zur 4 - —«»v» ' Nr« 10» Samstag, 3. Februar 1833» Jörg von W-ridbür. Eine Erzählung aus dem fünfzehnten Jahrhundert von F. S ch eIIk (Fortsetzung.) Während des eifrigen, aber ernsten Gespräches in der Laube unterhielten sich drei andere Personen in der Jägerstube. Martha saß bei ihrer betagten Mutter niit Flickarbeiten für den Jäger Kuno beschäftigt. Die Wittwe wußte nicht genug Worte des Lobes über den Jägerburschen, der auch wie ein Sohn für sie sorge. »Ja", sagte sie, „ich muß schon bei der gnädigen Frau Agatha bitten, daß Kuno die Stelle Deines seligen Vaters erhält. Er verdient sie für seine unermüdliche Thätigkeit. Erst vor wenigen Tagen sagte mir der Holzmeister Toni, daß Kuno ebenso eifrig im Walde sei, wie der selige Kurt und ein Jäger ist er, ein Schütze, daß man weit gehen darf, bis man wieder einen solchen findet!" — Dann setzte sie leise hinzu: „Das wäre ein Mann für Dich, Martha!" Diese erhob sich bei den letzten Worten der Mutter, ergriff deren Hände und sagte: „Verzeihe, liebe Mutter, daß ich Dir bis heute verschwiegen habe, wie lieb mir Kuno ist und daß auch er mir recht gut ist, ja — daß wir uns gegenseitig Liebe und Treue versprochen haben, als wir am letzten Sonntag Nachmittag, während Du bei den edlen Frauen in der Laube weiltest, im Wäldchen Schwämme suchten. — Damals gestand mir Kuno, daß er längst schon eine Zuneigung zu mir fühle und nichts sehnlicher wünsche, als daß ich einst, wenn er eine feste Stelle habe, seine Hausfrau würde, wie er Dich, liebe Mutter, zu seiner Schwiegermutter haben und wie ein ^ Sohn pflegen möchte." ^ »Der gute Junge!" sagte die Mutter. „Ja, ich glaube selbst» baß ich mir keinen ^ besseren Schwiegersohn wählen könnte, als den braven Kuno! — — dann fuhr sie fort: „Nun, Martha, was hast Du dem Jäger geantwortet?" Diese erwiderte erröthend: „Mutter, ich habe ihm in die Augen geschaut, wie er so vertraut mit mir sprach und da war mir's, als ob seine Worte aus der Seele kämen. Da besann ich mich nicht lange, sondern erwiderte den ersten innigen Kuß des lieben Jägers mit einem ebenso innigen." In diesem Augenblicke vernahm man im Hausflur Männertritte, gleich darauf wurde die Stube geöffnet und Kuno erschien auf der Schwelle. Martha eilte ihm entgegen und rief: „Kuno, die Mutter weiß von unserer Liebs und williget in unsere einstige Verbindung ein!" Frohen Blickes eilte der Jäger zur alten Frau, faßte ihre beiden Hände und rief: „Wie dank ich Dir, gute Mutter! Du sollst an mir einen braven, sorgsamen 74 — Schwiegersohn erhalten, die ich hegen und pflegen will, wie meine leibliche Mutter bis , an's Ende!" In den Augen der Alten glänzte eine Thräne, als sie antwortete: „O, wenn das der selige Vater wüßte!" — Kommt her, Kinder, laßt Euch segnen!" — Die Beiden knieten nieder. Martha legte ihre Hände auf die Häupter der Liebende» und sprach andächtig: „Gott segne Euch mit seiner unendlichen Liebe, für und für!" ^ Nachdem sich die jungen Leute erhoben hatten, gewahrte die Alte, daß die Herr- »' schaften die Laube verlassen hatten und dem Jägerhause zuschritte». Sie eilte mit der Tochter denselben entgegen. V. Einige Tage später, an St. Johanni-Enthauptung zog nach einem sehr schwülen Nachmittag und Abend in der Nacht ein Gewitter von »»gemeiner Heftigkeit über die Gindelalpe in's Schliersthal und gegen den Wendelstein. Der Sturm peitschte Woge auf Woge weit über das östliche Ufer hin und auf den nach Fischbachau führenden Saumweg. Die alten Tannen um die Burgruine Hohenwaldeck ächzten, als ob sie seit Jahren kein so heftiger Sturm geschüttelt habe und mancher massige Stamm wurde mit den Wurzeln aus dem Boden gerissen und stürzte krachend in die Tiefe. Im Dorfe waren die Schläfer vom Lager aufgesprungen, denn der Sturm hatte viele Legschindeldächer abgedeckt und trieb die Schindel dem Schliersberg zu. Blitz folgte auf Blitz und das Brüllen des Donners schien nimmer enden zu wollen. Auch auf der Waldecker Burg war Alles wach und sah voll Bangens der Wirkung dieses heftigen Sturmes entgegen. Nur aus dem altersgrauen Thurme von Hohenwaldeck erscholl von Zeit zu Zeit, wenn das Getöse des Donners einen Augenblick schwieg, ein heiseres Gelächter. Die eiserne Thüre der Thorwartstube stand offen, fr baß man in das Innere blicken konnte. Da hockte der Waldteufel am baufälligen Herde, auf welchem ein Kohlenfeuer brannte. Ueber dem Feuer stand ein eiserner Dreifuß, welcher eine Pfanne trug, in der eine bräunliche Masse kochte, welche der Alte von Zeit zu Zeit mit einen, eisernen Lössel umrührte. So oft er dieser Masse aus einem Kruge eine Flüssigkeit zusetzte, sprühte eine gelbe Flamme auf und Andreas begleitete diese Erscheinung jedesmal mit seinem unheimliche» Gelächter. Zuweilen trat er unter die Thüre, als müsse er frische Luft athmen, dann rief er den Blitzen entgegen: „Traut Ihr Euch nicht hinein zum Waldteufel? — Oder bin ich Euch zu schlecht? — Muß ich etwa noch Einen auf das Gewissen nehmen? — Habt Ihr nicht genug mit dem Fischerbuben?" — Darauf ging er wieder in die Stube zurück, nahm die Pfanne vom Herbe und ^ brachte sie dann in's Freie zum Abkühlen. Indem er dieselbe auf eine Steinplatte stellte, ^ sagte er: „Wenn der die Wundsalbe nicht hilft, dann hilft Nichts mehr! — Johanni's Enthauptung und eine fürchterliche Gewitternacht ohne Regen! — Mehr, Andres kannst du nicht verlangen!—" Der Alte setzte sich hierauf an der vom Sturme geschützten Ostseite des Thurmes auf einen bemoosten Stein. Allmählig klärte sich im Westen der Himmel und gegen Mitternacht zertheilte der Mond das schwarze Gewölks. Andreas war eingeschlummert.- An eben diesem Tage, Johannes Enthauptung, hatte Jäger Kuno Mittags das Jägerhaus verlassen, da ihm Nachricht gebracht worden war, daß ein Wolf in der Nähe der Valepp-Alpe ein Schaf zerrissen habe und vaß derselbe, verfolgt, dem Spitzingsee ^ zugelaufen sei. Kuno nahm des verstorbenen Jägers Wolfshund mit sich und ging direkt k auf die Sxitzingalpe, wo ihm der Hüterknecht, welcher von dem Vorgefallenen bereits — 75 — r Kenntniß hatte, sagte, daß die Heerde wohl bewacht würde und bis jetzt keine Gefahr sich gezeigt habe. Darauf entfernte sich Kuno und schlug den-Weg gegen Valepp ein, in der Erwartung, der Hund werde, wenn der Wolf wirklich gegen den See herauf sich geflüchtet haben sollte, Wind von demselben bekommen. Er sollte sich nicht täuschen! Der Hund schnupperte, während beide den Seebach abwärts schritten, vorsichtig am ^ Boden. In der Nähe der Nichternlpe verließ er plötzlich den Weg, watete durch den * Bach, suchte am andern Ufer auf- und abwärts und wandte sich dann rasch gegen den > Stolzeneckkopf. Kuno folgte, so rasch er vermochte, denn die ungewöhnliche Hitze und der fünfstündige Marsch hatten den sonst kräftigen Jäger doch etwas ermüdet. Immer eifriger schnupperte der Hund, bald links, bald rechts ausbiegend, immer hoher steigend; dann schien er in einem Graben die sichere Fährte des Wolfes gefunden zu haben, denn er wedelte nun lebhaft mit dem Schweife und sah von Zeit zu Zeit zurück, ob der Herr ihm auch zu folgen vermöge. Unter einer Felswand an welcher sich Legföhren hinaufzogen, gab der Hund Laut. Kuno nahm die Armbrust von der Schulter, legte den Pfeil auf und folgte vorsichtig seinem kundigen Führer, der jetzt auf ein Föhrengestrüppe zustürzte. Aus diesem brach sofort ein alter Wolf hervor; doch ehe der Hund sich auf diesen werfen konnte, durchbohrte ihn schon des Jägers Pfeil, so daß der Wolf sofort zusammenstürzte und bald darauf endete. Inzwischen war die Nacht eingebrochen. Kuno weidete den Wolf aus und lud ihn auf seine Schultern. Er wollte einen näheren Weg gegen die Spitzingalpe einschlagen, wurde aber von dem Gewitter überrascht, von dessen Herannahen Kuno keine Ahnung hatte. Rings um ihn krachten die Bäume, stürzten Neste zu Boden, lösten sich Steine von den Felsen und polterten in mächtigen Sprüngen in die Tiefe. Da riß der Orkan eine alte, morsche Fichte unmittelbar vor dem Jäger zu Boden und diese siel so unglücklich, daß ein Ast derselben gegen den rechten Unterfuß Kuno's schlug und den Knöchel derart verletzte, daß kein Wciterschreiten mehr möglich war, Bekümmert und voll Schmerz ließ sich Kuno auf der Stelle nieder. Als er den schweren Schuh auszog, war der Fuß von Blut überrennen, das der treue Hund sodann aufleckte. Der arme Jäger war nicht im Stande zu einem, unterhalb seinem Lager befindlichen Büchlein zu gelangen, um seine Schmerzen in der kalten Fluth zu stillen und die Geschwulst zu dämmen. Es blieb ihm nichts übrig, als das wenige Moos auf seinem Ruheplätze zur Kühlung auf die brennende Wunde zu legen. Dabei litt er unsäglichen Durst und Hunger, da er außer seiner Morgensuppe den ganzen Tag nichts mehr genossen hatte. Endlich legte sich der Sturm, der Mond brach sich Bahn durch das Gewölks. Da ^ rief Kuno um Hilfe, aber vergebens, er vernahm nur das Echo seiner Rufe. Vielleicht U daß von den wenigen Alpenbewohnern doch Einer nach diesem so heftigen Sturme die ^ schützende Hütte verlassen und sich nach dem Vieh umsehen und seinen Ruf vernehmen würde! Auch könnte Jemand Schutz während des Orkans in einer der Alphütten gesucht haben und nun den Heimweg antreten! Vergebens horchte der arme Jäger, dann sah er trostlos dem anbrechenden Morgen entgegen, da die Rettung aus dieser unheimlichen Lage immer unwahrscheinlicher wurde, der Schmerz aber wie die Geschwulst des Fußes mehr und mehr zunahmen. In Folge der Ermattung war Kuno eingeschlummert. Als er erwachte, war es bereits hell und über seiner Unglücksstelle wölbte sich der blaue klare Himmel. Neue Hoffnung beseelte den Armen, denn es war ja möglich, daß der Senne der Valeppalpe mit Schmalz und Butter nach Schliers gehen werde. Er ließ deshalb von Zeit zu Zeit ^ seine Hilferufe ertönen, so weit es die abnehmenden Kräfte gestatteten. Aber wieder l hörte er Nichts, als das Echo seiner immer schwächer werdenden Rufe. — — Aber an eines Menschen Ohr war sein letzter Schrei doch gedrungen, — an das des Waldteufels. — Dieser hatte ungefähr eine Stunde auf dem bemoosten Steine am 76 Thurme geruht, als er erwachte und sich nach seiner Salbe umsah. Diese war in der Pfanne so weit abgekühlt, daß er sie in schmale Streifen schneiden und herausnehmen konnte. Er brachte dieselben in's Verließ hinunter» dann nahm er die Kraxe und den Bergstock und stieg in'S Thal hinab, von wo er sich gegen die Hachau wandte. Es trieb nämlich den Kräutersammler die Besorgnis;, es möchte seine junge Pflanzung von Heilkrüutern, welche er an der Sonnseite des Stolzeneckkopses angelegt hatte, durch abstürzende Steine beschädigt worden sein, so rasch als möglich dahin. Als er dieselbe unversehrt gefunden hatte, stieg er gegen den Seebach hinab, da vernahm er plötzlich einen schwachen Hilferuf. Vorsichtig sah er sich um und ging in der Richtung, von welcher er den Ruf vernommen zu haben glaubte abwärts, wobei er sich mühsam durch Legföhren Bahn brechen mußte. Da gab der Wolfshund unmittelbar unter ihm Laut. Andres blieb stehen, er kannte des Waldeckers Wolfshund am Gebelle. Als er zwischen Latschenzweigen abwärts schaute, erblickte er den Jäger Kuno am Boden sitzend. Die mächtige vor demselben liegende Tanne, wie das umliegende Steingerölle, ließen ihn sofort erkennen, daß dein Jäger ein bedenklicher Unfall begegnet sein müsse. Während Andres hinuntersah, hatten ihn die scharfen Augen des Hundes erspäht, der nun rasch emporsprang und ihn wedelnd beschnuppte, dann aber wieder zu seinem Herrn hinabeilte, als wolle er ihm verkünden, daß Rettung nahe. Andres legte seine Kraxe ab und setzte sich neben den Latschen auf einen Stein. Nun begann der Kampf seines guten Engels mit dem bösen Geists. Andres sprach mit sich: „Jetzt hab' ich einmal einen Waldecker in meiner Gewalt und kann mich endlich dafür rächen, daß sie den armen Andres fortgejagt haben in's Elend! — Freilich sollte es ein Anderer sein, als der braven Martha ihr Schatz; aber ich habe ja auch mein Liebstes, meine Mechtild verlieren müssen!" — Andres sah wieder hinab zu dem Verwundeten, dann fuhr er wieder in seinem Selbstgespräche fort: „Wenn ich fortgehe und laß den Jäger liegen, nachher muß er verhungern, ich aber habe keinen Mord auf meinem Gewissen! — — Zum Teufel auch was ist das? Muß das Gerippe des Fischersbuben alle Augenblick vor mir stehen und mir droh'n!" Da sprang der Hund wieder herauf, leckte dem Andres die Hände, als bäte er um Gotteswillsn zu dem armen Herrn hinabzueilen. Andres streichelte den Hund und sagte nach einer Weile: „Du bist nur ein Thier und möchtest deinem Herrn helfen und ich bin ein Mensch, ein Christ, schau immer da hinunter, statt dem armen Menschen zu helfen! — Schau, so weit ist es mit dir gekommen, Andres, daß ein Vieh dich aufmerksam machen muß, was deine Pflicht ist als Christ! — Willst gar herzloser sein, als der unvernünftige Hund da?" — Nasch erhob er sich und rief mit lauter Stimme hinunter: „Kuno! der Andres kommt schon!" (Fortsetzung folgt.) GoldkSrner. Dem Scheidenden wird jede Gabe werth. So wird ein Nichts zum höchsten Schatz verwandelt. Goethe. So Mancher klagt und sagt, daß ihn die Welt verkennt, Doch kann er jagen wohl, daß er sich selber kennt? R n ck e r t. Hab ich des Menschen Kern erst untersucht, So weiß ich auch sein Wollen und sein Handeln. Schille r. Pje viel mehr kostet die fremde Meinung uns täglich Geld und Sünde, als die eigene. Jean Paul. 77 Zur Geschichte des Augsburger Theaters. Bon Klara Reichn er. I. Der Meistersinger-Stadel. * ES ist schon lange her. seit in der alten Reichsstadt zum ersten Mal Komödie gespielt ward, schon sehr lange, und zwar geschah dies dazuinnls und später auf eine von heute so verschiedenen Weise, daß es wohl werth sein dürfte, diesem Lebenslauf und Entwickelungsgang einige nähere Betrachtung zuzuwenden. Die ersten theatralischen Darstellungen in Augsburg, von denen Genaueres bekannt ist, datiren zurück bis in's Mittelalter, der damaligen Sitte folgend, bei Gelegenheit von kirchlichen Festen und von Gastmählern allerlei Aufführungen zu veranstalten; ebenso fanden in den Klosterschnlcn theatralische Spiele statt. Auch scheinen bereits im 13. und 14. Jahrhundert wandernde Truppen sich in Augsburg prvducirt zu haben, und zwar durch Ausführung geistlicher Schauspiele, Scenen aus der biblischen Geschichte, sowie von Sittensprüchen und Sprichwörtern. — Ebenfalls seit dem 13. Jahrhundert stammt die Sitte der „Zwischenspiele" bei fürstlichen Gastmählern, welche durch vielen Glanz sich auszeichneten; zwischen den einzelnen Gängen der Tafel wurde gesungen, deklamirt, getanzt, und dazu allerlei Maschineriswerk in Bewegung gesetzt: wandelnde Thiere, sich verwandelnde Burgen u. s. w. Im 15. Jahrhundert kamen dann die sogenannten „Bauernspiels" in Mode, welche grvßicntheils Satpren und Parodien auf Quacksalbereien, Pantoffelregiment, Prozsssiren und andere zeitgemäße Dinge zur Darstellung brachten. Allerdings scheinen diese Vauern- spiele nicht gerade das Renommee besessen zu haben, veredelnd auf die Zuhörerschaft einzuwirken, wenigstens kam es wiederholt vor, daß die Bischöfe auf den Stznoden eigens den Besuch solcher Komödien den Geistlichen verboten. Außerdem brachte das 15. Jahrhundert einen Augsburger Dramatiker hervor, denn es war im Jahre 1497, als: „I. G. Bayer'S äußerst nützliche Komödien, welche die ganze Zierlichkeit lateinischer Rede enthalten", in Augsburg im Drucke erschienen, und von den Knaben der Patrizierfanwicn aufgeführt wurdeu. Ueberhaupt gebot es die damals herrschende Mode, den Plauius und Tercuz möglichst zu kultiviren, und deren Stücke zu übersetzen, und so finden sich auch zu Anfang des 16. Jahrhunderts mehrere Augsburger, welche diesem Zeitgebranchs» lateinische Komödien zu verdeutschen, folgten. Erwähnenswcrth aus dem 15. und 16. Jahrhundert sind auch noch die „Fastnachtsspiele", schon deshalb besonders erwähnenswerth, weil gerade sie ein recht süddeutsches Element, von Lolksgeist getragen, repräsentiren, und weil sie außerdem — besonders im 1V. Jahrhundert — als weltliche Schauspiele sich von den geistlichen unterschieden. —> Erst im 17. Jahrhundert hörten diese Fastnachtsspiele in Augsburg auf, welche dadurch entstanden waren, daß im Fasching allerlei Masken in der Stadt umherzogen, die durch Mummenscherz und Schwanke die Leute unterhielten, in deren Häusern sie kamen, bis endlich aus diesen scherzhaften Umzügen ordentliche Gesellschaften, aus Handwerkern gebildet, hervorgingen, die eine förmliche Zunft gründeten, und in Privat- und Wirthshäusern ihre Produktionen zum Besten gaben. Polksthümlich, derb und lustig waren sie, mitunter sogar anstößig, diese sehr beliebten Fastnachtsspiele, welche dem Volkswitz freien Spielraum ließen. Besonders aber zu erwähnen auL den Zeiten des erlöschenden Mittelalters ist die Zunjt der Augsburger „Meistersinger", deren Darstellungen an Sonn- und Festtagen stattfanden, und welche zu Anfang des 16. Jahrhunderts eine förmliche Zunft mit circa 100 Mitgliedern bildeten. Es wurde der alte Meister- und Miunsgesaug von ihnen kultivirt, und „Gewenneier" (Gewinn), bestehend in goldenen Kronen, verabreicht. Leider aber ging das Geschäft bald so schlecht, daß die goldenen Preiskronen verschwinden mußten, um — Zinngeschirren Platz zu machen. — Der Zeitgeschmack verlangte bereits nach theatralischen Darstellungen, genährt durch die Aufführungen herumziehender Darsteller 78 welche dem Ohr und Auge der Schaulust mehr Befriedigung boten, als die schulmäßig einfachen Leistungen der Meistersinger und ihre geistlichen Liedsrstosfe. So kam es, daß die Zunft nach und nach verarmte, und statt der goldenen Preiskrönung das sogenannte „Zinnsingen" entstand; — die Folge davon- war, der nothgedrungene Entschluß, dem bisherigen Streben eine neue und ganz andere Richtung zu verleihen, um wiederum mehr Zugkraft auf das Publikum auszuüben» Statt der Stoffe aus der biblischen Geschichte, ^ die sie bis dahin zu wählen pflegten» versuchten sie es nun mit „heidnischen Fabeln und > Historien, allein auch dieser Versuch wollte sich nicht bewähren; kleiner und kleiner ward ^ die Genossenschaft, und mußte abermals auf etwas Neues sinnen, um sich auf's Neue Geltung zu verschaffen. So kamen sie auf den Gedanken, sich selbst Schauspiele zu dichten und sie darzustellen, ein Gedanke, der wohl als der Grundstein zum späteren Stadttheatcr Augsburgs zu betrachten ist. Es wird um's Jahr 1540 gewesen sein, als die Zunft der Meistersinger ihr erstes Stück zur Aufführung brachte, betitelt: „Die fünf Betrachtnußen", bei welchem der jüngste Meister die Damenrolls spielte, und da die Sache Anklang fand, so wurden diese Produktionen fortgesetzt, und zwar waren die Stoffe der zu spielenden Schauspiele der biblischen oder Weltgeschichte entnommen, in Rücksicht auf den Zweck: „die Andacht und Vaterlandsliebe zu mehren." — Auch geistliche Schauspiele wurden von ihnen noch hie und da zur Aufführung gebracht, namentlich bei hohen Festen, zuweilen in Kirchen, zuweilen in einem groß?", geeigneten Lokal, oder auf freien Plätzen: nit von wegen Gclt's, sondern zur Besserung des Volks." Allein gegen Ende des 16. Jahrhunderts wurde es ihnen vermehrt, ihre geistlichen Komödien in Kirchen abzuhalten, da sich Mißbräuche einzuschleichen drohten. Bemcrkenswerth aus jenen Zeiten sind die durch Jahrs geführten Kämpfe um ein geeignetes Spiel-Lokal — einestheils, weil es so gar leicht nicht war, ohne ein eigenes, wirkliches Theater zu besitzen stets zweckdienliche Räumlichkeiten zu finden und zu bekommen, außerdem aber auch veranlaßt durch die stete Feindschaft mit ihren Rivalen, den „Schulmeistern" und deren Schulkomödien auf die wir später noch zurückkommen. Endlich aber war zu jeder Vorstellung die ausdrückliche Bewilligung des hochlöblichen Rathes erst „flehentlich und dsmüthiglich" einzuholen. — Von der „Jakobs-Pfründe waren die Meistersinger, nachdem sich das Lokal als zu klein für Produktion von Schauspielen erwies, nach der „Martinsschule", dann nach dem „Tanzhaus" gezogen, das sie 1582 verließen, um in die „Sackpfeiffe" sich zu begeben; —' 1630 kauften sie mit geliehenem Gelde den „Welser-Stadcl", der später abbrannte, nachdem schon zuvor — 1638 — ein „Theaterbrand" stattgefunden hatte, entstanden durch ein auf der Bühne befindliches Licht, das etliche Papierwolsten entzündete. Das Feuer wurde freilich bald gelöscht, aber zwei Menschen bei dem entstandenen Gedränge todtget rückt, und mindestens zehn Andere gefährlich dabei verletzt. Was die Darstellungen selbst betrifft, so pflegt man daran auszusetzen, daß sie ^ nicht prunkvoll genug inscenirt wurdenh — man wünschte Tanz und Musik, große Auf- ^ züge, ja womöglich Feuerwerk und Illumination, wie z. B. in Nürnberg die Stücke von Jakob Aprer (nächst Hans Sachs der fruchtbarste, damalige Dramatiker) zur Aufführung, gelangten. „Es scheinen oft, als agire man bei Mondschein!" lautet die Kritik der Unzufriedenen, die es schon damals, ivie zu aller Zeit gegeben. Das Eintrittsgeld betrug anfänglich — 1 Pfennig pro Woche, außerdem hatten die Meistersinger von diesen Vorstellungen eine ziemlich hohe Steuer zum Besten der Armen zu entrichten, und in Folge dessen fand das „Almosen-Amt" sich auch bewogen, im Jahre 1665 ein eigenes Komödienhaus in der JakobS-Vorstadt, der „Meistersinger-" oder auch spotiweise „Komödien-Stadel" genannt, zu erbauen; dort spielte die Zunft der Meistersinger weit bis in's 18. Jahrhundert hinein, und mußte dem Almosenamt für ^ diesen Musentempel, der ursprünglich aus einer Scheune be- oder entstanden, vermehrte ' Armensteuern zahlen, wohingegen dieses allerdings der Verpflichtung, beziehungsweise Nothwendigkeit, gerecht ward, das morsche Gebäude zu erhalten und zu repariren, was 79 — > bereits im Jahre 1731 mit beträchtlichen Unkosten geschehen mußte, um es vor dem Zusammenfall zu schützen. Dies war das erste Stadttheater Augsburgs, das erste, eigentliche „Komödienhaus", in welchem nun fortan die Meistersinger regelmäßig spielten (bis 1681 waren die Vor» stellungen auf circa 40 xor ninio gediehen, bestehend aus etwa ^ Dutzend von Stücken, deren jedes 6—7 mal wiederholt wurde), indem sie ihre „Zunft mit allen Gerechtsamen ^ ausübten, und keine andern Komödianten neben sich duldeten. Dieser Zunftzwang ging » so. weit, daß schon im Jahre 1650 ein förmliches Verbot erlassen worden war, gerichtet ^ gegen die damals schon existirenden „Liebhabertheater", rcspective die Betheiligung der ^ Bürger an denselben, „weilen selbst die Weiber davon abmahnten, da sie, die Bürger nämlich!) zu Haus das Ihrige versäumen, und mit dem Agiren doch auch nichts verdienen!" — Mit der Zeit freilich konnten — namentlich bei der immer mehr wachsenden Lust zum und am Komödienspiclen — solche Verbote sich nicht so streng aufrecht erhalten lassen, und so mußte denn der hohe Rath doch hier und da reisenden „Banden" das „Agiren" in dem „Komödienstadel" „uff ihr gehorsamlich Anhalten" gestatten." In solchen Fällen hatten die fremden Darsteller sich aber mit den privilegirten Meistersängern in's Einvernehmen wegen der „Abgaben" zu setzen, die, — als Abschreckungsmittel, — sehr hoch von diesen gegriffen wurden; außerdem hatten sie seit 1698 das ausdrückliche Recht einer gewissen und ihnen allein zuständigen und zugehörigen Spielzeit, (also damals schon eine Art Theater-Saison!) und zwar beginnend im August und endigend zu Pfingsten, mit dem Privilegium, an jedem Montag während dieser Zeit ein Schauspiel aufführen zu dürfen. Das Eintrittsgeld für diese Vorstellungen betrug erst 5 Heller und dann zwei Kreuzer, während die Honorationen gar 4—6 Kreuzer entrichteten. Allein die Meistersinger mußten mit der Zeit die betrübende Erfahrung machen, daß sie sich selbst überlebt halten! Ihr eigentlicher Ausgangspunkt, die richtige, schulgerechte „ Meistersingern" war ja ohnehin längst ein überwundener Standpunkt, und als nicht mehr zeitgemäß verschwunden. Langst schon dichteten und komponirten sie ja ihre ursprünglichen, geistlichen Gesänge nicht mehr, die nur ab und zu bei kirchlichen Festen noch zur Verwendung kamen, ebenso wie ihre „lustigen Tragödien" z. B. „von FortunatuS Wunsch-Seckel sammt einer schönen Comedi von den unschuldigen Frawen Genofeva", oder das Schauspiel: „Das jüngste Gericht tragsdiweiß" u> s. w. sich überlebt hatten, und als gar, dem 18. Jahrhundert zu, die Wandertruppen immer mehr zunahmen, als Singspiel und Opera auch in Augsburg auftauchten, als ferner im 18. Jahrhundert gar Alles Komödie zu spielen begann, da mußte endlich doch wohl die Zunft der Meistersinger mit sammt ihren Privilegien sich als besieat erklären, so sehr sie sich dagegen sträuben mochten und an ihre alten Gerechtsame sich Aammerten, die wirklich noch bis über die Mitte des 18. Jahrhunderts sich hineinzogen. ^ Mit dem immer mehr um sich greifenden Bedürfniß nach einem bessern Kunsttsmpel » als der alte Meistersinger-Stadel, und »ach einer andern Art der Kunst, als dort knltivirt ward, stürzte die alte Meistersingerei vollständig zusammen, und die letzten Meistersinger Augsburgs endeten als — Puppenspieler! — Statt des „Meistersinger-Stadels" aber entstand 1776 ein neues Komödienhaus — das alte Augsburger Stadt- theater! — Chvistklnine n. Die Minne gleiche nicht den dunklen Rosen, Die hingegeben linder Lüste Kosen — Wenn rings am Strauch Johanniswürmchen glühen — Im wilden Sinnenlanmet rasch verblühen. „Ehrlstblu m e n" soll die wahre Liebe gleichen, r Der fleckenlosen Neigung holden Zeichen, Die schneebedeckt den Reichthum ihrer Blüthen In seliger Verborgenheit behüten. V«, 80 Hlimnclschin« in» Moriat Febru-n'. r —>. Merkur ^ geht mit der Sonne auf und unter und ist nicht sichtbar. Venus L im Schützen erhebt sich 3 Stunden vor der Sonne über den südöstlichen Horizont, erreicht am 15« ihre größte westliche Entfernung von der Sonne und ist dann halb beleuchtet wie der Mond im letzten Viertel. Ihr scheinbarer Durchmesser nimmt nun wieder ab, und ihre Gestalt wird sichelförmig. Am 4. Morgens 0 Uhr 9 Min. wird sie vorn Mond bedeckt, und ist diese Erscheinung insofern wichtig, als aus v dem Umstände, daß Venus hinter die Mondscheibe tritt, ohne eine Lichtschwächung zu er- § fahren, folgt, daß der Mond keine oder doch wenigstens nur eins sehr seine Atmosphäre ^ haben kann. Mars F kann Anfangs noch im Steinbock beobachtet werden; er steigt immer höher und verschwindet dann in den Strahlen der aufgehenden Sonne. Jupiter ^ schreitet unter den Zwillingen weg, wird vorn 14. an wieder recht- läufig, erreicht gegen 8 Uhr Abends den Meridian und geht 4 Uhr Morgens unter. Am 16. ist er in der Nähe des Mondes. Von seinen Trabanten werden sichtbar verfinstert: der erste am 4., 5., 11., 20., 21., 27. und 28.; der zweite am 3., 10., 20. und 27.; der dritte an, 9., 16., 17. und 24. Saturn H im Widder geht Mittags auf und nach Mitternacht unter. Der Durchmesser seiner Kugel beträgt 16, die Durchmesser der Ringarcn 39 und 15 Bogen- sekunden. Am 13. steht Saturn südlich von, Mond. M i s e s L L e rr. (Aus der Naturgeschichte.) Lehrer: „Sag mir Karl wohin gehört der Bär?" — Karl: „Zu den Naubthieren." — Lehrer: „Wohin die Amsel?" — Karl: „Zu den Singvögcln." — Lehrer: „Wohin gehört der Häring?" — Alle Kinder schweigen. Nach einigen Minuten meldet sich ein kleiner Junge mit den Worten: „Der Hüring gehört zu den — Kartoffeln I" (Passende Gelegenheit.) Fremder (an einem Restaurant vorübergehend, zu dem davorstehenden Kellner): „Können Sie mir nicht sagen, wo der Doktor Mayr wohnt?" — Kellner: Thut mir leid, aber wenn Sie ein wenig warten wollen, in einer Viertel- stund' gibt's frische VratwürsU mit Sauerkraut. (Aus dem GerichtSsaale.) Präsident: „Womit haben Sie sich Ihren Lebensunterhalt verdient, was war Ihre Beschäftigung seit Ihrem vierzehnten Jahrs bis jetzt, wo Sie wegen Straßenraubs in Untersuchung stehen?" — Angeklagter: „Von meinem vierzehnten Jahre an bis jetzt war ich theils Ziegel- theils Landstreicher." (F. B.) (Wechselwirkung.) Frau (aus einem Badeorte zurückkehrend): „So, liebes Männchen-, da bin ich wieder, und gesund, wie der Fisch in, Wasser, nicht im Geringsten mehr blutarm." — Mann: „Das freut mich; denn hätte die Kur noch lange gedauert, dann wäre ich blutarm geworden." (Beim Anblick des Rheines.) „Nicht wahr, Papa, das ist das Wasser, aus dem man den Rheinwein macht?" (Aergerlich.) „Verdammtes Pech, muß ich so früh erwachen, daß ich noch Zeit genug hätte, in's Colleg zu gehen!" Auslösung der Näthsel-Aufgabe in Nr. 8: N ^ I 8 0 8 R N U U 6 Für die Redaktion verantwortlich Nlphous Planer in Augsburg. — Druck und Verlag des Literarischen Instituts von Dr. Max Huttler.