Nr. SS. „Äugslmrger Postzeitung." Mittwoch, 12. December 1883. Der OpalrLng. Nomnn aus dein Englischen von E. C. (Fortsetzung.) Vierunddrcitzigstes Capitel. An den» vorhergehenden Tage, da Lena und Bertha Mrs. Lemont besuchten, erhielt St. Lawrence einen Brief von dein Geheimpolizisten. Eine große Last wurde da- durch von seiner Seele genommen, denn dieser theilte ihm mit, daß Alles zeitig genug enthüllt sein werde, um die Heirath zu hintertreiben. Wie aber die Zeit verstrich Stunde auf Stunde vorüber eilte, kehrte seine Besorgniß in vergrößertem Maße zurück. Wenn er heute Abend keine bestimmte Nachricht von Niggs erhielt, so wollte er, selbst auf die Gefahr hin als Betrüger gebraudmarkt zu werden morgen in aller Frühe Lord Alphiugton aufsuchen um eine Blosstcllung an" Altare selbst zu verhüten. Er fand weder Ruhe noch Rast und schrit im Zimmer aus und ab, auf jeden Laut horchend, er versuchte zu lesen, konnte aber unmöglich seine Gedanken sammeln. Endlich zwischen zehn und eilf Uhr ward hastig an der Hausglocke gezogen und Mr. Riggs stürzte die Treppe hinauf iu's Zimmer. „Alles in Ordnung, Sir! Wir haben ihn erwischt!" „Also wirklich?" frug St. Lawrence aufspringend. „Ist es ganz bestimmt wahr; ich könnte eine fernere Ungewißheit nicht mehr ertragen", fügte er nach Athem ringend hinzu. — Mr. Niggs nährn seinen Hut ab und putzte sich mit dem Taschentuchs über den kahlen Schädel, indem er sagte: „Freilich es ist eine wahre Wohlthat, diese verfluchte Perrücke los zu sein. Sie frugen, ob es ganz bestimmt wahr sei. Ich sage Ihnen, wir haben ihn festgenagelt! Der Fang ging herrlich von Statten! Den Verhaftungsbefehl in der Tasche empfingen wir ihn, als er das Coupö verließ. Einer von unseren Leuten war ihm den ganzen Tag über gefolgt, ich fürchtete, er würde den Braten riechen und sich aus dem Staube machen. Aber er dachte nicht daran. Beim Henker, Sir, es war das schönste Stück Arbeit, welches ich seit langer Zeit unternommen habe! Lassen Sie mich auf Ihre Gesundheit trinken, Mr. Faucourt und dann mache ich mich schleunigst weg." St. Lawrence, den die endliche Befreiung von seiner Sorge und Ungewißheit ganz betäubte, holte eine Flasche Cognac und schenkte Mr. Niggs ein Glas ein. „Auf Ihre Gesundheit, Sir, wünsche noch viele und glückliche Tage!" und ehe St. Lawrence antworten konnte, war der Geheimpolizist wieder verschwunden. „Dem Himmel sei Dank!" rief jetzt der junge Mann aus tiefsten: Herzen aus. Das Zimmer wurde ihm zu klein, dieser beschränkte Raum konnte seine Seligkeit nicht fassen; deshalb ergriff er seinen Hut, warf den Mantel über die Schulter und schlug mechanisch den Weg nach Joh Cottage ein. Er hatte nicht vor, dort einzutreten, da er es Andern überlassen durfte, geeignete Maßregeln zu treffen, um Lena zu retten, 796 und ehe er sich um Bertha unter seinem rechtmäßigen Namen bewerben konnte, mußte noch mancherlei geordnet werden. Aber sein verliebtes Herz drängte ihn doch wenigstens, ihre Nähe aufzusuchen und jene neidischen Mauern zu betrachten, die sie seinen Blicken verbargen. Ob sie wohl jetzt in diesem Augenblicke auch liebend seiner gedachtet Er pflückte eine Epheuranke, welche am Thorpfeilcr hing und drückte sie an seine Lippen. — Vielleicht hatte beim Vorübergehen ihre Wange oder ihr Kleid sie gestreift: „Meine Bertha, mein süßes Kleinod!" flüsterte er halblaut vor sich hin. „Du liebtest mich, Du schenktest Dich mir, als ich noch arm und unbekannt war — nun kann ich Dich mit Glück und Reichthum umgeben — Dein ganzes Leben soll gleich einem schönen Sommertage dahinfließen!" Noch eine Weile überließ er sich den beseligenden Schwärmereien eines Verliebten, dann setzte er seinen Spaziergang fort, stundenlang, bis endlich die Ruhe des Geistes durch Müdigkeit wieder hergestellt wurde. Als er am andern Morgen erwachte und zu dem Bewußtsein gelangte, daß es kein Traum, sondern Wirklichkeit sei, drang ein Strom von Freude in seine Seele ein; er hätte laut aufjauchzen und Jedem sein Glück mittheilen mögen. Es wurde ihm schwer, sich ruhig zu verhalten, obgleich er fühlte, daß es nicht an ihm sei, den ersten Schritt zu thun; er mußte, so gut es ging, geduldig abwarten, welchen Lauf die Dinge jetzt nehmen würden. Gegen drei Uhr erhielt er ein Billet von Lord Alphington, worin dieser ihn bat, zu ihm nach Magnus Square zu kommen. Nun endlich fühlte er sich in völliger Sicherheit. Der Earl empfing ihn in dem Bibliothekzimmer, wo das Portrait von Enstace Faucourt, seinem Vater, hing. Kaum hatte sich die Thüre hinter ihm geschlossen, so eilte der alte Herr, keines Wortes fähig, auf ihn zu, legte den Arm um den Hals seines Enkels und schluchzte laut. Auch Enstace war auf das Tiefste ergriffen und küßte zärtlich die Hand seines Großvaters. „Gott segne Dich, mein lieber Junge!" brachte dieser endlich mühsam hervor, dann legte er die Hand auf die Schulter des jungen Mannes und hielt ihn auf Armeslänge von sich. „Ja die Aehnlichkeit ist sogar noch größer, als ich Anfangs glaubte: jedoch ist mehr Kraft, mehr Selbstvertrauen in Deinen: Gesichte. Ich hoffe zu Gott, daß Dir eine glücklichere Zukunft bevorstehen wird. Und nun setze Dich, Enstace, wir haben viel miteinander zu sprechen." Es folgte ein langes Zwiegespräch, welches beide gleichmäßig interessirte. Als Antwort auf die Frage Lord Alphington's, weshalb die Beweise nicht früher eingebracht worden seien, entgegnete Eustace, daß er keine bestimmte Auskunft geben könne, da seine Mutter ihn nicht darüber aufgeklärt habe. In Folge einiger Andeutungen, welche freilich von seinem Vetter Sedley ausgegangen seien, habe er sich gescheut, die Frage der Legitimität in Anregung zu bringen. „Wahrscheinlich verletzte es meine Mutter, wie ich jetzt glaube, die keine Ahnung davon hatte, daß mein Vater seine Heirath geheim gehalten habe, von den Verwandten ihres Gatten nicht anerkannt zu werden. Sie hielt strenge an einem einmal gefaßten Vorurtheile fest; zudem war sie durch und durch Republikanerin. Vermuthlich befürchtete sie, meine englischen Verwandten würden mich ihr entreißen und in einer von der ihrigen verschiedenen Sphäre erziehen lassen. Jedoch verwandte sie die größte Sorgfalt auf meine Erziehung, jedenfalls in dein Gedanken an die Zukunft. Nachdem ich meine Studien beendet, schickte sie mich mehrere Jahre auf Reisen. Ich kehrte nach Amerika zurück, als ich erfuhr, daß sie leidend sei und einige Tage später starb sie in meinen Armen. Als meine Mutter ihr Ende nahen fühlte, sprach sie zum ersten Male mit mir über die Familie meines Vaters und händigte mir die Schatulle mit den Beweisen ein; jedoch verpflichtete sie »sich, diese nicht eher zu öffnen, bis ich in England angekommen, und dann Ihnen den Inhalt sofort zu übergeben. Wie ich während 797 einer Krankheit beraubt wurde, ist Ihnen schon bekannt. Leniont pflegte mich unverdrossen; damals hielt ich es für Humanität seinerseits und belohnte ihn nach bestem Vermögen. Jetzt hat es sich allerdings herausgestellt, daß er ein anderes Motiv hatte." „Kanntest Du diesen Lemont schon früher?" frug Lord Alphington. „Nein, ich sah ihn zuerst an Bord -— seinen Namen hörte ich auch dort nicht, da er auf dem Schiffe nur Pierre genannt wurde. Aber als Bertha Dalton ihn nur beschrieb, erkannte ich den Menschen sofort wieder." „Sagtest Du nicht, Du habest erst durch Riggs erfahren, daß Dein Vetter ver- heirathet sei?" „Ja, ich wußte nichts davon. Der Julie Lemont erinnere ich mich — sie war Gouvernante bei einer Familie, welche in derselben Stadt wohnte wie wir. Damals hielt ich sie für ein dreistes, leichtfertiges Mädchen. Mein Taugenichts von Vetter versuchte es, um seine eigenen Intriguen zu verdecken, meinen Namen mit dem ihrigen in Verbindung zu bringen. Dies war die erste Veranlassung unseres Zerwürfnisses. Erst kürzlich erfuhr ich, daß er sie geheirathet habe." Von der Vergangenheit ging das Gespräch allmählich auf die Gegenwart und Zukunft über und Eustace, welcher vor seinem Großvater kein Geheimniß zu haben wünschte, setzte ihn von seiner Verlobung mit Bertha Dalton in Kenntniß. Lächelnd sagte der alte Herr: „Ja, ja, ich hatte schon so etwas errathen. Du darfst meiner völligen Einwilligung und meines eingetheilten Beifalles versichert sein. Sie ist ein reizendes Mädchen und mein besonderer Liebling, trotzdem ihre Schwester so schön ist. Arme Madcline", fuhr er mitleidig fort. „Jetzt wird sie schon die Vereitelung ihrer Hoffnungen erfahren haben. Sir Stephan Langley ist hingefahren, um Airs. Dalton die unangenehme Nachricht zu überbringen. Es wird sie tief erschüttern." „Ha, das arme Mädchen!" St. Lawrence war im Begriffe hinzuzufügen, es sei eine gerechte Strafe für sie; doch unterließ er diese Bemerkung. Wie wenig Achtung er auch für Lena haben mochte, so wollte er sie doch nicht in den Augen Lord Alp- hington's heruntersetzen. Es wurde Abend, ehe dieser seinen«, neu entdeckten Enkel erlaubte, ihn zu verlassen, und dann auch nur aus dem Grunde, weil er sich denken konnte, mit welcher Sehnsucht der junge Mann darnach verlangte, seine Verlobte wiederzusehen. „Ich will Dich nicht länger von Bertha zurüaHalten, denn obschon alt und grau, habe ich doch noch nicht ganz vergessen, wie es der Jugend zu Muthe ist. Aber morgen zum Frühstücke erwarte ich Dich hier und dann können wir unsere Pläne für die Zukunft entwerfen." So schieden Großvater und Enkel, gegenseitig entzückt von einander. Lord Alphington kam es vor, als ob ihm sein längst verstorbener Sohn wiedergcschenkt sei und St. Lawrence pries sich glücklich, in Demjenigen, welcher von nun an Vaterstelle bei ihm vertrat, Jemanden gefunden zu haben, der seiner Achtung und Liebe so vollkommen würdig war. (Fortsetzung folgt.) Goldkörner. Neid ist häßlich, abschcu werth. Neid am eig'ncn Glücke zehrt; Während er nach fremdem schielt, Das er nimmermehr erzielt, Wird das seine schwinden. Liebcleer ist Neid und arm, Schafft sich selber Qual und Harm, Neid verbittert jede Lust; Lass' ihn nie in deiner Brust Eine Stelle finden! I. B iUk. 798 Fahnen und Wappen der Handwerker, Künstler und einiger anderen Stände, nebst deren Schutzheiligen nnd Fahnenfarben. Jedes einzelne Handwerk verehrt bekanntlich einen Heiligen als seinen Patron und Fürbitter bei dem großen Meister aller Handwerke. In früheren Zeiten, als das Handwerk in seinen Zünften und Gilden starke Verbände auswies, hochaiigcsehen war und in der Gemeinde wie selbst im politischen Leben eine große Rolle spielte, — man denke mir an die Kämpfe der flandrischen Städte mit den französischen Bedrückern — da waren auch die Patrone des Handwerks ebenso bekannt wie seine Embleme, Wappen und Fahnen, kurz wie seine ganze Organisation, Gliederung u. s. w. Und was vom Handwerk galt, das galt auch von vielen anderen Ständen, die uns in corporativer, fester Gliederung entgegentreten und Respect einstoßen. Dann kam eine Zeit, in der Alles, was nach dem Mittelalter „roch", verspottet, bekämpft, verworfen wurde. Es war das die Zeit, die in Deutschland mit der „großen Reformation" einzog, und die mit dem 30jährigen Kriege über Deutschland die Zerstörung alles Bestehenden, den Gräucl der Verwüstung brachte. Was die „Reformation" in ihren religiösen, socialen, staatlichen wie communalen Nachwirkungen etwa noch bestehen ließ, damit räumte dann die „Aufklärung" auf, die mit dem Zeitalter Lndwig's XIV. aus Frankreich herüberkam, Alles zersetzte, nnd die dann in der mit allen Schrecken nnd Verbrechen auftretenden großen französischen Revolution von 1784 geradezu das Princip formulirte: „mit allem Ucberliefcrten muß gebrochen und aufgeräumt werden!" So wurden die corporativen Verbände des Handwerks wie auch anderer Stände in den letzten drei bis vier Jahrhunderten mehr und mehr geschwächt und endlich zu Grabe getragen. Endlich erkannte man, daß es nicht mehr so weiter gehe, und so hat man denn die Reform des Handwerks wie den Wiederaufbau der Staat und Gesellschaft überhaupt erhaltenden Stände in die Hand genommen, und man wird hoffentlich trotz allem Spotten nnd Widerstreben des regierenden Zeitgeistes nicht ruhen, bis dieser Wiederaufbau vollendet ist. So sehr aber wurde die Kenntniß von den großen Schöpfungen des „Mittelalters" in den Köpfen ausgetilgt, daß die Meisten auch nicht einmal mehr die äußeren Zeichen des Handwerks nnd anderer Stände zn nennen wissen, geschweige daß sie Etwas von der Geschichte jener Schöpfungen kennen. Als eine Anregung zu Weiterem, insbesondere zu Vortrügen in Handwerker- und anderen Vereinen, möchten wir deshalb, nach dem „Echo d. G.", eine kurze Zusammenstellung der Fahnen und Wappen rc. wie der Schutzpatrone der Handwerke und einiger anderen Stände hier folgen lassen. Aerzte und Apotheker. Patrone: St. Cosmas und Damian (zwei Brüder, Aerzte, tragen Arzneigläser, starben zu Anfang des 4. Jahrhunderts als Märtyrer). Im Felde eine goldene Salbenbüchse. Fahne blau und gold. Bäcker. Im blauen Felde eine silberne Brctzel. Patronin: St. Elisabeth von Thüringen, die Brodspenderin; sie trägt Brod in einem Korbe und einen Krug mit Wein. Fahne blau und silber. Brauer. Im goldenen Felde einen umgekehrten goldenen Kübel und darunter gesteckt drei goldene Schöpfstötze. Patron: St. Florian, der Abwcnder von Feuersgefahr; er schüttet aus einem Gefäße Wasser in's Feuer, weil er sich erboten, freiwillig durch's Wasser zn gehen. Fahne roth und gelb. Buchbinder. Im grünen Felde eine goldene Buchbinderpresse, ein Buch und eine Brieftasche. Patron: St. Ludwig IX. von Frankreich, der Bücherfreund; hält Lilien- scepter und Dornenkrone, starb 1270. Fahne grau nnd gold. Buchdrucker. Im silbernen Felde ein schwarzer, goldgekrönter, springender Löwe, der in seinen beiden Vorderpranken zwei aufeinander reibende Buchdrnckerballen hält. Patronin: Katharina von Alexandrien, die Schriftgelehrte. Fahne schwarz und silber. Buchhändler. Im silber- und goldgetheilten Felde einen rothen Krebs. Patron: 799 St. Bonifatins, Erzbischof, mit einem von einem Schwerte durchstochenen Buche. Fahne silber, roth und gold. Dachdecker. Im rothen Felde silberne Werkzeuge. Patron: St. Naphael der schützende Erzengel. Fahne roth und silber. Drechsler. Im blauen Felde silberne KMnstdrchcreien und zwei gekreuzte Drch- mcisicl. Patron: St. Erasmus, Bischof unter Diocletian; er halt eine Winde in der Hand, um anzudeuten, daß ihm die Eingeweide aus dein Leibe gewunden wurden. Fahne blau und silber. Färber. Im blau und pupurgctheiltcn Schilde eine goldene Mange. Patron: der 'Apostel St. Simon, eines Purpnrfärbers Sohn. Fahne getheilt, oben blau und Purpur, unten pnrpnr und blau. Feilen Hauer. Im grünen Felde drei eiserne Feilen. Patron: St. Thcodo- sius, der in Eisen Geschlagene. Fahne grün und schwarz. Fischer. Im silbernen Felde drei naturfarbene, ineinander geschlungene Fische, darunter ein Krebs. Patrone: St. Bcnno und Mauritius, denen Fische verlorene Kirchen- schlnssel wiederbrachten. Fahne grün und silber. Flaschner. (Spengler und Plättner.) Im grünen Felde eine silberne Ritterrüstung, oder auch ein goldener oder silberner Helm, ihr Meisterstück. Patron: St. Wilhelm der Große, der die Rüstung nie ablegte. Fahne grün und silber. Fuhrleute und Kutscher. Im blauen Felde auf grünem Boden ein goldener Wagen. Patron: St. Laüo, der einen Todtgcsahrcnen wieder belebte, oder, da dieser Heilige minder bekannt ist, Patronin: St. Katharina von Alcxandric», mit einem zerbrochenen, mit Messern besetzten Rade, welches der Blitz zerschmetterte, als sie gerädert werden sollte. Fahne blau und grün. Gärtner. Im silbernen Felde ein grüner Baum mit entblößten Wurzeln. Patronin: St. Dorothea, sie trügt Blumen, Rosen und Früchte, weil Engel vor ihrem Tode, den sie als Heimgang zu ihrem Bräutigam bezeichnet hatte, mit Blumenkränzen erschienen. Fahne grün und silber. Gastwirthe. Im rothen Felde ein silberner Pokal, daneben silberne Brode; darüber in Silber Sonne, Mond und Sterne. Patron: St. Goar, der die Reisenden umsonst beherbergte (worin die Gastwirthc freilich ihrem Patron nicht nachfolgen können). Fahne roth und silber, weil sie rothen und weißen Wein schlucken. Gerber. Im rothen Felde zwei silberne Schabeisen. Patron: St. Bartholomäus mit dem Messer und seiner abgeschundenen .Haut. Fahne roth und silber. Glaser. Im silbernen Felde ein gothisches Doppelfenster mit blauen Rund- scheiben, darunter Lineal und Diamant. Patron: St. Scrapion, der aus einem Fenster Gestürzte. Fahne blau und silber. Gold- und Silb er schmiede. Im blauen Felde einen silbernen Ehrenpokal, zu beiden Seiten goldene Ringe. Patron: St. Eligius, der Goldschmied. Fahne gold, blau und silber. Gürtler. Im blauen Felde eine goldene Gürtelspange. Patronin: St. Agatha, deren Gürtel die Henker nicht von ihrem Leibe zu entfernen vermochten. Fahne blau und gold. Hafner (Töpfer). Im goldenen Felde ein rother Hafen. Patron: St. Goar, Priester und Eremit zu Trier um 580. Drei Hündinnen gaben ihm ihre Milch, womit er die ihn Gefangennehmenden tränkte; ein Teufel sitzt auf seiner Schulter; er hält einen Topf in seiner Hand. Fahne roth und gold. H orndrehe r. Im grünen Felde ein silbernes Büffelhorn. Patron: St. Hnbertus, der Jagdfreund, zwei Pfeile haltend; neben ihm steht ein Hirsch, welcher zwischen dem Geweih ein Crucifix trägt, durch dessen Anblick er auf der Jagd bekanntlich bekehrt wurde. Fahne grün und silber. 800 Huf- und Waffenschmiede. Im schwarzen Felde ein silbernes Hufeisen. Patron: St. Eligins der Schmied. Fahne schwarz und weiß. Hutmacher. Im blauen Felde ein schwarzer Hut. Patron: St. Jakob, der Pilger im Pilgcrkleidc, die Pilgermuschcl auf der Brust oder am Hute, mit Schwert oder Pilgerstab. Fahne blau und schwarz. Kammmacher. Im rothen Felde ein verzierter goldener Kamm alter Form. Patronin: St. Magdalena, die Erfinderin des Kammes, mit einer Salbbüchse, zuweilen in ihr langes Haupthaar gehüllt, kniet unter dem Kreuze Jesu. Fahne roth und gold. Kupferschmiede. Im blauen Felde ein purpurfarbiges Gefäß, von zwei goldenen Greifen bewacht. Patron: St. Eulogius, der mit kupferner Lanze Gctödtetc. Fahne blau, gold, Purpur. Kürschner. Im purpurrothen Felde ein schräglicgendcr Hcrmelinstrcifcn. Patron: St. Johannes der Täufer im Gewände aus Thicrfcllcn, oft mit struppigem Haupthaar (als Zeichen der Bußübung), trägt das Lamm Gottes und ein Krcuzpanicr. Fahne purpur mit aufgestreuten Hermelinflockcn. Lebküchner. Im blauen Felde einen Naturfarben gemalten weißen und einen braunen Lebkuchen. Patronin: die allersüßcste Jungfrau Maria mit dein allersüßcstcn Kindlcin. Fahne purpur und silber. Maler. Im silbernen Felde das Bild der hl. Jungfrau. Patron: St. Lucas, der erste Maler; er malt vor einer Staffele!. Fahne regenbogenfarbig gestreift. Maurer. (Siehe Steinmetzen.) Messerschmiede. Im rothen Felde drei silberne Dolche über Kreuz durch eine goldene Krone gesteckt. Patron: St. Moritz, der ritterliche Held, ein Thcbancr. Fahne roth und gelb. Metzger. Im purpurnen Felde ein goldener Ochse und ein naturfarbencs Beil. Patron: St. Mathias, der mit dem Beil Ermordete, und St. Lucas neben dem apokalyptischen Thiere, dem Ochsen. Fahne purpur und gold. Müller. Im blauen Felde ein silbernes Mühlrad. Patronin: St. Christinn, die mit einem Mühlstein als Kragen um den Hals in's Wasser Gestürzte und von einen: Engel Gerettete. Fahne blau und silber. Radier und Nagelschmiede. Im silbernen Felde ein purpurnes Herz, in welches drei Nägcl gesteckt sind. Patronin: St. Helena, welche Christi Kreuz sammt den Nägcln auffand, mit denen der Heiland gekreuzigt wurde; sie trägt das Kreuz Christi und die Nägcl. Fahne silber, purpur, silber. Optiker. Im silbernen Felde ein grünes Brcnuglas und eine blaue Brille. Patron: St. Fridolin, der erste Brillenträger. Fahne grün und silber. Perrückenmacher und Friseure. Im silbernen Felde ein weiblicher Kopf nut Locken. Patronin: St. Magdalena, welche lange Haare hatte. Fahne purpur und silber. Porzellanmaler. Im silbernen Felde ein halb roth, halb blaues Wappen- schildchen. Patron: St. Lucas. Fahne roth, silber, blau. Nothgießer. In: rothen Felde eine goldene Glocke. Patronin: St. Agatha, die auf den Gießhütten um Abwendung der Fencrsgcfahr angerufen wird. Fahne roth nnd gold. Sattler. Im silbernen Felde ein purpurner Sattel mit Goldeinfassnng. Patron: St. Georg, der tapfere Ritter, der fest !m Sattel Sitzende. Fahne silber, purpur, gold. Schauspieler. Im silbernen Felde eine tragische und eine komische Maske oder zwei gekreuzte Dolche. Patron: St. Genesius, der früher Histrione war, aber unter dem Völklein der Theater wenig Verehrer finden dürfte. Fahne purpur und silber. Seiler. Im grünen Felde drei goldene Seidcwinden oder Spindeln. Patronin: St. Anna, welche die Bußstricke und Geißeln einführte. Fahne grün und gold. Schlosser. Im silbernen Felde zwei gekreuzte Schlüssel, darüber und darunter Vorlegeschlösse!. Patron: St. Petrus, der die Himinelsschlüssel hält, bejahrt, mit starker Tonsur oder ganz kahlen: Scheitel, einige Schlüssel in der Hand, zuweilen mit zwei Schlüsseln. Fahne schwarz und silber. Schornsteinfeger, Essenkehrer. Im silbernen Felde zwei gekreuzte Besen, darüber eine Rußscharre. Patron: St. Florian, der Feuerlöscher. Fahne ganz schwarz. Schmiede. (Siehe Gold-, Huf-, Waffen- und Nagclschmiede.) Schneider. Im grünen Felde ein Schneider-Fingerhnt und eine Schncidcr- Schcere, stahlfarben. Patron: St. Johannes der Täufer, weil er wahrscheinlich seinen Rock aus Kameelgarn selbst gemacht hat. Fahne grün und blau. Schreiner oder Tischler. Im silbernen Felde eine Säge und ein Hobel. Patron: St. Rochus, der Kunsttischler und Pilger, am linken Schenkel eine Pestbeule, einen Hund neben sich, Pestkranke heilend. Fahne blau und silber. Schü tzen, Armbrnst- und Büchsensch üHeu. Im goldenen Felde ein schwarzer Reichsadler. Patron: St. Sebastian; er leidet, nackt an einen Baum oder Pfahl gebunden, von vielen Pfeilen durchbohrt, den Märtyrertod. Fahne schwarz und gold. Schuh- und Stiefelmacher. Im goldenen Felde einen schwarzen Schuh und einen Stiefel. Patrone: St. Krispin und St. Krispiniauns, mit Schnhmachcr-Gcräth, weil sie als Missionäre in Gallien ihren Unterhalt durch Schnhemachen verdienen mußten. Fahne schwarz und gold. Seifensieder und Licht zieh er. In: blauen Felde ein Pfund silberner Kerzen. Patronin: St. Maria di Monte, welche strenge ihren Rittern und Dienstlcntcn Waschungen anbefahl, während heute „die Ritter von: Geiste" oft recht ungewaschene Männer sind. Steinn: eben und Maurer. Im blauen Felde goldene Manrcrwerkzcngc, Zirkel, Kelle, Richtschnur und Winkelmaß. Patron: St. Stephanns, der mit unbehauenen Steinen gesteinigt wurde. Auch St. Rcinhold, ein Mönch in Köln, mit einen: Hammer in der Hand. Fahne blau und gold. Teppichweber. Im goldenen Felde ein farbiggcstrcifter Teppich. Patron: St. Paulus, der auch ein Teppichweber war, mit den: Schwert, auch zwei Schwerter vor sich haltend, wo das zweite dann als das Schwert des Geistes zu deuten ist. Fahne gold und buntfarbig. Tuchmacher, Wollen web er. Im rothen Felde zwei goldene Tuchweber- schiffe in's Andreaskreuz gelegt. Patron: St. Martin, der seinen Tnchmautcl mit dem Schwerte theilte und die Hälfte einen: nackten Bettler gab, und St. Severns von Ra- vcnna, der ein Wollcnwebcr war. Fahne roth und gold. Tuch fürber, Tuchwalker. (Siehe Walkmüller.) Tünch er. In: blauen Felde zwei goldene in's Andreaskreuz gelegte Borstenpinsel. Patron: St. Antonins, dessen Attribut die Borsten liefert, mit dem ägyptischen Kreuz (1Y und der Bcttlcrglocke, von Teufeln versucht, ein Schwein neben sich. Fahw blau und gold. Uhrmacher. Im rothen Felde ein großes silbernes Zifferblatt mit goldener' Zeigern. Patron: St. Petrus mit dem Hahne, dem Uhrweckcr. Fahne roth und silber Wagner, Stellmacher, Radmachcr. Im blauen Felde ein goldenes Rad Patronin: St. Katharina, mit den: Rade gemartert. Fahne blau und gold. Wachsbleicher, Wa ch s st o ck- u n d W a ch s l i ch t in ache r. Im blauen Feld ein goldener Bienenstock. Patron: St. .Ambrosins, Erzbischof von Mailand, Kirchen lehrer, auf dessen Gesicht, als er noch Knabe war, einmal ein Bienenschwarm sich nieder ließ; er hat einen Bienenkorb znr Seite und eine Geißel in der Hand, weil er den» Kaiser Theodosius den Eintritt in die Kirche verwehrte. Fahne blau mit goldene' Biegen bestreut. 802 Walk müllcr und Tuchfärber. Im silbernen Felde eine aufwärts blaue Hand. Patron: St. Jakob der Kleine, der mit einer Tuchwalkcrstange Erschlagene; er hat znr Seite den einem großen Geigenbogen ähnlichen Walkerbanm. Fahne blau und silber. Weber. Im grünen Felde ein goldenes Weberschiffchen. Patronin: St. Atha- nasia, die Weberin mit dein Stern aus der Brust; auch galten Krispinus und Kris- pinianns als Patrone. Fahne grün und gold. Wein Händler und Weinschänken. Im purpurnen Felde ein Faß, worauf ein silberner Pokal steht oder ein Bacchus reitet. Patron: St. Urbanns, an dessen Todestag es Wein regnete. Fahne Purpur und sicher. Zimmerleute. Im goldenen Felde stahlblaue Handwcrksgeräthe. Patron: St. Joseph, der Zimmermann, bei dem der Heiland in die Lehre ging. Er hält einen Lilienstab, zuweilen auch eine Säge. Fahne blau und gold. Zinn gieß er. Im silbernen Felde eine blaue Kanne. Patron: St. Karolus Magnns, der den Dom zu Aachen mit Zinn (?) decken ließ. Fahne blau und filber. M i s c e ll e n. (Die schönste Hand.) Kürzlich unterhielten sich zwei junge, liebenswürdige Damen über das, was die Schönheit einer Hand ausmache. In ihren Ansichten darüber ebenso verschieden wie in der Form des schönen Gliedes, von dcßen Vorzügen sie sprachen, beschlossen sie, einem Greise, der zufällig dazu kam, die Frage zur Entscheidung vorzulegen. Jede der Damen Zeigte ihm ihre Hand. Beide erfassend, blickte er eine Zeit lang auf sie, als ob er sie genau betrachte. Endlich sagte er: „Ich gebe es auf; die Frage ist zu schwer für mich; doch fragen Sie die Armen, und sie werden Ihnen sagen, daß die schönste Hand in der Welt jene sei, die Almosen spendet." (Der andere Mensch.) Ein Herr, der die schlimme Gewohnheit hatte, nicht nur einen, sondern sogar zwei Schnäpse auf einmal zu bestellen, befragt, warum er solches thäte, meinte: „Ja, das hat seine ganz eigenthümliche Bcwandtniß: Sehen Sie, meine Herren, wenn ich einen Schnaps trinke, so werde ich ein ganz anderer Mensch, und meine Herren, ich sehe nicht ein, warum der andere Mensch nicht auch einen Schnaps haben soll, was ich zu beachten bitte." (Ein schlechter Witz.) Prinz Ludwig von Baden kam in diesem Sommer auf einer Fußwanderung durch den Schwarzwald auch nach Sommerau. Obgleich es im Juli war, pfiff doch ein schneidend kalter Wind über die Höhen, so daß der Prinz sich im Zimmer behaglich fühlte. „Wie kommt denn dieser Ort zu dem Namen Sommerau?" fragte der im strengsten Inkognito reisende Fürstcnsohn. — „Nun sehen Sie," antwortete der gemüthliche Oberländer, „weil es hier im Winter kalt ist und im Sommer an" (auch). — (Aerztliches Zeugniß.) Ein gutes Seitenstück zu dem von Fritz Reuter erwähnten Zeugniß: „Ich bescheinige, daß P. X Prügel erhalten hat, und sie haben ihm nichts geschadet" — bildet das unlängst von einem Wiener Arzt ausgestellte, das wie folgt lautete: „Die Kopfverletzung ist eigentlich eine schwere: da aber .der Verletzte fleißig kalte Umschlüge gemacht hat, kann ich sie nur als eine leichte klassifizieren. (Aus der Schule.) Lehrer (der eine Aufgabe an die Tafel geschrieben): „Wer von Euch trifft mir diese Ausgabe?" Martin (indem er seine Mütze gegen die Tafel wirft): „Ich, Herr Lehrer." (Bettlerpraxis.) „Vcrgclt's Gott, Ew. Gnaden für die schöne Hosen, aber ragen kann ich se nct, die verderbet' mir mein Geschäft; kein Mensch thät mir was gebenl" Für die Redaktion verantwortlich: Alphons Planer in Augsburg. — Druck und Verlag des Litterarischen Instituts von Dr. Max Huttler.