zur „ÄUIgdilrger PostMuug." Nr. 29. Mittwoch, 11. April 1883. Des Uörsters Enkelkind. Original-Novelle von Mary Dobson. (Nachdnick verbclni. G-Ietz vc»l 1I.VI. 70.) I. Einige Meilen von der romantisch gelegenen Residenz eines kleinen selbständigen Fürstenthums entfernt, ineiner Berg- und Waldgegend des initiieren Deutschlands, findet der Leser noch heute Gut und Schloß Bodenwald, seit Jahrhunderte» im Besitz der Familie von Bodenwald, und mit nur wenigen Ausnahmen stets von Vater und Sohn fortgeerbt. Beides nimmt ein von zwei zurücktretenden Bergreihen gebildetes Thal ein, während die reichen dazugehörenden Waldungen sich die Höhen Hinanziehen und tief in's Gebirge hincinerstrecken. Das Schloß, ein zwar weitläufiges doch in architektonischer Beziehung schmuckloses Gebäude, ist aus Sandstein aufgeführt, welche die Brüche der nahen Berge geliefert, wobei der Erbauer vor ulken Dingen die Sicherheit und den Nutzen der Bewohner im Auge gehabt, und weder auf Zierlichkeit noch Schönheit bedacht gewesen. Ungeachtet der äußeren Einfachheit aber hat das Innere des Schlosses Schätze aller Art auszuweisen; kostbare alte und wohlerhaltene Tapeten, Vorhänge und Möbel; reiches Silbergeschirr, das in den tiefen Wandschränken verwahrt gehalten wird; einen Ahnensaal, in dem in fchwervergoldeten Rahmen die Familienbilder vom ersten bis zum letzten Besitzer hingen, und waren die eichenen Schränke auf breiten Korridoren mit Leinwand aller Art angefüllt, die unter der Aufsicht und wohl auch unter der Beihilfe der Frauen und Fräulein von Bodenwald angefertigt worden. Mit der Fronte gegen Süden errichtet, führten einige breite Sandsteinstufen zu der geräumigen Vorhalle, von der man in sämmtliche Zimmer und Säle des Erdgeschosses und auch in's obere Stockwerk gelangte, wo besonders die Schlaf-, Kinder- und Fremdenzimmer sich befanden. Für die Haushaltung waren im Kellergewölbe Räumlichkeiten eingerichtet, die daher einem Theil der Dienerschaft zum Aufenthalt angewiesen waren. Vor dem großen Eingangsthor an der Landstraße zog sich ein breiter, zu beiden Seiten mit Pappeln bepflanzter Fahrweg zum Schlosse hinauf; abseits von diesem lag das Verwalterhaus und sämmtliche zur Landwirthschaft erforderliche Baulichkeiten, wie auch die Häuser der Taglöhner und anderer zum Gute gehörender Arbeiter. Alles dies übersah man theilweise von.den Fenstern des ersten Stockwerks auS und in weiterer Entfernung die Kirche, an der außer Bodenwald noch andere Güter und Dörfer Theil hatten, mit dem Pfarr- und Lehrerhaus und der Schule, das Försterhaus mit seinen Nebengebäuden, welches am Fuß eines Berges lag, und mit dem fnschrothen Ziegeldach und sauberen weißen Anstrich weithin leuchtete, und sich gegen den grünen Hintergrund freundlichst abzeichnete. Die Rückseite 'des Schlosses blickte zunächst auf den weitläufig angelegten Garten, den zwar Rasenflächen, Blumenbeete und Treibhäuser, meistens aber schöne alte Bäume schmückten, die sowohl Alleen bildeten, wie in Gruppen standen. Hinter dem Schloßgarten aber zogen sich die Berge hin, welche theilmsise dichtbewachsen, theilweise aus Felspartien bestanden, in deren Brüchen täglich Hunderte Arbeit und damit ihr Unterkommen fanden. Außer dieser Besitzung, nach welcher die Familie den Namen führte, gehörte ihr noch eine andere, der Bacheuhof, etwa anderthalb Meilen von Bodeuwald entfernt, und von einem dichten Buchenwald umgeben, der Herrenhaus- und Wirtschaftsgebäude fast gänzlich den Augen der Menschen entzog. Er halte stets eins eigene Verwaltung gehabt, und stand zur Zeit, wo diese Erzählung beginnt, unter der Leitung eines Inspektors. Etwa im Jahre 183 . . gehörten beide Güter dem Herrn Friedrich von Boden- wald, einem im Lande und bei Hofe hoch angesehenen Beamten, der jedoch seiner Stellung wegen sie mit seiner Familie nur zur Sommerszeit bewohnen konnte. Er war ein angehender Fünfziger, von hoher, kräftiger Gestalt, mit ernsten, strengen Gesichtszügen, hatte reiches, goldblondes Haar, scharfe blaue Augen, eine leicht gebogene Nase und einen besonders schön geschwungenen Mund — alles Merkzeichen und Familienähnlichkeiten der von Vodenwald, welche in direkter Linie er mit seinen drei Söhnen — es waren ihrer vier gewesen, doch war der älteste vor zwei Jahren im Duell gefallen — repräsentiere. Er war ein stolzer Mann, dem die Familienehre und sein alter Name über Alles ging, welchen letzteren seine Söhne noch lange zu erhalten verhießen, so daß den entfernten Vettern wenig Aussicht auf eine reiche Erbschaft blieb. Wie allgemein bekannt, hatte er seine Gemahlin nur ihrer Schönheit und ihres « alten Adels wegen geheirathet, und da diese ein kaltes, berechnendes Herz besaß, und ü ebenso selbstsüchtig wie schön war, so genügte ihr das Loos, die Gattin des ersten reichsten l Mannes des Landes und die Mutter seiner Söhne zu sein. I Wenn nun die älteren von diesen blühend kräftige junge Männer waren, bei denen die Familienähnlichkeit mehr oder weniger hervortrat, so wich der jüngste in seiner äußeren Erscheinung weit von seinen Brudern ab. Von jeher ein schwächlicher Knabe hatte er Anlage zur Brustkrankheit und eine ! leichte Krümmung des Rückgrats; auch hinkte er mit dem linken Fuß, was die Aerzte i einem unglücklichen Fall in seinen ersten Kindheitsjahren zuschrieben, von dem indeß die Eltern nichts erfahren haben. Durch alle diese immermehr zu Tage tretenden Leiden und Gebrechen war er ihnen gleichgültig und lästig geworden, und früh schon dem Verivalter von Bodenwald und seiner Gattin übergeben, die keine Kinder besaßen, und den zarten Knaben mit großer Liebe pflegten und behandelten. Als er heranwuchs, ward er von dem Prediger des Dorfes unterrichtet, hatte die Tochter des Försters als Gespielin, welche mehrere Jahre > jünger als er war, einen lebhaften Charakter und ein heiteres Gemüth besaß, das beides ^ den stilleren Knaben anzog» Da er nie die Liebe einer Mutter, die Sorge eines Vaters, das vertrauliche Zusammenleben mit Geschwistern gekannt, so war es kein Wunder, wenn er mit der ganzen Liebe, deren sein Herz fähig war, sich den Familien zuwandte, die ihn stets freundlich und zärtlich behandelten und der Gespielin seiner Kindheit mit besonderer Zuneigung anhing. Nach der Residenz kam er nur seit»«, und hatte auch keine Sehnsucht dorthin, er fühlte sich nur glücklich und heimisch in Bodenwald. Seit dem Tode seines ältesten Bruders, des Majoratserben, den seine Eltern noch nicht verschmerzt, blickten sie, besonders der Landkammerrath fast mit Abneigung auf ihn, der allerdings eine traurige Ersche -> nung neben dem stattlichen jungen Mann gewesen, und letzterer hatte oft in seinem Herzen gewünscht, daß das Schicksal ihm den Schwächling statt seines Lieblings, denn das war ihm sein ältester Sohn gewesen, genommen. Lassen wir nach dieser nothwendigen Einleitung die Erzählung folgen, und be- ' trachten wir was sich in früherer Zeit zugetragen, und erst in späteren Jahre» seinen Abschluß finden sollte. — 227 II. Es ivar zu Anfang Sommer; ei» schöner Julitag und im Schloß Bodenwald ward die Gutsherrschaft erwartet. Sie sollte diesmal mit den Söhnen und zahlreicher Diener« schast kommen» und Frau Bergmann, die Verwalterin, hatte sämmtliche Räumlichkeiten dazu in Stand gesetzt. Anna Kohring, die siebzehnjährige Försterstochter war ihr dabei zur Hand gegangen, und beide freuten sich über ihr Werk, und schritten befriedigt durch alle Zimmer und Kammern, durch deren weitgeöffnete Fenster die warme balsamische Sommerluft eindrang. „Hier kann es die Herrschaft schon einige Monate aushalten", sagte das junge Mädchen, als Frau Bergmann die letzte Thür in der Vorhalle schloß und sich anschickte, diese mit ihrer Gefährtin zu verlassen. „Es ist Alles so prächtig und schön, als ob es für die Festlichkeiten selbst wäre!" „Es wird hier diesen Sommer viel Besuch erwartet", entgegnete freundlich die Verwalterin. „Und daher hat die gnädige Frau mehr als sonst an diesen alten Räumen thun lassen, die dann den ganzen Winter wieder verödet dastehen!" „Schade ist's auch", nieinte Anna voll Erregung, „daß das Schloß den größten Theil des Jahres leer bleiben muß, und es könnten hier doch mehrere Familien wohnen t — Wie anders würde es sein, wenn die Herrschaft immer auf Bodenwald lebte, und Fremde und Gäste immer ein- und auszogen!" „Die Zeit wird auch kommen, Anna", antwortete zuversichtlich Frau Bergmann, „und vielleicht schon früher als wir Alle denken. Wenn nur erst Junker Hugo eine angesehene Stellung am Hofe oder in der Verwaltung des Landes hat, und verheirathet ist, dann wird der Landkammerrath sich gewiß bald zurückziehen, denn seit Junker Friedrichs Tode ist er nicht mehr derselbe und auch die gnädige Frau leidet an Nervenzufällen, die durch das aufregende Leben bei Hofe nur noch verschlimmert werden!" Bei diesen Worten hatte Frau Bergmann die schwere Eingangsthür mit dem mächtigen Schlüssel versichert, und die Treppe hinabgehend sahen sie den Verwalter und Junker vom Felde kommen, wo Beide, wie an jedem Tage, beschäftigt geivesen. Letzterer schritt grüßend dem Verwalterhause zu. Ersterer aber dem Schlosse, und hatte bald seine Gattin und Anna erreicht. Er war ein kräftiger Vierziger, und hatte gleich seiner um mehrere Jahre jüngeren Frau ein freundliches wohlwollendes Gesicht. Ludwig von Bodenwald, jetzt einundzwanzig Jahre alt, und nur wenig größer als seine, einstige Spielgefährtin, entsprach dem bereits von ihm entworfenen Bilde, nur müssen wir hinzusetzen, daß, so zart geschnitten seine Züge auch waren, er vollkommen seinem Vater glich, seine Augen aber waren meistens ruhig und freundlich blickend, obgleich sie' auch ernst und zornig funkeln konnten, und das goldblonde Haar fast in zu reicher Fülle den zierlichen Kopf des jungen Mannes umgab. Durch den fortwährenden Aufenthalt in der freien Luft, denn Junker Ludwig lernte die Landwirthschast, um den Buchenhof zu vermalten, war schon sein schwächlicher Körper gekräftigt, und seine leichtgebräunte Gesichtsfarbe verrieth, daß er der Sonne, dem Wind und Wetter tapfer ausgehalten. „Wo nur die Wagen bleiben, di? mit den Leuten und dem Gepäck schon hier sein sollten", begann nach seiner Uhr sehend der Verwalter. „Es geht auf zwölf und der Landkammerrath hat mir doch sagen lassen, daß sie frühzeitig hier sein würden!" „Sie haben sich vielleicht verspätet", meinte Anna, die ebenfalls für die Ankunft der Gutsherrschast ein reges Interesse empfand. „Wenn nur kein Unglück geschehen ist", sagte die Verwalterin, welche bemerkte, daß Junker Ludwig unter den Pappeln dahinschritt. „Wie kommst Du nur darauf, Frau?" entgegnete ihr Gatte, der selbst sich einiger Besorguiß nicht erwehren konnte. „Welches Unglück sollte denn geschehen sein?" — Als gestern der Bote die Stadt verlassen, ist Alles wohlauf gewesen, und Jeder hatte mit großem Eifer zur Fahrt hierher gerüstet!" 228 „Zwischen gestern Nachmittag und jetzt liegen fast vierundzwanzig Stunden, in denen mancherlei vorgefallen sein kann", antwortete Frau Bergmann, während Alle langsam weiter gingen; „dennoch wollen wir hoffen, daß meine Befürchtungen vergeblich gewesen sind, und die Herrschaft diesen Abend glücklich ankommt!" An der Thür des Verwalterhauses trennte sich Anna von dem Ehepaar und ging der Försterei zu. Frau Bergmann begab sich in die Küche, um die letzte Hand an das Mittagsmahl zu legen, ihr Gatte aber setzte sich an's Fenster seiner Arbeitsstube und griff zu der bereitstehenden Pfeife und den Zeitungen, welche am vergangenen Nachmittag der Bote aus der Stadt mitgebracht. Anna hatte kaum den Gutshof überschritten, als Junker Ludwig zu ihr trat, dessen Gesichtszüge und Augen eine ungewohnte Erregung verriethen. Das augenblickliche Schweigen unterbrechend, sagte sie: „Bist Du auch um die Wagen besorgt, Ludwig, die noch nicht gekommen sind?" „Die können sich leicht verspätet haben", entgegnete er lauter, als er sonst zu reden pflegte, „ich aber habe nicht eininal daran gedacht", und dies sagend, folgte er ihr auf dem Wege nach dem Försterhause. „Bergmann's scheinen sich über ihr Ausbleiben zu ängstigen — —" „Und weshalb? — Meine Eltern waren gestern wohl und munter, und von meinen Brüdern wissen wir das ebenfalls — lassen wir sie aber allesammt, Anna, denn ich muß mit Dir sprechen, so lange ich dies noch ungehindert und ungestört kann, zuinal wir uns in diesen Tagen trennen werden!" Die Försterstochter war ernst geworden, und ihrer auch begann sich eine seltsame Erregung zu bemächtigen. Sie suchte sich jedoch zu beherrschen, und die sonst so lebhaften, dunklen Augen mit ruhigerem Ausdruck auf ihren Begleiter haftend, fragte sie: „Was könntest Du mir gerade heute zu sagen haben, Ludwig?" „Das fragst Du, Anna?" antwortete er schnell und mit einer Heftigkeit, die man dem sonst so ruhigen Junker kaum zugetraut hätte. „Laß uns hier in Euren Garten abbiegen, wo wir, da Deine Eltern erst am Abend aus L. zurückkehren, ungestört sein werden!" Anna, die stets die Fllhrerin und Leiterin ihres einstigen Spielgefährten gewesen, wie sie ihn immer beherrscht hatte, folgte ihm jetzt schweigend ohne sich zu fragen was sie von ihm hören und vernehmen werde. Ihr Herz sagte ihr dies, und ungeachtet ihrer siebzehn Jahre wußte sie was sie ihm zu antworten habe, sie die Försterstochter dem Junker von Vodenwald. (Fortsetzung folgt.) Goldkörner. Die biegsame Organisation der Frauen läßt ihnen ost im Alter Kräste übrig, die dem Manne fehlen, so daß die Frau, welche sonst den Mann als Ueberlegcnen anerkannte, nun selbst als Ueberlegene ihm zu dienen und sein Herz zu erfrischen vermag. - N e ck e r - S a u s s u r e. Selbst die unschuldigsten Freuden der Sinne gleichen den Blumen: sie sterben, sobald sie gebrochen sind. Geliert. Reißt den Menschen aus seinen Verhältnissen; und was er dan n ist, nur das ist er. Seume. Was geboren ward, muß sterben: Was da stirbt, wird neu geboren. Mensch, Du weist, was Du wärest, Was Du jetzt bist, lerne kennen, Und erwarte, was Du sein wirst. Herder. Die Menschen fürchtet nur, wer sie nicht kennt, Und wer sie meidet, wird sie bald verkennen. Goethe. 229 Dcr Angöl>tr:ger Kaufhandel »rit Bayer» während der erste» Hälfte des fimfzehriten Jahrhunderts. (Schluß.) II. Nun besteht aber das Material, aus welchem diese Eröteruugen geschöpft sind, im allgemeinen nicht in systematisch angelegten, statistischen Nachweisen, sondern verdankt vielmehr seine Entstehung säst ausschließlich zufälligen, namentlich störenden Erscheinungen im Geschäftsgänge, und es dürste daher vielleicht nicht uninteressant sein, auch von diesem Gesichtspunkte aus den vorliegenden Stoff zu verwerthen und in einem zweiten Abschnitte einiges über die Förderungen und Störunge n des Geschäftsbetriebes darzulegen und so das äußere Bild der kauftnünnischen Thätigkeit noch durch einen Blick auf ihr inneres Wesen und Getriebe zu ergänzen und abzuschließen. Dabei sollen die Grenzen des angegebenen Thema's übrigens nicht überschritten, sondern die Beispiele und Belege, mit ganz wenigen Ausnahmen, speziell aus den augsburgisch-bayerischen Beziehungen hergenommen werden. Wenn wir uns zuerst nach den Faktoren umsehen, die dem kaufmännischen Gedeihen fördernd zur seile standen, so tritt uns auf der einen Seite der um das Interesse seiner Mitbürger eitrig besorgte Angsbnrger Stadtralh, aus der andern die in die commerziellen Angelegenheiten thätig eingreifenden Herzoge charakterististh entgegen. Der Angsbnrger stadtrath war seinem ganzen Wesen nach der natürliche Schirmherr des Kaufnuinnsstandes Die bedeutendsten Einnahmegnellen der Stadt beruhten auf den Um- geldern und Zöllen, welche die einheimischen Handelsleute oder die von ihnen herbeigezogenen Gäste zu entrichten hatten, und die vornehmsten Glieder des Rathes gehörten dem Kansmannsitande an; in der ersten hülste des snnszehiiten Jahrhunderts war fast alljährlich wenigstens einer der Bürgermeister ein Kaufmann, nicht selten aber auch zwei. Es nimmt uns daher keineswegs Wunder, wenn wir sehen, daß es eine gewissenhaft erfüllte Aufgabe der Stadtvnter war, die Interessen ihrer Kaufleute in allen und jeglichen Füllen zu vertreten, und daß die Missiven, welche sich in den noch erhaltenen, wichtigen Briesbücher n des Rathes vorfinden, in erster Linie den Kaufleuten galten. Denn abgesehen von den hnndelspolizeilichen Anordnungen im Innern der eigenen Stadt, von Zoll, Uuigeld, Waage, Waarenschau, Untertans u. a. gab es bei den unruhige» und unbestimmten Verhältnissen jener Zeit auch außerhalb der Stadtgemarknug unendlich viel zu sorgen. Im Allgemeinen war schon dadurch eine regelmäßige Briesentsendnng nothwendig, daß bei Negiernngswechscln, bei Messen und Märkten jedesmal von neuem um Schuh und Geleite nachgesucht werden mußte; insbesondere aber wurde die Obsorge des Rathes in Anspruch genommen, sobald eine Fehde in Aussicht stand. Noch vor vem Erscheinen des Absagebriefes mußte da sondirt und „kundschaftet" werden: „Wir bitten Euer Edelkeit mit Ernste fleißiglich", schrieben sie einmal an einen befreundeten bayerischen Pfleger, als mit.Herzog Ludwig dem Bärtigen Fehde auszubrcchen drohte, „daß Ihr uns verschrieben wissen lasset bei diesem Boten, ob wir und die unsern in unsers gnädigen Herrn Herzog Ludwigs Landen sicher seien zu wandeln." — Wenn aber der Absagebrief wirklich gekommen war und also die auf der Geschäftsreise abwesenden Kaufleute in plötzlicher und unbewußter Gesahr sich befanden, so galt es, durch schleunigst entsendete Boten ihnen Warnung zukommen zu lassen. So schrieben sie, als aus die eben erwähnte Kundschaft ungünstige Nachricht eingetroffen war, an die in Frankfurt befindlichen Kaufleute: „Lieben Freunde! Uns ist sürkommen und cigcnlichen gesagt worden, wie daß unser Herzog Ludwig die Geschirre mit dem Gute, ob sie durch Franken und für Werde wieder hcrhenn gohn werden vermeine nfzehalten und zu bekümmern; darnach wisjent euch zu richten und das Gut zu besorgen, daß es in Gewahrheit Herheim kommen niüge!" Freilich konnte gerade in Fehdezeiteil nicht immer das Interesse des einzelnen Kaufmanns im alleinigen Vordergrund gestellt bleiben, sondern mußte eben zuweilen hinter dem Vortheile der Stadt oder des groyen Stadtebnndes zurücktreten. Ein augenfälliges Beispiel hiefilr liefert ein Beschluß, der am 1t). Juni 14 3 den Ulmern mitgetheilt wird. Da nämlich die Grasen von Oeltingsn (in Franken) das gewohnte Geleite zur Nürdlinger Messe alfiagten, wurde vom Angsbnrger Rath ein- müthig erkannt: „daß niemand, weder Reich noch Arm, weder reiten, fahren noch gehen sollt in den Mar kt g e n Nürdlingen, und auch niemand nichtes daselb weder kaufen noch ver-kansen soll; und ob das wäre, daß jemand ichtes vor dem und wir das erkannt haben, genNürdlingen geführt oder bracht hätte, welcherlei das wä-r', dasselbe soll auch alles still liegen und nit verkauft werden. Und welcher der unserii das überfährt und ni t haltet, der müss' uns zu Pen geben den zehnten Pfennig seines Kanfens uiid^Verkansens. Und mit ähnlicher Entschiedenheit trat der Stadtrath dem Sonderinteresse der Kaufleute auch in einer andern Angelegenheit entgegen, welche sich in den Milsivbüchern durch eine Reihe von Briefen hlndiirch verfolgen läßt. Zu Ansang des Jahres l 418 hatte sich nämlich der bayrische Ritter T ristra in "kr Zänker iiiit und den übrigen schwäbischen Städten verfeindet und machte, nachdem aus beiden Seiten Sotdknechte überfallen und gefangen genommen ivaren, die Snlzburger Straße unsicher. Nun befanden sich aber damals viele Angsbnrger Kaufleute in Salzburg, im Begriffe, nach Haufe zurückzukehren. Der Rath schrieb ihnen daher zunächst, am ö. Februar, einen Warnbrief, der 230 mit der ernsten Mahnung schloß: „us das wir euch allen und jeglichen besunder befehlen mi Ernst, daß ihr mit euer» Leibern und Gütern bleibet zu Salzburg und uit süro fahret, bis an die Zeit, daß wir euch unser Botschaft senden!" Aber die Kaufleute litten natürlich schweren Schaden unter dieser Verzögerung und beschlossen, ohne Rücksicht auf die Stadt und den Städtebnnd durch Vermittlung des Saizburger Hauptmanns dem Tristram Geld anzubieten, um ungefährdet heimgelangen zu tonne». — „Wir haben vernommen", schrieb darauf erzürnt der Rath, „wie daß ihr geworben und bracht kabent an unsers Herrn des Bischofs von Salzburg Hauptmann und an ander, daß die rcn euer aller wegen bringen füllen am Tristram den Zänbr, daß er euch und euer Gut sicher Herheim von seinen wegen fahren lasse, darum wöllent ihr Gut geben. Das uns von euch nit wohl gefallet, und ist uns nit lieb: und heißen und gebieten euch mit Ernst, und wollen auch das mit Namen, daß ihr dem Zänker kein Geld in keiner Weis'nit gebeut noch versprechent ze geben." Dieser ernstlichen Verweisung mußten die Kaufleute sich wohl oder übel lügen. Sie blieben in Salzburg, wohin ihnen end ich am 14. April der Rath schreiben konnte, daß Herzog Heinrich von Niederbayern sich um die Sache angenommen und den Streitenden einen Rechtstag gesetzt Habs. Mehr als zwei Monate also waren hier die Kaufleute in der fremden Stadt gebannt, ohne die Rückkehr nach Hause bewerkstelligen zu können und zu dürfen. Aber wenn auch in solchen vereinzelnien Fällen der Rath seinem Mitbürger hemmend entgegenstehen mußte, so trat er um so besorglicher und wohlthätiger sür ihn ein, wenn ihm bei seinen Kausfahrten an Leib oder Gut irgend ein Schaden zugefügt worden war. Ursprünglich beanspruchte der in auswärtige Irrungen vecwickelte Kaufmann sogar, „daß man ihm die Barscheste und das Kostgeld von der Stadt Gut ausreichte"; welche Vergünstigung freilich durch ein Dekret von 1303 aufgehoben wurde. „Aber", heißt es in diesen, Dekret weiter, „wenn sie's an den Rath bringen und es dem Rath klagen, so stillen ihnen die Nachgeben getreulich darin rathe» und helfen, wie sie ihr Sach handeln stillen, und Bries heißen geben, an wen sie wällen". So wurde es auch treulich gehalten; und gerade die Briefe, welche in solchen Füllen Beschwerde und Verwendung des Rathes enthalten, bilden einen Hauplbestandtheil der Mijsivbücher. Wegen fünf Balle», die dem reichen Ulrich Arzt von den Bayernhcrzogen im Jahre 1416 bei Parteukirchen genommen wurden, fertigte man an die Bundcsstädte, an die Herzoge und an den Kaiser Boten und Briese. Als dem Hans Mütting d- ä. im Jahre 1443 drei Säcke Safran gestohlen wurden, schrieb der Rath mehrere Dutzend Briefe an Städte, Ritter und Beamte, bis man nicht blos des Diebes, sondern auch des gestohlenen Gutes wieder habhaft geworden war. Und bis auf die »ubedeuteudsten Kleinigkeiten erstreckte sich diese Fürsorge: Die beiden Metzger Grllber und Schnäckli» kauften im Jahre 1415 aus dem Markte zu Psaf- scnhosen eine Anzahl von Schweinen; „derselben ihrer L-chweiiie", berichteten sie dem Rath, „sei eines außer dem Hansen, als sie die heraustreiben wollten, wieder hinein in den Markt gelösten, an die Statt, da es vormals gewesen was", und der Verkäufer hatte nichts Eiligeres zu thun, als das viel- getreue Thier sich wieder anzueignen; darüber denn große Aufregung unter den Bctheiligten entstand und die Augsburgcr Rathgebe» ernstliche Mahnung an die von Pfaffenhofen ergehen ließen, damit den ihren ihr gebührend Recht zu Theil werde. — Ebenso verwendeten sie sich ein andermal bei dem Pfleger von Dachau sür die Rückerstattung von „zwei, Häsen mit Schmalz und zehen Käs'; und ähnliche Beispiele ließen sich noch in großer Zahl anführen. Uebrigens erscheint das ja ganz erklärlich, insofern eben der Rath principiell der Vertreter seiner Mitbürger war und daher jedes Vvrkommniß in die Hand nehmen mußte, das der Kaufmann nicht selbst zu erledigen vermochte. Viel auffallender dagegen ist es, wen» mir ein ähnliches Eindringen bis in das Kleinste auch bei den Herzogen vorfinden. Die bayerischen Herzoge griffen nämlich in die commcrziellen Verhältnisse selbstthätig ein und nahmen an der Gestaltung der angs- dnrgisch-bayerischcn Beziehungen regen persönliche» Antheil. Wegen drei Sacke Korn, die einem Augskmrger Krämer bei Landsberg aufgehalten sind, wird der Beschädigte mit einem Empfehlungsschreiben vom Rath an Herzog Ernst gewiesen; ein Üeberfall, durch den ein anderer ein Paar Hauben, Hosen und Wachstafeln einbüßt, wird vor Herzog Heinrichs Nichterstnhl gebracht, n. s. w. Nicht etwa, als ob die Herzoge nur nominell betheiligt gewesen wären, sondern sie ließen die Handelsleute persönlich vor sich kommen, um aus ihrem eigenen Munde den Vorgang zu vernehmen. Und wie die Rathsschreiben von Augsburg an die herzoglichen Höfe abgefertigt wurde», so liefen umgekehrt von da die geschriebenen Antworten in zahlreicher Fülle im Augsburger Rathhause ein. „Als uns Euer fürstlich Gnade verschrieben hat" .... „als Euer Gnade uns jetz und über von der Zwihel- lungen wegen geschrieben hat" .... „als Euer fürstlich Gnaden uns nächst geschrieben habent von söliches Ussenhaltcns wegen der Salzscheiben" . . . . x., solche Formeln finden sich überall da, wo ein Beschüdigungsfall oder ein Gläubigerstreit oder sonst eine Irrung nicht sofortige Erledigung erfuhr, sondern ein häufigeres Mahnen und Drängen des Rathes nothwendig machte. Wenn sich also die Herzoge so lebhaft an den Nechtshäudeln einzelner Kaufleute betheiligten, so ist es sehr natürlich, daß auch in allgemeinen Haudelsfragen ein häufiger Briefwechsel stattfand. Und dies geschah nicht blos da, wo es sich speziell um die Verkehrsinteressen zwischen Augsburg und Bayern handelte, sondern es kam auch vor, daß die Herzoge vom Kaiser als handelspolitische Schiedsrichter ausgestellt wurden und dadurch mit Augsburg in Berührung zu treten Gelegenheit hatten. Als zum Beispiel im Jahre 1433 die Nürnberger eine Messe in ihrer Stadt aus« 231 richten wollten und Herzog Wilhelm von Bayern durch Kaiser Sigismund den Auftrag er sielt, Kundschaft zu erhellen, oll solche Neuerung der Franksurtcr und der Nördlinger Messe nicht Eintrag thun würde: da übersandten die Augsburger dem Herzog eil, Gutachten, dessen Wortlaut höchst charakteristisch ist. „Nachdem uns bedanket", heißt es darin, „meinen wir, daß landknndig sei, ob die Blesse zu Nürnberg also Fürgang gewinne, daß das größiich wär und würd wider die Blesse zu Frankfurt, und große Hindernus, Eintrag und Schäden gemeinen Landen und Kaufleuten brächte, damit viel Gewerbs möcht vermieden bleiben, sunder, so die Kaufleut von Behem, Mehreen, der Slesien, Oesterreich und sunst von Oberlanden vielleicht zu Nürnberg blieben, dawider die Kaufleut aus den Landen von Brabaut, Flandern, Holland, Westsalen und Niederland vielleicht desgleich ze Frankfurt blieben, und daß an entweder», Ort der Gewerb gemindert werden und dem ganzen Lande merklich Unstatt und Schaden dadurch wohl entstah'n möcht, und wirjannsers Theils zemal gerne wöllten, daß die Blesse zu Frankfurt durch gemeines Nutz willen also nnbekrünket belieb, wann die allen Kaufleuten in keuschen Landen ze Wasser und ze Land am allergelegnisten ist." * -p * Aus den erwähnten Tatsachen geht hervor, daß die Herzoge dem wechselseitigen Verkehre ihre volle Aufmerksamkeit zollten, und in der That bekundete namentlich der in Landshut residireude Herzog Heinrich, sowie der friedliebende Albrecht der Fromme, der von 1138 an in München regierte, einen überaus regen Eifer und eine ernste Autheiluahme. Aber trotzdem wäre es eine arge Entstellung, wenn man ein derartiges gegenseitiges Einverständnis; als dauernd oder allgemein gütig hinstellen wollte, da es ja doch bekanntermaßen niat leicht »»ruhigere und sehdelnstigere Nachbarn gab, als diejenigen, welche die schwäbische Reichsstadt damals an den Baycrnherzogen hatte, und da die Bedrückungen und Belästigungen, welche die Brüder Ernst und Wilhelm von Bayern-München, sowie Ludwig der Bärtige von Bayern—Jngolüadt und endlich Ludwig der Reiche über Augsburg verhängten, die unaufhörlichen Klagen der Chronisten hervorriefen. Um daher diesen hervorragenden Eharatterzug nicht unerwähnt zu lassen, bitte ich Sie, mir noch zu einigen ganz kurzen Bemerkungen über den Augsburger Kaufmann in Bayern während der Fehdezeit Gehör zu schenken- Burkhard Zink klagt an einer Stelle, wo er von dem 1458 mit Herzog Ludwig dem Reichen ausgebrochenen Llrcite erzählt: „es wollt aus dasmal niemand weder sein Gut noch fein Geldschuld lassen folgen; so getrost man auch nicht von Bayern her in die Stadt weder führen noch tragen noch treiben, es wandert auch niemand von hinnen gen Bayern, denn es was niemand sicher: wen man ankam, der was verloren!" Nach diesen Worten also war damals eine vollständige Lähmung des Handels herbeigeführt. Aber so schlimm war es nicht immer, sondern man darf im Gegentheil behaupten, daß die Augsburger im Allgemeinen auch zur Fehdezect ihre Kausfahrten wagten. Der Beweis hiesür liegt in den Aussöhnuugsverträgeu, welche nach beendigtem Streit zwischen der Stadt und den Herzogen geschlossen zu werden pflegten. Denn da ist die Rede von Durchgangszöllen, welche man in Landsberg, Schougau Neustadt, Wasserburg re. zur Belästigung der Augsburger während der Fehde erhöht; oder von Slapelorteu, die man ungerecht aufgerichtet: oder von Kaigeldern, die man in Augsburg den Bayernherzogen zum Trotz erhoben halte. Wenn also während der Kriegszeit Zoll, Stapel und Umgeld von solchem Belang waren, daß mau dem Gegner damit empfindlich schaden konnte, io geht daraus doch zur Genüge hervor, daß ein nicht unbeträchtlicher, wechselseitiger Handelsverkehr selbst während der Fehde stattgefunden haben muß. — Und noch viel weniger ließen sich die reichsstädtischen Kaufleute abschrecken, wenn die Bayernherzoge einen Krieg führten, an dem Augsburg selbst iiich t betheitigt war. Denn sie konnten alsdann in dem mit Krieg überzogenen Lande mit einer gewissen Sicherheit fahren, wenn sie sich nur mit einem Geleitjcheine versehe,i hatten, welcher, vom Augsburger Stadtrath ausgefertigt und gesiegelt, die eidliche Versicherung enthalten mußte, daß die vom betreffenden Kaufmann oder Wageumanu initgeführten Güter ihn, selbst zu eigen und keinem andern gehören, besonders keinem, der an dem Kriege irgend welchen Antheil habe. — Freilich ein absoluter L-chutz war damit nicht gewährt, sondern es kam ebensogut vor, daß die Aa yern- herzog e die „offenen Briese" nicht beachteten, als sich auch umgekehrt zahlreiche Fälle ereigneten, in denen die Gegne r derselben einen Angriff auf Augsburger Kaufmannsgüter blos deshalb unternahmen, weil sie dieselben für bayerische hielten. Immerhin aber zeigt sich die Benützung solcher Geleitscheine in gefährdeten Zeiten an und für sich schon den frischwagcnden und hartnäckigen Kaufmannssinn, und es findet sich so das Markige in der Entwicklungsgeschichte des Augsburger Handels bestätigt, das in den einleitenden Worten mit dem zwar knorrigen, aber höchst kraftvollen Namen der Eiche verglichen wurde. Ueberhanpt: wenn man mit einem Rückblick das gewonnene Resultat zusammenfassen will, so sieht man, wie sich die Zähigkeit in Kriegsgefahr, das Umfahren der Gelcit- straße, die Antheilnahme der Herzoge, die Fürsorge der Rathgeben, die Masse der Hindernisse und Unbequemlichkeiten zu einem kräftigen und vielgestaltigen Cultnrbild vereint. . . zugleich auch läßt sich, so eng begrenzt das Thema an Zeit und Stoff erscheinen mag, doch aus der »»gemeinen Rührigkeit, mit der die Augsburger Kaufleute in Bayern schalteten und sich da zu Herren der cominerziellen Verhältnisse zu machen wußten, recht gut ein Schluß auf die damalige Handelsepoche der Augsburger überhaupt ziehen. Wenn nun vollends — und 232 das ist e!» Wunsch, den ich am Schlüsse noch nuszusprechcn wage — wenn nun auch, selbst blos mit Hilfe der inhaltsreichen Briesbücher, ihre Thätigkeit in den schwäbischeil nnd srünkischen Nachbarländern, und ihre Beziehungen zu Frankfurt, Nürnberg, Ulm, Venedig und Wien besondere und eingehende Darstellung erfahren würden, so erhielte man ohne Zweifel ei» Bild, das uns deutlich erkennen liehe, wie sehr der Augsburger Kansmannsstand im snnszehnteu Jahrhundert der wunderbaren Blüthe schon nahegerückt war, welche er im sechzehnten behaupten sollte. Htminclsschau im Monat April. —Merkur H tritt am 16. in obere Sonnenconjunktion, befindet sich demnach in Erdferne (30 Millionen Meilen) und geht zuletzt 8 Uhr 42 Minuten Abends in NW. unter. Venus ? ist in der Morgendämmerung tief am östlichen Himmel im Wassermann sichtbar. Sie steigt immer höher und fällt ihr Tagesbogen am 30. mit dem Aeguator zusammen. Ihre Scheibe ist zu drei Viertel erleuchtet wie der Mond zwischen Vollmond und letztem Viertel, nimmt jedoch an Glanz ab. Am 4. steht sie 5>/>, südlich vom Mond. Mars F kommt gegen 4 Uhr 30 Mi». früh über den Horizont, durchläuft am 25. den Aeguator und wendet sich dann nach N. Am 5. steht er 6'" südlich vom Mond. Jupiter 2P im Stier erreicht zwischen 5 Uhr und 4 Uhr Nachm. seine größte Tageshöhe und geht nach Mitternacht in NW. unter. Am 12. steht er 3>// nördlich vom Mond. Von seinen Trabanten werden sichtbar verfinstert; der erste am 7., 15., 22.; der zweite am 8.: der dritte am 1.; der vierte am 4. und 5. Saturn H im Stier geht unter zwischen 10 Uhr und 9 Uhr Abends. Am 9, steht er 1? südlich vom Mond. MLseellsn. (Eine fürstliche Dichterin.) Wie die Madrider „Epoca" schreibt, besitzt die Infantil, Maria de la Paz, die Tochter der Königin Jsabella und Schwester des Königs Alfonso XII. von Spanien, welche demnächst an der Hand des Prinzen Ludwig Ferdinand von Bayern ihren feierlichen Einzug in München halten wird, ein hervorragendes dichterisches Talent, wovon das nachfolgende Sonett (übersetzt von der M. „Allg. Ztg.") Zeugniß liefert: An meine Mutter. Lieb' Mntlerherz! Mein ganzes Erdenleben Wird überstrahlt von diesem trauten Klänge, Wie Gottes Hauch sühl' ich mit süßem Dränge Dies eine Wort mir durch die Seele beben. Nach Ruhm und Ehren mögen Andre streben Und sich verzehren in der Selbstsucht Zwange, . Was, liebste Mutter, ich sür Dich verlange, Ist Glück, — mehr Glück, als Glanz vermag zu geben. Noch keiner ist so viel, wie mir, geschehen Von eines Mutterherzens Lieb' und Güte: Du wünschtest Eins nur — glücklich mich zu sehen. Vereint mit Dir im innersten Gemüthe Kann ich voll Inbrunst nur zum Himmel flehen, Daß Gott der Herr Dein theures Haupt behüte. Uns cko Kordon. Ob Berlin hinsichtlich des Bier-Consums wirklich München weit nachsteht? In der Bockbrauerei auf dem Tempelhofer Berg allein wurden getrunken am ersten Osterfeiertage rund 29,100 Seidel, am zweiten 30,600 und am dritten 22,000, in Summa also nicht weniger als 81,700 Seidel. (Zu welchen Gerichten gehören die Kartoffeln?) wurde in einem Examen gefragt, und prompt geantwortet: Zu den Land- und Stadtgerichten! Für die Redaktion verantwortlich Alphons Planer in Augsburg. — Druck und Verlag des Literarischen Instituts von Dr. Max Huttler.