' s« zur 4 » Nr. 2. Samstag, 6. Januar 1483 . Uor dem Mudomienbilde. Erzählung von H ermann Hirschsel d. (Fortsetzung.) Des Mannes Antlitz nahm einen Ausdruck der Freude an. „Ihr sollt sie haben; benachrichtigt mich nur, ehe der schmucke Bursche das Nest verläßt, — unterwegs hefte ich mich an ihn, — ich hoffe, es geht in Frieden ab; Ihr habt ihn mir gezeigt, als er an uns vorbeisprengte — er gefällt mir; es wäre schade um das junge Blut, machte er mir zu schaffen, — doch nun will ich Eure Befehle vollziehen. Euch treibt doch gewiß die Sehnsucht zu Eurem Vater, den Ihr seit Jahren nicht gesehen, nicht wahr?" Er lachte höhnisch auf. Ein Zornesblick traf ihn aus den Augen Luigis, des jungen Mannes Faust ballte sich, aber dennoch blieb sein Zorn stumm. „Ich habe nie ein Vaterhaus gekannt", sagte er kurz, „was weißt Du von Gefühlen des Herzens? Geh' und thu', wie ich Dir aufgetragen." Mit diesen Worten entfernte er sich in der Richtung des HauseZ. Giacomo blieb zurück, mit beiden Händen bedeckte er sein Antlitz. „Was ich von Gefühlen des Herzens weiß", wiederholte er in dumpfer Verzweiflung, „ich habe ein Vaterhaus besessen und stieß es von mir — nun ist alles verloren, alles. — Gold allein kann nur Ersatz geben und Du sollst es mir liefern, nicht umsonst will ich Dir meine Seele verlaust haben." Während des Selbstgesprächs des Zurückgebliebenen hatte Luigi Valdini seinen Weg fortgesetzt. Nun drangen Stimmen an sein Ohr. Am Hause saßen drei Mensche» in innigem Verein, deren Seelen harmonisch zusammen klangen, — sein Vater und das junge Brautpaar. Vor ihnen stand ein Tisch, eine Flasche edlen Weines und Früchte in crpstallener Schale hoben sich von dem weißen Tuch, das ihn bedeckte. Eben hob der alte Herr das Glas. „Auf das Wohl des edlen, schwergeprüfte» Paares", sagte er, „auf das Wohl des letzten Königspaares von Neapel." Die Gläser klangen aneinander, aber plötzlich glitt der Crystall aus des junge» Mädchens Hand, während ein unwillkürlicher Schauer ihre zarte Gestalt erbeben ließ. Sie hatte ihr gegenüber, zwischen den Büschen zwei Augen auf sich gerichtet gesehen, die mit unbeschreiblichem Ausdruck auf ihren Zügen ruhten. „Dort, — dort —", stammelte sie, in die Richtung deutend, wo sie die Erscheinung bemerkt hatte. „Um Gottes willen, was ist Dir?" riefen Herr Valdini und Roberto aus einem» Munde. Alma versuchte sich zu sammeln, — die Erscheinung irmr verschwunden. „Nichts" sagte sie, „— ein Schwindel — es ist schon vorüber." Bestürzt blickten die Männer sich an, aber bald waren sie beruhigt, denn das junge Mädchen schien, obwohl mühsam, ihre Heiserkeit wieder zu gewinnen, — auf's Neue klänge» die Gläser aneinander. — 10 — Da eilte die hagere Gestalt Luigis den Baumgang entlang. Der alte Herr sprang auf. „Mein Sohn, er überrascht mich, — er kennt noch die alten Wegs — willkommen, tausendmal willkommen." Eine innige Umarmung vereinte die beiden Valdini. Prüfend schaute Roberto in das Antlitz des Heimgekehrten, doch was er darin las, schien ihm wenig zu behagen. Alma aber lehnte auf's Neue todtenbleich in ihrem Sessel. „Diese Augen", flüsterte sie tonlos — „ich kenne sie — dieselben sind es, die mich anstarrten — war es Wirklichkeit, was mir geschah? Gott schütze uns und die heilige Madonna bewahre uns vor der Macht des Bösen!" Aus seines Vaters Armen machte sich Luigi los und wandte sich zu Alma. „Ich hörte Gläserllang bei meinem lammen", sagte er galant, „lassen Sie auch mich ein Wohl ausbringen, Fräulein, das Wohl der Anmuth, die mir als freundliches Willkommen entgegen tritt." „Und ich füge hinzu, das Wohl der Freundschaft, die uns verbinden soll", rief Valdini. „Roberto Ariano und Alma Wöhlert, die Tochter des Nordens —, Du kennst beide aus meinen Briesen." „Und hoffe, mich ihres Zutrauens würdig zu machen", sagte Luigi, sich vor Alma verneigend und dem Offizier die Hand reichend. „Herr Roberto, Ihr seid ein treuer Freund Cures Königs — Ihr werdet ihm den zu seiner Sache Zurückgekehrten empfehlen. Ich Habs von der sardinischen Regierung meine Entlassung erbeten." „So Recht", rief der Herr des Hauses, „Ich wußte ja, mein Sohn müsse zu den Ueberzeugungen zurückkehren, denen seine Pater anhingen." „Ich will Euch glauben", entgegnete Roberto gemessen, „so wenig Freunde darf der König Franz noch sein nennen, daß Zweifel in Euren Worten Unrecht wäre. "Noch heute kehre ich nach Gaüta zurück, ich werde Sr. Majestät Ihren Namen nennen." —> Fast wie ein Lächeln glitt es durch Luigis Züge bei diesen Worten. Alma, die kein Auge von ihnen gelassen, erbebte. „Schütze ihn, Madonna", rang eS sich empor aus ihrer Brust im stummen Gebet, — „dieser Mann will ihn verderben!" Drittes Kapitel. Der Abend war gekommen. Der Dämmerung Schatten senkten sich hernieder zur ermatteten Erde, wie leichte Schleier. Mit stärkeren Düften, mit heimlicherem Rauschen begrüßten Blumen und Bäume die nahende Nacht und in den Myrthenbüschen flöteten die Pögcl ihr abendliches Lied. Ein süßes Schauern ging durch die Natur und höher auf schwoll das Menscheuherz. Bor der Villa des Herrn Valdini hielt der Diener des Hauses das Pferd Roberto ArianoS, — Hand in Hand stand das junge Brautpaar zum letzten Abschied, ehr den Soldaten die Pflicht entführte. Das junge Mädchen barg ihre Thräne» nicht, auch der Offizier fühlte sich seltsam beklommen. „Sei stark Alma", sagte er, sich zur Fassung zwingend, „ich ahne, was Dich bedrückt, es ist die Anwesenheit des Sohnes unseres theuren Wirthes. Auch ich traue diesem Luigi nicht und lasse Dich ungern in seiner Nahe. Sobald ich in Gaüta, erbitte ich den Schutz der Königin. Besser in einer belagerten Festung, als mit diesem unheimlichen Menschen länger unter einem Dache. Und nun leb' wohl, in den Schutz der heiligen Jungfrau stelle Dich — sie wird uns nicht verlassen." Er bestieg sein Pferd, noch ein letzter Gruß, ein letztes Winken und die Schatten der Dämmerung hatten ihn umhüllt. Schon lange waren Reiter und Roß verschwunden und noch immer stand Alma, ihnen nachstarrend, auf demselben Fleck. „So traurig, schönes Fräulein?" tönte eins Stimme an ihr Ohr. Sie schrack empor. Luigi Valdini stand hinter ihr. „Verzagen Sie nicht", fuhr er lachend fort, da das Mädchen stumm blieb, „— ich Werde versuchen, Sie zu trösten, — daß Ihnen die Zeit nicht lange dauere, bis zur 11 Wiederkehr Ihres Verlobten, wenn anders ein Soldat von Wiederkehr sprechen darf." „Ich danke Ihnen", cntgegnete Alma sich abwendend. „Hoffnung und Gebet sind mein Trost, vergönnen Sie einer betrübten Braut, dieselben sin Einsamkeit und Stille zu suchen." Sie entfernte sich in den Garten, ohne dem jungen Mann weitere Beachtung zu schenken. Lnigis Augen schössen Blitze. „Du sollst diele Stunde bereuen", sagte er dumpf vor sich hin. Zu dem zerfallenen Pavillon lenkte Alma Wöhlcrt ihre Schritte; sie öffnete die unverschlossene Thür und betrat das Innere des kleinen Raumes. In seiner Mitte lag ein zusammengeballtes Blatt Papier, wie achtlos weggeworfen. Wer mochte es dorthin geworfen haben? — sie wußte, daß außer ihr und höchstens dem alten Diener keiner zum Lusthause kam. Sie hob das Papier auf, dann trat sie in den Nebenraum. Es war fast nur eine Zelle zu nennen, dem Umfange nach, aber traulich hatte sie Frömmigkeit zu schmücken verstanden. An der Wand hing ein großes Madonnenbild, das Kind Jesu in ihren Armen haltend, kunstlos gemalt, aber von rührendem Ausdruck; vor dem Bilde erhob sich ein mit einer Linnendecke bchangener Tisch, der eine Vase mit duftenden Blumen und zwei Leuchtern trug; wie an einem Altar lud es zum Beten ein. Das heilige Kreuzeszeichen machte Alma beim Eintritt in ihr kleines Heiligthum, dann entzündete sie eine der Kerzen und entfaltete das gefundene Papier; eS enthielt nur wenige Zeilen: „Gincomo, — er muß sterben, um jeden Preis — er ist mir im Wege. Ich verdopple den Preis!" Sie kannte nicht die Hand, der Brief trug keine Unterschrift und doch so groß war ihr Argwohn, so beängstigend ihre Ahnung, daß sein Inhalt sie wie ein Dolchstich traf. Nieder warf sie sich vor dem Bilde der Jungfrau. Nette, Heiligste — rette!" Was war'Z, das plötzlich im Nebenraum laut ward? Ihr Blut erstarrte, sie hörte Tritte, Männerstimmen flüsterten, — was sollte sich an dem «»besuchten Orte vollffehen? Mit rascher Ucberlegung blies sie die Kerze aus — noch hatte man sie nicht bemerkt, dagegen konnte sie durch eine Spalte der Thüre in den äußern Raum blicken. Vier Männer standen in seiner Mitte, das Licht einer mitgebrachten Laterne, die sie auf ein altes Postament in einer Nische gesetzt hatten, beleuchtete ihre Züge, — Alma erkannte Bewohner der Umgegend, die ihr Valdini als Gegner der Sache des KönigS Franz bezeichnet hatte. Wenige Minuten später und ein neuer Gast betrat den Raum — es war Luigi Valdini. Auf ihr Herz preßte das Mädchen die Hand, als ob sein lauter Schlag sie verrathe. „Freunde", nahm Luigi das Wort nach kurzer stummer Begrüßung. „Ihr seid mir als Anhänger der sardinischen Regierung bekannt, der auch ich meine Dienste geweiht, sie wird Euren Eifer zu belohnen wissen. Ich beschied Euch hierher, um Zeuge zu sein, daß durch meine Thätigkeit werthvolle Dokumente in unsere Hände gelangten. Diesen Abend hat ein bourbonischer Offizier diese Villa verlassen, um sich nach Gaeta zu begeben wichtige Papiere trägt er bei sich; er wird sie nicht an ihre Bestimmung bringen; sein Busenengel ist hinter ihm, durch mich gesandt, noch in dieser Nacht sind sie unser und ihr Besitzer ruht starr und stumm an einer entlegenen Stelle, meines treuen Giacomo Messer im Rücken." , „Ein Mord?" — Der Aelteste der Männer ergriff das Wort: „Weiß die Regierung um Euren Plan, Herr?" „Ich handle auf eigene Faust, sie wird mir danken, wenn die That geschehen." „Sie wird Dir fluchen, Mörder, wie ich Dir fluche!" 12 Vor den erschreckten Männern stand Alma, wie im Fieber leuchteten ihre Augen. „Verrath!" Aus einer Brusttasche riß Lnigi eins Pistole, aber ehe er abdrücken konnte, war sie ihm entwunden — hinaus stürzte Alma, der Boden schien ihr unter den Füßen zu brennen, während die Männer sich von dem Elenden verächtlich wandten, —- sie dienten einer Partei, — keinem Mordgesellen! „Feiglinge!" grollte Lnigi ihnen nach, „— ist das Euer Eifer — sie gehen zu meinem Vater, — hier ist keine Stätte mehr für mich. Nur einen Trost habe ich: die Rache. Giacoino wird seine Pflicht thun." -i- » Hernieder hatte sich die Nacht gesenkt, am tiefblauen Himmel funkelten viel tausend Sterne und ein treuer Wächter der schlummernden Erde, war des Mondes Silberscheibe aufgezogen am Firmament; friedliche Stille allüberall i» den Landen, selbst der Festung Kanonen waren verstummt — ermattet von des Tages Last und Mühen ruhten die tapferen Vertheidiger Gavtas. Nur das Königspaar wachte in schmuckloser Zelle, erwartungsvoll des ausgcsaudten treuen Boten harrend, von dessen Bericht es abhing, ob eS noch eine Hoffnung gab für einen wankenden Thron. Des Wegs daher kam ein Reiter in mäßigem Schritt, es war Roberto Ariano. Er mochte das Thier nicht anspornen, ihm war's, als fürchte er, durch rascheres Tempo den Frieden der Nacht zu stören, die ihn mit seinem ganzen Zauber umfing. Von fernher läutete die Glocke eines Klosters an sein Ohr und mit ihren Klängen zog Ruhe und stilles Glück in seine bedrückte Seele. Seinen Gedanken überließ er sich, sie führten ihn zur geliebten Braut und lichte Bilder der Zukunft stiegen in seiner Seele auf. Plötzlich scheute sein Roß, der junge Reiter blickte wie aus einem Traum erwachend empor; am Wege saß auf einem Stein ein wüst aussehender Mann in einen Mantel gewickelt, ein voller röthlicher Bart umgab das unschöne Antlitz, von den Furchen eines wilddurchstürmten Daseins durchzogen. Neben ihm stand ein Pferd und zupfte an den Gräsern, mit denen die aufsteigenden Seitenwände des Weges bewachsen waren. „Verzeihung, Herr", — ehrerbietig zog der Fremde den Hut, während Roberto mißtrauisch die Hand an seine Waffe legte, — „führt dieser Weg nach Gaöta?" „Er führt dorthin, — habt Ihr ein Gewerbe in der Festung? Es dürfte schwer halten, hinein zu gelangen." „Ich habe ein Gewerbe in Gaöta", entgegnete der wildsehcnde Mann' mich selber zu bringen und meine Treue. So wenig es sein mag, ein Arm mehr kann immer nützen und der meine gehört nicht zu den schlechtesten." (Schluß folgt.) GoldkSrnsr. Stürme, stürm', Du Winterwind, Du bist nicht falsch gesinnt Wie Menschemmdank ist. Dein Zahn nagt nicht so sehr Weit man nicht weiß, woher, Wiewohl Du heftig bist. Friere, sricr', Du Himmelsgriimu! Du beißest nicht so schlimm Als Wohlthat, nicht erkannt; Erstarrst Du gleich die Muth, Viel schärfer sticht das Blut Ein Freund von nnS gewandt. Shakespeare. Der kaun sich manchen Wunsch gewähren, Der kalt sich selbst und seinem Willen lebt : Allein wer And're wohl zu leiten strebt, Muß fähig sein, viel zu entbehren. Goethe. * Geschichte des Dsrses rmd ehem-rligerr Klosters Vernrked» Das Dorf Vermied, eine Stunde von Tutzing und von Seeshaupt entfernt, zum Kreise Oberbaycrn, zum königlichen Bezirksamte Weilheim und zur Diözese Augsburg gehörend, ist wahrscheinlich zwischen dem achten und neunten Jahrhundert nach Christi Geburt entstanden, geaast ist, daß schon vor dem Jahrs 1120 dahier eine Burg nebst Zugehör bestanden hat. Die Bewohner des Dorfes mußten sich, weil kein Feldbau vorhanden war, wegen schlechter Viehzucht und Fischerei hart und nur mit Bauung eines wenigen Hopfens erhallen. Um ihnen einen kleinen Erwerbszweig zu verschaffen, hat Otto von Laley, einer der mächtigsten Grasen von Bayern, und sein Bruder Walther, aus der Dachauer Linie der Grasen von Scheyer-Wittelsbach entsprossen und wahrscheinlich in Folge des EbersbergerS FamstienerwerbcS au den südwestlichen Ufern des Würm- Sces begütert, im Jahre 1120 seine in Vermied gelegene Burg nebst Zugehör in ein Stift verändert und dasselbe den regulirten Chorherrn des hl, AugustinuS zur Wohnung eingeräumt. Diese Stiftung wurde vom Papste Caliptus II. am 12. November 1123 vermöge einer Bulle bestätiget, i» päpstlichen Schutz genommen und wurden dadurch verschiedene Privilegien unterstützt. Der Probst und das Convent erhielten von diesem die Freiheit, einen Probst zu wählen und einen Schirmvogt (nävooatu^) zu bestellen, hie- gcgcu auch den Befehl, dast kein Religiöse nach abgelegter Proseß ein Eigenthum besitzen und das Kloster ohne Erlaubniß des Probsies und des Conventes verlassen sollte. Im Jahre 1321 hat Ludwig der Bayer, römischer Kaiser, dem Kloster die Pfarrei Tutziug geschenkt, welche Schenkung 1329 von Nndolph Herzog in Bayern constrmirt wurde. 1332 wurde dem Stifte das Patronatsrecht der Pfarrei HaunShofen ertheilt, 1333 erhielt das Kloster Vermied alle jene Freiheiten, welche bisher andere .Klöster besessen hatten. Im Jahre 1487 haben die Herzoge Ernst und Albrecht dem Stifte die Erlaubniß ertheilt, zu Fischen mit Segen, Neuschen und mit all andern Fischzeugen, als sie das von Alters her gethan haben, welches Recht ihnen 1520 Herzog Wilhelm IV. wiederholt einräumte. Im Jahre 1459 wurde» vorn Herzoge Albert III. die Salzfuhren des Klosters von München aus zollfrei gesprochen. Jedoch war die Dotation des Klosters zu keiner Zeit eine glänzende, aber sein Einfluß auf die ganze Umgegend während der fast 700 jährigen Dauer seines Bestehens gewiß wohlthätig und segensreich. Die Anzahl der Couventualen — iu den letzten zwei Jahrhunderten zwischen 10—15 sich haltend, war nur immer so groß, um den gottesdienstlichen Verrichtungen im Orte selbst, sowie auch zur Pastorirung mehrerer dem Kloster einverleibten Pfarreien in der Umgegend und zur Ucberwachung des gemeinschaftlichen Haushaltes Genüge leisten zu können. Von den Chorherrn des hiesigen Stiftes zeichnete sich ganz besonders Paul von Bermied aus, er mach.e der Diözese Augsburg durch seine Gelehrsamkeit und Tugend große Ehre. Er war ein Zeitgenosse und treuer Gewährte des Probsies Geroh. Von seinem ldes Paul) Herkomme», von dem Jahre seiner Geburt, von seinen Studien meldet die Geschichte nichts, daß er in Deutschland geboren sei, ist nicht zu bezweifeln, daß Bayern sein Vaterland war, läßt sich vermuthen, er war ein Priester oder wie anders wollen ein Canoniker von Negensburg. Die Priesterweihe erhielt er von Ulrich, Bischof von Passau, welcher wenigstens schon im Jahre 1124 gestorben war. AIs ein eifriger Anhänger und Vertheidiger des Papstes Gregor des VI!., des Cölibalcs, und des gemeinsamen klösterlichen Lebens, wurde er von verschiedenen Seiten verfolgt und gezwungen, Negensbmg zu verlassen. Er nahm seine Zuflucht in das neugestiftete Kloster der regulirten Chorherrn des hl. Augustin zu Vermied, in dem er sich zum gemeinsamen canonischen Leben bekannte, und in einem gottseligen Wandel sein Leben beiläufig um das Jahr 1150 endete. Seine vorzüglichsten Schriften, die er hinterlassen hat sind: Vita OiwAorii ^o^tnui. und Vita 11. Ilorlucmo. Er ergriff nämlich öffentlich die Partei des Papst.s Gregorius V!l. wider die Kaiser Heinrich den IV. und V. nahm die Vertheidigung des Papstes Gregorius VII. auf sich und beschrieb desselben Leben, Wandel und Thaten. Was ihn zu dieser Arbeit bewogen habe, gibt er aus folgende Art an: „Es darf nicht, sagt er, mit 14 Stillschweigen Übergängen werden, wie dieser starlmüthige Verfechter der Suche Gottes List, Nachstellungen und Gefahren, Verläumdungen, Verhöhnungen seiner Feinde und die Gefangenschaft wüthig erduldete, und wie er mit Hilfe Gottes und durch die Fürbitte der Apostel die Feinde der Kirche besiegte. Wissen sollen die Jetztlebenden und die Nachkommenden, wie tief das Jahrhundert dieses Papstes gesunken war und ungeziemend wäre es, die Arbeiten dieses Mannes zu vergessen, da doch die Weltlichen die Prosan- geschichte zur Nachahmung der Nachkommenschaft überliefern. DaS Beispiel dieses Papstes soll, wenn sein Andenken verewiget wird, der Kirche zur Stärke, den Gläubigen zur Ehre und den Abtrünnigen zur Schande gereichen. Durch ihn sind die ersten Grundsätze der Gerechten wieder geltend gemacht worden, durch ihn hat die Kirche gesiegt und das Erde der ewigen Glückseligkeit Festigkeit erhalten." Die selige Herluka lernte Paulus in Bernried, woselbst sich zur damaligen Zeit auch ein Frauculloster befand, persönlich kennen und unterhielt mit ihr einen freundschaftlichen und heiligen Umgang. Im dritten Jahre nach ihrem Tode schrieb er ihr heiliges Leben und widmete diese Schrift seinen Mit- brüdern zum Troste. Herluka war im Schwabenlande, wahrscheinlich in Hirsau geboren, sie diente in ihrer Jugendzeit mehr der Eitelkeit als dem Herrn. Die ewige Erbarmnng Gottes suchte sie mit einer Krankheit heim, und erregte in ihr den Entschluß zur LcbcnSbesserung. Allein als sie gesund geworden war, vergaß sie auf's Neue die guten Vorsätze und kehrte zum früheren leichtsinnigen Leben zurück. Auch jetzt ward sie noch nicht verlassen von der ewigen Liebe. Sie wurde mit leiblicher Blindheit geschlagen, damit ihr geistiges Auge sich öffne und das; sie erkenne, was ihr zum Frieden diente. In diesem Elende gelobte sie Gott, sie wolle ihr ganzes Leben seinem Dienste weihen, wenn er ihr wiederum das Augenlicht schenke. Mit diesem frommen Gelöbnisse sendete sie einen ehernen Ning zum Grabe des hl. Märtyrers CyriakuS, um durch dieses Opfer und die Fürbitte des Heiligen an einem Auge sehend zu werden. Ihre Bitte ward erhört. Das eine Auge wurde derart wiederhergestellt, daß sie an Schürfe des Gesichtes alle übertraf. Bis zum Grabe blieb ihr dieser Sinn unversehrt. Nun zog sie das Ordenskleid an und lebte ganz im Dienste der armen und kranken Mitmenschen. Sie begann mit der Pflege der Kinder. Wo sie ein armes, verwahrlostes Kind sah, nahm sie sich dessen an, erbettelte ihm Nahrung und Gewand, reinigte und pflegte es, bis sie es verlässigen Leuten übergeben konnte. Von diesen ihren Werken der Barmherzigkeit bekam Adelheid, die fromme Gemahlin des Pfalzgrafen Mangold, eins Kunde. Sie nahm die barmherzige Herluka zu sich, um vereint mit ihr Gott dienen und zum Heile des Nächsten wirken zu könne». Herluka stand mit den Seligen des Himmels in einem besonderen freundlichen Verkehre. Einst hatte sie einer Magd durch eine Nothlüge die Zurechtweisung von ihrer Frau ersparen wollen, sogleich erschien ihr die hl. Felizitas, die Mutter der 7 Märtyrer, und gab ihr einen Verweis wegen ihrer Lüge und wegen vergeblicher Rede». Herluka tilgte diese Sünde durch Thränen der Neue und war bald wieder der Heimsuchung von Seligen gewürdiget. Auch der hl. LaurentiuS, der Patron ihres nacbherigen Aufenthaltsortes Epfach (am Lech zwischen Schongan und Landsberg) erschien ihr öfters. Fast immer wurde sie von ihm zur hl. Communion geleitet. Ebenso stand sie im geistigen Verkehre mit dem hl. Bischöfe Wikterb von Augsburg, der lange Zeit vorher in Gott selig dahingeschieden war, und dessen Gebeine damals in Epfach ruhten. Alle diese Gnaden- erwe.sungen hat die Selige in Epfach erfahren. Der selige Abt Wilhelm von Hirsau in Schw'aben war früher ihr Lehrer gewesen. Er hatte ihr aufgetragen, da zu verbleiben, wo ihr am meisten göttliche Heimsuchungen würden zu Theil werden. In einem himmlischen Gefühle empfing sie vom hl. Wikterb die Versicherung, das; Epfach dieser Ort sei. Darum verblieb sie dortselbst 36 Jahre lang, bis sie von wilden Horden vertrieben, eine neue Wohnstätte aufsuchen mußte. Viele hatte sie zur LebsnSbesserung bewogen und viele Mädchen bestimmt, ihre Jungfräulichkeit unversehrt für ihren himmlischen Bräutigam zu bewahren. Nach ihrer Vertreibung von Epfach wählte sie auf den Rath des fromm«» und gelehrten Mönches Paulus, mit dein sie schon in Epfach in einen freundschaftlichen Verkehr getreten war, Bernried als ihren künftigen Aufenthaltsort. In Bernried lebte sie als Evuversa und setzte unter der Leitung dieses frommen Mönches in eine enge Zelle eingeschlossen ihr beschauliches und strenges Leben fort, und beschäftigte sich nicht blos mit Gebet und Betrachtung, sondern auch mit literarischen Arbeiten und erwarb sich den Ruf einer Seherin in dir Zukunft. Sie soll nämlich mit prophetischem Geiste viele Schicksale des deutschen Reiches vorhergesagt, und die berühmte Heidelberger Bibliothek, welche Maximilian der I. dem Papste Gregorius XV. schenkte, soll die Sammlung derselben besessen haben. Sie endete gottselig ihr Leben im Jahre 11-12 in einem Alter von 52 Jahren. Ihr Leichnam wurde in der Klosterkirche begraben und wie sie im Leben ehrwürdig war den Gläubigen, wurde sie nach ihrem Tode als eine Büßerin verehrt. Ein einfaches Kreuz in einem Steine des Kircheupftasters bezeichnet die Stelle ihrer Gruft. Das Stift und Dorf Bernricd wurde durch diese beiden frommen Personen, den Paulus Beruricdensis und die Herkuka, welche unter den ersten zwei Probsten, dem Sigiboto und Otto dem I. lebten, sogleich bekannt und berühmt. Zur Zeit des KlosterbcslandeS waren, wie der Herr geistliche Rath und Professor Westenrieder in einer im Jahrs 178-1 in München herausgegebenen Beschreibung des Würin- oder StarnbergerseeS angibt, in Vermied mit einem Blick drei Kirchen zu sehen, die St. Martinskirche, die Hofmarkspfarrkirche und die Klosterkirche. Die St. Martinskirche, an der Ostseite des Klosters gelegen, wurde nach der Säcu- larisation des Klosters abgebrochen. Zur Zeit bestehen hier nur mehr zwei Kirchen nämlich die Klosterkirche und die ehemalige Hofmarkspfnrrkirchr mit der angebauten Grnstkapelle. (Schlug folgt.) Ein atiso P n rr r. Einst waren sie jung, jetzt sind sie alt, Wie zogen so rasch die Jahre, Wie hat die Zeit mit stiller Gewalt Weis, schimmernd gebleicht die Haare! Einst schien'-?, als tonnte sie nie vergeh',!, Iin Lenzesblühcu and Wogen Einst schien da? rollende Rad zu sieh'», llud siehe, es ist geflogen! Wo bist du, laug entschwundener Traum, Und doch lebendig wie heute! Wie koj'teu da unterm Liudenbauiu So herzig die jungen Leute! O, als sie wonnig der Abendwiud Mit würzigem Dust berauschte, O, als vom Himmel der Mond so lind Manch selige» Knsi belauschte! Und als sie fröhlich am Traualtar Die Hand sür's Leben gebunden — Ami sitzen sie still, ein altes Paar, Und tzedenkeu vergcmg'ucr Stunden. ' Sie haben erlebt ihr schönstes Glück ! In jugendsonnigen Tagen, ! Sie haben vereint mit heißem Blick ! Manch Glück zu Grab auch getragen. ! Nickn ist's der Bursch, dcr lästige, mehr, ! Das Mädchen, das schelmisch lose — j Auch glücklich lastet das Lehen schwer — ; So rasch entblättert die Rose. .! Ami lesen sie gern manch heilig Wort s Ritt siuueudem Ernst zusammen — i Das einst gelodert, nun glüht es fort, ! Das Feuer i» sanften Flammen. Doch einmal erlischt daZ heilste Licht, — Wie tauge kann es noch dauern, Wie wird dann Eins um da-? Andere nicht So ichmcrzlich und einsam trauern! Da beten die alten Herzen still:- Dein Reich, Herr, laß uns erwerben! Und wenn's die göttliche Gnade will, Zusammen laß uns dann sterbe»! Herrmauu Kleile. M i s e e l S e rr. (Der Kardinal-Erzbischof Donnet von Bordeaux,) der bekanntlich vor einige» Tagen starb, hatte bis iuS hohe Alter die Gestalt und das Aussehen eines rüstigen Greises bewahrt. Ueber das Keißwerden seines Haupthaares erzählte er selbst aus der Tribune des kaiserlichen Senats anläßlich einer Debatte über verfrühte Beerdigungen, daß er als achtzehnjähriger Jüngling als todt in die Bahre gelegt wurde und die Kraft zu schreien erst wieder erlangte, als um ihn her Todtengesänge angestimmt wurden: man 16 befreite ihn noch rechtzeitig aus dem schrecklichen Gefängniß, in dem er solche Qualen ausgestanden hatte, das; sein Haar darob gebleicht war. — Wie alle Diejenigen, die ihn kannten, berichten, war Kardinal Donnet sehr heiterer Gemüthsart und immer zu einem Scherze gegen seine Besucher, namentlich aber gegen seine Tischgenossen ausgelegt. Er machte sich einen besonderen, unzählige Male wiederholten Spaß daraus, sie auf ihre Wcinkenutnisse zu prüfen, indem er ihnen „Medoc", „Chateau Lafitte," „Chatean Margot" „lLhateau Uguem" :c. vorsetzen ließ, sich an den Lobeserhebungen, die seinem Keller gespendet wurden, weidete und zuletzt in Helles Lachen ausbrach: „Meine Herren, haben Sie denn nicht bemerkt, daß Sie immer einen und denselben Wein getrunken?" (Schwizer Dütsch.) Entlebucher Gesetzes Paragraph. Bi de gueten alte Junkor- ziten ist Herr Eduard Psysfer Statthalter gsy im Land Entlibus.h' Einist chunnd e Nathsherr vo Marbach zuen ein. Der Statthalter frägt e: „Was sage die Entlibuecher zum neue Gsetz, wo mini gnädige Hcrrs und Obere usegä hei?" — Nathsherr: „Ja, das neuGwtzida?" (Kratzt hinter den Ohren.) — Statthalter: „ Wird'S G>ctz au ghalte?" — Nathsherr: „Ja, ja, Herr Statthalter! das Gesetzt da — ja, ja, 's wird ghalte." — Statthalter: „So, so, he nu es freut mi" — Nathsherr: „Ja ... Herr Statthalter! ja... 's sind nume Vier, wo 's halte." — Statthalter: „So—o—o, nur Vier? und die Vier sind?" — Nathsherr: „Ja, heit 's ume nid für uguet: — Die vier Nägili haltit 's, mit dene mer 'S a 's SprützehüSlitöri agnaglet hei." (Uebung!) Der Engländer Currau war ein witziger Kopf. Als er einst hörte, daß ein geiziger und nicht gerade wegen Sauberkeit berühmter Advokat eiligst in Geschäften nach dem Continent abgereist war und nur ein Hemd und eine Zehnpfundnote mitgenommen hatte, sagte er: „Die wird er nun wohl beide vor seiner Heimkehr nicht wechseln!" — Und als ihm während seiner letzten Krankheit Jemand bemerkte, „er huste heut schwerer als gestern," antwortete er: „Kaum glaublich; ich habe es ja durch die ganze Nacht geübt!" (Ein neuer Vorschlag.) Auf der internationalen Schiedsgerichts-und Friedenskonferenz in Brüssel hielt General Türr eine mit stürmischem Beifall aufgenommene Rede,' in welcher er u. A. sagte: „Wenn Sie den ewigen Frieden wollen, so müssen Sie den allgemeinen dauernden Militärdienst proclamircn. Die Frauen werden dann ein Interesse daran haben, den Krieg zu verhindern und das wird helfen." (Praktisch.) „Wie kommt's denn, Meier, daß Sie seit einiger Zeit Kaffee trinken während Ihre Frau Bier trinkt?" — „Ganz ei fach. Wenn ich Bier trinke, trinke ich mehr als ein Glas, und wenn meine Frau Kaffee trinkt, trinkt sie mehr als eine Tasse; damit wir aber bei den schlechten Zeiten nicht so viel ausgeben, trink' ich Kaffee und meine Frau trinkt Vier." (Das schuldige Gefängniß.) Richter: Sie wurden eben erst vor drei Tagen auS dein Gesängnisse entlassen und sind doch schon wieder im total betrunkenen Zustands aufgefunden. - Angeklagter: Ja, das ist eben der Nachtheil der Gefängnisse, daß man darin ganz verlernt, etwas zu vertragen. Da hat man gleich einen Rausch weg. (Vgn der Ueberschwemmuug.) Baron: „Wenn Sie mich lieben, Jda, so spende ich in Ihrem Namen diesen Diamant zum Besten der Ueberschwemmten." — „Wissen Sie, Herr Baron, da spenden Sie mir den Dicunantring und lieben Sie die Ueberschwemmten," Original-Räthsel. (Vier A nfangsbu ch stabe n.) * Mit 6 ist's kaum entbehrlich Mit wohl sehr beschwerlich Mit III sogar verehrlich, Mit IV ojt recht gefährlich. Für die Redaktion vercmtworiiich Alphons Planer in Augsburg. — Druck und Verlag des Liternriicliei' ^nklünts von lix. Max Hultler.