Nro. 24. 13. Juni 1869. Die Bösen soll mau nimmer schelten, Sie werden zur Seite der Guten gelten: Die Guten aber werden wissen. Vor wem sie sich sorglich hüten müssen. E ö t h e. Arrf der Jagd. (Schluß) Drittes Kapitel. Der einzige Freund. In dem Garten des Irrenhauses zu P. spielten zwei Irre harmlos mit einander, und schienen recht gute Freunde zu sein. Es waren schon alte Männer; der Eine groß und stark, ein wahrer Riese; der Andere kürzer und untersetzter. Beide mußten aber in früheren Zeiten dem edlen Waidmannswerk obgelegen haben; denn ihre gemeinsamen Spiele richteten sich nur hierauf. Sie hatten für ihre Spielständen einen Raum im Garten abgesteckt erhalten, den sie nun wild und chaotisch mit Sträuchern bepflanzten, und dort standen sie oft Stunden lang auf dem Anstand, — mit einem Stecken in der Hand, und jede Katze, jeder Vogel, alles lebende Gethier, das sich irgend in ihrer Nähe blicken ließ, wurde unerbittlich todtgcschossen; dann zeigten sie sich ihre vermeintliche Beute, lächelten sich zu und gingen, seelenvergnügt über die glückliche Jagd, in ihre Zellen. So hatten es die beiden Irrsinnigen schon lange Zeit getrieben, ohne miteinander zu sprechen; aber sie lächelten stets, wenn sie sich sahen, als ob sie sich schon lange gekannt hätten, und so mochte es wohl auch sein; — es lag jedoch eine lange, lange Zeit dazwischen, und das Gedenken daran war von der Seelentafel ihrer Erinnerungen völlig weggewischt. Der Oberförster hatte längst schon hier ein Asyl gefunden. Er hatte keine Verwandten, keine Freunde; Niemand mochte den alten verrückten Mann bei sich aufnehmen, der eigentlich keinem Menschen etwas zu Leide that, denn er beschränkte sein Jagdrevier auf die Stube; aber er war doch in einer Hinsicht gefährlich: er konnte Niemand mehr lachen hören — und wenn es doch geschah, dann gericth er in die höchste Wuth, ergriff das Erste, Beste, was ihm in die Hände siel, stürzte auf den Lachenden zu und wenn dieser nicht entfloh, oder ihm nicht eiligst Hülfe kam, war er gewiß seines Lebens nicht sicher. So hatte man es schnell bewirkt, den Oberförster für verrückt zu erklären, und in's Irrenhaus zu bringen; und der junge Bräutigam, der trotz seiner damaligen Verzweiflung Anna rasch vergessen hatte, und durch die Hcirath mit der Tochter eines reichen Beamten und durch den Einfluß des Schwiegervaters zu einer guten Stelle gekommen war, that nicht das Mindeste für den armen Irrsinnigen, obwohl er durch sein unbesonnenes Auftreten so viel verschuldet; — nur der junge Förster Kuntz, .der am Polter- Abend die Perlen gebracht und dessen Herz vor überquellender Lustigkeit damals fast gebrochen, behielt ein wärmeres Interesse für den alten Oberförster und zahlte, als er in eine bessere Stellung gekommen war, — beträchtliche Summe zur besseren Pflege des Unglücklichen. Der Wildschütz war Anfangs in das Iuquisitoriat abgeführt worden. Es war nn 186 Drcl aus dem zusammengebrochenen Manne herauszufrageu, der ewig über seinen erschossenen Sohn und über das Lachen im Walde klagte, und sich immer tiefer in seine düstern Träumereien verlor, die endlich, nach Bescheinigung der Aerzte, in stillen Wahnsinn übergingen, der bereits, nach ihrer Versicherung, bei Ausübung seiner That vorgewaltet haben muffe, so daß er jedenfalls nicht kriminalisch bestraft werden könne. So wanderte der Wildschütz, statt auf das Schaffst, wie man erwartet hatte, in das einzige Irrenhaus der Provinz. Besonders konnte sich das HeimathS-Dorf über diese schreckliche >' Humanität nicht zufrieden geben, weil ihni damit ein ohnehin so seltenes Schauspiel wie das einer Hinrichtung, auf das man sich nicht wenig gefreut hatte. Plötzlich entzogen worden war. Anfangs hatte man gefürchtet, die beiden Irrsinnigen, die eine sonderbare Verflechtung des Geschickes hier wieder zusammengeführt, mit einander in Berührung zu bringen; im Laufe der Zeit aber war weniger darauf geachtet worden, und als sich die Beiden zum ersten Mal von Ferne sahen, betrachten sie sich ruhig; man fand eine weitere Annäherung nicht gefährlich und der stille, melancholische Wildschütz war bald der einzige Spielgefährte, der dem Oberförster zugetheilt werden konnte, während ihn mit anderen Irrsinnigen in Berührung zu bringen, höchst gefährlich blieb; denn sobald einer derselben lachte, und diese Unglücklichen lachen so gern, gcricth er in höchste Wuth und mußte dann auf viele Tage eingesperrt werden. Dagegen paßten die Beiden vortrefflich zu einander. Der Wildschütz lachte nie, er sah stets düster und traurig aus und wischte nur von Zeit zu Zeit über die gerunzelte Stirn, als könne er damit etwas verscheuchen, — was tief da drinnen in seinem armen Kopfe düstere, unheimliche Fäden spann, — und das Netz des Wahnsinns immer dichter webte. Sie gingen mit einander fleißig auf die Jagd in ihrem kleinen, abgegrenzten Revier, und zuletzt wurde der große, starke Wildschütz, nach einem schweigenden Uebcreinkommcn, der Hund des Oberförsters, und kauerte sich still auf den Boden, und blickte aufmerksam auf den zielenden Oberförster, der Stunden lang im Anschlage lag, und wenn er dann endlich abgeschossen, mit einem schnalzenden und knallenden Paff der Zunge, dann sprang der Wildschütz eiligst ein Stück fort, apportirte das erste beste Stück Holz, brachte es dem Oberförster, der es abnahm, und dann beifällig sagte: ..eouclia!" und der getreue Hund kauerte sich wieder ruhig an seine Seite. So trieben die Armen ihr harmlos kindisches Spiel, das doch Jeden, in die Geschichte ihrer Vergangenheit Eingeweihten, das Her; zerschnitt, weil die Nacht des Irrsinns um zwei Herzen hier eine Art srcundschaftlichen Bandes geschlungen, die sich in ihrem früheren Leben so tiefe, unheilbare Wunden geschlagen, und wie zwei wilde Thiere zähnefletschend und grinsend sich gegenseitig ihre junge Brüt zerrissen hatten. Es war ein herzerschütternder Anblick, diese beiden Männer, die sich Brust au Brust in den Abgrund des Wahnsinns gewälzt, jetzt mitten in diesem Abgrund so kindisch-harmlos mit einander spielen zu sehen. So saßen sie an einem heißen Julitage wieder beisammen und hielten große Jagd. Der Oberförster war in vollem Eifer und stand fortwährend gespannten Hahnes auf der Lauer ; aber auch sein Hund war heute lebendiger als sonst, er kauerte nicht am Boden, sondern lief unruhig hin und her. Es war viele Tage schlechtes Wetter gewesen, und mau hatte sie deßhalb eingesperrt gehalten; heute aber war es so schön, die Sonne schien so freundlich hernieder, und ihr Blick erregte auch wärmeres Leben in den Adern der beiden Irrsinnigen. Das „Paff" des Oberförsters ertönte heute kräftiger als je, und der Stock schlug ordentlich wie ein tüchtiger Gewehrkolben an seine Wange. Der Hund sprang augenblicklich darnach und brachte freundlich grinsend ein ganzes Reisigbündel; aber statt wie sonst, es dem Oberförster zu Füßen zu legen, sprang er heute lustig damit herum und jedes Mal, wenn Jener darnach langte, entwischte er ihm mit der Beute. So trieben es die beiden Irrsinnigen eine ganze Weile, zur großen Belustigung des Hundes, der immer hastiger und rascher hernmsprang, während der Oberförster immer ungeduldiger nach seiner Beute griff; wie er aber wieder hastig nach dem Bündel langte, und sich vorn über bog, verlor er plötzlich das Gleichgewicht und stürzte zur Erde. Das kam dem andern Irrsinnigen doch zu komisch vor, wie sich der dicke Oberförster auf dem Boden wälzte, und der sonst so schwermüthig und schweigend vor sich Hinstierende brach Plötzlich in ein Helles, übermüthiges Lachen aus, das zuletzt in jene entsetzlichen Töne überging, — wie sie dem Oberförster damals an der Leiche seines Kindes in's Ohr geklungen. Dieser stimmte heute aber nicht mit ein; er hatte kaum das Lachen gehört, als er sich wüthend aufraffte und dem noch immer Hcllauflachcnden einen fürchterlichen Schlag, mit seinem Stock versetzte, daß dieser zur Erde taumelte und aus einer großen Wunde an der Stirn blutete Der Stock entfiel dem Oberförster aus der Hand, und als er das Blut aus dem Munde des Getroffenen langsam hervorquellen sah, da schien ihm eine ganze Vergangenheit herauf zu tauchen; es wurde Plötzlich licht in seinem armen, gequälten Kopfe, und Alles, Alles stand nun wieder' in voller Frische vor seinem Auge, Die hervorquellenden Blutstropfen erzählten von seiner Tochter, von ihrem Mörder und, o Gott! es begann in ihm zu tagen: heute krümmte sich der Mörder zu seinen Füßen, erschlagen von seiner Hand, als habe das Schicksal Vergeltung üben wollen.... Wo war er? — War das Alles ein wüster, wilder Traum? — „Mein Kind, mein Kind!" jammerte der Unglückliche; „Mord, Mord!" und er stürzte aus dem Garten auf das Haus zu, aus dem ihm bereits die von dem Geräusch herbeigeführten Wärter entgegentraten. Man schleppte den Verwundeten in seine Zelle, er war zum Tode getroffen und hatte nur noch wenige Stunden zu leben. Der Oberförster erzählte klar und ruhig das Vorgefallene; man staunte über die plötzliche Veränderung desselben, die fast nichts mehr von Wahnsinn durchblicken ließ — und führte ihn auf sein inständiges Bitten zu dem Verwundeten, der bei dem Komme« des Oberförsters die Augen aufschlug und mühsam hervorleuchte: „Das war gut, eS spinnt nicht mehr hier oben... der Holzwurm, der sich dort eingenistet hatte, pickt und knarrt nicht mehr . . . das war ein Meisterschuß! Ja, ja, — wir waren Beide gute Schützen: in den Kopf oder in's Herz! Ach, mein Sohn! Barmherziger Gott!" —- Und die schuldbeladene Seele hatte ihren letzten Seufzer ausgehaucht. Der Oberförster war in der That genesen, und konnte aus der Anstalt entlasten ^ werden. Von einer gerichtlichen Verfolgung seines im Irrsinn begangenen Todtschlages wurde unter den obwaltenden Umständen abgestanden. Der alte, gebrochene Wann fand eine Zufluchtsstätte bei dem Förster Kuntz, der jetzt nicht mehr so blutjung, sondern ein Mann geworden war, aber nicht gehcirathet hatte, "weil er das Bild Anna's nicht aus dem Herzen verwischen konnte. Und jetzt saßen die Beiden, nach vollbrachtem Werk, ofr in die Dämmerung hinein, sprachen von Anna, dem lieblich holden Kinde, zauberten mit allen Licbesfarben das Bild des theuren Mädchens herauf, bis dem alten Manne die heißen Thränen über die gerunzelte Wange hinabliefen, Kuntz schweigend aufstand, und im grünen Wald seiner wehmüthigen Stimmung und seiner Thränen Herr zu werden suchte. Und Derjenige, der einst die Gunst des Oberförsters sich nicht zu erringen vermochte, war jetzt sein treucstcr, sein einziger Freund. Sonntags ftirnmnug. O, wie klinget östlich, westlich Durch die Thäler, überall So besänftigend und festlich Heiliger Kircheuglockenschall! Eine große Feierstunde Geht im weiten Landkreis um: Heilung jeder Erdenwunde Kündige an das Christenthum! Und wie staunend manch Jahrhundert, Sich um lein Panier gesellt, So erariffen und verwundert Folgt mein Herz ihm durch die Welt! 7arl Mager. 188 Die ägyptische Wüste Auf einer eben beendeten Reise durch Aegypten hat Herr Omen sehr viele Punkte der Wüste zum Zwecke geologischer Studien besucht, und hatte den Vortheil, die Durchschnitte der Erdschichten prüfen zu können, welche gegenwärtig durch die Arbeiten am Suez-Kanal zwischen Ismailia und Suez freiliegen. Einen kurzen Abriß der Hiebei erlangten Resultate legte er der Pariser Akademie vor. Fossile organische Ueberreste hat Herr Owen an folgenden Punkten gesammelt: in der Umgebung von Kairo, in Mem- phis, in den Ebenen von Kalaiat Baiun, welche zur Lybischen Wüste gehören, die sich - durch den Reichthum an versteinerten Stämmen von Palmen und anderen Bäumen auszeichnet, in den Kalkfelsen von Beni-Hassan, in der Schlucht des Babel Molook, die zu den königlichen Gräbern in Theben führt, und endlich am Salzwasserkanal zwischen Port- Seid und Suez und an den sich daranschließenden Erdarbeiten. Die Zusammenstellung der Zeugnisse, welche durch die so gesammelten Reste geliefert werden, bestätiget die Aufnahme, daß die Wüste das trocken gewordene Bett eines alten Meeres ist. Die an verschiedenen Orten gemachten Beobachtungen beweisen ferner die Länge der geologischen Epoche, während welcher die mineralogischen Elemente des Kieses, des Kalkes, des Marmors, Alabasters, des nummulitischen Kalkes, des gypsartigen Thones, der Muschelbänke, der losen Kalkthonschichtcn, des Sandes und Wüstenstaubes sich über den Boden des alten Meeres verbreitet haben, das endlich durch die Erhebung der Landenge verdrängt wurde. Die organischen Reste, welche hier gesammelt werden, deuten ein Zeitepoche an, welche sich vom oberen Oolith und den Kreideschichteu bis zu der tertiären Epoche des alten Eozen und jcucs mittleren Miozen erstreckt. Die Uebereinstimung, welche in Bezug auf die organischen Ueberreste zwischen den jüngsten und am Weitesten verbreiteten Ablagerungen der ägyptischen Wüste und den miozenen Schichten in Malta herrscht, ist einer von den Beweisen für die große Ausdehnung des Bettes jenes tertiären Meeres. An den gegenwärtig in schnellem Fortschritte begriffenen Durchstichen zwischen Ismailia und Suez sind die Schichten größtentheils horizontal; hie und da zeigt jedoch ein leicht-schiefe Neigung, daß an dieser Stelle die Hebung stärker gewesen. In Serapeum, in der Nähe des großen Beckens der Bittersten, bestehen die Schichten vorzugsweise aus feinem, zuweilen leicht zusammengebackenem Stande, der viel Kiesel enthält, dem manchmal zahlreiche Knoten verhärteten Thones beigemischt sind. Sechs, acht oder zehn Fuß unter diesen Ablagerungen sieht man dünne Schichten von brüchiger Kalksubstanz und von mehr oder weniger festen Gypsablagerungen mit ihnen abwechseln, die darauf hinweisen, daß der Zustand der Quellen, aus denen die in dem alten Meeresbettc sich ablagernden Substanzen stammten, sich mit der Zeit verändert hat. Erst nachdem die Bildung des gegenwärtigen Kontinentes von Afrika weit genug vorgeschritten war, um die Regen- und geschmolzenen Schneemasscn der hohen Bergketten aufzunehmen und um den Wasscrströmcn die erforderliche Richtung zu geben, konnten die jährlichen Ablagerungen des Nils beginnen, welche auf dem alten, nach und nach sich erhebenden Grunde des Meeres ruhen und, wie bereits Herodot wußte, kulturfähigcn Boden Aeghptens bilden. Die Bohrarbeiten, welche Leonard Hörner begonnen und unter Leitung des Ingenieurs Hekekyan-Bcy fortgesetzt wurden, haben eine Grundlage geliefert, um einen Theil der Zeit-Epoche abzuschätzen, während welcher diese merkwürdige und fast einzige Landbildung sich entwickelt hat. Was vor allem Aegypten charakterisirt, ist, daß es den Beweis liefert, wie noch jetzt sich in jedem Jahre neues festes Land bildet. Und, merkwürdig genug, dieser jüngste und zuletzt gebildete Theil der bewohnbaren Erdoberfläche war der Aufenthalt der ältesten zivilistrten Völkervereinigungen. Die von Mariette-Bey zu Sagarrah und zu Memphis gemachten Entdeckungen scheinen bewiesen zu haben, daß die Epoche des Gründers der zweiten Pyramide in das dritte Reich der vierten Manelho-Dynastie gehört, welche nicht weniger als 6000 Jahre vor der gegenwärtigen'Zeit zurückweicht. Bei dieser Gelegenheit bemerkt Omen, daß die Physiognomien der Statuen und sehr gut skulptirten PorträtS von Individuen, nclche zwischen der IV. und VlII. Dynastie des alten ägyptischen Reiches gelebt haben, darauf hinweisen, daß sie ihren Ursprung von einem östlichen oder nörd- chen und nicht von einem äthiopischen Stamme nehmen. Man kann ferner aus dem vollständigen Mangel von Figuren der Einhufer, jPferd, Esel, in den zahlreichen und sorgfältigen Abbildungen des Alltagslebens den Schluß ziehen, daß die Einwanderung der Gründer der ägyptischen Zivilisation, wenn sie aus einem Lande gekommen sind, wo Einhufer existirten, zu einer Zeit stattgefunden, wo die Zähmung dieser Vierfüßer noch nicht ausgeführt war. Die Einwanderung der arabischen Hirten gegen die Mitte der Periode des „Mittleren Reiches" von Marictle-Bey hat erst das Pferd und den Esel nach Aegypten cirgeführt, die sich in diesem fruchtbaren Lande schnell verbreitet haben. Das Pferd und der Wagen fehlen nach dieser Epoche niemals in den hieroglyphischen Fresken der Gräber und der Tempel. („Naturforscher.") « ——— - Zur Verbesserung der Bienenweide. Seit Jahren wird unendlich viel zur Hebung der Landwirthschaft gethan, insbcsan- dere durch Einführung neuer Pflanzen, und zwar mit dem größten Nutzen sowohl für den Einzelnen, wie für ganze Völker und Länder. Ebenso könnte auch sehr viel zur Hebung eines der edelsten Zweige der Landwirthschaft, der Bienenzucht, geschehen, besonders in sogenannten Honigarmen Gegenden, durch Verbesserung der Bienenweide. Ist es nicht betrübend, wenn man »st von Bienenzucht treibenden Landwirlhen hört: „Unsere Gegend eignet sich nicht für Bienenzucht! Sie ist zu Honigarm! — Es wird zu wenig Raps, weißer Klee rc. gebaut; Heidekraut haben wir auch nicht in der Nähe; eben so wenig Linden, Akazien, Weiden und andere honigspcndende Pflanzen; wo sollen also da unsere Bienen den Honig hernehmen." Sie bedenken aber nicht, daß sie Bedeutendes zur Verbesserung der Bienenweide beitragen könnten, wenn sie nur bedenken, wollten: 1) daß es eine Menge leerer Berge, Abhänge, Grabcnränder, Grenzen, Gartcnzäunc gibt, ohne die vielen leeren Stückchen Landes, wo so mancher Baum, Strauch, manche Pflanze und Blume wachsen und gedeihen könnte, die ihre Honigqucllcn zur Blülhezcit unseren lieben Immen recht gern erschließen würde, wenn man sie nur anpflanzen wollte; 2< daß die Biene die kleinste Blume sinket und daraus Honig saugt, die wir oft gar nicht beachten; 3) daß die Biene größere Strecken, oft eine Viertels-Meile weit und noch weiter fliegt, um zu den Honigquellen zu gelangen. Wie bequem könnten wir es unsern Lieblingen in dieser Beziehung machen! ^ In Oesterreich, wo zur Verbesserung der Bienenweide sehr mA lohenswcrthcs geleistet wird, sowohl von Bienenzüchter-Vereinen, als von Einzelnen, werden folgende Pflanzen, als Samen und Setzlinge, an VercinS - Mitglieder theils ^rutis vertheilt, theils gegen Einzahlung versendet: 1) der schwedische Bastardklee, Vrilolium ll>,I>i'iti8siina; 4) die Seradella, Ornitllopus «alivus; 5) die Phacelie, I'lluosliu lunnsstilolia; H) der Boretsch, korriAO oi'lieinulis; 7) die Garten-Reseda, lissscku ockoiala; 8) die Sandluzerne, üleciien^o msciig; 9) die Goldruthe, 8olickr>^o vir^nursn; 10) die syrische Scidenpflanze, ^slepius s^rinsa; 11)Z,der Jungfcrnwcin, Vilis guingus- t'olium; 12) der moldauische Drachenkopf, vrasoosplinlum nwlcisvicnim; 13) das griechische Heu, IriAonsIIu tosnum xrsscum; 14) der Senf, Linnpi« n>p;ru st ulkn. Diese 14 Sorten sind fortwährend zu haben in Prag, Samen- und Pflanzenhandlung von Ernst Bahlsen, große Karlsgasse Nro. Da ich nun in einer sogenannten Honigarmen Gegend wohne — und auch zur Verbesserung der Bienenweide etwas thun wollte, so ließ ich mir mehrere obcngenannre Sämereien aus einer renommirtcn Samen- Handlung schicken und baute dieselben an. Der schwedische Bastardklce, Iriloliun» 190 iixbriflum, sowie die Sandluzerne, >IecIi 6 SA 0 moclig, im vorigen Jahre gesäet, vertrockneten bei der großen Hitze sehr bald als junge Pfläuzchcn. Die Scradella, Oniitllopus sstivus, unter Roggen gesät, ging recht wohl auf, das Meiste vertrocknete aber; nach Aberntung des Roggens und nach bald darauf folgendem Regen wuchs sie wieder etwas, blühte in feinen weißlichrothen Blüthchen, wurde aber sehr wenig von den Bienen beflogen. — Der Senf, K'mapis niFru ot sllm, schwarzer und weißer, so auch die Reseda, Uasocka ockor-ltg, ist von mir schon seit Jahren angebaut worden; ersterer des Samens, letzterer der wohlriechenden Blüthen wegen. Beide wurden zur Zeit der Blüthe eifrig von Bienen beflogen, besonders die Reseda, welche vorn frühesten Sommer bis in den spätesten Herbst blüht. Der moldauische Drachenkopf, Dinoooopliglum molflaviaum, ähnlich der allbekannten tauben Nessel, sowie der allgemeinen Melisse, blüht mit kleinen weißen, auch blauen Blüthen, geformt wie ein Drachenköpfchen, von Ende Mai bis es gefriert. Das griechische Heu, TiißoneUs koanuiri Arnoeum, wächst Anfangs wie der Lack und die Levkoje, später spitzen sich die Blätter, werden lang und schmal, und legen sich die Stengel um. Es blüht mit kleinen weißen Blüthen; der Same setzt sich in Schoten mit starken Spitzen von 2 bis 3 Zoll Länge an, oft 6 bis 8 starke gelbe Körner in einer Schote. Das Kraut, sowie Blüthe und Same, haben einen starken gcwürzhaften Geruch und bittern Geschmack. — Der Drachenkopf wurde weit mehr, als das griechische Heu, von den Bienen beflogen, was ich aber rOhr der großen Nähe des Bienenstandes zuschreibe. Der Niesenklcc, i1olilotu8 sitzn nllissung, auch iiinxima, Bockhara-Riesenhonig-, sowie Melilotcn-Klee genannt, hat mir am besten von allen Bicncnpstanzen gefallen. Schon vor Jahren las ich Verschiedenes darüber als Futter-, Gespinnst- und Honigpflanzc, — wodurch ich veranlaßt wurde, auch damit einen Versuch zu machen. Ich säte den Samen auf ein Stück reinen fliegenden Sand, einige Hundert Schritt vom Hanse, wo sonst nichts recht gerathen wollte; doch geschah die Saat zu spät, den 15. Mai; die Pflanzen wurden trotz großer Dürre bis 2^ hoch, blieben aber dünn- stickig und blühten wenig. Im Spätherbst abgemüht, zu Heu gemacht, wurde dasselbe, mit anderem Heu gemischt, von Kühen und Schafen gerne gefressen. Im vorigen Jahre wollte ich dies Stück Land, da es mir nicht genügende Resultate geliefert hatte, und ich auch wegen des Nicsenklees, der so klein geblieben war, öfter verspottet wurde, umpflügen lasten. Es begann aber ein zeitiges Frühjahr, und ehe das Umpflügen geschehen konnte, hatten die vorjährigen Wurzclknoteu 6 bis 8 Stiele >/./ hoch kräftig cmporgctrieben mit schönen dunkelgrünen, fettig sich anfühlenden, rundlichen Blättern, welche von den Gänsen und Schafen sehr gerne gefressen wurden. Nun ließ ich ihn stehen, um zu sehen, was daraus werden würde. Er wuchs in vielen Zweigen und Acsten ausgebreitet (manchmal zählte ich an einer Staude 10 Aeste), vom warmen Wetter begünstigt, schnell zu großen Sträuchen heran. — Die Hauptblüthe begann Mitte Juni und dauerie ununterbrochen bis Ende Oktober, wo es fror. Die Blüthenrispcn sind sehr klein, die Blüthen weiß; es sammelten die Bienen darauf hellgelbe Höschen. Nach der Blüthe setzt sich gleich der zahlreiche Same, jedes Korn in einer kleinen Kapsel, an. Unaufhörlich, vom frühesten Morgen bis in den spätesten Abend, wurden diese Blüthen von den Bienen, besonders auch von den Italienern, besucht. — Es ist für einen Imker ein wonniges Gefühl, wenn er av irrem schönen Tage, bei einem blühenden Napsfelde stehend, seine Lieblinge eifrig für sich sammeln sieht. Ebenso wurde mein Kleefeld emsig von den Bienen beflogen; es schwirrte und summte darinnen, daß es eine Lust war. Alles an diesem Klee, die Blätter, Blüthen, Stengel und Samen, besitzt einen angenehmen chokolade- artigen Geruch. Schon in größerer Entfernung, besonders zur Blüthezeit, nimmt mau denselben wahr; die Lust ist ordentlich parsümirt davon. Trotzdem mein kleines Kleefeld, ^ etwa Vk Morgen groß, fortwährend in der Sonne lag, und trotz der großen Hitze und Dürre vorigen Sommers, erreichten die Stengel die Höhe von 5 bis 10 Fuß. Wie 191 müßte erst bei öfterem Rege» und auf nassem lehmigen Boden sich die Vegetation desselben entwickeln? Zur Aussaat gebraucht man pro Morgen ein Pfund, wenn man ihn der Bienen und des Samens wegen baut. — Durch die Verbreitung dieser Pflanze könnte man in Zukunft eine bedeutende Bienenweidc gewinnen, und dürfte dann die Klage: „Hier ist eine Honigarme Gegend!" bald weniger gehört werden. — Den Bienenzüchter-Vereinen möchte ich den Anbau und die Verthcilung von obcngenannten 14 Bienenpflanzen, sowie auch das Anpflanzen von Linden, Akazien und Weiden besonders empfehlen. (Nach der Eichstädter Biencn-Zeitung.) Ei» Lebeusrettungs - Apparat. * Die Themse bei Cremornc Gardens war kürzlich Abends die Scene eines höchst interessanten Schauspiels. Mehrere tausend Personen hatten sich eingesunken, um den Experimenten beizuwohnen, die mit einem von dem amerikanischen Capitain I. B. Stonor erfundenen „Lebeusrettungs-Apparats" von zwei Amerikanern, einem Herrn und einer Dame, vorgenommen wurden. Nachdem die Beiden zuerst Korkjackcn angelegt, hüllten sie sich in weite Gummi-Röcke, die den ganzen Körper bedeckten und nur Hände und Gesicht frei ließen; alsdann wurden Gummi-Gewichte an ihren Füßen befestigt, um den Trägern eine aufrechte Stellung und vollständiges Gleichgewicht zu ermöglichen, und in diesem Zustande, nachdem noch ein Zinnkasten, in Form einer Bahr an ihrem Leib befestigt worden, sprangen sie in's Master. Dieser Kasten enthält in seinem obern Theile Lebensrnittel für acht Tage, einen Revolver, bengalische Flammen, Lichte und sogar, falls ein Schiffbrüchiger darnach Verlangen tragen sollte, — Cigarren und Zeitungen. Der untere Theil birgt einen ansehnlichen Vorrath au Trinkwasser, das vermittelst einer Gummiröhre, die mit einer Metallschraube verschlossen ist, dem Munde zugeführt werden kann. Die Erfindung ist in Amerika patentirt, und eine — mit einem Capital von 300,000 Dollars gebildete amerikanische Aktien-Gesellschaft verkauft die Apparate zu 7 Pfund Sterling das Stück. Die preußische Regierung soll dem Vernehmen nach entschlossen sein, die Erfindung zu adoptircn und gegenwärtig werden in Amerika, Frankreich und andern Ländern an 50,000 solcher Apparate angefertigt. Die beiden Amerikaner, welche das Experiment ausführten, blieben wohl eine halbe Stunde im Wasser, ohne daß sie andere Mittel zu ihrer Fortbewegung benutzt hätten, als kleine Gummi- Ruder, die einen Theil des Apparats bilden. Beide zeigten den Gebrauch desselben, öffneten den erwähnten Zinnkasten, aßen und tranken, feuerten einen Revolver ab, ließen bengalische Flammen in die Höhe steigen, und steckten schließlich eine rothe Flagge mit der Inschrift „Eureka" auf. Die Anlegung des Costüms erforderte keinen längeren Zeitraum als 31/2 Minute. Capitain Stonor, der Erfinder des Rettungs-Apparates, hofft mit der Zeit alle Passagierschiffe damit zu versehen, und beabsichtigt solche zu dem mäßigen Preise von 1 Lstrl. für jede Reise auszulcihen, außerdem jedem Schiffe einen Sachkundigen bcizugcben, der den Passagieren die Nützlichkeit des Apparats theoretisch und praktisch vor Augen führt. M i s e e l l e u. * In Harford, Maryland, wurde kürzlich eine junge Dame, Miß Martha Eairnes, welche ihren Geliebten wegen eines angeblich nicht erfüllten EhcversprcchcW kalten Blutes in ihrem Zimmer niedergeschossen hatte, nach einer mehrtägigen Assiscn« Verhandlung von den Geschworenen des Mordes für nicht schuldig erkannt — und freigesprochen. Während des ganzen Prozesses befand sich die schöne Verbrechen» nicht hinter Schloß und Riegel, da sie ihr Ehrenwort gegeben hatte, sich nicht aus der Stadt zu entfernen, und weil man das gewöhnliche Gefangenhaus der Stadt als keinen anständige» 192 Aufenthalt für sie erachtete. Die Galanterie des Gerichtshofes ging so weit, die Angeklagte von einem elegant gekleideten Sheriff aus dem Hotel, wo sie wohnte, abholen und zurückführen zu lassen. Im Gerichtssaale erschien sie gewöhnlich in reicher Toilette am Arme des galanten Beamten, der sie mit dem verbindlichsten Lächeln zur Anklagebank geleitete und stets mit einer Verbeugung von ihr Abschied nahm. Auf der Promenade, im Hotel, und überall wo sie sich blicken ließ, bildete die junge Dame den Gegenstand der größten Aufmerksamkeit und Sympathie. Nach ihrer Freisprechung hielt sie in ihrem Hotel ein wahres Lever ab. Die Honoratioren der Stadt kamen, sie zu beglückwünschen, und am Abend wurde sowohl ihr, als der Jury, welche das freisprechende Verdikt abgegeben, eine Serenade gebracht. Ein französischer Poet, der in Deutschland sich aufhielt, um die Sprache und Literatur kennen zu lernen, wurde von einem vornehmen Herrn zu einem Diner eingeladen. Die Reichhaltigkeit der aufgetragenen Speisen, sowie die vorzügliche Zubereitung derselben begeisterten den Dichter so sehr, daß er die Erinnerung an die gehabten Genüsse in seinem Notizbuch zu Papier brachte und zwar folgendermaßen: O schöner Tag, als auf dem Tisch Die Lachsforelle lastete. Und später dann gewürzig frisch Die Günseleber-Pastete. Ein saft'ger Kalbskopf senkte still Die zartgebräuntcn Wimpern, Für den, der etwas Süßes will, Gab's Reisauflauf mit Himbeer'n. Ein italienisches Salät- chen angemacht mir Häring — Auch dieses hab' ich nicht verschmäht. Denn mir ist nichts zu gering. Ich aß von Allem dem genug, And mehr — das hieße freveln; Doch war ich froh, als man mich frug: „Thun Sie jetzt nichts mehr befehl'n?" „„O bitte, sprach ich, thun Sie bloß Den Hecht mir dort, den glänzenden, Gefälligst mit der gelben Sauce Ein wenig hieher entsenden!"" Und bei dem Kaffee that ich dann Noch zwei Havanna rauchen; Der Wirth ist gar ein feiner Mann, Und lieb ist auch sein Frauchen. Ich Glücklichster -der Sterblichen, Wenn so viel Tage wären! Nun ist die Freude verblichen. Wann wird sie wieder kehren? * (Eine seltene Uhr.) Wenn dem guten König Alfred, dem die Erfindung zugeschrieben wird, nach brennenden Lichtern von verschiedener Länge die Zeit zu niesten, gestattet wäre, die Wunder der modernen Civilisation anzuschauen, so zweifeln wir, ob irgend etwas den geistvollen Monarchen mehr interessiren würde, als eine für die Cathe- drale zu Beauvais unlängst vollendete Uhr, welche alle bisherigen Leistungen der Uhrmachcrkunst weit übertrifft. Die Uhr enthält nicht weniger als 90,000 Rüder, und zeigt neben vielen andern Dingen — die Tage der Woche, den Monat, das Jahr, die Himmclszcichen, die Gleichung der Zeit, den Lauf der Planeten, die Phasen des Mondes, die Zeit in allen Hauptstädten der Welt, die veränderlichen Feste für 100 Jahre, die Heiligen-Tage rc. — Vielleicht der merkwürdigste Theil des Mechanismus besteht darin, daß vermittelst einer nur alle drei Jahre einmal in Wirkung tretenden Kraft auch der eine Tag des Schaltjahres angegeben wird. Die Uhr wird alle acht Tage aufgezogen, hat ein Zifferblatt von 12 Fuß Durchmesser und kostet 8000 Lstrl. (circa 96,000 sl.) Charade. (Zweisilbig.) Drohet dem Ersten Gefahr, so versammelt sich schnelle das Ganze, Ist es einig und stark, dient es dem Ersten zum Zweiten. Druck, Verlag und Redaction des Literarischen Instituts von llr. M. Huttler.