu seinem Schaden erfahre» habe. Er versprach, ihn freundlich zu behandeln. 397 wenn er in seine.Händc fallen sollte, und mir zu gestatten, ihn im Fall einer Verwundung zu Pflegen. Der General überließ es mir, ob ich mit der am andern Morgen nach Sän LuiS Potost abgehenden Diligence reisen, oder bis zum Abgang der nächsten bei Herrn Rubio bleiben wolle. Ich entschied mich für das erstere, da mein Bleiben vor Queretaro gar keinen Zweck hatte. Herr Parra, der mich von Mexiko begleitete, bot sich an, mich auch bis Sän Luis zu eskortiren; allein ich lehnte sein Anerbieten dankbar ab und ersuchte General Escobedo, nur einen seiner Offiziere mitzugeben, worin er freundlich willigte. Bis hieher sind wir der Prinzessin Schritt für Schritt gefolgt, und wir hoffen, dadurch die Geduld der geehrten Leser nicht ermüdet zu haben. Da wir aber unmöglich das ganze interessante Buch abdrucken können, so wollen wir jetzt von den „Fragmenten" Abschied nehmen und daraus nur noch kurz erwähnen, daß die Prinzessin, welche thatsächlich rastlos bemüht war, den unglücklichen Kaiser zu retten, sich äußerst wegwerfend über die Gesandten ausspricht. So schreibt sie wörtlich: „Die österreichische und belgische Regierung müssen am besten wissen, ob ihre Gesandten nach ihren Jnstruktioucn handelten, aber uns und selbst den Mexikanern erschien, deren Benehmen wunderbar, aber keineswegs bewunderungswürdig." Für das Folgende müssen wir aber der Prinzessin die volle Verantwortung überlassen. Sie erzählt nämlich, daß General Escobedo, welcher bekanntlich in Queretaro nach der Einnahme das Kommando führte, die Gesandten „Feiglinge" nannte, welche machen sollen, daß sie fortkommen. Darauf bemerkte die Prinzessin, daß dann der Kaiser vollkommen verlassen sei. „Was können solche alte Weiber einem Manne nützen" — brach Escobedo los — «schönes Bock, diese Gesandte! Zwei von ihnen sind schon davon gelaufen und haben ihre Bagage im Stich gelassen." Diese zwei furchtsamen Repräsentanten waren natürlich, wie uns die Prinzessin versichert, der österreichische und der belgische. Alle Offiziere Escobcdo's machten sich über sie lustig, und der General selbst sagte mir später in Mexiko, „daß, wenn einer von diesen. Feiglingen ihn ersucht hätt, den Kaiser sehen und von ihm Abschied nehmen zu dürfen, er es nicht verweigert haben würde." Aber die Herren machten nicht einmal den Versuch, und Baron Lago hatte so gänzlich den Kopf verloren, daß er das Codicill zum Testament des Kaisers ununterschriebcn mitnahm! — Ich habe natürlich — fährt die Prinzessin Salm fort — nicht das allergeringste Bedenken, zu sagen, daß ich das Benehmen dieses Herrn so erbärmlich als möglich fand; sollten Sie aber, oder sonst Jemand, daran zweifeln, daß General Escobedo sich so undiplomatisch über diese Diplomaten ausdrückte, dann berufe ich mich auf den General selbst, der nicht der Mann ist, zu verleugnen, was er sagte, und auf seinen ganzen Stab, der zugegen war, namentlich auf Oberst Darin. Zum Schlüsse sei noch einer Aeußerung Erwähnung gethan, die ein grelles Streiflicht auf die mexikanischen Zustände wirft. Die Prinzessin versuchte es, um den Kaiser zu retten, auch mit der Bestechung. Leider gebot man aber über keine Baarsummcn und die Wechsel schienen den Herren Mexikanern ein unsicheres Geschäft. Als nun die Prinzessin wieder mit dem Justizministcr der Liberalen, mit Herrn Jglesia, sprach, bemerkte dieser, er wisse sehr wohl, daß sie in Queretaro manche Schufte hätten, die zu bestechen wären, und er meinte auch, daß der Fluchtplan gelungen sein würde, wenn die Prinzessin baares Geld statt Papier gehabt Hütte. Uebrigens gestand auch Herr Jglesia, daß er im Innersten seines Herzens froh gewesen wäre, wenn Kaiser Maximilian glücklich entflohen wäre, und selbst der Präsident Juarez gab nicht undeutlich zu verstehen, daß ihm die Flucht des Kaisers nicht eben sehr unangenehm gewesen wäre. — (Ueber diesen Punkt werden wir uoch Einiges nachtragen. Die Red.) (Fortsetzung folgt.) Naturgeschichte der Thräne«. Im „Ausland" finden wir folgenden interessanten Artikel, „Chambers Journal" entnommen: Das Hauptelement, der vornehmste Bestandtheil, so zu sagen, eine Thräne ist Wasser; dieses Wasser enthält bei Auflösung einige Hundertstel einer Substanz, die man Hinaus nennt und einen kleinen Theil Salz, Natron, Phosphorsauren Kalk und phosphorsaures Natron. Das Salz und das Natron sind eS, welche den Thränen jenen eigenthümlichen Geschmack geben, der ihnen bei den griechischen Dichtern das Epitheton „Salz", bei den unsrigcn das Beiwort „bitter" verschafft hat; „Salz" ist indeß der richtigere Ausdruck der beiden Bezeichnungen. Wenn eine Thräne trocknet, verdunstet das Wasser und hinterläßt eine Ablagerung salziger Bestandtheile; diese amalgamircn sich, und werden, wenn man sie durch das Mikroskop betrachtet, zu langen, gekreuzten Linien, welche wie ganz kleine Fischgräten aussehen. Die Thränen werden von einer Drüse ausgeschieden, die man die „Thränendrüse" nennt, welche über dem Augapfel und unterhalb des oberen Augenlides an der der Schläfe nächsten Seite liegt. Sechs oder sieben ungemein feine Kanäle ziehen sich von derselben entlang und unter der Oberfläche des Augenlides hin und entladen ihren Inhalt ein wenig oberhalb des zarten Knorpels, welcher das Augenlid stützt. Diese Kanäle sind es, welche die Thränen in das Auge führen. Allein Thränen fließen nicht nur in gewissen Umständen, wie man vermuthen könnte — sie fließen unaufhörlich; den ganzes Tag und die ganze Nacht (obgleich weniger reichlich während des Schlafs) rinnen sie sanft aus ihren dünnen Schleusen, und verbreiten sich glänzend über die Oberfläche der Pupille und des Augapfels, nnd geben ihnen jenes leuchtende, schmelzartige und klare Aussehen, das eines des charakteristischen Zeichen der Gesundheit ist. Die unaufhörliche Bewegung und Zusammcnzichung der Augenlider bewirken die regelmäßige Verbreitung der Thränen, und das Fließen dieser Thränen muß auf die so eben erwähnte Weise beständig erneuert werden, weil Thränen nicht nur nach wenigen Sekunden verdunsten, sondern auch durch zwei kleine Abzugsröhren, „Thränenpunkte" genannt, die in dem Winkel des Auges nahe an der Nase liegen, hinweggcführt werden. Auf diese Art fließen alle Thränen, nachdem sie die Augenlider verlassen, in die Nüstern, und wenn sich der geneigte Leser hiervon überzeugen will, so braucht er, so unpoctisch es auch seyn mag, nur auf einen Menschen zu achten, der stark weint, und er wird bemerken, daß dieser stets genöthigt ist, einen zwicfältigen Gebrauch von seinem Taschentuche zu machen. Der Nutzen der Thränen für Thiere im allgemeinen, und insbesondere für diejenigen, welche vielem Staub ausgesetzt sind, wie z. B. Vögcl, die inmitten der Winde leben, ist leicht zu verstehen; denn das Auge würde bald voller Schmutz und trüb seyn, wie eine ungereinigte Fensterscheibe, hätte nicht die Natur für diesen freundlichen imincrsiießenden Strom gesorgt, um es zu waschen und zu erfrischen. Nur ganz wenig Flüssigkeit ist nothwendig, um das Auge stets klar und rein zu erhalten; allein hier müssen wir wiederum den wundervollen Mechanismus anstaunen, welcher in dem menschlichen Körper arbeitet, denn man kann beobachten, daß, wenn in Folge irgend eines Zufalls oder einer Verletzung der Augapfel mehr Wasser braucht, um sich zu reinigen, die Natur sich sogleich zu einem reichlichem Thränenfluß wendet. So z. B. füllen sich, wenn ein Staubkörnchen oder ein Insekt in daS Auge geräth, die Augenlider sogleich mit Thränen und fließen über, und diese Thränen mildern nicht nur den Schmerz sondern führen auch deu Gegenstand, wofern er klein genug ist, die beiden bereits erwähnten kleinen Leitungen hinab und hinweg. Das nemliche geschieht, wenn entweder Rauch, oder zu lebhaftes Licht, oder zu starke Kälte nachteilig auf das Gesicht einwirken — sogleich kommen Thränen uns zu Hülfe, nnd schützen das Auge vor Schaden. WaS nun die andern Thränen betrifft — ich meine diejenigen, welche ihren Grund in moralischen, nicht in physischen Ursachen haben — so ist die über dieselben zu gebende Erläuterung eine sehr prosaische und materielle. Thränen werden veranlaßt, entweder durch das plötzliche und rasche Fließen des Blutes nach dem Kopfe oder durch Ncrvcn- Errcgung. Sie sind sehr häufig bei Frauen und Kindern, deren Nerven-Organisation weniger stark ist als die der Männer. Unter Männern weinen diejenigen von sanguinischem und nervösem Temperament am meisten. Lymphatische Naturen hingegen und Leute von biliösem oder galligem Temperament weinen überhaupt selten: die erstcrn, weil sie gemeiniglich nur wenig Empfindlichkeit haben, und die letzteren, weil sie gewöhnlich eine feste Kontrolc über ihre Gefühle besitzen. Wenn man daher einen Mann von lym- phathischbiliöscm Temperament aus Gemüthsbewegung Thränen vergießen sieht, so kann man überzeugt sein, daß die innersten Nerven seines Herzens ergriffen sind, und man muß alle Achtung haben vor einem Mann, dessen Schmerz ein so heftiger ist. Hingegen ist es gut, wenn man seine Kaltblütigkeit bewahrt vor stark erregbaren und sehr phantastischen Leuten, welche weinen; ihre Thränui sind oft echt, in der Regel aber kosten sie ihnen nur wenig Anstrengung, und bei neun Fällen unter zehn sind sie vergessen, sobald sie vergasten sind. Sehr talentvolle Schauspieler können Thränen nach Belieben dadurch hervorrufen, daß sie sich in einen gewaltigen Erregunszustand hineinarbeiten. Frl. Rachcl z. B-, die kälteste und liebloseste Dame, die je die Bühne betreten, pflegte, wenn sie all' ihre Kräfte aufbot, so leidenschaftlich zu weinen, daß sie fünfzehnhundert Zuschauer ebenfalls zum Weinen bringen konnte (Das Goldfischchen, Goldkärpfchen, oiprinus »urutus I,.) stammt aus China. Das Fischchm stirbt leicht, wenn die Behandlung nicht die richtige ist. Liebhabern dieses schönen Thicrchens dürfte es willkommen und von Jnterest: sein, die darauf bezüglichen Regeln kennen zu lernen. — Master darf nicht zu wenig sein, für ein Stück enspricht das Quantum von ein Maß Wasser, und so nach Verhältniß mehr, je nach der Zahl der Fischchen. — Das Wasser, welches filtrirt wird, (durch reinen Sand und Kohlcnstückchen) muß immer dasselbe sein, entweder Bach - oder Fluß-, oder Brunnen- Wasser. — Im Sommer wird dasselbe alle Tage gewechselt, im Winter alle zwei Tage, was nicht zu übersehen ist. — Das Glasgefäß von angemessener Größe sei tief, der Boden mit glatten Kieselsteinchen bedeckt, an welche sich die Excrcmeute setzen, und wodurch das Wasser rein erhalten wird. — Beim Wechseln des Wassers darf man die Fischchen nicht in die bloße Hand nehmen, sondern muß sie mit einem kleinen Netz herausfangcn. — Das Gefäß darf man nicht in die Sonne, sondern muß es in den Schatten stellen, da die Thierchcn Schatten lieben; auch vermeide man starke Zimmcrwärme. — Mit Brodgerbe, gcrbcstoffhaltiger Nahrung darf man sie nicht füttern, sondern mit Oblaten, kleinen Amciseneiern, kleinen Fliegen, klein gehackten Eidottcrstückchen, kleinen Stückchen von Salatblättcrn, welch' letztere ihre Licblingsspeise sind. — Aber nur alle 3 — 4 Tage reiche man Nahrung, und immer nur sehr wenig, da die Fischchen sonst an Verstopfung und Brand zu Grunde gehen. In den Monaten November, Dezember, Januar und Februar dürfen sie gar nicht gefüttert werden, was hochwichtig ist und in der Kischnatur liegt. Von Monat März an beginnt die Fütterung und dauert bis zum November, (also acht Monate), die nur eine sehr mäßige sein darf, besonders im Anfange, weil der Magen sich nur nach und nach an das Futter gewöhnt. — Wer diese Regeln befolgt, erhält das Fischchen frisch und gesund, 10—12 Jahre, so alt wird es. (Theilung der Arbeit.) Ein Dank« fiel, als von der immensen Höhe einzelner Thürme gesprochen wurde, mit der Versicherung ein: „Das ist noch gar Nichts. Bei uns zu Hause steht ein Thurm, an dessen ganzer Höhe ein einzelner Mann unmöglich hinaussehen kann. Um die Spitze zu erschauen, thun sich immer zwei zusammen, und der Zweite säugt da an, wo dem Ersten das Gesicht ausgeht." Aus England. Britische Blätter berichten vom Cop Trevose (Cornwallis) folgende- Drama: Dort erhebt sich ein halbmondförmiger, auf seinem Gipfel ganz kahler Fels, dessen Wurzel nur zur Ebbezeit zugänglich ist, ihm gegenüber eine alte Ritterburg, gen. das rothe Schloß, bewohnt von einem sehr vermögenden Alten, dessen beiden ältesten Söhne wegen ihrer Verwegenheit und Wildheit gefürchtet waren. Schon seit Langem hegte die Zollbehörde Verdacht, daß hier großartig geschmuggelt werde, allein sie konnte nicht auf die Spur kommen. Ein Zollbeamter theilte diesen Verdacht einem im Schloß auf Besuch anwesenden Ingenieur mit, und diese beiden Männer besuchten nun den Halbmondfels, wobei der Jngenier mit seinem Spazierstock an die Steine klopfte, und mehrere Stellen hohlklingend fand. Abends im Schloß erzählte er ohne Arg den Vorfall, wobei der Schloßherr in großen Zorn gerieth, und unter anderm ausrief, es sei schändlich, die braven Schiffer der Umgegend verdächtigen zn Wollen, dieselben seien immer ehrliche Leute gewesen u- s. w. Der von da an nicht mehr gern gesehene Ingenieur reiste des andern Abends ab zum nächsten Bahnhof der ^Londoner Route und zwar zu Fuß und über die Felsenhöhe- Von dort sah er plötzlich ein grelles Licht uns dem Innern des Felsens strahlen. In demselben Augenblick stand aber auch Einer der vbenbezeichneten Söhne des Rothschlofses bewaffnet vor ihm, und hieß unter Todesdrohungcn ihn schwören, Niemanden etwas von diesem Vorfall zn sagen, und überhaupt diese Gegend für immer zu meiden. Der Ingenieur schwur und ging weiter. Bald darauf begegnete er dem jüngsten Sohne des Schloßherrn, dem Gegentheil seiner Brüder, einem sanften liebenswürdigen Menschen, der, unbekannt mit den Vorgängen im Schloß und auf dem Felsen, sich zum Begleiter bis an die Station anbot. Der Jngenier trug einen Paletot von ausfallend hellgelber Farbe und da der leichtgekleidete junge Mann fror, und noch einen ziemlichen Weg mach Hause hatte, hing er dieses Kleidungsstück demselben um, mit dem Auftrag, es des andern Tags nach London zu schicken. Dem Jüngling kam der unglückliche Gedanke, über den Felsen heimzukehren; kaum dort angelangt, fiel er mit zerschmettertem Schädel zu Bodcrl Sein älterer Bruder, im Wahn, den neugierigen und eidbrüchigen Ingenieur vor sich zu sehen, hatte den tödtlichen Schuß abgefeuert. Verzweiflungsvoll lief der Brudermörder uach erkanntem Irrthum zum Richter und bekannte Alles, darunter den vieljährigeu und äußerst einträglichen Schmuggelhaudel seiner Familie. Amerika. Die „Pacifischc Eisenbahn" geht mit raschenSchritten ihrer Vollendung entgegen. Das Riesenunternehmen, ein Schienengeleisc von 3060 englischen Meilen zulegen und eine Strecke fahrbar zu machen, die nicht viel geringer ist, als die Entfernung zwischen dem europäischen und dem amerikanischen Coutinent, ist mit dein Schluffe des Bürgerkriegs aus den Uranfängen heraus so weit gefördert worden, daß vor Schluß des kommenden Jahres von der einen Meeresküste bis zur andern der Verkehr vermittelt werden kann. Von den weiten Länderstreckev, die der Schienenstrang durchschneidet, ist fast die Hälfte unangebautes Wüste- Land. Omaha City, eine neue Stadt, ist der Gränzpuukt der westlichen Civilisation, und die Hauptschwicrigkeiten des Unternehmens liegen auf der Strecke von 1781 Meilen, die Ohmaha City mit Sacramento verbindet. Ohne Bewohner sind die Landstriche rechts und links von dieser Linie allerdings nicht, aber die Bevölkerung besteht aus wilden Jndianerhorden, die das Vordringen des Dampfes in ihre Jagdgründe mit Wehr und Waffen zu hindern suchen, und General Sherman, der mit Unionstruppen eine Art Bahnpolizei in der Wildniß übt, viel zu schaffen machen. Trotz ihres Widerstandes indessen ist von Omaha aus eine Strecke von 1000 Meilen fast bis an das Mormonenland fahrbar; von Sacramento aus sind weitere 400 Meilen fertig geworden, uud es wird nicht lange mehr dauern, bis die Arbeiter von hüben und drüben zusammentreffe. Druck, Verlag und Redaction dcS Litcrarischen Instituts von l)r. M. Huttlcr.