Unter^aktung8vkatt »ur „Äugslmrger Postzeitmig.- Nr. 14. Samstag, 17. Februar 1883. Jörg von Mntdeck. Eine Erzählung aus dem fünfzehnten Jahrhundert von F. Schenk. (Schluß.) IX. Ritter Jörg löste sachte das schöne Haupt der Gattin von seiner Brust» denn nun eilten auch Frau Anna und die beiden Martha's auf den Wiedergefundenen zu und begrüßten ihn mit Freudenthränen. — Kuno war zum Nachen an's Ufer hinuntergeeilt und ließ sich von den beiden Ruderknechten rasch über den See nach Schliers führen, um dort und auf der Waldecker Burg die Freudenkunde zu verbreiten. Jetzt bewegte ein leiser Lufthauch die Wipfel und Aeste der alten Tannen. Auch sie sollten ihr Schweigen brechen und theilnehinen an dem Herzensjubel der Menschen. Und wieder umschlangen sie sich und kosten und flüsterten durch den Wald und drunten am Ufer eilten die leichten Wellen, in unzählbarer Menge, herbei und plauderten freudig von der Wiederkehr des Herrn des Thales! — Droben auf der Anhöhe vor dem Jägerhause saßen die Lieben beisammen im freudetrunkenen Anschau'n, denn noch war die Wonne des Wiedersehens das stille Dankgebet im Herzen mächtiger, als der Drang nach Mittheilung. Endlich brach der Ritter das Schweigen, indem er zu Agatha sprach: „Wie freue ich mich, Dich, Du Theure und diese liebe, bewährte Freundin hier auf dem stillen Eilande wiedergefunden zu haben, wo wir so viele schöne Stunden schon ver- lebte». Hätte Gott mich nicht auf so wunderbare Weise aus schrecklicher Gefangenschaft ^gerettet, ich hätte Euch Lieben wohl nie mehr gesehen!" „Gott sei tausend Dank dafür!" rief Frau Agatha. „Auch dafür, daß er mir m dieser kummervollen Zeit einen Engel des Trostes in unserer theuren Anna sandte. Sie verließ mich nie und wenn immer die Witterung es zuließ, suchten wir dieses stille Eiland auf. Hier durste ich mein Leid der treuen Seele klagen; — hier milderten der mütterlichen Freundin Trosteswortb des Herzens liefen Kummer, wenn auch nur auf kurze Zeit, und hier, — sie umarmte den Gatten mit seliger Lust — hier darf ich Dich, den Todt- geglaubten, wieder in meine Arme schließen! — O dies Eiland ist mir ein Freudenberg geworden!" „Ja, Agatha!" erwiderte der Ritter. „Freudenberg, so wollen wir vte Insel fortan nennen und die alten Tannen sollen den künftigen Geschlechtern erzählen, daß sich" hier durch wunderbare Fügung des Ewigen, Ritter Jörg von Waldeck und seine liebe Hausfrau Agatha nach langer harter Trennung wiedergefunden haben!" — Inzwischen waren die Ruderer wieder in vie Schiffhütte des Jägerhauses zurückgekehrt. — Nun fuhr Frau Anna mit der Zofe zur Burg hinüber, um Alles für den Empfang des lieben Ritters zu ordnen. Da verließ das Klosterschiff mit vier Chorherren das jenseitige Ufer» um ven wiedergefundenen Wohlthäter und Herrn von Waldeck so rasch als möglich zu begrüßen. 106 Was war da ein Jubel im sonst so stillen Jägerhause! — Nur in Kürze konnte Ritter Jörg seine Rettung aus der Festung Mostar erzählen, denn die eintretende Abend, kühle mahnte die Glücklichen zur Heimfahrt. Jörg blickte dankbar zum Himmel, als er an der Seite Agatha's im Chorherrenschiffe aus dem heimathlichen See dem Dorfe zufuhr, an dessen Ufer sich bereits ein großer Theil der Bewohner versammelt hatte und mit rührendem Jubel den theuren Ritter begrüßte, als dieser das Schiff verließ. Es war ein förmlicher Wallfahrtszug zur Stiftskirche, denn Jörg wollte seine Burg nicht betreten, ohne vorher im Hause des Herrn, der ihn so gnädig heimgeführt, innig zu danken. Alles Volk und die Chorherren begleiteten den Ritter und die vor Freude schluchzende Frau Agatha in das Gotteshaus. Und als Pater Egyd die Orgel zu spielen hegann, erst sanfte Klagen über den Vermißten, dann freudigen Jubel über den Wiedergefundenen, und als die Mönche im Chöre neben dem Hochaltar mit kräftigen Stimmen das „Großer Gott, Dich loben wir rc." anstimmten, da blieb kein Auge trocken und über all' den Betern schwebte der Engel der Liebe! — Nun ging's auf die Waldecker Burg, wo bereits die Dienstleute versammelt waren, den so lange vermißten Herrn in rührendster Weise zu empfangen. Hier erst trennten sich die Geistlichen und Ortsbewohner, von Ritter Jörg mit einigen Dankesworten entlassen. Die alte Gertrud eilte auf Frau Agatha zu und sagte: „Gnaden Frau Agatha! Hab' ich nicht gesagt, wir sehen unsern lieben Herr» schon wieder? Ja, ich wußte, daß der Herr Ritter wiederkehren werde, sonst hätte ich schon eine Ahnung von seinem Tode gehabt. Gott sei gedankt, daß wir ihn wieder haben! Nun müßt Ihr aber wieder recht vergnügt und heiter sein, wie früher, edle Frau, damit die Falten aus Eurer Stirne wieder verschwinden und die Wangen sich wieder färben auf Eurem schönen Gesichte!" — Wenige Tage nach der Rückkehr des Ritters feierten die dankbare» Untergebenen desselben in der schön geschmückten Stiftskirche ein Dankamt. Die geräumige Kirche konnte all die Andächtigen nicht fassen, welche aus Nah und Fern herbeigeeilt waren, und dies« umstanden während des Gottesdienstes die Kirche, obwohl der Noveinbermorgen in Folge des dichten Nebels schon empfindlich kalt war. Die Verwandten des Waldeckers, die Wallenburger» die Aheimer von Valep, Geistlichen aus Schliers, Tegernsee und Weyarn, dann Edle aus der Nachbarschaft waren geladen und nahmen auch an dem Gastmahle im Nittersale der Burg theil. Der Ritter erzählte umständlich seine Leidensgeschichte und die edle That einer türkischen Sklavin, welche ihm der gütige Himmel gesandt haben müsse, als rettenden Engel. Manche Thräne rann über die gebräunten Wangen alter Kriegsmänner und selbst die mit menschlichen Leiden so vertrauten Mönche konnten ihre Rührung nicht verbergen» Jörg konnte sich überzeugen, wie allgemein und innig die Freuse seiner Angehörigen, Freunde und Untergebenen über die glückliche Heimkehr war. — Endlich trat wieder Ruhe in Waldeck ein und Alles ging seinen Geschäften nach, nur freudiger und sorgenlos. Nun ging auch der Ritter an die Erfüllung seines im Gefängnisse zu Mostar gemachten Gelöbnisses. Am linken Ufer der Leizach, zwischen Miesbach und Jrschenberg, im sogenannten Ried, stand eine kleine Kapelle unserer lieben Frau. Diese ließ Jörg in eine Kirche umwandeln und gab dem Dörfchen den Namen „Frauenried". Dieses geschah im Jahre 1115. Im nächsten Jahre erbaute der Ritter zwischen den Dörfern Gmund und Wakirchen ein Kirchlein zu Ehren des heil. Ritters Georg, seines Namenspatrons und nannte den Weiler „Georgenried." Endlich im Jahre 1417 erweiterte derselbe die Kapelle im Ried an der Schlierach, zwischen Schliers und Miesbach und benannte das anmuthige Dörflein „Agatharied." Noch stehen die Zeugen der Frömmigkeit des Ritters, wenn auch nicht mehr in der ursprünglichen, gothischen Form, sondern später von Unverständigen verzopft. Wohl Viele 207 haben in diesen Kirchen im stillen Gebete Trost gefunden in manchen Lebensnöthen, aber wohl keiner der späteren Beter hat des edlen Stifters gedacht!- Im Frühling, nach des Ritters Heimkehr, als der Schnee im Thale und auf den nächsten Höhen geschmolzen, und die Schlierach die Schneewäfser eiligst der Mangfall zuführte, da feierte der walbeckische Herrschafts-Jäger Knno das Hochzeitsfest mit seiner Martha im lieben Jägerhause auf dem Freudenberge. Außer der Herrschaft, einigen Chorherren, den Eltern des Jägers und seinen Freunden, mußte auch Andres, der Waldteufel theilnchmen, als einstiger Lebensretter. Die beiden Martha's und Kuno hatten den Alten festlich aufgeputzt, so daß er sich doppelt freute, über das Glück der Liebenden und über den freundlichen Empfang, der ihm allseitig, insbesondere von der Familie deS Ritters, welche von seiner menschenfreundlichen That Kenntniß hatten, geworden. Zum ersten Male seit einem halben Jahrhunderte kehrte der alte Bursche vergnügt und ausgesöhnt mit der Welt Abends in seinen evheuumrankten Thurm zurück. Aber nicht lange mehr durchwanderte Andres die Berge und Schluchten, um Heilkräuter zu sammeln. Noch ehe der Winter vollständig Einkehr hielt im Thale, vermißte man den Waldteufel im Dorfe und als eines Tages Ritter Jörg mit Kuno auf einem Waidgange im Leitnerberg in die Burgruine zu Hohenwaldeck sahen, war die Thurmthüre geöffnet und drinnen auf ärmlichem Lager fanden sie den Gesuchten, einem Sterbenden ähnlich mit zum Gebete gefalteten Händen. „Andres!" rief der Jäger. „Du bist ja schwer krank!" Mit schwacher Stimme antwortete der Alte: „Gottlob, daß Du kommst, Kuno! Jetzt geht es zu Ende mit mir. Geh und erweise mir noch einen Liebesdienst und hole mir einen geistlichen Herrn, damit ich nicht ohne heilige Wegzehrung fort muß aus der Welt!" Der Ritter sandte den Jäger sofort nach Schliers und rückte sich einen Stuhl, den einzigen in der Haushaltung des ehemaligen hübschen Schweizers zum Lager. Der Alte wollte wieder sprechen, doch hinderte ihn ein eben ausbrechender heftiger Husten. Jörg verließ den Kranken, der der Ruhe bedurfte und ging zur Thüre hinaus, wo er sich auf den bemoosten Stein setzte. — Die Tannenäste und Buchenblätter rauschten im Abendwinde. Die Mauerschwalbe zwitscherte ihr Schlummerlied im alten Gemäuer, welches, den Witterungseinflüssen ausgesetzt, allmälig zerfiel. Herausten, die dem Verfalle entgegengehenden Zeugen einstigen ritterlichen Glanzes, — Drinnen, das letzte Auflockern eines. so schönen, durch ruchlose That aber verbitterten Menschenlebens! — Als Kuno mit dem Geistlichen zurückkam, begab sich dieser zum Kranken. Der k Ritter hieß den Jäger warten, um zu hören, was mit dem Andres geschehen soll und ^ setzte dann seinen Waidgang fort» Der Waldteufel hatte eine reuige Beichte abgelegt und mit Andacht die heilige Wegzehrung empfangen. Bald darauf, während der Pater noch bei ihm saß, und betet«, trat der Tod ein und befreite den Armen von seinen Leiden. Die Anwesenden verließen die Burg, um im Dorfe den Todtenwärter herauf zu rufen. Am nächsten Tage holten einige Männer die Leiche nach Schliers, welche unter zahlreicher Begleitung der geweihten Erde übergeben wurde. Mit Audi es schied der letzte Bewohner aus der Burg Hohenwaldeck. Fünf Jahre später, im Herbste 1450 legte man auch den edlen, hartgeprüften Ritter Jörg von Waldeck in die Gruft seines Vaters, Jörg des Aelteren in der Stiftskirche. Die Folgen der Verwundung an der Save und die Qualen der Gefangenschaft hatten ein frühes Siechthum geschaffen, welches die treueste-Liebe, die sorgsamste Pflege der Gattin nicht aufhalten konnte. Von seinem Krankenbette aus konnte, der Ritter den Freudenberg mit dem Jägerhause sehen. In den letzten Lebenstagen ergriff Jörg oftmals die Hand seiner Gattin und deutete hinüber nach der Halbinsel indem er mit schwacher Stimme sagte: ' i ^ I i . 1 .. r08 „Dort drüben ist unser lieber Freudenberg, Agatha! — Dort durfte ich Dich wiedersehen! — Nun muß ich für immer fort, aber ein neuer, ewiger Freudenberg wird nach einer kleinen Weile uns wieder aufnehmen. Dort werden wir dann nicht mehr getrennt werden! —« Wie im ganzen Waldecker Bezirke die Freude über die einstige Heimkehr des geliebten Ritters eine allgemeine, ungeheuchelte war, so gestaltete sich der Jammer und Schmerz bei seinem Tode zu einer Familientrauer von der Waldecker Burg bis zur fernsten Söldnerhütte, denn Jörg war nicht nur ein edler, tapferer Ritter, sondern auch ein Bater der Untergebenen, ein frommer Christ. Das Sterbejahr der Frau Agatha von Waldeck ist nicht bekannt, nur das wissen wir, daß sie eine Mutter der Armen und Dürftigen, von diesen beweint, bald nach ihrem Jörg zu ihm in die Gruft gebettet wurde. Im Jahre 1482 starb der Mannsstamm der Waldecker mit Jörgens Vetter, Wolf, aus. Die Herrschaft ging durch Erbschaft an die Grafen von Maxlrain über, welche sich .theils dort, theils auf der Wallenburg aufhielten. So verfiel dann auch die zweite Burg der Waldecker hinter dem Weinberge in Schliers. Kein Stein erinnert mehr an die Stätte, wo drei edle Waldecker segensreich wirkten, nur der Name „auf der Burg« oder .„Burgberg« bezeichnet noch die Fläche, auf welcher die kleine Burg erbaut war. Dagegen zeugen die drei Küchlein noch heutigen Tages von dem Gottvertrauen des Ritters Jörg '»es Jüngeren von Waldeck. — Knabenzucht will harte Hänve. Leides viel besährt ein Knabe, darr ist lerne esqate, Narr uns Sei ihm, Gott, «n Huld gewogen! !e mehr die Menschen dürfen, )esto dreister wird ihr Mögen. Müh' zur Lust ist eitle Mühe, Nutzlos, wie dem Meer der Regen; Arbeit, die den Auftrag höhnet, Das ist Arbeit ohne Segen. Künste lernt' ich, edier Künste, Hoher Künste lernt' ich sieben; Wenig frommen sie; die eine Schwerste ist mir fremd geblieben. >wing die Welt nach deinem Willen )der zwing dein eig'nes Wollen! Freiheit ist der Zweck des Zwanges, Wie man eine Rebe bindet, Daß sie, statt im Staub zu kriechen, Froh sich in die Lüfte windet. (Dreizehnlinden.) «»»»rsrner. Des Neides Laster ist nicht deiner Strafe werth, Und bricht sich selbst den Hals, fällt in sein eigenes Schwert. T s ch e r n i n g. Alles, was wir wirklich lieben ist unersetzlich, und Alles, wofür Ersatz uns denkbar ist, habe» emals wahrhaft geliebt. Nierrtz. Wer verräth, er verwahre ein Geheimniß, hat schon dessen Hülste ausgeliefert, und die zweite r nickt lnnn« kxcknlten. ! ch - ^ M ^ „ r 109 Einiges Von Nördlingen. (Fortsetzung.) Wen» Du ein zartes Pedal hast, freundlicher Leser, so steige setzt 365 Stufen und eive Leiter rrnL nur hinaus in die Laterne, von der Du eine prächtige Aussicht zu genießen hast. Der Thürmer sagte Einsender schon vor vielen Jahren: „99 Ortschaften sind zu schauen und d-e hundert,te sieht man nicht, weil ein Berg davor ist und diese ist Ederheim." In der Laterne sind zwei eherne Schalen, zum Stundenjchlagen eingerichtet. Die Verse auf beiden mögen hier erwähnt sein. Auf der einen steht: „Mensch! noch lebst du auf Erden, Kind der vergänglichen Zeit; ^ Säume nicht besser zu werden, Dies ist, was mein Schlag dir gebeut." Auf der zweiten sind die Worte eingegossen: „Jeder meiner Stundenschläge mahnet An die Flucht der Zeit, Ruft dem Hörer ernst entgegen: Lebe für die Ewigkeit!" Gewiß ungemein sinnige, passende Worte 300 Fuß über den Niederungen des Lebens an- gebracht! Wie stümperig, zwergaestaltig nehmen sich solcher Zeilen gegenüber die Inschriften aus, welche bei weltlich — geräuschvollen Festen an den sogenannten Triumphbogen oft angebracht sind, und Alles oft, nur keinen Triumph bedeuten. So hat Einsender einst folgenden kurzen — inhaltsreichen l — Vers gelesen: „Gäste! spart nicht Euer Geld Einmal lebt man in der Welt!" Die übrigen — wen» ich nicht irre — sechs Glocken können wir übergehen und möchte» wir nur noch den Thurm anlangend die Inschrift auf einer Metallplatte an der zweiten Galerie erwähnen, welche den Schluß des Baues als am 10. November 1490 angibt- Wir treten ein durch das Westportal und vor uns dehnt sich aus ein herrlicher Hallenbau mit drei Schiffen, der auf 92 mächtigen Säulen ruht, welche allerdings noch mächtiger schön sich uns repräsentiren würden, wenn sie wie überhaupt das Ganze reichlicher gegliedert und mit mehr Ornamentik ausgestattet würden, dessen ungeachtet bietet das Ganze einen sehr schönen Eindruck und mit urenkelischem Stolze blickt man aus die Urahnen, welche den Tempel hergestellt, mit Freude erinnert man sich auch der gegenwärtigen Generation, welche ihn schön und künstlich renovirt hat. Freilich etwas leer komme» die Hallen vor, da sie beraubt der stattlichen Anzahl von Altären, welche die katholischen Erbauer hineingearbeitet. Nach kaum zwei Dezennien der Vollendung traten sie über zum Protestanlismus und Aliäre rc. waren überflüssige Möbel. Ferner müssen wir erwähnen, daß der ganze Tempel nach unserer Ansicht allzu licht ist, viel zu viel Helle hat. Dem wird vorgebeugt werden durch die Glasfenster, welche nach und nach eingesetzt werden sollen. Der Anfang ist rühmlich gemacht, indem der Staat das Huuptfenster im Chor herstellen ließ, während ein zweites dorten bald folgen soll. Das gewaltige Fenster zeigt uns den Kirchenpalron St. Georg im Kampfe, während die obere Abtheilung den Heiland und Magdalena vorstellt in dem Moment, da er zu ihr spricht: „noli mo tougors!. Bei diesem Bilde mit seinen Heiligenfiguren können verschiedene geschichtliche und andere Erinnerungen in der Seele des Beschauers aufsteigen. Bereits im achten Jahrhundert wurde durch Leo den Jjaurier der Jkonoklasmus die Bildcrstürinerei begonnen, die Bilder der Heiligen wurden aus den Kirchen und von den öffentlichen Plätzen entfernt. Was war die Folge? Sie fanden wieder bald die Kirchen offen znr Rückkehr und die öffentlichen Plätze schmückten sich wieder mit neuen, noch schöneren Statuen. Was dieser Cäsareopapist, der zuerst Handelsmann, dann Soldat, dann General, dann Kaiser war, begann, wurde zu verschiedenen Zeiten fortgesetzt. Auch die Reformatoren des sechszehnten Jahrhunderts wollten, da sie ja die „reine" Lehre verkündeten „reine" Tempel und die Bilderstürmerei war wieder m's Werk gesetzt. Und jetzt dürfen in vielen Kirchen nach und nach die exilirten in die Acht erklärten Heiligenbilder, Apostclstatnen rc. (und wäre» erstere blos auf Glas gemalt) aus dem Eril zurückkehren und als Schmuck und Zierde dienen. 'lempora mutanlur ot nos inatamur in illis! Doch Zurück zu unserem Tempel! Wir befinden uns im Haupttheil jedes Gotteshauses, im Chor. Der Altar hier, der einzige der großen Kirche, ist einfacher Art, Holzichnitzerei, ein Altar-Crucifirus ziert denselben. Die Bilder von früher sind jetzt aus dem Rathhaus, dessen besondere Sehenswürdigkeit ivir später erwähnen werde». Auf der Nordseite in der äußersten Ecke befindet sich der Schatz des Tempels, das Sacramentshäusle, ein Werk Stefan Weyrers. Es ist ein kühner, prachtvoller Ausbau, mitunter mtt seinen Fialen und Spitzen gleichsam in der Luft schwebend, das Ganze gekrönt mit einer Kreuzblume, auf welcher sich ein betender Mann befindet. Bei solchen Werken muß den Beschauer Bewunderung erfassen für die Künstler, die sich in denselben verewigt haben. > Die Chorstühle, hübsch renovirt beuchen uns doch etwas mager zu dem großartigen Ganzen, gegenüber denen im Münster zu Ulm und andereil gothischen Domen. Auf der Südseite an einem Pfeiler angelehnt, bemerken wir ein weiteres sehr schönes Werk, nämlich die Kanzel. Während die 110 ii eigentliche Kanzel Prächtig gothisch aus Stein gehauen, ist der Schalldeckel aus Holz und steht auf demselben der Auferstandene. Es wird unseres Wissens wirklich noch die Frage veutilirt, ob n^»i den Schalldeckel ganz entfernen soll, weil er nicht „gothisch genug" sei. Wir sind ebenfalls der Meinung, „gothisch genug" ist er nicht, dennoch aber ist er nicht zu verachten, was die Arbeit anlangt. Etwas zu blöckisch, wenn der Ausdruck gebraucht werden darf, schien er uns und was die praktische Seite, den Prediger selbst betreffend anlangt, so glauben wir, daß er etwas zu tief angebracht ist. Die vier Evangelisten aber, die an der Brüstung angebracht sind, sowie die anderen kleineren Statuetten verdienen sicherlich den Beifall jedes Besuchers, desgleichen die durchbrochene steinerne Kanzcltrevpe. So ziemlich gegenüber der Kanzel befinden sich aus der Nordseite zwei kleine Kapellen mit den Grabsteinen der Erbauer derselben. In einer befindet sich ein ächter Scheufelin, darstellend die „Bewcinung Jesu Christi nach der Kreuzabnahme." Früher bildete es das Altarbild auf dem Altare zwischen Chor und Schiff, welcher bei der neuesten Renovation entfernt wurde. Den Schmerz Mariens und der andern acht sich um den Leichnam des Herrn schaarende» Personen getreuer darzustellen, wird wohl nie gelingen. Im Hintergründe sind die Kreuze, eines leer, und rechts erblicken wir die Stadt Jerusalem mit seinen Tempelskuppeln und Zinnen. Der hochselige bayerische König wollte, wie dies der Cicerone des Tempels Jedem mit Freuden erzählt, für das Bild der Stadt 80,000 Gulden geben, umsonst und wohl mit Recht! Gegenüber diesem Bilde schauen wir ein viel älteres, die „Kreuztragung Christi" darstellend, dessen Berserriger unbekannt. Wir erwähnen dieses nicht der Kunst wegen, sondern ivegen der ganz merkwürdigen Auffassung. Aus den Henkersknechten machten nämlich die Maler lauter Teufel mit grauenhaften Tcufelsgesichtern, vor welchen man wirklich Angst bekommen kann. Im Hintergründe rechts schauen wir Maria und Johannes, während Simon von Cyrene wirklich ungemein „guthmüthig", ganz und gar nicht „genöthigt" dem Herrn das Kreuz nachzutragen sich anschickt. — In der zweiten Kapelle gewahren wir als Bild „den Sturm auf dem Meere", aus welchem wir die Angst der Apostel so recht deutlich erschauen können. Gegenüber ist das Bild des Bürgermeisters Welsch angebracht, welcher soluo fiel im Kampse gegen die Psäfflinger. Oben wird eben seine Leiche hinausgetragen. Rings um die Kirche liefen früher Emporen, die Neuzeit hat sie weggeschafft und wohl nur mit Rücksicht aus die Verschönerung der Kirche. An denselben, sowie an den Pfeilern waren uu- gemein viele, mitunter ganz und gar unschöne sogenannte Leichenscheibc», welche zum großen Theil auch mit Recht entfernt wurden; die noch vorhandenen sind schön renovirt. Bor der Sacristei an dem sogenannten Psaristuhl sind Bilder angebracht, welche zu den ältesten der Holzschueiderei gehören sollen. Ueber der Sacristei befindet sich die alte Orgel, ein Werk, das Einsender nicht so loben kann, wie es Andere thun, obwohl es selbst den „maurischen Stil" darstellen soll. An dem bunten Durcheinander kann deswegen wohl mancher eine Freude haben, weil das Sprichwort bis heute noch gilt: „clo gasti- dus voll est ckisputauckum." Dagegen müssen wir jedem Besucher die Treppe empfehlen, welche aus die alte Orgel führt, da der Raum derselbe» in zwei Theile gechcilt ist, so daß Zwey welche miteinander Hinausgehen, einander nicht sehen, bis sie oben zusammenkommen. In der sacristei befindet sich unter anderem auch ein Bild, die „Kreuzigung Christi" darstellend, das, eine Nachahmung Tilians, wegen der merkwürdigen Beleuchtung der Beachtung werth ist. Zu der Hauptorgel — um mit Westen durch welches wir eintraten, zu schließen.— welche ein sehr gutes Werk ist, führen zwei steinerne Treppen, die gegen Süden etwas einfacher, aber schöner Construction, während die gegen Norden ein Meisterstück der Archieteklur ist. Verlassen wir jetzt St. Georg und seinen schönen Tempel, und betrachten nun in Kürze die zweite, die katholische Kirche all 8. 8alvatorow! Bescheiden birgt sie unsere Ringmauer, fern vom Welt- getöse, bescheiden ist ihr gothischer Bau, bescheiden die Fenster, bescheiden das Dachreiterle mit seinen zwei kleinen Glocken, bescheiden sind ja auch die Verhältnisse der hiesigen Katholiken (circa 1200 Seelen) die doch endlich „geduldet" sind. Die Sacristei ist der Unterbau des nicht aus- und ausgebauten Thurmes und befindet sich in demselben ein sehr altes Bild, die Einstehung der Kirche darstellend. Es soll dieses Bild ein Scheufelin sein, wir müssen aber das „soll" doppelt nnterstreichen. Es besteht aus zwei Abtheilungen. Links oben bringt ein Priester einem Kranken die heilige Wegzehrung, als plötzlich der Boden unter ihm bricht, Alles fällt herunter, auf den Boden und aus dem Kelche sind die heil. Partikel herausgefallen. Rechts gewahren wir unten eine Procession eum 8on>:tissimo, oben ein Feuer, aus welchem eine intacte Hostie hervorragt. Es habe nämlich ein 8. Partikel gefehlt, und um ihn zu bewahren vor Exsccration, habe man den Schutt rc. auf einen Hausen gethan, um Alles zu verbrennen, der Partikel aber sei ganz unversehrt aus dem Feuer herausgekommen. An dieser geweihten Stelle, sagt der Chronist, sei kein Thier mehr vorbeigegangen und man habe da die Kirche erbaut. Das Innere der Kirche ist recht wacker bemalt, der Doppetflügelaltar im Chor ist alt und gehört zu den schönsten in ganz Schwaben, die drei Glasfenster des Chores sind hübsch. Die Kanzel, eine Art Lettner, ist mit fünf broucirlen Reliefbildern versehen. Recht hübsch ist der Seitenaltar all 8. Llariam aus der Evangelienseite und ist derselbe ein Werk des Augsburger Meisters Baldauf. Das Gegenstück all 8. llasetum soll in nicht zu langer Zeit ebenfalls die Kirche zieren, denn der nner« müdliche Herr Dekan ruht nicht, bis alles „stimmt." Das Schiff der Kiche ruht auf zehn hölzernen also gewiß nicht sehr massiven Säulen und gewahren wir oben ein Getäfer, sicherlich zum Beweise daß die seinerzeitigen Mittel das Massive nicht erlaubten. Wir machen noch aufmerksam auf die recht 111 wackeren Stationen und aus eine sehr alte Pieta, bei welch' letzteren aber uns der Leib des Heilands etwas gar z» ütheriich erscheint. Die ganze Kirche macht einen recht hübchchen Eindruck auf den Besucher. Weil wir gerade an den Kirchen sind, so möchte wir »och zwei Kirchlein erwähnen. Droben auf der Höhe, Kleinerdlingen zu, erhebt sich ein hübsches neues gothisches Kirchlein, schon weiß herabsehend auf die alte Reichsstadt, die ja seinerzeit da droben stand. Heutzutage aber befinden sich dort die Todten, alte und neue selige Nördlinger. Der Gottesacker mit einem Leichenhaus ist sehr schon — wenn der Ausdruck für einen Platz der Todten paßt — angelegt. Wir können nicht umhin, die Verse eines Poetasters hier anzuführen, der also dichtet: „Dort auf dem kleinen Berge, Stand Nördlingen gebaut', Jetzt ruhen Todlensürge Dort, die man ihm vertraut. Sie blickt bei Abendröthe Jn's Thal, wo Schilf und Moor Sonst war, und wo die Hirtenflöte Nicht tönt zu ihr empor. Bis zu dem Donaustrande, Sieht man in einem Blick Das Ries im Aayerlaude, Und kehrt vergnügt zurück " (Schluß folgt.) M i s e e l l e ir. (Amerikanische Fabel n.) Unter diesem Kollektivnamen bringt ein amerikanisches Blatt eine Reihe von Fabeln, von denen wir eine zitiren wollen: Nach einem heftigen Streite mit der Hyäne beschloß der Wolf, sie zu vernichten, und wandte sich deßhalb an den Löwen um Rath. — „Stelle ihr eine Falle,« sagte dieser, „und wenn Du sie gefangen hast, so friß sie auf." — Der Wolf ging fort und richtete eine Falle auf einem Pfade auf, den sein Feind oft passtren mußte, aber während er vor Befriedigung kichernd, das gelungene Werk betrachtete, stolperte er und stürzte selbst in die Falle, die ihn sofort festhielt. Da kam der Löwe herbei. — „Himmel was seh' ich?« rief er aus. — „Ich sitze nun in meiner eigenen Falle," sagte demüthig der Wolf. — „Ja, und ich kam her,« versetzte der Löwe, um Dir beim Fressen der Hyäne zu helfen: da nun aber die Sache so steht, so werde ich der Hyäne helfen, Dich aufzufressen.« — „Aber, ich stellte ja doch nur auf Deinen Rath die Falle auf,« protestirte der Wolf.— „Das ist wahr,« erwiderte gleichmüthig der Löwe, „aber ich gab Deinem Feinde genau denselben Rath, und für mich ist es ganz egal, ob ich einen Wolf oder eine Hyäne fresse.« — Moral: Der Advokat bekommt seine Zahlung, der Prozeß mag ausfallen, wie er will. (Wohlbekomm's.) Eine Bande Zigeuner sollte bei einem Gutsherrn zum Tanze ausspielen. Man tanzte im Saale und die Zigeuner wurden im Vorzimmer untergebracht, wo der Baßgeiger alsbald eine Flasche hinter dem Ofen aufgespürt hatte, welche die Aufschrist trug: „Szeaszarder.« Kern Zweifel, irgend ein Diener hatte die Flasche mit deni kostbaren Inhalte bei Seite geschafft. — Ein Blick des Einverständnisses genügte und der Beschluß war gefaßt, die Flasche als gute Beute zu behandeln. Der Baßgeiger nahm einen tiefen Schluck, riß weit die Augen auf und — reichte die Flasche schweigend dem Nebenmann. Der Klarinettist erstickte beinahe an dem Zuge, den er aus der Flasche that, verlor aber nicht die Geistesgegenwart. Der Primgeiger entwand ihm rasch die Flasche, von diesem war es bekannt, daß er die Flasche bis auf den Grund zu leere» pflegte, ohne Rücksicht auf die etwa noch durstigen Hintermänner. Der Cymbalspieler maß ihn auch mit wüthenden Blicken, als er sich des kostbaren Nasses bemächtigte, und war nicht wenig überrascht, als auch für ihn noch einige gute Tropfen übrig blieben. Als sie Alle getrunken hatten wechselten die Zigeuner wieder schweigend einen Blick; dann wendete sich der Baßgeiger an den Clarinettisten und sagte: „Nun, Kamerad, essen wir nicht etwas Bürste dazu?« In der Flasche war nämlich flüssige Stiefelwichse gewesen. - 112 (Gedicht der Kronprinzessin Vi ihres ersten Kindes): Komm, du mein allersüß'stes Kind, Das Muttcrherz nun Raum gewinnt A» deinem Vettlein ganz allein Sich deiner vor dem Herrn zu freun. Ja! Lächle mir nur freundlich zu In deiner Unschuld sel'geu Ruh; Wär' meine Mutter nur gleich hier Und theilte meine Wann' mit mir. Heut ist geschehen dir großes Heil, - Denn heut ward Jesus dir zu Theil, Und du selbst wurdest eine Neb', Die nun an ihm, dem Weinstock klebt. Bewußt ist dir dies zwar noch nicht, Dennoch ward es so zugericht'; Des heil'gen Geistes Keim und Trieb Wirkt nun in dir in inn'ger Lieb'. ctoria vonPreußen nach derTaufe Bist du geboren auch am Thron: Ohn' Ihn, den wahren Gottessohn, Bermagst du dennoch nichts zu thun, Um selig einst bei Ihm zn ruhn. Er ist dir Rath, Kraft, Friedefürst, Wenn du Ihn kennen lernen wirst; Ich seh, wie dann dein Herze lacht, Das; man dich heut zu Ihm gebrach Es lagert sich des Himmels Heer Für's ganze Leben um dich her; Wird deines Glaubeizs Felsengrund Jmmanuel zu jeder 'stund. Nun schlafe wohl, mein liebes Kind! Die Engel Gottes bei dir sind, Als Seme Boten hergesandt, Zu hüten dich sür's Vaterland. Wohl liegst du hier in Gold und Seid, Und Purpur ist wohl einst dein Kleid, Doch daß du anzogst Jesum Christ, Das dir der rechte Schmuck nur ist. Bild' es nach Dir zu einem Mann, Der Deiner Ehre dienen kann; Dein Fried' sei ihm das Ziel im Reich, Dein Will' ihm Helm und Schild zugleich. So decke nun, o! Heiland Du, Mein Kind mit Deiner Gnade zu; Laß' es Dir wohl befohlen sein, Und herz' es, segn' es mit Gedeih'n. (Eine Reminiscenz.) Jetzt, da Prinz Plon-Plon von der französischen Republik eingesponnen war, mag folgendes Dekret, das s. Z. von der königl. bayr. Regierung gegen seinen Oheim, den verstorbenen Kaiser Napoleon III. ergangen ist, von Interesse sein: „Im Namen Sr. Mas. des Königs von Bayern. Inhaltlich einer an die unterfertigte Stelle ergangenen höchsten Ministerialentschließung vom 6. April v. I. soll der unter dem Titel eines Grafen von Starberg oder Starburg gegenwärtig in Deutschland reisende Prinz Louis Napoleon im Falle seines Betretens auf bayerischem Gebiet gemäß Allerhöchsten Befehls festgenommen und zur Verfügung der Regierung an die nächste Polizeibehörde abgeliefert werden. Das u. s. w. angewiesen, sich vorkommenden Falls hiernach zu richten und den Polizeibehörden beim Vollzugs der solchen gleichfalls zugehenden Weisungen möglichst behilflich zu sein. München, 6. April 1817. Generaladministration der kgl. Posten, v. Göb." Dieses Actenstück erschien im Regierungsblatt, damals noch Jntelligenzblatt genannt. (Der künftige Feldherr.) Fritzchen hat zu Weihnachten einen großen Kasten voll Bleisoldaten erhalten. Am letzten Sonntag unterwirft die Mutter die bleierne Armee einer Musterung und bemerkt, daß eine große Anzahl abgeschlagener Beine und Arme auf dem Boden des Kastens liegen. „O pfui!" ruft die Mutter im Tone der Empörung dem Söhnchen zu, „so gering achtest Du das Geschenk Deines Papas, daß heute schon, sieben Soldaten die Beine und drei die Arme eingebüßt haben?" Fritzchen bricht in Thränen aus und entgegnen „Wir brauchten Invaliden!" Original-Lttbett-Näthsel. (Zweisilbig.) * Durch die Zweite schwindet des Durstes Qual, Die Erste verscheuchet die Sorgen zumal, Doch füeht die erste Dich, armer Mann, So wende zur Hülfe das Ganze au. — Für die Redaktion verantwortlich Alphons Planer in Augsburg. — Druck und Verlag des Literarischen Instituts von Dr. Max Huttier.