zur H, Zfr. 3. ——»-ss— Mittwoch, 10. Januar 1S83. Uor dem Mndonnenbilds. Erzählung von Hermann Hirsch selb. -(Schluß.) Unwillkürlich mußte Roberto lächeln. „Das sehe ich", sagte er, „und weßhalb stellt Ihr Euch, wenn Ihr wirklich der Sache des unglücklichen Königs Eure Kraft weihen wollt, erst jetzt?" „Weil ich ferne von Italien war, Herr; heimgekehrt, vernahm ich von meinem alten Vater, einem treuen Anhänger des Königs. Franz, was geschehen und machte mich sofort auf den Weg." Prüfend blickte Roberto in die Züge des Redenden. „Ihr seid ein Italiener, sagt Ihr? Seltsam, Euer Antlitz spricht nicht dafür — es erinnert mich entfernt an ein Wesen — man sollte meinen Ihr wäret ein Deutscher." „Ihr seid nicht der Erste, der mir das sagt, Herr", entgegnete der Mann, sich abwendend. „Doch mir kamüs gleich sein", meinte Roberto, „Ihr kennt die Richtung nun, lebt wohl, mich drängt die Zeit." Gewand schwang sich der Zweite auf sein Pferd. „Darf ich mit Euch des.Weges ziehen, Herr?" fragte er, „man reitet besser zu zweien und nicht geheuer von Räubern soll diese Gegend sein." „Die Straße ist nicht für mich allein", erwiderte Roberto, „ich kann Euch nicht hindern. Aber", fügte er hinzu, „ich benachrichtige Euch, daß ich nichts von Werth, wohl aber gute Waffen bei mir führe und jede Eurer Bewegungen scharf bewache." Der Mann lachte. „Ihr traut nur nicht, — ich kann's Euch nicht verdenken, ich hoffe, Ihr sollt anders von mir denken." „So kommt. Ich habe zweifelhafte Gesellen noch lieber mir zur Seite, als hinter mir." — Die Neiler setzten ihre Pferde in Bewegung, vorwärts ging es durch dje stille Nacht. Beide sprachen nicht, ab und zu blickte der angebliche Anhänger des Königs Franz feinem Gefährten in's jugendfrische» Antlitz; etwas wie ein Ausdruck von Theilnahme leuchtete aus den.verwitterten Zügen, aber bald genug verlor er sich und abgerissene Worte drangen wie ein Selbstgespräch aus der breiten Brust empor. Ich möcht's nicht thun, — er hat etwas, das ihn mir lieb macht — und doch —> sechshundert Franken — das erste Mal — und gerade dieser — Auch Roberto hatte seinen Gefährten nicht aus den Augen gelassen, — von seinem Selbstgespräch'verstand er natürlich nichts und keine verdächtige Bewegung war ihm aufgefallen. Mit seinem guten Herzen sing er an, sein anfängliches Mißtrauen zu bereuen. Er begann einige Worte mit dem ihm aufgedrungenen Begleiter zu wechseln, — ein kurzes Gespräch entspann sich, der Fremde zeigte sich harmlos und vertrauend und mehr und mehr wurde des jungen Offiziers Argwohn beschwichtigt. 18 — Nach und nach verstummte die Unterhaltung, zurück sank Roberto in die Welt der Gedanken, die ihn vorher umfangen, — so still war die Nacht, so friedlich wie ein Tempel Gottes; von seinem Hauch durchweht, umgab sie die Natur, des Himmels Augen schauten auf sie herab, — konnte in solcher Umgebung eine Menschenseele Böses planen? Mehr als einmal schon hätte sich zu einem Ueberfall Gelegenheit geboten, — er war nicht ausgeführt worden. Weiter ging der Ritt die gewundene, berganführende Straße entlang, Anhöhen bald erhabener aufragend, bald niedriger, schlössen sich von beiden Seiten ein. Naher schallte des Klosters frommes Geläute. Was glänzte dort in der Nische am Fuß einer der kleinen Erhebungen den Männern entgegen, wie ein Gebilde aus flüssigem Silber? Es war ein Bildniß der Mutter Gottes in Holz geschnitzt, das des Mondes Silberstrahl wie mit einer Glorienverklärung umgab. Der junge Offizier hielt sein Roß an. — Es war als ob eine unwiderstehliche Macht ihn zu diesem Gnadenbilde dränge, als ob der Arm der hl. Königin des Himmels ihn zu sich winke. Er wußte, daß daheim die geliebte Braut zu der Erhabenen des Herzens Flehen richtete, im Geiste wollte er sich mit ihr vereinen — wollte beten für ein anderes junges Paar im Glanz der königlichen Krone und doch sorgenbeladener, als der Aermste ihres entschwundenen Reiches. Er wandte sich an seinen Geführten. „Wir wollen hier Halt machen", sagte er, „nicht an der heiligen Himmelskönigin vorbeiziehen, ohne ihr unsere fromme Andacht dargebracht zu haben. Seht, wie des Mondes Strahl verklärt auf ihren Zügen ruht." Der Andere lachte spöttisch auf, als er den jungen Offizier vom Pferde steigen sah, doch folgte er dessen Beispiel. „Ein Soldat und beten?" fragte er höhnisch — »meint Ihr, daß Kronen sich durch Rosenkranz und Ave Maria flicken lassen?" Ernst sah ihn Roberto an. „Was ist es", — erwiderte er, „das Gaötas tapfere Vertheidiger erhebt und stärkt, was dem Streiter für eine edle Sache Vertrauen leiht und seinen Arm kräftigt? Es ist der Glaube, des Herzens inbrünstiges Gebet. Und wenn er unterliegt, ist's abermals der Glaube, ist's abermals das Gebet, das ihm sein Unglück tragen hilft — er weiß, nicht seine Schuld, der Wille Gottes lenkie den Ausgang, der Wille, der durch schwere Prüfung zum Triumphe führt. So bete ich, Freund, und solchen Gebets braucht kein Soldat, selbst der tapferste, sich zu schämen. — Und Ihr, habt Ihr das Beten denn verlernt?" „Ja", tönte es dumpf aus des Mannes Brust; „auch ich habe einst gebetet und gefleht, ein Bereuender, das. Theuerste wieder zu finden, was ich auf Erden besaß — die Madonna hörte mich nicht — seitdem bete ich nicht mehr." „Ungläubiger", — rief Roberto — „und weil nicht gleich Dein Verlange» sich erfüllte, zweifelst Du an der Macht der Himmelskönigin? An dieser Stelle muß sie weilen, — zur Andacht stimmt des Klosters frommes Läuten — mit mir eine Dich im Gebet, glaubend, vertrauend." Entsetzlich zuckte es im Antlitz des Mannes. „So mag sich denn Dein Glaube bewähren", — schrie er, „— sechshundert Franken für eine Kugel in Deine Brust, ich verdiene sie mir! —" Mit Blitzesschnelle riß er eine Pistole hervor — hell funkelte der Lauf im Lichte des Mondes. „Roberto — Mutter Gottes, schütze ihn —!" Durch die stille Gegend donnerte der Schuß, — er hatte sein Ziel verfehlt; unwillkürlich emporblickend zur Anhöhe über dein Gnadenbilde, woher die Stimme erschallte, war der Mörder zurückgetaumelt, der Schuß ging in die Luft, er selber aber schlug schwer, wie vom Blitz getroffen, zu Boden. „Allgerechter Gott, meine Schwesterl" Wie betäubt stand der junge Offizier da, zu mächtig stürmte das unerwartete Er- 19 eigniß auf ihn ein, — eine Traumerscheinung dünkte ihm die Anwesenheit Almas, zu nächtlicher Stunde an diesem entlegenen Orte. Aber es war kein Traum, den nächsten abwärtsführenden Pfad hernieder eilte das junge Mädchen — nun war sie unten — nieder warf sie sich in inbrünstigem Gebet vor dem Bilde der Jungfrau. „Dir die Ehre, Madonna" — rief sie — „Du hast ihn gerettet!" „Alma" — mühsam fand Roberto seine Worte — „Du hier, was bedeutet alles dieses? —" „Daß der-Tod hinter Dir lauerte und die Madonna schützend ihre Hände breitete über unser Glück." In fliegender Mittheilung berichtete sie dem Verlobten, was geschehen. Als sie den Pavillon verlassen, habe nur ein Gedanke ihre Seele beherrscht, — den Bräutigam zu retten. Mit der Gegend vertraut, war ihr bekannt, daß die Höhen entlang ein weit näherer Pfad als der Reitweg nach Gaöta führe. Einen Mantel umgeworfen, der ihre Gestalt verhüllte, das Haupt mit einem Schleier bedeckt, eilte sie vorwärts. Keine Furcht kannte ihre Seele — der Glaube lieh ihr Stärkung — er hatte sie nicht getäuscht. „Ja", sagte Roberto tief ergriffen, „— es gibt noch Wunder, — was anders als ein Wunder war es, das die tödtliche Waffe von mir lenkte und den Mann, der zum Mörder werden wollte an mir, in den Staub warf? Doch des Feindes nicht zu vergessen, ist unsere Pflicht — seiner uns annehmen, sei der Heiligsten unser erster Dank." Er trat zu dem regungslos Daliegenden. „Erhebet Euch", sagte er mit milder Stimme, „ich weiß, nichts mehr zu fürchten habe ich von Euch — und was Ihr gethan, sei Euch vergeben." Beinahe furchtsam erhob der starke Mann das Haupt. „Ist sie fort?" fragte er leise. — „Fort, wer —?" „Die Erscheinung, die mir die Himmelskönigin sandte, daß nicht ein Mord meine Seele befleckte, — meine Schwester — Alma Wöhlert." „Alma Wöhlert, Deine Schwester? Kleingläubiger, nicht länger zweifle an Gottes Macht, — keine Erscheinung war es, was Deinen Augen sich bot, — sieh hin — dort steht sie selber, die uns beide gerettet — es ist meine Braut." Taumelnd schleppte sich Giacomo bis zu den» jungen Mädchen. „Alma — erkenne mich, fluche mir nicht — Wilhelm bin ich, — Dein unglücklicher verlorener Bruder." „Wilhelm!" schrie Alma auf, „— nein, nicht verloren bist Du, so lange noch die Neue Dein Herz bewegt. Unsere Mutter segnete Dich und verzieh Dir sterbend und ich sollte Dich von mir stoßen?" Zu den Füßen des jungen Mädchens lag der wüste Mann. „Die Reue — ja schon einmal, dahinstürmend auf wilder Lebensbahn, hat sie mich gepackt und zur Stätte getrieben, die ich einst meine Heiinath nannte, — ich wollte ein anderer werden! Aber Mutter und Schwester waren fort, keiner wußte wohin, sie waren geflohen, die Schande zu verbergen, die ich durch meine tollen Streiche über sie gebracht. Da verlor ich den Glauben, die Hoffnung — nur dein Golde wollte ich dienen, gleichviel um welchen Preis. Manche Sünde beschwert mein Gewissen, doch rein von Blut war meine Hand bis heute — daß sie es ferner bleibt, der gnadenreichen Jungfrau verdanke ich's, die den Zweifler bekehrt, die dem reuigen Sünder vergibt. „Und ihrem Dienst", rief das junge Mädchen tief ergriffen, „dein Dienst des Heiligen und Guten sollst Du Dich ferner weihen. Hörst Du der Glocke Mahnung vom Kloster her? Dir ruft sie, — dorthin zur heiligen Schwelle walle und bitte die frommen Bewohner um Dienst. Je schwerer er sein mag, um so leichter wird Dir einst vergeben." »Ich will's, ich will's", entgegnete Wilhelm, „Deine Hand leite mich zum heiligen Asyl, das auch für Dich wohl Obdach einer Nacht bietet. Nicht zu dem Hause Valdini's sollst Du kehren, — Du warst Ursache, daß ich Roberto tödten sollte. Nicht verlangte Luigi Valdini nach Deines Verlobten Leben,, ehe er Dich gesehen — im Pavillon fand ich die Zeilen seiner Hand, die ich achtlos voll mir warf, nachdem ich sie gelesen." „Heil der Madonna!" rief Alma, „die uns alle so wunderbar beschützt. Sie war es, die mein Flehen erhört. Zu ihr erhoben sei der Dank unserer Herzen." Nieder auf die Knie sanken die Vereinten, — noch immer läutete die Glocke des Klosters, ein sanfter Hauch, wie ein Gruß der Ewigkeit, umspielte der Andächtigen Stirne und ihnen war's, als blicke das verklärte Antlitz der Madonna lächelnd hernieder zu ihnen — segnend die Vertrauenden — dem Reuigen verzeihend» ->- » Wenige Tage später weilte das Königspaar Neapels fern von Italien. Gaöta war gefallen, seine letzte Zuflucht. Mit Thränen entließ es seine Getreuen, vor allen Roberto Ariano, ihres Dienstes. Auf einer freundlichen Besitzung, zurückgezogen vom lauten Treiben des Lebens, weilt der ehemalige Offizier an der geliebten Gattin Seite, — die Armuth preist ihren Namen und des Hauses Segen ist ihnen erblüht. Liebliche Kinder verschöllen den reinsten Bund der Herzen. Sie sind der Stolz des Klosterbruders, der Kranken und Armen Hilfe spendend, unablässig das Land durchstreift, keine Ruhe kennend, keine Rast. Wilhelm Wöhlert, der einst so wüste Mann, er hat den Frieden gefunden. Herr Valdini konnte den furchtbaren Schlag nicht überwinden, den seines Sohnes Verrath ihm zugefügt, er siechte dahin und starb bald, dem jungen Ehepaare sein Vermögen hinterlassend, denn Luigi war ihm vorangegangen im Tode. Von der Regierung entlassen, trieb er sich in schlechter Gesellschaft umher, — in einem Naufhandel büßte er sein Leben ein. — In Ehren hielten Roberto und Alma Herrn Valdinis Andenken; das ihnen zugefallene Erbe aber weihten sie frommen Zwecken, nur eines behielten sie, jenes schmucklose Bild, vor dem einst die zagende Braut in bangen Schmerzen und doch in hohem Vertrauen auf der Ewigen Hilfe gekniet, — das Bild der Madonna! G o l d r ö r n e r. Das haben die Weiber vor den Männern voraus, das; sie ohne Raisonnement haudelu. Die Klugheit, welche die Männer mühsam in ein System stellen, ist ihnen Instinkt, und deßhalb heißt es auch so zierlich: Die Weiber denken mit dem Herzen. Laube. Einer der schlimmsten Feinde des häuslichen Glücks ist Launenhaftigkeit. Eine Frau, die sich ihren Launen überläßt, kann bei den besten Eigenschaften und vieler Liebenswürdigkeit sehr bald unerträglich werden. Das Schlimmste ist, daß sie dem Menschen die Herrschaft über sich selbst nimmt. Und hat nicht oft ein schneidendes Wort, in launenhafter Stimmung gesprochen, mehr verderbt, als mit allem guten Willen verbessert werden kann? Was man Laune nennt, ist immer nur die gähreude Selbstmcht, und ihre Aeußerungen sind der Schaum und die Schlacken, welche die Währung auswirft. F r. Jakobs. Wenn sich die Menschenbrust darf Gottes Tempel nennen, Das Allerheiligste ist dann das Mutterherz. Karl Richter. Es ist gewiß: ohne Zorn ist keine Liebe. In der Fähigkeit des edlen Mannes, zu zürnen liegt ein herrlicher Beweis seiner göttlichen Natur, so wie man den Armen für unaussprechlich unglücklich, ja, für verloren halten darf, der nicht mehr zürnen kann oder mag. Man darf von ihm sagen, daß er sein eigenes Schwert und Schild der Ehre zerbrochen und seine eigene Gruft gegraben habe. Franz Horn. Uns Alten ist's so eigen, wie es scheint, Mit uns'rer Meinung über's Ziel zu gehen, Als häufig bei dem jungen Bolk der Mangel An Vorsicht ist. Shakespeare. 21 * Geschichte des Dorfes und ehemaligen Klosters Bernried» (Schluß.) Graf Otto von Valey und dessen Gemahlin Adelhaid, eine königliche Prinzessin aus Sizilien, haben das. dem touronischen Bischöfe St. Martin zu Ehren geweihte Gottes- - Haus 1120 den regulirten Chorherrn des hl. Augustinus als Klosterkirche eingeräumt. Im Jahre 1404 ließ der Prälat Johannes Grunnpacher mitten in der Stiftskirche zu Ehren der seligsten Jungfrau Maria und der hl. drei Könige vor dem Chöre einen neuen ' Altar aufsetzen, der im Jahre 1408 am Sonntage nach dem Himmelfahrtsfeste Christi vorn Herrn Bischofs Wilhelm Wiidenhover eingeweiht wurde und Prälat Ulrich III. hatte 1432 das Unglück von dem auf ihn fallenden Vildniß Christi, das er am Himmelfahrtstage Christi jährlich hat in die Höhe gezogen, erschlagen zu werden. Ein in Mitte der Kirche vor Zeiten gelegener Stein soll dieses Unglück angezeigt haben mit folgenden Worten: ^Obrutus o-t Dominos praopositus lue.« Unser Herr Probst ist da getödtet vordem Bon diesem Steins weiß man jetzt nichts mehr. In den Jahren 1653 bis 1603 wurde, gleichzeitig mit der baulichen Restauration des Klostergebäudes, das Gotteshaus St. Martin, weil es Alters halber ganz verfallen wäre, restaurirt und vielleicht vom romanischen in den Renaissancestil umgewandelt; es wurde am 17. Juni 1663 durch den hochwiirdigsten Herrn Bischof Caspar feierlich samt den Altären consecrirt. Im Jahre 1734 den 7. April war ein unerhört furchtbares Donnerwetter, welches auch in Vermied in den Kirchthurm einschlug, durch welchen Streich die Kuppel zerschmettert die große Orgel verrückt und ein Clerikus während des Gswitterläutens erschlagen wurde, nebst fünf weltlichen Personen, welche geläutet haben, vier Geistliche wurden niedergeschlagen, kamen aber mit dem Leben davon. Im Jahre 1803 erfolgte die Säcula- risation des Klosters, seitdem wird die Klosterkirche St. Martin als Pfarrkirche benützt. Die Pfarrkirche ist Eigenthum des königlichen Staatsärars. Gemäß Neichsdeputalions- Hauptdeschluß vom 23. Februar 1803 wurde von Staatswegen anerkannt und angeordnet, daß nicht nur die Baureparaturkosten der einstigen Kloster- und jetzigen Pfarrkirche alljährlich gleich andern Ararial-Gcbäuden in den Dauetat aufgeführt werden sollen, sondern auch, daß der Kirche eine Jahresdotationssumme von 40 Gulden für die übrige Exigenz ausgeworfen wurde. Seit der Säkularisation des Klosters wurden an der Pfarrkirche folgende größere Reparaturen vorgenommen: Im Etatsjahre 1861/62 wurde ein neues Gewölbe im Schisse der Kirche und ein neuer Plafond hergestellt im Betrage zu 7000 fl. Im Etatsjahre 1873/74 wurde der am 7. April 1734 durch einen Blitzstrahl zerstörte Thurm wiederhergestellt im Betrage zu 8163 fl. 14 kr. Im Etatsjahre 1874/75 wurde die große 31 Zentner schwer« Glocke größtentheiis aus freiwilligen Beträgen der Gemeinee- bürger angcfchasst mit einem Kostenauswande von circa 3000 fl. Als besondere Wohlthäter der Pfarrkirche sind zu nennen: der frühere Gutsbesitzer » Andreas von Dall' Armi, der derzeitige Schloßbeützer Excellenz Freiherr von Meridians) königlicher Kämmerer und Gesandter a. D. und der Webermeister Mathias Schwab von Hausstadt. In der Pfarrkirche befinden sich folgende Merkwürdigkeiten: 1) Zwei gemalte Wappenschilde im Plafond des Chorbogeas» wovon das eine im I. und 2. Felde die bayerischen, weiß und blauen Rauten und im 2. und 3. Felde den pfälzischen Löwen, das andere Wappen aber das complicirte Lanveswappen von Savoyen darstellt mit der zwischen beiden angebrachten Inschrift: 8a1nslrn:e ckvmur a Veo et utr Iris 8«renHuris k -etu. Heil diesem Hause von Gott, und von diesen Durchlauchtigsten, welche es ansehnlich erbaut haben. Beide Wappen beziehen sich aus den Kurfürsten Ferdinand Maria und seine Gemahlin Henriette Adelhaid, eine geborene Prinzessin von Savoyen, welche große Wohl- häter der Kirche und des Klosters gewesen sind. 22 2) Die große Orgel, welche im Jahre 1564 von FranziSkus Grünwald, Prälat von Bernried, erbaut worden ist. Im Jahre 1835 wurde die Orgel durch den Orgelbauer Max März aus München rsparirt. Im Jahre 188 0 wurde die Orgel durch i-en Orgelbauer Beer in Erling bei Andechs einer gründlichen Reparatur unterworfen, wofür die hohe königliche Regierung von Oberbayern 2200 Mark genehmigte. 3) Ein altdeutscher Altar mit Schnitzwerk und zwei gemalten Flügeln, die ganze Verwandschaft Christi darstellend. 4) Ein im gothischen Style gefertigtes Monument des im Jahre 1846 dayisr verstorbenen Herrn Andreas von Dali' Armi Gutsbesitzers von Bernried und Abgeordneten zur bayerischen Ständevcrsammluug. Die zweite Kirche in Bcrnried ist die ehemalige Hofmarktspfarrkirche. Der Probst Ulrich I. hat zu Ehren der seligsten Mutter Gottes Maria nicht weit von de Kloner- kirche eine andere von Grund aus aufgeführt, in welcher hinsüro die pfarrlichen Gotu-s- dienst-Verrichtungen selber gehalten werden sollten. Dieses Pfarrgotteshaus wurde un Jahre 1382 von dem hochwürdigsten saloniensischen Herrn Bischöfe Albert aus dem Orden der mindern Brüder des heil. Franziskus als Suffragau Burkhards von Augsburg m Ehren der Himmelfahrt Mariens eingeweiht. Bei der Säcularisation des Klosters wuros die Hofmarkspfarrkirche zum Abbrüche bestimmt und aus Bit.e der hier artigen Gemrinoe um 575 fl. dieser zum Gebrauche überlassen, seit dieser Zeit trägt die Gemeinde an dieser Kirche die Baulast, was der Gemeinde Bernried zur großen Ehre gereicht. An diese Kirche wurde im Jahre 1672 die Gruftkavelle angebaut und der in ihr befindliche Altar im Jahre 1734 den 20. Mai vom hochwürdigsten Herrn Jakob von Mayer, Bischöfe zu Bergamo, als Augsburgischem Suffragau, geweiht. In der Gruftkapelle befindet sich ein Bild der schmerzhaften Mutter Gottes. Dieses Bild war früher in der Hofmarkspfarrkirche (d. i. Liebfrauenkirche) verehrt worden und zur Pestzeit besonders war der Andrang des Volkes so groß, daß man, um die Gefahr des Erdrückens zu beseitigen, behufs Anbringung einer weiter» Thüre die Mauer durchbrechen mußte, bis 1672 eine neue Crypta erbaut wurde. Der Cult dieses Bildes soll stammen von einer Frau, welche am Bilde der schmerzhaften Mutter Gottes weniger Gefallen fand, so daß sie es von seinem Platze entfernt und durch ein anderes von feinerer Gestalt ersetzt wissen wollte. Diese Mißachtung und die darin liegende Beleidigung mißfiel der demüthige» Jungfrau, weßhalb sie der Verächtern: zarte Augen mit plötzlicher Blindheit umhüllte, so daß diese vom Altare, um den sie in Ehrerbietung herumgehen wollte, weg und nach Hause geführt werden »rußte. Ihre Augen schwollen überdieß gewaltig auf und sie hatte gräßliche Schmerzen. Die Blinde erkannte ihre Schuld und es wurde -ihr die Hoffnung gemacht, sie würde von Derjenigen, die sie gestraft, auch wieder geheilt werden« Sie that daher ein Gelübde und wurde bald wieder sehend, das Bild mißfiel ihr dann nicht mehr, sondern es gefiel ihr vielmehr auf wunderbare Weise. Der marianische Schriftsteller erzählt auch von einem bedauernswerthen lahmen und coutracten Mädchen, das von Weilheim von ihren Eltern hergebracht worden war, daß es in der Kirche selbst keine Hilfe gefunden. Dagegen auf dem Heimwege vom Pferde gefallen und durch den Fall selbst augenblicklich geheilt worden ist. Unter den Verehrern dieses heiligen Bildes sind zunächst zwei Herrn namhaft zu machen, nämlich der Prälat Johann Riedl aus Naisting, den Bsrnried als den zweiten Gründer verehrt und im Jahre 1675 den 10. März starb, und der Benefiziat und Ceremoniar zu St. Peter in München, Herr Johann Mayer, der am 8. August 1673 das Zeitliche gesegnet hat. Diese zwei haben durch gegenseitiges Zusammenwirken die Gruftkapelle sammt dem Altare, wo jetzt das gnadenreiche Bild sich befindet, errichtet. Von den ehemaligen Klostergebäulichkeiten stehen noch: 1) Das Hauptgebäude, welches von dem Besitzer Excellenz Freiherr von Wend-> land in ein prächtiges Schloß umgebaut worden ist. 2) Das Haus, in welchem- während der Zeit des Klosterbestandes der Klosterrichter 23 logirte und nach der Säkularisation der jeweilige Pfarrer wohnte. Dasselbe wurde im Jahre 1830 vom königlichen Aerar an die Gemeinde käuflich abgelassen und von derselben zum Schulhause adoptirt. Die bedeutende Erhöhung der Schülerzahl und die beschränkten Localitäten der Lehrerwohnung machten die Erweiterung des Schulhauses zu einem fühlbaren und dringenden Bedürfnisse. Deshalb beschloß die Gemeinde Bernried ein neues Schul-, Gemeinde- und Feuerwchrhaus zu erbauen, welches den Sommer über iu n reu beiden Baumeistern Herrn Eberhart und Rottmüller von Weilhcim zur vollsten Zufriedenheit hergestellt, am Sonntag den 8. Oktober, Nachmittags 2 Uhr, in Gegenwart des kgl. Herrn Bezirksamtmannes, des kgl. Herrn Distriitsschulinspectors, Sr. Excellenz Freiherr» v. WendlaNd mit hoher Familie, der Gemeinde- und Kirchenver- waltung, der Schuljugend, des Feuerwehr- und Veteranen - Vereins und vieler Dorfbewohner mit den entsprechenden Feierlichkeiten eingeweiht und eröffnet wurde. Das bisherige Schulhaus ist jetzt mit seinen sämmtlichen Nünmlichkeiten dem Lehrer zur Wohnung angewiesen. - 3) Der Thorbogen mit den Nebengebäuden, worin in einem derselben bis zum Fahre 1826 die Schule gehalten wurde. 4) Das Probstgebäude, welches im Jahre 1824 aus Staatsmitteln um die Summe von 3281 fl. 36 !r. in eine Pfarr- und Hilfs-Priesterwohnung umgewandelt wurde. Nach der Klofleraushebung wurde die Pfarrei Bernried mit den Filialorten Tutzing, Ober- und UnterzeiSmering, Garatshausen und mit den Riederschaften Adelsrird, Carrah Gallifilz, Happerg, Höhenried und Unterholz von einem Pfarrer und HilfSpriester Pastorin. Im Jahre 1843 wurden die bisherigen Filialorte Tutzing, Ober- und Unterzeis« mering, dann Garatshausen mit einer Bevölkerung von 378 Seelen von der Pfarrei Bernried getrennt und zu einer eigenen Kirchengemeinde vereiniget. Die aus Staatsfonds mit einem jährlichen Bezüge von 300 fl. dotirte Caplansstelle zu Bernried wurde aufgehoben, und dieser Bezug dem Pfarrkuraten iu Tutzing als ständiger Gehalt angewiesen und die latholische Pfarrei Bernried zählt bei 2^ Stunden im Umfange 444 Seelen mit einer Schule, und würd vom Pfarrer allein pastorirt. Das am User des Starnbergersee's reizend gelegene Dorf Bernried weit und breit rühmlichst bekannt und durch seine herrlichen Parkanlagen sowohl, als durch den vortreffliche», der von Wendland'schen Brauerei entstammenden Gerstensaft, wird während der Sommermonate von vielen Fremden namentlich aus Augsburg, Eichstädt, Negensburg und Würzburg besucht, was vielen Dorfbewohnern eine reichliche Eimiahmsquelle verschafft. Misesllen. (Aus der guten alten Zeit.) Vor wenigen Wochen starb in einer kleinen Provinzstadt ein guter alter Herr: er war früher Landrichter und ein gar eigener Kopf, mit dem die Bauern seines Bezirks anfangs übel fuhren. Charakteristisch ist folgender Fall. Die Bauern seines ganzen Bezirkes trugen zu der ledernen Hose und dem kurzen Janker mächtige „Sechserln" an den beiden Schläfen. Der gestrenge Herr Landrichter duldete aber fortan diesen Kopfputz nicht mehr. Jeder der mit ihm zu Gericht kam, wurde zuerst zum Gerichtsdiener geschickt, der dann die Sechserl gründlich beseitigen mußte und hiefür einen guten Silbersechser für das „Haarschnriden" verlangte. Erst nach dieser Prozedur durfte der Bauer beim Landrichter erscheinen. Als einmal sich . Einer über dieses Bcrfahren beschwerte, wurden ihm von kurzer Hand sechs Streiche dittirt. Der Bauer betrat den Beschwerdeweg zur Negierung. Von dorther erhielt der Herr Landrichter einen Verweis, den er dem Geschädigten schriftlich zu eröffnen hatte. Der Bauer wurde vorgeladen und ihm das Schriftstück zum Lesen ausgehändigt, er war jedoch dieser Kunst nicht mäcptig, nur die verhäugnißvolle Zahl 6 hatte er enträthselt. „Das ist g'wiß weg'n meiner Beschwerde, Herr Landrichter", meinte verschmitzt der Bauer und. gab das Schriftstück zurück. „Jawohl, hast Du's gelesen?" „Nein, nur von den SechsI" „So, 24 dann will ich Dir's sagen. Du hast Dich bei der k. Regierung beschwert über mich, nun ist der Beschluß gekommen, wonach Du nochmal sechs Hiebe erhalst und da Du dieselben auf diesem Originalbeschluß bestätrigen mußt, so kann ich Dir die Strafe nicht nachlassen, so gerne ich dieses auch thäte." Und die Sechs kamen zum Vollzüge, der Bauer bestätigte den Empfang und ging seine Wege. Fortan aber waren sämmtliche „Sechserln" verschwunden und- der Gerichtsdiener um seine Nebeneinnahme gekommen. (Ein allerliebstes Weihnachtsmärchen) erzählt Iwan Turgenjew in der „Revue Politigue et LitUraire": „Zwei oder drei Tage vor Weihnachten gab der liebe Gott ein Fest in seinem Azurpalast. Sämmtliche Tugenden waren dazu eingeladen, aber nur die Tugenden. Keine Herren, lauter Damen. Da sah nzan denn auch auels Tugenden bei einander, große und kleine. Die kleinen waren gefälliger und hübscher als die großen, aber Alle schienen mit einander wohl bekannt und befreundet zu sein. Plötzlich aber sah der liebe Gott zwei schöne Damen, die einander dem Anscheine nach gar nicht kannten. Der Hausherr nahm nun eiize derselben bei der Hand, um sie der anderen vorzustellen. Die „Wohlthätigkeit", s^gte er mit einem Blicke auf die erstere. Die „Dankbarkeit", fügte er hinzu, indem er auf die andere zeigte. Die beiden Tugenden waren höchst erstaunt. Seit Erschaffung der Welt begegneten sie sich hier zum erstenmale." (Viehzählung.) Der Millionär: „Wenn es nach Herrn Wedell-Malchow ginge, müßte ich meine sämmtlichen Goldfüchse in die Listen eintragen." — Der Student: „Ob ich zur Viehzählung herangezogen werde, wenn ich so fort ochse?" — Der Reporter: „Himmel, wenn ich die Enten alle mitzählen müßte, die ich schon habe auffliegen lassen!" — Der Chef: „Müller, Sie werde ich der Ordnung gemäß als Rhinozeros anführen." — Der Skatspieler: „Schulze, vergessen Sie nur das große Schwein nicht anzugeben, welches Sie immer haben!" — Der Zechbruder: „Ihr lieben Affen, wenn ich Euch noch zählen konnte!" (Die Philosophie des Rausches.) Ein gutmüthiger Trunkenbold wackelt durch die Straßen, indem er- folgenden optimistischen Gedanken Ausdruck gibt: „Die Reichen — ha die Reichen! Was können Die machen? Sie können auch nicht betrunkener sein, als wir!" (Einer von der meteorologischen Station.) „Den schau an, der hat den Hut bis über die Augen, den Rockkragen naufzog'n und laufen thuat er mir sein Par.rplui, als wenn er g'stohl'n hät." — „Den kenn i, der is bei der meteorologischen Station. Der schämt si, weil er Heuer 's Wetter gar nie derrath!" (Aus der Kinderstube.) Besuch: „Ah, das ist wohl Dein Stammhalter, lieber Freund? — Komm', Kleiner, gib mir 'Ne Hand." — Kind: „Bist Du ein Haarschneider?" — Besuch: „Ich? Nein, — weßhalb?" — Kind: „Ei Papa jagte vorhin, als Franz Dich anmeldete: Ich wollt', der ließe mich ungeschoren." (Gegenseitige Ueberraschung.) Vater: „Schau', Richard, die Menge schöner Spielsachen, die ich Dir mitgebracht habe!" — Richard: „Nein das hätt' ich nimmer geglaubt, daß ich ein so lieber, braver Bub' bin!" (Ein Ausweg.) „Ich habe die Bibliothek meines Bräutigams bereits gänzlich durchgelescn, und langweile mich-nun entsetzlich!" — „Aber liebe Freundin, da würde ich mich an Deiner Stelle einfach um einen anderen Bräutigam umsehen." (F. B.) (Ehrlich.) Gehilfe: „Wenn Sie mir eine Stelle in Ihrem Geschäfte geben, werden Sie sehen» daß Sie mir in Geld- und Geschästssachen vollständig trauen können!" — Prinzipal: „Wie haißt trauen? Heut zu Tag' trän' ich mir selber kaum!" (Seltsamer Maßstab.) Lieutenant: „Sie, Einjähriger Miller, Sie wollen ein gebildeter Mensch sein und können nicht einmal über diese Palissade springen!?" (Verschiedene Eigenschaften.) A: „Wie ist denn, der Ür. Heilreimer als Arzt? Seine Verse macht er sehr lebendig." — B: „Und seine Kranken sehr todt!" Für die Redaktion verantwortlich Alphons Planer in Augsburg. — Druck und Verlag des litterarischen Instituts von Ur. Max Huttler.