Nr. 64. 1885 zur „Äugslmrger PostMmg." Samstag, 11. August „Jur Eintracht" oder „Schuld und Sühne." Nacherzählt von F. Carneville. (Fortsetzung.) Leo kam oft in Gerner's Haus, wobei er sich immer das Ansehen des friedliebendsten Menschen zu geben wußte. Gerner erkannte alsbald, daß diese Besuche weniger ihm als seiner Tochter galten, was ihm übrigens gar nicht unangenehm war. Leo war wohlhabend, war ein ausgezeichneter Arbeiter in seinem Fache, und wenn er auch, wie man sagte, etwas derb war, wußte man ihm eben hiezu wenigst möglich Gelegenheit geben, kurz, Gerner hatte in ihm noch nichts Uebles entdeckt, und wenn Leo um die Hand seiner Tochter angehalten hätte, würde er, vorausgesetzt, daß Mariele hiemit einverstanden gewesen wäre, nichts dagegen einzuwenden gehabt haben; — so ging die Sage. Mariele's Gedanke» stimmten aber nicht mit denen ihres Vaters überein. Dieser Leo, sagte sie sich, „ist ein Duckmäuser, selbst wenn Alles, was man von ihm sagt, nicht wahr wäre, nnch schaudert, so oft er mich anlächelt, und wahrlich lieber in ein Kloster gehen, als diesen Mann heirathen, — ja, gewiß, wenn mein Vater mich hiezu nöthigen wollte, würde ich Nonne werden!" Gerner dachte aber nicht im geringsten daran, ihr hierin irgend einen Zwang anzulegen, denn Mariele wad seine einzige Freude, sein einziges Glück auf dieser Erde, und als sie eines Tages von ihrem Vater wegen Leo aufgezogen wurde, und hreber drohte, eher den Schleier nehmen zu wollen, war Gerner rasch entschlossen seinen Verkehr nnt dem jungen Manne zu ändern und ihm zu zeigen, daß er seinen Erwartungen in dieser Beziehung entsagen müsse, er wurde auch viel weniger mittheilsam gegen ihn, und erlaubte sich sogar öfter seine Arbeiten zu tadeln, was er sonst nie gethan hatte. Dies Benehmen Gerner's erweckte die gehässigen Gesinnungen Leo's gegen seinen Bruder aus's Neue, denn durch seine Leidenschaft verblendet, schien er überzeugt sein zu dürfen, daß er diese Abweisung lediglich den Anschwärzungen Seppli's zu danken habe. Diese Annahme war aber durchaus falsch, Seppli hatte zwar jedes Zusammentreffen mit seinem Bruder bei Gerner vermieden, aber gewiß nicht in böswilliger Absicht, sondern lediglich aus Furcht, A möchte irgend eine Geringfügigkeit Anlaß geben, den Streit wieder anzufachen. Wir wissen, wie schwer das Herz eines jungen Mädchens zu ergründen ist und es darf deshalb nicht wundern, wenn Gerner nicht ahnte, was in dem seines Kindes vorging; der glückliche Seppli dagegen mißkannte es nicht. Er mußte, daß sein Bild in ihrem Herzen ebenso tief stund, als das der Jungfrau in seinem; er wußte es, wie wenn es ihm eine Stimme im Traum verkündet hätte, denn Mariele hat noch nicht im Geringsten etwas verrathen, und er selbst hatte bis jetzt nicht den Muth gehabt, sein Schicksal aus ihren Auge» zu lesen. . Aber dieser Muth kam »hm plötzlich eines Tages, als er Gerner Waaren bringen wollte, und Mariele allein zu Hause traf .... sie verständigten sich gar bald und an der Thürschwelle beim Abschiede fragte Seppli noch: „Willst Du mir auch treu bleiben, Mariele?" — »Bis zum Tode!" murmelte das junge Mädchen, „aber nicht wahr, die Welt braucht es vorerst nicht zu wissen, daß wir uns so innig lieben?" „Mein, sicherlich", antwortete freudig bewegt der glückliche Seppli, „Niemand soll es erfahren, vor nicht der Frühling kommt, ünd unsere Vater ihre Einwilligung gegeben haben." Ihre Lippen besiegelten das Versprechen, und rasch verließ er das glückliche Mädchen, auf daß sie in ihrem Geheimnisse nicht von ihrem Vater überrascht werden möchten. Während des darauffolgenden Herbstes und Winters brachte Seppli mehr Arbeiten nach Sarnen als je zuvor; aber Niemand ahnte, was sich die Blicke der beiden Liebenden sägten, während er den Neben Gerner'S ^ zuhörte, und Mariele auf der Ofenbank saß und emsig zu stricken schien. So verging die Zeit bis zum Frühling, wo endlich ein Lichtstrahl in Gerner'S Geist fiel und in seiner Ueberraschnng sagte er zu sich: „Alter Narr, der ich bin, wo habe ich denn die Zeit, über meine Augen gehabt?" Es war am Ostersonntäg Mittags, als Marie!« ihren Seppli an der Hand in'S Zimmer trat, und vor ihren Vater hintretend, zwar etwas verlegen, aber doch ohne Zagen, sprach: „Hier, Vater, ist der, den ich gewühlt habe, wenn Ihr keine Einwendung dagegen zu machen habt!" Gerner hatte zweifelsohne nichts einzuwenden, denn hiedurch erfüllte sich ein Wunsch, den er längst im Stillen genährt hatte, die Hände erhebend setzte er sie zum Zeichen seines Segens über die Häupter der Glücklichen, welche dir Arme ineinandergeschlungen vor ihm standen. — Den nächsten Sonntag wurde das Aufgebot in der Kirche zu Sarnen und Lungern verkündet; als aber vom Pfarrer in Lungern unmittelbar darauf auch das Aufgebot Leo'S erfolgte, geschah dies zur großen Ueberraschung der Anwesenden. Dies Erstaunen war auch nicht weniger in der Familie Nieder selbst» welche hievon vorher keine Silbe gewußt hatte, und es mischte sich eine gewisse Unruhe bei, denn eine Stimme sagte Jedem, daß dieser Entschluß Leo'S nicht aus Liebe, sondern aus Haß geschah. Diese Voraussetzung war auch richtig. Als Leo alle Hoffnung verloren hatte, die ' Tochter Gerner'S heiinzusühren, machte er die Bekanntschaft mit der Tochter eines reichen Bauern zu Sächseln, welche trotz des Geldes ihres Vaters und ihres Rufes einer tüchtigen Wirthschaften«, noch keinen Freier gefunden hatte, was wohl nicht allein daher kam, weil sie keine besondere Körperreize besaß, sondern zunächst wegen ihres Charakters, der mit dem Leo's viel Aehnliches hatte; selbst. Leo zögerte hiewegen einige Zeit, als ihm aber seine Mutter die Verlobung Seppli's mit der Tochter Gerner'S mittheilte, war er wüthend über diese Nachricht und eilte sogleich nach Sächseln, wo noch selben Abends seine Werbung angenommen wurde. Er gab aber weder seinen Eltern, noch sonst Jemanden hievon Kenntniß, und selbst den Pfarrer verständigte er erst Samstag Abends - behufs des Aufgebotes hievon. ' So wurden denn die beiden Söhne Nieder'Z zu gleicher Zeit getraut. Aber im ^ Hause Leo's gingen bald außergewöhnliche Dinge vor. Die Eintracht hatte ein Jahr E nicht viel überdauert gehabt, und der Himmel wollte auch nicht, daß durch die Geburt ! eines Kindes dieselbe wieder hergestellt worden wäre. Die große Sparsamkeit und i Thätigkeit Leo's hatte zwar seine Wohlhabenheit zusehends gehoben, aber Reichthum allein j schafft noch kein Glück. — Leo war jähzornig und grob wie immer; seine Frau in ihrem gleichfalls heftigen Charakter, wenngleich nicht ohne natürliche Gutheit, gab ihm in Nichts ! nach. Der geringsten Kleinigkeit halber, entstund Zank und so lebhafter Streit, daß es ^ weist zu Thätlichkeiten kam und bald verging keine Woche, daß die Frau nicht mit blauen ! Augen, der Mann nicht mit zerkraztem Gesicht einherging. In diesen ehelichen Zwist sich einmischen zu wollen, hieße zwischen Hammer und Amboß gerathen, denn dann hätten sich sicherlich die Gatten dem Eindringlinge gegenüber geeint. — Selbst der Pfarrer machte diese Erfahrung, als er eines Tages vom Vater Nieder, der vergeblich mehrere Versuche gemacht hatte, gebeten wurde, seinen Einfluß und sein Ansehen geltend machen zu wollen, .. ^ M7. — um den Friede» wieder herzustellen. Er begab sich denn zu Leo; aber es verging kaum eine halbe Stunde, als er eiligst das Haus wieder verließ und den Eltern versicherte» daß hier nichts helfen könne, er sei froh wieder heil davon gekommen zu sein und werde sich nie mehr einmischen, mögen sie sich todtschlagen; hier vermag nur die Hand des Höchsten Abhülfe zu schaffen. Welchen Contrast bot dagegen das Wohnhaus Seppli's zu Sarnen, wo er auf Bitten seines Schwiegervaters und Mariele's mit Zustimmung seiner Eltern in Gerner't. Haus sein Heim aufgeschlagen hatte. Hier schien Alles vereinigt, die Liebe, der Friede, das Glück und der Segen des Himmels. Die Schönheit Marien's hatte sich noch mehr entfaltet und wenn sie ihr reizendes Kind am Busen hielt, so gab es in der ganzer, Kunstsammlung ihres Baters keine Madonna, die in ihrer rührenden Anmuth sich mit ihr messen konnten. Auch der alte Nieder und seine Frau benutzten jede sich bietende Gelegenheit sich so oft und so lange zu Sarnen aufzuhalten, als es nur die Umstände gestatteten, dem» sie fanden hier Alles, was sie im alten Hause zu Lungern vermissen mußten, und insbesondere war es auch die Liebe zu dem Enkelein, die sie anzog. <— Leo's hatten sie sich allmählig entwöhnt, denn er vermied sie mehr und mehr und wich sogar jeder Begegnung aus, wenn es nur immer möglich war. Aber auf dieser Erde sind die Tage des Glückes leider gezählt. Dies mußten auch Seppli und Mariele erfahren, denn Vater und Mutter Nieder starben kurz auf einander, mit der sorgfältigsten Liebe der gangen Familie Seppli's bis zur letzte» Stunde gepflegt. Das junge Nieder'sche Haus in Lungern stand nun leer und nachdem sich Niemand fand, der das Anwesen kaufen oder in Pacht nehmen wollte, so sah sich Seppli wohl genöthigt mit Frau und Kind dorthin zu ziehen. Diese Uebersiedlung geschah ganz ruhig, aber nicht ohne traurige Vorahnungen.' Im Augenblick, wo Seppli in sein HauS eintrat, stand Leo auf der Thürschwell« seines Eigenthums mit boshaftem Lächeln; als er aber Mariele gewahrte, die er wohl jahrelang nicht wieder gesehen hatte, da wendete er sich rasch um und Gott mag wissen von welchen Empfindungen seine Seele bewegt war. In der ersten Zeit schien mit diesem Einzüge Seppli's auch eine günstige Veränderung im alten Hause eingetreten zu sein, denn alles Streiten, alles Geschrei und alle Prügeleien hatten aufgehört; dies war aber nur scheinbar, sein roher, zänkischer Geist hatte jetzt nur eine andere Ableitung, ein anderes Ziel gesunden, für das er nun alle seine Kräfte vereinen zu wollen schien; der alte Haß gegen seinen Bruder» dessen eheliches Glück ihm ein Dorn im Auge war, ist wieder aus's Neue erwacht, ja mächtiger als je zuvor» Die erste Gelegenheit seine bösen Absichten kund zu geben, bot sich schon im Sommer, als der Brunnen in Seppli's Anwesen versiegte und dieser sich genöthigt sah, seinen Bruder zu bitten, ihm die Mitbenützung des alten Brunnens gestatten zu wollen. Leo schlug es ihm aber kurz und grob ab, so daß Seppli gezwungen war, das nöthige Wasser für seinen Haushalt sich aus dem Dorfe beizuschasfen, was abgesehen vom Zeitaufwande auch mit Kosten verbunden war. so daß er um solchen Unannehmlichkeiten in Zukunft zu entgehen, kostspielige Arbeiten vornehmen lassen mußte, um den Brunnen tiefer zu graben. Was ihn aber am meisten betrübte war, daß er den alten Unfrieden wieder ausbrechen sah, den er mit der Zeit erloschen glaubte und mit Bedauern mußte er den Vorsatz fassen, künftighin keine Gefälligkeit seines Bruders mehr in Anspruch nehmen zu wollen. Aber bald sollte es zu neuen Zwistigkeiten kommen. Die Eltern hatten seiner Zeit die Theilung der Güter mit Hilfe einiger Freunde vorgenommen und Leo war auch bis jetzt mit seinem Antheile völlig zufrieden; plötzlich aber erhob er Streit hiewegen, indem er vorgab übervortheili worden zu sein; dann griff er auch das Ziehen der Loose an, und so entstand denn ein ebenso langwieriger als kostspieliger Prozeß, der nach einer Menge von Zwischenfällen schließlich damit endete, daß die Fertigung eines neuen S08 Theilungsplanes und nochmalige Verloosung verfügt wurde. — Leo's Absicht ist aber doch nicht ganz erreicht worden, denn das Schicksal warf ihm noch einmal das alte Haus zu und bei der neuen Theilung der Güter geschah nur eine geringe Veränderung. — So erwuchsen denn immer neue Händel, die, ganz nach Willen Leo's, das glückliche Leben Seppli's völlig untergruben. Müde dieser steten Plackereien entschlossen sich gptlich Seppli und seine Frau, deren Vater auch mittlerweile gestorben war, ihr Anwesen zu verkaufen und nach Sarnen in's Gerner'sche Haus überzusiedeln. — Kein Käufer kam jedoch nach Lungern, um das schöne Anwesen zu kaufen und so wollten sie es denn versteigern lassen. Sie erhielten hiezu auch die amtliche Genehmigung, Alles wurde geregelt und die Versteigerung endlich angekündigt. Aber am Abend vorher, wo dies geschehen sollte, Seppli und seine Familie waren bereits ausgezogen und das Haus stand leer, wurde Feuer gelegt und andern Morgens war nur mehr ein rauchender^Trümmcrhaufe» vor» Handen. — Ein Schrei der Entrüstung wiederhallte in der ganzen Gegend. Es herrschte unter der Bevölkerung über die Ursache des Brandes kein Zweifel, die allgemeine Meinung nannte unverholen Leo als Brandstifter. Ob mit Recht oder Unrecht? — — Niemand vermochte es zu beweisen und selbst wenn Beweise vorgelegen hätten, so würde Seppli niemals als Kläger gegen seinen Bruder aufgetreten sein und damit die traurigen Familienvsrhältnisse noch mehr aufgedeckt haben. So stand die Angelegenheit; acht Tags später wurden die Gründe Seppli's versteigert. Aber Niemand wollte sich in eine so gefahrvolle Nachbarschaft begeben, und so begegnete Leo keinem Bewerber und erhielt gegen ein geringes Angebot die schönen Gründe zugeschlagen. Da es zu jener Zeit in Unterwalden noch nicht üblich war, seine Häuser gegen Brandschaden zu versichern, so läßt sich leicht ermessen, welch' großer Schaden dein armen Seppli durch dieses Unglück und den geringen Erlös für seine Gründe erwachsen ist. Aber die beiden Gatten ertrugen dieses Mißgeschick ohne Murren. Sie hatten wenigstens den Trost, nicht mehr in nächster Nähe jenes Menschen zu sein, der ihr Glück und ihren Frieden auf eine so erbarmungslose Weise gestört hatte. Im klebrigen waren sie trotzdem doch nicht arm, denn Mariele's Vater katte ihnen eine ansehnliche Erbschaft hinterlassen. — „Wenn uns das Opfer, das wir bringen mußten, auch hoch zu stehen kam, so haben wir jetzt doch Nutze!" sagte eines Tages die gute Marie zu ihrem Mann, um ihn zu trösten. „Durch Arbeit und Sparsamkeit werden wir, so Gott will, dies wieder gewinnen, so daß mindestens unsere Kinder nicht mehr darunter leiden werden, und wir ? können auch mit gutem Gewissen dabei sagen, daß wir an dem uns widerfahrenen Unglück keine Schuld tragen." Seppli schien diesen Trost anzunehmen, ja er überredete ? sich selbst, daß man sich einer vollendeten Thatsache fügen müsse; aber trotz alledem nagte der Kummer innerlich fort, und wenn er diese traurigen Erinnerrngen auch während des Tages durch seine rastlose Thätigkeit verscheuchte, so traten sie um so heftiger des Nachts hervor und quälten ihn selbst in den Träumen. Ueberdies fand Leo, trotz der Entfernung, die ihn von seinem Bruder trennte, doch immer Gelegenheit ihm Sorge und Gram zu bereiten; so war allseitig bekannt, daß er hinreichende Mittel besessen ! hätte, die ersteigerten Gründe von Seppli's Anwesen gleich zu bezahlen, aber er bedung sich Fristenzahlungen, wohl nur in der Absicht dadurch Anlaß zu bekommen, seinen Bruder peinigen oder ihm schaden zu können. Da der alte Gern« keine Oekonomie betrieb, so bestund sein Anwesen nur aus dem Wohnhaus« und dem anliegenden Garten; Seppli mußte daher Grundstücke dazu erwerben und bezeichnete zu deren Bezahlung dieselben Termine, die Leo ihm bestimmte, so daß er mit diesem Gelde seinen Verbindlichkeiten nachgekommen wäre. Als jedoch die erste Rate von Leo's Schuld zahlbar war, honorirte er dieselbe nicht, sondern wußte / 599 unter allerlei Ausflüchten die Zahlung hinauszuschieben, wohl wissend, daß er damit seinem Bruder große Verlegenheiten bereitete. Seppli sah sich auch in der That hie- durch in die traurige Nothwendigkeit versetzt, ein Anlehen für die ganze Summe seiner Schuld zu machen, da ihm nun die Absicht Leo's klar wurde, und er wohl einsah, daß er nur mit großen Schwierigkeiten dessen Zahlungen werde erlangen können. (Fortsetzung folgt.) Ausstattung einer Braut Früher 1) Ein alter, harter Kasten mit selbstge- spvnnencr Leinwand, Tisch- und Bettwäsche vollgepfropft. — 2) Ein Aufsatzkasten mit Silberzeug, Firmthaler und Pathengeschenksn. — 3) Ein niit Silber beschlagenes Gebetbuch, ein Kochbuch» — 4) Bier Dutzend selbstgefertigte Hemden und 24 selbstgestrickte Strümpfe. 5) Zwei Dutzend silberne Bestecke, Tafelzinn, Kupfergeschirr, ein großer Schmalztopf und ein Faß mit Kraut. 6) Ein Hausaltar mit Vetschemel. 7) Eine goldene Hals-Kette mit ächten Perlen, ein goldenes Kreuz, goldene Ringe. 8) Zwei einfach eingerichtete Zimmer, mit Roßhaar gepolsterte Sessel u. s. w. 9) Alle Abend gemeinschaftliches Gebet vor dem Schlafengehen. 10) Wöchentlich 2 Kosttage für arme Studenten. 11) Die silberne Hochzeit naht, sie wird im Kreise ihrer fröhlichen Kinder gefeiert. 12) Die Eltern sterben in den Armen ihrer Kinder. und Jetzt. 1) Ein polirter Kommodkasten mit Atlas», Tüll- und Seidenkleider, p. Meter 50 Pf., gefüllt. — 2) Große Schachteln mit Bandeln, Federn und Blumen. — 3) Ein Photographiealbum u. Tanzkarte. 4) Sechs neue baumwollene Hemden, 6 Paar Strümpfe von einem Ausverkaufe. 5) Sechs neusilberne Bestecke, Geschirre von Blech, kupferfarbig angestrichen, einen Hafen voll Thee. 6) Eine Toilette und ein Ankleidespiegel vom Meubelverleiher. ?) Ein goldenes Collier, Bracellet vom Fünfzigpfennig-Bazar. - 8) Wohnung mit 6 Zimmern, Draperien an den Fenstern, Meubel und Fortepiano auf Abschlagszahlung, resp. Eigenthum des Tapezierers. 9) Die gnädige Frau liest leichtfertige Romane, der Herr Gemahl schläft seinen Weinrausch aus. 10) Die Frau nimmt einige Hausfreunde in Kost und Quartier. 11) Nach 6 Wochen leben Frau und Mann getrennt. 12) Den Tod der Eltern erfahren die Kinder erst aus der Zeitung. Philosophie. Ohne Ei gibt's keine Henne, Ohne Henne gibt's kein Ei. Ist das Ei ein Kind der Henne? Oder Henne Kind vom Ei? War im Anfang erst die Henne? Oder war zuerst das Ei? Deutscher Philosoph, o trenne Dich von Deiner Träumerei l Werde endlich frisch, froh, frei, Friß die Henne und das Eil (Flgde. Vl.) Mise-llen. (Der Kinder mord bei den Sakalave n.) Ein Brief des unlängst in Tamatave auf Madagaskar verstorbenen Pater Piras, welcher länger als 30 Jahre auf jener Insel zugebracht hat, behandelt die gräßliche Sitte des Kindermordes bei den Sakalave». Denselben gilt der Freitag für unglücklich, und deshalb bringen sie jedes an einem Freitag geborene Kind in den Wald, legen es dort in eine Grube und über» I lassen es seinem Schicksale. Bei andern malagassischsn Stämmen gilt ein anderer Wochen- ^ tag für uiiglückverheißrnd. Jedes an eine», Sonntag geborene Kind eines Prinzen oder einer ! Prinzessin wird ebenfalls ausgesetzt, gleichviel, ob sie schon andere Kinder haben, oder solche erwarten, oder sich keine Hoffnung mehr darauf machen können. Denn ein solches an einem „großen Tage" geborene Kind muß nach ihrem Glauben viel Glück haben und könnte, wenn es am Leben bliebe, mächtiger werden als seine Eltern. Der Aussetzung verfallen ferner alle auch an glücklichen Tagen geborene Kinder, welche irgendwie mißgestaltet sind, sowie die für unheilvoll gehaltenen Zwillinge; noch ganz kürzlich hat die Königin selbst zwei prächtige Knaben, die von ihrer Tochter geboren worden waren, inr Walde ausgesetzt. Wenn eine Frau beim Nähren ermattet, so wird der Häuptling davon in Kenntniß gesetzt und erscheint alsbald in Begleitung des Scharfrichters, der, wenn die Erzählung für richtig befunden wird, sofort das kleine Wesen umbringt, weil es undankbarerweise seine eigene Mutter todten will. Aus dein eben Gesagten folgt, ! daß, wenn eine Frau nach der Entbindung erkrankt, oder stirbt, ihr Kind als der Urheber des Todes gilt. Die grausame Justiz verlangt, daß es alsdann lebendig in>t seiner s todten Mutter begraben wird. Kommt ein Kind um Mitternacht zur Welt, und zwar ! zwischen einem Tage, der fall) (unheilvoll), und einem andern, der nicht fall) ist, so ent- ! scheidet über sein Los eine Art Gottesurtheil: man legt es auf den schmalen Pfad, auf > welchem die Ochsen ihr Gehege verlassen. Weichen die Thiere sämmtlich aus, so ist dem s Kind das Leben erhalten; berührt es aber nur ein Ochse leicht mit dem Fuße, so wird es s gelobtet. Nach Angabe von Hovas soll ein ähnlicher Gebrauch in Tananarivs herrschen. L Pater Piras hat sich vergeblich bemüht, einzelne solcher ausgesetzten Kinder, die zufällig k gesunden worden waren, zu reiten; aber nie hat sich eine Frau auch gegen hohe Belohnung dazu verstanden, eine»: solchen verworfenen Geschöpfe auch nur einmal Nahrung zu reichen. (Komische Annoncen.) In einem Baltimore-Blatt steht folgende Annonce: > „Wenn Papa besseres Betragen angeloben will, so kann er wieder zurückkehren, ohne befürchten zu müssen, zum zweiten Male davon gejagt zu werden von seiner liebenden Tochter Lizzie." . « . Einige geistreiche Anzeigen theilt auch das „Echo" mit, z. B.: „Wir freuen uns, melden zu können, daß die gestern gebrachte Notiz, der Kaufmann Andersen sei gestorben, nicht wahr ist, sondern daß er sich nur verheiratet hat." — „Gestern starb allhier Frau Anna B.; sie war Großmutter, Mutter, Gattin und Freundin aller derer» die sie kannten." — „Verlorener Hund. Dieser ist eine Hündin, hat ein !» weißes und schwarzgeflecktes Ohr, vier Füße, nußbraun, einen auf der rechten Seite mehr gepflegten Hals als auf der linken, wo er weniger gepflegt ist. Seine Grundfarbe ist braun. Diese ohne Wissen wohin verschwundene Hündin wird zur Erkenntlichkeit zurückzubringen gesucht." — „Mein geliebter Sohn ist von mir geschieden. Sanft ruhe seine Asche, die zu großen Hoffnungen berechtigte." (Obwohl alle Mädchen so sind?) Ein junger Student in U l m erhielt auf eine glühende Liebeserklärung an ein 17jährigeZ Mädchen von diesem folgendes ffotte Körbchen: Was füllt Dir ei», Du dummer Junge, Was geht mich Deine Liebe an? Schau Du zuvor in Deine Bücher, Und sieh Dir Deinen Bartwuchs an. — Du bist noch viel zu jung znm Lieben, Und ich bin viel zu alt für Dich, Verliebe Dich in Dein Examen- Arbeite und verschone mich. - Lll - (Der Henker von Spanien.) Noch vor zwanzig Jahren herrschte, wie in spanischen Blättern zu lesen ist, in Spanien der Gebrauch, daß, wenn der Scharfrichter sein Amt vollzogen hatte, er sofort von Gendarmen umgeben wurde, welche ihm Handschellen anlegten und ihn in eine Gefängnißzelle führten. Einige Stunden nachher fand sich ein Gerichtsschreiber, der von dem Gerichtsdiener begleitet wurde, in dein Gefängnisse ein. Der Scharfrichter ward vorgeladen, und nun entspann sich folgende Wechselrede: »Sie sind angeklagt, eine» Menschen getödtet haben," sagte der Gerichtsschreiber. „Ja, es ist die Wahrheit'" lautete die Antwort des Scharfrichters. „Deßhalb haben Sie diesen Mord begangen?" „Um dem Gesetze zu gehorchen und den Auftrag zu erfüllen, der mir von den Gerichten gegeben wurde." Nun wurde sofort ein Protokoll aufgenommen, von dem Scharfrichter unterzeichnet und au» folgenden Tage einem Richter zur Prüfung vorgelegt. Dieser erließ dann zu Gunsten des Scharfrichters ein Urtheil, welches ihn freisprach, worauf derselbe sogleich in Freiheit gesetzt wurde, nachdem man ihn 24 Stunden wie einen Verbrecher behandelt hatte. (Zerstreutheit auf dem Katheder.) Als Kolumbus auf seiner ersten Fahrt das Schiffsvolk unruhig werden sah, weil sich so lange kein Land zeigte, rief er diesem zu: „Verzaget nicht! In späteren Jahrhunderten wird man die Fahrt mit Dampfschiffen machen und schneller das Ziel erreichen." Dies beruhigte die Aufgeregten. — Nach einer bei Syrakus ausgsgrabenen Stcintafel, welche eine Rechnung für gelieferte Waffen erhält, war das Domoklesschwert eine echte Solingerklinge. — Als SokrateS der Giftbecher gereicht wurde, sagte er: „Hätte man mich lieber guillotonirt, es tödtet schneller als dieser Schierlingstrank und verursacht auch kein Gedärmezwicken." Und lächelnd trank er den Becher leer. — Indem Alexander der Große den gordischen Knoten zerhieb, sagte er zu seiner Umgebung: „So löst man das Geheimniß vom Ei des Kolumbus." — Tiberius aß nach jeder durchschwelgten Nacht einen stark gesalzenen holländischen Häring. (Getroffen.) Auf einer Eisenbahn in Michigan saßen guten Muthes ein jung verheirathetes Paar. Sie war etwa fünfundzwanzig Jahre alt, er war ein oder zwei Jahrs jünger. Auf einer Station stieg eine respektable Dame ein, die sich auf dem Sitze vor dem jungen Paar niederließ. Die Dame hörte bald, wie sich das junge Paar ziemlich ungenirt über ihr altmodisches Bonnet und ihr Umschlagetuch lustig machte und so drehte sie sich resolut um und sagte zu der jungen Frau: „Madame, wollen Sie so freundlich sein und Ihren Sohn bitten, doch das Fenster hinter sich zu schließen!" Der „Sohn" schloß das Fenster und beide den Mund. (Doppelte Rechnung.) In ein Gasthaus des Glatzer Gebirges traten einige Fußwanderer. „Kellner, einen Schoppen VöSlauer und einen Imbiß, ein belegtes Butterbrod oder desgleichen! — Was haben Sie!" — „Bitte meine Herrschaften," antwortete der Kellner dienstbeflissen, „ein Butterbrod mit Käs 25 Pfennig, ohne Käs 15 Pfennig, ein Butterbrod mit Schinken 90 Pfennig, ohne Schinken 20 Pfennig."' — „Na nul" unterbrach ihn ein Tourist, „zweierlei Preise für Butterbrod ohne?" — „Natürlich," erwiderte überlegen lücheld der dienstbare Geist, „der Schinken ist ja überall theurer als der Käs!" („In T ri p s tri ll",) so hört man oft scherzhaft antworten, wenn nach einem Orte gefragt wird, wo dieses oder jenes geschehen sei. Tripstrill ist aber keineswegs ein fabelhafter Ort, wie häufig angenommen wird, sondern existirt wirklich, und zwar im Altwürtembergischen, am Fuße des waldreichen Strombergcs, der das Zabergäu vom Nekargebiet scheidet. Der Ort nur aus wenigen Häusern bestehend, heißt in amtlicher Schreibart Tresfentrill. (Ein kluger Vater) versprach seinem zimperlichen Töchterchen, welches am liebsten vor dem Spiegel stand oder auf der Straße flanierte, eine hübsche Ueb erlas chung, wenn sie das Kochen lernen wolle. Als sie das Kochen gelernt hatte überraschte er sie dadurch, daß er die Köchin entließ. 512 (Altbayerische Auskunft.) Bekanntlich ist der Eintritt in die von Sr. Majestät dem König bewohnten Schlösser sehr erschwert, wenn nicht ganz unmöglich. Ein Engländer hatte sich in den Kopf gesetzt, durchaus den „Linderhof" zu sehen. Er fuhr also direkt hin und fragte stracks den dortigen Schloßverwalter, ob er ihm nicht sagen könne, wie er in das Schloß hinein käme? „Wie Sie hineinkommen," antwortete der treue Beamte, „kann ich Ihnen nicht sagen, aber wie Sie hinauskommen, das weiß ich ganz genau." ^ (Boshaft.) Frau (dir eben im Begriff ist, in's Bett zu gehen und Verschiedenes, wie Zähne, Zöpfe, Tournüre rc. ablegt): „Du, Mann, den!'Dir nur, da hab' ich heute gelesen, daß die Wilden noch immer ihre Frauen an den Meistbietenden versteigern, denn sie derselben überdrüssig sind. Gott sei Dank, daß so Etwas bei uns nicht vorkommen kann!" — Mann (mit einem Seitenblick auf seine sich zerlegende Gattin): „Da that ich mir auch recht hart mit Dir — ich müßt' Dich rein auf Abbruch versteigern!" (Eine jungv erheirathete Dame,) die nur Jnstitutsbildung genossen hat, steht mit ihrer Köchin in der Fleischbank zu Dresden, betrachtet einige ausgelegte Stücke Schweinefleisch, ohne die rechte Kennermiene zu verrathen, und fragt um den Preis. Der Metzger, ein Schlaukopf sagt: „Gutes Frau'chen, ohne Trichinen ^kostet es 4 Groschen, aber mit Trichinen 4^." — „Nun," antwortete das Dämchen, „so nehme ich zwei Pfund ohne Trichinen und eines mit." (In der Geschichtsstunde.) Lehrer: „Wann lebte Gottfried von Bouillon?" — Iakobchen (nach längerem Besinnen): „Wenn er welche hatte!" (Im Wirthshause.) „Weeßte Lehman», daß die Gläser een bestimmtes Maß halten, hat keen Zweck, so lange der Durst unmäßig sein darf!" (Was ist der Gipfel der Geduld.) Einen Kronenleuchter so lange unter einem der Gasarme zu kitzeln, bis der Direktor der Gasanstalt zu lachen anfängt» Wie ist es so schön doch im Walde, Hoch oben aus waldigen Höh'»; Zu liegen an schattiger Halde, Wie herrlich! Wie wunderschön! Ning's hör' ich die Tannen rauschen, Die Blätter und Zweige weh'n; Und stille lieg' ich zu lausche», Was flüsternd sie sich gesteh'». Ich höre die Vöglein singen, Wie fröhlich, — wie lustig das schallt! Das ist ein Singen und Klingen, Ein Hüpfen und Springen ini Wald. urrs ^taus. So lausche ich still verborgen In schattiger Einsamkeit. Mein Herz, entlastet der Sorgen,' Füllt Wonne und Seligkeit. Ja, Freunde, wie ist es im Walde So schön doch aus waldigen Höh'n! Zu liegen an schattiger Halde, Wie herrlich! Wie wunderschön! Doch hätt ich ein Fläschchen zu trinken j Bei mir, — o laßt mich's gesteh'», — Ein Vrödchen belegt mit Schinken, — Es wäre nochmal so schön. Räthsel. Mit A und e fand es an Streit Und blut'gem Kamps Gefallen, Mit E und o voll Lieblichkeit, War es beliebt bei Allen Mit E und i bald hier, bald dort Es Zwietracht hat entzündet, Mit I und i der Götter Wort Den Menschen hat's verkündet. Für die Redaktion verantwortlich Alphons Planer in Augsburg. — Druck und Verlag des Literarischen Instituts von Dr. Max Hnttler.