»ur „Äugsliilrgcc PostMnng." Nr. 8. Samstag, 27. Januar 1883 . Jörg von Mslderk. Eine Erzählung aus dem fünfzehnten Jahrhundert von F. Schenk. (Fortsetzung.) IV. König LadiSlaw von Ungarn hatte das zum Kampfe gegen Murad II. zusammen» gezogene Christen-Heer in der Nähe von Ofen an der Donau aufgestellt. Von hier aus rückte dasselbe in drei Kolonnen, unter dem König, unter Georg Kastriota und dem Woywoden Hunyad, Donau abwärts. Die österreichischen, bayerischen und tiroler Ritter mit ihren Reisigen, waren der Kolonne des Woywoden zugetheilt und zogen an der Save gegen Belgrad. Zwischen Gradiska und Brod stieß die Kolonne auf eine größere Abtheilung des türkischen Heeres, welche sich ihr kühn entgegen warf. Es entspann sich ein wüthender Kampf dessen glücklicher Ausgang für die Christen lediglich dem rechtzeitigen, geschickten Eingreifen der Deutschen und ihren gewaltigen Streichen zu danken war. Jörg von Waldeck verfolgte mit einigen Rittern eine an die Save sich zurückziehende feindliche Abtheilung, da verhinderten zahlreiche weite und mit Schlamm gefüllte Gräben jede weitere Verfolgung. Dieses gewahrend, wandten sich die türkischen Bogenschützen und Ritter Jörg, einer der vordersten Kämpfer sank, von einem Pfeile getroffen, bewußtlos vom Rosse. Nur ein kleiner Theil dieser verfolgenden Abtheilung konnte sich noch durch die Flucht retten, da die Schützen, welche die maskirten Graben-Uebergänge kannten, rasch vordrangen. Die Verwundeten wurden als Gefangene in die nahe Festung Brod geschleppt oder auf Ochsengespannen dahin gefahren. Unter den letzteren befand sich Jörg von Waldeck, welchem die Pfeilspitze unter der Achselhöhle in die Brust gedrungen war und einen großen Blutverlust zur Folge hatte. Wenige Wochen nach dem Kampfe an der Save bewegte sich ein Zug gefangener christlicher Streiter durch das felsige Narentathal der Festung Mostar zu. Schwerverwundete oder vom Blutverlust Ermattete wurden gefahren und lagen gebunden auf Stroh. Leicht Verwundete aber, welche noch gehen konnten, wurden von ihren rohen Wächtern mit Peitschenhieben vorwärts getrieben. Als der Zug über eine hohe, gewölbte Brücke ging, sah man die gewaltigen Mauern und Thürme der Festung, dahinter das tiefblaue adriatische Meer, in welches sich unterhalb Mostar die Narcnta ergoß. Jörg seufzte beim Anblicke seines künftigen Gefängnisses tief auf. O, wüßte die theure Agatha in welchem Zustande der geliebte Waldeckcr und wo sich derselbe befand l Endlich kamen die Unglücklichen über die Zugbrücke in die Festung. Die Reisigen wurden in die Kaffematten vertheilt, während die Ritter in den feuchten und schmutzigen gewölbten Thurmgefängnissen, zu welchen nur wenig Luft und Tageslicht gelangen konnte, eingeschlossen wurden. Dort nahm man ihnen die Rüstungen ab und ließ ihnen nur das Hemd am Leibe. Ritter Jörg lag. vom großen Blutverluste geschwächt, gemartert von den Schmerzen, welche die tiefe Wunde in der Brust verursachten, auf seinem mit faulendem Stroh gefüllten Bette. An seinem Halse und an den Handgelenken waren Eisenringe befestiget und diese mit Ketten verbunden, so daß dem Armen nur wenig Bewegung gestattet war. Die Füße wurden durch zwei Oeffnungen in dem Fußbrette der Bettlade gezogen und waren ebenfalls mit durch eine Kette verbundene Ringe gefesselt, so daß sich der Gefangene nicht ohne Hilfe eines Andern aus dem Bette entfernen konnte. Neben der Bettlade stand auf einer Bank ein Krug mit Wasser, daneben lag ein erweichter Laib schwarzen, schimmligen Brodes. Die Schwäche des Gefangenen hatte in Folge des Transportes und der rohen Behandlung während desselben, dann durch das Wundfieber derart zugenommen, daß derselbe häufig das Bewußtsein verloren. Wenn er dann wieder zur Besinnung kam, stöhnte er vor Schmerz, nahm das in's Hemd versteckte Amulet mit dem Bildnisse der schmerzhaften Gottesmutter, welches ihm Agatha mitgegeben hatte, hervor und führte dasselbe inbrünstig an seine zitternden, blaßen Lippen. Dann verbarg er es wieder sorgfältig, denn es war nicht nur ein unendlich liebes, theures, sondern auch ein sehr werthvolles, kunstvoll gearbeitetes und gemaltes Kleinod. Jetzt trat der Thurmwärter Ibrahim in den Kerker. Dieser, ein bejahrter, finsterer Mann, mit langem weißen Vollbarte, auf dem kahlen Haupte den schmutzigen rothen Turban. Dessen langer und weiter, farbiger Kastan war durch einen Gürtel um den Leib befestigt, in welche,» ein langer Dolch stack. Ibrahim brachte eine mit Wasser gefüllte Schüssel, in der einige Blätter des Wunden-Krautes lagen, dann Leinwand stücke, um die Wunde des Gefangenen auszuwaschen und die Blätter einzulegen. Die verwundeten christlichen Ritter suchte man schon um des Lösegeldes zu erhalten und Ibrahim hatte sich in den vielen Jahren seiner Verwendung als Wärter der Gefängnißthürme durch Pflege der Verwundeten eine gewisse Fertigkeit in der Behandlung und Heilung von Wunden erworben. Das Alter hatte den sonst gefürchteten fanatischen Mann umgewandelt und milder gestimmt. Körperliche Gebrechen, insbesondere Folgen von früheren Verwundungen in den Kriegen unter Sultan Bijazet und seinem kühnen Vorgänger Murad I. flößten ihm einiges Mitleiden mit den Gefangenen ein; doch hatte er für Keinen einen freundlichen Blick, einen Gruß. Allmählig besserte sich der Zustand unsers Ritters, so daß er, nachdem Ibrahim die Fnßsesseln gelöst hatte, mit Benützung zweier Stöcke einige Schritte in seinen: Kerker zu gehen vermochte. Thränen füllten seine Augen, als er sich dem Fenster nahte, durch welches eine erquickende Luft hereinströmte in das feuchte, dumpfe Gefängniß. — Eines Tages, nachdem Ritter Jörg schon einige Stunden außerhalb seines Lagers zubringen konnte, zog ivieder ein wohlthätiger Luftstrom in den Kerker. Draußen sangen die freien Vögel ihre Lieder und hie und da setzte sich ein Nothkelchen oder eine Schwalbe auf die Fensterbank zwischen den starken Gitterstangen und schauten den armen Gefangenen mitleidig an oder sangen und zwitscherte» ihm unverständliche Grüße oder Wünsche zu. Da zog dann ein namenloses Sehnen in des Ritters Herz, er faltete die Hände und zum tiefblauen Sominerhimmel hinaus blickend, rief er tief bewegt: „O Heimath! — Meine theure Agatha! — Wüßtest Du, was Dein treuer Jörg gelitten hat und noch leibet — und welches herbe, vielleicht schauerliche Loos ihm noch bevorstehen wird!" — Nicht ohne Anstrengung kniete er dann nieder und indem zahlreiche, heiße Thränen üder die blaßen, eingefallenen Wangen in den langen Bart rannen, betete er aus tiefstem Herzensgründe zu Gott um baldigen Tod oder um Rettung und Erlösung, um glückliche Heimkehr zur trostlosen Gattin. Erleichterten Herzen erhob sich Jörg mühsam von dem harten, feuchten Steinpflaster und gelobte, falls ihn der liebe 59 Gott glücklich zu den Seimgen gelangen lassen sollte, drei Kirchlein zu bauen, zu Ehren. Maria's der Mutter des Erlösers, St. Georgs und St. Agathens. Wieder hatte der Ritter an einem Morgen auf seinem Lager sein Leben dem Allmächtigen empfohlen und für die treue Gattin gebetet. Noch waren die Augen miL Thränen gefüllt, die Hände über der Brust gefaltet, als die Kerkerthüre geöffnet wurde und statt des alten, schweigenden Ibrahim, ein weibliches Wesen im Gewände der türkischen Dienerinnen aus der Schwelle erschien. Es war Selima, des Gefängnißmeisters vertraute Sklavin, welche, falls dieser erkrankte, die bessere» Gefangenen versorgen mußte. Sie hatte durch eine Thürspalte den Betenden beobachtet und als dieser sich bekreuzte, da trat auch in ihr Ange eine Thräne, die sie jedoch verwischte, ehe sie eintrat. — Des Mädchens ernste, doch wohlwollende Züge, ihr dunkles, (einstens wohl liebe» glühendes) Auge, die ganze Erscheinung flößte dem Ritter sofort Vertrauen ein. Selima stellte die Schüssel mit der aus gekochtem Reis bestehenden Morgensuppe auf die Bank, nahm Brod und — was Ritter Jörg noch niemals erhalten hatte, süßeS Obst aus der Tasche und legte es neben die Schüssel, dann entfernte sie sich aus dem Kerker. — Hatte schon das inbrünstige Gebet heilenden Balsam in des Gefangenen wundes Herz geträufelt, so überkam ihn diesem Mädchen gegenüber ein beruhigendes Gefühl. Es that ihm so wohl, statt des ernsten, schweigenden Ibrahim, ein wie es schien theilnehmendes Wesen zu schauen. Wie der finstern, Grauen erregenden Nacht, der schöne, helle, hoff-, nungsvvlle Tag folgt, so freundlich erschien dem Ritter diese Frauengestalt gegenüber dem düsteren Gefängnißwärter. — Je öfter Selima in den Kerker trat, desto theiluehmender zeigte sie sich. Aber, wie schwer wurde es dem Gefangenen, welcher der türkischen Sprache unkundig war, sich. dem Mädchen verständlich zu machen! — Da redete ihn Selima eines Tages in italienischer Sprache an. Welche Freude für den Armen! Jörg war als Schirmherr des Chorherrnstiftes Schliers schon einigemale nach Südtirol, wo das Stift Weinberge besaß, gekommen und hatte von da aus Verwandte am Gardasee besucht, bei welchen er als Knabe oft monatelang verweilen durste und dort die italienische Sprache erlernte. Nun konnte er sich seiner wohlwollenden Wärterin verständlich machen, ihr sein Sehnen nach der treuen Agatha klagen und wenn das Mädchen ihm Muth und Ausdauer rieth und nur die leiseste Anspielung auf eine mögliche Rettung machte, da dankte der Ritter dem Allmächtigen für diesen beseeligenden Hoffnungsstrahl. Selima hatte bei dem so häufig von Gicht geplagten, an seine Wohnung gefesselten Ibrahim durchzusetzen gewußt, daß der von Blutverlust und Schmerzen so sehr geschwächte blonde Ritter den unter seinem Kerkerthurme befindlichen kleinen Garten des Wärters besuchen durfte. Ibrahim hatte dem Mädchen nur den Auftrag gegeben, dem Gefangenen die Fuß- und Handschellen nicht abzunehmen, damit ihm jede Hoffnung zur Flucht genommen werde. Da saß der dankbare Waldecker manche Stunde in der schattigen Weinlaube, welche m einer Ecke der Festungsmauer angelegt war. Von Zeit zu Zeit besuchte ihn Selima und brachte, obwohl es ihr strenge untersagt war, ein Krüglein stärkenden Weines mit, welchen sie sich in der Stadt von Bekannten zu verschaffen wußte. Die Pflege des geduldigen Ritters, der dem Mädchen für jede Gefälligkeit innig dankte, den sie häufig im frommen Gebete belauscht hatte, dessen Thränen ihrem guten Herzen selbst bitteres Weh bereiteten, war ihr zur Lieblingsbeschäftigung geworden. —> Gleichwohl sann sie auf die baldige Rettung und hoffte durch dieselbe, als die Befreiung eines Glaubensgenossen, die Gewissensbisse wegen ihres, freilich erznrungenen Uebsrtrittes zum »lohamedanischen Glauben, zum Schweigen zu bringen. Eines Nachmittags saß der Ritter wieder in der Weinlaube und blickte durch die 60 schmale Oeffnung der Mauer hinaus in die blaue See, deren Rauschen den schwachen Gefangenen so oft in kurzen, aber süßen Schlummer gewiegt hatte. Träumend saß Jörg auf der Steinbank und dachte an die heimathliche Burg, an den kleinen Schliersee, — ein Tropfen Wasser gegen das nahe Meer —, dachte an Agatha! Da nahte Selima und setzte sich neben dem Ritter zu dessen Füßen nieder. „Selima!" sprach dieser, „Du versprachst mir wiederholt, Deine Lebensgeschichte zu erzählen. „Willst Du eS heute thun, ich sehne mich sie zu kennen!« Selima antwortete: „Wenn ich nicht wüßte, daß Du ein christlicher Ritter bist und, wenn mir nicht Deine thränenfeuchten Augen so oft gesagt Hütten, daß in Deiner Brust ein warmes Herz für Deine Heimath schlägt, ich würde die trübe Zeit nicht mehr in's Gedächtniß zurückrufen, die mich für immer von der unvergeßlichen Heimath, von, schönen Venedig trennte! —« „Also Venedig, das stolze, ist Deine Heimath!« rief der Ritter. „Dann warst Du eine Christin, Selime?« „Ich war eine Christin!« erwiderte diese. „Höre weiter! Mein Vater war Kaufmann und handelte in Seidenwaarren. Meine Mutter überlebte meine Geburt nur wenige Wochen. Ich erhielt in der Taufe den Namen Luzia. Zwölf Jahre durfte ich Italiens ewig blaue» Himmel schauen, der Heimath stärkende Meeresluft athmen und mit lieben Gespielinnen die Kinderjahre verträumen. — Da mußte mein Vater eines Tages in Geschäften zu einem Freunde, welcher in einem wenige Stunden entfernten Städtchen wohnte. Es war meine erste Reise. O, wie freute ich mich, als wir in der Morgenblüthe durch einen kleinen, aber lieblichen Pinien- Hain, nahe am Meeresufer dahin fuhren. — Ich ahnte nicht, daß dieser Tag der trübste, der schmerzlichste meines Lebens werden sollte, daß ich in diesem Haine den theuren Vater und die Freiheit verlieren würde!« — Das Mädchen schwieg und trocknete die Thränen, welche ihren dunklen Augen entquollen. — Der Ritter sah sie theilnehmend au, und seufzte: „Arme Selime! So jung noch und Du mußtest schon so Bitteres erfahren!« Diese fuhr fort: „Nachdem der Vater seine Geschäfte beendet und eine ziemlich große Geldsumme eingenommen hatte, ließ er sich von dem Freunde bereden, die Rückfahrt nach Venedig wegen der großen Hitze auf den Abend zu verschieben. Es war schon ziemlich dunkel, als wir den Hain erreichten. Die Pferde mußten des ansteigenden Weges halber, im Schritte gehen. Plötzlich hörten wir einen schrillen Pfiff und gleich darauf eilten zwei bewaffnete Männer auf unseren Wagen zu. — Mein Vater griff nach seinem Dolch und wollte noch die in einer Tasche befindliche Geldsumme verbergen, als er von rückwärts einen Dolchstich erhielt, auf welchen er sofort zusammensank und aus dem, Wagen taumelte. Ich schrie wild auf und sprang aus dem Wagen, um nach dem armen Vater zu sehen. Da hob mich einer der Räuber auf und trug mich an das nahe Meeresufer in ein kleines Schiff. Ich verlor nun das Bewußtsein!- Als ich wieder zur Besinnung kam", fuhr Sekiine nach kurzer Pause fort, „befand ich mich auf hoher See in einem Piratenschiffe, umgeben von wilden Gestalten. Ei» alter Mann mit wettergebräuntem Gesichte, aber gutmüthigem Ausdrucke tröstete mich, denn ich fühlte schreckliches Heimweh und Sehnen nach dem Vater und weinte bitterlich. Er gab mir zu Essen und zu Trinken und sagte mir, es werde mir da gewiß gefallen, wohin sie mich führen. Mir war's, als wären wir Monate gefahren, als wir an Inseln vorüber in die Mündung dieses Flusses, der Norenta, einbogen. Bald erblickte ich die finsteren Thürme und Mauern über der Stadt und als mir der Alke — Stephane nannten ihn die Räuber — sagte, daß wir am Ziele der Fahrt seien, da überkam M wieder namenloser Schmerz. Wir ankerten mitten im Flusse, dann kam ein Schiffchen vom belebten Ufer. Ich mußte in das Fahrzeug steigen und Stephans ruderte mich hinüber. Kaum hatte ich den Fuß an'S Land gesetzt, als ein Türke in besserer Kleidung sich durch die Neugierigen drängte. Es war Ibrahim. Er war damals, wenn auch schon in den Fünfziger», noch ein rüstiger Mann. Dieser gab dem Stephans, den er zu kennen schien, eine Börse, dann blickte er mich freundlich an und nahm mich bei der Hand. Stephans aber sagte: Sieh, Luzia, dieser Mann ist nun Dein Vater und Freund, folge ihm vertrauensvoll. Seit zwanzig Jahren bin ich die Sklavin Jbrahiin's und kann nicht klagen über harte, unliebe Behandlung. Ich genieße sein Vertrauen seit vielen Jahren und ohne dieses Hütte ich niemals Deinen Kerker betreten dürfen, edler Ritter. Ich durfte noch keinen Gefangenen bedienen; erst seit Jbrahiin's Leiden ihn an die Stube fesselt, darf ich Dich, für den er hohes Lösegeld erwartet, pflegen." Seliina erhob sich und ging, um bei dem kranken Ibrahim nachzusehen. (Fortsetzung solgt.) Gokdkörrrer. Der Neid ist die Becschwisternng mehrerer Untugenden zu einem einzigen Hauptlaster: er trügt zu gleicher Zeit die Abschentichkeit der ungenügsamen Habsucht, des Stolzes, der Menschenfeindlichkeit. Er verwüstet nicht imr die Lebensruhe Dessen, in dem er wohnt, sondern er lechzet auch noch Zerstörung fremden Glückes. Seins Kinder sind die Schadensrende, die Verleumdung, die Ungerechtigkeit, die Heuchelei, der Haß. Neid ist Unzufriedenheit über Begünstigungen und Borzüge, die man nicht hat, ein Streben, sie Dem zu rauben, der sie besitzt, um sie sich selbst zuzueignen oder auch nur, sie an Andern zu zerstören, wenn man zu ihrem Besitz nicht gelangen kann. Zschokke. Es gibt eine Höflichkeit des Herzens: sie ist der Liebe verwandt. Aus ihr entspringt die bequemste Höflichkeit des nutzeren B.tragens. Goethe. Verstand ist stets bei Wen'gen nur gewesen: Man soll die Stimmen wägen und nicht zählen. Schiller. Wer gute Menschen liebt, kaun iveuigsteus nicht ganz verdorben sein. Lessing. Das, was Dein Aug' an Andern sah, Wird Andern nicht an Dir entgeh'»- Tiedge. Laß die Sonderlings mit Frieden, Menschentroß! Denn es wäre doch wahrlich sonderbar, wenn das Dornengebüsch mit den Eichenstämmen rechten wollte, daß sie einen festen, selbständigen Wuchs himmelan treiben. Benzel - Sternau. Unser Lebensweg steht auf beiden Seite» so voll Bäumchen und Ruhebänke«, daß ich mich wundere, wenn Einer müde wird. Jean Pauk. Freund! Bewahre Deinen Himmel Bor dem Dunst der Leidenschaften. Herder. Leben ist ein Gewebe von Traumen, Fröhlichen leicht, Betrübten schwer. K. Schmidt. Schönheit ist ein mißlich Geschick. Sie machet den Liebling Eitel, und wenn sie entflieht, macht sie ihn traurig und leer. Herder. Witz als Werkzeug der Rache, ist so schändlich als die Knust als Mittel des Sinnenkitzels. Schlegel. Zm- Erinnerung arr NadetzN). (Aus dem Wiener Vaterland.) Am^18. Januar 1898 bewegte sich ein langer Tranerzug, vom Arsenale kommend, nach der Stadt zur St. Stephanskirche. Es war das Leichenbegängniß des Feldmarschalls Nadetzky. Am 5. Januar war der berühmte Feldherr im 94. Jahre seines Alters in der Villa Reale in Mailand gestorben und nachdem man erst in Mailand, dann auf der Durchreise in Venedig und Trieft große Leichenfeierlichkeiten abgehalten hatte, wurde die 62 entseelte Hülle nach Wien gebracht, um von da zur Beerdigung auf dein Heldenberge in Wetzdorf iveiterbefördert zu werden. Was Nadetzky in trüber, sorgenschwerer Zeit für Kaiser und Vaterland gethan, ist Allen bekannt; aber wie es Erinnerungstage im Leben der Einzelnen gibt, wo man mit besonderer Innigkeit theuerer Verstorbener gedenkt, so ist der Tag, an dem es ein Vierteljahrhundert wird, daß die sterblichen lleberreste des Feldmarschalls nach Wien gebracht wurden, wohl geeignet, der Verdienste, die er sich erworben, lebhafter noch als sonst zu gedenken. Am 2. November 1766 erblickte Nadetzky in Trzebniz in Böhmen das Licht der Welt; aus einer altadeligen gräflichen Familie entsprossen, trat er als Cadet in ein ungarisches Kürassierregiment und machte 1788 bis 1789 als Oberlieutenant den Feldzug gegen die Türken mit, wo er sich vor Belgrad die ersten Lorbeern errang. In der kriegerischen Zeit, die nun folgte, nahm er an den Kämpfen gegen die Franzosen Theil und zeichnete sich namentlich in der Schlacht bei Leipzig aus, wo er und Langen«» Generaladjutauten des Generalissimus Schwarzenberg waren. Im Jahre 1831 wurde er Oberbefehlshaber der österreichischen Truppen in Italien und im Jahre 1836 ward er zum Feldmarschall ernannt. Wie viele Proben seines Genies und Muthes er auch bis dahin gegeben, so war es ihm doch vorbehalten, in einem Alter, wo Andere, von dem errungenen Ruhme zehrend, ihre physischen und geistigen Kräfte schwinden sehen, die höchsten Triumphe zu feiern. Als die Revolution im März 1848 in Mailand aus- brach, war Nadetzky vierundachzig Jahre alt; allein die Energie, mit welcher er handelte und ein ihm weit überlegenes Heer inmitten eines aufständischen Landes besiegte, zeigte ihn nicht als Greis, sondern als vollkräftigen Mann. Die herrlichen Waffenthaten der Jahre 1848 und 1849 sind unverwelkliche Lorbeerblätter in der Geschichte Oesterreichs. Santa Luoia, Sommacampagna, Custozza und Novara sind Namen, welche die Brust eines jeden Oesterreichers mit Stolz erfüllen dürfen, und mag immerhin ein Gefüht der Wehmuth uns jetzt bei der Erinnerung daran beschleichen, die Proben von Tapferkeit und Aufopferung, welche uirsere Truppen, angeführt von „Vater Nadetzky", gaben, dürfen nicht der Vergessenheit überlassen werden. Am 23. März 1848 hatte Nadetzky Mailand, in welchem die Revolution herrschte, geräumt, und ein Jahr später, genau an demselben Tage, gewann er die Schlacht bei Novara, die dem Kriege mit Sardinien ein Ende machte. Ebenso bekannt wie die Schlachten, welche Nadetzky gewann, sind die Milde und Großmuth, die der edle Sieger, jedes unnütze Blutvergießen vermeidend, den Unterworfenen angedeihen ließ. Nach dem Friedensschlüsse wurde er zum Generalgouverneur des lombardo-vene- tianischen Königreiches ernannt und erst am 29. Februar 1857 auf sein eigenes Ansuchen jn den Ruhestand versetzt. Nicht ganz ein Jahr später starb er an den Folgen eines Beinbruches, den er sich durch einen Fall im Zimmer zuzog. Sein berühmter Vorgänger, Prinz Eugen von Savoyen, diente unter drei Kaisern, Nadetzky unter fünf Monarchen. Geboren unter der Regierung Maria Theresia's, focht er unter Kaiser Joseph II. gegen den Erbfeind Oesterreich's, gegen die Türken; unter Leopold II. und Franz I. nahin er an den Franzosenkriegen den rühmlichsten Antheil; unter Ferdinand dein Gütigen bewältigte er die Revolution in Italien und unter Kaiser Franz Joseph 1. erfocht er den glänzendsten Sieg über Karl Albert von Sardinien. Zum Generalgouverneur des lombardo-venetianischen Königreiches ernannt, stellte er in dem unterwühlten Lande Ruhe und Ordnung wieder her. Die Monarchen, in deren Diensten er so Großes und Herrliches leistete, ließen es an Beweisen der Huld und Anerkennung nicht fehlen und als Nadetzky im Herbste 1849 in Wien war, wetteiferten Kaiser und Volk, ihn auf jede Weise auszuzeichnen. So wurde während seiner Anwesenheit „Wallenstein's Lager" im Burgtheater ausgeführt und die Volkshymne zu Ehren des Feldmarschalls gesungen. 63 Man feierte in ihm nicht nur den siegreichen Feldherrn, sondern liebte ihn auch wegen seiner Herzensgüte. Mit wahrhaft väterlicher Liebe sorgte er für seine Soldaten, die ihn deshalb auch „Vater Nadetzky" nannten. Seine Leiche wurde nach Wetzdorf überführt, wo er auf Parkfrieder's Heldenberg beigesetzt wurde und ein herrliches Mausoleum erhebt sich nun über die Stätte, wo der große Feldherr ruht. Se. Majestät der Kaiser Franz Joseph wünschte, daß Der, welcher ihm so glorreich gedient, auf einer kaiserlichen Besitzung ruhe; da er aber den Willen des Verstorbenen ehrte und ihn demzufolge aus dem von Herrn Parkflieder zu Ehren berühmter Oesterreicher errichteten Heldenberge begraben ließ, so gedachte er denselben durch Kauf an sich zu bringen. Herr Parkfrieder, dem dieser Besitz um kein Geld der Erde feil gewesen wäre, bat den Kaiser, den Heldenberg mit allen seine» patriotischen Denkmälern als Geschenk annehmen zu wollen. Während ein einfacher Privatmann sich durch diesen schönen Zug des Patriotismus ein unvergängliches Denkmal setzte, kann es nur unser schmerzliches Erstaunen erregen, daß die Hauptstadt des Reiches bis jetzt unterließ, die Pflicht der Dankbarkeit zu erfüllen, indem sie dein Feldmarschall Nadetzky ein Denkmal setzte. Wir dächten, der Sieger von Novara hätte darauf nicht minderen Anspruch als die Sieger von Zenta, Aspern und Leipzig. Wir sollten stolz darauf sein, diesen De kmälern noch eines hinzufügen zu dürfen, das uns vielleicht dadurch noch werther wäre, weil noch so Viele leben, denen der Name Nadetzky in stnrmbewegter Zeit Trost und Muth einflößte. Unsere Zeit, die sonst so eifrig bestrebt ist, berühmte Verstorbene durch Denkmäler zu feiern, sollte den würdigsten Anlaß, der sich ihr hier bietet, unbeachtet lassen? Alle Dichter Oesterreichs haben in edlem Wetteifer den Helden von Novara gefeiert und wir meinen diesen kurzen Nachruf, den wir seinem Andenken gewidmet haben, nicht besser schließen zu kennen, als indem wir die schönen Verse Deinhardstein's anführen, mit welchen der Dichter uns ein so tref- tendes Bild von des Feldmarschalls Wesen liefert: „Für Nccht und Pflicht das Schwert gezückt, Den Blick zum Himmel nnvcrrüctt, Beschützend mit der Heldenhand Den Kaiser und das Vaterland; Das Herz an Menschenliebe reich, Ein Kriegs- und Friedcnsfürst zugleich; Im Handeln stark, im Ltraien mild, Das ist — Nadetzky's Lebensbild. II. V. M i s e s l L e rr. (Die junge Königin von Holland) führt, wie man aus Haag schreibt, mit ihrem hohen Gemahl das harmonischste Familienleben. Die jugendliche Fürstin liebt aber außer ihrem Gemahl noch die schönen Künste und hat es namentlich in der Malerei zu einer bewundernswerthen Fertigkeit gebracht. — So überraschte sie den König zum Weihnachtsfeste mit einem prachtvollen — von ihr eigenhändig gemalten — Porzellan- Service. Der hohe Herr war von dieser unerwarteten Gabe so entzückt, daß er des Dankes kein Ende wußte und noch am selbem Abend seinem vertrauten Kammerdiener die Sorge für das künstlerische Geschenk auf die Seele band. „Dieses Service," sagte er, „ist für mich das köstlichste Kleinod unter allen Kunstschätzen, welche ich besitze, und mein königlicher Zorn wird unerbittlich jeden treffen, der mir etivas davon zerbricht. Der Unglückliche wäre sofort entlassen." Es vergingen einige Tage, und eines Morgens erbat sich mit bestürzter Miene der Kammerdiener eine Audienz bei der Königin, um ihr zu berichten, daß er das Unglück gehabt habe, von dem kostbaren Service die Zuckerschale zu zerbrechen, und daß er nun fürchte, vom Souverän? sofort entlassen zu werden» Huldvoll indeß wußte ihn die junge Fürstin zu tdösten und befahl dem geängstigten Dtener, ihr ein Fläschcheu jenes flüssigen Leimes zu bringen, das in Frankreich unter dem tröstenden Namen „ne zKenros-xlus''' bekannt ist. Die Königin wußte mit großer Geschicklichkeit die zerbrochene Dose wieder zusammenzufügen, und so paradirte sie noch am nämlichen Morgen auf dem fürstlichen Frühstückstisch. Der König trank seinen Souchongthee» als plötzlich seine Gemahlin sich erhob, die geleimt« Zuckerdose in die Hand nahm und sie mit allen Zeichen tiefsten Erschreckens zu Boden fallen ließ. „Majestät," sagte die Königin, auf die Scherben der kostbaren Schale deutend, „Majestät, bin ich nun auch meines AmtcS entlassen?" — „O," sagte der König, verständnißinnig lächelnd, Sie sind ein Engel — ns pleures-plem! (Eine Symphonie von Richard Wagner.) Am heiligen Abend wurde zur Grburtstagfeier von Frau Cosima Wagner im Hause des Componisten in Venedig eine Symphonie aufgeführt, welche Wagner vor 50 Jahren componirt hatte. Wagner nennt in einem Briefe an das Leipziger „Musikalische Wochenblatt" diese Symphonie ein «altmodisches Judenwerk", das zwar einige contrapunktische Sicherheit und Selbst- ständigkeit in der Verarbeitung der Themen zeige, ohne die drastisch feste Formenfassung seiner großen symphonischen Vorbilder Mozart und Beethoven aus dem Auge zu verlieren. Die Symphonie wurde zuerst in Leipzig aufgeführt, und Heinrich Laube» der sich damals „mit Aufsehen schriftstellernd in Leipzig" aufhielt, lobte das Werk in seiner „Zeitung für die elegante Welt". Ueber Mendelssohn ist Wagner auch in diesem Briefe nicht gut zu sprechen. Wagner, der damals 19 Jahre zählte, überreichte sein symphonisches Werk dem berühmten Tondichter, welcher ihm gar kein Wort darüber sagte. „Im Laufe der Jahre," erzählte Wagner, „führten mich meine Wege oft wieder mit Mendelssohn zusammen; wir sahen uns, speisten, ja musicirten einmal in Leipzig mit einander; er assistirte einer ersten Aufführung meines „Fliegenden Holländer" in Berlin und fand, daß, da die Oper doch eigentlich nicht ganz durchgesallen war, ich mit dem Erfolge zufrieden sein könnte; auch bei Gelegenheit einer Aufführung des „Tannhäuser" in Dresden äußerte er» daß ihm ein canonischer Einsatz im Adagio des zweiten Finales gut gefallen hätte. Nur von meiner Symphonie kam nie eine Sylbe über seine Lippe." (Umschreibung.) Nechtsanwalt: „Ihr leugnet also gar nicht, den Kläger geschlagen zu haben; könnt Ihr denn nichts zu Eurer Entschuldigung anführen!" — Klient: „Ei freilich, Herr Rechtsanwalt! Sehen Sie, wir haben in unserem Dorfe gerade Kirmes, und da bin ich die ganze Woche hindurch in mildernden Umständen gewesen." (Weiberneid.) Die Kinderlose ist der mit Kindern Gesegneten neidig, weil man die Unfruchtbaren, als guasi „unnütz," verachtet und die mit Kindern Gesegnete beneidet die Kinderlose, weil es diese „so schön" hat. — Die „alte Jungfer" aber beneidet Beide, weil sie Männer haben! (Kompliment.) „Ich habe immer gefunden," sagte ein ziemlich einfältiger, aber eingebildeter Mensch, „daß, je weniger Jemand weiß, er desto glücklicher ist." — „Da gratuliere ich Ihnen", bemerkte der Andere, „denn dann müssen Sie sehr glücklich sein." (Ein Prinzipienman n.) Der Professor Silbenstecher hat sich ohne Verlobung verheirathet, weil er's als Philologe nicht über's Herz bringen konnte, sich zu — versprechen. (Viel Lärm um nichts.) „Was geschieht denn der« Sau, daß gar a so schreit?" — »Nix g'schieht ihr, abstachen wird's." (Ehrlich.) Donnerwetter! Der Rock geht aber ausgezeichnet! Wie heißt Dein. Schneider? — Sag ich nicht — kann meinen Schneider allein ruiniren. Räthsel-Aufgabe. (Vorstehende zwölf Buchstaben sind so zu gruppiren, daß sie die vier Seiten eines Quadrates vildeud, sieden verschiedene Wörter ergeben.) Für die Redaktion verantwortlich Alphons Planer in Augsburg. — Druck und Verlag dezi Literarischen Instituts von Dr. Max. Huttler.