»ur „Äugsdurger PostMimg." 28. Samstag, 7. April 1883. I e r n a rr - e. Aus dem Englischen von M. Beth am-Edwards, übersetzt von Alice Salzbrunn. (Schluß.) 5. Kapitel. In der Neujahrsnacht findet in ganz Frankreich ein feierlicher Gottesdienst zum Jahresschluß und Gesang statt: Die sogenannte veiläo oder mitternächtliche Messe; und auf dieselbe folgen Geselligkeiten der Verwandten und Freunde beim heitern Festessen. Seit ihrer Verheirathung hatten Etienne und Fernande jedesmal einige Freunde aus der Kirche mitgebracht und ihnen zu Ehren ein kleines Gastmahl bereitet. Aber an diesem Neujahrsfest konnten sie sogar an dieses bescheidene Vergnügen nicht denken und hatten auch keine Einladung erhalten. Fernande liebte die Kirchenmusik. Bei dieser Gelegenheit werden die schönsten Kompositionen der großen Meister in Orchestermusik und Solo- Gesängen aufgeführt; besonders die Klosterkapellen wetteifern miteinander in den musikalischen Leistungen zur Freude der versammelten Gemeinden. Vorzugsweise in die Kapelle Mariä Heimsuchung eilten die Musikfreunde, weil dort wohlgeschulte Stimmen und ausgezeichnete Orchestermusik zusammenwirkten. Die Klosterschwestern waren größtentheils Töchter aus vornehmen Familien und führten ein beschauliches Leben. Ihre schwarzgekleideten Gestalten hinter einem eisernen Gitter bildeten einen ernsten Gegensatz zu der festlich gekleideten Versammlung in der mit Blumen, Guirlanden und Bannern geschmückten, glänzend erleuchteten Kapelle. Lange vor Mitternacht war der Raum derselben gedrängt voll. Trotz des sehr unangenehmen Wetters kamen große Schaaren zu der erhebenden Jahresfeier. Nach einen: heiter verlebten, dem Dienste der Künstlerin gewidmeten Tage war Etienne von Madame Lorenzi entlassen worden. «Es ist Sylvester-Abend", sagte sie freundlich, „Ihre Frau wird Ihre Begleitung zur Kirche wünschen. Ich bin zu einem Abendessen und zu einer vsilss eingeladen. Wollen Sie morgen Ihre Frau zu mir führen? Wir können dann weiter über Ihre Pläne sprechen." Etienne stammelte unvorbereitete Dankesworte; er fühlte sehr wohl, daß diese Einladung zu spät kam. Er eilte jedoch in fröhlicher Stimmung heim, entschlossen sie von der Wichtigkeit seiner Reise nach Paris zu überzeugen und ihre thörichte Eifersucht zu verscheuchen. Wenn sie nicht mehr den Etienne früherer Tage in ihm fand, so konnte er jetzt noch weniger die stets liebevolle, vertrauende Fernande in ihr finden. Zu seinem Erstaunen war seine kleine Wohnung finster, kalt und verlassen, Fernandens Hut und Shaw! nicht am gewohnten Platz. Die späte Stunde, das Ungewöhnliche ihrer Abwesenheit, der kalte Abschied am Morgen fielen ihm schwer auf das Herz. „Fernande! Fernande!" rief er immer wieder vergeblich. Er setzte sich schwindlig geworden nieder; alle fürchterlichen Möglichkeiten gingen durch seinen Sinn. Sollte Fernandens Verschwinden eine unaussprechlich entsetzliche Bedeutung haben? Hatte die - 218 - Entfremdung der letzten Tage sie in einer an Verzweiflung grenzenden Stimmung aus ihrer Heimath getrieben? Er stand endlich auf und suchte nach einem Briefe oder Ab- Hchiedszeichen. Zufällig erblickte er daS leere Futteral ihres Gebetbuches; dieser unbedeutende Umstand befreite ihn von seiner schlimmsten Furcht. Fernande war eine regelmäßige Besuchen» der Maria-Heimsuchung-Kapelle und hatte mehrere Freundinnen unter den Klosterschwestern. Vielleicht war sie nur zu der mitternächtlichen Feier weggegangen. ^Dennoch blieb sein Gemüth beunruhigt, und ein Scherz aus den ersten Tagen seiner Ver- Heirathung kam ihm in Erinnerung. «Wenn Du je hart gegen mich bist", hatte Fernande mit dem glücklichen Vertrauen einer Neuvermählten gesagt, so werde ich einen Zufluchtsort bei den guten Nonnen suchen." „Worauf er lachend geantwortet: „Auf Deine Gefahr! Ich würde Dich dem Lanves- gesetz gemäß durch zwei Gensdarmen holen lassen!" Diese Scherzworte gewannen jetzt eine bittere Ironie; Etienne machte sich auf den Weg nach der Kapelle Mariä Heimsuchung und fühlte fast sicher, daß er Fernande dort treffen werde. Er gehörte zu den ersten Ankömmlingen; aber obgleich die Kapelle noch Hast leer war, hatten sich die Nonnen schon im vergitterten Raume versammelt. Zwischen Hwei schwarz verhüllten Gestalten kniete dort Fernande in ihrem schwarzen Kleide und Hangen Schleier kaum weniger düster! — Er erkannte augenblicklich die Wahrheit. Sie Hatte die in glücklicheren Tagen scherzhaft ausgesprochene Drohung verwirklicht. Sie hatte ihren Mann vielleicht für immer verlassen wollen! Unterdessen füllte sich die Kapelle; die Zeit verstrich und bald verklang ein Herr« liches Präludium der Orgel; dann folgte eine Aufführung der majestätischen Musik von Spohr. Auf keinen der Anwesenden übten die Klänge eine so erschütternde Wirkung als auf den Mann und die Frau, welche nur durch einen geringen Raum, aber durch einen tiefen Bruch des Mißtrauens und Zornes von einander getrennt waren! Fernandens Herz sehnte sich schon nach Etienne, und die Musik schien Liebe, Mitleid-und Vergebung zu erbitten. Auch die feierliche Stunde stimmte sie weich. Man stand auf der Schwelle des neuen Jahres; jetzt war der Zeitpunkt mit allen Menschen Frieden zu schließen und vor allen Anderen mit dem geliebten Manns, mit welchen! sie sich am Altar unlöslich verbunden. War er wirklich des Ehebruchs schuldig und sie zu dieser Entfernung von ihm berechtigt? Gegen diese durch die Lehre der Kirche unumstößlichen Mahnungen des Gewissens stritten leider die schmerzlichen Erfahrungen der letzten Zeit: Etienne's zunehmende Kälte, seine Bethörung durch die Pariser Dame, sein Entschluß mit ihr zu reisen. „O, nein", seufzte Fernande beim Gedanken an das fröhliche Paar in der Equipage, E«s kann nie wieder wie früher zwischen uns werden. Mag er nach Paris reisen und Nuhm und Reichthum zu gewinnen. Ich bin zu einfach zu seiner Gefährtin. Ich will meine Tage im Klostersrieden beschließen, wenn er nicht zu mir zurückkehrt." Lange nachdem die Kirche leer geworden und die Menge sich zerstreut hatte, wartete Etienne draußen und hoffte, Fernande werde kommen. Er war ebenfalls tief bewegt von der Musik und dem feierlichen Gottesdienst; aber auch er dachte, gleich Fernande, mehr on seinen eigenen Schmerz, als an den ihr verursachten Kummer. Sie war, nach seiner Meinung» so blind, so unüberlegt; sie wollte nicht einsehen, daß er nur an das Beste für sie Beide dachte; daß er ebenso ihr Wohl und Glück als die Erfüllung seiner liebsten Wünsche zu erfüllen suchte. Sorgenvoll und erbittert kehrte er endlich nach Hause zurück; er tadelte sich selbst, Fernanden und das böse Schicksal. War eine glückliche Lösung dieser traurigen Verwicklung möglich? Gleich Fernanden glaubte er, daß die frühere Einikeit nie wieder zwischen ihnen herrschen könne. 6. Kapitel. Der Neujahrsmorgen brach sonnig an, es war klares, schönes Winterwetter, und hie Güte und Freundlichkeit der Menschen wendete sich gleich der Sonne auch den Ver- 219 lassen«» zu. — Beim Eintritt in seine einsame Wohnung fand Etienne bereits einige kleine Neujahrsgeschenke, welche durch das Fenster geschoben worden waren, wie es in Frankreich Brauch ist, wenn Niemand die Thüre öffnet. Die Augen des jungen Mannes ruhten gleichgültig auf den mit bunten Bändern umwickelten Bonbonpacketen, den Gaben ebenfalls unbemittelter Freunde. Jemand hatte eine reizende blühende Cyclame geschickt, die das Zimmer verschönte, aber Etienne freute sich nicht über die Blume. Er dachte an Fernande und an den Contrast zwischen diesem und dem vorigen Neujahrsmorgen. Trotz schwerer Sorgen war er damals glücklicher gewesen, denn keine Wolke trübte seine Liebe, Fernande tröstete ihn und wußte ihn in der Betrübniß zu Gott zurückzuführen. Der heilige Tag, das Bewußtsein eines neuen Lebensabschnittes stimmte ihn weich und sogar reuevoll. Er tadelte Fernande wegen ihrer Entfernung, aber er tadelte jetzt auch sich selbst, weil er ihr vie Veranlassung dazu gegeben. Ueberdies wie wenig konnte die große Dame aus Paris je für ihn sein! Wie unbedeutend war er in ihren Augen! Aber Fernande war sein Weib, und er wußte, daß er ihr Alles war. Er betete jetzt um Vergebung seiner Gottvergessenheit, um Versöhnung mit seiner Frau. In seinen ernsten Gedanken störte ihn der Briefträger, welcher das Fenster in die Höhe schob und wie gewöhnlich rasch und schweigend die Briefe auf das Fensterbrett fallen ließ. Einer der Briefe, von ungewöhnlicher Größe mit einem Wappen gesiegelt, erregte Etienne's Aufmerksamkeit. Er nahm ihn und erkannte die Handschrift der Tragödin in der Adresse an seine Frau. Er brach das Siegel — die Gatten hatten nie Briefgeheimnisse vor einander gehabt — und er traute kaum seinen Augen beim Lesen folgender Worte: „Madame Lorenzi's Neujahrsgabe für Etienne Kalogne's Gattin." Die Zeilen standen mit Bleistift unter einem offiziellen Document, in welchem der Maire und die Stadtverordneten auf Madame Lorenzi's Empfehlung den Dichter Monsieur Etienne Kalogne zur vacanten Stelle des Stadtbibliothekars beriefen und ihn ersuchten, sein Amt sogleich anzutreten. Dieser Brief brachte weder Ruhm noch Reichthum, noch die Erfüllung seiner Lieblingsträume; aber er brachte die Anerkennung seiner Mitbürger, ein gesichertes Einkommen in ehrenhafter Stellung und Muse zur literarischen Beschäftigung — das war besser als Ruhm, dacht« Etienne im ersten Ausbruch seiner Dankbarkeit und Freude. Er war nicht »»ehr ein Bettler, und Fernande sollte nun eine gesicherte Heimath habe». An diesem Tage versöhnten sich die Gatten und dankten fröhlich vereint ihrer Wohlthäterin. Die äußerst gutmüthige, aber schalkhafte Tragödin erzählte Etienne erst jetzt wie sie in den Besitz seines Manuskriptes gelangt sei und daß er Fernanden die Verbesserung sein« Lage verdanke. «»rdrsrner. Niemanden kann seine eigene Gestalt zuwider sein; der Häßlichste wie der Schönste hat daS Recht, sich seiner Gegenwart zu freuen; und da das Wohlwollen verschönt, und sich Jedermann mit Wohlwollen im Spiegel besieht, so kann man behaupten, daß jeder sich auch mit Wohlgefallen erblicken müsse, selbst wenn er sich dagegen sträuben wollte. Goethe. Die Mensche» zu lieben ist ein leerer Gedanke, aber in dem einzelnen Menschen den Repräsen kanten der ganzen Menschheit zu umarmen, ist eine Seligkeit, die nur erhabenere Seelen verstehen M a h l m a n n. Entschlossenheit gibt ein starkes Regiment, und ein starkes Regiment ist, wenn auch nicht das beste, doch das sicherste. Laube. Wer aus dem Wagen der Hoffnung fährt, hat eine Gefährtin Sicher zur Seite. Das Glück? Nein dochl die Armuth, o Freund I Herder, 220 Der Augsburger Kaufhandel mit Bayern während der ersten Hälfte des fünfzehnte» Jahrhunderts. Vertrag, gehalten im historischen Verein für Schwaben mid Neuburg. Als im Laufe des dreizehnten Jahrhunderts die italienischen Städte im Süden und der Hansebund im Norden Europa's eine an Großartigkeit einzig dastehende Handelsthätigkeit entfalteten und dadurch den in der Mitte liegenden süddeutschen Städten Anlas; gaben, den Austausch zwischen den beiden Handelsgebieten zu bewerkstelligen, war es Augsburg, das vielleicht am frühesten je»e Vermittlerrolle ergriff und durch ergiebigen Großhandel sich reich und mächtig zu machen strebte. Freilich konnten jene eisernen Zeiten des späteren Mittelalters nicht dazu angethan sein, eine ruhige Entwicklung dieser Thätigkeit zu gestatten; aber wie ja stets gerade der Kampf und Widerstand die dem Menschen innewohnende Kraft erst weckt und zum Ausdruck bringt, so vermochten auch oie zahllosen Hindernisse und Störungen nicht etwa das Heranwachsen zu hemme», sondern es erhielt nur die Art ^und Weise der Entwicklung ein ganz eigenartiges, markiges Gepräge, das mit dem zwar knorrigen, aber höchst kraftvollen Stamm der Eiche verglichen werden könnte, die in Wind und Wetter emporgewachsen ist. In dieser kampfreichen Entwicklungsgeschichte des Augsburger Kaufhandels spielte nun das benachbarte Bayern eine fortdauernd wichtige Rolle: und gerade die Berührung mit diesen herzoglichen Landen bestätigt deutlich das drangjalvolle, aber unentwegt. Schritt für Schritt aufstrebende Bemühen der Stadt, welche, fortwährend bedroht durch die kriegerischen Herzoge, eben darum jeden 'günstigen Moment zu benützen suchte, um Freiheiten zu erwerben oder für erlittenen Schaden Genugthuung zu fordern. Es soll nun in dem Nachfolgenden der Versuch gemacht werden, die augsburgisch- chayerischenHandelsbeziehungen während der er ste n H äl fte des fünzehnte n Jahrhunderts zu beleuchten und damit einen Abschnitt aus der Entwicklungsgeschichte herauszugreifen, der dem im sechzehnten Jahrhundert erreichten Höhepunkte schon nahe genug steht, um bedeutend zu sein, zugleich aber doch noch so sehr den Stempel der sich erst entfaltenden, trotzig ringenden Kraft trägt, daß er von culturellem, wie von rein geschichtlichen; Standpunkte gleich anziehend erscheinen darf. l. Um da? zu erreichen muffen wir die Straßen und Stationen der bayerischen Gebiete verfolgen, welche die Augsburger Kaufleute bei ihrer Handelschaft berührten. Man weiß nun zur Genüge, daß in der mittelalterlichen Hanoelsepoche eine große Welthandelstraße von dem nordwestlichsten Deutschland den Rhein hinauf nach Frankfurt und von da quer durch Oberdeutschland bis Venedig und den andern welschen Städten zog, so, daß die Reichsstadt Augsburg gerade in dieser Linie lag. Die Straße nach Venedig war der eigentliche Nerv ihrer Handelsthätigkeit. Der Kaufmann, welcher dorthin zog, fuhr durch das H runstädter Thor aus der großen Reichsstraße südwärts .und überschritt die bayerische Grenze in der Nähe von Landsberg. Diese herzogliche Stadt gab den Augsburger» die erste Gelegenheit mit bayerischen Amtleuten und Bürgern in unmittelbare Berührung zu treten, welche Berührung denn allerdings für ihren italienischen Durchgangshandel nur ^belästigend wirkte, denn es befand sich da eine Zollstätte, die den Walseczoll von den Flößen und den jThorzoll von den per Achse verschafften Gütern forderte; auch hatten die Bürger Stappelrecht tür die »iach Italien gehende Leinwand und für den von dorther kommenden Wein. In der nächsten Station kSchongau waren die Verhältnisse die gleichen: auch hier wurde der Zoll an den Thoren und iEeläuden, sowie das Gredgeld im Kaufhause genommen. Zugleich aber begann hier eine besondere, eigenanige Einrichtung, die für die Beförderungsart der Güter von grotsem Einsinge war, nämlich 'das Rollwejen. Die Rott war eine Innung von Wagenleuten und hatte die Aufgabe, wie das Recht, lalle durchgehende;; Kaufmannsgüter auf eigenen Fuhrwerken von einer Station zur andern zu befördern, und besaß fcstbcgrenzte, durch Herkommen ivie auch durch Privilegien sankttonirte Ordnungen. Rottberechtigt waren in dem Alpengcbiete zwischen Lech und Jsar die Orte Schougau, lOberammergau, Parte nkircheu und Mitte nwald. Wenn also Kaufmannsgüter von .Augsburg herkamen und in'S Gebirge gegen Innsbruck geführt werden sollten, so wurden sie in .Schongau umgeladen, und mit Fahrzeugen, Fuhrleuten und Geleite dieser Stadt nach Oberammergau geführt. Hier erfolgte zunächst wieder eine Niederlegung der Waaren, denn das Dorf hakte seit 1332 Dtapelrecht; alsdann nahmen die daselbst ansässigen Rottmänuer die Güter in Empfang und schafften Ae nach Partenkirchen, von wo sie in gleicher Umständlichkeit nach Msttenwald und dann weiter in's Äiirslijche verschafft wurden. Kam der Kaufmannschatz aber aus dem Gebirge heraus, so wurde das Rottrecht in umgekehrter .Folge ausgeübt. Doch folgte man, statt jedesmal gerade die Lechstraße aufzusuchen, bisweilen auch dem Lauf der Jsar, auf welcher die Mittenwalder Flößer ein seit etwa 1430 ausgeübtes Wasser- Rottrecht besaßen. Ueber Wolsratshausen, wo eine herzogliche Zollstätte errichtet war, gelangte 'man danach München und traf in dieser Stadt mit einer dritten Venetianerstraßs zusammen, welche von Salzburg her über Traunstein und Roseuheim führte und von dem Augsburger Kaufmann schon deswegen sehr stark besucht war, weil sie zugleich die Verbindung mit Steiermark und 221 Körnten herstellte, welche Gebirgsländsr zn den hervorragenderen Bezugsquellen der Reichsstadt zählten. — Von München aus zog man dann durch das vielfach genannte Dachauer Gebiet aus der direkten Linie gegen Augsburg, nicht ohne vorher noch einen Aufenthalt bei der Feste Friedberg erlitten zn haben. Denn da, wo heute eine Nothbrücke die Verbindung zwischen Augsburg und Friedberg herstellt, befand sich damals eine doppelte Zollstälte: auf dem linken Lechufer sah der städtische Zöllner, ihm gegenüber war das herzoglich bayerische Zollhaus aufgeschlagen. Es liegt auf der Hand, daß, gerade wie die Feste Friedberg selbst als recht eigentliches Trutz- Augsburg den Herzogen in politischen Handeln eine willkommene Stütze bot, so der bayerische Lechbrückenzoll in Fehdezeiten dazu diente, auf Handel und Verkehr der Angsburger einen äußerst beschwerlichen Druck auszuüben; und es wundert uns nicht, zu lesen, wie die reichsstädtischen Bürger hinwiederum alles aufboten, dagegen Maßregeln zu treffe». In dem bekannten Bischofstreite des Anselm Nenninger z. B, in welchem sie durch die Bayernherzoge so viel Ungemach zn erdulden hatten, versuchten sie einmal die Friedberger Zollstätte dadurch zn umfahren, daß sie die Lechhaufener Brücke benutzten, weshalb Herzog Ludwig der Bärtige, als er es gewahrte, diese Brücke mit Querbalken und Schranken und einem in der Eile ausgeworfenen Graben versperrte. Vom Jahre 1462 aber, als sie mit Ludwig dem Reichen in Fehde lagen, erzählt Burkhard Zink: „Die von Augsburg, als sie dem Fürsten abgesagt hetten, da theten sie ein männliche Gethat: sie ließen das Zollhäuslin verbrennen und die Brück abwerfen und kamen all wohl gesund Hermieder, Gott sei gelobt!" Auch die Verbindung mit den nördlichen Handelsemporien, deren wichtigste für den Angsburger Kaufherrn Frankfurt war, brachte denselben mit Bayern in Berührung. Soweit sich allerdings die Fahrt auf den untern Lechrain erstreckte, scheinen die Angsburger auch in bayerischem Gebiete ziemlich unabhängig gewesen zu sein; denn es bestand auf dem untern Lech eine Angsburger Wasser- Rotl, deren Rechte sich auch auf die Donau bis nach Regensburg hinab geltend machten. „Item", heißt es in dem Rathsdekrete, welches im Jahre 1446 diese Rott neu ausrichtete: „man hat den Floß- leuten ernstlich empfohlen, mit trucken Flößen ordentlich ze warten, damit niemand gesaumet oder gehindert werd; man soll auch dazu Leut bescheiden, die schwören werden, Bürger und Gäst und män- niglich zu versorgen zum besten, als sich gebühret. Und die Floßleut, sollen ze Lohn nehmen gen Rain von einem Faß 3 Pfd.: item gen Neuburg von einem Faß 1 Psd. Münchner; item gen Jngolstadt von einem Faß zwen Guldin; item gen Regensburg von zwein Fudern 4 Guldinl" Wenn nun auch hier die Augsbnrger, wenigstens was den Wassertransport betraf, unabhängig blieben, so befanden sich dagegen in N a i u und Donauwörth wieder herzogliche Zollstätten, und auch, wenn man das Gebiet der Jngolstädter Herzoge hinter sich hatte, war der Einfluß der bayerischen Fürsten noch nicht zu Ende. Zur Frankfurter Messe konnte man nämlich zwei Routen einschlagen: entweder wurde der Waarenzug über Nürnberg, Würzburg und Aschaffenburg geführt, oder man begab sich durch die Gebiete der Herren von Weinsberg und Württemberg in die pfälzischen Kurfür stenthümer, um schließlich unter dem Geleite des Mainzer Erzbischoss nach Frankfurt zu gelange». Auf dieser letzteren Route also waren die pfälzischen Kurfürsten für eine ansehnliche Strecke die Geleitsherrn, und jährlich zweimal, vor der Fasten- und vor der Herbstmesse, mußte der Augsburger Stadtrath an Herzog Ludwig aus der Heidelberger Linie und an Psalzgraf Otto von MoSbach für seine lieben Mitbürger und Kaufleute schreiben, welche mit ihren Leibern und Gütern die Messe zu Frankfurt pflichtig seien zu suchen, und deshalb wohl eins freien und sichern Geleites bedürfen „vor münniglich." Es konnte aber natürlich nicht fehlen, daß in diesem Verhältnisse mancherlei Irrungen entstanden: von Seite der Kaufleute gab es Beschwerden wegen Beschädigungen; von den Herzogen dagegen lief wiederholt in Augsburg Klage ein, weil die Kaufleute, um das Geleitgeld nicht zahlen zu müssen, gar gerne die richtige Straße zu umfahren versuchten. So beklagte sich Herzog Otto ini Mai 1438, „daß die Augsbnrger der mehrer Theil die Straße für Pretheim mit ihrer Kausmannschaft schlagen und fahren", und er forderte von dem Rath Abstellung dieses Unfugs. Daiiials wußten die Stadtväter noch eine ausweichende Antwort; als sich aber 1443 dieselbe Beschwerde wiedecholte, sah sich der Rath genöthigt, sämmtliche nach Frankfurt handelnden Kaufleute vor sich zu bescheiden, „um abermals ernstlich mit ihnen zu reden, wie nicht über den Hüchelberg gefahren werde, dadurch die Stadt groß Schmach und Schaden wohl zusteh'n möcht, und daß ein Rath für sie nit mehr leiden wolle." Unter den Kaufleuten, welche solchergestalt strenge Rüge empfingen, befanden sich Träger berühmter Namen: Egen, Fugger, Gosssnbrot, Jlsung, Mülich, Nördlinger, Rüm, RavenSburger, Ridler, Tenndrich und Weiser; aber auch andere sind genannt, welche die Steuerbücher als reiche oder wenigstens wohlhabende Kaufleute ausweisen: Limhard Ayslinger mit 19 Gld. Steuer; Thomas Ehern mit 37 Gld.; Jakob Hämerlin mit 19 Gld.; Konrad Rot mit 21 Gld.; Simon Zelter mit 22 Gulden Steuer, und viele andere; mit Einschluß der Wagenleute über siebzig Bürger, welche alle am 4. Oktober 1442 vor den Rath gefordert wurden, weil sie nicht über den Hüchelberg gefahren waren I Aber mehr noch als auf der nördlichen Route kamen die Augsburger mit Bayern in Berührung, wenn sie den Transithandel in die östlichen Länder betriebe», die für den Absatz wie für den Bezug gleich wichtig waren. In die Steiermark führte die bereits erwähnte Salzburger Straße, und sowohl Salzburg wie die Steiermark werden auffallend häufig in den Quellen erwähnt: einem Wagenmann wurde 1421 vom Rath ein Schutzbrief ausgestellt, damit er sicher durch der hochgeboren Fürsten und Herren Land zu Bayern mit zwen Wägen gen Salzburg und herwiederum heimfahren konnte, und in gleicher Weise 1422 dem Wagenmann Thomas Klemm, der sich durch Bayern in die Stciermark begeben wollte. Hans Fucker von Augsburg war 1430 niit einem Salzburger Mautner wegen Verführens der Psnndmaut in Conflikt gerathen, und zwei andere reiche Bürger, Hans Gwärlich und Ulrich Halter, hatten in den steicrmärkischen Städten Peltau und Friesach geschäftliche Verbindungen; in der letzteren Stadt verknuste ihr Diener Ulrich Hüber im Großen Augsburger Gewand, und als einer der Friesacher Bürger „an Gewände um etwas namhafter Summ Geldes" schuldig blieb, forderte Hüber anstatt der Geldschuld zwei Häuser nebst Hossache, welche ihm auch überanlwdrlet und als Gwärlichs und Hallers Eigenthum in das Friesacher Stadtbuch eingeschrieben wurden. Ebenso wichtig waren die Verbindungen mit Wien und Ungarn, wohin man theils über München, Octting, Burghauseu, theils über Landshut und Schärding suhr; auch die Donau, wo die Herzoge Gcleitrecht übten und Zölle nahmen, wurde als natürlichste und bedeutendste Wasserstraße benutzt, und ebenso stellten die niedcrbayerischeu und oberpsälzischen Gebiete die Verbindung mit Böhmen und Polen her. Da sich alle bisher genannten Straßen aus den Transithandel der großen Augsburger Kaufherrn bezogen, so lag ihre Bedeutung hauptsächlich darin, daß die herzoglichen Beamten Zölle und Geleitgeld forderten; oder daß die Bürger einzelner Städte durch Stapel und Rottrecht ihren Einfluß geltend machten; oder auch, daß Aufhaltungen und Beschädigungen von Handelswaaren vorkamen. Solche Beschädigungen nun, so unlieb und leidig sie dem betroffenen Kaufmann sein mochten, sind sür den, welcher heutzutage ein möglichst vollständiges Bild jener Zeit gewinne» will, oft höchst erwünscht und willkommen, da sie nicht blos über Namen von Kaufleuten, sondern bisweilen auch über Handelsgegenjtände detaillirtcsteu Ausschluß geben. Als zum Beispiel im Jahre 1417 der Ritter Rudolf von Westerstellen mehrere von der Nördlinger Messe zurückkehrende Augsburger beraubte, in der Meinung, es seien bayerische Kaufleute, forderten die Rathgeben von ihm Rückerstattung Md berichteten, man habe genommen: „Heinrich dem Engelschalk vier groß Scheiben Wachs und 21 sack Metwachs; Hansen dem Gewärlich 3 Pällach, darin sind bei 900 Bech, 8 Seid, 70 Vechrück, ein süchsin Rock, ein Mantel und sunst ander klein Ding, bei drei Guldin wert; item Kunradeu Sumer , 1 Pällin, darin sind zwo süchsin und ein eichhörnin Kürseu, 225 Vechrück, 1 Rock und 1 Mantel; item dem Bytzel ein Fäßlin, darin ist männigerlei Kaufmannschaft, als er auch den Schlüssel darzu sendet, und 60 Pfannen, klein und groß; item Hans Mangmeifter hat behebt sür sich selb ein Fäßlin und ! einen Wautsack, und sür Jörgen, seinen Bruder, einen Perlinkranz und ein Fäßlin mit blauer Färb; ! item Barthvlome Mäuler hat behebt ein Bett, einen Stechschild, ein Pavcse», Saut Jose» Bild ge- ! schnitten und ein halb Pfund blauer Färb; item die Talerm hat behebt an ihrs Mannes Statt die Specerei und andri Kleinad, die in dem Trüchlin gewesen sind, das sie ihr ufgebrochen Hand, und ein Fäßlin mit Kramerei; item Claus Hofmeister, der hat etwieviel Bändel bei demselben Nome in einen« Trüchlin gehedt-" — Wenn wir nun zu dieser Schilderung noch das Steuerbuch des genannten Jahres heranziehen, so sehen wir. daß Heinrich der Eugeljchalk mit 43 Gulden besteuert war, und Hans und Jörg Mangmeifter mit je 14 Gulden, während dagegen die übrigen nur zu 4 bis 1 Pfund Pfennige verpflichtet waren und der Barthvlome Mäuler mit seinen! Bett, Pavese und Holzschnitt gar nur 10 Groschen Steuer zahlen konnte, also ein ziemlich geringer Krämer gewesen sein mag. » * * Wenn nun in dem bisher Angeführten blos vom Transithandel und dabei mehr von störenden, als förderlichen Einflüssen die Rede war, so verhält es sich dagegen ganz anders da, wo der Augsburger Kaufmann die eigenen und die vom Weltniarkt geholten Produkte inBayern s el b st ab- . zusetzen, oder aber andere Erzeugnisse, sei es sür eigene Zwecke, sei es sür den Weiterveriandt, daselbst einzutauschen pflegte. Denn da wird man alsbald gewahr, daß die gegenseitige Handelsverknnpfung eine überaus enge und bedeutungsvolle war und daß Bayern als ein unentbehrliches c o m m e r- zielles Hinterland der Reichsstadt Augsburg sigurirte. i Schon die Thatsache, daß die Augsburger durch den Besitz von liegenden Gütern, von Hintersassen, Leibgedingen und Korngülten an den verschiedensten Orten der bayerischen Herzoglhümer sich . ! eingenistet hatten, läßt vermuthen, daß es ihnen ein Leichtes wurde, die von Italien oder von Frankfurt geholten Waaren hier an den Mann zu bringen; noch deutlicher weist darauf hin die außer- ! ordentlich große Zahl von säumigen Schuldnern, welche sie in allen Theilen Bayerns hatten und die den Rath zu Hunderten von Mahn- und Verwendungsbriesen nöthigten. — Es gaben ihnen zunächst die Märkte der näher gelegenen Städte Gelegenheit, mit den dortigen Kaufleuten Verbindungen ! anzuknüpfen, und auch hier müssen Landsberg und Schougau in erster Linie genannt werden. So ! schrieben die Nathgeben im Jahre 1419 an die Landsberger: „als euch wohl wissend ist, wie unser > Mubürger und Kaufleute den Markt bei euch mit ihren Leibern und Gütern jährlichpslichtig > sind zu suchen, also thuen wir euer Liebe zu wissen, daß sie jetzo aber uf denselben Markt ver- ^ meinen zu kommen, ob sie Sicherheit und Geleite haben mügeu." — Nicht minder thätig erwiesen sich die Augsburger in den westlich benachbarten Städten, noch mehr aber im Donaugebiet: Donauwörth, Neuburg, Jngolstadt, Regensburg, Passau. Jngolstädter und Regensburger Großhändler bezogen die Augsburger Leinwand „samtkauss", und einer der reichsten Augsburger Kaufherrn, Hans Endorffer, 223 der 1418 und 1419 mit 81 Gulden besteuert war, besaß in Regensburg ein eigenes Geschäftshaus und üble in dieser Stadt eine weitreichende geschäftliche Thätigkeit aus. Am häufigsten und entschiedensten wird auch Laudshut genannt, die Residenz Herzog Heinrichs, der selbst sür die Aufrechterhaltung und Förderung der augsburgiich-bayerischen Handelsbeziehungen das regste Interesse an den Tag legte. Ueberhanpt allenthalben fühlten sich die Augsbnrger in den bayerischen Herzogthümern heimisch und fanden für den Verkauf ihrer Waaren günstigen Boden. Aber ebenso gewichtig und ergiebig war auch die Gegenströmung von bayerischer Seite wobei in erster Linie der Salzhandel in Betracht zu ziehen ist. Aus zwei Quellen floh der Salzstrom nach und durch Bayern: die eine hatte ihren Ursprung in Neichenhall, die zweite in Berchtesgaden und Hallein; und es war von Alters Herkommen, daß das Neichenhaller Salz über Trannstein nach Wasserburg, das Halleinsr dagegen nach Burghausen und Oetiiig ging. Jenes sollte Oberbayern und durch dessen Vermittlung Schwaben, dieses dagegen Niederbayern und Franken versorgen; für das erstere war Münch n, für das letztere Regensburg Hanptstappelort. München insbesondere erhielt durch zwei auseinanderfolgsnde Privilegien Kaiser Ludwigs des Bayern ein die übrigen Städte überflügelndes Salzmonopol: „alles Salz, das innerhüb der Jsar zwischen Landshut und dem Gebirg gefertigt wird, das soll alles nach München geführt werden, und nur die Münchener sollen es führen oder ihre Diener, und niemand anders. Und wenn mau Salz auf einer andern Straße ergreift, so ist es „zollsreysig"; und wenn man es auf einem andern Gejährt ergreift, als das zu München „ansgürtig" ist, dasselb -salz soll halb mit Fuhr und allem den Bürgern von München werden, und das ander halb Theil dem obersten Amtmann!" Dadurch war also den Angsburgern der direkte, gewinnreichere Bezug von Wasserburg oder gar von Neichenhall abgeschnitten, und wenn sie ihren Bedarf nicht etwa von Landshut oder Regensburg holen wollten, was freilich auch häufig genug vorkam, so sahen sie sich aus die Münchener salzsertiger angewiesen. Der Gewinn, den diese dabei erzielten, muß sedeusalls ein beträchtlicher gewesen sein; denn der Salzhandel bildete ohne Zweifel einen Bestandtheil des Aug sbnrgischen Gros;- und Exporthandels. Im Jahre 1120 löste die Stadt aus dem Salz-Ungelde die Summe von 510 Gulden und 80 Psd. Pfennige; da »tau nun von je zwei Scheiben einen Pfennig nahm, so käme dies einer täglichen Zufuhr von mehr als 400 Salzscheiben gleich. Die Zahl der Augsburger Salzfertiger belief sich im Jahre 1159 auf dreißig. Andreas Frickinger, der sechsmal das Bürgermeisteramt versah und der Stadt jährlich etwa 27 Gulden Steuer entrichtete, war Salzsertiger; ebenso die beiden hoch angesehenen Bürger Ulrich Ziegeldach und Andreas Rebhun, welch letzterer stch in, Jahre 1414 mit 81 Gulden in den Steuerbücher» verzeichnet findet! Beide, sowohl Ziegeldach wie Rebhun, standen in enger Beziehung zu einzelnen Münchener Salzsertigern, denen sie Beträge von mehr als 100 Dukaten übersendeten, um dajür Salzscheiben zugeschickt zu erhalten; und die beiderseitigen Diener waren in regelmäßigem Wechsel zwischen Augsburg und München unterwegs. Auch über die Preise der Waare und des Transportes erfährt man Näheres. Der Augsbnrger Salzsertiger Gastet Hug, dem sein Salz bei Freising aufgehalten wurde, weil er es, den bestehenden Bestimmungen zuwider, selbst von Wasserburg geholt hatte, berichtete vor dem Raih: „wie daß derselben seiner enthaltenen Salzscheiben gewesen feien 140; die seien ihn des ersten Kaufes zu Wasserburg gestanden 73 Gulden und 4 Groschen Münchener (also die Scheibe etwas über V- Gulden); und sei darauf gegangen bis gen Freisingen zu fertigen 21 Gld. und 57 Pfennige! Zu diesen außerordentlich hohen Frachtgebühren (auch bei der Augsburger Wassercott kostete ja ein Faß bis Jngol- stadt 2 Gnlden) kamen dann noch die Zölle: München nahm unter dem Jsarthore von jeder Scheibe einen Pfennig, zu besondern Zeiten auch zwei Pfennige. Der bayrische Zöllner bei Friedberg forderte 2, initnnler auch :> Pfennige von der Scheibe; der städtische Zöllner an der Lechbrücke verlangte von je 3 Scheiben 1 Pfennig, und in der Stadt selbst, am Salzstadel, mußten die Gäste für je zwei Scheiben 1 Pfennig entrichten. Eine besondere Eigenthümlichkeit im Salzhandel war, daß man damals allgemein dem Salze als Taujchwaare den Wein entgegensetzte. Wein- und Salzstadel waren gewöhnlich vereint. AIs zu München im Jahre 1471 ein neuer Salzstadel erbaut werden sollte, brachte der Rath unter Anderem das als Begründung vor: es geschehe zur Förderung des Zolls am obern Thor, von wegen der Weine, die die Gäste hereinführen, und die den Wein hie verkaufen und Salz hinwieder ausführen. In Augsburg aber wurde 1425 ein Rathsdekret erlassen „von den salzsertigern »ich Weinschenken", mit der Bestimmung, daß kein Salzsertiger, Gastgeber oder Weinschenk sich zu schulden kommen lassen solle, den Wein auf dem Markiern or zukaufen; welche Bestimmung schon im darauffolgenden Jahre eine Bestrafung veranlaßte. Sie traf den Goldschmied Jürig Nathau, welchem der Weinmarkt und der Salzmarkt ein halbes Jahr verboten wurde „darum, daß er solich Ersatz, die von des Weins und Salzes wegen gesatzt sind, hätt' überfahren." Nächst dem Salze bildete der Viehreichthum für Bayern eine Quelle des Gegentausches, um so mehr, als die Augsburger auch diese Waare für den Exporthandel zusammenkauften, und Rinder, Schafe und Schweine an den Bodensee und an den Rhein bis Straßburg und Speyer trieben; so ließen im September 1418 die Rathgeben an die Ulnier und an den Graf.» von Württemberg die Bitte ergehen, sie möchten den Augsbnrger Bürgern Jakob Strauß und K'onrad Zoller Geleit geben, da diese jetzo mit Schweinen an den Rhine hinab trieben wöllent. Und derselbe Jakob Strauß (der von der Augsburger Gemeinde zum Bürgermeister gewählt wurde) wandte sich einige Jahre später 224 durch Vermittlung des Rathes an H.rzog Ruprecht von der Pfalz wegen einer Beschädigung, die ihm bei Speyer zugefügt worden war. In diesem Briese heißt es: wie daß er (Jakob Strauß) jetznnd nächst als uni sein Nothdurst und Gewerbe Vercher (Schweine) durch Euer Land, Herrschaft und Gebiet getrieben habe; und als er damit bis für Speyer kommen sei, da haben etlich Reisige ihm seine Vercher genommen, bei vierthalbhundert und zwei und zwanzigcn " Was Bayern außerdem noch bieten konnte, waren hauptsächlich Victualien: Schmalz, Käse, Obst und dergl. Auch des Glasversandtes von Passau her wird Erwähnung gethan: Im Jahre 1448 schrieb der Rath an die von Passau: der Augsburger Bürger 17. hat ctnneviel Spiegelglas und sunst ander Glas von einem Passauer Bürger 17. in Passau gekauft und denselben angewiesen, ihm das nach Augsburg zu senden, was auch geschah. Als aber das Glas durch die Geschwornen geschaut wurde, erfand sich, „daß es nit Kaufmannsgut sei", und der Rath verlangte daher, man solle den Passauer anhalten, ein richtiges Kaufmannsglas zu senden. — Ebenso vernimmt man, was einigermaßen in Erstaunen setzt, daß die durch ihren Gewaudhandel so berühmte Reichsstadt von ganz unscheinbaren bayrischen Orten fertige Tücher bezog: so wurde 1374 auf ein Tuch von Rain ein Unigeld von VO Psg. gelegt, und in einem Dekret von 1452 über Schau-Ordnung ist die Rede von Barchent- Tüchern von Ulm, Nördlingen ic. und von Lauingen, die so gut o der b esser sind, als die in Augsburg gefertigten. — Was endlich den Kornhaudel betrifft, so beruhte derselbe zwischen Augsburg und Bayern auf Gegenseitigkeit, indem der Vorstand hin- und herüber schwankte, je nachdem die Ernten im Westen oder im Osten der Reichsstadt reichlicher ausgefallen waren. Soviel über den Umfang der augsburgisch-bayrischen Handelsbeziehungen. (Schluß folgt.) Zur Ostrrfreudv hier und dort! Er lebt, drum muß ich leben, Wo Er ist, soll ich sein, Dort leuchten wohl die Wunden Die Bosheit Ihm hier schlug, Als Er in dunklen Stunden Der Welten Sünde trug! Dort wird die Rose blühen Wie hier ihr Dorn Ihn stach; Und Liebe heilig glühen, i- »st, stttt sklll, Und froh mein Haupt erheben Mm Esters onnenscyein: Denn wo Er hingegangen Da nimmt Er mich auch mit, Daß ich dort mög' empfangen Was Er mir hier erstritt! Er starb, daß ich nicht stürbe, Die Ihm das Herz hier brach! O Jesu Fürst, des Lebens, O Herr, voll Gottesmacht, Er trug, was ich verdient! Er litt, daß Er erwürbe Was ewig mich versöhnt! Nun hat Er hier vollendet Dazu Ihn Gott gesandt. Und Ostcrgaben spendet Du riefst hier nicht vergebens Am Kreuz: „Es ist vollbracht!" Denn mit der Ostersonue Sollst Du ja aufersteh'n, Und zu der Osterwonne' Mit all den Deinen geh'n! Uns die durchbohrte Hand! O zähl' uns zu den Deinen, Gieb uns solch' selig' Theil! Und wenn wir hier noch weinen So sei's zu ew'gem Heil! Laß uns mit Magdalenen Zu Deinem Grabe geh'n, Und nach den Bußethränen Auch Ostersreude seh'n! Amen. Zu Deinem Grabe geh'n, Miseell-ir. (Der Feinhörige.) Dame (schmachtend): „Bringen Sie mir drei Eier!" (Kellner bringt sie.) — Dame: „Sie haben mir richtig drei weiche gebracht, ohne zu fragen, ob ich sie harr oder weich wünschte!" — Kellner: „Gnädige Frau ertheilten Ihren Befehl mit so weicher Stimme, daß ich an harte gar nicht dachte!" (Bedingungsweise Benutzung.) „Aber Kinder, was lauft Ihr denn bei dem schönen Wetter mit dem Regenschirm umher?" — „Ja, wenn's regn't krieg'n mer'n nie, — dann nimmt'» de Mutter selber." Für die Redaktion verantwortlich Alphons Planer in Augsburg. — Druck und Verlag des Literarischen Instituts von Dr. Max Huttle»,