zur „Ängslmrger postMimg." Nr. 17. Mittwoch, 29. Februar 1883 Heimathlos. Eine Erzählung aus jüngster Zeit von Hermann Hirsch selb. (Fortsetzung.) 2. Kapitel. Einige Wochen waren verstrichen, seit Oscar von Solmitz das Gut der Mutter verlasse», um sich der glorreichen Siegesbahn des deutschen Heeres anzuschließen; still war , es auf der Besitzung und im Dorfe Solmitz geworden» denn wie die Gutsherrin, hatten auch viele Mütter im Dorfe ihren Söhnen das Geleit gegeben zum Auszug auf daS Feld der Ehre, wo das Vaterland seine Kinder heischt! Nur die Ankunft der Depeschen vom Kriegsschauplatz verfehlten nicht, aufregend die Einförmigkeit der Tage zu unterbrechen und Frau von Solmitz sorgte dafür, daß die Nachrichten stets rasch unter den Gutsangehörigen verbreitet wurden, es schien überhaupt, als wolle, seit ihres Sohnes Entfernung, die sonst so strenge, unnahbare Frau den Versuch wagen, sich populär zu machen. Sie spendete reichliche Beiträge zu den milden Stiftungen, den herrlichen, frommen, weißen Blüthen der Menschenliebe, die aus dem blutrothen Samen der Menschenleidenschaft emporwuchsen, wie liebliche Kinder, die ihre Hände einend ausstreckend zwischen zwei zürnenden Eltern — aber die Erfahrenen des Dorfes sahen tiefer und waren sich wohl bewußt, daß das Wesen der Gutsherrin sich wohl ändern dürfte sobald der Termin verstrichen, der Leopold von Bernau, den Bruder Herminens von Solmitz, für verschollen und bürgerlich todt erklären und die Schwester in alle seine Rechte einsetzen werde. Und dieser Termin rückte näher und näher, nur wenige Wochen noch und auf Solmitz selber sollte die Proklamirung verlesen werden. Es war ein schwüler Tag, ermattet träumte die Natur, schmachtend nach erquickendem Regen, kein Vogel regte sich, kein Blatt rauschte, es war als ob die Schöpfung den Odem anhalte, lauschend auf die Töne, dem Menschenohr noch unerreichbar, die droben schon erklingen möchten, am tiesdunklen Horizonte, wo sich in majestätischem Neigen Wolke an Wolke drängte. Aus dem Hinterportal des Schlosses traten zwei junge Mädchen, das eine von ihnen war Alida Barfeld, Baronesse Fanny von Ebersdorf war die andere, die bestimmte Braut des abwesenden Sohnes vom Hause. Die junge Baronesse war seit Oscar's Entfernung ein häufiger Gast auf Solmitz geworden; eine seltsame Schüchternheit, die sie stets im Umgang mit Oscar und seiner Mutter besing, war völlig gewichen, seit sie Gelegenheit gefunden, sich näher an Alida anzuschließen, ein fast inniges Verhältniß war zwischen beiden entstanden; ein Verhältniß» das Hermine von Solmitz mit keineswegs günstigen Augen betrachtete und sobald sich nur die Möglichkeit es zu lösen zeigte, fest dazu entschlossen war. Mittlerweile indessen zeigte sie sich gegen die Waise verschlossener und einsilbiger als je, — aber Alida schien es kaum zu beachten. Sie hatte vollauf zu thun, denn ihre Tage und selbst halbe Nächte brachte sie in unablässiger Arbeit für edle Zwecke zu, und ihre neue Freundin half ihr redlich bei diesem Bemühen. 130 Seltsamer Weise hatte, obwohl das Vertrauen ein enges Band zwischen beide Mädchenseelen gewoben, noch keine von ihnen Oscar von Solmitz's Namen anders als flüchtig erwähnt; es war, als ob eine jede von ihnen durch geheime Scheu verhindert sei, ihn zu nennen, in Einem aber begegneten sich die beiden jungen Herzen und vielleicht war es dies eben, was sie sympathisiren ließ, ein geheimer Gram, ein oftmaliges schmerzliches Selbstvergessen beherrschte die Baronesse Fanny von Ebersdorf so gut wie Alida; wohl glaubte die Waise, den Grund bei der neuen Freundin zu erkennen, wohl zu ahnen, daß dem Fernen, ihr halb Verlobten, das stille Sehnen gelte, aber sie zürnte ihr darum nicht, was konnte das liebliche bescheidene Kind für den Willen des Schicksals! Die Baronesse war früh nach Solmitz gefahren, um Alida bei der Anfertigung einer warmen Decke für einen Krankenstuhl, die zur Stadt gefördert werden sollte, zu helfen, jetzt war sie im Begriff, sich zu verabschieden, um nach dem elterlichen Gute heimzukehren und Alida Barfeld gab ihr zum Gartenthor das Geleit. „Es zieht ein Gewitter auf", bemerkte Fanny, „fürchten Sie sich vor den Blitzen, Alida? Ich gestehe Ihnen, ich empfand stets eine ganz kindische Furcht, wenn der Strahl zuckt." — Alida lächelte. „Und ich blicke gern in's Freie, wenn Blitz und Donner die Majestät Gottes verkünden", erwiderte sie; „ich erlabe mich am Anblick der neu gestärkten Natur und mein zagendes Herz erstarkt, wenn ich sehe, ivie Blatt und Halm, dem Verwelken nahe, sich aufrichtet und neu ergrünt. Freilich, Frau von Solmitz darf diese Aeußerung nicht hören, ihr ist alles zuwider, was den Stempel der Sentimentalität trügt, aber ich glaube, Sie, Baronesse Fanny, Sie verstehen mich." Fanny drückte der neuen Freundin die Hand. „Ich verstehe und fühle mit Ihnen, gewiß, liebe Alida, wenn ich es auch nicht so in Worten zu äußern vermag, wie Sie. Doch ich will Sie nicht aufhalten, denn der Oberlieutenant, der schon seit einigen Augenblicken vergeblich hinter den Bäumen seine Helle Uniform zu verbergen sucht, würde nur zürnen, entzöge ich ihm noch länger seine holde Hausgenossi»." Alida warf einen flüchtigen Blick nach dem Ort, den die Baronesse ihr bezeichnet hatte; dort stand hinter dem dicken Stamm einer Buche die breitschuldrige Gestalt eines Herrn, im Anfang der dreißiger Jahre, in Offiziersuniform, sichtlich bemüht, den Augenblick zu erspähen, der Alida nach der Abfahrt der Baronesse bei ihm vorüberführen mußte. „Ich werde den Weg zum Teich einschlagen", erwiderte das junge Mädchen „und hoffe nicht, daß er mir dahin folgt, ich habe mich nicht über den Oberlieutenant zu beklagen, aber dennoch weiche ich gern seinen Galanierien aus und freue mich, daß er mit heute dieses Haus und diese Gegend verläßt, um sich zum Kriegsschauplatz zu begeben, mir ist nicht wohl in seiner Nähe." „Grausame!" sagte Fanny lachend, „soll er blutenden Herzens in den Krieg gehen?" „Doch sieh, es fällt ein Tropfen; rasch, Johann, spornen Sie die Pferde an, ehe das Gewitter aufzieht." Im schnellen Trabe flog das leichte Gefährt dahin, nachdenklich blickte Alida ihm nach; dann schlug sie ohne sich umzuwenden und dem langsam aus seinem Versteck hervortretenden Offizier einen Blick zu gönnen, den Weg zum Schloßteich ein, der sich am Ende des großen Gartens hart an der Parkgrenze befand. Es war ein weites Bassin, crystallhell und von seltener Tiefe, an seinem Ufer erhob sich ein allerliebster Pavillon, hier war der Lieblingsort des jungen Mädchens, an dem sie manche Stunde, wenn sie sich frei von der Beaufsichtigung der Gutsherrin mußte, in den Gedanken an Oscar, in den Gedanken an Vergangenheit und Zukunft verträumte. Immer ^ängstlicher, immer drückender ward die Stille, die rings umher waltete, immer dunkler ballten sich die Wolkenmassen zusammen, zu schwül ward es ihr im Innern des Lusthauses, sie setzte sich auf die kleine Holzbank, die an der Außenwand des ge« 131 schlossenen Raumes hart unter dem Fenster desselben angebracht war und sah auf das Wasser, das sich kräuselte und aufwirbelre unter der Einwirkung des Elementes. Ein Mannestritt ertönte ganz in der Nähe, und um eine Ecke biegend, erschien die Gestalt des Obcrlieutenants Edmund von Alten vor ihren Blicken; eine Wolke des Unwillens beschattete des jungen Mädchens Stirn. Der Offizier war ein stattlicher Mann und ieni ganzes Wcien zeugte von dem Bewußtsein seiner Unwiderstehlichkeit dein schönen Geschlecht gegenüber, auch bei Alida Barfeld hatte er es versucht, im Sturmschritt einen Eindruck zu machen, aber das junge Mädchen war ihm, ohne seine leicht gekränkte Eitelkeit zu verletzen, so ernst, so abwehrend entgegengetreten, daß sein Benehmen ihr gegenüber, ein völlig anderes, fast schüchternes geworden war. „So allein, Fräulein Alida, und das Gewitter über'm Haupt?" fragte er, in einiger Entfernung stehen bleibend. „Sie sehen, Herr Obcrlieutenant, ich fürchte mich nicht", entgegnete das junge Mädchen artig, aber abweisend, „und ich will Ihre kostbare Zeit nicht rauben um Sie andern verzagenden Seelen in dieser Beziehung zu entziehen." Aber Alten verstand den Wink nicht oder wollte ihn nicht verstehen. „Sie sind hart, Fräulein Alida", sagte er, „und doch möchte ich so gern nicht allein im Unwetter der Natur Ihnen nahe sein; in den Stürmen des Lebens möchte ich Ihnen Schutz und Schirm gewähren und Ihnen ein Glück verschaffen, ein Glück, das Sie vergebens in diesem Hause suchen." Alida erhob sich. „Mein Herr, ich habe Ihnen gegenüber keine Klage geführt, die Sie zu dieser Deutung berechtigt, ich muß Sie bitten —" „Sprechen Sie nicht das verbannende Wort AlidaI" rief der Offizier sie unterbrechend; „hören Sie mich an, ich beschwöre Sie, ich habe Ihre Stellung in diesem Hause, der Frau von Solmitz gegenüber, beobachtet, sie ist eine unwürdige und ich möchte Sie aus derselben befreien, möchte mit diesem Bewußtsein wenigstens in den Kampf ziehen, aus dem die Wiederkehr fraglich, mit dein Bewußtsein, an einem Frauenherzen, das wich die Würoe des Weibes zum ersten Mal kennen gelehrt, gut gemacht zu haben, was ich an vielen verbrach." „Und was gibt Ihnen das Recht, mich eben zum Gegenstand dieser Sühne erheben zu wollen?" fragte Alida. „Die Liebe; lächeln Sie nicht, Fräulein, ich spreche aus innigster Ueberzeugung» und daß ich es ernst meine, daß meine Absichten die reinsten, möge Ihnen der Beweis, liefern, daß ich Frau von Solmitz meine Absicht, Ihnen meine Hand und mein Herz anzubieten, mittheilte und sie bat, für mich als Fürsprecherin aufzutreten." „Und was erwiderte Ihnen die gnädige Frau?" fragte Alida in höchster Spannung. „Frau von Solmitz bemerkte nur, daß sie gern als Pflegerin der eitern- und mittellosen Waise, deren Namen sie einzig und allein aus dem Munde ihrer sterbenden Mutter vernommen, ihre Einwilligung zu einer Verbindung mit derselben geben würde, wenn ich darein willigen wolle, einem Mädchen meinen Namen zu geben, das nicht einmal ein Papier über ihre Herkunft zu produziren vermag, ja, mit meinem Ehrenwort verpflichten wolle, jeder Nachforschung zu entsagen, die vielleicht ein für ihren Schützling unangenehmes Resultat ergeben könne. Freudig willigte ich ein, ich will ja nur Sie selbst, Alida, Ihre Anmuth, Ihre Tugend, nicht Ihre Herkunft, und nun trete ich zu Ihnen und wiederhole meine Bitte, werden Sie die Meine, Alida, — Sie sollen es nicht bereuen." — Das junge Mädchen reichte ihm warm und voll die Hand. »Sie haben mir eine frohe Stunde bereitet, Herr von Alten, und ich danke Ihnen dafür von ganzem Herzen; Ihre Hand kann ich nicht annehmen, ich bitte, ich beschwöre Sie, forschen Sie nicht nach Gründen. Alida Barfeld vermag nicht zu lügen und die Wahrheit vermag ich Ihnen nimmer zu sagen. Um Eines aber bitte ich Sie. als 132 Andenken an diesen Augenblick, wo ich einen Mann mit redlicher, offener Seele kennen s gelernt; kann ich auch nicht Ihre Braut werden, lassen Sie mich Jh^ Freundin sein, Ihre Freundin, die Ihnen eine Gattin wünscht, besser und Ihnen würdiger, als das -Mädchen, zu dem tue Theilnahme des Mitleids Sie zog." Zu den Füßen des jungen Mädchens stürzte der Offizier und drückte ihre Hand an seine Lippen. „Alida, ist Ihr Spruch unabänderlich? Freund und stets nur Freundin?" »Unabänderlich!" Ein Räuspern ließ sich in der nächsten Nähe vernehmen, überrascht erhob sich der ^ Offizier, seine blitzenden Augen schienen den Verwalter Streland durchbohren zu wollen, der sich langsam und unterwürfig näherte. „Verzeihung, wenn ich störe", sagte er, lnicht ohne hämische Betonung, „hätte ich »ine Ahnung gehabt —" „Was soll's?" herrschte der Oberlieutenant ihm zu. „Ich suche den Herrn Oberlieutenant, um ihm zu melden, daß der Wagen schon seit geraumer Zeit angespannt und es die höchste Zeit ist, wenn der Herr Obsrlieutenant noch die Stadt erreichen will." „Ich komme", sagte der Offizier kurz, „begleiten Sie mich" und sich zu Alida wendend, im Ton der höchsten Ehrerbietung: „Leben Sie wohl, mein theures, verehrtes Fräulein. Gott sei mit Ihnen." Er wandte sich ab, wie um seine Erregung zu verbergen und dem Verwalter einen Wink gebend, verließ er den Teich. Immer dichter ballte sich der Wolkenknäuel, schon strich jenes Rauschen und Schwirren *>urch die Luft, das dem Ausbruch eines Gewitters vorher geht und einzelne, große Tropfen sielen schwer zur Erde. Der Eindruck der jüngst vergangenen Augenblicke spiegelte sich in den Zügen des ' Herrn von Alten, da er rasch die Allee des Gartens durchschritt; plötzlich blieb erstehen, und des hinter ihm eilenden Verwalters harrend, sagte er mit bewegter Stimme: „Ich kenne Sie als treuen Diener Ihrer Herrschaft, Streland, und halte Sie für «inen achtungswerthen Mann. Daher glaube ich, Ihnen eine Erklärung der Scene schuldig zu sein, deren Augenzeuge Sie eben waren, daß sie nicht in falscher Deutung ausgelegt werde. Ich bot Fräulein Barfeld meine Hand an und Fräulein Barfeld schlug sie aus» „Ihr Vertrauen ehrt mich, Herr Oberlieutenant", entgegnete Streland, sich tief verneigend, „und bei dem lebhaften Interesse, das wir alle im Schlosse für den Schützling der gnädigen Frau empfinden, kann ich nur doppelt bedauern, daß Fräulein Barfeld ein positives Glück von der Hand wies, um sich vielleicht an unerreichbare Chimairen zu hängen." „Es ziemt mir nicht, nach den Gründen des Fräuleins zu forschen", unterbrach ihn der Offizier, „dennoch gebe ich nicht jeden Versuch auf, ihr Herz zu gewinnen. Ich berechnete im Voraus alle Chancen meiner Werbung, auch die der Abweisung und schrieb diesen Brief, der ihr noch beredter schildern wird, was ich für sie empfinde, als es mein Mund vermag; nehmen Sie ihn, zugleich mit diesem Zeichen meiner Erkenntlichkeit", — eine kleine Geldrolle schob sich plötzlich in des Verwalters Hand — „und versprechen Sie mir, bei paffender Gelegenheit Fräulein Barfeld dieses Schreiben zuzustellen." Der Verwalter steckte das versiegelte Couvert, das ihm der Offizier einhändigte, in seine Tasche: „Verlassen Sie sich auf mich«, sagte er. „So scheide ich ruhig; leben Sie wohl und richten Sie der Herrschaft meine Scheidegrüße aus," (Fortsetzung folgt.) 133 Arrsgravrmg des Römerkastells bei Jsny. (Aus dem Schwab. Merkur.) Dieselbe fand aus Staatskosten statt in der ersten Hälfte des Monats September vorigen Jahres unter Leitung des Landeskonservators und des Kustos der kgl. Staats- sammlung vaterländischer Alterthümer. Dieses Kastell, eines von den kleineren, liegt eine schwache halbe Stunde östlich der Stadt Jsny auf der sog. Betmauer, einem den Blick in etwa sieben Thäler eröffnenden, schon von Natur leicht zu vertheidigende» Moränenhügel. Nur an der Südseite mußte derselbe durch einen künstlichen Graben vom übrigen Erdreich losgetrennt werden, sonst zeigt er überall natürliche Steilränder, denen blos an einigen Stellen nachgeholfen werden mußte. Gegen Osten fällt der Hügel gar hoch und schroff in das Argenthal ab, und der Fluß fließt unweit des Hügels rauschend dahin, während die Nord- und Westseite ursprünglich mit Leichtigkeit unter Wasser gesetzt werden konnte. Die Höhe des Hügels über der Ostseite, d. i. der Argenseite, beträgt 12—14m, über den anderen Seiten 5—6m. Auf diesem schon durch seine Höhen- verhältnisse beherrschenden Hügel wurde das Kastell, der natürlichen Form des Hügels sich anpassend, in länglichem Fünfeck errichtet. Die längste Seite gegen Osten, gegen die Argen hin, mißt 83m, die gegen Süden bim, die gegen Westen 47,70m, gegen Nord- west 83, und gegen Norden 23 m; also betrug der Umfang der Kastellmaner gegen 238 m. An der am meisten gefährdeten Südwestecke trat dann ein viereckiger Thurm von etwa 4>/.,m Seitenlünge schirmend hinaus. Die ringsum laufende Mauer hatte die bedeutende Dicke von 2 m. Bor der Mauer zeigten sich Neste eines gsmörtelten Umganges, der ohne Zweifel an der Kante des Hügels durch Pallisaden geschützt und umgeben war. Innerhalb der Ringmauer fanden sich keinerlei Spuren von Mauerwerk, dagegen unweit der Mitte der Südseite ein 5,70 m tiefer, oben runder, unten quadratischer und mit Holzdielen ausgefütterter Brunnenschacht, in den sich von Osten her durch einen hölzernen Teuchel Wasser ergoß. Die Ringmauer selbst bestand aus Findlingsoder Tuffsteinen mit viel Mörtel, war aber nirgends mehr gut erhalten, an verschiedenen Stellen sogar ganz ausgebrochen. Am höchsten stand noch der Thurm an der Südwestecke, nämlich noch einige Fuß hoch. Im Kastell fanden wir kaum ein paar Sigelerdescherben und unbedeutende Eisenrestc, aber ziemlich viele römische Kupfermünzen, freilich oftmals bis zur Unkenntlichkeit verrostet. Nach Bestimmung derselben durch den Vorstand der kgl. Staatssammlung- Herrn Professor Dr. Seyffer, gehen die Typen der Reverse der Münzen nicht über 250—260 n. Chr. zurück und lassen vermuthen, daß die Grundlage des Baues aus später Zeit, aus der Mitte des dritten Jahrhunderts stammt. Besetzt war derselbe bis Ende des vierten Jahrhunderts. Die erste kenntliche Münze datirt 268—270, die letzte 364—378. Die bestimmbaren Stücke sind: Claudius il. (268 bis 270), Probus (276—282), Theodora, zweite Frau des Constantius Chlorus (305 bis 306), ConstanS I. (337-350), Valens (364—378). Neben diesen Aufschluß gebenden Münzfunden ist das Jsnyer Kastell höchst wichtig wegen seiner von den bisher bei uns in Württemberg aufgedeckten röm. Kastellen stark abweichenden Anlage. Nehmen wir die Limeskastelle, z B. Mainhardt, das vor einigen Jahren bekanntlich gleichfalls auf Staatskosten aufgedeckt und vermessen wuroe, so springt der Unterschied sofort in die Augen. Das Mainhardter Kastell ist bedeutend größer, hatte 193 m äußere Länge bei l42m Breite und war ganz regelmäßig angelegt, mit Eckthürmen und doppelthürmigen Thoren, versehen, aber seine Umfassungsmauer 1,29—1,25 m breit, wogegen das viel kleinere bei Jsny eine Ringmauer in der Dicke von 2 m besaß. Im Mainhardter Kastell lehnte sich die Umfassungsmauer als Futter- mauer an einen hinter ihr rings umlaufenden Erdwall; hier am Jsnyer Kastell stand die Mauer frei und hatte vor sich einen gemörtelten Wandclgang. Die Mauer am Mainhardter Kastell hatte jedenfalls eure bescheidene Höhe, die am Jsnyer kann dagegen ihrer unteren Dicke nach etwa auf 30 Fuß angenommen werden. Die Anlage nähert sich schon ganz merklich dem mittelalterlichen Burgensystem, woselbst eine gewaltige Ring« 134 mauer alles hoch und drohend umschloß, wie wir z. V. an dem alten Wäscherschloß bei Wäschenbeuren noch wohl erhalten sehen. — Innerhalb des Mainhardter Kastells lagen ferner steinerne Bauten, besonders das Prätorium, in Jsny nichts dergleichen. Die Mainhardter Münzen gehen nur bis Alexander Sevarus (222—234), die Jsnyer bis Kaiser Balens (364—378); letzteres muß also etwa 150 Jahre länger von den Nömern besetzt gewesen sein. Es war gewiß, als es noch wehrhaft war, außerordentlich fest. In seinem Innern wohnten die Soldaten wohl unter Zelten oder leichten Holzbaracken. — Schon vor Jahrhunderten fand man bei Jsny, wo ist nicht näher zu lagen, eine Ehren- inschrift für Kaiser Antonin vom Jahr 144, gewidmet von einigen Stätten Rhätiens, deren Namen nicht enthalten sind. Der Stein ist verschollen. Ferner fand man eine Meilensäule des Septimius Severus und seiner zwei Söhne Caracalla und Geta vom Jahr 202. Der Stein ist jetzt in Augsburg. In neuerer Zeit fand man bei der Bet- mauer eine römische Gemme mit der Sphinx und dem ihr Räthsel lösenden Oedipus, in einen goldenen Ring gefaßt, jetzt im Besitze des Grafen von Quadt-Wykradt-Jsny. — Das sogenannte F i sch e r h ä u s ch e n, Stunde nordwestlich der Stadt Jsny, ein dem Jsnyer Kastell ähnlicher verschanzter Moränenhügel, auch auf dem linken Ufer der Argen und in einer Lage, die unter Wasser gesetzt werden konnte, war vielleicht auch eine römische Anlage. Ueberhaupt ist anzunehmen, daß die Römer, nachdem sie sich aus dem eigentlichen Württemberg zurückgezogen und den Nhnn zur Grenze gemacht hatten, die Argenlinie als die letzte und stärkste Verbiudungs- und Bertheidigungslinie zwischen Bodenjee und Allgäuer Alpen noch an, längsten festhielten. Das unzufriedene Der;. Der göttlichen Liebe erhabenes Watten Erfüllte mit Frohsinn die ganze Natur; Wo sich des Lebens Keime entfalten, Da leuchtet der Freude göttliche Spur. Das Fischlein wiegt sich vergnügt in den Wellen, Die Lerche fliegt jubelnd zum Himmelsblau, Es tanzen am Bache die schönen Libellen, Der Schmetterling freut sich am Btumenthau. Die Biene ist trunken vom Nektar der Rosen, Es baut die Schwalbe ihr trauliches Nest, Allüberall herrscht ein munteres Kojen, Die Schöpfung feiert ein Freudenfest. Ja selbst die bescheidenen Ephemeren, Sie wiegen sich glücklich im L-onneuschein, Mag noch so kurz ihr Dasein auch mähren, Mag noch so kurz ihre Lust auch sein! Und was ist des Menschen Loos hienieden? Der Schöpfung erhabenes Meisterstück Vermißt allein nur des Herzens Frieden, Vermißt allein nur das irdische Glück? Begabt mit des Geistes unendlichen Schätzen, Begabt mit der Liebe Seligkeit, Mus; doch sein Auge die Thräne ost netzen, Es fehlt ihm das Glück der Zufriedenheit! Sein Geist irrt vergebens auf trügerischen Bahnen, Erforschen will^r die Räthsel der Zeit, Und statt des Lchöpiers Allmacht zu ehren, Versinkt er in stolze Vermessenhcit. Und seines Herzens geheimste Triebe, Sie gellen dem eigene» Ich nur allein, Es fehlt ihm die aUesumfaisende Liebe, Es fehlt ihm der Tugend Zauberschein! D'run, durch die Labyrinthe des Lebens Eilt er so kreudcn- und hosfnnngslos. Und sucht gebrochenen Herzens vergebens Des Friedens und der Freude Schoß. Er will in seinem stolzen Wähnen Der Schöpfung Wunder durchgingen mit Macht, Doch ungestillt bleibt all' sei» L-ehnen, Und seine Forschung eitle Nacht. Beneidend sieht er den Fisch in den Wellen, Die Lerche jubelnd im Himmelsblau, Am Bache tanzend die schonen Libellen, Den Schmetterling fröhlich im Blumenthau, Die Biene trunken vom Nektar der Rosen, Die Schwalbe fröhlich bauen ihr Nest, Allüberall herrschen ein munteres Kosen, — Nur ihm ist das Dasein kein Freudensest! Begabt mit des Geistes unendlichen Schätzen, Begabt mit der Liebe Seligkeit, Muß doch sein Auge die Thräne ost netzen, Es fehlt ihm das Glück der Zusri eben heitl Carl Felix. 135 Himmelsschau im Monat März. —X. Merkur hat am 3. seinen größten westlichen Abstand von der Sonne, geht 1>/z Stunden vor der Sonne unter und kann am südöstlichen Himmel beobachtet werden. Wegen der großen Sonnennähe ist Merkur selten gut sichtbar und dann nur kurze Zeit in der Morgen- oder Abenddämmerung. Der Umstand, daß er am 17. nur 1" südlich von Mars steht, wird sein Auffinden an diesem Tage sehr erleichtern. Venus L steht als Morgenstern zwischen Steinbock und Wassermann und nimmt an Glanz allmülig wieder ab; sie geht vor 5 Uhr Morgens in SO. auf, erreicht nach 9 Uhr Vormittags ihre größte Tageshöhe und verschwindet um 2 Uhr Nachmittags in SW. Am 6. steht sie 3" südlich vom Mond. Mars läuft im Wassermann vorwärts und steht in der Morgendämmerung sehr niedrig in SO.; am 8. befindet er sich 6" südlich vom Mond. Jupiter R im Stiere bewegt sich gegen die Zwillinge, geht gegen 10 Uhr Vormittags auf, steht zwischen 7 Uhr und 6 Uhr Abends im Meridian und verschwindet zwischen 8 Uhr und 2 Uhr früh am nordwestlichen Horizont. Am 15. findet man ihn 30 nördlich vom Mond. Von seinen Trabanten werden sichtbar verfinstert der I. am 7., 22., 23., 30.; der II. am 7., 14., 31.; der III. am 24. Saturn H bewegt sich vom Widder gegen den Stier, geht 1 Stunve vor Jupiter auf und 3 Stunden vorher unter. Am 13. Mittags wird Saturn vom Monde bedeckt. Am Anfange des Monats ist bei mondleeren Nächten bald nach Sonnenuntergang das Zodiakallicht in der Richtung der Sternbilder des Thisrkreises als Heller Lichtstreifen sichtbar. Zur Erklärung dieser Erscheinung nehmen die Astronomen einen Nebeloder Staubring an von geringer Dichtigkeit aber bedeutender Breite, durch dessen Beleuchtung das Zodiakallicht entsteht, und der nach den einen zwischen der Venus- und der Erdbahn um die Sonne, nach anderen zwischen dem Mond und der Erde um letztere schwingt. M i s - s l r e n. (Wagner, durch M e y e r b e e r empföhle n.) W. Tappert bringt in der „Allg. Deutschen Musik-Ztg." folgenden von Meyerbeer unterm 18. März 1841 an den General- Intendanten des sächsischen Hoftheaters Herrn v. Lüttichau gerichteten hübschen Brief: „Ihre Excellenz werden mir vergeben, wenn ich Sie mit diesen Zeilen belästige, ich erinnere mich aber Ihrer steten Güte für mich zu lebhaft, um einem jungen interessante» Landsmann es abschlagen zu dürfen, wenn er, mit vielleicht zu schmeichelhaftem Vertrauen auf meine Einwirkung auf E. E., mich bittet, sein Anliegen mit diesen Zeilen zu unterstützen. Herr Richard Wagner aus Leipzig ist ein junger Komponist, der nicht allein eine tüchtige musikalische Bildung, sondern auch viel Phantasie hat, außerdem auch eine allgemeine literarische Bildung besitzt und dessen Lage wohl überhaupt die Theilnahme in feinem Vaterlande in jeder Beziehung verdient. Sein größter Wunsch ist, die Oper „Nienzi", deren Text und Musik er verfaßt hat, aus der neuen königlichen Bühne zu Dresden zur Aufführung zu bringen. Einzelne Stücke, die er mir daraus vorgespielt, fand ich phantasiereich und von vieler dramatischer Wirkung. Möge der junge Künstler sich des Schutzes E. E. zu erfreuen haben und Gelegenheit finden, sein schönes Talent allgemeiner anerkannt zu sehen. Ich nehme nochmals die Nachsicht E. E. in Anspruch und bitte Sie, mir Ihr geneigtes Wohlwollen zu erhalten. Hochachtungsvoll E. E. ergebenster Diener Meyerbeer." Die eutgilrige Entscheidung ließ trotz alledem noch ziemlich lange auf sich warten, denn erst am 21. Juni 1841 meldete die königliche Generaldirektion dem sehnsüchtig harrenden Komponisten: „Nachdem nunmehr sowohl das Textbuch Ihrer anher gesandten Oper „Nieuzi", als die Partitur derselben sorgfältigst geprüft worden, ist es mir angenehm, Ihnen die Zusicherung der Annahme dieser Ihrer Oper zu geben und wird dieselbe, sobald thunlich, hoffentlich im Laufe des nächsten Winters auf dem königlichen Hoftheater zur Darstellung kommen." 136 (Vergebliche Revanche.) Während der Streitigkeiten des Königs Heinrich III. von England mit Franz I. von Frankreich beschloß der Erste, einen Gesandten mit Depeschen an Franz zu schicken, die in sehr drohenden Ausdrücken abgefaßt waren. Er wählte dazu den Bischok Bo ner. „Tire!" sagte dieser, „wenn ich diese Depeschen abgebe, so kann es mich den Kopf kosten." — Wüthend fuhr Heinrich auf: „Läßt Ihnen Franz den Kopf abschlagen, so laß' ich alle Franzosen in meinem Reiche köpfen." — „Recht schön", versetzte Bonner, „ich fürchte nur, daß keiner von all' den abgeschlagenen Köpfen auf meinen Rumpf passen wird." (Stimmt!) In einer Wirthschaft verlangte ein Gast ein Glas Altbier, welches ihm denn auch vom Wirthe überreicht wurde, aber leider nicht ganz voll; fast zwei Fingerbreit fehlten daran. Hierauf sagte der Gast zum Wirth: „Sie könnten auch im neuen Jahre leicht einige Ohm Vier mehr verkaufen." — Wirth (neugierig): „Wie so?" — Gast: „Na, wenn Sie die Gläser nur voll machen wollten." (Zu den 12 Aposteln.)' Das Haus eines wegen seines Geizes und seiner Hartherzigkeit gegen die Armen sehr verhaßten Geschäftshauses führte den Namen „zu den 12 Aposteln." Ein Witzbold schellte nun einmal um Mitternacht bei dem Kaufmann: „Was gibt es denn noch so spät?" rief derselbe voll Zorn aus dem Fenster. „Ich wollte nur fragen", war die Antwort, „ob auch der Judas schon zu Hause ist." (Die Besserung.) „Nun, Frau Miliwurm, hat sie an ihrem Manne keine Veränderung bemerkt? Ich hab' ihm den letzten Sonntag recht ins Gewissen geredet." — „Ja, Herr Pfarrer, seit der Zeit hat er seine böse Gewohnheit geändert." — „So, so, das freut mich zu hören. Also kommt er jetzt nicht mehr nach 12 Uhr Nachts betrunken nach Hause?" — „Nein, Herr Pfarrer, jetzt kommt er schon um 9 Uhr besoffen heim." (Lakonisch.) Ein Gutsbesitzer fand auf einem Acker ei» Skelett, welches er für den Kopf eines Kindes hielt. Weil er nun vermuthete, es läge ein Verbrechen vor, schickte er das Skelett, in eine Hutschachtel verpackt, an den benachbarten Bezirksarzt mit der Aufschrift:-„Kinderkopfl" Nach einigen Tagen erhielt er die Hutschachtel zurück mit der neuen Aufschrift: „Schasskops!" (Endlich.) Herr (zu einem Musiker, welcher die Noten des eben executirenden Stücks an seinem Mundstück befestig haü: „Bitte, was ist das für ein Stück? „Das? Ein Mundstück!" „Nein, ich meine, was Sie blasen?" „Ach so; Fagott!" „Aber nein: ich meine, wie die Piece heißt, die sie ausführen?" „Ach so! Ouvertüre Nr. 321* „Danke bestens!" (Sonderbare Abwehr.) A.: „Sie sind ein Betrüger." B.: „Was? Ich ein Betrüger? Kein Mensch macht weniger Betrügereien ivie ich." Gol-körner. Es gibt kein Zeichen.der Höflichkeit, welches nicht einen tiefen, sittlichen Grund hätte. Die rechte Erziehung wäre, welche dies s Zeichen und den Grund zugleich überliefert. Goethe. Die Wunden, die die Maschinen des Schickials in uns schneiden, fallen bald zu; aber eine, die uns das rostige, stnmpse Marterinstrnment eines ungerechten Menschen reißet, fängt zn eitern an und schließt sich spät. Jean Paul. Recht hat jeder eigene Charakter, Der übereinstimmt nnt sich selbst; es gibt Kein andres Unrecht, als den Widerspruch. Schiller. Das Alter will die Menschen vom Leben entwöhnen, wie die Amme das Kind von der Brust; durch allmähliches Entziehen. Jakobs. Unter allen Lagen bleibet Stolze Armmh stets die schlimmste. Claderon. Auflösung des Original'Silben-Räthsel in Nr. 14: „Schlaftrunk." Für die Redaktion verantwortlich Alphons Planer in Augsburg. — Druck und Verlag des Litcrarischen Instituts von Dr. Max Huttler.