Nr. 80. 1883. zur „Ängslmrger PostMrmg." Samstag, 6. Oktober Der Opalrrng. Noman aus dem Englischen von E. C (Fortsetzung.) Von Innen wurde laut „Herein" gerufen, aber Mr. Niggs zögerte, dieser Einladung zu folgen, da er beim Oeffncn gewahrte, daß St. Lawrence sich nicht allein befand. Douglas war seiner täglichen Gewohnheit gemäß kurz vorher zu einem Plauderstündchen dorthin gekommen; denn die beiden jungen Künstler waren, trotz oder vielleicht gerade wegen der großen Verschiedenheit ihrer Charaktere sehr intime Freunde. „Treten Sie nur ein, Mr. Niggs", sagte St. Lawrence; „dieser ist mein Freund, Mr. Douglas, vor dem ich gar kein Geheimniß besitze. Sie mögen immerhin alles berichten, was Sie in Erfahrung gebracht haben. Ich hatte Dir ja mitgetheilt, Douglas, daß ich meine Angelegenheit der Polizei übergeben habe; Mr. Niggs hat nun die Aufgabe übernommen, mir zu meinem Rechte zu verhelfen, wenn dies überhaupt in der Macht des Menschen liegt. Haben Sie mir etwas Besonderes zu sagen, Niggs?" „Nein, Sir, das kann ich gerade nicht behaupten", erwiderte dieser, sich mit seinen» blauen Taschentuche durch's Gesicht fahrend, „wenigstens möchte ich nicht gerne jetzt schon etwas sagen. Aber ich habe die Hoffnung noch nicht aufgegeben, Mr. St. Lawrence." „Schon gut, Niggs. Nehmen Sie einen kleinen Cognac?" „Da habe ich nichts dagegen einzuwenden, es ist kalt draußen. Man hat mich Mit einem ähnlichen Falle beauftragt", vertraute Mr. Niggs den beiden jungen Herren an und erzählte ihnen dann die Geschichte des Opalringes. „Dalton? Was für Dalton?" frug Douglas, da Niggs inne hielt, um einen Schluck zu nehmen. „Von Joy Cottage — eine Wittwe mit zwei Töchtern, erklärte er, abermals einen Zug thuend. „Ich bin heute besonders in der Mficht hierher gekommen, Mr. St. Lawrence", fuhr der Geheimpolizist fort, „um Ihnen das Versprechen abzunehmen, daß Sie sich, was sich auch immer ereignen möge, doch in keiner Weise blosstellen wollen und gegen Niemanden ein Wort von dem, was Sie wissen, laut werden lassen. Es ist eine verwickelte Geschichte, und deshalb erheischt sie doppelt vorsichtige Behandlung. Wenn wir uns in die Karten sehen lassen, so haben wir verloren. Das mag Ihnen zu Zeiten schwer fallen, Sir, aber wenn ich Ihr Versprechen habe, so weiß ich, daß Sie es so treu wie einen Eidschwnr halten werden." St. Lawrence dachte einige Augenblicke nach, dann sagte er: „Ich sehe keinen Grund, weshalb ich mich weigern sollte, auf Ihren Wunsch einzugehen, denn ich vertraue Ihnen vollständig, sowohl wegen dessen, was ich von Ihnen gehört, als auch, was ich persönlich erfahren habe." „Vielen Dank, Sir, entgegnete Niggs, sein Glas leerend. „Wir dürfen durchaus keine Unbesonnenheit begehen. Wenn dieser junge Herr Ihr volles Vertrauen besitzt, so wird er gewiß auch bereitwillig dasselbe Versprechen ablegen." — 634 — „Ich bin taubstumm geboren, meinetwegen brauchen Sie sich keine Sorgen machen", beruhigte Douglas. „Sehr gut, Sir,", antwortete Riggs, seinen lächelnden Mund noch etwas mehr in die Breite ziehend. „Auch gewissen anderen Leuten wäre es von größerem Nutzen gewesen, staubstumm geboren zu sein. Empfehle mich Ihnen meine Herren. In einigen Tagen oder Wochen hoffe ich Ihnen etwas mehr sagen zu können, Mr. St. Lawrence. Nochmals Dank für ihre Versprechen. Bitte, bemühen Sie sich nicht, ich finde meinen Weg schon." Als sich die Thüre hinter dem Geheimpolizisten geschlossen, schritt St. Lawrence heftig erregt, im Zimmer auf und ab. „Diese Ungewißheit treibt mich noch zur Verzweiflung!« rief er aus, „und ich soll nichts thun." „Ja, es ist hart", bestätigte Douglas, „aber was man nicht kann änderen — Du kennst ja das alte Sprüchwort, Muth gefaßt, Freund! Ich wette ein Dutzend echte Havana's gegen einen alten verbrauchten Pinsel, daß schließlich doch noch Alles gut geht." „Der Himmel gebe es!" St. Lawrence setzte seinen Spaziergang durch's Zimmer noch einige Zeit fort, dann warf er sich in einen Sessel und strich sich das Haer von der Stirne. „Apropos, Douglas?" frug er nach einer Weile, „weshalb hat Dich der Name Dalton so interessirt?" „sstun, weil meine kleine Musiklehrerin so heißt; sie ist eine Miß Dalton." „Sieh da, ich glaubte, Du wolltest mir ihren Namen nicht nennen", neckteSt. Lawrence. „Das ist ja wahr; ich bin jetzt so gedankenlos damit herausgeplatzt. Joy Collage — mich wundcrts, ob das richtig ist; es klingt ganz hübsch und scheint mir ein passendes Nestchen für dieses süße Täubchen zu sein. Joy Collage, mit einem guten Atelier nach Norden, viele reiche Leute zum Portraitiren und ein liebes gutes Weib, um das Leben behaglich und angenehm zu machen. „Und ein halbes Dutzend Schreihälse und des Dokters Wagen beständig vor der Thüre und ellenlange Rechnungen zu Neujahr —" „Halt ein, ich bitte Dich. Gönne nur doch für mein Ideal zu schwärmen. Es wird ja nie etwas daraus; zwischenzeitlich wirst Du wohl hingehen und der schönen Amarillis Deine Liebe erklären und mich verdrängen." „Nein, ich bin keine verliebte Natur, mich brauchst Du in diesem Punkte nicht zu fürchten." „Was ich Dich fragen wollte, Eustace, Du gehst doch Mittwoch mit mir zum botanischen Garten? Es ist wirklich amüsant dort, und man sieht eine Menge hübscher Gesichter", sagte Douglas im Begriffe, sich zu entfernen. „Zum Henker mit dem botanischen Garten." „Nun, nun, weshalb so wüthend sein, wie ein angeschossener Bär,", beschwichtigte Douglas. „So lange Du, Eustace, St. Lawrence bist, genieße auch das Leben als solcher, und das Andere warte ruhig ab." „Wohlan! Ich gehe mit Dir", versprach Eustace. „Ich muß mich auf irgend eine Weise zerstreuen, um nicht verrückt zu werden." „O, das wirst Du nicht, so lange Du Deinen „Fides Achatns" bei Dir hast, Nun, lebe wohl, alter Bursche; wenn Du meiner bedarfst, so weißt Du, wo ich zu finden bin." Mit diesen Worten lief der wohlgcmuthe junge Portraitmaler die Treppe hinunter, St. Lawrence seinen Grübeleien überlassend. Zwölftes Capitel. Ein leichtes Unwohlsein würde Lord Alphington nicht von oer Begrüßung seines ven entdeckten Enkels zurückgehalten haben; er pflegte hänsig durch heftige Anfälle von «35 Podagra belästigt zu werden und um dem völligen Ausbruche dieses Uebels vorzubeugen, mußte er die ersten Symptome der Krankheit sofort im Keime ersticken. Aus diesem Grunde war er gezwungen, das Wiedersehen bis Montag hinauszuschieben. Sein Zustand hatte sich bis dahin gebessert, und so fuhr er nach London, wo er seine Wohnung gegen ein Uhr erreichte und den Rechtsanwalt, ihn dort erwartend, fand. Der Earl begrüßte ihn freundlich und seine Hand drückend sagte er: „Ich bin überzeugt, daß Sie mir von Herzen gratuliren, mein guter Freund. Sie wissen, was ich Alles durchgemacht habe, wie einsam und verlassen mein Leben verflossen ist, und jetzt hat mir der gütige Himmel das Glück bescheert, noch in meinen alten Tagen einen Sohn meines Hauses an's Herz drücken zu können." Mr. Thomson räusperte sich verlegen, als ob er nicht recht wisse, was er antworten solle. „Gewiß gratulire ich Ihnen, Mylotd. Mr. Sedley oder Faucourt, wie wir ihn jetzt nennen müssen, ist noch ein junger Mann, deshalb darf man wohl voraussetzen, er werde sich die Sitten und das Benehmen der Gesellschaft, mit welcher er in der Zukunft verkehren wird, aneignen. Seine mangelhafte Erziehung darf uns nicht in Erstaunen setzen." „Der Ton, mit welchem Mr. Thomson dies sagte, erweckte Lord Alphington's Besorguiß. Mangelhafte Erziehung?" wiederholte er. „Ich meine doch gehört zu haben» daß mein Enkel in dem Jale-Collcgium seine Studien absolvirte und seitdem auf Reisen gewesen ist. Er muß also doch ein gebildeter Mensch sein." Mr. Thomson hustete abermals. „Wie ich glaube, besuchte er die Anstalt und wenn ich von mangelhafter Erziehung sprach, so wollte ich damit nicht sagen, daß er gerade unwissend sei. Er schreibt einen guten Brief, aber was Sie mit Reisen bezeichnen, Mylord, möchte ich schon eher in der Welt herumbummeln nennen." „Sie erschrecken mich; ich muß aus Ihrem Benehmen schließen, daß er Ihr Mißfallen erregt hat. Bitte sprechen Sie sich aus; es ist besser, daß ich es weiß, wie sehr es mich auch betrüben mag." „In der That, Mylord, Sie fassen meine Worte ernster auf, wie ich beabsichtigte; ich weiß durchaus Nichts gegen Mr. Faucourt, kann aber nicht leugnen, daß ich mich, da ich seinen Vater kannte, sehr enttäuscht gefühlt habe. Das ist Alles, ich versichere es Ihnen." „So, ist er seinem Vater nicht ähnlich?" frug Lord Alphington, mit einem Seufzer das Porträt eines schönen, anziehenden jungen Mannes anblickend, welches im Bibliothekzimmer hing, wo sie sich befanden. „Nicht im Mindesten, vielleicht gleicht er seiner Mutter." Der Earl seufzte tief. „Seine äußere Erscheinung darf uns nicht parteiisch machen", sagte er dann. „Ich hatte so gehofft, es würde eine Aehnlichkeit vorhanden sein, aber ich lernte schon lange meinen Hoffnungen entsagen. Lassen Sie uns jetzt unsere Geschäfte abmachen, die Zeit drängt." Mr. Thomson begann nun alle die Beweise, welche ihm übergeben worden, vor Lord Alphington auszubreiten; es waren eine Menge Papiere, trotzdem las der alte Herr sie alle aufmerksam durch. „Es unterliegt keinem Zweifel, daß sie echt sind", sagte er, jedoch klang seine Stimme nicht mehr so freudig, wie bei der ersten Begrüßung des Rechtsanwaltes. „Wie sehr wünschte ich, dies alles wäre vor Jahren bekannt geworden, damit ich die Vormundschaft über den Knaben gehabt hätte! Es ist freilich jetzt nutzlos, das Vergangene zu beklagen. Der Opalring ist das einzig Fehlende", fügte er, ein Armband betrachtend, hinzu. „Sagte Ihnen Faucourt, wie er ihn verloren?" „Er sprach davon, daß er von einem Diener bestohlen worden sei", entgcgnete Mr. Thomson. Ich habe Ihrem Auftrage gemäß die Sache einem Geheimpolizisten übergeben — einem sehr gewandten Burschen, welcher schon mehrere derartige Fälle mit großem Geschick verfolgt hat. Wenn etwas herauszubringen ist, so ist Niggs der rechte Mann dazn." Lord Alphington war eben im Begriffe, zu antworten, als die Zimmcrthür geöffnet und Mr. Faucourt angemeldet wurde. Der alte Herr erhob sich hastig; seine Züge verriethen ängstliche Spannung. Eben wollte er dem Manne, welcher eintrat, entgegeneilen, doch plötzlich blieb er stehen; die Lebhaftigkeit seines Benehmens verwandelte sich in stolze Zurückhaltung und Kälte. Faucourt, dessen äußere Erscheinung dieselbe war, wie bei seinem Besuche zu Joh Cottage, näherte sich mit halb knechtischer, halb anmaßender Höflichkeit. Mr. Thomson, welcher glaubte, der Earl befinde sich im Zweifel, erhob sich ebenfalls indem er sagte: „Erlauben Sie mir, Lord Alphington, Ihnen Ihren Enkel vorzustellen." Der Earl winkte abwehrend mit der Hand. „Ich weiß schon; Sie haben mir durch die Papiere bewiesen, daß dies Faucourt's Sohn ist und als solcher werde ich ihm Gerechtigkeit wiederfahren lassen. Setzen Sie sich, junger Mann", fügte er zum ersten Male diesen anredend, hinzu; er selbst nahm seinen früheren Platz wieder ein. Fancourt fühlte sich eingeschüchtert; es war ihm äußerst unbehaglich zu Muthe, dennoch versuchte er eine sorglose Miene aufzusetzen. (Fortsetzung folgt.) Rechte Blüthe. Soll Dir das Leben recht erblühen. So gieb Dich ganz in Gottes Hand; Vom Morgen- bis zum Abcndglühen Sei ihm anbetend zugewandt. Das Leben hat der Blüthen viele, Wonach die Hand begierig langt, Doch vor der Nacht hängt welk am Stiele, Was in der Frühe hell erprangt. Es liegt der Eine Ton zu Grunde Jedwedem Liede, das man sang^: Für Jeden kommt die schwere Stunde Und aller Blüthen Untergang. Ein Thor, wer au die flücht'gcu Freuden Des Lebens seine Seele hängt, Und wer die Schätze wird vergeuden, Die er im Leiden mild empfängt. Doch wer sich ganz dem Herrn ergeben, Dem gehen aus der Dornen Hanf Für dies und für ein besser Leben Die allerschönstcn Rosen auf. L. v. Heenrstcdc. Peter v. Cornelius. Am 23. September waren es hundert Jahre, daß der größte Meister der neueren deutschen Malerei in dem kunstreichen Düsseldorf das Licht der Welt erblickte. Protestantische, liberale und jüdische Blätter und Zeitschriften haben seiner an diesem Tage mit Lob gedacht; da dürfen auch wir des großen Mannes nicht vergessen, der mit seinem Bekenntniß, seinem Leben und seiner Kunst voll und ganz zu uns gehörte. — Freilich geben die Gegner sich die Mühe, das specifisch Katholische von Cornelius und seinen Werken abzustreifen und ihn, wie z. B. die „Post" es versucht, zu einem der Ihrigen zurechnen. Aber das ist Verlorne Liebesmühe! Es sind so viele kräftige Zeugnisse und auch noch so viele redende Zeugen vorhanden, welche die Katholicität des großen Mannes laut beweisen, daß die gegentheiligen Versuche elend scheitern müssen. Peter Cornelius zeigte schon als Kind große Vorliebe und ein auffallendes Talent für die Kunst. Als einst dem Knaben ein Goldstück und ein Stück Kreide zum Auswählen dargeboten wurde, griff er sogleich zur — Kreide, um damit Figuren zu zeichnen. — 637 Er erinnerte sich später selber noch dieser Scene und meinte: „Der liebe Gott hat nun einmal einen Maler aus mir machen wollen." Seine erste Ausbildung bekam er auf der Düsseldorfer Akademie. Da starb in seinen: sechzehnten Jahre der Bmer, und Peter mußte mit seiner jungen Knust die Mutter und seine Geschwister ernähren. Die Begeisterung für seine liebe Kunst und das Vertrauen auf den gütigen Himmel hielt ihn aufrecht in dieser schlimmen Zeit: „Vater im Himmel", so betete er damals, „erhöre mein Gebet. Ich stehe nicht nur eitel Geld und welkenden Lorbeer, nicht vornber- ranschcnde Freuden der Sinne sind mein Wunsch. Aber im Staube bitte ich Dich, o Herr! Laß nicht siegen den Staub über Deinen Geist! Hemme die große That nicht in ihrem Beginnen. So schufst Du dies Herz, nach himmlischen Thaten sich sehnend." Nach seiner Mutter Tod kam Cornelius nach Frankfurt a. M., von dort führte ihn die Sehnsucht nach dem gelobten Lande der Künstler, nach Italien. In Nom schloß er sich dein Kreise edler Freunde an, an deren Spitze der katholisch gewordene fromme OVerb eck stand, und die vor allem die Pflege der christlichen Kunst sich znr Lebensaufgabe gestellt hatten. Hier !m Centrum der katholischen Welt, in dem befruchtenden Kreise edler gleichgesinntcr Freunde gestaltete sich des jungen Cornelius Kunst zu der echt christlichen, christlich-katholischen, wie wir sie an seinen späteren Schöpfungen bewundern. Die Freundschaft mit dem trefflichen preußischen Gesandten, Niebnhr verschaffte ihn: 1820 die Stelle als Director der Akademie in seiner Vaterstadt. 182-1 siedelte er in gleicher Eigenschaft nach München über, wo er den grandiosen Cyclus von Bildern in Chor und Querschiff der Lndwigskirche schuf, welche den christlichen Jdcenkrcis von der Weltschöpfnng bis zum jüngsten Gericht darstellen. In: Jahre 1811 berief ihn der kunstsinnige König Friedrich Wilhelm IV. nach Berlin. Das protestantische Berlin mit den Knnstakadcmikern, deren Treiben ihn: über alles verhaßt war, sagte ihn: wenig zu, um so mehr hielt er sich an einen engeren Kreis trefflicher katholischer Freunde, und lebte im Ucbrigen unbehindert in stets frischer Jugcndbcgeistcrung seiner heiligen Kunst. Im Auftrage des Königs sollte er den Oninzn) oanto, die Fürstcngruft ausmalen; aber nur die Entwürfe zu schaffen war ihn: vergönnt. Diese jedoch sind auch für sich allein vollendete Kunstschöpfnngcn von mächtig ergreifender, erhabener Schönheit. Sie behandele!: das große christliche Epos, die Erlösung der Menschheit von der Sünde durch Christi Leben, Lehre und Tod, die Wirksamkeit seiner Kirche in der fortgesetzte:: Entsündignng der Welt, die letzten Dinge und die Auferstehung zu einen: ewigen Leben. Damit setzte er seiner Thätigkeit die Krone auf. So war von: Anfang bis zum Ende seine Kunst keusch, christlich, heilig; er hat wie ein Prediger der Wahrheit in seinen Kunstwerken seine mächtige Stimme erschalle!: lasse!:, und sie ist nicht unerhört verklungen. Jetzt gilt er als der Altmeister der wieder- erwcckten edlen deutsche!: Knifft, und alle ohne Ausnahme preisen seinen Namen. Wir freuen uns mit Recht, einen solchen Mann zu den Unserigen zählen zu können, der nicht blos in seiner Kunst, sondern in: Leben wie in: Tode christlich, treu- katholisch war. Seii: letzter höchster Trost auf dieser Welt war Christus in der heil. Communion, sein letztes Wort hieß: „Beten!" Was er im Leben gelernt und geübt, das vollführte er nun am Ende seiner Tage, die schwerste Kunst: „Selig zu sterben." Er verschied an: 6. März 1867 im hohen Alter von 81 Jahren, reich an Ruhm und Ehren bei den Menschen, an Verdienst und Gnaden, wie wir hoffen, bei Gott den: Herrn. Konnte er doch in Wahrheit von sich sagen: „Die Kunst hab' ich gcliebet, Die Kunst hab' ich geübet Mein Leben lang. Die Künste hab' ich verachtet, Nach Wahrheit stets gewuchtet — D'ruin wird mir nicht bang." Die Türken vor Wien. Gedicht von Kaoio; aus dem Kroatischen im Versmaße des Originals übersetzt von Hanns Metzle r. (Fortsetzung.) 36. Doch es fand in Wien sich ein Verräther; Dieser bringt dem Tetschclija Kunde: „Während Du das Morgenroth verschlafen. Ist Dein Feind, der Kaiser, ausgeflogen." 37. Dieser — kaum hat er das Wort vernommen — Schwingt sich auf den starken, feur'gen Renner Und verfolgt in wilder Hast den Kaiser. Jener ist jedoch schon längst geborgen. 39. Ueber grüne Hügel floh der Kaiser, Fand rm treuen Linz dann kurze Ruhe Von der Prüfung, die das Reisen brachte Vom Gebirge stürmt ein Haus' von Strolchen, 39. Nimmt ihm Alles, was von Silber glänzte, Und die gold'nen Trinkpokale alle; Nimmt, mit diesem nicht zufrieden, Selbst des Kaisers hochgeweihte Rüstung. '°) 40. Dort verlebt er cin'ae Ruhetage, Und schon kommt dem reifen Mann die Kunde: „Flieh', o Kaiser, denn es nah'n die Ungarn. Nur die Flucht kann Dir das Leben retten." 41. Als der Kaiser diesen Ruf vernommen, Stand er auf — noch vor der Morgenröthe, Floh durch Deutschland weiter, immer weiter, Wie ein scheues Wild verfolgt, bis Passau. ") 42. Und um Wien lag Sorg' und Weh' und Jammer, Alles war bis Wien dem Feind erlegen, Slädt' und Dörfer waren Ascheuhügel Und in Trümmern lagen alle Burgen. ^) 43. Wie die Wolken stieg der Rauch zum Himmel Auf dem ganzen Weg von Wien bis Ofen. Und es fand die Nacht mit ihren schwarzen Augen Jammer überall und Elend; 44. Sah zum Himmel Feucrsäulcn steigen, Rings umher ein weites Meer von Flammen, Rauch bedeckt die Stadt wie dichter Nebel, Welchen Blitze zuckend oft durchbrechen. 45. Wie die Wiener all' das Elend sehen, Wird ihr erster Muth ein bitt'rcs Klagen. Starhcmberg allein, der edle Feldherr, Bleibt ein Held uud suchet sie zu trösten. 46. „Lasst doch eure Furcht, ihr Wiener Bürger I Dieser Türke wird uns nimmer schaden: Legen wir uns all' in Gottes Hände, Leicht bezwingen wir dann unsre Feinde. ">) Die Sage von dem hier gemeldeten Uebcr- zalle ist wohl nur aus den Berichten über die gefährliche Reise entstanden. ") Der Kaiser wurde allerdings zur Weiterreise nach Passau genöthigt, aber von den Türken, nicht von den Ungarn verfolgt. ") „Asche und Leichen bezeichneten den Wea, den das Heer genommen." (O. 5k. x. 213.) 47. Denn wir kämpfen jetzt für Jesu? Christus, Fließt doch unser Blut für seine Kirche; Auch für unsern guten Herr und Kaiser, Unser Vaterland uud unsre Kinder." 48. So begann der Seinen Muth zu wachsen Daß sie furchtlos all' das Fußvolk sahen, All' die Reiter uud den Wald von Fahnen Rings um ihre theure Vaterstadt. 49. Denn so weit das Auge trägt im Kreise, Konnte es nichts And'rcs mehr erschauen Als Soldaten ohne Zahl uud Rosse, Wilde Reiter, Fahnen, hohe Zelte. 50. Da — am dreizehnten des Monats Juli — Ritten hart au Wien heran die Türke». Trotzig starrt das prächt'gc Zelt des Feldherrn In das Angesicht 0er Burg des Kaisers. 51. Kaffee trinkend schrieb er voll von Hochmuth Einen Brief dem tapf'rcn Generale Starhcmberg und seinen Wiener Bürgern. Türkisch war der Brief, daS Schmähen türkisch. 52. Christenhuud, Du Häuptling dieser Stadt, Falschen Glaubens uud von Gott verlassen! Wo Du stecken magst und Dich verbergen, Wisse, Gottes Zorn hat Dich getroffen. 53. Dich uud Deinen König — falschen Glaubens — Leopold, der Kaiser heißt von Deutschland, Welcher jetzt von Stadt zu Stadt sich flüchtet Und eutrennen will dem Zorn des Mchemed. 54. Aber hör'! Ich schwör' den hcil'gen Eid Dir: Mag er sich verstecken, wo's ihn freuet, In ocr Mphütt' oder in der Felsschlucht, Nimmer wird er meinem Schwert entkommen. 55. Dir, mein Fürst, jedoch und Deinen Bürgern Geb' ich diese väterliche Mahnung: Werfet in den Graben cu're Fahnen Und den Adler mit dem Doppelkopfe; 56. Jene Adler, die euch Unglück bringen, Müßt ihr eilig in die Tiefe senken. Habt ihr das gethan, so straf' ich milde, Wie die Mutter ihre Kinder strafet." 57. Und es las der Starhcmberg das Schreiben, Las es nochmals und begann zu lachen. Eine Antwort ward sofort gegeben: Blei und Pulver ist ihr kurzer Name. 58. Als der Großvezir solch' reden hörte, Ließ er tiefe, weite Minen graben, Pflanzt Kanonen auf mit ries'ger Ocsfnung Rings um Wien im engen Kreise. 59. Jetzt beginnt im gleichen Augenblicke Ueberall der Donner der Geschütze. Was die Höhe liebt, das stürzt zusammen, So die Thürme und die Burg des Kaisers. 60. Doch aus Wien kommt immer kräft'ge Antwort, Denn die blasse Furcht ist fortgezogen. Wien entsendet einen Feuerregen Und es sinkt gar manches Türkcnfähulcin. 61. Ilbcr diese Türken rasten niemals; Eine Mini graben sie, zur' Nachtzeit, Füllen sie mit dreifach starker Ladung In der achten Nacht vor Schluß des Monats. 62. Alle Felder in der Runde zittern Und der Donau Wasser, Baume, Steine, Wien, das starke, und die nahen Berge; Dicker Qualm erhebt sich hoch zum Himmel. 63. Jetzo stürzen wild die Janitscharen, In die Stadt hinein mit blankem Säbel. Dort erwartet sie ein graußcs Grüßen. Denn es strömt wie Regen Feuer nieder. 64. Bomben fliegen und Granaten zahllos; Und mit Blei und Pulver grüßt der Schütze, Mit Pistol und Säbel grüßt der Ritter Und der'Bürger grüßt mit Holz und Steinen. 65. Bald beginnt die Flucht der Janitscharen: Auf das Haupt geschlagen, flicht der Feinde Ordnungsloser Rest verhöhnt von dnnnen. Wien erstarkt im neuen Glück der Freiheit. 66. Doch der zweite Tag war nicht vergangen, Als der Feind drei neue Minen sprengte. Untergang der Stadt und Tod der Helden Hatten sich die Türken zugcschworcn. 67. Von der Morgenröthe bis zum Dunkel Folgte immer einem Sturm der and'rc; Endlich wirft sie General Sercuy lind verfolgt die türk'schen Janitscharen 68. Weit hinab durch Auen und durch Felder: Keiner wird geschont, gefangen Keiner. Abwärts sieht man Turkenköpfe liegen. Ehrenzeichen für die kühnen Sieger. 69. Also ging es durch den ganzen Juli; Minen legt der Feind und immer Minen Und die Janitscharen stürmen immer. In der Stadt erwacht die Noth, das Elend 70. Und mit beiden eint sich bald der Jammer, Als sie im August am vierten Tage Eine mächt'ge Mine donnern ließen; Diese riß gewaltig breite Breschen. 71. Da erst drangen ein die Janitscharen Und die Pascha und die türk'schen Sejmcn, Reiter, Fußvolk so von allen Seiten, Wie aus Bcrgcsklüften dunkle Wölfe. 72. Und ihr Schicksal? Ha! es war ein arges! Denn das deutsche Feuer brannte gräßlich. Rings um Wien da gab es Türkenlcichen! Ihre Zahl? Wer hätt' sie zählen können? 73. Wieder gibt's ein Stürmen und ein Brennen, Angriff folgt auf Angriff bis znm Dunkel. Im August war's, an dein fünften Tage (Kolowos ist unser Monatsname).") ") Es mag erlaubt sein die kroatischen Monatsnamen hier anzuführen, weil, es kaum eine andere so wenig zahlreiche Gruppe zusammengehöriger Wörter gibt, aus denen die Anschauungsweise des Volkes so deutlich erhellt: 1. 8ioeans, Jänner, ist die Zeit des Holzfällens; sieeati, hauen. 2. Veljaea, Februar, ist der sehr rauhe; vel, sehr; jaie, stark. 3. Im März, 639 — 74. Wien ist wie in einem Flammenmeere, Das die ganze Gegend übcrflnthct; Und die Pacht ist wie der Tag so helle, Und der Tag ist wie die Nacht so finster. 75. Auf der Schanze, die er schon genommen, Pflanzt der Türke seine grüne Fahne; Doch es waren schon zu viel gefallen, Und die wilde Flucht beginnt von Neuem. 76. Lcsle, der die Sieger diesmal führte, Alexander war des Fürsten Name, Warf nun bald den starren-Rest der Feinde Und verfolgte sie mit seinen Mannen. 77. Als die Deutschen wieder heimwärts zogen, Stak ein Türkenkopf an jedem Säbel, Doch den Führer hatten sie verloren. Friede deiner Seele, edler Ritter!") 76. Aber jetzt vernimm' noch größere Thaten: Dann, der General, besteigt den Rappen,, Reitet in der Nacht in's Türkenlager, Badet seine Händ' im Blut der Feinde. 79. Das geschah vom siebten auf den achten, Als die Feinde müd' und sorglos schliefen; Unversehrt entkam der Held, oer kühne, Mancher von den Türken schläft noch heute. 80. Aber wer wird solche Macht bezwingen? Wer das arme Wien noch länger schützen? Rings im Kreise stehen Tnrkenheerc Um die Stadt, wie eine große Kette. 81. Endlich rnh'n die Deutschen und die Türken. Einmal nach so langen, bösen Zeiten Müssen sie wohl essen auch und trinken Und durchdcnken all' das.große Elend.") 82 Doch schon wieder dröhnt es in der Runde, Neue Minen hat der Feind gegraben, Und das schöne Wien ist fast verloren, Seinen Fall erhoffen jetzt die Türken. ornrljalc, bekommt man bei Wiederaufnahme der Feldarbeit Schwielen ; Schwiele; (Gj. Danivio gibt in Jvorijvni etc" eine andere, wie mir scheinen will, sehr gesuchte Erklärung.) 4. Travanj, Ihpril, ist der Grasmonat; trava, Gras. 5. Im Mai, svibanj, beginnt das Heckcn- holz, svib' zu treiben. 6. Der Juni, Upanj, ist der Monat der Linde, Ii;,a. 7. Im Juli, srxanj, wird das Getreide geschnitten; srp, Sichel. 8. Im August, kotovor, führt mau das Getreide auf Wagen heim; vorili, führen; Kola, Wagen. 9. Der Name des September, rujan, ist das epitbston ornans des Weines. 10. Im Oktober, liatogcul, fallen, vaclali, die Blätter, list, von den Bäumen. 11. Der November, stu- äsn, ist der kalte Monath 12. Im Dezember, nroslnae, schimmert das Eis; xrosinutä, durchschimmern. ") Lezle — Lcslic ist bei dieser Gelegenheit nicht gefallen. ") Ein Waffenstillstand wurde nicht geschlossen. (Schluß folgt.) — 640 — M i s c e l l e n. * (Königliche Handwerker.) In der preußischen Köuigsfamilic Herrschi bekanntlich die Sitte, daß jeder Prinz irgend ein Handwerk lernt. — Auch in früheren Zeiten besaß mehr als ein Monarch die Liebhaberei, irgend ein Handwerk zn betreiben, und manch' ein hoher Herr brachte es sogar zn einer großen Fertigkeit in dessen Ausübung. Kaiser Karl V. z. B. beschäftigte sich nach seiner freiwilligen Abdankung (1556), im Kloster zu St. Just mit der Uhrmachcrci, im Auschluß an das Interesse, welches er stets schon an mechanischen Arbeiten genommen. — Czar Peter der Große trieb gar alle möglichen Handwerke, zog auch zum Entsetzen seiner Hoflcute Zähne aus, war aber vor allen Dingen Zimmcrmann; als Solcher arbeitete er auch längere Zeit, gerade so wie jeder andere Geselle, auf dem Schiffswerft zu Saardam in Holland zu seiner Ausbildung. — Der berühmte, prachtlicbcnde Kurfürst von Sachsen, August der Starke, drechselte, und der Kurfürst und Erzbischof Hermann von Köln, ebenso Landgraf Philipp tion Hessen, schnitzte allerlei Jagdgerüth für sich und seine Freunde. — Besonders eifrig betrieb auch der unglückliche König Ludwig XVI. von Frankreich ein Handwerk, und zwar das der Schlosserei! Oft arbeitete er im Schweiße seines Angesichts in seiner Schmiede, die mit allem Nöthigen ausgestattet war, wie nur je ein Schlosser von Beruf in seiner Werkstatt. Tort war er zu Hause und ein Meister, während der Thron von Frankreich zusammenbrach, im Sturze auch das Haupt der königlichen Schlosser mit fortreißend." — (Negiments-Befehl.) Bei Besichtigung der Caserneuzimmcr habe ich bemerkt, daß zur Füllung der Strohsäckc für die Mannschaft nicht genug Stroh gefaßt wird und habe ich mit dem Proviant-Amte darüber die nöthige Rücksprache genommen. Die Herren Kompagnie-Chefs werden hiemit ermächtigt, aus eigenem Kopfe so viel Stroh zn entnehmen, als sie für den Bedarf ihrer Leute für nöthig erachten, v. Lencn- mnnd, Oberst. (Unerwartete Antwort.) Feldwebel: „Herr Hanptmann, die Leute klagen in der letzten Zeit wieder häufig über zn kleine Flcischrationcn — es seien gar zn viel Knochen dabei." — Hauptmann: „Hols der Deibel mit den ewigen Klagen: Knochen! — Ich habe Knochen, Sie haben Knochen, die Kerls haben Knochen, überhaupt jeder Ochse hat Knochen." (In der Jnstruktionsstnnde.) Unteroffizier: Der Soldat hat zwei Paar Stiefel, wovon — —? Müller! Einjähriger Müller: Von Nindsleder! Unteroffizier: Ach, was die Herren Einjährigen immer gelehrt sein wollen und können die einfachsten Fragen nicht beantworten — wovon das eine Paar immer gewichst sein muß. (Maß und Stoff.) „Nun, hast schon was Gut's gelernt, mein Sohn?" fragt der Vormund sein 11 jähriges Mündel, das er beim Schneider in die Lehre gegeben hatte. „Das „Maß"-Nehmen und das „Stoff"-Holen habcn's mir beigebracht, Onkel! denn die Gesellen trinken halt nit z' wenig!" (Münchener Humor.) „Aber Du bist jetzt fein beinand! Nur d' Hosen und Stiefel sau sehr schleußig." — „Ja, mein Lieber, d' Hosen und Stiefel kannst in koan Kaffeehaus austauschen." (Ein Naturfreund auf der Pleite.) „Wie Alles so schön ist, in der freien Natur! — Die Lerchen singen, die Käfer summen, das muntere Kälblein hüpft über blumige Matten; Alles freut sich des Lebens — nur meine Gläubiger weinen!" (Bei einem Gewehrappell) hat ein biederer Littaner Rekrut sein Gewehr schlecht geputzt. Während der Lieutenant auf einen Rostflecken zeigt und fragt: „Was ist das?" antwortete er, treuherzig grinsend: „Na, Herr Laitenant, kennst nicht Rost?" Für die Redaktion verantwortlich: Alphons Planer in Augsburg. — Druck und Verlag des Litcrarischen Instituts von Dr. Max Huttler.