Unterkaktungsökatt »ur „Äugsbnrger postzeitung." Nr. 75. Mittwoch, 19. September 1883 Der Gpalring. Roman aus dem Englischen von E. C. (Fortsetzung.) Bertha telegraphirte sofort ihrer Mutter und bat sie, den Ring umgehend zu schicken, da sie ihn Donnerstag Lord Alphington zu überreichen wünschte. Sir Stephan fuhr sie selbst im Jagdwagcn zur nächsten Station, und von dort aus besuchten sie eine interessante in der Nähe liegende Ruine, wo sie, wie verabredet, Lady Langley, Lena und Frank Holcroft, sowie das mitgebrachte Frühstück antreffen sollten. « Auf dem Wege zum Stationsgebäude äußerte Sir Stephan von Neuem den Wunsch, Bertha für immer zu sich zu nehmen. „Wenn Du Deine Mutter und Lena durchaus in Sicht haben mußt, so finden wir vielleicht hier in der Nähe ein hübsches Häuschen, und wer weiß, auch einen Mann für Lena." „Bitte sprechen Sie nicht so!" rief Bertha mit Thränen in den Augen aus. „Nun, wenn es Dich betrübt, Maricnblümchcn, will ich es nicht mehr thun", sagte Sir Stephan, sie mit dem früheren Lieblingsnamcn anredend» „Aber Du weißt ja, daß ich den Sachverhalt kannte, ehe Ihr Plymouth verließet und ich muß Dir sagen, Bertha, obschon es Deine Mutter betrifft, es war sehr unvernünftig von Mrs. Dalton, Lcna's Kopf mit solchen Ideen anzufüllen. Ist das Mädchen entschlossen, zu heirathen, so wird sie schon einen Gatten auftreiben, denn sie ist. schön, das läßt sich nicht leugnen. Aber ich befürchte, sie bleibt an irgend einem Taugenichtse hängen, wenn sie nicht bald zum gewünschten Ziele gelaugt. Deine Pflicht ist es, dies zu verhüten. Du hast Verstand genug, für die andere mit." Bertha seufzte. Sie wußte, wie wenig Einfluß sie auf Lena besaß und daß es ihr unmöglich war, sie von einem einmal gefaßten Vorhaben abzubringen. „Gebe Gott, daß Sie ein falscher Prophet sind", entgegnete sie: „Sie dürfen Lena nicht zu strenge beurtheilen. An Arbeit ist sie ja nie gewöhnt gewesen, dagegen immer verzärtelt und mit der größten Nachsicht behandelt worden." „Und nun betrachtet sie ihr gutes Aussehen als eine Art von Waare, die man an den Meistbietenden losschlägt. Nun, nun, ich würde meine Tochter nicht so erzogen haben, da ich die Ehe von einem anderen Gesichtspunkte betrachte. Eh, kleine Berthal Wie Du siehst, habe ich noch so alte verrottete Ansichten und vielleicht hast Du Recht, daß ich den Verhältnissen nicht genug Rechnung trage. Wir wollen nicht weiter darüber reden, sondern das Beste von der Zukunft hoffen. Darin besteht ja die wahre Weisheit, das Beste hoffen, und sein ganzes Vertrauen auf die göttliche Vorsehung setzen." Nachdem die kleine Gesellschaft die Ruine besichtigt und auf dein Nasen Platz genommen, theilte Ihnen Lady Langley nach dem Frühstücke die näheren Einzelheiten der 594 Geschichte Lord Alphington's mit. „Lady Alphington und ich besuchten dieselbe Schule und waren sehr gute Freundinnen", begann sie ihre Erzählung. „In späteren Jahren sahen wir uns sehr selten, da ich häufig mit Sir Stephan auf Reisen war; doch blieben wir in regelmäßigem Briefwechsel und so erfuhr ich, welch' großen Kummer ihr das üble Verhalten ihres jüngsten Sohnes bereite. Sie besaß nur zwei Söhne. Wie es schien, war Faucourt in einen unehrenhaften Handel beim Pferderennen verwickelt worden; indessen stellte sich später heraus, daß man seinen Namen ohne sein Wissen mißbraucht hatte. Soviel stand jedoch fest, er war in schlechte Gesellschaft gerathen, und mau hielt es deshalb für das Klügste, wenn er sich eine Zeitlang in's Ausland begebe. Er ging nach Amerika und bald darauf starb Lady Alphington; der große Schmerz hatte ihr Ende ohne Zweifel bescheinigt. Lord Chalfont, der älteste Sohn, welcher schon einige Jahre verheirathct war und zwei Söhne hatte, lebte nach dem Tode seiner Mutter meistens auf Schloß Alphington. Aber noch mehr Mißgeschick sollte folgen. Zuerst kam die Nachricht von dem plötzlichen, durch einen Unglücksfall herbeigeführten Tode Faucourt's am Scharlachfieber; die Mutter, welche sie pflegte, wurde ebenfalls davon ergriffen und in dem kurzen Zeitraume von noch nicht vierzehn Tagen lagen alle drei im Grabe. Später tauchte das Gerücht auf, Faucourt habe in Amerika eine Wittwe und einen Sohn hinterlassen, da jedoch Lord Chalfont noch lebte, so wurden die Nachforschungen wahrscheinlich nicht sehr sorglich angestellt. Noch war das Unglück nicht vollzählig. Lord Chalfont erkältete sich auf einer Reise durch die Schweiz und bekam eine Lungenentzündung. Man telegraphiere seinem Vater; dieser eilte hin, kam aber nur zeitig genug, um seinen Sohn sterben zu sehen. Seit diesem» Augenblicke ist Lord Alphington ein vereinsamter Mann. Nun ist kürzlich ein junger Mensch aus Amerika herübergekommen und gibt sich als den Enkel Lord Alphington's aus; letzterer hat die betreffenden Papiere seinem Geschäftsführer zur Untersuchung übergeben und weigert sich einstweilen noch, den jungen Mann bei sich zu sehen, bis er die feste Gewißheit hat, ihn als Erben begrüßen zu können. Natürlich wünscht er von ganzem Herzen, daß sich die Beweise als gültig herausstellen." „Welch' traurige Geschichte", sagte Bertha, die nist großer Theilnahme zugehört hatte. „Wie sehr wünsche ich dem alten Herrn, daß er seinen Enkel finde." „Ja gewiß, das würde für ihn das größte Glück sein, welches ihm jetzt noch zu Theil werden kaun", bemerkte Lady Langley. „Abgesehen davon, daß er Niemanden hat, dem er seine Zärtlichkeit zuwenden kann, ist es auch noch ein sehr melancholischer Gedanke für ihn, seinen alten, ehrenvollen Namen erlöschen zu sehen. Aber Sir Stephan ruft uns: Kommt, Kinder, wir müssen nach Hause zurückfahren." Siebentes Capitel. Der Mrs. Dalton war es nach der Abreise ihrer Töchter sehr langweilig zu Muthe; viele Abwechselung stand ihr nicht zu Gebote und ihre einzige Nachbarschaft, eine alte, taube Dame, war ganz sicher in ihren besten Jahren keine amüsante Gesellschafterin gewesen. Einsame Spaziergänge gewährten ihr auch kein Vergnügen, die Romane ermüdeten sie und so war ihre Stimmung im Allgemeinen recht verdrießlich. Nachdem der Frühstückstisch eben abgetragen worden, dachte sie darüber nach, was sie den ganzen Morgen anfangen solle, als Sara eintrat und eine Dame anmeldete. „Wer ist es, Sara?" „Das weiß ich nicht", erwiderte diese. „Sie nannte mir ihren Namen nicht; sie sei eine Wittwe." „Führe sie in's Wohnzimmer", befahl Mrs. Dalton. Bald darauf folgte sie ihr dorthin und erblickte vor sich eine ziemlich große elegant aussehende Dame in schwarzer Trauerkleidung. Ihrer Gestalt und dein unteren Theile des Gesichtes nach zu urtheilen, schien sie trotz der gelblichen Hautfarbe noch jung zu sein. 595 Sie hatte schwarze, schön gewölbte Augenbrauen, aber das Haar war schneeweiß und glatt unter die Wittwenhaube zurückgestrichen. Ein Creppschleier verhüllte ihr Gesicht; zudem trug sie eine blaue Brille. Sie verneigte sich anmuthig, als Mrs. Dalton zu ihr eintrat. Ueberrascht durch die vornehme Erscheinung, bot diese ihr einen Stuhl an. Die Fremde setzte sich in die Nähe des Arbeitstischchens mit dem Rücken gegen das Fenster, da sie, wie sie sagte, ein Augenübel habe und das grelle Licht ihr Schmerzen verursache. „Ich habe mir die Freiheit genommen, Sie aufzusuchen, um mich bei Ihnen nach einer Dienstmagd Anna Turner zu erkundigen", sagte sie, auf eine Zeitung welche sie in der Hand hielt, hinweisend. „Ich weiß wohl, daß ich verpflichtet gewesen wäre, die festgesetzte Zeit abzuwarten, aber ich bin in großer Eile, da ich im Begriffe stehe, die Stadt zu verlassen und bitte deshalb sehr um Entschuldigung." „Nach einem Mädchen wünschen Sie sich zu erkundigen?" wiederholte Miß Dalton erstaunt. „Ich fürchte sehr, daß hier ein Mißverständniß obwaltet, da ich nicht vorhabe, eine Dienerin zu entlassen." „Mrs. Dalton aus dem Gardenhouse? frug die fremde Dame, in ihr Zeitungsblatt blickend. „Der Name ist richtig, aber dies ist nicht Gardenhouse, sondern Joy-Cottage." „O, dann habe ich mich geirrt!" rief die Fremde, ohne sich jedoch von ihrem Stuhle zu erheben, aus. „Ich bedauere sehr, Sie belästigt zu haben." Seufzend drückte sie ihr Taschentuch gegen die Stirne. „Bitte, erwähnen Sie das nicht und ruhen Sie erst ein wenig aus, Sie scheinen müde zu sein." „Ja, das bin ich", bestätigte die Dame. „Ich habe mich allenthalben nach Garde- house erkundigt und dann frug ich nach Mrs. Dalton und wurde hierher gewiesen. Sie können mir vielleicht sagen, wo Gardenhouse liegt?" „Ich erinnere mich nicht, von einem solchen Wohnsitze hier in der Gegend gehört zu haben", entgegncte Mrs. Dalton. „Auch ist es mir gänzlich unbekannt, daß mein Name in der Nachbarschaft vorkommt." „Dalton oder Galton, der erste Buchstabe ist nicht deutlich zu lesen; ich frug zuerst nach einer Familie Galton, aber der Kaufmann, an den ich mich wandte, nannte mir Ihren Namen und da ich den großen Garten erblickte, so glaube ich sicher, an die richtige Adresse gelangt zu sein." „Ja, der Garten ist sehr groß", sagte die mittheilsame Mrs. Dalton, sich bereitwilligst in eine kleine Plauderei einlassend, „aber sie glauben nicht, wie kostspielig es ist, ihn im gehörigen Stande zu halten. Das Terrain würde sich freilich sehr gut zu Baustellen eignen, doch da es mein persönliches Eigenthum ist, so trenne ich mich nicht gerne davon. Die einzige Unbequemlichkeit besteht darin, daß das Haus so weit vorn Thore entfernt liegt." „Das läßt sich denken, namentlich im Winter oder bei Regenwetter, aber eS macht einen hübschen malerischen Eindruck, weil es so ganz mit Ephcu bewachsen ist." „Mrs. Dalton beschrieb nun umständlich die innere Einrichtung der Wohnung und die Fremde hörte anscheinend mit großem Interesse zu. Den früheren Faden der Unterhaltung wieder aufnehmend, sagte sie dann: „ES ist mir zu leid, daß ich mich geirrt habe, denn aus ihrem Hause würde ich mit dem größten Vertrauen eine Dienerin übernehmen"; indem sie dieses sagte, warf sie eine» bewundernden Blick im Zimmer umher. „Was für eine Plage die Dienstboten im Allgemeinen sind!" „Ja, das ist wahr", stimmte die nicht wenig geschmeichelte Mrs. Dalton bei. „Die. eine meiner Mägde ist jetzt schon über zwanzig Jahre in meinen Diensten; sie ist eine' vorzügliche Köchin und auch sehr zuverlässig, aber dabei so heftig, daß ich gar nicht 596 wage, ihr in irgend einer Weise entgegen zu treten; die jüngeren Mädchen sind heutzutage alle eitel und vergnügungssüchtig; man weiß wirklich nicht, wo das noch enden wird." „Und so nachlässig dazu", klagte die Fremde. „Haben Sie nicht auch schon in dieser Beziehung traurige Erfahrungen an den werthvollen chinesischen Sachen, welche hier stehen, gemacht?" „O, ich erlaube nie, daß eine von den Mägden diese berührt, meine jüngste Tochter staubt sie immer selbst ab." „Da haben Sie wohl recht, ich besitze eine wahre Leidenschaft für Antiquitäten; meine ganz besondere Liebhaberei sind alte Schmucksachen, ich habe einige, von denen ich Mich um keinen Preis trennen möchte." „Das begreife ich recht gut. Augenblicklich haben wir auch einen alten interessanten Ring hier, in dessen Besitz meine Tochter auf sehr merkwürdige Weise gelangt ist." „Einen alten Ring?" rief die Fremde erstaunt aus. „Würde es Ihnen nicht zu viel Mühe verursachen, mir denselben zu zeigen? Sie glauben nicht, wie vernarrt ich in solche Sachen bin und ich schmeichle mir, auch den Werth der Edelsteine richtig beurtheilen zu können." „Es macht durchaus keine Mühe", sagte Mrs. Dalton und schellte. Zur herein- tretenden Sara gewendet, fuhr sie fort: „Hier ist der Schlüssel von meinem Toiletteukasten, Du weist ja, wie er geöffnet wird. Hole mir das kleine Etui aus demselben herunter." Sara kehrte bald zurück und Mrs. Dalton zeigte der Fremden den Opalring, ohne ihn jedoch aus der Hand zu geben. „Er ist wirklich wundervoll", bestätigte die Dame; „ich würde mich fürchten, ihn zu tragen,.wenn er mir gehörte, aus Angst, ihn zu verlieren." „Aus eben diesen! Grunde habe ich auch meine Tochter veranlaßt, ihn nicht mit auf das Land zu nehmen", bemerkte freundlich Mrs. Dalton, während sie den Ring wieder in das Etui steckte und dieses auf dem Tische neben sich stehen ließ. „Ich darf sie wirklich nicht länger belästigen und danke Ihnen bestens für Ihre Gefälligkeit. Könnten Sie mir vielleicht hier in der Nähe ein Dienstboten-Bureau angeben? —" „In Portland-Town befindet sich das nächste." „Ist es nicht zu unbescheiden, wenn ich Sie bitte, mir die Adresse aufzuschreiben? Es ist mir nicht möglich, einen Namen zu behalten." „O, das will ich gerne thun", und Mrs. Dalton begab sich zu ihrem Schreibtische in der anderen Ecke des Zimmers." Die Fremde empfing die geschriebene Adresse und nahm dann unter überschweng-. lichen Dankesreden Abschied. Mrs. Dalton trug das Ningetui, welches sie auf dem kleinen Tische hatte stehen lassen, sogleich wieder hinauf und verschloß es sorgfältig. Einige Stunden später kam Bertha's Telegramm an; Mrs. Dalton holte das Etui von Neuem hervor und fand es leer. Sara hatte die fremde Dame durch den Garten bis an's Thor begleitet; sie schaute ihr kopfschüttelnd einige Augenblicke nach und kehrte dann zurück. Das ganze Haus wurde des Ringes wegen durchsucht. Mrs. Dalton behauptete, er müsse im Wohnzimmer oder auf der Treppe aus dein Etui herausgefallen sein und deshalb von Sara gefunden werden. „Immer ist doch Alles verkehrt, nur um mich zu quälen und aufzuregen. Wenn Bcrtha doch so vernünftig gewesen wäre, zu schweigen und des Ringes gar nicht zu erwähnen, würde mir dieser Verdruß erspart geblieben sein; es ist auch zu lächerlich von Bertha, bei jeder Gelegenheit darüber zu sprechen." Sara hätte beinahe ihre Entlassung aus dem Dienste erhalten, weil sie die Vermuthung anssprach, die fremde Dame habe den Ring vielleicht mitgenommen. „Solchen Unsinn behaupten zu wollen,", sagte Mrs. Dalton voller Entrüstung, „als ob ick nicht 597 im Stande wäre, den Charakter einer Dame auf den ersten Blick zu beurtheilen", und da Sara nochmals ihre feste Ueberzeugung aussprach, befahl sie ihr, den Mund zu halten. Diese gehorchte natürlich, war jedoch entschlossen, ihre Ansicht später Miß Bertha, wenn sie nach Hause zurückkomme, mitzutheilen. (Fortsetzung folgt.) Goldkörner. Immer zeige dir die Gnade Deines wahren Glückes Pfade; Alles, was dein Wunsch begehrt, Wird vom Himmel dann gewährt; Denn dein Herz wird fest und still, Wünsche nicht, was Gott nicht will! Kein Ding Ist so gering; Es kann dich quälen, Wird es, wenn du's bedarfst, dir fehlen. Wer das Alter nicht ehrt, Ist dks Alters nicht werth. Was nicht am Anfang ward bedacht, Wird nicht zu gutem End' gebracht. Die Welt ist wie ein Markt, hat Waaren ganze Haufen, Für Arbeit steh'n sie feil und sind um Fleiß zu kaufen. Wer gibt, noch ehe man's begehrt, Deß' Gab' ist zweier Gaben Werth. Halt' aus im Leid, halt' ein im Genuß, So linderst du Schmerz und Verdruß! Cin Tag auf einem deutschen Kriegsschiff. Von v. Henk. Ueber das Leben zur See sind bei den „Landratten" oft sehr seltsame Vorstellungen im Schwung, trotzdem die Theilnahme für Misere junge Seemacht in den letzten Jahren sehr gestiegen ist. Da wird es denn nicht ohne Interesse sein, folgende Mittheilung zu lesen, die wir in einem Aufsatz des Admirals v. Henk in der „Internationalen Revue über die gesammten Armeen und Flotten" entnehmen. Der Dienst ist für jeden Tag der Woche Vormittag und Nachmittag im Hafen und in See vorgeschrieben, jedoch steht es dem Kommandanten frei, wenn dringende Verhältnisse es erheischen, zeitweise hiervon abzuweichen. Ebenso sind für jede Stunde täglich die Exerzitien und Beschäftigungen rc. bestimmt. Wählen wir z. B. zur Schilderung einer Tageseinteilung den Freitag in See an Bord der Panzerfregatte „König Wilhelm", indem wir die Details des Schiffes voranschicken. Die Länge beträgt 109 Meter, die Breite 18 Mtr>, der mittlere Tiefgang 7,75 Mir., die Tragfähigkeit 5939 Tonnen L 1000 Kg. Die Armirung besteht aus 18 Stück 24 Cm. und 5 Stück 21 Cm. Krupp'schen Hinterladern, die Panzerstärke bis zu 26 Cm. Walzeisenplatten. Die Schraubeninaschine hat 8000 indizirte Pfcrdekräfte, welche dem Schiffe eine mittlere Fahrgeschwindigkeit von 14 Knoten (3^ geographischen Meilen pro Stunde) geben. Das Schiff ist außerdem mit einem doppelten Boden versehen, hat zu beiden Seiten bis zum Batteriedeck eine zweite Wand, so daß Armirung, Maschine und Vorräthe sich gleichsam innerhalb eines wasserdichten Einsatzes des Schiffskörpers befinden. Der Höhe nach besteht das Schiff aus drei Etagen (Decks): 1) Das Oberdeck. Aus demselben befindet sich außer den Landungsgeschützeu und Torvedomitraillensen (HotschkißkanoneiO 598 zwei 21 Cm.-Geschütze in zwei gepanzerten Halüthürmen unter der Kommandobrücke und zwei gleiche Geschütze unter der Back hinter einem Panzerschilde. Ueber dem Deck ragt die Bemastung, das Bugspriet und die Schornsteine hervor; vier Decks- resp. Torpedoboote stehen auf demselben, die übrigen hängen an Krähncn außerbords. Eine Ankerwinde, das doppelte Steuerrad, das Kartenhaus und Reservespiercn bemerkt man dort gleichzeitig; den oberen Theil der äußersten Bordwand bilden die sogenannten Finknetzkasten, in welchen die Hängematten der Mannschaft während des Tages aufbewahrt werden. 2) Das Batteriedeck. Dasselbe ist der Länge nach durch zwei gepanzerte Querwände in die Kasematte, die Vor- und Achterbattcrie eingetheilt. Die Kasematte umfaßt das Geschützemplacement, neun 24-Cm.-Stahlgcschütze auf Rahmenlafctten stehen auf jeder Seite; den Hinteren Theil der Kasematte bilden zwei Lazarethe für Friedenszwecke, während sich am Hinteren Panzerschott mitschiffs das Gefechtsrnder nebst Steuer- kompaß befindet. In dem vorderen Theil der Kasematte sind die Küche, ferner eine zweite Ankerwinde sowie Einrichtungen zum Lanzircn von Torpedos aufgestellt. Zwischen und vor den Geschützen befinden sich Tische, Bänke und Spinde für Backntensilien, Eß- geräth der Geschützmannschaften, an den Decksbalken Hängematthakcn, da die Batterie als Schlafraum für einen Theil der Mannschaft dient. Vor dem Panzerschott befinden sich die Verfingen zum Festlegen der Ankerkctten; zu beiden Seiten die Latrinen. Hinter dem Panzcrschött sind eine Anzahl Kabinen für den Stab sowie für Bureau's eingerichtet; am hintersten Ende befindet sich die Admiralkajüte nebst Schlaf- und Speisezimmer, in welchem letzteren ein 21 Cm.-Gcschütz als Heckvertheidigung aufgestellt ist. 3) Das Zwischendeck. Im hintersten Theil desselben befinden sich die Speisekammer der Offiziermesse und Badcräumc, daran schließt sich die Offiziermesse (Speisezimmer), zu deren beiden Seiten Kabinen für die Offiziere eingerichtet sind; dann folgt weiter nach vorne die Kadettenmesse an der Backbordseite, Offizierkabincn an der Steuerbordseite und der Schlaf- und Waschraum für die Kadetten mitschiffs. Unter diesen Räumen liegen die Vorraths-, Chronometer- und Jnstrumentenkammern, sowie Munitions- räumc. Der mittlere Theil des Zwischendecks dient als Schlaf- und Eßraum eines Theils der Mannschaft, sowie zur Unterbringung ihrer Kleider. Hier befinden sich auch die Arrestzellen. Unter diesen Räumen liegen Maschine, Kessel- und Kohlenbunker, welche letztere 8000 Tonnen Kohlen fassen. Im vorderen Zwischendeck sind die Kabinen der Deckoffizicre; unter demselben liegen Munitionskammern, die Wasserlast und andere Vor- rathsräume und Helegats rc. An einem Freitag Morgen dampft Se. Majestät Panzerfrcgatte „König Wilhelm" mit vier Kesseln etwa acht Knoten; das Wetter ist schön, die See ruhig, die Mitter- nachtswachc geht zu Ende. 3 Uhr 50 Minuten. „Wache und Freiwächter wecken!" ertönt das Kommando des wachthabenden Offiziers und „Wache und Freiwächter aufstehen!" repetiren die Bootsmannsmaate in die Schlasräume hinunter, mit einem langen Pfiff aus den Boot- maunspfeifen. Die Gerufenen haben zehn Minuten Zeit sich anzukleiden, ihre Hängematten zu schnüren, dieselben auf das Oberdeck zu bringen, wo sie in die Finknetzkasten verstaut werden. Punkt 4 Uhr (8 Glas) wird die neue Wache, sowie die Freiwächter, die in Musterungs-Divisionen antreten, von den Unteroffizieren namentlich verlesen, während die alte Wache sich in ihre Hängematten begibt. Nach der Musterung beginnt die Wäsche der Kleider; für jede Back (Tisch) sind ein Waschfaß und einige Pützen (Wasser- Eimer) bestimmt, welche hierzu verwendet werden. Nach Beendigung der Wäsche wird dieselbe an die dazu vorbereiteten Wäschejallen (Leinen) aufgehängt und zwar von der Steuerbordwache an der Steuerbordseite, von der Backbordwache an Backbord, das wollene Zeug unten, das leinene darüber. Zum Waschen und Aufhängen des Zeuges wird eine Stunde, und wenn gleichzeitig Hängematten oder Bezüge gewaschen werben, 1^ Stunden Zeit gegeben. Nach dem Aufhängen der Wäsche beginnt die Reinigung des Ober- und Baterie- decks mit Sand und Besen, welche unter gewöhnlichen Verhältnissen bis lU /2 Uhr beendet ist, weil das Schiff bis dahin in Ordnung und für den Tagesdienst vorbereitet sein muß. 6 Uhr 20 Minuten wird die Freiwache geweckt und zehn Minuten später deren Hängematten an Deck gebracht; eine Viertelstunde später die Hängematten der Kadeten von den dazu bestimmten Leuten in die Finknetzen verstaut. Die Zeit bis 7 Uhr wird der Mannschaft zur Selbstreinigung, von 7—7^/., Uhr zum Frühstück gegeben, dann 10 Minuten znm Anziehen der für den Tag befohlenen Kleidung gewährt. 7^/z Uhr werden die Kranken in's Lazarcth geschafft und erfolgt die ärztliche Visite. Darauf schreitet die um lp/z Uhr ausgestandene Mannschaft zum reinigen des Zwischendecks und kleidet sich nach Beendigung derselben gleichfalls vorschriftsmäßig an, resp. hängt die Wäsche auf. Um 8 Uhr wird die Flagge gehißt und von 8 Hz bis 9 Uhr ist allgemeine Reinigung der Waffen resp. Putzen des Messings rc. und nach Beendigung desselben wird das Schiff durch Aufräumen, Fegen rc. in den Zustand der höchsten Sauberkeit gebracht. Es wird Vielen unbegreiflich erscheinen, wie ein auf dem Meere schwimmendes Schiff in 24 Stunden so schmutzig werden kann, daß es täglich einer mehrstündigen Reinigung fast durch die ganze Besatzung bedarf. Um dies zu verstehen, muß man das Erzeugen von Nuß durch das Heizen der Kessel rc. und den Grad der erstrebten Reinlichkeit in's Auge fassen, wie man sich von letzterem in einem Kricgshafen täglich überzeugen kann. Wo außerdem Hunderte von Menschen auf einem so engen Raum zusammengedrängt leben, muß zur Verhütung von Krankheiten vor allen Dingen für Reinlichkeit und gute Luft Sorge getragen werden. Um 9 Uhr ist Musterung mit Handwaffen. Dieselbe ist der Appel der Land- truppen und wird dem ähnlich abgehalten. Das Resultat wird dem ersten Offizier von den betreffenden Abthcilnngs-Ofsizieren rapportirt, und dieser macht die Meldungen an den Kommandanten. Nach der Musterung erfolgt das Signal znm „Klar Schig" (Fertig zum Gefecht, Gcneralmarsch) und nachdem die einzelnen Stationen desselben vom Kommandanten inspizirt sind, wird an den Geschützen exerziert und alle Manöver dnrch- gcnommen, welche znr Einübung der einzelnen Gcfechtsmomente erforderlich sind. — Während des „Klar Schiff" übernimmt der Kommandant selbst den Befehl. Das Exerzieren dauert bis 11 ^ Uhr. Auf das Kommando „Klar Schiff" aufhören! werden die Pulverkammern geschloffen, Geschütze und Handwaffen gereinigt, die Decke gefegt und um 12 Uhr zu Mittag gepfiffen, bei gutem Wetter mit „Alle Mann", ausgenommen die Posten, Rudergänger, Maschinisten und Heizer der Wache. Die Offiziere nehmen das zweite Frühstück ei». Wenn irgend die Umstände es gestatten, erhalten die Leute lst/z Stunden Mittagsruhe und werden die Dienstfreien nicht gestört. Um 12^ Uhr erfolgt die Ablösung der Posten, um 1 Uhr die Reinigung des Eßgeschirrs und das Fegen des Decks; um IV 4 Uhr wird der Proviant und das Master vertheilt; um 1 H'„ Uhr ertönt das Kommando: „Pfeifen und Lunten aus!" Darauf werden die Decke gefegt, die Geschütze abgerieben rc. Von 2—4 Uhr exerziert die Wache mit Handwaffen resp. werden die schwachen, noch ungeübten Mannschaften am Geschütz ausgebildet, während die Freiwache unbeschäftigt bleiben darf. Die Takler bessern Schäden in der Takelage aus, schrapen Stäugcn und Spieren rc. Um 4 Uhr ist wiederum Wachwcchsel, die Mannschaft kleidet sich für die Nacht um, die Wäsche wird abgenommen, die Kleiderjollcn werden geborgen, die Decke gefegt und das Tauwcrk in Ordnung gebracht. Um 5 Uhr ist Gefechts- mnsterung, bet welcher die Geschütze nachgesehen und für die Nacht entsprechend befestigt werden, sodann die event, gewaschenen Hängematten in Bezug auf Reinlichkeit inspiziert. 600 Nach der Gefechtsmusterung wird Feucrlärin geläutet, die Mannschaft nach der Feuer- löschrolle gemustert, sämmtliche Spritzen probirt rc. Nach Beendigung der Uebungen werden Windsäcke, Decks- und andere Bezüge gewaschen, und wenn es die Witterung gestattet, dieselben zwischen den Masten aufgehängt. Zwischen 5 und 7 Uhr ist das Mittagsmahl des Kapitäns und der Offiziere; 6^/g Uhr das Abendbrot der Mannschaft und bis 7^ Uhr freie Zeit (Nauchzeit). Um 7 Uhr Wachewechscl und deren Musterung; 7^ Uhr werden die Kadettcn-Hängemattcn und um 7^ Uhr die Hängematten der Freiwache unter Deck gebracht. Um 8 Uhr ertönt das Kommando; „Pfeifen und Lunten aus, Ruhe im Schiff!" Um 9 Uhr muß das Licht in der Kadetten- und Dcckoffizier-Mcffe, um 10 Uhr das Licht in der Offizier- Messe gelöscht werden. Um 9 Uhr 10 Minuten erfolgte die Hauptronde durch den ersten Offizier, begleitet von den Offizieren und Kadetten der resp. Decks, sämmtlichen Deckoffiziercn, der Stabswache rc. Hauptzweck derselben ist die Gewißheit, daß alle nicht vorgeschriebenen Lichter und Lampen gelöscht sind, um möglichst jeder Fcucrsgesahr während der Nacht vorzubeugen. Der Zimmermann meldet den Wasscrstaud im Schiffe, der Feuerwerker die sichere Befestigung der Geschütze rc. Ist die Nonde abgemacht, so stattet der erste Offizier dem Kommandanten Rapport darüber ab und empfängt von demselben event. Befehle für die Nacht oder für den nächsten Morgen. Während der Nacht erfolgt halbstündlich eine Nonde durch die Kadetten. Bei jedem Wachwechsel während der Nacht um 8 Uhr, 12 Uhr und 4 Uhr Morgens werden auch die Rcttungsbootsmauuschaften gemustert und, die Posten an den Rettungsbojen genau instruirt. Die obige Zeiteintheilung zeigt wohl zur Genüge, daß weder die Offiziere, noch die Mannschaft viel freie Zeit übrig behalten. Die eine Wache war 16^ Stunden im Dienst, hatte 7^ Stunden Ruhe, davon nur 4 Stunden Schlaf in der Hängematte, während die andere 10 Stunden Dienst, 14 Stunden Ruhe hatte und davon 7 Stunden in der Hängematte war. Das ist wahrlich kein leichter Dienst, und er erfordert kräftige Naturen, um so mehr, als bei schlechtem Wetter die so spärlich bemessene Ruhezeit noch mehr gekürzt wird. — , M i s c e l l e n. (Sobieski's Sieg es wagen.) Die Stadt Wien schenkte 1683 dem Polen- könig Johann Sobieski einen „prachtvollen Siegcswagcn", der 3000 Dukaten gekostet haben soll. Etwa 60 Jahre später befand sich dieses Werthstück — so berichtet die Kölnische Zeitung — auf einem dem weiblichen Nachkommen des Königs gehörigen Gute in Oberschlcsien. Dort nahm es der preußische General-Lieutenant Henning Alexander v. Kleist während des ersten schlcsischeu Krieges 1742 als Beute in Beschlag und schickte es mit Erlaubniß des Königs Friedrich II. nach Pommern, wo es zu einer Kanzel für die Dorfkirche von Radsatz bei Ncustettin verarbeitet werden sollte. Das ist denn auch geschehen, und noch heutigen Tages wird aus dem Siegcswagcn Sobieski's gepredigt. Die feine Goldmalerei mit den: in mehrfachen Schildern angebrachten Namcnszuge des Polenkönigs (I. 8. II. 1?.), dem weißen Adler und vielen türkischen Trophäen (Turbanen und Hellebarden) ist noch wohl zu erkennen. In der Decke liest man die Inschrift: Ourrus triumplmim lloiinnnm Lostissiri llöAis ikoloirornna. Auf der Vorderseite ist als Besitztitel das Kleist'sche Familienwappen angeheftet. (Bedenklich.) „Hier, Fräulein Flora, bringe ich Ihnen einen kostbaren Brillantschmuck; als Gegendienst bitte ich, daß Sie öfter an Ihren aufrichtigsten Verehrer denken ..." — „O, gewiß, Herr Baron! Welchen meinen Sie?" Für die Redaktion verantwortlich Alphons Planer in Augsburg. — Druck und Verlag des Litcrnrischen Instituts von Dr. Max Hnttler.