ElitiMgrnphic.
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violet gesprenkelten Nelken und auf einem anderen
Blatte die Fenchclstande mit dem Schmetterlinge sind
ausgezeichnet zu nennen. Er blieb bei der einfachen
Pflanze nicht stehen, sondern versuchte sich auch an
Landschaften- und Marine-Darstellungen, sowie
er schon früher in der gelungenen Nachbildung anti¬
ker Bildwerke des britischen Mnseums, z. B. der
Statue des ThesenS, der Büste des Diomedcs und
der ctruskischcu Prachtvase aus der Hamiltousamm-
lung, je in dem eigenthümlichen Colorit der Gegen¬
stande den Dank aller Kunstfreunde sich erworben
hat. Auch hierin, sowie im Gold - und Farbedruck,
ist Vartcr sein Nebenbuhler. Unter den Deutsche»
gebührt dem rastlos thatigen Naffelsperger in Wien
der Nuhm, deu botanischen Druck zu Ehren gebracht
zu haben. Was er cmch in dieser Hinsicht im Ver¬
eine mit dem einsichtsvollen Verleger gegenwärtigen
Bncheö zu leisten im Stande sei, wird die zur Seite
befindliche von Teubner in Leipzig mit acht Farben
gedruckte Rose darthun.
EKtypographie.
Ektypographie oder Rcliefdruck für
Blinde ist die Kunst, jeden Schriftgcgenstand in
Formen, es bestehen diese aus Holz, Stein oder
Metall, so darzustellen, daß selbige durch den Ab¬
druck erhaben vervielfältigt und auf diese Weise
durch den Tastsinn für Nichtsehende lesbar gemacht
werden. Die bisher angewandte» Methoden, erhabene
Umrisse zu bilden, bestehen theils darin, daß man
dieselbe» entweder in Kupferplattcn tief eingravirt,
oder auf Stein erHabe» atzt oder eigends für diese»
Zweck gegossene Schriftlettern anwendet.
Der Erfinder von besonderen Typen zum Unter¬
richte sür Blinde war Valentin Haüy (geboren 1745,
gestorben 1822), Bruder des berühmten Naturfor¬
schers, welcher, durch die Bekanntschaft deS merk¬
würdigen blinden FrauleinS von Paradies auS Wien
veranlaßt, in deren Zimmer er eine kleine Hand-
druckcrei vorfand, durch die das geistreiche Mädchen
eine» Briefwechsel mit dem Erfinder der Schach-
maschinc Van Kempelen unterhielt, von nun an
sein ganzes Lebe» der Erziehung solcher unglück¬
licher Kinder widmete. Er führte Metallcharaktere,
welche so viel böber über ihre Körper hervorstehen
müssen, als sie in das Papier vertieft sich eindrücken
sollen, zuerst bei dem 1784 durch Philanthropen in
Paris gegründeten Blindeninstitnte ein und brachte
es so weit, daß die ihm anvertrauten Zöglinge ihre
Bücher sogar selber setzen nnd drucken lernten. Einen
Beweis hiervon liefert sein merkwürdiges Buch!
,,I?5K»! «ur I'«-cI»<!!i<!n» <I<?ü !lv<ni>;>es" 1'ili'Iü 1736. 3.,
welches von blinden Kindern zum Beste» semer Blin¬
den und zum Gebrauche für blinde Binder gedruckt
ist, indem die erhabene Schrift diesen das Lesen
mittelst deö Gefühls der Fingerspitzen möglich macht.
Diese Methode wurde von Guillie, »ach Haüy,
Gcneraldireetor derselben Anstalt, vervollkommnet
und in einer besonder» Schrift: „ZVotlce In^ui-Kn«!
sur I'in«trnctimi <les j^unes nveii^les " ?ai'. 1819. in 4.
erklärt, welche in dem nämlichen berühmte» I»sti-
tute, das nach der Restauration 1815 zu einer
königlichen Anstalt erhoben wurde, gesetzt und ge¬
druckt ist.
Aehnliche Vcrfahrungsartc» hatte schon der
Nestor deS deutschen BlindennnterrichteS, ^ilein in
Leipzig, in seinem „Lehrbuche" 1319, sowie spä¬
ter in seiner ,, Geschichte des BlindennnterrichteS"
1837.8. bekannt gemacht. Franz Müller in Bruchsal
(jetzt in Freiburg), Stüber in Freising (gegen¬
wärtig in München), nnd der edle Zeunc in Berlin,
der väterlich gesinnte Freund seiner unglückliche»
Pflegekinder, haben diese Methoden wesentlich aus¬
gebildet und verbessert.
In Grosibritcmien machte Gall zu Edinburg
1827 den frühesten Versuch, große Capital-Lettern
der gewöhnlichen Antigua s o auf starkes Papier
abzudrucken, daß die Schrift für Blinde lesbar ward,
welches so trefflich gelang, daß die blinden Zög¬
linge ebenso schnell lesen, wie die Sehenden. Das
erste nach dieser Methode gedruckte Buch war daS
Evangelium Johanniö. Gall'S Verfahren wnrdc
durch Alston in Glasgow vereinfacht uud dadurch
wesentlich verbessert. Am weitesten ist der Lcttern-
druck für Blinde in Amerika gediehe».
Die „ZV<z>v I5»xl!>nä Iiistllutwn " zu Boston hat
schon viele bedeutende Werke nach dieser Methode
herausgegeben, von denen wir nur das ganze „ Neue
Testament", den „Psalter", eine Weltgeschichte: