»ur „Äugslmrger PostMmg." Nr. 56. Samstag, 14. Juli 1883. Des Försters Enkelkind. Original'Novelle von Mary Dobson. (Schluß.) Nach dein Mahl unternahmen Anna und ihr Großvater Kohring, mit dem sie, da er fortwährend von Bergmann's in Anspruch genommen worden, noch kein vertrautes Wort gewechselt, einen Spaziergang durch den Garten, indeß Graf Waldemar dem Laitd- kammerrath Gesellschaft leistete. Nach einigen gegenseitigen Fragen und Antworten begann sie: „Großvater, laß mich nun auch wissen, auf welche Weise Du die Einwilligung der Gräfin erlangt-" „Das ist schnell erzählt*, entgegnete Förster Kohring, sein Enkelkind, das ihm schöner und stattlicher noch als sonst erschien, voll Liebe betrachtend. „Ich wußte von Waldemar daß der Besuch sich auf einige Tage entfernt hatte, und wollte diese zur Ausführung meines Planes benutzen, als Dein Brief ankam, der, wie Du denken kannst, Deine Tante und mich mit großer Freude erfüllte, denn wir hatten kaum geglaubt, daß sich die Sache hier so schnell entscheiden würde, was jedoch für alle Theile das Wünschenswertheste war. Am folgenden Tage also fuhr ich nach Steinhorst, ward von der Gräfin angenommen, ich trug ihr mein Anliegen vor, während Frau und Fräulein von Stein sich im nächsten Zimmer befanden." „Sie ließ mich kaum ausreden, und erklärte entschieden, wenn auch nicht unfreundlich, daß ihr Enkel keinen bürgerlichen Namen in die Familie bringen dürfe, daß er diese Kindheits- und Jugenderinnerung aufgeben, und eine reiche, ebenbürtige Gattin wählen müsse! — „Frau Gräfin", entgegnete ich ihr auf diese Erklärung» „meine Enkelin würde keinen bürgerlichen Namen in Ihre Familie bringen. Sie hat besonderer Verhältnisse wegen bisher nicht den ihrigen geführt, und dieser lautet Anna Thusnelda von Bodenwald, als welche sie nebenbei ein sehr reiches Mädchen istl" „Von Bodenwald!" ertönte es von den Lippen der Damen im nächsten Zimmer, die, wie mir nicht entging, in sichtlicher Aufregung näher traten, während die Gräfin überrascht fragte: „Kennt Ihr diesen Namen?" Fräulein Constanze erröthete lebhaft, ihre Muttter jedoch erwiderte: „Ein junger Mann, den wir in Schlesien kennen gelernt, führt ihn. Er steht in k ! i in Garnison und hat sich uns zuerst auf den, Balle vorstellen lassen I" Die Gräfin sah ihre Enkelin an wie ich es gethan, und mochte ungefähr dasselbe was ich denken. Dann aber sich mir wieder zuwendend sagte sie: »Herr Förster, lassen Sie mich wissen, weshalb Ihre Enkelin bisher den Namen Herseld und nicht ihren eigenen geführt?" Ich erzählte ihr die Geschichte Deiner Eltern, wie ich sie Dir und Waldemar er- 442 zählt, und es entging mir nicht, baß die drei Damen mit der größten Aufmerksamkeit zuhörten. Als ich meinen Bericht beendet, fugte ich hinzu: „Meine Enkelin ist bei ihrem Großvater, und wird seinem Wunsch zufolge zunächst auf Schloß Bodenwald bleiben, wohin auch meine Nichte und ich in den nächsten Tagen abreisen werden!" Die Gräfin schwieg eine Weile, dann aber sagte sie: „Herr Förster, lassen Sie mir noch kurze Zeit zum Ueberlegen —" „Bis morgen werden Sie doch wohl warten können?" „Ja, bis morgen also!" Ich empfahl mich den Damen und ging zu Waldemar, mit dem ich noch wegen seiner Holzungen 'zu sprechen hatte, und theilte ihm auch meine Unterredung mit seiner Großmutter mit, und er — —" „Er wußte, daß nun Alles gut stand", unterbrach lebhaft die Stimme des Genannten, „und daß Du, meine liebe, liebe Anna doch mit der Bewilligung meiner Großmutter die Meine werden würdest?" und nach diesen Worten nahm er ihren freien Arm, denn der andere ruhte in dem ihres Großvaters. „Woher aber konntest Du das wissen, Waldemar?" fragte sie mit glücklichem Lächeln zu ihm aufblickend. „Weil ich längst das HerzenSgsheimniß meiner Cousine entdeckt, die, nebenbei gesagt, Dich liebt und bewundert —" „Mich?" fragte Anna leicht erröthend. „Ja, und weißt Du auch weshalb?" „Wie kann ich — —" „Weil Du vsm Lieutenant von Bodenwald, Deinem Better, so ähnlich bist, den sie liebt. Aber Großvater", wandte er sich an den Förster, ich komme Dir zuvor —" „Erzähle nun das Ende, mein Sohn, das Du ebenso gut weißt wie ich-" „So laß es mich hören, Waldemar", sagte Anna schnell und mit einem leichten Anflug von Ungeduld im Ton, und fröhlich lachend erwiderte Graf Steinhorst: „Das klang ja wie in alter Zeit, Anna, wo der etwas blöde und schüchterne Waldemar so gern die Wünsche und Befehle seiner weit selbständigeren Gefährtin erfüllte!" Auch Anna und der Förster lachten und Letzterer sagte: „Aber Waldemar Du wolltest — —" „Nichtig, Großvater", entgegncte munter der junge Mann, „Anna sollte wissen, wie sie nun doch zur Gräfin Steinhorst wird! — Meine Großmutter und Tante hatten lange Unterredungen, was mir nachher Constanze anvertraute, und das Ergebniß der Unterredungen war wahrscheinlich die Hoffnung, durch seine Enkelin den Landkammrrrath für die Verbindung seines Neffen mit Constanze von Stern zu stimmen. Meine Großmutter ließ mich wenigstens am Abend in ihr Zimmer kommen und theilte mir mit, daß unter den veränderten Verhältnissen sie meinem Glücke nicht entgegen sein wolle und meine Verlobung mit Anna von Vodenwald zugebe, für welche Zustimmung ich ihr sehr dankbar die Hand küßte. Zwei Tage später waren wir unterwegs hierher — —" „Und nun bin ich Deine Braut, Waldemar!" sagte voll Liebe zu ihm aufblickend Anna, und während er zärtlich seinen Namen um sie schlang, fuhr sie fort: „Es ist seltsam, daß ohne mich zu kennen, Constanze von Stern mir ihre Zuneigung zugewandt, die ich übrigens theile, wenngleich ich sie ebenfalls nur einige Male in der Kirche gesehen!" „Hoffentlich werdet Ihr Euch bei persönlicher Bekanntschaft immer besser gefallen", sagte Graf Waldemar» „denn Constanze ist mir eine sehr liebe Cousine und wird auch Deinem Großvater gefallen!" Förster Kohring kehrte mit seinen beiden Enkelkindern in's Schloß zurück, doch war im Wohnsaal, wo sie namentlich von Thusnelda mit großer Ungeduld erwartet wurden, der Landkammerrath noch nicht erschienen. Nach einer Weile ließ er Kohring zu sich bitten, und dieser leistete sogleich seiner Aufforderung Folge. Sie blieben lange beisammen, aber 443 Niemand erfuhr je, was sie gesprochen. Als aber endlich Anna voll Sorge um ihre beiden Großvater leise das Zimmer betrat, in dem schon Dämmerung herrschte, sah sie, daß beide Männer sich die Hände gereicht und Thränen über ihre Wangen Herabflossen. Einen Moment stand sie schweigend und tiefbewegt vor ihnen, dann neigte sie sich auf diese Hände herab, berührte sie mit ihren Lippen, küßte dann die Thränen von den Wangen ihrer Groszväter, und sagte nur ihnen vernehmbar: „So hat's kommen müssen!" — Ihr seid versöhnt — ich habe meinen Namen wieder, und segnend sehen meine Eltern vom Himmel auf uns herab!" Der Landkammerrath faßte die Hand seines ehemaligen Försters noch fester und jagte leise und mit tiefer Bewegung: „Haben Sie Dank, Kohring, das; Sie mir diesen Engel erzogen! — Sie wird der Trost, die Freude und der Stolz meiner letzten Tage sein!" XXIV. Länger als ein Jahr ist vergangen, und in Schloß Bodcnwald bereitete man sich zu einer Doppelhcchzeit vor. Das eine Brautpaar ist des Schloßherrn noch schöner erblühte Enkelkind, und Waldemar Graf von Stsinhorst, das zweite der Lieutenant von Bodenwald und Constanze von Stern. Der junge Majoratserbe hat seinen Abschied nehmen müssen, um sich in der Be- wirthschastung seiner Güter hineinzuarbeiten, auf Anna's Verwendung hat der Land- kammcrrath seine Verlobung mit Constanze von Stern zugegeben, die seitdem verschiedentlich auf Bodenwald gewesen, und sich die Liebe des greisen Gutsherrn und seiner Enkelin crworkem Zu der Feier sind bereits verschiedene Gäste angekommen; zuerst die beiden jungen Männer, deren Bräute in Bodenwald sind, die Gräfin Stsinhorst, welche Anna, die einige Male in Vahrenwalir gewesen, schon als Enkelin begrüßt; Fratz von Stern, die Anna mit besonderer Zuvorkommenheit behandelt, denn sie weiß, wie mächtig sie für ihre Tochter gewirkt, Förster Kohring, seine Nichts und Christine, und Sophie Dörner und Thusnelda, welche ihre Fericnreise zur Hochzeit verschoben. , Der Festtag war herangekommen, die Trauung sollte in dem großen Saal des Schlosses vollzogen werden, und dieser ist reichlich mit Grün und Blumen geschmückt. An der einen Seite war ein Altar errichtet worden und vor diesem stand der Geistliche des Dorfes, welcher die feierliche Handlung vollziehen sollte und im Kreise warteten Diejenigen, welche der feierlichen Handlung beiwohnen wollten und voll Spannung nach der Thür blickten, durch die die Brautpaars erscheinen mußten. Endlich wurden die Flüge! geöffnet, man hatte wohl. selten zwei schönere Paare an den Altar treten sehen, und der Landkammerrath konnte sich voll Genugthuung sagen, daß kau n, eine edlere Erscheinung als die seiner Enkelin den kränklichen Kranz und Schleier getragen. — , Die Trauung war vollzogen, und als Mann und Weib nahmen der Graf und die ^räsin Steinhorst, neben Herr und Frau von Bodenwald Aller Glückwünsche entgegen, tiinergnffen von der feierlichen Handlung und dem wichtigen Lebensschritt, den sie soeben gethan. Dann folgte das Hochzeitsmahl — die Abreise nach verschiedenen Richtungen — Graf Steinhorst will seine Gemahlin nach mehreren großen Siadtsn führen, deren Genüsse ihr noch neu sind, Herr von Vodenwald dagegen die Seinigs nach Schlesien, um deren ihm noch unbekannte Geschwister zu besuchen» Nach einigen Wochen kehrts das. letztere Paar von der Hochzeitsreise zurück, nach einigen Monaten das erste, das ebenfalls sich zuerst nach Bodenwald begab, denn Am ' sehnte sich ihren kranken Großvater zu begrüßen. Eine Veränderung, im Laufe des Jahres vorbereitet, war nnterdeß mit dem Aufenthalt verschiedener in diesen Blättern genannter Personen vorgegangen. Förster Kohring hatte seinen Abschied genommen, um mit seiner Nichts, Ehrisiins und Wolf nach Steinhorst zu ziehen, denn Anna konnte sich nicht entschließen flich von 444 ihnen, die ihr bisher im Leben stets nahe gewesen, zu trennen, und Graf Walbeinar, der seinen! jetzigen Großvater und seiner Tante kindlichste Liebe entgegenbrachte, stimmte mit diesem Wunsch überein. — Die alte Gräfin Steinhorst hatte nach eigener Wahl ihren dauernden Aufenthalt in Schönau genommen, und zwar mit ihrer Tochter, Frau von Stern, welche nach Ver- heirathung ihrer Tochter Constanze, das Gut in Schlesien ihrem Sohn übergeben. Der Landkammerrath, welcher seine geliebte Enkelin nur zu gern in seiner unmittelbaren Nähe gehabt, und bis an sein Lebensende behalten hätte, mußte diesem Wunsche, so schmerzlich es ihm auch war, entsagen, und sich damit begnügen, sie in der ihm unerreichbaren Entfernung als Gräfin Stsinhorst glücklich zu wissen nachdem sie ihm das Versprechen gegeben, oft, sehr oft in Bodenwald, ihrer ersten Heimath, Einkehr halten zu wollen, ein Versprechen, dem sich auch ihr Gatte anschloß. Thusnelda und Sophie Dörner hatten daselbst jetzt ihren dauernden Aufenthalt genommen, nachdem die Aerzte erklärt hatten, daß in dem geistigen Zustand der Ersteren nie eine Aenderung eintreten würde. Als ein sehr erwünschtes Geschenk hatte der Graf und die Gräfin Steinhorst dem Landkammerrath ihre Portraits von der Hochzeitsreise mitgebracht, welche genau die Größe und die kostbaren Rahmen der Familienbilder hatten und als beide ihren Platz erhielten, bemerkte Anna neben dem ihres Vaters ein anderes, das Bild einer jungen und lieblichen Frau, und unter diesem stand der Name: „Anna von Bodenwald geb. Kohring." Zunächst diesen! folgte das Bild ihrer einzigen Tochter, bezeichnet als: „Anna Thusnelda Gräfin von Steinhorst, geb. von Bodenwald." Die Reihe aber schloß das Portrait des Grasen Waldemar von Steinhorst, und auf diese Familienbilder, dir letzten seiner Kinder und Kindeskinder blickte der greise Gutsherr mit besonderer Liebe und besonderem Stolz. Goldkörner. ^ Recht ist hüben zwar, wie drüben, Aber dennoch sollst du trachten, Etg'ue Rechte mild zu übeu, Fremde Rechte streng zu achten. Leopold Sche er. Ein Thor, der klaget Slets andere an. Selbst sich anklaget Ein halb schon wsiser Mann. Richt sich, nicht andere klaget Der Weise an. . Herder. Großen Seelen ziehen die Schmerzen nach, wie den Gebirgen die Gewitter; aber au ihnen brechen sich auch die Wetter, und sio werden die Wetterscheide der Ebene unter ihnen. Jean Paul. Aus den Wolken muß es fallen, Aus der Götter Schooß dies Glück, Und der mächtigste von allen Herrschern ist der Augenblick. Schiller. Wie der Schatten früh am Morgen, Ist die Freundschaft mit dem Bösen: Stund auf Stunde nimmt nur sie ab. Aber Freundschaft mit dem Guten Wächset wie der Abendschatten, Bis des Lebens Sonne sinkt. s Herder. Eifersüchtig sind des Schicksals Mächte, Voreilig Jauchzen greift in ihre Rechte. Den Samen legen wir in ihre Hände, Ob Glück, ob Unglück ausgeht, lehrt das Ende. Schiller. Empfindsame Briefe aus Brückenau. Von Karl Felix. 4. Brief. Der schrille Klang einer Glocke weckt mich ans meinen Träumen, — es ist Mittagszeit, die schrecklichste Stunde des Tages! Ich kann inir nichts Abgeschmackteres und Zuwidereres denken, als eine rndls ck'kwte! Meine Seele dürstet nach Freiheit, ich möchte einige Wochen so ganz in stiller Nahe genießen, losgelöst von allen Fesseln, die das Leben dem Menschen nur zu ost aufbürdet und hasse den Zwang, den eine dumme Mode mir auferlegt, nicht essen zu dürfen, wann es mich freut und was mich freut, ja nicht einmal mich hinsetzen zu dürfen, wo es mich freut, sondern just da, wo es dem Kellner beliebt hat, meine Serviette hinzulegen! Eine unheimliche Stille herrscht, ein Curgast nach dem andern kommt, sagt kurz „Mahlzeit" zu feineni Nachbar und jetzt sich nieder. Die Speisen neiden aufgetragen. Statt dem Flüstern der Blätter und dem Gesang der Vogel, der mich vor wenigen Alinuten noch entzückte, höre ich jetzt nur das Klappern der Teller, das Klirren der Gläser und das Geräusch von Messern und Gabel». Es sind erst sehr wenige Curgäste hier, wir sitzen zu 13 an der Tafel! Ich habe nur links einen Nachbar, rechts sind leere Stühle. Bin ich nun der erste oder der dreizehnte? Schreckliche Frage für einen nervösen Menschen! Mein Nachbar ist eine unzugängliche Natur; er spricht fast nichts nnd wenn er etwas sagt, ist es stets irgend eine beißende Bemerkung. Er ist der personificirte Sarkasmus! Obgleich er in keiner guten Haut zu stecken scheint, so liest er doch in allen Blättern zuerst die Todesanzeigen, um zu erfahren, ob nicht Einer gestorben ist, dessen Tod ihm Aussicht auf Beförderung bietet. — Mißtrauisch blickt Eines auf das Andere und hie und da flüstert Einer dem Nachbar etwas zu, denn^laut zu reden getraut er sich in dem kleinen Saale nicht, er erschrickt vor dem Ton seiner eigenen L-timme nnd will nicht, daß der ganze Tisch weist, was er gesagt hat. Der joviale Doctor gibt sich alle Mühe, eine Unterhaltung in Fluß zu bringen, aber es gelingt ihm nicht, man kennt sich ja nur dein Namen nach und bis man sich endlich genauer kennen lernen würde, müssen die Meisten schon wieder fort und machen Andern Platz, die Dich wieder nicht kennen und mit mißtrauischen Blicken betrachten. Da fährt endlich nm halb 2 Uhr der Postomnibus vorbei. O sei mir gegrüßt, du Netlnngsengel, — vielgeliebter Dons ox maobiua! Man bekommt Zeitungen und Briefe, fliegt sie hastig durch, nnd ist aus Augenblicke sich selbst wiedergegeben. Wenn die Krachmandeln nnd ante« diluvianischen Rosinen verzehrt sind, geht der Kellner mit einem Teller unheimlich von Gast zu Gast, die Markstücke klirren und rufen Dir freudig zu: „Der Mohr hat seine Schuldigkeit gethan, der Mohr kaun gehend Doppelt schon isl's Nachmittag, wenn die schreckliche Stunde der tabks cl'llote überstanden ist, im Walde. Ich gehe auf mein Lieblingsptätzchen und ruhe aus. Horch! Was tönt da auf einmal zu mir herüber? Was sind das für Laute? Ein leises Flüstern und Zwitschern, dann ein mächtiges Brausen, — inzwischen langgezogene weiche Töne, wie von eiuer menschlichen Stimme!? — Ich nähere mich dem Orte, von wo die Töne kommen, — es ist die Cureapelle, welche morgen zum erstenmal spielen wird und eben eine Probe hält. Ich lausche, — es ist eine jchwermüthige Weise, die sie gerade spielt und «nein Herz eriüllt ein unendliches Heimweh. Unter allen schönen Künsten ist die Musik die älteste und treueste Gefährtin im menschlichen Leben. Schon im Paradiese werden sich die ersten Menschen am Gesänge der Vogel erfreut haben. Der Säugling, dessen Bewußtsein noch kaum erwacht ist, wird durch ein leises Lied feiner Mutter in sanften Schlaf gewiegt und dem müden Greise, der diese Welt verlassen hat, rufen ernste Orgelklänge noch den letzten Abschiedsgruß nach; bei den Tönen der Musik hüpfen glückliche Paare durch den erleuchteten Saal und bei den Tönen der Musik stürmt der junge Krieger begeistert in die Schlacht! Hymnen ertönen zum Lob und Preis des Unendlichen, die Cherubim singen ihr „heilig, heilig," und die Posaunen wecken die stillen Schläser zum jüngsten Gericht! Die Musik vermag Freude und Trauer, Sehnsucht und himmlischen Frieden zu schildern, sie vermag ein krankes Gemüth zu besänftigen und eine zagende Seele anzufeuern, nur ein unedles Gefühl wachzurufen, vermag sie nicht. Sie ist darum auch die keuscheste der schönen Künste! Hanslick jagt in einem Feuilleton der Neuen freien Presse: muß es doch gerade Dichter und Schriftsteller, welche ihr Leben der inhaltreichsten „Kunst, der Kunst des Wortes und Gedankens, gewidmet, tief verstimmen, wenn sie allenthalben „die Bevorzugung der Musik, dieser Kunst der schönen I »Haltlosigkeit zu erfahre» haben." Dieser Ausspruch des berühmten Musikkritikers hat mich, als ich ihn seinerzeit las, frappirt. Gerade diese sogenannte „schöne Jnhaltlosigkeit" ist es ja eben, was der Musik alle Herzen öffnet! Die Werke der Plastik können mich durch ihre Formenschönheit entzücken, aber ich muß eben einen Sinn sür Formcnschönheit haben; die Farbenpracht der Malerei und die Bilder, die sie hervorzaubert, können mich begeistern und zu Thränen rühren, — die Werke der Poesie können meinen Geist erheben und meine Seele erschüttern, aber es sind ganz bestimmte Gefühle und Empfindungen, welche diese beiden Künste hervorrufen und ich muß ^ine» gewissen Grad von Empfänglichkeit haben, um gerade in diesen, künstlich wachgerufenen Gefühlen schwelgen zu können. Die Musik dagegen ist eine Sprache, die Jeder versteht, dessen Gefühlsleben nicht völlig erstürben ist, auch wenn er nicht musikalisch gebildet ist, — sie läßt der Fantasie den sreiesten Spielraum und ist eine Jakobsleiter, 446 die vorn schmutz der Erde in die himmlischen Gefilde führt. Wo der Pinsel des Malers und die Feder des Dichters zu schwach und zu arm sind, den Gefühlen, die das Men- schcnherz bewegen, Ausdruck zu verleihen, da thut es noch eine sanfte Melodie, ein einziger sterbender Accord! Sage ich vielleicht zu viel? O dann nimm es mir nicht übel, geneigter Leser, — dann sind nur meine Nerven daran schuld! Ich wollte keinen übcrjchwänglichen Panegyrikns schreiben, aber eS empört sich mein Inneres und meine Ueberzeuaung, wenn man mir eine Inseriorität der Musik, den anderen Künsten gegenüber, einreden will^ Es ist viel leichter, ein schönes Gedicht zn machen, als ein schönes Lied zn componiren, und was der Komponist hervorbringt, das schöpft er aus seinem eigenen Innern, während dein Dichter das menschliche Leben Stoss in Hülle und Fülle bietet. „Greift nur hinein in's volle Menschenleben, „Und wo ihr's packt, da ist es int'ressant!" 5. Brief. Soeben bringr mir der Postbote eine Einladung von Paul Heinzs in Dresden zum Abonnement auf das „Teutsche Dicbterhcim". Wie eine Todinnde lasten meine gestrigen Erpectorationen auf meiner Seele! Was wird Paul Heinzs dazu sagen? Wird er mich in Zukunft nicht für einen Tnnnnkopf oder exaltirten Schwärmer halten? Werde ich in seiner Achtung nicht meilentief gesunken sein? — Doch ich tröste mich, Paul Heinze wird diese Briese schwerlich zn lesen bekommen und die Andern, welche vielleicht mitleidig über meine Anschauungen lächeln, wissen ja gar nicht, iver der „Carl Felix" eigentlich ist. Es kommt in der Welt unendlich viel darauf-an, wer etwas sagt oder thut. Sagt's z. B. der A., so hält man es snr ein geistreiches Lvmgn, sagt's aber der B., so schwört Jeder darani, es sei eine Flachheit. Auch Paul Heinze macht's in seinem Dichterhenn nicht besser und nimmt manches ziemlich werthlose Gedicht auf, wenn nur ein berühmter Name darunter steht, während er dasselbe Gedicht mit einer bethenden Kritik zurückweisen winde, wenn der Autor unbekannt ist. So war's übrigens in der Welt immer, und so wird» immer bleiben! Schon dcr Lateiner sagt: „81 clno kaeinni iäem, nvn est iüenr" und „Unoäliovi lovi, nonlioetbovi." Die Philosophen haben das Privilegium, das Dümmste zn beweisen und die Gebildeten haben das Privilegium, ungebildet zn sein! Doch zurück zn meinem lieben Brückcnan! — Ich wandle einsam am User dcr Sinn und pflücke Vergißmeinnicht und Maßliebchen. Die Töne sind verklungen, aber das Heimweh, das sie heroorgcrnscn, ist geblieben! Jst's anch noch so schön hier, so fühle ich mich doch verlassen. Schon im Paradiese sprach Gott der .Herr zn Adam: „Es ist nicht gut, daß dcr Mensch allein sei, ich will dir eine Geflihrlin geben" und schuf die Eva. Für mich braucht nicht einmal eine Eva erst geschaffen zn werden, ich Habs ja schon längst eine, — nur das; sie nicht hier ist, sondern viele Meilen von mir entfernt in meinem stillen kleinen Häuschen in Sie muß kommen, dann erst kann ich die Schönheit dieser Wälder, die Reinheit dieser Luft voll und ganz genießen, — dann werde ich jauchzen und jubeln und keine trüben und empfindsamen Gedanken werden mich mehr besclüeichen! Finit're hinaus, kleines Blätichsn, und rufe sie an meine Seite! Ich lege dem Briese die Vergißmeinnicht vom User der Sinn bei und zerpflücke die Maßliebchen, die ich vorhin gesammelt. „Sw kommt" — „sie kommt nicht" — „kommt" — „kommt nicht."-beim letzten Blättchen heißt es: „sie kommt" und jubelnd kehre ich heim! — 6. Brief. Die Physiognomie des Badeorts hat sich in den letzten Tagen mrsenilich verändert: es sind nun mehr Gäste da, die tadlo ü'IuUo findet in Folge dessen in den prächtigen Räumen des imposanten Cnrsaales statt und wer nicht daran thsilnehmen will kann jederzeit ä, In, vnrto, speisen, die Cnr- capcile spielt 3 mal täglich, es wird mnsicirt, gekegelt, tarroclt und getanzt, es werden Ausflüge gemach-, — ein heitereres Leben hat begonnen! Trotzdem kann derjenige, der die Stille und Einsamkeit sucht, stundenlang in den prächtigen Wäldcrn spazieren gehen, ohne gestört zn werden. Ich suhle bereits die gute Wirkung des rtahlwnsssrs und der vorzüglich eingerichteten Stahlbäder, maz auch dcr Dortor in * über das Brückenancr Wasser spötteln, wie er will. Doch, geneigter Leser, Du weißt ja noch nichts vom Doctor in und ich muß Dir deshalb eine kleine Episode erzählen. Es war auf der Fahrt von Jossa nach Brücken»!:. Ich ließ den Kutscher in Zeilloss halten, um ein Glas Bier zn trinken, denn ich war von der langen Fahrt an einem heißen Tage durstig geworden. Mein Kutscher war ein gesprächiger Mann, mit dem ich mich unterwegs vortrefflich unterhielt. In Zeilloss nun saß ein Herr an unserm Tisch und das Gespräch kam natürlich auch aus Brnckenan. Der Herr äußerte sich sehr geringschätzend über die Wirksamkeit der dortigen Stahlgnelle und meinte, Brnckenan sei ein recht schöner Aufenthalt snr Gesunde, jedoch keineswegs ein Bad snr wirklich .Kranke, da die dortige Quelle zn schwach sci, um irgend eine Wirkung zn erzielen. Nun war es wirklich interessant, zn hören, mit welchem Feuereifer mein Kutscher das Ärückenaner Wasser in Schutz nahm und wie cr die Argumente des fremden hü-rrn zn widerlegen suchte. Wenn er seine Gegenargumente vorgebracht hatte, kam als Schlnßbombe stets der Refrain: „König Ludwig I. hat gesagt: „in meinem Königreich gibt es nur ein Bad, und das heißt Brnckenan", woraus der fremde Hcrr regelmäßig erwiderte: „König Ludwig Hai von Bädern nichts verstanden!" Ich mischte mich nicht i» dieDiscussiou, denn ich wollte Brückeuau erst aus eigener Erfahrung kennen lernen, ehe ich sür oder wider Partei ergriff. Es iväre mir übrigens, auf Grund der chemischen Analyse, welche i» der Bndeschnst des lle.Wchner enthalten ist, sehr leicht gewesen, die Theorien des sremden Herrn zu widerlegen, denn bei denn gegenwärtigen istand der Wissenschaft ist man schon langst davon abgekommen, ans der Quantität des Eisenoxyd»!?, welches eine Quelle enthält, absolut aus deren Wirksamkeit zu schließe». (5s müssen verschiedene Faktoren znsamme nvirken. Die Quantität des Eisens, welcle das menschliche Blut benöthigt, ist so gering, das; der Gehalt des Brückenaner Wassers vollständig ausreicht. Die Wirksamkeit einer Stahlgnelle beruht nicht lediglich auf dem Eisengehalt, sondern auf den Mischungsverhältnissen der sämmtlichen festen Bestandtheile und aus dem Gehalt an freier Kohlensäure, welch' letztere die Abjorblionsfähigkcit steigert. Gerade in dieser Hinsicht ist aber das Brückenaner Wasser unschätzbar und übertrifft viele andere, stärkere Stahtguellen. Führt man dem Körper zu viel Eisen zu, so ist der Ueberschns; einfach unnütz, weil er von den innern Organen nicht absorbirt wird, oder sogar schädlich, weil er Verdauungsstörungen verursachen kann. Doch, diese Betrachtungen gehören ni - t in ein Feuilleton und ich breche deshalb ab. Als ich wieder fortgefahren war, fragte ich den um den Ruf des Bades so sehr besorgten Kutscher, wer denn der fremde Herr eigentlich gewesen sei. Er erwiderte mir: „Der Doctor von * " (einem nicht sehr weit von Brückenan entjernten Orte). Damit war mir Manches klar! Wäre in Brückenan kein Badearzt, dann würde der Herr Doctor vielleicht ganz anders gesprochen haben! Ich mußte später noch oft lachen, wenn ich an den Disput dachte. Mit dem Doctor bin ich leider nicht mehr zusammengetroffen. Ich hätte ihm gerne meine Erfahrungen und Ansichten auseinandergesetzt, ohne mich auf die Autorität König Ludwig's 1. zu stützen! Vielleicht bekommt er diese Zeilen zu lesen! 7. Brief. Nun ist's aus mit der „Empfindsamkeit" aber auch — mit den „empfindsamen Briefen"! Meine Eva ist angekommen! — Lebe wohl, geneigter Leser! Bist du nervenschwach oder blutarm, oder sehnst Du Dich »ach den Mühen und Sorgen d:S täglichen Lebens, nach den Aufregungen, die dein Berns vielleicht mit sich bringt, darnach, einige Wochen in stiller Abgeschiedenheit, in reizendem äoloe bar uioirts selig zu verträumen, so komme hicher in dieses Eldorado. In der hehren Pracht der Natur, die sich ringsum entfaltet, in diesen herrlichen Wäldern, wo unter hundertjährigen Buchen und tausendjährigen Eichen so viele traute, liebe Plätzchen winken, wird Dein Körper erstarken und Dein Gemüth sich beruhigen. Hängst Du an den eitlen Vergnügungen dieser Welt, an dem Sinnenrausch des Augenblicks, dann freilich ist Brückenan nichts für Dich, — dann gehe in eines jener modernen Lnxnsbäder, wo der äußere Glanz maßgebend ist, wo Du Jmal des Tages die Toilette wechseln mußt, um salonfähig zu sein und wo Du jalich sein mußt, um Dir aus wenige Wochen falsche Freunde zu erringen! In Brückenan herrschen noch einfachere Sitten und nur die Natur entfaltet hier ihre ganze Pracht. Diese alle und treue Freundin des Menfchen macht aber keinen Unterschied zwischen hoch und nieder, zwischen arm und reich, sie schließt Jeden mit gleicher Liebe in ihre Arme und theilt an Jeden, der ihre Reize zu würdigen versteht, die gleichen Gaben aus! (Anni. d. Red. Der Versasser vorstehende/Briefe hat sich bereit erklärt, durch Vermittlung der Redaction allen denjenigen, welche sich für einen Aufenthalt in Brückenan interessiren sollten, nähere Mittheilungen über die dortigen Verhältnisse w. zu machen.) M r s s e L L § rr. (Die S i in p e l f r a n z e n.) Als Gott das erste Menschenpaar — Erschuf vor so und so viel Jahr, — Da setzt er es in's Paradies, — Das damals an den Himmel stieß — Und sprach zu ihnen: „Lehet hier, — Da habt Ihr allerlei Gethier: — Den Löwen, Tiger und das Nind, — Und wie die Namen alle sind, — Und all' das Viehzeug, wie sich's regt, — Das Haar hinein in's Antlitz trägt, — Auf daß ein Jeder sehen kann, — Daß er gehört dem Thierreich au. — Damit man unterscheiden werd' — Den Mensch von einem Hund und Pferd, — So traget, ich macht's Euch zur Pflicht, — .Das Haar stets frei aus dem Gesicht." — Als d'rauf der liebe Gott verschwand, Eva hart an 'nein Büchlein stand. — Sie blickt hinein und sah mit Graus — Auf ihrer Stirn ein Löckchen kraus, — und eingedenk des Herren Wort — Schob heftig sie die Löcklcin fort, — Daß ihre Stirne klar und frei — Und nicht durch Haar verunziert sei. — Doch heutzutagl dn lieber Gott! — Niemand mehr kennet dein Gebot! — Den alle Eva's, groß und klein, — Zieh'n sich das Haar in's Antlitz nein! — In Löckchenform, bald g'rad, bald krumm — Im Zickzack auch, 's ist gar zu dumm —> Klebt man sich an die Stirn das Haar — Manchmal bis auf die Augen garl — Und 448 diese Haartracht nie gekannt, — Sie wird mit Stolz „Isis IianZs" genannt. — „Vangs" Jede trägt, Gott sei's geklagt. — Prinzessin so wie Küchenmagd. — Die Frau dagegen lob' ich mir, — Die als der Zierden schönste Zier, — Ihr reiches Haar in Flechten legt — Und frei aus dem Gesicht es trägt; — Die kühn des schnöden Brauches lacht — Der „Bangs", und sie mit Muth veracht't, — Die halt' ich werth, — Auf solche Frau'n — Wird stets der Mann verehrend schau'n. (Die Grazer sind loyale Unterthanen, aber schlechte Dichter.) Der Kaiser Franz Joseph bereist jetzt die Provinzen der Monarchie und kommt auch nach Graz. Zu seiner Begrüßung war nun ein Triumphbogen errichtet, auf welchem die folgende, so „sinnige" wie „formvollendete" Inschrift prangt: „Was vor sechsmallmndcrt Jahren Unsere Väter zugeschwore». Wird der Enkel stets bewahren, Sleirer's Treu' geht nicht verloren. Volkes Liebe, Volkes Treue, Das sind Habsburgs feste Mauern, Die sich häuten (?) stets auss Neue Und die ewig sollen dauern." (Enttäuschung.) „Aber liebe Schwester, Dein Unglück existirt wahrscheinlich nur in Deiner Einbildung." — „Meinst Du? Du hast einen Rath geheirathet und bist Näthin geworden, die Schwester hat einen Major geehelicht und ist Frau Majorin geworden, ich habe einen Wittwer geheirathet und glaubte Wittwe zu werden, aber wie schrecklich habe ich mich getäuscht!" (Auf dem Exerzierplatz.) Ein Unteroffizier, etwas entfernt stehend, comman- dirt: „Rechtes Bein aufwärts fü-ü-ürht!" — Ein Rekrut, nicht gut deutsch verstehend, hebt das linke Bein auf. Der Commandirende sieht in der Front zwei Beine dicht nebeneinander und ruft: „Himmelkreuzdonnerwetter, welches Rindvieh hebt da beide Beine zugleich auf?" (Jeder nach seiner Weise.) Herr: „Nun, wie urtheilen Sie über das neue Trauerspiel?" — Dame: „Ach, wir haben uns köstlich amüsirt. Ich habe so geweint!" Die Quelle -er Natur. Ich weiß eine Quelle gar köstlicher Art, Die sprudelt und schäumet in lustiger Fahrt; Sie lockt dich am Morgen zu kühlendem Bad, Sie spület von Sorgen die Stirne dir glatt. Hoch spritzt an mein Fenster das köstliche Naß. — Wen kann es noch halten im dumpfen Gelaß? Aus Straßen und Thoren in?» Freie hinein. Zu schlürfen, zu schlürfen den herrliche» Wein! Wer sollt' es nicht wissen, wie lang' es auch her: Einst floß uns die Quelle gleich wonnigem Meer, Wir sanken in Blumen, versanken im ^Uee, Der Himmel stand endlos auf endlose^ See. Dann ebbte die Woge zu Fluß und zu>Bach: Statt goldener Weile ein enges Gemach, Statt gaukelnder Falter auf blumiger Trist In modrigen Blättern die krimmelnde Schrift! Und ging der Gedanke dir Grübelndem aus, So grüble nicht weiter: nur fort aus dem Haus, Und trink' an.der Quelle der schönen Natur; Dort reist dir die Weisheit aus schwellender Flur. Und wuchsen die Sorgen dir über das Haupt, So ruhe, von rauschenden Wipfeln umlaubt, In heiliger Stille, vom Murmeln nmkost Der kühlenden Welle mit lieblichem Trost. Doch heisa, juchheisa! nun geht es hinaus, Nun jubelt es: „Ferien! die Schulen sind aus!" Nun schmetterl's im Walde so fröhlich und hell, Nun stnrmt's zu dem alten, urewigen Quell. Und wie du dich grämest und kümmerst und bangst, In zehrender Trauer, in nagender Angst, Ö steig' zn den Bergen, dort sprudelt dir hell, Jungkrästig entgegen der heilende Quell. Wann immer auf Erden dir Bitt'res geschah, So rufe die Sonne, die Sterne dir nah, Und trink' an der Quelle, die überall springt, Was Tugend und Freude des Lebens dir bringt! L. v. Heemstede» Für die Redaktion verantwortlich Alphons Planer in Augsburg. — Druck und Verlag des Literarischen Instituts von Dr. Max Hnlller.