Nr. 13. 1883. M „Angslmrger Pojheiliülg." Mittwoch, 14. Februar Jörg von Malderk. Eine Erzählung aus dem fünfzehnten Jahrhundert von F. Schenk. (Fortsetzung.) Ritter Jörg lag noch auf seinen Knieen im heißen Gebete und innige Dankesthränen glänzten in seinen Augen, als Signor Antonio in die Kabine trat. Jörg von Waldeck erhob sich, ergriff die Hand des Kaufherrn und sprach: „Wie soll ich Euch meinen Dank aussprechen, Signor Antonio? Ich finde keine Worte für Eure edle Christenthat. Gott wird sie lohnen, ich vermag es nicht!" Antonio erwiderte: „Laßt das, edler Ritter! — Es war ein gewagter Schritt, doch gelang er mit Gottes Hilfe und gewiß hat auch die brave Selima für Euch gebetet. Hoffentlich wird sie uns bald nachfolgen, denn der alte Ibrahim ist, wie mir der Arzt in der Stadt sagte, nicht mehr zu retten und wird die neue Morgenröthe kaum mehr schauen." Die Seereise nach Venedig ging glücklich und unter traulichen Gesprächen von statten. Ritter Jörg mußte von der Heimath, voin Kriege und seiner Gefangenschaft erzählen, während der Kaufherr Mittheilungen über sein Geschäft und die häufigen damit verbundenen Reisen, dann über den Waffenhandel mit Ibrahim machte. Mit seligen Gefühlen betrat der Ritter den Boden der stolzen Venetia und fand im Hause des Kaufherrn herzliche Aufnahme und zwar so lange, bis dieser einen Geschäftsfreund ausgemittclt hatte, mit welchem Jörg bis Verona reisen konnte, von wo aus die Rückkehr in die Heimath durch das Etschrhal nach Tirol erfolgen sollte. Der brave Antonio versah den Ritter mit den nöthigen Geldmitteln und nach einem herzlichen, dankbaren Händedruck verließ dieser das gastliche Haus und das stolze Venedig, nachdem er sich vorher noch mit einem Pilgergewande versehen hatte, denn sei» Heimweg sollte ein immerwährendes Daukgebet zum Höchsten für die wunderbare Nektung sein. Langsam, theils zu Fuß,' theils auf Saumrosfen der Klöster, wo der Ritter Herberge fand, ging's dem freundlichen Städtchen Botzen zu. Dort wollte Jörg bei einem lieben Turnier-Gefährten, dem Ritter Kurt von Rungelstein sich ein paar Tage Ruhe gönnen, deren er, der durch die Wunde so sehr Geschwächte, nothwendig bedurfte. Man war eben mit der Traubenlese beschäftigt, als Herr Jörg aus dem Thals der Talfer hinauf ging zur alten, vielbesungenen Burg, in welcher einst König Arthur die Tafelrunde hielt. Der Pilger, welcher von den Angehörigen der Burg nicht erkannt wurde, bat um Aufnahme und da ihm dieselbe von Ritter Kuno freundlichst gewährt wurde, gab er sich zu erkennen. Groß war der Jubel, den lieben Waldecker wieder einmal auf der Burg bewirthen zu können und erhöhte sich, als Jörg von seinen Erlebnissen und seiner wunderbaren Rettung erzählte. Da gab es einige Tage genug der Unterhaltung, der Fragen und Antworten und Jörg genoß nach langer trüber Zeit wieder einmal die Freude in einer deutschen Nitterstube bei Terlanermost und feurigem Wein von Kältern vergangener 98 — glücklicher Zeiten zu gedenken. Wäre die Sehnsucht nach Agatha nicht die Triebfeder zur baldigen Trennung von den lieben Burgbewohnern, wie gerne hätte der Ritter noch einige Wochen hier zugebracht. So aber half kein Zureden des Freundes oder sei -er holden Burgfrau, selbst nicht die Aussicht auf einen lohnenden Waidinannsgang, den Ritter zurückzuhalten. Kuno gab dem scheidenden Freunde ein Roß und einen Knappen zum Geleite bis zum Benediktinersiifte Tegernsee und ritt selbst bis Innsbruck hinab, wo sich die einstigen Waffengefährten trennten. Es war am 21. Sonntag nach Pfingsten, als die Reisenden den Tegernsee entlang, dem Stiftsgebüude zu ritten. Recht herbstlich war's geworden und aus den Bergthälern wehten kalte Winde und hielten den See in Bewegung- Nur in der Brust des Ritters war's Frühling, denn nun war er ihr ja so nahe, der ersehnten, theuren Agatha. Die Tegernseeer Mönche empfingen den Pilger und Gönner des Stiftes mit Freuden und bewirtheten ihn fürstlich. Auch hier sollte Jörg einige Tage verweilen, allein er schlug die freundliche Einladung des Abtes ab, und entließ auch den Rungelsteiner Knappen, den er noch beschenkte. Ebenso lehnte er am andere» Tage jede Begleitung in die Heimath ab; er wollte als einsamer Pilger seine Waldecker-Burg nach nahezu einjähriger Abwesenheit wieder betreten. — VIII. Eine Wegstunde vom Chorherrenstifte Weyarn entfernt, Mangfall abwärts, erhob sich damals über den steile», bewaldeten Abhang die alte Scheyernburg Valey. Nach dem Tode Otto's, des letzten LaleyrS aus herzoglichem Geschlechte, im Jahre 1238, fiel die Burg wieder an den Herzog zurück und seine Nachfolger beschenkten im Jahre 1408 den Kammermeister Ritter Beit Aheimer mit der Burg, welche bis zu», Jahre 1550 im Besitze dieser Familie blieb. An den, nämlichen Sonntag, an welchen, Ritter Jörg von Waldeck mit dem Rungelsteiner Knappen im Stifte Tegernsee eintraf, feierte man aus der Burg Valey die Hochzeit des Fräulein Agnes von Aheim, des Hofsräuleins der Herzogin Anna, mit einem Seibolvs- dorfer. Aus nah und fern waren Berwandte und Bekannte zu diesem Feste auf der Burg eingetroffen und es durften se bstverständlich weder Frau Anna von Pienzenau, noch Agatha von Waldeck, dann die Söhne von Jürgens Bruder, Bernhards von Wallen- burg, der wenige Jahre vorher gestorben war, fehlen. Frau Agatha wäre bei ihrer Gemüthsstimmung dem Feste lieber ferne geblieben, doch fürchtete sie die mütterliche Freundin zu kränken, welche mit Innigkeit an der Base Agnes hing und diesen Festtag in ihrer Nähe verbringen wollte. Diese war auch hocherfreut, als die beiden Frauen auf Paley eintrafen und erkundigte sich theilnahmsvoll über dos Befinden der unglücklichen Agatha. llebcrhaupt fand das Geschick der edlen Fran allgemeine Theilnahme und suchte man dieselbe zu trösten und zu beruhigen. Niemand konnte ihr aber Nachricht über den theuren Gatten bringen, denn man hatte auch bei Hofe keine Kunde von den, Ritter erhalten. Viele wähnten ihn längst todt — und doch hatte der gute Gott es gefügt, daß der für sie verloren Geglaubte, so nahe weilte! —" Die beiden Frauen folgten Sonntag Abends der Einladung des Herrn Probstes von Weyarn und fuhren, nachdem sie sich von dem jungen Ehepaare und den Gästen verabschiedet hatten, nach Weyarn hinüber, wo dieselben im Fremdenstock freundliche und reinliche Wohnung erhielten. Am Montag weckten die Glocken vom Stiftsthurme schon früh zu den heiligen Messen, welche die Chorherren celebrirten. Die beiden Damen säumten nicht, den einladenden Klängen zu folgen und als sie in die Kirche traten, begann eben eine heilige Messe am Altare der schmerzhaften Gottesmutter. Bald knieten Beide in der Nähe dieses Altars in eine», Kirchenstuhle. Frau Agatha hatte eine unruhige Nacht. Sie hatte bestimmt gehofft, von ihrem 99 theuren Jörg Nachricht zu erhalte», aber alle ihre Fragen blieben erfolglos. Sie war ja auf das Aeußerste gefaßt, ihr kummervolles Herz wünschte sehnlichst Gewißheit über das Loos ihres Gatten. Lebte Jörg nicht mehr, so wollte sie ihr freudenloses Leben einsam auf Waldeck beschließen, eine Mutter der Armen und Bedrängten. Agatha konnte schon lange nicht mehr so innig, so vertrauensvoll beten, als an diesem Morgen am Altare Derjenigen, welche so unendlich viel gelitten. Nachdem der Priester den heiligen Segen gegeben hatte, verweilten die Frauen noch kurze Zeit im stillen Gebete und als Agatha ausstand und noch einmal hinauf blickte zu dem milden und doch schmerzdurchfurchten Antlitze Mariens und leise betete: O heilige Jungfrau, verlaß mich nicht! Da war's ihr, als bewege die Heilige das schöne Haupt, als wollte sie der Armen sagen: Ich verlasse Dich nicht! Beruhigter schied Frau Agatha aus der Kirche und nachdem die Frauen von den» Probste und den bekannten Chorherren Abschied genommen hatten, verließen sie das Klosterdorf und fuhren gen Schliers. ' Noch vor Mittag langten sie dort an. Der Tag war so schön, so wolkenlos der Himmel. Die herbstliche Färbung der Bäume, das duftige Blau der Berge und die glatte, spiegelhelle Seefläche schufen ein prächtiges Landschaftsbild. Frau Agatha machte den Vorschlag, nach dein Essen zur alten Martha auf die Halbinsel zu fahren und bald schwamm der iraldeckische Nachen dem Eilande zu. Während des Vormittags war Kuno, der Jägerbursche, zur Nachsicht bei den Holzarbeitern durch einen Theil des Breitenbachthales auf die Kreuzbergalpe und von da hinüber auf die Gindelalpe gestiegen. Den Rückweg nahm er Nachmittags zum Bauer am Oberschuß, über dessen Herd einerseits die waldeckische, anderseits die Kloster-Tegernseeer Grenze ging. Von da gelangte er auf das Sträßchen, welches von St. Quirin am Tegernsee über Ostin an die Schlierach und nach Westenhofen führt, auf weichein der Jäger langsam vorwärts schritt. Da hörte er hinter sich Jemand gehen, fund als er zurückblickte, sah er einen Pilger auf sich zuschreiten. Obwohl in damaliger Zeit noch häufig Pilger aus dem Orient auf den Ritterburgen zusprachen, so interessirte den Jäger doch die ehrwürdige Erscheinung des Wanderers, weshalb er seine Schritte hemmte, bis der Pilger ihm ganz nahe war. Jörg von Waldeck hatte den braven Jägerburschen schon erkannt, als dieser sich umwandle und ihm zurief: „Gelobt sei Jesus Christus!" „In Ewigkeit!" erwiderte dieier. Kunos Blicke überflogen rasch die Gestalt mit dem langen Vollbarte, im grauen P'lgergewande, den Muschel bedeckten Hut auf dem Haupte, von welchem lange, dunkle, doch auch mit weißen Haaren untermischte Locken auf die Schulter herabhingen; dann mit den Sandalen an den Füßen und den Pilgerstock mit der Kürbisslasche in der rechten Hand. — „Frommer Pilger!" begann Kuno das Gespräch. „Ihr möchtet wohl den edlen Ritter Jörg von Waldeck heimsuchen, weil Ihr dem Schliersee zuschreitet; doch, den findet Ihr nicht auf der Burg. Wir selbst wissen nichts von ihm, als daß der Unglückliche, welcher im Winter gegen die Christenfeinde nach Ungarn zog, im Frühjahre in türkische Gefangenschaft gerieth. — Ach Gott! In welch' schauerlichem Verließe mag der edle, gute Heer wohl schmachten! — Da wäre uns noch lieber, wenn ihn der gute Gott zu sich in den Himmel genommen hätte, so schmerzlich der Gedanke auch ist, den Ritter, welchen Alt und Jung wie einen Vater liebt, verloren zu haben!" — Kuno wischte sich ein paar Thränen aus den Augen, was dem über die Treue seines Dieners bewegten Jörg nicht entging. Dann fuhr Kuno fort: „Ach, mein Herr, wer Ihr auch sein möget, der Kummer der edlen Burgfrau von Waldeck hätte Euch gewiß auch oft zu Thränen gerührt! Das nenne ich Liebe und Treue! — Ach, wenn wir nur wüßten, was aus unserem guten Herrn Ritter geworden ist! Diese lange, bange Ungewißheit über sein Schicksal muß ja die treue Frau auf- 100 .reiben! — O,. guter Pilger! Hättet Ihr nur die Frau gesehen mit den üpvigen braunen Locken, mit dem frischen schönen Gesichtchenl Und jetzt! Schon färben sich, wie die Blätter an jener Linde die dunklen Haare in graue. Die rothen Wangen sind dahin und gramdurchfurcht sind die edlen, schönen Zügel — Habt Zhr keine Nachricht von Jörg von Waldeck? Ihr kommt wohl nicht aus dem Uugarnlande, sondern aus der Heimath unsers Erlösers? — Aber, was ist Euch?" frug Kuno plötzlich den Pilger, welcher laut schluchzend neben dem Jäger ging. Da blieb Ersterer stehen, ergriff die Hand des Jägers und sprach tiefbewegt: „Ich bringe den Nitter zurück, guter Kuno! Der gütige Gott hat mich wunderbar gerettet aus tiefer Kerkernacht! Nun darf ich meine Agatha, Euch und die Heimath wiedersehen!" Kuno war vor Freude und Staunen auf die Kniee gesunken, küßte das Kleid des geliebten Herrn, dessen Stimme und Gesichtszüge ihm nun plötzlich bekannt erschienen und unter Thränen rief er: „Gott sei gelobt! — Ach, mein geliebter Herr Ritter, weil wir Euch nur wieder haben! — Das ist die schönste Stunde »reines Lebens, da ich Euch, den zweiten Vater, wieder sehen darf! — O, nun laßt mich vorauseilen auf die Burg um die edle Herrin auf das unerwartete Glück vorzubereiten, denn die plötzliche Freude des Wiedersehens könnte ihr und der alten Frau Anna von Pienzenau den Tod bringen!" Kuno erhob sich und wollte forteilen, der Nitter hielt ihn jedoch auf, indem er sprach: „Ja, Kuno, Du sollst zu meiner Agatha eilen, Du sollst ihr jedoch nicht sagen, daß ich komme, sondern daß ein Pilger gute Nachricht von dem Nitter bringe. Ich erwarte Dich zu Westenhofen in der Kirche. Kuno eilte, als hätte er heute noch keinen Berg bestiegen, so rüstig dem Dorfe Schliers zu, da begegnete ihm hinter Westenhofen, Lisbeth, das Töchterchen eines waldeckischen Holzarbeiters, welche häufig in's Jägerhaus auf die Halbinsel kam und für die alte Martha Manches besorgen mußte. Sie kam eben daher und ries, als sie in die Nähe des Jägers gekommen diesem zu:^ Kuno I Die Herrschaften von Waldeck sind vor einer Stunde zur alten Jügerin herübergefahren. Auch die Zofe ist bei ihnen, sie hat mich bis zum Rauhestein begleitet." „Ich danke Dir, Lisbeth, für die Nachricht. Du hast mir einen weiten Weg erspart, denn ich wollte zur Burgsrau nach Waldeck hinauf. B'hüt Dich Gott, Kleine!" Kuno wandte sich gegen Westenhofen zurück und wartete bei der Kirche auf den Nitter, der nach kurzer Zeit eintraf. Nachdem der Jäger erzählt, was er erfahren, gingen Beive in die Kirche; aber sie waren zu aufgeregt, um sich zum Gebete sammeln zu können. Der Ritter wußte das Ziel seines heißen Sehnens so nahe und Kuno konnte das Glück noch gar nicht ganz fassen, seinen lieben Herrn wieder gefunden zu haben. Auf dem Wege zur Halbinsel wollte Kuno an den Ritter Fragen stellen über dessen Gefangenschaft, aber die Eile, mit welcher dieser vorwärts schritt, ließ den treuen Jäger in's Herz des Herrn blicken und erkennen, daß jetzt keine Zeit zum Fragen sei. Er beschleunigte ebenfalls seine Schritte, bis Beide am Walde der Halbinsel anlangten. Jetzt blieb der Ritter stehen und sagte: „Kuno, nun gehe voraus zum Jägerhause. Sage den Frauen, es folge Dir ein Pilger aus dem Türkenlande, welcher erfreuliche Nachricht bringe. Ich werde Dir langsam folgen." Die beiden Frauen hatten sich, da die Herbstsonne noch recht angenehme Wärme verbreitete, vor das Jägerhaus gesetzt und nahmen eben ihren Nachmittagsimbiß, Milch und Butterbrod zu sich, als Kuno um die Hausecke bog und sich vor Agatha tief verbeugend sagte: „Gnädigste Frau! Von Westenhofen her folgt mir ein Pilger aus dem Türkenlande. Er sagte mir, er müsse zu Euch, denn er bringe gute Nachricht von dem edlen Nitter von Wakdeck!" 101 Von meinem Jörg?« rief Agatha freudig, erhob sich rasch vom Stuhle und eilte um die Ecke des Jägerhauses, von welcher, bis zum Waldsaume die Entfernung nur eure kleine war. Eben trat der Pilger in's Freie. . ^ . Auf den Lippen Agatha's schwebte einen Augenblick dre Frage: Wer mag der Pilger sein? Sofort aber saate ihr das treue Frauenhsrz: Es ist Jörg, mein theurer In demselben Augenblick erhob Jörg beide Arme und eilte auf Agatha zu. Mit dem Rufe: Mein Jörg! Gott sei gelobt und Maria, die Hilfe in der Noth! eilte auch sie dem Geliebten entgegen und lange hielt sich das überglückliche Ehepaar umschlungen in seliger Wonne des Wiedersehens! ? r- Der Wald schwieg. Die Tannenä stehen unterbrachen ihr trauliches Geflüster, sie wollten der Liebenden Seligkeit nicht stören, nur horchen auf das Schluchzen der Wiedergefundenen! — » (Schluß folgt.) Spielmamrsweisen. Von Wilhelm Hörner. Bin einst still vorbeigegangen ! An die Schläfer in dem kühlen An der alten Friedhosspfort', > Erdengrundc denk' ich still, An den Kreuzen aufgehangen, Und ein frommes, schauernd Fühlen Welkten Blumen halbverdorrt. ! Meine Brust deschlsichen will. Rings der Böglein Jubel schallte, Doch ich betet' unbeirrt: Weis; ich denn, wie bald, wie balde Man um mein Grab beten wird? Einiges von Nördlingen. 0. In kurzen Zügen wollen wir uns etwas mit der Metropole des Rieses beschäftigen, mit der Stadt Nördlmgen, welche es vermöge ihres Alters und ihrer reich bewegten Vergangenheit wohl verdient bat. Sie ist eine uralte, einst kaiserlich freie Reichsstadt, der älteste und vornehmste Ort in der Mitte des untern Nies, dieser wahren Kornkammer. Es ist geradezu fabelhaft, wie viele und mitunter gesuchte Ableitungen in Scene gesetzt wurden, um den Namen Nördlingen herauszubringen. Einige mögen auch hier der Erwähnung werth befunden werden. Nach grauer Sage wurde Nördlingen schon auuo wuiicli 3947 — 20 Jahre vor Christi Geburt temporcr Olauckii Niberü dtoionis, ab; er unter dem Kaiser Augustus die Vindclicier bekriegte, auf St. Jmmeransberg erbauet und vom besagten Claudius Tiberius Nero, welcher nachmals auuo Christi 17 der dritte römische Kaiser war, wurde dem erbauten Castell der Name Nöroliuga gegeben. Von hier aus sei die ganze Umgebung 'gouvernirt, unk in beständigem Gehorsam erhalten worden. Der Chronist sügt nicht übel bei „dies zu behaupten ist schon noch zu prolnren." Die Chronik bemerkt weiter: „wie dem aber auch schlechter Grund hiezu vorhanden, daß, wie es heißt, snno Christi 72 die Stadt Nördlmgen vom Kaiser Flavio Vespasiauo nach seinem Abgott und daselbst geheiligten Altar all aras bllaviao oder Flavianos genannt worden und diesen Namen bis anno 363 behalten haben, sofort aber von den alten Inwohnern der Name Nördlingen wieder recipirt worden sein sollte, welchen dieselben bis auf den heutigen Tag contiuuirt und fortgesetzt haben." Eine weitere Ableitung, welche ausdrücklich als die „allerglaub- lichste" angeführt wird geht dahin: daß die erste Anlage von den Deutschen geschehen sei, die Anfangs iu statu uaturoli (Nördlingen) nackt einherliefen und doch ganz rein lebten. Sie heiratheten Gut und Blut zusammen. Daher — bemerkt die Chronik — erfolgte, daß die Oomwunio bouoruin noch vorhanden hin und wieder in Deutschland." Wir bemerken hiezu, daß das Zusammeuheirathen der alten Familien in Nördlingen allgemein gebräuchlich ist, daß hier, wie ein Eingeboruer selbst sagt, die größte „Vetterschast" herrscht, oder um mit einem Rechtsgelehrten unserer Zeit zu reden, „eine große Blutwurst" sich hier befindet. — Zeiler will den Namen ableiten von Uorioo oder Nordgau oder gar von Nordwmd, iveil die Stadt gegen Norden liegt; Beatns Rhenan meint Ickb. XII. vor. 6srm. p. 122 Nördlingen habe den Namen von der edlen Familie der Nördlinger, welche im Nordgau gewohnt und nach Zujanunenziehung ihrer Wohnungen die Stadt Nördlingen angelegt hätten. Tiefe Ableitung erklären wir rundweg für verspätet. Daniel Haakb, gewesener Nördlinger Superintendent, glaubt, der Name rühre daher, weil die Stadt an den Grenzen von dlorieum liege und wähl sei sie deshalb aus die uralte Zeit zurückzuführen, als die Xorici an der Donau ihren Sitz hatten. Ein neuerer Forscher, nach dessen Ableitung allerdings die Stadt sehr „neuen" Datums sein sollte und müßte gibt an: der Name käme von dem Worte „Nähring", weil man hier zu Land nicht Nvrdling, sondern Nährling spricht und als „lieg" oft so» 102 viel als „lich" bedeutet, z. B. ehrlich heißt im Volksmimd „ehrling", ss wäre also Nährling — Nähr- lich d. h. ein nahrhaster Ort, wo man sich ant nähren kann. Es scheint fast, Kiefer Sprachforscher habe den Markt am Samstag besucht und sich „ehrling" mit einem Dutzend Seidelwnrstle oder einer doppelten Portion Schlachtpartie genährt. Die neueste Ableitung unseres Wissens ist die, welche der Turnverein bei seiner letzten Fastnachtsanssührnng auf großen Plakaten preisgab, indem er seine Künstler von „Nürrling" herstammen ließ, eine Ableitung welche selbstverständlich nur für die drei Fastnachtstage Geltung haben kann. Kommt der Name her, woher er wolle, eine uralte Stadt ist Mrdlingcn, denn beim Abbrechen eines alten Tempels fand man die Nachricht, daß derselbe drei Jabre vor Christi Geburt erbaut worden sei. Das Alter der Stadt geht auch schon daraus hervor, daß man sichere Nachrichten über ihren Ursprung nicht hat; allerdings kommt dies wohl meist daher, weil bei großen Bränden im dreizehnten Jahrhundert die Urkunden vernichtet wurden. Freilich, wenn Dellejus Paterculus ll. p. 95 behauptet, daß zur Zeit des Kaisers Augnstus außer Augsburg in derselben Gegend auch andere Städte gewesen seien, kann man hieraus nicht stritte schließen, wie es geschehen ist, daß auch Nördlingen darunter gewesen sei. Paterculus sagt blos: „Ubaetvs Viuclolicosgue aggiessi, multio nrkium et eastelloruin oppugnaticuübus neo von äireeta guoguo acie tolioitor t'uuari gentos pocclomuerunt." Anno Christi LO sollen die aus Noin durch Nero Vertriebnen Juden sich auch hieher gesetzt haben und von denen zu Jerusalem Briefe von der Kreuzigung Christi bekommen haben, wie Briefe dieses Inhalts auch bei den Juden in Ulm gesunden morden sein sollen. Vielleicht aus Liebe zu dieser alten Tradition'haben sich die Jsraeliken seit mehreren Jahren die Hauptstadt des Reiches zur Hauptstadt ihres Wirkens für die ganze Umgebung gemacht, ein Satz, den wir als eigentliche Behauptung selbstverständlich nicht ausstellen wollen. Anno Christi 34 soll (!) der hl. Apostel Paulus auch hier gepredigt habe». Möglich ist es, zu beweisen ist es aber auch noch. Clemens Romanus schreibt in seiner epi- stola üä Ooriutbios — er hat ja mit Paulus gelebt — daß Paulus sowohl im Morgenland als Abendland gepredigt hat und bis an die äußersten westlichen Inseln und Gegenden gekommen sei. So viel vom Namen und der Ueberlieferung unserer Stadt, welche nuter dein 48. Grad 45 Min. Breite und dem 32. Grad 40 Min. östliche Länge in der Ebene des Rieses liegt und einen Knotenpunkt ini Weltverkehr bildet, indem sie an der Eisenbahn von München nach Nürnberg liegt und den Ausgangspunkt der Linien Stuttgart—Nördlingen, und Dombühl—Nördlingen bildet. Verfolgen wir noch kurz die Geschichte der Stadt vom dreizehnten Jahrhundert an, von ivelcher Zeit die Daten als unumstößlich wahr festzuhalten sind, nachdem auch die Einäscherung der Stadt durch Attila oder Chlodwig im sünsten Jahrhundert nicht als gar glaubwürdig erscheinen dürfte, und auch ein großer Brand in der Mitte des elften Jahrhunderts nicht in allweg auf Wahrheit Anspruch machen kann. Nachdem die Stadt, welche im dreizehnten Jahrhundert reichsiinmittelbar geworden war und in den damaligen Streitigkeiten zwischen Papst und Kaiser zu letzterem hielt, durch Feuer bis aus einige Häuser zerstört worden, entschlossen sich die Bürger, die Stadt, welche oben auf St. Emmerans- berg erbaut war an die Eger herab zu trnnslociren und wurde diese Translocation in der Mitte des dreizehnten Jahrhunderts ausgesührt zwischen 1240 und 1203. Von den Kaisern des Reiches erhielt die Stadt viele Privilegien, kgl. Regalien, Exemplionen und Immunitäten und zur Zeit Ludwigs des IV. 1374 wurde sie Festung und als solche mit Thürmen und Ringmauern wohl versehe». Wir heben an dieser Stelle mit größter Freude hervor, daß gegenüber andern Städten, welche sich befleißigen, mit diesen alten Wahrzeichen alter Herkunft und alter Ausdauer tabust» rasa zu machen, der Magistrat zu Nördlingen die alten Zeichen einstiger Kraft und die Zeugen so vieler Kämpfe wohlweislich erhält und ihnen nicht nur das Gnadenbrod des Alters gibt, sondern die alten „Kerle" stets wieder ausbessern läßt all msmorstrm sompitorvam! Was die oben angeführten Privilegien betrifft, so möchten wir nur anf Eines aufmerksam machen, nämlich auf das betreffs der Nörd- lingcr „Meß", welche heute noch nach Pfingsten gehalten wird und für unsere Zeit freilich zu lange dauert, nämlich fast 14 Tage. Im Jahre 1463 verbot Friedrich III. zum Wohle der Stadt, daß aus 2 Meilen Umkreis kein Jahr- oder Wochenmarkt gehalten werden dürfe, so lange die Nördlinger Meß daure. Auch mehrere Judenverfolgungen, in denen „massacrirt" wurde, habe» wir zu verzeichnen. Die bedeutendsten sind vor sich gegangen im Jahre 1290 und 1383. Daß in der letztgenannten 200 erschlagen wurden, dürste der Wahrheit nicht entsprechen, denn damals dursten sie nur in der sogen. Judengnsse wohnen und diese war sehr klein. Aus dieser Judenverfolgung entsprang »in großer Haß der benächbarlen Edelleute gegen die Stadt Nördlingen, da viele dieser Edelleute bei den ermordeten oder geflohenen Juden reiche Pfände hatten, deren sie verlustig gingen, da eine allgemeine Plünderung in den Judenhäusern von der Stadtbevölkerung in Scene gesetzt wurde. Der Magistrat, der den ziemlich bedeutenden Abgang der Judensteuer im Stadtbeutel bedeutend fühlte, habe Schritte gethan, dieselben nach ihrem Wegzug wieder in die Stadt zu ziehen. Theilweise seien sie gekommen, die Bürger aber hätten sich nicht mit ihnen versöhnen können, sondern immer wieder seien Händel entstanden. Die Kopfzahl der heute in Nördlingen lebenden Jsraeliten dürfte nahe an 400 sein, während Einsender, der noch kein halbes Jahrhundert alt ist, die beiden ersten hereingezogenen Familien weiß. Im Jahre 1440 versuchte der Graf Hans von Oettingen durch das Thor, an welchem „ein Bube steht, der warren muß, bis a Kotsch kommt, daß er en Groscha kriegt", durch das Löpsingcrthor einen Ueber- sall, welcher aber vereitelt wurde. Die Verräthcr wurden „grausam zu Tode gebracht", der ganze VorsaU aber ist zu einem Mythenkranz geflochten worden, dessen einzelne Blätter den Leser mitunter geradezu aneckeln, und aus denen leicht das Lügen,„achenwsrk hervorgeht. Das Einfachste scheint m dem Sahe eines Chronisten enthalten zu sein „Durch Gottes Hilfe wurde die Procedur abgewandt". Im Jahre 1b17 wurde Nördlmgen und seine Umgebung von einem grauenhafieu Sturme schwer heimgesucht. Die Schicksale der Stadt während des Bauernkriegs 1525, des schmalkaldischcn Kriegs 1546, während der vierwöchenllichen Belagerung 1634 können wir wohl übergehen, da dieselvcn ganz die gleichen sind ivie bei andern Städten und die Kapitel zu einem solchen Berichte meist gleichartend sind und überschrieben werden können mit: Blutvergießen — Brandschähnngen — Brände — Noth und Elend. Am 24. September 1632 zog Gustav Adolph in die Stadt ein und hat die Chronik wirklich diesen Einzug „aus einem Schimmel, den Hut mit einer weißen Feder" geschmückt ülls kleinste Detail beschrieben und ausgemalt. In, Jahre 1631 dreimalige kühne That des Weckerlin, der Nachts die Stadt verließ, durch der Feinde Reihen sich durchstahl, um .Hilfe zu holen bei Herzog Bernhard, welcher in der Nahe von Bopfingen sein Standquartier hatte. Bekannt ist serner, daß Nördlmgen der Reformation sich bald anschloß, und treu dabei verharrte. Diepold Gerlacher, von seiner Heimath Billigheim Nbeolmläns Dillimmus genannt, ist der Name Desjenigen, der als Reformator der Stadt Nördlmgen gilt. Die Chronik berichtet serner, daß im Jahre 1647 ein gewaltiger Brand wiederum die Stadt schwer heiminchle, welche damals auch eine 17wöchentliche Blokade ousznhalten hatte. Nehmen wie hiezu die Kosten, welche die Stadt zu leiden halle in den Kriegen des 17. Jahrhunderts, wo z. B. dir Winterquartiere von 1674—78 allein die Summe von 300,000 Gulden kostete, so müssen wir znr berechtigten Annahme kommen, daß sie sehr reich war, sonst hätte sie diese gewaltigen Lasten nicht zu tragen vermocht, obgleich sie selbstverständlich auch „Schulden machen mußte". Bevor wir zur näheren Beschreibung einiger Hauptgebäude und bedeutenden Sehenswürdigkeiten übergehen, möge eine kurze Schilderung der Nördlinger selbst, und der Verfassung dorten vorausge- sandt werden. Es waren srüher sehr viele adelige Familien hier, welche sehr große Stijtnngen machten. (Das hiesige Spital ist sehr reich!) Manche dieser adeligen Geschlechter aber führten auch zu viel Regiment in der Stadt, so daß man nicht recht wußte, „wer Koch und Kellner" sei. Ueber ein halbes Hundert solcher Familien sind aufgezeichnet, während das Nördlinger Familien-Register nahe an 230 alte Familien, von welchen sehr viele heute noch bestehen, auszählt. Wie in andern Städten des Reiches wurde auch hier mit der Zeit die Demokratie eingeführt und das Stadtregiment lag in den Händen von 12 Herren des Rathes und 12 Zunftmeistern. Jedes Jahr wurden dieselben aus der Bürge, schalt gemahlt und konnte ein Rath im andern Jahr Zunftmeister, und ein Zunftmeister Herr des Raths werden oder tonnte er „nachdem die Wahl ging, sich bei den Aemtern wohl ausgeschlossen sehen mögen" (ront eommo ober von»!). So blieb es bis zum Jahre 1552 und, sagt die Chronik, „habe es der Stadt dabei sehr gut gesallen". Weil nun zur Zeit des schmatkaldischen Krieges von I. M. Kaiser Carl V. der Rath dieser Stadt wegen dessen mit dem ichmalkatdischen Bund errichteten Neutralität und andern gar vieles, noch mehr aber deren 12 Iunflmeister in Ungnade impntirt werden, also ist von allerh. Ihrer röm. kaiscrl. Majestät die bisherige Regier,,,,gssorm in diesem 1552sten Jahre verändert, der Rath und die Zunftmeister abgeschafft, ein neuer Rath, so in dreien Herren Bürgermeister und 12 Senatorcs bestanden, cingescht und dabei verordnet worden : daß diese bei ihren Aemtern lebenswahrig bleiben. So blieb es 107 Jahre. Dieses Gesetz wurde unter Kaiser Franci-kus I. dahin abgeändert,^ „daß hinsühro der Magistrat nur aus 12 Gliedern, nämlich nvei Herrn Bürgermeistern und 10 Lenatores bestehen, also von ersteren 2 und von letzteren 3 mit Tod abgehen zu lasse» wären, ehe znr Wahl eines andern geschritten werden solle. Was denn auch befolget und bisher» (zu deS Chronisten Lebzeiten) also ist gehalien worden". Herr Wilhelm Christas Cngelhardt, ältester Bürgermeister dahier, refignirte 1756 und ist also der erste gewesen, an dessen Stelle, da er 1756 starb, kein anderer Bürgermeister erwählt worden ist. Folgende l2 Zünfte oder Viertel zählte Nördlmgen: Weinscheuker, Bäcker. Metzger, Krämer, Leiter und Häckler, Loder, Gerber, Schuhn,acher, Schneider, Schund, Weber, Kürschner. Ausdrücklich wird bemerkt, daß diese alte auf Erhall»,ig ihrer Handwerke und auf Ordnung zu sehen habe», wen» nicht, so sind sie mit Zuziehung des Herrn Oberrichters und der Senatoren zu strafe,,. Die Charakteristik der Nordist,ger überhaupt anlangend, so sagt Knipfchitd: „das Volk ist nicht stolz, „och übel geartet, sondern erfüllt eifrig seine Pflichte,,: ihrer Gesetze, Gerichte und guten Sitten wegen ist die Stadt Nördlmgen hoch angesehen und hat Ueberfluß a» Altem, was das Leben und der Anstand fordern." (1687 p. 803.) ES ist wahr,^sto1z sind die Bewohner der Stadt an und für sich nicht, stolz aber auf ihr- Stadt und ihre alten ,sannt,cn, und ein fremder Neuling bat ganz entschieden sehr zu kämpfen, wenn er sich empor- chwmgen will, obwohl Einsender den Nördlingern den Grundsatz „ich: abspreche» will, „leben und leben laßen". , Und „nn möge erlaubt sem, einige Hauptgebäude der Stadt mit deren mitunter sehr erwäh- bedeutenden Sehenswürdigkeiten auszuzählen! Wir wollen beginnen mit den, Stolz der Norm,„ger, mit der protestantischen Kirche z„ Lt. Georg. 1427 wurde der Bau begonnen, ob Hans von j-nlzdorf der erste Bannwifter gewesen, ist sehr fraglich, sicher aber ist, daß ein Baumeister Namens Nicmans Cßter und defsen Lohn daran arbeiteten. Der Ban muß öfters unterbrochen worden sein, vis Llesan Weyrer ihn volle,,deie, nachdem beinahe acht Jahrzehnte daran gebaut wurde. Die «Ole siussesührten Kirche beträgt c,rea 00 Nieter, die Breite des Schiffes ' E Hohe c,rca 40, der Chor allein hat eine Länge von rund 35 Meter. Das Aenßere oe» Lcinpets, defsen schöne Restauration im vergangenen Jahre vollendet wurde, während die 104 Außenseite nach und »ach renovirt werden wird, verspricht nicht in allweg dein, was das Innere dem Angebietet. Die Strebepfeiler brechen >uter dem Kranzgesims ab und fehlen ihnen die schlanken Fialen. Die in neuester Zeit ausgesetzten Küppchen sind wohl neu, wachen aber das Ganze nicht schöner, weil eben die ganze Constrnction etwas nach Magerkeit rnst. Desgleichen sind die Portale nicht dem ächten gothischen Bauwerke anpassend, da der Spitzbogen hier nicht durchgeführt ist. Zudem hat der Zahn der Zeit bei manchen derart gemrgt, daß er fast nichts mehr zu nagen hat. Demgegenüber mülsen wir die wirklich ausgezeichnete Arbeit bei den Fenstern hervorheben. Das Maßwerk bei diesen 24 Hcllespender» ist ungcmein reich und vieliältig und macht aus den äußeren Beschauer des Tempels ganz entschieden einen ausgezeichnete» Eindruck. Der an der Westseite unserer nach altkirchlicher Vorschrift geasteten Kirche befindliche Thurm möge nun vor dem Eintritt in das Innere des Gotteshauses einiger Zeilen werth erfunden werden! Die Höhe desselben beträgt llOI Fuß, und hat er nur drei Vorgänger, die ihn an Höhe überragen im Königreich Bayern, nämlich die Frauen- . thürnie in München, die des RegenSburger.Doms und als erster den Kircbthurm zu Laudshut. In sieben Stockwerken strebt >r kühn auswärts; ist mit zwei Galerien versehe» und muffen wir nur beklagen, daß er nicht ausgebaut, sondern mit einer dem Ganzen nicht conformen Kappe versehen ist, auf welcher sich noch eine Laterne befindet. Diesbezüglich ist also der jetzigen und vielleicht nachkommenden Generation die schöne Aufgabe gestellt, ihren Stolz stolz auszubauen zur Ehre der Vorfahren, zur Ehre von ihnen selbst und zum größten Danke der Mit- und Nachwelt! (Fortsetzung folgt.) Miseellen. (Der Ursprung der Kartoffel.) In der letzten Sitzung der kalifornischen Akademie der Wissenschaften erstattete Mr. John O. Lemmon einen Bericht über die Ergebnisse einer im vorigen Sommer unternommenen botanischen Forschungstour in dem Gebirge längs der mexikanischen Grenze. Unter seinen Funden befanden sich zwei oder drei Arten der einheimischen Kartoffel, welche auf hochgelegenen Vergwiese», umgeben von Gipfeln, in Höhe von 10,000 Fuß über der Meeresfläche, reichlich wuchsen. Die Knollen haben etwa die Größe von Wallnüssen. Der „Scientisic American" glaubt, diese interessante Entdeckung dürste viel zur Lösung der langerörterten Frage über den Ursprung der Kartoffel beitragen. (Hand werks unter schiede.) Welcher Handwerker ist der langsamste? — Der Seiler, denn er zieht alle Geschäfte in die Länge. Welcher mischt sich in alles? — Der Schornsteinfeger, denn er kratzt überall, wo es ihn nicht juckt. Welche aber sind die gescheitesten? Die Böttcher und Schuhmacher. Während der Böttcher alles „reiflich" überlegt, was er „faßlich" darstellt, „leistet" der Schuhmacher alles» was er „bezweckt". Die schwerste körperliche Anstrengung wird vom Schneider gefordert, da er täglich von - früh bis spät eine Eisenstange zu schwingen hat, während der Leiermann sein Geld im Handumdrehen verdient. (Beruhigende Versicherung.) Eine Dame hatte eine frühere Köchin, die viele Jahre bei ihr in Dienst gestanden und sich von ihrem Hause aus verheirathet hatte, gebeten, ihr ein anderes Dienstmädchen zu verschaffen. „Glaubst Du," fragte die Dame h die alte Köchin, als der Ersatz gefunden war, „daß die neue für i?iich passen wird?" — c „Ich denke doch," antwortete diese. „Uebrigens weiß sie schon, wie sie mit Ihnen d'ra» ist, wenn sie herkömmt, denn ich habe ihr alle Ihre Fehler gesagt!" (Beschränkte Wahl.) Ein Corporal und ein Füsilier sitzen zusammen in einer Schenke. Es werden ihnen auf einer Schüssel, zwei Würste gebracht, die eine sehr groß, die andere lächerlich klein. Der Corporal bemächtigt sich sofort der größten und reicht die Schüssel dann dem Füsilier: „Wähle!" — „Aber, Corporal, wie kann ich wählen, da Sie schon die größte genommen haben?" — „Nun, bleibt dir den» nicht noch immer, die Wahl, diese Wurst zu nehmen oder — sie liegen zu lassen? dann esse ich sie hinterher." (Vorschlag zur Güte.) Frau Nachbarin, darf i nett meine Küchle in Ihrem Schmalz backen? Ihr derfet da derfir Ihren Speck in meim Gemüse koche. Auflösung des Arithmogryph in Nr. 12: „Arabien. — Nabe. — Iran. — Nera Für die Redaktion verantwortlich Alphons Planer in Augsburg, — Druck und Verlag des Literariichen Instituts von Dr. Max Huttler,