Nr. 15. 1883. zur Mittwoch, 21. Februar Heimathlos. Eine Erzählung uns jüngster Zeit von Hermann Hirsch selb. (Nachdruck Verbote».) „Die gnädige Frau befehlen?" fragte der alte Diener in der dunkelgrauen Livrä des Solmitz'schen Hauses, geräuschlos die Thüre des Salons öffnend« Hermine von Solmitz» die verwittwcte Besitzerin des Gutes gleichen Namens, das den Schauplatz unserer Erzählung bildet, schritt in sichtlicher Erregung auf und nieder;' es war eine hochgewachsene, fast allzu hager erscheinende Dame, die in der Mitte der vierziger Jahre stehen mochte. Sie mochte einst nicht ohne äußeren Reize gewesen sein, aber mit dem zunehmenden Alter hatten die Züge der Dame eine gewisse Starrheit, der Blick des grauen Auges eine Schwäche angenommen, die kein sympathisches Gefühl zu erwecken vermochte. Und kalt und schroff war die Wittwe des Herrn von Solmitz auch im Innern geworden, seitdem ihres Gatten Tod sie als Mutter eines blühenden Knabe», aber auch zugleich als mittellose Wittwe zurückgelassen, denn des Verstorbenen Verhältnisse waren völlig zerrüttet und ihr eigenes, ihm zugebrachtes Vermögen in unsinnigen Speculationen vergeudet. Freilich dauerte '.diese traurige Existenz nur ein Jahr, da starb ein kinderloser Oheim der Wittwe, die kaum mehr den Nimbus des Wohlstandes ausrecht zu erhalten vermochte, mit dem sie sich unter Entbehrungen aller Art im Häuslichen zu umgeben gewußt hatte und kurze Zeit daraus war Hermine von Solmitz, obgleich nicht die direkte Erbin des Verstorbenen, in dem Besitz hinreichender Mittel, das Stammgut ihres Gemahls von seinen Schuldenlasten zu befreien und es dergestalt zu vergrößern, daß die Solmitz'sche Besitzung ein gar stattliches und werthvolles Eigenthum bildete, das sich, in den Augen der meisten Leute, die nicht näher in die Verhältnisse des Hauses eingeweiht, dereinst auf den einzigen Sohn Herminens, den jetzt zweiundzwanzigjähriaen Oscar vererbet mußte. — „Gnädige Frau haben abermals geklingelt", wiederholte der Diener noch einmal, da die Dame seine Anwesenheit nicht zu beobachten schien. Frau Hermine von Solmitz fuhr aus ihren Gedanken empor. „Ist Steeland noch nicht von der Stadt zurück?" fragte sie. „Der Herr Verwalter muß jeden Augenblick kommen", entgegnete der Alte; „er wollte um zehn Uhr wieder hier sein und es ist bald eilf. Vielleicht, daß in der Stadt Depeschen von Wichtigkeit eingetroffen oder erwartet werden, deren Inhalt er gern mit nach Solmitz bringen möchte, denn wir leben in einer großen Zeit, gnädige Frau, und jede Sekunde kann uns die Entscheidung eines blutigen Krieges bringen, kann unseren jungen Herrn, den ich auf meinen Armen gewiegt, zu seinem Regiment beordern, um sein deutsches Vaterland gegen die Franzosen zu schützen." „Mein Sohn steht in Gottes Hand", entgegnete Frau von Solmitz, „so wenig wie er selber je daran denken würde, möchte ich, seine Mutter, Oscar seiner Pflicht entziehen; ich fürchte nicht für ihn, denn so hart wlrv nuch das Geschick doch nicht heimsuchen Gatten, Bruder und Sohn zu verlieren?" , „Behüte es der Himmel", sagte der Alte, durch die ungewohnte Herablassung der Herrin ermuthigt, „aber was den Bruder der gnädigen Frau betrifft, den lieben auten übermüthigen Herrn Leopold —" - „Er ist todt!" unterbrach ihn Frau von Solmitz heftig, „achtzehn Jahre sind verstrichen, seit er spurlos aus Europa verschwand, alle Nachforschungen waren vergebens, es ist kein Zweifel, kann kein Zweifel sein", endete sie gebieterisch. Der Alte zuckte mit den Achseln, augenscheinlich unterdrückte er eine Entgegnung.' „Es ist kein Zweifel möglich, gnädige Frau", sagte er dann, „aber wenn etwas im Stande, ihn aus der tiefsten Verborgenheit hervorzulocken, falls er sich noch am Leben befinden würde, so ist es das Erwachen des deutschen Geistes zum Selbstbewußtsein. Leopold von Bernau war Deutscher mit Leib und Seele und keinen Augenblick würde er zaudern, mag auch sein Haar weiß geworden sein, herbei zu eilen, über Meer und Berge, wo es sich um des Vaterlandes Ehre-" Frau von Solmitz winkte abwehrend. „Genug", saate sie und wieder im kurzen Ton der Gebieterin, „wo ist Fräulein Alida?" „Das arme Mädchen ist im Garten", gnädige Frau, „sie wollte Erdbeeren für die heutige Tafel pflücken, sie weiß, daß die gnädige Frau gern die Frucht recht groß und roth liebt, aber die Thränen rannen ihr dabei über die Wangen; der Herr Verwalter muß ihr mitgetheilt haben, daß jeden Augenblick die Einberufungsordre eintreffen kann und das junge Herz —" Er vollendete nicht vor dem scharfen Blick der Dame und senkte verlegen das Haupt, er fühlte, daß er zu weit gegangen. „Ich respectire die Treue ergrauter Domestiken in unserem Hause", bemerkte Frau von Solmitz, „aber ich verbitte mir Bemerkungen, die schlecht zu ihrer Stellung passen. „Ah, da ist Streland", unterbrach sie sich, da Schritts im Vorsaale ertönten und, während der Diener die Thür öffnete, rief sie dem Kommenden entgegen: „Haben Sie Schmidt, den Rechtsanwalt gesprochen?" Der Eintretende, hinter dem der Diener die Thüre schloß, war der langjährige Verwalter des Solmitz'schen Gutes; klein und mager, mit listig zwinkernden Augen, hatte Herr Streland fast das Aussehen eines Fuchses und allgemein traute man ihm auch die Schlauheit desselben zu; daß er täglich sein Vermögen vergrößerte, fiel KeinÄO auf, denn kein Mittel schien ihm zu gering oder schlecht, Geld auf Geld zu häufen, wohl aber befremdete das seltsame, fast freundschaftliche Verhältniß der sonst so stolzen, aristokratischen Wittwe mit ihrem Untergebenen, dessen Leitung in allem Geschäftlichen sie sich willig fügte; die Herrin schien aber auch die einzige, die empfehlenswerth« Eigenschaften in Herrn Streland entdeckt haben mußte, denn seine Persönlichkeit war auf der ganzen Besitzung eine höchst unbeliebte und selbst Oscar v. Solmitz, der künftige Erbe, hatte schon als Knabe gegen den Verwalter einen Widerwillen zur Schau getragen, den selbst der junge Mann noch nicht zu überwinden vermochte, obwohl er dem Eifer und der Pflichttreue des Beamte» seine Anerkennung nicht versagen konnte. „Sie haben ihn gesprochen?" fragte Frau v. Solmitz abermals, „wie steht es, wann können wir die Todeserkläruna vroklamiren, wann darf ich ruliia schlafen, ruhig athmen, endlich, endlich?" „In zwei Monaten ist die Frist um», entgegnete Streland, „es läßt sich kein Jota daran ändern", meinte Schmidt. „Ist an dem bestimmten Tage Leopold von Bernau nicht selbst oder durch seinen Mandatar oder seine etwaigen Erben vertreten, zur Entgegennahme seines Erbtheils, das sich bis jetzt unter Ihrer Verwaltung befand, nicht auf Solmitz anwesend, wird er für todt erklärt und rechtlos er und seine Erben an jedem Anspruch; so besagt es das Proklam, das völlig wirkungslos blieb und bleiben wird, denn Herr Leopold von Bernau, es ist kein Zweifel, ist todt oder verschollen und seine 115 Erben — nun, ich denke, er wird doch reinen zweiten dummen Streich begangen haben/ nachdem das Glück uns so günstig war, vaß wir die Folgen des ersten von unserem Haupt abwenden durften." „O, still davon, Streland", unterbrach ihn die Gutsherrn» und ihre sonst so kalten Züge nahmen den Ausdruck der peinlichsten Erreguirg an; „mahnt mich nicht an jene furchtbare Nacht, da man mich an das Bett der kranken, sterbenden Frau rief, die^ am Abend vorher mit ihrem Töchterchen hier angekommen und im Wirthshaus abgestiegen' war, der Schlag, glaubte ich, müßte mich treffen, da ich ihre Enthüllungen vernahm, als ich aus den mir übergebenen Papieren ersah, daß kein Irrthum möglich, daß das Kind der Sterbenden, das sie meiner mütterlichen Fürsorge empfahl — o Streland — wäret Ihr nicht gewesen, an dessen Stärke ich Anhalt gefunden, dem Schicksal die Stirne zu bieten, mein Sohn, mein Oscar wäre ein Bettler oder abhängig von der Gnade einer Fremden, abhängig» wie ich selber." „Fließt doch das Vernau'sche Blut in ihr", meinte der Verwalter lauernd, „und völlig legitim ist ihre Geburt; es gäbe, meinte ich, ein Mittel, widerstreitende Interessen zu versöhnen —" „Niemals, niemals", unterbrach ihn Frau von Solmitz entschieden; „soll ich, so lange ich lebe, die Mesalliance Leopold's, die Schmach, die er dem Hause Bernau angethan, von Geschlecht zu Geschlecht forterben? Freilich wird er» sobald sich meine Augen geschlossen und er bis dahin noch unvermählt, durch Euch erfahren, daß Alida ihm näher steht» als er ahnt, aber ich hoffe, bis dahin ist er bereits der Gatte der Baronesse von Ebersdorf und das Geheimniß bleibt verschwiegen, das Geheimniß von Oscar's Glück, das einst meine Seele zu büßen hat." „Ich möchte anders über diesen Punkt denken, so lange sich die gnädige Frau entschließen können, dem Fräulein Barfeld einen andern Aufenthalt, als eben dieses Gut zu geben, wo ein Begegnen der beiden jungen Leute unvermeidlich und zu Folgen führen kann, die alle unsere Vorsicht, all' unsere Pläne zu Schanden machen dürften. „Freilich wäre es vorsichtiger gewesen, das Mädchen schon in ihrer Kindheit vom Gute zu entfernen, allein ich zitterte, sie aus meinen Augen zu lassen, zitterte, sie in anderer Hut, als in der meinen, zu wissen und dann — Streland — darf ich sie aus diesem Hause stoßen, aus diesem Hause, das ich mit ihrem Vermögen, mir und meinem Sohne erwarb?" Herrn Streland's verwitterte Züge überflog ein spöttisches Lächeln. „Und was haben Sie bezüglich des Fräuleins Barfeld beschlossen?" fragte er dann. „Ich möchte das Mädchen glücklich sehen und ivürde es selber sein, wenn ich sie nicht mehr vor Augen habe, ein lebendiges Memento des Leichtsinns meines Bruders und unserer eigenen That. So wünsche ich sie fort und mag sie nicht missen in einem Athemzug, sonst hätte ich längst versucht, ihr eine gute Parthie zu verschaffen, die der Pflegetochter Herminens von Solmitz, als die Alida überall betrachtet wird, nicht fehlen dürfte. Allein ich zittere, daß der ihr Bestimmte Nachforschungen anstellen dürfte, nach seiner Gattin Herkunft, daß er Fragen an mich stellt, Verdacht schöpfen könnte — o Streland, Streland, wären nur die Wochen um und die Todeserklärung Leopold's von Bernau gerichtlich ausgesprochen, dann lassen Sie uns weiter beschließen, dann weiter handeln! —" „Wir werden dazu um so mehr Muse haben", bemerkte der Verwalter, als Herr Oscar dann nicht mehr auf Solmitz weilen dürste; wie ich in der Stadt vernahm, wird noch heute die Einberufungsordre, die Herrn Oscar zu seinem Regiment befiehlt, hier eintreffen." Einen Augenblick lang zuckte eine Spur tieferer Erregung durch das harte Antlitz der Gutsherrin, aber bald war sie überwunden. „Er ist mein einziges Kind, er geht dem Tode entgegen", sagte sie, „und doch es »st vielleicht besser, daß er aus diesen Verhältnissen herauskommt; das frohe, frische Kriegs- leben wird ihm wohlthun; er wird jugendliche Ideale und kindische Passionen inmitten eines bewegten Lebens vergessen und bis er heim kommt, ist Leopold von Bernau büraerlich todt erklärt und Alida vielleicht nicht mehr im Hause." Ein bescheidenes Klopfen unterbrach das -Gespräch der Frau von Solmitz mit ihrem Verwalter; auf das „Herein" der Dame trat ein junges Mädchen von etwa siebzehn Jahren über die Schwelle. Alida Barfeld, die Waise, die ihre Existenz der Güte der Frau von Solmitz verdankte, in deren Haus sie ein Asyl seit ihrer Kindheit gefunden, war keine Schönheit zu nennen, allein ihre Züge waren von einer Lieblichkeit und Regelmäßigkeit, die ihr hohen Reiz verlieh; ein schlichtes Kleid von lichtblauer Wolle umgab eng ihre schlanken Formen und paßte trefflich zu dem hellblonden Haar des jungen Mädchens, das sie schlecht gescheitelt ohne jeden Schmuck trug. Aber die sonst so hellleuchtenden Augen des Mädchens blickten heute trübe und die Hand, die eben das mitgebrachte Erdbeerenkörbchen auf einen Nebentisch setzte, zitterte merklich. „Verzeihung, gnädige Frau, wenn ich störe", sagte sie mit weicher, melodischer Stimme, „allein die Unruhe trieb mich hierher, zu Ihnen, der Mutter des Herrn Oscar, die gewiß von gleichen Empfindungen bewegt, wie ich, die mit ihm die frohen Tage der Kindheit getheilt, dir hohe Dankbarkeit an dieses Haus und seine Glieder kettet. Ist es wahr, was sich die Diener erzählen, daß man in jedem Augenblick die Einberufungsordre des Herrn Oscar zu seinem Regiment erwartet?" Die Eutsherrin warf einen fast strengen Blick auf das junge Mädchen. „Auch mir ist eS schon bekannt und so schmerzlich mich die Nachricht trifft, trage ich als Mutter ergeben eine Bestimmung, die ich mit taufenden von Müttern theile und wundere mich, daß Du, mein Kind, eine natürliche Thatsache mit einer Exaltation betrachtest, die man nur der Jugend verzeihen kann." Alida ward bleich, es war dies stets bei ihr das Zeichen innerer Erregung. „Gnädige Frau", sagte sie mit erstickter Stimme, „wenn Herr Oscar ein Unglück träfe, wenn der furchtbare Krieg, der initleidslos dahinschreitet über Herzen und Hoffnungen — " „Herzen, Hoffnungen", — wiederholte Frau von Solmitz noch strenger als zuvor, „ich wüßte nicht, was bei Dir Herz noch Hoffnung zu thun hätte, wenn es sich um Oscar handelt; ich bitte Dich, laß solche Reden nicht wieder laut werden, als hi-r im vertrautesten Kreise, willst Du nicht Dich falschen Deutungen unterworfen sehen. Herz, Hoffnung, was das für Reden im Munde eines jungen Mädchens sind, — ich wette» die Baronesse Ebersdorf, obwohl sie sich durch gegenseitige Uebereinkunft der Eltern als Braut meines Sohnes betrachten darf, würde nicht solche Aeußerungen laut werden lassen, wie sich Alida von Barfeld erlaubt, die ich bitte, nicht zu vergessen, daß sie dem Hause Solmitz eine Fremde war und stets eine Fremde bleiben wird. Doch es wird Zeit, Streland, daß Sie mich in das Archiv begleiten, die Akten über das neuerworbsus Weideland mir zur Einsicht vorzulegen", unterbrach sie sich, das Gespräch wechselnd. „Erwarte mich hier, mein Kind, vielleicht habe ich bei meiner Rückkehr noch mit Dir zu reden." (Fortsetzung folgt.) Einiges von NSrdlingen. (Schluß.) Dieses „vergnügte Zurückkehren" — man weiß nicht von den Todten, oder vorn Berge — wie man auch nicht recht das „sie" und „ihr" versteht — wird wohl deswegen der Fall gewesen lein, weil der Poet noch nicht zu den Todten gehörte, sein Poem aber vergnügt noch forttebt in den Eharteken, was er wohl prophetischen Geistes voraussah. Wir kehren von den Todten und ihrem schönei^Rnhe- platz auch zurück und treten in das neu restanrirte Kirchleiu des Spitals ein, nicht um dessen L-ehens- Würdigkeiten zu bewundern, denn es sind keine da, sondern nur um zu constatiren, daß dieses Kirchleiu den Altkatholiken zur Nutznießung vom Magistrate eingeräumt wurde. Das Kirchleiu der altersschwachen, kranken, presthaftsu Spitaliten! Wohl hat man am Ende vorausgesehen, daß der „neue csttkatholijche" Mann ein Spitalit sei trotz der) ausposaunten Stärke, denn es gibt auch schwindsüchtige auszehrende Leute mit auscheiueud gesundem Aussehen. Daß cher Nordlmger Altka hollcismus sehr kraut im Spitale liegt, beweist die Entbehrlichkeit des Gottesdienstes rc. Bei einem solchen vor Jahr und Tag, lies; sich Einsender berichten, das; ein Dutzend, Mann, Weib, Kind und Kegel mitgerechnet, denselben besuchte. Armer kranker Spitalite! Wir könnten uns kräftigen von diesem Excnrs ui einer der ein Dutzend umfassenden Brauereien, oder in einem der siebenzig Wirthschaften, wir könnten wohl auch das eine oder andere Thor besuche», um Umschau zu halten über die, welche in P-ws oder m beüo durch dicielben eingetreten, wir wollen dies Alles übergehen, da es zu weit sichren wurde.. Eines erübrigt uns noch, nämlich das Rathhaus kurz aus's Korn zu nehmen und den freundlichen Leier auf dessen bedenleiide Sehenswürdigkeiten ausmerksam zn machen. Es ist ein ziemlich weitläufiges hübsch repräsentirendes Gebäude, unten mit verschiedenen Marktläden versehen, gekrönt mit Erker und als lUmie prangt ein Thurm. Eine schöne durchbrochene Treppe sührt uns hinauf und stehen mir oben angelangt vor einer weiblichen Figur, üustiria, genannt, welche so recdt für jedes Ralhhans vorneRn patzt. Das Bild hat die Unterschrift: „Ein Manns red Ein Halbe red Man soll sie Höre» beed. Ferner ist angebracht an demselben die Stelle Nöm. 13: Jederman sei, Unterthon der Oberkait dann sii ist Bon Gott Verordnet, als Gottes Dienerin zur strafs über die so böses thon, und zu schütz der fromen." Eingetreten! durch die Heiligen Hallen, finden wir den schonen, etwas düsteren Sitzungssaal der Väler der Stadt, in welchem über das Wohl und ost auch Wehe der Einzelnen und des Ganzen berathen wird. Wenn so ein alter Rathhaussitzungssaal von mehreren Jahrhunderten sprechen könnte! Zuerst mühten sicher heutzutage die Steuern mit ihren runden und bunten Zahlen ansmar- schiren und der Nördlinger „Bätersaal" könnte wohl ausrufen: „Hätten unsere Ahnen und Urahnen nicht gesorgt durch reiche Stiftungen, durch reiches Spital rc , so müßten wir, die Enkel und Urenkel hundert Prozent Umlage bezahlen, bei der so „theuren Zeit!" Nun andere müssens auch, Einsender dieser Zeilen'kann auch ein Lied mit mehreren Bersen über dieses Kapitel singen, aber trösten wir uiis Alle bei hundert Prozent mit dem Gedanken, es könnten auch hnndcrtein Prozent sein! — Galgentrost kann mancher denken! — Als Zierde des Lmales gewahren mir nebst dem Bilde Sr, Majestät drei Bilder eines Nördlinger Meisters Namens Bolz, darstellend „Tillrfts Verwundung": „Gustav Adolf bei Lätzen" und das Biv „Gustav Adolf bei seinem Einzug in Nördlingen im Jahre 1632." Auf der Hand hat Gustav eine Schwalbe, im Hintergrund sehen wir einen Raubvogel, der die Schwalbe verfolgt hatte und der Schwede soll ausgerufen haben, „auch Du suchst Zuflucht bei mir." Zu ergänzen wird wohl sein: „wie Nördlingen und die ächten Deutschen alle!" Ferner gewahren wir im Saale eine Tafel aus dem Jahre 1571 mit nachstehender herrlicher Inschrift: tzaisguis Lonator Ot'lleü causs. ouriam juzrscksris ^uto boe ostlam privatos aL'sotms oinneo abjioito, Irom vim ocliam amleitürm aclulatiouein raipubl: Kam ut slu8 asguus ant iniguus zucksx kusris: Ita gnugus zuüUinm äsi oxspoetottis st sustiusbls. Eine passendere Inschrift für ein RathhanS, ein passenderes Motto für die Herrn Räthe läßt sich nicht Reicht denken, als diese dreihundertjährige. Wir setzen sie in's Deutsche übersetzt bei: „Trittst Du ein als Nathsherr von Nmlsivegen in den NathhanSsaal, So laß vor der Thüre draußen alle persönlichen Ncgnngen Wie: Ausgcregtsein, Ueberlcgenheit, Feindschaft, Freundschaft, Schmarotzerei oder Schmeichelei, Denn gerade so, wie Du andern gegenüber Richter sein wirst, gerecht oder ungerecht, So wirst Du Gottes Gericht erwarten und über Dich ergehen lassen müssen." Wir steigen in den obern Stock hinauf und werden am Musennisoorplatz angeschaut von den alten Bürgermeistern der Stadt Nördlingen. Kühnen Auges schauen sie herab und ihr Mund scheint sagen zuweilen: „Wanderer steift still lind betrachte uns, die wir All' das, was Du hier schauest und bewunderst, gesammelt haben." Diesen Regenten aus alten Zeiten gegenüber befinden sich mehrere alte Kästen, von welchen einer mit einem mächtigen Mamnthknochen gekrönt ist. Verschiedene Alterthümer ohne besonderen Werth lassen sich hier beschauen. Unter ihnen befindet sich ein sehr großer Wirlhsschild, der früher die Gaslwirschast zum „Kanicel" zierte vulgo Sixen. Es ist ein schönes Schmidewerk und soll ex voto von dem jetzigen Besitzer Beyschlag aufgehängt worden sein. Besagter Herr ist nämlich etwas „Cyprianer", fand aber in Wildbad Heilung, welche nach unserem herzlichen Wunsche recht lange anhalten soll. Zum Dank hiefür soll er seinen Niesenschild dem Museum für ewige Zeiten vermacht haben. Garantie für diese Mittheilung können wir in alkweg nicht gewähren! Zuerst wollen wir uns al - Liebhaber der Malerei in das eigentliche Museum begeben, wo uns prächtige Werke von^Scheiselin und Herlen begegne». Wir schreiben trotz aller neuen Forschung „Scheiselin" und nicht Schenfclin oder Schänselin und berufen uns darauf, daß der Meister an sein größtes Bild, das wir später näher betrachten wollen, seinen Namen in dieser Fntzon geschrieben hat. Scheiselin ist circa 1430 zn Mrnberg geboren und erkangte hier 1515 das Bürgerrecht nebst 42 Gulden für sein größtes Bild. L:eine ineisten Bilder sind hier, etwa circa ein Dutzend. Eines von ihm befindet sich s" Oberdorf, eines im Schloß Enzensberg in Tirol, eines in der Galerie zu Casscl und ein weiteres rn Ahausen. Der Meister starb 1540 dahier und ist an seinem Hanse eine Gedenktafel angebracht. Las schönste Bild Scheiselins in den Räumen, in welchen wir uns eben befinden, ist wohl die Grab«. — 118 — legung Christi mit wundervollem Christuskopf. Der Schmerz in oen Gesichtern der'Aus dem Bilde befindlichen elf Personen kann prägnanter nicht dargestellt werden. In neuester Zeit hat sich dieses Bild besonders des Beisalls jüdischer Frauen zu erfreuen. Das zweitbeste Bild deiselben Meisters ist „ach unserer Ansicht die heil. Elisabeth. Das Gesicht der Heiligen ist wirklich auf das feinste, wenn der Ausdruck erlaubt ist, auf die Leinwand hingegossen. Den zweiten Meister Herlen betreffend ist derselbe höchst wahrscheinlich ein Rothenburger und finden wir ihn bereits im Jahre 1449 als Maler. 1469, nach anderen 1467, wurde er hier Bürger und Stadtmaler, „Dieweil er als ein Meister, der mit niederländischer Arbeit umgehen kann", erprobt wurde. Er starb dahier circa 1560. Seine Hauptwerke befinden sich hier ungefähr in doppelter Anzahl des vorigen Meisters. Zwei seiner Gemälde möchten wir auch bei diesem Künstler pnm» loeo hervorhebe». Für's erste „Die Darstellung Jesu im Tempel" wegen der prachtvollen Perspective. Obwohl wir in einem Tempel sehr gerne das Geschlecht der Viersüßigcn vermissen, möchten wir doch auf das Hündclein, das Herlen auf eben berührtem Bilde angebracht, den Beschauer aufmerksam machen, weil der Kerl gar so natürlich dasteht. Als Weites Hauptbild erwähnen wir die „Verehrung Mariens". Wir gewahren ferner vier Bilder von Sebastian Taig von Nördlinae», einem L-chüler Scheifelins, welcher 1508—1554 abivechselnd sich beschäftigte als „Glaser, Maler, Faßmaler und Ler- golder". Desgleichen finden wir einige Bilder von Jesse Herlen, Enkel des Friedrich Herlen, welcher auch die Außenseite des Rathhauses bemalte (heutzutage davon nichts mehr zu schauen) und dahier am 19. August 1575 gestorben ist. Georg Marcell Haak, ein Bopfinger, geboren 1652 und 1719 dort gestorben, ist ebenfalls mit mehreren Gemälden vertreten, welche die italienische Schule, in der er ausgebildet wurde, verrathen. 1684 erhielt er 36 sl. für ein Meisterstück. Auf ein „jüngstes Gericht" von Herlen machen wir schließlich noch ausmerksam wegen der ganz merkwürdigen Auffassung und Darstellung. Es ist ferner erwähnenswerth, im Museum eine ziemlich ausgedehnte Sammlung Nördlinger Reichsmünzen, sowie die großartige Münzsammlung, welche Eigenthum des Herrn Nector und Archivar Chr. Mayer ist. Dieselbe erstreckt sich von der Zeit Carl des Großen (768—714) über die Zeit der Karolinger, der Sachsen, der Hohenstaufen bis herab auf den Reichsverweser Erzherzog Johann 1848. Hieran schließt sich eine nicht minder große Münzsammlung verschiedener Städte ca. 120 , demselben Herrn gehörig, unter welchen Städten das alte Frankfurt die Hauptrolle fpiclt. Den Herrn Archivar selbst anlangend, so hat er sich die größten Verdienste am Archiv und Museum erworben. Wir glauben noch erwähnen zu sollen eine wunderschön gearbeitete Tausplatte und Kanne dazu von Caspar Ender- lein aus Basel (1634) aus Zinn, auf's feinste cijelirt; mehre Silber-und Goldplatten, verschiedenartigen goldenen Schmuck; das Kleinod der Meistersänger zu Nördlingen; chinesische Arbeiten, Elfenbeinschnitzereien , sowie mehrere sehr alte werthvolle Schilde aus dem Anfang des fünfzehnten und scchs- zehnten Jahrhunderts. Die der Geologie und Geognosie Beflissenen können sich ergötzen an Zähnen und sonstigen Reliquien von vorsündfluthlichen Mamuten, von Niesenhirschen oder von nachsündslnth- lichen Eseln, Pferden, Hyänen, Nashorn, Neun» und Höhlenthieren. Diese Räume verlassend, haben wir noch kurz den weiteren getrennten Saal zu besichtigen, die sogenannte frühere „Bundesstube". Der darin befindliche Hauptschah ist die „Belagerung Bethuliens", oder die „Enthauptung des Holo- ferues durch Judith" von Scheiselin. Das Bild ist auf die Wandfläche selbst gemalt und nach unserer Schätzung ca. 6 H 2 Fuß hoch bei einer fast doppelten Breite. Ein gewaltiges Meisterwerk haben wir vor uns, und trotz der Darstellung eu masso kein quick zwo guo, sondern ein sehr systematisch angelegtes und durchgeführtes Ganze. Der Künstler hat sich ganz an die Darstellung der hl. Schrift gehalten (17. Judith, Cap. 7. ff.). Stolz schreitet die schöne Jüdin durch das Lager und die Zelte hin zu Holosernes, der sie freudig empfängt, stolz verläßt sie nach vollbrachter That mit ihrer Magd das Zelt des Heerführers, um ganz oben durch ein Fenster als „Siegesfahne" den Kopf des Erschlagenen herauszuhängen. Scheiselin selbst hat sein Porträt unten am Bild verewigt und rechts die Worte angebracht: ckobavuos Lebeikelin kivxit TlOXV. In diesem Jahre erhielt er, wie oben bemerkt, für das Bild 42 fl. und das Nördlinger Stadtbürgerrecht. König Ludwig aber hochseluzen Angedenkens der Knnstniäcen soll der Stadt für dieses Bild die gewiß respectabls Summe von 60,000 fl. angeboten haben, ohne es zu erhalten. An Bildern sind noch zu erwähnen 6 Friedrich Herlen; das älteste Bild der Stadt gemacht 1549. An Urkunden, deren Zahl sehr groß, nehme» vermöge ihres Alters hervorragende Stelle» folgende ein: König Heinrich bestätigt eine Schenkung an das Hospital, vom Jahre 1233, bei weitem das älteste und vom großen Stadtbrand übrig gebliebene. Sodann: Das älteste Nördlinger Stadlrecht aus dem Ende des 13. Jahrhunderts; das Todtenbnch des Barfüßer Klosters, 1333 begonnen; Stistungsbrief des Reichen Almosens 1418 mit dem alten Stadtsiegel; eine Bibel von 1462; verschiedene Urkunden aus dem 15. und 16. Jahrhundert; das Meinradibüchleiii vom Jahre 1577, das Blntbnch von 1655. Zu diesem Schauerbnch gehört zudem eine recht „anständige" Sammlung von Folterwerkzeugen „männlichen und weiblichen Geschlechts"; Richtschwerte reihen sich diesen an und den Schluß bildet ein Armensüilderstuhl, worauf »och „wahr- haltige" Blutflecken der darauf Hingerichteten ohne Luppe geschaut werden können. Brrr! An den Wänden herum gewahren wir schön restaurirte alte Epitaphino, die seinerzeit in der Kirche sich befanden, und zum Andenken an die traurigen Kriegszeiten schauen wir „friedlich" aussehende Fahnen, Trommeln, Spieße -c. in großer Anzahl, und dürfte diese traurige Sammlung aus trauriger Zeit ihrcg Abschluß finden in zwei Broden aus Kleie und Leim vom Jahre 1635, welche von Oftersonntag dieses Jahres als traurige „Osterhasen" sür immer hier aufbewahrt werde». Nicht zu übersehen ist die Sammlung versckiedeuer Porzellan- und anderer Krüge und Gesäße, unter welchen ein Maiolcka- Krug mit Bild der Auferstehung Christi den ersten Platz einnehmen dürste. Endlich erwähnen wir eine» Prachtschrank von, Ende des 15. Jahrhunderts; einen Tisch mit !> eingelegten, ausgewgten Phantasiebildern aus dem gleichen Jahrhundert, sowie ein- sehr schöne Zunstlade, gemacht i,n Jahre Ivo l Bevor wir die alte Buudesstube verlassen, sagt uns eine ganz aus Eisen gemachte, im Jahre 1M8 verfertigte Uhr, die heute noch gut geht, daß alte Uhren ohne Garantie mitunter besser find und genauer gehe», als neue mit Garantie, selbstverständlich, ohne irgend einem Uhren« macher neuer und neuester Zeit dadurch näher treten zu wollen. Wir verlasse» das alte Haus der Jnstitia und erwähnen noch das neue Haus der Schranne, welche der zweite Stolz der NördUnger ist, da diese in Berbindnng mit der alten Schranne den Bewohnern der Stadt am meisten „trägt". DaS neue Gebäude ist großartig, und während unten die Bauern und Herren auswendig oder mit Hilfe von Fanllenzern ihre Zahlen hin- und Herwerfen, wird in den oberen geräumigen Schullokalen den Sprößlingen das Einmal Eins beigebracht, damit sie recht praktisch heranwachsen zur Ehre ihrer Vaterstadt. In dieser Halle wurde Anfangs August v. Js. das bayrisch-schwäbische Sängerfest abgehalten. Wir sind, srenndliche Leser! mit unsern Wanderungen durch das alte und neue Nördlingen zu Ende. Da wir aber nicht blaß Alterthümler, sondern auch Menschen und zudem Deutsche sind, als welche wir von Zeit zu Zeit Durst und Hunger haben, so wollen wir bei Korhanuner u. Co. einen „Durcheinander" kosen, uns mit demselben zum „Stadtgretle" oder zur „Lammlijett", oder zum „Sixen" begeben, wenn Du nicht gar Dich „ankern" willst lassen, um dort das köstliche Naß zu verkosten, und mit guten alten deutschen Nördlingern einen Tarrock zu machen und selbstverständlich soeunckum oräiusm mit dem Einsender zu verlieren. Nachdem wir uns auf diese Weise erholt, sagen wir der Metropole des Rieses ein herzliches Valv! mit dem Wunsche sür die Zukunst: bllorsat! Der Eiche,»Kran;. Es steht auf stiller Höhe Ein großes Kreuz von Stein, Dran bängt der Lcidenskönig, Ein Bild von Schmerz und Pein.' Ein Eichbaum hat darüber Gewölbt ein Dach voll Pracht. Dem Bilde wie dem Beter Ein Schirm bei Tag und Nacht. Wetteifernd um die Ehre, Dem .Heiland Schuß zu lcih'n, Verschlingen sich die Acste, Die Zweige groß und klein. Ein Zweig nur hat sich sinnig Besonderen Wuchs erlaubt, Hat sich ans Kreuz gcschmieget Und um das blut'ge Haupt. Es sproßt hervor im Frühling An ihm stets Blatt an Blatt Zum frische», grünen Kranze Dem Haupte bleich und matt. Nie hatte solche Ehre, Wie dieser Zweig, ein Kranz, Und lag er auch auf Häuptern Umstrahlt von Fürstcnglanz. Er welket nicht und schmücket Von Neuem stets den Held, Der ganz sich hat geopfert Zum Heil der armen Welt. Miseellen. (Der Vater —was möglich war, das that er.) Man schreibt der „Presse" aus Paris: „Vater- und Künstlerpflichten an ein und demselben Abend zu erfüllen — das hat dieser Tage hier der Komiker Daubray von, Palais Royal, einer der populärsten ,Pariser Schauspieler, zu Wege gebracht. Mit freudeleuchtendem und weingeröthetem Antlitz erschien Daubray im Frack und weißer Kravatte in der Garderobe. Da seine Schweigsamkeit bekannt, so fragte man ihn nicht nach der Ursache dieses feierlichen Kostümes. Bald jedoch bemerkte der Jnspicient mit Schrecken, daß Daubray, sobald seine Szene auf der Bühne zu Ende war, spurlos vom Theater verschwand und jedesmal erst im letzten Augenblick, wo sein Wiedererscheinen auf den Brettern nöthig war, in den Coulissen auftauchte. In den Zwischenakten wurden diese Absentirungen des genialen Komikers länger und dehnten sich schließlich dermaßen aus, daß vor dem letzten Äkte das Publikum mrt den Füßen zu scharren begann. Jedesmal aber wenn Daubray wiederkehrte, war. sein Gesicht um eine Nuance röther, sein von Natur watschelnder Gang schwankender und in den letzten Szene» lallte er nur noch. Nach der Vorstellung bugsirten seine Kameraden den ivemseligen Komiker in die Garderobe, wo er verzweifelte Anstrengungen machte, in seinen Frack zurück zn gelangen. Was war aber die Ursache seines eigenthümlichen Zustandes? Daubray verheirathete an jenem Tage seine einzige Tochter; in einem benachbarten Restaurant fand das Hochzeitsmahl statt und der pflichteifrige Künstler, der gleichzeitig auch nicht den Brautvater vernachlässigen wollte, benützte jede Gelegenheit, von der Bühns zu desertiren und seinen Gästen zuzutrinken." (Vom alten Dumas.) In Paris erzählt man sich in literarischen Kreisen eins Anekdote, welche Zeugniß ablegt für die große Gutmüthigksit Alexander Dumas, des Vaters, aber auch von dem geradezu verblüffenden Leichtsinne, mit welchem derselbe seinen Namen als Mitarbeiter für Literaturerzeugnisse hergab. Eines Tages kommt sein Freund Mauricc, Verfasser einer Anzahl ziemlich vergessener Theaterstücke und Romans, zu Dumas, vertraut ihm an, daß er sterblich verliebt sei in ein stelbstverfländlich reizendes Mädchen, und daß er heirathen wolle, daß es ihm aber gänzlich an dem dazu erforderlichen Gelde fehle. Dumas, bei welchem wieder einmal Geldebbe herrschte, machte ihn: klar, daß er ihm in diesem Augenblicke nicht helfen könne. „Da irrst Du Dich, lieber Freund!" erwidertMaurice. „Ich habe hier einen Roman mit dem vielversprechenden Titel „Ascnnio." Cadot, der Verleger, gibt mir sofort 40,000 Franks Honorar, sobald Du als Mitverfasser auf dem Titelblatts stehst." „Aber mein Gott, ich habe ja keine Zeile dieses Werkes auch nur gelesen!" „Was kommt es denn darauf an, wenn Du mich rettest?" — Dumas gab seinen Namen her, Maurice erhielt 40,000 Franks von Cadot, heirathsts seine Dulciuea, und der Lohn? So oft sich der glückliche Ehemann später mit seiner Gattin zankte — und das soll öfters vorgekommen sein, — fluchte er Alexander Dumas als dem alleinigen Urheber seines Unglücks. O menschliche Dankbarkeit! (Trauerfarben.) In Italien trauern die Frauen in weißen Kleidern, die Männer in braunen; in China wird Weiß von beiden Geschlechtern getragen. In der Türkei, in Syrien, Kappadocien und Armenien ist Himmelblau die erwählte Trauerfarbe. In Egypten wird Gelbbraun, die Farbe des welken Blattes, als passend erachtet, und in Aethiopien, wo die Menschen schwarz sind, bildet Grau das Emblem der Trauer. Alle diese Farben sind Symbole. Weiß symbolisirt die Reinheit als Attribut des Todten; das Himmelblau soll den Ruheplatz andeuten, wo glückliche Seelen den Frieden finden; das Gelb oder, die Farbe des welken Blattes will sagen, daß der Tod das Ende aller menschlichen Hosfinmg ist, und daß der Mensch fällt, wie das Blatt im Herbste; grau endlich flüstert etwas von der Erde, wohin Alles zurückkehrt. Die Syrier betrachteten das Trauern um einen Todten als eine weibliche Beschäftigung und legten deshalb Frauen- kleider an, wenn sie trauerten. Die Thracier gaben sogar ein Fest, wenn einer ihrer Lieben starb und waren voll Lust und Fröhlichkeit, womit sie andeuten wollten, daß der Verstorbene aus einem Zustande des Elends in jenen der Glückseligkeit Übergängen sei. Schwarz als Farbe des Trauerkleides wurde erst von der Gattin Carl Vlil. von Frankreich eingeführt. Vor ihr trugen die Königinnen von Frankreich Weiß zur Trauer und waren bekannt als „weiße Königinnen." (Zwei Handwerks burschen) bewunderten die Basreliefs an dem Piedestal der Statue des Fürsten Blücher neben dem Opernhause in Berlin. Als sie eben das Bild betrachteten, wo die Siegesgöttin den! Helden einen Lorbeerzweig reicht, äußerte der Eine, auf die Viktoria deutend: „Bei welchem Corps mag denn dieser da stehen, der hat ja Flügel am Leibe!" „Schafskopf! merkst Du denn nischt!" erwiderte der Andere, „der ist ja Blücher'n sein — Flügeladjutant." (Doppelsinnig.) Student: „Guten Morgen, Herr Maier, was wünschen Sie?" — Maier: „Ich komme um mein Geld." — Student: „Aber lieber Mann, den Weg hätten Sie sich ersparen können, — um Ihr Geld wären Sie auch gekommen, wenn Sie nicht gekommen wären." Für die Redaktion verantwortlich Alphons Planer in Augsburg. — Druck und Verlag des Literarischen Instituts von Dr. Max Huttler.