jur „Ängsluirger Poßjeitmlg." .. §?r. 65» Mittwoch, 15 . August 1883. „Zur Eintracht" oder „Schuld und Sühne." Nacherzählt von F. Carneville. (Fortsetzung.) Trotz alt' diesen Kümmernissen war Seppli doch emsig an seinen Arbeiten und suchte den Seinigen zu verbergen» welche Sorgen für die Zukunft auf ihm lasteten; aber sein gutes Weib entdeckte in ihrer Sorgsamkeit für ihn alsbald, was ihn so unbarmherzig guälte und seitdem sie ihn unglücklich wußte, hatte das Leben keinen Reiz mehr für sie. In der Stille der Nächte bat sie den lieben Gott» er möge ihnen beistehen und das Gewitter abwenden, das über ihren Häuptern stand. Seppli sagte oft, wenn er das Opfer einer neuen Falschheit seines Bruders war: „wenn ich nur einen Erdenwinkel wüßte, wo ich in Frieden leben könnte, ich würde gerne Alles verlassen und von dannen ziehen; denn wenn er auch endlich zahlt, so wird er sicherlich auf andere Mittel sinnen, mir neuen Kummer zu schassen .... und ein andermal fügte er bei: — „könnte nicht dieses Haus in der Nacht einmal von einem Brande heimgesuchr werden, wie das andere — und was wären wir dann? . . Marie wurde auf diese Rede vom größten Schrecken erfaßt und ihre kleine Hand auf seinen Mund legend, sagte sie: „Mein Gott, lieber Mann, denke doch nicht an so, Fürchterliches, oder wenn diese Gedanken nicht unterdrücken kannst, so spreche sie minde« stens nicht aus! — wenn Du Lust hast wo andershin zu ziehen «... und daß es Gottes Wille wäre, ich würde Dir ja gerne bis an's Ende der Welt folgen, wenn wir damit den Frieden uns erkaufen könnten, denn hier .... ich glaub' es selbst, werden wir ihn vergebens suchenI" Diese so liebevollen und ergebenen Worte Marien's machten sein Herz beben und erweckte Gedanken in ihm, denen er noch nie so ernstlich nachgehangen hatte; von da an kam er oft auf die zahlreichen Auswanderungen nach Amerika zu sprechen und seine Fran verrieth nun wohl, warum er an allen Nachrichten aus diesen entfernten Landen, ein so reges Interesse nahm. — Es war just die Zeit, wo das Auswanderungsfieber, das in einem großen Theile der Schweiz herrschte, auch in die stillen Thäler Unterwalden's ein« zudringen anfing. Schon mehrere Einwohner des Kanton's, von der Lust nach Veränderung und Abenteuern getrieben, hatten ihre Heimath verlassen, wo sie eine ganz er-, trägliche Existenz hatten, um den „großen See" zu überschreiten, unter welchem Aus- drucke man dem Volke die Gefahren verbergen wollte, die eine Ueberfahrt über's Meer von mehreren Monaten mit sich bringen mußte. Es ist begreiflich, daß Seppli» für den das Leben so bitter geworden war, bald auch von dem lebhasten Wunsche erfaßt wurde» sich dort eine neue Heimath zu suchen. — Tiefbetrübt sah Mariele, daß diese Gedanken täglich der Erfüllung näher kamen und daß sie wohl bald ihre, ihr so theuer gewordene Geburtsstätte, wo sie geliebt und gelitten hatte, werde verlassen müssen, um in ein fernes, unbekanntes Land zu ziehen. — Aber trotz der Thränen, die sie Nachts darüber vergossen, zeigte sie des Morgens ein heiteres Gesicht, um ihren geliebten Mann, der durch diese Erwartungen, seit einiger Zeit ivieder dem Leben geschenkt schien, nicht zu betrüben, — 51t -< den» er fühlte, dachte und lebte sozusagen jetzt nur mehr in dem Ideal, das er sich vor» Amerika geschaffen hatte. Dort wollte er seinen Kindern eine sorgenfreie Existenz gründen, dort glaubte er den Frieden, die Freude und das Glück wieder zu finden, ohne von seinen, Bruder darin gestört werden zu können; denn dieser, sein einziger Feind, den er auf Erden hatte, war dann durch den Ocean von ihm getrennt und vielleicht erwachte dann Neue über seine Lieblosigkeit in seinem Herzen. So dachte Seppli. Als er offener sein« Absicht aussprach und fein Bruder hievon Kenntniß erhielt, stieß derselbe ein grelles Gelächter aus, und er rief: „so ist es mir doch endlich gelungen, ihn zum Räumen gezwungen zu habe», nun erst werde ich wieder neu ausleben!' Obwohl diese Auslassungen allerseits als Ausflüsse eines verderbten Gemüth's erkannt wurden, so wagte doch Niemand ihn hienach zu verurtheilen, denn man fürchtete tzie Feindschaft dieses Menschen und der Brand des Hauses seines Bruders war Allen als Warnung noch wohl in Erinnerung. — Man mied daher seine Gesellschaft so viel wir möglich, unterhielt aber aus Furcht vor diesen, gefährlichen Nachbar», demungeachtet den nöthigsten Verkehr mit ihm. Leo nahm diese Stimmung sehr wohl wahr, und wenn er auch darüber zu lachen schien, so fühlte er sich doch auf's Tiefste dadurch getroffen und zog sich, nur mit seinen häuslichen Arbeiten beschäftigt, von aller Gesellschaft zurück. Aber auch in seinem Hause hatten sich, seit sein Bruder nach Sarnen zog, die Zustände verschlimmert, seine Frau sollte immer die Ausbrüche seines üblen Humor's ertragen und da Nachgiebigkeit nie ihre Sache war, folgten sich Zank, Streit und Zorn« ausbrüche fortwährend. — So ging es fort, bis sie einmal in die Worte ausbrach: „Willst Du es etwa mit nur, wie mit dem guten Seppli machen?" Nun war es aus, er schäumte vor Wuth und sie konnte nur durch die schleunigste Flucht seinem Zorne entgehen. — Dieser Borwurs ließ jedoch in seinem Herzen einen Stachel zurück, der immer tiefer drang, bis er endlich die Stimme des Gewissens wach rief, und wenn diese einmal laut wird, dann schweigt sie auch nicht mehr und selbst inmitten des lebhaftesten Treibens, schlägt sie an unser Ohr und macht uns Beben vor Schreck wie ein Donnerschlag während des Schlafes. — Ein verhärtetes Gemüth kann sich vielleicht lange sträuben gegen diese geheimnißvolle Macht, aber endlich unterliegt es doch, wenn auch bisweilen erst in. der Sterbestunde. Und so begann denn auch bei Leo diese Stimme in seinen einsamen Stunden gleich einem fernen Echo laut zu werden. Das Auswanderungsproject in Sarnen war inzwischen so weit gediehen, baß Seppli sei» Haus und seine Gründe bereits ausgeschrieben hatte; es fand-sich auch als bald ein Käufer, der ihm eine hübsche Summe hiefür bot, die ihm schon erlaubte» sich in Amerika anständig anzusiedeln. Schon waren mehrere Emigranten auf dem Wege nach Amsterdam, welche Stadt als Sammelort zur Einschiffung bestimmt war» aber Seppli konnte sich diesen nicht gleich anschließen, da er in Sarnen noch manches zu ordnen hatte. Vielleicht verzögerte er das Scheiden unwillkürlich, ohne sich selbst darüber Rechenschaft geben zu können; denn erst im entscheidenden Augenblick, sing er fast zu bereuen an> daß er sich von seinem theuern Vaterland«, von seinen blauen Bergen und seinen grünen Wiesen trennte. Marie, obwohl von bangen Ahnungen und Schinerz erfüllt, mußte ihn zuletzt mahnen, in Anbetracht, daß der bestimmte Termin zur Abfahrt des Schiffes immer näher rückte, sich zur Abreise zu rüsten; er beruhigte sie jedoch mit der Versicherung, daß sie durch rascheres Reisen, dennoch rechtzeitig eintreffen würden. Noch lag ihm ein Gedanke schwer am Herzen; es drängte ihn immer mehr, vor dem Verlassen des heimathlichen Bodens, noch einen Versuch zu machen, von seinem Bruder friedlich Abschied zu nehmen, wenn er sich auch nicht verhehlen konnte, daß dieser Besuch vielleicht alte Wunden aufreißen werde, statt solche vernarben zu lassen. Aber seine Herzensgute hatte schließlich alle Bedenken überwunden, und eines Tages war er auf dem Wege nach Lungern. Zuerst besuchte er das Grab seiner Eltern. Er hielt sich lange auf an dieser Stätte und betete mit Inbrunst, auf daß sie bei Gott, für ihn Schutz erflehen möchten zu seinem Unternehmen. Nachdem er sein Gebet vollendet, ama er, Thränen in den Augen, an seinem eingeäscherten Vesitzthum vorüber und richtete dann seine Schritte nach dem Hause seines Bruders« Leo hatte ihn gemährt, und Gott mag wissen, was in seiner Seele vorging, als er seinen Bruder am Grabe der Eltern so inbrünstig beten sah. Er wechselte die Gesichtsfarbe und seine Hand zitierte, als er nach seinem Bergstock griff. — Erstaunt fragte ihn seine Frau, wohin er noch gehen wolle, nachdem das Mittagmahl schon bereit sei. „Du kannst es mir auf die Seite stellen-, antwortete er, den Kopf zurückwendend, — „ich muh noch auf die Alp gehen, ich hätte es schier vergessen, und muß mich eilen-, worauf er rasch das Haus verlieh. — „Was mag ihm so plötzlich in den Sinn gekommen sein, und wie es schien, war er ganz erschreckt ....." murmelte sie leise» „was soll das heißen? ....." Bald sollte sie es wissen, was es bedeutete, als sie kurz darauf Seppli sah, der sich langsamen Schrittes dem Hause näherte. Sie war in der That gerührt, als sie ihn bei seinem Eintreten so blaß und niedergeschlagen sah. Nachdem er sie mit bewegter Stimme gegrüßt hatte, ließ er sich mehr auf die Bank fallen, als er sich setzte, und den Kopf in die Hand gestützt, sing er bitterlich zu weinen an. Auch Leo's Frau hinderten die Thränen, ein einzig Wort zu erwidern und es verging eine geraume Zeit, bis Seppli das Haupt erhob und nach seinem Bruder fragte. „Er ist auf die Alp gegangen! — ach, armer Seppli, mußte, es dahin kommen!" sprach sie, ihn mitleidig betrachtend. „Ja, warum mußte es so weit kommen!" entgcgnete Seppli traurig, „doch, was geschehen ist, ist geschehen ..... es thut mir unendlich leid, Leo nicht noch einmal gesehen zu haben, es ist leider ein Scheiden für immer. Sagt ihm meine Grüße und versichert ihn, daß ich keinen Groll mit mir nehme. Am Grabe unserer Eltern und un der Stätte meines abgebrannten Hauses, habe ich alle Bitterkeit abgestreift, die mich so, lange erfüllte. — Möge auch er mir verzeihen, denn auch ich mag gegen ihn gefehlt haben, und wenn meine Abreise ihm nun den Aufenthalt friedlicher machen sollt.', so möge er doch bisweilen dann auch denken, daß es nur seinetwegen geschah» daß ich mit gebrochenem Herzen meine liebe Hcimath verließ." Hierauf drückte er die Hand seiner Schwägerin, die mit großer Rührung und thränenden Auges ihn scheiden sah; er wünschte ihr noch Frieden und Gottes Segen, und verließ rasch das Haus. Am Abend desselben Tages bei heiterem Mondschein, verließ ein Wagen mit großen Kisten beladen, auf denen eine Frau mit ihren Kindern saß, das Gerner'sche Haus. II. Es war fast Mitternacht als Leo heimkehrte. Seine Frau wachte noch und saß strickend am Tische, die Augen noch feucht von Thränen. Als sie ihn fragte, ob sie noch etwas auftragen sollte, verneinte er, aber in so ruhigem und gelassenem Ton der Stimme» wie sie es nicht an thu» gewohnt war. Er blieb lange schweigend und gedankenvoll sitzen, bis seine Frau, die seine Stimmung nicht unterbrechen wollte, endlich aufstund, um sich zur Ruhe zu begeben. — „Ist er dagewesen?" fragte er noch sichtlich bewegt» -- „Ja", erwiderte sie, „er wollte nicht mit Bitterkeit in« Herzen für immer von Dir scheiden; er läßt Dich herzlichst grüßen und verließ mich, noch Gott bittend, er möge seinen Segen über uns walten lassen."-Leo neigte den Kopf auf die Brust herab und blieb lang in dieser Haltung, wie ein Mensch, der in peinlichen Gedanken versunken ist; es war gegen 2 Uhr als er die Schlafkammer betrat, um zu Bett zu gehen. — Ohngeachtet er von seinem Marsche sehr ermüdet «vor, wollte doch kein Schlaf in seine Augen kommen, so ivar er innerlich bewegt, und als er seine Frau schlafen glaubte, seufzte und ächzte er, als läge ein großer Kummer ihm am Herzen, dabei sprach er abgebrochene Worte, die seine Frau nur Iheiliveise verstand sie aber völlig beruhigten, da sie daraus seine guten Gesinnungen gegen Seppli entnehmen konnte. — Die Sonne stieg allmälig über die Berge empor und warf ihre freundlichen Strahlen in'S Thal. 816 Leo lag noch unter convulsivischen Bewegungen und mit Thränen in den Augen au seinem Lager. Seine Frau that, als gewahre sie nichts davon, in der beruhigenden Ueberzeugung, daß auf eine so heftige Krise sicherlich Ruhe eintreten werde. Als er später in die Wohnstube kam, war er ernst und gelassen, aber doch nicht frei von einiger Unruhe. Seine Frau, die sich den Schein gab, als ginge sie, ihn unbeachtet lassend, ihrer gewöhnlichen Beschäftigung nach, ließ ihn doch nicht aus den Augen, und während sie am Herde stand, sah sie wie er durch die Hinterthür aus dem Hause und nach der Brandstätte ging. Der Schutt war längst verschwunden und der Platz war zur Wiesfläche, wie ringsum. Das menschliche Herz bewahrt aber langer die Spure» unheilvoller Begebenheiten, als die Natur, in der neues Leben gar bald die Merkmale der Zerstörung verlischt. Als die Morgensuppe aufgetragen wurde, schien keines Lust zu haben davon zu genießen und Leo's Blicke richteten sich oft durch das Fenster nach der Stelle, wo das Geschäft seines Bruders stand. „Ich weiß nicht, was in mir vorgeht", hub er an, „es ist mir, als wenn rings um uns eine Einöde wäre, in der wir völlig vereinsamt stünden." „Das ist auch mir so", antwortete seine Frau, ohne die Augen zu erheben, „eine gute, freundliche Nachbarschaft wäre jedenfalls angenehm, um so mehr, wenn man im Alter vorschreitet und von lauter Nachbarn umgeben ist, denen man, gelinde gesagt, völlig gleichgültig ist „Da ist nur heute, ich weiß selbst nicht wie, ein Gedanke gekommen", unterbrach sie Leo nach einigem Ueberlegen, „sage, was hälft Du davon, wenn wir das Haus da üben wieder aufbauten? Der Brunnen wäre auch schon da." Dies wurde in einer Art gesprochen, daß seine Frau wahrlich hierüber erstaunt war, denn noch nie hatte sie ihn in so eigenthümlichem» wohlwollendem Tone sprechen hören. „Ja, wenn Du Lust dazu hast", erwiderte sie, „warum nicht, wenn wir nur —" fügte sie leise bei, „auch Kinder hätten, für die wir es verwenden könnten." „Ja, wenn wir Kinder hätten!" rief er schmerzvoll und ergriff mit inniger Theilnahme ihre Hand, was ihr schon lange nicht mehr widerfahren ist, „aber man muß sich in das Unabänderliche fügen, und zudem glaube ich immer, daß wir nicht ohne natürliche Erben sterben werden." „Was meinst Du damit?" fragte die Frau erstaunt. „Höre!" erwiderte er, die Hand über die Stirne haltend, „mir däucht, daß die Kinder Seppli's eines Tages wiederkehren werden und es wäre dann doch für mich gewissermaßen eine Pflicht, ihnen eine Unterkunft bieten zu können." „Wenn Du diesen Gedanken hegst und es für eine Pflicht hälft, so fange ohne Säumen an, Deinen Plan auszuführen. — Sie sind allerdings unsere natürlichen Erben und seit gestern, wo der gute Seppli von uns schied, fühlte ich stets eine Regung in mir, die mir sagt, daß Du Recht hast." „Seit gestern?" seufzte er, „ja, mir geht es ebenso; als ich diese armen Kinder meines Bruders von ihren Gespielen Abschied nehmen sah, empfand ich lebhaften Schmerz, fühlte aber doch zugleich eine gewisse Beruhigung, als mir dabei der Gedanke eingegeben worden zu fein schien, daß mir in dieser Welt noch etwas zu thun übrig bliebe." (Fortsetzung folgt.) GoldkSrner. Verloren dünke dir kein gutes Wort, Ob früh, ob spät, es findet guten Ort! Die Henne, die erhebt ein laut Geschrei, Sie legt nicht immer auch ein gutes Ei. Den Neid erregt, was Jedermann begehrt, Hol' Sand am Meer, es bleibt dir unverwehrt! Fnd.-. Bsck. 517 Einiges über Mönchs-Deggingen. 8. Der von Augsburg nach Nördlingen gehende oder fahrende Reisende gewahrt eins schwache Stunde von der Station Mültinge», erste vor Nördlingen, ein Conglomcrat von ansehnlichen Gebäu- lichkeiten, blendend weiß weithin sich zeigend, in deren Mitte ein ansehnlicher Thurm steht, dessen prächtiges Geläute weithin erschallt. Prächtig gelegen ist das Ganze, im Hintergrund von Wäldern umsäumt und zu seinem Fuße ein stattliches Dorf. — Ganz entschieden ist dieser Punkt eiuer der schönsten im schönen Riese und sein Name heißt seit alter Zeit Weggingen, Mönchsdeggingen, weil Mönche einstens das berühmte Kloster bewohnt haben. Statt der Mönche haben jetzt sürstliche Beamte die „Zellen", welche in moderne Gelasse umgewandelt wurden, bezogen, und nicht hört man mehr die Metten singen iin Chöre, wohl aber die guttresfenden Flintenschüsse des Forstmannes. Deggingcn war also ein Kloster und zwar ein Beuediktiuerklosler, eines der ältesten in der ganzen Gegend. — Das Stiftungsjahr selbst ist nicht ausgemacht, bestimmte Akten fehlen bis zum Jahre 1017. Die einen sagen, es sei gestiftet von Benhold, einem Reffen Otlo's, Herzogs von Sachsen, dem späteren deutschen Kaiser, andere behaupten, der Stifter sei kein anderer als Kaiser Otto >. selbst und falle das Stislungsjahr in das Jahr 955 oder 959, wieder andere lassen es von König Otto I. und Bertholt, Grasen von Alteuburg und Babenbcrg im Jahre 958 gegründet sein. Leicht ließe sich auch ein Grund für die Stiftung des Kaisers finden, es wäre vielleicht die Gründung des Klosters ox voto geschehen, oder aus Dankbarkeit für die Wohlthaten Gottes. Im Jahre 955 besiegte nämlich Otto die Ungarn in einer entscheidenden Schlacht auf den, Lechsclo bei Augsburg und wurden so die furchtbaren Feinde Deutschlands niedergeschmettert, die Feinde, welche „deutsche Einigkeit" von dazumal selbst gerufen hatten, in einer Zeit, wo der Sohn und der Schwiegersohn gegen den Vater und L-chwiegervater das Schwert zogen. Es könnte demzufolge wohl das Kloster errichtet worden sein zum Andenken au den glänzenden Sieg auf dem Lechseld. Wieder eine andere Chronik vermeldet, Stifter sei Kaiser Heinrich II. (100L—1024), und lassen wir dies dahingestellt, verwahren uns aber gegen Clanseln, wie sie einseitige Geschieht-,uacher vor ein paar Jahrzehnten fabricirten, indem sie z. B. zu Heinrich II. bemerkten „gerne" heilig genannt. Es steht solchen Schreibern ganz frei, an einen heil,gen Heinrich zu glauben oder nicht, wie es jedem Leser ihrer Makulatur freisteht, sie sür einseitige sanatijche Scribeulen zu halten. So viel ist sicher, Heinrich" II. lies; das Reich nach Innen befestigt und nach Außen gesichert zurück und zeichnete sich durch Reinheit des Wandels aus, wie noch wenige Derer, welche die Krone eines Reiches getragen. Lang sagt, Deggingen sei 1097 von Kaiser Heinrich II. dem Hochstift Bamberg als Tafelgut überwiesen, 1138 aber wieder herausgegeben worden, worauf 1101 der Klosterban begonnen, welches Datum uns als ein verspätetes erscheint. Bekanntlich wurde Bamberg 1006 von Heinrich gestiftet und erhielt sodann Deggingen oum omuibus psrtincntiis LivL allbaoroimw. Nach anderen Nachrichten aber wurde das Kloster B.unberg geschenkt im Jahre 1017 ohne weitere Angabe, wann dasselbe gegründet wurde. Um nicht mißverstanden zu werden, mag beigefügt werden, das; Heinrich das Kloster nicht als solches verschenkte und verschenken konnte, sondern er stellte dasselbe nur unter die Advokatie von Bamberg; die Besitzungen gehörten selbstverständlich dem Kloster als solchem. Von, Jahre 1138 ist eine päpstliche Bestätigung verzeichnet, während es von; nächstfolgenden Jahre heißt „Uotarinz II Uowonoruw kunclationem OcMugsuscm Liugularibus l'rivllegii» ovnkrmavit." Diesem Satze muß Einsender deswegen widersprechen, weil im Jahre 1139 Lothar II. bereits zwei Jahre zu den Todten gehörte, und Courad III. (,137—1152) Platz gemacht hatte. Dagegen stimmt das folgende Jahr von dem es heißt: „anno 1140 Inuoeon- tius secuncluo Uoiuauoruiu Uapa tuinlationem soeuuclam ab Ottons imporatoro Conti,mavit." Im Voraus bemerken wir, daß bis Ende des achtzehnten Jahrhunderts 36 Nebte aufgezeichnet sind, von welchen der dreiunddreißigste Henricus Wernherus volle 43 Jahre den Krummstab führte von 1700—1743. Von einem dieser Prälaten Friedericus wird mit einem UU. bemerkt: „Dieser vermeldete Abt Friedrich zu Kloster-Dcggingeu hat sich in einem gewissen Oiplowato Friedrich von Gottes Gnaden geschrieben." Der siebennndzwanzigste Abt Christophorus 1625 a kapa Uibuno II. (l>. ist grundfalsch und muß VIII. heißen, da Papst Urban II. bereits 1038—1099 regierte) starb >n lixikio im Kloster zum Heiligen Kreuz in Donauwürth, und war die Abtei genöthigt nach dessen Tod ohne Prälat zu sein wegen des „grausigen unmenschlichen" schwedischen Krieges. Wie ungenau die Chronik oft ist, mag der Umstand beweisen, daß eine Nachricht vom Jahre 1221 dem Abt Marguarden die Freiheit ° seitens des Bischofs Sigfried von Augsburg gibt, die Pfarrei zu Deggingen mit einem Laienpriester oder Couvcntualen versehen zu lassen, während die Reihenfolge der Aebte zur damaligen Zeit uns keinen Prälaten dieses Namens hinterlassen hatte, sondern ein Marguardus sich erst ein halbes Jahrhundert später findet. Im Jahre 1287 belehnte Bischof Arnold von Bamberg die Gebrüder von Hürnheim zu Hohcnhaus mit der Vogtei des Klosters Deggingen. Zur damaligen Zeit muß es nicht gar gut gestanden sein, denn wegen Verarmung mußte dem Kloster die Pfarrei Deggingen mit ihren Zehnten übergeben werden. Auch scheint da,»als schon der Begriff „Wucher", der in der modernen Zeit so viel bekannt und gekannt worden ist, nicht ganz im Dunkeln gelegen zu sein, weil 'von den Unteradvokaten geklagt wird, daß sie zu viel für sich genommen und gewonnen haben. Verschiedene prächtige Erlasse seitens der höchsten Behörden sind aus damaliger Zeit, dahin gehend, dem Kloster alles zurückzugeben, was ihm auf ungerechte Weise entzogen wurde. Bald verkaufte Hürnheim die Advokatie an das Kloster selbst, welche aber später wieder ausgelöst an das Haus Oettingeu überging. Die Zeit des Faustrechts war vorüber, die „kaiserlose schreckliche" Zeit 518 liegt hinter uns, K»»st »»d Wissenichast konnncn wieder in Flor ruglcich mit dem Handel, manche geistlichen Würdenträger, welche etwas zu weltlich geworden waren, sind sich wieder ihrer wahren Würde bewußt geworden, und auch unser Kloster steht Ausgangs des dreizehnten und im vierzehnten Jahrhundert angesehen und reich vor der Welt da. Theils durch Schenkung, theils durch Kauf kommt uugeiueiii viel au den Convcnt, nachdem zwischen „Obristentag und Juvocavit des Jahres 1311 Conrad von Hürnheim von. Hohen Haus alle Vogteirechtc über das Kloster, auch alle deren Leut und Güter dem Abbt und Convent mit dem Beding verkauft, daß er solche zu keiner andern Zeit nicht wieder lösen solle und wolle." Trotz dieser Bestimmung finden sich zwischen diesem Verkäufer, wie auch später zwischen dem Grasen Octlinge» und dem Abt verschiedene Nörgeleien vor. Im Jahre 1370 finden wir in der Chronik unseres Klosters einige Mißhelligkeiten verzeichnet. Leren Grund nicht angegeben, wobei uns aber der Name John Wiclifs begegnet. Wir dürfen wohl nicht annehmen, daß die Lehre dieses Vorläufers der Reformatoren in den klösterlichen Mauern Aufnahme fand, sonst wäre entschieden das Weitere bemerkt. Wie genau die Chronisten mitunter auszeichnen, kann unter anderem auch daraus erhellen, Laß einer im Jahre 1135 eine Schenkung von zwei Maller Roggen Nördliuger Mäst an das Kloster rcgistrirt hat. Um dieselbe Zeit kam durch Ausstcrbcu der alten adeligen Familie der Herren von Bollstadt dieses an das Kloster, das am Ausgauge desselben Säculums noch mehrere Schenkungen zu verzeichnen hat. „Eine grausige That ist zu vermelden vorn Jahre 1497, allwo im Kloster ein Mönch dem andern nichts weniger angetan hat, als ein Auge von den zweyen herausgestochen." Dieser grausigen That fügen wir eine weitere spätere vorn Jahre 1629 sofort bei, welche von, Auszeichncr eine „gar sehr ungristliche That" genannt wird. Es wurde nämlich in diesem Jahr, in welchem Friede- ricus Prior war, von seinem Prälaten der Bauer Michael Schiffen von Zibwangen niit einer Klingen hart verwundet, „was derselbe doch hätte sollen intermittiren", welchem Wunsche wir uns schon »ach dem Grundsatz des allgemeinen Völkerrechts anschlichen „guäle nie ei» Thier aus Scherz, denn es fühlt wie Du den Schmerz!" Im Jahre 1513 sei es am 27. März oder nach anderer Lesart am 27. Oktober brannte das Kloster ab, nur der Chor der Kirche blieb stehen; dasselbe wurde aber zwei Jahre daraus unter dem Abt Alexander wieder aufgebaut. Ein Jahr nach dem Brande ist ein großer Holzprozcß in den Akten ausgezeichnet, geführt zwischen Haus von Steiu zu Diamautstein und den, Abt von Teggingen, während wir einige Jahre darauf einen kleinen Aufruhr vulgo Empörung zwischen den Bauern des Dorfes und dem Kloster finden ohne Angabe der Veranlassung hiezu. Im Bauernkrieg, über welchen einige dc» Spruch machen „rustiea Zeus est optima. ktono er pesaims, gauclens" kam auch manche kleinere und größere Heimsuchung über unser Kloster. Nachdem im Jahre 1555 »ach langen Verhandlungen der Augsbnrger Religioussriede zu Stande gekommen war, nach welchem die Katholiken und die Anhänger der Augsbnrger Consession freie Neligions- übung haben sollten, worüber aber nach dem eingesührten Tcrritorialsystcm der betreffende Landes- snrst allein entschied, besohl Gras Ludwig von Oetiingen, der zur protestantischen Kirche übergetreten war, das Kloster und die Pfarreien seiner Grafschaft, mit protestantischen Pfarrern zu besetzen, ,,in diesem Jahr aber wurde daraus nichts", setzt der Chronist bei. Später srcilich mußte das Kloster nachgebe», Pater BlasinS war genöthigt, der Gewalt zu weichen und wir finden einen Pfarrer, der neuen Lehre angehörig, Namens Beck, während im Jahre 1565 den 17. Januar der evangelische Geistliche Thomas Ulrich Vril sich, der den 29. Oktober 1557 die Psarrc: erhalten, mit Weib und Kind wieder fortgeschafft wurde. Hiegegen finden wir 1584 in Teggingen selbst einen Superintendenten, Namens M. Liebcuhäujcr, welch' hoher Titel uns anfangs des achtzehnten Jahrhunderts noch zweimal begegnet. — Daß die Ehrenkränkungen nicht das Erzeugnis; des neunzehnte» Jahrhunderts sind, beweist der 3. Februar 1587, an welchem Tage ein Pfarrer zu Bollstadt, der schwere Injurien gegen den Herrn Prälaten und seine Crcditorcs ausgestoßcn hatte, nach „abgcschworenem großem Eidschwnre" wieder freigelassen und auf freien Fuß gesetzt worden ist. Großen Schade;; erlitt das Kloster auch 1632 in; schwedischen Kriege, jedermann floh aus demselben in der höchsten Furcht, massacrirt zu werde», es wurde alles ruinirt und die Dokumente, Bibliothek, Grund- und Tagebücher gestohlen und „zerstampft". 1688 mußte es den; französischen Marquis de Tcquierevcs (?) 500 Gulden Brandschaden „baar und ohne Abzüge" bezahle;;. Der Curiosität halber erwähnen wir eine Auszeichnung aus dein Jahre 1727. Den 6. Augnst ist des Mittags zwischen elf und zwölf Uhr zu Deggingen bei einem entstandenen Donnerwetter Stephan Fundens Auffäkucchts daselbst Hinterbliebene Wittib auf freiem Feld ohnwcit des Dorfes durch einen Donnerstrahl todt geschlagen worden. Bei der Visitation hat man an ihr gesunden, daß dieselbe bis an die Füße wie ein frischer Braten, die Füße aber, als wem; man mit zerhacklcn Schroten dareingeschossen hätte, ausgesehen haben. Unter der Regierung des Abtes Heiurich V. wurde 1736 das Ganze fast von Grund aus neu erbaut, die Kirche aber rennovirt und verbessert. Damals besaß das Kloster »och ziemlich viele Güter, welche alle sich des privilogium immunitati» erfreute» d. h. voi; allen Lasten und Beschwerden frei waren, ausgenommen, daß sie dein evangelische» Psarrmeßiuer jährlich 24 Läut-Garben reichen mußte». Durch die Säkularisation kam das Kloster 1802 an MaHerstein; die Conventualen erhielten Pension, Abt Willibald 3000 fl. und die Pfarrei Bollstadt, wo er am Ll.März 1824 mit Tod abging; das Ganze wurde in eine fürstliche Doniänenvcrwaltung umgewandelt. Wir können nicht umhin, zur Charakte- i-IS nsirimg der Zeit einen einzige» Z des Neichsdeputations-Hauplschlnsses anzuführen, nämlich 8 ^2. Nach diese», „wurden alle Güter der Stifter, Abteien und Klöster der freien und vollen Disposition der respectiven Landesfürsten, sowohl zum Behufe des Aufwandes für Gottesdienst, Unterrichts- und ändere gemeinnützige Anstalten, als znr Erleichterung ihrer Finanzen überlasse n." Werfen wir noch einen ganz kurzen Blick auf das Degginger Kloster und seine Kirche, wie beides sich heute dem Besucher reprcifentirt. Während wir manches, einst berühmte Kloster, heutzutage als Ruine oder nicht viel weniger erblicken, schaut Weggingen den Besucher freundlich an. Gut ist es erhalten, denn in seinen Räumen Hausen nicht wie in vielen andern Uhus und Nachteulen, sonder» es wohnen in den hübschen Gelassen fürstliche Beamte, es «giert dort ein Psarrhcrr und ein Lehrer hat den Katheder inne und schwingt die 0,5 Tröster als Wahrzeichen der Herrjchcrgcwalt; die anderen Gebünlichkeiten imd der Oekonomie gewidmet. Stolz steht vor uns ein siinfftückiger Thurm mit Blechkuppel versehe», auf dessen zweitem Stockwerk vier kleine aufrecht stehende Pseitec sich er» heben, je einer an einer Ecke ganz dazu angethan, den vv» ferne her kommenden Beschauer glauben zu machen, den Thurm ziere eine Altans. An dem geräumigen schönen Schiobhose befindet sich ein hübscher vierrädriger Brunnen mit pyramidalrörmigem Ausbau, gekrönt mit der Statue des heiligen Michael, der stolz den Drachen zu seineu Fübeu bekämpft, und ihn ohne Gnad und Barmherzigkeit in das Wasser des Brunnens hinabwirft. Dieser Brunnen ist auch in einer atten Chronik erwähnt mit den folgenden Zeilen: „Deggingen hat zwoi edle Kleinodien, deren Erstes ist ein Röhrenbrunnen, so in der härtisten Winterszeit nicht eingesrühret, sondern für die Inwohner hier des beßteu Wassers genug giebet. Das andere ist ein stützender Bach, welcher das Dorf durchstreichet, Menschen und Vieh erquicket und beyden wol zu statten kommt." Dieser Chronist scheint die grasten Wasserstiefel des Hahne,unann prolurt zu haben! Die Klosterkirche, welche nach der Regel geastet ist, anlangend, so befindet sich oberhalb des Westportals, das etwas an Magerkeit laborirt, die Himmelskönigin, ganz oben aber in einer Nische der Patron der Kirche, der heilige Martin,is, vom Wetter arg verwittert. In der kleine» Vorhalle ist ein Oelberg und eine Krenztragung mit Gesichtern, welche fast zu sagen scheinen: voll mo tcmgor« beziehungsweise »oli mv evntvmplsii! Oberhalb gewahren wir die Worte cksuiao 53, V. 7 „er ist aufgeopfert, denn er hat's selbst gewollt." Der erste Eindruck» den die ganze eigentliche Kirche macht, dürste der sein, daß das Ganze allzu bematt, etwas inonvton ist. Auch glauben wir bemerken zu dürfen, das; die zehn ganz einander ähnlichen Deitenaltäre etwas zu weit in das Hanptschiss heransragcn, sich also dem betreffenden Pfeiler nicht ganz accomodiren. Trotzdem macht das Ganze, besonders durch das reiche Licht, einen recht freundlichen Eindruck. Die beiden Seitenschiffe, niederer als das Hauptschiff, reichen bis an den Chor. Der Chor, dessen Altar sich aus — beziehungsweise zwischen hölzernen Säule» — erhebt, hat als Plafongemälde die Änfnahme des hl. Martmus in den Himmel. Er wird von der allerheiligsten Dreisaltigköit erwartet, umgeben von sehr vielen Engeln. 'Als Maler bekennt sich auf dem Bilde selbst B. Felix Rigl pinxir 1751 und dürste dns Bild etwas zu grell sein nach des Einsenders unmastgeblicher Ansicht. Die Chorstühle sind einfacher, aber schöner Arbeit. A„j der Evangelinmseite befinden sich „blinde" Chörle; bei», untern schaut ganz natürlich ein alter Pater heraus, die Kutte, das Auge recht schön sich präsentsten». Verunziert dürfte der Chor werden dnrch einen ziemlich umfangreichen Kasten, der allerdings in seine,» Innern eine Orgel birgt. Die Gemälde des Hauptschiffes stellen den Ban des KtosterS und der Kirche dar; eines die Ausnahme des ht. Beuedikt in den Himmel. Oben gewahren wir das Lamm, stehend auf dem'Buch, das mit sieben Siegeln versehen ist, getragen,von drei Engeln. Ju den Seitenschiffe» sind Bilder aus dem Leben und Wirken des hl. Bsnediktns angebracht. Die eigentliche Orgel ist sehr hoch cmgebrachl; unter der Orgelempore ein sehr naives Bild, „die Austreibung anS den, Tempel". Nicht zu; übersehen ist die hübsche Kanzel, gekrönt mit einem Engel, welcher die zwei vergoldeten Gesetzestafeln in den Händen hat. An, Ende des linken Seitenschiffes befindet sich ein Oelberg, der so natürlich anzuschauen ist, das; dem Beschauer leicht Thränen kommen können. In dem andern Seitenschiffe sind einige Grabinschriften in dem Pflaster angebracht, eine von einem Abte Johannes Magiins von llnterelchingen (Johannes lll.) 1625 gestorben, mit dem Schlußsatz: Vivat sctsrnum L/mbolum. Der Krenzgaiig des Klosters ist gut erhalten, in demselben sind die Bilder mehrerer Ordensmänner und eine „Geburt Christi" merkwürdig dargestellt. Die Sacristei endlich enthält fünf schön gearbeitete, aus Klosterzellen stammende, sehr geräumige eichene Küsten, leider ist der Inhalt aus Klosters- Kit nicht mehr vorhanden. Mts-ell-n. (Der Weg zur Geliebten.) Ein junger Mann ve» Middletown, der sich sterblich in die Tochter eines, auf abgelegener Farm lebenden und als eine Art Menschenfeind verschrieenen Mannes verliebt hat, fragt bei dem in Middeltown erscheinenden „Transeript" an: was er thun solle, um zu der Geliebten, deren Wohnplah er noch nie betreten habe, zu dringe», und ob es bei der Unzugänglichkeit desselben nicht das Gerathendste wäre, sich erst das Wohlwollen und die Zuneigung des gestrengen Herriz Vaters zu erwerben. Hierauf nun ertheilt der Briefkasten des „Transeript", der offener ein Interesse an der Lage des Fragestellers gewonnen, demselben folgenden wohl- erwogenen Rath: „Wir an Ihrer Stelle würden zunächst suchen, uns das Wohlwollen und die Zuneigung der gestrengen Herren Hunde des Vaters Ihrer Angebeteten zu erwerben. Ist dies einmal geschehen, dann wird ihrem Betrete» der Farm wohl kaum mehr etwas im Wege stehen." (Die folgende hübsche Mozart-Anekdote) dürfte weiteren Kreisen nicht bekannt sein. Kaiser Josef besaß eine sehr hübsche, weiche Baßstimme, für welche er hin und wieder selbst eine Kleinigkeit komponirte» Einmal aber hat er es gar mit einer großen Arie probirt und legte sie in einer der kleinen italienischen Opern ein, die auf dem Privattheater des Kaisers in Schönbrunn gewöhnlich gegeben wurden. Obwohl Niemand wissen sollte, wer die Arie komponirt, erfuhr es dennoch der Hof und so auch — Mozart. „Wie gefällt Dir die Arie, Mozart?" fragte der Monarch. „Je nun!" antwortete der kindliche, freie, heitere Komponist: „Die Arie ist wohl gut, aber der sie gemacht hat, ist doch viel besser." (Der Triumph der Vorsicht.) Aus London schreibt man folgende buchstäblich wahre Geschichte: Ein Ehepaar in Jslington leuchtet seit 50 Jahren alle Abend vorsorglich unter die Draperien des Bettes, ob sich dort nicht etwa ein Dieb versteckt halle, ohne daß ihre Furcht je Bestätigung gefunden. Vor einigen Tagen jedoch entdeckten sie wirklich einen Mann in dem Versteck und waren so erfreut, ihre Ausdauer endlich von Erfolg gekrönt zu sehen, daß sie den armen Burschen ganz freundlich hervorriefen und reich beschenkt entließen. Der Einbrecher seinerseits war so perplex, daß er erfreut Alles über sich ergehen ließ — und wahrscheinlich das Wiederkommen nicht vergessen wird. (Kanzler und Kanzlist.) Ein schlichter Bauersmann wollte sich bei BiSmarck in Varzin Rath holen. Der Kanzler hörte ihn freundlich an und gab ihm dann ebenso Bescheid. Der Bauer hatte ihn aber immer „Herr Kanzlist" angeredet. Da sagte endlich der Fürst: „Guter Mann, ich bin Kanzler." — „Nu, nu," sagte der Landmann, „was nicht ist, kann noch werden. Des Lebens Rätksel. Ost, wenn wir geh'n auf stillen Wegen Gedankenvoll beim Dämmerlicht, Tritt uns die dunkle Sphynx entgegen Mit grausig starrem Angesicht, Und tragt dem Lebe» Räthsel ab, Die Tod nur lösen kann und Grab. Hat nicht ein Gott die Welt errettet? Was liegt sie denn im Elend da, In Finsterniß und Wahn gebettet, Als wenn kein Werk des Heils geschah? Kniet nicht der Menschheit größ're Zahl Noch vor dem Fetisch oder Baal? Und an des Abgrunds Rande schreiten Die Millionen nngewarnt In Freveln, bis sie niedergleiten, Vom Netz der Würgenden umgarnt; Wo weilt der Engel, gottgesandt. Zu führen sie zum besj'ren Land? Und warum ruft nicht von den Netzen ! Der Herr der Boten Heeresschaar Dast sie die Welt in Muthe» setzen Mit Ftammenznngen ganz und gar; Daß Alles Einen Gott bekennt, Ihn ehrt und liebend Vater nennt!? O still! Dem sündigen Geschlechte Ist nicht des Höchsten Weg bekannt; Nur langsam hebt der Allgerechte Vom Ort des Fluchs die schwere Hand. Wer will bestimmen Raum und Zeit Der göttlichen Barmherzigkeit? Geh', dunkle Svhynr, geh' ein zur Rohr Und stör' des Lebens Ziele nicht! Kein eitel Grübeln! Jeder thue Im Kleinen liebreich seine Pflicht, Wo ihn der Herr hat hingestellt, So sromnit sein Thun der großen Welt. Es trägt zur Freude jede Blume, Zur Ernte jedes Körnlein bei, Bis an der Schöpfung Hciligthum Der letzte Stein vollendet sei: Wer Gottes Pläne fördern will, Der schaffe betend treu und still. L. v. Heemstede. Für die Redaktion verantwortlich Alphons Planer in Augsburg. — Druck und Verlag des Literarischen Instituts von Dr. Max. Huttler. i / j i! § ! s