ssro. 8 21. Februar 1869 Atlgsbnrger Glücklich ist der, dessen äußere Lage mit seinem Temperament harmonirt, aber ein ganzer Mann, der selbst sein Temperament nach seiner Lage zu regeln versteht. Gerächt und gerichtet. (Schluß) Wirklich gab wenige Tage darauf der Justizrath ein glänzendes Souper, die Honoratioren der Stadt waren geladen und selbst Diejenigen, die sich noch so entrüstet über den Justizrath ausgelassen, die von Untersuchung und Cassation gesprochen und nie wieder mit dem herzlosen Manne Gemeinschaft haben wollten, sie kamen doch, die edlen Seelen, und Alle hatten dafür ihre Gründe. Die Einen wollten nicht augenblicklich brechen, die Anderen doch sehen, wie sich der alte Fuchs benehmen würde, die Dritten, um ihm das Gift des Mitleids in das Herz zu träufeln; aber wohl Alle gelockt von der angekündigten Güte und Trefflichkeit des Soupers, und wirklich ließ es, wie das ganze Arrangement, nichts zu wünschen übrig, und um seinen Gästen etwas Besonderes zu bieten, hatte es der Justizrath in seinen großen Garten verlegt, der jetzt von vielen Lampen und Lichtern erhellt, einen ungcmein belebten und reizenden Anblick bot. Ein Souper im Freien, in einer solch' weichen warmen Sommernacht, das war etwas Neues in der kleinen Stadt und stimmte bald zu Lust und Scherzen. Es wurde fleißig gespeist und gebechert und Mancher, der doch beim Eintritt eine gewisse Kühle und Entfremdung halte vorwalten lassen, wurde wieder gefügiger und hißte die alte Freundschaftsflagge auf. Der Justizrath merkte die von seinen Weinen erzeugte glückliche Stimmung, und brachte selbst mit einem kühnen Anlauf das Gespräch auf das bisher sorgfältig vermiedene Ercigniß des Tages. „Ja, Freunde! stoßt an auf mein Wohl," sagte er spottend, „ich muß mir schon meine Augen in Wein baden, denn diese uichtswürdige Untersuchung bat sie mir doch etwas getrübt," und er rieb sich mit dem rothseidencn Taschentuch über das erhitzte Satyrgcsicht. „Wir haben Sie sehr bedauert," begann der stets wie ein Gummiball beweglich hin- und herhüpfcnde einzige Apotheker der guten Stadt. „Was hat man für Allarm geschlagen, als wären Sie ein wahrer Vampyr, Sie sind doch unser alter, witziger Rath." „Dessen Weine stets vortrefflich, wenn er nur einmal die hintersten Reihen lichtet — die alten Garden!" bemerkte ein schon grau gewordener Doktor, der trotz seiner Jahre noch etwas Burschikoses zur Schau trug. „Ja, der Kerl hat mich was geärgert; ich armer, alter Mann hätte des Todes sein können, er mußte gehängt werden, schon weil er auf mich einen Mordaufall begangen." Ein eigenthümliches Geräusch, wie das Zerbrechen eines Astes, folgte dieser übermüthigen Rede und weckte die Aufmerksamkeit der lustigen Gesellschaft. „Was war das?" rief der Apotheker, und sprang erschrocken von seinem Stuhle. „Bleiben Sie ruhig sitzen, alter Freund, der Wind hat einen Ast heruntergeschüttelt," bemerkte der Justizrath. „Gott bewahre, es regt sich ja kein Lüftchen," warfen Mehrere ein. „Alte Aestc, die endlich brechen," beruhigte der Justizrath, „'s wird uns auch einmal so gehen," setzte er mit einem Auslug weinseligcr Melancholie hinzu. 58 „Nein, »ein, das ist etwas Anderes, sehen wir nach!" rief auch der Doktor und wollte fort. „Ach, vom süßen Weine fortlaufen, Doklor! Dieses Kriminal-Verbrechens hätte ich Sie nicht fähig gehalten," und damit hielt ihn der Justizrath zurück. „Aber, Justizrath, mir ahnt nichts Gutes," bemerkte der Apotheker, „wenn nur dieser nichtswürdigc Kerl, der Georg heißt er nicht so?" „Pah, den hab' ich mürbe gemacht, den Hund, der wagt nicht mehr zu beißen; nein, nein, beruhigt Euch, Freunde, es sind nur alte Aeste, die brechen." Da plötzlich knallte ein Schuß durch die Stille des Gartens, und hallte an den Mauern gespenstisch wieder. Alles sprang entsetzt von den Stühlen und umringte den Justizrath, der mit dem Ausruf: „Mein Gott!" zusammengebrochen und aus dessen Brust ein Blutstrom hervorquoll. Hier in der Stille des Gartens, beim vollen Becher und unter grünen Bäumen hatte die ganze Scene etwas Schauerliches. „Ein Streifschuß," bemerkte der Doktor in seiner gewohnten Ruhe; der lebhafte Apotheker aber rief sogleich: „Er ist todt, das ist der Georg, der ihn erschossen." „Ja, ich, ich habe ihn gctödtct!" rief jetzt Plötzlich eine Stimme, und in wilder Aufregung, die Büchse noch krampfhaft in der Hand haltend, stürzte Georg herbei, daß die Umstehenden von seiner wilden Erscheinung erschreckt, ihm scheu und bestürzt Platz machten. Der wie von Furien gepeitschte Mensch beugte sich zum Justizrath hinab und rief ihm in schneidendem Tone zu: „Erkennst Du mich ? Du hast mich gehetzt und getrieben wie ein wildes Thier, bis ich keinen anderen Gedanken hatte, als mich zu rächen — nun bin ich frei-—nun geh' ich mit Freuden in den Tod!" Der Justizrath öffnete die Augen und blickte in das wutverzerrte Antlitz Georg'S und mit diesem Anblick schien der alte Haß in ihm aufzuflamnicn und ihn von Neuem zu beleben. — „Mörder, auf's Rad mit Dir!" — keuchte er hervor, er wollte sich erheben, aber im nächsten Augenblick sank er zurück, noch einmal leise vor sich hinmnrmelnd: „Dürre Aeste." „Dürre Aeste," lachte Georg ihm dämonisch nach und brach ebenfalls zusammen. Er hatte ja die heiße Fiebergluth der Rache, die ihn rastlos gespornt und gestachelt, in dem Blute seines grausamen Henkers gekühlt und damit war auch seine Kraft erschöpft, er ließ sich willenlos von den erst jetzt sich aus ihrer Bestürzung aufraffenden Gästen festnehmen und verhaften. Als Georg in Fesseln wieder in das Gefängniß abgeführt wurde, das er erst vor einigen Tagen verlassen, stürzten Thränen aus seinen Augen. Bei seinem ersten Eingänge war er doch noch unschuldig, und wie man ihn gemartert und gequält, er hatte das Bewußtsein seiner Schuldlofigkeit und heut' — da klebte wirklich Blut an seinen Händen, da war er in der That ein Mörder und ein düsteres Verhängniß hatte ihn zu dem gemacht, weßhalb er zuerst nur fälschlich angeklagt worden. Und jetzt, da er dem wilden Racheschrei seines gequälten Herzens Luft gemacht, kam auch die Reue über seine fürchterliche That. Wie eine finstere Gewitterwolke hatte der Gedanke der Rache über seiner Stirn geruht, sie mußte sich erst entladen, eh' er den Himmel wieder sehen konnte, nun war der dunkle Schleier zerrissen; wie aus der Tiefe seiner Brust erwachte die Stimme der Religion: Liebet eure Feinde, segnet, die euch fluchen. — „Barmherziger Gott und ich habe meinen Feind erschlagen!" Mit diesen Worten sank er fast ohnmächtig auf den Boden, daß seine Ketten aneinander klirrten und ihm in's Fleisch schnitten, aber er achtete dessen nicht; dieser körperliche Schmerz war nichts gegen den geistigen, der ihn verzehrte. Der Doktor hatte Recht gehabt, es war nur ein Streifschuß gewesen und ein eigenthümlicher Umstand hatte Georgs blutige That zum Theil vereitelt. Eben als er rache- jubelnd den Finger an den Drücker des Gewehres legte, war plötzlich eine Gestalt an der Mauer vor ihm aufgetaucht, die ihm erschrocken in die Arme fallen wollte. Es war Rose, die seit einigen Monaten in der Stadt in Diensten, Georg nachgeschlichen und leider zu spät kam, ihn völlig von einem Verbrechen abzuhalten. Den Justizrath hatte es aber wenigstens vom Tode, Georg von einer Blutschuld gerettet. Der Justizrath wurde, da die Kugel keine edlen Theile verletzt, rascher hergestellt, als man es erwartet, und genas bis auf einige Athmungs-Beschwerden völlig. Georg's Sc.le wurde dadurch von namenloser Qual erlöst, er wollte nun ruhig sein Urtheil über sich ergehen lassen, hatte er doch keinen Mord auf dem Gewissen. Marianne aber, die durch die entsetzliche That Georg'ö in die tiefste Verzweiflung gestürzt worden, wagte Alles, ihren Geliebten noch einmal aus der Haft zu erlösen; sie ging auf den Rath des Protokollführers zu dem jungen Assessor, der ihr bereitwilligst ein Gnadengesuch an den Landcsfürsten anfertigte und klar und geschickt darin hervorhob, wie der arme gequälte Mensch durch das schonungslose Untersuchungs-Verfahren dahin gebracht worden, das zu werden, wozu man ihn mit aller Gewalt hatte machen wollen, und wie der persönliche Haß des Kriminal-Richters den unglücklichen Ausgang der Untersuchung verschuldet. - Marianne, das sonst so schüchterne blöde Landkind, drang damit selbst zum Landesfürsten, der ihr Gnadengesuch huldreichst aufnahm und ihren Anfangs leise gestammelten Worten freundlich zuhörte. Bald wurde sie von dem Inhalt ihrer Worte selbst hingerissen und mit ganzer Wärme erzählte sie von Georg's Qualen, wie er ja nicht anders gekonnt, als sich Luft zu machen nach einem solch' empörenden Druck, wie er düster und schwermüthig gewesen und dem Elenden diese entsetzlichen Qualen habe heimzahlen müssen und es ohnehin so schrecklich sei, unschuldig angeklagt zu werden, geschweige denn unschuldig vor einem solchen Richter zu stehen. Der Landesfürst war erschüttert, „welch'eine Tragödie!" rief er bewegt, „der Mensch ist unschuldig auch an dem zweiten Morde; laßt ihn frei, er ist begnadigt!" Marianne sank sprachlos zur Erde, sie wollte die Knie des milden Fürsten umfassen, er war schon in der nächsten Thür verschwunden. Laut schluchzend vor Freude und Rührung eilte sie davon. Noch ehe Marianne in die Heimath zurückgekehrt, war die Begnadigung Georgs angelangt. Zum zweiten Male frei! — Und jetzt ohne eine Last, ohne finstere schwarze Gedanken. Frei und weit hob sich seine Brust und wie ein Neugeborner blickte er jetzt in das Leben. Seine Wange färbte sich wieder roth, seine Augen begannen von Neuem zu leuchten, die gebeugte Gestalt richtete sich wieder auf, nur das weiße Haar blieb ihm als Erinnerung an jene Tage. Die Liebenden hatten sich wieder und noch eine große Freude sollte ihnen kommen, als wollte das Geschick nun alle geschlagenen Wunden heilen. Mariannens Vater war von diesen Ereignissen doch zu tief erschüttert, um nicht noch lebhafter als damals den Drang zu fühlen, sich wieder mit seiner Tochter auszusöhnen. — Daß sie selbst beim Landesfürsten gewesen, ihn gesprochen, daß Marianne so viel „Courage" gehabt, schwellte doch mit Stolz sein väterliches Herz; man sprach wieder gut von ihr im Dorfe, Alle staunten über ihre That, bedauerten den armen Georg, der so unschuldig gelitten und unschuldig gewesen, wie sie sich's wohl gedacht, wenn auch nicht gesagt hatten. Wie hätte sich der Alte versagen können, eine solche Tochter im Hause zu haben und einen solchen Schwiegersohn! Er kam selbst, Marianne heimzuholen, und hielt nicht wie damals auf dem ersten Flur an, sondern stieg festen Schrittes hinauf, und als sie gesagt: „Ich komme nicht ohne Georg," dahatte er ruhig geantwortet, als verstehe sich das von selbst: „Georg soll übernehmen, ich werde doch alt und mürbe." Das gab eine Freude und nach langen, langen Wintertageu zog Heller Sonnenschein in ihre Herzen, die geprüft genug, um nicht auch im Glücke, was doch immer das Schwerste, völlig glücklich sein zu können. Der gutmüthige Protokollführer feierte die Hochzeit mit seinen Freunden zu gleicher Zeit und er wurde wenige Monate darauf in einer andern Stadt als „Kreis-GcrichtS- Salarien-Kassen-Csntroleur" angestellt. Welch' ein Triumph für seine Frau, der dieser Titel außerordentlich gefiel und von ihrer Freundin Marianne nicht oft genug Briefe 60 erhalten konnte, um sich an der »Aufschrift dieses außerordentlichen Titels zu erfreuen. — Rose war in ihre Dienste getreten und, wie die Frau „Kontroleur" schrieb, jetzt folgsam und bescheiden. Der Maurer und sein Vetter büßten ihren Doppelmord mit dem Tode. — Der Erstere bestieg reumüthig und zerknirscht das Schaffst, der Letztere verlor in diesem Augenblick die so lange keck behauptete Fassung und gewährte in seiner feigen Todesfurcht ein klägliches Schauspiel. Er, der jeden geistlichen Zuspruch abgewiesen, rief jetzt verzweifelt: „Wartet, ich will noch ein „Vater unser" beten," aber seine zitternden Hände vermochten sich nicht zum Gebet zu schließen, die bleichen Lippen wiederholten gedankenlos „Vater unser", mehr vermochte er in der Todesangst nicht hervorzustammcln, da riß dem Nachrichter die Geduld — ein Blitz — ein Aufschrei — und Alles war vorüber. Der Justizrath war außer sich über die Begnadigung Georg's. —- „Man kann also alte verdiente Justizräthe gemüthlich todtschießen, das schadet nichts." — Aber noch mehr war er entrüstet, als bald darauf seine Versetzung in den Ruhestand und die Ernennung des Assessors in sein Amt erfolgte. Das war die Nemesis, die sich an seine Fersen geheftet, sich auch an ihm gerächt und ihn gerichtet. Die Martyrstätten der beiden Apostel Petrus und Paulus. N o m. Nach der römischen Tradition sind die beiden Apostel nicht an den Stellen gemartert worden, wo sich schon im zweiten christlichen Jahrhundert nach dein Zeugniß deS römischen Priesters Gajus (bei Kerbel». Ilist. ooo!. Ist 25.) ihre Gräber befanden, und wo dann nachmals über denselben die herrlichen Basiliken errichtet wurden, die über dem Grabe des hl. Petrus von Constantin d. G., die über dem Grabe St. Pauli aber zwei Menscheualter später von ThcodosiuS d. Gr.*) Von diesen Bcgräbnißstälten liegen die .Martyrstätten (nach römischer Tradition) je eine viertel bis halbe Stunde (oder darüber) ab, und zwar soll Petrus V, Stunde südlich vom Vatikan, auf dem Janiculus, da wo jetzt 8. lliotro in Nontorio^) steht, gekreuzigt worden sein. Die Kirche selbst, angeblich schon von Constantin d. Gr. errichtet, aber wie sie jetzt ist, ein Werk der Renaissance, von König Ferdinand dem Katholischen von Spanien (Ende des 15. Jahrh.) erbaut, hat nichts besonders bcachtcnswerthcS. Ich sage hat, denn ehemals befand sich hier über dem Choraltar die berühmte Transsiguration von Raphael, sein letztes und wie manche meinen sein schönstes Werk. Das Bild wurde jedoch von Napoleon nach Paris gebracht, und als es nach seinem Sturz i. I. 1815 nach Rom zurückkehrte, auf Befehl Pii VII. in der Gallerie des Vatikans aufgestellt, wofür der Kirche S. Pctri in montorio eine jährliche Rente zuerkannt wurde. Die Kirche ist jetzt im Besitz der Franziskaner. Neben dieser Kirche nun, in dem nördlich an sie anstoßenden Hofe l,sie liegt wie St. Peter mit dem Chor gegen Westen statt gegen Osten), soll Petrus gekreuzigt worden sein und der Platz ist jetzt gekennzeichnet durch einen kleinen sehr schönen Rundtempel (Kuppelbau) von Bramante im edelsten Renaissancestil i. I. 1502 erbaut (auch auf Kosten Ferdinands des Kath. von Spanien.) Im Souterrain dieses Tempels zeigt man noch die Vertiefung, in welcher das Kreuz Pctri gesteckt haben solle. — Seit Sixtus V. ist die Kirche 8. kiotro in montorio ein Kardinalstitel. Auf dem freien Platz vor ihr hat man einen herrlichen Ucbcrblick über die Stadt Rom und die ganze Bergkette vom Sorakte bis nach Albano. Namentlich treten Tivoli, Palcstrina, Colonna, Nach der römischen Tradition liegt übrigens nicht der ganze Leichnam Petri in St. Peter und nicht der ganze Leib Pauli in St. Paul, sondern die Gebeine beider sind da und dort verbunden (quomoilo in viu, llilexvrunl. s«, >la et in inorii! no» sn»t sepur.Ui.) Ueberdies sind die Häupter beider im Cibvrium der Laterankirche. **) Abgekürzt aus monis ä'oeo — der goldene Berg, so genannt von dem goldgelben Sande, der wenigstens die obern Schichten des Berges bildet. 61 FraScati (mit den Ruinen von Tusculum), Grotta Fcrrata, Rocca di Papa, Monte Cavi, Marina und Castcll Gandolfo sehr deutlich hervor. Auch 8t. ?r>o!c> kuori lo muru sieht man hier, fast ebenso gut wie St. Peter, also die Gräber beider Apostel. Wie bekannt, liegt die Kirche St. Paul ungefähr Stund vor der korts 8. I'uolo südlich von Rom, an der Straße nach Ostia; noch eine starke halbe Stunde weiter aber sehen wir drei Kirchen, gemeinhin lru kontuno (die drei Brunnen) genannt. Dieser Name gebührt aber eigentlich nur einer dieser drei Kirchen und zwar derjenigen, die den Platz umschließt, auf welchem der hl. Paulus enthauptet worden sei. Nach der römischen Tradition soll sein abgeschlagenes Haupt noch drei Sprünge gemacht haben und an jeder der drei Stellen, wo cS auffiel, soll wunderbarer Weise eine Wasscrquelle sich geöffnet haben, daher der Name trö kvntuno. Diese drei Brunnen sind noch vorhanden und man trinkt auS jedem derselben. Zu derselben Kirche steht auch die Säule, auf welcher Paulus enthauptet worden sei. Sie ist etwa 4 Schuh hoch, aber oben abgerundet, darum für Exekutionen nicht wohl geeignet. Die Kirche ist i. I. 1590 auf Kosten de- KardinalS Pictro Aldobrandini ganz moderuisirt worden (wcrthlos) und wird gegenwärtig wiederum renovirt. Als wirklich herrlichen Schmuck hat sie bereits eine große antike Mosaik, die vier Jahreszeiten darstellend, als Fußboden erhalten (jüngst aufgegraben in Ostia). — Die zweite Kirche in tro koutuno ist eine Rotunde, 8. Mriu soalu oosli genannt, weil hier der hl. Bernhard, als er' hier wohnte und für die Verstorbenen Messe las, in einer Vision sah, wie die Engel auf einer Leiter (ücgla) vorn Himmel Herabstiegen, um die durch die Fürbitte Mariü auS dem Fegseuer Erlösten zur ewigen Seligkeit zu führen. Das Altarblatt stellt diese Vision Bernhards dar. Neben dem Altar führen Treppen in einen untern Raum hinab, in welchem Paulus vor seiner Hinrichtung gesessen haben soll. Die Rundkirche ist von Kardinal Farnesc gegen Ende des 16. Jahrh, erbaut und weder schön noch groß. Dagegen ist architektonisch genommen die dritte Kirche sehr interessant, 88. Vinouinio oll -VnaNimi». eine Basilika von HonoriuS l. im Anfang des 7. Jahrh, errichtet, im Anfang des 13. Jahrh, renovirt. Glücklicher Weise wurde sie in der Rcnaifsancczeit nicht verschönert. Sie ist sehr lang, mit sehr hohem Mittelschiff und zwei sehr niedern Seitenschiffen. Letztere sind gewölbt und auch das Mittelschiff war ursprünglich auf Wölbung angelegt (man sieht jetzt noch, die A nfä nge der Wölbung), dann aber — warum ist unbekannt, begnügte man sich mit Sparrenwerk. Das Mittelschiff wird von dicken Pfeilern getragen, und alles ist weiß getüncht ohne allen Schmuck mit der einzigen Ausnahme, daß sich an den Pfeilern die lebensgroßen Bilder der Apostel ul kiosoo befinden, angeblich nach Zeichnungen von Naphacl gefertigt und schon öfters übermalt. Vor kurzem soll man nur mehr sehr wenig davon gesehen haben; jetzt aber werden sie wieder neu übermalt. Das allcrinte- ressantestc an dieser Kirche waren mir aber die Fenster des Mittelschiffs. Sie sind noch total die alten, ungcmcin schmal und mit durchlöcherten Marmorplattcn gedeckt. In den runden Löchern der Marmorplatten ist dann Glas eingesetzt. So gestaltete man die Kirchenfenster, als das Glas noch so theuer war, und so waren namentlich ehemals auch die großen Fenster von 8. I'uoio kuori lo muru. Als Hauptreliquicn besitzt diese Kirche das Haupt des hl. Anastasins und mehrere Gebeine des hl. Vincentius. Letzterer, aus Osca in Spanien gebürtig, Priester zu Saragossa, wurde unter Diocletian (Anfang des 4. Jahrh.) gemartert, Anastasius aber, ein persischer Mönch, im 7. Jahrhundert auf Befehl des persischen Königs ChoSrocs mit 70 andern Christen enthauptet. Da ich gerade am 22. Januar, am Gedächtnißtage der beiden hl. Vincentius und AnastastuS diese Kirche besuchte, fand ich diese Reliquien auf dem Hauptaltar ausgestellt und traf dabei viele Andächtige, darunter die beiden Erzbischöfe Manning und Merode. DaS daran stoßende Kloster, von Anfang den Cistercicnsern gehörig, ist jetzt von Trappisteu bewohnt. Der Aufenthalt hier ist sehr ungesund, und es fragt sich sehr, ob diese Mönche nicht ebenso rasch wegsterben, wie ihre Vorgänger auS dem Orden dcS hl. Bernhard. 62 Adelige Genrebildchen. Unter der Überschrift „Illustrationen" schreibt die „Breslauer Morgen-Zeitung": Schlesien hat mehrere interessante Beispiele geliefert, welche die Absurdität der noch gil- tigcn Vorschriften über das Ehehinderniß wegen Ungleichheit des Standes recht grell hervorheben. Vor ungefähr 35 Jahren trieb in einem Gcbirgskrcise ein Herr v. D. das Geschäft eines Hausirers, machte auf seinen Gängen durch die Dörfer die Bekanntschaft einer begüterten Bauerntochtcr, verlobte sich mit Bewilligung ihres Vormundes mit derselben, bestellte das Aufgebot und bereitete sich zur Hochzeit vor, als er von dem betreffenden Geistlichen die Mittheilung erhielt, die Trauung könne nicht eher vollzogen werden, als bis er entweder die Verzichtleistung auf den ihm anhaftenden Adel oder die königliche Erlaubniß zur Schließung einer Mißheirat beigebracht habe. Da der adelige Bräutigam möglicherweise noch einmal irgend einen Verwandten beerben oder einen anderen Vortheil aus seinem „von" ziehen konnte, entschloß er sich zur Eiureichung des verlangten Gesuches, und erhielt nach Verlauf von etwa sechs Monaten den kurzen Bescheid, dasselbe sei nicht bewilligt worden. Sei es, daß der Name — allerdings ein sehr alter und volltönender — des Bräutigams vor der Befleckung durch die Berührung mit einem bäuerlichen bewahrt werden sollte, oder daß sich die Verwandten des Bräutigams, welche sich sonst niemals um ihn kümmerten und ihn als muuvais 8ujvt behandelten, in's Mittel legten, kurz, aus der Heirat wurde nichts. Der verunglückte Bräutigam legte sich auf's Trinken und starb ohne Einspruch seiner Verwandten im Armcnhausc; die Bauerntochter heiratete einen angesehenen Techniker, wurde Wittwe, schloß darauf, zu den Honoratioren der Kreisstadt gehörend, zum zweiten Male ein Ehebündniß mit einem pensionirtcn Major v. * * und hat als Frau v. * * die Freude, die Mutter zweier Offiziere zu sein. — Einem Schuhmacher v. R. erging es ungefähr um dieselbe Zeit nicht besser, obgleich er geltend machte, daß seine Braut, eine verwittwete Fleischermeisterin, ihm im Range jedenfalls gleichstehe und zur Erweiterung seines Geschäfts ein sehr hübsches Vermögen zuzubringen verspreche. Es wurde ihm erwidert, es handle sich um die Gleichheit nicht des durch eigene, sondern ohne eigene Thätigkeit erworbenen Ranges, d. h. um die Ebenbürtigkeit, und das Gesuch um Dispcnsation sei um so mißfälliger aufgenommen worden, als sich in demselben eine Verlängnung jeder noblen Gesinnung kund gebe. Unähnlich dem adeligen Hausircr, welcher sich todt trank, entschloß sich der adelige Schuster nach dem abschlägigen Bescheide kurz und gut zum Verzicht auf seinen Adel, heiratete als Bürgerlicher die Fleischerswittwc und erwarb sich 1849 — 1851 als Rathsherr und Wahlmann so hervorragende Verdienste um das Manlluffel'sche Regiment, daß er mit der Rückgewährung des von ihm aufgehobenen „von" belohnt wurde. — Erst im vorigen Jahre kam in unserer eigenen Druckerei der Fall vor, daß ein adeliger Setzer mit seiner bürgerlichen Braut erst nach Einholung der königlichen Genehmigung getraut wurde, während ein zum niederen Bürger-stande gehörender Vater einer Tochter, welche einen Edelmann von untadelhaftestem Gcblüte und Enkel zahlreicher Ahnen zu ehelichen wünschte, die Weitläufigkeiten durch den Eintritt oder Einkauf in eine exclusive Kaufmanns- Corporation vermied. Dadurch war er wie im Handumdrehen in den höheren Bürgerstand avancirt, die Hochzeit fand statt, der Vater starb, das Ehepaar verthat das langsam durch Handwerksarbcit verdiente Geld in schnellster Zeit, und der Herr Gemahl füllt augenblicklich die Stelle eines Privatschreibers aus. Ob die Frau Gemahlin Wäsche oder Treppen wäscht, ist ungewiß; aber adelig sind Beide geblieben. 63 Pflanzenwandermrgen Es ist eine anerkannte, von Botanikern oft hervorgehobene Thatsache, daß sich bestimmte Pflanzen an bestimmte Menschcnstämme und Nationalitäten anschließen, sich da, wo Leztcrc weilen, in vorzüglichem Grade mehren, ja sogar den Ziehenden und Wandernden von selber sympathetisch nachfolgen, indem sie sich an den von der Heimath entfernten Orten ihres Aufenthaltes freiwillig einstellen. Die großen Völkerzüge, die sich im Mittelalter von Asien aus dem mittleren Europa zuwendeten, werden uns noch jetzt durch das Vordringen asiatischer Steppcnpflanzcn bezeichnet, so der Kochia nach Böhmen und Kram, des tatarischen Meerkohls durch Ungarn und Mahren hin. Den Zigeuner- zügen aus Asien her folgte der sich auf diese Weise über ganz Europa verbreitende Stechapfel, welcher von diesem Volke häufig ausgesäet und angewendet wurde, aber auch ungefördert neben den Wohnungen wuchs. Nach den Befreiungskriegen kam an vielen Stellen, wo sich Kosaken gelagert hatten, eine Gänscfußpflanze vor, welche sonst nur am Dniepr heimisch ist; die Zackenschote verbreitete sich mit den russischen Heereszügcn 1814 durch Deutschland bis Paris. Eine Wickcnart zeigt noch jetzt die ehemalige Wohn- stätte norwegischer Kolonisten in Grönland an, und der Indianer in Nordamerika Pflegt unseren Wegbreit die „Fußspur des Weißen" zu nennen. St. Hilaire äußert sich über dieses wundersame Thema in folgender Weise. In Brasilien wie in Europa scheinen gewisse Pflanzern dem Menschen auf dem Fuße zu folgen und bilden die Spuren seiner ehemaligen Gegenwart. Oft habe ich mit ihrer Hilfe mitten in den Wüsten die Stelle einer zerstörten Hütte aufgefunden. Europäische Pflanzen haben sich in Brasilien überall angesiedelt, wo Kolonisten seßhaft gewesen sind oder nur ihr Lager aufgeschlagen haben. Uebcrall trifft man das Veilchen, den Borrctsch, den Fenchel, mehrere Storchschnabel, unsere Malven und Kamillen, und unsere Gänsedistel, besonders aber unsere in die Ebene des Rio de la Plata und Uruguay eingeführten Artischocken bedecken jetzt unermeßliche Landstriche. In Europa, vorzugsweise Deutschland, sind auffallende Beispiele der Pflanzen-Einwanderung: das Lii^vron cunnckonso aus Kanada, die Cholcradistel aus den Kirgisenstcppen, die Wasserpest aus Amerika und das sibirische Kreuzkraut, welches neuerdings eine Landplage des nordöstlichen Deutschlands geworden ist M i s c e l l e ii. (Eine Bettlerin als Mutter einer Königin.) Während der Unruhen unter der Regierung Karls I. von England begab sich die Tochter eines Bauers, der in jenen Wirren Gut und Leben verloren, als Bettlerin nach London, um dort als Magd sich zu verdingen. Sie war 16 Jahre alt, aber bei aller Schönheit, die selbst von den Lumpen ihrer Kleidung nicht verhüllt werden konnte, unwissend und unerfahren in jeder weiblichen Fertigkeit, nur grobe Feldarbeit hatte sie bei den Eltern verrichtet. Eine gleichfalls arme, aber mildherzige Wittwe, hatte der Waisen ein Obdach gewährt, in dessen Nähe ein Brauer wohnte, der sich zuweilen dieses arbeitsamen Mädchens bei der Zusendung von Porterbier an seine Kunden bediente. Ihre uncrniüdete Pünktlichkeit veranlaßte ihn, sie als Stubenmädchen in seine Dienste zu nehmen, wodurch es ihr möglich wurde, mehr an sich und ihre Kleider zu wenden, so daß bald die Blicke der Männer von dieser liebreizenden Erscheinung angezogen wurden. Auch ihr Brodherr, zwar schon ein bejahrter Wittwer, doch noch rüstig und lcbcnsmunter, machte die Bemerkung, daß Jenny ein sehr liebenswürdiges Mädchen sei. Da er kinderlos war, also ganz unabhängig handeln konnte, erwählte er sie zu seiner Gattin. Er hatte den Schritt nicht zu bereuen; seine junge Frau that Alles, um ihm das Leben angenehm zu machen. Drei Jahre darauf starb der Brauer und hinterließ sein ungeheures Vermögen der kinderlosen Gattin. — Diese war nun im Stande, das Geschäft des Verstorbenen fortzusetzen, bei dem sich viele 64 Schwierigkeiten wegen der Antretung der Erbschaft in den Weg stellten, so daß sie des Beistandes eines Ncchtsgelchrten bedurfte. Sie erwählte den berühmten Sachwalter Hyde, welcher auch das Testament aufgesetzt hatte, durch welches sie in eine ganz unabhängige Lage versetzt worden war. Hyde fand theils die Tugenden und Reize des jungen schönen WeibcS, theils auch das enorme Vermögen so sehr nach seinen Wünschen, daß er bald mit einem Heirathsantrage hervortrat. Sie willigte ein; Hyde stieg von Stufe zu Stufe, und beschloß seine Laufbahn als Graf Clarendon. Aus Beider Ehe war eine Tochter entsprossen, welche die Gemahlin König Jakob l. von England, und als solche die Mutter zweier Königinnen — Maria und Anna — wurde. Alte deutsche Sprüchwörter. Wohlleben und Ucbcrfluß geht Vieles ab, dem Geiz Alles. Er zöge einem Dieb vom Galgen die Hosen aus. Lamm, Lamm! ist des Wolfs Vesperglock. Der Wolf schnappt nach dem Lamm, auch wenn ihm die Seel' ausgeht. Je mehr der Geizige hat, desto mehr fehlt ihm. Der gewinnt mit Geben, der Würdigen gibt. Wer gibt, der lebt. Das Ausgeben des Gottseligen ist eine Einnahme, — das Einnehmen des Gottlosen eine Ausgabe. Das Gemüth macht arm oder reich, nicht die Kiste. Gott schafft den Seinen über Nacht Rath. Es kann kein Narr reich sein. Es gibt viele reiche Bettler auf Erden. Aus gebratenen Eiern kommen weder Küchlein noch Hühner. Selbst ist ein gut' Kraut, es wächst aber nicht in allen Gärten. Christen und Könige sollen wissen, was sie glauben. Wenn der Pfennig läutet, so geh'n alle Thüren auf. Am Handel kennt man den Wandel. (Die höchste Höflichkeit.) Ein Hofbcamtcr in einer deutschen Residenz schrieb einmal Folgendes: Höchst der Prinz geruhten bei dieser Fußpartie, den allerhöchsten und hohen Herrschaften voran, den höchsten Berg dieser höchst reizvollen Gegend zu besteigen, und würden Höchste auch wahrscheinlich die höchste Spitze desselben in höchstens drei Stunden erreicht haben, hätte es zu Höchstihrcm höchsten Bedauern dem Höchsten im Himmel nicht beliebt, einen höchst störenden Regen auf die allerhöchsten und höchsten ^ Herrschaften und deren hohe Umgebung herabfallen zu lassen. ; F r ü h l i n g s a h n c ». Verschneit lag rings die ganze Welt, .Jetzt saust er wieder durch die Nacht Es gab' nichts, was uns freute, Und rüttelt an dem Baume, Verlassen stand der Baum im Feld, Der rühret seinen Wipfel sacht Der Wind sein Laub verstreute. Und redet wie im Traume. Er träumt von naher Frühlingszeit, Von Grün und Quellenrauschcn, Wo er im neuen Blüthenklcid Zu Gottes Lob wird rauschen. Druck, Verlag und Redaction des Literarischxn Instituts von t)r. M. Huttler.