Nr. 4. 1883. zur „Ängslttlrger PostMmg." Samstag, 13. Januar Der Hieuiennnt freit. Eine Heirathsgeschichte, erzählt von Klara Neichner. (Nachdruck verdolcu.) An einem Fenster des zweiten Stockwerks eines Hauses der Nömergasse in der alten Garnisonstadt Zc. stand an einem schönen Frühlingstage der Lieutenant Adrian Schnell und schaute hinab auf die stille Straße. Wer indessen glaubt, er habe dort unten irgend etwas Bestimmtes gesehen oder sehen wollen, der wäre in einem sehr großen Irrthum befangen. Nein, der Blick des Lieutenants schweifte weiter, viel weiter — bis in die Zukunft, von wo ein gar heiteres Bild ihm entgegen lächelte. Mit einem Worte sei's gesagt: der Lieutenant hatte Heirathspläne, und dies zum ersten Mal in seinem langjährigen Lieutenantsleben. Nicht, als wäre er noch nie verliebt gewesen — im Gegentheil, gar mancher Namenszug war schon, verschlungen und nicht verschlungen mit dein seinen, in irgend eine geduldige Baumrinde geschnitten worden, schon mancher schien ihm auch in's Herz gegraben, aber es war noch immer bis zur Stunde Gras und Moos über die Einschnitte gewachsen, und hatte die leise Spur verwischt, als wäre sie nie dagewesen. — Das ist das Loos des Schönen auf der Erde! Dazu kam freilich noch etwas Anderes und sehr Gewichtiges! Adrian Schnell war selbst unbemittelt, folglich verbot es sich von selber, die Tändelei zum Ernst zu machen, wenn nicht noch andere Glückesgüter dem Bund zu Hilfe kamen, als nur ein Herz und eine Hütte wie die Dichter singen. Zwar war der Lieutenant nicht der Mann, um aus schnöder Berechnung in den Ehestand zu treten. — Das aber sah er ein: bis zum Hauptmann hatte es noch gute Weile, und auf so viele, ungewisse Jahre hin sich zu binden, kam ihm nicht in den Sinn, sondern erfüllte ihn im Gegentheil mit einem gelinden Schauer. Er sah das Leben wohl fröhlich, doch nicht leichtsinnig an und hatte, in einem sparsamen Haushalt aufgewachsen, und während einer langjährigen Dienstzeit in der Disciplin geübt, es gelernt, das Gesetz eiserner Nothwendigkeit anzuerkennen und das Unvermeidliche niit Würde zu ertragen. Und in diesem Falle war das Unvermeidliche, das Nöthige: Geld, Geld und wieder Geld, als Zuschuß für seine Lieutenantsgage, und um eine Heirath überhaupt, so lange er noch Lieutenant war, zu ermöglichen. So kam es, daß der überall gern gesehene, schmucke Lieutenant, noch nie auf Freiersfüßen wandelte, denn um seine Hand ohne sein Herz fortzugeben, dazu war er doch zu ehrlich und zu gewissenhaft. Jetzt aber hatte sich die Sachlage verändert» seit unser Lieutenant zum ersten Mal auf einem Hausball die hübsche Mina Roth, des reichen Privatiers Korbinian Roth einzige Tochter, gesehen hatte. Ob ihre sich begegnenden Blicke „Blitz und Schlag zugleich" waren, ob ihre Herzen sich „zusammentanzten" — wer kann es sagen — kurz und gut, das Ende vom Liede oder vielmehr vom Balle war, daß der Lieutenant sehr nachdenklich 26 nach Hause kam, was erfahrungsgemäß bei ihm etwa soviel zu sagen hatte, als daß er — wieder einmal verliebt war. Aber diesmal war die Sache ernster! Fraulein Mina Noth besaß nicht nur die Eigenschaften, welche er vorzugsweise schätzte, nämlich: Verstand, gepaart mit liebenswürdigem Muthwillen, — sie hatte auch, wie er es besonders liebte, reiches blondes Haar, das sich leicht kräuselte und dazu dunkle Augen, die nicht nur schalkhaft, sondern auch gar ernst zu blicken wußten, und endlich hatte sie — als seltenes Tri olium — zu allen diesen Vorzügen noch die sehr beachtenswerthe Eigenschaft, eines gar wohlhabenden Mannes einziges Kind zu sein, denn daß der Herr Korbian Noth dies war, wußte die ganze Stadt, obwohl er erst vor Kurzem mit Frau und Tochter dorthin gezogen war, nachdem er sein Geschäft in K. aufgegeben- Auch der alte, joviale Herr und seine bürgerlich-einfache Frau hatten einen sehr günstigen und ungemein anheimelnden Eindruck auf Adrian gemacht — solche Schwiegereltern konnte man sich schon gefallen lassen! So überließ der Lieutenant sich denn diesmal in vollkommener Gewisscnsruhe und ungetrübtem Glücke dem Auftauchen des neuen Sirius — ja, so groß war ihm in Wahrheit noch kein Stern am Firmamente seines Herzens aufgetaucht, als dieser neusrschienene Srrius, vor dessen Glanz die andern sämmtlich erbleichen und erlöschen mußten. Wie es nun weiter ging, und wie es kam, daß Lieutenant Schnell seinen Namen in diesem Falle alle Ehre machte, ist unaufgeklärt geblieben, obwohl es allen einigermaßen einsichtigen Gemüthern vollkommen klar sein wird, in Anbetracht des Umstandes, daß in der alten, allbekannten Garnisonstadt T. bei den Honorationen wie den Bürgern die Zahl der Kränzchen, Liedertafeln und sonstiger Versammlungen keine geringe ist — vorzüglich im Karneval — ganz abgesehen von den sonstigen Gelegenheiten, sich zu treffen, wenn man sich nur treffen will, wozu Promenaden, Konzerte und Theater willkommenen Vorwand boten. Jeder Mensch, der einmal dergleichen Zeiten in seinem Leben durchgemacht — und wer hätte das wohl nicht? — weiß ein Lied davon zu singen — schon der Großvater hat es ja so gemacht, als er einst um die Großmutter gefreit, und so ist es auch geblieben bis auf den heutigen Tag. Auch die hübsche Blondine schien den schmucken Lieutenant in der kleidsamen Uniform mit dein Tapferkeitskreuze an der Brust nicht ungern so oft in ihrer Nähe zu bemerken — wenigstens wurde ihre zarte Gesichtsfarbe unzweifelhaft um etliche Schattirungen mehr rothgefärbt, sobald sie ihn gewahrte. Dem Papa Privatier nebst seiner braven Ehehälfte konnte dieser immerhin auffallende Umstand, in Vereinigung mit der Thatsache, daß der Lieutenant überall, wo sie sich zeigten, auch zu treffen loar, oder doch sehr bald erschien, nicht lange Zeit verborgen bleiben. Freilich war dem wackern Privatier im ersten Augenblicke die Sache nicht besonders angenehm. Ein mittelloser Offizier als Eidam, der vielleicht auf den opferwilligen Beutel des allzeit hilsbereiten, gutmüthigen Schwiegervaters spekuliren würde, das ivar ihm gerade keine verlockende Aussicht für die Zukunft seines einzigen Kindes. Bald aber lernte er die Sache mit andern Augen betrachten: nicht nur, weil der Lieutenant Schnell allgemein geachtet war, als aus einer braven Familie stammend und als braver Mensch und tüchtiger Offizier, sondern vielleicht noch mehr durch den Unistand bewogen, daß die Wünsche seiner Frau mit denen seiner Tochter Hand in Hand zu gehen schienen, denn das gescheidte Mädchen hatte es wohlweislich nicht unterlassen, die einflußreiche Mutter vor allen Dingen ihrem Herzenswunsch geneigt zu machen. Was war also zu thun? Eine» häuslichen Krieg heraufzubeschwören mit dem unvermeidlichen Kampfes-Arsenal von Bitten, Schmollen Thränen — nein, dazu hatte der gute Privatier wirklich nicht den kecken Muth, um so weniger, als ja im Grunde nichts Stichhaltiges gegen den Heirathskandidaten sich einwenden ließ, er selber aber in der glücklichen Lage war, für ein Dutzend Offiziere die nöthige Hcirathskaution herbeizuschaffen. So bereitete sich denn der würdige Privatier bereits im Stillen vor, nachdem er sich einmal mit dem Gedanken vertraut gemacht hatte, zu dem Bündniß Ja und Amen zu sagen, falls, wie nicht zu zweifeln war, eines schönen Tages der Lieutenant seinen Antrag vorbringen werde. Einstweilen freilich hatte derselbe nur einige Anstandsvisiten in dein Noth'schen Hause machen können — um so freudiger wurde er daher überrascht, als er eines schönen Frühlingstages eine Einladung des Privatiers: „zu einem Teller Suppe mittags um 1 Uhr erhielt." Daß er diese günstige Gelegenheit nicht unbenutzt vorübergehen lassen dürfe, um irgendwie sich Klarheit zu verschaffe», darüber war der Lieutenant sogleich mit sich einig geworden. Jetzt oder nie mußte sein Schicksal sich entscheiden, nachdem ein feindliches Geschick jeden Augenblick, der verhängnißvoll zu werden drohte, durch irgend ein Wie oder ein Was dazwischen sich gedrängt; — außerdem hatte er gar keine Lust, sich einen Korb zu holen — das wollte Alles überdacht und wohlerwogen sein! Freilich glaubte er der hübschen Mina sicher sein zu dürfen, wenn nicht Alles log und trog. Aber diese Weiber! Wer sie ergründen konnte! Und dann die Eltern? — Allerdings schien die erhaltene Einladung ein günstiges Zeichen ihm zu sein! — Durfte er es also wagen? — Diese Gedanken waren es, welche den Lieutenant Adrian Schnell so ernsthaft und so ausschließlich beschäftigten an jenem Frühlingstage zu Anfang unserer Erzählung, denn gerade der heutige Tag sollte ja über sein Geschick entscheiden. Endlich aber erinnerte er sich doch daran, daß eS wohl an der Zeit sein dürfte, auch seil'ein äußern Menschen einige Beachtung zu schenken, zu Ehren des feierlichen AugenbltckS. dem er entgegen ging. Er wendete sich deshalb vom Fenster fort, um — o Eitelkeit — vor den Spiegel zu treten, und aufmerkiam hineinzuschauen. Was er da sah, war allerdings ein gar nicht übles Bild. Ein recht stattlicher Männerkopf mit gesunder, leicht gebräunter Gesichtsfarbe, braunem Haar uno Bart und freundlichen, blauen Augen blickte ihm entgegen - es waren eigentlich ine heitern Züge eines sogenannten „Sonntagskindes", das überall aus allen Dingen im Leben den Honig zu finden iveiß, wie- die Bienen aus den Blumen — das Gift lassen sie darin. Der Lieutenant schaute auch nicht unzufrieden drein nach seiner Selbstmusterung — dann rief er laut, so laut, als ob er vor der Front stünde: „Kaspar Mayer!" „Zu Befehl, Herr Lieutenant!" tönte es mit echoartiger Pünktlichkeit darauf zurück, und in's Zimmer trat, mit einem Nohrstock und der Kleiverbürste bewaffnet, vom Flur her der Gerufene in's Zimmer. Da der Betreffende dazu berufen ist, eine nicht ganz geringe und nicht ganz unwichtige Rolle in dieser Heirathsgeschichte zu spielen, so lohnt es wohl der Mühe, ihn etwas näher zu betrachten. Kaspar Mayer gehörte offenbar zu jenen Menschen, bei denen ihr Lehrer sich vergeblich Blühe gab, ihnen mehr beizubringen, als sie bald darauf und ohne Mühe vergessen lernen. Borstige, flachs-blonde Haare krönten seine niedrige, nichts weniger als imelligei.te Stirn, während ein Zug großer Gutmüthigkeit in seinen wasserblauen Augen nkit deren Mangel an Klugheit einigermaßen aussöhnte. Kaspar Mayer war erst seit Kurzem der Bursche des Lieutenants, und hatte es während dieser kurzen Zeit verstanden, sich demselben einerseits durch seinen guten Willen beliebt, andererseits aber durch seine Dummheit fürchterlich zu machen. „Kaspar Mayer", sagte der Lieutenant fast feierlich zu dem eintretenden Burschen: „Ist meine neue Uniform geputzt und Alles gut im Stande?" „Zu Befehl, Herr Lieutenant!" erwiderte Kaspar, den Nohrstock schulternd, als präsentire er das Gewehr, während er mit der andern Hand die Kleiderbürste an sich drückte. »Ich gehe jetzt aus", fuhr der Lieutenant fort. „In einer halben Stunde komme ich zurück; bis dahin muß Alles parat liegen, daß ich mich iokort umziehen kann. — wie zur Parade — verstehst Du mich?" 28 „Zu Befehl, Herr Lieutenant", wiederholte Kaspar ehrfurchtsvoll. „Gut!" Der Lieutenant griff nach seiner Mütze und ging. Er fühlte in Wahrheit das Bedürfniß, nach etwas Sammlung draußen in frischer Luft, bevor er daran ging, die Festung zu erstürmen. (Schluß folgt.) Klausner und Räuber. Ballade. In der Bergschlucht liegt begraben Einsam still des Klausners Hütte: Ihre Gäste sind die Naben Und ein Lindenbaum voll Blüthe. Drinnen spricht bei Tagesgrauen Fromm der Greis die Morgeubitte; — Einsam ist's, doch Engel schauen Nieder auf die stille Hütte; Engel schweben leis hernieder Auf den Lindenbaum und singen Mit dem Klausner Frühlingslieder, Perlenreich die weißen Schwingen. Engelein mit lichter Krone Sitzen auf des Klausners Hütte, Und es glitzert in der Sonne Ihr Gewand wie weiße Blüthe. —? Von der Höhe schaut mit Lachen Hört! ein Räuber auf die Hütte, Gute Beute soll er machen, Hieß es in der Brüder Mitte. Von der Höhe sieht er funkeln Hehre Pracht im stillen Walde, Sieht die Klause dort im Dunkeln: Welche Pracht in armer Halde! Goldne Balken sieht er streben Auf zur jungen Maiensonue, Uuter'm Dach voll Silberreben Thront ein Greis mit reicher Krone. Und er steigt zum Thale nieder, Seine Raubgier will er stillen: „Heute kann ich meiner Brüder Herzenswunsch einmal erfüllen." Wie er niederkommt zum Thale Und zum hohen Lindenbaume, Wird's so arm mit einem Male: „War das wirklich, war's im Traum?" „War's im Traum' denn, als ich droben Glitzern sah die goldne Hütte? Stand ich trunken noch dort oben? Sah im Taumel ich solch' Blüthe?" „Arme Bretter, alte Seine, Und ein Klausner längst vergessen: Das die Beute die ich meine? Kaum ein hartes Brod zum Essen?" — Fluchend stieg er aus vom Walde, Wilder Zorn im Herzen glühte, Und er schaut nicht mehr zur Halde Und zur moosbewachsnen Hütte. Unten zieht zur Avcstunde Jetzt der Greis am alten Strange, Friedlich tönt im Thalesgrunde Glockenmund mit Hellem Klänge. Horch! der Räuber hört es hallen, Und er schaut zur Bergschlucht nieder, Wo die Silberklüuge schallen: Älter Prunk und Reichthum wieder! Goldne Balken sieht er streben Aus zur jungen Maiensonne, Unter'm Dach voll Silberreben Thronen einen Greis mit Krone. Und der Räuber hört es hallen, Mächtig tönt der Ruf zu Herzen, Und zum Thale seht ihn wallen, In der Seele Reueschmerzen! In der Klause fromme Lehre Wird dem Jüngling von dem Greise. Niederlegt er seine Wehre, Lauscht des Friedens Worten leise. Engel schweben still zur Erde Auf den Lindenbaum und flehen, Daß dem Jüngling gnädig werde Besserung und Auferstehen. lU. ll. Einiges über die „schwarzen Madonnen." Aus der „Germ." von Fr. Clemens Janetschek. Die sittliche Größe und der erhabene Werth hervorragender Personen wird zumeist erst erkannt und in vollem Umfange gewürdigt, wenn sie dem Erdenleben bereits entrückt sind. Recht augenfällig zeigt sich dieser Erfahrungssatz an der jungfräulichen Mutter unseres Erlösers. Mariens Name begann zu glänzen, da sie auf Erden nicht mehr gesehen wurde, und die Entfaltung des Marien-Cultus hielt gleichen Schritt mir dem Kampfe gegen die Häresie und dem Siege über dieselbe. Denn je klarer und Nachdruck- licher die Kirche die Lehre von der Menschwerdung Jesu aus Maria feststellte, desto mehr fühlten sich die Christen hingezogen zu Maria, die iin Erlösungswerke eine so hervorragende Stellung einnimmt. Aber gerade diese kindliche Verehrung, welche die Christen Marien zollen, war seit jeher allen Nichtchristen der Gegenstand bitteren Hohnes» Schon die Juden der ersten Jahrhunderte überhäuften die geheiligte Person Mariens mit Schmähungen der schändlichsten Art; erwähnenswerth ist in dieser Hinsicht das harte Urtheil Mohammed's über die Schmähschriften des Celsus, obwohl Maria (Mirjam) nur die Mutter des zweiten Propheten, Christus, ist. „Weil die Juden nicht geglaubt (an Jesum) und wider Maria große Lästerungen ausgestoßen haben, so haben wir sie verflucht," (Koran, Sure 4.) Gleich den Juden verhöhnt in unseren Tagen die aufgeklärte Presse mit den ehrlosen Waffen des Hohnes den Marien-Cultus. Ein Beispiel, wie weit die Gehässigkeit gegen Alles, was der Katholik hochhält, führen kann, hat die Leipziger „Jllustrirte Zeitung" geliefert, indem sie die „schwarzen Marien" für ursprünglich egyptische Götterbilder erklärt: „Dieselben sind ursprünglich gar keine Marien und haben mit dem Christenthum, seinen Personen und Dogmen auch nicht den entferntesten Zusammenhang, sondern sind vielmehr Bilder der Isis allein, oder mit dem Knaben Horns, also egyptische Götterbilder. Diese Statuetten wurden, oftmals nur in der Größe gewöhnlicher Amulete, in Menge von den Kreuzfahrern in Kleinasien, Syrien und den Küsten- und Hafenstädten vorgefunden und mit in die Heimath gebracht, wo sie entweder für Maria oder Maria mit dem Christuskinde gehalten oder als solche gedeutet wurden. Vor den Kreuzzügen hat Niemand etwas von den schwarzen Marien gewußt; erst im zwölften und dreizehnten Jahrhundert kamen sie zum Vorscheine und in viel bewunderte und für die Kirche lucrative Diode. Die meisten schwarzen Marien befinden sich in Spanien und Italien, die gefeiertste, „wnnderthätigste" von allen in Loretto. Von den deutschen sei nur die in Alt-Oettingen genannt." (24. Dezember 1881.) Ist es wahrscheinlich, daß derlei Statuetten zur Zeit der Kreuzzüge an den angegebenen Orten in Menge gefunden werden konnten? Um diese Frage zu beantworten, ist es nothwendig, einen Blick auf die religiösen Zustände jener Länder vor den Kreuzzügen zu werfen. Die christliche Religion verbreitete sich rasch über den ganzen Orient und mit gerechter Bewunderung blicken wir auf die glaubensfesten Christen jener Länder, welche von der Wahrheit ihres Glaubens so durchdrungen waren, daß sie sich von Allem» was nur im Entferntesten mit dem Heidenthnm zusammenhing, ängstlich fern hielten, daß Tausende und Tausende von ihnen ihr Hab und Gut, ja selbst ihr Leben freudig Hingaben, bevor sie ihre Ueberzeugung verleugneten und Götzenbildern opferten. Daß bei diesen Christen, welche sich aus Scheu, in den allen Bilderdienst zu verfallen, nur gewisser Symbole bedienten, wirkliche heidnische Bilder, von welcher Form immer, Aufnahme fanden, wird Niemand zu behaupten wagen; ja die Christe» mußten sich geradezu mit Abscheu von diesen Bildern abwenden, weil die Isis-Feste und Isis-Tempel die Freistätten der schändlichsten Ausschweifungen waren und sich deshalb selbst römische Kaiser veranlaßt sahen, solche Feste zu verbieten und die Tempel wiederholt zu sperren. Allein daß auch die Juden weder die Verbreitung noch den Gebrauch solcher Bilder förderten, muß Jedermann zugestehen, der die nationale Abneigung der Juden gegen alle Bilder erwägt. Seit dem siebenten Jahrhundert bis zu den Kreuzzügen waren die genannten Länder dem Islam zugethan und in dieser Zeit wären die Bilder der Isis unbedingt der völligen Vernichtung anheimgefallen, da der Islam alle Bilder auf das Strengste untersagt; Mohammed selbst vernichtete die 360 Götzenbilder, welche sich in der alten Kaaba der Araber befanden, darunter Bilder des Abraham und Jsmael, und seinem Beispiele folgten die Araber auf ihren Eroberungszügcn. Daß die Mohmmedaner, welche nicht einmal das Bild ihres Propheten besitzen, auch keine anderen Bilder unter sich duldeten, ist vollkommen gewiß. 30 Wie man nun bei dieser Sachlage behaupten kann, die Kreuzfahrer hätten dergleichen Statuetten „oft in Menge" gefunden, ist schwer begreiflich, und noch unbegreiflicher ist es, daß sich von den in Menge gefundenen Statuetten, welche die Kreuzfahrer, ohne sich am Fundorte um ihre Bedeutung zu erkundigen, in die Heiuiath brachten, nicht eine einzige erhalten hat, auf die man sich zur Begründung der gegebenen Erklärung berufen könnte. Ueberdies handelt es sich hier um Bilder und nicht um Statuetten; angenommen, die Kreuzfahrer hätter solche Statuetten in die Heimath gebracht, so mußten offenbar nach diesen Statuetten erst die Bilder gemalt werden, und es wäre daher gewiß wissens- werth, zu erfahren, wann, wo und von wem diese Bilder gemalt wurden; lauter Fragen, deren Beantwortung mit Rücksicht auf die weite Verbreitung und Berühmtheit, welche diese Bilder erlangt haben» sowie mit Rücksicht auf den llmstand, daß die Kunstgeschichte seit dem dreizehnten Jahrhundert fast vollkommen klar vorliegt, gar keine Schwierigkeiten bieten könnte und doch wird man nach einer befriedigenden Antwort vergebens suchen. Betrachten wir noch kurz die Abbildungen der Isis. Herodot berichtet, man habe sie in weiblicher Gestalt mit Kuhhörnern abgebildet. Ihre Bekleidung besieht in einem enganliegenden Unterkleide, der Kopf ist mit der sogenannten egyptischen Haube bedeckt, an welcher sich Kuhhörner und zwischen diesen eine Scheibe befindet; in der Hand hält sie das Sistrum, ein Musikinstrument, dessen sich die Egypter bei ihren Festen bedienen. Die VasinI,, Nöinbiim, ein uraltes egyptisches Denkmal, welches aus einer mit blauem Schmelzwerk überzogenen Kupfertafel, in die Silberfäden künstlich eingelegt sind, besteht, zeigt als Hauptfigur die sitzende Isis. Auf anderen Denkmälern wird die Isis in sitzender Gestalt abgebildet, wie sie den Knaben Horus säugt; oft hat sie, gleich der Artemis, eine Menge von Brüsten, um sie als Göttin der Fruchtbarkeit zu kennzeichnen. Römische Künstler endlich gaben ihr die gewöhnlichen weiblichen Attribute, ja oft einen ganz junonischen Charakter. Zwischen diesen, mitunter geradezu fratzenhaften Gestalten der Isis und den Hoheit athmenden „schwarzen Madonnen" einen Vergleich anzustellen, erscheint überflüssig, ja selbst unwürdig und Derjenige, welcher eine Achnlichkeit herausfindet, besitzt jedenfalls die üppige Phantasie der Orientalen. Sprechen schon diese Ungereimtheiten gegen die von dem oben genannten Blatte gegebene Erklärung, so wird sie durch das Zeugniß der Kunstgeschichte entschieden widerlegt. In den ersten drei Jahrhunderten finden wir im chiistlichen Cultus meist Bilder symbolischer Art, eigentliche Bilder dagegen äußerst selten. Denn die Judenchristen mußten in ihrer ererbten nationalen Abneigung gegen Bilder jeder Art geschont werden, die Heidenchr-sten aber in ihren Begriffen betreffs des Gebrauches der Bilder geläutert werden und endlich mußte die Malerei, frei von heidnischen Anschauungen und Grundsätzen, an der Hand des Christenthums einen neuen Entwicklungsgang einschlagen. Unter Constantin dem Großen nahm die christliche Kunst einen erfreulichen Aufschwung; man verließ die bislang vorwaltende Symbolik und schritt zu wirklichen Bildern, welche in dem sog. byzantinischen Style, dessen Wesen in den „schwarzen Madonnen" scharf ausgeprägt ist, gehalten sind. Was war auch natürlicher, als daß die erwachende Kunst sofort Bilder der seligsten Jungfrau schuf und sie in ihrer höchsten Würde als Gottesmutter zu verherrlichen suchte? Kunstsinnige Mönche auf dem Berge Athos schufen bald nach Constantin's Tode das Prototyp der „schwarzen Madonnen"; da aber die allgemein verbreitete Ueberlieferung, der heil. Lucas*) sei der Schöpfer dieses Bildes, immerhin auf Wahrheit beruhen kann, so ist die Annahme nicht ausgeschlossen, daß sich die Mönche das bereits *) Nach dem Monolog des Kauers Brusilius, nacy Nikephorus und Theodorus, verstand der heil. Lucas die Kunst der Malerei. Eine Jyschrstt in einem Gewölbe unweit der Kirche 8. Norm in vio lata zn Rom bezeugt, daß der heil Lucas sieben Bilder der seligsten Jungfrau gemalt habe und bezeichnet das Marienbild in der erwähnten Kirche als eines jener sieben; die Maler verehren ihn deshalb als ihren Patron. 31 vorliegende zum Muster nahmen. Diese Bilder wurden s, T'smpsra. auf Goldgrund, zumeist auf Cypressenholz gemalt. Die 'I'smpsra. selbst ist das Mischmittel, dessen sich die byzantinischen Maler bedienten, um die trockenen Farben mit dem Pinsel auftragen zu können. Als solches wurde benutzt der Saft grüner Feigen, besonders aber Harz oder Wachs, das in ätherischem Oele aufgelöst und als eine Art Firniß gebraucht wurve; alle so bereiteten Farben wurden stark aufgetragen, so daß die Bildfläche deutlich hervortritt und fast massiv aussieht. Zugleich verliehen sie dem Bilde einen matten Glanz und spielten in das Braune und es kann daher nicht Wunder nehmen, daß diese Bilder im Laufe der Zeit eine ganz schwarze Färbung annahmen, woher auch ihre Benennung abzuketten ist. Charakteristisch für diese Bilder sind der hager gestreckte Körper, die weit geöffneten, ernst blickenden Augen, die faltenarmen, fast steifen Gewänder, wobei der obere Nand der dunkleren Schattirung mit einem Goldstrich gezeichnet ist, und endlich der byzantinische Nimbus, d. i. zwei Kreise um den Kopf, innerhalb welcher sich mitunter griechische Inschriften befinden; in den oberen Ecken kommt fast immer die verschlungene Inschrift: öooo d. i. Gottesmutter vor. Als diese Bilder vervielfältigt wurden, behielt man aus Erhrfurcht vor diesem uralten Bilde die dunkle Färbung auch bei Copien bei, wenngleich man die Härten des byzantinischen Styles etwas milderte. Obwohl die Bilderstürmer einen großen Theil dieser kostbaren Bilder vernichteten, so haben sich doch einige bis auf unsere Zeit erhalten; so gehört das Gnadenbild zu Czeustochau nach dem einstimmigen Urtheile der Kunstkenner der byzantinischen Periode an. In der Augustiner-Stiftskirche zu Altbrünn befindet sich ein auf Cypressenholz gemaltes schwarzes Marienbild, das entschieden byzantinischen, wenn nicht noch älteren Ursprunges ist, da es eine höchst einfache Schattirung hat und auch die Goldstriche an der Schattirung fehlen; dabei ist die Farbe welche mit Harz gemischt ist, so dick aufgetragen, daß das Bild massiv aussieht, und selbst das bereits morsche Cypressenholz deutet auf ein sehr hohes Alter hin. Im Jahre 513 wurde dieses Bild in der unteren Stadt (Suburbium) von Mailand von dem Bischöfe Fustorchius, welcher dasselbe von dem griechischen Kaiser Anastasius erhalten hatte, zur öffentlichen Verehrung ausgesetzt und verblieb daselbst bis zur Zerstörung Mailands durch Friedrich I. (1163). Dieser schenkte das bereits als Gnadenbild weit und breit berühmte Muttesgottesbild dem Böhmenkönige Wratislaw, welcher dasselbe in der Hauskapelle der Köuigsburg zu Prag aufbewahren ließ; im Jahre 1356 schenkte Kaiser Carl IV. dieses kostbare Bild dem Markgrafen Johann von Mähren, welcher dasselbe in der von ihm erbauten Augustinerkirche St. Thomas bei Brünn zur öffentlichen Verehrung aussetzte. Im Jahre 1736 wurde dieses Gnadenbild, welches IMIIuckmm Ickruneima und Osiuinn Ncwuv genannt wurde, in überaus feierlicher Weise gekrönt und 1788 auf ausdrücklichen Befehl Kaiser Joseph's II. nach Altbrünn übertragen. Aus dem Gesagten geht also hervor, daß die schwarzen Madonnenbilder zu den egyptischen Götzenbildern auch nicht in der entferntesten Beziehung stehen, sondern daß sie entfchieden byzantinischen Ursprunges sind, daß sie also echt christliche Kunst schuf un- daßnnan sie jahrhundertelang vor den Kreuzzügen bereits kannte; zugleich muß die von der „Jllustrirten Zeitung" gegebene Erklärung so lange als gedankenloses Märchen betrachtet werden, als für die Nichtigkeit derselben nicht stichhaltige Beweise erbracht werden, und das dürste ungleich schwerer fallen, als durch eine unüberlegte oder absichtliche boshafte Behauptung das Zartgefühl der Katholiken zu verletzen. Miseellen. (Der langweilige Domino.) (Herr von Moswedel geht jedes Jahr als Domino auf den Maskenball und steht da stumm und langweilig an der Wand — zum Aerger der jungen, lustigen Damen.) — „Du, Anna," sagt einmal eine Maske zur anderen, „da schau den Domino dort drüben an — der steht noch vom vorigen Jahre da!" 32 (Ein Wort für Töchter) Seiner 20jährigen Tochter widmet ein Vater nachstehende Worte: „Ich will heute mit dir von deiner Mutter sprechen. Vielleicht hast du wahrgenommen, wie sorgenvoll sie aussieht. Du hast daran Schuld, aber Du solltest ihr die Sorgen verscheuchen. Du mußt damit anfangen, daß du Morgens bei Zeiten ausstehst, und das Frühstück bereitest; wenn dann die Mutter in die Küche kommt und überrascht ist, dann küsse sie und sage ihr, daß es nur in Ordnung ist, wenn du ihr hilfst. Du hast keine Ahnung wie das sie freuen wird. Außerdem bist du ihr noch einige Küsse schuldig. Vor vielen Jahren, als du noch ein kleines Mädchen ivarst, da küßte sie, wenn du in der Fieberhitze lagst, dein geschwollenes Gesichtchen, wenn Niemand anders es that. Damals sahst du nicht so hübsch aus wie jetzt. Und wenn du deine kleinen schmutzigen Hände blutend oder zerquetscht vom Spielplatz nach Hause brachtest, dann hat die Mutter dir den Schmerz davon hinweggeküßt. Und die Tausend- von Küssen, mit denen sie dich, wenn du Nachts unruhig träumtest, beruhigt hat — wenn sie sich über dein Köpfchen beugte, um die bösen Träume zu verscheuchen — sie haben die langen Jahre hindurch Zinsen bringen sollen, die du abtragen mußt. Es ist wahr, sie sieht nicht so hübsch aus wie du, nicht so zum Küssen einladend, aber wenn du ihr die letzten acht Jahre einen Theil der Arbeit abgenommen hättest, dann würde der Contrast wohl nicht groß sein. Ihr Gesicht hat jetzt viele Falten, wenn du aber einmal krank würdest, dann würde ihr Gesicht, wenn sie Tag und Nacht an deinem Bette wacht, dir wie ein Engels-Antlitz erscheinen, und die Falten in dem lieben Gesicht wie ebenso viele helle Sonnenstrahlen. Es wird ein Tag kommen, an dem sie dich verlassen wird. Wenn ihr die Sorgen der Haushaltung nicht abgenommen werden, wird sie bald von dir gehen. Dann werden diese von der Arbeit hart gewordenen Hände die so viel für dich thaten, über ihrer Brust gefaltet sein, und das Herz, das so warn, für dich geschlagen, wird dann still stehen! Die Lippen, die dir den erste» Kuß im Leben gegeben und die du viel zu selten im Leben geküßt hast, werden für immer geschlossen und die müden matten Augen nur noch in der andern Welt offen sein. Dann, Kind wirst du deine Mutter schätzen — aber es wird zu spät sein!" (Vereinfachung.) Landschullehrer: „Also wieder vor der Schule gerauft, Ihr Nangen! Das will ich Euch doch einmal abgewöhnen. Zur Strafe thut Ihr Euch ein» ander sogleich fünf Minuten laug ordentlich beuteln!" (Die neueste Rabatt form.) Ein Deutsch-Amerikaner, der seine Doktorrechnung bezahlen sollte, machte folgenden Vorschlag: „Well, Doktor, da mein kleiner Junge sämmtliche Nachbarskinder mit den Masern angesteckt und Sie dieselben behandelt haben, so wäre es nicht mehr wie billig, wenn Sie zehn Prozent von Ihrer Forderung strichen." (Bei der Jnspizirung.) „Wissen Sie, Wer ich bin?" — „Der Herr Brigadier!" — „Nun, an was erkennen Sie mich?" — „Ja, der Herr Korporal hat g'sagt: Wann a' General kommt, dem die Stauden bei di Ohrwasch'ln 'rauswachsen, — das ist der Brigadier!" (Aus der Kinderstube.) Mama: „Ich muß Euch leider sagen, daß ich mit Euch sehr unzufrieden bin." — Das Kleinste: „Das ist schade, Mama — wir sind'mit Dir sehr zufrieden!" (Kurze Antwort.) Reisender: „Ich habe gehört, daß auf der Alpe hier der Sonnenaufgang so prächtig zu sehen ist; ich möchte das Naturspie! genießen. — Wann geht die Sonne hier gewöhnlich auf?" — Bauer: „Meistens in der Fruah." (Vorsicht.) „Warum tragen Sie denn zwei Schirme bei sich, Herr Professor?" — „Ja sehen Sie, weil ich so vergeßlich bin und immer einen stehen lasse." Auslösung des Original-Räthsel in Nr. 2: „Bette. — Kette. — Mette. — Wette." Für die Redaktion verantwortlich Mphons Planer in Augsburg. — Druck und Verlag des Litcrarischen Instituts von Dr. Max Huttler.