Izrn. 14. 4. April 1869. Bleib' auf dem Weg, den du dir vorgenommen, Kebr' nie zurück zur Unbeständigkeit! So wirst du sicher immer weiter kommen, Zuletzt zum Ziele der Glückseligkeit. Max Stägmeyr. Die Entsagenden. (Fortsetzung) Aber mit dem Ausdruck tiefsten Schmerzes blickte Angelika verstohlen auf die verstörten Zuge des jungen Mannes, dessen Lebensglück durch sie vernichtet werden sollte, und dennoch fühlte sie im Innern, daß sie den Jüngling niemals mehr geliebt hatte — als eben jetzt. Wie mit magnetischer Kraft zog es sie zu ihm, und indem sie aufrichtig genug gegen sich selber war, das Loos seiner Zukunft zu beklagen, jubelte es doch in ihr wie mit tausend Frcudenstimmen: „Er ist Dein!" Aber ein Anfang mußte gemache werden, die Zeit verstrich — und mit Schrecken erinnerte sie sich der Drohung ihres Oheims, im Fall die Unterredung ohne das ge- , wünschte Resultat bleiben würde. Sie näherte sich leise dem Sessel Nudolphs und mit sanfter, melodisch tönender Stimme fragte sie: „Sie sind so bleich, Herr Baron, so angegriffen. Befehlen Sie nicht eine Kleinigkeit zur Stärkung?" Der junge Mann dankte durch eine Handbcwegung, sein Mund, blieb stumm. „Herr Baron!" fuhr Angelika mit zunehmender Angst fort, „zürnen Sie meinem Oheim nicht, er ist hart — aber gerecht. O, glauben Sie mir, ich bedauere Sie vom Grunde meines Herzens." Ein Lächeln des Zweifels überflog für einen Moment das Antlitz Nudolphs, aber er blieb schweigsam wiel vorhin. Das Mädchen zitterte, ihre mühsam erkünstelte Fassung drohte zu schwinden. „Herr Baron," sprach sie, „ich muß Ihnen lächerlich, — egoistisch, fast wahnwitzig erscheinen, aber bei dem ewigen Gott, der in das Mcnschenhcrz blickt, Ihre Verachtung verdiene ich nicht!" Der Ton, mit dem Angelika diese Worte sprach, war so eindringend, ihre Stimme so melodisch, daß Nudolph zum ersten Mal das Auge zu ihr erhob. Die Aufregung der verflossenen Stunden hatten dem Mädchen geschadet, denn in einem gewissen Alter wirken — namentlich bei dem weiblichen Geschlecht — starke Ncrvcneindrücke schädlich auf das Acußcre ein. So auch bei Angelika. Ihre Wangen waren eingefallen und bleich, ihr Auge von Thränen geröthet und die Spur einer Falte schlängclte sich vcrräthcrisch «m den Winkel des Mir. >-es. „Ich verachte Sie n.ast, mein Fräulein," erwiderte der junge Baron in bitterem Tone, „im Gegentheil, ich bewundere Sie und erstaune über die Energie, mit der Sie geheime Pläne und Absichten mit dem Mantel der Justiz und der Nothwendigkeit zu verbergen wissen." „Sie thuen mir wehe, Herr Baron," erwiderte Angelika sanft und würdig, „ich gebe Ihnen mein Wort, daß nie der entwürdigende Gedanke einer Intrigue mein Herz 106 --schlich. Was geschah, was kommen wird, ist das Werk meines Oheims und seinem Willen muß ich mich beugen." „Also Ihr Oheim wünscht, daß ich Ihnen meine Hand reiche?" fragte Rudolph ironisch. „Sie selber sind dieser unpassenden Verbindung natürlich abgeneigt; ich bin Ihnen gleich — Sie behandeln mich als Kind — o, ich sehe, wir werden uns herrlich verständigen!" „Rudolph!" flüsterte ängstlich das Mädchen, „Sie todten mich durch Ihre Ironie — Rudolph, noch nie hat eine Lüge meine Seele befleckt. Haffen Sie mich — so muß ich Ihnen denn gestehen, daß ich Sie liebe, glühend liebe, mit erster, nie geweckter Leiden- schüft, und daß Sie mein Alles sind auf Erden, in Ihnen meine Seligkeit ruht im Jenseits. Aber," fuhr sie fort, „diese Liebe sollte geheim bleiben, ich wollte sie mit mir iu's stille Grab nehmen. Das Schicksal zwang mich, meinem Oheim die Gefühle meines Herzens zu entdecken, und —" „Und diese Gelegenheit war günstig, die späte Leidenschaft seiner Nichte zu befriedigen — wer weiß, ob sich die Gelegenheit jemals wieder so gut geboten hätte, denn ein Gemahl für gewisse Alter, zumal wenn er Jugend und Titel besitzen soll, findet sich nicht immer am Markte." Das war zu Viel für das Herz Angclika's. Mit einem Schmcrzenslaut sank sie auf ihre Knie. „Vater im Himmel!" rief sie mit leidenschaftlicher Stimme, „sei Du Richter zwischen mir und diesem Manne. Künde du, daß um seinetwillen ich Hohn und Verachtung auf mich lade, und daß ich zu sterben bereit bin, — könnte ich durch meinen Tod seine Zukunft wandeln!" „Angelika!" rief Rudolph auf das Tiefste von dem Ausdruck der Wahrheit, der in den Worten des Mädchens lag, ergriffen, „ich war ein Elender, ein Fieberwahn umstrickte mich, daß ich wagen konnte, mich gegen Sie zu vergessen." Angelika erhob sich, Rudolph ergriff ihre Hand und führte sie zu dem Divan, er selbst nahm auf einen daneben stehenden Sessel Platz. „Lasten Sie mich offen zu Ihnen reden, wie ein Freund, wie ein Bruder," begann er. „Ich will nicht von dem Eindruck sprechen, den unsere Verbindung weit über die Mauern unserer Stadt hinaus hervorrufen würde, will die Deutungen verschweigen, die man dieser Verbindung, sowohl mich als Sie betreffend, unterlegen könnte — ich will von uns selber reden, die Hauptpersonen dieses Drama's. ^Die kindliche Pflicht heißt mich Ihnen meine Hand zu reichen, hinge der Ruin meines Vaters von meiner Weigerung ab, ich hätte sie längst ausgesprochen, da aber seine Schande "davon abhängt, da wage ich nicht selber zu entscheiden und stelle Sie auf als Richter!» zwischen meiner Pflicht und meinem Herzen. Mein Vater verschwieg mir jenes unselige Geheimniß, durch welche Macht Ihr Oheim sich zum Herrn unserer Ehre aufgeworfen? Den ohnedies gebrochenen Greis nicht zu erschüttern, drang ich nicht härter in ihn. Aber hier an dieser Stelle erkläre ich feierlich, niemals mich dem Willen Anderer zu fügen, niemals meine Freiheit zu verkaufen, ehe mir klar geworden, um welchen Preis dies geschieht." „Sie betrachten unsere Verbindung als ein Opfer — o Sie haben Recht," unterbrach ihn Angelika schmerzlich. „Aber fügen Sie sich dem ehernen Gebot des Schicksals. Rudolph! reißen Sie nicht mit frevelnder Hand den Schleier herab, der das Geheimniß verbirgt, o glauben Sie mir, besser ist es, blind wandeln unter den Fügungen des Zufalls, als ohnmächtig sich aufbäumen gegen den Willen des Verhängnisses." „So möge kommen, was da wolle," rief der Baron aufstehend. „Wir sehen u«S niemals wieder." „Bleiben Sie," flehte Angelika, „o wüßten sie, welche Qualen der Hölle mir diese Stunde gebracht. Erfahren Sie denn das unselige Geheimniß. Ein Wechsel, den Ihr 107 Datei einem Wucherer als Pfand auf ein Darlehen einhändigte, — befindet sich in d« Händen meines Oheims und dieser Wechsel —" Sie konnte nicht weiter reden, ihre Stimme stockte und ihre Zunge versagte den Dienst. „Dieser Wechsel" — wiederholte Rudolph kaum vernehmbar. „Dieser Wechsel ist gefälscht!" Ein einziger Schrei entwand sich der Brust des jungen Mannes, um ihn lag die ganze Größe seines Unglücks. Er taumelte wie vom Schwindel befallen zurück, und vernichtet sank er auf seinen Sessel nieder. Angelika beugte sich über ihn und über die kalte Stirn des jungen Mannes, die kalter Schweiß bedeckte, floß eine heiße Thräne. „Nudolph," flüsterte sie, „und wärest Du arm wie ein Bettler, wärest Du selber entehrt und geschändet, ich würde Alles — Alles vergessen, denn ich liebe Dich." „Mich lieben?" rief Nudolph wild und seine Augen brannten wie im Feuer — „o Angelika, bemitleiden Sie mich, denn ich bin elender, wenn ich mich meiner Härte von vorhin gegen Sie erinnere, als jetzt in meinem tiefsten Elend!" „Angelika!" fuhr er fort, die Hand des Mädchens erfassend, „ist eS wahrhaft Ihr Wille, mir — dem Sohne eines Verbrechers — Ihre Hand zu reichen?" „So wahr Gott in mein Herz blickt und die Gefühle kennt, die ich für Sie hege!* erwiderte das Mädchen feierlich. „Und können Sie mir schwören, daß die Schande meines Vaters unentdeckt bleib« wird, wenn ich mich seinem Willen füge?" „Ich schwöre es Ihnen. Am Tage unserer Trauung überliefere ich Ihnen nach den Worten meines Oheims, jenes verhängnißvolle Papier," antwortete Angelika. „O hätte ich die Macht, Ihren Namen zu retten, ohne Sie zu jenem Opfer zu zwingen!* - „Angelika," unterbrach sie Nudolph, „ich bin es jetzt nicht mehr, der ein Opfer zu bringen hat, auf meinen Knieen flehe ich Sie an, mich nicht zurückzuweisen. Denn Angelika, ich bin Ihnen Offenheit schuldig und das Schlimmste möge über mich hereinbrechen, eher sterben, — als Sie mit Täuschungen hintergehen. „Darf ich offen z« Ihnen reden?" „Reden Sie!" hauchte Angelika. „Haben Sie bedacht, welche Zukunft Ihnen an meiner Seite bevorsteht, wenn e» sich doch von selbst versteht, daß Sie nie über meine Vernachlässigung zu klagen hab« werden. Haben Sie den Unterschied der Jahre bedacht?" „Alles," unterbrach ihn Angelika — „Alles habe ich bedacht. Wir haben genug der Thränen für die Gegenwart, warum schon die Zukunft beweinen?" „Und nun lasten Sie mich Ihnen das letzte gestehen," fuhr Rudolph bebend fork^ „frei und offen wie es dem Manne ziemt. Angelika, ich würde verzweifeln müssen, wenn Sie jetzt meine Hand zurückstoßen würden; aber mit dieser Hand, die ich Ihnen weihe, die ich Ihnen anbiete als ein Pfand treuer unverbrüchlicher Freundschaft, weihe ich Ihnen nicht mehr mein Herz — denn ich liebe, Angelika, und diese Liebe wird nie in meinem Busen erlöschen, da sie hoffnungslos ist. Jetzt wissen Sie Alles." Eine tiefe Stille entstand im Gemach »ach dem Gcständniß des jungen Mannes. Man sah deutlich das heftige Wogen des Busens Angclika'S, hörte den schweren Athem» der sich der Brust Rudolph's entwand. Dieser nahm jetzt auf'S Neue das Wort. „Nicht wahr, Angelika," flüsterte er, „Sie weigern sich, meine Gattin zu heiß«? O Sie haben Recht, denn Ihre Seele, so edel sie sei, ist eine Frauensccle und ander» handeln, hieße sich über Ihr Geschlecht erheben wollen." „Sie irren, Nudolph," erwiderte Angelika, „Sie haben gehandelt wie ein Man» »on Ehre und ich danke Ihnen aus dem tiefsten Grunde meines Herzens. Lassen Sir 108 mich immerhin Sie lieben, mein Freund; schmückt nicht der Hindu seinen Gott mit de« köstlichsten seiner Habe, und dieser Gott weiß nichts von ihm; zürnt die Sonne dem Sterblichen, der sie segnet? Und doch spendet sie über Tugend und Laster ihre Strahlen! Betrachten Sie mich als Ihre Freundin, Nudolph, als Ihre Schwester, aber Ihr eigene» Wohl erheischt, daß ich dem Willen meines Oheims folge. Unsere Verlobung verwerfen, hieße das Schicksal Ihres Vaters — Ihr eigenes Schicksal besiegeln." „So sei es denn!" — murmelte der junge Mann. „So halte ich, Baron Nudolph von Duroy, hiermit feierlichst um Zhrc Hand an," sagte er halblaut, als erschrecke er vor dem Klang seiner eigenen Worte, „und verspreche Ihnen ein treuer Gatte zu sein, bei dem Andenken des Heiligsten, das in meinem Herzen thront." „Ich nehme Ihren Schwur an, Herr Baron," entgcgnete Angelika unter Thränen. „Möge der allwaltende Gott uns Beiden gnädig sein!" Da tönten Stimmen auf der Flur, die Thür des Gemaches ward aufgerissen, und die alten Herren traten ein. Baron Leopold blickte mit dem Ausdruck unverkennbarer Angst auf Nudolph, während das Auge des Direktors seine Nichte suchte, deren geröthete Wangen, deren unter Thränen strahlendes Auge ihm den Ausgang der Unterredung verkündete. „Ich sehe, Sie sind einig," wandte er sich an die Verlobten, „ich bewundere Sie, Herr Baron Nudolph! Indessen sind noch einige Bedingungen, denen Sie sich zu unterwerfen haben, an diese Verbindung geknüpft." „Sie finden mich zu Allem bereit," erwiderte der Baron ruhig — „selbst das Unwürdigste zu ertragen, dünkt mir jetzt leicht, — da ich die Schande unseres Namens vernommen." „Nudolph!" rief sein Vater mit erstickter Stimme, „großer Gott, Du weißt Alles!" Der junge Mann entgegncte: „O Vater, — hättest Du mich umkommen lasten in Noth und Elend, ehe ich diese Kunde vernehmen mußte. Sprechen Sie," wandte er sich an Fleischer, „was verlangen Sie noch von mir?" Der Direktor wies auf seine Nichte. „Du hast ohne Zweifel nach der Wirthschaft zu sehen, Angelika," sagte er, „ich hörte das Zimmer-Mädchen nach Dir fragen." Schweigend entfernte sich Angelika, der Direktor wartete, bis ihre Schritte verhallt waren. Dann setzte er ein Schreibzeug auf den Tisch und — ein weißes Blatt Papier niederlegend, sprach er zu Nudolph in fast befehlendem Tone: „Schreiben Sie, ich werde diktirenl" Der junge Mann fuhr empor, aber ein Blick auf die gebrochene Gestalt seine» Vaters ließ ihn verstummen. Mit einem tiefen Seufzer ließ er sich auf den Sessel niedersinken und ergriff die Feder: „Hiermit," begann der Direktor zu diktiren, „erkläre ich Endes-Untcrschriebencr, auf meine Ehre, daß mich allein die reinsten Beweggründe leiten, da ich um die Hand meiner nun geliebten Braut Angelika Fleischer anhalte und meine Wahl frei von jedem Zwang oder Egoismus ist. Um Letzteres zu beweisen, um öffentlich dem Ausdruck der Verehrung und innigen Liebe, die ich für Fräulein Angelika seit langer Zeit empfunden, und der sie nur nach langem Weigern, gerührt durch meine Verzweiflung, nachgab — erkläre ich ferner: Daß ich jedem Anspruch auf die Verwaltung des Vermögens meiner zukünftigen Gattin — Angelika Fleischer — entsage und sie im Vollbesitze desselben laste. Sollte sie, was Gott verhüte» möge, mir durch den Tod entrissen werden und keine Kinder vorhanden sein, s« fällt das Capital an die Cousine meiner Gattin, Angelika Fleischer, im anderen Falle bleibt es volles Eigenthum der Letzteren. Nudolph von Duroy." Mit zitternder Hand war Nudolph den Worten des Direktors gefolgt; mehrere Male hatte es in ihm gezuckt, die Feder niederzulegen, aber sogleich war er in seiner 109 Beschäftigung fortgefahren, denn er fühlte instinktmäßig die flehenden Blicke seines Vater- auf sich ruhen. Fleischer nahm die Schrift auf, und nachdem er sie sorgsam durchleseu hatte, steckte er sie zu sich. „Angelika wird von dieser Schrift, die ich bei dem Gerichte dcponiren werde, Nichtwissen," sagte Fleischer. „Ihrer Meinung nach behält sie das Recht der Verfügung über ihr Kapital und wird es ohne Zweifel Ihnen zuwenden. Indessen trösten Sie sich, Herr Baron," fuhr er fort, „Sie misten, welches Brautgeschenk Ihnen Angelika überreicht, sobald die Trauung vollendet; ich hoffe, die Rettung der Ehre Ihres Vaters wird Ihnen die Million Ihrer Gattin reichlich ersetzen." (Fortsetzung folgt.) Was lange wäbrt, wird endlich qut; D'rum sei beherzt und faste Muth! Es kann schon noch was Rechtes werden, D'rum verzweifle nicht auf Erden- M. Stägmayr. § Zur Erinnerung an Ludwig van Beethoven. Am 26. März war der 42ste Todestag des Tondichters Ludwig van Beethoven. DaS städtische Orchester in Augsburg feierte (am 27. März) diesen Tag in würdigster Weise durch ein Concert, bei welchem unter Leitung des Herrn Kapellmeisters Schlctterer nur Becthoven'schc Compositionen aufgeführt wurden. Bei dieser Gelegenheit wurde unS von befreundeter Hand ein Exemplar der Einladungs-Kartcn zum Leichcn-Begäugniß des verewigten Heroen der Tonkunst (er starb bekanntlich in Wien) mitgetheilt, deren Copie wir nachstehend wiedergeben: Einladung i» Leiehen -Begängnis?, welches am 29. Mär; »in 3 Uhr Nrchmittae« Statt finde» wird. Man versammelt sich in der Wohnung des Verstorbenen, im Schwarz» spanierhause Nro. 200, am Glacis vor dem Schotten-Thore. Der Zug begibt sich von da nach der Drcifaltigkcits. Kirche bei den k. ?. Minoritcn in der Alscrgaste. Die musikalische Welt erlitt den unersetzlichen Verlust des berühmten Tondichters am 26. März 1827, Abends gegen 6 lthr. Beethoven starb an den Folgen der Wassersucht, im 56, Jahre seines Alters, nach empfangenen heil. Sakramenten. Der Tag der lrxequien wird nachträglich bekannt gemacht von L. »an Brrthovcn's Verehrern und Freunden. (Diese Karte wird in Tob. Haslingers Mustkhandlong vertheilt.) Bedruckt bet Anten Ctraus. 110 Chinesische Begräbnisse in Californien. * Ein chinesisches Begräbniß in Sän Francisco ist ein seltsames Schauspiel. Ein besonderer Begräbniß-Platz, der Uerba-Buena-Kirchhof genannt, ist ben Angehörigen dc» himmlischen Reichs angewiesen.. Wenn die Leiche nach dem Grabe getragen wird, streut ein feierlich blickendes Individuum kleine Papierstrcifen, die auf beiden Seiten mit weisen Sprüchen des Confucius beschrieben sind, umher, und an der Thürschwelle des Hauses, wo der Verstorbene gewohnt hat, werden rothe Papierschnitzcl mit ähnlichen Inschriften geschüttet. Auf das Grab wird ein gebratenes Huhn, eine Quantität Reis und eine Flasche chinesischen Weines gelegt, — und nach beendeter Ceremonie entfernen sich die Trauernden, ohne einen Blick rückwärts zu werfen. Diesen Begräbnissen Pflegt aber außer den Chinesen eine Classe von Leuten beizuwohnen, die ein bischen aufgeklärter denken, als jene. Eine Anzahl amerikanischer Rowdie's, die sich in der Nähe des Grabes verborgen hielten, stürzt sich, sobald die Leidtragenden den Kirchhof verlassen haben, — auf die zurückgelassenen Eßbarkeiten und Getränke, und vertilgt dieselben an Ort und Stelle in größter Gemüthsruhe. Hat die Leiche mehrere Monate im Grabe gelegen, so werden die Knochen derselben ausgegrabcn, gewaschen und sorgfältig mit einer Bürste gereinigt, in kleine Bündel zusammengebunden, zierlich mit Etiqueltcs versehen, dann in einen zinnernen Sarg gelegt und einem chinesischen Handlungshause, das dafür verantwortlich gemacht wird, zur Aufbewahrung übergeben. Wenn eine genügende Anzahl der interessanten Mcmentos angesammelt ist, wird «in Schiff gemiethet und die Särge mit ihrem Inhalt nach Shanghai, Canton oder Hongkong expedirt. Jüngst verließ ein solches Schiff mit 400 todten Chinesen befrachtet, den Hafen von Sän Francisco. Der Suez-Canal. * Obwohl es für einen Euphemismus gelten muß, schon jetzt von einer erfolgten «Eröffnung des Sucz-Canals" reden zu wollen, so hat doch die neuliche Oeffnung de» Dammes, welcher die den Arbeiten nachrückenden Gewässer des Mittclmeeres von den sogenannten „bitteren Seen" oder Lagunen trennte und durchstochen wurde, ihre höchste Bedeutung. Wie die „Times" mittheilt, sei eine Distanz von 59englische Meilen beendet, und es verbleiben nur noch 14'/, englische Meilen, welche die Wasser vom rothen Meere trennen, und auch auf dieser Strecke sei die Ausgrabung des Canals der Beendigung nahe. Die „Times" ist der Ansicht, daß die nur langsam vor sich gehende Fällung der „bitteren Lagunen," bis deren Wasserspiegel demjenigen des Mittelmeere» gleich sein würde, noch Monate in Anspruch nehmen werde, aber daß man den ursprünglich für die Beendigung festgesetzten Termin, die zweite Hälfte dieses Jahres, wohl werde innehalten können. Der Canal hat eine volle Breite von 100 Meters vom Mittelmeere bis zu jenen unweit des rothen Meeres gelegenen Binnen - Gewässern. Die Geschichte erwähnt, daß schon der erste Napoleon als General Bonaparte bei seinem Fcldzuge in Egypten die Idee der Stechung des Suez-Canals mit sich herumgetragen und sogar schon eine geometrische Aufnahme des Territoriums anordnete. Das Resultat war, daß die Ingenieure berichteten, das Niveau des rothen McercS sei um 30 Fuß höher, als da» mittelländische, eine Angabe, die 70 Jahre lang unangefochten geblieben, bis 1840 eine neue Untersuchung Zweifel an der Richtigkeit jenes Gutachtens begründete, und 1847 stellten englische und französische Ingenieure eine neue Untersuchung an, die Linant Bey einige Jahre später vervollständigen ließ. Man gewöhnte sich daran, die Sache für ausführbar zu halten, und zur Zeit des KrimmkriegeS, als Frankreichs Einfluß im Orient am größcstcn, wurde der Vicckönig Said Pascha bewogen, Ferdinand de Leffep« 111 die Concession zur Anlage des Canals zu verleihen. Dessen Name werde für alle Zeiten unter die größten Pioniere praktischer Wissenschaft gezählt werden und der Suez- Canal werde unter die Weltwunder zählen. So weit reicht der Panegyrikus der „Times." Sie erinnert jedoch daran, daß zur Zeit, als man den „Canal" entwarf, solche große Schiffe, wie man sie jetzt expedire, (von 4 — 5000 Tonnen Gehalt) nicht in Anschlag genommen wurden, mithin also noch bedeutendere Verbesserungen mit der Tiefe des Canals vorgenommen werden müßten, ehe der Weg um das Cap für solche Fahrzeuge erspart werde. Segelschiffe würden denselben kaum benutzen, da sie der Remorqucurs bedürften, aber eine Construktion solcher Schiffe, die Segelkraft mit Dampf unterstützen könnten, würde den Succeß des Unternehmens feststellen; Port Said, das jetzt nur ein Weiler von Holzhüttcn, würde Alexandria den Rang streitig machen und alle Bedeutung einer der rührigsten Weltstädte entwickeln. Der „Morning Star" bedauert, daß der P r i n z v on W a l c s dem feierlichen Moment, wo sich die Wasser dcS Mittelmeeres in den Caual ergossen, nicht beigewohnt habe. Derselbe habe sich auf einem Ausfluge in die Wüste verspätet gehabt. Der „Star" erinnert übrigens daran, daß schon in grauen Zeiten eine Verbindung zwischen den beiden Meeren stattgefunden, die schon Hcrodot gekannt habe, von Ptolomäern und Römern wieder hergestellt, aber dann gänzlich in Verfall gerathen sei, aber immerhin dazu gedient habe, Lcffeps zu seinem kühnen Plane zu ermuthigen. Miseellen. (Etwas aus dem täglichen Leben der Hausthiere.) Rechts vom Ocd- bach, im März. Nero, der streitbare getigerte Pfarrhund von O. und eine Roth in Grau gesprenkelte Hofhcnne sind seit einiger Zeit zu einander in eine interessante Geschäfts - Freundschaft getreten. Nero ist sonst ungemein eifersüchtig auf seinen eisernen Hafen, besonders wenn noch ein Fraß darinnen ist. Naht sich aber die bezeichnete Henne mit matronenhafter Bedächtigkeit, so verhält sich Nero ruhig und läßt die Henne so viel Suppe Herauspicken, als ihr beliebt. Nero sitzt unterdessen gravitätsch auf der Bank daneben. Hat sich die Henne gesättigt, so steigt sie in Ncro's Hütte, macht sich ein Nest zurccht und legt dem vierbeinigen Hausherrn ein stattliches Ei hinein. Von da an, wo die Henne die Schwelle seiner Hütte überschreitet, verwendet Nero kein Auge mehr, wedelt mit dem Schweif vor Ungeduld, spitzt die Ohren; und sowie die Henne „gackert," springt Nero von der Bank, läßt die Henne neben sich heraus, er selbst aber ist mit einem kräftigen Schub in der Hütte und — trinkt das frisch gelegte Ei aus. Es ist das augenscheinlich ein Gegenscitigkeits-Vertrag, aber ein ehrlicher, nobler: „Gehst du bei mir in die Kost, geh' ich bei dir in die Kost!" Niemand weiß, an welchem Tag Nero und Hinkel diesen Vertrag geschloffen haben, der von ihrem beiderseitigen Standpunkt unanfechtbar ist, aber leider Dritte beeinträchtigt. Der Umtausch von Suppe gegen Ei geschah herkömmlich Mittags. Einmal wurde nun die Henne in der Art vertragSbrüchig, daß sie die gemessene Stunde nicht einhielt und erst gegen drei Uhr in die Hütte stieg, und Nero brannte längst vor Ungeduld nach seinem Leckerbissen! Er schob sie halb in die Hütte, schlug mit dem Schwänze den Takt, und bellte und schnappte unaufhörlich nach der Henne, was offenbar den Zweck hatte, bei ihr das Legen des Eies zu beschleunigen. Doch das war Nero's Unglück. Das räthselhafte Thun und Treiben des Hundes machte die luchsäugige Küchenmagd aufmerksam; sie zog den feingesponnenen Gcheimvertrag an's Tageslicht und annullirte ihn sogleich ohne Advokaten und Richter in höchst eigener Machtvollkommenheit. Wohl sitzt Nero nach wie vor auf seiner Bank, allein die Grau- Gesprengclte in der Hütte gackert nicht mehr; eS war ein schöner Traum, — der Eier- schmauS ist aus! — 112 (Eine wohlfeile Dachrinne.) Bekanntlich wurden Vatermörder und Damen- Unterröcke aus Papier fabrizirt; überraschen aber wird es gewiß, wenn man vernimmt, daß selbst „Dachrinnen aus Pappendeckel" gemacht werden. Ein Hausbesitzer in einem unweit von Cilli befindlichen Marktflecken beschloß, als er an einem regnerischen Tage ganz durchnäßt noch die Dachtraufe seines Hauses passiren mußte: das alte Sprichwort: „Aus dem Regen kommt man in die Traufe," zu Schanden zu machen. Er begab sich deßhalb zu einem in Cilli wohnhaften Spengler, dem er für eine Dachrinne kaum den halben Schätzwcrth versprach. Doch stellte sich der Spengler auch mit diesem Preise zufrieden, und versprach, die bewußte Dachrinne in Bälde zu liefern. Ganz erfreut rieb sich der Hausbesitzer die Hände, als er einmal, aus dem Gasthause heimkehrend, — sein Dach mit einer „hochrothcn Dachrinne" geziert sah, zahlte er dem harrenden Spengler allsoglcich den bedungenen Preis aus und bedachte ihn noch obendrauf mit einer Jause, die sich Letzterer wohl schmecken ließ. Nun fehlte dem Hausbesitzer nur noch ein Regen, um sich an dem Geplätschcr deS von der Dachtraufe rieselnden Rcgenwassers ergötzen zu können. Zufällig wurde dieser Wunsch auch schon in derselben Nacht befriedigt. Etwas unangenehm muß es ihn berührt haben, als er am nächsten Morgen am Dache die Rinne vermißte, dafür aber den Boden mit röthlichcn Fetzen bedeckt sah, und sich bei näherer Untersuchung überzeugte, daß die wohlfeile Dachrinne nicht aus Blech, sondern aus „Pappendeckel" fabrizirt worden war. (Bayerischer Grundsatz.) In einem deutschen Bierhause Bostons behauptete kürzlich ein Bayer, zum Entsetzen der amerikanischen Zuhörer: „Zu viel Schnaps ist zu viel Schnaps, aber zu viel Bier — ist gerade genug!" „Da hab' ich schon wieder einen Zahn verloren!" sagte eine Frau zu ihrer ritterlichen Ehehälfte. „Der wird sich freuen, daß er mit deiner Zunge nicht mehr in einem Logis zu wohnen braucht," murmelre der ungalante Gemahl. Der reichste Preisend mit viel schönen Reden Ihrer Künste Werth und Zahl, Saßen viel moderne Grafen Einst in einem WirthshauS-Saal. Grafen Topo, Gco, KoSmo Rühmten viel die Wissenschaft; Wie man Sonne, Mond und Sterne Und der Erde Grenzen schafft. Nicht auf schwarzbepnnktcn Karten Liefern wir der Erde Bild, Sprachen Lylo, Photo, Litho — Die Natur ist unser Schild. Gras. Grafen Autho, Steno, Typo Priesen ihrer Arbeit Ziel — Wie sie Schrift und Wort verbreiten. Und verbesserten den Styl. Grafen Zinko und Galvano, Kolli- und der Ortho-Graf Rühmten wie die andern Grafen Ihre hohen Künste brav. Endlich aber kam Graf Tele, Sprach: „Ich schlag' Euch Alle todr; Ich allein mit Blitzesschnelle, Ich verdiene mir mein Brod!" Und es sprachen Ortho-, Kalli-, Typo-, Topo-, Steno-Graf, Und die andern Grafen alle: „Vivat hoch der Telegraph!" Druck, Lerlxg und Reoaclion deS Literarisckrn Iustituts von ttr. M. Huttlcr.