/^s/^^-^s^ Gotthold Ephraim Lcssings sämmtliche Schriften l'crausqcqcbcii von Karl L a ch in a n n. Gotthold Ephraim Lessings sämmtliche Schriften. Ncuc rcchtiiläßigc ÄnSgabc. Zehnter Band. Berlin, in der Nosi'schtn Buchhandlung. 1839. Gedruckt bei Zulius Silteiiscld i» Bcrli», Inhalt. Seite Philosophische Aufsätze von Karl Wilhelm Jerusalem. 177«. Vorrede............................... 1 Zusätze des Herausgebers..................... 4 Zur Geschichte und Litteratur. Aus den Schätzen der Herzoglichen Bibliothek zu Wolfcnbüttcl. Vierter Beytrag. 1777. XX. ein Mehrcrcs aus den Papieren des Ungenannten, die Offenbarung betreffend................... 8 Gegensatze des Herausgebers................ 9 Ueber den Beweis des Geistes und der Kraft. 1777. . , 33 Dao Testament Zohannis. 1777................ 39 Eine Duplik. 1778........................ »6 Eine Parabel. Nebst einer kleinen Bitte, und einem cvcn- tualcn Absagungsschrcibcn an den Herrn Pastor Gocze. 1778......................... 121 Ariomata, wenn es deren in dergleichen Dingen giebt. Wider den Herrn Pastor Goeze. 1778............. 133 Anti-Gocze. D.i. Nothgcdrungcncr Beyträge zu den frey- willigen Beyträgen des Hrn. Past. Goeze ERSTER. 1778. >............................. 166 Anti-Gocze. ZWEITER. 1778............... 172 Anti-Gocze. DRITTER. 1778............... t78 Anti-Gocze. VIERTER. 1778............... 18» Anti-Gocze. FÜNFTER. 1778.............. iso Anti-Gocze. SECHSTER. 1778.............. ^6 Anti-Goeze. SIEBENTER. 1778............. 203 Inhalt. Sciic Anti-Goczc. ACHTER. 1778................ 209 Anti-Goczc. NEUNTER. 1778............... 211 Anti-Goczc. ZEHNTER. 177«...........,---- 22t Anti-Goczc. EILFTER. 1778.............- . . 228 Bon dem Zwecke Zcsu und seiner Züngcr. Noch ei» Fragment des Wolfcnbiittclschcn Ungenannten. 1778. Vorrede des Herausgebers .................... 254 Nöthige Antwort ans eine sehr unnöthigc Frage dcS Hrn. Hauptpastor Goczc. 1778................. 239 Der nöthigen Antwort :c. Erste Folge. 1778....... 246 Ernst nnd Falk. Gespräche snr Frcmnäurcr. 1778. . . . 262 Noch nähere Berichtigung des Mäbrchcns von 1000 Dukaten, oder Judas Zschariotb dem Iwc>'tcn. 1779. 28,1 Ernst und Falk-- Gespräche für Frcymaurrr. Fortsetzung. 1780............................... 28« Die Erziehung des Mcnschcngeschlecbts. 1780........zog Zur Geschichte und Litteratur. Aus den Schätzen der Herzoglichen Bibliothek zu Wolfcndüttcl. Fünfter Beytrag. 1781. XXI. Ueber die sogenannten Fabeln aus den Zeiten der Minnesinger: zweyte Entdeckung............ ZN, XXII. Ueber den Anonymus des Revelci........... ZK2 Sechster Beytrag. XXV. I'lioo^luli I'i-icist, und so viel schätzbarer; der sich nicht abschrecken ließ, wenn ihm die Wahrheit auf seinen Verfolgungen öfters entwischte; nicht L>,'ss,»l,s Werke X. 1 2 Z» Jerusalems philosophischen Aufslitzen. an ihrer Mitthcilbarkcit verzweifelte, weil sie sich in Abwege vor ihm verlor, wohin er schlechterdings ihr nicht folgen konnte. Da wir einander selten, oder nie, als nntcr vier Auge», sprachen: so war niiscr Gespräch immer sogleich gefunden. Das Näheste brachte uns immer auf das Entfernteste. Die Grundsätze einer gewissen ersten Philosophie, deren man sich lieber itzt schämte, waren ihm sehr geläufig, und er hatte einen sonderbaren Hang, sie bis auf die gemeinsten Dinge des Lebens anzuwenden. Am liebsten kam er auf sie zurück, wenn ihm in dem Gebiete des Schönen, in dem Reiche der Empfindungen, irgend eine räthselhafte Erscheinung aufsticß. Zu solchen Gesprächen giebt es Uneinigkeit, nnd nicht selten wird wenig oder nichts damit ausgemacht. Aber was tbat das uns? Das Vergnügen einer Zagd ist ja allezeit mehr wcrtb, als der Fang; und Uneinigkeit, die blos daher cntsicbcl, daß jeder der Wahrheit auf einer andern Stelle aufpaßt, ist Einigkeit in der Hauptsache, und die reichste LUicllc einer wccbsclsciti- gen Hochachtung, auf die allein Männer Freundschaft bauen. Das Ermattende, Abzehrende, Entnervende, womit kränkelnde oder um ihre Gesundheit allzubcsorgte Geister diese Art von Untersuchung, diese Entwickelung unserer Gefühle, diese Zergliederung des Schönen, so gern verschrcyen, war ihm nicht im mindesten fürchterlich. Vollends die Entbehrlichkeit eines solchen Geschäffts dem jungen Genie predigen, ibm Verachtung dagegen einflößen, weil ein zuvorciligcr Kunstrichter dann und wann crudc Regeln daraus abstrahirct, schien ihm eine scbr mißliche Sache zu seyn. Und wie sollte es nicht? Man hintergeht, oder ward selbst bintcrgangcn, wenn man die Regeln sich als Gesetze denket, die uiiunigänglich befolgt sey» wollen; da sie weiter nichts als garer Rath sind, den man ja wobl anhören kann. Wer leugnet, daß anch ohne sie das Genie gut arbeitet ? aber ob es mit ihnen nicht besser gearbeitet hatte? Es schöpfe immer nur aus sich selbst, aber es wisse doch wenigstens, was es schöpft. Das Studium des menschliche» Gerippes macht freylich nicht den Mahler: aber die Vcrsäumung desselben wird sich an dem Eoloristcn schon rächen. Wie empfindbar, wie warm, wie thätig, sich dieser junge Zu ZcrusalcmS philosophischen Aufsätze», Z Grübler auch wirklich crbiclt, wie Mi; ein Mensch er unter den Menschen war: das wissen seine übrigen Freunde noch besser, als ich. Ich glaube ihnen alles, was sie davon sagen. Wer zu dcutlicbcn Begriffen sich ;n erheben gewohnt ist, kann ja leicht sich wieder zn klaren bcrabstiinmcn, und es bey diesen bewenden lassen. Aber warnm wollen einige von ihnen mir nicht glauben s daß dieser feurige Geist nicht immer sprüetc und loderte, sondern unlcr rubigcr und lauer Asche auch wieder Nahrung an sieb zog! daß dieses immer bcschäfftigtc Herz nicht znm Nachtbeil seiner böbcrn .Kräfte bcschäffligct warj nnd daß diesen Kops eben so wenig Licht obnc Marine, als Wärme ohne Licht befriedigten. Wenn icb auch also mit Bekanntmachung dieser Ucbcrblcibscl seines bellen Verstandes, weiter nichts suchte, als in dem Andenken derer, die ibn liebten, sein Bild völlig zu runden: wer wollte mich tadeln? Oder viclmcbr, wessen Tadel wollte ich nickt über das Vergnügen verschmerze», ans einen kleinen Dank aus jener Welt rechnen zu dürfen? ?ocb weit gcfeblt, daß der innere Werth dieser Ucbcrblcib- sel mich nicht auch bey denen rechtfertigen sollte, denen mein junger freund nichts war, die ilzt blos den Schriftsteller in ibm suchen, wozu ick, mcbr aus meine, als auf seine Gefahr, ibn mache. Ein näbcrcS Wort über diesen innern Werth erlaube man mir, am Schlüsse derselben, zu sagen. Vier füge ich nichts mcbr hinzu: aber wie vieles wünschte ich, crratbcn zu lassen! Inhalt. I, T.,ß die Sprache dem erste» Mcnschc» d»rch Wunder nicht mitgetheilt sey» kann. II. lieber die Natur und den Ursprung der allgemeinen und absiractc» Begrifft. III. lieber die Freyheit. IV. lieber die Mendclssohuschc Theorie von, sinnlichen Vergnügen, V. Ueber die vermischte» Empfindungen. 1* s. ».> _ 4 Zu Jeriis.ilcmS philosophische» Aussiltzc». Zusähe des Herausgebers. Der Stoff dieser Aufsätze ist mchrmalcn der Stoff unsrer Gespräche gewesen. Wcnu ich mich itzt auf alles besinnen könnte, was darüber abgeredet worden: so köimlc ich vielleicht einige nicht unbeträchtliche Zusätze liefern. Zusätze, welche weder dem einen noch dem andern, sondern beiden gehören würden; so wie es sich von allen Resultaten frcundsckaftlichcr Unterredungen verstehet, die kein Sokratcs anspinnt und heimlich leitet. Einiges wird mir bcvfallen. Der erste Aufsatz beziehet sich auf die damalige Aufgabe der Akademie zu Berlin, über den Ursprung der Sprache; und ich glaube, was er erweisen soll, erweiset er bündig, Die Sprache kann dem ersten Menschen durch Wunder nicht miige- thcilct seyn. Und folglich? — Man traue dem Verfasser nicht zu, daß er nunmehr so fort weiter werde geschlossen haben: Folglich hat sich der Mensch die Sprache selbst erfunden. Dieses würde allerdings ein Drittes überspringen hcisscn, welches ohne ein Wunder gar wohl möglich gewesen wäre, und obuc Zweifel das ist, welches diejenigen, die dem Menseben die Selbstcrfinduug der Sprache absprechen, vornehmlich im Lmne haben. Die Sprache kann den ersten ZNcnschcn seyn gclch- ret rvorven: er kann eben so dazu gelangt seyn, wie noch itzt alle Kinder dazu gelangen müssen. Fragt man: wodurch? durch wen? Durch Umgang mit höhcrn Geschöpfen; durch Herablassung des Schöpfers selbst: können die Acrthcidigcr dieser Meynung antworten. Laßt es seyn, können sie sagen, das; dieser Umgang, diese Herablassung selbst ein Wunder war: das, was durch dieses Wunder bewirket wurde, war doch kein Wunder, und es gicng alles dabey so natürlich zu, als es bey Vo- calmachuug der Kinder noch zugeht. Dieses, wenn man billig seyn will, muß man gelten lassen. Die Sache ist nur, daß sodann die ganze Aufgabe von dem Ursprünge der Sprache, keiner reinen philosophischen Auflösung mehr fähig ist; indem der mittlere Fall sich lediglich durch historische Gründe erhärten oder verwerfen läßt. Der Philosoph kann nur höchstens eine sehr geringe Wahrscheinlichkeit dazu beytragen: diese nehmlich Zu Zcrus.,lc»,S philosophischen Aufsätze». 5 Zugegeben, daß die Mensche» die Sprache selbst erfinden können; wenn gleichwol ans die Erfindung derselbe», wie sich vermuthen läßt, eine so geraume Zeit, vielleicht so viele viele Zahrhunderte vergehen müssen: so war es ja wol der Güte des Schöpfers gemässcr, zum Besten derer, welche in diesen sprachlosen Zeiten ein so kümmerliches, kaum Leben zu nennendes Leben gelebt hätten, dem Dinge seinen langsamen ganz natürlichen Lauf nicht zu lasse», sondern den Weg jenes Unterrichts zu wähle». Wie viel dieser Wahrscheinlichkeit durch die in den ältesten Geschichtschreibern aufbewahrte Tradition zuwächst; was für Winke oder Andeutungen hierüber sich in dem Buche finden, das in allem Bcrstandc immer so schätzbar bleibet: dieses aufs Reine zu bringen, wäre auch immer eine sehr interessante Untersuchung. Nur ist es keine Untersuchung für den Philoso- pbcn, den nichts nötbigcn kann, sich darauf cmznlassc». Sobald der Philosoph erwiese» hat, daß dem erste» Mciischc» die Sprache durch Wunder nicht mitgetheilet seyn kann; und er »»»mehr zeiget, wie und wodurch sie auf die Erfindung derselben nicht wohl anders als fallen müssen, zugleich noch beyfügt, was die Anbauung und Ausbildung dieser Ersinduug erleichtern und beschleunigen können: so hat er nicht allein alles gethan, was man von ihm erwarten darf, sondern hat auch hinlänglich den Folgerungen vorgebaut, für welche Einige die Hvpothcse des höher» Unterrichts gern brauchen möchten. Auch der zweyte Aufsatz ist durch jene »cbmlichc Aufgabe veranlaßt worden. Er sollte den Weg bahnen, eine der vornehmsten Schwierigkeiten zu heben, die man gegen die natürliche Entstehung der Sprache zu machen pflegt. Weil sich ohne Zeiche» allgemeiner Begriffe keine Sprache dmkcn lasse; allgemeine Begriffe aber nur die Frucht einer mühsamen Abstraktion sei'» solle», welche ohne Gebrauch symbolischer Zeichen kaum möglich sey: so müsse, sagt man, der Mensch ja wohl eine Sprache schon gehabt haben, um die Sprache zu erfinden. Aus diesem Zirkel ist man auf einmal heraus, wenn man die Erklärung unsers Verfassers annimmt, nach welcher es zu allgemeine» Begriffe» der Abstractio» gar nicht bedarf. Denn, gesetzt auch, daß diese Erklärung nicht auf alle und jede allgc- WWMMWW _^'FMMe^^L?.!/._ ^M/!»^ U?»»Z?//'s«^«!- ____ Ein MehrereS ans den Papieren des Ungenannten. !' geringsten anstehen sollte, seinem Verlangen, welches, wie ich weiß, mich der Wunsch andrer seines gleichen ist, ein Genüge zu leisten. Nur durfte ich schwerlich eben mit dem Dreistesten und Stärksten so fort aufwarten können. Die Papiere sind noch in zu großer Unordnung, und der Faden bricht oft ab, wo man es am wenigsten erwartet. Bis ich in ihnen also besser bewandert bin, begnüge man sich mit nachstehenden Fragmenten, die ich ohne weitere Einleitung vorlege. Zum Schlüsse derselben bloß erlaube man mir, einige Winke hinzuzufügen, welche die Art und Weise betreffen, wie man, vornehmlich in unsern neuesten Zeiten, alles das abzuweisen und nichtig zu machen gewußt hat. Zch halte einen Zusatz dieser Art für meine Pflicht, so wenig ich mich auch demselben gewachsen zu seyn fühle. Erstes Fragment. Von Lcrschrcyung der Acrnunst auf den .Kanzeln. Zweytes Fragment, tlinnöglichkcit einer ^ffcnbarnng, die alle Mcuschcn aus eine gegriin- deic Art glauben können. Drittes Fragment. ?urä,gang der Israeliten durchs rothe Meer. Viertes Fragment. Taß die Sucher Zl. 5. nicht geschrieben worden, eine Religion zu offenbaren. Fünftes Fragment, lieber die ZluferstcbnngSgesci'ichlc. Und nun genug dieser Fragmente! Wer von mcinc» Lesern mir sie aber lieber ganz gcscbenkt bä'ttc, der ist sicherlich fmclitsamcr, als nmcrnclirct. Er kann ei» scbr froinmer d'biist scvn, aber ein scbr aufgcb'i.utcr ist er gewiß nicht. Er kann cö mit seiner Religion herzlich gut me/nen: nur müßte er ihr auch mehr zutrauen. Den» wie vieles laßt sich noch auf alle diese Einwürfe und Schwierigkeiten antworten! Und wenn sich auch schlechterdings nichts darauf antworten ließ: was dann? Der gelehrte Tbco- log könnte am Ende darüber verlegen seyn; aber auch der Christ? 10 Zur Geschichte und Litteratur, Aicrter Ncytrug, Der gewiß nicht. Jenem höchstens könnte es zur Verwirrung gereichen, die Stützen, welche er der Religion unterziehen wollen, so erschüttert zu sehen; die Strebepfeiler so niedergerissen zu finden, mit welchen cr, wenn Gott will, sie so schön verwahret hatte. Aber was geben dem Christen dieses Mannes Hypothesen, und Erklärungen und Beweise an? Ihm ist es doch einmal da, das Christenthum, welches cr so wahr, in welchem cr sich so selig fühlet, — Wenn der Paralyticus die wohlthätigen Schläge des Elektrischen Funkens erfährt: was kümmert es ihn, ob voller, oder ob Franklm, oder ob keiner von beyden Recht hat? — Kurz: der Buchstabe ist nicbt der Geist; und die Bibel ist nicht die Religion. Folglich sind Einwürfe gegen den Buchstaben, und gegen die Bibel, nicht eben auch Einwürfe gegen den Geist und gegen die Religion. Denn die Bibel enthält offenbar Mehr als zur Religion gehöriges: und es ist bloße Hypothes, daß sie in diesem Mcb- rcrn gleich unfehlbar seyn müsse. Auch war die Religion, ehe eine Bibel war. Das Ehristcntbum war, ehe Evangelisten und Apostel geschrieben hatten. Es verlief eine geraume Zeit, ehe der erste von ihnen schrieb; und eine scbr beträchtliche, ehe der ganze Kanon zu Stande kam. Es mag also von diesen Schriften noch so viel abhängen: so kann doch unmöglich die ganze Wahrheit der Religion auf ihnen beruhen. War ein Iciiraum, in welchem sie bereits so ausgebreitet war, in welchem sie bereits sich so vieler Seelen bemächtiget hatte, und in wclcbcm gleichwol noch kein Buchstabe aus dem von ihr ausgezeichnet war, was bis ans Uns gekommen: so muß es auch möglich seyn, daß alles, was Evangelisten und Apostel geschrieben haben, wiederum verloren gänge, und die von ihnen gelehrte Religion doch bestände. Die Religion ist nicht wahr, weil die Evangelisten und Apostel sie lehrten: sondern sie lehrten sie, weil sie wahr ist. Aus ihrer innern Wahrheit müssen die schriftlichen Ueberlieferungen erklärt werden, und alle schriftliche Ueberlieferungen können ihr keine innere Wahrheit geben, wenn sie keine hat. Ein MchrcrcS auS den Piipiere» des Uiigcii.niiilcii. 11 Dieses also wäre die allgemeine Antwort auf einen grossen Tbcil dieser Fragmente, — wie gesagt, in dem schlimmsten Falle. In dem Falle, daß der Christ, welcher zugleich Theolog ist, in dem Geiste seines angenommenen Svstcms, nichts Befriedigendes daraus zu antworten wisse. Aber ob er das weiß, woher soll er selbst die Erfabrung haben, woher sollen wir es ihm zutrauen, wenn es nicht erlaubt seyn kann, alle Arten von Einwürfen frey und trocken herauszusagen? Es ist falsch, daß schon alle Einwürfe gesagt sind. Noch falscher ist es, daß sie alle schon beantwortet wären. Ein großer Theil wenigstens ist eben so elend beantwortet, als elend gemacht worden. Scichtigkcit und Spöttcrey der einen Seite, hat man nicbt selten mit Stolz und Naserümpfen auf der andern erwiedert. Man bat sich sehr beleidiget gefunden, wenn der eine Tbcil Religion und Aberglauben für eins genommen: aber man bat sich kein Gewissen gemacht, Zweifel für Unglauben, Bc- gnügsamkcit mit dem, was die Vernunft sagt, für Ruchlosigkeit auc-iuscbrcocn. Dort bat man jeden Gottcsgclcbrten zum Pfaffen, lNcr jeden Wcllwcisen zum Gottesleugner bcrabgcwürdigct. So bat der eine und der andere seinen Gegner zu einem Ungcbcuer umgcscbaffcn, nm ibn, wenn er ibn nicht besiegen kann, wenigstens vogelfrc» erklären zu dürfen. Wabrlich, er soll nocb erscbcinc», auf beiden Seiten soll er noch erscheinen, der Mann, welcher die Religion so bestreiket, und der, wclcbcr die Religion so vertheidiget, als es die Reinigkeit nnd Würde des Gegenstandes crfodcrt. Mit alle den Kenntnissen, aller der Wabrbcitslicbc, alle dem Ernste! — Stürme auf einzelne Bastionen wagen und abschlagen, heißt weder belagern nocb entsetzen. Und gleicbwol ist bisber noch wenig mcbr geschehen. Kein Feind bat noch die Feste ganz cingcscblosscn; keiner nocb einen allgemeinen Sturm auf ibrc gtsammtcn Werke zugleich gewagt. Immer ist nur irgend ein Aussenwcrk, und oft ein sehr unbeträchtliches angegriffen, aber auch nicht selten von den Belagerten mit mcbr Hitze als Klugheit vertheidiget worden. Denn ihre gewöhnliche Marimc war, alles Geschütz auf den einzigen angegriffenen Ort zusammen zu führen; unbekümmert, ob indeß ein anderer Feind an einem 12 Zur Geschichte und Litteratur. Vierter Beytrag, andern Orte den entblößten Wall übersteige oder nicht. Zch will sagen: ein einzelner Beweis ward oft, zum Nachtheil aller andern, ja zu seinem eigenen, überspannt; Ein Nagel sollte alles halten, und hielt nichts. Ein einzelner Einwurf ward oft so beantwortet, als ob er der einzige wäre, und oft mit Dingen, die ihren eignen Einwürfen noch sehr ausgesetzt waren. Noch ein unbesonneneres Verfahren war es, wenn man das angegriffene Werk ohne alle Gegenwehr verließ, dem Feinde mit Verachtung Preis gab, und sich in ein anderes zog. Demi so hat man sich nach und nach aus allen Werken nicht vertreiben, sondern verscheuchen lassen, und wird nun bald gc- nöthigct seyn, sich wieder in das zuerst verlassene zu werfen. Wer in den neuesten Schriften für die Wabrbcit der christlichen Religion ein wenig belesen ist, dem werden die Ercmpcl zu jedem Gliede dieser Allegorie leicht beofallen. Wie nahe unser Verfasser dem Ideale eines echten Bcstrci» tcrs der Religion gekommen, läßt sich aus diesen Fragmenten zwar cinigcrmaaßcn schlicsscn, aber nicht hinlänglich erkennen. Raum genug scheinet er mit seinen Laufgräben eingenommen zu haben, und mit Ernst gehet er zu Werke. — Möchte er bald cincn Mann erwecken, der dem Ideale eines echten Vertheidigers der Religion nur eben so nahe käme! Und nicht diesem Manne vorzugreifen, sondern blos urtheilen zu lassen, wie vieles nu» Er erst zu sagen haben würde, und hicrnächst dem ersten Panischen Schrecken zu stcurcn, das cincn klciinnülhigc» Leser bcfallc» könnlc, eile ich, jedem Fragmente insbesondere einige Gedanken bcvzufügcu, die sich mir aufgedrungen habcn. Wenn ich aber damit mehr thue, als ich gleich anfangs thu» zu dürfen um Erlaubniß bat, so geschieht es, weil ich den Ton der Verhöhnung verabscheue, in den ich leicht falle» könnte, wenn ich nur jenes thun wollte. Freylich giebt es der Männer genug, welche itzt die Religion so vertheidige», als ob sie von ihrc» Fcindcn ausdrücklich bestochen wäre», sie zu untergrabe». Allein es wäre Verleumdung der Religion, wenn ich zu verstehen geben wollte, daß gleichwol diese Männer nur noch allein vor dem Riß stünden. Za woher weis; ich, ob nicht auch diese Männer die besten Absichten von vi» MehrcrcS aus den Papieren des Ungenannte». 1^ der Welt habend Wann sie nicht ihre Absichten schützen sollen, was wird mich schützen, wenn ich das Ziel eben so weit verfehle? 4. Das erste Fragment bcstrcitct eine Sache, die nichts weniger, als das Christenthum annehmlich zu machen, vermögend ist. Wenn es also Theologen gegeben, die darauf gedrungen, so müssen sie wol von der Nothwendigkeit derselben sich sehr lebendig überzeugt gefühlt haben. Würden sie sonst unter das Thor, in welches sie einzugehen ermunterten, Fußangel vor aller Augen haben streuen wollen? Und allerdings hat es dergleichen Theologen gegeben: allein wo giebt es deren denn noch? Hat man den Mantel nicht längst auf die andere Schulter genommen? Die Kanzeln, anstatt von der Gcfangcnnchinung der Vernunft unter den Gehorsam des Glaubens zu ertönen, ertönen nun von nichts, als von dem innigen Bande zwischen Vernunft und Glauben. Glaube ist durch Wunder und Zeichen bekräftigte Vernunft, und Vernunft raisonnircndcr Glaube geworden. Die ganze geoffenbarte Religion ist nichts, als eine erneuerte Sanction der Religion der Vernunft. Gcbcimnissc giebt es entweder darinn gar nicht; oder wenn es welche giebt, so ist es doch gleichviel, ob der Christ diesen oder jenen oder gar keinen Begriff damit verbindet. Wie leicht waren jene Tbcologastcr zu widerlegen, die außer einigen mißverstandenen Schriftstcllcn nichts auf ihrer Seile hatten, nnd durch Verdammung der Vernunft die beleidigte Vernunft im Harnisch erhielten! Sie brachten alles gegen sich auf, was Vernunft haben wollte, und hatte. Wie kitzlich hingegen ist es, mit diesen anzubinden, welche die Vernunft erheben und einschläfern, indem sie die Widersacher der Offenbarung als Widersacher des gesunden Menschenverstandes vcrschrcncn! Sie bestechen alles, was Vernunft haben will, und nicht hat. Gleichwol muß ohnstrcitig die Wahrheit auch hier liegen, wo sie immer liegt; zwischen beiden Extremen. Ob eine Offenbarung seyn kaun, und seyn muß, und welche von so vielen, die darauf Anspruch machen, es wahrscheinlich sey, kann li Zur Geschichte und «ittcr.itur. Vierter Beytrag. mir die Ucrmmst entscheiden. Aber wenn eine seyn kann, und eine seyn muß, und die rechte einmal ansfnndig gemacht worden: so muß es der Verminst eher noch ein Beweis mehr für die Wahrheit derselben, als ein Einwurf darwidcr seyn, wenn sie Dinge darinn findet, die ihren Begriff übersteigen. Wer dergleichen ans seiner Religion anspolirct, hätte eben so gut gar keine. Denn was ist eine Offenbarung, die nichts offenbaret? Zst es geniig, wenn man nur den Namen bevbchält, ob man schon die Sache verwirft? Und sind das allein die Ungläubigen, welche den Namen mit der Sache aufgeben? Eine gewisse Gcfangcnncbmnng unter den Gcborsam des Glaubens verübt also gar nicht auf dieser oder jenen Scbnfl- stellc: sondern auf dem wesentlichen Begriffe einer Offenbarung. Unser Verfasser mag immcrbi» jene Schriftstcllcn besser verstanden haben; und ich wüßte mehr als einen würdigen Ausleger, der eben nicht mehr darinn gefunden. Er mag immcrbin sebr Recht gegen die armseligen Homileten haben, welche zu dem kläglichen Sündenfallc der ersten Acltcrn ibrc Auflucbt ncbmcn, eine Sache zu beweisen, die dieses Beweises gar nicht bedarf. Die Mosaische Geschichte davon, erkennet er selbst für unschuldig an solchem Mißbrauche. Aber wie es nicht wahr ist, daß daraus ein nachherigcs Verderben der mcnschlicbcn Vcrnnnfl zu folgern: so scheinet mir doch ancb Er nicht völlig cingesebcn zu haben, was darinn liegt. Wenn er »ebmlicb sagt: „daß, „nach Anleitung derselbe», die Prediger, als wahre Seelsorger, „vielmehr schuldig wären, ibrcn Znbörcrn die gesunde Vernunft „und den Gebrauch derselben als eine untrügliche Richtsebnur „der göttlichen Erkenntniß und eines frommen Wandels zu „empfehlen; indem unsere ersten Acltcrn eben darum gefallen „wären, weil sie ihrer Vernunft sich nicht bedienet hätten: so erschöpft er die Sache mir zur Hälfte. Den» über dieses wird auch »och die Ursache darin» angedeutet, wie und warum ihre Vernunft unwirksam geblieben. Mit einem Worte; die Macht unsrer sinnlichen Begierden, unsrer dunkeln Vorstellungen über alle noch so deutliche Erkenntniß ist es, welche zur kräftigsten Anschauung darinn gebracht wird. Von dieser Macht berichtet die Mosaische Erzählung entweder die erste traurige Erfahrung, »M^M^M^»'^ t5i» Mchrcrcs ans den Papieren des Ungenannten. 16 oder ertheilet das schicklichste Beyspiel. Factum oder Allegorie: in dieser Macht allein liegt die Quelle aller unserer Berathungen, die dem Adam, des göttlichen Ebenbildes unbeschadet, eben sowohl ancrschaffen war, als sie uns angcbohrcn wird. Wir babcn in Adam alle gcsündigct, weil wir alle sündigen müssen: und Ebenbild Gottes noch genug, daß wir doch nicht eben nichts anders thun, als sündigen; daß wir es in uns haben, jene Macht zu schwachen, und wir uns ihrer eben sowohl zu guten als zu bösen Handlungen bedienen können. Dieser lehrreichen Auslegung wenigstens ist das so oft verhöhnte Märchen Mosis sehr fabig, wen» wir die Accommodationcn, welche ein späteres System davon machte, nur nicht mit hinein tragen, und Accom- inodalioncn Accommodationcn scvn lassen. Wie qcsaal: cinc gewisse Gcfangcnnchmung der Bcrnunft unter dc» Geborsam des Glaubens bcrubct blos auf dem wesentlichen Begriffe einer Offenbarung. Oder vielmehr, — denn das Wort Gcfangennchmung scheinet Gewaltsamkeit auf der einen, und Widerstrebe» auf der andern Seite anzuzeigen, — die Bernuuft giebt sich gefangen, ihre Ergebung ist nichts, als das Bekenntniß ihrer Grenzen, sobald sie von der Wirklichkeit der Offenbarung vcrsicbcrt ist. Dieß also, dieß ist der Posten, in welchem man sich schlechterdings bebauptcn muß; und es verräth entweder armselige Eitelkeit, wenn man sich dnrch hämische Spötter hcrauslachcn läßt, oder Bcrzwciflung an den Beweisen für die Wirklichkeit einer Offenbarung, wenn man sich in der Meinung hinausziehet, daß man es alsdann mit diesen Beweisen nicht mehr so streng nehmen werde. Was man damit retten will, geht um so viel unwiederbringlicher verloren; und es ist bloßer Fallstrick, den die Widersacher der christlichen Religion, durch Ucbcrtrcibnng des Unbegreiflichen in derselben, denjenigen von ihren Bcrtbcidigcrn legen, die ihrer Sache so ganz gcwiß nicht sind, und vor allcn Dingcn die Ehre ihres Scharfsinns in Sicherheit bringen zu müssen glauben. Ein anderer Fallstrick, den man selbst Theologen von der bessern Art legt, ist der, daß man sich mit den bisherigen ka- tcchetischcn Lehrbüchern so unzufrieden bezeigt, und cS ihrer fehlerhaften Einrichtung zuschrcibt, daß die Religion nicht mebr Iti Zur Geschichte und Litteratur. Vierter Ntylr.i.q. Eingang finde. Nun will ich zwar gar nicht leugnen, daß an diesen Büchern nicht manches zu verbessern seyn sollte: aber man sehe doch wohl zu, ehe man mit gutherziger Ucbcrcilung eben das daran verbessert, was gewisse Leute so gern verbessert haben möchten, zu welchen selbst unser Verfasser gehöret, wenn er ihnen „den Mangel an einer vernünftigen Religion und „an einem vernünftigen Ucberganac von derselben zur Offenbarung" vorwirft. Ich denke: dieser Mangel ist Theils kein Mangel, und Theils würde es äußerst gefährlich scvn, ihm abzuhelfen; ibm wirklich abzuhelfen. Denn davon kann doch nur die Rede scvn; weil blos so obenhin daran künsteln, die lieben Büchcrchen ja erst recht schal und kahl machen würde. Die geoffenbarte Religion setzt im geringsten nicht eine vernünftige Religion voraus: sondern schließt sie in sich. Wann sie dieselbe voraussetzte, das ist, wann sie obne dieselbe unverständlich wäre: so wäre der gerügte Mangel der Lebrbücbcr ein wahrer Mangel. Da sie aber dieselbe in sich schließt; da sie alle Wahrheiten enthält, welche jene lcbrct, und sie blos mit einer andern Art von Beweisen unterstützt: so ist cS noch sehr die Frage, ob die Einförmigkeit der Bcwcioart, in Lchrbücbcrn für Kinder und gemeine Leute, nicht bequemer und nützluber ist, als eine genaue Absonderung der vernünftigen nnd geoffenbarten Lehrsätze, einen jeden aus der ihm eigenthümlichen Quelle erwiesen. Wenigstens ist es gewiß, daß der Ucbcrgang von blosicii Ncrnunftswahrhcitcn zu geoffenbarten, äußerst mißlich ist, wenn man sich durch die eben so scharfen als faßlichen Beweise der erster» verwöhnt hat. Man erwartet und sodcrr sodann bey den Beweisen der andern cbenvicsclbc Schärfe und Faßlichkeit, und hält, was nicht eben so erwiesen ist, für gar nicht erwiesen. Ich erinnere mich hierbei), was mir in meiner Jugend begegnete. Zch wollte Mathematik studiren, und man gab mir des ältern Sturms Tabellen in die Hände, in welchen noch die Chiromantie mit unter den mathematischen Wissenschaften abgehandelt ist. Als ich auf diese kam, wußte ich gar nicht, wie mir geschahe. Mein kleiner Berstand kam auf einmal aus Ein Mehrere« aus den Papieren des Ungenannten. 17 aller seiner Wirksamkeit; und obschon eine Kunst, die mich mit meinem künftigen Schicksale bekannt zu machen versprach, keinen geringen Reiz für mich hatte: so war mir doch, als ob ich schales Zuckcrwasscr auf lieblichen Wein tränke, wenn ich aus der Geometrie in sie herüber blickte. Ich wußte nicht, was ich von dem Manne denken sollte, der so disparatc Dinge in Ein Buch vereiniget hatte: ich gab ihm seinen Abschied, und suchte einen andern Lehrer. Hätte ich aber glauben müssen, daß dieser Mann unfehlbar gewesen: so würden die erbetenen Grundsätze der Chiromantie, deren Willkührlichkcit mir so auffallend war, mich mit Furcht und Mißtrauen gegen die mathematischen Wahrheiten erfüllt haben, die meinem Verstände so sehr behagten, ob ich sie gleich zum Theil nur noch blos mit dem Gedächtnisse gefaßt hatte. Unmöglich hätte ich beide, Geometrie und Chiromantie, sür gleich gewiß halten können: aber möglich wäre cö gewesen, daß ich mich gewöhnt hätte, Chiromantie und Geometrie als gleich ungewiß zu denken. Ich halte es kaum der Mühe werth, mich vor dem Verdachte zu bewahren, als wolle ich hiermit zu verstehen geben, daß die Beweise für die Offenbarung und die Beweise für die Cbiromantic von einerley Gewichte wären. Sie sind frcvlich nicht von einerley Gewichte; ihre specistaucn Gewichte babcn schlechterdings kein Verhältniß gegen einander: aber beider Beweise sind doch aus der nehmlichen Klasse; sie gründen sich beide auf Zeugnisse und Erfahrungssätzc. Und das Abstechende der stärksten Beweise dieser Art gegen Beweise, die aus der Natur der Dinge fliesten, ist so auffallend, daß alle Kunst, dieses Auffallende zu vermindern, dieses Abstechende durch allerley Schattirungcn sanfter zu machen, vergebens ist. Is. Das zwcvte Fragment sagt eine Menge vollkommen richtiger, ganz lingczwcifcltcr Dinge. ES mag nichts als solche Dinge enthalten! Der Beweis, daß eine Offenbarung, die alle Menschen auf eine gegründete Art glauben könnte», unmöglich sey, sey mit aller Strenge geführt. Und er ist es wirklich. Führt er aber seine Beantwortung nicht gleich mit sich? Wenn eine solche Offenbarung unmöglich ist, — nun freylich: '.'csimgs W-i'kc x, 2 Zur Geschichte und Litteratur. Vierter Beytrag. so hat sie auch Gott nicht möglich machen können. Allein, wenn min gleichwohl eine Offenbarung nützlich und nöthig ist: sollte Gott dem ohngcachtct lieber gar keine ertheilen, weil er keine solche ertheilen konnte? Sollte Gott dem ganzen menschlichen Geschlechte diese Wohlthat vorenthalten, weil er nicht alle Menschen zu gleicher Zeit, in gleichem Grade daran Theil nehmen lassen konnte? Wer hat das Herz, hierauf mit Za zu antworten? Genug, wenn die höchste Weisheit und Güte bey Ertbci- lung der Offenbarung, die sie in jener Allgemeinheit und All- klarhcit nicht gewähren konnte, nur denjenigen Weg gcwählet hat, ans welchem in der kürzesten Zeit die meisten Menschen des Genusses derselben fähig wurden. Oder getraut sich jemand zu zeigen, daß dieses nicht geschehen? daß die Offenbarung, zu einer andern Zeit, einem andern Volke, in einer andern Sprache ertheilet, mehrere Menschen in kürzerer Zeit mit den Wabrhci- ten und den Vcwcgungsgründcn zur Tugend hätte ausrüsten können, deren sich itzt die Christen, als Christen, rühmen dürfen? Wer sich dieses getraut, der nenne mir vorläufig doch nur erst ein Volk, in dessen Händen das anvertraute Pfund der Offenbarung wabrschcinlichcr Weise mehr gewuchert haben würde, als in den Händen des Jüdischen. Dieses unendlich mehr verachtete als verächtliche Volk ist doch, in der ganzen Geschichte, schlechterdings das erste und einzige, welches sich ein Geschäft daraus gemacht, seine Religion mitzutheilen und auszubreiten. Wegen des Eifers, mit welchem die Juden dieses Geschäft betrieben, bestrafte sie schon Christus, verlachte sie schon Horaz. Alle andere Völker waren mit ihren Religionen entweder zu geheim und zu neidisch, oder viel zu kalt gegen sie gesinnt, als daß sie für derselben Ausbreitung sich der geringsten Mühwal- tung hätten unterziehen wollen. Die christlichen Völker, die den Juden in diesem Eifer hernach gefolgt sind, überkamen ihn blos, in so fern sie auf den Stamm des Iudcnthums gepfropft waren. Wenn denn nun aber gleichwol, würde unser Verfasser in- sistircn, eine gegründete Kenntniß der Offenbarung, die alle Ein Mchrercs ans i>cn Papieren des Ungenannten. t!> Mensche» lmmöglich haben können, allen Menschen zur Seligkeit unumgänglich nöthig ist: wie kommen die Millionen dazu —? Laßt nns einen so grausamen Gedanken auch nicht einmal ansdcnkcn! — Weh dem menschlichen Geschlechte, wenn nichts diesem Gedanken entgegen zu setzen, als etwa, — daß der Verfasser die Summe gezogen, ehe die Rechnung Hochgeschlossen, und man zu ihm sagen könnte: „das Christenthum ist auf „ewige Zeiten; es gewinnt alle Jahre neuen Boden, obgleich „weder Missionen noch gelehrte Erweise seiner Wahrheit diesen „neuen Boden gewinnen helfen; wenn schon in den letzten „Jahrhunderten der christlichen Völker nicht viel mehr geworden, so sind unter diesen christlichen Völkern doch gewiß mehr „Christen geworden; die Zeit muß kommen, da dieses umncrk- „ liche Wachsthum der Welt mit Erstaunen in die Augen leuchten wird; der glückliche Windstoß muß kommen, welcher die „noch zcHrcuctcn Flammen in Einen alles umfassenden Brand „vereiniget; so daß am Ende die Zahl der Verlornen sich zu „der Zahl der Geretteten eben so verhalten wird, als noch „itzt die Zahl der Geretteten sich zu der Zahl der Verlornen „verhält." — Weh dem menschlichen Geschlechte, wenn nur dieses — oder etwa noch irgend ein armseliges Distinctiönchcn, es trösten soll! — Daß man zwischen der Offenbarung und den Büchern der Offenbarung einen Unterschied machen müsse; daß jene nur eine einzige sehr faßliche Wahrheit sey, deren Geschichte in diesen enthalten; daß die Seligkeit nicht an die mühsame Erforschung dieser, sondern an die herzliche Annahme jener gebunden sey, welches in den einzeln Posten der Rechnung große Ausfalle machen müsse. — Denn Weh dem menschlichen Geschlechte, wenn in dieser Gekonomic Vcs -Heils auch nur eine einzige Seele verloren geht. An dem Verluste dieser einzigen müssen alle den bittersten Antheil nehmen, weil jede von allen diese einzige hatte seyn können. Und welche Seligkeit ist so übcrschwänglich, die ein solcher Antheil nicht vergällen könnte? Aber wozu dieser Parcnthvrsus? — Eine so unverschuldete Niederlage der Menschen, ein von Gott selbst der Hölle so in -> >M ^ 20 Zur Geschichte nnd Litteratur. Vierter Beytrag. die Hände gespielter Sieg, ist ein elendes Hirngcspinnst. Man gehe dem blinden Lärmen nur auf den Grund. Ein Wort: und er ist beygelegt. Daß nehmlich die Offenbarung auch für diejenigen Menschen zur Seligkeit nöthig scv, die gar keine, oder doch keine gegründete Kenntniß davon erlangen können: ist weder die Lehre Christi, noch jemals die allgemein anerkannte Lehre der Kirche gewesen. Selbst die, die sich, in allen den verschiedenen Gemeinden derselben, am härtesten darüber ausgedrückt haben, die jener allgemeinen Nothwendigkeit nichts vergeben zu dürfen geglaubt, sind den traurigen Folgerungen doch ausgcwichcn, und haben mit der andern Hand wiedergegeben, was sie mit der einen genommen. Es ist gleichviel, mit wie guter oder schlechter Art sie dieses gethan; wie unphilosophisch sie dabey gedacht; wie treu oder nicht treu sie ihrem eignen System dabey geblieben: genug, sie haben es doch gctban, und haben es gern nnd freudig gethan. Ihr bloßer Wunsch rechtfertiget ihr Herz: und ihr Gcständniß, daß Gott dispcnsircn könne, wo es der Tbcoloq nicht könne, daß Gott Auswege wissen werde, wo es auch nicht einmal der Dispcnsation bedürfe, versöhnet mit ihrem Svsicm. Und hier ist es, wo ich die allgemeine Anmerkung gegen unsern Verfasser, die ich schon angedeutet, ausdrücklich wiederholen muß; die ihm aber eben so wohl zur Entschuldigung als zmn Tadel gereicht. Er nimmt alles, was ein gewisses in gewissen symbolischen Büchern vorgetragenes Svstcm des Christcn- thums begreift, für das einzig wahre, eigentliche Christenthum. Sätze, ohne welche das Christenthum nicht bestehen kann, welche von dem Stifter mit ausdrücklichen Worten gclchrct worden, und Sätze, welche man blos zur bessern Verbindung jener eingeschaltet, oder aus ihnei» folgern zu müssen vcrmcvnct, sind ihm Eins. Gleichwohl ist billig und recht, daß bey Bestreitung des Christenthums alle Scctcn für Einen Mann zu stehen angenommen werden, und eigentlich nichts wider das Christenthum für gültig zu achten, als worauf keine von allen diesen Scctcn antworten kann. Aber von dicscr Art sind doch wahrlich nicht, wcdcr die Lehre von der gänzlichen Verderbnis; der menschlichen Vernunft in göttlichen Dingen, gcgcn welche er in dem ersten X^«^ ^W» / ,:.»K'Z55.-?.!4>i. Ein MchrcicS ans den Papieren des Ungenannten. 21 Fragmente so gutes Spiel hatte; noch die Lehre von der u»- »mgäiiglichcii Nothwendigkeit eines klaren und deutlichen Glaubens zur Seligkeit, auf welche dieses zweyte Fragment hinaus läuft; noch auch die Lehre von der Thcopncvstic, wie er sie (S. 358.) vorträgt, aber frcvlich auch vortragen mußte, um allen seinen Einwürfen, selbst den geringfügigsten, einen gleich hohen Grad des Belangs zu verschaffen. — So wenigstens muß ich aus dem, was vor uns liegt, urtheilen. III. Der Einwurf des dritten Fragments ist schon oft gemacht, und oft beantwortet worden. Aber wie ist er beides? Sicherlich ist er noch nie so gründlich, so ausführlich, allen Ausflüchte» so vorbeugend gemacht worden, als hier. Und nun versuche mau, wie viel die Antworten eines Clcricus, eines Calmer, eines Saunn, eines L.ilicnlhals dagegen verschlagen. Zch furchte, sehr viel wohl nicht. Nothwendig wird der Orthodox also ganz auf etwas Neues denken müssen, wenn er sich aus seinem Posten nicht zu behaupten weiß, und seiner Sache doch nichts vergeben will. Er wird ihr aber nicht wenig zu vergeben glauben, wenn er die Unmöglichkeit, daß eine so große Menge in so kurzer Zeit einen solchen Weg machen können, cingcstchcn und sich damit zu retten suchen wollte, daß also wohl in dem Texte die Zahl des ausziehenden Volks verschrieben seyn möge; daß anstatt sechs mal hundert tausend streitbarer Mann, nur deren sechzig tausend, nur sechs tausend ausgezogen. — Zch nun freylich wohl wüßte nicht, was ein solcher Schreibfehler, wenn er auch noch so wissentlich wäre begangen worden, eben verderben würde. In den ältesten Zeiten verband man mit große» Summen »och sehr »»deutliche Begriffe, »nd es geschah wol oft ganz unschuldiger Weise, wenn man eine sehr große Zahl bald durch diese, bald durch ri»c andere Anzahl ausdrückte. Man hätte viel zu bezweifeln, wenn man an alle» den alten Schlachten zweifeln wollte, bey welche» die Zahl der gebliebene» Feinde von dem einen Schriftsteller so, von dem andern anders, und von allen weit größer angegeben wird, als sich mit andern zugleich erzählten Umstände» reimen läßt. Warum sollte man ? ! '..'.'>7-..>-<^ - -. .^-iÄ^^^ 22 Zur Geschichte und Litteratur. Vierter Beytrag. mit Wundern es genauer nehmen wollen, bey welchen auf die Zahl derer, zu deren Besten oder zu deren Züchtigung sie geschehen, weit weniger ankömmt, — ganz und gar nichts auf ihr beruhet? Denn ob Moses mit seinem Stäbe das Meer theilet, und Millionen trockncs Fußes hindurchführct, oder ob Elisa mit dem Mantel seines Meisters das nehmliche an dem Jordan thut, und blos für seine Person hindurchgehet: ist dieses nicht ein eben so gutes Wunder, als jenes? So freylich würde ich denken. Aber allerdings kann der Orthodox so nachgebend nicht wohl seyn, so lange noch eine Möglichkeit untersucht ist, die Sache bis in den kleinsten Buchstaben zu retten. — Wie vielleicht hier. — Denn wie, wenn das Wunder folgender Gestalt erfolgt wäre? — Als die Zsrac- liten an einen Arm des Arabischen Meerbusens gelangt waren, durch welchen sie nothwendig mußten, wcnn sie ihren Verfolgern nicht in die Hände fallen wollten: so trieb ein starker Wind — man nehme die Ebbe zu Hülfe, wenn man will — das Wasser aus diesem Arme 5Nccr ein, und hielt es so lange zurück, bis sie mit aller Gemächlichkeit hindurch gegangen waren. Indeß suchte daS obcrwärtS gestauchte Wasser einen andern Ablauf, brach hinter den Zsraclitcn durch, stürzte sich eine» neuen Weg wieder L.and ein, und in diesem neuen Arme war eS, wo die Aegypticr ihren Untergang fanden. Was könnte ungezwungener seyn, als diese Vorstellung? Ist eS nicht die Natur des Wassers, daß es, in seinem gewöhnlichen Ablaufe gehindert, die erste die beste schwache oder niedrige Stelle dcS Ufers übersteigt oder durchreißt, und ein neues Bette sich wühlet? Und welche Schwierigkeit unsers Fragments bleibt durch diese Vorstellung noch ungchobcn? Die Zsraclitcn, deren so viel seyn mögen, als man will, brauche» nun nicht zu eilen; sie können mit Rindern und Kindern, mit Sack und Pack nun so langsam ziehen, als sie nur immer nöthig haben; sind sie gleich beym Eintrittc der Morgcnwachc schon eben nicht über den ganzen breiten ausgetrockneten Arm, so ist das Wasser dieses ArmcS doch nun schon hinter ihnen, und ihre Feinde ersaufen in eben dem Wasser, auf dessen Vodcn sie ihnen entkomme». Ein Meyrcrcs aus dc» Papiere» c,s Ungenannten, '.'.! Ich wußte nicht, daß irgend ci» Ausleger sich eine ähnliche Vorstellung gemacht, und den Text darnach behandelt hätte, der sich gewiß in sehr vielen Stellen ihr ungcmcin fugen würde; ihr in allen besser fugen würde, als jeder andern Vorstellung. Za, die Sache noch so genau genommen, sehe ich nur ein einziges Wort in der Mosaischen Erzählung Luthers, das ihr entgegen zu seyn scheinet. Nehmlich: und das Meer kam wieder für Morgens in seinen Strom: oder wie es Hr. Michaelis übersetzt: da kam das Masser um die XNorgen- zeir rvieder, und hielt seine gewöhnlich« Fluch. Wenn es sein Strom war, in welchen das Meer zurückkam; wenn es seine gewöhnliche Fluch war, mit welcher es zurückkam: so scheinet ein neuer Arm, ein neuer Ausfluß freylich mehr als eigenmächtig angenommen zu seyn. Luther zwar hat ganz das Ansehen, hier mehr der Vulgata als dem Grundtextc gefolgt zu seyn, welche sagt: maro rouersuni vkt ^>rin>o rliluculo sä ririorvi» locum; und Hr. Michaelis dürfte leicht ein wenig zu viel von seiner Hypothcs in den Tcrt getragen haben. Denn nach den Worten heißt es in diesem doch nur: und das Meer kam wieder am Morgen in seiner Stärke; so daß es noch nicht einmal entschieden ist, ob das Meer in seiner Stärke wiedergekommen, oder ob es wiederkam, als der Morgen in seiner Stärke war. Doch dem sey, wie ihm wolle. Meine Auslegung lasse sich, oder lasse sich nicht vertheidigen: ich bin weit entfernt, zu glauben, daß der Orthodox gcnöthiget sey, zu einem Einfalle von mir seine Zuflucht zu nehmen. Er braucht, wie gesagt, nur auf seinem Posten sich zu behaupten, und er kann alle die sinnreichen Einfälle entbehren, mit welchen man ihm zu Hülfe zu kommen den Schein haben will, und in der That ihn nur aus seiner Vcrschanzung heraus zu locken sucht. Ich nenne aber seinen Posten, den kleinen, aber unüberwindlichen Bezirk, außer welchem ihn gar keine Anfälle beunruhigen müßten; die Eine befriedigende Antwort, die er auf so viele Einwürfe ertheilen kann, und soll. Als hier. „Wenn „denn nun aber, darf er blos sagen, der ganze Durchgang „ein Wunder war? Wenn das Wunder nicht blos in der Auf- ,trocknung des Meerbusens bestand, wen» auch die Gcschwin- __ 24 Zur Geschichte und Litteratur. Vierter Beytrag. ,digkcit, mit welcher cinc solche Menge in so kurzer Zeit herüberkam, mit zu dem Wunder gehört? — Zch habe gar nichts ,darwider, daß man bey dem ersten Stücke dieser wunderbaren Begebenheit auch natürliche Ursachen wirksam seyn laßt; ,nicht den Wind blos, dessen die Schrift selbst gedenket; sondern ,auch die Ebbe, von der die Schrift nichts sagt: und wcnn ,man an einer Ebbe nicht genug hat, meinetwegen auch zwey ,auf einander folgende Ebben, Ebbe auf Ebbe, von welcher ,weder die Schrift, noch die Admiralitäts Lohtsen in Curha- ,fen etwas wissen (°). Zch gebe es gern zu, daß es zu einem ,Wunder genug ist, wcnn diese natürlichen Ursachen nur nicht ,itzt, oder itzt nicht so und so wirksam gewesen waren, und ihre ,dermaligc so beschaffene Wirksamkeit, die unmittelbar i» dem , Willen Gottes gegründet ist, gleichwohl vorhcrgcsagt worden. ,Zch gebe das gern zu: nur muß man mit dem, was ich zugebe, mich nicht schlagen wollen; nur muß man das, wo- ,von ich zugebe, daß es bey einem Wunder, dem Wunder unbeschadet, seyn könne, nicht zu einer unumgänglichen Erfordernis) des Wunders überhaupt machen; man muß ein Wunder, weil sich keine natürlichen Kräfte angeben lassen, deren ,sich Gott dazu bedienet, nicht platterdings verwerfen. Die ,Auftrockiiung des Meerbusens geschahe durch Ebbe und Wind; ,gut: und war doch ein Wunder. Die Geschwindigkeit, mit ,der das Volk herüber kam, ward — freylich weiß ich nicht ,wie bewirkt: aber ist sie darum weniger ein Wunder? Sie ,ist gerade Wunders um so viel mehr. Es klingt allerdings ,ganz sinnreich, wcnn sich euer Verfasser (S. 372.) verbittet, , daß man den Israclitcn und ihren Gcbsen und Rarrcn ,nur keine Flügel gebe- Indeß sagt doch Gott selbst, daß er ,die Zsraclitcn auf Adlcreflügcln (2. Mos. 1!). 4.) auS Aegyp- ,ten getragen habe: und wcnn die Sprache nun kein Wort ,hat, die Art und Weise dieser wunderbaren Geschwindigkeit , auszudrücken, als diese Metapher? Erlaubt mir immer, daß ich auch in einer Metapher, die Gott braucht, mehr Wirkliches schc, als in allcn eurcn symbolischcn Demonstrationen. (°) S. Nicbuhrs Beschreibung von Arabien, S, 414. »'.^«/iK.«.^K-Z Ein Mehrcres aus den Papieren des Ungenannten. 2Z Und wenn der Orthodox so antwortet, wie will man ihm bcykommcn? Man kann die Achseln zucken über seine Antwort, so viel man will; aber stehen muß man ihn doch lassen, wo er steht. Das ist der Vortheil, den ein Mann hat, der seinen Grundsätzen treu bleibt, und lieber nicht so ausgemachten Grundsätzen folgen, als ihnen nicht conscqucnt reden und handeln will. Diese Conscauenz, vermöge welcher man voraussagen kann, wie ein Mensch in einem gegebnen Falle reden und handeln werde, ist es, was den Mann zum Manne macht, ihm Charakter und Stetigkeit giebt; diese großen Vorzüge cnics denkenden Menschen. Charakter und Stetigkeit berichtigen sogar mit der Zeit die Grundsätze; denn es ist unmöglich, daß ein Mensch lange nach Grundsätzen handeln kann, ohne es wahrzunehmen, wenn sie falsch sind. Wer viel rechnet, wird es bald merken, ob ihm ein richtiges Einmaleins beywohnet, oder nicht. Nicht also die Orthodoxie, sondern eine gewisse schielende, hinkende, sich selber ungleiche Orthodoxie ist so ekel! So ekel, so widerstehend, so aufstoßcnd! — Das wenigstens sind die eigentlichen Worte für meine Empfindung. IV. Das Alte Testament weiß von keiner Unsterblichkeit der Seele, von keinen Bclohnnngcn und Strafen nach diesem Leben. Es sey so. Ja, man gehe, wenn man will, noch cincn Schritt weiter. Man behaupte, das A. T. oder doch das Israelitische Volk, wie wir es in den Schriften des A. T. vor den Zeiten der Babylonischen Gefangenschaft kennen lernen, habe nicht einmal den wahren Begriff von der Einheit Gottes gehabt. Wenn man das Volk meinet, und einzelne erleuchtetere Seelen, dergleichen die heiligen Schriftsteller selbst waren, davon aus- niinmt: so kann auch die Behauptung zu einem hohen Grade von Wahrscheinlichkeit getrieben werden. Gewiß ist es wenigstens, daß die Einheit, welche das Israelitische Volk seinem Gottc beylegte, gar nicht die transcendentale metaphysische Einheit war, welche itzt der Grund aller natürlichen Theologie ist. Bis zu der Höhe hatte sich der gemeine menschliche Verstand in so frühen Zeiten noch nicht erhoben, am wenigsten unter einem Volke erhoben, dem Künste und Wissenschaften so unan- '.'6 Zur Geschichte und Litteratur. Vierter Beytrag. gelegen waren, und das sich aller Gemeinschaft mit unlcrrich- tetcrn Völkern so hartnäckig entzog. Bey dem wahren achten Begriffe eines einigen Gottes, hätte dieses Volk unmöglich so oft von ihm abfallen, lind zu andern Göttern übergehen können. Es würde die falschen Götter nicht des nehmlichen Nahmens gcwürdigct haben; es würde den wahren Gott nicht so aus- schliessungsweise seinen Gott, den Gott seines Landes, den Gott seiner Väter genannt haben. Kurz, der Einige hieß bey ihm nichts mehr, als der Erste, der Vornehmste, der Vollkommenste in seiner Art. Die Götter der Heiden waren ihm auch Götter; aber unter so vielen Göttern konnte doch nur einer der mächtigste und weiseste seyn; und dieser mächtigste und weiseste war sein Zchova. So lange es keinen Grund fand, an der Macht und Weisheit, in welchen sein Gott den Göttern aller andern Völker überlegen war, zu zweifeln: so lange hing es ihm an. Kaum aber glaubte es zu erkennen, daß dieses oder jenes benachbarte Volk, durch Vorsorge seines Gottes, irgend eines Wohlstandes genoß, der ihm abging, den ihm also sein Zchova nicht gewähren konnte, oder nicht gewähren wollte: so wich es hinter ihm ab, und hurte mit den Göttern des vermeinten glücklichern Volks, von welchen cs nicht eher wieder zurück kam, als bis es seine Lust gcbüßct hatte, und durch den Verlust größerer Güter, durch Verwahrlosung des wesentlichem Wohlstandes gebüßt hatte. Nur als es in der Babylonischen Gefängniß seinen Verstand ein wenig mehr hatte brauchen lernen; als cs ein Volk näher hatte kennen lernen, das sich dcn Einigen Gott würdiger dachte; als nun erst selbst die Schriften seines Gesetzgebers und seiner Propheten unter ihm gemeiner wurde»; als es sahe, wie viel große unerkannte Wahrheiten in diesen Schriften lagen, oder sich hineinlegen ließen; als cs erkannte, wie selbst nach dicscn Schriften, seinem Zchova cme weit crhabncrc Einheit zukomme, als dic, welche ihn blos an dic Spitze aller andern Götter setzte: ward es auf einmal ein ganz andres Volk, und alle Abgöttcrey hörte unter ihm auf. Wenn dicsc plötzliche Veränderung, dic kcin Mensch leugnen kann, nicht durch den veredelten Begriff zu erklären, den cs sich nun von scincm eignen Gottc machte: so ist sie durch nichts zu erklären. Man Ein MchrercS ans den Papieren des llnaciiainiieii. 27 kann cincm Nationalgott untreu wcrdcn, aber nie Gott, sobald man ihn einmal erkannt hat. Wie gesagt; man thue, über die Einwürfe dcS vierten Fragments, auch noch diesen Schritt hinaus, und füge hinzu: daß, so wie Moses selbst im Anfange seiner Sendung von dem Unendlichen keinen Begriff hatte, — würde er ihn sonst nach seinem Namen gefragt haben? — sich Gott zu ihm herabließ, und sich ihm nicht als den Unendlichen, sondern blos als eine von den besondern Gottheiten ankunsigre, unter welche der Aberglaube Länder und Völker vertheilet hatte. Gott ward der Gott der Ebrccr; und wenn die Ebrccr ihren Gott nun einmal satt hatten, was war natürlicher, als daß sie es mit cincm andern versuchen wollten? Aucb so noch — wenn man dem alten Israelitischen Volke, selbst diesen großen mehr Hergebrachren als erwiesenen Vorzug, den einigen wahren Gott gekannt zu haben, mit Grunde streitig machen konnte — auch so noch getraute ich mir die Wcgc Gottcs mit ihm zu rechtfertigen. Auf die Göttlichkeit der Bücher des A. T. ist aus dergleichen Dingen wenigstens gar nichts zu schlicsscn. Denn diese muß ganz anders, als aus den darinn vorkommenden Wahrheiten der natürlichen Religion erwiesen wcrdcn. Wahrheiten, die allcrdcutlichstcn, dic allcrcrbabcnstcn, die allcrticfstcn von dieser Art, kann jedes andere eben so alte Buch enthalten, wovon wir itzt die Beweise haben; Beweise, welche so manchen gelehrten Soritcs für dic Göttlichkeit der Bibel fehlerhaft machen, in welchem dic allein in dem A. T. gelehrte Einheit Gottcs ein Glied ist. Die heiligen Bücher der Brammen müssen es an Alter und an würdigen Vorstellungen von Gott mit den Büchern des A. T. aufnehmen können, wenn das Ucbrigc den Proben entspricht, dic uns itzt erst zuverlässige Männer daraus mitgcthcilct haben. Denn obscbon der Menschliche Verstand nur sehr allmälig ausgebildet worden, und Wahrheiten, dic gegenwärtig dem gemeinsten Manne so einleuchtend und fasslich sind, einmal sehr unbegreiflich, und daher unmitcl- barc Eingebungen der Gottheit müssen geschienen haben, und als solche auch damals nur haben angenommen wcrdcn können: M 5-k ^ -^^ 28 Zur Geschichte und Litteratur. Licrlcr Beytrag. so hat es doch zu allen Zeiten und in allen Ländern privilcgirtc Seelen gegeben, die aus eignen Kräften über die Sphäre ihrer Zcitvcrwandtcn hinausdachten, dem größer» Lichte entgegen eilten, und andern ihre Empfindungen davon, zwar nicht mittheilen, aber doch erzählen konnten. Was sich also von dergleichen Männern hcrschrcibcn kann, deren noch itzt von Zeit zu Zeit einige aufstehen, obnc daß man ihnen immer Gerechtigkeit widerfahren läßt, das kann zu keinem Beweise eines unmittelbar göttlichen Ursprungs gebraucht werden. Kann es diesen Ursprung aber nicht erweisen, da wo es vorhanden ist: so kann es diesen Ursprung auch nicht widerlegen, da wo es mangelt; und Bücher können gar wol von Gott seyn, durch eine höhere Eingebung Gottes verfaßt seyn, ob sich schon nur wenige, oder gar keine, Spuren von der Unsterblichkeit der Seelen und der Vergeltung nach diesem Leben, darinn finden. Diese Bücher können sogar eine sclig- machcndc Religion enthalten; das ist, eine Religion, bey deren Befolgung sich der Mensch seiner Glückseligkeit so weit versichert halten kann, als er hinausdenkt. Denn warum dürste eine solche Religion sich nicht nach den Grenzen seiner Sehnsucht und Wünsche fügen? Warum müßte sie nothwendig erst die Sphäre dieser Sehnsucht und Wünsche erweitern? Freylich wäre eine solche scligmachcndc Religion nicht die scligmachcndc Ehristiichc Religion. Aber wen» denn die Christliche Religion nur erst zu einer gewissen Zeit, in einem gewissen Bezirke erscheinen konnte, mußten deswegen alle vorhergehende Zeiten, alle andere Bezirke keine scligmachcndc Religion haben? Zch will es den Gottcsgclchrten gern zugeben, daß aber doch das Scligma- chenve in dcn vcrschiedncn Religionen immcr das Nehmliche müsse gewesen seyn: wenn sie mir nur hinwicdcrum zugeben, daß darum nicht immer die Mcnschcn dcn nehmlichen begriff' damit müsscn verbunden haben. Gott könnte ja wol in allen Religionen die guten Mcnschcn in der nehmlichen Dctrach» tnng, aus dcn nehmlichen Gründen sclig machcn wollen: ohne darum allen Mcnschcn von dicscr Betrachtung, von dic- scn Gründen dic nehmliche Offenbarung ertheilt zu haben. — -XT«^. ^ ein MehrcrcS aus den Papieren des Ungenannten. 29 Unter einem gewissen Zirkel von Freunden ist vor einiger Zeit ein kleiner Aussatz in der Handschrift herum gegangen, welcher die ersten Linien zu einem ausführlichen Buche enthielt, und überschrieben war: Die Erziehung vcs Menschengeschlechts. Ich muß bekennen, daß ich von einigen Gedanken dieses Aufsatzes bereits wörtlich Gebrauch gemacht habe. Was hindert mich also, oder vielmehr, was ist also schicklicher, als daß ich den Anfang desselben in seinem ganzen Zusammenhange mittheile, der sich auf den Inhalt unsers vierten Fragments so genau beziehet? Die Indiskretion, die ich damit begehe, weiß ich zu verantworten; und von der Lauterkeit der Absichten des Verfassers bin ich überzeugt. Er ist auch bey weitem so hctcrodox nicht, als er bey dem ersten Anblicke scheinet, wie ihm auch die schwierigsten Leser zugestehen werden, wenn er einmal den ganzen Aufsatz, oder gar die völlige Ausführung desselben, bekannt zu machen, für gut halten sollte. Hier ist indeß, wie gesagt, der Anfang,") — des verwandten und genutzten Inhalts wegen. Die Erziehung des Menschengeschlechts. « - » - ' lind so gelangt der Verfasser zu dem zweyten grossen Schritte in der Erziehung des Menschengeschlechts. Auf die kindischen BcwcgungSgründc zum Gcborsam, folgen die ungleich mcbr anspornenden Aussichten des Jünglings. Künftige Ehre, künftiges Wohlleben, tritt an die Stelle der gegenwärtigen Näscherei?, des gegenwärtigen Spielzeugs. Doch alle diese fernern Spekulationen gehören nicht zu unserer Sache, und ich breche ab. Auch giebt man einen Vorschmack nicht mit der ganzen Schüssel. V. Ueber die Widersprüche in der Aufcrstchungsgcschichtc, welche das fünfte Fragment uns so nahe legt, dächte ich nun so. H. Die Zeugen der Auferstehung Christi sind nicht die nehmlichen Personen, die uns die Nachricht von der Aussage dieser °) Die ersten SZ Paragraphen. .>>->ij^--_ -F^M.^ZMWMMMWl^^ 30 Zur Geschichte und Litteratur. Vierter Beytrag. Zeugen überliefert haben. Denn wenn schon in einem lind dem andern beide Charaktere zusammen kommen, so ist doch nnwidcr- sprcchlich, daß kein einziger Evangelist bey allen und jeden Erscheinungen Ehristi gegenwärtig gewesen. H. Folglich sind zwcycrlcy Widersprüche hier möglich. Widersprüche unter den Zeugen, und Widersprüche unter den Geschichtschreibern der Aussage dieser Zeugen. §. Sind Widersprüche unter den Zeugen vorhanden? — Dergleichen konnten nur seyn, wenn ein Evangelist über den einzeln Fall, bey welchem er selbst Augenzeuge gewesen, sich selbst widerspräche: oder wenigstens, wenn mehrere Evangelisten über den nehmlichen einzeln Fall, bey welchem jeder gegenwärtig gewesen, sich unter einander widersprächen. Dergleichen Widersprüche sind mir unbekannt. §. Sind Widersprüche unter den Zeugen vorhanden gewesen? — Anscheinende: warum nicht? Denn die Ersabrung giebt es, und es kann schlechterdings nicht anders seyn, als daß von mchrern Zeugen nicht jeder die ncbmlichc Sache, an dem nehmlichen Orte, zu der nehmlichen Zeit, anders sehen, anders hören, folglich anders erzählen sollte. Denn eines jeden A»s- mcrksamkcit ist anders gestimmt. Ich halte es sogar für unmöglich, daß der nehmliche Zcnge von dem nehmlichen Vorfalle, den er mit aller vorschlichen Aufmerksamkeit beobachtete, zu verschiedenen Zeiten die nehmliche Aussage machen könne. Denn die Erinnerung des Menschen von der nehmliche» Sache ist zu verschiedenen Zeiten verschieden. Er müßte denn seine Aussage auswendig gelernt haben: aber alsdann sagt er nicht, wie er sich der Sache itzt erinnerlich ist, sondern wie er sich derselben zu der Zeit, als er seine Aussage auswendig lernte, erinnerlich war. H. Sind wahre Widersprüche unter den Zcngcn vorhanden gewesen? solche, die bey keiner billigen Vcrglcichung, bey keiner nähern Erklärung verschwinden? — Woher sollen wir das wissen? Wir wissen ja nicht einmal, ob jemals die Zeugen gehörig vernommen worden? Wenigstens ist das Protokoll über dieses Verhör nicht mehr vorhanden; und wer Za sagt, hat in diesem Betracht eben so viel Grund für sich, als wer Nein sagt. Ein MchrercS aus den Papieren des Ungenannten. 31 §. Nur daß, wer Nein sagt, eine sehr gesetzliche Vermuthung für sich anführen kann, die jener nicht kann. Diese nehmlich. Der grosse Proceß, welcher von der glaubwürdigen Aussage dieser Zeugen abhing, ist gewonnen. Das Christenthum hat über die Heidnische und Züdischc Religion gesiegt. Es ist da. H. Und wir sollten geschehen lassen, daß man uns diesen gewonnenen Proceß nach den unvollständigen, unconccrtirtcn Nachrichten von jcncn, wie aus dem Erfolge zu schließen, glaubwürdigen und einstimmigen Zeugnissen, nochmals nach zwey lausend Zahren rcvidircn wolle? Nimmermehr. H. Vielmehr: so viel Widersprüche in den Erzählungen der Evangelisten, als man will! — Es sind nicht die Widersprüche der Zeugen, sondern der Geschichtschreiber; nicht der Aussagen, sondern der Nachricbtcn von diesen Aussagen. H. Aber der heilige Geist ist bey diesen Nachrichten wirksam gewesen. — Ganz recht; nehmlich dadnrck, daß er jeden zu schreiben getrieben, wie ihm die Sache nach seinem besten Wissen und Gewissen bekannt gewesen. §. Wenn sie nun dem einen so, dem andern anders bekannt war, bekannt seyn mußte? — Sollte der heilige Geist in dem Augenblicke, da sie die Feder ergriffen, lieber ibrc vcrschicd- ncn Vorstellungen einförmig, und eben durch diese Einförmigkeit verdächtig machen, oder sollte er zugeben, daß die Verschiedenheit beybehalten wurde, auf die itzt gar nichts mcbr ankömmt? §. Sagt man, Verschiedenheiten sind keine Widersprüche?.— Was sie nicht sind, das werden sie in dem zweyten und dritten Munde. Was Verschiedenbeit bey den Augenzeugen war, wird Widerspruch bey denen, welche die Sache nur von Hörensagen haben. §. Nur ein fortdauerndes Wunder hätte es verhindern können, daß in den .'ZV bis -jl) Zahren, ehe Evangelisten schrieben, solche Ausartungen der mündlichen Erzählung von der Auferstehung sich nicht cräugnct hätten. Aber was für Recht haben wir, dieses Wunder anzunehmen? Und was dringt uns, es anzunehmen? H. Wer sich irgend einen solchen Drang muthwillig schafft, der hab es. Aber er wisse auch, was ihm sodann obliegt: alle W ^ "s^^' Z^^M ^-«- 32 Zur Geschichte und Litteratur. Vierter Beytrag. die Widersprüche zu heben, die sich in den verschiedenen Erzählungen der Evangelisten finden; und sie auf eine leichtere, natürlichere Art zu heben, als es in den gewöhnlichen Harmoniccn geschehen ist. §. Daß er dabcv sich ja nicht auf dieses und jenes Werk zu sehr verlasse, dessen vielversprechender Titel ihm etwa nur bekannt ist. Ditton hat freylich die Wahrheit der christlichen Religion ans der Auferstehung demonstrarivisch erwiesen. Aber cr hat die Widersprüche der Evangelisten ganz Übergängen; entweder weil cr glaubte, daß diese Widersprüche schon längst auf die uuwidcrsprechlichste Weise gcbobcn wären, — woran ich zweifle; oder weil er dafür hielt, daß seine Demonstration, ohngcachtct aller dieser Widersprüche, in ihrer ganzen Stärke bestehen könne, — wie auch mich dünkt. §. Eben so ist TH- Sherlok in seiner gerichtlichen Prüfung der Zeugen der Auferstehung verfahren. Er erklärtet, daß die eigentlichen Zeugen allen Glauben verdienen; aber aus die Widersprüche in den Erzählungen der Evangelisten läßt cr sich nicht ein. §. Der einzige Gilbcrt Mcst hat diese Widersprüche znm Theil mit in scincn Plan ziehen zu müssen geglaubt. Wen indcß scine ewigc Vervielfältigung der nchmlicbcn Personen und Erscheinungen beruhigen kann, der muß so schwer eben nicht zu beruhigen scon. H. Folglich findet der Mann, der die Unlrüglichkcit der Evangelisten in jedem Worte behauptet, auch hier nocb nnbc- arbcitctcs Feld genug. Er versuche es nun, und beantworte die gerügten zehn Widersprüche unsers Fragments. Aber cr beantworte sie alle. Dcnn diesem und jcncn nur etwas wabr- schciulichcs entgegen setzen, und die übrigen mit trünnphircndcr Verachtung übergehen, heißt keinen beantworten. ^ ^^^iV VMV-MMLT^ Ueber den Beweis des Geistes und der Kraft. — öi« ra; rkga^'lo'v; övi'«,>lklz, «; x«r«c7xk'va<^ko?- ^>kz,o?'kv«l, x«^ ix »o?.XllV /tiv <Ä-Xiov, x«t kx rov lX^? «i^r^i- «r-. <7!0^-cr^«l, -r«l>« 5>x5 v.«r« ro /Zo^?/iz>^« ^o'u Xo)>o^> /Z^o^iül. !Ztzl).X,c> ?-5,>v? ist; so weiß ich nicht, was Aristoteles sonst unter dieser Benennung verstanden. Man sagt freylich: aber eben der Christus, von dem du bi- storisch mußt gelten lassen, daß er Todte erweckt, daß er selbst vom Tode erstanden, hat es selbst gesagt, daß Gott einen Sohn gleiches Wesens habe, und daß Er dieser Sohn sey. Das wäre ganz gut! Wenn mir nicht, daß dieses Christus gesagt, gleichfalls nicht mehr als historisch gewiß wäre. Wollte man mich noch weiter verfolgen und sagen, „O doch! „das ist mehr als historisch gewiß; denn inspirirte Geschichtschreiber versichern cS, die nicht irren können:" So ist auch das, leider, nur historisch gewiß; daß diese Geschichtschreiber inspirirt waren, und nicht irren konnten. ^^'^^l^^ -^ ^ ^_ 38 Uebcr dc» Beweis des Geistes und der Kraft. Das, das ist der garstige breite Graben, über den ich nicht kommen kann, so oft und ernstlich ich auch den Sprung versucht habe. Kann mir jemand hinüber helfen, der tbu es; ich bitte ihn, ich beschwöre ihn. Er verdienet ein Gotteslohn an mir. Und so wiederhole ich, was ich oben gesagt, mit den nehmlichen Worten. Zch leugne gar nicht, daß in Christo Weissagungen erfüllt worden; ich leugne garnicht, daß Christus Wunder gethan: sondern ich leugne, daß diese Wunder, seitdem ihre Wahrheit völlig ausgchörct hat, durch noch gegenwärtig gangbare Wunder erwiesen zu werden; seitdem sie nichts als Nachrichten von Wundern sind, (mögen doch diese Nachrichten so unwidersprochen, so unwidcrsprcchlich fern, als sie immer wollen:) mich zu dem geringsten Glauben an Christi anderweitige Lehren verbinden können und dürften. Was verbindet mich denn dazu? — Nichts, als diese Lehren selbst, die vor 18 hundert Jahren allerdings so neu, dem ganzen Umfange damals erkannter Wahrheiten so fremd, so un- einvcrlciblick waren, daß nichts geringcrs als Wunder und erfüllte Weissagungen erfordert wurden, um erst die Menge aufmerksam darauf zu machen. Die Menge aber auf etwas aufmerksam machen, heißt, den gesunden Menschenverstand auf die Spur bclffcn. Auf die kam er; auf der ist er: und was er auf dieser Spur rechts und links aufgejaget, das, das sind die Früchte jener Wunder und erfüllten Weissagungen. Diese Früchte sähe ich vor mir reisten und gereist, und ich sollte mich damit nicht sättigen dürffcn? weil ich die alte fconnnc Sage, daß die Hand, die den Saamcn dazu ausgestreuet, sich siebenmal bey jedem Wurfe in Schueckenblutc waschen müssen — nicht etwa leugnete, nicht etwa bezweifelte — sondern blos an ihren Ort gestellt scvn liesse? — Was kümmert cS mich, ob die Sage falsch oder wahr ist: die Früchte sind trefflich. Gesetzt es gäbe eine grosse nützliche mathematisibc Wahrheit, auf die der Erfinder durch einen offenbaren Trugschluß gekommen wäre: — (Wenn es dergleichen nicht giebt: so könnte eS doch dergleichen geben.) — leugnete ich darum diese Wahrheit, entsagte ich darum, mich dieser Wahrheit zu bedienen, wäre ?as Testament Johannis. l'/.' ich darum ein undankbarer Lästerer des Erfinders, weil ich aus seinem anderweitigen Scharfsinne nicht beweisen wollte, es für bcwcislich daraus gar nicht hielt, daß der Trugschluß, durch den er auf die Wahrheit gestoßen, kein Trugschluß seyn könne? — — Ich schliesst, und wünsche: möchte doch alle, welche das Evangelium Zohannis trennt, das Testament Johannis wieder vereinigen! Es ist freylich apokryphisch, dieses Testament: aber darum nicht weniger göttlich. Das Testament Johannis. — >>»i !» i'eclus Ilommi rvlüiku» >w iniriMmo fuiUL IiituNl rivulum tluclriunrum. //i'e^o/iz/m!,». Ein Gespräch. 1 7 7 7. Er und Ich. Er. Sie waren sehr sir mit diesem Bogen:(") aber man sieht es diesem Bogen auch an. Zch. So? Er. Sie Pflegen sonst deutlicher zu schreiben. Ich. Die größte Deutlichkeit, war mir immer die größte Schönheit. Er. Aber ich sehe: Sie lassen sich auch fortreißen. Sie fangen auch an, zu glauben, nur immer auf Umstände anspielen, die (°) Ucbcr den Bcwcis des Geistes und der Kraft. >-^^^^^^^FMVl i-'/" ^ ^Ä5tt>< 40 Das Testament Johamiis. unter hundert Lesern nicht einem bekannt sind; die Ihnen selbst vielleicht nur erst seit gestern oder ehcgcstcrn bekannt geworden — Ich- Zum Exempel? Er. Lasse gelcbrt. Ich. Zum Exempel? Er. Ihr Räthsel, womit Sie schliesscn. — Ihr Testament Zo- hannis. Ich habe meinen Grabius und Fabricius vergebens darnach durchblättert. Ich. Muß denn auch alles ein Buch seyn? Er. Es ist kein Buch dieses Testament Zohannis? — Nun, was ist es denn? Zch- Der letzte Wille Johannis; — die letzten merkwürdigen, einmal über das andere wicdcrhohltcn Worte dcS sterbenden Zohannis. — Die können ja auch ein Testament bcisscn? Nicht? Er. Können freylich. — Aber so bin ich schon weniger darauf neugierig. — Indeß doch: wie lauten sie dcim? — Zch bin in dem Abvias, oder wo sie sonst stehen mögen, nicht eben sehr belesen. Zch. Bey einem minder verdächtigen Schriftsteller stehen sie nun doch. — Hieronymus hat sie uns aufbehalten, in seinem Eom- mentar über den Paulinischcn Brief an die Galatcr. — Da schlagen Sie nur nach. — Zch denke kaum, daß sie Zhncn gefallen werden. Er. Wer weiß? — Sagen Sie doch nur. Zch. Aus dem Kopfe? Mit den Umständen, die mir itzt erinnerlich sind, oder wahrscheinlich dünken? ^ - «MvML/A^^ ^ Aas Testament Johamiis. -N Er. Warum nicht? Ich. Johannes, der gute Johannes, der sich von seiner Gemeinde, die er in Ephcsns einmal gesammelt hatte, nie wieder trennen wollte: dem diese Eine Gemeinde ein genugsam grosser Schauplatz seiner lehrreichen Wunder, und wundcrthätigcn Lehre war; Johannes war nun alt, und so alt — Er. Daß die fromme Einfalt glaubte, cr werde nie sterben. Zch- Da ihn doch jeder von Tag zu Tag immer mehr und mehr sterben sahe. Er. Der Aberglaube trauet den Sinnen bald zu viel, bald zu wenig. — Selbst da, als Johannes schon gestorben war, hielt noch der Aberglaube dafür, daß Johannes nicht sterben könne: daß cr schlafe, nicht todt sey. Zch. Wie nahe der Aberglaube oft der Wahrheit tritt! Er. Erzählen Sie nur weiter. Zch mag Sie nicht dem Aberglauben das Wort sprechen hören. Ich. So zaudernd eilig, als ein Freund sich aus den Armen eines Freundes windet, um in die Umarmungen seiner Freundin zu eilen, — trennte sich allmälig sichtbar Zohannis reine Seele, von dem eben so reinen, aber verfallenen Körper. — Bald konnten ihn seine Jünger auch nicht einmal zur Kirche mehr tragen. Und doch versäumte Johannes auch keine Eollcctc gern; ließ keine Eollcctc gern zu Ende gehen, ohne seine Anrede an die Gemeinde, welche ihr tägliches Brod lieber entbehrt hätte, als diese Anrede. Er. Die öfters nicht sehr studiert mag gewesen seyn. Zch. Lieben Sie das Studierte? r.> Tesi.nncin Zch.,»ni>?. Er. Nachdem es ist. Zch. Ganz gewiß war Zohannis Anrede das nie. Denn sie kam immer ganz aus dem Herzen. Denn sie war immer einfältig und kurz; und wurde immer von Tag zu Tag einfältiger und kürzer, bis er sie endlich gar auf die Worte einzog — — Er. Auf welche? Ich. RinSerchcn, licbt euch! Er. Wenig und gut. Zch- Meynen Sie wirklich? — Aber man wird des Gute», und auch des Besten, wenn es alltäglich zu seyn beginnt, so bald satt! — Zn der ersten Collecte, in welcher Johannes nicht mehr sagen konnte, als Rinderchen, liebt enck! gefiel dieses, Rin- derchcn, liebt euch! ungcmcin. Es gefiel auch noch in der zweyten, in der dritten, in der vierten Collecte: denn es hieß, der alte schwache Mann kann nicht mehr sagen. Nur als der alle Mann auch dann und wann wieder gute heitere Tage bekam, und doch nichts mehr sagte, und doch nur die tägliche Eollccte mit weiter nichts, als einem Rinderchcn, liebt euch! beschloß; als man sahe, daß der alte Mann nicht blos, nur so wenig sagen konnte; als man sahe, daß er vorschlich nicht mehr sagen rvollle; ward das Rindcrchcn, licbt euch! so malt, so kahl, so nichtsbcdcutcnd! Brüder und Jünger konnlcn es kaum ohne Ekel mchr anhören; und erdreisteten sich endlich den guten alten Mann zu fragen: Aber, Meister, warum sagst du denn immer das nehmliche? Er. Und Johannes? — . Z-h- Johannes antwortete: Darum, weil es Vcr Herr befohlen. U)cil das allein, das allein, wenn es geschieht, genug, hinlänglich genug ist. — ?.,s 5csta»icnt IohainilS. -ilZ Er. , Also das ? Das ist Ihr Testament Zohannis? Zch. Za! Er. Gut, daß Sie es apokryphisch gcnennct haben! Zch- In Gegensatz des kanonischen Evangclii Zohannis. — Aber göttlich ist mir es denn doch. Er. Etwa, wie Sie auch wohl Ihre Schöne göttlich nennen würden. Zch. Zch habe nie eine Schöne göttlich genannt, und bin nicht gewohnt, dieses Wort so zu mißbrauche». — Was ich hier göttlich nenne, nennt Hicronymus ckFnai» Ivanno sontentl-nn. Er. Ah Hicronymus! Zch. Augustinus erzählt, daß ein gewisser Platonikcr gesagt habe, der Anfang des Evangclii Zohannis Im Anfang war d«s IVort u. s. w. vcrdicnc in allc» Kirchcn, an dcm sichtbarsten in die Augen fallendsten Orte, mit goldncn Buchstaben angeschrieben zu werden. Er. Allerdings! der Platonikcr hatte sehr recht. — O die Pla- tonikcr! Und ganz gewiß, Plato selbst hätte nichts Erhabcncrs schreiben können, als dieser Anfang des Evangclii Zobannis ist. Zch. Mag wohl scyn. — Glcichwohl glaube ich, der ich aus der erhabenen Schreibcrcy eines Philosophen cbcn nicht vicl machc, daß mit wcit mchrcrm Rcchtc in allcn unscrn Kirchcn, an dcm sichtbarstcn in dic Augen fallendsten Orte, mit goldncn Buchstaben angeschrieben zu werden verdiente — das Testament Zohannis. Er. Hm! 44 Das Testament Iohaimis. ^ Zch. Rindcrchcn, liebt euch! Er. Za! ja! Zck. Dieses Testament Zohannis war cS, woraus ehedem ein gewisses Salz Vor Lürde schwur. Ztzt schwört dieses Salz der Erde, auf das Evangelium Zohannis: und man sagt, es sey nach dieser Abänderung ein wenig dumpfig geworden. Er. Auch ein Räthsel? Zch- Wer Ohren hat zu hören, der höre! Er. Za, ja, ich merke nun wohl. Zch. Was merken Sie? Er. So ziehen immer gewisse Leute den Kopf aus der Schlinge. — Genug, daß sie die christliche Liebe beybehalten: mag doch aus der christlichen Religion werden, was da will. Zch- Ob Sie mich mit zu diesen gewissen Leuten zählen? Er. Ob ich recht daran thun wurde: müsse» Sie von sich selbst erfragen. Zch. Zch darf doch also ein Wort für diese gewisse Leute sprechen 5 Er. Wenn Sie sich fühlen. Zch. Aber ich versteh Sie auch wohl nicht. — So ist die christliche Liebe nicht die christliche Religion^ Er. Za und Nein. Zch. Wie Nein? X->«-««l,«,!-M'^?S-V.<» ,!?> ^ «>^-«...> Das Testament Johannis, 46 Er. Denn ein anders sind die Glaubenslehren der christlichen Religion, und ein andres das Praktische, welches sie auf diese Glaubenslehren will gegründet wissen. Ich. Und wie Za? Er. In so fern nur das wahre christliche Liebe ist, die auf christliche Glaubcnslcbrcn gegründet wird. Zch. Aber welches von beiden möchte wohl das Schwerere seyn? — Die christliche Glaubenslehren annehmen und bekennen? oder die christliche Liebe ausüben? Er. Es würde Ihnen nichts helfen, wenn ich auch einräumte, daß das Letztere bey weitem das Schwerere sey. Zch. Was soll es mir denn helfen? Er. Denn es ist um so lächerlicher, daß sich jene gewisse Leute den Weg zur Hölle so sauer machen. Zch. Wie so? Er. Wozu das Zoch der christlichen Liebe auf sich nehmen, wenn es ihnen durch die Glaubenslehren weder sanft noch verdienstlich wird? Zch. Za freylich: diese Gefahr müßten wir sie nun schon laufen lassen. Ich frage also nur: ist es von andern gewissen Leuten klug gehandelt, dieser Gefahr wegen, welche jene gewisse Leute mit ihrer unchristlichcn christlichen Liebe lausscn, ihnen den Namen der Christen abzusprechen? Er. (^ui nnn cnmpvtit tlelimtio, non eoi»j>etit llellnitiim- Habe ich das erfunden? DaS Testament IohauniS. Zch- Aber wenn wir gleichwohl die Definition ein wenig weiter fassen könnten? Und das nach dem Ausspruchc jenes gntc» Mannes: 5Vcr nicht rvivcr nns ist, Vcr ist für uns. — Sie kennen ihn doch, den gute» Mann? Er. Recht wohl. Es ist eben der, der an einem andern Orte sagt: N)er nicht mit mir ist, der ist wider mich. Zch. Za so! Allerdings; das dringt mich zum Stillschweigen. — O, Sie allein sind ein wahrer Christ! — Und belesen in der Schrift wie der Teufel. II!or»n)'mu8 !» at/ k, ^. 6. Lo-ltus Inannes Lv.inZeliktii, cum IZnkeli miir.iietiir u«- «jue all ultiiiiüin kenectutein, ^1 vix inter llisciniilonn» m.iniix All IZcclelia», lleferrvtur, nee «oflet in ^Inra vocei» verü.l cnn- texere, ninil nliuil ^>er linZiiIus koleliat ^roserro eulleeli»-, »ii> koc: li'ilioli ällizitv alteruti^um. landein tlisei^nili X: si^ati-es kttlorant, tivllio slleeti, «ninil eailem lemzier »ullisvnt, ilixerunl: I>Ii>Fiste>-, ^uurv seniner live Incuie,-!!?? i^iii rci-nolulit u» loanno sontentiain: (juin nr.-rccnlui» Domini est, ^ li s,ilu>» ii-lt, snMcit. Eine Dupltk. ^uiiloslüNili »ülkiu 8s»>ili, >l»»m »liiiuul I-X nr-ui»»'! i>r»m»>nru?-> t'i -V. 1 7 7 8. ^ch habe alle Achtung gegen den frommen Mann, der sich in seinem Gewissen verbunden gefühlt hat, die Anferstchnngs- geschickte gegen das Fragment meines Ungcnannlcn zu retten. VM^MST^ eine Dnplik. -17 Wir handeln alle nach dem Maaße unsrer Einsichten und Kräfte,- und es ist immer rührend, wenn auch der schwache abgelebte Nestor sich dem ausfordcrndcn Hcktor stellen will, Falls kein jüngrcr und stärkrcr Grieche mit ihm anzubinden sich getrauet. Auch will ich mir nicht herausnehmen, bey diesem Kampfe IVärcel zu seyn, und meine Stange dazwischen zu werfen, wenn von der einen oder der andern Seite ein gar zu hämischer und unedler Streich gcsührct würde. Der Rampfwörrel war eine Gcrichtspcrson; und ich richte niemanden, um von niemanden gerichtet zu seyn. Aber ich darf nicht vergessen, was ich mir selbst schuldig bin. Zch lause Gefahr, daß meine Absicht verkannt, und meine vorgcschlagncn Austräge gemißdeutet werden. Ein Wort kann diesem Uebel noch vorbauen: und wer wird mir dieses Wort nicht erlauben, oder verzeihen? Lessing. Erst wollen wir den Standort gehörig erwägen, auf dem jeder von uns hält; damit wir nm so redlicher Licht und Wetter theilen könne». Denn nicht genug, daß wir alle mit gleichen Waffen fechten. Ein Sonnenstrahl, der des einen Auge mehr trift, als des andern; ein strenger Luftzug, dem dieser mehr ausgesetzt ist, als jener: sind Vortheile, deren sich kein ehrlicher Fechter wisscndlich bedienet. — Besonders bewahre uns GOtt alle vor der tödtlichcn Zugluft heimlicher Ncrläumduug? Mein Ungenannter behauptet: die Auferstehung Ehristi ist auch darum nicht zu glauben, weil die Nachrichten der Evangelisten davon sich widersprechen. Zch erwiedere: die Auferstehung Christi kann ihre gute Nichtigkeit haben, ob sich schon die Nachrichten der Evangelisten widersprechen. Nun kömmt ein Dritter und sagt: die Auferstehung Christi ist schlechterdings zu glauben, denn die Nachrichten der Evangelisten davon widersprechen sich nicht. Man gebe auf dieses auch darum, auf dieses obschon, auf dieses denn wohl Acht. Man wird finden, daß auf diesen Partikeln gerade nur nicht alles beruhet. -55 Eine Duplik. I. ^cr Ungenannte, so viel ich nun von seinen Papieren näher weiß, hat nichts gcringers als einen Hauptsturin auf die christliche Religion unternommen. Es ist keine einzige Seite, kein einziger noch so versteckter Winkel, dem er seine Sturmleitern nicht angeworfen. Freylich hat er diese Sturmleitern nicht alle mit eigner Hand neu geschnitzt; die meisten davon sind schon bey mchrcrn Stürmen gewesen; einige derselben sind sogar ein wenig sehr schadhaft, denn in der belagerten Stadt waren auch Männer, die zerschmetternde Fclscnstücke aus den Feind hcrabwarfcn. — Doch was thut das? Heran kömmt, nicht wer die Leiter machte, sondern wer die Leiter besteigt; und einen behenden kühnen Mann trägt auch wohl eine morsche Leiter. Folglich mußte er nothwendig, als er zur Aufcrstchungsgc- schichtc kam, alles mitnehmen, was man von jeher wider die historische Glaubwürdigkeit derselben eingewendet hat, oder einwenden hätte können; wenn anders über eine so abgedroschene Materie itzt noch etwas einzuwenden seyn möchte, dessen sich nicht schon seit sicbzchnhundcrt Zahrcn einer oder der andere sollte bedacht haben. Was nun schon, vor kurz oder lang, einmal eingewendet worden, darauf wird, wie leicht zu glauben, auch wohl seyn geantwortet worden. Aber der Ungenannte dachte ohne Zweifel: ein andres ist auf etwas antworten; ein andres, etrvas beantworten. Daher bot er alles auf, was ungefehr noch dienen konnte: Altes und Neues, mehr oder weniger Bekanntes, Argumente und Argumcnlchcn. Und das mit seinem guten Rechte. Denn der zwanzigmal geschlagene Soldat kann endlich doch einmal siegen hclffcn. Wenn man aber nun schon, da ich aus dem Werke des gründlichen und bündigen Mannes — (gründlich und bündig kann man seyn, wenn man von der Wahrheit auch noch so weit entfernt bleibt —) nichts als Fragmente mittheilen können und wollen; wenn-man, sage ich, nun schon mit höhnischen Achselzucken, mit halb mitleidiger halb ärgerlicher Mine, über ihn herfährt, von aufgewärmtem Brey spricht, und das Schicksal der Theologen beklagt, die noch immer auf Dinge antworten sollen, die auf Treu und Glauben ihrer Lehrer und Sine Duplik. i-.! ihrer Lchrcr Lchrcr, längst beantwortet sind: so muß ich freundschaftlich rathen, den grellen Ton ein wenig sanfter zu halten, dieweil es noch Zeit ist. Denn man möchte sonst sich ganz lächerlich gemacht haben, wenn man endlich erfährt, wer der ehrliche unbescholtene Mann ist, über den man so christmilde gespöttelt; wer der unstreitige Gelehrte ist, den man so gern zum unwissenden muthwilligcn Lassen erniedriget hätte. Das ist nichts als Gerechtigkeit, die ich seiner Person wie- dcrfahrcn lasse. Die Gerechtigkeit seiner Sacke steht auf einem ganz andern Blatte. Ein Mann, der Unwahrheit, unter entgegengesetzter Ueberzeugung, in guter Absicht, eben so scharfsinnig als bescheiden durchzusetzen sucht, ist unendlich mehr werth, als ein Mann, der die beste edelste Wahrheit aus Vorurtheil, mit Bcrschrn.mng seiner Gegner, auf alltägliche Weise vertheidiget. Will es denn Eine Klasse von Leuten nie lernen, daß es schlechterdings nicht wahr ist, daß jemals ein Mensch wisscnd- lich und vorsctzlich sich selbst verblendet habe? Es ist nicht wahr, sag ich; aus keinem geringern Grunde, als weil es nicht möglich ist. Was wollen sie denn also mit ihrem Vorwürfe muthwilligcr Vcrstockung, gcflicsscndlicher Verhärtung, mit Vorbedacht gemachter Plane, Lugen auszustaffire», die man Lügen zu seyn weiß? WaS wollen sie damit? Was anders, als — — Nein; weil ich auch ihnen diese Wahrheit muß zu gute kommen lassen; weil ich auch von ihnen glauben muß, daß sie vorsctzlich und wisscndlich kein falsches verlcumdrisches Urtheil fällen können: so schweige ich, und enthalte mich alles Wic- dcrschcltcns. Nicht die Wahrheit, in deren Besitz irgend ein Mensch ist, oder zu sc»in vcrmcynct, sondern die aufrichtige Mühe, die er angewandt hat, hinter die Wahrheit zu kommen, macht den Werth des Menschen. Denn nicht durch den Besitz, sondern durch die Nachforschung der Wahrheit erweitern sich seine Kräfte, worinn allein seine immer wachsende Vollkommenheit bestehet. Der Besitz macht ruhig, träge, stolz — Wenn Gott in seiner Rechten alle Wahrheit, und in seiner Linken den einzigen immer regen Trieb nach Wahrheit, obschon '.'csjmgs Werke x 4 Sine Duplik. mit dem Zusätze, mich immer lind ewig zu irren, verschlossen hielte, und spräche zu mir: wähle! Zch siele ihm mit Demuth in seine Linke, und sagte: Vater gieb! die reine Wahrheit ist ja doch nur für dich allein! II. Noch einmal: es ist lcdig meine Schuld, wenn der Ungenannte bis itzt so beträchtlich nicht scheinet, als er ist. Man lasse ihn diese fremde Schuld nicht entgelten. Was kann er dafür, daß ich nur Fragmente seiner Arbeit fand; und aus Fragmenten gerade nur eben diese bekannt machte? Er selbst würde, um sich in seinem besten Vortheile zu zeigen, vielleicht ganz andere Proben ausgesucht haben; wenn er sich nicht vielmehr alles Probcgcbcn verbeten hätte. Denn wie kann man auch von einer wciiläufligen zusammengesetzten Maschine, deren kleinste Theile auf eine einzige große Wirkung berechnet sind, eine Probe geben? Ein Vorbild wohl; ein Modell wohl. Aber wer hat jemals ein Gewicht oder eine Unruh, eine Feder oder ein Rad zur Probe von einer Uhr gegeben? Auch fühle ich wohl, daß in diesem Betracht — aber auch nur in diesem — ich selbst mit meinen Proben besser zu Hause geblieben wäre. Und warum blieb ich nicht auch? Weil ich das nehmliche damals noch nicht fühlte? oder weil mich die Güte der Proben selbst verführte? Das leztere, wenn ich die Wahrheit bekennen soll; das lcz- tere. Zch gab ein Rad, eine Feder, nicht als Probe der Uhr; sondern als Probe ihres gleichen. Das ist: ich glaubte allerdings, daß auch in den einzeln Materien, in welche die gelieferten Fragmente schlagen, noch nicht besseres und gründlichcrs geschrieben worden, als eben diese Fragmente. Zch glaubte allerdings, daß z. E. ausser dem Fragmente von der Auscrstc- hungsgeschichtc, noch nie und nirgends die häufigen Widersprüche der Evangelisten, die ich für wahre Widersprüche erkannte, so umständlich und gcflicssendlich ins Licht gesetzt worden. Das glaubte ich; das glaub ich noch. — War ich aber, bin ich aber darum völlig des Ungenannten Meynung? Wollte ich darum, will ich darum eben dahinaus, wo er hinaus wollte? -X. 'V«,' M-ti/ '..-///«/ik..- öinc Dnplik. ^.t Mit Nichten! — Ich gab den Vordersatz zu; und leugnete die Folge. Ich gab den Vordersatz zu; weil ich nach vielfältigen aufrichtigen Versuchen, ihn nicht zugeben zu dürfen, wich überzeugte, wie schlecht es mit allen evangelischen Harwoniccn bestellt sey. Denn, überhaupt von ihnen zu reden, getraue ich mir, nach eben den Regeln, welche sie zum Grunde legen, schlechterdings ohne Ausnahme alle und jede vcrschiednc Erzählungen der nehmlichen Begebenheit in nicht mindere Uebereinstimmung zu setzen. Wo Geschichtschreiber nur in der Hauptsache übereinkommen, bietet die Methode unsrer evangelischen Harmonistcn allen übrigen Schwierigkeiten Trotz. Man soll sie so toll nicht erdenken können: ich will sie gar bald in Ordnung haben, und mein jedesmaliges Verfahren mit ihnen, mit dem Verfahren irgend eines berühmten Harmonistcn belegen. — Aber ich leugnete meinem Ungenannten die Folge. — Und wer hat sich je in der Prosangcschichte die nehmliche Folgerung erlaubt? Wenn Livius und Polybius und Dionysius und Ta- citus eben dieselbe Eräugnung, clwa eben dasselbe Treffen, eben dieselbe Belagerung, jeder mit so verschiedenen Umständen erzählen, daß die Umstände des einen die Umstände des andern völlig Lügen strafen: hat man darum jemals die Eräugnung selbst, in welcher sie übereinstimmen, geleugnet? Hat man sich nie getrauet, sie eher zu glauben, als bis man Mittel und Wege ausgcsonncn, jene widcrspännstige Verschiedenheit von Umständen wenigstens, gleich stössigcn Böcken, in einen engen Stall zu sperren, in welchem sie das Widercinanderlaufcn wohl unterlassen müssen? Das wahre Bild unsrer harmonischen Paraphrasen der Evangelisten! denn leider bleiben die Böcke darum doch immer stössig, wenden darum doch immer die Köpfe und Hörner noch gegen einander, und reiben sich, und drängen sich. — Ey mag auch! Genug, daß der unverträglichen Böcke eben so viele in dem engen Stalle sind, als der geduldigen cinvcrstandncn Schafe nur immer hineingehen würden. O der schönen Eintracht! — Ohne eine solche immer gährende, brausende, aufstosscnde Harmonie, sollten LiviuS und Polybius, 4° ^«i.Ä/MM» 62 Eine Dnplik. Dionysius und Tacitus nicht glaubwürdige Geschichtschreiber seyn können? — „Possen! denkt der freye offene Leser, der sich nicht muthwillig durch kleine Sophistcreyen um den Nutzen und das Vergnügen der Geschichte bringen will, Possen! Was kümmert mich der Staub, der unter jedes Schritten auffliegt? Waren sie nicht alle Menschen? Hier hatte nun dieser oder jener nicht so gute Nachrichten, als der dritte! Hier schrieb der eine viel» leicht etwas hin, worüber er gar keinen Gewährsmann hatte. Nach Gutdünken! Nach seinem besten Ermessen! So ein Umstand war ihm just noch nöthig, um einen Ncbcrgang zu haben, um eine Periode zu runden. Nun dann, da steht er! —Kann ich verlangen, daß gleiche Schritte auch gleichen Staub erregen?" So denkt, sag ich, der freye offene Kopf, der die Schranken der Menschheit und das Gewerbe des Geschichtschreibers ein wenig näher kennt. — Kreuzige und segne dich immer darüber, gute ehrliche Haut, die du beredet worden, ich weiß nicht welche Untricglichkcit bis in der kleinsten Faser eines guten Geschichtschreibers zu suchen! Hast du nie gelesen, was ein Geschichtschreiber (°) selbst, und zwar einer von den allcrpünktlichstcn, sagt? Nom'inem ter!>)torm», Quantum »-n hat es keine Noth. Daß ich das nicht bin, braucht nur Einer zu wissen. Der weiß es.) — das sollte ich ruhig auch nur scheinen wollen? Ich müßte nicht wisse», daß die Welt mehr darauf ach- Eine Duplik. l!I tet, was man scheinet, als was man ist. Und einmal muß ich doch mit der Welt leben; nnd will mit ihr leben. Mein Ungenannter vielleicht hatte das Zeug einmal im hitzigen Fieber hingeschrieben; aber Gott hatte ihn wieder zu gesunder und kalter Ucbcrlcgung kommen lassen; er war nur verhindert worden, den Bettel ganz zu vertilgen. Nun komme ich, ich der ich doch wohl auch wissen könnte und sollte, worauf sich der Ungenannte blos im hitzigen Fieber nicht zu besinnen vermochte; nehmlich, daß alles das nichts als abgedroschenes und längst den Flammen überantwortetes Stroh sey: nun komme ich, und vollführe eine Sünde, die ich auszuhecken und zu entwerfen, nicht einmal den Verstand hatte; vollführe eine Sünde, damit der arme Teufel ja nichts einbüßt, blos um eine Sünde zu vollführen, und Aergerniß zu geben. — Daß ich sage: ich räumte nur seinen Vordersatz ein, und leugnete die Folgerung: das macht meine Sache nicht um ein Haar besser. Denn die Leute, die ich ärgere, halten es für eben so wichtig, den Vordersatz zu leugnen, als die Folgerung nicht zuzugeben. Za sie glauben die Folgerung nur, weil uud sofern das Gegentheil des Vordersatzes seine Richtigkeit hat. Aber wie? Weil ich sehe und überzeugt bin, daß man meinem Ungenannten nicht die Gerechtigkeit wiedcrfahren läßt, die ihm gebühret; weil ich finde, daß man es sich eben so leicht macht, ihn zu widerlegen, als mich es schwer dünkt; weil ich bemerke, daß man ihm die Karten in die Hand vrakticiret, die man sich am besten zu stechen getraut: muß ich darum überhaupt sein Aorfechter werden? Das will ich denn auch wohl bleiben lassen! Wer mit solchen Fuscheleven spielt, und glauben kann, er habe sein Geld gewonnen und- nicht gestohlen; der glaub cS immerhin! Der Zuschauer, der auf die Finger zu gut Acht gab, thut am besten, er schweigt. Schweigt? — Aber wenn er nun auf die Hand des betrogenen Spielers gewettet hat? — So kann er freylich nicht schweigen, wenn er sein Geld nicht muthwillig verlieren will. Dann ist der Fall kitzlich. Er gehe mit seinem Muthe zu Rathe; und wette wenigstens nicht weiter.-- vine Dnplik. Nun so schränke ich mich denn auch, in dem Ucbcrrcstc dieser Duplik, lediglich auf das ein, was ich von den Behauptungen des Ungenannten zu dem Mcinigcn gemacht habe; ans die Widersprüche in der Auferstchungsgcschichtc der Evangelisten. Von diesen habe ich behauptet, und behaupte noch: sie nirgends so kräftig auf einander gehäuft, nirgends so deutlich auseinander gesetzt zu wissen. Zrre ich mich: so nenne man mir doch den Mann oder das Buch, wo eben das, eben so gut zu lesen ist. Meine Verwunderung, ein solches Werk nicht gekannt zu haben, kann nur durch die andere Verwunderung übcrtroffcn werden, wenn man mir zugleich auch ein Werk nennt, worin das alles schon seine Abfertigung crbalten, welches ich eben so wenig gekannt hätte. Auch eben so wenig noch kenne. Denn daß, seit heute und gestern, wenigstens die Unterredungen meines guten Nachbars dieses Werk nicht geworden, will ich mit seiner Erlaubniß nunmehr näbcr zeigen. Wie weit mich meine Geduld auf diesem Wege begleiten wird, weiß ich wahrlich noch selbst nicht. Ob bis ans Ende; ob durch alle zehn Widersprüche und ihre vermcyntcn Beantwortungen: das stehet dahin! Ich traue es ihr kaum zu. Wozu auch? denn wenn ich nur an einem einzigen Widersprüche zeige, daß er weder durch die gegebene, noch durch irgend eine andere in der Welt zu gebende Antwort, sich heben läßt: so habe ich, nach meiner vorläufigen Erklärung, verthan. Wo Ein Widerspruch ist, können deren hundert seyn; genug, daß auch deren tausend das nicht beweisen, was mein Ungenannter daraus beweisen will. — Also, ohne wcitres, zur Sache! Was ich sonst noch zu sagen hätte, wird sich auch finden. Erster Widerspruch. „S.ucas sXXIII, ZK.) läßt die frommen Weiber, welche den „Leichnam Lhristi salben wollten, die Spcccrcycn dazu am Frcy- „tage gegen Abend, vor Eintritt des Sabbaths oder ersten „Ostcrtagcs, cinkauffen: und Marcus, (XVI, 1.) am Sonnabende des Abends, nach unsrer Art zu reden, als der Sab- „bath vorbey war. R»^' '..-^/«/»'-..7 (5l»c Duplik, K3 Daß man in diesen vcrschicdncn Behauptungen vorlängst einen Widerspruch gefnnden, erhellet daraus, daß man vorlängst versucht hat, entweder den MarcuS nach dem Lucas, oder den LucaS nach dem Marcus umzustimmen. Die den Marcns nach dem Lucas umstimmen wollen, sagen, daß in den Worten, 6l«^vo^i.»>o^i 7-o^> «-«M«?»^ -is^opoco-cxv «p^i^on-«, das ^opo-o-ocv auch wohl ^jam ewpts Iisdodant hcissen könne, indem öftrer die unbestimmte Zeit anstatt der längst vergangenen gebraucht werde. Sie übersetzen also: „Als „der Sabbath vergangen war, hatten die Weiber bereits vor- „her Spcccrevcn gekauft;" und ich darf wohl sagen, daß dieses unter den protestantischen Gottcsgelehrten die angenommenere Auslegung bisher gewesen. Mein Ungenannter hatte also Recht, sich blos an diese Auslegung zu halten, gegen welche er, ein wenig pedantisch zwar, aber doch vollkommen gründlich crwicß, daß die cluo genitivi conlokjuentiam clotignantcs hier nicht zuließen, das ^^o^oco-aii in der längstvcrgangncn Bedeutung zu nehmen. Der ungenannte Gegner meines Ungenannten muß auch — (Aber wie soll ich diese zwey Ungenannte in der Folge am schicklichsten und kürzesten bezeichnen? Der Ungenannte bleibe der Ungenannte, und weil ich den ungenannten Gegner meines Ungenannten einmal meinen Nachbar zu nennen, veranlaßt worden: so bleibe er mein Nachbar. Sollte er diese Benennung übel nehmen? Wie könnte ich in ihm einen Mann besser bezeichnen, mit dem ich gern in Rnh und Friede leben möchte, als durch das Wort Nachbar?) Mein Nachbar also, muß auch weder beym Glassins noch beym IVolf, ans die wir von dem deutschen Ausgeber des englischen Bibclwcrks verwiesen werden, ein Exempel fürs Gegentheil gefunden haben: sonst er wohl darauf bestanden, nnd nicht eine so gefährliche Nolte geschlagen haben würde. Denn wahrlich, wenn das keine gefährliche Nolte ist: so giebt es gar keine. Weil Marcus sich nicht nach dem Lucas umstimmen läßt: so will er nun mit aller Gewalt den Lucas nach dem Marcus nmstimmcn. Da Marcns nicht gcmeynt haben kann, daß die frommen Weiber die Speccrcycn schon gekauft hatten, ehe der Sabbath vergangen war: so soll nnn 64 Sine Duplik. Kucas gcmcynt haben, daß sic sie nicht rhcr gekauft, als bis der Sabbath vergangen war. „Ey freylich! dachte mein guter Nachbar, der nun einmal sür allemal überzeugt war, daß^vcnn das Schloß nicht rechts aufgehen will, es nothwendig links aufgehen müsse: „Ey freylich! das ist ja auch ganz leicht zu erweisen. Denn einmal sagt doch Lucas nicht mit ausdrücklichen Worten, daß die Spcccreyen den Frcytag Abend gekauft worden: sondern er sagt nur, daß sie von den Weibern gekauft worden, nachdem sie den Freytag Abend von dem Grabe zurückgekommen. Nun kann zwar, wie jeder weiß, ^c>^>x^«cro-l ^o^io-o-o-v «p^«.«?-«, nicht wohl anders verstanden werden, als daß sie die Speccreycn unmittelbar nach ihrer Zurüctkunft bereitet: doch da folgt bald darauf ein das im Deutschen nicht ausgedrückt ist, und von dem mir die guten Leute, für die ich schreibe, schon auf mein Wort glauben werden, daß es nachdem inzwischen bedeute, (denn bloß durch zwar gegeben, will nicht langen,) und der Evangelist also sichtbar der Meynung damit vorbeugen wollen, daß die Zubereitung der Spcccreyen Frcytag Abend vorgenommen worden. Getrost also den Acrsikcl, ^?rx'^i«o'c-t 6e I^ol^««'«»- tt^u^a?« x«t ,«l,->.'j>« x«t T'c» t?alZ^«7'ov i-zo'vxottZ'oev x«?« i^v ei^o^v, übersetzt! zurückgekommen vom Grabe, bereiteten sie die Spc- cere/en und Salben, nachdem sie inzwischen (zwischen dem Zurückkommen und Bereiten, zwischen dem narticlpio und vorlia; denn das bedeutet das hier sichtbar) den Sabbach nach Sem Gesetze geruhet hatten. " Ist es möglich, lieber Nachbar, ist es möglich, daß sich Ihre Feder — (denn daß Ihr Verstand mit fortmußte, begreifst ich —) nicht sichtbar sträubte, als Sic dieses niederzuschreiben im Begriff waren? — Wenigstens, will ich hoffen, haben Sic sich nachher um den Beweis von der sichtbaren Bedeutung Ihres theuern, von keinem einzigen Ucbersctzer noch bemerkten ^v, umgethan; haben nachher ein Paar Stellen aufgesucht, wo ^b-v möglicherweise, obschon mit eben so wenig Grunde, diese sichtbare Bedeutung haben könnte. Das will ich hoffen; das muß ich hoffen: denn Sie sind ein ehrlicher Mann; Sic habcn sich nicht auf einen Belag stillschweigend bezogen, von dem Sic wuß- Eine Tuplik. l',,'. tcn, daß Sie ihn nicht haben könnten; sondern Sie haben bloß einen Belag stillschweigend vorausgesetzt, von dem Sie annahmcn, daß er Ihnen nicht fehlen könnte. Aber nun, lieber Nachbar, heraus damit! — heraus damit! ob ich schon voraus sehe, daß er eine Revolution in der ganzen Geschichte anrichten wird, die nicht klein ist. Denn welche Folge von Begebenheiten ist gegen dieses erwiesene gekettet genug? Welche Wirkung läßt sich nicht dadurch zur Ursache, welche Ursache nicht zur Wirkung machen? Es giebt keine Hysterapro- rera mehr, wenn dieses ^>.-v erwiesen wird. Immerhin! nur heraus mit dem Beweise — Denn wissen Sie, lieber Nachbar, wenn Sie ihn mißgünstig zurückbehalten, wissen Sie, was man alsdcnn sagen wird, und muß? — Daß Sie ihre Leser zum Besten gehabt; daß Sie lieber den Originaltext des N. T. für eine wächserne Nase erklären, als einen Widerspruch in ihm zugeben wollen, der von ganz und gar keiner Erheblichkeit ist. — Keines von beiden mochte ick, um alles in der Welt, nicht von mir sagen lassen, wenn ich cm Theolog wäre. Aber sind Sie denn einer, lieber Nachbar? — Woher weiß ich denn, daß Sie einer sind? — Wie man doch gewisse Dinge so leicht anncbmcn kann! — Erst nun fange ich an, gerade das Gegentheil anzunehmen. Denn nur so sind Sie entschuldiget; und ich möchte Sie gar zu gern entschuldigen. Ein Theolog, denke ich nun, hätte mir die Blosse gewiß nicht gegeben, die mir dieser gutmcvncnde Lavc giebt. Auch werden die Theologen gewiß gegen diese Blosse protcstircn. Wie können sie auch anders? Das Feuer ist ja noch nicht so nahe, daß man schon zum Fenster hcrabspringen muß. Ich selbst, der ich kein Theolog bin, wüßte noch eine ganz andre Antwort, wenn mir so viel daran gelegen wäre, diesen ersten Widerspruch zu heben. Und welche? Ohne erst lange nachzusuchen, ob schon vor mir jemand auf eben den Einfall gekommen, will ich ihn hersetzen. Ist er zu brauchen: desto besser! Ich behaupte nur in l'Iieli, daß es in den Erzählungen der Evangelisten, ihrer Glaubwürdigkeit unbeschadet, Widersprüche geben könne; aber ?cs>i»gS Wcrke x. 5 «!6 Eine Duplik. in tly^otliesi, ob dieses lind jcncs wirklich ein Widerspruch scv, behalte ich mir alles Recht vor, die Sache noch erst genauer zu untersuchen. Dergleichen einzelne Untersuchungen mögen ausfallen, wie sie wollen: ich verliere und gewinne nichts dabey. Und wenn ich etwas dabey sagen kann, wodurch ein andrer, der nicht wie ich denkt, etwas zu gewinnen vcrmennet: warum soll ich ihm die Freude nicht machen? Auch ist es aufrichtiger, für seinen Gegner mit zu sehen. So denn also! — Wie wenn man den Evangelisten allen beiden Recht geben könnte? Nicht zwar dadurch, daß man den einen und den andern, aus der grammatischen Folter, das nehmliche sagen ließe. Auch nicht dadurch, daß man, wie jemand gemcvnet hat, die frommen Weiber zu zwey verschiedenen malen Svccereyen kauffen läßt; den Frcytag nur so viel, als sie in der Geschwindigkeit noch haben konnten, lind den Sonnabend Abend das übrige. So hätte es ihnen allenfalls in einem kleinen Städtchen ergehen können, aber schwerlich wohl in Jerusalem. Sondern dadurch: daß man auf das des Lucas aufmerksam mache, und es in seiner weitem Bedeutung hier gelten lasse. Wenn denn einmal die Weiber, als sie den Freytag gegen Abend vom Grabe zurückkamen, durchaus nicht mehr Zeit sollen gcbabt haben, die Spcccrcyen zu kauften, mit baarcr klingender Münze zu bezahlen: sagt denn das auch ^u- cas von ihnen? Er sagt ja nur isi-o^i-ao-o», und nicht ^o9«cr«u. Aber, wird man sagen, wie kann man Spcccrcyen bereiten, die man noch nicht gekauft hat; und doch kauffen muß? Das ist es eben: r-o^o? heißt nicht blos ^90- ^xlpo?, der gleich bey der Hand ist, der gleich zur Hand schafft; sondern auch nur 71905-1^1.0?, der gleich willig und entschlossen ist, etwas zur Hand zu schaffen. Folglich heißt auch isr-ot/,,«- o-oev nicht blos nr-vnnrali-mt sie machten zurccht, durch eine Art von Handarbeit, sondern auch nr-pparsliant «»/,/„,. eurad.int ut nr-rn-irata Iialiei-ont, sie thaten sich UM, sie sorgte», daß sie sie in Bereitschaft haben möchten. Sie gicngcn nicht in die Gewölber der Spcccrcyhändlcr, die freylich wohl schon geschlossen warcn, und kaufften: sondcrn sie nahmen sich nur vor zu kauffcn, erkundigten sich nur, wo sie am besten zu eine Dnplik, K7 kauffen waren; denn sie waren fremd. Und das durften sie thun, wenn auch der Sabbath schon langst angegangen war; das war ihnen, durch das Gebot am Sabbath zu ruhen, im geringsten nicht untersagt. — So wie auch den heutigen Juden noch nicht. Denn wäre ihnen mit dem Kauffcn, auch das Denken an das Kauffcn am Sabbath verboten: so würde der Sabbath wohl blutscltcn gehörig von ihnen gefeuert. Kauffcn und versteigern sie nicht selbst am Sabbath, nicht selbst in der Synagoge, nicht selbst die Ehre, die Gcsctzrolle an irgend einem fcyerlichcn Tage aus ihrem Schranke nehmen und auf das Pult des Vorlesers tragen zu dürfen? Genug, wenn sie das Geli> dafür nicht am Sabbath erlegen! — Kurz, man übersetze, i^ol/^o-av «p-^l«?-«, durch clestinadant aromata, provi- »Ivliant »roinstilius: und was ist denn noch zu erinnern? — Daß auch k?o^a^-,v im N. T. an mchrern Orten nichts als äestinsre heißt, davon hat Grotius bereits die Exempel gesammelt; nur sehe ich keinen Grund, es mit ihm einzig auf «Zc-5ti- natlonem clivinam einzuschränken. — Und nun weiter! Zweier Mlöcrspruch. „Johannes, bey welchem Joseph von Arimathia und Ni- „codcmus den Leichnam Christi in allen Stücken nach der Weise „der Juden bestatten; Johannes sagt nicht, daß die Weiber „ihn salben wollen. Aber Marcus und /!.ucas, welche nur „melden, daß Joseph von Arimathia den Leichnam blos in „feine Lcincwand gewickelt, also nicht gcsalbct habe; Marcus „und Lucas sagen, daß die Weiber, die diese tumultuarische „nnvollstandige Bestattung des Joseph von Arimathia mit angesehen hatten, nach Verlauf des Sabbaths den Leichnam „(5bristi anch salben wollen. Vcym Johannes thun Joscpb „und Nicodcmus alles: und die Weiber lbun nichts, und „wollen nichts thun. Vcym Marcus und Lucas thut Joseph „von Arimathia nicht allcs: und dic Wcibcr wollen nur spät „hernach thun, was Joseph zu thun vergaß, oder nicht Zeit „hatte. So einig also Johannes mit sich selbst ist; so einig „Marcus und Lucas mit sich sclbst sind: so sehr widerspricht „Marcus und LucaS dcm Johannes; und Johannes dem Mar- „cus und Lucas. Eine Duplik. Und das, dächte ich, wäre klar. Wenigstens ist mir eS noch klar, nachdem ich alles sorgfältig erwogen, was mein guter Nachbar darwidcr vorbringt, und fast ein wenig zu grämlich vorbringt. Denn er nennt diesen Widerspruch gerade zu einen erträumten Widerspruch, und sagt: „Eine Sache thun wollen, die ein andrer schon gethan hat, die sich aber auch zweymal thun läßt, das streitet offenbar nicht mit einander." Freylich nicht, lieber Nachbar. Aber ist denn die völlige Bestattung eines Leichnams, wobey nichts vergessen worden, was die Gebräuche des Landes und Volks erfordern, dergleichen nach dem Johannes die Bestattung des Joseph und Nicodcmns gewesen, ist denn die etwas, was sich zwcymal thun läßt? von vernünftigen Leuten zwcymal thun läßt? Gründet sich bey dem Marcus und Lucas denn nicht offenbar die vorgehabte Bal- samirung der Weiber, auf die nicht völlige Bestattung durch Joseph von Arimathia? So wie die völlige Bestattung durch Joseph von Arimathia und Nicodcmus beym Johannes doch wohl der Grund ist, warum er von einer vorgehabten Bal- samirung der Weiber nichts sagt? Wollige Bestattung, und nicht völlige: das widerspricht sich doch? — Gestehen Sie, lieber Nachbar, Sie haben gar nicht einmal eingesehen, woraus es hier eigentlich ankömmt! — Wenn bey Einem Evangelisten alles beides stünde; wenn Ein Evangelist sagte, daß Joseph und Nicodcmus die Leiche auch gesalbt hätten, und cbcndcrsclbc sagte nicht weniger, daß ihn die Weiber ebenfalls salben wollen; und man wollte alsdcnn diesen Evangelisten in Widerspruch mit sich selbst setzen: so käme Ihre Antwort noch ein wenig zu Passe. Denn alsdcnn wäre es durch diesen Evangelisten selbst festgesetzt, daß die Salbung cincs Leichnams zweymal geschehen könne, lind wir müßten uns alle mit blos möglichen Gründen bcgnügcn, warum sie zum zwcytcnmalc untcr- nommcn worden. Da aber kcin Evangelist von so einer doppelten Salbung spricht; da diese vorgehabte doppelte Salbung nur in der Harmonie steht, und doch wohl nicht auch die Harmonie von dem h. Geiste eingegeben ist: so ist es blos gefabelt, guter Nachbar, wenn Sie sagen, daß vielleicht die erste Salbung den lieben accuraten Weiberchcn nicht gut genug gewesen; daß viel- Eine Duplik. 69 leicht die hebräischen Weiber in Galiläa andre Salbungsgebräuche gehabt, als in Jerusalem üblich waren; daß es vielleicht ein doppeltes Salbuiigsgcschäft gegeben, eines vor Fäulniß und Verwesung, welches die Männer besorgen müssen, und eines vor Wohlgcruch, womit sich die Weiber abgaben. Alles das ist blos gefabelt, lieber Nachbar; und ohne allen Grund in der Geschichte gefabelt. Besonders Ihr Einfall von dem doppelten Balsamirungsgcschäfte, der dem Hrn. A. so sehr gefällt, hätte doch wohl erst müssen andcrwcits aus der Geschichte erwiesen werden; damit er nicht einzig und allein aus eben dem Umstände abgesondert scheine, zu dessen Beglaubigung Sie ihn anwenden. Nicht? Doch die Grundlosigkeit dieses Einfalls vom doppelten Sal- bungsgcschäfte, ist noch bey weitem nicht seine schlimmste Seite. Wenn wir ihn gelten lassen, lieber Nachbar, sehen Sie denn nicht, daß er den Johannes offenbar Lügen straft? Johannes sagt, daß Joseph und Nicodcmus den Leichnam Ehristi so begraben, ganz so, rvie vie Juden zu begraben pflegen. Und Sie sagen mit Ihrem raren Einfalle: nein, nicht so, nicht ganz so; denn sie hatten nur die eine Hälfte der Salbung, die Salbung wider die Fäulniß vollzogen, und die andre Hälfte, des Wohlgcruchs wegen, war noch übrig, und wie billig, den frommen Weibern übrig gelassen worden, deren Nase so eckcl ist. O der trefflichen Harmonie, die zwey widersprechende Nachrichten, die wörtlich bey den Evangelisten stehen, nicht anders vereinigen kann, als durch Erdichtung einer dritten Nachricht, von der kein einziger Evangelist eine Sylbe sagt! O der erbaulichen Harmonie, die einen Evangelisten von dem armseligen elenden Widersprüche eines andern Evangelisten (armselig und elend, wegen der Unbcträchtlichkcit des Umstandcs) auf keine andrc Weise retten kaun, als daß sie diesen oder jenen an einem andern Orte zum Lügner macht! Dritter MiSersprucl?. „Matthäus sagt, daß vor den Augen der Maria Magda- „lcna, und der andern Maria, geschehen sey, was die übrigen „Evangelisten sie, bey Annäherung des Grabes, bereits gcschcbcn „finden lassen." 70 Eine Tuplik. Mein Ungenannter gründet sich auf das t<5oi^ e'^-xro beym Matthäus; und es könnte wohl seyn, daß es Matthäus so verstanden habe. Doch Sie haben Recht, lieber Nachbar; t6o^ ist öfters blos eine Partikel der Aufmunterung für den Leser, und zeigt nicht immer an, daß die Sache in Gegenwart der dabey gedachten Personen geschehen sey. L^'-?o mag auch immerhin heisscn, es rvar geschehen. — Aber warum liessen Sie es nun bey dieser Antwort nicht bewenden? Warum wollten Sie ihren Gegner nicht blos schlagen, sondern vernichten? Warum muß er Ihnen nun gleich ein Mann seyn, der Abend und Morgen nicht unterscheiden rvolle? Die Strafe dieser Unbarmhcrzigkeit ist Ihnen auf dem Fuße gefolgt. Denn Sie haben sich dadurch in eine weitere Auflösung verwickelt, deren Folge Sie unmöglich gehörig können überdacht haben. Ich meyne die Sätze, (S. 431,) die Ihnen so klar und richtig scheinen, daß die Verwirrung derselben Vor- sarz werden muß. — Vorsar;, die Wahrheit nicht für Wahrheit zu erkennen! Licht und Finsterniß nicht unterscheiden wollen! Ich wüßte keinen Borwurf, über welchen ich mehr schaudern würde, als diesen, wenn ich ihn objective als möglich denken könnte. Daß er subjeclivc möglich ist, höre ich leider. Aber Sie müssen ganz etwas anders dabey denken, als ich: oder Sie könnten die schmähsüchtigc Grausamkeit nicht habe», ihn so wiedcrhohlt zu machen. Nun lassen Sie uns doch die Sätze näher betrachten, die so klar und richtig seyn sollen. — Mir graulet, eine Menge unnöthiger Worte machen zu müssen. Aber vielleicht, daß mir andere wohl noch unnölhigcre Worte, deren ich mich in meinem Leben schuldig gemacht, darum vergeben werden! Ihr erster Satz also: „den Sonnabend spät Abends gicn- „gcn die beyden Marien nach Christi Grabe, bloß zuzusehen, „ob es noch ungestört sey, kamen aber allem Ansehen nach zu „ihrem Zwecke nicht, weil es schon zu spät war. Matth.XXVIll." Und das ist einer von den Sätzen, die man nicht in Zweifel ziehen kann, ohne den Vorsatz zu haben, sich zu irren? So hat Grotius denn.auch schon diesen unseligen Vorsatz gc- (5inc Tuplik. 71 habt. Denn cr schreibt (°) ausdrücklich: ^>uä AattkNum vero Iinc loec» azi 5v !V ?°ot? 6x^cc»i?, nicht nothwendig läge, daß ihnen der Engel im Hcrcingchn innerhalb dem Grabe zur rechten Hand erschienen; wenn es auch wabr wäre, daß man den Marcus vielmehr so verstehen müsse, „die Weiber wären „des Engels erst nach ihrem Eingange ins Grab, entweder „beym Heraussehen, oder beym Herausgehen aus demselben, „vor dem Grabe ansichtig geworden: entsteht sodann nicht die unbcantwortlichc Frage, warum sie denn, auch nicht gleich beym Hercingehen ins Grab, den Engel linker Hand sitzen gesehen? Er saß ja schon davor auf dem Steine, den er abgewälzt hatte, ehe die Weiber noch hcrbcykamcn. Ist denn ein Engel, dessen Gestalt wie der Blitz ist, ein Ding, das man so leicht übcrsicbt? Auch ist es ja aus dem Matthäus offenbar, daß die Weiber den Engel auf dem Steine vor dem Grabe sahen, ehe sie hereingiengen; daß sie nur auf seine Aufmunterung, auf sein Geheiß hereingiengen: Rommr her, und sehet die Störe! Alles, was vor diesen Worten vorhergeht, spricht der Engel ja augenscheinlich mit den Weibern vor dem Grabe. Nur was (5ine Duplik. 7^' darauf folgt, spricht er mit ihnen innerhalb dem Grabe. — ES ist ganz unglaublich, mit was für einer blinden Dreistigkeit diese Erzäblung des Matthäus zur Bestätigung dessen angeführt wird, was man mit solcher Gewaltsamkeit aus den Worten des Marcus erzwungen! — (") Bey dem Lucas nun gar, sollen alle beide Engel draussen vor dem Grabe gesessen haben, und von den Weibern nicht eher seyn gesehen worden, als bis sie wiederum aus dem Grabe herausgekommen. Wie war denn das möglich? Waren die Weiber blind im Hcrcingchen? Oder waren die Engel nur erst sichtbar im Herausgehen? Und wozu alle diese Unwahrscheinlichkcitcn? alle diese Win- kclzüge? Damit nirgends mehr als zwey Engel herauskommen, weil die Evangelisten deren höchstens nur zwey erwähnen? damit der Engel, der auf dem Steine vor dem Grabe sitzt, immer fein mitgezählt werden kann? O Armseligkeit aller Armseligkeit! — für den, mit Engeln so zu knickern, dem sie Lcgionenwcisc zu Dienste stunden! Ja, wir knickern nur so damit, höre ich meinen Nachbar sagen, um die Evangelisten bey Ehren zu erhalten! Nickt die Evangelisten, Nachbar! sondern eure engbrüstige, labmc, schielende, thersinsclie Harmonie der Evangelisten. Thcr- sitisch: denn sie ist eben so ungcstaltcn als schmähsüchtig gegen jeden Evangelisten insbesondere. Die, die, weil sie so ganz euer Werk ist, soll nichts leiden! Was? es wäre den Evangelisten nicht anständiger, wenn ich sagte: Kalte Widerspruchklauber! seht ihr denn nicht, daß die Evangelisten die Engel nicht zählen? Das ganze Grab, die ganze weite Gegend um das Grab wimmelte unsichtbar von Engeln. Da waren nicht nur zwey Engel, (gleich als ein Paar Grenadier, die vor der Behausung des abmarschirtcn Generals zurückgelassen werden, bis sein ganzes Gepäcke abgeführet worden;) da waren deren Millionen. Es erschien nicht immer der eine und eben derselbe; nicht immer die ncbmlichcn zwey. Bald erschien der, bald jener; bald an dieser Stelle, bald an einer andern; bald allein, bald in Gesellschaft; bald sagten sie das, bald jenes. — (°) Fmift. Untcrr. S. 133. ^ 80 eine Duplik. Auf so eine abwechselnde, unstete, weder an ein gewisses Moment der Zeit, noch an einen gewissen Punkt des Raumes zu heftende, auch in dem nehmlichen Augenblicke, an der nehmlichen Stelle, zwey oder mehrern vcrschicdncn Personen verschiedentlich vorkommende Erscheinung, scheinen mir die Worte zu deuten, welche Matthäus zwar nur von dem Einen herabfahrenden Engel braucht: 17V <5e is «vz-o^i «5^ o-5?«ir7z; die Idee, das Bild desselben war wie 25liy. Denn ist hier wohl noch etwas anders, als ^oo-uno^, und wenn damit, wie Grotius will, auf eine Stelle des Daniels nach der Übersetzung der Siebziger gesehen würde, so wäre ja wohl auch das in dieser Stelle befindliche npoo-uiirov gebraucht worden. 'l-5x« heißt auch sonst nirgends das bloße Angesicht; wohl aber der totale Eindruck, den irgend etwas sichtbares Zusammengesetztes macht. Also: die Sichtbarwcrdung des hcrabsahrcndcn Engels wirkte wie Blitz; und wer auf diese Wirkung jemals Acht gegeben hat, wird wissen, daß in dem erschütternden Auge der nehmliche Eindruck zurückbleibt, welchen ein starrer Blick auf gcfrorncn Schnee im Sonncnglanzc zu verursachen pflegt; welches in den folgenden Worten, xa! ^» xi>6i^« «v?ov ).x^xov u5o-xt xc^- und seine Hülle weis wie der Schnee, sehr mahlerisch ausgedrückt wird. — Und das, das ist die Antwort — Man nenne sie immerhin mehr poetisch als wahr. — Zn solchen Fällen ist mir das Würdigste, das Wahrste. — Das ist die Antwort, um deren willen mir dieser ganze vierte Widerspruch so kümmerlich, so klein, so ganz in dem ängstlichen Geiste der Harmonie, die er bestreike» soll, gedacht vorkömmt: daß ich mich keinen Augenblick länger darnach umsehen mag. Fünfter Widerspruch. „Beym Ä.ucas berichten Maria Magdalcna und die übri- „gen Weiber, dem Simon Petrus, und Johannes und übrigen „Züngern, die wirklich geschehene Auferstehung Christi, die sie „von den Engeln vernommen: bey dem Johannes aber meldet „Maria Magdalcna nur allein, dem Petrus und Johannes „nur allein, nur allein daß sie das Grab geöffnet gefunden, „und der Leichnam dcS Herrn daraus entwendet worden." eine Duplik. Diesen Widerspruch hat man vorlängst damit zn heben gesucht, daß man angenommen, Maria Magdalena sey zwcymal zum Petrus gekommen; habe ihm zwcymal Nachrichten gebracht, (die erste, welche Johannes meldet, und die zweyte, deren Lu- cas gedenket;) und Petrus sey, zufolge ihrer zwcymaligcn Nachricht, zwcymal zu dem Grabe gegangen. Mein Ungenannter aber sagt, daß der doppelte Gang des Petrus zum Grabe nicht zu erweisen stehe: indem der Hingang, von welchem Lucas (XXIV, 12.) rede, ganz ungczwcifclt eben derselbe sey, dessen Johannes (XX, 2.) gedenke; welches sich durch die fast identischen Ausdrücke zu Tage lege, welche beide Evangelisten davon brauchen. Was sagt nun mein Nachbar hierzu? Er sagt Anfangs, (°) daß dieser vcrmcimtc Widerspruch aus dem Irrthum herrühre, „daß Magdalena mit unter den Weibern gewesen, welche die „erste Erscheinung der Engel hatten." — Und war sie denn das nicht ? Ist denn das so ein ausgemachter Irrthum? Weiß denn mein Nachbar nicht einmal, daß die Väter der Kirche es als eine Marimc angenommen haben, daß Maria Magdalena bey allen und jeden Erscheinungen, deren von den vier Evangelisten gedacht wird, gegenwärtig gewesen: um sogleich mit Irrthümern um sich zu werfen ? Wenigstens dächte ich doch, wäre cS augenscheinlich, daß der, welcher diesen angeblichen Irrthum hegt, den Worten des Matthäus mehr Gerechtigkeit wicdcrfahrcn lasse, als der den Matthäus, wie ich gezeigt habe, so unbesonnen zwey vcrschicdne Begebenheiten in Eine kneten läßt. Doch die Autorität des Matthäus — weil er ihr so halsbrcchcnd doch einmal ausweichen zu müssen geglaubt, und eine Calumnie leichter gemacht als widerrufen ist, — auch bey Seite gesetzt: sagen es denn nicht auch Marcus und Lucas mit ausdrücklichen Worten, daß Maria Magdalcna bey dcr crstcn Erscheinung der Engel gegenwärtig gewesen? Freylich nennt Lucas sie nicht namentlich bey dem Hingänge: aber er nennt sie doch namentlich bey dcr Rückkunft. (XXIV, 10) Oder ist das bey dem Lucas, eben angczogncn Orts, nicht die erste Erscheinung dcr Engel, (°) Fünfte Utttnr. S, 136. Lesimgs Wcttc X, N Eine Tuplik, auf wclchc unmittelbar folgt? LLs rvar aber Maria XNagda lcna, nnS Iohanna, und Maria Jacob,', unv andre mit ihnen, Oie solches den Aposteln sagten. Daß mein Nachbar aber ja nicht glaube, daß ich nicht gclcscn, was er an einer andern Stelle (°) über die namentliche Benennung der Maria Magdalcna beym Marcus und Lucas sagt! Ich habe es gewiß gclcscn; ich habe cs zehnmal gelesen; ich habe cs mit allcr Aufmerksamkcit gclcscn, deren ich sähig bin: aber Gott ist mein Zeuge, ich verstehe ihn nicht. Das ist das gelindeste, was ich hier sagen kann; und doch will ich mich den Eckel nicht abhalten lassen, seine Worte getreulich abzuschreiben. Vielleicht, daß sie mir in dem Abschreiben deutlicher werden. Ich habe mir schon öftrer etwas in das Gedächtniß und in den Verstand geschrieben. Gelingt mir das auch itzt, und ich bekenne cs nicht: so möge dieses Hülfsmittel nie bey mir wieder anschlagen! Alles, was ich noch bis itzt in den Worten meines Nachbars begreifst, ist dieses: „daß, wie es mit dem Marcus seyn „soll, so sey es auch mit dem Lucas." — (°°) Und wie ist cs denn mit dcm Marcus? — Hier fängt mein Unverstand an. An Worten zwar, sich zu erklären, läßt es dcr Nachbar nicht fehlen. Schade nur, daß man manchmal, selbst vor Menge der Worte, den Sinn nicht sehen kann. „Unter den Weibern, „sagt er, die zum Grabe Zcsu, ihn zu salben, gicngcn, nennt „Marcus v. I. die Maria Magdalcna zuerst, ohne Zweifel, „weil sie die Sache am meisten betrieben." — Kann wohl seyn. Wer wird wider diese gründliche Vermuthung etwas haben, der schon weiß, wie gern die Marien den Herrn salbten! — „Darauf erzählt cr v. 5 — 8. die Erscheinung des Engcls, „mit Vorbeylassung des Umstandes, dc» wir aus dcm Zohan- „nes wissen, daß sich nehmlich Magdalcna von dcn übrigcn „entfernt, und die erste Erscheinung nicht mit gehabt habe." — Zugegeben! ob ich gleich nicht recht weiß, was ich zugebe. Ob Marcus diesen Umstand weggelassen, weil cr ihn nicht wußte: oder weil er ihn der Kürze wegen, als eben nicht wichtig, über- C) Dritte Unterr. S. 90. (") Dritte Unterr. S. 92. Eine Duvlik, 5c! gangen. — „Wenn er nun v. ?. 10. meldet, daß die bey „dein Grabe vorgefallene Erscheinung den Jüngern treulich belichtet sey —" — Was? wie? in diesen angezogncn Versi- kcln soll die Erscheinung, welche die Weiber ohne die Maria gehabt, berichtet seyn? und getreulich berichtet seyn? Habe ich den rechten Marcus nicht vor mir? oder hatte ihn mein Nachbar nicht vor sich? Zn diesen Versikeln wird ja eine ganz andre Erscheinung, die Maria Magdalcna ganz allein gehabt, von der Maria Magdalcna ganz allein, den Züngern berichtet. Und es ist so wenig wahr, daß unter der Erzählung dieser Erscheinung, welches eine Erscheinung Christi in eigner Person war, jene erste Erscheinung, welche beym Marcus und Lucas nur cinc Erscheinung von Engeln ist, mit begriffen gewesen, daß sie schlechterdings nicht mit darunter begriffen gewesen seyn kann; indem Marcus in dein vorhergehenden 8ten Versikcl, ausdrücklich sagt, daß die Weiber von ihrer Erscheinung der Engel keinem Menschen ein IVorr gesagt; o^'ckxv-, o^-ckev -^ov. Aber hören wir den Nachbar nur erst ganz aus. „Wenn „Marcus nun v. s>. 1, keinem Menschen ein Wort solllcn gesagt haben; weil Wcibcrchen doch immcr cinen guten Freund oder cinc gute Frcundiu habcn, k" ^ viiie Dliplik. die sie als ein zweytes Selbst betrachten, dem sie alles vertrauen können, ohne es jemand in der Welt vertraut zuhaben. Meynen Sie so? Nachbar, Nachbar, Sie sind ein loser Schalk! Wenn das im Grunde auch so wäre: so muß man es aus Höflichkeit gegen das Geschlecht doch nicht sagen; am wenigsten muß man es in einer evangelischen Harmonie sagen. Freylich wird durch einen solchen crzsatyrischcn Zug, durch eine solche spaßhafte Wendung, auch eine evangelische Harmonie lustiger zu lesen: aber doch auch nichts weiter als lustiger; gründlicher nicht um ein Haar.--Gott! Gott! ist es möglich, daß ein vernünftiger Mensch mit einem Texte, welchen er von dir eingegeben zu seyn glaubt, so umgehen kann! — Doch wir haben den Nachbar noch nicht ganz ausgchört. „Hat Marcus „gut gefunden, kurz zu seyn, wie er denn sichtbar der allerkürzeste ist, und daher den mehr erwähnten Umstand von der „Entfernung der Magdalcna vorbey zu lassen, so konnte er „nicht anders sprechen, als: Zcsus erschien ihr in Gesellschaft „der übrigen, ohne welche er sie nicht ausführt, zuerst." — Höre ich einen Menschen im Schlafe sprechen: oder was höre ich? Weil Marcus sichtbar der kürzeste ist; denn er hat sichtbar die wenigsten Kapitel: so darf er Dinge für wahr ausgeben, die nur alsdcnn wahr wären, wenn das, was er der Kürze wegen übergeht, auch ganz und gar nicht geschehen wäre? Erwachen Sie doch, Nachbar, und lassen Sie uns unsre fünf Sinne nur ein wenig zusammen nehmen! Zch schüttle Sie, und frage: Wußte Marcus den Umstand, den er übergicng, und den wir aus dem Johannes wissen; oder wußte er ihn nicht? — Zch nehme den letzten Fall zuerst. Wußte er ihn nicht; glaubte er vielmehr das Gegentheil; glaubte er, daß Maria Magdalcna sich nie von den übrigen Weibern entfernt habe: nun freylich, so konnte er ungefehr so schreiben, als Sie ihn schreiben lassen. Zch sage, ungefehr so- nicht ganz so. Denn er konnte nur sagen, daß Magdalcna mit unter den Ersten gewesen, denen Christus nach seiner Auferstehung erschienen: nicht aber, daß Maria Magdalcna schlechtweg Oie erste gewesen, die Christus dieses Vorzugs gcwürdigct. (Daß er sie schlechtweg, vorzugsweise, sie allein, die erste nennet: das m»5 Eine Duplik. ?6 also in einer ganz andern Rücksicht geschehen, wie ich weiterhin erklären will.) Allein, worüber streiten wir denn sodann, lieber Nachbar? — Schlafen Sie mir nicht wieder ein, weil Sie hören, daß wir um nichts streiten! — Worüber streiten wir dann? Wenn Marcus einen Umstand der Auferstehungs- gcschichte nicht wußte, den Johannes wußte; wenn er diesem seinen Nichtwissen gemäß schrieb und schreiben durfte: war es denn möglich, daß er nicht in Widerspruch mit dem fiel, der den nehmlichen Umstand wußte, und diesem seinen Wissen gemäß schrieb und schreiben durfte? Zeder baute ja weiter auf das, was er wußte, oder nicht wußte; und was der Eine nicht wußte, nahm er ja als nicht geschehen an. Sie geben die Quelle aller Widersprüche zu, Nachbar: und wollen nur, daß sie nicht stießen soll. Sie halten, wie ein spielendes Kind, den AuSbruch des Strahls mit der Hand zurück: als ob Sie ihn immer mit Ihrem Händchen zurückhalten könnten; als ob der Strahl das Händchen endlich doch nicht wegprcssen, und das Kindchen noch oben drein bespritzen würde! — Ha! Sie machen große Augen? Hat Sie das tändelnde Gleichniß so munter gemacht? — Da es also nur lächerlich seyn würde, wenn Sie, unter der Voraussetzung, daß die Evangelisten nicht alle die nehmliche vollständige Nachricht von dem gehabt, was bey der Auferstehung Christi vorgefallen; unter dem Eingcständniß, daß der h. Geist einen jeden nach dem Maaße seiner cingc- zogncn Knndsckaft, auf bestes Wissen und Gewissen, schreiben lassen — Da es, sag ich, nur lächerlich seyn würde, wen» Sie, unter dieser ÄorauSsctzung, unter diesem Einvcrständniß, sich amnaasscn wollten, alle nunmehr natürlicher und nothwendiger Weise unter den Evangelisten eintretende Widersprüche zu hebe» --Aber wie wird Ihnen auf einmal, Nachbar? Warum so zornig? Mit stummen Grimme weisen Sie auf Ihre eigne Worte, hat Marcus für gut gefunden, den mehr erwähnten Umstand von der Entfernung der Magdalena vorbey zu lassen; und weisen nochmals auf das, hat er gut gefunden- Ich verstehe! Sie wollen sagen, daß cö Ihnen nicht eingekommen, den ersten Fall meines übcrflüßigen Dilemma hier anzunehmcn. Marcus müsse ja wohl gewußt haben, was er Eine Tuvlik. für gut befunden, vorbey zu lassen. Warum ich mich also bey etwas so lange aufhalte, woran Sie nie gedacht hätten? — Nun, nun, lieber Nachbar; werden Sie nur nicht ungehalten, daß ich erst Vas annehmen wollen, was noch das leidlichste wäre; was mir Ihre Behauptung etwas weniger abscheulich machte. Zch wollte nicht so zufahren, und es Zhncn gleich auf den Kopf zusagen, daß Sie denn also dem Marcus nichts gcringers als eine vorschliche Lüge Schuld geben. Denn hören Sie doch nur! — Aber daß Sie mir nicht wieder einschlafen! — Wenn Marcus, nach dem zweyten Falle des Dilemma, den Sie annehmen, den Umstand wußte, daß sich Maria Magdalcna von ihren Gespielinnen abgesondert, und wieder nach der Stadt gclauffcn, sobald sie das Grab eröffnet gesehen; wenn er wußte, daß Maria Magdalcna bey der Erscheinung also gar nicht zugegen gewesen, die indeß ihren Gespielinnen geschah; wenn er diese Erscheinung die erste Erscheinung des auferstandenen Christus nennet: wie kann er denn gesagt und geschrieben haben, daß Maria Magdalcna diese erste Erscheinung in derjenigen Erscheinung gehabt habe, bey welcher er wußte, daß sie gar nicht zugegen gewesen war? Wie kann er denn das gesagt und geschrieben haben, ohne vorschlich cinc Unwahrheit sagen und schreiben zu wollen? Heißt denn nicht vorschlich lügen, vorschlich etwas für Wahrheit ausgeben, wovon wir gar wohl wisscn, daß cs nicht Wahrheit ist? Wird eine vorschliche Lüge denn darum weniger vorschliche Lüge, weil ich sie machen muß, wenn ich dem, was ich zuvor gesagt, gleichförmig bleiben will? Oder wird sie eben dadurch noch um so viel vorsctzlichcr? Wcr hicß dich dcnn, von vornc hcrcin die Sache so mangelhaft einleiten, die Umstände so verstümmeln, daß du nothwendig cinc Lüge sagcn mußt, wenn man deine Verstümmlung, deine mangelhafte Einleitung nicht merken soll? — O Zeter! Der Mann ist schon wieder eingeschlafen. Nun so schlaf denn — und daß dich nie die Schande wecke, ein so alberner Calumniant eines Evangelisten gewesen zu seyn! — Und doch müssen wir nur bis ans Ende hören, was der Mann in der Tösercy scincr Schlafsucht allcs schrieb und drucken ließ. „Marcus, träumet er weiter, mcynt also (5iuc Tupltt. «7 „offenbar mit dicsc» Worten die erste Erscheinung, welche den „Weibern sämmtlich widerfuhr, lind die nennt er mit Recht „die erste, ob sie gleich, nach dem Johannes, die Magdalcna „nicht mit, sondern nachher eine allein hatte." Was einem im Traume nicht alles offenbar dünkt! Mit den Worten: Ic- sus aber, Sa er auferstanden war, früh am ersten Lage Ser Sabbarhcr, erschien er am ersten der Maria INagSa- lcna, von welcher er sieben Teufel ausgerrieben hatte; mit diesen Worten soll Marcus offenbar nicht die Erscheinung meynen, deren Johannes (XX, 14.) gedenkt, sondern die Erscheinung, von der Matthäus und Lucas sagen, von der Marcus selbst kurz vorher gesagt, daß sie die frommen Weiber zugleich gehabt? Offenbar! Wenn ich doch erfahren könnte, wem dicsc schöne offenbare Fratze zuerst offenbar geworden! Mit dcn Harmoniern des Clericns und Ä.am)?, welche beide in dem nehmlichen Zahrc herauskamen, schließt sich mcinc Bclcscuhcit in dieser Art Schriften; und bis dahin finde ich nicht die geringste Spur davon. Verzeihet mir also, ihr neucru Harmonistcn, die ich nur dcn Namen nach kenne, wenn ich vielleicht gegen euch ungerecht bin, indem ich glaube, daß ein so seltner Pfifferling ganz allein auf meines Nachbars Miste gewachsen ist. Ich wüßte nicht, wo cr sonst hätte wachsen köuncn; cs wäre denn, daß auch ihr, letzte Erben des harmonischen Geistes, N?istc hättet, die eben so trcflichc Schwämme hcrvortricbcn. Doch alle dicsc Höhncrcy prallt auf mich selbst zurück, wenn ich nicht zeige, wie und in welchem Betracht Marcus dcn» sonst eine andre Erscheinung die crstc ncnncn könne», wenn ihm nicht die, welche dcn sämmtlichen Wcibcrn gcschahc, die crstc seyn sollc. — Wie? u»d i» welchem Betracht? das wußte der Nachbar wirklich nicht? wirklich nicht? O so hat cr nie das Kapitel des Marcus im Zusammenhange gelesen: und cr ist ei» Layc, cr ist ein Layc; und kein Theolog. Nicht als ob die Laycn nicht auch müßten die Kapitel im Zusammenhange lesen, aus welchen sie einen Vcrsikcl erklären wollen: es ist nur chcr von einem treuherzigen Laycn, dcr, mit Luthcrn zu rcdcn, aber eben so irrherzig als treuherzig ist, zu besorgen, daß cr cs unterlaßt; als von einem Theologen. 55 eine 5nplik. Mehr nehmlich braucht cs schlechterdings nicht, als das Kapitel des Marcus im Zusammenhange zu lesen, um den garstigen Bilz auf des Nachbars Miste zu zertreten, an dem sich auch ein Schwein vergiften könnte. Denn wem fällt es denn nicht sogleich in die Augen, und wem ist es denn noch nicht in die Augen gefallen, daß Marcus in seinem töten Kapitel eine zweyfache Kundmachung der Auferstehung Christi erzählet; eine minder avthentischc und eine ganz avthentische? Die minder avthentische, ist die Kundmachung derselben durch Engel, und geht bis auf den 9ten Bersikel. Die ganz avthentische fängt mit dem Neu Ncrsikcl an, und bestehet in den persönlichen Erscheinungen Christi, deren er vornehmlich drey gedenket, unter welchen, und andern ihres gleichen, Marcus so ausdrücklich sagt, daß die der Maria Magdalcna ganz allein geschehene die allererste gewesen. — Ich schäme mich vor mir selbst, daß ich scheinen muß, eine solche Ealcchismusmilch meinem Leser noch vorkauen zu wollen. Aber muß man nicht, jenen verzauberten Kehlen zu gefallen, die oft an einem Tropfen reiner Milch ersticken wollen, und pfundige Kieselsteine ohne Würgen hcrabschluckcn < So mächtig kämpft ihre unglückliche Idiosynkrasie mit allem, was lauter ist, und Nahrung gewähret! „Za! wird mein Nachbar antworten, wer die biblischen „Schriftsteller nur so lesen dürfte, daß er blos Acht hätte, „was jeder selbst sagt! Wenn man nicht immer bey jedem auch „ein Auge auf alle übrige habe» müßte! Ey freylich, so kaun „jeder Bauer den Marcus erklären. Aber wir, wir Theologen „--(wenn er anders diese fallende Larve wieder unter den Huth zu stecken wagt) wir Theologen dürfen den Marcus „durchaus nicht ohne den Matthäus erkläre». Denn was hülfe „es den» nun, daß wir den Marcus so verstünden, wie ihn „jedes Kind verstehen kann: wenn Matthäus dadurch iu die „Enge käme? Denn erzählt Matthäus nicht ausdrücklich, daß „den vom Grabe zurückkommenden Weibern, wo sie nichts „als die Bothschaft der Engel vernommen, unter Weges nach „der Stadt zu, auch Christus in eigner Person erschienen sey? „Diese Erscheinung muß ja doch wohl früher gewesen seyn, „als die, welche der Maria Magdalcna allein (nach Zohan- Eine Diiplik, 8!> „nis XX, 14.) geschah, da sie den Herrn für den Gärtner „ansah. Wenn nun Marcus in seinem 9ten Ncrsikcl eben diese „Erscheinung mcynct, so war sie ja nicht die erste, und er konnte „nur in so fern sagen, daß Maria Magdalcna die erste persönliche Erscheinung Christi gehabt, als er zu verstehen gab, (aber „selbst nicht glaubte) daß Maria Magdalcna immer bey den „gcsammtcn Weibern geblieben, und mit diesen zugleich auf „dem Rückwege nach der Stadt den auferstandenen Christus „zuerst ganz allein gesehen hätte?" — Dieß ist doch nach des Nachbars Meynung? Nicht? — Er schläft: aber antwortet ihr, die ihr seine Reden im Schlafe für Orakel gehalten! — Nicht? Und nun muß ich doch erst noch einen Augenblick auf seine Seite treten, und anmerken, daß dem ohngcachtct noch Rath für seine liebe Harmonie gewesen wäre, ohne den Marcus so häßlich zu zcrplackcn. Wcnn er es nicht weiß, wie es zu machen, daß die Erscheinung Christi beym Johannes (XX, 14.) noch immer (nach Marcus XVI, !).) die erste bleibt, ohngcachtct Christus auch dcn sämmtlichcn Wcibcrn auf dcm Rückwege erschienen : so lerne er es von dcm Dichter. (*) — Aber freylich; was ist von einem Dichter zu lernen? Der Dichter will das mit seiner profanen Einbildungskraft zwingen, was nur mit der heiligen Ercgctik gezwungen werden muß. Doch dieser ungenutzte Vortheil ist es nicht, was ich hier meinem Nachbar zur Last zu legen gedächte. Zch gedächte vielmehr, ibm blos eine kleine Frage vorzulegen, — wcnn er wache wieder ist, versteht sich — die nicht blos den gegenwärtigen einzeln Fall, sondern das ganze Harmonicnwcscn bctrift. Nehmlich — Dcnn darin sind wir ohne Zweifel doch einig? daß wcnn ein einzelner weltlicher Geschichtschreiber vollkommen mit sich selbst übereinstimmt, so daß das, was er sclbst sagt, zusammcnhängt und natürlich aus einander fließt: man die Widersprüche, in die er durch die natürlichste Erklärung seiner Nachrichten mit andern Geschichtschreibern gcräth, lieber auf seiner Rechnung stchcn lassen, als durch eine minver natürliche (°) Messias, vierzehnter Gesang. (5uic Tuplik. Erklättliig sciiicr Worte ihn mit andern vergleichen, niid ihn dadurch in Widerspruch mit sich selbst bringen muß. — Zch dächte nicht, daß jemand in der Welt dieses in Abrede scvn könnte. Denn woher weiß man, ob der Geschichtschreiber, den ich so auf seine Kosten mit andern übercinstimmig machen, mit diesen andern hat übercinstimmig seyn wollen? Ob er nicht vielmehr eben da, wo er mit andern nicht übereinkömmt, diese andere stillschweigend hat widerlegen wollen? — Und nun meine Frage!-Wenn dem so ist: sollte man nicht die nehmliche Gerechtigkeit, die wir jedem weltlichen Geschichtschreiber erweisen, vor allen Dingen den Evangelisten, die doch auch Geschichtschreiber seyn sollen, und sind, wicdcrfahren lassen, ehe und bevor wir sie zu Werkzeugen des h. Geistes machen, der sich ihrer aus so verschiedene Art bedienen konnte? Sollten wir das; wäre es nicht mehr als billig: wo bliebe eure Harmonie, Wortklauber, Sinnvcrdrehcr? Eure! Zch meyne nicht jene bessere, die sich begnügt, ein einstimmiges Resultat zu erhalten, und kleine Ncbcnumstände, die in diesem nichts verändern, so verschieden, so widersprechend seyn läßt, als sie wollen. Zch meyne nicht eine Harmonie, mit der sich die Christen zu iLalianus Zeiten begnügten. Zch meyne eine Osian- drische, oder wie die gemilOenen Osiandrischcn Namen babcn, (denn sie sind doch alle mehr oder weniger Osiandrisch;) — kurz eine Harmonie, wie sie nur in dem L.'nthcrthumc entstanden ist, wie sie nur in dem falsch verstandenen ^uthcrthmnc entstehen können. Diese, diese Harmonie wächserner Nasen, die einen jeden Evangelisten in jeder Sylbe retten will, um aus ihnen allen ein Ding zusammen zu setzen, das kein einziger Evangelist für das Seine erkenne» würde; diese Harmonie, gegen welche allein die Einwürfe meines Ungenannte» gerichtet sind, die allein diese Einwürfe hervorgebracht hat: wo bleibt sie? wer braucht sie? wer mag sie? wen» wir die Evangelisten vor allererst als gesunde natürliche Menschen schreiben lassen. Za, denkt der Orthodorist: die Evangelisten sind aber auch nicht gesunde natürliche Menschen; sie sind weit mehr. Nun dann; so scheue ich mich nicht zu sagen, daß ihnen dieses XNchr sehr theuer zu stehen kommt. Man hat jeden von ihnen ein- eine Duplik. zcln zum elendesten Geschichtschmicrcr herabgewürdiget, lim sie zusammen m eornoro über alle menschliche Geschichtschreiber zu erheben. — Aber dieses Allgemeine bringt mich zu weit von dem einzeln Falle, der mich hier beschäftigen soll. Zurück zu ihm. Was ich überflüssiges gesagt, habe ich auf Veranlassung der ohne allem gleichen seyenden und ewig bleibenden Mißhandlung des Marcus gesagt, deren sich mein Nachbar unterfangen. Und wohl mir, dem man leicht eine Uebertreibung Schuld geben könnte, daß der vorsichtige Nachbar seine Meynung nochmals mit andern Worten wicdcrhohlt. Denn auf eine Zwischenrcdc, deren sich sein Herr A- unterfängt, um ihm zu überlegen zu geben, ob man nicht gar sagen könne, „Marcus habe es nicht „ einmal gewußt, daß Magdalcna eine eigene Erscheinung allein „gehabt:" auf diese Zwischenrcdc antwortet er sehr bedächtig, wic folget. „Das wollte ich wohl nicht gcrn sagen"-- daß nehmlich Marcus nichts von dcr besondern Erscheinung gewußt, welche Maria ganz allein gehabt. Wic klug! ja nichts gegcn den Marcus behaupten zu wollen, worüber wenigstens cin ganzer Ncrsikcl desselben (XVI, 9.) für untergeschoben und eingeflickt hätte erkläret werden müssen! — „Sondern, fährt er fort, „dafür will ich lieber, was ich gesagt, wiederholten." — Nun gut, ich will es mit ihm wiederholten, um ganz sicher zu gehen. Denn das Herz schlägt mir noch immer von Mitleid, cincn ehrlichen Mann, der ohnstrcitig die beste Absicht gehabt, so etwas wüstes und wildes sagcn zu lassen. Er wicdcrhohlt also: „Da Marcus nicht erwähnet, daß Magdalcna von dcn „übrigen gclauffcn" — (ob cr cS schon wußte) — „sondern „sie in deren Gesellschaft nach dem Grabe gchcn läßt" — (welches cr schlechterdings nicht hätte thun müssen, da cr jcncS wußte) — „die Erscheinung des Engels und seinen Auftrag „an sie meldet, und der Ausrichtung desselben erwähnet:" — (Dcr Magdalcna hatte dcr Engcl nichts aufgetragen, denn sie war nicht dabey gewesen; und von Ausrichtung des Auftrags des Engels an die übrigen Weiber, sagt Marcus nicht cin Wort. Er sagt vielmehr ausdrücklich, daß sie diesen Auftrag nicht ausgerichtet, x't^m'; denn v>^<5xvt durch Sine Dnplik. nemini »So/o zu übersetzen, und so das allgemeine Niemand auf die ersten die besten, die ihnen begegnet, einzuschränken, denen sie ihre gehabte Erscheinung nur nicht an den Kopf werfen wollen, ist in der That lächerlicher, als die obige Spöttclcy zu Hülfe zu rufen. Was Marcus den gcsammtcn Jüngern (v. tl). It.) melden läßt, ist augenscheinlich blos und allein der Bericht der Maria Magdalcna von der ihr besonders geschehenen Erscheinung.' Denn Maria kommt da ganz allein, erzählt ihnen ganz allein, daß der Herr lebe, x«-, e^x«^ ^5n' a-^i-ii? nicht «^iT-cov. Und da dieses alles so ist: — man höre doch; denn so was treffliches kann man nicht oft genug hören! — ) „so „meynt MarcuS die Erscheinung, welche die vereinigten Weiber „hatten, und das war ganz recht die erste." — (Aber wen» diese Erscheinung, die nur Matthäus allein hat, die weder Marcus noch Lucas haben, worauf Marcus also auch keine Rücksicht nehmen wollen, noch nehmen können, so ganz recht die erste war: wie kann denn Marcus sagen, daß sie der Maria Magdalcna, und der Maria Magdalcna allcin geschehen? Er wußte ja, daß sie ihr nicht einmal mit geschehen war. Und wäre sie ihr auch mir geschehen gewesen, hätte er aus diesem Grunde nicht eben sowohl sagen können, daß der Herr der Maria Zacobi, oder der Johanna, oder der Salomc zuerst erschienen wäre? Was hätte denn Maria Magdalcna für ein Norrccht gehabt, daß er nur von ihr sagt, der Auferstandene sey ihr zuerst erschienen? — ) „Jeder L!escr, wicdcrhohlt sich mein Nachbar weiter, als ob er sich bewußt wäre, ganz etwas ausscrordcntlich Kluges und Sinnreiches gesagt zu haben, „jeder „Leser, der nichts vom Johannes weiß, muß ihn so verstehen, — (Widerlegt; oder es ist nie etwas in der Welt widerlegt worden!) — „und wer den Johannes gelesen, sieht leicht, warum „MarcuS Magdalcncns Erscheinung die erste heißt; weil er „nehmlich die damit meynt, welche den Weibern, unter denen „er sie zuerst namhaft macht, gegeben war." — Welch ein Grund! Weil Marcus die Maria Magdalcna bey einer Gelegenheit zuerst namhaft macht, wo er sie gar nicht hätte namhaft machen sollen: so muß das, was er klar und deutlich und mit Bestände der Wahrheit bey einer andern Gelegenheit von Sine Dnplik. !>Z ihr sagt, nicht von dieser, sondern von jener Gelegenheit zu verstehen seyn! — Und nun wäre ich glücklich wieder da, wo ich oben meinen ersten Absprung nahm; bey den Worten des Nachbars „wie es mit dem Marcus ist, so ist es auch mit dem Lucas" — Also nur noch dieses Einzige von jenem. — Es waren auch einmal Leute, die sich in vcrschicdncs nicht finden konnten, was Marcus von dem auferstandenen Christus erzählt, und denen besonders der !>tc Nersikel, ^.v«^«? nP^i-ov xi l»l«pc<^ kl«)/<5«^i>sj, an welchem sich der Nachbar ein so herrliches Denkmal gestiftet, ein gewaltiger Anstoß war, weil er, wie HicronyMUs sagt,(°) divers» »thue eontraris UvsnAelittis esetei'Is riarraro vicloatur: — und was thaten diese Leute? — Weil sie so fein nicht waren, als der Nachbar; weil sie so viel Ercgetik und Griechisch nicht verstanden, als der Nachbar: — denken Sie einmal selbst, lieber Nachbar, — (Ich hoffe, daß Sie dieser Wevhrauch aufweckt.) — denken Sie einmal — so unterstunden sich diese unwissenden Grützkopfe, den ganzen Nersikel, mit allem, was darauf folgt, für einen fremden spätern Zusatz zu erklären, und den Marcus in ihren Ercmplarcn mit e5o zu bcschlicsscn. — War das nicht erschrecklich? War das nicht eine so lästerliche Verwegenheit, als nur immer eine zu denken? — Und doch, (unter uns, Nachbar!) wollte ich ebenfalls lieber nicht allein diesen einen Nersikel, nicht allein den ganzen Marcus, nicht allein alle vier Evangelisten, sondern gerade zu das ganze Neue Testament, mit sammt der Offenbarung, unter das alte Eisen werfen: als mir erlauben, einem einzigen Orte darin so mitzuspielen, als Sie dem Nersikel des Marcus mitznspiclcn sich erdreistet. Unter uns! Und nun auch gar dem Lncas mitspielen wollen, „mit dem „es eben so seyn soll, wie mit dem Marcus." Denn auch er, sagen Sie, übergeht — (aber wußte doch?) „den oft genannten Umstand, den wir aus dem Johannes wissen, und nennet „unter den Erzählerinnen der Norfällc beym Grabe die Maria „Magdalcna zuerst, ob sie gleich bey der ersten Erscheinung (°) Man sehe die Annicrkmig des Millius. ^'S/i?^ ^« «i« 94 eine Tnplik^ „nicht gegenwärtig, und auch die erste Erzählerin wohl nicht „gewesen war. (Wie anch das Lucas gar wohl wußte, der wider sein besseres Wissen mir so verwirrt schreibt, weil ihm der h. Geist die Feder fuhrt. — Kleinigkeit! Aber nun paß auf, gähnender Leser, es wird was zu lachen geben.) „Ganz „allein, fährt der Nachbar fort, ganz allein hatte Maria Mag- „dalena die erste Erscheinung gehabt, — (Nachbar, besinne» Sie sich! Nachbar, woher wissen Sie denn das? —) „vorzüglich voll schien sie davon zu seyn, mehr als den andern „war ihr den Jüngern zu sagen aufgegeben, und daher wird „ihr Bericht, als verschieden von dein, den die Gesellschaft gebracht, besonders genannt, und diesem nicht unbillig vorgesetzt, „ob er gleichwohl eine Stunde später eingelaufen seyn mochte." — Fern sey es von mir, daß ich hier das seltsame Antiklimar rügen sollte, dem zu gefallen der Evangelist wissendlich und vorsctzlich ein Hysteronprotcron begangen hätte. Freylich ein menschlicher Geschichtschreiber hätte eben darum, weil der Maria Magdalcna mehr als den andern, den Jüngern zu sagen, aufgetragen worden, eben darum, wenn es auch die Zcitordnung nicht erfordert hatte, ihren Bericht später bevgebracht; weil man natürlicher Weise das Wenigere vorangehen läßt. Aber ein übermenschlicher, ein inspirirtcr Schriftsteller; ja der! — und so muß ich hiervon schweigen. Nur meine schon eingeworfene Frage muß ich in ihr völliges Licht stellen, wenn mein Leser lachen soll, — Falls er vor Gähnen dazu kommen kann." Ganz allein, sagt der Nachbar, „hatte Maria Magdalcna die „erste Erscheinung gehabt." — Wirklich, Nachbar? Ums Himmels willen, wo haben Sie denn das her? Das einzige Zeugniß, daß Maria ganz allein zuerst den Auferstandenen persönlich gesehen habe, ist ja der nehmliche Vcrsikcl beym Marcus (XVI, 9.) den Sie von dieser Erscheinung nicht wolle» gelte» lassen; vo» dem Sie erwiese» zu habe» glauben, daß darin diejenige Erscheinung die erste genannt werde, die Maria Magdalcna mit den übrigen Weibern auf den, Rückwege zugleich gehabt. Der einzige Johannes, der noch eben die Erscheinung (XX, 46.) erzählt, von welcher ich sage, nicht Sie, daß der von Ihnen so gemißhandelte Versikcl des Marcus rede, sagt (nnc ?uplik. ja mit keiner Sylbe, daß sie die erste gewesen. Denn ob er schon keine andre vorher erzählt, so folgt doch daraus nicht, daß auch keine vorhergegangen. Woher wissen Sie es denn also, daß Magdalcna ganz allein die erste persönliche Erscheinung Christi gehabt? Ich will doch nicht hoffen, daß Sie die ncbmlichc Stelle zum Beweise sowohl für die gewöhnliche, als für die neuerdings von ihnen hineingelegte Meynung brauchen wollen? Sie werden ja nimmermehr, wie jener Geizhals, das Futter wieder in der Krippe suchen, von welchem Sie wissen, daß Sie es Ihren eignen Pferden hcrausgcstohlcn? — Und doch ist es so. Wahrlich, so lange es Ausleger auf der Welt giebt, glaube ich nicht, daß Einem sein untreues Gedächtniß einen so lächerliche» Possen gespielt habe. Merken Sie sich doch, wenigstens anfs künftige, lieber Nachbar, daß, nach dem Lügner, kein Mensch unter der Sonne ein gutes Gedächtniß nöthiger hat, als — der elende Ausleger. — Wenn ich hier, voller Verdruß und Eckcl, die Feder aus der Hand würfe: wer könnte es mir verdenken? — Ich bin bis an die Hälfte der Widersprüche, und habe unter allen fün- fcn nicht Lincn widerlegt gefunden: da es schon für mich genug wäre, wenn nur Einer nnrviScrlcgt geblieben wäre. — Dem ohngcachtct, mnthig an die andre Hälfte nur auch! Sechster IViVcrspruch. „Nach dem XNarchäus ist der auferstandene Jesus der „Maria Magdalcna auf dem Rückwege zur Stadt erschienen: „und nach dem Johannes vor der Thür des Grabes. Legt einem nnbcfangcncn, von keinen harmonistischcn Flicke- rcycn etwas wissenden, vernünftigen Leser den Matthäus und Johannes vor: und hört, was er sagt. Wenn sich das nicht widerspricht, so widerspricht sich nichts. Und wie? gestehen denn selbst die Harmonistcn nicht, daß hier offenbar ein Widerspruch bleiben würde, wenn sie nicht zu machen wüßten, daß Matthäus das nicht sagt, was er doch sagt? Würde der Nachbar selbst den Matthäus so mißhandeln, wie ich oben gezeigt habe, daß er thut, wenn Matthäus, natürlich verstanden, mit dem Johannes zu vereinigen wäre? — Matthäus nennt die Maria Magdalcna unter den Weibern, die den Leichnam Christi zu ^'^,5 _ ' _ W eine Dnplik. salben ausgehen, und am Grabe die Erscheinung der Engel haben, ausdrücklich; eben das thut Marcus ausdrücklich; eben das thut LucaS ausdrücklich: und keiner von allen dreyen laßt es mit einer Sylbe vermuthen, daß sie von den übrigen Weibern, ehe sie ganz an das Grab gekommen, abgegangen. — Aber Johannes soll diesen Umstand doch haben. — Johannes? — So sagt wenigstens der Nachbar. „Daß Magdalena bey „den übrigen Weibern, mit welchen sie zum Grabe ausgicng, „nicht blieb, sondern nach der Entdeckung, daß es geöffnet sey, „zurück lief, erzählt Johannes so deutlich, daß es wirklich „unbescheiden ist, ihn mit dem Matthäus in Widerspruch zu „setzen." Hier muß ich wiederum zweifeln, ob ich und der Nachbar einerley Tert des Johannes haben? Unmöglich könne» wir ihn haben. Denn was in seinem so deutlich stehen soll, das steht in meinem gar nicht. Zn seinem soll deutlich stehen, „daß Magdalena bey den übrigen Weibern, mit welchen sie zum Grabe ausgicng, nicht blieb;" und in meinem sieht nicht einmal, daß sie mit andern Weibern ausgegangen. Mein Johannes läßt die Magdalena ganz allein zum Grabe gehen, und weiß von keinen Begleiterinnen, die sie so übereilt, auf den ersten Anblick des eröffneten Grabes, verlassen hätte. Stünde nun in seinem Johannes nichts anders, nichts mehr: würde der Nachbar sich wohl so entscheidend ausdrücke», und seinem Gegner eine Unbcschcidercheit vorwerfen, der nur Er schuldig wärc^ — Doch warum nichts — Er scheint gerade der Mann zu seyn, der sich am mausigsten macht, wenn er am wenigsten Recht hat. Mein Johannes und sein Johannes sind die nehmlichen: und der ganze Unterschied siegt nur darin, daß ich den Johannes mit blos ungctäuschtcn Augen, er hingegen durch die Brille seiner Harmonie licsct. In seiner Harmonie steht es, nicht im Lohanncs, daß Maria, so bald sie von fern das Grab eröffnet siehet, die übrigen Weiber, mir nichts dir nichts, verlassen habe, und nach der Stadt gccilct sey. Bey dem Johannes ist sie weder so unhöflich noch so unbesonnen. Oder will man sie, mit dem Dichter, lieber furchtsam als unbesonnen machen? Eine Dupllk. 97 Und Sie Bewohnerin XNagdala's kam, sah offen das Grabmal. ;Vcggcwal;ct den Fels, floh, riefs den andern entgegen, L-rilce zurück nach Jerusalem. Zlbcr Sie Rammenden liessen Sich nichr schrecken, und gicngcn heran. — Gleich viel! Ihr Betragen ist immer gleich unbegreiflich: indem schwerlich ein Weib aus Furcht wegläuft, wo sie sieht, daß mehrere ihres Geschlechts stehen bleiben; oder auch mehr Weiber schwerlich stehen bleiben, wo sie sehen, daß Eine aus Furcht davon laust. Aber es ist ja so sichtbar, warum Maria Magda- lcna eine so lächerlich furchtsame, oder eine so lächerlich unbesonnene Rolle spielen muß. Liesse man sie mit den übrigen Weibern ganz Herangehen: so sähe sie mit ihnen zugleich Engel, und nach dem Johannes muß sie noch nichts, als das leere Grab gesehen haben, als sie den zwey Aposteln die erste Nachricht bringt. — Arme Magdalenc! Wären die Evangelisten nichts als menschliche Geschichtschreiber: so bliebst du bey Ebren. Denn man hat noch immer einen menschlichen Geschichtschreiber lieber etwas nicht recht wissen, als eine Person, die er einführt, unnatürlich abgeschmackt handeln lassen. Aber so sind die Evangelisten gottlich; d. i. — eine schone Göttlichkeit! — nicht sowohl das, was jeder von ihnen sagt, ist göttlich, sondern das, das ist göttlich, was wir sie alle einstimmig aus unserm hcrmcncvtischcn Sprachrohre können sprechen lassen: und du wirst darüber — arme Magdalenc! — — die -Har- lcc,uinin der Harmonie. Meinen Unwillen aber über'des Mannes Unverschämtheit kann ich hier kaum zurückhalten: sagt der Nachbar von meinem Ungenannten. Behüte Gott, daß meine Leser glaubten, ich selbst wäre im Stande, so etwas von meinem Nachbar zu sagen! Ich wüßte nicht, warum ich Unwillen gegen einen Mann babcn sollte, mit dem ich Mitleiden habe. Und Mitleiden muß man ja wohl mit einem Manne haben, der folgendes Naison- mmcnt für so bündig halten kann, daß er es mit einem Trumpfe begleiten darf. „Johannes sagt klar, Jesus sey der Magdalcna „am Grabe erschienen, und Matthäus, er sey den Weibern „aus der Rückkehr vom Grabe begegnet. Mußte nun vcrnünf- ?>'slmgs Mettc X. 7 . ^ i ^ ^ »8 Eine Z^iiplik. „tigcr Weise nicht erst bewiesen weiden, daß Magdalcna unter „diesen Weibern gewesen?" — (Mußte? was braucht das erst erwiesen zu werden? Sagt es nicht Matthäus ausdrücklich? Müssen Sie nicht vielmehr beweisen, daß es Matthäus nicht sagt?) — „Dieses geschieht aber nicht, weil es nack Zo- „hann. XX, 1-t8. nicht geschehen kan. — (Freylich gesebiebt es nicht: denn es war geschehen, so bald Matlhäns schrieb. So bald Matthäus geschrieben hatte, und ehe Johannes sckricb: wem konnte es auch nur im Traume einfallen, daß Maria Magdalcna unter den Weibern nicht gewesen, unter welchen sie Matthäus zuerst nennet? und Marcns nennet! u»d Lucas nennet? In diesem Zeiträume war es doch wohl ausgemacht, und litte keinen Widerspruch, daß Maria Magdalcna nntcr den Weibern gewesen, denen Christus auf dem Wege nach der Stadt erschienen war? Warum muß es denn, nur seit dem Jobanncs geschrieben, nicht mehr wahr seyn? — Weil es dem, was Johannes schreibt, widersprechen würde? Nun freylich. — Und nichts in den Evangelisten sich widersprechen darf? Und wir sie in allen Worten müssen vergleichen können? — Wer sagt das? Sie vergleichen, wo sie sich vergleichen lassen, ohne daß dem einen oder dem andern Weh geschieht: wer würde das nicht gern wollen? Aber sie ans Kosten eines oder mehrerer Evangelisten vergleichen, welche darüber zu nachläßigcn, elenden (Geschichtschreibern werden, welche darüber in Widerspruch mit sich selbst kommen, welche darüber wisscndlich und vorsctzlich (wie ich erwiesen habe) Lügen niedergeschrieben haben müssen: welchem gesunden Magen ist eine solche Ncrglcichung nicht unverdaulicher, als alle die Widersprüche, die man damit verglichen und gehoben zu haben versichert? „Dennoch, fährt der Nachbar fort, setzt der Ungenannte „beyde Evangelisten in Widerspruch, wie die beyden Acltcstcn „in Israel, die fälschlich wider die Susanna zeugten." — Diese Erläuterung aus der Geschichte der Susanna hat mir auch nicht gefallen. Aber warum nicht? Weil ich mich mein Tage nicht bereden können, daß Daniel die Richter nicht zu einem scbr falschen Schritte verleitet hätte, wenn sie die Acltcstcn, auf den bloßen Widerspruch, in den sie sielen, verdammt hätte». Ihr m ^- '. .«^ « 5»».: ^. 'S.-^, ,. ^ . Eine Suplik. 99 eignes Bekenntnis; muß dazu gekommen seyn. Der bloße Widerspruch konnte gegen sie nichts beweisen; sondern er war nur die Gelegenheit einer Ucbcrraschung, in der sie ihre Verleumdung gestanden. Und so, sage ich, bleibt es zwar allerdings ein eben so großer Widerspruch, wenn die nehmliche Erscheinung an zwey vcrschicdncn Orten soll geschehen seyn, als wenn die nehmliche Sache zugleich unter einer Eiche und unter einer Linde soll vorgegangen seyn: aber derjenige, der des erstem Widerspruchs wegen, wenn er auch immer und ewig in den Evangelisten bleiben müßte, schliessen wollte, „also sind die „Evangelisten Lügner, also muß man den Evangelisten gar „nichts glauben," der schließt wirklich eben so übereilt, als die Richter geschlossen haben würden, wenn sie blos darauf die Zleltcstcn hätten steinigen lassen, weil der eine eine Eiche für eine Linde, oder der andre eine Linde für eine Eiche angesehen hätten, indem ihre lüstern Augen nach ganz etwas andcrm sahen, als nach den Bäumen der wollüstigen Scene. Daher mag ich dem Nachbar seinen Trumpf, der unverschämte N?ann! auch kaum aufmutzen. Er sahe damit vielleicht nicht sowohl auf den Widerspruch, den der Ungenannte zwischen dem Matthäus und Johannes fand: als auf das, was der Ungenannte aus diesem und dergleichen Widersprüchen folgern zu dürfen glaubte. Da befiel ihn denn ein heiliger Eifer; und ich bin noch sehr wohl mit ihm zufrieden, daß er in diesem bciligcn Eifer nur rief, der unverschämte Mann! und nicht gar ein Gott schelte Sich, Satan! aussticß. Was unmittelbar darauf folgt, ist wenigstens so kahl, daß ein förmlicher Fluch nicht übel dazu gepaßt hätte. „Kein Ehrist hätte vor ihm den „absurden Widerspruch, wenn er dawäre, gesehen? Es müssen „sehr stolze Leute seyn, die so die Religion bestreiken, und sich „für Gcncralpächtcr des Menschenverstandes halten." — Vors erste, lieber Nachbar, sind Sie ganz unrecht berichtet, daß dieser Widerspruch zwischen dem Matthäus und Johannes, nicht schon längst gcrügct worden. Und zum andern, was wäre eS denn, wenn auch das nicht wäre, und der Ungenannte ihn schlechterdings z» allererst entdeckt hätte? Es ist bis itzt in der Welt noch unendlich mehr übersehen, als gesehen worden. Nur Leute, 7" 10V Line Duplik. bey dcncn allcS so bleiben soll, wie sie es von ihrem Professor gehört haben, können sich das nickt einbilden: und diese Leute sind der Wahrheit noch viel schädlicher, als die, die Sie so sinnreich Gencralpächtcr des Menschenverstandes, ich weiß nicht wem nach, nennen. Denn was diese gepachtet haben, das haben sie doch, und sie verkaufen es zur Zeit der Noth nur ein wenig theuer. Aber jene! Jene wollen das gar nickt in der Welt leiden, was diese nur ausschlicsscnd gcpacktct zu babcn vermemicu. — Fragen Sie mich aber, lieber Nachbar, wer denn diesen Widerspruch, ber. dem wir ballen, vor unserm Ungenannten schon gesehen habe? Co antworte ich Ihnen nur: daß Angustinus sogar schon darauf geantwortet bat. Aber frcvlich ganz anders geantwortet hat, als Sie. Augustinns nehmlich sagt — Lesen Sie es bcv ihm selbst nach.i") Ich würde nicht fertig, wenn ich vollends mit Ibncn in die ältesten Harmoniccn gehen wollte, die Sie mir so wenig zu kennen scheinen. Siebenter IViSerspruch. „Bey dem N?atchöus umfassen die Weiber des Auferstandenen Füsse; beym Ä.ncas ermuntert der Auferstandene selbst „die versammelten Eilfe, ihn zu berühren; bcpm Johannes „befiehlt er dem Thomas, ihn mit der Hand zu betasten: nur „von der Maria Magdalcna, sagt Johannes, habe er sich „durchaus nicht wollen berühren lassen." Wenn sich zwey oder mehrere Evangelisten widersprechen: so bin ich, Falls ihre Vcrglcichung nicht nothwendig ist, falls sie nicht höchst natürlich sich crgicbt, sehr geneigt, alles so stehn zu lassen, wie es steht, und den Widerspruch lieber zuzugeben, als ihren zwar verschlissenen, aber immer noch ehrwürdigen Purpur mit meinen abstechenden Lappen zu flicken. Bey weiten aber bin ich so nachgebend nicht, wenn man mich bereden will, daß Ein Evangelist sich selbst wicdcrsprcchc. Denn wie Mehrere nicht Eins sind: so ist auch Eins nicht Mehrere. Wenn der untcrrichtetcste, redlichste Erzähler andern, die mit ihm zugleich erzählen, nicht widersprechen soll: so muß er diesen (°) 0v contvnlu kv-,i>s>,>I. 7/. III. c. (?inc Duvlik. 101 andern, vdcr diese andre müssen ihm schreiben helfen; und das möchte ich nicht gern auf die Evangelisten kommen lassen. Hingegen wenn ein Geschichtschreiber sich nicht selbst widersprechen soll: so braucht er nur immer derselbe zu seyn, der er war. Folglich, da in diesem Widersprüche nicht allein Matthäus und Lucas mit dem Johannes streiten, sondern Johannes auch mit sich selbst uneinig ist: so habe ich ihn von je her unter diejenigen gerechnet, denen mit leichter Mühe zu begegnen sey. Da nehmlich Johannes sagt, daß der Auferstandene sich den Betastungen des Thomas nicht nur nicht geweigert, sondern sie vielmehr aufgcfodcrt; und eben dieser Johannes erzählt, daß der Auferstandene von der Maria Magdalena nicht berührt seyn wollen: so kan ich mir nicht einbilden, daß Johannes zwey widersprechende Dinge damit zu verstehen geben wollen; einmal, daß Christus durch seine Fühlbarkeit den zweifelnden Thomas überzeugen; und einmal, daß Christus durch seine Nichtfühlbarkcit die schon überzeugte Magdalena, wenn sie etwa nach ihm griffe, nicht zweifelhaft machen wollen. Denn schlechterdings hat Johannes nur eines von beiden für wahr halten können: entweder daß Christus nach seiner Auferstehung einen fühlbaren körperlichen Körper, oder einen unfühlbarcn Schcin- körpcr gehabt habe. Und so würde ich ganz gern dem Nachbar zugestehen, daß er auf diesen Widerspruch geantwortet habe, wenn er weniger schnippisch und verächtlich geantwortet hätte. Aber diesen Ton kann man an einem Manne, der nicht mehr Scharfsinn, nicht mehr Gelehrsamkeit zeigt, als Er, so wenig vertragen: daß man vielmehr dadurch gereizt wird, einen Posten zu vertheidigen, den man gutwillig verlassen wollte. Gleichwohl will ich ihm in dieser Absicht nur zu Gcmütbc führen, daß seine Erklärung der Worte des Johannes, (XX, 47.) worauf sich seine ganze Antwort gründet, noch lange so ausgemacht nicht scv, als er glaubt. Sie ist zwar frcvlich die, seit 159 Jahren, fast allgemein angenommene: aber sie macht doch auch die ganze Stelle so kahl, so leer, so frostig, so kom- plimcntcnmässig, daß nicht zu verwundern, wenn das gc- sammte Alccrchnm weit etwas anderes und mchrcrs darin» 402 Eine Tuplik. gesucht hat. Selbst Grotius hängt noch an der alten mystischen Auslegung; und diejenigen, lieber Nachbar, sind eben nicht gleich kranke Röpfe. die diese und mehrere Auslegungen der Neuern für wahre Ausleerungen der ausgelegten Stellen halten. Ackler Widerspruch. „Nach dem Matthäus und !Narcus, bcscheidct Christus „unmittelbar nach seiner Auferstehung, sowohl durch die Engel „im Grabe, als selbst mündlich durch die rückkchrcndcn Wci- „bcr, seine Jünger nach Galiläa: bey dem >L.ucas aber be- „ stehlt er eben denselben, an eben dem Tage der Auferstehung, „daß sie sämmtlich in Jerusalem bleiben sollten, bis daß der „h. Geist über sie ausgcgosscn würde, welches am Pfingst- „feste geschah." Auch bey diesem Widersprüche, welchen ich unter allen bisher vorgekommenen, noch am liebsten möchte beantworten können, ist merkwürdig, daß sich jeder Evangelist einzeln sorgfällig gehütet hat, darein zu verfallen. Denn wenn Zcsus beides von seinen Züngcrn verlangt hätte; wenn er ihnen beides zu verschiedncn Zeiten befohlen hatte: so würde derjenige Evangelist, welcher das Gebot an die Jünger, nach Galiläa zu gehen, so einschärft, (Matthäus,) nicht von allen Erscheinungen zu Jerusalem schweigen, und nur der einzigen auf einem Berge in Galiläa gedenken; und derjenige Evangelist, welcher den Auferstandenen seinen Züngcrn befehlen läßt, die ersten fünfzig Tage nicht aus Jerusalem zu weichen, (Lucas,) würde nicht blos lauter Erscheinungen in Jerusalem erzählen, und selbst diejenige in Jerusalem bey verschlossenen Thüren vorgehen lassen, (XXIV, 41.) deren eine sehr gleichförmige Johannes (XXI, 1 — 13.) am Galiläischen Meere erfolgen läßt. Und dieses alles hat der Ungenannte so handgreiflich auseinander gesetzt: daß ich hier den Nachbar vornehmlich erwartet habe. Nicht, daß ich hoffen dürfte, er würde leisten, was noch kein Ausleger geleistet hat: sondern weil mir einfiel, daß eine blinde Heime manchmal auch ein Korn findet. Das albernste Ge>räschc in den Tag hinein, hat oft Gelegenheit zu einem sehr sinnreichen Gedanken gegeben; und gar nicht witzige eine Tuplik. 403 Leute werden oft durch driiigcndc Vcrlege»hcit, geschwind etwas zu ihrer Vertheidigung sagen zu müssen, sehr witzig. Hier wird, dacht ich, die blinde Henne brav scharren: und wer weiß, ob nicht gar ein hübsches Stcinchcn in dem aufgescharrten Miste sich findet? Das Stcinchcn wäre denn für mich. Nun dann! Hier ist das Stcinchcn, das die blinde Henne aufgescharret hat. Benennen mag es ein andrer: ich halte es für ein Krötcnstcinchcn. Es kann aber auch ein Luchssteinchcn seyn: denn hohl ist es. Pfiffig indeß, werden manche sagen, sey mein Nachbar doch für zehn andre. Denn er begnügt sich, diesen achten Widerspruch in eigner Person nur vorzutragen, und nachdem er ihn vorgetragen, wendet sich sein bescheidnes unterrichtendes D. an das unterrichtete und ihn schon wieder unterrichtende A- mit. cincm IVas sagen Sie dazu? Und nun sagt das A- wie folget. „Zch sage, was ich öftrer gesagt, unser Autor muß alles „durch einander wcrffcn, wenn er Widersprüche zur Welt brin- „qcn will. ES ist wahr, daß die Engcl und Zcsus selbst am „Tage seiner Auferstehung, den Weibern befahlen, seinen Zim- „gcrn zu sagen, daß sie nach Galilaa gehe», und ihn da sehen „sollten; aber es ist nicht wahr, daß er an eben diesem Tage „ihnen gebot, zu Jerusalem zu bleiben; denn das befahl er „ihnen, am Tage seiner Himmelfahrt, wie icvcr sichr, der Ap. „Gesch. I, 3. 4. lesen kann. So? das ist nicht wahr? wie jeder sehen kann? — Wie froh bin ich, daß dieses A. sagt, ein Mann, der mir vom Anfange nicht gefalle», weil er ein Zwcvzüngler ist. Und ein hämischer, bosbaftcr Iwcyzünglcr. — Lieber Nachbar, mit was für Leuten geben Sie sich ins Gespräch! Merken Sie den» nicht, daß dieses tückische A. Sie gern in einen Übeln Ruf bringen möchte? Was er da sagt, wird Ihnen Händel mache», weil Sie es mit keiner Sylbe bestrafen. Oder ernsthafter: Ihr Pfiff, lieber Nachbar, hilft Ihnen nichts, daß Sie eine solche Antwort nicht selbst geben, sondern nur geben lassen. Sie haben zwar vielleicht einmal gehört, daß man in einer Komödie seine Personen kann spreche» lasse», wie man will, wenn es nur mit dem einmal angenommene» Cha- 104 Eine Duplik. rakter derselben nicht streitet; daß man sie fluchen und lügen und lästern kann lassen, so arg man will; und daß kein Mensch den Komödienschreibcr dafür muß ansehen wollen. Aber Unterredungen, die zu Untersuchung der Wahrheit geschrieben werden, sind keine Komödien: und der Verfasser solcher Unterredungen muß für alles stehen, was er nicht darinn gelegentlich selbst verwirft, oder wenigstens mit einem mißbilligenden Seitenblicke bezeichnet. Also, lieber Nachbar, was sagen Sie? den Befehl, vors erste in Zerusalem zu bleiben, habe Christus seinen Züngcrn am Tage seiner Himmelfahrt gegeben, wie jeder sehen müsse, der Ap. Gesch. I, 3. 4. lesen könne? — Es ist mir unbegreiflich, wie Sie so etwas so dreist in die Welt schreiben können. Wenn die Bibeln in der Welt noch so rar wären, daß man eine von hundert Meilen her verschreiben müßte: so wäre es noch was. Aber da jeder Ihrer Leser nur die Hand ausstrecken darf, um sie auf der Unwahrheit zu ertappen — Wahrhaftig, unbegreiflich! ganz unbegreiflich! So viel ist wahr: daß der Anfang der Apostelgeschichte bis auf den 9ten Versikcl, drey vcrschicdne Absätze hat, die wohl ein Mann durch einander mengen könnte, der im Schlafe zu lesen gewohnt ist. Die zwey ersten Bcrsikcl enthalten einen bloßen Ucbcrgang von dem ersten auf das zweyte Buch des Lucas, mit genauer Bemerkung, bis wie weit das erste Buch, sein Evangelium, gehe. Hierauf wicderhohlt er kürzlich, V. 3. 4. 5. was Ehristus in den 4V Tagen nach seiner Auferstehung gethan und gesagt: und kömmt sodann, im titen V. auf die ganz letzte Begebenheit seines ersten Buchs zurück, von welcher er den Faden wieder aufnimmt. Diese letzte Begebenheit ist die Himmelfahrt Ehristi, von welcher wir hier, B. 6. 7. 8., »och einen Umstand erfahren, den Lucas, weil er sich auf die Zukunft bezog, lieber zu Anfang des zweyten, als zu Ende des ersten Buchs erzählen wollte. Wenn nun der Befehl, daß die Jünger vors erste nicht von Jerusalem weichen sollen, in dem mittelstcn Absätze vorkömmt; wenn es nichts weniger als unwidcrsprcchlich ist, daß o"uvx^ov7-^ v. <1. sich auf o-vi,n^igc^i.xvo? v. 4. beziehet, und Lucas vielmehr im Kten Versikel von einer ganz andern Eine Tuplik. 106 Versammlung zu reden anfängt, als deren cr im ^tcn Vcr- sikcl gedenkt, wo nur von einer Versammlung der Eilfc die Rede war, anstatt daß im l-tcn Vcrsikel eine weit grössere Versammlung von Züngcrn zu verstehen, die bey der Him- mclfabrt gegenwärtig seyn sollten; wenn es noch im geringsten nicht erwiesen ist, daß das o-uv-x^o.^-vo? v. 4. nickts als ein bloßes ousammenbringen bedeute, und folglich die beyden ältesten Ucbcrsclzcr, der Lateinische und Syrische, die es durch eonvoscons geben, völlig unrecht hätten; wenn sogar es höchst wahrscheinlich ist, daß Lucas mit diesem Worte eben nickt wie Zcnophon sich ausdrücken, sondern vielmcbr auf ciuc andere Stelle bey sich selbst verweisen wollen: (°) wie können Sie denn sagen, daß jeder, der Apostg. I, 3. 4. lesen könne, scbcn werde, Christus habe nicht am Tage seiner Auferstehung, sondern am Tage seiner Himmelfahrt, den Jüngern bcfoblcn, in Zcrnsalcm vors erste zu bleiben? Ich kann doch auch lesen: und scbc das nickt. Aber frcolick, ick will nickt sehen: und ganz recht; ick will mit fremde» Angcn nickt sehen, sondern mit meinen. — Wen» Sie sich nock begnügt bättcn zu sagen, daß jener Befehl in der Apostclgcsckicklc nickt eben am Tage der Aufcrstcbuiig gegeben zu seyn scheine- so möchte es noch! hingehen; Falls cr an dieser Stelle allein stünde. — Denn kurz: wozu alles dieses Spicgclgcfecktc?— Ihre Versündigung ist bicr weit größer, als daß Sie blos Ihre Meynung in einer streitigen Stelle ganz offenbar finde». So was wicderfäbrt uns alle». Das wäre des Rügens nickt werth. Dabey kann man nock immer ein scbr ehrlicher Mann seyn. Aber, Nachbar, «uch dabey: wenn man nicht allein eine streitige Stelle als nicht streitig für sich anführt, sondern noch dazu eine anderweitige, nicht im geringsten streitige Stelle, die ausdrücklich wider uns ist, rvisscndlich verschweigt? Auch dabey? — Ich lasse es gelte», wen» man auf der Katheder dis- putirt; wo man sich nur seinem pro loco würdig zeigen soll. Da gilt allerley Münze. Aber wenn man vor den Augen der ganzen Welt als ein unparthcyischcr Ilntcrsiichcr der Wahrbcit V. Loilli Vol^ris I»leri>rcli» »lio, Üt7. > I. q. 10tt eine Tuplik. auftritt, der mit gutem Gewisse» muß sage» können, crirx^<5w i^xi^crixt xcxxui-;, ^^^rzval «^>^l^^: ist es Mich da »och erlaubt, solche Adjunctcnstrcichc zu spielen? Es hat »chmlich jc»cr Beseht i» der Apostelgeschichte, nicht allem eine solche Parallelstclle, aus welcher er erklärt werden k^nn: sondern er hat sogar eine solche, aus welcher er nothwendig erklärt werden muß, weil es Parallelstellc des nehmlichen Verfassers ist. Der nehmliche Lucas, welcher in seiner Apostelgeschichte den Tag, da jener Befehl gegeben worden, nicht bestimmt genug ausdrückt: druckt sich in seinem Evangclio so bestimmt darüber aus, daß schlechterdings keine genauere Bestimmung der Zeit möglich ist. Denn wenn läßt er ilm da geben, jenen Befehl? Nicht in der Versammlung der Eilfc, in welcher der Auferstandene ein Srück vom gcbrarncn Fiscke und -Honigseims aß? Und wenn war diese Ncrsammlung? War es nicht die nehmliche, bey welcbcr sich die zwey Züngcr, welche nach Emmaus gegangen waren, ciiifandcn? Und wen» gicngcn diese Jünger nach Emmaus? War es nicht am dritten Tage nach der Kreuzigung Cbristi? wie sie selbst sagen. War es nicht, wie sie selbst sagen, am Abende des nehmlichen Tages, an dessen frübc» Morgen die Weiber das Gesicht der Engel gcschc» hatte»? — Also: am Tage der Aufcrstcbung? — Was ist hicrwidcr einzuwenden? Nichts, schlechterdings nichts. Entweder bat Christus, nach dem Lucas, seinen Züngern sogleich am Tage der Auferstehung bcfoblcn, in Zcrusalcm zu bleibe»: oder es ist bey alle» Evangelisten nichts klar, nichts ausgemacht. Demi das Deutlichste, was sie uns irgendwo sagen, ist nichts deutlicher, als das. „Aber, mein Gott! muß ein ehrlicher Christ denken, der unter diesen Dornen zu wandeln nie für gut bcsiindc», „wenn „schlechterdings wider jene Stelle im Evangclio des LucaS nichts „einzuwenden ist: wie helfen sich denn gleichwohl die Harmo- „nisten?" Wie sie können, liebe Seele. Das ist, auf die schändlichste, heilloseste, unverantwortlichste Weise. Und da dürfte ich fast meinem Nachbar eine Ehrenerklärung thun. Er ist im Grunde nichts schlimmer, als sie alle; und wenn in Gesellschaft unsinnig scvn, den Unsinn entschuldiget, so ist er hinlänglich vinc Tuplik. 107 entschuldigt. Eben die Stelle, die er hier verschweigt, hat sie längst zu einem Verfahren gcnöthiget, bey welchem ich eben so gern die mangelhaften Stücke eines zerrissenen Briefes, mit welchen der Wind spielet, zu meiner Bibel machen möchte. Zu einem Verfallen, welches mich nur stillschweigend billigen, zur Schande der Evangelisten laut erklären heißt, daß in ihnen überall nichts aus dem Zusammenhange zu erklären sey; daß alle ibre Nachrichten, alle von ihnen eingeschaltete Reden Christi, nichts als feuchter Sand sind, der sich nur so lange zusammenballet, als man ihn nicht reibet. Sie sagen nehmlich: Lucas brauche in. seinem Evangelio eine Anticipation, und lasse Christum daselbst etwas weit früher sagen, als er es wirklich gesagt habe; welches er selbst Zlpostclg. I, 3. 4. zu verstehen gebe. — Vollkommen wie Toi- nclte der Mcdicus im eingebildeten Rrankcn! Die Weise der heiligen Lcbrcr, mit Lulhcrn zu reden, die Schrift so zu erklären, daß sie belle klare Sprüche nehmen, und machen damit die dunkeln Wankelsprüchc klar: diese Weise war so alt, so abgenutzt! Warum sollen sie das Herz nicht einmal verlegen? warum sollen sie, wenigstens zur Veränderung, das Ding nicht einmal umkcbrcn, und die dunkeln Wankelsprüchc nehmen, um damit in dic allzuhcllcn allzuklarcn Sprücdc cinc angcnchmc Tämmcrung zu bringen ? Oder sic sagen mit audcrn Wortcn: Lucas babc, dort in seinem Evangelio, zwey Reden Christi in cinc gcscbmolzcn; zwischen dem 43tcn und 44tcn Vcrsikcl, dic LucaS frcvlich mit ciscrn Klammcrn vcrbundcn zu haben scheine, die er mit Einem Auge der Feder geschrieben, oder in Einem Atbcm seinem Schreiber vorgesagt, liege nicht weniger als cinc Zeit von 40 Zagen; von dem einen Vcrsikcl auf dcn andern mache Christus mit seinen Jüngern einen kleinen Sprung von Jerusalem bis Bcthania. — Und warum nicht? Tausend Zahre sind ja vor Gott wic ein Tag: mit einer Spanne umfaßt er ja die ganze Erde. Folglich sind 40 Tage vor ihm nur wenige Secundcn; folglich ist ihm dcr Abstand von Jerusalem bis Bctbania, ci» Punkt dcr in dcn andcrn fallt: und aus Vernachlässigung dieser wenigen Secunden, aus dieser Verwechselung dcr rechten .^5- ^ ' l! i> >MWWil>^H's'l'__ 108 eine Tuplik. Scite ciiics Sonnenstäubchens mit dessen linker, wagt man es, dem Lucas ein Verbrechen zu machen? — Sie wären es fähig diese Herren, ihre harmonische Mißhandlung so zu rechtfertigen. — Wahr ist es, daß ihnen schon Tartan gcwisscrmaasscn vorgegangen, als welcher den 49ten Vcrsikel in dem letzten Kapitel des Lucas, auf eine eben so gewaltsame Art trennet, nnd zwischen das wicdcrhohltc Versprechen Christi, seinen Züngcrn die Vcrhcissung seines Vaters zu senden, und den unmittelbar daraus folgenden Befehl, in Jerusalem zu bleiben, ich weiß nicht wie viel Erscheinungen noch einschaltet, deren die andern Evangelisten gedenken. Aber wie dieses überhaupt für sie nichts beweisen, sondern nur zeigen würde, wie früh es scbon Leute gegeben habe, die sich alles mit den Evangelisten erlaubet, um nur ein Ganzes aus ihnen zusammensetzen zu können, das nach ihrem Kopfe wäre: so antworte ich hierauf noch Folgendes insbesondere. Vors erste ist noch eine große Frage, ob wir den wahren Tatian haben, orvcyrcns, hätten wir ihn auch, und wäre es eben derselbe, den uns Victor Capu«nus ausbeballcu: so ist klar, daß sein Werk nichts weniger als eine Harmonie, in dem uns gebräuchlichen Verstände dieses Wortes, isl, oder scvn soll; es ist ein bloßer Faden, ans welchen er tulitvr tju-llitor die Erzählungen der Evangelisten gcrcihct; es ist ein bloßes o-vv7-o,t>.ov> dessen sich die gemeinen Cbristcn in aller Einfalt bedienten. Drittens bitte ich nicht zu vergesse», daß die rechtgläubige Kirche mit der Arbeit des Tatian nur schlecht zufrieden war; nicht allein wegen vcrschicdncr Auslassungen, die er zu Gunsten seiner Enkratitischcn Irrthümer machte, sondern auch wegen der Zusammensetzung des bcvbehaltcncn und unverfälschten Tcrtcs der Evangelisten selbst. Denn Thco- Sorcl giebt ihm eine xuxu^>),l«v vv^^xi^c,- Schuld, worunter ich mir nichts anders denken kann, als daß er, wo es ihm vorthcilhaft gewesen, solcher gewaltsamen Trennungen der Worte des Herren mehrere zu machen sich unterstanden, als diese eine ist, die in dem Werke etwa noch übrig geblieben, das gegenwärtig seinen Namen führt. Wenigstens ist gewiß, daß keiner von den nachfolgenden Kirchenvätern, weder die Trennung des 4l»tcn Vcrsilcls, noch MW .i»»I?Wi! , >!»» , eine Suplik. ^ 109 die Trennung des 43tcn und 4^tcn gcbilligct, und sich dadurch aus der Verlegenheit zu hclffen gesucht, daß Christus an dem ncbmlichcn Tage scincu Jüngcrn in Jerusalem zu bleiben, und nach Haliläa zu gehen, befohlen. ^zicrory-mns sicherlich nicht; dem Hedibi« diesen nehmlichen achten Widerspruch meines Ungenannten zur Auflösung vorlegte. Denn HicronymuS sagt blos, daß die Erscheinungen Christi in Jerusalem für keine eigentliche Erscheinungen zu rechnen, als in welchen er nur pro conlolationo timontimu viäen.i- tur, >k vuleliatur droviter, rurtumc^uo ex ocuüs tollvbatur. In den Erscheinungen in Galilaa hingegen wäre taow fumiliaritsK ^ perteversiitia gewesen, ut eum vis püriter voscoretur. ?cUN ist zwar freylich unbegreiflich, wie Hicronvmus fortfahren, llnäc- ^ Paulus ^noktolus rvsert, «:um ^?«t'nA«?i<» //,/,?t^ tt^^«??>vM.)K >>> -119 viiic Tuplik, cincn Ausleger der Schrift scmi, als wenn ihm die ausdrückli- chcn Worte derselben so wenig gegenwärtig sind? Wäre es sonst einem wohl zu verdenken, der diese Vergeßlichkeit des Hicro- nvmus nnr für angenommen ausgäbe, weil er der Hedibia nichts gcscheidcrs zu antworten wußte? — Doch was mache ich mir für Sorge? Die Benediktiner, deren neueste Ausgabe ich nickt nachsehen kann, werden da schon andern Nach gefunden haben! Eben so wenig, und noch weniger als Hicroiwinus, läßt es sich Augustinus einfallen, jenes doppelten einer den andern aufhebenden Befehls wegen, eine und eben dieselbe Rede bcvm Lucas halb in Zcrusalcm, und halb vierzig Tage hernach in Bethania halten zu lassen. Auch geht er mit Bcantwortnng des daraus entspringenden Einwurfs schon weit seiner zu Werke. Da nehmlich Marcus, welcher eben sowohl als Matthäus, den Befehl hat, daß die Jünger nach l^aliläa gehe» sollen, ganz und gar keiner Erscheinung in Galiläa gedenke; da der Engel beym Matthäus nicht gesagt habe, „ni-Xeoa'it vos in kalil-esm, iui euin viclovitis; aut, lbi tn»^»/» eum vitloliitis; ant, na» ilii eum vicloditis, als in welchen Fällen Matthäus den übrigen Evangelisten srcvlich widersprechen würde; da Matthäus den Engel blos sagen lasse: «5t e?«« -i-V/e^tt^, nee ox- ^roktnin o5t «znsnclo id sutu^um etsot, ntrnm ^uaiii niiiiuim :>nto- «juai» sliüi all ois visus ossvt; -in nvstea n> oniu alienlii vtiuni ni-rtvi-quai» !n kalil-va vidissent: so glaubt Augustinus, Ehristus habe zwar frcvlich wohl den Jüngern versprechen lassen, irgend einmal in Galiläa ihnen zu erscheinen, in der That aber liege doch in dein Befehle, daß sie ihm nach Galiläa folgen sollten, noch ganz etwas anders. Und was ? Was anders als ein KI) ster!»n>, welches in der wörtlichen Bedeutung des Namens Galiläa, wie die Dotter in der Schale des Eyes, eingeschlossen liege, k-ililn-» »anxnio, sagt er, i»toi-nreti.tur vel transnii^rutio, vel , ovelatin. Und nun nehme man das eine oder das andere: die Sache ist klar; und das nr-xeo.Iir vos in t-ialil-ram wäre genau ersüllt worden, auch wann der auferstandene Ehristns ganz und gar nicht nach Galilaa gekommen wäre. Denn vors erste, koenn- iliim trunsniiAi-atioius tontontiai»; transmigrirtc nicht nunmehr die Gnade Ehristi zu den Heiden ? Nors zweyte, lvcunilum (5ine Vuplik. 111 illuil, «zunil t.'alil.-na intorz,retat»r rovolittln: wo sonst, als in Ga- liläa, offenbarte sich Christus zuerst in derjenigen Gestalt, in welcher er dem Vater gleich ist? — Wie nüchtern! wie nüchtern! werden mir die Ercgctcn seit heute nnd gestern zurufen. — Meine Herren, es kann wohl seyn. Und obschon auch-Hleron>-mus an einem andern Orte, (") wo er sich vermuthlich besann, daß jene der Hcdibia gegebene Antwort nicht weit reichen möchte, sogar zu einer mystischen Auslegung seine Zuflucht nimmt: die im'stischcn, so wie die allegorischen Auslegungen, sind freylich ein wenig nüchtern. Gleichwohl, ich muß es nur zu meiner Schande gestehen, — die nüchternste von allen mystischen und allegorischen Auflösungen unauflöslicher Knoten, dünkt mich unendlich besser, als Ihre alcrandrischcn, meine Herren, mit dem Schwcrdtc. Denn jene sind doch nur Spiele, leere Versuche: und Ihre, sind Mißhandlungen, thätige Ncrgchungen, die Sie, an einem blos menschlichen Schriftsteller auszuüben, sich selbst schämen würden. — Ehe ich hierüber bittrer werde, will ich nur weiter gehen. Neunter IViScrsprncl). „Nach dem Marchöus geschieht die Erscheinung in Galiläa „auf einem Berge, dahin Christus seine Jünger beschicdcn hatte: „nach dem Johannes geschieht sie am User des Galiläischcn „Sees bey Tiberias. Da und dort unter ganz vcrschicdncn „Umständen." Das giebt mein Nachbar mit beiden Händen zu. Nur ist dem guten Mann sehr traurig, daß ein Mensch, der doch Berg nnd See unterscheiden könne, aus zwcv so sichtbar vcrschicdncn Erscheinungen lieber einen Widerspruch schmieden, als sie unterscheiden rvollcn. Endlich steht einmal das Wörtchen wollen am rechten Orte. Der Ungenannte rvollrc nicht: weil er glaubte, nicht zu dürfen. Der Nachbar aber will: ohne sich zu bekümmern, ob er Varf. Zwar sagt der Nachbar, daß weder Matthäus noch Johannes den Ungenannten auf irgend eine Weise veranlassen können, beide Erscheinungen für eine zu halten: daß es folglich (°) in AÜUIUwUlli. 5...« 1l2 Sine Diiplik. kaum werth sey, auf den ganzen Widerspruch zu antworten. Er macht hiermit auch in der That links um, marschirct ab, und schießt Bictoric. Aber, lieber Nachbar, wenn Sie von Ihrer glorreichen Er- pcdition glücklich wieder nach Hause sind: wollen Sie wohl Folgendes in Betrachtung zu ziehen geruhen, um wenigstens ox polt zu urtheilen, ob Sie sich den Sieg so leicht hätten machen sollen? Die Erscheinung, die den Eilfcn auf dem Berge gcscbah, ist die einzige, deren Matthäus gedenkt; deren Matthäus, zu Folge des Versprechens, welches bey ihm der auferstandene Christus seinen Jüngern thun läßt, gedenken mußte. Wäre es daher auch nur Matthäus, aus dem wir unsere Nacbricbtcn von der Auferstehung Christi schöpfen könnten lind müßten: so würde man nicht unrecht annehmen, daß diese einzige erzählte Erscheinung, auch die einzige geschehene gewesen. Ja, ich bin ganz sicher, daß sodann unsre Theologen schon längst die Gründe ausfindig gemacht hätten, warum der auferstandene Christus nicht mehr als einmal hätte erscheinen können und müssen. Nun aber, da wir mehrere Evangelisten haben, die eben so glaubwürdig sind als Matthäus; da jene andere Evangelisten mehrere Erscheinungen berichten: so ist freylich auS dem Stillschweigen des Matthäus nicht zu schlicsscn, daß er damit, das; er nur einer Erscheinung gedenkt, andeuten wollen, daß es auch nur eine Erscheinung gegeben. Sondern die Sache ist nunmehr nur die, daß wir die einzige Erscheinung bey dem Matthäus unter die anderweitigen Erscheinungen so einschalten, daß weder jene anderweitige, noch diese eingeschaltete etwas dabev leiden. Blos nach den Worten zu urtheilen, die Christus bey der galiläischcn Erscheinung auf dem Berge zu seinen Jüngern redet: sollte man meynen, daß diese Erscheinung, wenn es nicht die erste und letzte gewesen, doch wenigstens die letzte gewiß gewesen seyn müsse. Denn Christus ertheilet ihnen da seine letzten Befehle, und nimmt förmlich von ihnen Abschied. Doch da wir aus dem Lucas wissen, daß die Himmelfahrt ohnfcrn Jerusalem, und nicht in Galiläa geschehen; und die letzte Cr- schcinung doch wohl die Erscheinung bey der Himmelfahrt muß m ^' '..'d»»«»«^»» Sine Duplik. 113 gewesen seyn: so fällt die Galiläische Erscheinung irgendwo zwischen die übrigen. Und auch dieses irgenvrvo läßt sich näher bestimmen: indem wir mehr als eine von den übrigen Erscheinungen angeben können, welche nothwendig vor ihr hergegangen seyn müssen. Nehmlich, nicht allein alle die einzeln Erscheinungen am Tage der Auferstehung, bey welchen Thomas nicht zugegen war; nicht allein die Erscheinung acht Tage darauf, welcher Thomas beywohnte, müssen vor ihr vorhergegangen seyn: sondern sogar die am See Tibcrias, welche Johannes berichtet, kann nicht anders als früher gewesen seyn. Dieses erhellet aus Zohannis XXl, 14 unwidcrsprcchlich, wo dieser Evangelist letztbenannte am See Tibcrias ausdrücklich die dritte an der Zahl nennet; welches, da es ihm selbst widersprechen würde, wenn man es von jeder einzeln Erscheinung, die etwa nur einer oder wenigen Personen geschehen war, verstehen wollte, nothwendig nur von den solennern unter einer beträchtlichen Anzahl geschehenen Erscheinungen zu verstehen ist; dergleichen die bey verschlossenen Thüren, und diejenige, welche acht Tage darauf crfolgte, gewesen waren. Nach diesen beiden, sagt Johannes, war die am See Tibcrias die dritte. Grotius hatte bicr keinen glückliche» Einfall, wenn er dieses dritlcmal beym Johannes, auf die Zahl der Tage will gezogen haben, an welchen Christus erschienen. Denn er vergaß in dem Augenblicke, wie die Juden ihre Tage zu zählen pflegen, als wonach sich nicht sagen laßt, daß die Erscheinung bey verschlossenen Thüren, mit den Erschcinnngen am Grabe an dem nchmlichcn Tage geschehen wären. Fallen diese und jene aber auf zwey vcrschicdne Tage: so war die Erscheinung in Gegenwart des Thomas die dritte, und die am See Tiberias müßte die vierte, nicht die dritte gewesen sc>m. Mag man aber doch jenes Vrittcmal bcvui Iobannes versteh» und auslcgeu, wie man will: genug, daß die Harmo- »istc» alle, keine» einzigen ausgenommen, cinmütbig die Erscheinung am Scc Tibcrias vor der Erscheinung auf dem Vcrgc vorhergehen lasten. Nun sind dicscr Berg und dieser Scc bcidc in Galiläa: beide Erftbcinungcn sind also in Galiläa geschehen, beide sind zu Folge der Verheißung Christi geschehen, daß er LcsimgS Wette x. 8 Eine Duplik. seinen Jüngern daselbst sichtbar werden wolle. Und das, lieber Nachbar, sehen Sie, das macht die Schwierigkeit, ans welcher nach der Meynung des Ungenannten, und auch ein wenig nach meiner, bey aufrichtiger Entwicklung, nichts gcringers als ein formeller Widerspruch erwachst. Denn lassen Sie uns doch mir die Erscheinung auf dem Berge etwas genauer erwägen. Derjenige Evangelist, (Matthäus,) bey dem der auferstandene Ehristus seinen Jüngern zwcymal befehlen läßt, unverzüglich nach Galilaa zu gehen, rvo sie ihn sehen würden, ist, wie gesagt, der einzige, der dieser Erscheinung auf dem Berge gedenkt; ist der, der sonst durchaus keiner andern Erscheinung gedenkt; ist der, der dieser Erscheinung mit dem Zusätze gedenkt, daß eben auf diesen Berg sie Christus bcsihicven. Gesetzt nun aber auch, daß dieser Ausatz, dahin sie Christus bcschiedcn hatte, sich nickt ans den Berg, sondern blos auf Galiläa bezöge: so bleibt doch noch immer, auch ohne diesen Zusatz, die Ersckcinnng auf dem Berge die anberaumte Erscheinung; und muß folglich, wenn ich sckon nickt sage, die erste von allen Erscheinungen überhaupt, aber dock ganz gewiß die erste von allen Galiläischcn Erscheinungen gewesen scvn. Das ist nothwendig; das ist unwidersprcchlich: oder Matthäus (man merke das wohl!) Matthäus, der zu allererst schrieb, der nicht wissen konnte, was und wie viel der h. Geist nach ihm durch andere Evangelisten würde ergänzen, würde berichtigen lassen, Matthäus hat als Einer geschrieben, in dem nicht ein Funken Menschenverstandes glimmet. Denn so, wie kein vernünftiger Mensch mit seinen Freunden eine zweyte, dritte Zusammenkunft verabredet und anberaumet, ohne zu wissen, wo und wenn die erste geschehen soll: so kann auck kein vernünftiger Geschichtschreiber von Anberaumung einer Zusammenkunft sprechen, und in Erfolg dieser Anberaumung, ich weiß nicht welcher zweyten, dritten Zusammenkunft gedenken, ohne von der, welche die erste und nächste nach der Anberaumung gewesen, ein Wort zu erwähnen. Zst es aber nothwendig, lieber Nachbar, daß die Erscheinung auf dem Berge, die erste Galilaische Erscheinung muß gewesen seyn; ist es zugleich ausgemacht, daß dem ungeachtet die Eine Tuplik. Ersckeinung an dem See Tiberias, dem sogenannten Galiläi- schcn Mccre, vor jener Erscheinung vorhergegangen: nun so haben wir ja zwey erste Galiläischc Erscheinungen. Zwey erste! — — Zwey gar? Eo, lieber Nachbar, was ist denn das, zwey erste? Zst es ein Räthsel? oder ist es ein Widerspruch? Mir ist es nur ein Räthsel. Dem Ungenannten war es ein Widerspruch. Und Ihnen, Nachbar? O! Ihnen ist es weder das eine, noch das andre. Ihnen sind zwey erste, zwey erste! Sie können nichts, als den Mann beklagen, der zwey so vcr- schicdne Zwey lieber in Widcrspruck stellen, als trennen will. Die Kleinigkeit, daß sowohl das eine als das andre von diesen Zwcu, in einem und eben demselben Betracht das Erste seyn soll, ist ja so eine Kleinigkeit! — Mehr will ich hierüber nicht sagen. Wer gewisse Dinge nicht sogleich fühlt, dem sind sie auf keine Weise fühlbar zu machen. Der Zehnte Widerspruch obncdcm, ist mit dem neunten so genau verbunden, daß ich bey Gelegenheit seiner noch alles nackhohlcn könnte, was ich etwa bisher beyzubringen vergessen hätte. Ja, er ist, dieser zehnte Widerspruch, nicbts als die fernere stückweise Auseinandersetzung des Neunten. Und dieser Stücke macht der Ungenannte besonders drcv, in welchen allen seine erkannten Widersprüche sehr leicht zu rechtfertigen sind, nachdem wir in dem Vorigen den Hauptgrund derselben gesichert haben. Nehmlich; wenn der Ungenannte berechtiget gewesen ist, die Erscheinung auf dem Berge, und die Erscheinung am Meere in Galiläa, für einerley Erscheinung zu halten, die nur, durch die immer wachsenden Abweichungen der mündlichen Erzählung in den ersten dreyßig bis vierzig Jahren, zu solcher Verschiedenheit gediehen; (er war zu dergleichen aber dadurch berechtiget, weil die Erscheinung auf dem Berge, als die anberaumte Erscheinung, nothwendig die erste, wenigstens die erste in Galiläa seyn mußte, und gleichwohl die Erscheinung am Galiläi- schen Mccre, nach der Rechnung des Johannes, noch vor jene fällt:) so ist er allerdings auch berechtiget gewesen, darin einen Widerspruch zu finden, daß Matthäus die Galiläische Erschei- 8° 116 Eine Duplik. nnng zur ersten macht, Johannes aber vor selbiger zwey Erscheinungen zu Jerusalem vorhergehen läßt. Nun hätte ich, meines Theils, hierauf blos geantwortet, daß Johannes die Erscheinungen überhaupt zähle, Matthäus aber nur die erste und vornehmste Erscheinung in Galiläa namhaft mache; als welches nach seiner einmal gemachten Anlage genug war. Doch mein Nachbar weiß den Aal ganz anders zu fassen; weil Matthäus, sagt er, kein Protokoll abgeschrieben habe, weil er nur der einen Erscheinung erwähne, weil er (Er, der erste Evangelist!) nicht für nöthig gehalten, seinen Lesern von mchrcrn etwas zu melden: so sey aus ihm überhaupt nicht zu schließen, in welcher Ordnung die Erscheinung auf dem Berge gefolgt sey. Freylich; Ordnung ist nur »intcr den Mchrcrn: abcr Eines, was aus diesen geordneten Mchrcrn herausgerissen wird, muß doch noch immer Merkmale seines gehabten Platzes behalten, oder man hat, auf eine höchst unvorsichtige Art, dieses Eine für das Einzige erklärt. Auch hat Matthäus seiner einen Erscheinung noch innncr jcne Merkmale gelassen; indem er sagt, daß cS die anberaumte gewesen. Nur die Harmonisten halten für gut, auf diese seine Anberaumung gar nicht zu achten, nnd ihn die erste die beste Erscheinung aus dem Glückshafcn greifen zu lassen. Mein weltklugcr Nachbar will ein Glcichniß aus der neuesten Gc, schichte gcbcn, und sagt: „Es kömmt die Rede auf den letzten „Krieg, ich erwähne besonders der Schlacht bey Roßbach; er- „ kläre ich sie dadurch sür die erste oder letzte?" Ey nicht doch! Sie könnten so einen Fehler machen! Abcr, lieber Nachbar, wenn Ihnen ein andrer den ganzen letzten Preußischen Krieg in folgendem Epitome erzählen wollte, „(Der Kö- „nig, nachdem er fast aus allen seinen Staaten vertrieben „war, hatte sich die vornehmsten seiner Fei.idc, die Franzosen „und Reichstruppcn, nach Sachsen wic bestellt. Sie kamen „voll Ilcbermuths und Spottes, als hätten sie den Sieg schon „in Händen. Abcr, wie ein Donncrstrahl aus Hellem Himmel, „überfiel er sie bey Torgau. Da erkannten sie wicdcr, mit „wem sie zu thun hatten, und machten Friede; etliche abcr /,blieben noch seine Feinde:) was würden Sie von einem sol- eine Tuplik. 117 chc» Erzähler wohl denken? Würden Sie ihn auch durchhcl- fcn wollen, wie Sie den Matthäus durchzuhclfcn suchen? Denn gerade ein solcher Erzähler wäre, nach Ihrer Auslegung, Matthäus. Er ließe Christum seine Zünger nach Galiläa bestellen, wo sie ihn sehen würden: und hierauf verschwiege er nicht allein, daß, ungeachtet dieser Bestellung, er ihnen erst an andern Orten mchrmalcn erschienen sey; sondern gedächte auch nicht einmal seiner ersten Erscheinung dort in Galiläa; gedächte anstatt der ersten, wenigstens anstatt der frühern, welches die am Ufer der See gewesen, einer spätern, und wer weiß wie viel spätern, auf einem Berge! — Aber, Gott Lob, daß Matthäus nur nach Ihrer Auslegung, lieber Nachbar, ein so abgeschmackter Erzähler ist! Nur nach der Auslegung der abgeschmackten Harmonisten, ein so abgeschmackter Erzähler! Man bleibe ihm mit diesen vom Leibe: und er erzählt als ein planer gesunder Mann, dessen Erzählung wohl unrichtig seyn kann, aber ungereimt doch wahrlich nicht ist. Eben so ist es mit den übrigen Umständen beschaffen. Matthäus und Johannes widersprechen sich offenbar in jedem derselben, sobald man annehmen muß, daß die Erscheinungen am See Tibcrias und auf dem Berge, ursprünglich nur eine Erscheinung gewesen. Umsonst schreyen Sie, lieber Nachbar, so laut und so oft: „Aber wer heißt euch, das annehmen? Aber könnt ihr denn „nicht zwey zählen? Wer hier nicht Zwey zählen kann, muß „nicht wollen!" — Gott crbarms! wir wollten gern: aber wie können wir? Wie können wir Zwey zählen, da wir nicht wissen, wo wir anfangen sollen? nicht wissen, welches wir Eins nennen sollen? Will ich die Erscheinung an dem See, mit dem Johannes, Eins nennen; so ruft die Erscheinung auf dem Berge: „Nein, ich bin Unns, oder mein Gewährsmann Matthäus war blödsinnig. Will ich nun diese LLins nennen; so ruft mir Johannes entgegen: „darfst du mich Lügen strafen? „Glaubst du, daß ich nicht drey zählen kann?" — So werden wir ewig von einer Seite zu der andern geworfen; zählen ewig Eins und Eins: und kommen in alle Ewigkeit nicht bis auf Zwey. 113 Eine Duplik. Wie bcwundre ich Sie, lieber Nachbar! wie bcwundre ich Sie! Sie kölinen Zwey zählen: und was das Sonderbarste ist, können mit dem nehmlichen Zahlpscnnige, in die Hand eines jeden Kindes, zwey zählen! — Zst das Kind artig: so lächelt es, und schweigt. — Und schweigt. — O daß ich nicht auch so artig gewesen bin, wie dieses Kind! daß ich nicht auch jeden neuen Druck des nehmlichen Zahlpfcnnigs für einen neuen Zahlpfennig mehr, lächelnd hingenommen und geschwiegen habe! Doch diese Reue kömmt zu spät: auch ist das Uebel, unter dessen Gefühl sie mich am meisten nagen könnte, überstanden; ich bin fertig. Zch bin fertig: fertig mit Vertheidigen und Beantworten. Nicht zwar fertig, mit Vertheidigung meines ganzen Ungenannten, der ich weit entfernt bin, mich zu unterziehen; nicht zwar fertig, mit Beantwortung der ganzen Schrift meines Nachbars, die ich nicht einmal ganz lesen mögen: aber doch fertig mit Vertheidigung dessen, was ich von den Fragmenten des Ungenannten zu dem Mcinigcn gemacht habe; aber doch fertig mit Beantwortung dessen, was in den Unterredungen meines Nachbars gegen das gerichtet ist, wovor ich mit dem Ungenannten für einen Mann zu stehen, mir einfallen lassen. Gott verhüte! daß ich mich mit diesem auf ein MchrcrS einlassen sollte, was mir etwa, selbst bey der flüchtigen und nur mich betreffende Dinge suchenden Durchlcsung, als coutra- vand aufgcstoßen wäre. Er behalte, z. E. was er von der gänzlichen Unwissenheit eines geistlichen Mcßias sagt, in welcher die Apostel bey Lebzeiten Christi schlechterdings gestanden, unan- gesochten! Er behalte unangefochten, was er von dem spöttischen Unglauben der versammelten Jünger sagt, als die von Em- maus zu ihnen eintreten! Er kitzele sich an so scandalöscn Albernheiten immerhin; und freue sich, mit dem muthwillig aus- gebrochenen und zcrschlagncn Schlußsteine eines wichtigen Bogens, unbedeutende Lücken zugemauert zu haben! Was geht es mich an? Ich will fertig seyn, und bin fertig. Habe ich aber meine Müsse, auch so schon, nicht zum Besten angewandt: was thut das? Wer weiß, ob ich sie mit etwas andern nicht noch schlechter angewandt hätte? Mein Vor- Line Duplik. 119 saß war es wenigstens, sie gut anzuwenden. Meine Ueberzeugung war es wenigstens, daß ich sie so gut anwenden könne. Ich überlasse es der Zeit, was meine aufrichtig gesagte Meynung wirken soll und kann. — Vielleicht soll sie so viel nicht wirken, als sie wirken ksnnee. Vielleicht soll, nach Gesetzen einer höhern Haushaltung, das Feuer noch lange so fortdampfen, mit Rauch noch lange gesunde Augen beissen, ehe wir seines Lichts und seiner Wärme zugleich gemessen können. — Zst das: so verzeihe Du, ewige Quelle aller Wahrheit, die allein weiß, wenn und wo sie sich crgiessen soll, einem unnütz geschäftigen Knechte! Er wollte Schlamm dir aus dem Wege räumen. Hat er Goldkörncr unwissend mit weggeworfen: so sind deine Goldkörncr unvcrlorcn! o » « Nach diesem unwillkührlichcn Ausbruchc meiner innigsten Empfindung, darf ich ruhig auf den Schlamm zurück sehen, den ich hier zu Hausse geführt habe. Auf diese» Schlamm, auf diesen Schlamm, großer Gott! wenn auch einige Goldkörncr darunter wären, versetzt trotzig nnd kcck mcin Nachbar das vollendete Gebäude seines Glaubens! Denn hier muß ich meinen Leser an die obigen Standorte erinnern, auf welchen mein Ungenannter, und ich, und mein Nachbar halten. An meines Ungenannten zu voreiliges auch darum; an mcin bcschcidcncs obschon; an meines Nachbars dreistes denn. Welch ein Mann, mcin Nachbar! welch ein Christ! Die Widersprüche, aus welchen mcin Ungenannter zu viel schloß; die Widersprüche, die ich der Wahrhcit unbeschadet zugebe; diese Widersprüche — Nein, nicht diese Widersprüche — die Antworten, die glücklichen Antworten, die sein Scharfsinn so sonder alle Mühe auf diese Widersprüche fand, — diese seine, — wie man will, — kunstlosen oder kunstreichen Antworten, — was spott ich? — Diese eckcln Mißgeburten seines eigenen Gehirnes — deren man freylich den langen Tag über nicht so viele ersäufen kann, als er die folgende Nacht wieder auszubrüten im Stande ist: sind das, was seine Ueberzeugung an 120 eine Tuplik, der Gewißheit der Auferstehung Christi vollendet hat. (°) Zwar zweifelte er nie an diesem grossen Vorfalle: aber doch nach dem Angriffe meines Ungenannten, nachdem ihm dieser Gelegenheit gegeben, schärfer zuzusehen, und mit Bewunderung zu bemerken, wie auch in anscheinenden Kleinigkeiten die Evangelisten so genau sind: wie weit stärker und fester ist sein Glaube geworden!^") Und nun sage man mir noch mehr, daß die Einwürfe der Ungläubigen nichts Gutes stiften! Gott! Gott! worauf können Menschen einen Glauben gründen, durch den sie ewig glücklich zu werden hoffen! Nur noch ein Wort von mir selbst: und ich schließe. — Zch fühle es sehr wohl, daß mein Blut anders umflcußt itzt, da ich diese Dupllk("°) ende, als da ich sie anfieng. Ich fieng so ruhig an, so fest entschlossen, alles, was ich zu sagen habe, so kalt, so gleichgültig zu sagen, als ich bin, wenn ich auf meinen Spazicrgängcn, vor langer Weile, Schritte zähle. Und ich ende so bewegt, kann es so wenig in Abrede seyn, daß ich vieles so warm, so thcilnchmcnd gesagt habe, als ich mich schämen würde, in einer Sache meines einzigen Halses zu sprechen. Besonders wollte ich durchaus nicht über das Edle oder Unedle, über das (°) Unlerr. S. 1. (") S. 76. (°°°) Duplik: nicht Replik. Denn die Evangelisten und mich, Halle ich für den angeklagten Theil. Die Anklage erhob mein Ungenannter mit der unbilligen Aeusserung, daß wegen einiger Widersprüche in Kleinigkeiten, den Evangelisten aller Glaube abzusprechen sey. Hierauf ließ ich mich in meinen Gegensätzen ein, und antwortete ohne Umschwcif, was ich für die kürzeste und unfehlbarste Antwort hielt. Diese Antwort mißfiel meinem Nachbar, der sie vermuthlich mehr für eine verdeckte hämische Bestätigung der Anklage als für eine Antwort hielt. Er wollte lieber eine alle verschrieene Waare das 999ste mal wieder zu Markte bringen, als aus dem Magazine eine frische hohle», die mehr Abgang fände. Aber dafür erkläre Ich nun auch seine Antwort laut für eben das, wofür er meine stillschweigend erklärt hat: für Anklage der Evangelisten mehr, für nur anders gewandte, aber auf das Nehmliche hinauslaufende Anklage, als für Antwort. Und das ist sie auch wirklich: indem es ihm damit nicht um die Glaubwürdigkeit jedes einzeln Evangelisten, sondern blos um die Glaubwürdigkeit einer gewissen Harmonie eigner Schöpfung zu thun ist, die, wenn sie erwiesen wäre, die Evangelisten gerade noch verdächtiger machen würde, als sie der Ungenannte zu machen weder Fug noch Willen gehabt hat. Also Zvuplik! eine Tliplik. 121 Moralische oder Unmoralische gewisser Hiebe und Stöße meines Kampfpaarcs urtheilen: und habe es doch gethan. Ich wollte blos die Gründe dieses Urtheils meinen Leser beyläufig abnch- mcn lassen: und habe ihm das Urtheil selbst oft wörtlich vorgesprochen. Was soll ich thun? Mich entschuldigen? Mit der albernen Mine eines unausgelcriiten Heuchlers um Vergebung bitten? Versprechen, daß ich ein andermal besser auf meiner Hut seyn wolle? Kann ich das? Zch versprechen? — Za, ja; ich verspreche: — mir es nie wieder auch nur vorzunehmen, bey gewissen Dingen kalt und gleichgültig zu bleiben. Wenn der Mensch bey dem, was er deutlich für Mißhandlung der Vernunft und Schrift erkennet, nicht warm und theilnchmend werden darf: wenn und wo darf er es denn? Eine Parabel. - >IU!V lsciloiu vri parel Iiolum. ^/z,»no/oAi/>a re/uz. Nebst einer kleinen Bitte, und einem cvcntualcn Absagungs- schrcibcn an den Herrn Pastor Goeze, in Hamburg. (l) 1 7 7 8. Ehrwürdiger Mann! ^ch würde ehrwürdiger Freund sagen, wenn ich der Mensch wäre, der durch öffentliche Berufung auf seine Frcundftbaften ein günstiges Norurthcil für sich zu erschleichen gedächte. Ich bin aber vielmehr der, der durchaus auf keinen seiner Nächsten dadurch ein nachtheiliges Licht möchte fallen lassen, daß er der Welt erzählet, er stehe, oder habe mit ihm in einer von den (5iiit Parabel:c. genauern Verbindungen gestanden, welche die Welt Freundschaft zu nennen gewohnt ist. — Denn berechtiget wäre ich es allerdings, einen Mann Freund zu nennen, der mir mit Verbindlichkeit zuvor gckonnncn ist; den ich auf einer Seite habe kennen lernen, von welcher ihn viele nicht kennen wollen; dem ich noch Verbindlichkeit habe, wenn es auch nur die wäre, daß seine Wächterstimme noch meines Namens schonen wollen. Doch, wie gesagt, ich suche, blos durch meine Freunde, eben so wenig zu gewinnen, als ich möchte, daß sie durch mich verlieren sollten. Also nur, Ehrwürdiger Mann! Ich ersuche Sie, die Güte zu haben, nachstehende Kleinigkeit in einige Ueberlcgung zu ziehen. Besonders aber dringe ich darauf, sich über die beygefügte Bitte nicht blos als Polemiker, sondern als rechtschaffner Mann und Christ, auf das baldigste zu erklären ». Die Parabel. Ein weiser thätiger König eines großen großen Reiches, hatte in seiner Hauptstadt einen Pallast von ganz unermeßlichem Umfange, von ganz besonderer Architektur. Unermeßlich war der Umfang, weil er in selbem alle um sich versammelt hatte, die er als Gehülfen oder Werkzeuge seiner Regierung brauchte. Sonderbar war die Architektur: denn sie stritt so ziemlich mit allen angenommenen Regeln; aber sie gefiel doch, und entsprach doch. Sie gefiel: vornehmlich durch die Bewunderung, welche Einfalt und Größe erregen, wenn sie Reichthum und Schmuck mehr zu verachten, als zu entbehren scheinen. Sie entsprach: durch Dauer und Bequemlichkeit. Der ganze Pallast stand nach vielen vielen Jahren noch in eben der Reinlichkeit und Vollständigkeit da, mit welcher die Baumeister die letzte Hand angelegt hatten: von aussen ein wenig unverständlich; von innen überall Licht und Zusammenhang. Was Kenner von Architektur seyn wollte, ward besonders durch die Außenseiten beleidiget, welche mit wenig hin und her !7?5? Sine Parabel :c. 123 zerstreuten, großen und kleinen, runden und vicreckten Fenstern untcrl'rochcn waren; dafür aber desto mehr Thüren und Thore von mancherley Form und Große hatten. Man begriff nicht, wie durch so wenige Fenster in so viele Gemächer genügsames Licht kommen könne. Denn daß die vornehmsten derselben ihr Licht von oben empfiengen, wollte den Wenigsten zu Sinne. Man begriff nicht, wozu so viele und vielerlei) Eingänge nöthig wären, da ein großes Portal auf jeder Seite ja wohl schicklicher wäre, und eben die Dienste thun würde. Denn daß durch die mehrern kleinen Eingänge ein jeder, der in den Pallast gerufen würde, auf dem kürzesten und unfehlbarsten Wege, gerade dahin gelangen solle, wo man seiner bedürfe, wollte den wenigsten zu Sinne. Und so entstand unter den vcrmcynten Kennern mancherley Streit, den gemeiniglich diejenigen am hitzigsten führten, die von dem Innern des Pallastcs viel zu sehen, die wenigste Gelegenheit gehabt hatten. Auch war da Etwas, wovon man bey dem ersten Anblicke geglaubt hätte, daß es den Streit nothwendig sehr leicht und kurz machen müsse; was ihn aber gerade am meisten verwickelte, was ihm gerade zur hartnäckigsten Fortsetzung die reichste Nahrung verschaffte. Man glaubte nehmlich vcrschicdnc alte Grundrisse zu haben, die sich von den ersten Baumeistern des Pallastcs hcrschrcibcn sollten: und diese Grundrisse fanden sich mit Worten lind Zcichcn bemerkt, deren Sprache und Charakteristik so gut als verloren war. Ein jeder erklärte sich daher diese Worte und Deichen nach cigncm Gefallen. Ein jeder setzte sich daher aus diesen alten Grundrissen einen beliebigen Neuen zusammen; für welchen Neuen nicht selten dieser und jener sich so hinrcisscn ließ, daß er nicht allein selbst daraus schwor, sondern auch andere darauf zu schwören, bald beredte, bald zwang. Nur wenige sagten: „was gehen uns eure Grundrisse an? Dieser oder ein andrer: sie sind uns alle gleich. Genug, daß wir jeden Augenblick erfahren, daß die gütigste Weisheit den ganzen Pallast erfüllet, lind daß sich aus ihm nichts, als Eine Parabel ic. Schönheit und Ordnung und Wohlstand auf das ganze Land verbreitet." Sie kamen oft schlecht an, diese Wenigen! Denn wenn sie lachenden Muths manchmal einen von den besondern Grundrissen ein wenig näher beleuchteten, so wurden sie von denen, welche auf diesen Grundriß geschworen hatten, für Mordbrenner des Pallastes selbst ausgcschrien. Aber sie kehrten sich daran nicht, und wurden gerade dadurch am geschicktesten, denjenigen zugesellet zu werden, die innerhalb des Pallastes arbeiteten, und weder Zeit noch Lust hatten, sich in Streitigkeiten zu mengen, die für sie keine waren. Einsmals, als der Streit über die Grundrisse nicht sowohl beygelegt, als eingeschlummert war, — einsmals um Mitternacht erscholl plötzlich die Stimme der Wächter: Feuer! Feuer in dem Pallaste! Und was geschah? Da fnhr jeder von seinem Lager auf; und jeder, als wäre das Feuer nicht in dem Pallastc, sondern in seinem eignen Hause, lief nach dem Kostbarsten, was er zu haben glaubte, — nach seinem Grundrisse. „Laßt uns den nur retten! dachte jeder. Der Pallast kann dort nicht eigentlicher verbrennen, als er hier stehet!" Und so lief ein jeder mit seinem Grundrisse auf die Straße, wo, anstatt dem Pallastc zu Hülfe zu eilen, einer dem andern es vorher in seinem Grundrisse zeigen wollte, wo der Pallast vermuthlich brenne. „Sich, Nachbar! hier brennt er! Hier ist „dem Feuer am besten bcozukonnncn. — Oder hier vielmehr, „Nachbar, hier! — Wo denkt ihr beide hin? Er brennt „hier! — Was hätt es für Noth, wenn er da brennte? Aber „er brennt gewiß hier! — Lösch ihn hier, wer da will. Zeh „lösch ihn hier nicht. — Und ich hier nicht! — Und ich „hier nicht!" — Ueber diese geschäftigen Zänker hätte er denn auck wirklich abbrennen können, der Pallast; wenn er gebrannt hätte. — Aber die erschrocknen Wächter hatten ein Nordlicht für eine Feuersbrunst gehalten. Eine Parabel -c. 1?5 Die Bitte. Ein andres ist ein Pastor: ein andres ein Bibliothekar. So verschieden klingen ihre Benennungen nicht: als verschieden ihre Pflichten und Obliegenheiten sind. Ucbcrhaupt denke ich, der Pastor und Bibliothekar Verhalten sich gegen einander, wie der Schäfer und der Kräuterkcnncr. Der Kräutcrkcnner durchirret Berg und Thal, durchspähet Wald und Wiese, um ein Kräutchen aufzufinden, dem Lunneus noch keinen Namen gegeben hat. Wie herzlich freuet er sich, wenn er eines findet! Wie unbekümmert ist er, ob dieses neue Kräutchcn giftig ist, oder nicht! Er denkt, wenn Gifte auch nicht nützlich sind — (und wer sagt es denn, daß sie nicht nützlich wären?) — so ist es doch nützlich, daß die Gifte bekannt sind. Aber der Schäfer kennt mir die Kräuter seiner Flur; und schätzt und pflegt nur diejenigen Kräuter, die seinen Schafen die angenehmsten und zuträglichsten sind. So auch wir, ehrwürdiger Mann! — Ich bin Aufseher von Büchcrschätzcn; und möchte nicht gern der Hund seyn, der das Heil bewacht: ob ich schon freylich auch nicht der Stallknecht seyn mag, der jedem hungrigen Pferde das Heu in die Rauffe trägt. Wenn ich nun unter den mir anvertrauten Schätzen etwas finde, von dem ich glaube, daß es nicht bekannt ist: so zeige ich es an. Bors erste in unsern Katalogen; und dann nach und nach, so wie ich lerne, daß es diese oder jene Lücke füllen, dieses oder jenes berichtigen hilft, auch öffentlich: und bin ganz gleichgültig dabey, ob es dieser für wichtig, oder jener für unwichtig erkläret, ob es dem einen frommet, oder dem andern schadet. Nützlich und verderblich, sind eben so relative Begriffe, als groß nnd klein. Sie hingegen, Ehrwürdiger Mann, würdigen alle litterarische Schätze nur nach dem Einflüsse, den sie auf Ihre Gemeinde haben können, und wollen lieber zu bcsorglich als zu sahrläßig seyn. Was geht es Sie an, ob etwas bekannt, oder nicht bekannt ist? wenn es nur Einen auch von den Kleinsten ärgern könnte, die Zhrer geistlichen Aufsicht anvertrauet sind. 125, eine Parabel :c. Recht gut! Ich lobe Sie darum, Ehrwürdiger Mann. Aber weil ich Sie lobe, daß Sie Ihre Pflicht thun: so schelten Sie mich nicht, daß ich die mcmige thue; — oder, welches einerley ist, zu thun glaube. Sie würden vor Ihrer Todesstunde zittern, wenn Sie an der Bekanntmachung der bewußten Fragmente den geringsten Antheil hätten. — Ich werde vielleicht in meiner Todesstunde zittern: aber vor meiner Todesstunde werde ich nie zittern. Am allerwenigsten deswegen, daß ich gethan habe, was verständige Christen itzt wünschen, daß es die alten Bibliothekare zu Alcran- dria, zu Cäsarea, zu Constantinopel, mit den Schriften des Fclsus, des Fronto, des Porphyrms, wenn sie es hätten thun können, möchten gethan haben. Um die Schriften des letzter», sagt ein Mann, der sich auf solche Dinge verstehet, gäbe itzt mancher Freund der Religion gern einen frommen Kirchenvater hin. Und ich hoffe ja nicht, Ehrwürdiger Mann, daß Sie sagen werden: „jene alten Feinde der Religion hätten es allerdings „verdient, daß ihre Schriften sorgfältiger wären aufbehalten „worden. Aber wozu der Neuern ihre aufbewahren, die nach „siebzchnhundcrt Jahren doch nichts Neues sagen könnten? Wer weiß das, ohne sie gehört zu haben? Wer von linsern Nachkommen glaubt das, ohne es zu sehen? Dazu bin ich der festen Meynung, daß Welt und Christenthum noch so lange stehen werden, daß in Betracht der Religion die Schriftsteller der ersten zwey Tausend Zahre nach Christi Gcburtb, der Welt eben so wichtig seyn werden, als uns itzt die Schriftsteller der ersten zwey Hundert Jahre sind. Das Christenthum geht seinen ewigen allmäligcn Schritt: und Verfinsterungen bringen die Planeten aus ibrcr Bah» nicht. Aber die Sekten des Christenthums sind die Phafts desselben, die sich nicht anders erhalten können, als durch Stockung der ganzen Natur, wenn Sonn und Planet und Betrachter auf dem nehmlichen Punkte verharren. Gott bewahre uns vor dieser schrecklichen Stockung! Also, ehrwürdiger Mann: mißbilligen Sie cS wenigstens weniger hart, daß ich ehrlich genug gewesen, eben sowohl sehr Eine Parabel -c. 4?7 unchristlichc Fragmente, als eine sehr christliche Schrift des Dercngarius, von ihrem Untergänge zu retten, und an das Licht zu bringen. Doch das ist die Bitte noch nicht, ehrwürdiger Mann, die ich Ihnen zu thun habe. Ich bitte von gewissen Leuten nichts, was ich nicht allenfalls auch Recht hätte, von ihnen zu fodcrn. Und mit dieser Bitte allerdings können Sie es halten, wie Sie wollen. Sondern meine eigentliche Bitte ist der Art, daß Sie die Gewährung derselben mir nicht wohl verweigern können. Sie haben mir Unrecht gethan; und einem ehrlichen Manne ist nichts angelegner, als Unrecht, welches er nicht thun wollen, und doch gethan, wieder gut zu machen. Es besteht aber dieses mir zugefügte Unrecht darinn, daß Sie eine von mir geschriebene Stelle ganz wider ihren Zusam- mcnbang zu commentircn, das Unglück gehabt. Ihr Kopf war eben wärmer, als helle. Ich erkläre mich an einem Gleichniße. Wenn ein Fuhrmann, der in einem gruudloscu Wege mit seinem schwerbeladenen Wagen festgefahren, nach mancherley vergeblichen Versuchen, sich los zu arbeiten, endlich sagt, rvenir alle Stränge reisscn, so muß ick abladen: wäre es billig, aus dieser seiner Rede zu schlicsscn, daß er gern abladen wollen, daß er mit Fleiß die schwächsten mürbestcn Stränge vorgebunden, um mit guter Art abladen zu dürfen? Wäre der Befrachter nicht ungcrcckt, der aus diesem Grunde die Vergütung alles Schadens, selbst alles innern von aussen unmcrklichcn Schadens, an welchem eben sowohl der Einpacker Schuld könnte gehabt haben, von dem Fuhrmanne verlangen wollte? Dieser Fuhrmanu bin ich: dieser Befrachter sind Sie, ehrwürdiger Mann. Ich habe gesagt, rvenn man auch nicht im Stande scvn sollte, alle die Einwürfe zu heben, welche die Vernunft gegen die Vibel zu machen, so geschäftig ist: so bliebe dennoch die Religion in den Herzen derjenigen Christen unvcr- rückt und unvcrkümmcrt, welche ein inneres Gefühl von den wesentlichen Wahrheiten derselben erlangt haben. Dieses zu unterstützen, schrieb ich die Stelle nieder, die eine so unmilde Ausdehnung von Zhncn erdulden müssen. Zch soll und muß M^M^^l. ^ K 128 Eine Parabel -c. gesagt haben, daß auf die Einwürfe gegen die Bibel sich schlechterdings nichts antworten lasse; daß es nur umsonst sey, darauf antworten zu wollen. Zch soll und muß die letzte unfehlbare Zuflucht des Christen dem Theologen, je eher je lieber zu nehmen, angerathen haben; damit ein schwacher, aber großsprecherischer Feind desto eher das Feld behaupten könne. Das ist nicht die wahre Vorstellung meiner Gedanken, ehrwürdiger Mann. Gleichwohl kann es bey Ihnen auch nicht Vorsar; gewesen sevn, eine so falsche Vorstellung meiner Gedanken zu machen. Sie waren, in Zuversicht auf Ihre gute Sache, die Sie auch von mir angegriffen zu seyn vermeyntcn, zu hastig: Sie übereilten sich. Ehrwürdiger Mann, die sich am leichtesten übereilen, sind nicht die schlechtesten Menschen. Denn sie sind größte» Theils eben so fertig, ihre Ucbcrcilung zu bekennen; und eingestandene Uebcrcilung ist oft lehrreicher, als kalte überdachte Unfehlbarkeit. Sonach erwarte ich denn auch von Ihnen, ehrwürdiger Mann, daß Sie, in einem der nächsten Stücke Ihrer freiwilligen Betrage, eine so gut als srcvwilligc Erklärung zu thun, nicht ermangeln werden; des Inhalts: daß allerdings noch ein gewisser Gesichtspunkt übrig scv, in welchem meine von Ihnen angegriffene Stelle sehr unschuldig erscheine; daß Sie diesen Gesichtspunkt übersehen; daß Sie weiter keine Ursache haben, diesen übcrschcncn Gesichtspunkt, nackdcm Sie von mir darauf gcführct worden, nicht für den zu halten, auf welchen ich hin gearbeitet. Nur eine solche Erklärung kann dem Verdachte Einbalt thun, den Sie, ehrwürdiger Mann, über meine Absiebten verbreiten zu wollen scheinen. Nur nach einer solchen Erklärung darf ich auf das wieder begierig sevn, was Ihnen ferner gegen mich zu erinnern, gefallen möchte. Ohne eine solche Erklärung aber, ehrwürdiger Mann, muß ich Sie schreiben lassen, — so wie ich Sie predigen lasse. Line Par.ü'cl:c. Das Absagungsschreiben. Mein Herr Pastor, Al>t vorstehenden friedlichen Blättern glaubte ich von Ihnen abzukommen; und schon freute ich mich in Gedanken auf den freiwilligen Beytrag, j,, welchem Ihre heilige Faust das christliche Banicr wieder über mich scbwcnken würde. Zndcß aber entweder mich die Presse, oder ich die Presse nicht genugsam fördern konnte, erhalte ich das 61 — 63ste Stück besagter Bcvträgc, — und bin wie vcrnicbtct! Das hat der nehmliche Mann geschrieben? Wie soll die Nacbwclt, auf welche die frcyrvilligen Beyträge doch ganz gewiß kommen werden, einen so plötzlichen Sprung von Weiß aus Schwarz sich erklären? — Gocze, wird die Nachwelt sagen, Gocze wäre der Mann gewesen, der in Einem Athem gegen einen und eben denselben Schriftsteller sauersüße Komplimente zwischen den Zähnen murmeln, und aus vollem Halse laute Verleumdungen auostossen können? Er hätte zugleich die Katze und den Eber gespielt? Die Katze, die um den heißen Brcn gehet? und den Eber, der blind auf den Spieß rennet? Das ist unglaublicb! Zn dem Z5sten Stück ist sein Eifer noch so gcmäßigct, noch so ganz anonvmisch; er nennet weder Sack noch Esel, auf die sein Stecken zuschlägt: und auf einmal im lösten Stücke ist L.cssing namentlich hinten und vorne; muß Messing namcntlick gcknippcn werden, so oft er den Krampf in seine ortbodorcn Finger bekömmt? Dort will er daS Wasser kaum regen: und hier, Plumps! Das ist unbcgrcislich! Nothwendig müssen also zwiscben dem 55stcn und Kisten Stücke dieser kostbaren Blätter, wie wir sie itzt baben, alle diejenigen verloren gegangen scvn, die »ns dieses Plumps! erklären würden." So wird die Nachwelt sagen, Herr Pastor. Doch was kümmert Uns die Nachwelt, Herr Pastor, die vielleicht auch so nicht sagen wird? bicnng, Sie wissen selbst am besten, wie sehr sich die Nachwelt irren würde; und ich berühre diese Saite blos, um cö bey der iiztlebenven Welt, — versteht sich, der Welt, die wir ZdcyOc füllen — zu entschuldigen, Falls auch i!eslmgs We>kc X. g 130 Eine Parabel:c. mein Ton, den ich mir künftig mit dem Hrn. Pastor Goe;e erlauben dürfte, ihr von dem allzuviel abzuweichen scheinen sollte, den ich noch bisher anzugeben, für schicklicher gehalten. Denn wahrlich, Herr Pastor, der zudringlichen Griffe, mit welchen Sie an mich setzen, werden allmälig zu viel! Erwarten Sie nicht, daß ich sie Ihnen alle vorrechne: es würde Sie kitzeln, wenn Sie sähen, daß ich alle gefühlt habe. Ich will Ibncn nur sagen, was daraus kommen wird. Zch will schlechterdings von Ihnen nicht als der Mann verschrieen werden, der es mit der Lutherischen Kirche weniger gut meynet, als Sie. Denn ich bin mir bewußt, daß ick es weit besser mit ihr meyne, als der, welcher uns jede zärtliche Empfindung für sein einträgliches Pastorat, oder dergleichen, lieber für heiligen Eifer um die Sache Gottes cinschwatzcn möchte. Sie, Herr Pastor, Sie hätten den allergeringsten Funken Lutherischen Geistes? — Sie? der Sie auch nicht einmal Luthers Schulsystem zu übersehen im Stande sind? — Sie? der Sie, mit stillschweigendem Beyfall, von ungewaschenen, auch wohl treulosen Händen die Seite des Luthcrschen Gebäudes, die ein wenig gesunken war, weit über den Wasscrpaß hinaus schrauben lassen? — Sie? der Sie den ehrlichen Mann, der freylich ungebeten, aber doch ausrichtig, den Männern bey der Schraube zuruft: schraubt dort nicht weiter! damit das Gebäude nicht hier stürze! — der Sie diesen ehrlichen Mann mit Steinen verfolgen? Und warum? — Weil dieser ehrliche Mann zugleich den schriftlich gegebenen Rath eines ungenannten Baumeisters, das Gebäude lieber ganz abzutragen, — gebilligct? unterstützt? ausführen wollen? auszuführen angefangen? — Nicht doch! — nur nicht unterschlagen zu dürfen, geglaubt. 0 lanew llmplicitss! — Aber noch bin ich nicht da. Herr Pastor, wo der gute Mann, der dieses ausrief, nur noch dieses ausrufen konnte. — Erst soll unS hören, erst soll über uns urtheilen, wer hören und urtheilen kann und will! O daß Er es könnte, Er, den ich am liebsten zu meinem Richter haben möchte! — Luther, du! — Grosser, verkannter Mann! Und von niemanden mehr verkannt, als von den kurz- Eine Parabel -c. 131 sichtigen Starrköpfen, die, deine Pantoffeln in der Hand, den von dir gebahnten Weg, schreyend aber gleichgültig daher schlendern! — Du hast uns von dem Zochc der Tradition erlöset: wer erlöset uns von dem unerträglichem Zoche des Buchstabens! Wer bringt uns endlich ein Christenthum, wie du es iyt lehren würdest; wie es Christus selbst lehren würde! Wer-- Aber ich vergesse mich; und würde noch mehr Sie vergessen, Herr Pastor, wenn ich, auf eine dergleichen Aeusserung, Ihnen vertraulich zuspräche: Herr Pastor, bis dahin, was weder Sie noch ich erleben werden; bis dahin, was aber gewiß kömmt, gewiß! gewiß! — wäre es nicht besser, unsers Gleichen schwiegen? unsers Gleichen verhielten sich nur ganz leidend? Was einer von Uns zurück halten will, möchte der andere übereilen: so daß der eine mehr die Absichten des andern beförderte, als seine eignen. Wie wäre es, Herr Pastor, wenn wir den Strauß, den ich noch mit Ihnen aus- zufcchtcn habe, den ersten und letzten seyn liessen? Zch bin bereit, kein Wort weiter mit Ihnen zu verlieren, als was ich schon verloren habe." Denn nein; das werden Sie nicht wollen. Goeze hat noch keinem seiner Gegner das letzte Wort gelassen; ob er sich gleich immer das erste genommen. Er wird, was ich zu meiner Vertheidigung sagen müssen, als Angriff betrachten. Denn der Tummelplatz des seligen oiegra muß ihm nicht vergebens nun ganz angcstorben seyn. Zch beklage: denn sehen Sie, Herr Pastor, es wird mir unmöglich seyn, nicht gegen Ihren Stachel zu läckcn, und die Furchen, fürchte ich, die Sie auf dem Acker Gottes mich mit aller Gewalt wollen ziehen lassen, werden immer krümmer und krümmer werden. Nicht zwar, daß ich Ihnen jede hämische Anspielung; jeden, wenn Gott will, giftigen Biß; jeden komischen Ausbruch Ihres tragischen Mitleids; jeden knirschenden Seufzer, der es beseufzct, nur ein Seufzer zu seyn; jede pflichtschuldige Pastoral- verhctzung der weltlichen Obrigkeit, womit Sie gegen mich von nun an Ihre freywilligen Beyträge spicken und würzen werden, aufmutzen, oder, wenn ich auch könnte, verwehren wollte. So g» 13? Eine Parabel -c. unbillig bin ich nicht, daß ich von Einem Vogel in der Welt eine einzige andere Feder verlangen sollte, als er hat. Auch haben dicserley Pharmaka ihren Credit längst verloren. Sondern nur eines werde ich nicht aushalten können: Ihren Stolz nicht; der einem Jeden Vernunft und Gelehrsamkeit abspricht, welcher Vernunft und Gelehrsamkeit anders braucht, als Sie. Besonders wird alle meine Galle rege werden, wenn Sie meinen Ungenannten, den Sie nur noch aus unzusammenhangcnden Bruchstücken kennen, so schülerhaft und bubcnmäßig zu behandeln fortfahren. Denn Mann gegen Mann, — nicht Sache gegen Sache — zu schätzen: so war dieser Ungenannte Ves Gewichts, daß in aller Art von Gelehrsamkeit, sieben Goe;c nicht ein Sicbcnthcil von ihm auf- zuwägcn vermögend sind. Das glauben Sie mir indeß, Herr Pastor, auf mein Wort. Und sonach meine Ritterliche Absage nur kurz. Schreiben Sie, Herr Pastor, uns lassen Sie schreiben, so viel das Zeug halten rvill: ich schreibe auch. IVcnn ich Ihnen in Vcm geringsten Dinge, rvae mich over meinen Ungenannten angeht, Recht lasse, rvo Sie nicht Recht haben: Vann kann ich Sie LeScr nicht mehr rühren, °) °) „Dicsc Parabel hat mein Bruder unter dem Titel: der pallast im Feuer, Eine Parabel mit ihrer Erklärung, aufs neue herausgeben wollen, und schon die Stellen, zu welchen Erklärungen kommen sollten, auf besondere Seilen geschrieben. Es ist davon aber weiter nichts da, als ein Entwurf zur Borrede, der so lautet: „Dicsc Parabel ist nicht das „Schlechteste, was ich gcschricbcu. — — — Dic albcr» Deutungen deS „Herrn Goze no'lhigc» mich, mein eigner Ausleger zu wcrdcn. — Eözc läsjt „sich träumen, daß ich damit auf die Händel zielen wollen, welche die Fragmente erregen, — Und ich habe sie bestimmt, die ganze Geschichte der „christlichen Religion darunter vorzustellen," Rarl G. Lessing, Ariomata, wenn cs deren in dergleichen Dingen giebt. - - - - scumine poNenlilius »olioiielli prsetlicsli i» »olions tuhjecti in- »livuU» nexu cum coliserenlem pervillenöi. s^o//-i tt. Wider den Herrn Pastor Goeze, in Hamburg. (2) 1 7 78. Acr Bogen, oder wie viel es geben wird, den ich zu schreiben mich niedersetze, dürfte mir deßwegen sehr sauer werden, weil ich kaum weiß, für wen ich ibn schreibe. Ich weiß nur, rvivcr wen; und habe so wenig Hoffnung, daß er auch für den werden könne, rviver den er gerichtet ist, daß ich diese Hoffnung kaum iu einen Wunsch zu verwandeln wage. Ueber eine Stelle nehmlich, von der ich mir bewußt bin, daß ich sie mit Ucbcrlcgung und in guter Mcvuuug geschrieben babc, bat der Hr. Pastor Gocze, in Hamburg, Erinnerungen gemacht, und in zwcvcrlcy Zeitungen abdrucken lassen, die mich lieber als Gegner der christlichen Religion brandmarkten. Zch mag die Stelle, so wie ich sie geschrieben habe, hier nicht wicdcrhohlcn. lind das um so viel weniger, da ich den einzeln Sätzen derselben, die ich wie lauter Axiome dahin gepflanzt haben soll, eine etwas andre Ordnung geben will. Vielleicht, daß durch diese kleine Veränderung allein, mein Gegner mich besser verstehen lernt; besonders wenn er findet, daß seine eignen Einwendungen mir bchulflich gewesen, mich besser zu erklären. Vielleicht, daß durch diese kleine Veränderung allein, meine Sätze vollends werden, was sie noch nicht waren. Denn wer weiß nicht, daß Ariomata Sätze sind, deren Worte man nur gehörig verstehen darf, um an ihrer Wahrheit nicht zu zweifeln? Gleich Anfangs stutzt der Hr. Pastor gewaltig, daß mir weder die bisherigen Bestreitungen, noch die bisherigen Ncrthei- 134 Anomala. digungcn der christlichen Religion, so ganz gefallen. Er stutzt; aber wenn ich ihn mir bewegen kann, das Ding, welches ihn so schen macht, erst recht anzusehen: so soll er es beruhiget wohl hoffentlich vorbey gehen. Wenn ich heucheln, wollte, dürfte ich mich nur so erklären, daß alle Schuld meiner unbefriedigten Erwartung, auf die Bestreitungen der Religion fiele. Daß diese, ohne Ausnahme, ganz schief und verfehlt sind, wird mir der Hr. Pastor gern zugeben. Wenn ich nun sagte? „wie der Angriff, so die Vertheidigung. „Was kann der Gottcsgclchrtc dafür, daß man seine gute „Sache auf keiner andern Seite, mit keinen bessern Waffen „angreifen wollen? Wenn man die Festungen von oben herab „belagern wird: so wird man auch darauf denken, sie von „oben herein zu beschirmen." Doch ich verachte alle Ausflüchte; verachte alles, was einer Ausflucht nur ähnlich sieht. Zch habe es gesagt, und sage es nochmals: auch an und für sich selbst, sind die bisherigen Vertheidigungen der christlichen Religion, bey weitem nicht mit allen den Kenntnissen, mit aller der Wahrheitsliebe, mit allem dem Ernste geschrieben, den die Wichtigkeit und Würde des Gegenstandes erfodcrn! Und allerdings ist diese meine allgemeine Aeusserung aus Znduction entstanden; und zwar aus einer so vollständigen, so genau erwogenen Znduction, als ich in meiner Verfassung zu machen, nur im Stande gewesen. Nun, so führe man diese Induction erst vor unsern Augen! ruft mein Gegner in einem schon triumphircndcn Tone mir zu. Lieber Herr Pastor, ich wünschte sehr, diese Zumuthung wäre nicht gedruckt an mich ergangen. Es ist eine wahre Kan- zelzumuthung: und Sie wissen wohl, wie man einer dergleichen Zumuthung begegnet. Ebenfalls durch eine Zumuthung. Wenn ich sage, alles Quecksilber verraucht über dem Feuer: muß ich demjenigen zu gefallen, dem die Allgemeinheit meiner Behauptung nicht ansteht, alles Quecksilber aus der ganzen Natur zusammen bringen, und es vor seinen Augen verrauchen lassen? Zch dächte, bis ich das im Stande bin, spräche ich Anomata. 13? blos zu ihm: „Guter Freund, alles Quecksilber, das ich noch „über Feuer brachte, das verrauchte wirklich. Kennst du wcl- „ches, das nicht verraucht: so bring es, damit ich es auch ken- „ncn lerne; und du sollst Dank haben." Alle die unzähligen großen und kleinen Schriften, die auch nur seit diesem Jahrhunderte für die Wahrheit der christlichen Religion geschrieben worden, auf die Eapclle zu bringen: welch ein Zumuthcn! War es dem Hrn. Pastor doch Ernst damit, wollte er nicht blos mich damit verhöhnen, nicht blos sich an meiner Verlegenheit weiden, entweder zu widerrufen, oder mich einer Arbeit ohne Ende zu unterziehen: nun gut, so beweise er es durch eine Kleinigkeit. Sie soll ihm nur ein Wort kosten, diese Kleinigkeit. Nehmlich: er nenne mir nur diejenige Schrift, mit welcher ich meinen Versuch des Verrauchcns zuerst machen soll. Er nenne mir sie nur; und ich bin bereit. Ist es eine, die ich schon kenne: so darf mir nicht bange seyn. Ist es eine, die ich nicht kenne, und mein Versuch schlägt fehl: desto besser. Ich nehme für eine große Belehrung eine kleine Beschämung gern vorlicb. Nnr eines muß ich mir dabey ausbcdingcn. Er muß nicht tbun, als ob der, welcher gewisse Beweise einer Sache bezweifelt, die Sache selbst bezweifle. Der geringste Fingerzeig dahin ausgestreckt, ist Meuchelmord. Was kann ich dafür, daß man neuerer Zeit Ncbcnbcwcisc zu einer Gewißheit und Evidenz erheben wollen, die sie schlechterdings nicht haben können? Was kann ich dafür, daß man die ganze Sache nicht in den bescheidenen Schranken lassen wollen, inncrbalb welchen sie alle ältere Theologen gesichert genug hielten? Oder ist dem Hrn. Pastor die Geschichte der Dogmatik so wenig bekannt, daß er von diesen Veränderungen nichts weiß? Wie kömmt er, und Er insbesondere dazu, sich gegen einen Mann zu erklären, der nur mit diese» Veränderungen unzufrieden ist? Er ist ja sonst kein Freund von theologischen Neuerungen. Warum will er nur diese gegen mich in Schul; nehmen? Weil ich mich nicht überall nach der theologischen Schulsvrachc ausgedruckt habe, die ihm geläufig ist? Zch bin Liebhaber der Theologie, und nicht Theo- Slrionmta, log. Ich habe auf kein gewisses System schwören müssen. Mich verbindet nichts, eine andre Sprache, als die mcinige, zu reden. Ich betaure alle ehrliche Männer, die nicht so glücklich sind, dieses von sich sagen zu können. Aber diese ehrlichen Männer müssen nur andern ehrlichen Männern nicht auch den Strick um die Hörner werfen wollen, mit welchem sie an die Krippe gebunden sind. Sonst hört mein Bctauren auf: und ich kann nichts als sie verachten. So viel von dem Grausalc, der dem Hrn. Pastor gleich am Eingänge des Weges aufsticß. Nun von der Stelle selbst, die ich, wie gesagt, nicht ganz in der nehmlichen Ordnung, aber doch in allen ihren Worten, in ihrem ganzen Sinne, gegen die Mißdeutungen des Hrn. Pastors zu retten, mich gezwungen sehe. Die logische Ordnung unsrer (bedanken, ist nicht immer die, in welcher wir sie andern mittbcilcn. Aber sie ist die, welche vor allen Dingen der Gegner aussuchen muß, wen» sein Angriff nach der Billigkeit seyn soll. Und so hätte der Hr. Pastor mit dem 3tcn meiner Sätze anfangen müssen, wie folget. I. (3) Die Bibel enthalt offenbar mehr, als zur Religion gehöret. Dieses geschrieben zu haben, dars mich nicht reuen. Aber darauf geantwortet haben, wie der Hr. Pastor Goczc daraus antwortet, möchte ich um alles in der Welt nicht. „Zn diesem Satze, antwortet er, liegen zwey Sätze. Ein- „mal: die Bibel enthalt das, was zur Religion gehört. Awcy- „ tens: die Bibel enthält mehr als zur Religion gehört. In „dem ersten Satze räumt der Hr. H. das ein, was er in dem „vorhergehenden geleugnet hat. Enthält die Bibel das, was „zur Religion gehört: so enthält sie die Religion objective selbst. Ich erschrecke! Ich soll geleugnet haben, daß die Bibel die Religion enthalte? Ich? Wo das? Gleich in dem vorhergehenden? Doch wohl nicht damit, daß ich gesagt habe: die Bibel ist nicht die Religion? damit? Lieber Herr Pastor, wenn Sie mit allen ihren Gegnern so zu Werke gegangen sind! Ist denn seyn und enthalten einerley? Sind es denn ganz identische Sätze: die Bibel entHall die Rc- Ariomcita. 137 ligion; und die Bibcl ist die Religion? Man wird mir doch nimmermehr in Hamburg den ganzen Unterschied zwischen Brutto und Netto wollen streitig machen? Da, wo so viele Waaren ihre bestimmte Thara haben, wollte man mir auf die h. Schrift, auf eine so kostbare Waare, nicht auch eine kleine Thara gut thun? — Nun, nun; der Hr. Pastor ist auch wirklich so un- kaufmannisch nicht. Denn er fährt fort: „Der zweyte Satz kann zugegeben werden, wenn man einen „Unterschied macht zwischen dem, was wesentlich zur Religion „gehört, und zwischen dem, was zur Erläuterung und Bestätigung der Hauptsätze, welche eigentlich das Wesen der Religion „ausmachen, gehöret. <>'ut! also handeln wir doch schon um das Brutto. Und wie? wenn auch ganz unnöthige Emballage darunter wäre? — Wie? wenn auch nicht Weniges in der Bibel vorkäme, das schlechterdings weder zur Erläuterung noch zur Bestätigung, auch des allergeringsten Satzes der Religion, diene? Was andere auch gute Lutherische Theologen von ganzen Schriften der Bibcl behauptet baben, darf ich doch wohl von einzeln Nachrichten in dieser und jener Schrift behaupten? Wenigstens muß man ein Rabbi oder ein Homilet seyn, um nur eine Möglichkeit oder ein Wortspiel auszugrübcln, wodurch die Hajicmim des Ana, die Crcthi und Plcthi des David, der Mantel, den Paulus zu Troas vergaß, und hundert andere solche Dinge, in einige Beziehung auf die Religion können gebracht werden. Also der Satz, die Bibel enthält mehr, als zur Religion gehöret, ist ohne Einschränkung wahr. Auch kann er, durch seinen gehörigen Gebrauch, der Religion unendlich vorthcilhaf- ter, als durch seinen Mißbrauch ihr schädlich werden. Mißbrauch ist von allen Dingen zu besorgen; und ich hätte nichts dagegen, daß man sich im voraus darwidcr decket. Nur hätte das auf eine passendere Art geschehen müssen, als es in folgendem Zusätze des Hrn. Pastors geschehen ist. „Soll aber dieser Satz der Bibcl zum Nachtheil gereichen; „so ist er völlg unkräftig, eben so unkräftig, als wenn ich sa- „gen wollte: Wolfs System der Mathematik enthält Scholia, „und diese verringern den Werth.desselben," 438 Axiomata. Wie gesagt, bey mir soll dieser Satz, der Bibel zu keinem Nachtheile gereichen. Er soll sie vielmehr mit Eins unzähligen Einwürfen und Spo'ttcrcycn entziehen, und in die aufgcgcbncn Rechte alter Urkunden wieder einsetzen, denen man Ehrerbietung und Schonung schuldig ist. Mit Ihrem Exempel hicrnachst, Herr Pastor, bin ich mehr zufrieden, als Sie glauben. Freylich verringern die Scholia in Wolfs Elementen der Mathematik, nicht den Werth derselben. Aber sie machen doch, daß nun nicht alles darin dcmonstrirt ist. Oder glauben Sie, daß die Scholia eben so gewiß seyn müssen, als die Thcoremata? Nicht zwar, als ob nicht auch Schölten dcmonstrirt werden könnten: sondern sie brauchen es hier nur nicht. Es hieße die Demonstration verschwenden, wenn man alle die Kleinigkeiten damit versehen wollte, die man in ein Scholion bringen und auch nicht bringen kann. — Eine ähnliche Verschwendung der Znspiration ist von eben so wenig Nutzen, aber von nncndlich mehr Aergerniß. II. (4) Es ist bloße Hypothese, daß Sie Zöibel in diesem Mehrern gleich unfehlbar sey. Nicht? Sondern was denn? Unwidersprechlicbe Mahr- heil. Unwidersprcchlich? dcm so oft widersprochen worden! dem noch itzt so viele widersprechen! So viele: die auck Cbristcn seyn wollen, und Christen sind. Frcvlich nicht Wittcnbcrgisch- Lntherische Christen: freylich nicht Christen von Lalove Gnaden. Aber doch Christen, und selbst Lutherische Christen; von Gottes Gnaden. Wenn indeß Calov und Gocze doch Recht hätten! Letzterer führt wenigstens ein so treffliches Dilemma an. „Entweder, „sagt er, dieses Mehrere ist von Gott eingegeben, wenigstens „gebilligct, oder nicht. Zst das erste, so ist es eben so unfehlbar, wie das Wesentliche. Nimmt man aber das letzte an, so „verliert das erste auch seine Zuvcrläßigkcit." Wenn dieses Dilemma richtig ist: so muß es auch gelte», wenn ich, anstatt des Mehrern, irgend ein ander Subject setze, von welchem das nehmliche doppelte Prädicat zu gelten scheinet. Z. E. „Das moralisch Böse ist entweder durch Gott geworden, öv?Ik Axiomata. 13V wenigstens von ihm gcbilligct, oder nicht. Ist das erste: so ist es eben so göttlich, und also eben so gut, als das Gute. Nimmt man aber das letzte an, so können wir auch nicht wissen, ob Gott das Gute erschaffen und gebilliget habe. Denn Böses ist nie ohne Gutes, und Gutes nie ohne Böses." Was denkt mein Leser? Wollen wir beide Dilemmata behalten? oder beide verwerfen? Ich bin zu dem letzten entschlossen. Denn wie? wenn sich Gott bey seiner Inspiration gegen die menschlichen Zusätze, die selbst durch die Znspiration möglich wurden, eben so verhalten hätte, wie bey seiner Schöpfung gegen das moraliscb Döse? Wie? wenn er, nachdem das eine und das andere Wunder einmal geschehen war, das, was diese Wunder hervorgebracht hatten, seinem natürlichen Laufe überlassen hätte? Was schadet es, daß in diesem Falle die Grenzen zwischen menschlichen Zusätzen und geoffenbarten Wahrheiten, so genau nicht mehr zu bestimmen wären? Ist doch die Grenz- schcidung zwischen dem moralisch Bösen und dem moralisch Guten, eben so unbestimmbar. Haben wir aber darum gar kein Gefühl vom Guten und Bösen? Würden sich deswegen gar keine geoffenbarte Wahrheiten von menschlichen Zusätzen unterscheiden? Hat denn eine geoffenbarte Wahrheit gar keine innere Merkmale? Hat ihr unmittelbar göttlicher Ursprung an ihr und in ihr keine Spur zurückgelassen, als die historische Wahrheit, die sie mit so vielen Fratzen gemein hat? Also gegen den Schluß des Hrn. Pastors hätt ich das, lind sonst noch manches, einzuwenden. Aber er will auch nicht sowohl durch Schlüße beweisen, als durch Gleichniße und Schriftstcllen. Und diese letzten?, die Schriftstcllen, werden doch wohl un- widcrsprcchlich seyn? Wenn sie das doch wären! Wie gern wollte ich den ewigen Zirkel vergessen, nach welchem die Unfehlbarkeit eines Buches aus einer Stelle des nehmlichen Buches, und die Unfehlbarkeit der Stelle, aus der Unfehlbarkeit des Buches bewiesen wird. Aber auch die sind so wenig unwider- sprcchlich: daß ich denken muß, der Hr. Pastor hat nur gerade die allerzweifelhaftcsten für mich aufgesucht, um die triftigern auf eine bessere Gelegenheit zu vcrsparen. _MM^s"_ Arioiii.ua. Wenn Christus von der Schrift sagt, sie zeuge von ihm: hat er damit sagen wollen, daß sie nur von ihm zeuge? Wie liegt in diesen Worten die Homogenität aller biblischen Bücher, sowohl in Ansehung ihres Inhalts, als ihrer Eingebung? Könnte die Schrift nicht eben sowohl von Christo zeugen, wenn auch mir das eingegeben wäre, was sich darin als ausdrückliche Worte Gottes oder der Propheten auszeichnet? Und die no-o-« des Paulus! — Ich brauche den Hrn. Pastor nicht zu erinnern, wem er erst über die wahre Erklärung dieser Stelle genug thun muß: ehe er fortfährt, sich ihrer so geradehin zu bedienen. Eine andere Construction giebt den Worten des Paulus einen so andcrn Sinn; und diese Con- struction ist eben so grammatisch, mit dem Zusammenhange eben so übereinstimmend, hat eben so viele alte und neue Got- tesgclehrten für sich, als die in den gemeinsten Luthcrschcn Dogmatiken gebilligte Construction: daß ich gar nicht einsehe, warum es schlechterdings bey dieser bleiben soll? Sucher selbst hat in seiner Ucbcrsctzung nicht sowohl diese, als jene befolgt. Er hat kein gelesen; und schlimm genug, wenn durch diese Variante, so wie man dieses x«c mitnimmt oder wegläßt, die Hauptstclle von dem z,rineiz,ic> coznoscenili der ganzen Theologie, so äußerst schwankend wird. Endlich das feste prophetische IVorr! — Woher der Beweis, daß unter dem prophetischen Worte auch alle historischen Worte verstanden werden? Woher? Die historischen Worte sind das Vehiculum des prophetischen Wortes. Ein Vchicu- lum aber soll und darf die Kraft und Natur der Arzeney nicht haben. Was hat der Hr. Pastor an dieser Vorstellung auszusetzen? Daß es nicht seine, nicht seine Wittcnbcrgische Vorstellung ist: das weiß ich. Wenn aber nur das, Deutschland durch zwey Zeitungen erfahren sollen: warum hat er sich und mir die Sache nicht noch leichter gemacht? Warum hat er nicht kurz und gut in Bausch und Bogen erklärt, daß meine ganze Stelle den Compcndicn der Wittcnbcrgischcn Orthodoxie platterdings widerspreche? Zugegeben; und herzlich gern! hätte ich sodann eben so kurz antworten können. Axiomata. 14t III. (t) Der Buchstabe ist nicht Ver Geist, und die Bibel ist nicht die Religion. Wenn cs wahr ist, daß die Bibel mehr enthält, als zur Religion gehöret: wer kann mir wehren, daß ich sie, in so fern sie beides enthält, in so fern sie ein bloßes Buch ist, den Buchstaben nenne; und dem bessern Theile derselben, der Religion ist, oder sich auf Religion beziehet, den Namen des Geistes beylege? Zu dieser Benennung ist derjenige sogar berechtiget, der das innere Zeugniß des h. Geistes annimmt. Denn da dieses Zeugniß sich doch nur bey denjenigen Büchern und Stellen der Schrift mehr oder weniger äußern kann, welche ans unsere geistliche Besserung mehr oder weniger abzweckcn: was ist billiger, als nur solchcrlcy Bücher und Stellen der Bibel den Geist der Bibel zu nennen? Ich denke sog.ir, cs streife ein wenig an Gotteslästerung, wenn man behaupten wollte, daß die Kraft des H. Geistes sich eben sowohl an dem Geschlcchtsrcgistcr der Nachkommen des Esau beym Moses, als an der Bergpredigt Jcsn bcmn Matthäus, wirksam erzeigen können. Im Grunde ist dicscr Untcrscbicd zwischen dem Buchstaben und dem Geiste der Bibcl, der nehmliche, welchen andere auch gute Lutherische Theologen schon längst zwischen der heiligen Schrift und dem Worte Gottes gemacht haben. Warum hat Hr. Pastor Goeze nicht erst mit diesen angebunden, ehe er einem armen Layen ein Verbrechen daraus mackt, in ihre Fuß- tapfcn zu treten? IV. (2) Folglich sind die Einwürfe gegen den Buchstaben und gegen die Bibel, nicht eben auch Einwürfe gegen den Geist und gegen die Religion. Ganz gewiß hat eine Folge die Natur des Grundsatzes, aus welchem sie hergeleitet wird. Jener ist theils zugegeben, theils erwiesen. Sind Einwürfe gegen zufällige Erläuterungen der Hauptsätze der christlichen Religion, keine Einwürfe gegen die Hauptsätze selbst: so können noch weniger Einwürfe gegen 142 Zlnomata. biblische Dingc, die auch nicht einmal infällige Erläuterungen der Religion sind, Einwürfe gegen die Religion seyn. Ich brauche also hier nur noch auf die Instanz des Hrn. Pastors zu antworten. Frcvlick, wenn eine Landesverfassung gerade nicht weniger und nicht mehr enthält, als die Ä.anöcs- ordnung: so hat derjenige Unterthan, der muthwilligc Einwürfe gegen die Landesverfassung macbt, auch die Landcsord- nung muthwillig angegriffen. Aber wozu wären denn sodann ganz verschicdnc Benennungen? Warum hieße nicht das Eine, sowohl als das Andere, Landcsordnung oder Landesverfassung? Daß das Eine anders hcisit, als das Andere, ist ja ein offenbarer Beweis, daß das Eine auch etwas anders ist, als das Andere. Denn vollkommene Synonyma giebt es nicht. Ist aber das Eine etwas anders, als das Andere: so ist es ja nickt wahr, daß das Eine bestreiken, nothwendig auch das Andere bestreiken, heißen muß. Denn der Umstand, welcher die zweifache Benennung veranlaßt hat, scv noch so klein: so kann der Einwurf auch doch nur diesen kleinen Umstand betreffen; und das, was der Hr. Pastor so spöttisch Antithese nennt, ist völlige Rechtfertigung. Ich will mick an einem Ercmpcl erklären, das ihm ganz nahe ist. Die Sammlung Hamburgischcr Gesetze des Hrn. Syndicus Rlcfeker (wenn sie fertig geworden, was ich itzt nicht weiß,) enthält doch wohl die vollständigste und zn- verläßigste Verfassung der Stadt Hamburg? könnte doch wohl auch diesen Titel führen? Wenn sie ihn nun führte: könnte ich keinen Einwurf gegen dieses Werk machen, ohne mich der Autorität der Hamburgischcn Gesetze selbst entgegen zu stellen? Könnte mein Einwurf nicht die historischen Einleitungen betreffen, die Hr. Rlefcker einer jeden Klasse von Gesetzen vorausgeschickt hat? Oder haben diese historischen Einleitungen dadurch die Kraft der Gesetze erhalten, weil sie mit den Gesetzen in Einem Bande abgedruckt worden? Woher weiß der Hr. Pastor, daß die historischen Bücher der Bibel, nicht ohngcfehr solche Einleitungen seyn sollen? welche Bücher Gott eben so wenig einzugeben, oder auch nur zu genehmigen brauchte, als Bürgerschaft und Rath nöthig hatten, diese Einleitungen in ihren besondern Schutz zu nehmen. Genug, daß Rlcfekcrn alle Archive Ariomata. der Stadt offen stunden! Hat er sie nicht sorgfältig genug gebraucht: so brauche sie ein andrer besser; und damit gut. Vielmehr wäre es ein ärgerlicher Mißbrauch, eine unnütze Verschleuderung der gesetzgebenden Macht, wenn man ihr Ansehen an zwcv so verschiedene Dinge so ganz gleich hätte vertheilen wollen; an die Gesetze, und an die Geschichte der Gesetze. V. (5) Auch rvar die Religion, ehe eine Bibel rvar. Hierwidcr sagt der Hr. Pastor: „Aber doch nicht ehe eine „Offenbarung war." — Was er damit will, ist mir ganz unbegreiflich. Freylich kann eine geoffenbarte Religion nicht eher sevn, als sie gcoffcnbaret worden. Aber sie kann doch eher fern, als sie niedergeschrieben worden. Davon ist ja nur die Rede. Ich will ja nur sagen: die Religion war, ehe das geringste von ihr schriftlich verfaßt wurde. Sie war, ehe es noch cin einziges Buch von der Bibel gab, die itzt sie selbst sevn soll. Was soll nun die windschiefe Frage, die mich in meinen eignen Gedanken irre machen konntet — Mehr weiß ich hierauf nicht zu erwiedern. VI. (6) Das Christenthum war, ehe Evangelisten und Apostel geschrieben halten. Es verlief eine geraume Zeit, ehe der erste von ihnen schrieb; und eine sehr beträchtliche, ehe der ganze Ranon zu Stande kam. „Alles dieses, sagt der Hr. Pastor, kann ich dem Herausgeber einräumen." — Rann? warum denn nur kann? — Mnst mir der Hr. Pastor einräumen. Muß er mir das aber einräumen: so räumt er mir ja auch zugleich cin, daß das mündlich geoffenbarte Christenthum weit früher gewesen, als das aufgeschriebene; daß es sich erhalten lind ausbreiten können, ohne aufgeschrieben zu seyn. Mehr will ich ja nicht; und ich weiß wiederum gar nicht, warum er mir auch hier die Frage entgegen setzt: „War denn das Christenthum schon, ehe Christus und die Apostel geprcdigct hatten ? " Diese Frage soll diesen Satz zu seiner Absicht unbrauchbar machen; welche Absicht der folgende Satz enthält. Da wollen wir sehen. 144 Ilnoincit.i. Hier möchte ich vorläufig mir auch gern einc Frage, oder zwey, thun; blos um mich zu bclcbrcn, blos den ganzen Sinn des Hrn. Pastors zu fassen. — „Wenn, so lange (?bristus und „die Apostel predigten, so lange die ausserordenllichcn Gabcn „des h. Geistes in den Gemeinen wirksam waren, die Fortpflanzung der christlichen Religion durch mündlichen Unterricht „besser zu erhalten war, als durch Sckristcn:" ficng der Gebrauch der Schriften erst an, als jene ausscrordcntlichcn Gaben aufborten? oder ficng er früher an? Ficng er früher an, und ist es unlcugbar, daß diese Gaben nickt zugleich mit den Aposteln aufborten, sondern noch Zahrhundcrtc fortdauerten: entlehnten in diesem Zeiträume die Gaben den Beweis von den Scbristcn, oder die Schriften von den Gaben? Jenes bat keinen Verstand; und war dieses: sind rvir nicht sehr übel daran, das; die nehmlichen Schriften, welche die crstcn Cbristen aus dcn Bcwcis der Gaben glaubten, wir ohne diesen Bcwcis glaubcn müssen? Ficng hingcgcn dcr Gebrauch der Schriften nicht cbcr an, als dic'Wundcrgabcn aufhörtcn: wober nchmcn wir dcn Bcwcis, daß dic Schriften in die Stelle dcr Wundcrgabc» nicht sowohl getreten, als trctcn sollen? Und doch crbcllct ans dcr Gcschichtc, daß dicscs allcrdings dcr Fall ist. Allerdings ist zu erwciscn, daß so langc dic Wun- dcrgaben, und besonders dic unmittelbare Erleuchtung dcr Bischöfe, Statt hatten, man aus dem geschriebenen Worte weit weniger machte. Es war ein Verbrechen sogar, dem Bischöfe nicht anders, als auf das geschriebene Wort glaubcn zu wollcn. Und das nicht ohne Grund. Denn die ^l.cp^?o? -5it>?x« <5c- t5«x,7z hohes Wesen, sie nach diesem Leben ewig glücklich zu machen, die Anstalt getroffen. — Hr. Pastor; waren diese Leutchen Christen, oder waren sie keine? Sie müssen nothwendig sagen: sie waren keine. Denn sie hatten keine Bibel. — Barmherziger Gott! Unbarmherziger Priester! — Nein; ich erzähle Ihnen, von diesem lieben, fröhlichen, glücklichen Völkchen, weiter nichts. Lieber schwatzen wir noch einen Augenblick über ein Ding, von dem es weit verzeihlicher ist, keine richtigen Begriffe zu haben. Der Hr. Pastor will beweisen, daß „übcrdcm mein Satz „der Erfahrung und Geschichte offenbar widerspreche." Aber, was er dcsfalls anführet, ist so kahl, so obcnabgcschöpst, daß er dergleichen Tiraden sich höchstens nur in seinen Texten erlauben müßte. Man höre nur. „Bon dem neunten Zahrhun- „dcrtc an, sagt er, bis auf den Anfang des fünfzehnten, war „ein Zeitraum, in welchem die Schriften der Evangelisten und „Apostel beynahe verloren gegangen waren. Wer kannte, aus- „scr wenigen Gelehrten, die Bibel? Sie steckte in Handschriften und Ucbcrsetzung, bis auf die Erfindung der Druckcrcy, „in den Klöstern." Warum sollen vom neunten bis zum fünfzehnten Jahrhundert der Abschriften des N. Testaments wenigere gewesen seyn, als vom fünften bis aufs neunte? Warum vom fünften bis aufs neunte wenigere, als vom ersten bis aufs fünfte? Gerade umgekehrt; die Eodices der ncutcstamcntlichcn Schriften vermehrten sich mit der Folge der Zeit. Gerade waren dergleichen Codices, im ersten und zweyten Zahrhundcrtc am seltensten; und so selten, daß ganze große Gemeinden nur einen einzigen Eodiccm besaßen, den die Prcsbytcri der Gemeinde unter ihrem Schloße hielte», nnd den auch, ohne ihre besondere Erlaubniß, niemand lesen durste. Getraut er sich von dem Zeitraume, den er angiebt, eben das zu erweisen? Ich glaube, meines wenigen Theils, daß in diesem Zeiträume mehr Abschriften der Bibel in dem einzigen Deutschland gewesen, als in den zwey ersten Jahrhunderten in der ganzen Welt; den Grundtert des A. Testaments etwa ausgenommen. Oder will er zu verstehen geben, daß man mit dem neunten Zahr- Ariomata. 163 Hunderte angefangen habe, dem gemeinen Manne die Bibel aus den Händen zu spielen? Das muß er wohl; denn er fährt fort: „Der große Haufe erfuhr aus derselben nichts mehr, als „was ihm die Römische Klcriscy davon sagte, und diese sagte „ihm nichts mehr, als was er ohne Nachtheil ihres Interesse „wissen konnte. Wie war in dieser Zeit die christliche Religion, „in Absicht auf den großen Haufen, beschaffe»? War sie mehr „als ein verwandeltes Hcydenthum? — Die strenge Wahrheit ist, daß die Bibel auch vor dem neunten Jahrhunderte nie in den Händen des gemeinen Mannes gewesen war. Der gemeine Mann hatte nie mehr daraus erfahren, als ihm die Klcriscy daraus mitthcilcn wollen. Und so hätte sich die Religion schon weit eher verschlimmern müssen, wenn es nicht wahr wäre, daß sie sich auch ohne unmittelbaren Gebrauch der Bibel erhalten könnte, t'm .-llle»tiunt, möchte ich aus dem Irenens hinzusetzen, inultaz Zontes uarliaroium, eorum nui i» ^knktum crodunt, lmv eliarta _><,', u^^/' Äi^t'«v?'c> ?oi^ x«X/X,l? Eiiilcilung m die Schristc» dcs N. T. S. 73. n.». Anomala. 165 „würden auch dic Reden Christi, die dadurch bestätiget sind, „ein untrügliches Gottes Wort seyn, doch mit dieser kleinen „Furcht und Ausnahme, daß der Erzähler vielleicht etwas nicht „recht gcfassct, und cs uns nicht völlig richtig aufbehalten ha- „bcn könnte: und aus den Briefen der Apostel, gesetzt, sie „hätten in Nebensachen gefehlt, würden wir doch die so oft „wiedcrhohltcn Hauptsachen der christlichen Religion, die zu „predigen Christus sie aussandte, so gut lernen können, als „etwa aus Bülfingcrn Wolfcns Lehrsätze der Philosophie. Es „wäre also ganz wohl möglich, daß jemand an der göttlichen „Eingebung der sämmtlichen Schriften des N. T. einen Zweifel hätte, oder sie sogar leugnete, und doch die christliche „Religion von Herzen glaubte: ja cs giebt wirklich so denkende, „zum Theil in der Stille, zum Theil auch öffentlich, die man „nicht sogleich zu den Unchristcn rechnen darf. Gar nicht zu „ihrer Verunglimpfung, sondern bloß als Factum sey es gesagt: „manche altc Kätzcr, die die Schriften des N. Testamentes für „ächt, aber doch nicht für untrügliches princlpium cognosevoA „gelten ließen, sondern sich zu Richtern über dic Apostel auswarfen, könnten wohl eben so gedacht haben. — Wie weit würde der Schutz dieser Stelle über mich heraus reichen, wenn ich unter dieser Stelle Schutz suchen müßte! Aber daS brauche ich nicht: und noch weniger habe ich die Sitte boshafter Bettelleute hiermit nachmachen wollen, die sich cincn hastigen Hund nicht anders vom Leibe zu halten wissen, als dadurch, daß sie ihn auf einen andern Hetzen. Dcnn wenn ich den Hrn. Pastor Gocze kenne: so versteht er seinen Vortheil zu wohl, daß er nicht lieber mich festhalten, als frischcrdings auf einen Michaelis losgchcn sollte. A n t i - G o e z e. IMlUit kunl llc revwci, ne jzr-lvllsle ii>Iurenl»r> ^k'/u/ZlttNUZ^ D. i. Nochgevrnngcncr ZdeMöge zli den freiwilligen Beyträgen des Hrn. Past. Goeze ERSTER. (Gott gebe, letzter!) (3) 1 7 7 8. (S. 71tcs Stück der srcywill. Beptragt) Lieber Herr Pastor, Aoltern Sie doch nicht so in den Tag hinein: ich bitte Sie. — Zch gehe ungern daran, daß ich meiner Absage schon so bald nachleben muß. Aber Sie glaubten wohl sonst, es sey mein Ernst nicht. — Sehen Sie also, welchen Plan zu meiner Fehde gegen Sie, ich hiermit anlege. Auch schlicsscn Sie auf den Ton aus dem Lemma des Tertullian, und den fernern Worten, die bey ihm folgen. Ucbcrschreyen können Sie mich alle acht Tage: Sie wissen, wo. Ueberschreibcn sollen Sie mich gewiß nicht. Gott weiß es, ich habe nichts dagegen, daß Sie und alle Schulrectores in Niedcrsachsen gegen meinen Ungenannten zu Felde ziehen. Vielmehr freue ich mich darüber; denn eben darum zog ich ihn an das Licht, damit ihn recht viele prüfen, recht viele widerlegen könnten. Zch hoffe auch, er wird noch Zeit genug unter die rechten Hände kommen, unter welchen er mir noch nicht zu seyn scheinet: und so dann glaube ich wirklich der christlichen Religion durch seine Bekanntmachung einen grösser,, Dienst erwiesen zu haben, als Sie, mit allen Ihren Postillen und Zeitungen. Anli-^oczc. Erster. 167 Wic? wcil ich dcr christlichen Religion mchr zulraue, als Sic, soll ich cin Fcind dcr christlichen Religion seyn ? Wcil ich das Gift, das im Finstern schleichet, dem Gcsundhcitsrathc anzeige, sott ich die Pest in das Land gebracht haben? Denn kurz, Herr Pastor — Sie irren sich sehr, wenn Sie glauben, daß der Ungenannte ganz ans dcr Welt geblieben wäre, wenn ich ihm nicht herein geholfen hatte. Bcrnchmcn Sic, daß Sas Bnch ganz cristirct, und bereits in mchrcrn Abschriften cristirct, wovon, ich wciß nicht wic, nur Fragmcntc dcs ersten ) den Z5ucl> siaben von dem Geiste der Bibel? Lehret nicht auch Herr Mascho, (S. 202) daß die Religion eher gewesen, als die Zbibel? Und sind denn das nicht die drey Sätze, um welche der Herr Pastor den Tanz mit mir angefangen? Sie können nicht sagen, Herr Pastor, daß Sie diese Sätze bey ihm nicht gefunden. Denn sie stehen nicht allein mit deut- Zlnti-Goejc. Erster. 171 lichcn Worten da: sondern alles, alles, was Herr Mascho sagt, bezieht sich, gründet sich darauf. Za noch mehr: eben diese Sätze, die ich für bloße Betrachtungen gebe, mit welchen sich diejenigen beruhigen können, die sich an dem Christcnthumc ohne Theologie begnügen wollen, oder begnügen müssen; eben diese Sätze macht Herr Mascho zu Grundsätzen, nicht des Christenthums, sondern der Theologie. Denn das ganze System von Inspiration, welches Sie annehmen, Herr Pastor; in dessen Geiste Sie die uns gemeinschaftlichen, aber nicht zu einerley Absicht gemeinschaftlichen Sätze, bey mir anfeindeten: was ist es dem Herrn Mascho ? — Was es mir bey weiten noch nicht ist. Es ist ihm eben das, was meinen Ungenannten in den Naturalismus gestürzt hat. Es ist ihm das, was jeden nicht besser organisirtcn Kopf, als meinem Ungenannten zu Theil geworden war, in den Naturalismus nothwendig stürzen muß. Das ist es ihm; das ist es ihm auf allen Blättern. ° Und nun, Herr Pastor, seyn Sie auf Ihrer Hut! Ich warne Sie aus den Wink des Herrn Mascho. Ehe Sie es sich versehen, liegen Sie, nach dem Herrn Mascho, in eben dem Abgrunde, in welchem mein Ungenannter nun jammert: und dann ist keine Hülfe für Sie, als entweder da zu verzweifeln, oder mit eins alle den Plunder aufzugeben, der noch vor 5l) bis Kl) Jahren in unsern Lehrbüchern Religion hieß", und alle die schonen Siebensachen dafür anzunehmen, die man seit dieser Zeit in der Religion erfunden hat, und noch täglich erfindet."'"' So gar werden Sie gezwungen seyn, solcher schönen Siebensachen nicht wenige anzunehmen, die Herr Mascho selbst, unter Ihren Augen erfindet. Er hat bereits Dinge in seinem Körbchen, die jedem guten Alltagschristcn völlig fremd und unerhört sind. Ueber gewisse jüdische Ideen, die wir sehr unrecht ganz vergessen haben f; über das große Psingstwundcrff; über — was weiß ich! ° S. Borr. iv. Vlll, x, xn. desgleichen in der Schrift selbst, S. 258, 271. 306. und wo nicht? °° Vorr. XV. °°° S. 3. 4. f S. 82. ff S. 113. 172 Anti-Eoeze. Erster. Und o, welch neues Unglück drohet dein Hamburgischcn Katechismus wieder in Hamburg selbst! Denn Herr M«scl,o ist mit nichts wcnigcr zufrieden, als mit unscrn bisherigen Religionsunterrichten, deren nothwendige Berichtigung und Verbesserung er aus den leidigen Fragmenten meines Ungenannten erst recht erkannt hat. Seine, seine Ideen müssen vor allen Dingen in unsere Katechismen: oder es geht nimmermehr gut!" Wie, Herr Pastor? das wollten Sie gestatten? Als unserm guten Freunde Albern ehedem so etwas bcysicl: wem hat es die Hamburgische Kirche zu danken, daß er nicht damit dnrchdrang, als Ihnen? Und nun sollte Herr XNascbo damit dnrchdringcn, indem Ihre ganze Aufmerksamkeit, Zhr ganzer Eiscr nur auf mich gerichtet ist? Erkennen Sie doch die Diversion, die man Ihnen zu machen sucht, und lassen mich in Ruhe. ES konnte ja gar scvn, daß ich und Mascho uns verstünden! Doch, das muß ich Ihnen nicht zwcymal sagen, wenn unsre List gelingen soll. A n t i - G o e z e. v>.IIii i;>.'ii /Vxccui nullu« lulkilur-l >li»mi>Iiu,'>! ^»c. ZWEYTER. (4) 1 7 7 8. Mein Herr Hauptpastor, Ach erhielt Ihr LLtrvas Vorläufiges gegen meine — wenn es nicht Ihre erste Lüge ist — mittelbare und unmittelbare feindselige Angriffe auf unsre allerheiligsie Religion :c, am Abend des Osicrabcnds; und halte noch eben Zeit, den herrlichen ° Borr. Xlll. S. 20. 30. 71. 111. n. m. Ant,-Götze. Zweyter. 173 vorlauf zu kosten. Der soll mir auf das Fest schmecken! dachte ich. Und er hat mir geschmeckt. Gott gebe, daß mir der Nachlauf zu seiner Zeit auch so schmecken, auch so wohl bekommen mag! Aber was das nun wieder ist! Der Herr Hauptpastor verweisen mir in Ihrem Etwas Vorlaufigen, welches ich, der Geschmeidigkeit wegen, lieber das Vorläufige LLtrvas nennen will, mit so vielem Ernst und Nachdruck meine Aeqnivor'cn ° und Wortspiele: und dennoch mache ich schon wieder ein so häßlich Ding, und aquivocirc und Wortspiele mit vorläufig und Vorlauf; ohne auch nur im geringsten vorher zu erklären, ob ich den Norlauf von der Rclccr oder von der Zölasc verstehe. Doch lieber vergeben Sie mir immer, Herr Hauptpastor, eine Schwachheit, die mir zur andern Natur geworden ist. Zeder Mensch hat seinen eignen Stil, so wie seine eigne Nase; und es ist weder artig noch christlich, einen ehrlichen Mann mit seiner Nase zum besten haben, wenn sie auch noch so sonderbar ist. WaS kann ich dafür, daß ich nun einmal keinen andern Stil habe? Daß ich ihn nicht erkünstle, bin ich mir bewußt. Auch bin ich mir bewußt, daß er gerade dann die ungewöhnlichsten Eascadcn zu machen geneigt ist, wenn ich der Sache am reifsten nachgedacht habe. Er spielt mit der Materie oft um so mutbwilligcr, je mehr ich erst durch kaltes Nachdenken derselben mächtig zu werden gesucht habe. Es kömmt wenig darauf an, wie wir schreiben: aber viel, wie wir denken. Und Sie wollen doch wohl nicht behaupten, ° Der Herr Hauptpasior schreiben Eezuivocen; mehr wie cinni.il. (S. Vli. ix. 65.) Es kann also weder Schreib- noch Drnckschlcr seyn; sondern diese spaßhafte Orthographie ward beliebt, — um auch ein Wonspiclchc» zu machen. ^e,/u!,'»c»»>, c>u!>N >>ic»s, e^»i ?„cc»l. Denn freylich, was ist äquivorcr als das Wiehern des Pferdes? Für den Car- ' danns zwar nicht, aber doch für uns andere, die wir uns auf das Wiehern nicht so gut verstehen, als Cardanus. — Oder sollte der Herr Hauplpastor hier wohl noch spaßhafter scvn wollen, und zugleich ein Wort im Sinne gehabt haben, welches Luther in seinem Hanswurst von ^volfenbüttcl braucht? Dcr Bibliothekar zu Wolseiibiittcl crinncrtc ihn an dies; Buch; dies; Buch an dieß Wort: nnd ich srcue mich herzlich, das; ich seinem Witze so auf die Spur komme. Das nenne ich doch noch eine Nachahmung Lnlhcrs! Anli-Eoeze. Zweyter. daß unter verblümten, bilderreichen Worten nothwendig ein schwanker, schiefer Sinn liegen muß? daß niemand richtig nnd bestimmt denken kann, als wer sich des eigentlichsten, gemeinsten, plattesten Ausdruckes bedienet? daß, den kalten, symbolischen Zdecn auf irgend eine Art etwas von der Warme und dem Leben natürlicher Zeichen zu geben suchen, der Wahrheit schlechterdings schade? Wie lächerlich, die Tiefe einer Wunde nickt dem scharfen, sondern dem blanb'cn Schwcrdtc zuschreibe»! Wie lächerlich also auch, die Ucbcrlcgcnhcit welche die Wahrheit einem Gegner über uns giebt, einem blendenden Stile desselben zuschreiben! Ich kenne keinen blendenden Stil, der seinen Glanz nicht von der Wahrheit mehr oder weniger entlehnet. Wahrheit allein giebt echten Glanz; uud muß auch bey Spöttercy und Posse, wenigstens als Folie, unterliegen. Also von der, von der Wahrheit lassen Sie uns sprcckcn, und nicht vom Stil. — Ich gebe den meinen aller Welt Preist; und freylich mag ihn das Theater ein wenig verdorben haben. Ich kenne den Hauptfehler sehr wohl, der ihn von so manchen andern Stilen auszeichnen soll: und alles, was zu merklich auszeichnet, ist Fehler. Aber es fehlt nicht viel, daß ich nicht, wie Lvid, die Kunstrichter, die ihn von allen seinen Fehlern säubern wollten, gerade für diesen einzigen um Schonung aufleben möchte. Denn er ist nicht sein Fehler: er ist seine Erbsünde. Nehmlich: er verweilt sich bey seinen Metaphern, spinnt sie häufig zu Gleichnissen, und malt gar zu gern mit unter eine in Allegorie aus; wodurch er sich nicht selten in allzucntscrntc und leicht umzuformende tortia comnsra- twnls verwickelt. Diesen Fehler mögen auch gar wohl meine dramatische Arbeiten mit verstärkt haben: denn die Sorge für den Dialog gewöhnt uns, auf jeden verblümten Ausdruck ein scharfes Auge zu haben; weil es wohl gewiß ist, daß in den wirklichen Gesprächen des Umganges, deren Lauf selten die Vernunft, und fast immer die Einbildung steuert, die mchrcstcn Ucbcrgänge aus den Metaphern hergenommen werden, welche der eine oder der andere braucht. Diese Erscheinung allein, in der Nachahmung gehörig beobachtet, giebt dem Dialog Gcschmci- Slitti-Gocze. Zweyter. 175 digkcit lind Wahrheit. Aber wie lange und genau muß man denn auch eine Metapher oft betrachten, ehe man den Strom in ibr entdecket, der uns am besten weiter bringen kann! Und so wäre es ganz natürlich, daß das Theater eben nicht den besten prosaischen Schriftsteller bilde. Ich denke sogar, selbst Cicero, wenn er ein bcßrcr Dialogist gewesen wäre, würde in seinen übrigen in eins fortlausendcn Schriften so wunderbar nicht seyn. In diesen bleibt die Richtung der Gedanken immer die nehmliche, die sich in dem Dialog alle Augenblicke verändert. Jene crfodern einen gesetzten, immer gleichen Schritt; dieser verlangt mit unter Sprünge: und selten ist ein hoher Springer, ein guter ebner Tänzer. Aber, Herr Hauptpastor, das ist mein Stil, und mein Stil ist nicht meine Logik. — Doch ja! Allerdings soll auch meine Logik scvn, was mein Stil ist: eine Thcatcrlogik. So sagen Sie. Aber sagen Sie was Sie wollen: die gute Logik ist immer die nehmliche, man mag sie anwenden, worauf man will. Sogar die Art, sie anzuwenden, ist überall die nehmliche. Wer Logik in einer Komödie zeigt, dem würde sie gewiß auch zu einer Predigt nicht entstehen: so wie der, dem sie in einer Predigt mangelt, nimmermehr mit ihrer Hülfe auch eine nur erträgliche Komödie zu Stande bringen würde, und wenn er der uncrschöplichstc Spaßvogel unter der Sonne wäre. Glauben Sie, daß Pater Abraham gute Komödien gemacht hätte? Gewiß nicht: denn seine Predigten sind allzu elend. Aber wer zweifelt wohl, daß Möllere und Shakespcar vortreffliche Predigten gemacht und gehalten hätten, wenn sie, anstatt des Theaters, die Kanzel hätten besteigen wollen? Als Sie, Herr Hanptpastor, den guten Schlosser wegen seiner Komödien so erbaulich verfolgten, fiel eine doppelte Frage vor. Die eine: darf ein Prediger Komödien machen? Hierauf antwortete ich: warum nicht? wenn er kann. Die zweyte: darf ein Komödicnschrcibcr Predigten machen? Und darauf war meine Antwort: warum nicht? rvenn er roill. — Doch wozu alles dieses Gcschwäz? Was gehen mich itzt die Armseligkeiten des Stils und Theaters an; itzt da ein so schreckliches Halsgcricht über mich verhangen wird? — Da steht er, Ilnli-Goezc. Zweyter. mcin unbarmherziger Ankläger, und wiehert Blut lind Verdammung: lind ich, einfältiger Tropf, stehe bey ihm, und lese ihm rnhig die Federn vom Kleide. — Ich »miß, ich muß entbrennen, — oder meine Gelassenheit selbst, mcin Kälte selbst, machen mich des Borwurfs werth. Wie, Herr Hauptpastor? Sie haben die Unverschämtheit, mir mittelbare und unmittelbare feindselige Angriffe auf die christliche Religion Schuld zu geben? Was hindert mich, in die Welt zu schreiben, daß alle dic hctcrodorcn Dinge, die Sie itzt an mir verdammen, ich ehedem aus Ihrem eigenen Munde gehört und gelernt habe? Was hindert mich? Eine Unwahrheit wäre der andern werth. Daß ich Ihre Stirn nicht habe: das allein hindert mich. Zch unterstehe mich nicht zu sagen, was ich nicht erweisen kann: und Sie — Sie thun alle sieben Tage, was Sie nur einen Tag in der Woche thun sollten. Sie schwatzen, verleumden und poltern: für Beweis und Eviction mag die Kanzel sorgen. Und die einen so infamircndcn Titel führet, — was enthält diese Goezische Scharteke? Nichts enthält sie, als clcndc Recensionen, die in den freiwilligen Z5c>-trägcn schon stehen, oder werth sind darin» zu stehen. Doch ja; sie enthält auch einen zum drittcnmale aufgewärmten Brcy, dcn ich längst dcr Katze vorgesetzt habe. Und dennoch sollen und müssen sich des Herrn Hauptpastors liebe Kinder in Lhristo diesen beschnüffelten, beleckten Vrcy wieder in dcn Mund schmieren lassen. Ist cs von einem rcchtschaffcncn Gclchrtcn, — ich will nicht sagen, von einem Theologen — begreiflich, daß cr, unter einem solchen Titel, widerlegte Beschuldigungen nochmals in dic Wclt schickt, ohne auf ihre Widerlegung die geringste Rücksicht zu nehmen? — „So hat er denn wohl von dieser Widerlegung „nichts gewußt?" —O doch! Er weiß schr wohl, daß sie vorhanden ist; er hat davon gehört: nur gelesen hat cr sie noch nicht, und nach dcm Feste wird cs sich zcigcn, ob cr cs für nöthig findct, darauf zu antworten. — Und inzwischen, Herr Hauptpastor, inzwischen haben Sie dennoch dic Grausamkeit, Ihre Beschuldigungen zu wicdcrhoh- len? in diesem geschärften Tone zu wicderhohlcn? — Also sind Anti-Goeze, Zweyter, 177 Sie allwissend? Also sind Sie untricglich? — Also kann schlechterdings in meiner Wiederlcgiing nichts stehen, was mich in einem unschuldigern Lichte zeigte? was Sie einen Theil Ihrer Klage zurück zu nehmen, bewegen könnte? Also, wie Sie eine Sache einmal ansehen, so, vollkommen so, sind Sie gewiß, daß Sie dieselbe von nun an bis in Ewigkeit ansehen werden? In diesem einzigen Zuge, Herr Hauptpastor, stehen Sie mir ganz da, wie Sie leiben und leben. Sie haben vor dem Feste nicht Zeit, die Vertheidigung des Beklagten zu hören. Sie wiederholten die Anklage, und schlagen seinen Namen getrost an Galgen. Nach dem Feste, nach dem Feste, werden Sie schon sehen, ob auf seine Vertheidigung der Name wieder abzunehmen ist, oder nicht! Gegen einen solchen Mann wäre es möglich, die geringste Achtung beyzubehalten? — Einem dritten: vielleicht. Aber nicht dem, nach dessen Kopfe diese Steine zielen. Gegen einen solchen Mann sollte es nicht hinwiederum erlaubt seyn, sich aller Arten von Waffen zu bedienen? Welche Waffen können mcu- chclmördrischcr seyn, als sein Verfahren ist? Gleichwohl, Herr Hauptpastor, befürchten Sie von mir nur nicht, daß ich die Gränzen der Wicdcrvcrgcltung überschreite» werde. Ich werde diese Gränzen noch lange nicht berühren, wenn ich von Ihnen auch noch so höhnend, auch noch so verachtend, auch noch so wegwerfend schreibe. Sie können einen ungesitteten Gegner vielleicht an mir finden: aber sicherlich keinen unmoralischen. Dieser Unterschied, zwischen ungesittet und unmoralisch, der sehr wichtig ist, obgleich beide Wörter, ihrer Abkunft nach, vollkommen das nehmliche bedeuten müßten, soll ewig unter uns bleiben. Nur Ihre unmoralische Art zu disputircn, will ich in ihr möglichstes Licht zu setzen suchen, sollte es auch nicht anders, als auf die ungesitteteste Weise geschehen können. Jtzt ist mein Bogen voll; und mehr als eine» Bogen sollen Sie auf einmal von mir nicht erhalte». Es ist erlaubt, Ihnen dc» Eimer faulen Wassers, in welchem Sie mich ersäufen wollen, tropfenweise auf den entblößte» Scheitel fallen zu lassen. '.'cs,m.,s Wcttc x. 12 A n t i - G o e z c. /Vvolenl linanlum volein nnleir levis Nckei <>»>!>lin»»m> t>o iiurior in.its» trumeuli in Iivrro» «lomini rei>»»»Iur> ?'<-,/»///. DRITTER. (5) 1 7 7 8. Also: — „meine mittclbarcn nnd unmittelbaren feindseligen Angriffe auf die christliche Religion." Nun dann! So hält Hr. Goeze doch wenigstens cincn Spruch im Neuen Testamente für nickt eingegeben, für nicht gottlich; sondern für eine blos menschliche gute Lehre, von welcher er Ausnahmen nach Gutdünken machen darf. Verdammet nicht, so werdet ihr auch nicht verdammt! Zwar nein! Er selbst verdammt ja nicht. Er wicdcrbohlt nur die Verdammung, welche der h. Geist ausgesprochen. Er hat blos die Ehre und das Vergnügen, den Herren Dascdorv, Teller, Scmlcr, Zdahrdt, den Verfassern der Allgemeinen Bibliothek, und meiner Wenigkeit, die Verdammung anzukündigen. Denn da stchts! IVcr nicht glaubt, der roird verdammt! — Ihm nicht glaubt; nicht gerade das nehmliche glaubt, was er glaubt — roird verdammt! Warum sollte er also nicht, trotz seines fleißigen Vcrdam- mcns, welches ja nur das unschuldige Echo des Donners ist, selig zu werden hoffen? Ich bilde mir ein, daß er selbst durch dieses Verdammen selig zu werden hoffet. Was Wunders hoffte nicht jene fromme Hure, durch Kindcrzcugcn selig zu werden? Die Worte, worauf sie sich gründete, stehn auch da. Und wie säuberlich, wie sanft, wie einschmeichelnd er, noch mit unter, bey diesem kitzlichen Geschäfte zu Werke geht! Ganz in dem Tone, und in der Manier eines gewissen />/o»/5e»i' Anli-Gocze. Dritter. 179 in einer gewissen Komödie, die man vor gewissen Leuten nicht gern nennet. Er ist für meinen Ruhm — ha! was liegt an dieser Seifenblase? — er ist für meine Seligkeit so besorgt! Er zittert so mitleidig vor meiner Todesstunde! Er sagt mir so gar hier und da recht artige Dinge, — nur damit es mich nicht allzusehr schmerze, daß er mich ans Sem Hanse meines Vacers wirft. <^o ülorilieur I^o^al porte uu air Iiivu (lelo^sl! Doch was thut alles das zur Sache? Laßt uns die Beschuldigungen selbst vornehmen. — Genug, daß mich mein Her; nicht verdammet, und ich also, mit aller Freudigkeit zu Gott, einem jeden intoleranten Heuchler, der mir so kömmt, die Larve vom Gesicht reisten darf, — und reisten rvill, — sollte auch die ganze Haut daran hangen bleiben! Aon meinen mittelbaren Angriffen demnach zu erst. -- Unter diesen versteht der Hr. Hauptpastor „den von mir veranstalteten Druck der Fragmente, und die von mir übcrnom- „mcnc Advocatur des Verfassers derselben." Jenes ist notorisch: ich kann es so wenig leugnen, als ich es leugnen möchte, wenn ich auch könnte. Dieses will ich durchaus von mir nicht gesagt, — wo möglich auch nicht gedacht wissen. Wenigstens in dem Sinne nicht, welchen der Hr. Haupt- pastor damit verbindet. Ich habe die Fragmente drucken lassen: und ich würde sie noch drucken lassen, wenn mich auch aller Welt Goezen darüber in den tiefsten Abgrund der Hölle verdammten. Die Gründe, warum ich es mit gutem Gewissen thun zu können geglaubt, habe ich verschiedentlich auch schon beygebracht. Aber Hr. Goezc will mir nicht eher zugestehen, daß diese Gründe das geringste verfangen, als bis ich ihn überführe, daß die nehmlichen Gründe mich rechtfertigen würden, „wenn ich Fragmente drucken liesse, „in welchen die Gerechtsame des hohen Hauses, dem ich diene, „die Ehre und Unschuld der ehemaligen großen und unbescholtenen Minister desselben, und selbst des regierenden Herrn, so „angegriffen würden, als dort, in jenen Fragmenten, die „Wahrheit der christlichen Religion, die Ehre und Unschuld 12 ^ 180 Aitti-Gocze. Dritter. „der h. Apostel, und selbst unsers ewigen Königs, angegriffen „wirklich werde. Wie kindisch! und wie pfiffig, wie boshaft zugleich! — Denn lassen Sie uns doch, Hr. Hauptpastor, vor allen Dingen die Sache auf beiden Theilen erst gleich machen. Sie haben eine Kleinigkeit auch in die andre Waagschale zu legen vergessen: und Sie wissen wohl, im Gleichgewichte giebt jede Kleinigkeit den Ansschlag. Also nur dieses erst berichtiget; nnd ich hoffe, Sie werden mir das beyzubringende glaubwürdige Zeugniß meiner Obern gütigst erlassen. Nehmlich; nehmen Sie doch nur an, daß dergleichen historische und politische Fragmente, als durch deren Druck Sie mich gern auf das Eis führen möchten, von ver Beschaffenheit wären, daß ihr Ungrund nicht allein klar und deutlich in die Augen leuchte, sondern sie zugleich auch einen unverhofften Anlaß und Stoff gäben, die Ehre und die Gerechtsamen des nehmlichen Hauses noch von mchrcrn Seiten zu verherrlichen und zu erhärten: was ist sodann Ihr Zweifel, ob ich dergleichen Fragmente wohl dürfe drucken lassen? worauf gründet er sich? Darauf: daß es doch wohl mit jener Ehre, und jenen Gerechtsamen noch so ausgemacht nicht sey? Darauf: daß man einen wandelbaren Grund nicht noch mehr untergraben müsse? selbst in der Absicht nicht, ihn zu verstärken? — O, Herr Hauptpastor, das Durchlauchtigste Haus meines Herrn ist Ihnen für diese Schmeichelei), für diese Bcsorgniß recht sehr verbunden! recht sehr! — Darüber getraue ich mir allenfalls, Ihnen ein glaubwürdiges Zeugniß von meinen Obern beyzubringen. Oder darf ich, was ich bey den Gerechtsamen des Hauses annehme, dem ich diene, bey der Wahrheit der Religion nicht annehme», die ich bekenne? Darf ich nicht darauf rechnen, daß alle Einwendungen gegen diese, wenigstens eben sowohl zu beantworten sind, als gegen jene? Darf ich nicht erwarten, daß auch hier neue Einwürfe neue Erörterungen, geschärftere Zweifel geschärftere Auflösungen veranlassen werden? Nicht? „Allerdings! ruft der Hr. Hauptpastor, allerdings! Die „Religion, betrachtet als Inbegriff der zu unsrer Seligkeit „geoffenbarten Wahrheiten, gewinnet allerdings, je aufrichtiger Aiiti-Eoeze. Dritter. 181 „und scharfsinniger sie bcstritten wird. Aber, das ist mir die „objective Religion; nur die objective! Mit der subicctivcn „ist es ganz anders. Die subjcctivc Religion verlieret umvider- „sprechlich, durch dergleichen Bestreitungen, unendlich mehr, als „jene nur immer dadurch gewinnen kann! Folglich-- Und was ist diese sobjective Religion? — „Die Gcmüths- „ Verfassung der Menschen, in Absicht auf die Religion, ihr „Glaube, ihre Beruhigung, ihr Vertrauen auf uns, ihre Leh- „rer. Die, die vcriklitiren bey jedem Worte, das in deutscher „Sprache gegen unsere allcrheiligstc Religion geschrieben wird." So? Bey Gott! ein tiefgedachter Unterschied, den ich ja in seinen Schulterminis zu lassen bitte, wenn er nicht ausgc- vfiffcn, und gerade gegen seine Bestimmung gebraucht werden soll. Denn, wenn es wahr ist, daß die Religion bey allen und jeden Anfällen, die auf sie geschehen, objective gewinnt, und nur snbieclive verliert: wer will behaupten, daß es also nach dem größern Gewinne, oder nach dem großen? Verluste entschieden werden müsse, ob dergleichen Anfalle überhaupt zu dulden sind, oder nicht. Za, wenn Gewinn und Verlust hier völlig homogene Dinge wären, die man nur von einander ab- zuzichn brauche, um sich durch den Ucbcrrcst bestimmen zu lassen! Aber der Gewinn ist wesentlich: nud der Verlust ist nur zufällig. Der Gewinn erstreckt sich auf alle Zeiten: der Verlust schränkt sich nur auf den Augenblick ein, so lange die Eiittvürfc noch unbeantwortet sind. Der Gewinn kömmt allen guten Menschen zu statten, die Erleuchtung und Ueberzeugung lieben: der Verlust trift nur wenige, die weder wegen ihres Verstandes, noch wegen ihrer Sitten in Betracht zu kommen verdienen. Der Verlust trift nur die paloas lvvls liäei; nur die leichte christliche Spreu, die bey jedem Windstossc der Bczwciflung von den schweren Körnern sich absondert, und auffliegt. Von dieser, sagt Terlullian, mag doch verfliegen so viel als will! ^volent /iuc,e/i'<,'<»'«»>. Ami-Goeze. Tritter. 183 Wenn Tcrtlillian von dciicn, die sich z» seiner Zeit an den Kctzercyen so ärgerte», über deren Fortgang so wunderten, sagt: vane et iiiconlilioratv Iioo i^ko feanclalixantur, s^uotl tantum kioe- retes vakant: was würde er von Ihnen sagen, Herr Haupt- pastor, der Sie um die papicrne Grundlage einer möglichen Kctzcrcy so ein Lärmen anfangen? Um Fragmente eines Ungenannten! Würde er nicht auch sagen: „Kurzsichtiger, — „riiliil valoNunt, li illa tantum valero, non mireris? Dein Lär- „mcn selbst ist Schuld, wenn diese Fragmente mehr Schaden „anrichten, als sie anzurichten bestimmt sind. Der Ungenannte „wollte sich keinen Namen crschrcibcii: sonst hätte er sich ge- „ nannt. Er wollte sich kein Häufchen sammle»: sonst hätte ers „bey seinen Lebzeiten gethan. Mit einem Worte: der diese „Fragmente drucken ließ, hat weit weniger Verantwortung, als „Du, der du das laute Zetcr über sie anstimmst. Zcncr hat „nur gemacht, daß mehrere sie lesen können: Du machst, daß „mehrere sie wirklich gelesen haben, und nun lesen müssen." — Vielleicht, daß der Herr Hauptpastor diesen Verweis aus dem Munde eines Kirchenvaters lieber hört, als aus meinem! — Antwort auf die Anzeige im Mstcn Beytrage des Altonacr Postreuters. 1) Habe ich denn auch dem Herrn Goeze die Recension deck Maschoschcn Buchs einzig und allein in die Schuh gegossen? Habe ich nicht ausdrücklich gesagt, Goeze und Compagnie? Sie Compagnieschaft mit den freiwilligen Beytragern kann er doch nicht ableugnen, mit welchen er sich einer gemeinschaftlichen Firma bedient? Meynt denn der Herr Hanptpasior, weil er sich, ausser dieser gemeinschaftlichen Firma, auch noch einer besondern, ihm allein eignen, von Zeit zu Zeit bedienet, daß er für jene gar nicht mit einstehen darf? Ich will cS ihm zugeben, wenn er wcnigsicns nun, da er weiß, daß das Buch des Herrn Mascho eben die Grundsätze enthält, die er au mir verdammet, nächstens den Herrn Mascho in den Fr. Bey. eben so behandelt, als mich. — 2) Warum muß denn Herr Nikolai immer .dem Herrn Goeze namentlich büssen, so oft in der Allgemeinen Bibliothek etwas vorkömmt, was ihm nicht ansieht? Herr Nikolai ist auch nicht Tircctcr der A. B. Herr Nikolai bekommt auch nicht 184 Anli-Goeze. Vierter. alle Aufsätze vorher zu sehen, die i» der A. B- Platz finden. Vielleicht, daß er selbst nie ein Wort gegen ihn geschrieben hat. Was sich Herr Goeze mit Nikolai erlaubt: daS sollte ich >»ir nicht init Goe- zen erlauben dürfen? — 3) Und von dieser Kleinigkeit, wenn ich mich auch damit gcirrel hätte, sollen die Leser auf meine übrigen Behauptungen einen Schluß machen? Ja, wenn sie so schliesst» »vollen, wie Herr Goeze oder Herr E. schließt! Dieser Herr E. mag seyn, wer er will. Naher zu kennen verlange ich ihn gar nicht. A n t i - G o e z e. 'konlo n» killier I.!Ui», ?>uiic-« c» xr»» t»i»u. /->llnciz. r«5> VIERTER. rilaNs »mnia f-Ula, si moiZo i,r»s«r!>n>ur, k-li.im q»li> i„i»s in- niuIUa criinl, >^ lli^uilicitre tudverlere itwnea ksl. ^tl/A'//?!»»« tt>^ /^»».»t'»? »«i. FÜNFTE R. (7) 1 7 7 8. 5) glückliche Zeiten, da die Geistlichkeit noch alles in allem war, — für uns dachte und für uns aß! Wie gern brachte euch der Herr Hauptpastor im Triumphe wieder zurück! Wie gern möchte er, daß sich Deutschlands Regenten zu dieser heilsamen Absicht mit ihm vereinigten! Er predigt ihnen süß und sauer, er stellt ihnen Himmel und Hölle vor. Nun, wenn sie nicht hören wollen: — so mögen sie fühlen. Witz und Landessprache sind die Mistbeete, in welchen der Saame der Rebellion so gern und so geschwind rciffct. Heute ein Dichter: morgen ein Königsmörder. Element, Ravaillac, Damicns sind nicht in den Beichtstühlen, sind ans dem Parnassc gebildet. Doch auf diesem Gemeinorte des Herrn Hauptpastors lasse ich mich wohl wieder ein andermal treffen. Ztzt will ich nur, wem es noch nicht klar genug ist, vollends klar machen, daß Herr Goeze schlechterdings nickt gestattet, was er zu gestatten scheinet; uud daß eben das die Klamn sind, die der Tygcr nur in das hölzerne Gitter schlagen zu können, sich so ärgert. Ich sage nehmlich: es ist mit seiner Erlaubniß, Einwürfe gegen Religion und Bibel, gegen das, was er Religion und Bibel nennt, machen zu dürfen, nur Larifari. Er giebt sie und giebt sie nicht: denn er vcrclausulirt sie von allen Seiten Anli-Goeze. Fünfter. 191 so sircng »nd rabulistisch, daß man sich, Gebrauch davon zu machen, wohl hüten muß. Die Clauscl, in Ansehung der Sprache, habe ich genugsam beleuchtet. Auch habe ich die Clauscl in Ansehung der Personen und der Absicht, berühret. Aber noch ist die Clauscl in Ansehung der Punkte selbst übrig, welche die Einwürfe nur sollen treffen können; und diese verdient um so mehr, daß wir uns einen Augenblick dabey verweilen, je billiger sie klingt, je weniger man, dem ersten Ansehen nach, etwas dagegen einzuwenden haben sollte. „Nur müßte, sind die Worte des Herrn Hauptpastors, „der angreifende Theil die Freyheit nicht haben, die heiligen „Männer Gottes, von welchen die ganze Christenheit glaubt, „daß sie geredet und geschrieben haben, getrieben von dem heiligen Geiste, als Dummköpfe, als Bösewichter, als Leichcn- „raubcr zu lästern. Wie gesagt, dieses klingt so billig, daß man sich fast schämen sollte, eine Erinnerung dagegen zu machen. Und doch ist es im Grunde mehr nicht, als Pfiff, oder Armseligkeit. Denn verstehen wir uns nur erst recht! Will der Herr Hauptpastor blos, daß der angreifende Theil die Freyheit nicht haben müßte, dergleichen Schimpfwort?, als er ihm in den Mund legt, anstatt aller Gründe, zu gebrauchen? Oder will er zugleich, daß der angreifende Theil auch die Freyheit nicht haben müßte, solche Dinge und Thatsachen zu berühren, aus deren Erweisung erst folgen würde, daß den Aposteln jene Benennungen gcwissermaassen zukommen? Das ist die Frage, deren er sich wohl nicht versehen hat. Will er blos jenes: so ist seine Forderung höchst gerecht; aber sie bctrift eine Armseligkeit, über die sich der Christ lieber hinwegsetzt. Leere Schimpfwortc bringen ihn nicht auf; sie mögen wider ihn selbst, oder wider seinen Glauben gerichtet seyn. Ruhige Verachtung ist alles, was er ihnen entgegen setzt. Wehe seinem Gegner, der nichts anders hat, womit er ihn bestreike, und ihn doch bestreiket! — Will der Herr Hauptpastor aber auch zugleich dieses: so geht er mit Pfiffen um, deren sich nur eine theologische 192 Anti-Goeze. Fünfter. XNömme schuldig macht; lind jeder muß sich ihm widersetzen, dem die Wahrheit der christlichen Religion am Herzen liegt. — Denn wie? So hat die christliche Religion kranke Stellen, die schlechterdings keine Betastung dulden? die man selbst der Luft nicht auslegen darf? Oder hat sie keine solche Stellen: warum sollen ihre Freunde immer und ewig den Vorwurf hören, „daß man nur nicht alles sagen dürfe, was man gegen „sie sagen könnte?" Dieser Vorwurf ist so erniedrigend, ist so marternd! Ich wiederhohlc cS: nur eine theologische Mömme kann ihm nicht ein Ende gemacht zu sehen wünschen, kann durch ihr Betragen länger dazu berechtigen. Nicht, daß mir der Theologische Renomist lieber wäre, welcher mitten vom Pflaster dem lcutcscheucn Frcygcistc, der sich an den Häusern hinschleicht, ein Schnippchen schlägt, und trotzig zuruft: „komm „heraus, wenn du was hast!" Ich kann beyde nicht leiden; und das sonderbarste ist, daß auch hier nicht selten N7ömme und Renomist in Einer Person sind. Sondern ich glaube, daß der wahre Christ weder den einen noch den andern spielt: zu mißtrauisch auf seine Vernunft; zu stolz auf seine Empfindung. — So viel gegen die Federung des Herrn Hauptpastors, im Allgemeinen betrachtet. Zch komme auf den einzeln Fall, den er dabey im Sinne hat. Denn mein Ungenannter muß cS doch wohl seyn sollen, der sich einer Freyheit bedienet, die er nicht haben müßte. Aber wo hat er sich denn ihrer bedienet? Wo hat er denn die Apostel als Dummköpfe, Bösewichtcr, Leichenräuber gelästert? Ich biete dem Herrn Hauptpastor Trotz, mir eine einzige Stelle in den Fragmenten zu zeigen, wo er mit solchen Ehrentiteln um sich wirft. Der Herr Hauptpastor sind es einzig und allein selbst, dem sie hier zuerst über die Zunge, oder aus der Feder, — zuerst in die Gedanken gekommen. Er, er mußte im Namen des Ungenannten, die Apostel lästern, damit er den Ungenannten lästern könne. Und daß man ja nicht glaube, als ob ich meinen Ungenannten blos damit schützen wolle, daß jene Ehrentitel nicht buchstäblich bey ihm zu finden! Mein Ungenannter hat sogar nichts von den Apostel» positiv behauptet, was sie derselben Sliili.Eoejt. Fünfter. 193 würdig machen könnte; nirgends ihnen den Gehalt derselben gerade ans den Kopf zugesagt. Es ist nicht wahr, daß mein Ungenannter schlechthin sagt: „Christus ist nicht auferstanden, sondern seine Jünger haben „seinen Leichnam gestohlen." Er hat die Apostel dieses Diebstahls weder überwiesen, noch überweisen wollen. Er sahe zu wohl ein, daß er sie dessen nicht überweisen könne. Denn ein Verdacht, selbst ein höchstwahrscheinlich^ Verdacht, ist noch lange kein Beweis. Mein Ungenannter sagt blos: dieser Verdacht, welchen sein Gehirn nicht ausgebrütet, welcher sich aus dem Neuen Testamente selbst herschrcibt, dieser Verdacht sey durch die Erzählung des Matthäus von Bewahrung des Grabes, nicht so völlig gehoben und widerlegt, daß er nicht noch immer wahrscheinlich und glaublich bleibe; indem besagte Erzählung nicht allein ihrer innern Beschaffenheit nach höchst verdächtig, sondern auch ein «?ra^ ^o,«^>ov sey, dergleichen in der Geschichte überhaupt nicht viel Glauben verdiene; und hier destowenigcr, weil sich selbst diejenigen nie darauf zu berufen getrauet, denen an der Wahrheit derselben am meisten gelegen gewesen. Wer sieht nun nicht, daß es sonach hier weniger auf die Wahrheit der Sache, als auf die glaubwürdige Art der Erzählung ankömmt? Und da die Erzählung einer sehr wahren Sache sehr unglaublich seyn kann: wer erkennt nicht, daß diese Un- glaublichkcit jener Wahrheit nur in so weit präjudicirt, als man die Wahrheit einzig und allein von der Erzählung will abhängen lassen? Doch gesetzt auch, mein Ungenannter hätte sich in diesen Gränzen nicht gehalten, er hätte nicht blos zeigen wollen, was jeder gute Katbolik ohne Anstoß glauben und behaupten kann, daß in der schriftlichen Erzählung der Evangelisten und Apostel einzig und allein, gewisse heilige Begebenheiten so unge- zweifclt nicht erscheinen, daß sie nicht noch einer anderweitigen Bekräftigung bcdürffcn; gesetzt, er hätte das wahrscheinliche für wahr, das glaubliche für unleugbar gehalten, er hätte cS schlechterdings für ausgemacht gehalten, daß die Apostel den Leichnam Zesu entwendet: so bin ich auch sodann noch überzeugt, daß er LeMngS Merke x. 1Z 194 Anti-Eoeze. Fünfter. diesen Männern, durch welche gleichwohl so unsäglich viel Gutes in die Welt gekommen, wie er selbst nicht in Abrede ist, daß cr, sage ich, diesen uns in aller Absicht so theuren Männern, die schimpflichen Namen Betrüger. Böscroichter, -ü.ei- clicnrönbcr würde erspart haben, die dem Herrn Hauptpastor so geläufig sind. Und zwar würde cr sie ihnen nicht blos aus Höflichkeit erspart haben; nicht blos aus Bcsorglichkcit, das Kalb, wie man zu sagen pflegt, zu sehr in die Augen zu schlagen: sondern er würde sie ihnen erspart haben, weil cr überzeugt seyn mußte, daß ihnen zu viel damit geschähe. Denn wenn es schon wahr ist, daß moralische Handlungen, sie mögen zu noch so verschicdncn Zeiten, bey noch so vcrschied- nen Völkern vorkommen, in sich betrachtet immer die nehmlichen bleiben: so haben doch darum die nehmlichen Handlungen nicht immer die nehmlichen Benennungen, und es ist ungerecht, irgend einer eine andere Benennung zu geben, als die, welche sie zu ihren Zeiten, und bey ihrem Volk zu haben pflegte. Nun ist es erwiesen und ausgemacht, daß die ältesten und angesehnsten Kirchenväter einen Betrug, der in guter Absicht geschiehet, für keinen Betrug gehalten, und diese nehmliche Denkungsart den Aposteln beyzulegen, sich kein Bedenken gemacht haben. Wer diesen Punkt von cmcin unvcrdächtigcn Theologen selbst, belegt und aufs Reine gebracht lesen will, der lese Ribovs Programm 6e iDeconn»,!.-» n-ttrum. Die Stellen sind unwidersprcchlich, die Ribov daselbst mit Verschwendung zusammen trägt, um zu bcwciscn, daß die Kirchenväter fast ohne Ausnahme der festen Meynung gewesen, integmm omnin« vo- ctorikus & coetu« Lkrittiani ^ntiktitilius ekle, ut tlolos versenk, lslsa voris intermiseeant A imnrimis rollgionis Kaste« sullant, clummotlo vorltatis ennimoclis et utilituti inserviniit. Auch sind die Stellen der andern Art, wo die Kirchenväter den Aposteln selbst eine dergleichen c>'txovo^t«v, eine dergleichen tallltatem clispensativ-lm beylegen, eben so unleugbar. Was Hieronymus unter andern vom h. Paulus versichert," ist so ngif. daß cS ° psuliis in leMmoniiü, nuio sumil tle vewri ls/lsmen!», qusm »rli- kex, quam prildsn», c/uiim iliMmuliUor ett Hu» quoll agil! Sliiti.Eocje. Fünfter. dcm naisen Ribov selbst ausfällt, darum aber nicht weniger die wahre Meynung des Hicronymus bleibt. Man sage nickt, daß diese uns itzt so befremdende Vorstellung von der Aufrichtigkeit der ersten Kirchenväter und Apostel, blosse Vortheile der Auslegungskunst, blossen Wörterkram betreffe. Worte und Handlungen liegen nicht so weit auseinander, als man insgemein glaubt. Wer sähig ist, eine Schrift- stellc wieder besser Wissen und Gewissen zu verdrehen, ist zu allem andern fähig; kann falsch Zeugniß ablegen, kann Schriften unterschieben, kann Thatsachen erdichten, kann zu Bestätigung derselben jedes Mittel für erlaubt halten. Gott bewahre mich, daß ich zu verstehen geben sollte, daß die Apostel zu diesem allen fähig gewesen, weil sie die Kirchenväter zu einem für fähig gehalten! Ich will nur die Frage veranlassen: ob in eben dcm Geiste, in welchem wir itzt in Ansehung dieses einen über sie urlheilen, ein billiger Mann allenfalls nicht auch in Ansehung des übrigen urtheilen müßte, wenn es ibncn wirklich zur Last fiele? Und so ein billiger Mann war mein Ungenannter allerdings. Er hat keine Schuld, die in leichtem Gelde gemacht war, in schwerem wiedergefordert. Er hat kein Verbrechen, welches unter nachscbcndcr» Gesetzen begangen war, nach spätern geschärftere» Gesetzen gerichtet. Er hat keine Vencnnung, die dem Abstracto der That zu ihrer Zeit nicht zukam, dcm Eoncrcto deS Thäters zu unsrer Zeit beygelegt. Er hat immer in seinem Herzen dafür halten können, daß wir betrogen sind: aber er hat sich wohl gehütet zu sagen, daß wir von Betrügern betrogen sind. Vielmehr spielt jcdcr, welcher meinen Ungenannten dicses letztere sagen läßt, weil er ihn überführen kann, daß er das erstere geglaubt habe, selbst cincn Betrug, nm einen Pöbel in Harnisch zu bringen, der keinen Unterschied zu machen fähig ist. Ob aber diese Absicht auch zu den Absichten gehört, die einen Betrug entschuldigen, das lassc ich dahin gestellt seyn. Zch sehe wenigstens den Nutzen, der daraus entspringen soll, noch nicht ein; und ich muß erst erfahren, ob selbst der Pöbel itziger Zeit 13 ° 196 Sliiti-Goeje. Fünfter. nicht schon klüger lind vernünftiger ist, als die Prediger, die ihn so gern Hetzen möchten. Herr Goeze weiß sehr wohl, daß mein Ungenannter eigentlich nur behauptet, daß die Apostel es ebenfalls gemacht, wie es alle Gesetzgeber, alle Stifter neuer Religionen und Staaten zu machen für gut befunden. Aber das fällt dem Pöbel, für den er schreibt und prediget, nicht so recht auf. Er spricht also mit dem Pöbel die Sprache des Pöbels, und schreyet, daß mein Ungenannter die Apostel als Betrüger und ZSäsewichter lästere. — Das klingt! das thut Wirkung! — Vielleicht, wie gesagt, aber auch nicht. Denn auch der geringste Pöbel, wenn er nur von seiner Obrigkeit gut gelenkt wird, wird von Zeit zu Zeit erleuchteter, gesitteter, besser: anstatt, daß es bey gewissen Predigern ein Grundgesetz ist, auf dem nehmlichen Punkte der Moral und Religion immer und ewig stehen zu bleiben, auf welchem ihre Vorfahren vor vielen hundert Zahrcn standen. Sie reisten sich nicht von dem Pöbel, — aber der Pöbel reißt sich endlich von ihnen los. A n t i - G o e z e. >'»» >«>v« esl, quoll milii impinklil Innli« »rliix i>v»>i5eX' //ie>o»> 175/,. /i»^//»u»>. SECHSTER. (8) 1 7 7 8. nni<.-t Vorwürfe machte, als habe er ein sehr strafbares Aergerniß auf seiner Seele: was war seine Antwort? 0 imnuclentism linglilsrom! ^ccuksnt meäieum, czuod venoria pro6ill«rit. — Nun Weiß ich freylich nicht, was er mit jener fckol-t h-rannies eigentlich sagen wollen. Und es wäre doch erstaunlich, wenn es auch damals schon unter den christlichen Lehrern Leute gegeben hätte, wie Gocze! — Aber eine ähnliche Antwort habe ich doch schon für mich auch gegeben". „Weil ich das Gift, das im Finstern schlci- „chet, dem Gcsundhcitsralhc anzeige, soll ich die Pest in das „Land gebracht haben?" Freylich, als ich die Fragmente heraus zu geben anfieng, wußte ich, oder äusserte ich doch, den Umstand noch nicht, den ich zur Entschuldigung eines Unternehmens, bey welchem ich darauf keine Rücksicht nahm oder nehmen konnte, hier brauchen zu wollen scheine- Ich wußte oder äusserte noch nicht, daß das Buch ganz vorhanden sey, an mcbrcrn Orten vorhanden sey, und in der Handschrift darum keine» geringern Eindruck mache, weil der Eindruck nicht in die Augen falle. Aber ich scheine auch nur, mich dieses Umstandcs zu meiner Rechtfertigung bedienen zu wollen. Zch bin ohne ihn dadurch gerechtfertigt genug, daß ich, als ich einmal eine sehr unschuldige Stelle aus dem Werke meines Ungcnannrcn gelegen« lick bekannt gemacht hatte, anfgefo- dert wurde, mehr daraus mitzutheilen. Za ich will noch mehr Blosse geben. Zch will gerade zu bekennen, daß ich auch obnc alle Auf- foderung würde gethan haben, was ich gethan habe. Ich würde es vielleicht nur etwas später gethan haben. Denn einmal habe ich nun eine ganz abergläubische Achtung gegen jedes geschriebene, und nur geschrieben vorhandene Buch, von welchem ich erkenne, daß der Verfasser die Welt ° Aiui-Goezc I. S, 4. >S, 107.1, Slnli-Eoeze. Sechster. damit belehren oder vergnügen wollen. Es jammert mich, wenn ich sehe, daß Tod oder andere dem thätigen Manne nicht mehr und nicht weniger willkommene Ursachen, so viel gute Absichten vereiteln können; und ich fühle mich so fort in der Bcfassung, in welcher sich jeder Mensch, der dieses Namens »och würdig ist, bey Erblickung eines ausgesetzten Kindes befindet. Er begnügt sich nicht, ihm nur nicht vollends den Garaus zu machen; es unbeschädigt und ungestört da liegen zu lassen, wo er es findet: er schaft oder trägt es in das Fin- dclbaus, damit es wenigstens Taufe und Namen crbalte. Eines denn freylich wobl lieber als das andere: nach dem ihm das eine mehr angelächelt, als das andere; nach dem ihm das eine den Finger mehr gedrückter, als das andere. Gerade so wünschte ich wenigstens — Denn was wäre es nun, wenn auch darum noch so viel Lumpen mehr, dergestalt verarbeitet werden müßten, daß sie Spuren eines unstcrb- licbcn Geistes zu tragen fähig würden? — wünschte ich wenigstens, alle und jede ausgesetzte Gcburtbcn des Geistes, mit eins in das große für sie bestimmte Findclhaus der Druckerey bringen zu können: und wenn ich deren selbst mir wenige wirklich dahin bringe, so liegt die Schuld gewiß nicht an mir allein. Zch thue was ich kann; und jeder thue nur eben so viel. Selbst die Ursache liegt oft in mir nicht allein, warum ich cbcr diese als jene binbringe, warum ich mir von dem gesundern und frcundlicbern Findlinge den Finger umsonst muß drückrn lassen: sondern es wirken auch hier meistens so viel kleine »nmcrkliche Ursachen zusammen, daß man mit Recht sagen kaiin, Iiadont su-t s-tta liliclli. Aber nie habe ich diese meine Schwachheit, — wodurch ich, ich weiß nicht ob ich sagen soll, zum Bibliothekar gebohrcn, oder zum Bibliothekar von der Natur verwahrloset bin, — nie habe ich diese meine Schwachheit denken können, ohne meine individuelle Lage glücklich zu preisen. Zch bin sehr glücklich, daß ich hier Bibliothekar bin, und an keinem andern Orte. Ich bin sehr glücklich, daß ich dieses Herrn Bibliothekar bin, und keines andern. — 200 Aiiti-Eoeze. Sechster. Unter den heidnischen Philosophen, welche in den ersten Jahrhunderten wider das Christenthum schrieben, muß ohne Zweifel Porphyrins der gefährlichste gewesen seyn, so wie er, aller Vermuthung nach, der scharfsinnigste und gelehrteste war. Denn seine 15 Bücher x!"?t«vu)v sind, auf Befehl des Constantinus und Theodosius, so sorgsam zusammengesucht und vernichtet worden, daß uns auch kein einziges kleines Fragment daraus übrig geblieben. Selbst die drevssig und mehr Verfasser, die ausdrücklich wieder ihn geschrieben hatten, worunter sich sehr große Namen befinden, sind darüber verloren gegangen; vermuthlich weil sie zu viele und zu große Stellen ihres Gegners, der nun einmal aus der Welt sollte, angeführet hatten. — Wenn es aber wahr seyn sollte, was Ilaac vossius den Salvius wollen glauben machen", daß dem ohngcachtct noch irgendwo ein Exemplar dieser so fürchterlichen Bücher des Porphvrius vorhanden sey; in der Mcdiccischcn Bibliothek zu Florenz nehmlich, wo es aber so heimlich gehalten werde, daß niemand es lesen, niemand das geringste der Welt daraus mittheilen dürfe: wahrlich, so möchte ich dort zu Florenz nicht Bibliothekar seyn, und wenn ich Großhcrzog zugleich seyn könnte. Oder vielmehr, ich möchte es nur unter dieser Bedingung seyn, damit ich ein der Wahrheit und dem Christenlhumc so nachtheiligcs Verboth geschwind aufheben, geschwind den Porphyrius in meinem herzoglichen Pallastc drucken lassen, und geschwind das Großhcr- zogthum, welches mir itzt schon im Gedanken zur Last ist, geschwind wieder an seine Behörde abgeben könnte. — Abölard ist der Mann, den ich oben " in Gedanken hatte, als ich sagte, daß selbst in jenen barbarischen Zeiten mehr Einwürfe gegen die Religion gemacht worden, als die Mönche zu beantworten Lust hatten, die beliebter Kürze und Bequemlichkeit wegen, den nur gleich zu allen Teufeln zu schicken bereit waren, der sich mit seinen Einwürfen an das Licht wagte. Denn sollte man wohl glauben, daß Trotz den Streitigkeiten, welche der h. DernharSus dem Zlbälard gegen verschiedene seiner Schriften erregte; Trotz der Sammlung, welche Amboise " NUmvivri Oonringignil LpMvI>0il. >>. 7l. " A, G, IV. S. 16. lS. 189.^ Sliiti-Eveje. Sechster. 201 mit seiner nicht geringen Gefahr von den Schriften des Abä- lardS machte; Trotz den Nachlesen, welche Martene und Dn- rand und L>- Perz zu dieser Sammlung gehalten haben, uns doch noch dasjenige Werk des Abälard mangelt, aus welchem die Rcligionsgesinnungen desselben vornehmlich zu ersehen seyn müßten. T>'Acl?er)? hatte es, ich weiß nicht in welcher Bibliothek gefunden, hatte eine Abschrift davon genommen, und war Willens, es drucken zu lassen. Aber T-'Achery gieng oder mußte mit andern Gelehrten — auch Benediktinern ohne Zweifel — vorher noch darüber zu Rathe gehen, und so konnte aus dem Drucke nichts werden; die glücklich aufgefundene Schrift des Abälard, in , genio kuo inäulAvns, »innia enMisrue rvIiAioiiis ne tten» i» utramc^no psitem vcrsat, ward zu ewigen Finsternissen verdammet". Die Abschrift des D'Achery kam in die Hände des XNanene und Dnrand; und diese, welche so viel historischen und theologischen Schund dem Untergänge entrissen hatten, hatten eben so wenig das Herz, noch ein bischen Schund mehr der Welt aufzubewahren; weil es doch nur philosophischer Schund war. — Arme Scharteke! Gott führe dich mir in die Hände, ich lasse dich so gewiß drucken, so gewiß ich kein Benediktiner bin! — Aber wünschen einer zu seyn, könnte ich fast, wenn man nur als ein solcher mehr dergleichen Manuscripte zu sehen bekäme. Was wäre cS, wenn ich auch gleich das erste Jahr wieder aus dem Orden gestoßen würde? Und das würde ich gewiß. Denn ich würde zu viel wollen drucken lassen, wozu mir der Orden den Vorschub verweigerte. Der alte Lutheraner würde mich noch zu oft in den Nacken schlagen; und ich würde mich nimmermehr bereden können, daß eine Maninc, welche der päbstischcn Hierarchie so zuträglich ist, auch dem wahren Christcnthume zuträglich seyn könne. „Doch das alles heißt ja nur eine Missethat durch das „Jucken entschuldigen wollen, welches man, sie zu begehen, unwiderstehlich fühlet. Wenn es den» deine Schwachheit ist, „dich verlassener Handschriften anzunehmen, so leide auch für „deine Schwachheit. Genug, von dieser Handschrift hätte schlcch- ° 'j'Iies. ^Viicell. 'IV V. pr-ef. 202 Anti-Goeze. Sechster. „terdings nichts müssen gedruckt werden, weil sie wenigstens „eben so schlimm ist, als das kLoloos Icschu " Wohl angemerkt! Und also hätte auch wohl Toldos Zeschu nicht müssen gedruckt werden? Also waren die, welche es unter uns bekannt, und durch den Druck bekannt machten, keine Christen < Freylich war der, welcher es den Christen zuerst gleichsam unter die Nase rieb, nur ein getaufter Jude. Aber Porchctus? Aber Luther? Und Wagcnscil, der sogar das Hebräische Original retten zu müssen glaubte! O der unbesonnene, der bcim- tückische Wagcnscil! Sonst bekam unlcr tausend Juden kaum einer das Toldos Zeschu zu lesen: nun können es alle lesen. Und was er auch sonst noch einmal vor dem Richtcrstnhl Gottes schwer wird zu verantworten haben, der böse Wagcnscil! Aus seiner Ausgabe hat der abscheuliche Voltaire seine scurrilcn Auszüge gemacht, die er zu mackcn wohl nntcrlasscn babcn würde, wenn er das Buch erst in den alten Drucken des Ray- mundus oder Porchctus hätte aufsuchen müssen. — Nicht wahr, Herr Hanptpastor? Zch setze hinzu: die er zu machen auch wohl gar hätte müssen blcibcn lassen, wenn Wagcnscil das Lästcrbuch anstatt bcbräisch und lateinisch, hebräisch und deutsch hätte drucken lasscn. Das wäre denn ein kleines Ercmpclchen, von welchem allgemeinen Nutzen es ist, wenn die Schriften widcr die Religion nur lateinisch zu babcn sind. Nicht wahr, Herr Hanptpastor? Indeß, Herr Hauptpastor, hat doch Wagcnscil, in der weitläufigen Vorrede zu seinen I'elis igneis Lutan-v, sein Unternehmen so ziemlich gut vertheidiget. Und wollen Sie wohl erlauben, daß ich nur eine einzige Stelle daraus hersetze, in welcher auch ich mit eingeschlossen zu seyn glaube? Es ist die, welche den Hauptinhalt der ganzen Vorrede in wenig Worte saßt. jXo,i,.v vero, non legere t-mtum Ij-eretieerum serinta, kecl A oninione« illorum iimnilel'tgre, liliroi-umijuo ad iis coiunolitorum, fivo frag- mentii sut campend!», live inteA>um contextui», iillclitis ljuitlem plorumyue confutstioniuus, aliK blagpnemias iiiiniorui» Iieminuin reeitare, viri lloeti piiijuv ol!m Ä nune las ol'te srliitrati t'unt. A n t i - G o e z e. >>o>^ ljuiilem »uüum es« nUueudui», liunlem esutsin vir Iion»», keck elism qunre, <^ «ju» meine Uefüiid!». ^ui/ic/iVianuz. SIEBENTER. (9) 1 7 7 8. Abcr der Herr Hauptpaflor wird ärgerlich werden, daß ich ihm so Schritt vor Schritt auf den Leib rücke, um ihn endlich in dem Winkel zu haben, wo er mir nicht entwischen kann. Er wird schon itzt, ehe ich ihn noch ganz umzingelt habe, mir zu entwischen suchen, und sagen: „Ey, wer spricht denn auch „von dem bloßen Drucke? Der liesse sich freylich noch so so „beschönigen. Das eigentliche Verbrechen stecket da, daß der „Herausgeber der Fragmente zugleich die Advocatur des Verfassers übernommen hat." Advocatur? Die Advocatur des Verfassers? — Was hatte denn mein Ungenannter für eine Advocatur, die ich an seiner Statt übernommen? Die Advocatur ist die Bcfugniß, vor gewissen Gerichten gewisse Rcchtshändcl führen zu dürfen. Daß mein Ungenannter irgendwo eine solche Bcfugniß gehabt habe, wüßte ich gar nicht. — Es wäre denn, daß man seine Bcfugniß, den gcsundcn Menschenverstand vor dem Publico zu vertheidigen, darunter verstehen wolle. Doch diese Bcfugniß hat ja wohl cin jeder von Natur; giebt sich ja wohl ein jeder von selbst; braucht keiner erst lange von dem andern zu übcrnchmen. Sie ist weder eine Fleischbank, noch cin Pastorat. Doch dem gutcn Hcrrn Hauptvastor die Worte so zu mäckcln! So genau bey ihm auf das zu sehn, was er sagt; und nicht vielmehr auf das, was er sagen will? Er will sagen, daß ich übernommen, der Advocat des Ungenannten zu seyn; mich zum Advocatcn des Ungenannten aufgcworsfcn. Das will er sagen; 204 Anli-Eoeze, Siebenler. und ich wette zehne gegen eins, daß ihn kein Karrenschieber anders versteht. — So habe er cS denn auch gesagt! — Wenn ich nur sähe, wo der Weg nun weiter hingicngc. Denn auch hier lauffcn Strassen nach allen Gegenden des Hiunnels. — Freylich, wenn ich wüßte, was für einen Begriff der Herr Hauptpastor von einem Advocaten sich mache: so wollte ich den geraden Weg, in seine Gedanken einzudringen, bald finden. — Sollte der Herr Hauptpastor wohl Wundcrshalben hier einmal gar den reckten Begriff sich machend Sollte er wohl gar den rvahren Advocaten kennen und meynen? den ehrlichen Mann unter diesem Namen meynen, der der Gesetze genau kundig ist, und keinen Handel übernimmt, als solche von deren Gerechtigkeit er überzeugt ist? — Nein, nein; den kann er nicht meynen. Denn ich habe nirgend gesagt, daß ich die ganze Sache meines Ungenannten, völlig so wie sie liegt, sür gut und wahr halte. Ich habe das nie gesagt: vielmehr habe ich gerade das Gegentheil gesagt. Zch habe gesagt und erwiesen, daß wenn der Ungenannte auch noch in so viel einzeln Punkten Recht habe und Recht behalte, im Ganzen dennoch daraus nicht folge, was er daraus folgern zu wollen scheine. Zch darf kühnlich hinzusetzen, waS einer Art von Prahlerei' ähnlich sehen wird. Genug, daß billige Leser Falle kennen, wo dergleichen abgcdrungcnc Prahlerei) nöthig ist; und Leser von Gefühl wohl empfinden, daß ich mich hier in einem nicht der geringsten dieser Fälle befinde. — Ich habe es nicht allein nicht ausdrücklich gesagt, daß ich der Meynung meines Ungenannten zugethan sey: ich habe auch bis auf den Zeitpunkt, da ich mich mit der Ausgabe der Fragmente befaßt, nie das geringste geschrieben, oder öffentlich behauptet, was mich dem Verdachte aussetzen könnte, ein heimlicher Feind der christlichen Religion zu seyn. Wohl aber habe ich mehr als eine Kleinigkeit geschrieben, in welchen ich nicht allein die Christliche Religion überhaupt nach ihren Lehren und Lehrern in dem besten Lichte gezeigt, sondern auch die Christlichlutherischc orthodoxe Religion insbesondere gegen Katholiken, Socinianer und Neulinge vertheidiget habe. Anti-Goeze. Siebenler. 205 Diese Kleinigkeiten kennt der Herr Hauptpastor gröfitentheils selbst, und er hat mir ehedem mündlich und gedruckt seinen Beyfall darüber zu bezeigen beliebt. Wie erkennt er denn nun erst auf einmal den Teufel in mir, der sich, wo nicht in einen Engel des Lichts, doch wenigstens in einen Menschen von eben nicht dem schlimmsten Schlage verstellt hatte? Sollte ich wirklich umgeschlagen seyn, seitdem ich die nehmliche Luft mit ihm nicht mehr athme? Sollten mich mehrere und bessere Kenntnisse nnd Einsichten, die ich seit unsrer Trennung zu erlangen, eben so viel Begierde als Gelegenheit gehabt habe, nur kurzsichtiger und schlimmer gemacht haben? Sollte ich an der Klippe, die ich in dem stürmischen Alter brausender Aufwallungen vermieden habe, izt erst nachläßig scheitern, da sanftere Winde mich dem Hafen zutreiben, in welchem ich eben so freudig zu landen hoffe, als Er? — Gewiß nicht, gewiß nicht; ich bin noch der nehmliche Mensch: aber der Herr Hauptpastor betrachtet mich nicht mehr mit dem nehmlichen Auge. Die Galle hat sich seiner Sehe bemcistcrt, und die Galle trat ihm über — Wodurch? Wer wird es glauben, wenn ich es erzähle! Isor-ene snimis emIoNions ir-«? — Doch ich muß meinen Nachtisch nicht vor der Suppe aufzehren. Zch komme auf die Advocatur zurück und sage: der wahre eigentliche Advocat meines Ungenannten, der mit seinem Clienten über den anhängigen Streit Ein Herz und Eine Seele wäre, bin ich also nicht, kann ich also nicht seyn. Za, ich kann auch nicht einmal der seyn, der von der Gerechtigkeit der Sache seines Clienten nur eben einen kleinen Schimmer hat, und sich dennoch, entweder aus Freundschaft oder aus andern Ursachen, aus gutes Glück mit ihm auf das Meer der Chicane begicbt; fest entschlossen, jeden Windstoß zu nutzen, um ihn irgendwo glücklich ans Land zu setzen. Denn der Ungenannte war mein Freund nicht; und ich wüßte auch sonst nichts in der Welt, was mich bewegen können, mich lieber mit seinen Handschriften, als mit fünfzig andern abzugeben, die mir weder so viel Verdruß noch so viel Mühe machen würden: wenn es nicht das Verlangen wäre, sie so bald als möglich, sie noch bey meinen Lebzeiten widerlegt zu sehen. 206 Auti-Eoeze. Siebenter. Bey Gott! die Versicherung dieses Verlangens, weil ich bis ißt noch wenig Parade damit machen wollen, ist darnm keine leere Ausflucht. Aber frcvlich eigennützig ist dieses Verlangen; höchst eigennützig. Ich möchte nehmlich gar zu gern, selbst noch etwas von der Widerlegung mit aus der Welt nehmen. Ich bedarf ihrer. Denn daß ich als Bibliothekar die Fragmente meines Ungenannten las, war nicht mehr als billig; und daß sie mich an mchrcrn Stellen verlegen und unruhig machten, war ganz natürlich. Sie enthalten so mancherley Dinge, welche mein Bißchen Scharfsinn und Gelehrsamkeit gehörig auseinander zu setzen, nicht zureicht. Ich sehe hier und da, auf tausend Meilen, keine Antwort; und der Pcrr Hauptpastor wird sich freylich nicht vorstellen können, wie sehr eine solche Verlegenheit um Antwort ein Wahrheit liebendes Gemüth beunruhiget. Bin ich mir denn nun nichts? Habe ich keine Pflicht gegen mich selbst, meine Beruhigung zu suchen, wo ich sie zu finden glaube? Und wo konnte ich sie besser zu finden glaube», als bey dem Publico? Ich weiß gar wohl, daß ein Individuum seine einzelne zeitliche Wohlfahrt der Wohlfabrt mehrerer aufzuopfern schuldig ist. Aber auch seine ewige? Was vor Gott und den Menschen kann mich verbinden, lieber von quälenden Zweifeln mich nicht bcfreven zu wollen, als durch ihre Bekanntmachung Schwachgläubige zu ärgern? — Darauf antworte mir der Herr Hauptpastor. — Allerdings habe ich keine besondere Erlaubniß gehabt, von den mir anvertrauten litterarischen Schätzen auch dergleichen feurige Roblen der Welt mitzutbcilcn. Ich habe diese besondere Erlaubniß in der allgemeinen mit eingeschlossen zu seyn geglaubt, die mir mein gnädigster Herr zu ertheilen gcrnhet. Habe ich durch diesen Glauben mich seines Zutrauens unwürdig bezeigt: so beklage ich mein Unglück, und bin strafbar. Gern, gern will ich auch der billigen Gerechtigkeit darüber in die Hände fallen: wenn Gott mich nur vor den Händen des zornigen Priesters bewahret! Und was wird dieser zornige Priester nun vollends sage», wenn ich bey Gelegenheit hier bekenne, daß der Ungenannte selbst, an das Licht zu treten, sich nicht übereilen wollen. Daß Anti-Goeze. Siebenter. 207 ich ihn schon itzt an das Licht gezogen, ist nicht allein ohne seinen Willen, sondern wohl gar wider seinen Willen geschehen. Dieses läßt mich der Anfang eines Vorberichts besorgen, der mir unter seinen Papieren allerdings schon zu Gesichte gekommen war, noch ehe ich mich zu dem Dienste seines Einführers in die Welt entschloß. Er lautet also: „Die Schrift, wozu „ich hier den Vorbericht mache, ist schon vor vielen Jahren von „mir aufgesetzt worden. Jedoch habe ich sie bey Gelegenheit „eines öfrcrn Durchlescns an manchen Stellen vermehrt, an „andern eingekürzt, oder geändert. Blos meine eigene Gc- „müthsbcruhignng war vom ersten Anfange der Bewegungs- „ gründ, warum ich meine Gedanken niederschrieb; und ich bin „nachher nimmer auf den Vorsatz gerathen, die Welt durch „meine Einsichten irre zu machen, oder zu Unruhen Anlaß zu „geben. Die Schrift mag im Verborgenen, zum Gebrauch verständiger Freunde, liegen bleiben; mit meinem Willen soll sie „nicht durch den Druck gemein gemacht werden, bevor sich die „Zeiten mehr aufklären. Lieber mag der gemeine Hausse noch „eine Weile irren, als daß ich ihn, obwohl ohne meine Schuld, „mit Wahrheiten ärgern und in einen wüthenden Religionseifer „setzen sollte. Lieber mag der Weise sich des Friedens halber, „unter den herrschenden Meynungen und Gebräuchen schmiegen, „dulden und schweigen; als daß er sich und andere durch gar „zu frühzeitige Aeusserung unglücklich machen sollte. Denn ich „muß es zum Voraus sagen, die hierinn enthaltenen Satze sind „nicht catechismusmäßig, sondern bleiben in den Schranken ei- „ncr vernünftigen Verehrung Gottes, nnd Ausübung der Menschenliebe und Tugend. Da ich aber mir selbst, und meinen „entstandenen Zweifeln zureichend Genüge thun wollte: so habe „ich nicht umhin können, den Glauben, welcher mir so manche „Anstöße gemacht hatte, von Grund aus zu untersuchen, ob „er mit den Regeln der Wahrheit bestehen könne, oder nicht." Luther und alle Heiligen! Herr Hauptpastor, was haben Sie da gelesen! Nicht wahr? so gar strafbar hätten Sie mich nimmermehr geglaubt? — Der Ungenannte war bey aller seiner Frcygcistcrcy, doch noch so ehrlich, daß er die Welt durch seine Einsichten nicht irre machen wollte: und ich, ich trage kein Be- 208 Anti-Goeze. Siebenter. dcnkm, sie durch fremde Einsichten irre zu machen. Der Ungenannte war ein so friedlicher Mann, daß er zn keinen Unruhen Anlaß geben wollte: und ich, ich setze mich über alle Unruhen hinweg, von welchen Sie, Herr Hauptpastor, am besten wissen, wie sauer es itzt einem trcuflcißigen Scclcnsorgcr wird, sie auch nur in einer cinzigcn Stadt zur Ehre unsrer allcrhciligstcn Religion zu erregen. Der Ungenannte war ein so behutsamer Mann, daß er keinen Menschen mit Wahrheiten ärgern wollte: und ich, ich glaube ganz und gar an kein solches Aergerniß; fest überzeugt, daß nicht Wahrheiten, die man blos zur Untersuchung vorlegt, sondern allein Wahrbciten, die man so fort in Ausübung bringen will, den gemeinen Haufen in wüthenden Rcligionscifcr zu versetzen fähig sind. Der Ungenannte war ein so kluger Mann, daß er durch allzufrühzeitigc Aeusserungen, weder sich noch andere unglücklich machen wollte: und ich, ich schlage als ein Rasender meine eigene Sicherheit zuerst in die Schanze, weil ich der Meynung bin, daß Aeusserungen, wenn sie nur Grund haben, dem menschlichen Geschlechte nicht früh genung kommen können. Mein Ungenannter, der ich weiß nicht wenn schrieb, glaubte, daß sich die Zeiten erst mehr aufklären müßten, ehe sich, was er für Wahrheit hielt, öffentlich predigen lasse: und ich, ich glaube, daß die Zeiten nicht aufgeklärter werden können, um vorläufig zu untersuchen, ob das, was cr für Wahrheit gehalten, es auch wirklich ist. Das ist alles wahr, Herr Hauptpastor; das ist alles wahr. Wenn nur bey der löblichen Bescheidenheit und Vorsicht des Ungenannten, nicht so viel Zuversicht auf seinen Erweis, nicht so viel Verachtung des gemeinen Mannes, nicht so viel Mißtrauen auf sein Zeitalter zum Grunde läge! Wenn cr nur, zu Folge dieser Gesinnungen, seine Handschrift lieber vernichtet, als zum Gebrauche verständiger Freunde hätte liegen bleiben lassen! — Oder meynen Sie auch, Herr Hauptpastor, daß es gleich viel ist, was die Verständigen im Verborgenen glauben; wenn nur der Pöbel, der liebe Pöbel fein in dem Glcisse bleibt, in welchem allein, ihn die Geistlichen zu leiten verstehen? Meynen Sie? A n t i - G o e z e. I5x Iino >ina c.ipilul» «-»mprodillio, ferream le srnnli?m i>ossiili?r>» fallaeis:. //ie, o»z/. K>^. ACHTER. (10) 1778. Acyda! wo wollte ich in meinem Vorigen hin? Es hat sich wohl, daß der Herr Hauptpastor den Namen Advocat in seiner eigentlichen Bedeutung nehmen sollte! Advocat heißt bey seines gleichen weiter nichts als Zungcndreschcr; und das, das bin ich »bin. Ein feiler Zungcndreschcr in Sachen des Ungenannten bin ich ihm; und er hat blos die Güte, das minder auffallende Wort zu brauchen. Was Wunder auch? Sein guter Freund, der Rcichspost- reitcr, ehedem selbst ein Advocat, scheinet, ohne Zweifel aus cigncr Erfahrung, eben den Begriff vom Advocatcn zu haben; wie ans cincm Epigramm zu sehen, welches er neulich in einem' seiner Beytrage mit cinflicsscn lassen. Ich weiß die schönen Zeilen nicht mehr; aber die Spitze war, daß nichts als Schreyen zum Advocatcn gchöre. Dieses Epigramm soll zu seiner Zeit zwiscbcn dcr Börse und dem Rathhausc in Hamburg einiges Aufscbcn gemacht haben, und es bätte dem Verfasser leicht eben so bekommen können, wie ihm mehrere Epigramme bekommen sind, wenn er nicht die Klugheit gehabt hätte, noch zur rechtcn Zeit zu erklären, daß er selbst das Epigramm nicht gemacht babe. Dieses schrieb man mir aus Hamburg, und setzte hinzu: „Das fand sich auch wirklich. Nicht der Rcichspostrcitcr, son- „dcrn dcS Ncichspostrciters Pferd, hatte das Epigramm gemacht." Doch das Pferd dieses Reiters kümmert mich eben so wenig, als dcr Reiter dieses Pferdes. Mag doch noch ferner eines mit dcm andern immer durchstechen, und das Pferd, was es sich schämt gemacht zu haben, auf den Reiter, so wie der Rci- Werke x. 14 210 An>i-^oc;c. ?lchlcr. tcr in gleichem Falle auf das Pferd schieben. Ihr gemeinschaftlicher Sattel ist ein Manlthicr: damit g»t! — Es sollte mir leid seyn, wenn der ReichSpostrcitcr nicht eben so wohl Wllvr's .It-sts, als den DcScb'inS gelesen hätte. — Und so wende ich mich wieder zu dem geistlichen Herrn, dem dieser Postrciter nur manchmal vorspannt. Za, ja, so ist es, und nicht anders. Wenn mich der Herr Hauptpastor den Advocatcn des Ungenannten nennet, so meint er blos einen gc- dungncn Zungcndrcschcr, dem es gleich viel ist, was für einer Sache er seinen Beystand leihet; wenn es mir eine Sache ist, bey der er recht viele Ranke und Kniffe, von ihm genannt -HevrcmatK, anbringen, und Richter und Gegentheil so blenden und verwirren kann, daß dieser gern mit dem magersten Vergleiche vorlicb nimmt, ehe jener das Urtheil an den Knöpfen abzählt, oder blindlings aus dem Hute greift. So ein Kerl bin ich dem Herrn Hauptpastor! Dahin zielet j) seine ewige Klage, über meine Art zu streiten. Dahin zielet 2) sein Äorwurf, daß ich meinen Ungenannten mit unverdienten Lobsprüchcn an das Licht gezogen. Dahin zielet 3) seine Beschuldigung, daß ich alle, welche bisher noch gegen ihn geschrieben, und sich der christlichen Religion wider ihn angenommen haben, mit dem bittersten Spotte abgewiesen. Was meine Art zu streiten anbelangt, nach welcher ich nicht sowohl den Verstand meiner Leser durch Gründe zu überzeugen, sondern mich ihrer Phantasie durch allerhand unerwartete Bilder und Anspielungen zu bemächtigen suchen soll: so habe ich mich schon zur Hälfte darüber erklärt °. Ich suche allerdings, durch die Phantasie, mit auf den Verstand meiner Leser zu wirken. Zch halte es nicht allein für nützlich, sondern auch für nothwendig, Gründe in Bilder zu kleiden; nnd alle die Ncbcnbcgrifsc, welche die einen oder die andern erwecken, durch Anspielungen zu bezeichnen. Wer hiervon nichts weiß und verstehet, müßte schlechterdings kein Schriftsteller werden wollen; denn alle gute Schriftsteller sind es nur auf diesem Wege geworden. Lächerlich also ist cS, wenn der Herr Hauptpastor ^ Ami-E^ze II. Anli-Nocjc. Achicr. 211 etwas vcrschrcycn will, was cr nicht kann, nnd weil er eS nicht kann. Und noch lächerlicher ist es, wenn er gleichwohl selbst überall so viel Bestreben verräth, es gern können zu wollen. Demi uiitcr allen nüchtern und schalen Papicrbcsudlcrn braucht keiner mehr Gleichnisse, die von nichts ausgehen, und auf nichts hinaus laufen, als Er. Selbst witzig seyn und spotten, möchte cr manchmal gern; und der Reichspostreitcr, oder dessen Pferd, hat ihm auch wirklich das Zeugniß gegeben, „daß cr die saty- „rische Schreibart gleichfalls in seiner Gewalt habe." — Worauf sich aber wohl dieses gleichfalls beziehen mag? — Ob auf die anständige Schreibart, welche sonst in der Schrift dcs Herrn Hauptpastors herrschen soll? Ob auf die Gründe, mit welchen cr streiten soll? — Darüber möchte ich mir denn nun wohl compctcntcrc Richtcr erbitten, als den Postrcitcr und sein Pferd. — Oder ob aus mich? Ob der Postrcitcr sagen wollen, daß dcr Hcrr Hauptpastor eben so gut als ich die satirische Schreibart in seiner Gewalt habe? — Za, darinn kann dcr Postrcitcr und sein Pferd leicht Recht haben. Denn ich habe die satyrischc Schreibart, Gott sey Dank, gar nicht in meiner Gewalt; habe auch nie gewünscht, sie in meiner Gewalt zu haben. Das cinzigc, was freylich mehrere Pferde Salyrc zu ncimcn Pflegen, und was mir hierüber zu Schulden kömmt, ist dicscs, daß ich eine» Postrcitcr einen Postrcitcr, und cin Pfcrd ein Pfcrd ncnnc. Abcr wahrlich, man hat Unrecht, wenn man Offenherzigkeit, und Wahrheit mit Wärme gesagt, als Satyrc vcrschrcyct. Häckerling und Haber können nicht verschicdncr von einander scyn, mein gutes Pfcrd! Zch will dich besser lehren, was Satyre ist. Wenn dcin Ncitcr, — sonst genannt dcr Schwager; weil cr schwägcrlich die Parthey cincs jeden hält, dem cr vorreitet, — sagt, daß eine anständige Schreibart, in den Schriften des Herrn Hauptpastors herrsche; wenn cr sagt, daß dcr Hcrr Hauptpastor mit Gründen strcitc: glaube mir; das, das ist Satyrc. Das ist eben so platte Satyrc, als wenn cr dich cinen Pegasus nennen wollte, indem du eben untcr ihm in die Knie sinkest. Glaube mir, Schcckchcn, du kennst diesen abgefeimten Schwager noch nicht recht: ich kenne ihn besser. Er hat sonst auch mir vorgeritten; und du glaubst nicht, was 14° 212 Anti-Eecze. Achter. für hämische Lobsprüche sein ironisches Hörnchen da vor mir her geblasen. Wie er es mir gemacht hat, so macht er es allen; und ich bctaurc den Herrn Hauptpastor, wenn er, durch so ein boshaftes Lob eingeschläfert, sich nicht im Ernst auf die Gründe gefaßt hält, die der Schwager in ihm schon will gefunden haben. Er kann ja allenfalls den Schwager auch nur fragen, welches diese Gründe sind. — Denn komm an, Schcck- chen, — weil ich doch einmal angefangen habe, mit einem Pferde zu raisonniren — Sage du selbst, edler Houyhnhnm — (man muß seinen Richter auch in einem Pferde ehren) — sage du selbst, mit was für Gründen kann der Mann streiten, der sich auf meine Gegcngründe noch mit keinem Worte eingelassen hat? der, anstatt zu antworten, nur immer seine alte Beschuldigungen wörtlich wicdcrhohlt, und höchstens ein Paar neue hinzusetzt, die er eben so wenig gut zu machen gedenkt? Seit der Zeit, da du sein erstes Kartcl in die weite Welt getragen, das du großmüthig einem noch stumpf gerittenem Pferde abnähmest, hat er nicht aufgehört, mich mündlich und schriftlich zu schmähen, ob ich ihm gleich auf jenes sein Kartcl, wie ein Mann geantwortet zu haben glaube. Warum wicdcrlegt er meine Axiomata nicht, wenn er kann? Warum bringt er nur immer neue Lästerungen gegen mich auf die Bahn? Warum paßt er mir in allen hohlen Wegen so tückisch auf, und zwingt mich, ihm nicht als einem Soldaten, sondern als einem Buschklepper zu begegnen? Ist das guter Krieg, wenn er den Männern dcS Landes aus dem Wege geht, um die Weiber und Kinder desselben ungestört würgen zu können? Der Begriff ist der Mann; das sinnliche Bild des Begriffes ist das Weib; und die Worte sind die Kinder, welche beyde hervorbringen. Ein schöner Held, der sich mit Bildern und Worten herumschlägt, und immer thut, als ob er den Begriff nicht sähe! oder immer sich einen Schatten von Mißbegriff schafft, an welchem er zum Ritter werde. Er versprach einst, den Liebhabern solcher Leckerbissen eine ganze große Schüssel Fricassec von diesen Weibern und Kindern meines Landes vorzusetzen". Aber er hat sein Versprechen wieder ° Etwas Vorl. Vorr. VII. Auti-Eoeze. Achter. 213 zurückgenommen: denn es ist freylich ganz etwas anders, hier und da ein Weib oder ein Kind in meinem Lande meuchlings zu morden; und ganz etwas anders, dieser Weiber und Kinder zusammen mehrere, oder gar alle, in die Pfanne zu hauen. Er fand bald, daß er auch davon die Nase weglassen müsse; und ich muß bekennen, daß er mich damit um einen sehr lustigen Triumph gebracht hat. Denn die Gelegenheit wird mir sobald nicht wiederkommen, ohne Großsprecherei) zeigen zu können, daß auch da, wo ich mit Worten am meisten spiele, ich dennoch nicht mit leeren Worten spiele; daß überall ein guter triftiger Sinn zum Grunde liegt, auch wenn nichts als lauter Acgyptische Gryllcn und Chinesische Fratzenhäuscrchen daraus empor steigen. Das, wie gesagt, kann ich nicht mehr zeigen; und mit Analysirung der Proben, die der Herr Hauptpastor in der ersten blinden Hitze gegeben, will ich auch ein Pferd nicht aufhalten, das mehr zu thun hat. Lieber, wenn du mevnest, edler Houyhnhnm, daß ich die Wiederlcgung meiner Axiomen von ihm noch zu erwarten habe, will ich dich bitten, ihm durch den Schwager ein Wort im Vertrauen zukommen zu lassen, dieweil er es noch nutzen kann. — Aber warum durch den Sckwagcr? Als ob ich dir minder zutraute, als dem Schwager? Als ob der Herr Hauptpastor dich mit mindrer Aufmerksamkeit hören würde, als den Schwager? — Sey du es also nur selbst, der dem Herrn Hauptpastor meine Wünsche und Erwartungen und Besorgnisse mittheilet. Sage du ihm nur selbst, wie sehr ich mich daraus freue, endlich auch einmal von ihm belehret zu werden. Ich bin äusserst unruhig, bis ich seine Gründe in aller ihrer Stärke gegen die mcinigcn abwägen kann, denen ich gleichfalls alle ihre Schärfe zu ertheilen, nur auf Gelegenheit warte. Zch habe manches in den Axiomen hingeworffcn, von wclckcm ich wohl weiß, daß es eine nähere Erörterung bedarf und verdienet; aber ich bin auch gefaßt darauf, und es sollte mir sehr leid thun, wenn er nirgends anbcisscn, sich auf nichts, was eigentlich zur Sache gehöret, einlassen wollte. Gleichwohl muß ich es leider besorgen! Denn denke nur, edler Houyhnhnm; denke nur, was er mir eben itzt(°) schon im Noraus von sci- l°) Lcssmqs Schwachen S. 5. 214 Anti-Gocze. Achter. ncm bald zu eröffnenden Fcldzugc wissen läßt! Da steht auf einer Anhöhe eine armselige Vcdcttc; die, die will er mit Hcc- rcSkrast vors erste verjagen. Ich habe ein Histörchen erzählt von einem Hessischen Fcldpredigcr, (könnte auch ein Braunschwci- gischcr gewesen seyn) der auf einer Insel, die in keiner Geographie steht, gute Luthcrschc Christen fand, die von dem (5a- tcchismus sehr wenig, und von der Bibel ganz und gar nichts wußten. Nun ist ihm das Ding, weil der Rcichspostreitcr nichts davon mitgebracht hat, weil auch du ohne Zweifel nichts davon weißt, so unbegreiflich, als ob es gar nicht möglich wäre; lind ich soll es ihm beweisen, wie man wirklich geschehene Dinge zu beweisen pflegt; mit glaubwürdigen Zeugen, mit rechtskräftige» Dokumenten und dergleichen. Kann ich das, so will er es glauben, es mag möglich seyn oder nicht. Kann ich das aber nicht, so will er der ganzen Welt erklären, daß ich ein Betrüger bin, und mir die gcsammtcn Hessischen Fcldpredigcr, wegen dieser groben Verleumdung eines ihrer College«, auf den Hals Hetzen. Za er treibt seine Rache wohl noch weiter, und giebt mich bey der Englischen Regierung an, der die Vcrmudischcn Znscln schon seit ein wohlthätiger Sturm sammt und sonders geschenkt hat, daß ich ihr auch dieses Insclchcn schaffen muß, ich mag es hernehmen, woher ich will. Wahrlich, edler Holn?hnhnm, wenn er das thut, so bin ich ohne Rettung ver- lohrcn! Denn sich nur; welches du und der Schwager vicllcicbt auch nicht wissen: der Hessische Fcldpredigcr ist seitdem bey Sa- ratoga mit gefangen worden, und dic böscn Amcricancr wcchscln vor der Hand nicht ans. Gut, daß ihr beyde das wcnigsicnS wißt, und cs mir bezeugen könnt! Wie kann ich nun dem Herrn Hauptpastor den Fcldprcdigcr soglcich zur Stcllc schaffe» ^ Er muß warte», bis der Handel mit den Amcricancrn zu Endc ist, und dic Hcssen wieder zu Hause sind. Dann will ich mein möglichstes thun, ihn zu befriedigen; vorausgesetzt, das; der ausgewechselte Fcldpredigcr auf der Heimreise nicht stirbt. Damit aber doch auch mcinc Widerlegung nicht so lange verschoben bleiben darf: was hindert, daß er indeß die historische Wahrheit meiner Erzählung bey Seite setzt, und sie als bloße zweckmäßige Erdichtung betrachtet? Folget aus dem blos möglichen Zliiti-0'cejc. Achlcr. 215 Falle nicht cbcn das, was auS dem wirkliche» Falle folgen würde? Ist die Frage, „ob Menschen, welche sehr lebhaft „glauben, daß es ein höchstes Wesen giebt; das; sie arme sün- „digc (Geschöpfe sind; daß dieses höchste Wesen dcmohngcachtct, „durch ein andres cbcn so hohcs Wesen, sie nach diesem Leben „ewig glucklich zu machen, die Anstalt getroffen — ob Menschen, welche das und weiter nichts glauben, Christen sind, „oder keine?" — in beyden Fällen nicht die nehmliche? Ucbcr- legc cs doch nur sclbst, lieber — <Äaul. Denn was brauchst du viel, dieses zu können, ein Houyhnhnm zu seyn, der du doch cinmal nicht bist^ Ucberlcgc cS nur; und suche es dem Herrn Hauptpastor so gut du kannst begreiflich zu machen. Auf jene Frage soll er antworten, auf jene Frage; und um dic Co- lonic sich unbckummcrt lassen. — Hörst dui — Hicmit lebe wohl, (Haul; und grüß mir den Schwager! Anti - Goe z c. Yui !l»lUurl.'»> Uliri «lu^iiiüli^i :a>sc»i»Iil»»> milii rvv^Iul > »n» lai» »>i>i>!»> iniil!, »li svrvil: iiumu »uii riiru cl^iuuui» iu>>» nlli^rl, lucum si^>>-»!> vi^uiliciu uuulurilitli». /i5< . uu. N E U N T v R. - (II) I 7 7tt. Äic Klagc, über meine Art zu streite», konnte ich nur in dieser nehmlichen Art beantworten; und ich lasse cs mir gar wohl gefallen, daß der Herr Hauplpastor mcinc Antwort sclbst, zu cincm Bcwcisc seiner Klage macht. Warum sollte ich ihm nicht, mit gutem Vorsätze, noch mchrcrc Vcwcise zu cincr Klage liefern, die ich vcracbtc^ 2. Aber dcr Norwurf, daß ich den Ungenannten mit unverdienten und unmässigen Lobsprüchcn beehret, in der doppelt schelmischen Absicht, bey flachcn Lesern ciu günstiges Aorurlhcil 216 Sliiti-Goeze. Neunter. für ihn zu erschleichen, und die Gegner abzuschrecken, die sich etwa wider ihn rüsten möchten: dieser Vorwurf ist ernsthafter und verdienet eine ernsthaftere Antwort. Nur Schade, daß ich diese ernsthaftere Antwort nicht so einleuchtend zu machen im Stande bin. Denn dieses zu können, müßte schon das ganze Werk des Ungenannten der Welt vor Augen liegen, indem sich alle meine Lobsprüche blos und allein auf eine Beschaffenheit desselben beziehen, aus einer Beschaffenheit desselben entsprungen sind. Und aus welcher? Aus einer solchen, die sich gar wohl auch von einem Werke denken läßt, das in der Hauptsache sehr weit vom Ziele schießt. Ich habe es ein frcymüthiges, ernsthaftes, gründliches, bündiges, gelehrtes Werk genannt: lauter Eigenschaften, aus welchen die Wahrheit der darum abgehandelten Materie noch keines Weges folget; und die ich gar wobl auf den Verfasser übertragen dürfen, ohne ihn deswegen als einen Mann anzunehmen oder zu empfehlen, auf den man sich in allen Stücken verlassen könne. Es setzen daher auch diese Lobsprüche im geringsten nicht voraus, daß ich ihn näher, oder aus mchrcrn Werken kenne; noch weniger, daß ich ihn persönlich kenne, oder gekannt habe. Denn so empfindlich es auch immer dem Herrn Hauptpastor mag gewesen seyn, daß ich geradezu gesagt „mein Ungenannter sey Scs Gewichts, daß in allen Arten der Gclcbrsamkcit, „sieben Goezen nicht ein Siebcnthcil von ihm aufzuwägcn vermögend sind: so getraue ich mir doch diese Aeusserung einzig und allein aus dem gut zu machen, was mir von seinem Werke in den Händen ist. Der Herr Hauptpastor muß nur nicht, was ich von allen Arten der Gelehrsamkeit sage, auf alle KIinuM!ma dieser Arten ausdehnen. So möchte es z. E. mir allerdings wohl schwer zu erweise» seyn, daß mein Ungenannter von allen Plattdeutschen Bibeln eine eben so ausgebreitete gründliche Kenntniß gehabt, als der Herr Hauptpastor. Kaum dürften ihm die vcrschicdncn Ausgaben der Lutherischen Bibelübersetzung selbst, so vollkommen bekannt gewesen seyn, als dem Herrn Hauptpastor; welcher so ausscrordcutlichc Entdeckungen darinn gemacht, daß er auf ein Haar nun angeben kann, um wie weit mit jeder Ausgabe die Orthodorie des selige» Slnti-Goeze. Neunter. 217 Mannes gewachsen. Aber alles dieses sind doch nur Ständchen ans der Littcrargcschichte, welchen mein Ungenannter nur siebenmal siebenmal so viel andere Stäubchcn eben daher entgegen zu setzen haben dürfte, um mich nicht zum Lügner zu machen. Und so mit den übrigen Kenntnissen allen! Selbst mit denen, die der Ungenannte gctu gar nicht, sondern mir virtu-lliter besaß. Die Ursache ist klar. Er war ein selbstdcn- kcndcr Kops; und sclbstdcnkcnden Köpfen ist es nun einmal gegeben, daß sie das ganze Gefilde der Gelehrsamkeit übersehen, und jeden Pfad desselben zu finden wissen, so bald es der Mühe verlohnet, ihn zu betreten. Ein Wievieltheilchen eines solchen Kopses dem Herrn Hauptpastor zu Theil worden, bleibt seinem eignen nnparthcyischcn Ermessen anheimgestellt. Gnng daß 7 mal 7 nur 49 macht; und auch ein Neunundvicrzigthcilchen meines Ungenannten noch aller Hochachtung werth, und siebenmal mehr ist, als man an allen Orten und Enden der Christenheit zu einem Pastor oder Hauptpastor crfodcrt. Doch halt! Zch habe ja meinen Ungenannten anch einen ehrlichen unbescholtenen Mann genannt: und dieses setzt doch wohl voraus, daß ich ihn näher und persönlich kenne? — Äuch dieses nicht! Und ohne mich viel mit dem ljuilil,et pr-v- smnilur ko. zu decken, will ich mir gleich sagen, was für Grund in seinem Werke ich gefunden babe, ihm auch diese Gerechtigkeit wicdcrfabrcn zu lassen. Nehmlich; obschon mein Ungenannter freylich alle geoffenbarte Religion in den Winkel stellet: so ist er doch darum so wenig ein Mann ohne alle Religion, daß ich schlechterdings niemanden weiß, bey dem ich von der blos vernünftigen Religion so wabrc, so vollständige, so warme Begriffe gesunden hätte, als bey ihm. Diese Begriffe trägt das ganze erste Buck seines Werkes vor; nnd wie viel lieber hätte ich dieses erste Buch an das Licht gebrackt, als ein andres Fragment, welches mir seine voreiligen Bcstrcitcr abgc- drungcn haben! Nicht so wohl, weil die spekulativen Wahrheiten der vernünftigen Religion darin» in ein größer Licht durch neue und geschärftere Beweise gcstcllct worden: sondern vielmehr, weil mit einer ungewöhnlichen Deutlichkeit darinn gezeigt wird, welchen Einfluß diese Wahrheiten ans unsere Wich- 218 Auti-Goezc. Ncuntcr. tcn habe» müssen, wenn die vernünftige Religion in einen vernünftigen Gottesdienst übergehen soll. Alles, was er von diesem, von diesem Einflüsse insbesondere, sagt, trägt das un- vcrkcnnlichste Merkmahl, daß eS ans einem eben so erleuchteten Kopfe, als reinem Herzen geflossen; und ich kann mir unmöglich einbilden, daß in eben diesen Kopfe bey eben diesen cr- crhabcncn Einsichten, in eben diesen Herzen bey eben diesen cdeln Neigungen, tolle vorschliche Irrthümer, kleine eigennützige Affcctcn Hausen und herrschen können. In oocloiil poetoio, sagt LUlinctilian, nullum oft konostorum tui-piumlzuiz contc» tiui»: vt coZitsro n^itiina flmul so clotorrima non mogis vst unius l>»ii>>i, «/»am vjusclom komia!« Iionum vsfo ac malum. — Das also, das war es, warum ich meinen Ungenannten einen ehrlichen unbescholtenen Mann nennen zu können glaubte, ohne aus seinem bürgerlichen Leben Beweise dafür zu haben! Freylich glaubte ich einmal, ihn in der Person des Wert- heimischen Bibclübcrsctzers näher zu kennen; und noch kürzlich hätte mich die ungcsuchte Aeusserung eines hiesigen ehrlichen Mannes in solchem Glauben bestärken können. Dieser Mann hat ehedem, wie noch gar wohl bekannt, mit Schmiden vielen Umgang gepflogen; und ich habe sein schriftliches Zeugniß in Händen. Doch Herr XNascho hat durch so viel Schlüsse -» i„i„ii meinen Wahn, oder wofür er es sonst halten mag, so kräftig bcsirittcn, daß ich ganz und gar keine Achtung für dergleichen Schlüsse in redus s-ieti haben müßte, wenn ich nicht wenigstens sollte zweifelhaft geworden scvn. Zwar hinken einige dieser Schlüsse ein wenig sehr; z. E. der, welcher von der Wölfischen Philosophie hergenommen ist, die sich ScbmiV so ganz zu eigen gemacht hatte, und von welcher bey meinem Ungenannten keine Spur zu finden seyn soll. Denn mit Erlaubniß des Herrn Mascha, das eben angeführte erste Buch ist ganz auf Wölfische Definitionen gegründet; nnd wenn in allen klebrigen die strenge mathematische Methode weniger sichtbar ist, so hat ja wohl die Materie mit Schuld, die ihrer nicht sähig war. Auch muß ich dem Herrn Mascho aufrichtig bekennen, daß ich nicht einsehe, wie mein Vorgeben, die Handschrift des Ungc- nanntcn habe wenigstens ein Alter von 3l1 Zahrcn, darum Aiili-Gocjc, Neunter. 21'.» nicht Statt sindcn könne, weil Metstcins und des Spruches 1. Johann. V. 7, darinn gedacht werde. Es ist wahr, iVcr- sicins neues Testament kam erst 1751 heraus; aber die p,o- IoFnm<-ii!t waren doch bereits 1730 erschienen, und die Streitigkeit über den Spruch Zohannis ist ja wohl noch älter. Allein, was würde es helfen, wenn ich auch in diesen Kleinigkeiten Recht bekäme? Herr Mascko weiß so unzählig andere Particularia von meinem Ungenannten, welche alle auf den Wertheimschcn SckmiV nicht passen, daß schwerlich an diesen weiter gedacht werden kann; wenn uns Herr Mascho nur noch vorher zu sagen beliebt, woher er diese Particularia hat. Aon mir hat er sie gewiß nicht. Sondern vermuthlich hat er sie von einem gewissen lü. der in den Altonacr Beyträgen (St. 30) den Verfasser der Fragmente „einen leider! nur zu „bekannten Ungenannten nennet:" wenn dieser Uö. nicht vielmehr, was er so dreist in die Welt schreibt, von dem Herrn Mascho hat. Nach Belieben! Nur daß sich keiner auf mich berufe. Denn ich, für mein Theil, so bald ich merkte, daß ich mich in meiner Vermuthung mit Schmiven wohl möchte übereilet haben, machte mir das Gesetz, einer solchen Vermuthung nie wieder nachzuhängen. Ja ich faßte so fort den Entschluß, auch wenn ich den wahren Namen ganz zuvcrläßig erführe, ihn dennoch nun und nimmermehr der Welt bekannt zu machen. Und bey diesem Entschlüsse, so mir Gott hilft, bleibt es; gesetzt auch, daß ich ihn wirklich seitdem erfahren hätte. Welche elende Ncugicrdc, die Neugierdc nach einem Namen! nach ein Paar Buchstaben, die so oder so geordnet sind! Ich lasse es gelten, wenn wir zugleich mit dem Namen, und durch den Namen erfahren, wie weit wir dem Zeugnisse eines Licht- schcuS trauen können. Aber da, wo von Zeugnissen, von Dingen, die lediglich auf Zeugnissen beruhen, gar nicht die Rede ist; wo die Vernunft auf ihrem eignen Wege nur Gründe prüfen soll: was soll da der Name des, der das blosse Organ dieser Gründe ist? Er nutzt uicht allein nichts; sondern schadet auch wohl öfters, indem er einem Vorurthcilc Raum giebt, welches alle vernünftige Prüfungen so jämmerlich abkürzt. Denn entweder der Ungenannte wird als ein Mann erkannt, dem es 220 Anti-Goeze. Neunter. auch sonst weder an Willen noch an Kraft die Wahrheit zu erkennen, gefehlt hat: und sogleich läßt sich der Pöbel, dem das Denken so sauer wird, von ihm blindlings hinrcisscn. Oder es findet sich, daß der Ungenannte schon sonst wo übel bestanden: und sogleich will eben der Pöbel ganz und gar weiter mit ihm nichts zu schaffen haben; der festen schönen Meynung, daß dem, der an einem Sinne verwahrloset ist, nothwendig alle fünfe mangeln müssen. — So urtheilen selbst Littcrarores, die es sonst für keine kleine Sache halten, aus anonyme und Pseudonyme Schriftsteller Zagd zu machen: und ich sollte »n- philosophischer urtheilen und handeln, als diese Männer, welche so zu reden ein Recht haben, unnütze und unphilosophische Entdeckungen zu machen? pruclenti« ott, sagt Hcnmann an dem nehmlichen Orte, woher das Lemma dieses Stücks genommen ist, ita yuosvis ckogmatleos liliros legere, Iu xerit, siilisfsciüin. ^sch komme endlich auf das Dritte, wodurch ich mich als den Advocaten des Ungenannten erzeigen soll. Es soll in meinem Betragen gegen diejenigen bestehen, die sich der christlichen Religion wider ihn annehmen. Diese Rüge enthält zwcycrlcy, auf deren jedes ich verschieden antworten muß. Entweder man findet es nur sonderbar und unrecht, daß ich überhaupt noch den Ungenannten bey seinen Gegnern vertrete; oder man findet es zugleich so viel sonderbarer und unrechter, daß ich es in dem Tone thue, den man mir so hoch aufmutzt. Auf erstres glaube ich schon zum Theil damit geantwortet zu haben, daß ich mich erkläret, nicht als Advocat für ihn zu sprechen, der ihn seine Sache will gewinnen machen. Zch spreche blos als ehrlicher Mann, der ihn nur so tumultuarisch nicht will verdammt wissen. Höchstens spreche ich so, als ein zugegebner Advocat für einen Verbrecher spricht; und rede nur statt seiner; und rede nur, wie man es im gemeinen Leben auszudrücken Pflegt, in seine Seele. Hierzu aber bin ich um so mehr verpflichtet, da ich das Mehrere von seinen Papieren in Händen habe. Es wäre Verrath an der Unschuld, er mag nun viel oder wenig Anspruch auf Unschuld machen können, wenn ich in diesen mehrcrn Papieren das Geringste, das ihm auf irgend eine Weise zu Statten käme, fände, und nicht anzeigte. Der Verrath wäre von mir um so viel größer, da ich > Xll, Anli-Goezc. Eilster. 231 des Ungenannten. Und nächst dem haben Sie wider diesen Gegner des Ungenannten sich Dinge erlaubt, die Sie zum Theil kaum gegen den Ungenannten sich hätten erlauben muffen. Sie haben mich feindseliger Angriffe auf die christliche Religion beschuldiget; Sie haben mich förmlicher Gotteslästerungen beschuldiget. Sagen Sie selbst: wissen Sie infamirendcrc Beschuldigungen, als diese? Wissen Sie Beschuldigungen, die unmittelbarer Haß und Verfolgung nach sich ziehen? Mit diesem Dolche kommen Sie auf mich eingcrannt, und ich soll mich nicht anders, als den Hut in der Hand, gegen Sie vertheidigen können? soll ganz ruhig und bedächtig stehn bleiben, damit ja nicht Ihr schwarzer Rock bestaubt werde? soll jeden Athemzug so »lässigen, daß ja Ihre Pcrruckc den Puder nicht verliere? Sie schreyen über den Hund, „er ist toll!" wohl wissend, was die Zungen auf der Gasse daraus folgern: und der arme Hund soll gegen Sie auch nicht einmal blaffen? blaffend Sie nicht Lügen strafen? Ihnen nicht die Zähne weisen? Das wäre doch sonderbar. Hieronymas sagt, daß die Beschuldigung der Kctzcrcy (wie viel mehr der Zrrcligion?) der Art sey, !n «o'tv impotitum. IXam tota montv «lormitas vt protuli- ckitiimo von tsm lomno ltortis, «umm lotkarAo. Auch wiederholet der heilige Mann das böse Wortspiel überall, wo er von dem Vigilantius spricht; und wenn ich recht gezählt habe, mag er ihn wohl eben so oft ausdrücklich vormitsutius nennen, als ich meinen Nachbar in seinem Schlafe zu stöhrcn, mir die Freyheit genommen habe. Zch fürchte auch im geringsten nicht, daß der Nachbar selbst diesen kleinen Spaß so hoch aufgenommen haben sollte, daß er sich mit mir nicht weiter abzugeben beschlossen hätte. Darunter würde ich allerdings zu viel verlieren; und lieber will ich gleich hier, mit folgenden Worten des Au- gustinus, ihn um Verzeihung bitten: Obtocro to per inantuotu- üinem Lkrikti, ut li te loell, »!- «loncko, inalum pro malo rvlldas. I^secles vnii», li mitii tacuvris crrorom mvum, «mein tortv invonviis in lcriptis ineis. — Anti-Goeze. eilfter. 233 Nun eben wollte ich noch die Frage thun; welchem Gegner meines Ungenannten sonst, ich auf eine unanständige abschreckende Art begegnet bin? als mit eins ein Ritter, das Visier weder auf noch nieder geschoben, in den Kampfplatz gesprengt kömmt, und gleich von weiten, in dem wahren Ton eines Homerischen Helden mir zuruft: * „Ich sollte — ? Woher wissen Sie — ? Warum thaten Sie — ? Nicht wahr — ?" Und hierauf ein Geschrey über Verleumdung, und ein Hochzeitbitter - Beweis, daß ein Subrcctor in einer Reichsstadt eben so viel sey, als ein Bibliothekar, der Hosrath heisse! — Ey, meinetwegen noch zehnmal mehr! Aber gilt das mir? Ich kenne Sie nicht, edler Ritter. Mit Erlaubniß, wer sind Sie? Sie sind doch wohl nicht gar Herr 5N- Friedrich Daniel Dehn, des K.übeckischen Gymnasil Subreccor? Wahrlich? O wie bctaure ich, daß ich den Herrn Subrcctor durch meinen vierten Anti-Goeze, wider alle mein Wollen, so in den Harnisch geschrieben habe! Aber bedenken Sie doch nur! Ich habe Sie nirgends genannt; ich habe Zhre Schrift nirgends angezogen, ich habe Ihre Worte nirgends gebraucht. Sie sagen selbst, daß die Meynung, die ich lächerlich mache, Ihre Meynung nicht sey. Und leicht möglich, daß sie es wirklich nicht ist; obgleich der Herr Hauptpastor Goeze sie um ein grosses so vorstellt, indem er uns sagt, wie sehr Sie in Ihrem zweyten Abschnitte den Unfug beklagen, daß man die christliche Religion in deutscher Sprache bestrcite. Wie, wenn ich es also nur mit diesem Manne zu thun hätte, der alles für Unfug erklärt, was nicht in seinen Kram taugt? Wie? wenn ich es nur mit denen zu thun hätte, die mir diese nehmliche Meynung hundertmal mündlich geäusscrt haben? Woher erhellet denn, daß ich der Welt zu verstehen geben wollen, als ob auch Sie dieser nehmlichen Meynung wären? Daher, weil ich sie einem Subconrcctor in den Mund gelegt habe? Aber Sie sind ja nicht Subconrcctor, sondern Subrcctor. Warum muß ich denn diesen lieber in jenen herabgewürdiget, als unter jcncm diesen garnicht gemeint haben? Darf ich denn einen Pedanten nicht Subconrcctor nennen, weil Herr Dehn Sub- ° Anli-Lcßmg. 234 Lorrede zu dem Fragmente rector ist? Oder wollen Sie den Unterscheid zwischen objectiver und subsecliver Religion schlechterdings zuerst erfunden, zuerst gebraucht haben; so daß ich Sie nothwendig dadurch kenntlich gemacht hätte, daß ich ihn nachgebrancht? — Zch merke, mein lieber Herr Subrcctor, Sie sind ein wenig sehr stolz; aber doch noch hitziger als stolz; und mich jammert Ihrer Classe. So oft ein Knabe lacht, muß er über den Herrn Subrcctor gelacht haben, — et varmlat.*) Von dem Zwecke Jesu und seiner Jünger. Noch ein Fragment des Wolfenbüttelschen Ungenannten. Hcrausgcgcbcn von Gotthold Ephraim Lcssing. 17 7 8. Vorrede des Herausgebers. gegenwärtiges Fragment sollte, meinen ersten Gedanken nach, durch mich entweder gar nicht, oder doch nur irgend einmal zu seiner Zeit, in eben dem abgelegenen so wenig besuchten Winkel Bibliothekarischen Anskchrichts crschcincn, in welchem seine Vorgänger erschienen sind. Zch lasse mir es nngcrn früher aus den Händen winden: aber wer kann für Gewalt? °) Daß er diesen Anti-Gözc fortsetze» wolle», erhellet daraus, das; ich uiiter seine» Pappiercn eine» Boa.cn finde, darauf der Titel zum l'.'te» Stück, so wie er abgedruckt werden sollen, steht und so heißt: ^Vnti-Vüüe <^icii>t». Zwölfter Braunfchweig 1776, Aarl G, Lcssmcj von dem Zwecke Jesu und seiner Jungen 235 Gleich Anfangs muß ich sagen, daß dieses Fragment zu dem Fragmente über die Aufcrstchungsgcschichte gehöret, welches bereits so viele Federn beschäftiget hat, und wahrscheinlich noch lange immer neune gegen eine beschäftigen wird, die ihr Heil gegen die übrigen Fragmente versuchen möchte. Die Ursache dieser Erscheinung, daß eben das Fragment über die Auferstchungsgeschichte so viel Athleten wecket, ist klar. Die Sache, worüber gestritten wird, ist so wichtig, und der Streit scheinet so leicht zu seyn! Zeder Homilet, der sich getrauet eine Ostcrprcdigt zu halten, getrauet sich auch mit meinem Ungenannten hier anzubinden. Krüppel will überall vorantanzen: und er läßt mehrers drucken, was nur eben verdiente gesagt zu werden, — und auch das kaum verdiente. Doch es sey fern von mir, daß ich alle die würdigen Männer, welche gegen besagtes Fragment bisher geschrieben haben, in diesem ärmlichen Lichte erblicken sollte. Zn einigen derselben erkenne ich wirklich Gelehrte, deren Schuld es nicht ist, wenn ihr Gegner nicht zu Boden liegt. Die Streiche, die sie führen, sind nicht übel; aber sie haben auf die Strahlenbrechung nicht gerechnet: der Gegner steht nicht da, wo er ihnen in seiner Wolke zu stehen scheinet, und die Streiche fallen vorbey, oder streifen ihn höchstens. Gewissermaasscn kann ich selbst nicht in Abrede seyn, daß ich, der Herausgeber, daran mit Schuld habe. Man konnte es dem Bruchstücke nicht ansehen, welche Stelle es in dem Gebäude behauptet, oder behaupten sollen. Ich gab desfalls keinen Wink: und es ist ganz begreiflich, wenn sonach die Schnauze einer Renne für einen Kragstein, das Gesimse einer Feucr- maucr für ein Stück des Architrabs genommen, und als solches behandelt worden. Freylich könnte ich zu meiner Entschuldigung anführen, gleichwohl vor der Klippe gcwarnct zu haben, an der man gescheitert, indem ich Fragmente für nichts als Fragmente ausgegeben. Freylich könnte ich meinen sehr verzeihlichen Wahn vorschützen, daß ich geglaubt, des Celsus Incivilo ett, »iti tota lege porsnoet.i, una ali^ua zimticula Hus jiroucMa, Mlicarv 236 Vorrede zu dcui Fragmente vvl rolponäero habe Zustinian cbc» sowohl für den Gottcsge- lehrten, als für den Rechtsgclehrteii alifl'cwahrcn lasse». Doch da es indeß auch seinen Nutzen hat, daß unsere Got- tcsgelchrtcn so vorsichtig und bedächtig nicht sind, als unsere Rechtsgclehrteii, und manche derselben nicht ohne Grund für nöthig erachten, lieber bald und nicht gut, als spät und besser zu antworten; indem es vielen ihrer Leser doch einerley ist, wie sie antworten, wenn sie nur antworten: so will ich darüber weiter nichts sagen, und nur sobald als möglich den Fehler von meiner Seite wieder gut zu machen suchen. Aus dem nehmlich, was ich nun noch aus den Papieren des Ungenannten mitzutheilen im Stande bin, wird man, wo nicht günstiger, doch richtiger von dem Fragmente der Aufcrstc- hungsgeschichte urtheilen lernen. Man wird wenigstens aufhören, seinen Verfasser als einen Wahnsinnigen zu vcrschrcyen, der die Sonne mit einem Schneebälle auslöschen will; indem man nun wohl sieht, daß die Zweifel, welche er wider die Auferstchungsgcschichte macht, das nicht sind, noch seyn sollen, womit er die ganze Religion umzustoßen vermcynct. Er schließt ganz so lächerlich nicht, als man ihn bisher schließen lassen; „die Geschichte der Auferstehung ist verdächtig; folglich ist die „ganze Religion falsch, die man ans die Auferstehung gegründet zu seyn vorgiebt:" sondern er schließt vielmehr so; „die ganze Religion ist falsch, die man auf die Auferstehung „gründen will: folglich kann es auch mit der Auferstehung „seine Richtigkeit nicht haben, und die Geschichte derselben wird „Spuren ihrer Erdichtung tragen, deren sie auch wirklich trägt." Aber schäme ich mich nicht, daß ich das kleinere Aergerniß durch ein weit größers heben zu wollen vorgebe? Warum lasse ich es bey jenem nicht bewenden, wenn ich nicht selbst Freude an dem Aergernisse habe? — Darum nicht; weil ich überzeugt bin, daß dies Aergerniß überhaupt nichts als ein Popanz ist, mit dem gewisse Leute gern allen und jeden Geist der Prüfung verscheuchen möchten. Darum nicht; weil es schlechterdings zu nichts hilft, den Krebs nur halb schneiden zu wollen. Darum nicht; weil dem Feuer muß Luft gemacht werden, wann cs gelöscht werden soll. von dem Zwecke Jesu und seiner Jünger, 237 Man erlaub- mir, daß ich besonders auf dem Letzter» einen Augenblick bestehe. Zch habe bereits an einem andern Orte gesagt, daß das Buch ganz und völlig ausgearbeitet cxistiret, und bereits in mchrcrn Abschriften, an mehrcrn Orten cristiret, wovon ich nur den kleinern Theil in Fragmenten des ersten Entwurfs in Händen habe. Zch setze itzt hinzu, daß dieses Buch geschrieben aus einer Hand in die andere geht, aus einer Provinz in die andere vertragen wird, und so im Verborgenen gewiß mehr Prosclytcn macht, als es im Angcsichtc einer widersprechenden Welt machen würde. Denn man liefet nichts begieriger, als was man, nur nächst Wenigen, lesen zu können glaubt. Ein Manuskript ist ein Wort ins Ohr; ein gedrucktes Buch ist eine Zcdcrmannssage: und es ist in der Natur, daß das Wort ins Ohr mehr Aufmerksamkeit macht, als die Zcder- mannssagc. Bey diesem Gleichnisse zu bleiben: was habe ich nun Unrechtes gethan, was thue ich noch Unrechtes, daß ich das Wort ins Ohr, welches die Wohlfarth eines ehrlichen Mannes untergräbt, je eher je lieber zu einer lauten Sage mache, damit es auch dem, den es bctrift, zu Ohren komme, und er Gelegenheit habe, sich darüber zu verantworten? Za, wenn dieses Wort ins Ohr in meinem Ohre erstürbe! wenn ich selbst der Urheber dieses Wortes wäre! — Aber ist dieses hier der Fall? Und doch sollte ich mich schämen? Die mögen sich vielmehr schämen, welche die Verheißung ihres göttlichen Lehrers haben, daß seine Kirche auch von den Pforten der Hölle nicht überwältiget werden soll, und einfältig genug glauben, daß dieses nicht anders geschehen könne, als wenn sie die Pforten der Hölle überwältigen! — Und wie denken sie cincn solchen Sieg zu erlangen? Dadurch, daß sie gar in keinen Streit sich einlassen? Dadurch, daß sie das Ding so zu karren suchen, daß die Pforten der Hölle auch nicht einmal cincn Anfall wagen dürfen? — Von diesem ncgociirten Siege aus ihrer politischen Studicrstube, kenne ich keine Verheißung. Aber warum sage ich dcun, „die mögen sich schämen?" Die muß Oer hcisscn. Dcr mag sich schämen, der noch der 238 Vorrede zu den, Fragmente von dem Zwecke Jesu ic. einzige seiner Art ist! Denn noch ist der Herr Hauptpastor Goeze der einzige Theolog, der zugleich so stolz und so klein von der christlichen Religion denkt. Noch ist er der einzige, der cs mir verübelt, daß ich die Fluth, lieber nach und nach durch den Damm zu leiten suche, als den Damm auf einmal will übersteigen lassen. Noch ist er der einzige, der mich darum auf eine Art verlästert, die wenigstens dem Räch« gleich kömmt. Nur freylich, daß der Große Rath nicht dieses sein Racha, sondern mich auf dieses sein Racha bestrafen soll. Sehr christlich! Darauf wage ich es denn nun aber auch hin. Genug, daß für mich selbst der Nutzen immer unendlich großer ausfallen muß, als der Schade seyn kann, dem mich meine Dreistigkeit in Zuversicht auf die gerechte Sache aussetzet. Denn da, wie mir der Herr Hauptpastor bereits selbst attcstirct haben, ich schlechterdings kein Hebräisch verstehe: so kann es nicht fehlen, daß ich, auf Veranlassung dieses neuen Fragments, bey welchem cs lediglich auf eine tiefe Kenntniß der hebräischen Sprache und Alterthümer ankömmt, nicht über manche Dinge belehrt werden sollte, über die ich fremde Belehrung nothwendig brauche. Der Herr Hauptpastor selbst, nach ihrer bekannten großen Orientalischen Gelehrsamkeit, werden hoffentlich ein Vieles dazu beytragen; wofür ich ihm gern alle das Uebel vergeben will, das sein heiliger Eifer mir etwa sonst möchte zugezogen haben. Ein frommer Schüler kann über die Züchtigung seines treuen Lehrers weinen, aber nicht zürnen. — Und hiermit küsse ich seine Ruthe, oder seine Scorpionen, schon im Voraus! Gotth. Ephr. Leßings nöthige Antwort auf eine sehr unnöthige Frage des Hrn. Hauptpastor Goeze in Hamburg. 1 7 7 8.") Endlich scheinet der Herr Hauptpastor Goeze, nach so langem ärgerlichen Aufheben, welches nur bey der schlechtesten Art von Klopffechtern im Gebrauch ist, zur Klinge kommen, und bey der Klinge bleiben zu wollen. Wenigstens äusscrt er nn»°, daß er auf den Punct, über welchen er mit mir streite — Gb die Christliche Religion bestehen könne, wenn auch Sie Dibcl völlig verlohrcn ginge, rvcnn sie schon längst verlohrcn gegangen rväre, roenn sie niemals gewesen rvöre? ncb so fort weiter gehörig einlassen wolle, so bald ich eine bestimmte Erklärung würde von mir gegeben haben, rvas für eine Religion ich unrer der Christlichen Religion verstehe. Wenn ich mich weniger rein wüßte, wer könnte es mir verdenken, wenn ich mich dieser Anfodcrung, die eine wahre Ealumnic enthält, aus eben dem Grunde weigerte, aus welchem Er sich, einer weit weniger verfänglichen Anforderung von mir, zu entziehen für gut findet. Er sagt ncmlich:" Scr Diblioche- °) „Von dieser Antwort und Folge findet sich ei» mit wcissen Pappicr dlirchschosiiirs Exemplar, das er mit eigenhändigen Anmerkungen und Erläuterungen angefüllt hat," sagt Rarl G- Lcssing in der Vorrede zum theologischen Nachlas; (<784) S, 2t, der das verbesserte Ercmplar bei der Ausgabe im sechsten Bande der vcniiischlcii Schriften t7ö1 benutzt hat. Die Ansätze gehören ilbcr zu Messings Bibliolatrie. ° Pekings Schwächen. ZwevleS Stiick S> 6K. " S. e». 240 Nöthige Antwort auf eine sehr imnöthige Frage. kar in Vvolfenbütrcl habe Sem Haaptpasror in Hamburg nichts zu befehlen. Sehr wahr! Aber was hat denn der Hauptpastor in Hamburg dem Bibliothekar in Wolfcnbüttcl zu befehlen, daß er ihn öffentlich vorladen darf, auf eine Frage zu antworten, die vorausseht, daß er befriedigend nicht darauf antworten könne? Doch der Bibliothekar will es so genau nicht nehmen. Denn der Bibliothekar, wie gesagt, weiß sich rein, und muß herzlich lachen, wenn der Hauptpastor versichert zu seyn vorgicbt,*" „daß ich, wenn ich voraus hätte sehen können, daß die Con- „trovers diesen Lauf nehmen werde, mich wohl gehütet haben „würde, mich so frühzeitig zu verrathen, und die wahren Ger „danken meines Herzens zu offenbaren." Ich habe nichts mehr gewünscht, als das; und es soll sich gleich zeigen, wer von uns beyden, ob der .Hauptpastor oder der Bibliothekar, mit der länger» Nase nun abziehen wird. Denn kurz: ich antworte auf die vorgelegte Frage so bestimmt, als nur ein Mensch von mir verlangen kann; daß ich unter der Christlichen Religion alle diejenigen Glaubenslehren verstehe, welche in den Symbolis der ersten vier Jahrhunderte der Christlichen Kirche enthalten sind. Damit sich der Herr Hauptpastor auch keine lVhistonsche Falle träumen lasse, setze ich hinzu, daß ich sogar das so genannte Symbolum der Apostel, und das so genannte") Sym- bolmn des Athanasius mit darunter begrciffcn will, ob es schon ausgemacht ist, daß diese zu jenen gar nicht gehören. Bey dieser Erklärung könnte ich es bewenden lassen, und dürfte ruhig abwarten, wie der Herr Hauptpastor seinen Fcld- zug nunmehr weiter anzustellen belieben werde. Denn nunmehr ist es an ihm, zu beweisen: 4) warum nothwendig die in jenen GlaubeiiSbckcnntnisscn enthaltenen Lehren sich verlieren müßten, wenn die Bibel sich verlöre; 2) warum diese Lehren längst vcrlohrcn gegangen seyn müßten, wenn die Bibel vcrlohrcn gegangen wäre; ° S. 69. ') „so gcnannic" sehlt 1791. _ - '' ' " " 5-^ < Nöthige Antwort .ins eine sehr umwthige Frage. 241 3) warum wir dicsc Lehren gar nicht wissen könnten, wenn die Bibel niemals gewesen wäre? Doch ich will an unnöthiger Verlängerung unserer Streitigkeit nicht Schuld haben, und füge daher folgende kurze Sätze hinzu, bey welchen mich der Herr Hauptpastor jederzeit festhalten kann. Nur muß er mich bey keinem derselben eher festhalten wollen, als bis er seinen Beweis geführt hat. Denn sonst würde offenbar eine gelehrte Streitigkeit, zu einem Znquisitions-Verhör werden. Genug, daß er ungefehr daraus sieht, was ich in recollu habe, und worauf Er sich gefaßt halten muß. §. 4. Der Inbegriff jener Glaubensbekenntnisse heißt") bey den ältesten Vätern koguli» lnloi. §. 2. Dicsc lioFula lulei ist nicht aus dcn Schriften des Neuen Testaments gezogen. H. 3. Dicsc koZuI-» llclei war, ehe noch ein einziges Buch des Ncucn Tcstaments eristirtc. §. 4- Dicsc liegula liävi ist sogar ältcr als die Rircke- Denn die Absicht, zu welcher; die Anordnung, unter welcher eine Gemeinde zusammengebracht wird, ist ja wohl früher als die Gemeinde. §. 5. Mit dieser kogula liclc-i haben sich, nicht allein die ersten Christen, bey Lebzeiten der Apostel, begnügt: sondern auch die nachfolgenden Christen der ganzen crstcn vier Iahrbundcrtc, haben sie für vollkommen binlänglich zum Christcntbumc gehalten. §. 0. Dicsc kogul-t lilloi also ist dcr Fcls, ans welchen die Kirche Christi erbauet worden, und nickt die Schrift. §. 7. Diese liegnla liäc-i ist der Fcls, auf welchen die Kirche Christi erbauet worden; nickt") Petrus uns öessen Nachfolger. °) „hieß" 1791. °°) „und nicht" 1791. Messings Wette x. lg 242 Nöthige Antwort auf eine sehr unnöthigc Fragt. §- 8. Die Schriften des Neuen Testaments, so wie sie nnscr itzi- ger Kanon enthält, sind den ersten Christen unbekannt gewesen; nnd die einzeln Stücke, welche sie ohngcfchr daraus kannten, haben bey ihnen nie in dem Ansehen gestanden, in welchem sie, bey einigen von Uns, nach Luthers Zeiten, stehen. §. 0. Die Laycn der ersten Kirche durften diese einzelne Stücke gar nicht einmal lesen? wenigstens nicht ohne Erlaubniß des Presbyters lesen, der sie in Verwahrung hatte. §. 10. Es ward sogar den Laven der ersten Kirche zu keinem geringen Verbrechen gerechnet, wenn sie dem geschriebenen Worte eines Apostels mehr glauben wollten, als dem lebendigen Worte ihres Bischofs. H. Nach der kogula liiloi sind selbst die Schriften der Apostel beurtheilet worden. Nach ihrer mchrcrn Uebereinstimmung mit der Kopula si-toi, ist die Auswahl unter diesen Schriften gemacht worden; und nach ihrer weniger» Uebereinstimmung mit derselben, sind Schriften verworfen worden, ob sie schon Apostel zu Verfassern hatten, oder zu haben vorgegeben wurde». §. 12. Die Christliche Religion ist in den ersten vier Jahrhunderten aus den Schriften des Neuen Testaments nie erwiesen, sondern höchstens nur beyläufig erläutert und bestätiget worden. §. 13- Der Beweis, daß die Apostel und Evangelisten ihre Schriften in der Absicht geschrieben, daß die Christliche Religion ganz und vollständig daraus gezogen und erwiesen werden könne, ist nicht zu führen. §. 14. Der Beweis, daß der heil. Geist durch seine Leitung es dennoch, selbst ohne die Absicht der Schriftsteller, so geordnet und veranstaltet, ist noch weniger zu führen. §. 15. Die Authcntic der liogula li Gegensätze auf einmal niedergeschlagen? 248 Der nöthigen Antwort .ruf eine sehr uiuiöthige Frage „Da die Kirchenväter, sagt er, bey Herr Lessing mehr gelte», „als die Bibel" — (Vcrläumdung! die Ncutcstamcntlichcn Schriften gelten mir nur nicht viel mehr, als die ersten Kirchenväter.) — „so will ich ihm eine Stelle ans dem Jrcuäo „entgegensetzen, welche sein Gewäsche, und überhaupt seine in „der Antwort angegebenen 20 Satze auf einmal niederschlagen „kann. Dieser ehrwürdige Vater des zweyten Jahrhunderts „schreibt aäv. User. lib. III. cap.I. I^on eiiim per ulios äitpoli- „t'ionvm nol'troe talutis co^novimus, ui in (üliristuin crvllunt c/ta»-tn et at^a/nentc», ter!^,tam lial^ontes ^>er 8n'»!tuiu in cciräidus tuis talutein, et ve- torum ^I rallitionei» lliÜAvnter cuktcnliontes, in unuin Oeum cro- «tonte«, lal»r!eatorei» coel! et terr.-v et onmiuin lzuse in eis tunt, j,er etirittuni ^etuin vei liüum: hat er auch gelehrt, wie Goeze, daß der heilige Geist ohne Schrift nichts vermöge; daß kein Glaube ohne Schrift möglich sey? Wenn er, nachdem er die damalige lieFiiIam liclvi wörtlich angeführet, hinzusetzt; Hkme lilloin cnii //«e ^'ter^- eroclillorunt, Quantum sä tvrmnnem nattruni l»<-»rl>»ri sunt: huimtm» initeni srl tententiain, conluetultinei» et conversiltioncin, ^iropter üilein ,,onjuain sa^iontislimi lunt, et iilaeent Ilco, eonvers-uites in oinni justitia, et eaMitte, et 5a- jüentia: hat er auch, wie Goeze. den Gebrauch der Bibel allen und jeden Christen für unentbehrlich gehalten? würde er mich auch, wie Goeze, wegen meiner Fiction eines Volks, das ich ohne Bibel Christen sevn lasse, verdammet haben? — Was ich oben von den Ariancrn sage, daß sie die ersten gewesen zu seyn sckcincn, welche verlangt haben, daß man ihnen die Gottheit Christi vor allen Dingen in den Ncutcstament- lichcn Schriften zeigen müsse, gründet sich auf das, was wir von dem eigentlichen Verlaufe der Streitigkeit auf dem Nicaischcn Concilio wissen. Die Geschichte dieses Concil» selbst kann Herr Goeze doch wohl nicht auch mit unter die verrufenen Quellen rechnen, gegen deren Gebrauch er S. 136 protcstircr? Folgende Ter nöthigen Antwort auf cinc sehr nnnöthige Fnige Sätze mögen den Gang meines Erweises, den ich zu seiner Zeit fübren will, in Voraus zeigen. §- Der Sieg der heiligen Schrift über die Ketzercy, oder die Kraft der heiligen Schrift in Bestimmung der Rcchtgläubigkcit, hat sich auf dem Nicäischcn Concilio nur schlecht erwiesen. Durch die Schrift ist auf demselben schlechterdings nichts ausgemacht worden. 5- Arms und seine Philosophen blieben auf ihren Köpfen; und nur zwey der letztem wurden für die Orthodoric gewonnen. Aber wie? H. Der cinc Philosoph ward durch dic bloße lioFiiIai» lulei, durch das bloße Glaubensbekenntnis;, auf eine wunderbare Weise crlcuchtct. H. Die Mitwirkung des heiligen Geistes bey dem bloßen Glau- bcnsbckcnntnißc, war also noch damals nichts bcfrcmdcndes. §- Hingegen zeigte sich von der Mitwirkung des heiligen Geistes bey vermeinten deutlichen Stellen der Schrift, nicht die geringste Spur. H. Denn der zweyte Philosoph ward nicht durch dergleichen Stellen überführt, sondern durch ein Paar mcnschlichc, nicht einmal schr passende Gleichnisse überredet. §- Ja, den rechtgläubigen Vätern kam es im geringsten nicht ein, ihren Lehrsatz aus der Schrift auch nur erweisen zu wollen, Sie hatten blos die Herablassung, auf dic Schriftsicllc», wclchc dic Ariancr dagegen anführten, übcl und böse zu antworten. §- Sie gaben ihren Lehrsatz für keine Wahrheit aus, dic in der Schrift klar und deutlich enthalte» sey; sondern für cinc Wahrheit, dic sich von Christo unnültcibar hcrschrcibc, und ihnen von Vater auf Sohn treulich überliefert worden. Erste Folge. 251 §- Sie erwiesen also nur, daß die Schrift diesen Ueberlieferungen nicht widerspreche. §- Und der Gebrauch, den sie sonach von der Schrift machten, war ein ganz andrer, als der, den man uns neuerer Zeit aufgedrungen hat; welchem zu Folge nach dem gar nicht gefragt wird, was uns überliefert worven, sondern ans der einzigen Schrift unmittelbar bestimmt wird, was uns hatte überliefert werden sollen. §- Sollte die Ueberlieferung gar nicht mit in Anschlag kommen: so müßte man behaupten, daß jeder vernünftige Mann, ohne im geringsten etwas von dem Lhristcnthume zu wissen, das ganze Cbristcnthum aus den Ncutcstamcntlichcn Schriften einzig und allein zicbcn und absondern könne; und daran zweifle ich scbr. §- Schade, daß davon keine Erfahrung gemacht werden kann, indem wohl schwerlich ein vernünftiger Mann zu den Ncutcsta- mcutlichcn Schriften kommen dürfte, ohne das Ehristcnthum vorher zu kennen; und die Kunst, es wieder zu vergessen, wenn er zu dieser vcrmcyntcn einigen Quelle nun selbst kommt, noch soll erfunden werden. Ernst und Falk. Gespräche für Freymäurer. 17 7 8.") Sr. Durchlaucht dem Herzoge Ferdinand. Durchlauchtigster Herzog, Äuch ich war an der Quelle der Wahrheit, und schöpfte. Wie tief ich geschöpft habe, kann nur der beurtheile», von dem ich die Erlaubniß erwarte, »och tiefer zu schöpfen. — Das Bolk lechzet schon lange und vergehet vor Durst. — (5w. Durchlaucht uiiierihänigslcr Kncchl Vorrede eines Dritten. AÄenn nachstehende Blätter die wahre Gnrologie der Frcy- niäurcrct, nicht enthalten: so wäre ich begierig zu erfahren, in welcher von den unzähligen Schriften, die sie veranlaßt hat, ein mehr bestimmter Begriff von ihrer Vvcsenhcir gegeben werde. Wenn aber die Freymäurer alle, von welchem Schlage sie auch immer seyn mögen, gern einräumen werden, daß der hier angezeigte Gesichtspunkt der einzige ist, aus welchem — sich nicht einem blöden Auge ein blosses Phantom zeigt, — sondern gesunde Augen eine wahre Gestalt erblicken: so dürfte nur noch die Frage entstehen; warum man nicht längst, so deutlich mit der Sprache herausgegangen sey? °) Es giebt zwei sehr ähnliche Drucke mit der Aufschrift „Wolscnbul- tel. 1778." Der echte hat zum Beispiel S, 10, Z. 1 „denn", der unechte „den.". ernst und Falk, erstes Gespräch. Auf diese Frage wäre vielerlei) zu antworten. Doch wird man schwerlich eine andere Frage finden, die mit ihr mehr Ähnlichkeit habe, als die: warum in dem Christenlhume die systematischen Lehrbücher so spät entstanden sind? warum cs so viele und gute Christen gegeben hat, die ihren Glauben auf eine verständliche Art weder angeben konnten, noch wollten? Auch wäre dieses im Ehristenthume noch immer zu früh geschehen, indem der Glaube selbst vielleicht wenig dabey gewonnen: wenn sich Christen nur nicht hätten einfallen lassen, ihn auf eine ganz widersinnige Art angeben zu wollen. Man mache hiervon die Anwendung selbst. Erstes Gespräch. Ernst. I8oran denkst du, Freund? Falk. An nichts. Ernst. Aber du bist so still. Falk. Eben darum. Wer denkt, wenn er genießt? Und ich gc- nicssc des erquickenden Morgens. Ernst. Du hast Recht; und du hättest mir meine Frage nur zurückgeben dürfen. Falk. Wenn ich an etwas dächte, würde ich darüber sprechen. Nichts geht über das laut denken mit einem Freunde. Ernst. Gewiß. Falk. Hast du des schönen Morgens schon genug genossen; fällt Oir etwas ein: so sprich du. Mir fällt nichts ein. Ernst. Gut das! — Mir fällt ein, daß ich dich schon längst um etwas fragen wollen. 254 Ernst und Falk. Falk. So frage doch. Ernst. Ist es wahr, Freund, daß du ein Freymäurcr bist? Falk. Die Frage ist eines der keiner ist. Ernst. Freylich! — Aber antworte mir gerader zu. — Bist du ein Frcymäurcr? Falk. Ich glaube es zu seyn. Ernst. Die Antwort ist eines, der seiner Sache eben nicht gewiß ist. Falk. O doch! Ich bin meiner Sache so ziemlich gewiß. Ernst. Denn du wirst ja wohl wissen, ob und wenn und wo und von wem du aufgenommen worden. Falk. Das weiß ich allerdings; aber das wurde so viel nicht sagen wollen. Ernst. Nicht? Falk. Wer nimmt nicht auf, und wer wird nicht aufgenommen! Ernst. Erkläre dich. Falk. Zch glaube ein Frcymäurcr zu seyn; nicht so wohl, weil ich von älteren Maurern in einer gesetzlichen Loge aufgenommen worden: sondern weil ich einsehe und erkenne, was und warum die Frcymäurcrcy ist, wenn und wo sie gewesen, wie nnd wodurch sie befördert oder gehindert wird. Ernst. Und drückst dich gleichwohl so zweifelhast aus? — Ick glaube einer zu seyn! Erstes Gespräch. 265 Falk. Dieses Ausdrucks bin ich nun so gewohnt. Nicht zwar, als ob ich Mangel an eigner Ueberzeugung hätte: sondern weil ich nicht gern mich jemanden gerade in den Weg stellen mag. Ernst. Du antwortest mir als einem Fremden. Falk. Fremder oder Freund! Ernst. Du bist aufgenommen, du weist alles — — Falk. Andere sind auch aufgenommen, und glauben zu wissen. Ernst. Könntest dn denn aufgenommen seyn, ohne zu wissen, was du weißt? Falk. Leider! Ern st. Wie so? Falk. Weil viele, welche aufnehmen, es selbst nicht wissen; die wenigen aber, die es wissen, es nicht sagen können. Ernst. Und konntest du denn wisse», was du weißt, ohne ausgenommen zu seyn? Falk. Warum nicht? — Die Frcmnäurcrcy ist nichts willkuhrli- chcs, nichts entbehrliches: sondern etwas nothwendiges, das in dem Wesen des Menschen und der bürgerlichen Gesellschaft gegründet ist. Folglich muß man auch durch eignes Nachdenken eben so wohl darauf verfallen können, als man durch Anleitung darauf geführcr wird. Ernst. Die Frcymäurcrcy wäre nichts WillkiihrlichcS? — Hat sie nicht Worte und Zeichen und Gebräuche, welche alle anders seyn könnten, und folglich willkührlich sind. '.'56 ernst und Falk. Falk. * Das hat sie. Aber dicsc Worte und diese Zeichen lind diese Gebräuche, sind nicht die Frcmnäurcrcv. Ernst. Die Frcymänrcrcy wäre nichts Entbehrliches? — Wie »lackten es denn die Mcnsckcn, als die Frcmnäurcrcy noch nicht war ^ Falk. Die Freymänrerci) war immer. Ernst. Nun was ist sie denn, dicsc nothwcndigc, dicsc uncntbcbr- liche Freymäurcrcy? Falk. Wie ich dir schon zu verstehen gegeben: Etwas, das selbst die, die es wissen, nicht sagen können. Ernst. Also ein Unding. Falk. Uebcrcilc dich nicht. Ernst. Wovon ich einen Begriff habe, das kann ick auch mit Worten ausdrücken. Falk. Nicht immer; und oft wenigstens nicht so, daß andre durch die Worte vollkommen eben denselben Begriff bekommen, den ich dabey habe. Ernst. Wenn nicht vollkommen eben denselben, doch einen ctwanigcn. Falk. Dcr etwanigc Begriff wäre bicr unnütz oder gcfahrlick. Unnütz, wenn er nickt genug; und gefährlich, wenn cr das geringste zu viel enthielte. Ernst. Sonderbar! — Da also selbst die Frcmnäurcr, welche das Geheimniß ihres Ordens wissen, es nicht wörtlich mittheilen können, wie breiten sie denn gleichwohl ibrcn Orden aus? Falk. Durch Thaten. — Sie lassen gute Männer und Jünglinge, Erstes Gespräch. 257 die sie ihres nähern Umgangs würdigen, ihre Thaten vermuthen, errathen, — sehen, so weit sie zu sehen sind; diese finden Geschmack daran, und thun ähnliche Thaten. Ernst. Thaten? Thaten der Freymäurer? — Ich kenne keine andere, als ihre Reden und Lieder, die mcistentheils schöner gedruckt, als gedacht und gesagt sind. Falk. Das haben sie mit mehrern Reden und Liedern gemein. Ernst. Oder soll ich das für ihre Thaten nehmen, was sie in diesen Reden und Liedern von sich rühmen? Falk. Wenn sie es nicht blos von sich rühmen. Ernst. Und was rühmen sie denn von sich? — Lauter Dinge, die man von jedem guten Menschen, von jedem rechtschaffnen Bürger erwartet. — Sie sind so freundschaftlich, so gutthätig, so gcborsam, so voller Vaterlandsliebe! Falk. Ist denn das nichts? Ernst. Nichts! — um sich dadurch von andern Menschen auszusondern. — Wer soll das nicht seyn? Falk. Soll! Ernst. Wer hat, dieses zu seyn, nicht, auch ausser der Freymäure- rey, Antrieb und Gelegenheit genug? Falk. Aber doch in ihr, und durch sie, einen Antrieb mehr. Ernst. Sage mir nichts von der Menge der Antriebe. Lieber einem einzigen Antriebe alle mögliche intensive Kraft gegeben! — Die Menge solcher Antriebe ist wie die Menge der Räder in einer Maschine. Zc mehr Räder: desto wandelbarer. L-Mngs W-tte x. 17 258 Ernst und Falk. Falk. Ich kann dir das nicht widersprechen. Ernst. Und was für einen Antrieb mehr! — Der alle andre Antriebe verkleinert, verdächtig macht! sich selbst für den stärksten nnd besten ausgicbt! Falk. Freund, sey billig! — Hyperbel, Quidproquo jener schalen Reden und Lieder! Probewcrk! Züngerarbeit! Ernst. Das will sagen: Bruder Redner ist ein Schwätzer. Falk. Das will nur sagen: was Bruder Redner an den Frcymäu- rcrn preiset, das sind nun freylich ihre Thaten eben nicht. Denn Bruder Redner ist wenigstens kein Plauderer; und Thaten sprechen von selbst. Ernst. Za, nun merke ich worauf du zielest. Wie konnten sie mir nicht gleich einfallen diese Thaten, diese sprechende Thaten. Fast möchte ich sie schreyende nennen. Nicht genug, daß sich die Freymäurcr einer den andern unterstützen, auf das kräftigste unterstützen: denn das wäre nur die nothwendige Eigenschaft einer jeden Bande. Was thun sie nicht für das gcsammtc Publicum eines jeden Staats, dessen Glieder sie sind! Falk. Zum Exempel? — Damit ich doch höre, ob du ans der rechten Spur bist. Ernst. Z. E. die Freymäurcr in Stockholm! — Haben sie nicht ein grosses Findelhaus errichtet? Kalk. Wenn die Freymäurcr in Stockholm sich nur auch bey einer andern Gelegenheit thätig erwiese» haben. Ernst. Bey welcher andern? Falk. Bey sonst andern; meyue ich. .M^«^: Erstes Gesprach. 269 Ernst. Und die Frcymäurcr in Dresden! die arme jnnge Mädchen mit Arbeit beschäftigen, sie klöppeln und stücken lassen, — damit das Findclbaus mir kleiner seyn dürffe. Falk. Ernst! Du weißt wohl, wenn ich dich deines Namens erinnere. Ernst. Ohne alle Glossen dann. — Und die Frcymäurcr in Braun- schwcig! die arme fähige Knaben im Zeichnen unterrichten lassen. Falk. Warum nicht? Ernst. Und die Frcymäurcr in Berlin! die das Basedowsche Philanthropin unterstützen. Falk. Was sagst du? — Die Frcymäurcr? Das Philanthropin? unterstützen? — Wer hat dir das aufgebunden? Ernst. Die Zeitung hat es ausposaunet. Falk. Die Zeitung! — Da müßte ich Basedows eigenhändige Quittung schcn. Und müßte gewiß sey», daß die Quittung nicht an Frcymäurcr in Berlin, sondern an Vie Frcymäurcr gerichtet wäre. Ernst. Was ist das? — Billigest du denn Basedows Institut nicht? Falk. Zch nicht? Wer kann cs mehr billigen? Ernst. So wirst du ihm ja diese Unterstützung nicht mißgönnen? Falk. Mißgönnen? — Wer kann ihm alles Gute mehr gönnen, als Zch? Ernst. Nun dann! — Du wirst mir unbegreiflich. 17 ' Ss.tt (5rnst und Falk. Falk. Ich glaube wohl. Dazu habe ich Unrecht. — Denn auch Sie Freymäurcr können etwas thun, was sie nicht als Freymäurcr thun. Ernst. Und soll das von allen auch ihren übrigen guten Thaten gelten? Falk. Vielleicht! — Vielleicht, daß alle die guten Thaten, die du mir da genannt hast, um mich eines scholastischen Ausdruckes, der Kürze wegen zu bedienen, nur ihre Thaten ad extra sind. Ernst. Wie mevnst du das? Falk. Nur ihre Thaten, die dem Volke in die Augen fallen;,— nur Thaten, die sie blos deswegen tbun, damit sie dem Volk in die Augen fallen sollen. Ernst. Um Achtung und Duldung zu genicsscn? Falk. Könnte wohl seyn. Ernst. Aber ibre wahre Thaten denn? — Du scbwcigst? Falk. Wenn ich dir nicht schon geantwortet hätte? — Ihre wabre Thaten sind ihr Geheimniß. Ernst. Ha! ha! Also auch nicht erklärbar durch Worte? Falk. Nicht wohl! — Nur so viel kann und darf ich dir sagen: die wahren Thaten der Freymäurcr sind so groß, so weit aussehend, daß ganze Jahrhunderte vergehen können, ehe man sagen kann: das haben sie gethan! Gleichwohl haben sie alles Gute gethan, was noch in der Welt ist, — merke wohl: in der Welt! — Und fahren fort, an alle dem Guten zu arbeiten, was noch in der Welt werden wird, — merke wohl, in der Welt. A UN. vrstcS Gespräch. 261 Ernst. O geh! Dll hast mich zum besten. Falk. Wahrlich nicht. — Aber sich! dort fliegt ein Schmetterling, den ich haben muß. Es ist der von der Wolfmilchsrauvc. — Geschwind sage ich dir nur noch: die wahren Thaten der Frey- manrer zielen dahin, um größten Theils alles, was man gemeiniglich gute Thaten zu nennen pflegt, -entbehrlich zu machen. Ernst. Und sind doch auch gute Thaten? Falk. Es kann keine bessere geben. — Denke einen Augenblick darüber nach. Zch bin gleich wieder bey dir. Gute Thaten, welche darauf zielen, gute Thaten entbehrlich zu machen? — Das ist ein Räthsel. Und über ein Räthsel denke ich nicht nach. — Lieber lege ich mich indeß unter den Baum, und sehe den Ameisen zu. Nun? wo bleibst du denn? Und hast den Schmetterling doch nicht? Er lockte mich von Strauch zu Strauch, bis an den Bach. — Auf einmal war er herüber. Ueber was? Ueber dein Räthsel? — Zch werde ihn auch nicht fangen, den schönen Schmetterling! Darum soll er mir aber auch weiter keine Mühe machen. — Einmal von der Frcy- mäurcrcy mit dir gesprochen, und nie wieder. Denn ich sehe ja wohl; du bist, wie sie alle. Ernst. Zweytes Gespräch. Ernst. Falk. Ernst. Za, ja. Es gibt solche Locker! Falk. Hast du nachgedacht? Ernst. 26? Ernst und Falk. Falk. Wie sie alle? Das sagen diese alle nicht. Ernst. Nicht? So gibt es ja wohl auch Kätzcr unter den Freimaurern? Und du wärest einer. — Doch alle Kätzer habe» mit den Rechtgläubigen immer noch etwas gemein. Und davon sprach ich. Falk. Wovon sprachst du? Ernst. Rechtgläubige oder Kätzcrische Frcymäurer — sie alle spielen mit Worten, und lassen sich fragen, und antworten ohne zu antworten. Falk. Mcynst du? — Nun wohl, so laß uns von etwas andern reden. Denn einmal hast du mich aus dem behäglichcn Zustande des stummen Staunens gerissen — Ern st. Nichts ist leichter, als dich in diesen Zustand wieder zu versetzen — Laß dich nur hier bey mir nieder, und sich! Falk. Was denn? Ernst. Das Leben und Weben auf und in und um diesen Zlmcu scnhausscn. Welche Geschäftigkeit, und doch welche Ordnung! Alles trägt und schleppt und schiebt; und keines ist dem andern hinderlich. Sich nur! Sie hclffen einander sogar. Falk. Die Ameisen leben in Gesellschaft, wie die Bienen. Ernst. Und in einer noch wunderbarern Gesellschaft als die Pic neu. Denn sie haben niemand unter sich, der sie zusammen hält und regieret. Falk. Ordnung muß also doch auch ohuc Regierung bestehen können. Ernst. Wenn jedes einzelne sich selbst zu regieren weiß: warum nicht ? ?^ Zweytes Gcsprüch^ 2<>Z Falk. Ob es wohl au einmal mit den Menschen dahin kommen wird? Ernst. Wohl schwerlich! Falk. Schade! Ernst. Za wohl! Falk. Steh auf, und laß uns gehen. Denn sie werden dich bc- kriechen die Ameisen; und eben fallt auch mir etwas bey, was ich bey dieser Gelegenheit dich doch fragen muß. — Ich kenne deine Gesinnungen darüber noch gar nicht. Ernst. Worüber? Falk. Ueber die bürgerliche Gesellschaft des Menschen überhaupt. — Wofür halst du sie? Ernst. Für etwas sehr Gutes. Falk. Ohnstrcitig. — Aber halst du sie für Zweck, oder für Mittel? Ernst. Ich versiebe dich nicht. Falk. Glaubst du, daß die Mensche» für die Staaten erschaffen werden? Oder daß die Staaten für die Menschen sind? Ernst. Zcncs scheinen einige behaupten zu wollen. Dieses aber mag wohl das Wahrcrc scyn. Falk. So denke ich auch. — Die Staaten vereinigen die Menschen, damit durch diese und in dicscr Ncreinigung jcdcr einzelne Mensch seinen Theil von Glückseligkeit desto besser und sichrer gemessen könne. — DaS Totale der einzeln Glückseligkeiten aller Glieder, ist die Glückseligkeit des Staats. Ausser dicscr giebt 264 Vrnst und Falk. es gar keine. Jede andere Glückseligkeit des Staats, bey welcher auch noch so wenig einzelne Glieder leiden, und leiden müssen, ist Bemäntelung der Tyrannen. Anders nichts! Ernst. Zch möchte das nicht so laut sagen. Falk. Warum nicht? Ernst. Eine Wahrheit, die jeder nach seiner eigne» Lage beurtheilet, kann leicht gemißbraucht werden. Falk. Weißt du, Freund, daß du schon ein halber Frcymäurer bist? Ern st. Zch? Falk. Du. Denn du erkennst ja schon Wahrheiten, die man besser verschweigt. Ernst. Aber doch sagen könnte- Falk. Der Weise kann nicht sagen, was er besser verschweigt. Ernst. Nun, wie du willst! — Laß uns auf die Frcymäurer nicht wieder zurück kommen. Zch mag ja von ihnen weiter nichts wissen. Falk. Verzeih! — Du siehst wenigstens meine Bereitwilligkeit, dir mehr von ihnen zu sagen. Ern st. Du spottest.--Gut! das bürgerliche Leben des Menschen, alle Staatsverfassungcn sind nichts als Mittel zur menschlichen Glückseligkeit. Was weiter? Falk. Nichts als Mittel! Und Mittel menschlicher Erfindung; ob ich gleich nicht leugnen will, daß die Natur alles so eingerichtet, daß der Mensch sehr bald auf diese Erfindung gerathen müssen. Ern st. Dieses hat denn auch wohl gemacht, das; einige die bür- Zweytes Gespräch. 265 gerliche Gesellschaft für Zweck der Natur gehalten. Weil alles, unsere Leidenschaften und unsere Bedürfnisse, alles daraufführe, sey sie folglich das Letzte, worauf die Natur gehe. So schlössen sie. Als ob die Natur nicht auch die Mittel zweckmässig hervorbringen müssen! Als ob die Natur mehr die Glückseligkeit eines abgezogenen Begriffs — wie Staat, Vaterland und dergleichen sind — als die Glückseligkeit jedes wirklichen einzeln Wesens zur Absicht gehabt hätte! Falk. Sehr gut! Du kömmst mir auf dem rechten Wege entgegen. Denn nun sage mir; wenn die Staatsvcrfassungcn Mittel, Mittel menschlicher Erfindungen sind: sollten sie allein von dem Schicksale menschlicher Mittel ausgenommen seyn? Ernst. Was nennst du Schicksale menschlicher Mittel? Falk. Das, was unzertrennlich mit menschlichen Mitteln verbunden ist; was sie von göttlichen unfehlbaren Mitteln unterscheidet. Er» st. Was ist das? Falk. Daß sie nicht unfehlbar sind. Daß sie ihrer Absicht nicht allein öfters nicht entsprechen, sondern auch wohl gerade daS Gegentheil davon bewirken. Ernst. Ein Beyspiel! wenn dir eines einfällt. Falk. So sind Schiffahrt und Schiffe Mittel in entlegene Länder zu kommen; und werden Ursache, daß viele Menschen nimmcr- mchr dahin gelangen. Ernst. Die nehmlich Schiffbruch leiden, und crsausfcn. Nun glaube ich dich zu verstehen. — Aber man weiß ja wohl, woher es kömmt, wenn so viel einzelne Menschen durch die Staatsvcr- sassung an ihrer Glückseligkeit nichts gewinnen. Der Staatsvcrfassungcn sind viclc; eine ist also besser als die andere; manche 266 vrnst und Falk. ist sehr fehlerhaft, mit ihrer Absicht offenbar streitend; liiid die beste soll vielleicht noch erfunden werden. Falk. Das ungerechnet! Setze die beste Staatsvcrfassung, die sich nur denken läßt, schon erfunden; setze, daß alle Menschen in der ganzen Welt diese beste Staatsverfassung angcnomine» haben: mcynst du nicht, daß auch dann noch, selbst aus dieser besten Staatsvcrfassung, Dinge entspringen müssen, welche der menschlichen Glückseligkeit höchst nachthcilig sind, und wovon der Mensch in dem Stande der Natur schlechterdings nichts gewußt hätte? Ernst. Zch meine: wenn dergleichen Dinge aus der besten Staatsvcrfassung entsprängen, daß es sodann die beste Staatsverfassung nicht wäre. Falk. Und eine bessere möglich wäre? — Nun, so nehme ich diese Bessere als die Beste an: und frage das Nehmliche. Ernst. Du scheinest mir hier blos von vorne herein aus dem angenommenen Begriffe zu vernünfteln, daß jedes Mittel menschlicher Erfindung, wofür du die Staatsvcrfassungcn sammt und sonders erklärest, nicht anders als mangelhaft seyn könne. Falk. Nicht blos. Ern st. Und es würde dir schwer werden, eins von jene» nachlhci- ligcn Dingen zu nennen — Falk. Die auch aus der besten Staatsvcrfassung nothwendig entspringen müssen? — O zchne für eines. Ernst. Nur eines erst. Falk. Wir nehmen also die beste Staatsvcrfassung für erfunden an; wir nehmen an, daß alle Menschen in der Welt in dieser Zweytes Gespräch, 2K7 besten Staatsverfassung leben: würden deßwegen alle Menschen in der Welt, nur cincn Staat ausmachen? Ernst. Wohl schwerlich. Ein so ungeheurer Staat würde keiner Verwaltung sähig seyn. Er müßte sich also in mehrere kleine Staaten vertheilen, die alle nach den nehmlichen Gesetzen verwaltet würden. Falk. Das ist: die Menschen würden auch dann noch Deutsche und Franzosen, Holländer und Spanier, Russen und Schweden seyn; oder wie sie sonst hcissen würden. Ernst. Ganz gewiß! Falk. Nun da haben wir ja schon Eines. Denn nicht wahr, jeder dieser kleinern Staaten hätte sein eignes Interesse? und jedes Glied derselben hätte das Interesse seines Staats? Ern st. Wie anders? Falk. Diese verschiedene Interesse würden öfters in Eollision kommen, so wie itzt: und zwey Glieder aus zwey verschiedenen Staaten würden einander eben so wenig mit unbcfangciicm Gemüth begegnen können, als itzt ein Deutscher einem Franzosen, ein Franzose einem Engländer begegnet. Ernst. Sehr wahrscheinlich! Falk. Das ist: wenn itzt ein Deutscher einem Franzosen, ein Franzose einem Engländer, oder umgekehrt, begegnet, so begegnet nicht mehr ein blosser Mensch einem blossen Menschen, die vermöge ihrer gleichen Natur gegen einander angezogen werden, sondern ein solcher Mensch begegnet einem solchen Menschen, die ihrer vcrschicdnc» Tendenz sich bewußt sind, welches sie gegen einander kalt, zurückhaltend, mißtrauisch macht, noch ehe sie für ihre einzelne Person das geringste mit einander zu schaffen und zn theilen haben. 268 ernst und Falk. Ernst. Das ist leider wahr. Falk. Nun so ist es denn auch wahr, daß das Mittel, welches die Menschen vereiniget, um sie durch diese Vereinigung ihres Glückes zu versichern, die Menschen zugleich trennet. Ernst. Wenn du es so verstehest. Falk. Tritt einen Schritt weiter. Viele von den kleinern Staaten würden ein ganz verschiedenes Klima, folglich ganz verschiedene Bedürfnisse und Befriedigungen, folglich ganz verschiedene Gewohnheiten und Sitten, folglich ganz verschiedene Sittcnlchrcn, folglich ganz verschiedene Religionen haben. Meynst du nicht. Ernst. Das ist ein gewaltiger Sckritt! Falk. Die Menschen würden auch dann noch Juden und Christen und Türken und dergleichen seyn. Ernst. Ich getraue mir nickt, Nein zu sagen. Falk. Würden sie das; so würden sie auch, sie mochten hcisscn, wie sie wollten, sich unter einander nicht anders verhallen, als sich unsere Christen und Juden und Türken von je her unter einander verhalten haben. Nicht als blosse Menschen gegen blosse Menschen, sondern als solche Menschen gegen solche Menschen, die sich einen gewissen geistigen Vorzug streitig machen, und daraus Rechte gründen, die dem natürlichen Menschen nimmermehr einfallen konnten. Ernst. Das ist sehr traurig; aber leider doch scbr vermuthlich. Falk. Nur vermuthlich? Ernst. Denn allenfalls dächte ich doch, so wie du angenommen hast, daß alle Staaten einerley Verfassung hätten, daß sie auch Zweytes Gespn'ch- 269 wohl alle einerley Religion haben konnten. Za ich begreifst nicht, wie einerley Staatsverfassung ohne einerley Religion auch nur möglich ist. Falk. Zch eben so wenig. — Auch nahm ich jenes nur an, um deine Ausflucht abzuschneiden. Eines ist zuverlässig eben so unmöglich, als das andere. Ein Staat: mehrere Staaten. Mehrcrc Staaten: mehrere Staatsvcrfassungen. Mehrcrc Staats- vcrfassungen: mehrere Religionen. Ernst. Za, ja: so sckcinet es. Falk. So ist cs. — Nun sieh da das zweyte Unheil, welches die bürgerliche Gesellschaft, ganz ihrer Absicht entgegen, verursacht. Sie kann die Menschen nicht vereinigen, ohne sie zu trennen; nicht trennen, ohne Klüfte zwischen ihnen zu befestigen, ohne Schcidcmaucrn durch sie hin zu ziehen. Ernst. Und wie schrecklich diese Klüfte sind! wie unübcrsteiglich oft diese Schcidcmaucrn! Falk. Laß mich noch das dritte hinzufügen. — Nicht genug, daß die bürgerliche Gesellschaft die Menschen in verschiedene Völker lind Religionen theilet und trennet. — Diese Trennung in wenige grosse Theile, deren jeder für sich ein Ganzes wäre, wäre doch immer noch besser, als gar kein Ganzes. — Nein; die bürgerliche Gesellschaft setzt ihre Trennung auch in jedem dieser Theile gleichsam bis ins Unendliche fort. Ernst. Wie so? Falk. Oder mcyncst du, daß ein Staat sich ohne Verschiedenheit von Ständen denken läßt? Er sey gut oder schlecht, der Vollkommenheit mehr oder weniger nahe: unmöglich können alle Glieder desselben unter sich das nehmliche Verhältniß haben. — Wenn sie auch alle an der Gesetzgebung Antheil haben: so können sie doch nicht gleichen Antheil haben, wenigstens nicht '.>70 örnst und Falk. gleich mimittclbaren Antheil. ES wird also vornehmere und geringere Glieder geben. — Wenn Anfangs auch alle Besitzungen des Staats unter sie gleich vertheilet worden: so kann diese gleiche Ncrthcilung doch keine zwey Mcnschcnaltcr bestehen. Einer wird sein Eigenthum besser zu nutzen wissen, als der andere. Einer wird sein schlechter genutztes Eigenthum gleichwol unter mehrere Nachkommen zu vertheilen haben, als der andere. Es wird also reichere und ärmere Glieder geben. Ernst. Das versteht sich. Falk. Nun überlege, wie viel Uebel es in der Welt wohl giebt, das in dieser Verschiedenheit der Stande seinen Grund nicht hat. Ernst. Wenn ich dir doch widersprechen könnte! — Aber was hatte ich für Ursache, dir überhaupt zu widersprechen? — Nun ja! die Menschen sind nur dlirch Trennung zu vereinigen! nur durch unaufhörliche Trennung in Bereinigung zu erhalten! Das ist nun einmal so. Das kann nun nicht anders seyn. Falk. Das sage ich eben! Ernst. Also, was willst du damit? Mir das bürgerliche Leben dadurch verleiden? Mich wünschen machen, daß den Menschen der Gedanke, sich in Staaten zu vereinigen, nie möge gekommen seyn? Falk. Verkennst du mich so weit? — Wenn die bürgerliche Gesellschaft auch nur das Gute hätte, daß allein in ihr die menschliche Bcrnunft angebauet werden kann: ich würde sie auch bey weit grösser« Uebeln noch segnen. Ern st. Wer des Feuers gcnicsscn will, sagt das Sprichwort, muß sich den Rauch gefallen lassen. Falk. Allerdings! — Aber weil der Rauch bey dem Feuer unvermeidlich ist: dürfte man darum keinen Ranchfang erfinden? Zweytes Gespräch. 271 Und der den Rauchfang erfand, war der darum ein Fcind des Feuers? — Sich, dahin wollte ich. Ernst. Wohin? — Ich verstehe dich nicht. Falk. Das Glcichniß war doch sehr passend. — — Wenn die Menschen nicht anders in Staaten vereiniget werden konnten, als durch jene Trennungen: werden sie darum gut, jene Trennungen? Ernst. Das wohl nicht. Falk. Werden sie darum heilig, jene Trennungen? Ernst. Wie heilig? Falk. Daß es verboten seyn sollte, Hand an sie zu legen? Ernst. Zn Absicht? . . . Falk. Zn Absicht, sie nicht grösser cinrcisscn zu lassen, als die Nothwendigkeit crfodcrt. Zn Absicht, ihre Folgen so unschädlich zu machen, als möglich. Ernst. Wie könnte das verbothen seyn? Falk. Aber gebothen kann es doch auch nicht seyn; durch bürgerliche Gesetze nicht gebothen! — Denn bürgerliche Gesetze erstrecken sich nie über die Grenzen ibrcs Staats. Und dieses würde nun gerade ausser den Grenzen aller und jeder Staaten liegen. — Folglich kann cS nur ein Opus snnororogatum seyn: und es wäre blos zu wünschen, daß sich die Weisesten und Besten eines jeden Staats diesem 0n--ii runororogato srcywillig unterzögen. Ernst. Blos zu wünschen; aber recht sehr zu wünschen. Falk. Zeh dächte! Recht sehr zu wünschen, daß cS in jedem _M--^ 272 Ernst und Falk. Staate Männer geben möchte, die über die Vorurtheile der Völkerschaft hinweg waren, und genau wüßten, wo Patriotismus, Tugend zu seyn aufhöret. Ernst. Recht sehr zu wünschen! Falk. Recht sehr zu wünschen, daß es in jedem Staate Männer geben möchte, die dem Vorurthcile ihrer angebohrnen Religion nicht unterlägen, nicht glaubten, daß alles nothwendig gut und wahr seyn müsse, was sie für gut und wahr erkennen. Ernst. Recht sehr zu wünschen! Falk. Recht sehr zu wünschen, daß es in jedem Staate Männer geben möchte, welche bürgerliche Hoheit nicht blendet, und bürgerliche Geringfügigkeit nicht cckclt; in deren Gesellschaft der Hohe sich gern herabläßt, lind der Geringe sich dreist erhebet. Ernst. Recht sehr zu wünschen! Falk. Und wenn er erfüllt wäre, dieser Wunsch? Ernst. Erfüllt? — Es wird freylich hier und da, dann und wann, einen solchen Mann geben. Falk. Nicht blos hier und da; nicht blos dann und wann. Ernst. Zu gewissen Zeiten, in gewissen Ländern auch mehrere. Falk. Wie, wenn es dergleichen Männer itzt überall gäbe? zu allen Zeiten nun ferner geben müßte? Ernst. Wollte Gott! Falk. Und diese Männer nicht in einer unwirksamen Zerstreuung lebten? nicht immer in einer unsichtbaren Kirche? Zweytes Ecsprlich. 273 Ernst. Schöner Traum! Falk. Daß ich cs kurz mache. — Und diese Manner die Frey- mänrer wären? Ernst. Was sagst du? Falk. Wie, wenn es die Frcymäurcr wären, die sich mit z» ihrem Geschäfte gemacht hatten, jene Trennungen, wodurch die Menschen einander so fremd werden, so eng als möglich wieder zusammen zu ziehen? Ernst. Die Frcymäurcr? Falk. Ich sage: mit zu ihrem Geschäfte. Ernst. Die Frcymäurcr? Falk. Ah! vcrzcih! — Zch hatt cs schon wieder vergessen, daß du von den Freymäurcrn weiter nichts hören willst — Dort winkt man uns eben zum Frühstücke. Komm! Ernst. Nicht doch! — Noch cincn Augenblick! — Die Frcymäurcr, sagst du — Falk. Das Gespräch brachte mich wider Willen auf sie zurück. Verzeih! — Komm! Dort, in der grössern Gesellschaft, werden wir bald Stoff zu einer tauglicher,, Unterredung finden. Komm! Drittes Gespräch. Ernst. Du bist mir den ganzen Tag im Gcdrcnge der Gesellschaft auSgcwichcn. Abcr ich verfolge dich in dein Schlafzimmer. LchmgS Werk- X. lg 274 ernst und Falk. Falk. Hast du mir so etwas wichtiges zu sagen ? Der blossen Unterhaltung bin ich auf heute müde. Ernst. Du spottest meiner Ncugicrde. Falk. Deiner Neugierde? Ernst. Die du diesen Morgen so meisterhaft zu erregen wußtest. Falk. Wovon sprachen wir diesen Morgen? Ernst. Von den Frcymäurcrn. Falk. Nun? — Ich habe dir im Rausche des Pyrmontcr doch nicht das Geheimniß verrathen? Ernst. Das man, wie du sagst, gar nicht verrathen kann. Falk. Nun freylich; das beruhigt mich wieder. Ernst. Aber du hast mir doch über die Frcymäurcr etwas gesagt, das mir unerwartet war; das mir auffiel; das mich denken machte. Falk. Und was war das? Ernst. O quäle mich nicht! — Du erinnerst dich dessen gewiß. Falk. Za; es fällt mir nach und nach wieder ein. — Und das war es, was dich den ganzen langen Tag unter deinen Freunden und Freundinnen so abwesend machte? Ernst. Das war es! — Und ich kann nicht einschlafen, wenn du mir wenigstens nicht noch eine Frage beantwortest. Falk. Nach dem die Frage seyn wird. Drittes Gespräch. 276 Ernst. Woher kamist du mir aber beweisen, wenigstens nur wahrscheinlich machen, 5aß die Frcymäurcr wirklich jene grosse und würdige Absichten haben? Falk. Habe ich dir von ihren Absichten gesprochen? Ich wüßte nicht. — Sondern da du dir gar keinen Begriff von den wahren Thaten der Freymäurer machen konntest: habe ich dich blos auf einen Punkt aufmerksam machen wollen, wo noch so vieles geschehen kann, wovon sich unsere staatsklugen Köpfe gar nichts träumen lassen. — Vielleicht, daß die Freymäurer da herum arbeiten. — Vielleicht! da herum! — Nur um dir dein Vor- urthcil zu benehmen, daß alle baubedürftige Plätze schon ausgefunden und besetzt, alle nöthige Arbeiten schon unter die erforderlichen Hände vertheilet wären. Ernst. Wende dich itzt, wie du willst. — Genug, ich denke mir nun aus deinen Reden die Freymäurer als Leute, die es freywillig über sich genommen haben, den unvermeidlichen Uebeln des Staats entgegen zu arbeiten. Falk. Dieser Begriff kann den Frcymäurcrn wenigstens keine Schande machen. — Bleib dabey! — Nur fasse ihn recht. Menge nichts hinein, was nicht hinein gehöret. — Den unvermeidlichen Uebeln des Staats! — Nicht dieses und jenes Staats. Nicht den unvermeidlichen Uebeln, welche, eine gewisse Sraatsvcrfassung einmal angenommen, aus dieser angenommenen Staatsvcrfassung nun nothwendig folgen. Mit diesen giebt sich der Frcymäurcr niemals ab; wenigstens nicht als Frcymäurcr. Die Linderung und Heilung dieser überläßt er dem Bürger, der sich nach seiner Einsicht, nach seinem Muthe, auf seine Gefahr damit besassen mag. Uebel ganz andrer Art, ganz höherer Art, sind der Gegenstand seiner Wirksamkeit. Ernst. Zch habe das sehr wohl begriffen. — Nicht Uebel, welche den mißvergnügten Bürger machen, sondern Ucbcl, ohnc welche auch der glücklichste Bürger nicht seyn kann. 18" 276 Ernst und Falk. Falk. Recht! Diesen entgegen — wie sagtest du? — entgegen zu arbeiten? Ernst. Za! Falk. Das Wort sagt ein wenig viel. — Entgegen arbeiten! — Um sie völlig zu heben ? — Das kann nicht seyn. Denn man würde den Staat selbst mit ihnen zugleich vernichten. — Sie müssen nicht einmal denen mit eins merklich gemacht werden, die noch gar keine Empfindung davon haben. Höchstens diese Empfindung in dem Menschen von weiten veranlassen, ihr Aufkeimen begünstigen, ihre Pflanzen versetzen, bcgätcn, beblat- ten — kann hier entgegen arbeiten hcisscn. — Begreifst du nun, warum ich sagte, ob die Frcymäurcr schon immer thätig wären, daß Iabrhundcrtc dennoch vergehen könnten, ohne daß sich sagen lasse: das haben sie gctban. Ernst. Und verstehe auch nun den zweyten Zug des Räthsels — Gute Tbatcn, welche gute Thaten entbcbrlich machen sollen. Falk. Wohl! — Nun geh, nnd studiere jene Uebel, und lerne sie alle kennen, und wäge alle ihre Einflüsse gegen einander ab, nnd sey versichert, daß dir dieses Studium Dinge aufschlicsscn wird, die in Tagen der Schwcrmnth die nicdcrschlagcndstcn, unauflöslichsten Einwürfe wider Vorsehung und Tugend zu seyn scheinen. Dieser Aufschluß, diese Erleuchtung wird dich ruhig und glücklich machen; — auch ohne Freymäurcr zu heisscn, Ernst. Du legest auf dieses heisscn so viel Nachdruck. Falk. Weil man etwas seyn kann, ohne es zu hcisscn. Ernst. Gut das! ich versteh — Aber auf meine Frage wieder zu kommen, die ich nur ein wenig anders einkleiden muß. Da ich sie doch nun kenne, die Uebel, gegen welche die Freymäurcrcy angehet — — VritlcS Gespräch, '.'77 Falk. Du kcmicst sie? Ernst. Hast du mir sie nicht selbst genannt? Falk. Zch habe dir einige znr Probe namhaft gemacht. Nur einige von denen, die anch dem kurzsichtigsten Auge einleuchten: nur einige von den unstreitigsten, weit umsasscndftcn. — Aber wie viele sind nicht noch übrig, die, ob sie schon nicht so einleuchten, nicht so unstreitig sind, nicht so viel umfassen, dennoch nicht weniger gewiß, nicht weniger nothwendig sind! Ernst. So laß mich meine Frage denn blos auf diejenigen Stücke einschränken, die du mir selbst namhaft gemacht hast. — Wie beweisest du mir auch nur von diesen Stücken, daß die Frcy- mäurcr wirklich ihr Absehen darauf haben? — Du schweigst? — Du sinnest nach? Falk. Wahrlich nicht dem, was ich auf diese Frage zu antworten hätte! — Aber ich weiß nicht, was ich mir für Ursachen denken soll, warum du mir diese Frage thust? Ernst. Und du willst mir meine Frage bcautwortcn, wenn ich dir die Ursachen derselben sage? Falk. Das verspreche ich dir. Ernst. Ich kenne und fürchte deinen Scharfsinn. Meine» Scharfsinn? Falk. Ernst. Zch fürchte, du verkaufst mir deine Spcculation für Thatsache. Sehr verbunden! Beleidiget dich das? Fa ll. Ernst. 5>" 278 Ernst und Falk. Falk. Vielmehr muß ich dir danken, daß du Scharfsinn nennest, was du ganz anders hättest benennen können. Ernst. Gewiß nicht. Sondern ich w'ciß, wie leicht der Scharfsinnige sich selbst bekriegt; wie leicht er andern Leuten Plane und Absichten leihet und unterlegt, an die sie nie gedacht haben. Falk. Aber woraus schließt man auf der Leute Plane und Absichten? Aus ihren einzeln Handlungen doch wohl? Ernst. Woraus sonst? — Und hier bin ich wieder bey meiner Frage. — Aus welchen einzeln, unstreitigen Handlungen der Frcymäurcr ist abzunehmen, daß es auch nur mir ihr Zweck ist, jene von dir benannte Trennung, welche Staat und Staaten unter den Menschen nothwendig machen müssen, durch sich und in sich wieder zu vereinigen. Falk. Und zwar ohne Nachtheil dieses Staats, und dieser Staaten. Ernst. Desto besser! — Es brauchen auch vielleicht nicht Handlungen zu seyn, woraus jenes abzunehmen. Wenn es nur gewisse Eigenthümlichkeiten, Besonderheiten sind, die dahin leiten, oder daraus entspringen. — Von dergleichen müßtest du sogar in deiner Spekulation ausgegangen seyn; gesetzt, daß dein System nur Hypothese wäre. Falk. Dein Mißtrauen äusscrt sich noch. - Aber ich hoffe, es soll sich verlieren, wenn ich dir ein Grundgesetz der Freymäu- rer zu Gemüthe führe. Ernst. Und welches? Falk. Aus welchem sie nie ein Geheimniß gemacht haben. Nach welchem sie immer vor den Augen der ganze» Welt gehandelt haben. Ernst. Das ist? Drittes Gespräch. 279 Falk. Das ist, jeden würdigen Mann von gehöriger Anlage, ohne Unterschied des Vaterlandes, ohne Unterschied der Religion, ohne Unterschied seines bürgerlichen Standes, in ihren Orden aufzunehmen. Ernst. Wahrhaftig! Falk. Freylich scheint dieses Grundgesetze dergleichen Männer, die über jene Trennungen hinweg sind, vielmehr bereits voraus zu setzen, als die Absicht zu haben, sie zu bilden. Allein das Nitrum muß ja wohl in der Luft seyn, ehe es sich als Salpeter an den Wänden anlegt. Ernst. O ja! Falk. Und warum sollten die Frcymäurcr sich nicht hier einer gewöhnlichen List haben bedienen dürffen? — Daß man einen Theil seiner geheimen Absichten ganz offenbar treibt, um den Argwohn irre zu führen, der immer ganz etwas anders vermuthet, als er sieht. Ernst. Warum nicht? Falk. Warum sollte der Künstler, der Silber machen kann, nicht mit altem Bruchsilbcr handeln, damit man so weniger argwohne, daß er es machen kann? Ernst. Warum nicht? Falk. Ernst! — Hörst du mich? — Du antwortest im Traume, glaub ich. Ernst. Nein, Freund! Aber ich habe genug; genug auf diese Nacht. Morgen, mit dem frühsten, kehre ich wieder nach der.Stadt. Falk. Schon? Und warum so bald? 280 örnst und Falk. Drittes Gespräch. Ernst. Du kennst mich, und fragst? Wie lange dauert deine Brunnenkur noch? Falk. Zch habe sie vorgestern erst angefangen. Ernst. So sehe ich dich vor dem Ende derselben noch wieder. — Lebe wohl! gute Nacht! Falk. Gute Nacht! lebe wohl! ? ur acl? riclit. Der Funke hatte gezündet: Ernst ging, und ward Frcy- maurcr. Was er vors erste da fand, ist der Stoff eines 4tcn und 6ten Gesprächs, mit welchem — sich der Weg scheidet. Noch nähere") Berichtigung des Mährchens von 1000 Dukaten, oder Judas Jschcm'oth dem Zweyten. Monath December 1779. Derjenige, er sey wer er wolle, durch den die Nachricht, meinen Stiefvater, den Hofrath und Bibliothekar -Messing zu Wolfenbüttel betreffend, in das Wiener Diarium No. 86. gekommen, hat sich angelegen seyn lassen, eine sehr abgeschmackte Lüge zu verbreiten. Die Zudcnschaft zu Amsterdam sollte dem Herrn Lcssing deswegen ein Geschenk von tausend Dukaten gemacht haben, °) So im theologischen Nachlaß S. 23, im i!cbcn i, S. 418, in der Vorrede zum siebzehnten Theile der sämmtlichen Schriften S. v, und wahrscheinlich in dem ursprünglichen Siegensburgcr Drucke. Das Wort „Noch" fehlt dem Abdrucke im xvil. Theil S. 372, dem der Herausgeber übrigens l» Ermangelung des ersten Druckes hat folgen »n'iffcn. Noch nähere Berichtigung des Mährchens -c. 281 weil er gewisse Fragmente eines Werks herausgegeben, in welchem die jüdische Religion gerade am meisten gemißhandelt wird? Und Herr Lcssing, weil er aus besagtem Werke weniger von dem bekannt machen wollen, was die jüdische Religion anbelangt, als von dem, was die christliche Religion betrifft, und von Christen erörtert und widerlegt zu werden verdienet, hätte kein Bedenken getragen, ein solches Geschenk anzunehmen? Die Erdichtung ist so nüchtern, daß ich mich nie für verbunden würde gehalten haben, ein Wort darum zu verlieren, so nahe mich auch der Mann angeht, der darunter leiden soll: wenn nicht in dem gleich darauf folgenden Blatte des nehmlichen Diarii eine vorgebliche Berichtigung hinzugekommen wäre, die zn sehr verrath, warum es gewissen Leuten eigentlich zu thun ist. Wenigstens hat der, von welchem sich diese Berichtigung hcrschreibt, nehmlich der Zusammcntragcr des Diarii selbst, nur läuten hören, ohne im geringsten zu wissen, wo die Glocken hängen. Bloß also denen zu gefallen, die noch weiter vom Thurme wohnen, will ich den ganzen Verlauf der Sache mit wenig Worten erzählen. Daß ich hinlänglich davon unterrichtet bin, kann man mir glauben; wie ich denn auch von dem, was ich aus mündlichen Unterhaltungen weiß, weiter keinen Gebrauch machen will, als in so fern es in den Schriften des Herrn Lcssing zu Tage liegt, die hier nicht bekannt geworden. Bereits 4774 fing Hr. Lcssing an, in seinen Beytragen zur Geschichte unv Litteratur aus den Schätzen der Herzoglichen Bibliothek zu ivolfcnbüttel, Fragmente eines gewissen Werks gegen die geoffenbarte Religion drucken zu lassen, das schon seit geraumer Zeit in Nicdcrsachscn geschrieben herumging, aus einer Provinz in die andre vertragen ward, „und so im Verborgnen," wie sich Herr Lcssing sclbst ausdrückt, „mchr Proscwtcn machtc, als cs im Sliigesichtc einer widcrsprc- „cheiidcn Wcll machen könntc." Die Bekanntmachung dieser Fragmente wurde dem Herrn Lcssing von den Gottcsgclchrtcn der Lutherischen Kirche^ auch so wcnig vcrübclt, daß ihm viclmchr verschiedene der Angesehensten öffentlich Da»k dafür abstatteten. 282 Noch nähere Berichtigung Und warum auch nicht? Sie konnten von der Lauterkeit der Absichten des Herrn Lessing um so mehr versichert seyn, da Herr Lessing selbst einem jeden anstößigen Fragmente sogleich eine Widerlegung, unter der Aufschrift, Gegensätze des Herausgebers, mit beygefügt hatte, wie man sie nur immer von einem Christen, der kein Theolog von Profession ist, verlangen kann. Daher machten auch mchrbcsagte Fragmente Zahr und Tag nicht das geringste Aufsehen im Publico, und nur sehr wenig Sensation auf Leute, denen es näher obliegt, sich um dergleichen Dinge zu bekümmern: als mit eins ein Mann seine Stimme erhob, von dem man sagt, daß er schon mehrmalcn seine Stimme sehr zu unrechter Zeit erhoben habe. Hr. Lessing hatte das Unglück gehabt, den Hrn. Hauptpastor Goze in Hamburg, in einem kleinen Auftrage die Bibliothek betreffend, nicht so prompt zu bedienen, als allerdings wohl schicklich gewesen wäre: und Hr. Göze hatte die Gerechtigkeit ihn dieses Unglück fühlen zu lassen. Er stichelte bey aller Gelegenheit auf ihn, als auf den undicnstfcrtigstcn Bibliothekar, der zwischen Himmel und Erden zu finden: und da auch ihm endlich die Fragmente bekannt wurden, welche Freude mußte es ihm seyn, den undicnstfcrtigen Bibliothekar der Lutherischen Christenheit zugleich als den ruchlosesten, und dem Herzoglichen Hause, dem er dient, zugleich als den gefährlichste» zu schildern. Er hörte nicht auf, diesem Durchlauchtigen Hause zu Gemüthe zu führen, in welchen schlimmen Händen sein Interesse sey, und wie leicht ein Mensch, der sich kein Gewissen daraus gemacht habe, eine so ärgerliche Schrift gegen die Religion an das Licht zu ziehen, auch Papiere an den Tag bringen könne, die seine hohen Gerechtsame streitig zu machen, und die Ehre seiner Vorfahren zu verdunkeln im Stande wären. Da indeß der Hr. Hauptpastor so albern nicht war, um zu hoffen, daß dergleichen Armseligkeiten wirklich Eindruck auf einen Fürsten machen würden, der weder die nähere Prüfung seiner Gerechtsame, noch die genauere Beleuchtung der Ehre seiner Ahnherren zu befürchten hat: was that er zugleich? Weil der Bibliothekar eine durch ihre Verheimlichung um so viel gefährlichere Schrift, wenigstens, durch seine Bekannt- des Mahrchens von tausend Dukaten, :c. 283 machung lind seine Gegensätze, minder gefährlich machen wollen, und ihm von dieser Seite also nicht beyzukommen war: so erklärte der Hauptpastor zugleich, daß es mit diesen Gegensätzen doch nur Nichts, und weniger als Nichts wäre; ja, daß diese Gegensätze im Grunde weit mehr Gift enthielten, als die Fragmente selbst. Und wie so? Diese Gegensätze des Bibliothekars waren dem Lutherischen Hauptpastor, mit Einem Worte - — zu gut Katholisch. Ich will mich auf einen neuerlichen Vorfall mit dem Hrn. Hauptpastor in Hamburg nicht berufen; ob dieser Vorfall schon hier* und in Hamburg so allgemein bekannt ist, daß ich mich gar wohl darauf berufen könnte. Es ist auch ohne denselben notorisch genug, aus welchem Gesichtspunkt dieser überspannte Lutheraner, zum Aergernisse seiner eigenen Glaubensgenossen, die Katholische Kirche, so wohl in seinen Predigten als in seinen Schriften, anzusehen gewohnt ist, und wie weit er geht, ihr alle Ansprüche auf den Namen und die Vorrechte einer christlichen Kirche abzustreiten. Nun hatte Hr. Lcssing, um gewisse Einwürfe gegen die christliche Religion ein- für allemal abzuschneiden, behauptet, daß man einen Unterschied zwischen Bibel und Religion machen müsse; daß nicht alle Einwürfe gegen die Bibel, auch Einwürfe gegen die Religion wären; und daß die Religion sich eben so wenig auf die ganze Bibel, als auf die Bibel einzig und allein gründe. Er hatte behauptet, daß die christliche Religion sich auch ohne Bibel denken lasse; daß die christliche Religion eine geraume Zeit bestanden, ehe die gcsammtcn Schriften des N. Testaments geschrieben worden; daß man also einen kurzen Inbegriff der christlichen Religion annehmen müsse, nach welchem sie damals gclchrct und ausgebreitet worden. Er hatte behauptet, daß dieser kurze Inbegriff, welcher bei den ersten Kirchenvätern liogul-t lidoi heiße, sich in dem Apostolischen Glau- ^ bensbekcnntnissc erhalten habe, welches die Katholische Kirche vornehmlich unter ihrer Tradition mit verstehe, und welches aus " Zu Wic», 284 Noch nähere Berichtigung den Schriften des N. Testaments nicht könne gezogen seyn, ob es sich gleich in denselben finden müsse. Er hatte behauptet, daß es, wo nicht leichter, wenigstens eben so leicht sey, die unmittelbare göttliche Eingebung besagter liegula liäoi zu beweisen, als die unmittelbare göttliche Eingebung der gcsammtcn Schriften des N. Testaments, und hatte zu verstehen gegeben, wie wohl die Luther. Theologen thun würden, dieses anzuerkennen, um wenigstens die Grundlehrcn des Glaubens gegen alle willkührliche Auslegungen der sie bestätigenden, aber nicht ursprünglich lehrenden Schriftstellcn zu sichern, u. s. w. Zch bin zu jung und zu ununtcrrichtct in solchen Dingen, um beurtheilen zu können, wie weit diese Behauptungen in den Schriften der Väter und den kirchlichen Alterthümern, aufweiche sich Hr. Lcssing beruft, gegründet sind. Aber so viel weiß ich doch, daß das Wesentliche derselben in der Katholischen Kirche nicht allein für unanstößig erkannt, sondern auch als das Rechtgläubigere gclchrct wird. Und gleichwohl war es das, eben das, worin der Lutherische Hauptpastor das größere Gift, als in den Fragmenten selbst enthalten sey, mit solcher Dreistigkeit zu finden erklärte, daß er lieber von der christlichen Religion nichts wissen, als zugeben wolle, daß sie im geringsten mit einem so strohernen Schilde, wie es ihm selbst sich auszudrücken beliebte, vertheidiget werde. Und gleichwohl ist es das, eben das, weswegen sich Hr. Lessing nunmehr in der Hauptstadt des Katholischen Deutschlands als einen Feind der christlichen Religion überhaupt muß vcrschreycn, und durch hämische Mährchcn als einen zweyten Judas Zscharioth muß verlästern lassen, der seinen Meister, freylich nicht um 30 Silbcrlinge, aber doch um Ivlll» Dukaten, nochmals an die Juden zu verrathen im Stande wäre. Zu beweisen, daß ich hiermit nichts als die strenge Wahrheit sage, und zugleich eine Probe zu geben, mit welcher blinden Wuth der Hauptpastor sofort auf den Bibliothekar los ging, darf ich nur den Titel seiner ersten Schrift anführen: Gözens etwas vorläufiges gegen des Hofrach Messings mittelbare und unmittelbare feindselige Angriffe auf unsere allerhei- ligste Religion, und auf den einigen Ä.chrgrnnd derselben, des MährchenS von tausend Dukaten, :c. 28-1 die heilige Schrift. — Wie gesagt: Hr. Lcssing hätte aber schlechterdings keinen andern Angriff auf die heilige Schrift gethan, als daß er, mit so vielen andern Christen, sie für den einigen Grund unsrer allcrhciligstcn Religion (er dachte sich dabey die christliche Religion überhaupt, und nicht die Lutherische insbesondere) lieber nicht erkennen, als die Religion unauflöslichen Schwierigkeiten Preis geben wollte. „Oder sind „die Katholiken keine Christen? fragt Hr. Lcssing. Wäre ich „kein Christ, wenn ich in diesem Stücke mich auf die Seite „der Katholiken neigte? Unartig genug, daß viele Protestanten „den Beweis für die Wahrheit der christlichen Religion so führen, „als ob die Katholiken durchaus keinen Antheil daran hätten." Ob Herr Lcssing in seinen Blättern, die er der Gözischcn Schrift unter dem Titel: Ami-Go;e entgegen stellte, sich überall in den Schranken der Mäßigung gehalten, kömmt mir nicht zu, zu entscheiden. Zch sage bloß, daß ich ihn bey dieser Gelegenheit öfter einen Ausspruch des heil. Hicronymus für sich anführen hören, nach wclchcm die kalte ruhigc Duldung unverdienter Vorwürfe der Zrrcligion, nicht für Tugend, sondern für Ruchlosigkeit erkläret wird. Und nun nur noch ein Wort von den schweren AhmSnngen, die sich Hr. Lcssing bereits durch die Fragmente und seine Widerlegung derselben, soll zugezogen haben. Diese Lüge ward in eben der Münze geprägt, aus welcher die 1l)l1t) Dukaten kommen. So viel ist wahr, daß die Fragmente in Braunschwcig hohen Orts verboten, und dem Bibliothekar untersagt worden, weiter etwas davon bekannt zu machen. Es dürfte dieses aber wohl mehr wegen des ärgerlichen Aufhebens, das der Hauptpastor davon machte, geschehen seyn, als wegen der Fragmente selbst, die weiter kein Unheil angerichtet, als daß sie eine Menge Federn in Bewegung gesetzt haben, deren verschiedene zu merklichem Vortheile der Religion von gelehrten und bescheidenen Theologen geführt worden, die alle, ich wiederhole es, dem Bibliothekar mehr dafür danken, als mit ihm zürnen, daß er ihnen einen solchen Feind in die Hände liefern wollen. 28k Ernst und Falk. Wenigstens ist das Verbot der Fragmente, wegen der Gegensätze des Herausgebers gewiß nicht ergangen, welchen man seine Streitigkeit mit dem Hauptpastor Göze ungehindert fortsetzen lassen, und auch ins künftige zuverlässig so viel ungehinderter fortsetzen lassen wird, als Hr. Göze durch sein Verstummen bereits zu verstehen gegeben, daß Er ihr nicht gewachsen sey, und ein weit andrer Mann das Wort für ihn aufgenommen hat. Ernst und Falk. Gespräche für Freymäurer. Fortsetzung. 1 7 8 0.°) Vorrede elnes Dritten. Äcr Verfasser der ersten drey Gespräche hatte diese Fortsetzung, wie man weiß, im Manuscriptc, zum Drucke fertig liegen, als derselbe höhern Grr's einen bittenden Wink bekam, dieselbe nicht bekannt zu machen. Vorher aber hatte er dies vierte und fünfte Gespräch einigen Freunden mitgetheilt, welche, vermuthlich ohne seine Erlaubniß, Abschriften davon genommen hatten. Eine dieser Abschriften war dem itzigen Herausgeber durch einen sonderbaren Zufall in die Hände gefallen. Er bedauerte, daß so viel herrliche Wahr- °) „Bon diesen beyden letzten Gesprächen erhielt ich damahls ei» Srci»^ plar aus des sei. Lcssings Händen, worin er Druckfehler berichtiget, auch noch etwas wesentliches hinzugefüget hatte. Zch theile hier, was die Druckfehler betrifft, alles von Lcssing berichtigte mit. Was ich etwa» von dem hinzugefügten Wesentlichen, wenigstens noch für jetzt zurück behalte, ist freylich nicht weniger interessant als das übrige Alle. Aber einer Entschuldigung von meiner Seite bedarf diese Zurückhaltung wohl nicht weiter, als daß es selbst nicht in dem Manuscriptc befindlich war, welches dem Dritten in die Hände fiel." Journal von und für Deutschland, in Zahrgang (1786), St. VII-XU, S. 169. Viertes Gespräch. 287 heilen lmterdri'ickt werden sollten, und beschloß das Manuskript, ohne Winke zu haben, drucken zu lassen. Wenn die Begierde, Licht über so wichtige Gegenstände allgemeiner verbreitet zu sehen, nicht diese Freyheit hinlänglich entschuldiget; so läßt sich nichts weiter zur Vertheidigung derselben sagen, als daß der Herausgeber kein aufgenommener Maurer ist. Ucbrigens wird man doch finden, daß er, aus Vorsicht und Achtung gegen einen gewissen Zweig dieser Gesellschaft, einige Namen, welche ganz ausgeschrieben waren, bey der Herausgabe nicht genannt hat. Viertes Gespräch. Falk. Ernst! Willkommen! Endlich wieder einmal! Zch habe meine Brunnen-Cur längst beschlossen. Ernst. Und befindest Dich wohl darauf? Zch freue mich. Falk. Was ist das? Man hat nie ein: „ich freue mich" ärgerlicher ausgesprochen. Ernst. Zch bin es auch, und es fehlt wenig, daß ich es nicht über Dich bin. Falk. Ueber mich? Ernst. Du hast mich zu einem albernen Schritte verleitet — Sich her! — Gieb mir deine Hand! — Was sagst du? — Du zuckst die Achseln?'Das hätte mir noch gcfcblt. Falk. Dich verleitet? Ernst. Es kann seyn, ohne daß Du es gewollt bast. Falk. Und soll doch Schuld haben. 288 Ernst und Falk. Ernst. Der Mann Gottes spricht dem Volke von einem Lande, da Milch und Honig innen fließt, nnd das Volk soll sich nicht darnach sehnen? Und soll über den Mann Gottes nicht murren, wenn er sie, anstatt in dieses gelobte Land, in dürre Wüsten führt ? Falk. Nun, nun! Der Schade kann doch so groß nicht seyn — Dazu sehe ich ja, daß du schon bey ven Gräbern unserer Vorfahren gearbeitet hast. Ernst. Aber sie waren nicht mit Flammen, sondern mit Rauch umgeben. Falk. So warte, bis der Rauch sich verzicht, und die Flamme wird leuchten und wärmen. Ernst. Der Rauch wird mich ersticken, ehe mir die Flamme leuchtet, nnd wärmen, sehe ich wohl, werden sich Andere an ihr, die den Rauch besser vertragen können. Falk. Du sprichst doch nicht von Leuten, die sich vom Rauch gern beissen lassen, wenn es nur der Rauch einer fremden fetten Küche ist? Ernst. Du kennst sie also doch? Falk. Ich habe von ihnen gehört. Ernst. Um so mehr, was konnte Dich bewegen mich auf dies Eis zu führen? Mir dazu Sachen vorzuspiegeln, deren Ungrund Du nur allzuwohl wußtest? Falk. Dein Verdruß macht Dich sehr ungerecht — Ich sollte mit Dir von der Freymaurerey gesprochen haben, ohne es mehr als auf eine Art zu verstehen zu geben, wie unnütz es sey, daß jeder ehrliche Mann ein Frcymaurcr werde — wie unnütze nur? — ja, wie schädlich. — 5 Niertcs Gespräch. 289 Ernst. Das mag wohl scvn. Falk. Zch sollte Dir nicht gesagt haben, daß man die höchsten Pflichten der Maurcrcy erfüllen könne, ohne ein Frcymaurcr zu hcisscn? Ern st. Vielmehr erinnere ich mich dessen — Aber Du weißt ja wohl, wenn meine Fantasie einmal den Fittig ausbreitet, einen Schlag damit thut — kann ich sie halten? — Zch werfe Dir nichts vor, als daß Du ihr eine solche Lockspeise zeigtest. — Falk. Die Du zu erreichen doch auch sehr bald müde geworden — Und warum sagtest Du mir nicht ein Wort von Deinem Vorsatze? Ernst. Würdest Du mich davon abgerathcn haben? Falk. Ganz gewiß! — lVcr wollte einem raschen Rnaben, weil er Oann nnO wann noch fällt, den Gangclrvagen wieder einschwölzen? Zch mache Dir kcin Complimcnt; Du warst schon zu weit, um von da wieder abzugehen. Gleichwohl konnte man mit Dir keine Ausnahme machen. Den Weg müssen Alle betreten. Ern st. Es sollte mich auch nicht reuen ihn betreten zu haben, wenn ich mir nur von dem noch übrigen Wege noch mehr zu versprechen hätte. Aber Vertröstungen, und wieder Vertröstungen, und nichts als Vertröstungen! Falk. Wenn man dich doch schon vertröstet! Und auf was vertröstet man dich denn? Ernst. Du weißt ja wohl, auf die schottische Manrerey, auf den schottischen Ritter. Falk. Nun ja, ganz recht — Aber wessen hat sich denn der schottische Ritter zu trösten? l'csimgs iLZcrkc x, 19 290 Ernst und Falk. Ernst. Wer das wüßte! Falk. Und Deines Gleichen, die andern Neulinge des Ordens, wissen denn die auch nichts? Ernst. O die! die wissen so viel! — Der Eine will Gold machen, der Andere will Geister beschwören, der Dritte will die * * ° wieder herstellen — Du lächelst — Und lächelst nnr? — Falk. Was kann ich anders? Ernst. Unwillen bezeugen über solche Qucrköpfc! Falk. Wenn mich nicht Eins mit ihnen wieder versöhnte. Ernst. Und was? Falk. Daß ich in allen diesen Träumcrcycn Streben nach Würk- lichkcit erkenne, daß sich aus allen diesen Irrwegen noch abnehmen läßt, wohin der wahre Weg geht. Ernst. Auch aus der Goldmachcrcy? Falk. Auch aus der Goldmachcrcy. Ob sich würklich Gold machen läßt, oder nicht machen läßt, gilt mir gleichviel. Aber ich bin sehr versichert, daß vernünftige Menschen nur in Rücksicht auf Frcymaurcrcy es machen zu können wünschen werden. Auch wird der erste der beste, dem der Stein der Weisen zu Theil wird, in dem ncmlichcn Augenblicke Frcnnaurcr — Und es ist doch sonderbar, daß dieses alle Nachrichten bestätigen, mit welchen sich die Welt von wahren oder vcrnicvnlcn Goldmachern trägt. Ernst. Und die Geister-Beschwörer? Falk. Von ihnen gilt ohngcfchr das nehmliche — Unmöglich kön- Liertes Gespräch. 29t ncn Geister auf die Stimme eines andern Menschen hören, als eines Frcymanrcrs. . Ernst. Wie ernsthaft du solche Dinge sagen kannst! — Falk. Bey allem was heilig ist! nicht ernsthafter als sie sind. Ernst. Wenn das wäre! — Aber endlich die neuen ° * °, wenn Gott will? Falk. Vollends die! Ernst. Siehst du! Von denen weißt Du nichts zu sagen. Denn waren doch einmal, Goldmacher aber und Gcistcrbcschwörcr gab es vielleicht nie. Und es läßt sich freylich besser sagen, wie die Freimaurer sich zu solchen Wesen der Einbildung verhalten, als zu würklichen. Falk. Allerdings kann ich mich hier nur in einem Dilemma ausdrücken: Entweder, oder — Ernst. Auch gut! Wenn man nur wenigstens weiß, daß unter zwey Satze» einer wahr ist: Nun! Entweder diese ° ° ° >vouln in mir erregtest, keiner etwas wissen will. Zch mag diesen Ton angeben, so oft ich will, gegen wen ich will; niemand will einstimmen, immer lind aller Orten das tiefste Stillschweigen. Falk. Du meinst — Ern st. Zcne Gleichheit, die Du mir als Grundgesetz des Ordens angegeben; jene Gleichheit, die meine ganze Seele mit so unerwarteter Hofnung erfüllte: sie endlich in Gesellschaft von Menschen athmen zu können, die über alle bürgerliche ModisicationS hinweg zu denken verstehen, ohne sich an einer zum Nachtheil eines Dritten zu versündigen — Falk. Nun? Ernst. Sie wäre noch! Wenn sie jemals gewesen! — Laß einen aufgeklarten Juden kommen, und sich melden! „Za" heißt es „ein Zude? Ehrist wenigstens muß freylich der Frcymaurcr „seyn. Es ist nur gleichviel was für ein clhrist. Ohne Unterschied der Religion, heißt nur, ohne Unterschied der drey „im heiligen römischen Reiche öffentlich geduldeten Religionen" — Meinst du auch so? Falk. Zch nun wohl nicht. Ern st. Laß einen ehrlichen Schuster, der bey seinem Leisten Muße genug hat, manchen guten Gedanken zu haben (wäre cS auch ein Jacob Böhme und Hans Sachse) laß ihn kommen, und sich melden! „Za" heißt es „ein Schuster! freylich ein Schu- „stcr" — Laß einen treuen, erfahrnen, versuchten Dicnstbolhen kommen und sich melden — „Za" heißt es „dergleichen Leute Viertes Gespräch, 2>16 „freylich, die sich die Farbe zu ihrem Rocke nicht selbst wäh- „len — Wir sind unter uns so gute Gesellschaft" — Falk. Und wie gute Gesellschaft sind sie denn? Ern st. Ey nun! Daran habe ich allerdings weiter nichts auszusetzen, als daß es nur gute Gesellschaft ist, die man in der Welt so müde wird — Prinzen, Grafen, Herrn von, Officiere, Räthe von allerley Beschlag, Kaufleute, Künstler — alle die schwärmen freylich ohne Unterschied des Standes in der Loge unter einander durch — Aber in der That sind doch alle nur von Einem Stande, und der ist leider - - - . Falk. Das war nun wohl zu meiner Zeit nicht so — Aber doch! — Zch weiß nicht, ich kann nur rathen — Ich bin zu langc Zeit ausser aller Ncrbindung mit Logen, von welcher Art sie auch seyn mögen — Zn die K>oge vor lerzt, auf eine Zeit, nicht können zugelassen werden, und von der Frc>maurcrey ausgeschlossen seyn, sind doch zwey verschiedene Dinge. Ernst. Wie so? Falk. Weil Loge sich zur Frcymaurcrcy verhält, wie Kirche zum Glauben. Aus dem äusseren Wohlstände der Kirche ist für den (Glauben der Glieder nichts, gar nichts, zu schlicsscn. Vielmehr giebt cö einen gewissen äusscrlichen Wohlstand derselben, von dem cS ein Wunder wäre, wenn er mit dem wahren Glauben bestehen könnte. Auch haben sich beyde noch nie vertragen, sondern eins hat das andere, wie die Geschichte lehrt, immer zu Grunde gerichtet. Und so auch, fürchte ich, fürchte ich — Ernst. Was? Falk. Kurz! Das Logen-Wesen, so wie ich höre, daß es itzt gc- gctricbcn wird, will mir gar nicht zu Kopse. Eine Easse haben ; Eapitalc machen; diese Eapitalc belegen; sie auf den besten Pfenning zu benutzen suchen; sich ankaufen wollen; von Königen 296 Ernst und Falk. und Fürsten sich Privilegien geben lassen; das Anschn und die Gewalt derselben zu Unterdrückung der Brüder anwenden, die einer andern Obscrvanz sind, als der, die man so gern zum Wesen der Sache machen mögte — Wenn das in die Lange gut geht! — Wie gern will ich falsch prophczcyct haben! Ernst. Ze nun! Was kann denn werden? Der Staat fährt itzt nicht mehr so zu. Und zudem sind ja wohl unter den Personen, die seine Gesetze machen, oder handhaben, selbst schon zu viel Freymaurcr — Falk. Gut! Wenn sie also auch von dem Staate nichts zu befürchten haben, was denkst Du wird eine solche Verfassung für Einfluß auf sie selbst haben? Gerathen sie dadurch nicht offenbar wieder dahin, wovon sie sich losreisscn wollten? Werden sie nicht aufhören zu seyn, was sie seyn wollen? — Ich weiß nicht, ob du mich ganz verstehst — Ernst. Rede nur weiter! Falk. Zwar! — ja wohl — nichts dauert ewig — Vielleicht soll dieses eben der Weg seyn, den die Vorsicht auscrschcn, dem ganzen jetzigen Schema der Frcymaurcrcy ein Ende zu machen — Ernst. Schema der Frcymaurerey? Was nennst Du so? Schema? Falk. Nun! Schema, Hülle, Einkleidung. Ernst. Ich weiß noch nicht — Falk. Du wirst doch nicht glauben, daß die Freymaurcr immer Frcymaurcrcy gespielt? Ernst. Was ist nun das? Die Freymaurcr nicht immer Frcymau- - rerey gespielt? Falk. Mit andern Worten! Meinst Du denn, daß das, was die Viertes Eesprttch. 297 Frcymaurcrey ist, immer Frcymaurcrey gchcisscn? — Aber sich! Schon Mittag vorbey! Da kommen ja bereits meine Gäste! Du bleibst doch? Ernst. Ich wollte nicht, aber ich muß ja min wohl. Denn mich erwartet eine doppelte Sättigung. Falk. Nur bey Tische, bitte ich, kein Wort. Fünftes Gespräch. Ernst. Endlich sind sie fort! — O die Schwätzer! — Und merktest Du denn nicht, oder wolltest Du nicht merken, daß der eine mit der Warze an dem Äinn — hcissc er wie er will! — ein Frcymaurcr ist? Er klopfte so oft an. Falk. Ich horte ihn wohl. Ich merkte sogar in seinen Reden, was Dir wohl nicht so aufgefallen — Er ist von denen, die in Europa für die Amcricancr fechten — Ernst. Das wäre nicht das Schlimmste an ihm. Falk. Und hat die Grille, daß der Eongrcß eine Loge ist; daß öa endlich die Frcymaurcr ihr Reich mit gcwafnetcr Hand gründen. Ernst. Gicbt cs auch solche Träumer? Falk. Es muß doch wohl. Ern st. Und woraus nimst Du dicscn Wurm ihm ab? Falk. Aus einem Zuge, der dir auch schon einmal kenntlicher werden wird. Ernst. Bey Gott! wenn ich wüßte, daß ich mich in dcn Freymau- rcrn gar so betrogen hätte! — 298 Ernst und Falk. Falk. Scy ohne Sorge. Der Frcymaurcr erwartet ruhig den Auf- gang der Sonne, und läßt die Lichter brennen, so lange sie wollen und könncn — Die Lichter auslöschen und, wenn sie ausgelöscht sind, erst wahrnehmen, daß man die Stümpfe doch wieder anzünden, oder wohl gar andre Lichter wieder aufstecken muß; das ist der Frcymaurcr Sache nicht. Ernst. Das denke ich auch — Was Blut kostet, ist gewiß kein Blut werth. Falk. Vortrefflich! — Nun frage, waö Du willst! Ich muß Dir antworten. Ernst. So wird meines Fragens kein Ende seyn. Falk. Nur kannst Du den Anfang nicht finden. Ernst. Beistand ich Dich, oder verstand ich Dich nicht, als wir unterbrochen wurden ? Widersprachst Du Dir, oder widersprachst Du Dir nicht? — Denn allerdings, als Du mir einmal sagtest: Die Zrcymanrcrey scy immer gewesen, verstand ich es also, daß nicht allein ihr Wesen, sondern auch ihre gegenwärtige Berfasfung sich von undenklichen Zeiten hcrschrcibc. Falk. Wenn es mit beiden einerley Bewandtnis; hätte! — Ibrmi Wesen nach ist die Frcymaurcrey eben so alt, als die bürgerliche Gesellschaft. Beyde konnten nicht anders als mitcinan0cr entstehen — Wenn nicht gar die bürgerliche Gesellschaft nur ein Sprößling der Frcymaurcrey ist. Denn die Flamme im Vrcnnpunctc ist auch Ausfluß der Sonne. Ernst. Auch mir schimmert das so vor — Falk. Es scy aber Mutter und Tochter, odcr Schwcstcr und Schwester; ihr beiderseitiges Schicksal hat iimncr wcchsclscilig zünftcs Gespräch. 299 in einander gcwürkt. Wie") sich die bürgerliche Gesellschaft befand, befand sich aller Orten auch die Frcymaurercy, und so umgekehrt. Es war immer das sicherste Kennzeichen einer gesunden, nervösen Staatsvcrsassung, wenn sich die Frcymaurercy »eben ihr blicken ließ; so wie es noch jetzt das ohnfchlbare Merkmal eines schwachen, furchtsamen Staats ist, wenn er das nicht öffentlich dulden will, was er in Geheim doch dulden muß, er mag wollen oder nicht. Ernst. Zu verstehen: die Freymaurcrey! Falk. Sicherlich! — Denn die beruht im Grunde nicht auf Üujscr- liclie Verbindungen, die so leicht in bürgerliche Anordnungen ausarten; sondern auf das Gefühl gemeinschaftlich sympathisierender Geister. Ernst. Und wer unterfangt sich denen zu gebiethen! Falk. Zndcß hat freylich die Frcymaurercy immer und aller Orten sich nach der bürgerlichen Gesellschaft schmiegen und biegen müssen; denn diese war stets die stärkere. So mancherley die bürgerliche Gesellschaft gewesen, so mancherley Formen hat auch die Frcymaurercy anzunehmen sich nicht einbrechen können; nur hatte jede neue Form, wie natürlich, ihren neuen Namen. Wie kannst du glauben, daß der Name Frcymaurercy ältcr seyn wcrdc, als dicjcnige herrschende Dcnkungsart der Staaten, nach der sie genall abgewogen worden? Ernst. Und welches ist diese herrschende Dcnknngsart? Falk. Das bleibt Deiner eigenen Nachforschung überlassen — Genug, wcnn ich Dir sagc, daß dcr Namc Frcymanrcr, ein Glied unserer geheimen Verbrüderung anzuzeigen, vor dem Anfange dicscs laufenden Jahrhunderts nie gehört worden. Er kömmt °) „Wcilcr qchcii mciuc Lcssingischcn Bcrichti>ziuigcii dcr Druckschlcr nicht. Ohne Zwciscl ist cr bcy dcrcn Bollmdmig gcstörct wvvdcu." Journal von und für Deutschland c>. a. s. 300 Ernst und Falk. zuvcrläßig vor dieser Zeit in kcincm gedruckte» Buche vor, und den will ich sehen, der mir ihn auch nur in einer geschriebenen älteren Urkunde zeigen will. Ernst. Das heißt: den deutschen Namen. Falk. Nein, nein! auch das ursprüngliche 1><-v - Alarin, so wie alle darnach gemodelte Ucbcrsctzungen, in welcher Sprache es auch seyn mag. Ernst. Nicht doch! — Besinne dich — In keinem gedruckte» Buche vor dem Anfange des laufenden Jahrhunderts? Zn keinem? Falk. In keinen». Ernst. Gleichwohl habe ich selbst — Falk. So? — Ist auch Dir von dem Staube etwas in die Auge» geflogen, dc» man um sich zu werfe» noch nicht aufholt? Ern st. Aber doch die Stelle im — Falk. In der Londinopolis? Nicht wahr? — Staub! Er» st. Und die Parlaments-Acte unter Hcimich den, sechsten? Falk. Staub! Ernst. Und die großen Privilcgia, die Carl der elfte, Konig vo» Schweden, der Loge von Gothcnburg ertheilte? Falk. Staub! Ernst. Und Locke? Falk. Was für ein Locke? Fünftes Gespräch, 301 Ernst. Der Philosoph — Sein Schreiben an den Grafen von Pcmbrock; seine Anmerkungen über ein Verhör, von Heinrich des sechsten eigener Hand geschrieben? Falk. Das muß ja wohl ein ganz neuer Fund seyn; den kenne ich nicht — Aber wieder Heinrich der sechste? — Staub! und nichts als Staub! Ernst. Nimmermehr! Falk. Weißt du einen gelinderen Namen für Wort-Verdrehungen, für untergeschobene Urkunden? Ernst. Und das hatten sie so lange vor den Augen der Welt un- gcrügt treiben dürfen? Falk. Warum nicht? der Klugen sind viel zu wenig, als daß sie allen Gcckcrcycn, gleich bey ihrem Entstehen, widersprechen könnten. Genug, daß bey ihnen keine Verjährung Statt findet — Freylich wäre es besser, wenn man vor dem Publico ganz und gar keine Gcckcrcucn unternähme; denn gerade das Verächtlichste ist, daß sich niemand die Mühe nimt, sich ihnen entgegen zu stellen, wodurch sie mit dem Laufe der Zeit das Ansehen einer sehr ernsthaften, heiligen Sache gewinnen. Da heißt cs dann über tausend Zahre: „würde man denn so in „die Welt haben schreiben dürfen, wenn cs nicht wahr gewesen „wäre? Man hat diesen glaubwürdigen Männern damals nicht „widersprochen, und Ihr wollt Ihnen jetzt widersprechen?" Ern st. O Geschichte! O Geschichte! Was bist du? Falk. Andersons kahle Rhapsodie, in welcher die Historie der Baukunst für die Historie des Ordens untergeschoben wird, möchte noch hingehen! Für einmal und für damals mogte das gut seyn — dazu war die Gauckclcy so handgreiflich. — Aber daß man noch jetzt auf diesem morastigen Grunde fortbanct, daß 302 Srnst und Falk. man noch immer gedruckt behaupten will, was man mündlich gegen einen ernsthaften Mann vorzugeben sich schämt, daß man zu Fortsetzung eines Scherzes, den man längst hätte sollen fallen lasse», sich eine torgei^ erlaubt, auf welche, wenn sie ein nichtswürdiges bürgerliches Interesse betrifft, die pillc»^ steht — Ernst. Wenn es denn nun aber wahr wäre, daß hier mehr als Wortspiel vorwaltete? Wenn es nun wahr wäre, daß das Geheimniß des Ordens sich von Alters her unter dem homonymen Handwerke vorncmlich erhalten hätte? — Falk. Wenn es wahr wäre? Ernst. Und muß es nicht wahr seyn? — Denn wie käme der Orden sonst dazu, die Symbole eben dieses Handwerks zu entlehnen? Eben dieses? Und warum keines andern? Falk. Die Frage ist allerdings verfänglich. Ernst. Ein solcher Umstand muß doch eine Ursache haben? Falk. Und hat sie. Ernst. Und hat sie? Und hat eine andere Ursache, als jene vermeinte? Falk. Eine ganz andre. Ernst. Soll ich rathen, oder darf ich fragen? Falk. Wenn Du mir schon eher eine ganz andere Frage gethan hättest, die ich längst erwarten mußte, so würde Dir das Rathen nun nicht schwer fallen. Ernst. Eine andere Frage, die Du längst hättest erwarten müssen? — Falk. Denn, wenn ich Dir sagte, daß das was Frcymaurercy ist, Funstcs Gespräch. 303 nicht inimcr Frcymaurcrcy gchcissen, was war natürlicher lind näher — Ernst. Als zu fragen, wie es sonst gchcissen? — ja wohl! — So frage ich cs denn nun. Falk. Wie die Frcymaurcrcy gchcissen, ehe sie Frcymaurercy hieß, fragst Du? — MassoiM) — Ernst. Nun ja freylich! IVIakonr^ auf Englisch — Falk. Auf Englisch nicht kluronr^ sondern I>I.is<:e-IUgrcmi^ erweiterte, an welcher Mcb- „rcrc Theil nehmen könnten?" — So dachte Wren, und die Frcymaurcrcy ward — Ernst! Wie ist Dir? Ernst. Wie einem Geblendeten. Falk. Geht Dir nun einiges Licht auf? Ernst. Einiges? Zuviel auf einmal. Falk. Begreifst Dn nun — Ernst. Zch bitte Dich Freund, nichts mehr! — Aber hast du nicht bald Verrichtungen in der Stadt? Falk. Wünschest Du mich da? Ernst. Wunsche? — nachdem Du mir versprochen — Falk. So hab ich der Verrichtungen daselbst genug — Noch einmal! ich werde mich über manches aus dem Gedächtnisse zu schwankend, zu unbefriedigend ausgedruckt haben — Untcr mci- nen Büchern sollst du sehen und greifen — Die Sonne geht unlcr, Du mußt in die Stadt. Lebe wohl! — Ernst. Eine andre gieng mir aus. Lebe wohl! N a ch r i ch t. Ein sechstes Gespräch, welches untcr diesen Freunden vorfiel, ist nicht so nachzubildcn. Abcr das Wcscntlichc davon ist zu crili- schcn Amncrkungcn übcr das fünftc Gespräch bestimmt, die man zur Zeit noch zurückhält. Die Erziehung des Menschengeschlechts. //aec smnia »>as die Erziehung bey dem einzeln Menschen ist, ist die Offenbarung bey dem ganzen Menschengeschlechte. H. 2. Erziehung ist Offenbarung, die dem einzeln Menschen geschieht: und Offenbarung ist Erziehung, die dem Menschengeschlechte geschehen ist, und noch geschieht. H. 3. Ob die Erziehung aus diesem Gesichtspunkte zu betrachten, in der Pädagogik Nutzen haben kann, will ich hier nicht untersuchen. Aber in der Theologie kann es gewiß sehr großen Nutzen haben, und viele Schwierigkeiten heben, wenn man sich die Offenbarung als eine Erziehung des Menschengeschlechts vorstellet. §. 4- Erziehung giebt dem Menschen nichts, was er nicht auch aus sich selbst haben könnte: sie giebt ihm das, was er aus sich selber haben könnte, nur geschwinder und leichter. Also giebt auch die Offenbarung dem Menschengeschlechte nichts, worauf die menschliche Vernunft, sich selbst überlassen, nicht auch komme» würde: sondern sie gab und giebt ihm die wichtigsten dieser Dinge nur früher. H. 6. Und so wie es der Erziehung nicht gleichgültig ist, in welcher Ordnung sie die Kräfte des Menschen entwickelt; wie sie dem Menschen nicht alles auf einmal beybringen kann: eben so hat auch Gott bey seiner Offenbarung eine gewisse Ordnung, ein gewisses Maaß halten müssen. 310 Die Erziehung des McnscheiigcschlcchlS, H. 6- Wenn auch der erste Mensch mit einem Begriffe von einem Einigen Gotte sofort ausgestattet wurde: so konnte doch dieser mitgetheilte, und nicht erworbene Begriff, unmöglich lange in seiner Lauterkeit bestehen. Sobald ihn die sich selbst überlassene menschliche Vernunft zu bearbeiten anfing, zerlegte sie den Einzigen Unermeßlichen in mehrere Ermcßlichcre, und gab jedem dieser Theile ein Merkzeichen. H. 7. So entstand natürlicher Weise Vielgötterei) und Abgötter-»). Und wer weiß, wie viele Millionen Zahrc sich die menschliche Vernunft noch in diesen Irrwegen würde herumgetrieben haben; ohngeachtet überall und zu allen Zeiten einzelne Menschen erkannten, daß es Zrrwegc waren: wenn es Gott nicht gefallen hätte, ihr durch einen neuen Stoß eine bessere Richtung zu geben. H. 8. Da er aber einem jeden einzeln Menschen sich nicht mehr offenbaren konnte, noch wollte: so wählte er sich ein einzelnes Voll: zu seiner besondern Erziehung; und eben das ungeschliffenste, das verwildertste, um mit ihm ganz von vorne anfangen zu können. §. 9. Dieß war das Israelitische Volk, von welchem man gar nicht einmal weiß, was es für einen Gottesdienst iu Acgyptcn hatte. Denn an dem Gottesdienste der Aegypticr durften so verachtete Sklaven nicht Theil nehmen: und der Gott seiner Väter war ihm gänzlich unbekannt geworden. H. 10- Vielleicht, daß ihm die Aegypticr allen Gott, alle Götter ausdrücklich untersagt hatten; es in den Glauben gestürzt hatten, es habe gar keinen Gott, gar keine Götter; Gott, Götter haben, sey nur ein Vorrecht der bessern Aegypticr: und das, um es mit so viel größerm Anscheine von Billigkeit tyrannisircn zu dürfen. — Machen Christen es mit ihren Sklaven noch itzt viel anders? — Die Erziehung des Menschengeschlechts. H. It. Diesem rohen Volke also ließ sich Gott anfangs blos als den Gott seiner Nätcr ankündigen, rim es mir erst mit der Zdcc eines auch ihm zustehenden Gottes bekannt und vertraut zu machen. 5- 12. Durch die Wunder, mit welchen er es aus Acgvpten führte, und in Kanaan einsetzte, bezeugte er sich ibm gleich darauf als einen Gott, der mächtiger sey, als irgend ein andrer Gott. §. 13. Und indem er fortfuhr, sich ihm als den Mächtigsten von allen zu bezeugen — welches doch nur einer seyn kann, — gewohnte er es allmälig zu dem Begriffe des LLinigen. H. 14. Aber wie weit war dieser Begriff dcS Einigen, noch unter dem wahren transcendentalen Begriffe des Einigen, welchen die Vernunft so spät erst aus dem Begriffe des Unendlichen mit Sicherheit schließen lernen! §. 15. Zu dem wahren Begriffe des Einigen — wenn sich ihm anch schon die Besserem des Volks mehr oder weniger näherten — konnte sich doch das Volk lange nicht erheben: und dieses war die einzige wahre Ursache, warum es so oft seinen Einigen Gott verließ, und den Einigen, d. i. Mächtigsten, in irgend einem andern Gotte eines andern Volks zu finden glaubte. H. 10. Ein Volk aber, das so roh, so ungeschickt zu abgezognen Gedanken war, noch so völlig in seiner Kindheit war, was war es für einer moralischen Erziehung fähig? Keiner andern, als die dem Alter der Kindheit entspricht. Der Erziehung durch uinniltclbarc sinnliche Strafen und Belohnungen. H. 17. Auch hier also treffen Erziehung und Offenbarung zusammen. Noch konnte Gott seinem Volke keine andere Religion, kein anders Gesetz geben, als eines, durch dessen Beobachtung oder Nichtbeachtung es hier auf Erden glücklich oder unglücklich zu werden hoffte oder fürchtete. Denn weiter als auf dieses Leben gingen noch seine Blicke nicht. Es wußte von kei- 312 Die Erziehung des Menschengeschlechts. ner Unsterblichkeit der Seele; es sehnte sich nach keinem künftigen Leben. Ihm aber nun schon diese Dinge zu offenbaren, welchen seine Vernunft noch so wenig gewachsen war: was würde es bey Gott anders gewesen seyn, als der Fehler des eitcln Pädagogen, der sein Kind lieber übereilen und mit ihm prahlen, als gründlich unterrichten will. §. 18. Allein wozu, wird man fragen, diese Erziehung eines so rohen Volkes, eines Volkes, mit welchem Gott so ganz von vorne anfangen mußte? Zch antworte: um in der Folge der Zeit einzelne Glieder desselben so viel sichrer zu Erziehern aller übrigen Volker brauchen zu können. Er erzog in ihm die künftigen Erzieher des Menschengeschlechts. Das wurden Juden, das konnten nur Juden werden, nur Männer ans einem so erzogenen Volke. h. Denn weiter. Als das Kind unter Schlägen und Liebkosungen aufgewachsen und nun zu Jahren des Verstandes gekommen war, stieß es der Vater auf einmal in die Fremde; und hier erkannte es auf einmal das Gute, das es in seines Vaters Hause gehabt und nicht erkannt hatte. §. 20. Während daß Gott sein erwähltes Volk durch alle Staffeln einer kindischen Erziehung führte: waren die andern Völker des Erdbodens bey dem Lichte der Vernunft ihren Weg fortgegangen. Die meisten derselben waren weit hinter dem erwählten Volke zurückgeblieben: nur einige waren ihm zuvorgekommen. Und auch das geschieht bey Kindern, die man für sich aufwachsen läßt; viele bleiben ganz roh; einige bilden sich zum Erstaunen selbst. §. 21. Wie aber diese glücklichern Einige nichts gegen den Nutzen und die Nothwendigkeit der Erziehung beweisen: so beweisen die wenigen heidnischen Völker, die selbst in der Erkenntniß Gottes vor dem erwählten Volke noch bis itzt einen Aorsprung zu haben schienen, nichts gegen die Offenbarung. Das Kind der Erziehung fängt mit langsamen aber sichern Schritten an; es höhlt manches glücklicher organisirtc Kind der Natur spät ei»; Tie Erziehung des Menschengeschlechts. 313 aber es höhlt es doch ei», tyid ist alsdann nie wieder von ihm einzuholen. H. 22. Ans gleiche Weise. Daß, — die Lehre von der Einheit Gottes bey Seite gesetzt, welche in den Büchern des Alten Testaments sich findet, und sich nicht findet — daß, sage ich, wenigstens die Lehre von der Unsterblichkeit der Seele, und die damit verbundene Lehre von Strafe und Belohnung in einem künftigen Leben, darinn völlig fremd sind: beweiset eben so wenig wider den göttlichen Ursprung dieser Bücher. Es kann dem ohnge- achtct mit allen darinn enthaltenen Wundern und Prophczcyun- gcn seine gute Richtigkeit haben. Denn laßt uns setzen, jene Lehren würden nicht allein darinn vermißt, jene Lehren wären auch sogar nicht einmal wahr; laßt uns setzen, es wäre wirklich für die Menschen in diesem Leben alles aus: wäre darum das Daseyn Gottes minder erwiesen ? stünde es darum Gottc minder frey, würde es darum Gotte minder ziemen, sich der zeitlichen Schicksale irgend eines Volks aus diesem vergänglichen Geschlechte unmittelbar anzunehmen? Die Wunder, die er für die Juden that, die Prophezcyungen, die er durch sie aufzeichnen ließ, waren ja nicht blos für die wenigen sterblichen Zuden, zu deren Zeiten sie geschahen und aufgezeichnet wurden: er hatte seine Absichten damit auf das ganze Jüdische Volk, auf das ganze Mcnschcngcscklccht, die hier auf Erden vielleicht ewig dauern sollen, wenn schon jeder einzelne Jude, jeder einzelne Mensch auf immer dahin stirbt. H. 23. Noch einmal. Der Mangel jener Lehren in den Schriften des Alten Testaments beweiset wider ihre Göttlichkeit nichts. Moses war doch von Gott gesandt, obschon die Sanktion seines Gesetzes sich nur auf dieses Leben erstreckte. Denn warum weiter? Er war ja nur an das Israelitische Volk, an das damalige Israelitische Volk gesandt: und sein Auftrag war den Kenntnissen, den Fähigkeiten, den Neigungen dieses damaligen Israelitischen Volks, so wie der Bestimmung des künftigen, vollkommen angemessen. Das ist genug. 31! Die Erziehung des Menschengeschlechts, H. 24. So weit hatte Marburton auch nur gehen müssen, nnd nicht weiter. Aber der gelehrte Mann überspannte den Bogen. Nicht zufrieden, daß der Mangel jener Lehren der göttlichen Sendung Mosis nichts schade: er sollte ihm die göttliche Sendung Mosis sogar beweisen. Und wenn er diesen Beweis noch aus der Schicklichkcit eines solchen Gesetzes für ein solches Volk zu führen gesucht hätte! Aber er nahm seine Zuflucht zu einem von Mose bis auf Christum ununterbrochen fortdaurcndcn Wunder, nach welchem Gott einen jeden einzeln Zuden gerade so glücklich oder unglücklich gemacht habe, als es dessen Gehorsam oder Ungehorsam gegen das Gesetz verdiente. Dieses Wunder habe den Mangel jener Lehren, ohne welche kein Staat bestehen könne, ersetzt; und eine solche Ersetzung eben beweise, was jener Mangel, auf den ersten Anblick, zu verneinen scheine. §. 25. Wie gut war es, daß lVarburton dieses anhaltende Wunder, in welches er das Wesentliche der Israelitischen Thcokratic setzte, durch nichts erhärten, durch nichts wahrscheinlich machen kon»tc. Denn hätte er das gekonnt; wahrlich — als- denn erst hätte er die Schwierigkeit unauflöslich gemacht. — Mir wenigstens. — Denn was die Göttlichkeit der Sendung Mosis wieder herstellen sollte, würde an der Sache selbst zweifelhaft gemacht haben, die Gott zwar damals nicht mittheilen, aber doch gewiß auch nicht erschweren wollte. H. 26. Zch erkläre mich an dem Gcgenbildc der Offenbarung. Ein Elemcutarbnch für Kinder, darf gar wohl dieses oder jenes wichtige Stück der Wissenschaft oder Kunst, die es vorträgt, mit Stillschweigen übergehen, von dem der Pädagog urtheilte, daß es den Fähigkeiten der Kinder, für die er schrieb, noch nicht angemessen sey. Aber es darf schlechterdings nichts enthalten, was den Kindern den Weg zu den zurückbchallnc» wichtigen Stücken versperre oder verlege. Vielmehr müssen ihnen alle Zugänge zu denselben sorgfältig offen gelassen werden: und sie nur von einem einzigen dieser Zugänge ableiten, oder verursachen, daß sie denselben später betreten, würde allein die Die Erziehung des Menschengeschlechts. 316 Unvollständigkcit des ElemcntarbuchS zu einem wesentlichen Fehler desselben machen. H- 27. Also mich konnten in den Schriften des Alten Testaments, in diesen Elcmentarbuchcrn für das rohe und im Denken ungeübte Israelitische Volk, die Lehre von der Unsterblichkeit der Seele und künftigen Vergeltung gar wohl mangeln: aber enthalten durften sie schlechterdings nichts, was das Volk, für das sie geschrieben waren, auf dem Wege zu dieser großen Wahrheit auch nur verspätet hätte. Und was hätte es, wenig zu sagen, mehr dahin verspätet, als wenn jene wunderbare Vergeltung in diesem Leben darum wäre versprochen, und von dem wäre versprochen worden, der nichts verspricht, was er nicht hält? H. 28. Denn, wenn schon ans der ungleichen Austheilung der Güter dieses Lebens, bey der auf Tugend und Laster so wenig Rücksicht genommen zu seyn scheinet, eben nicht der strengste Beweis für die Unsterblichkeit der Seele und für ein anders Leben, in welchem jener Knoten sich auflöse, zu führen: so ist doch"wohl gewiß, daß der menschliche Verstand ohne jenem Knoten noch lange nicht — und vielleicht auch nie — auf bessere und strengere Beweise gekommen wäre. Denn was sollte ihn antreiben können, diese bessern Beweise zu suchen? Die blosse Ncugicrde? H. 29. Der und jener Zsraclite mochte freylich wohl die göttlichen Versprechungen und Androhungen, die sich auf den gesanmitcn Staat bezogen, auf jedes einzelne Glied desselben erstrecken, und in dem festen Glauben stehen, daß wer fromm sey auch glücklich seyn müsse, und wer unglücklich sey, oder werde, die Strafe seiner Missethat trage, welche sich sofort wieder in Segen verkehre, sobald er von seiner Missethat ablasse. — Ein solcher scheinet den Hiob geschrieben zu haben; dem? der Plan desselben ist ganz in diesem Geiste. — §. 30. Aber unmöglich durste die tägliche Erfahrung diesen Glauben bestärken: oder es war auf immer bey dem Volke, das diese 316 Die erjichung des Menschengeschlechts. Erfahrung hatte, auf immer um die Erkennung und Aufnahme der ihm noch ungcläufigen Wahrheit geschehen. Denn wenn der Fromme schlechterdings glücklich war, und es zu seinem Glücke doch wohl auch mit gehörte, daß seine Zufriedenheit keine schrecklichen Gedanken des Todes unterbrachen, daß er alt und lebenssatt starb: wie konnte er sich nach einem andern Leben sehnen? wie konnte er über etwas nachdenken, wornach er sich nicht sehnte? Wenn aber der Fromme darüber nicht nachdachte: wer sollte es denn? Der Böscwicht? der die Strafe seiner Missethat fühlte, und wenn er dieses Leben verwünschte, so gern auf jedes andere Leben Verzicht that? H. 31. Weit weniger verschlug es, daß der und jener Zsraclite die Unsterblichkeit der Seele und künftige Vergeltung, weil sich daS Gesetz nicht darauf bezog, gerade zu und ausdrücklich leugnete. Das Leugnen eines Einzeln — wäre es auch ein Salomo gewesen, — hielt den Fortgang des gemeinen Verstandes nicht auf, und war an und für sich selbst schon ein Beweis, daß das Volk nun einen großen Schritt der Wahrheit näher gekommen war. Denn Einzelne leugnen nur, was Mehrere in Ucbcrlegung ziehen; lind in Ucbcrlegung ziehen, warum man sich vorher ganz und gar nicht bekümmerte, ist der halbe Weg zur Erkenntniß. H. 32. Laßt uns auch bekennen, daß es ein heroischer Gehorsam ist, die Gesetze Gottes beobachten, blos weil es Gottes Gesetze sind, und nicht, weil er die Beobachter derselben hier und dort zu belohnen vcrhcisscn hat; sie beobachten, ob man schon an der künftigen Belohnung ganz verzweifelt, und der zeitlichen auch nicht so ganz gewiß ist. §. 33. Ein Volk, in diesem heroischen Gehorsame gegen Gott erzogen, sollte es nicht bestimmt, sollte es nicht vor allen andern fähig seyn, ganz besondere göttliche Absichten auszuführen? — Laßt den Soldaten, der seinem Führer blinden Gehorsam leistet, nun auch von der Klugheit seines Führers überzeugt werden, und sagt, was dieser Führer mit ihm auszuführen sich nicht unterstehen darf? — Die Erziehung des Menschengeschlechts. 347 H. 34. Noch hatte das Jüdische Volk in seinem Zchova mehr den Mächtigsten, als den Weisesten aller Götter verehrt; noch hatte rs ihn als einen eifrigen Gott mehr gefürchtet, als geliebt: anch dieses zum Beweise, daß die Begriffe, die es von seinem höchsten einigen Gott hatte, nicht eben die rechten Begriffe waren, die wir von Gott haben müssen. Doch nun war die Zeit da, daß diese seine Begriffe erweitert, veredelt, berichtiget werden sollten, wozu sich Gott eines ganz natürlichen Mittels bediente; eines bessern richtigern Maaßstabcs, nach welchem es ihn zu schätzen Gelegenheit bekam. H. 35. Anstatt daß es ihn bisher nur gegen die armseligen Götzen der kleinen benachbarten rohen Völkerschaften geschätzt hatte, mit welchen es in beständiger Eifersucht lebte: fing es in der Gefangenschaft unter dem weisen Perser an, ihn gegen das Wesen aller Wesen zu messen, wie das eine geübtere Vernunft erkannte und verehrte. §. 36. Die Offenbarung hatte seine Vernunft geleitet, und nun erhellte die Vernunft auf einmal seine Offenbarung. H- 37. Das war der erste wechselseitige Dienst, den beyde einander leisteten; und dem Urheber beyder ist ein solcher gegenseitiger Einfluß so wenig unanständig, daß ohne ihm eines von beyden überflüssig seyn würde. H. 38. Das in die Fremde geschickte Kind sahe andere Kinder, die mehr wußten, die anständiger lebten, und fragte sich beschämt: warum weiß ich das nicht auch? warum lebe ich nicht auch so? Hätte in meines Vaters Hause man mir das nicht auch beybringen; dazu mich nicht auch anhalten sollen? Da sucht es seine Elcmentarbüchcr wieder vor, die ihm längst zum Ekel geworden, um die Schuld auf die Elcmentarbüchcr zu schieben. Aber siehe! es erkennet, daß die Schuld nicht an den Büchern liege, daß die Schuld lcdig sein eigen sey, warum es nicht längst cbcn das wisse, eben so lebe. 3l8 Tie Erziehung des Mcnschciigeschlcchts. §. 39. Da die Jndc» nunmchr, auf Veranlassung der reinern persischen Lehre, in ihrem Ichova nicht blos den größten aller Narionalgöttcr, sondern Gott erkannten; da sie ihn als solchen in ihren wieder hcrvorgcsuchtcn heiligen Schriften um so eher finden und andern zeigen konnten, als er wirklich darum war; da sie vor allen sinnlichen Vorstellungen desselben einen eben so großen Abscheu bezeugten, oder doch in diesen Schriften zu haben angewiesen wurden, als die Perser nur immer hatten: was Wunder, daß sie vor den Augen des Cyrus mit einem Gottesdienste Gnade fanden, den er zwar noch weit unter dem reinen Sabeismus, aber doch auch weit über die groben Abgöttereien zu seyn erkannte, die sich dafür des vcrlaßncn Landes der Juden bemächtiget hatten? H. 40. So erleuchtet über ihre eignen unerkannten Schätze kamen sie zurück, und wurden ein ganz andres Volk, dessen erste Sorge es war) diese Erleuchtung unter sich dauerhaft zu machen. Bald war an Abfall und Abgöttcrey unter ihm nicht mehr zu denken. Denn man kann einem Nationalgott wohl untreu werden, aber nie Gott, so bald man ihn einmal erkannt hat. H. 4t. Die Gottcsgclehrren haben diese gänzliche Veränderung des jüdischen Volks verschiedentlich zu erklären gesucht; und Einer, der die Unzulänglichkeit aller dieser verschicdnen Erklärungen sehr wohl gezeigt hat, wollte endlich „die augenscheinliche Erfüllung der über die Babylonische Gefangenschaft nnd die Wiederherstellung aus derselben ausgcsprochucn und ausgeschriebnen „Weissagungen," für die wahre Ursache derselben angeben. Aber auch diese Ursache kann nur in so fern die wahre seyn, als sie die mm erst veredelten Begriffe von Gott voraus setzt. Die Juden mußten nun erst erkannt haben, daß Wundcrthun und das Künftige vorhersagen, nur Gott zukomme; welches bcydcS sie sonst auch den falschen Götzen beygeleget hatten, wodurch eben Wunder und Weissagungen bisher nur einen so schwachen, vergänglichen Eindruck auf sie gemacht hatten. ?ie erjiehmig des Menschengeschlechts^ 3l9 §. 42. Ohne Zweifel waren die Zndcn unter den Chaldäcrn und Persern auch mit der Lehre von der Unsterblichkeit der Seele bekannter geworden. Vertrauter mit ihr wurden sie in den Schulen der Griechischen Philosophen in Aegypten. H. 43. Doch da cs mit dieser Lehre, in Ansehung ihrer heiligen Schriften, die Vewandniß nicht hatte, die es mit der Lehre von der Einheit und den Eigenschaften Gottes gehabt hatte; da jene von dem sinnlichen Volke darinn war gröblich übersehen worden, diese aber gesucht seyn wollte; da auf diese noch Vorübungen nöthig gewesen waren, und also nur Anspielungen und Fingerzeige Statt gehabt hatten: so konnte der Glaube an die Unsterblichkeit der Seele natürlicher Weise nie der Glaube des gcsammten Volks werden. Er war und blieb nur der Glaube einer gewissen Sekte desselben. H. 44. Eine Vorübung auf die Lehre von der Unsterblichkeit der Seele, nenne ich z. E. die göttliche Androhung, die Missethat des Vaters an seinen Kindern bis ins dritte und vierte Glied zu strafen. Dieß gewöhnte die Väter in Gedanken mit ihren spätesten Nachkommen zu leben, und das Unglück, welches sie über diese Unschuldige gebracht hatten, voraus zu fühlen. §. 45. Eine Anspielung nenne ich, was blos die Ncugicrdc reizen und eine Frage veranlassen sollte. Als die oft vorkommende Redensart, ;n seinen Vätern versammlet rverven, für sterben. H. 4ti. Einen Fingerzeig nenne ich, was schon irgend einen Keim enthält, aus welchem sich die noch zurückgehaltn- Wahrheit entwickeln läßt. Dergleichen war Christi Schluß aus der Benennung Gott Abrahams, Iiaacs unv Jacobs. Dieser Fingerzeig scheint mir allerdings in einen strenget, Beweis ausgebildet werden zu können. H. 47. Zn solchen Vorübungen, Anspielungen, Fingerzeigen besteht die positive Vollkommenheit eines Elcmcntarbuchs; so wie die 320 Die Erziehung des Menschengeschlechts. oben erwähnte Eigenschaft, daß es den Weg zu den noch zurückgehaltenen Wahrheiten nicht erschwere, oder versperre, die negative Vollkommenheit desselben war. §- 48. Setzt hierzu noch die Einkleidung und den Stil — 1) die Einkleidung der nicht wohl zu übergehenden abstrakten Wahrheiten in Allcgoriecn und lehrreiche einzelne Falle, die als wirklich geschehen erzählet werden. Dergleichen sind die Schöpfung, unter dem Bilde des werdenden Tages; die Quelle des moralischen Bösen, in der Erzählung vom vcrbotncn Baume; der Ursprung der mancherley Sprachen, in der Geschichte vom Thurmbaue zu Babel, u. s. w. §. 4l>. 2) den Stil — bald plan und einfältig, bald poetisch, durchaus voll Tavtologiecn, aber solchen, die den Scharfsinn üben, indem sie bald etwas anders zu sagen scheinen, und doch das nehmliche sagen, bald das nehmliche zu sagen scheinen, und im Grunde etwas anders bedeuten oder bedeuten können: — §. 5«. Und ihr habt alle gute Eigenschaften eines Elementarbuchö sowol für Kinder, als für ein kindisches Volk. H. 6t. Aber jedes Elementarbuch ist nur für ein gewisses Alter. Das ihm entwachsene Kind länger, als die Meinung gewesen, dabey zu verweilen, ist schädlich. Denn um dieses auf eine nur cinigermaassen nützliche Art thun zu können, muß man mehr hineinlegen, als darinn liegt; mehr hineintragen, als es fassen kann. Man muß der Anspielungen und Fingerzeige zu viel suchen und machen, die Allcgoriecn zu genau ausschütteln, die Beyspiele zu umständlich deuten, die Worte zu stark pressen. Das giebt dem Kinde einen kleinlichen, schiefen, spitzfindigen Verstand; das macht es gchcimnißrcich, abergläubisch, voll Verachtung gegen alles Faßliche und Leichte. H. 52. Die nehmliche Weise, wie die Rabbine» ihre heiligen Bücher behandelten! Der nehmliche Charakter, den sie dem Geiste ihres Volks dadurch ertheilten! Die Erziehung des Menschengeschlechts. 321 §. 63. Ein bcssrer Pädagog muß kommen, und dem Kinde das erschöpfte Elcmentarbuch aus den Händen reißen. — Ebristus kam. H. 64. Der Theil des Menschengeschlechts, den Gott in LLinen Erziehungsplan hatte fassen wollen — Er hatte aber nur denjenigen in Einen fassen wollen, der durch Sprache, durch Handlung, durch Regierung, durch andere natürliche und politische Verhältnisse in sich bereits verbunden war — war zu dem zweiten großen Schritte der Erziehung reif. H. 66. Das ist: dieser Theil des Menschengeschlechts war in der Ausübung seiner Vernunft so weit gekommen, daß er zu seinen moralischen Handlungen edlere, würdigere Bewcguugsgründe bedürfte und brauchen konnte, als zeitliche Belohnung und Strafen waren, die ihn bisher geleitet hatten. Das Kind wird Knabe. Lcckcrcy und Spiclwcrk weicht der aufkeimenden Begierde, eben so frei', eben so geehrt, eben so glücklich zu werden, als es sein älteres Geschwister sieht. H. 66. Schon längst waren die Bessern von jenem Theile des Menschengeschlechts gcwobnt, sich durch einen Schatten solcher edler» BcwegungSgründe regieren zu lassen. Um nach diesem Lieben auch nur in dem Andenken seiner Mitbürger fortzuleben, tbat der Grieche und Römer alles. §. 67. Es war Zeit, daß ein andres wahres nach diesem Leben zu gcwärtigcndes Leben Einfluß auf seine Handlungen gewönne. H. 58. Und so ward LhristuS der erste zuverlässige, praktische Lcbrcr der Unsterblichkeit der Seele. H. 6«). Der erste zuverlässige Lehrer. — Zuverlässig durch die Weissagungen, die in ihm erfüllt schienen; zuverlässig durch die Wunder, die er verrichtete; zuverlässig durch seine eigene Wiederbelebung nach einem Tode, durch den er seine Lehre versiegelt balte. Ob wir noch ilzt diese Wiederbelebung, diese Wuu- >.'cslin^ Wett-x. 21 322 Die Erziehung des Menschengeschlechts. der beweisen können: das lasse ich dahin gestellt seyn. So, wie ich es dahin gestellt seyn lasse, wer die Person dieses Christus gewesen. Alles das kann damals zur Annehmnng seiner Lehre wichtig gewesen seyn: itzt ist es zur Erkennung der Wahrheit dieser Lehre so wichtig nicht mehr. §. 60. Der erste praktische Lehrer. — Denn ein anders ist die Unsterblichkeit der Seele, als eine philosophische Spcculation, vermuthen, wünschen, glauben: ein anders, seine innern und äussern Handlungen darnach einrichten. H. kl. Und dieses wenigstens lehrte Christus zuerst. Denn ob es gleich bey manchen Völkern auch schon vor ihm eingeführter Glaube war, daß böse Handlungen noch in jenem Leben bestraft würden: so waren es doch nur solche, die der bürgerlichen Gesellschaft Nachtheil brachten, und daher auch schon in der bürgerlichen Gesellschaft ihre Strafe hatten. Eine innere Reinigkeit des Herzens in Hinsicht auf ein andres Leben zu empfehlen, war ihm allein vorbehalten. tz. 62. Seine Jünger babcn diese Lehre getreulich fortgepflanzt. Und wenn sie auch kein ander Verdienst hätten, als daß sie einer Wahrheit, die Christus nur allein für die Juden bestimmt zu haben schien, einen allgemeinem Umlauf unter mchrcrn Völkern vcrschaft hatten: so waren sie schon darum unter die Pfleger und Wohlthäter des Menschengeschlechts zu rechnen. H- 63. Daß sie aber diese Eine große Lehre noch mit andern Lcb- ren versetzten, deren Wahrheit weniger einleuchtend, deren Nutzen weniger erheblich war: wie konnte das anders seyn? Laßt uns sie darum nicht schelten, sondern vielmehr mit Ernst untersuchen: ob nicht selbst diese beigemischten Lehren ein neuer Richrungostoß für die menschliche Vernunft geworden. §. 6Z. Wenigstens ist es schon aus der Erfahrung klar, daß die Ncutestamcntlichen Schriften, in welchen sich diese Lehren nach einiger Zeit aufbewahret fanden, das zweyte bcßrc Elementar- Die Erziehung des Menschengeschlechts. 323 buch für das Menschengeschlecht abgegeben haben, nnd noch abgeben. h. 65. Sie haben seit siebzehnhnndert Jahren den menschlichen Verstand mehr als alle andere Bücher beschäftiget? mehr als alle andere Bücher erleuchtet, sollte es auch nur durch das Licht seyn, welches der menschliche Verstand selbst hineintrug. §. 66. Unmöglich hätte irgend ein ander Buch unter so verschied- nen Völkern so allgemein bekannt werden können: und unstreitig hat das, daß so ganz ungleiche Denkungsartcn sich mit diesem nehmlichen Buche beschäftigten, den menschlichen Verstand mehr fortgeholfen, als wenn jedes Volk für sich besonders sein eignes Elcmentarbuch gehabt hätte. H. 67. Auch war es höchst nöthig, daß jedes Volk dieses Buch eine Zeit lang für das Non plus ultra seiner Erkenntnisse halten mußte. Denn dafür muß auch der Knabe sein Elementarbuch vors erste ansehen, damit die Ungeduld, nur fertig zu werden, ihn nicht zu Dingen fortreißt, zu welchen er noch keinen Grund gelegt hat. H. 68. Und was noch itzt höchst wichtig ist: — Hüte dich, du fähigeres Individuum, der du an dem letzten Blatte dieses Elcmentarbuchcs stampfest und glühest, hüte dich, es deine schwächere Mitschüler merken zu lassen, was du witterst, oder schon zu sehn beginnest. §. 69. . Bis sie dir nach sind, diese schwächere Mitschüler; — kehre lieber noch einmal selbst in dieses Elcmentarbuch zurück, und untersuche, ob das, was du nur für Wendungen der Methode, für Lückcnbüsscr der Didaktik hältst, auch wohl nicht etwas Mchrers ist. §. 7». Du hast in der Kindheit des Menschengeschlechts an der Lehre von der Einheit Gottes gesehen, daß Gott auch bloße Vernunftswahrheiten unmittelbar offenbaret; oder verstattet und 21» 324 Die Erziehung des Menschengeschlechts. einleitet, daß bloße Wcrnunftswahrhcitcn als unmittelbar geoffenbarte Wahrheiten eine Zeit lang gclchrct werden: um sie geschwinder zn verbreiten, und sie fester zu gründen. h. 74. Du erfährst, in dem Knabenalter des Menschengeschlechts, an der Lehre von der Unsterblichkeit der Seele, das Nehmliche. Sie wird in dem zweyten bessern Elcmcntarbuchc als Offenbarung gcprcvigcr, nicht als Resultat menschlicher Schlüsse gclchrer. §. 72. So wie wir zur Lehre von der Einheit Gottes nunmehr des Alten Testaments entbehren können; so wie wir allmä'lig, zur Lehre von der Unsterblichkeit der Seele, mich des Neuen Testaments entbehren zu können anfangen: könnten in diesem nicht noch mehr dergleichen Wahrheiten vorgespiegelt werden, die wir als Offenbarungen so lange anstaunen sollen, bis sie die Verminst aus ihren andern ausgemachten Wahrheiten herleiten und mit ihnen verbinden lernen? §- 73. Z. E. die Lehre von der Dreyeinigkeit. — Wie, wenn diese Lehre den menschlichen Verstand, nach unendlichen Vcrirrungcn rechts und links, nur endlich auf den Weg bringen sollte, zu erkennen, daß Gott in dem Verstände, in welchem endliche Dinge eins sind, unmöglich eins seyn könne; daß auch seine Einheit eine transcendentale Einheit seyn müsse, welche eine Art von Mehrheit nicht ausschließt? — Muß Gott wenigstens nicht die vollständigste Vorstellung von sich selbst haben? d. i. eine Vorstellung, in der sich alles befindet, was in ihm selbst ist. Würde sich aber alles in ihr finden, was in ihm selbst ist, wenn auch von seiner nothwendigen Wirr'lichr'clt, so wie von seinen übrigen Eigenschaften, sich blos eine Vorstellung, sich blos eine Möglichkeit fände? Diese Möglichkeit erschöpft das Wesen seiner übrigen Eigenschaften: aber auch seiner nothwendigen Wirklichkeit? Mich dünkt nicht. — Folglich kann entweder Gott gar keine vollständige Vorstellung von sich selbst haben: oder diese vollständige Vorstellung ist eben so nothwendig wirklich, als er es selbst ist zc. — Freylich ist das Bild von mir im Spiegel nichts als eine leere Vorstellung von mir, weil cS nur das von Die Erziehung des Menschengeschlechts. 326 nur hat, wovon Lichtstrahlen auf seine Fläche fallen. Aber wenn denn nun dieses Bild alles, alles ohne Ausnahme hätte, was ich selbst habe: würde es sodann auch noch eine leere Vorstellung, oder nicht vielmehr eine wahre Verdopplung meines Selbst seyn? — Wenn ich eine ähnliche Verdopplung in Gott zu erkennen glaube: so irre ich mich vielleicht nicht so wohl, als daß die Sprache meinen Begriffen unterliegt; und so viel bleibt doch immer unwidcrsprcchlich, daß diejenigen, welche die Zdcc davon populär machen wollen, sich schwerlich faßlicher und schicklicher hätten ausdrücken können, als durch die Benennung eines Sohnes, den Gott von Ewigkeit zeugt. §- 74. Und die Lehre von der Erbsünde. — Wie, wenn uns endlich alles überführte, daß der Mensch auf der ersten und niedrigsten Stufe seiner Menschheit, schlechterdings so Herr seiner Handlungen nicht sey, daß er moralischen Gesetzen folgen könne? H. 75. Und die Lehre von der Genugthuung des Sohnes. — Wie, wenn uns endlich alles nöthigte, anzunehmen: daß Gott, ungeachtet jener ursprünglichen Unvcrmögcnhcit des Menschen, ihm dennoch moralische Gesetze lieber geben, und ihm alle Ucbcrtrc- tungcn, in Rücksicht auf seinen Sohn, d. i. in Rücksicht auf den sclbstständigcn Umfang aller seiner Vollkommenheiten, gegen den und in dem jede Unvollkommcnhcit des Einzeln verschwindet, lieber verzeihen wollen; als daß er sie ihm nicht geben, und ihn von aller moralischen Glückseligkeit ausschiicsscn wollen, die sich ohne moralische Gesetze nicht denken läßt? H. 76. Man wende nicht ein, daß dergleichen Vcrnünstclcycn über die Geheimnisse der Religion untersagt sind. — Das Wort Geheimniß bedeutete, in den ersten Zeiten des Christenthums, ganz etwas anders, als wir itzt darunter verstehen; und die Ausbildung geoffenbarter Wahrheiten in Vcrnunftswahrhcitcn ist schlechterdings nothwendig, wenn dem menschlichen Geschlechte damit geholfen seyn soll. Als sie gcoffcnbarct wurden, waren sie freylich noch keine Vcrnunftswahrheitcn; aber sie wurden gcoffcnbarct, um cs zu werden. Sie waren gleichsam das I?aclt, 32k Die Erziehung des Menschengeschlechts. welches der Rechenmeister seinen Schulen, voraus sagt, damit sie sich im Rechnen cinigermaassen darnach richten können. Wollten sich die Schüler an dem voraus gesagten ?acit begnügen: so würden sie nie rechnen lernen, und die Absicht in welcher der gute Meister ihnen bey ihrer Arbeit einen Leitfaden gab, schlecht erfüllen. h. 77. Und warum sollten wir nicht auch durch eine Religion, mit deren historischen Wahrheit, wenn man will, es so mißlich aussieht, gleichwohl auf nähere und bessere Begriffe vom göttlichen Wesen, von unsrer Natur, von unsern Verhältnissen zu Gott, geleitet werden können, auf welche die menschliche Vernunft von selbst nimmermehr gekommen wäre? H. 78. Es ist nicht wahr, daß Spcculationcn über diese Dinge jemals Unheil gestiftet, und der bürgerlichen Gesellschaft nachthci- lig geworden. — Nicht den Spcculationcn: dcm Unsinnc, der Tyranney, diesen Spcculationcn zu steuern; Menschen, die ihre eigenen hatten, nicht ihre eigenen zu gönnen, ist dieser Aor- wurf zu machen. H. 79. Vielmehr sind dergleichen Spcculationcn — mögen sie im Einzeln doch ausfallen, wie sie wollen — unstreitig die schick- licdsren Uebungen des menschliche» Verstandes überhaupt, so lange das menschliche Herz überhaupt, höchstens nur vermögend ist, die Tugend wegcn ihrcr cwigcn glückseligen Folgen zu lieben. H. 80. Denn bey dieser Eigennützigkeit des menschlichen Herzens, auch den Verstand, nur allein an dem üben wollen, was unsere körperlichen Bedürfnisse bctrift, würde ihn mehr stumpfen, als wetzen hcisscn. Er will schlechterdings an geistigen Gegenständen geübt scvn, wenn cr zu seiner völligen Ausklärung gelangen, und diejenige Reinigkeit des Herzens hervorbringe» soll, die uns, die Tugend um ihrcr selbst willen zu licbcn, fähig macht. §. 81. Oder soll das menschliche Geschlecht auf diese höchste Stufen der Aufklärung und Reinigkeit nie kommen? Nie ? Tie Erziehung des Menschengeschlechts. 327 §. 82. Nie? — Laß mich diese Lästerung nicht denken, Allgütigcr! — Die Erziehung hat ihr Ziel: bey dem Geschlechte nicht weniger als bey dem Einzeln. Was erzogen wird, wird zu Etwas erzogen. §. 83. Die schmeichelnden Aussichten, die man dem Jünglinge eröffnet; die Ehre, der Wohlstand, die man ihm vorspiegelt: was sind sie mehr, als Mittel, ihn zum Manne zu erziehen, der auch dann, wenn diese Aussichten der Ehre und des Wohlstandes wegfallen, seine Pflicht zu thun vermögend sey. H. 84. Darauf zweckte die menschliche Erziehung ab: und die göttliche reichte dahin nicht? Was der Kunst mit dem Einzeln gelingt, sollte der Natur nicht auch mit dem Ganzen gelingen? Lästerung! Lästerung! §. 86. Nein; sie wird kommen, sie wird gewiß kommen, die Zeit der Vollendung, da der Mensch, je überzeugter sein Verstand einer immer bessern Zukunft sich sühlct, von dieser Zukunft gleichwohl Bcwcgungsgründc zu seinen Handlungen zu erborgen, nicht nöthig haben wird; da er das Gute thun wird, weil es das Gute ist, nicht weil willkührlichc Belohnungen darauf gesetzt sind, die seinen flatterhaften Blick ehedem blos heften und stärken sollten, die innern bessern Belohnungen desselben zuerkennen. §. 86. Sie wird gewiß kommen, die Zeit eines neuen ewigen Evangeliums, die uns selbst iu den Elemcntarbüchcrn des Neuen Bundes versprochen wird. §. 87. Vielleicht, daß selbst gewisse Schwärmer des drcyzchntcn und vierzehnten Jahrhunderts einen Strahl dieses neuen ewigen Evangeliums aufgefangen hatten; und nur darin» irrten, daß sie den Ausbruch desselben so nahe verkündigten. §. 88. Vielleicht war ihr dreyfaches Alter der IVclr keine so leere Grille; und gewiß hatten sie keine schlimme Absichten, wenn sie J28 Die Erziehung des Menschengeschlechts. lchrtm, daß der Neue Blind eben so wohl antlqniret werden müsse, als es der Alte geworden. Es blieb auch bey ihnen immer die nehmliche Ockonomie des nehmlichen Gottes. Znnncr — sie meine Sprache sprechen zn lassen — der nehmliche Plan der allgemeinen Erziehung des Menschengeschlechts. H. 89. Nur daß sie ihn übereilten; nur daß sie ihre Zeitgenossen, die noch kaum der Kindheit entwachsen waren, ohne Aufklärung, ohne Vorbereitung, mit Eins zu Männern machen zu können glaubten, die ihres dritten Feitalters würdig wären. H. 90. Und eben das machte sie zu Schwärmern. Der Schwärmer thut oft sehr richtige Blicke in die Zukunft: aber er kann diese Zukunft nur nicht erwarten. Er wünscht diese Zukunft beschleuniget; und wünscht, daß sie durch ihn beschleuniget werde. Wozu sich die Natur Jahrtausende Zeit nimmt, soll in dem Augenblicke seines Daseyns reifen. Denn was hat er davon, wenn das, was er für das Bessere erkennt, nicht noch bey seinen Lebzeiten das Bessere wird? Kömmt er wieder? Glaubt er wieder zu kommen? — Sonderbar, daß diese Schwärmerei) allein unter den Schwärmern nicht mehr Mode werden will! §. 9t. Geh deinen unmcrklichcn Schritt, ewige Vorsehung! Nur laß mich dieser Unmcrklichkcit wegen an dir nicht verzweifeln. — Laß mich an dir nicht verzweifeln, wenn selbst deine Schritte mir scheinen sollten, zurück zu gehen! — Es ist nicht wahr, daß die kürzeste Linie immer die gerade ist. §- 92. Du hast auf deinem ewigen Wege so viel mitzunehmen! so viel Seitenschritte zu thun! — Und wie? wenn es nun gar so gut als ausgemacht wäre, daß das große langsame Rad, welches das Geschlecht seiner Vollkommenheit näher bringt, nur durch kleinere schnellere Räder in Bewegung gesetzt würde, deren jedes sein Einzelnes eben dahin liefert? H. 93. Nicht anders! Eben die Bahn, auf welcher das Geschlecht zu seiner Vollkommenheit gelangt, muß jeder einzelne Mensch Tie Erziehung dcs Nkcnschcngeschlcchls. 329 (dcr früher, dcr später) erst durchlaufen habe». — „Zu einem „und eben demselben Leben durchlaufen haben? Kann er in „eben demselben Leben ein sinnlicher Jude und ein geistiger „Christ gewesen seyn? Kann er in eben demselben Leben beyde „überhöhtet haben?" §. 94. Das wohl nun nicht! — Aber warum könnte jeder einzelne Mensch auch nicht mehr als einmal auf dieser Welt vorhanden gewesen seyn? H. 96. Ist diese Hypothese darum so lächerlich, weil sie die älteste ist? weil der menschliche Verstand, ehe ihn die Sophistcrcy der Schule zerstreut und geschwächt hatte, sogleich darauf verfiel? H. 96. Warum könnte auch Ich nicht hier bereits einmal alle die Schritte zu meiner Vcrvollkommung gethan haben, welche blos zeitliche Strafen und Belohnungen den Menschen bringen können? H. 97. Und warum nicht ein andermal alle die, welche zu thun, uns die Aussichten in ewige Belohnungen, so mächtig helfen? h. 98. Warum sollte ich nicht so oft wiederkommen, als ich neue .Kenntnisse, neue Fertigkeiten zu erlangen geschielt bin? Bringe ich auf Einmal so viel weg, daß cS dcr Mühe wieder zu kommen etwa nicht lohnet? §. 99. Darum nicht? — Oder, weil ich es vergesse, daß ich schon da gewesen? Wohl mir, daß ich das vergesse. Die Erinnerung meiner vorige» Zustände, würde mir nur einen schlechten Gebrauch des gegcnwärligcn zu machen erlauben. Und was ich auf itzt vergessen muß, habe ich denn das auf ewig vergessen? §. 190. Oder, weil so zu viel Zeit für mich verloren gehen würde? — Verloren? — Und was habe ich denn zu versäume»? Ist nicht die ganze Ewigkeit mein? Zur Geschichte und Litteratur. Aus den Schätzen der Herzoglichen Bibliothek zu Wolfenbüttel. Fünfter Beytrag.") I 78 I. XXI. Ueber die sogenannten Fabeln aus den Zeiten der Minnesinger. Zweyte Entdeckung. Länger mnß ich die zweyte Entdeckung, die ich über die sogenannten Fabeln aus den Zeiten der Minnesinger gemacht °) Unter dem Titel „Neue Beyträge zur Historie und Litteratur" sollte die Fortsetzung der Beiträge erscheinen, von der die zweite Hälfte, Thcovhilus Presbyter und Maranjon, mit den Seitenzahlen 289 bis 660 dczeichnct, im Ansang des Jahrs 1780 fertig gedruckt war, die erste aber kurz vor Lcssings Tode begonnen ward. — Dies ergeben die Borrcden der Herausgeber Zoh, Zoach. Eschcuburg und Christian Leiste, welche die Fortsetzung als fünften und sechsten Beitrag 1781 besorgte». Auf einem Bialte unter den Breslauer Papieren findet sich, ohne Überschrift und sehr fluchtig geschrieben, diese Anordnung der neue» Beitrage. xxi. Zweyte Entdeckung. I. XX». Anonymus des Ncvclct. 2. XXlil. Fabeln des ^iviiieen»!». 2. XXIV. Fragment des Nenners. 2. XXV. Fabeln des Nenner XXVI. Fabel des Folz 2. XXVII Theophilus Presbyter 4. XXVIII. - XXIX. Federungen des Ungenannten. (Sollten die rechts beigesetzte» Ziffern etwa einen Überschlag der Bogenzahl bezeichnen, so müßte dieser Zettel wenigstens eher geschrieben sein als irgend etwas gedruckt war. Der ThcophiluS Presbyter füllt im Drucke »eunlc- halb Bogen.) Ueber die Fabeln aus d. Zeiten d. Minnes. 2te Eiildeckung. 331 habe, meinem Leser nicht schuldig bleiben. Sie bctrift, wie er schon weiß, den Namen des Dichters. Gottsched nehmlich hat versichert, ihn in einer Handschrift gefunden zu haben, welche unsere Bibliothek von diesen Fabeln aufbewahret. Und so, wie er ihn will gefunden haben, so wie er ihn daraus mittheilet, haben ihn selbst die Schweißer auf Treue und Glauben anzunehmen, kein Bedenken getragen. Unsere Handschrist, sagt er, sey auf Papier, habe schlechte zu den Fabeln gehörige Figuren, und sey so zerrissen und mangelhaft, daß bisweilen halbe, ja ganze Fabeln, nebst ihren Bildern fehlen. „Weswegen uns aber, fährt er fort, „dieser Braunschwei- „gische Eodcr lieb gewesen, ist dieses, daß er am Ende eine „Zahrzahl, lind ausserdem eine Erwähnung des Namens von „dem Dichter in sich hält: zu geschweige», daß er die allermeist» Fabeln i» sich begreift. Scher; hat nur 51 drucken las- „ scn; obwohl seine Handschrift noch mehrere gehabt. Die Wol- „ fcnbüttclschc aber begreift W Fabeln, und noch einen Beschluß, „den der Verfasser, wie die Fabeln selbst, das XLI. Capitel „nennet. Die Zahrzahl am Ende ist klMccil. Der Name „des Verfassers wird in folgenden Zeilen erwähnet: von Riedcnburg ist er genant, (Sott muß er ynier seyn bekant, Und da« er das zu teutsch hat gepracht Von Latein, so muß sein gedacht Micr zu gut werden In Hiincl u. auf erden. Dieses schrieb Gottsched im Zunius 47Z6(°), ein Zahr vorher, ehe die Schweizer ihre Ausgabe an das Licht treten liessen. Gleichwohl wußten sie entweder damals von Gottscheds Entdeckung noch nichts, oder wollten nichts davon wissen; sonder» erst i» der Vorrede zu der bald daraus crschci»c»dc» Lhricm- hildcn Rache, fa»dc» sie für gut, mit gä»zlichcr Vcrschwcigliiig von Gottscheds Namen, Gebrauch davon zu machen. „Miau „hat, sagen sie, „die Fabeln aus den Zeiten der Minnesinger, „von deren Verfasser itzt bekannt ist, daß er der Burggraf von (°) Ncucsics aus der ammichigc» Eclchrsamtcit, S. 42t. 332 Zur Geschichte nnd Litteratur. Fünfter Beytrag. „Ricdcnburg gewesen, von welchem wir etliche artige Stro- „phcn in der Manessischen Sammlung haben, mit dem Lobe „beehrt u. s. w." Und in der Note bcrnffcn sie sich desfalls auf eben dieselbe Handschrift nnscrcr Bibliothek, und führen eben dieselben Zeilen daraus an, die wir Gottschcdcn daraus anführen gesehen. Indem sie nun Gottschcdcn dic Ehre dieser kleinen Entdeckung nicht gönnen wollen: so wären sie es werth, wenn man ihnen nun nachsagte, nicht, daß sie sich blos von ihm verführen lassen, sondern daß sie, bey eigener Einschaltung der Handschrift, sich srcvcrdings der nehmlichen Oscitanz schuldig gemacht, dic ich an Gottschcdcn bewundere. Doch ich weiß, daß sie dicscs nicht haben; und höchstens kann ihnen nur dic voreilige Zuvcrsichtlichkcit zur Last gclcgt werden, mit welcher sie versichern, daß der Dichter Ricvenburg von Gottscheds Schaffung, cbcndcrsclbc Burggraf von Rictcnburg scv, von welchem uns dic Manessische Sammlung einige Strophen aufbehalten. Denn hierzu konnten sic, ansscr dcr Achnlichkcit dcs NamcnS, doch nicht dcn gcringstcn Grund habcn; wclchc Achnlichkcit für sich allcin, selbst alsdcnn so viel als nichts beweisen würde, wenn auch Gottscheds Vorgeben schon seine völlige Richtigkeit hätte. Nun aber, da auch diese wegfällt - Denn kurz; wahr ist es zwar, daß Gottsched dcn von ihm so und so beschricbcncn Codcr aus unserer Bibliothek gehabt, und daß sich in dcmsclbcn die angeführten Zeilen von Wort zu Wort befinde». Allein cs ist nur Schade, daß sic das nicht sagcu, was sie Gottsched sagen läßt, und daß dcr gutc Mann nur zwey Zeilen hätte wcitcr lcscn dürfen, um scincn Irrthum cinzuschcn, wclchcr, mit cincm Wortc, darum bcstcht, daß cr für dcn Bcrfasscr dcn Mäccn dcs Vcrfasscrs, für den Dichter dcn vornchmcn Mann gcnommcn hat, dem zum Besten ersterer gedichtet oder übersetzt zu habcn versichert. Dcr Epilog nehmlich, welchen ich aus dcr Bambcrgcr Ausgabe angeführet habe, und wclchcr sich dasclbst mit dcn Worten Sein sele befind n/mcr wee schließt, hat in unserer Handschrist (°) Eistcr Beytrag, S. 20. Ueber die Fabeln aus d. Feiten d. Minnes. 2te t?ntdeckiing. 333 noch einige Zcilcn mehr, deren Anfang ebendieselben sind, ans welche sich Gottsched beruft. Wenn min also auf den Wunsch, für das Wohlergehen dessen, für den der Poet gedichtet: lind wem es zu lieb gelichtet sey Der muß ymcr werden frey Lor allen Unglück yiner mee Sein sclc befind nimer wee unmittelbar in der Handschrift folget, Von Ricdenburg ist er genannt Gott muß er ynier sein bekannt: — ist es nicht klar, daß der Name RieSenbnrg sich auf das vorhergehende beziehen muß? sich auf den beziehen muß, dem zu lieb Vas Zducl? gelichtet sey? Besonders da gleich darauf ein zweyter Name folgt, welchen übersehen zu haben, ich Hottschc- dcn eben verdenke, und welches kein anderer seyn kam?, als der Name des, ver das Buch gedichtet hat. Um dieses in seinem völligen Zusammenhange einsehen zu lassen, will ich den ganzen Epilog, der in der Bambcrgcr Ausgabe sehr verhunzt und kaum zu verstehen ist, aus dem Manuskript noch einmal hersetzen, und ihn zu leichterer Verständniß nothdiirftig intcrpunk- tircn; jedoch ohne weiter das geringste darinn zu ändern. Von Sem meister der dir; pnch von latcm zu Vcwlsch hat pracht. Wer dy peyspil merken wil, Der setz sich auf des cndcs zil. Der nutz lcyt an dem end gar Discr peyspil, ncmt cS war. 5. Dy tat ist uit also gewesen Der ding, als man hat gelesen. Darumb list man ein peyspil gut, Das weiser werden der inenschc» mut. Hundert peyspil hau ich hy für gclcit 10. Zln ditz puchlci», die ditz bccleyl Sink mit wcyscn Worten, Einfclticlich an allen orten. Doch ha» ich clugcr syuncn Hort Zln wcysc, und auch an wort. _ 3Z4 Zur Geschichte und Litteratur. Fünfter Beytrag, 16. Ein dürres tal dick treyt ein kern der süssikeit. Sin cleyner gart oft gepirt Dy frucht, der man getrost wirk. Schlechte wort und schlechte gerichl, 20. Dy leben im in der weit nicht. Vil wort krump sein geflochten, Der hat nu vasi gefochten. Wem schlechte worl nit nutz fint, Kein nutz er von den kruinen pringt, 25. ES prediget mancher von hohen rat, Der er doch selber nicht verstal. Der wol das sper »rechen kan, Das ist nütz vil manchem man. Treyt sper, messer und schwcrt, 30. Dy doch sint cleins nutzes wert, In seiner hant. Ein end hat Das pnch, das geschribcn stat. Wer das list oder leßt lesen Der muß selig ymmer wesen! 35. Und wem das zu lieb sey Geticht, der muß ymmer wesen frey Vor allem unglück, ymmer me, Sein sele leyde nymmcr we! Von Rindenperg ist er genant, 40. Got muß er ymmer sein bekant! Und der es zu dcwtsch Pracht Von latein, des muß ymmer gedacht Zu gut werden, In Himmel und in erden! 46. Er ist genant ZZoneriuo, Ein ritter gotz alsüs Er fristet uns vor der helle glut, Das wir ymmer sein behüt Vor des tcwfelS samen. 60. Sprecht alle, in gotes namen! Ueber die Fabel» aus d. Zeiten b. Minnes. 2te Entdeckung. JZ5 Donenus also, Donerms, nicht Rievenbnrg oder Rieden- berg, hat unser alter Fabeldichter geheißen. Was kann deutlicher, was kann unstreitiger seyn? Alles was sich zu Gottscheds Entschuldigung noch etwa sagen liesse, wäre dieses; daß der Epilog, so wie ich ihn hier mittheile, nicht aus eben derselben Handschrift genommen ist, die ihm zum Gebrauche vergönnt gewesen, sondern aus einer zweyten; und daß in jener die 4Vste Zeile allerdings ein wenig anders und so lautet, daß vielleicht auch ein anderer seinen Fehler könnte begangen haben, wenn das Vorhergehende und Nachfolgende nicht wäre. Anstatt nehmlich, Und der es zu dewtsch Pracht, welches sich nicht anders als auf den folgenden Zöoncrius beziehen kann, heißt es dort, Und das er das zu teutsch hat gepracht, welches von dem vorhergehenden Riedenburg gesagt zu seyn scheinen könnte, wenn schon sonst etwas von ihm gesagt wäre, womit dieses durch ein und zu verbinden gewesen, und sich das Er in dem Von Riedcnburg ist er genant nicht so genau an den anschlösse, für den das Buch gedichtet worden. Damit man aber auch nicht meyne, daß in unserer Handschrift, welche Gottsched gebraucht, der Nachsatz von dem Doncrius überhaupt fehle: so will ich dc» ganzen Schluß ebenfalls daraus her setzen. Von Ridcnburg ist er gcnaüt Got muß er ymcr seyn bckant Und das er das zu teutsch hat gepracht Von latci» so »inß sein gedacht Immer zu gute werden In himcl und auf erden. Er ist gcnaüt BencriuS (Sott frist ihn und auch uns. Er behüt uns vor der helle glut Und hclffe uns das wir werden behüt Vor des Lebens taten Und vor der wcrlt geraten Z3K Zur Geschichte und Litteratur. Fünfter Beytrag. Und vor des tewfclS samen Nu sprecht alle Amen. Daß hier verschiedene Zeile» ganz anders klingen, darf man sich nicht befremden lassen. Es war das Schicksal der deutschen Dichter ans dieser Zeit, daß sich die Abschreiber mit ihnen mehr als mit allen andern Schriften erlaubten. Zeder schaltete ein und änderte, wie es ihm gut dünkte oder aus der Feder siel. Es würde eine unendliche Arbeit für die Kritik seyn, die wahre Lesart des Verfassers wieder herzustellen; und oft wüßte ich gar nicht, wie sie es anfangen wollte, wenn sie nicht das Avrographon des Verfassers bey der Hand hatte. Wer kann hier z. E. mit Zuvcrläßigkcit entscheiden, wie eigentlich die 4t!tc Zeile zu lesen oder auch nur zu interpunktiren sey? und ob es wahr ist, daß Doncrius ein Ritter gewesen? wie die eine Handschrift will, und wovon die andre durchaus nichts weist. Kaum laßt sich mit einiger Gewißheit sagen, ob die Namen hier oder dort richtiger geschrieben. Denn warum kann Rinvcnbcrg nicht eben sowohl eine Familie gewesen seyn, als Ricöcnburg? Nur Benenne ist wohl offenbar das falsche; denn ick wüßte mich keines solchen Namens zu erinnern. Hingegen ist ein späterer Hier. Boner sogar unter den deutschen llcbcrsctzcrn sehr bekannt. Da ich nun aber bereits schon zweyer Handschriften unserer Bibliothek von diesen Donerscben Fabeln, (wie ich hoffe, daß man sie nun künftig nennen wird) gedacht habe, und sie auch noch eine dritte und eine vierte besitzt: so muß ich wohl vor allen Dingen erst einige nähere Nachricht von ihnen insgesamt ertheilen; bevor ich, was ich noch von den Fabeln selbst anzumerken habe, und worauf mich zum Theil diese meine zweyte Entdeckung gebracht hat, auskrame. Die erste also, welches diejenige seyn mag, die Gottsched gebraucht hat, ist von ihm hinlänglich beschrieben. Ich darf nur noch hinzu setzen, daß von den !><> Kapiteln oder Fabeln welche sie zählt, (die sie aber lange nicht alle mehr enthält) die ersten 84 in der Ausgabe der Schwcitzcr vorkommen, die letzten scchse aber die nehmlichen sind, welche ich aus dem Bam- bcrgcr alten Drucke mitgetheilet habe, und sich hier bald besser bald schlechter lesen lassen. Damit man hiervon einigermassen Ueber die Fabeln aus d. Zeilen d. Minncs. 2le Snldeckung. 33' selbst, zugleich auch von dem Dialekte urtheilen könne, in wcl chcm die ganze Handschrift abgefaßt ist, will ich die eine, nehm lich die 88tc daraus hersetzen. Sie ist überschrieben: Von onrvcrSem Ampt. Von einem Bischoff list man das Das er in hohen ercn saß Gelertter Pfaffen hctt er vil Sein wirdigkeit was o»e zil 5. Nu hette er einen Junglingk Bey im der was seines vettern kint Des was der Bischoff gar wol gcmint Er hette auch einen weise» man Zu Srtzbricster gesetzt hindan iö- Nu fuget cS sich auf einen tag Das der vrtzbricsier lag Und also siech was das er starb Der Junglingk umb das Ampte warb Der Bischoff tct was er begert tA. Noch was er des AmpteS ungcwcrt Darnach nicht lange ward gespart Dem Bischoff gesandt wardt Ein korb was guter Bircn vol Des danket er dem boten wol. 2l>. Gar lieb was im die beysaut Zu dem gcsindc sprach er zuhaut Wem mag ich getraweu wol Der mir der Byrcu Hute» sol Wurde mir der Byrn eine verlorn 25. DaS were mir nicht ein cleiner jorn Zu dem Jüngling sprach er do Mich dunckct du seist zu thinc darzn Ich getrawe dir nicht über die Byrcu wol Einen andern ich sie bcvchlcn sol 30. Ich vorcht und gebe ich dir sie in deinen gcwalt Sie wurden alle gcßcn ungetzalt Ich wil nicht über die Byrn dir Getrawen das glawbc »>ir ?cs,ings Werk- X. 22 338 Zur Geschichte und Litteratur. Fünfter Beytrag. Diese Rede Hort ein weiser man 3A. Mit ernist sah er den bischoff an Er sprach im wusze erbarmen got Das ir begangen habt den spot Des ir sie so manchem bevolhen habt Dem der euch kenet wol 40. Und den sein kintheit und Jugent Davon ir mnget die Tugent Ungemach haben und leyt Dem ir die Byrcn habt verseil Zuhannde sol der Pfleger wcsen 4Z. Wie mage das gut gewesen Das geschicht so der wolff zu einem Hüter wirr Und auf der strafzen vert Wo der blinde füren sol Den plinden vallen sie beide das ist wol ZV. Die schaff gar verirret sind Also schir der wirt ein kint Wie bericht der einen man Der sich berichten nicht enkaii Wie mag der speisen wol ZA. Die Schaf nemet war Und lebet in steter gcitigkeit Zu scheren sind sie alle bereit Speisten sie die schaff als gern Als recht wol sie konen scheren kt). Die schaff stunden bester bafi Nu gibel ir arge list was Daß die schoff werden gcschor» Ob die selc wirt verlorn Darauf haben sie versorget gar 66. Sie achten nicht wie die sele gefar Der weise bischoff der bevalhe Dem Jungen sele onetzale Und wolde im doch bevelhen nicht Die Byren des dick geschicht llcbcr die Fabeln aus d. Zeile» d. Miiincs. 2le Entdeckung. 339 70- Das er sclc Hute» sol Den man noch nicht betrübe» sol. Eben dicsc Fabel will ich auch aus uiisrcr zweyten Handschrift hersetzen, um gleichfalls daraus von der Mundart derselben urtheilen zu können, und zugleich eine Probe zu haben, wie man aus allen drey Texten nun vielleicht einen vierten zusammen setzen könnte und möchte, der, wenn er auch nicht vollkommen der ursprüngliche Text des Verfassers wäre, dennoch, wenigstens in Ansehung des Zusammenhanges und Verstandes, für denjenigen gelten könnte, der dem ursprünglichen am nächsten käme. Und dieses will ich lieber gleich so fort thun; auch noch ehe ich diese zweyte Handschrift selbst näher beschreibe. 83. Das man weltliche Dint? so wol versorgt nnv Ser scl so wenig achtet Lo» einem pischoff list man das Das er in hohen eren saß Run hört als ich euch sage» wil Sein wirdikcit was on Zil 5. Nu hel er einen Jüngling Einen schulcr kundig auf alle ding Bey eine»: das was seines vettern ki»t Der was dem pischof lip über alle dink Er het auch eine» weysc» »lan 4t). Als ich verminten ha» Ein crtzpncstcr gcsctzct ein Den lcwten zu eine», guten schein Run fuget eS sich auf einen tag DaS der crtztpricstcr siech lag 15. Und also siech starb Der Innglüig um das ampt warb , Der Pischoff tet als er vcgcrt Darauff er het geleit Doruach nir wart gespart 2l). Dem pischoff gesendet wart Ein korb mit guten pirn vol Der danket er den polen wol 340 Zur Geschichte und Litteratur. Fünfter Beytrag. Gar licp was im das gesandt Zu den seyncn sprach er zn hant 25. Wem mag ich gctrawen wol Der mir die pirn behalten sol Würd mir der pirn eine verlorn Das wer mir nit ein cleiner zorn, Zu den Jüngling sprach er 30. Mich dunkt du seist nit guter ler Der pirn der ich dir getrawen sol Mich dunkt ich find einen peficrn Hüter wol Ich furchr geb ich dir den gcwall Sie werden geßen also pald 35. Ich wil mit nichte der pirn dir Getrawen des glaub mir Diese red hört ein weyser man Er ließ die red nit lenger stan Er sprach im müß erbarmen gott 40. Das ihr begangen habt den spot Dem ihr befolhen habt so mancher hant Dem der euch was bekant Sein kindheit und sein jugent - Davon ir ymmer muget 46. Ungemach haben und leyt Dem ir dy pirn habt verseyt Der sol der sele Pfleger wesen Wie wag denn genesen DaS schaff so der Wolff zu Hirten wirt 50. Und auf der straß wirt verirrt Der der den blinden füren sol Ballen sie peyde das ist wol Dy schaff gar verirret sink Wenn zu einem Hirten wird ein kint 55. Wie berichtet der einen man Der sich selber nit berichten kan Wie mag der gespeisen wol Der da nymmer virt vol Und lebet in steter geytigkeit lieber die Fabeln aus d. Zeiten d. Mimics. 2tc Entdeckung. 341 60. Spcyfien sy die schof als gern Als recht wol als sie kunrn schern Dy schoff stunden bester paß Nu get ir arger list auf das Wie die schoff weren geschoren 66. Ob die sele würd verloren Darauf haben sy versorget gar Sy achten nit wie ir sel gcfar Der weis pischoff der bcfale Dein jungen der sele on zale 7t1. Und wolt im bcfelhcn der piruen nicht Das noch gar oft geschieht Das der hüten sol Dem man über ein pirn nit getrawet wol DaS er sich selber wol behüt 76. Er vint cS wol wer recht tut Ein lon dem im got selber darum wil gebe» Got geb uns das ewig leben. Ich will keine umständliche und langweilige Vcrglcichung anstellen, die der Leser mit einem einzigen Blicke machen kann. Nur einiges muß ich berühren. Daß in dem Text unserer ersten Handschrift nach der 5tcn Zeile, Nun hat er einen junglingk, die darauf reimende verloren gegangen, ist klar. Wenn aber das gedruckte Bambcrgcr Exemplar diese fehlende Zeile durch, Ein schuler kundig auf alle ding, ergänzt und fort fährt, Bey dem was seines vctlcrn kint: so werde» wir wegen des Helden der Fabel völlig ungewiß, und es scheinet als ob der kundige Schüler und das RinS des Vetters zwey verschicdne Personen seyn sollten, deren eine bey der andern sich aufgehalten hätte. Das soll nun aber nicht seyn; und die wahre Lesart hat uns unstreitig die zweyte Handschrift aufbehalten, wo blos ein guter alter aber nicht mehr gangbarer Ausdruck zu jenen Verstümmlungen Anlaß gegeben. Es heißt nehmlich: 342 Zur Geschichte und Litteratur. Fünfter Beytrag. Ru hct er einen jungling Einen schulcr kundig auf alle ding Bey einem das was seines vettern kiut; und dieses verstehe ich so, daß bey einem, worauf ein Komma zu denken, hier so viel hcisscn soll, als ausser einem, j» welchem Verstände die Partikel bey von Schriftstellern damaliger Zeit häusig gebraucht wird. Das ist: der junge Mensch, welcher des Bischofs Anverwandter war, war in der That auch nicht ungeschickt: er wußte vielmehr alles und jedes — gerade, wie manche unsrer heutigen theologischen Kandidaten — nur freylich Eines nickt, worauf cS doch auch ein wenig mit ankam; er wußte alles, nur das eine nicht, was zu einem Scc- lcnsorgcr gehöre. — Ich will nicht hoffen, daß ich den alten Dichter hiermit zu witzig mache. — Aber ganz gewiß ist die, in der so weit guten zweyten Handschrift, gleich darauf folgende Zeile, Der war den vischoff lip über alle dinck, dafür von ihm nicht: sondern die liest nun wiederum die erste Handschrift oder die gedruckte Bambcrgcr Ausgabe besser. Daß hicrnächst die Atc und Zftte Zeile der zweyten Handschrift leere Flickzcilen sind; daß das Wort versorgen in der l>tcn eben derselben, für sich aller Sorge einschlagen, als welches auch die erste Handschrift erkennet, das wahre echte Wort sey; daß die zwey letzten Zeilen des Bambcrgcr Druckes, so wie die vier letzten Zeilen unsrer zweyten Handschrift, leere und schaalc Anhänge der Abschreiber sind: braucht keines langen Beweises. — Doch warum halte ich mich bey diesen einzeln Kleinigkeiten auf, und versuche es nicht lieber sogleich, wie aus allen drey Texten, ein vierter gezogen werden könne, der sich ohne allen Anstoß noch itzt lesen lasse, ohne gleichwohl modcrnisircr zu seyn, oder nur ein einziges Wort zu enthalten, welches nicht den einen oder den andern Text für sich habe. Er würde etwa so aussehen, dieser Versuch! Von einem Bischof liest man das: Daß er in hohen vhren saß; Gelehrter Pfaffen hctt er viel. Sein Wirdigkcit was ohn Zil, Nun hctt er einen Züngling, Ueber die Fabeln aus d, Zeiten d. Minnes. 2te Entdeckung. 343 Einen Schüler kundig auf alle ding Bey einem, das was seines Vettern Kind, Des was der Bischof gar gewinnt. Er hett auch eine» weisen Mann 10, Zu Erztpricfler gesetzt hintan, Run fügt es sich auf einen Tag, Daß der Erztpriester siech lag, Und also siech was, daß er starb. Der Jüngling um das Ampt warb. 16. Der Bischof thet als er begert, Doch des AwpteS was er unwerth. Darnach nicht lange ward gespart, Dem Bischof gesendet ward Ein Korp, was guter Birnen voll; 20. Des danket er dem Boten wohl. Gar lieb was ihm dis Gesandt. Zu den Seinen sprach er zuhand: Wem mag ich getrauen wohl, Der mir der Birn hüten soll? 26. Würde mir der Birn eine verlorn, Das wär mir nit ein kleiner Zorn. Zu dem Jüngltngc sprach er do: Mich dunkt, dn seyst zu dünn dazu. Der Birn ich dir getrauen soll? 30. Ein bessern Hüter finde ich wohl. Ich fürcht, gab ich dir den Gewalt, Sie würde» gcsscn ungcjahlt. Ich will mit nichte der Birnen dir Getrauen, das glaube mir! 35. Diese Rede hört ein weiser Man». Mit Ernst sah er den Bischof an. Er sprach: nun erbarm cS Gott, Daß Ihr begangen habt den Spott! Daß Ihr befohlen habt so manchcrhaiid 40. Dem, des Euch was bekannt Sein Kindheit und sein Jugend, Davon Ihr immer muget 344 Zur Geschichte und Litteratur. Fünfter Beytrag. Ungemach haben und Leid. Dem Ihr die Birnen habt verseit, 46. Der soll der Seele Pfleger wesen? Wie mag denn genesen Das Schaf, so der Wolf zum Hirten wird, Und auf der Straße wird verirrt? Wo der Blinde führen soll SV. Den Blinden, fallen sie beide wohl. Die Schafe gar verirret sind, Wenn zu einem Hirten wird ein Kind. Wie berichtet der einen Mann, Der sich selber nit berichten kann? 66. Wie mag der gespeiscn wohl, Der da nimmer wird voll, Und lebt in steter Heiligkeit? Zu scheeren sind alle bereit. Speisten sie die Schaf also gern, Lv. Als wohl sie die Schaf können schcern: Die Schaf stunden bester baß. Nun geht ihr arger List auf das, Wie die Schaf werden geschoren. Lb die Sele wird verloren, K6. Tarauf haben sie versorget gar. Sie achten nit wie ihr Scel gefahr. Der weise Bischof der befahl Dem Zungen der Seelen ohne Zahl Und wollt ihm befehlen nicht 70. Die Birnen! daß noch oft geschicht, Daß der Seelen Huten soll, Dem man über ein Birn nit getrauet wohl! Ich sage, daß in diesem zusammengesetzten Tcrte nicht ein einziges Wort enthalten, welches nicht in einem von den alten Tcrtcn zu finden. Es ist also alles alt darinn; und mir durch eine kleine Wahl, durch eine nothdürftige Zntcrpunction, durch Bcybchaltung der gewöhnlichen Orthographie, wo weder der Reim, noch das Sylbcnmaast, noch der Wohlklang die alte mibcsiimmtc Orthographie crfodcrt, ist alles wie neu geworden. Ueber die Fabel» ans d. Zeiten d. Minncs. 2te Entdeckung. 345 Wenigstens, durchgängig verständlich; und es würde bloßer Eckcl seyn, wenn man dem ungeachtet den alten treuherzigen Erzähler nicht anhören wollte, falls ihm etwa jemand von Anfang bis zu Ende diesen Dienst zu leisten, bedacht wäre, zu welchem sich ohne Zweifel nur in unserer Bibliothek der nöthige Vorrath finden durfte. — Freylich will und kann ich nicht behaupten, daß eine solche Behandlung verschicducr Handschriften mit der strengen Wahrheit übereinkomme; weil Zeiten und Mundarten dadurch verbunden werden, die vielleicht sehr weit verschieden sind. Auch wollte ich sie zu Dingen nicht anrathen, bey welchen es aus historische Gewißheit ankömmt, weil durch dergleichen Vermischung das ganze Monument verdächtig werden könnte. Nur bey alten Dichtern, meine ich, könnte sie gar wohl gebraucht werden, die man bloß zum Vergnügen ließt, ohne eben daraus auch nur die Geschichte der Sprache studieren zu wollen.-Doch dieses bringt mich hier zu weit von meinem Wege, und ich erkläre mich andcrwcits darüber genauer. — Unsere zweyte Handschrift selbst, aus welcher wir schon die Probe gesehen, verdient in allem Betracht die erste zu hcisscn. Es ist eben die, aus welcher ich gleichfalls schon den Epilog mitgetheilet, der uns den wahren Namen des Dichters angiebt. Sie ist ein ziemlich großer und starker papicrncr Foliant, der aber häuffig mit pcrgamcnen Blättern untermengt ist, wie man das bey deutschen Handschriften des 14tcn und 15ten Jahrhunderts nicht selten findet. Aus den Grenzen dieser beiden Jahrhunderte mag sie denn auch wohl seyn: und wer weiß, ob noch? Denn die Hand ist würklich leserlicher und zierlicher, als die Hand der ersten Handschrift, die nach Gottscheds Angabc, wie wir gesehen, von 1402 seyn soll ("). Die Schrift, versteht sich, ist Kanzclcy, und kömmt der Schrift in nnscrn ältesten deutsche» Drucken sehr nahe. Es ist also auch nicht eigentlich das Alter, welches ihren Vorzug ausmacht: sondern die Vollständigkeit nnd der Reichthum an bessern Lesarten. Zwar enthält sie auch nicht alle hunOerr Fabeln, aus welchen das Werk bestanden; sondern nur sechs und neunzig, und hatte Anfangs (°) Denn ich nwchlc »ichl daraus wcttcn, das; er richtig gelesen, wer- über der Augenschein das nähere belehret. 34k Zur Geschichte lind Litteratur, Fünfter Beytrag, deren gar nur fünf rmd achtzig enthalten, indem nach der fünf und achtzigsten der Epilogus folgt, und die übrigen eilst von einer andern Hand nachgetragen sind. Unter diesen sechs und neunzig Fabeln befinden sich sieben, welche in der Ausgabe der Schweizer fehlen; aber unter diesen sieben ist nur eine einzige, welche nicht auch aus dem alten Bamberger Drucke könnte ergänzt werden. Und diese einzige ist sonach denn auch das Kostbarste, was sie enthält. Es ist die vom Hahn uns Ver Perle, und ich freue mich, sie daraus retten zu können, und hier mitzutheilen. xe. Von geschicht es also kam Eins tags das ein hau Flog auf seins meisterS mist Dassclb dick mcr geschehen ist 6. Er sucht do sein speise Also thut auch der weise Er vand das im nicht gcvil beschoß Ein stein edel und groß Ligcn unwirdiclichc 1». Er sprach got herre reiche Wie hab ich mein freud verlorn Mich lustct paß des gersten kor» Wann du pist nit nuttz mir Was nuttzest mich was sol ich dir IS. Wifi das es mich nit furtrcit Dein schon noch dein adclkcit Hctt dich meistcr yppocraS Der konnd dein geniesscu pas Dann ich du pist mir unbekanl 2V. Der han warf hin den stein zuhaut Eins habcrkornS hct er bcgcrt Gaistlich diese bcischaft ist gcscyt Dem torn der sein kolben treyt Der ist im lieber dann ein reich Z5, Dem torn sein alle ding gelcich Die weißheit kunst und crc gut lieber die Fabeln aus d, Zeiten d. Minnes, 2tc Entdeckung. 347 Lerslahcn tut ir tummcr uiut Die nutzet nit der cdelstein Ein Hunt lieber het ein pcin 3V. Dann ein edelstem gclaub mir Also stet auch der lorn gir Ir sttt und ir geperdcn Ist auf Üppigkeit auf erden Die erkennen nit des steines kraft 36. Noch inynncr was in der bcyschaft Lcrborgen guter synn ist Dartzu viel hoher menger list Die dem narren gar fremd sind Gescheut sind die narren blind 4V. Der tor sol für sich gan Und sol die beschafl lassen stan Im mag der fruhtt werden niht Recht als dem haimcn nu geschiht. Wenn wir nun zusammen rechnen: so wird sich finden, daß uns höchstens nur noch eine Fabel fehlt, um sie alle hundert wieder beysammen zu haben. Nehmlich die Ausgabe der Schweizer enthalt deren zwey und neunzig <°); seckse hat die Bam- bcrgcr Ausgabe dazu geliefert; und eine liefert hier unsere zweyte Handschrift. Das macht neun und neunzig; und vielleicht fehlt uns auf diese Weise auch nicht einmal eine. Denn es wäre möglich, daß der Dichter seinen Epilogus als die hundertste Fabel gezählt hätte, wie er denn auch wirklich in unserer ersten Handschrift als das k»1ste Kapitel überschrieben ist. Oder es könnte auch seyn, daß er, dem ungeachtet was ich unten in der Note gesagt habe, dennoch die 23tc Fabel von den Frö- (°) Hier muß ich eine» Irrthum verbessern, dm ich im ttcn Beytrage S. 21 begangen habe. Es ist »cbmlich falsch, das, der Absatz S. 46 in der Schweizer Ausgabe die Zahl xxiv. haben müsse. Den» es ist keine besondere Fabel, sondern gehöret zu Nummer xxili. welches blos die Einleitung dazu ist, die auch bey dem Anonymus des Ncvclct, als der Quelle unsers Dichters, nicht für eine besondere Fabel gerechnet wird, sondern blos Limiii- «ml» -l>> luilueniem k->i>uiai» überschrieben ist. Der Sprung in der Schweizer Ausgabe bleibt also zwischen xxili, auf xxVl, von zweyen, und an statt der angegebnen XLIV Fabeln enthält sie deren nur Xvll 348 Zur Geschichte und Litteratur. Ziinfter Beytrag. schm, mit ihrer vorhergehenden besondern Anwendung ans Athen, für zwey Fabeln gerechnet hätte; wie sie denn auch wirklich in allen unsern Handschriften ein doppeltes Gemählde hat, wodurch sie in zwey besondere Stücke abgesondert wird, deren jedes seine eigene Ucbcrschrift hat. Zn der ersten nehmlich ist der Eingang Von Eigenschaft, und die Fabel von Freyheit, überschrieben. Zn der zweyten aber heißt die Ucbcrschrift des Einganges, Sie im selber -Herrschaft kaufen, und die Uebcrschrift der Fabel, rver frey ist das sich der nicht zn eygen gib. — Von den Gemählden, welche sowohl in dieser als in jener Handschrift vor jeder Fabel stehen, ist nicht viel zu sagen. Die bessern hat die zweyte Handschrift; aber auch diese bessern sind herzlich schlecht, ausser daß sie dann und wann einen Blick verdienen, wo der Meister damalige Trachten und Sitten abbilden müssen. Zn dieser Absicht, weiß man, haben Gelehrte auch wohl noch elendere Figuren zu brauchen gewußt. — Noch muß ich des Titels gedenken, den diese zweyte Handschrift hat. Zu Anfang der ersten stehet blos, -Hier hebt sich an ein maister Efopas genaür. Nor dieser aber: Hie vaher an Sas poch das ist genant der rvelr lauff und es hat ein Meister gemacht ge- nandr Esopus, und hayssel der guldein stein und strafet reich und arm geistlich und wcrlllich kunig und kayser und alle rvelr und ist gemalct mit den Figuren und auch a»0re «neuster gencht mehr hernach sten gar kurzweilig und gut zchoren sind als den ein Register hernach volgenr aus weyst mir der sal der plcccr an rvelchcm plat man finden mag ein yclichs stuck. Wie man einer Sammlung von Fabeln den Titel der güldne Stein geben können, wird der Leser wohl nicht von mir zu wissen verlangen. Eher dürfte er begierig seyn zu wissen, was das für Gedichte andrer Meister sind, welche auf die Fabeln folgen. Aber hierzu muß ich mir einen andern Platz erbitten, weil sie zum Theil wirklich nicht schlecht und von einer ganz besondern Gattung sind. — Zch komme auf unsere dritte Handschrift, bey der ich mich weniger aufzuhalten brauche, weil sie nur 72 Fabeln enthält, die alle in der Ausgabe der Schweitzcr vorkommen. Die erste Fabel ist die zwölfte dieser Ausgabe; und so folgen denn die lieber die Fabeln aus d. Zeiten d. Minncs. 2te Entdeckung. 349 übrigen ohngefehr in der nehmlichen Ordnung. Sie ist, ebenfalls nur auf Papier, um 1458 geschrieben, wie zu Ende der 72 sie» Fabel zu sehen. Gemählde hat sie bey jeder Fabel auch; sonst aber weder Aufschriften noch Titel. Von den andern alten Gedichten übrigens, die sie glcichcrmaassen wie jene, ausser den Fabeln enthält, will ich hier um so weniger reden, da sie zum Theil die nehmlichen sind, die in der zweyten Handschrift zu finden, welche mich viel zu sehr vergnügt haben, als daß ich es vergessen sollte, dieses Vergnügen mit meinen Lesern je eher je lieber zu theilen. Mit der vierten Handschrift endlich kann ich noch geschwinder fertig werden. Denn diese ist offenbar die allerneueste, und eigentlich nur der Anfang einer Handschrist, indem sie blos die ersten 4t> Fabeln uud iu der nehmlichen Ordnung enthält, wie sie in der Schweißer Ausgabe vorkommen. Zu Gemälden ist Platz gelassen, und daß sie auch nur auf Papier ist, versteht sich. Zum Vergleichen ist sie indeß noch immer gut; und ich könnte aus ihr, so wie aus der dritten, mehr als eine gute Lesart anführen, wenn ich mich länger hicrbcy verweilen wollte. Dafür will ich lieber noch alles zusammenraffen, was ich über die Quellen und das Zeitalter des Dichters zu sagen habe. Aus dem Epilogus haben wir gesehen, daß der Dichter selbst bekennet, seine Fabeln nicht erfunden, sondern blos aus dem Latein übersetzt zu haben. Und was hätte ihn bewegen können, dieses Bekenntniß zu thun, wenn es nicht der strengsten Wahrheit gemäß gewesen wäre? Er war ja kein satyrischcr Dichter, der die Rachsucht irgend eines beleidigten Thoren zu fürchten hatte. Fabeln sind ja auch keine Erzählungen, denen er durch ein solches Vorgeben historische Glaubwürdigkeit etwa hätte verschaffen wollen. Die eigne Erfindung, wenn sie der Reimer auch nicht für das Hauptvcrdicnst halten will, ist doch wohl wenigstens ein Nebenverdienst, dessen er sich nicht zu schämen gehabt hätte; oder, nächst der Gabe zu erzählen, ein Verdienst mehr. Also, noch einmal, was hätte ihn bewegen können, sich nur überhaupt für den Uebersctzcr auszugeben, wenn er sich noch eines andern Titels dabey bewußt gewesen wäre? Gleichwohl gab sich Gottsched das patriotische Ansehen, an der 350 Zur Geschichte und Litteratur, Fünfter Beytrag, Wahrheit eines so treuherzigen Bekenntnisses zu zweifeln. „Daß „nun gesagt wird, schreibt er an einem Orte, wo er den deutschen Ursprung der bekannten Fabel vom Müller rmS seinem Sohne, gegen französische Ansprüche erhärten will, „es habe „der von Riedcnbnrg diese Fabeln nur aus dem Latein übersetzt, ist freylich von den meisten wahr, die aus altern Fabeldichtern entlehnet worden. Es ist aber augenscheinlich, daß „viele, ja fast die Halste, aus keinem itztbckanntcn ältern Fabeldichter genommen, sondern von ursprünglich deutscher Erfindung sind." Es ist keinem ehrlichen Manne zu verdenken, wenn er keine grosse Bclcsenhcit in den alten Fabeldichtern hat; er muß aber auch nur nicht thun, als ob er sie hätte. Die Wahrheit ist diese: daß drey Viercheil von unsern alten deutschen Fabeln aus zwey ganz bekannten alten lateinischen Fabeldichtern genommen sind, und ich von den übrigen fünf und zwanzig, wenigstens achtzehn in Büchern nachweisen kann, die, aller Wahrscheinlichkeit nach, älter, als unsere Fabeln sind. Ob aber dem ungeachtet die andcrwcits entlehnten 26 Fabeln nicht gleichwohl größten Theils deutscher Erfindung sind, das ist eine andere Frage, die sich freylich eher noch bejacn läßt. Denn die alten Bücher, in welchen ich sie nachweisen kann, sind wenigstens in Deutschland geschrieben. Aber was thut das unserm Dichter, der ja nicht einmal etwas anders seyn will, als Uebersctzcr? Und zwar sind die zwey alten lateinischen Fabeldichter, aus welchen unser Dichter vornehmlich geschöpft hat, der sogenannte Anonymus des Ncvelet, und Avianus. Jener Anonymus, habe ich anderwärts erwiesen, ist nichts als der vcrsisicirtc Romulus, bis auf das vierte Buch; und von den drey ersten Büchern, die aber bey dem Anonymus ohne Abtheilung fortgehen, hat Voner blos die 39stc 4!). 50. 51. 62. 63. 66. 67. und 68stc unberührt gelassen. Die übrigen finden sich bey ihm nicht nur alle, sondern fast alle (°) in der nehmlichen Ordnung, bis auf (°) Selbst die erste Fabel von dem Affe», der die Nus> wegen der ausser,, billcrn Schale verachtet, ist ans diesem Anonymus genommen, ob sie schon da nicht als Fabel vorkömmt. Nehmlich ans der letzten Zeile seiner Borrcde: Lt »ucleum celat arnl.i wlui lwuum. Ueber die Fabeln aus d, Zeiten d. Minnes, 2le Entdeckung. 351 wenige Versetzungen; und daß wir es um so eher glauben können, daß sie auch nicht anderwärts her entlehnt sind, sind einer jeden die zwey Schlußzcilcn des lateinischen Dichters beygefügt, in welche dieser die Moral derselben zusammengefaßt hatte. Dieses letztere gilt wenigstens von der schönen Handschrift der Schweißer, welche das Avtographon des Verfassers, oder doch wenigstens aus diesem zunächst genommen zu seyn scheinet. — Mit der K3stcn Fabel fangen sodann die an, welche aus dem Avianus entlehnt sind, von dessen 42 Fabeln ihm aber nicht mehr als 22 beliebt haben, die man in nachstehender Tabelle angegeben finden wird. Diese 22 mit den 62 aus dem gedachten Anonymus, machen 74, denen also, wie gesagt, zu den gcsammten 99 noch 25 fehlen, deren anderweitige Quellen ich nun hier anzeigen mußte, um mein Wort gut zu machen. Doch weil mich dieses itzt zu weit abführen würde, so will ich von ihrem lateinischen Ursprünge überhaupt einen Beweis geben, den man hoffentlich wird gelten lassen. Diesen nehmlich; daß, so viel deren in der eben gedachten schönen Handschrist der Schweitzer, (Ansang und Ende fehlen), befindlich sind, eine jede derselben zwey lateinische Schlußzcilcn hat, welche offenbar die Moral des lateinischen Textes gewesen sind. Denn da der deutsche Dichter bey denjenigen Fabeln, welche aus dem Avianus und Neveletschen Anonymus sind, die eignen Worte derselben behalten hat, so kann man wohl gewiß seyn, daß er auch zu den übrigen die lateinischen Disticha nicht selbst werde gemacht haben. Warum diese beygefügten Disticha überhaupt auch sonst noch ihren Werth haben, wird man im nächstfolgenden Aufsätze sehen. Ztzt erlaube man mir nur noch, folgende Tabelle einzurücken, in welcher man, was ich bisher gesagt, auf einmal übersehen kann, und die demjenigen einmal nicht wenig Mühe ersparen dürfte, der etwa den Bambcrgcr Druck und das zweyte Mannscript in unsrer Bibliothek brauchen und nutzen wollte. Er wird ohne Zeitverlust in derselben sehen können, wo er jede Fabel der Schwcitzcrischcn Ausgabe in beiden zu suchen habe. ^ > ^ 362 Zur Geschichte und Litteratur, Fünfter Beytrag. Zürcher Bainbergcr Ausgabe, Druck. l. - - 1. II, - - 2. III. - - 3. IV. - - 4, V. - - 6, VI. . — VII. - - 0, VIII. - - 7. XIX. - - 8, X. 9. XI. . - IN. XII. - - 11. XIII. . - 12. XIV. - rirl'. - - 2. ^vianus l->b. XVII. - - 3. III. - - 4. IV. . - S. . ., . V. . - 87. IX. KÄ?) MM.'5 ^ — - - 7. ^nonx. s.ib. II. . . 8. VI. . . 9. VII. - . 10. VIII. - - 11. X. . . 12. XI. . - 13. XII. > - 14. XIII. . IS. XIV. . - 86. XV. - - 16. XVI. . - 17. . XVII. - - 18. . XVIII, - - 19. XIX - - 20. . - XX . - 21. XXI. . - .2?. XXII . - 23. . XXIII, . - 24. - XXIV. . . 25. . . XXV. - - 26. . XXVI. - - 27. änanz.. XXVII. . - 28. - XXVIII. - - 29. . XXIX. - - 30. . XXX. . - 31. . XXXI. . . 32. - . XXXII. - - 88. - XXXIII. ' - 33. XXXIV. - - 34. - XXXV. . - 36. . XXXVII. - - 36. . XXXVI. . - 37. ävi-m. XXXIV. lieber die Fabeln aus d. Zeiten d. Minnes. 2tc Eiitdeckiiiij,. 363 j Zürcher Bambcrger I Unsre zweyte «Quellen der ?l"sr;abe. Druck. ^ Handschrift. Fabeln. Xl.lII. - - 34. - - 38. — XI.IV. . - 39. - - 39. ^ooo^. Xl.lV. Xl.v. . -40. . - 40. . XI.. Xl.Vl. . 41. . - 41. ' » XI.I. Xl.VIl. - - 42. . - 42. äuoov. XXXVIII. Xl.VIIl. . — - - 89. . . _ XI.IX. - - 43. - - 43. . . — I.. - - 44. - - 44. ^nov^. Xl.Il - - 45. - -45. ^Voun)'. XI.lll. I.Il. - - 4S. - - 46. - l.IIl. - - 47. . - 47. . - _ I.ZV. . — - - 91. ^noo^. XI.V. I.V. - - 48. - - 43. . XI. VI. l.Vl. . - - 92. ^lla»^. Xl.VIl. l.VII. - . 49. . - 49. XI. VIII. I.VIII. . - so. - - 50. . — I.IX. - > — . — - I.IV. I.X. - - 51. - - 51. . I.V. I.XI. - - 52. - - 52. . I.IX. I.XII. - - 53. - - 53. . I.X. l.XIIl. - - 54. - - 54. ^viznus I. I.XIV. ' . . — . - 93. . II. luXV. - - 55. . . 55. . III. I.XVI. - — . °—" . IV. I.XVII. . - 56. - 56. . V. I.XVIIl. - - 57. - -57. . VI. I.XIX. - - 58. . - 68. . VIl. I.XX. . - 59. - - 59. . — I.XXI. — - - 94. - — I.XXII. . - so. - - ev. . — I.XXlll. . - «1. . - ei. - IX. I.XXIV. - - 62. - - 62. . — I.XXV. . — - - 95. . X I.XXV!. - - 63. - - 63. . — I.XXVII. . - 64. . - 64. - XI. l.XXVIIl. - - 65. - - 65. . XIII. I.XXIX. - - 66. . -66. - XIV. I.XXX. . . 67. - - 67. . XXIII. I.XXXI. . — - - 96. . XV. I.XXXII. - - 6«. - - 68. - — I.XXXIII. . — - — . XVI. I.XXXIV. - - 69. - - 69. - XVIII. «esiiugs Werke X 23 v».i'j>-,5 354 Zur Geschichte und Litteratur, Fünfter Beytrag, Zürcher Bambergcr Unsre zweyte (Zlucllen der Ausgabe. Druck. Handschrift, Fabeln. I.XXXV. . - 7». - - 7N. — I.XXXVI. . - 7t. » - 7l. XIX. l.xxxv». - - 72. - - 72. IiXXXVIII. . . 73. . - 73. - XXII. I.XXXIX - - 74. . - 74. — xe. - - 76. - - 7S. . XXIX. xci. - - 76. - - 76. - .. XXVI. xc-ii. - - 77. . - 77. XCIII. . - 78. . - 78. XVIV. - - 79. . - 79. . . . - - 80. - - 80. Vt^x^ ^»v» - - St. . - 8l. - - - . - 82. - - 82. » - - . - 83. . - 83. - . » '. - 84. - - 84. ^ -. » - - 83. . > 85. . . . ^ - - 90. - ^nonzs. I, Zch eile zu dem letzten, Punkte dieses Aussatzes, welcher das Zeitalter unsers ehrliche» Fabeldichters bctrift. - Sein Herausgeber in Zürich, wie bekannt, ist der Meynung, das; er noch „vor den Tagen Friedrichs des Zweyten gelebt habe. Die „Sprache, sagt er, die Orthographie, die Einfälle, die Ausdrücke, alles verrath einen Verfasser aus dem blühenden Alter „der Schwäbischen Poesie." — Ze erfahrner und scharfsichtiger der Kunsirichtcr ist, der einen solchen AuSspruch thut, von desto größerm Gewichte ist er. Gleichwohl aber ist eine Dccision des Geschmacks, kein historischer Beweisgrund; und es bleibt immer eine sehr mißliche Sache, Facta durch Geschmack entscheiden wollen, wenn er auch noch so sicher wäre. Denn wenn andere diesen Geschmack nun nicht haben? Wenn andere z. E. die Sprache des Dichters gar nicht für die Sprache jenes Alters erkennten, das mir überhaupt ein wenig zu sehr nach dem französischen Sioclc-s geformt zu seyn scheinet? Denn Gott weist, ob die guten Schwäbischen Kayscr um die damalige deutsche Poesie im geringsten mehr Verdienst haben, als der itzigc König von Preussen um die gegenwärtige. Gleichwohl will ich nicht darauf schwören, daß nicht einmahl ein Schmeichler kommen sollte, welcher die gegenwärtige Epoche der deutschen Lit- lieber die Fabeln aus d. Zeiten b, Minnes. 2tc entdccknng. 366 tcralur, die Epoche Friedrichs des Grossen, zu nennen für gut findet! — Der Schweizerische Kunstrichtcr sagt ja selbst: „Wir „haben gegenwärtige Fabeln desto lieber vor der Manessischen „Sammlung vorhergehen lassen, weil sie bey ihrer natürlichen „Einfalt eine grosse Leichtigkeit haben, welche sich auch öfters „denjenigen verständlich macht, die nur ein flüchtiges Auge „darauf werfen, ohne daß sie sich mit den Schönheiten der „alten Sprache eine gelehrte Arbeit machen." Was heißt das anders, als: die Sprache dieser Fabeln ist nicht die Sprache der ältern Dichter in der Manessischen Sammlung, sondern ein gutes Theil verständlicher, d. i. ein gutes Theil jünger, unsrer itzigcn Sprache näher? - Und was will der gelehrte Mann mit der Orthographie jenes Alters? Giebt es denn eine solche? Wenn er das Glück gehabt, einen Codex zu erhalten, in welchem durchaus eine gleichförmige Orthographie beobachtet worden: ist das darum die Orthographie jenes Alters? Finden sich denn nicht selbst in der Manessischen Handschrift fast so viel vcrschicdnc Orthographien, als vcrschicdnc Dichter? - Was endlich den Ausdruck, die Einfälle, die ganze poetische Kunst anbelangt, woraus wir schlicsscn sollen, daß unser Fabeldichter der Zeitgenosse der Minnesinger gewesen; so kann ich nicht bergen, daß ein solcher Schluß zu viel Unkundc mit den spätern Dichtern des t4tc» und der ersten Hälfte des 45>m Jahrhunderts verräth. Zeiten, welche einen -Hugo von iLr^mbcrg und einen Hcrman von Sachsenhcim noch gehabt haben, können ja wohl auch einen Fabeldichter hervorgebracht haben, wie diesen. Za, ich schäme mich nicht zu bekennen, daß die Fabeln, welche in dein Renner zerstreut sind, nach meinem Geschmacke (ich weiß wohl, daß Gcllcrls Urtheil ganz anders ausgefallen ist) weit lebhafter und untcrhaltcndcr erzählt sind, als diese vorgegebenen Fabeln dcs Schwäbischen Zeitalters. Was der Schweizerische Kunstrichtcr von den materiellem Kennzeichen seiner bessern Handschrift sagt, scheint eher noch ein historischer Beweis zu seyn. Scheint, sage ich: denn im Grunde ist cs doch nur auch, dunkle unerklärliche Empfindung. „So „viel man, sagt er, aus den Eharaktcrcn der Buchstaben urtheilen kann, so ist sie gegen dem Ausgangc des dreyzehnten 23» Zur Geschichte lind Litteratur. Fünfter Beytrag. „Jahrhunderts geschrieben worden." Wie wohl stunde es mit der Kenntniß der Handschriften, wenn es in irgend einer Sprache von irgend einer Zeit Vuchstabcnzügc gäbe, ans welchen sich bis auf ein halbes Jahrhundert das Alter derselben mit Zuverlässigkeit angeben liesse. Freylich müßte cS wohl dergleichen geben, und sie würden vielleicht auch zu bestimmen scvn, wenn man eine grosse Menge von Handschriften dcS nehmlichen Landes und der nehmlichen Sprache vor sich hätte, deren Folge und Ordnung aus andern unstreitigen Gründen bereits bestimmt wäre. Aber wo ist das? und wo hat man das? Da, wo wir in der Diplomatik ißt noch halten, bedarf es schon eines sehr kundigen Mannes, der sich ans den blossen Zügen der Buchstaben nicht mehr als um ein Jahrhundert irren soll; wie das jeder Gelehrte cingcstchcn wird, der Erfahrung in solchen Dingen hat und weder sich noch andere bekriegen will. - So ist denn auch bisher schlccbtcrdings noch keine Handschrift von unsern Fabeln bekannt, die sich durch eine ausdrückliche Zahrzahl zu dem 13>c» Jahrhunderte lcgitimirtc. Alle übrige, sowohl die zweyte der Schweizer, als die welche D- Scher; gebraucht hat, nebst den vieren unsrer Bibliothek, sind wenigstens ein Jahrhundert jünger, ja einige derselben wohl zwey; wie nicht aus blosser kritischer Schätzung, sondern aus den ausdrücklich beygefügten Zahrzahlcn zu erkennen. Doch ich bin weit entfernt, mich eines ähnlichen Trugschlusses schuldig zu machen, und blos daraus, daß alle Handschriften viel neuer sind, den Dichter selbst für so viel neuer zu erklären. Es sind vielmehr ganz andere Umstände, woraus ich schlicsscn zu können glaube, daß er wenigstens jünger seyn müsse, als der Verfasser des Renners, und vermuthlich in der letzten Hälfte des vierzehnten Jahrhunderts geschrieben habe. Umstände, die weniger von Anschein und Geschmack abhängen, nnd fast den Werth förmlicher Zeugnisse haben. Einmal also, daß unser Fabeldichter jüngor als -Hugo von Trimbcrg, der Acrfasscr des Renners, seyn müsse, läßt schon Trimbcrgs Stillschweigen von ihm vermuthen. Denn Trünbcrg schweigt nicht allein von ihm, welches so viel als nichts beweisen würde; sondern schweigt an Stellen von ihm, die gerade llcbcr die Fabeln aus Zeilen Minncs. 2te vnwcckuiig. 357 dcr Platz gcwcscn wären, seiner zu gedenken; an Stellen, an welchen er so vieler andern deutschen Dichter des 13tc,i Jahrhunderts gedenkt, die zu Ansauge des 14>cn noch gelesen wurden; au Stellen, wo cr die ganze deutsche Lectürc seiner Zeit nahmhaft macht, zu dcr unser Fabeldichter wohl unstreitig gehöret hätte, wenn cr schon vorhanden gcwcscn wäre. Diese Stellen finden sich auf dem 9tcn und 82stc» Blatte dcr einzigen gedruckten Ausgabe des Renners, und sind von solcher Wichtigkeit für den deutschen Littcrator, daß ich nichts überflüßigcs zu thu» glaubc, wcnn ich sie ein andermal mit den nöthigen Erläutcruugcu und Verbesserungen aus den vortrefflichen Handschriften ganz mittheile, die unsere Bibliothek von diesem merkwürdigen Gedichte besitzt. Ztzt will ich blos diesen halben Beweis, dcr aus cincm nicht zu vcrzcihcudcn Stillschweigen hergenommen wäre, durch einen Zusatz verstärken, wodurch er zu cincm ziemlich vollständigen Beweise erwächst. Nehmlich: nicht genug, daß Trimberg von unserm Doner nichts wciß; in bcydcn finden sich Stellen, die sich wie Original zur Kopie verhalten, und die man nur ein wenig genauer ansehen darf, um sich zu überzeugen, daß die Originalität völlig auf TrimbcrgS Seite ist, und folglich Trimbcrg auch früher gcschricbcu haben muß. Bon diesen Stellen will ich nur die hauptsächlichste wählen, welches die Erzählung von dem Prälaten mit Ocn Dirnen ist, die ich bereits unter so mancherley Gestalt als eine Boncrsche Erzählung dem Leser vorgelegt habe. Diese nun hat auch Trimberg; und hat sie so, daß sie sich unmöglich in cincm so allgemein bekannten Werke, als BoncrS Fabcln seit ihrcm Daseyn gewesen zu seyn scheinen, bereits kann befunden haben. Denn cr führet sie ausdrücklich mit den Worten cin: Ein war nicrc ich vcrnninnicn han, ?c§ ich nicht wol vergessen kau, Das wil ich schreiben, das andre Lcitt Dabcy sich wollen bessern heut. Er hat sie vernommen, d. cr hat sie nicht auS Büchcrn, sondern aus mündlichem Berichte; sie schwebt ihm noch in frischem Andenken; cr hält sie für werth, zur Belehrung anderer 358 Zur Geschichte und Litteratur. Fünfter Beytrag. niedergeschrieben zu werden. Druckt man sich so aus von einem Mährchcn, welches nicht allein in einem Buche zu finden, das in jedermanns Händen ist, sondern auch selbst iu diesem Buche nicht zuerst vorkömmt? Denn, wie wir gesehen haben, fängt dieses Mahrchcn bcvm Doner überall an: Von einem Bischof liest man das. Man liest, und ich habe vernommen: aus diesen Worten allein ist klar, wer mit des andern Kalbe gcpflügct, oder wenigstens pflügen können. Denn da Zdoner alle seine Fabeln aus dem Lateinischen genommen zu haben vorgicbt, so kann ich freylich nicht so geradezu behaupten, daß er wenigstens diese, aus dem Deutschen des Trimbergs habe. Aber was er nicht unmittelbar von ihm hat; kann er ihm wenigstens mittelbar zu danken haben. Ein spätrer lateinischer Nersifer kann sie aus dem Renner übersetzt, und damit den Anonymus des Nevelct vermehret haben. Und daß es einen solchen spätern Vcrmchrcr dieses Anonymus giebt, will ich an seinem Orte zeigen. Ztzt will ich die Erzählung selbst, nach Trimbergs Vortrage, nur ganz hersetzen, um urtheilen zu lassen, ob ihre Originalität auch nicht durch ihre innere Güte bestätiget wird? Ein war mcre ich vcrnumnien han, des ich nicht wol vergessen kan, DaS wil ich schreiben, das andre lcut dabei sich wollen bessern heut. Do ein prelate ze imal saS, und mit seinen gesien as, Ein schcnkart das wart im gesaut mit dir», do sprach er zu haut Wer behelt mir das schenkar mit disen birn onc var, DaS ir keine werd verloren? Ob das geschcch, das wer zoren. Si sprachen, das tu cwcr schwcster sou. Wer soll es billicher denn er ton? Nein, sprach er, der ist ein tor. Er uem vil leicht der besten vor, Und lies micr die bösteu ligcn ttcbcr die Fabeln aus d. Zeiten d. Miiincs. 2tc Entdeckung. 3Z9 Damit ward der red gcswigen. Nu saS ein geistlich man do bei, Der sprach diss: dir gcklaget sei Got herrc, das ma» den nicht sol Zu scchjig birn getrawen wol, Dem tausend sele cmpholen sind! Ein reich vharre het das kinl, Dem man zu den birn nicht Getraut, als leider me gcschicht, DaS seien baS feiler sind den birn. TeS unbild get mir in mein Hirn. Zi, 28 Zeilen erzählt Trinibcrg, wozu sich Boner an die 70 nimmt. Und fehlt es dieser Kürze darum an Klarheit? Rollt nicht alles hier weit besser und überraschender, als dort? Welcher Nacherzählet ist nicht weitschweifig und wässrig? Und welches Kennzeichen der Ursprünglichkcit ist sichrer, als die Anwendung gerade nur so vieler Worte, als eben zum vollständigen Ausdrucke unentbehrlich sind? Und nun bediene ich mich abermals einer einzeln Fabel beym 2doncr, um sein Alter noch genauer zu bestimmen, und zu erhärten, daß er wohl nicht früher, als gegen das Ende des 14>c» Jahrhunderts möge geschrieben haben. Zch meine die bekannte Fabel vom Müller, seinem Sohne und ihrem iLscl, über die vor zwanzig Zahrcn zwischen Franzosen und Deutschen ein kleiner Streit vorfiel, welche von beyden Nationen sich die Erfindung derselben zueignen könnte (°). Daß es eine deutsche Erfindung sey, blieb ausgemacht, es sey nun, daß sie Camcranus, wie Gottsched wollte, aus unsers Boilers alten deutschen Fabel entlehnt habe, oder aus den il^sco- tiis pnFzii, wie ein Franzose für wahrscheinlicher hielt. Denn Poggius selbst bekennet in der Einleitung derselben, daß sie sich aus Deutschland hcrschrcibc, und eben diese Einleitung ist es, die mir zu meiner Absicht hier dienen soll, vicolwtur, schreibt C) Die Aufsätze, in welche» dieser Streit gcsührct wurde/ sehe man im i«u>»-» Lirnnger und in Gottscheds Neuesten vom Jahre I7SK. Die mancherley Zusätze und Berichtigungen, deren sie sähig sind, werde ich an einem ander» Orte anzeige». 360 Zur Geschichte und Litteratur. Fünfter Ncylrag. Poggias,(°) inter Loervtarios pontMels, vns csui a saliulam rvtulit, nu/ie?' »i ^/a?/!«?«'» /c?-iptnm Lenem, alt, fuiftv... und wie die besagte Fabel daselbst weiter lautet, die bey unserm Boncr die 52ste ist, in der Ausgabe der Schweizer. Wer sieht nicht, daß hier die Worte in Betrachtung kommen: hulnn nuper in ^lemannia kcriptam picwiiunio villittot; und besonders das nupc-r? Das „uuer Zwar ist sehr bald zu bestimmen. Denn aus der Schlußrede des Poggius zu seinen ^aeotüs erhellet, daß diese Schnurren aus den vertraulichen Gesprächen entstanden, die er während der Regierung Pabst XN^rrinus des V, also von 4417-1431, mit einigen Freunden in dazu eigentlich bestimmten Zusammenkünften gehalten. Also, auch von 1417 an gerechnet, kann nu^er keine ältere Zeit, als den Anfang des 15»» oder das Ende des 14tt» Jahrhunderts bedeuten; und das wäre es eben, was ich wollte. Eine Fabel, von der es frühstcns um 1417 heißt, daß sie vor kurzem, nunor, erfunden worden, ist Beweis genug, daß die ganze Sammlung, worinn sie sich bcsindct, nicht älter seyn kann. Aber nun ist die Frage: hcisscu denn die Worte zusammen auch nothwendig das? «juam nunc-r in ^VIv- mania tcrijitam j>ictam«juv vicMvt. Zst nupor nicht eben sowohl zu vitlisst-t zu ziehen, als zu lci-ij.tim, I>ictam^>n ^IiiIvlV>>>In!^ kltnul!-? !>uucl i»u»vs 362 Zur Geschichte und Litteratur, Fünfter Beytrag, sntiqulvrvs hiocimiiiikus geschrieben, aus welchem zu ersehen, daß er auch dc» alten Bambcrgcr Druck gekannt, von welchem ich am ersten anzumerken geglaubt, daß er die nehmlichen Fabeln enthalte, welche Scher; zu allererst herauszugeben vcr- meynte. Wie nachlässig er aber diese Entdeckung genutzt; wie sorglos er eben daselbst nicht nur die Fehler in Ansehung unserer Handschrift begangen, die ich an seinem Neuei?c>i gerügt, sondern auch wie viel plumper diese Fehler dort erscheinen! mag selbst nachsehen, wer Lust und Gelegenheit dazu hat. Zch kann mich nur nicht genug wundern, Theils, wie den Schweizern so viel früher die Gottschcdischc Anzeige unbekannt bleiben könne», Theils, wie Gottsched es versäumen können, als die Ausgabe der Schweizer erschien, es der Welt mit seiner gewöhnlichen Bcschcidcnbcit anzuzeigen, wie viel diese Herausgeber schon längst von ihm hätten lernen können. Aber so ging es damals: jeder schimpfte auf den andern, und keiner las den andern. XXII. Ueber den Anonymus des Nevclcr. Man verstehet unter dieser Benennung den li»gcna»»Ic» halbbarbarischcn lateinischen Dichter, dessen clcgicischc Fabel» in der Sammlung des Nevclcr unmittelbar ans die Fabeln des Avianus folgen. Da er in der Geschichte der Fabel vieler Umstände wegen sehr merkwürdig ist; da ich bereits zwcycrlcy von ihm erwiesen habe, nehmlich, daß er im Grunde nichts als ein vcrsisicirter Romulus scy("), und daß er eine von den Haupt- quellcn unsers Zöoners gewesen ("): so will ich, was ich sonst für Nachforschungen über ihn gemacht habe, hier mittheilen. Sie werden nicht allein die Ncugierde des LittcrarorS unterhalten, sondern können einmal demjenigen Gelehrten nützlich seyn, der etwa diesem Anonymus eben die Ehre erweisen wollte, die Rannegiccer dem Avianus erwiesen hat. Denn wir wollen nur immer die Zunft der Scholiasten noch eine Weile bc- l°) Beytrag l. S. 07. sBand ix, S. 6Z.j (") S. 26. dicscs sunsle» Beytrags, sobcn S. Ueber den Anonymus des Ncvclct. siehe» lassen! Wenn sie mit den guten klassischen Schriftstellern fertig ist, kann sie ja die Schriftsteller der spätern Zeiten vornehmen, welche aufzuklären und zu berichtigen gewiß nicht weniger Scharfsinn und Kritik erfordert. Annehmen und voraussetzen, daß dieses überflüssig, und jenes schon geschehen sey, heißt ein wenig zu viel Unkundc in dieser Art von Gelehrsamkeit verrathen. - 1. Die Zeit, in welcher der Ungenannte, von dem die Rede ist, gelebt, läßt sich bis itzt noch eben so wenig mit Gewißheit angeben, als sein Name. An Versuchen, beides zu leisten, haben es die Gelehrten zwar nicht fehlen lassen; aber diese Versuche zu widerlegen, ist leichter, als etwas Zuvcrlässi- gers an ihre Stelle zu setzen. Sie reiben sich zum Theil unter einander selbst auf; und da ihre Verschiedenheit gewisser Maas- scn von der Verschiedenheit des Urtheils abhängt, das jeder von dem innern Werthe des Gegenstandes gcfällct: so verlohnt es sich schon der Mühe, vorher einen Blick darauf zu werfen; wäre es auch nur, um an einem Exempel mehr zu zeigen, daß der Geschmack in solchen kritischen Untersuchungen zwar nichts entscheiden, aber doch auch (man erlaube mir dieses Wort) der Mißgcschmack, selbst den gelehrtesten Mann gewaltig irre führen kann. 2. Also vom Gyraldus anzufangen, dem ersten, und wohl noch dem einzigen kritischen Geschichtschreiber der Poesie. - Gyraldus nennt unsern Ungenannten Romulus. kostet vt intor Iios i»ovta8, schreibt cr("), rvponi Komulug illo, «zui all 1'^Iiortinui» lilium liurum lcriplit, yuom, ad imitationv g^oluAo- ru»> ^oklin! illius I^nr)^i8, /ttktt/a» /je/o/it nuacupavit: n«z», ut uliijui rali suiit, teanttulit. IVIirum voliis llicsm, nusm »nxiv l'iumvnkedi «juillimi, n«n linmiiliun lnrjus lilivlli autniom skterunt, l'vtl kuum ^uonllilin Lalonem muiiloinem, «jui I^votit llu», ^tlie nis ttullvrvt, v Krkveo sauulas iias noktri« inoridus (ut itjunt) ii^tanllo, carniiiiv eum^otuvrit. 8vll certo live int» vel linmul» vvl 8alone, »iv puvro nullus liuor !««zuv triviitlidu-- nmizitlriL te- rvli-ttur, n«Ill I'viituiuiu Uisluriil, viitl. V. kikL» suiviu. >A!4 Zur Geschichte und Litteratur. Fünfter Beytrag. Irrthlime gckommcn, dem Ncrsisicator dc» Namcn dcS Urhcbcrs beyzulegen, kann ich leicht bcgrciffcn, wenn ich annehme, daß zu seiner Zeit in den Schulen Italiens eben solche Sammlungen von Fabeln gängc und gäbe gewesen, dergleichen ich an der Slcinhsrvelschen in dem Itcn Beytrage beschrieben, in welchen die clcgicischcn Fabeln unsers Anonymus den prosaischen des Ro- muluS untergeordnet waren. Indeß kann Ei'raldus nicht einmal diese Schulbücher genau angesehen haben, geschweige, daß er gar Handschriften darüber zu Rathe gezogen hätte. Denn in diesen steht die Zuschrift des Nomulus an seinen Sohn T^bcrtmuL, oder T>'berinns, jederzeit vor den prosaischen Fabeln, und der Eingang zu den clcgicischcn enthält von dicscn Namcn kcincn. Auch sagt Nomulus in jcncr Zuschrift ausdrücklich: lä ego Kumulus tranttuli äc- z^r-reo in laiiiiiim. Woher NUN Gyraldns das besser wissen wollen; aus welchem Grunde er cincn Schrift- stcllcr, der sich selbst für nichts weiter als Ucbcrsctzcr ausgicbt, zum Erfinder machcn zu müssen, geglaubt hat, wünschte ich wohl belehrt zu seyn. Noch bcgicrigcr aber wäre ich zu wissen, wer der Salo von Parm« seyn sollte, mit dem seine LandSlcutc den Nomulus so gern vcrdrcngcn möchten. Noch habe ich nirgends etwas von ihm in Erfahrung bringen können; und auch Gesncr kannte ihn nicht weiter, als aus dieser Stelle des Gy- raldus. Daß aber unter den Inv^tiis ^lox-incl,! nichts anders zu verstehen sey, als die Grammatik des Alcxanvcr de Vill« Dci, ist wohl unstreitig. Sie ist in L!coninischcn Acrscn, führt den Titel vnctrinalo, und war seit der ersten Hälfte des IZmi Jahrhunderts in allen Schulen eingeführt. Wenn wir nun annehmen dürften, daß die Fabeln unsers Anonymus, sofort an die Stelle der Nu^-n-um Aliixinilniaiü gctrctcn, welche Alexander gleich zu Anfange seines Ooclniiulo aus den Schulen verweiset: so wäre das die älteste Spur, die mir noch von ihrem Daseyn vorgekommen. — Doch Gyraldus soll ja ausdrücklich sagen, daß ihr Acrsasscr bereits im I2lc» Jahrhunderte gelebt habe ? Wenigstens versichert dieses Oe la lNoilnoye in scincn berichtigte» Menagianen (°): Filius t-!>r->I<1us atttwui? los tu- (°) -r. i. >>. ,73. lieber den Anonymus des Ncvclct. 1,Ios -V »n ou et lo snit vivrv s«:r- vnrunt ^riice^tnros nostri: ad oc> iniscjuam üctlilij>lin ullai» sactai» in cariiiinv k)llal>al»iii. Viilomur tainon nos »lieuui iin.im >iut kllteran» clo^relieinlitso. I)o i^kn voro itit ^Utkieo: lllxit, a mv nullo innlla moliud! älci ziol'le. sjuaro eui» ^vetis novitüs nnn l'oliim eclitcoiiclniii nl» tulnilarnin ntilitatom, l« oiiisec! Avnoris aAnomin.'ttinncs nili in arguti!» vn!- ^i-imm-lt»», cammonllantiir. Daß Scaliger hier von unserm Anonymus rede, ist aus dem angeführten Verse klar, welcher in der H2tcn Fabel ,lo muro urdano et rüttle« vorkommt. Aber welch ein Urtheil für solch einen Mann! Wenn er, diesem Urlbcilc zu Folge, unsern Anonymus für einen alten Dichter genommen hatte, sollte cS mich weit weniger wundern, als daß er ihn dem obngcachtct für so neu erkläret. Untcrdcß ging auch dieses natürlich zu. Denn vermöge seiner Erziehung kannte der ältere Scaligcr die gemeinen Schulbücher nur wenig. Da kam ZKK Zur Geschichte und Litteratur. Fünfter Beytrag. ihm nun dieses mit der Italienischen Ucbcrsctzung eines gewissen Accio Zucco in die Hände; er glaubte, wer die italienischen Reime gemacht habe, werde auch die lateinischen Ncrsc gemacht haben; und so entstand ein lateinischer Dichter Accius, von dem bis auf den nämlichen Augenblick kein Mensch in der Welt etwas gehört hatte. Diese Bemerkung hat de la N?onnc>>e über den Zöaillet^) gemacht, welcher, wie von ihm zu vermuthen, dem Scaliger blindlings gefolgt war. Wenn aber de la !Nonno>-e auch das dem Scaliger nicht will gelten lassen, daß er allerdings einige Ekchlipscs bey unserm Anonymus will gefunden haben; wenn de la!Nonno>-c behauptet, daß an dem einzigen Orte, wo eine hätte seyn müssen: In Fallo ftolittuin, in iasnille niilelira sonlnao Dona notos — — unser Ncrsificator sie dennoch lieber gar nicht machen wollen: so muß ich in Ansehung dieses Exempels wenigstens anmerken, daß alle unsere Handschriften und alten Ausgaben diese Zcilc so lesen, daß die Eklhlipsis gar nicht statt findet. Nämlich: In Züllo ftolillum, tn iasnillo nulelna lonlnao Dona notos — — Ncbcrbaupt scbeint mir, daß Scaliger unter Ekthlipsis nicht blos die Hcrausdrängung des m mit seinem vorhergehenden Selbst- lauter, sondern eine jede Elision überhaupt verstanden babe. Denn noch zur Zeit habe ich auch deren keine in allen den Fabeln finden können, die man von dem nämlichen ersten Verfasser zu seyn erachten kann; und nur in den letzten Fabeln, die offenbar von einer spätern Hand zu seyn scheinen, auch nicht einmal in allen Ausgaben befindlich sind, kommen einige derselben vor. So, denke ich, haben auch neuere (Hrammatici den Scaliger verstanden; z. E. die pvötioa maior der Gicsscnschc» «Professoren, wo es im zweyten Vuchc S. 15V. heißt: ^, nau- citato elilianuin cvloliratur Accius !s, «jueni fueiuut ^elonicarmn lakularuin autorom unc! !o memliranis vtkonllitur, vincam mv iptum pstiontis, et spoeimvn ^»roducam, uncZo clo univorto oporo ^ucliesri poslit. Und hierauf läßt cr den Eingang dcs ersten Vuchcs nebst der crstcn Fabel dessclbcn folgen, und setzt hinzu: lalis est umvorla illa poelis. Wahrlich scheint mir Zdarch hier ekler gewesen zu seyn, als ich ihn sonst an zwanzig Stellen finde: und ich schäme mich nicht zu bekennen, daß ich selbst einer von denen bin, die durchaus nichts wollen untergehen lassen, was auf sehr altem Pcrgamcn (odtolotifiimis momdrarils) stehet, wenn es auch schon noch ein wenig schlechter ist, als die angeführten Zeilen doch wirklich nicht sind. Wüßten wir übrigens, was denn Darth eigentlich odrolvtiMm»« mvmdranas nenne: so wüßten wir vielleicht doch auch schon etwas mehr von der Zeit dcs daraus geschriebenen Dichters. Allzuhoch zwar mag cr in seinen Gedanken wol nicht damit hinaufgcsticgcn seyn; wenn wir aus dem schlicsscn sollen, was cr, nach mcincr Vermuthung, zu einer andern Zeit beyzufügen für gut befunden. Denn nun hatte cr erfahren, daß schon Ncvelct dcn Fabeldichter ganz herausgegeben, von dem cr gewiß keine Probe würde mitgetheilt haben, wenn cr dicscn Umstand vorher gewußt hätte. Ja, cr würde dicsc Probe ohne Zweifel völlig aus seinen ^ävorf->ri!s auSge- strichcu haben, wenn ihm nicht noch eine Vermuthung wegen dcs wahren Verfassers bcygcfallen wäre, um derentwillen er glaubtc, daß allcS schon so stchcn bleiben könnte, wie cr cs einmal geschrieben, kr ^-un quillom, sind seine Worte, oclita et roconlit!» (iinivorla illa I^nolis) a, Noveleto Oolcliio. 8i czuis mo anetoii« nnmon roget, <1!eara üoinarduin esto, cujus 2t! ciciilum limilos vorl'ii!-! «Iv (^uktoris 5uI)»I.i ^>rollucit 8ilvefter Ki Zur (beschichte und Litteratur. Fünfter Beytrag. i'!tl«1>i5-, et lüe knrte vxeiclorunt. 8ocl »o «^uis auctorvin eoitiv- rem ,M0s>uv iAnorarv ^nslit. yuao llo vo ro^eri a^uiiAam. /te- /»»////^e?' /tt^. /»i^eittt»»' /^0?/ttt?i01'?t»t ?°0Atti>t tt^itti^ /ttb?t/aL oo??/c?'/^/ oei'e, «?tc^ore»i 6?»°««?«?« ^a^n?»/« Haoe i»o>i>- Iiranae. Also auf einen Bernhard räth Barth; ans einen Bernhard- Und ans welchen? Denn es sind dieses Namens mehrere, die alle lateinische Verse gemacht haben, und auf unsre Fabeln Anspruch machen könnten. Auf eben den, von welchem beym Silvester GiralSus einige Zeilen aus einer Fabel vom Biber vorkommen, die hier in seinen ^llvorlariis, in die er sie ehedem eingetragen, verloren gegangen waren. Denn so verstehe ich die Worte: vt tVic sorto vxcillerunt. Das lud ziehe ich auf die Stelle in den vvrtariis, und nicht auf die alten Fabeln, aus welchen die ganze Fabel vom Biber sich verloren habe; als welches man sich vielleicht daher desto eher einbilden könnte, weil wirklich unter den griechischen Fabeln des Acsopus eine vom Biber enthalten ist, welche das bekannte Mährchcn von dessen Geilen enthält (°). Ich schlage also im Silv. Giral- dus die Stelle nach, die Barch kann gcmcinct haben, nnd sindc im zweyten Buche des Itinorarii 0-u»lAi>l.>, im dritten Kapitel, folgendes Distichon eines Bernardus, den er weiter als mit diesem seinem bloßen Namen nicht angiebt: l'i-ollit, itom cattor >>roi»'io Is»Uti. llcbcr den Anonymus des Nevelct. 369 fehler desselben, durch den er, nach Scaligers obigem Urtheile, der poetischen Jugend minder nachahmungswürdig seyn soll? von seinen so häufigen Assimilationen? von der kindischen Wort- klappcr, ohne welche der Anonymus fast keine Zeile schreiben kann? Ich wollte ganz einen andern nennen, der ihm nicht allein in diesen Tändeleycn, sondern auch in der affectirten Vermeidung aller Elisionen vollkommen gleich kömmt, welches denn eine weit schliesscndcre Aehnlichkcit geben würde. Und das wäre Alanus, Doch ich will mich selbst nicht in Vermuthungen verlieren, indem ich anderer Vermuthungen widerlege. Zch will vielmehr gänzlich den gänzlich gelehrten Männern entsagen, die so reich an Muthmaßungen, und so arm an Urlhcilskraft sind; wenn ich vorher nur noch einen werde gehört haben, der so ganz in diese Classe nicht zu bringen, indem er seine kühnen und oft seltsamen Einfälle wenigstens mit einer sehr ausgesuchten Bclcscnhcit zu belegen wußte. 5. Und dieser ist unser Christ. Christ, welcher in der Hauptsache von Phädro unstrcitig Recht hat, in der er bisher weder widerlegt worden, noch schwerlich jemals widerlegt werden dürfte: Christ hielt auch, wie bekannt, die Fabeln des Avianns, so wie sie Ranncgicter herausgegeben hat, für ein untergeschobnes Werk, an welchem Rnfus Festus Avianns wenig oder gar keinen Antheil habe. Höchstens könne dieser in einer eignen und besondern, größern und bessern Sammlung von Fabeln, den Stoff zu einigen derselben, und hin und wieder ein Wort oder einen Ausdruck, hergegeben haben. Das übrige sey aus einem barbarischen Zeitalter, und von einem eben so geschmacklosen als unlatcinischen Scribcntcn (°): L6iuos, sliittianto molius, nt ouinor, von eleZiac» car- minv. Ilas lliu pokt Iionio »actus inlolieis tiveuli t'cliolaft'K'us, all suiallr-iFint.'t tliias, srAumontis s»o jixiicic» cleloctis ^uibuKiliim, ut oninor, etiinn aällitis, roäeAit, et niniiia tuis ologls pro luliitu comminuit: niliil aliuc! uonli, ut ittucl ernt kireulum, nsliiturus^ nili ut verlilms rol»s. >Iu ?Il»e(Iro, p üt. Messings Werke x. 2l 370 Zur Geschichte und Litteratur. Fünfter Beytrag. lerlntornt ^visnus. — «»'at /«ec?«^«,»/ Und welches war das Jahrhundert, das durch sein inlcitse lirvvitatis Nulliuiu so vorzüglich berühmt ist? Ich keime keines. Es ist vielmehr der Fehler aller barbarischen Jahrhunderte, daß ihre Schriftsteller an beyden Enden ausschwciffcn, lind eben so oft Schwätzer als Wortsparcr sind; ihre guten Muster nicht seltner in einem Schwall von Worten ersäuffcn, als verstümmeln. Doch Christ hat ohne Zweifel hicdurch auch kein eigentlich chronologisches Merkmal angeben wollen, und alles, was er positives von dem Alter dieses Pscudoavicnus sagt, ist nichts mehr als dieses, daß er schwerlich älter, als unser Anonymus, seyn könne. »oc, nuoni clotcrlnü, ptoiiiloavien», niü vetuttior, et miilto rvcon- tior vslo non viäotur i,!cort>. ivtstis snon^mus, a ^Vev«?/eto otism u- las aiiti^uas, auf die es dem Nilanr vornehmlich angesehen war: sondern er mcynct dcn Romulus sclbst, den 57ilant auf dicsc rslmln« -u>tikju-is folgen lassen, ob er schon bcrcits längst in dcr Steinhöwclschcn Sammlung vollständiger und besser vorhanden war. Denn unter diesem Namcn, wclchcr eigentlich nnr dcn prosaischen Fabel» gehört, verstand man auch nicht selten die clcgicischcn unsers Anonymus, woraus eine Verwirrung erwuchs, der man doch einmal abhelfen musitc, und dcr man nicht bcsscr abhclfcn konnte, als wenn man dem cincn und dcm andern dcn Namcn cincs bcsondcrn Verfassers beylegte; gesetzt auch, daß man dcn Irrthum cincs großen Mannes dazu brauchte, wenn man nur weiß, daß es ein Irrthum ist. Die übrigen Vermuthungen, die Christ von diesem seinem Accius macht, gründen sich auf die leeren Aeusserungen des armseligen Scho- liasten, dcr sich i» cinigcn alten Drucken und Handschriften bey den Fabeln findet. ZXuFiv Flosk-irum vvtvruni inoptislimarum moclo tcii^torviu euruni ologiaco c-irniinv silliulnrum saciunt, MzAi/^u,,- ^«i>t'<<^e ^ro tiikuunt »»«Ai/??»» «ziiatonus fortaklis argumont-t pr»;l»uit. Ich kann nicht sagen, auf welchen Währsmann sich Christ wegen des Gaalte- rns Anglicus hicrbcy bezicht. Ich finde in dcn alten gedruckten und geschriebenen Büchern, die ich vor mir habe, davon nichts. Aber daß mit dem Magister Aesopus blos auf den Inhalt und den Ilrstoff gesehen worden, so wie unter dem Romulias der mchrgedachte Romnlus zu verstehen, crgiebt sich ja wohl von selbst; und wie es gekommen, daß dieser Namen beiden Fabeln, dcn prosaischen sowol als dcn elcgicischcn, gcgebcn worden, habe ich schon gcsagt. Auf Veranlassung dcr alten Fabclbüchcr nämlich, in welchen die elcgicischcn, so weit sie langten, dcn prosaischen untcrgcordnet waren, wie in dem Slcinhörvclscben zu sehen. Vielleicht aber daß selbst Christ von diesem keine klare Zdcc hatte, indem ihm überhaupt bey scincr Nachricht so viclc Büchcr selbst nicht vor Augcn gewesen, wenigstens kann es nur aus dieser Ursache geschehen seyn, daß er zwey deutsche Schriftsteller mit einander verwechselt hat, von welchen sich unsere gedruckte Litteratur so zu reden ansängt, und die sich beide um unsere Sprache im funszehntcn Jahrhunderte so verdient gemacht haben, daß ihr Andenken wohl erneuert zu werden vcrdicnct, welches schwerlich aus einer Bibliothek vollständiger geschehen kann, als aus unserer. Nämlich Heinrich Sreinhsrocln selbst, dcr cin Arzt in Ulm und von !Vcyl gebürtig war, mit Niklas von IVsle, dcr Canzlcr bey dem Grasen Ulrich von Wirtcnbcrg, und aus LLßlingcn gcwcscn. Eines jcdcn besondere Schriften sollen cin andcrmal angezeigt werden. Itzt bleibe ich blos bey dcr Hauptsache stehen, die das Urtheil betrifft, wclchcs Christ über dcn classischcn Wcrth unsers Anonymus ausspricht. Wenn dicscs Urtheil sehr gcmäßigct zu scvn scheint, indem es gleichsam zwischen dcn Mcynungen dcs 2darlh und I- C- Scaligcr mitten inne liegt, so ist es doch darum nicht minder paradox, indem es der Rangordnung, nach welcher man gewöhnlich die spätern römischen Autorcs auf einander folgen läßt, so gewaltig widerspricht. Aus einem barbarischen Vcrsmachcr nämlich wird Christ auf einmal ein Scri- bcnt, wic wir uns nur immer einen Virum eonlul-trvm des 4tcn 24« 372 Zur Geschichte und Litteratur. Sechster Beytrag. Jahrhunderts, wenigstens einen Höfling der Antonincr gedacht haben. Denn nicht allein in diese Zeiten erhebt er ihn, sondern erkennt ihn auch an Sprache und Geschmack dieser Zeiten für würdig. Leilicet, sagt er ausdrücklich--^ (°) Sechster Beytrag. 17 80. riIL0I>IIII.I I>IiL8KVirkI VIVM8^VM äk'IIVM 8eMVVI^.°) ^lreopliilus, lmmilis preslivter, lervus teivorum Lei, in- lliZnus vornine et vroteslicine monaclti, omnilius mentis llelilliain imirnilille (1) DwAa/tonem utili manunm vecunali»ne, et «lelevlu- üili novitatum meelitationv lleclinaro et eulcare volentil>u5, re- trilmlionern cveleltis riroemü! I^egimus in exordio rnunilanoe creationi8, iloininein all imaginein et linnlitullinem Dei ec>n«Iituin et inkpiratione llivini tniraeuli animatum, tantai^ue llignitatis excellent!» cvcteris unimuntilius nroerogstum, ut lationi» cupax llivinoe nrullentive, conlilii inxenii^uv mereretur naiticinium, ar- ditrül^ue liliertste clonatns lolius conm'tvri5 lui tusnieeret volun- iatem et revererotur irnnerium. t)ui attu tlialiolico milere 6e- eevtus, licet nrovter inol>ecl!ent!oe euluarn Privilegium iumortali- tati8 amtlerit, tarnen 5eient!cv et intelligentioe clignitatem aäoo in poltvritstis nronaginein tranltulit, nt ^uieunc^ue euram lollieitn- clinernc^ue ac16i6erit, tot!u8 artis ingenü^ue eavacitatern «^uali IisereZitario jure ullioisei nosllt. Ilujusmocli intentionem Iiuman.i tusciniens lülleitia, et in (liverlis aotilius l'ui« iollllens lucris et l°) Hier bricht die Handschrift dieses Aufsatzes ab, die der sel. Lessing nicht lange vor seinem Tode in die Druckcrcv gab; und bis itzt hat sich von ihrer Fortsetzung unter seinen Papieren nichts gefunden. iLschcnburg. °°) Die von Chr. Leiste in der Vorrede S, 14 angcjeigttn Druckfehler und Abweichungen von der Handschrist sind hier stillschweigend verbessert. (t) e. I>. vseslionem. ^l'lleoplüli l'resli^teri 6iver5arum artium telieäula. voluptatiuus, per temporum inoremeols, tsnclem sä proellettinal^a elirittianoe religionis perlluxit tempora, laetumcmv elt, ut o^uo>l all lauclem et gloriam nominis lui conilillit 6!lpolitio clivina, in e!v8 oliten^uium converteret plelis I)eo clevota. <)ua propter „«» / 374 Zur Geschichte und Litteratur. Sechster Beytrag. nilius narcius et kiktula lliverkornmcme generuin aromala cresee- rent, nuro^ulll IÜ5 eontemntis tainniam vililiu» et ilomekticis all extranea, nee rneliora, kell kortakkis viliora eomnarunlla eireuires terras et maria? Lt Iroe te juäice xianllis köret ktultitia. <)nam- vis enim koleant Iiomines ^uoes^iie nrecioka multc» kuliore «moekita, kurnntnurunuv numerokitato comnarata, nrimo loco revlinere, tuin- mahne tueri cautela: tarnen ki körte Znterllum gratis oecurrerint aut inveniantur pari» keu meliora, non «likkirnili, imo majori ker- vantur euttockia. <)ua pronter, ?ili cluleiskimo, rmein Oeus omnino Iioaturn keeit ill Iiae varte, r^ua tidi gratis ollern» tur, l^u« rnulti Marino« kecantes kluetus oum kurnrno nerieulo v!I>>'. kanris ao krigoris artati neceklitate, ant clilitlirna lloetoruin kelli kervitnte, nee «kekatigati ll!seen6i cleli6erio, intoleraliili taineii acl^uirunt lavoro; Iiane vivriis.vnvn ^liriv», sciiLvvi^Zl avillis outu- tilius eoncnnisee, tenaei memoria sierlege, arilent! arnore euni- plectere. ()uam ki lliliAentius nerkerirteris, illie invovies >e relogeris et tenaei ineinori,»: cv7n/,e^«- ii« (6), ut, »^uolies laliore nie« Iivue ukus kuerls, vres nro ine apuli inikorieorlliam I)ei vrnninotentis, nui teit, ine nee iiunuui ^ laullis amore, nee teoi>>oralis nroeinii eunillilate, «niiu tiigekl:, 1'unt, conkerinkikke, aut inviiliie livvro nreeiukui» iniiil :,ut i:>r»in kulitraxille, keu nnlii neeuliariter lekervaluin e»»tieui>ke, kell ii» uuginenturn nonciris et gl»ii:e noniinis vjuü inulluruin neeeklil:»- tilius kueeurrikke et nrokectilius conkuluikl'e. Lxplicit I'rulo^us. I»cij,iu»t (.'-iiiitul.«. Ls». i. te/«^t,'»'tt»t«.'/«t,> />i c»i^>c»/vV>ttt. — II. t/e ^^»//ttu. (g) ^. l^. >>llioI in Uivurluxum. (t) t.'. l^. Iiu>>i;>i>. (S) 1^. solldi!« U>-rl»iliU!l invclUiZiU. ^ö) t,'. I.. oouiiUl!i»>itv. Mvopllili ?r<:8livleii llivorsaium aiUum tvlleäula. 376 lüap. m. t/e ^o^o /i^'mo (7 — iv. ett?it/tt. «/e ea/i/tttL > «l/otoLee?it«»t et ^'«ven»/«. tts t)»^» «t/oteLce?!t?«»i. ?«/ttt?i>/c/t /ttt/»// /tt//>tt»teo. t/o cei t/e/»omt/to. t/e tnt>?tttL atttt^ttt/zt et ti/'t/»»//«, et t/o A/«t«te «eTTttt/on. t/o A/?et»ie 00?°«' et e»»'«?««»/ eoT-vt. t/o kte«/t)nt?t?'tt //«^et- 00?°««,» et /tA?««»i. t/o i'?t/»?-tetk?it/tL et t/o »tee, t/ttt. t/o At>«t»to ve>tttttoii. xxvtti. t/e /e/ttL e^Zte/i!?v'^ttL et «etv/'e»/»'. xxix. t/e ^ottt/tt l/e ^et?tt« /ttkt,»«. t/e eotoi't^/» »teo et,/»»,mt te»e«t/». ^»ot/eL /t/em t)«to^eL ^<,»e»t/t ///it. t/o ^i'vt?tt?» /,/,/>o»«ttt>'. ,/ttti«tt>tt» t/ee«i et«»- ^iet«/>l Mio?«/« /°tttA«t> ete?e,e». (7) zu» (1. l.. uliie? entu>'. — xxxix. t/e Ae?ie?'tü?t« et te»^ie?'tt«!e?iti« /o/tt. — xi.. t/e ce/iv^i't'o. — xi.1. t^e vt>t'e/t — xi.il. c5e v/i'/c/i /tt//itt?it'cs. — xi.ni. e?e?-o/a. Incipit über primus. lüap. l. «/e te?tt^ie?'a??iento eoto?'?«» i?! »nte//^ co^ioi't'^UL. (üolor, ciui tlieitur rnewvrsna, «zuo pingitur tacies et nu6.i eorporo, tie comnonitur. 1»IIe eeroliim i. e. altiurn, cmoä üt ex plumbo, et mitte eain von tritam, kell ita ut ett liecorn, in vas cunreum vel terreurn, et none tuper nrunas !>r6eutes et cvrnvure üonee eoilpertatur in llavum colorein (8). Deinile tere enm, et ailmitee albain ei cerotarn et cenobrium, «loneo carni limilis iiat. Quorum colorum rnixtura in tuo iit arliitiio; ut 6, vertu ^ratio, ruveas tacies Iiabere vis, plus ac!6o cenolirü, lr vero eaniliclas, plus gvnone alt»!; L autem nalliüas, annonv pro eenolirio, nie- llieurn »rlüini. (!sr>. II. e/o co/o?'. »llSil ve/ A»/a»cum. ^Iteonlnli preslivtvri cliverkicrum artium tellecluls. 377 t!sn. IV. t/s i'v/a ^«-/m«. Veincle mitee eum limnliei memlirana mo6icum cenolirii et minii, et eonlieo eolorem, «zui clieiter roka, uncke ruuriesbis utramccue msxillam, os et rnontum inserius, collum et ruZas kroniis moclice, inkam lrontem tuner tempora ex utrac^ue varte, natum in lonxituciine et kunernares ex utrac^ue psrte, articulos et coelera memma in nuclo eorvori. dan. V. /»?«t'nK /??i'ma. ?ott Iilve milee eum limnliei membrnna eerosam tritsm et eomnone eolorem, o^ui clicitur lumina. Incle illuminaliis tuner- cili.i, nntum in longitucline et tuner koramiua nnrium ex utrac^uv narte, tulitiles traetus eirca oeulos et temvor» interius, et inen- tum tunerius, et juxta nares et os ex utrgcmv ^>arle, trontem tunerius, inter rugas krontis mo6iee, et eollum in meclio, et eirca aures, ae articulos manuum et neclum et braeliiorum in meckio. iüsn. VI. c^e «enec/« »t oc»/» ^io?ie»i?ntt!t/a. Deinile milee eum roka cenodrium, et linies incle in ineclio oiis, it.i ut anterior tunerius inkoiiuscrue nereat, et sae sulitiles traetus tuner rosum in laeie, in eollo et krönte, et cleligualiis incle »rtieulos in nglmis, et junctur.is oinniuin memlirorum et unAulas. Liin. ix. k/e /«„ittitt /'ec?«it^a. I^t ti sneies tenelirol'a l'uerit ut ei non luklieiat un.i lumin-i. aclcle ei nmnlins cle alü», et suner nriorem linies l'ulitiles tractui? ner omuiu. 378 Zur Geschichte und Litteratur. Sechster Beytrag. Op. x. l/e ca^tV/t^ Meno?'»,«, ac/o/e/ee?it«m et ^»ve?««/?. ?ott Iioce mitce per omnia^") mo6ienm nigri eum ogra et imple eap!IIo8 puerornm, et lliteernv eos eum m'gro. ^>llle amplius niAri eum oZra et imple eapillo8 juvenum, et illumina eum leeundo. Lap. XI. t/e Äni'ü«»- K«»/«. ^!Vli5ce mo6ieum nigri eum cerola et imple eapillo8 et Iiarlias »lecrepitorum. ^ilde eiäem eolori amplius nigri et mollieum in- Iiei, et kae intlv traetu8, et illuiiiiiinuis limpliei cerota. t!c>mmikee rurlum eerok« ampl!u8 nizri, et imple capill8 et var»a8 eompoue. t)ap. xm. c/s e^r?«t/r» et cete?'/» eoto?v'üuL. Deincke allmitee ruveo moclieum nizzri, cmi eolor voeatur exu«Ira, et tae inilv traetu8 eirea pupilla8 oculorum, et in meilio ori8, et tulitlle» tractu8 inter »8 et nientum. I^ott Iioeo euni limplici rulieo kae tupercilia et lul)tile8 traelus inter oculo« et lupercilia, et oculo» iuser!u8, et in plena saeie nasum in itextera parte et tvpernare8 ex utracme parte, et 08 inlvriu8, et eirea Ircmtem et maxilla8 lenum interiu8, et eirea «liAito8 manuun» et artieulo8 peilum interius, et in eouverla 5aciv eirea nnre8 in an- teriori parte. 8upereilia vero kenum live clecrepitorum sacie« eum veueila, uncle pupilla8 iniplekti. Deiixlv e»m limplici ni^r» juvenum tupercilia 5acie8, il» ut 5uperiu8 uiilmantulum ruliei appareat, et oeul<)8 5upvriv8 et koramina narium, et 08 utra l^°) lsiuit ^e?" »uin/ll I^ips. »o» SL»us<:it Lt vitlelur wiuurv ox !tilletit!>Il!iU<- rvpeliluw. Hieopliili Presbyter! ulverkarum artium tcl»ellula. 379 t?ap. XlV. t^e „tt'^^trtt «e/i!/?nento»'!«?tt »i /«^»ea»'«. ^iVlisce menete eum tolio 5ive eum nigro, et moilieum luuco, et iniple vettimentum. .^«lmitee etiam moilieum m'gri et tae tractus. I>eiu«Ie mikee Ia?ur eum moäico meovte. live eum tolio, live eum eo6em eolore uoile impletti, et illumma primum, et eum puio I.^ur illumina kuperius. I'ott Iioee mitee parum allii eum la^ur et sae tulililes et raros traetus. Imple vektimvu- tum eum rulieo, et H rutieum palliäum llt, ail6v moäieum uigii. lulle mitce amplius niZri eum eoäem et tae traetus. Deinllv mitee moilieum ruliei eum eolore cvuovrio et illuwim» primum. I'ott Iioee aäile moilieum minii eum eeuoliiio et illumiua lupei'ius, imple vektimeutum eum eenoliiio, et mitee eum eoäem moilieum ruliei, et lae traetus. Dvmäe mitee primuni moilieum miuii eum eenoliiio et illumina piümum. I^ott Iioee illumina eum Lmpliei miiiio. extiemum mitee moilieum nigri eum i'uveo, et tac exteriorem ummam. ülitee purum viriili eum o^ia, ita ut 6e vAia plus lit, et imple vettimentum. ^llile eiilem eoloii moäi- eum cle tueo et parum ruliei et tae tiactus. Alitee ei6em eoloii unlle impletti .illmm, et illumina primuni. stille plus all»! et illumina exteiius. I>Iitee eliam eum kuperiori umbra plus tuei et iul»ei et parum viritlis et tae umliram exterloiem. ülitev tu- eum lolii eum eerota et imple vettimentum. ^clllv tolii plus et sae traelus. ^Vilile plus ceiotie et illumina. 1'ott li«e eum lim- pliei eerota. ."Vtl extremum moäieum tolii triii et moilieum ee- iiolirii mitee eum priore umvra et tae exleriorem. üt eoilem eolore imple aliuil vettimentum. ^ällo ei plus tolii et ceuoliri et tae traelus. ^ilile eiilem uiule impletti, cei'liümi et moilieum conoliiii et illumina plimum. ^e exteriavem. I5x I>ae mixtliia sacies Iril» xeneia vel'timeu- luium, unum purpuieum, .iliuil violaticum, teitium cimäiilum. klil'ee vii'iile eum l'ueo et .itllle moilieum ogi^e et imple vettimvu- tum. ^ilile plus lle l'ueo et lae tiaetus. .«Vilile eti.im moilieum nigii et s»e vxteiioivm umlii'-nu. ^ilile eum implelioiie plus viriilis et illuiuiu!» piimum. (^um pmo viiiili illumina exleliui-. et li o>>»s lit, !u>«lv ei moilieum !>t>)i. j>Iil'ee moilieum eeuoliiii eum uuripigmeut» et imple vel>imeutum> .'Vilile p!»rum rutiei 380 Zur Geschichte und Litteratur. Sechster Beytrag. et kae tractus. <üum kimpliei rulieo umliram exteriorem. .HMe eum impletione plus auripigmenti et illumina primum. Iikce allium et viricke et imple vektimeutum. Iikce meneke eum albo, orüino i^uo kupra. klikee kimiliter nigrum eum sllio. Lockem mo<1o mikce ogram eum aliio, et in umliia ejus aücle moäicum ruliei. Lap. XV. «/e »»'/rtura ve/'<«'/tte?iunott lioec rulieum nigro mitce. ^ll ultimum nigrum. 8imili moclo eommilce colore8 ex virilli et all>o, äoneo pervenia8 all limplex viricle. Deinäe aümitce e! mnäicum lueum. Eommilce iterum et aääe plu8 luci. Post Iioec miloe mollicum nigr!; 8 vero in oZra kaeies cum rulieo; aä ultimum mltlito uigro. Vmt>ii»8 wenelc oum kolio; all ultimum ailäito niZro. I1mlirs8 lolü eum rulieo, a6äito ad ultimum uiAro. ()ui colore8 ita po- nencli lunt, ut ex meäio palliäiore8 traetu8 proceäant, et ita ascenclant ulcjuv a<1 exteriu8 nigrum. Ilorum tractuum nunczuam plu8 Iem onere; l'eil uno eolore, ita ut interius allium üt et exterius ni- :;rum. 1'urres rotunda? iiunt eum vAra, ita ut in memo Lt allius traetus, et ex utraciue narte nroceäat ogra omninc» nallilla et naulatim iraliens croceum eolorem us^ue ante nenultimum tra- otum, eum k^uo mikeeatur mnm'cum rulieum; 6eiiuie molliee am- plius, tie tamen ut nee tnnnlex ogra nee limulex rulieum anna- reat. Lvtlem moclci et eaclem mixtura tiunt turres et columnüe ex ni^ro et alvo. 8linite» arliorum enmmiscentur ex viriili et NZia, aclllito mumec» nigro et luea. l)uo eolore nin^itur etiani terra et monte«. ?iunt etiam terra et mantes ex viritii et all>» line tueco, ita ut interius lit nalliiium, et exterius traliat umliras mixtas eum mom'co nigro. dmnes colores, Ia?.ur et tul) menete et tut» viricli novatur veneila; 5ul> eenourio rulieum. 8uu vAi-a et kolio iiiem eolores calee mixli. t>an. xvii. tte t«6«//s < utnntur «ioiiaiii live tonnarii; tieindv eonnonantur glutine cal'ei, ciuvii Iwe mnilo tit. l'aseus mollis ininutalim ineillatur et ac^ua calilla in martari» eum nila tamtliu lavetur, «Icniee apie manu traliatur, umiv raliun- tur tauulse, ostia, et 5cuta, lionee omuino liaut nlana. In6e cooperiantur ecirio eru!8: kse lliAito8 tuos Iiumillos eaäem gs^ua et eum rekrigersti tuerint, li lilii adliverent bonum ett zlu- te»; tin autom, tamcliu eoc^ue 6onee tilii sülisereant. Deinlle ettunile intum gluten in vas munäum, et rurtum imnle ollam srnia et coyuo tieut nrius, ticu^ue taeias usc^ue Muster. I^ottlioeo tulle g^nlum more calcis couliuttum, live eretsm, c^ua pelle8 antur, et tere lliliAenter tuner lanillein eum grma, äeinäe mitte in vi>8 tetteum, et inkuullen8 Flute» eorü nono super csr- Iione8, ul gluten liljuelial, t!e«7ue 1in!e8 eum pineello tuner intum eorium tenui8lime; se lleincle, cum llecum tuerit, ali^uantulum linie« tni8tiu8; et li onu8 tuerit lioies tvrtio. Lumn^ue omnino liceum tuerit, tolle lierliam, czu« »nvellstur stnerella, s^uoe ereteit i» limilituclinem junei et ett noäota, n^uam eum in vcttale culle- goris, tiecaliis in tole, et ex ea tr!ci>vi8 iuta lleglliaturam, llonee omnino nlane et luciita ti»t. (^an. xvm. o/'/«» et «/o o/oo 8i gutem volueri« ottia rulirie.ire, tolle oleum lini, «^noll Iioe niittlo comnone8. .^eeine temen lini et exlieca illu«! in tarlgAinv tuner iAiiem liue gl^ua. I1e!»«le milto in moilaiium et eouluixle illuil n!Ig clonee lenuitlimus nulvis liat, luisumc^uv mitten« illuil in lai't.iginem, et iusunciens motlicum n^usc, Iic eslekseie« koititer. t^oslea involve i>Iu. legil ?io» ^«///ttt. 384 Zur Geschichte l»id Litteratur. Sechster Beytrag. t!an. xix. c/e A?«tt'ne ?oi?e oleum liui in ollam novam narvulam, et ailile guwm!, 8 uono ollarn ruilem, et in eam initte tuvra «lietum Kninwi Voruis, ^und ro- wane LIaila 6ieitur, et Inner vs I>ujn8 all-« none ollulam nilno- rem, c^uoe Iiaveat in kun6c» mniliouni korsnien, et elrcumlinies ei vsttsm, ita nt nilnl 5nirawini8 inter iusl>8 o1I»8 exeat. Deincle luvvone iZnem üiligeuter, cinnee inluni xummi li^ueliat. Ilnlievis etiain lerrum grgeile et manuvrio innolituin, uuile eoinmvveli!« Zvtum Knnirni, et eurs c^uo tentiro nolu^ ut omnino lil^uidum tiat. IIat>ea8 yuocluv ollam tvrtiam juxla super cart>one8 «otit.ii», in c^ua üt oleuin liui caliilum, et eum gnrom! ueuitu8 li^uiiluin kuerit, ita ut extracto terro c^uali liluin transtur, inknncte ei «leum caliltum et serro eommnve, et lie inlimul ea^ue ut nnn Iiulliat, et interäum extralie serrum, et liui modiee luner lignuin Lve kuper lanidem, ut nroves cleulilatem ejv8. üt Iwe oave!>8 in poudere, ut ünt üuse narte8 olei, et iertis gummi. ue Q«I liuituin tuum coxeri8 (liligenter, all igne rewoven8 ei ilil'en nner!en8 rekrigorari Une. xx. e/e /e///« e^?«e/'etokoro8, ilem tel>!>8 nlieatori.18. se leslivlla et eseters, c^use seulnuntur, et n«n nollunt euria vvl nsnno cooneriri, mox ut rster!8 terro, krical)i8 .isnerella, liccsue ui8 llvi>lv!tt>i8, et eum lieea kuerint, rurtum gsnervlla i)Iini!>Iii8. ü'ol'tlloeo in eireino et reZuIa metire et ititnonv ovu8 tuum, vi- äelieet imsKine8 gut Iiektis8, vel ave8 et tolia, live ^tori artium «Ilverlarum telleclula. 386 lüap. xxi. ^ottt/a auri. ^lolle pergamenam Arsecam, c^u«: lit ex lana ligni, et kriea- l>is eam ex utrac^ue parle cum rulieo colorv, c^ui eomliuritur ex ogia minutislime trito et lleco, et Zolles eam deute caktorls live urli, vel apri, cliligentislime, uonee lucida liat, et ialiea8 malleum lulilem ex auricalco, juxta manudrium zracilem et in plana latum, uinle percut!e8 ipsum marlupium super lapi- clem maxnum et oelpaalem, nun graviler lecl moilerate, et eum s!«piu8 rekpexeris, eonliueralii8, ulrum veÜ8 iptmn aurum omnino tenue tacere, vel meclioeriter tpillum. 8! autem tupercreverit aurum in attvnuanilo et inarlupiuin excellerit, proeciäe8 illuil toreipe parvulo et levi, tantummvllo ad lloc opu8 facto. Ilazc vtt ralio aureoe petuloe. <)uam cum lecunäum libitum tuum attenuaver!8, ex ea ineille8 korcipe particu1a8 yuautg8 volueri8, et iixle ornaln8 coroua8 circa capila imaginum, et 5tola8 et or»8 vetlimentorum, et coctera ut liliucrit. Impouenclo autem tolle clarum, cxuoll percutitur ex alliugine ovi Lne anua, et incle cum pliieello leui^er Iiuie8 locum in czuo pmientlum e5t aurum, et cauäa eju8ilem piiieelli in ore tue mallvlaeta, continxes unum coru invisoe petulve, et ila elevans eum summa veloeitate impo- neS et cum pineello Lespial)i8. La Iiora oporlet tv a vento ca- vere, et ad lialitu continere, «zuia li llaveri8, petulam porlle8 et u!Mcile reperies. <^UN cum potila tuerit et liecala, ei ü volueri8 eouem mou8 cum uenlc live cum lapiclo polire possi». ^ss>»gs Werk- x. 25 38l> Zur Geschichte lind Litteratur. Sechster Beytrag. Il-ine eliam nelul.im, live volueris in muro et laljnear!, eoilem inol»i8 tliligenter ineuilo mnlleo, !>8 et cjusm tenue8 parte8 voluer!8. Lt oum ali^uantulum »Ilenu-ni cozveiiut, i>urZal>!8 e:>8 in uns n.->rte nanno Isneo, et e.iil)0l>ivu8 lieei8 miuutklime tr!ti8, so iterum nercutie8 walleo, rurlum^uo siieadi8 pannc» et carl»<)niliu8, liec^ue linZuli8 vieiliu8 kacies, llonee omnino sttenuaveri8. ?ost Iioeo kriesln8 e!>8 leniter 6ente »uri luuer ligneam tavulam oe^ualem, U8lzue «juc» lueitl-e liant. Deiiille eo»juoge8 eü8llem psrte8 unam aä alterum Inner ivtsm tauuliim, et i>üli!erel>i8 eas li»Zula8 aä liZnum euin cera, ne n8 oum in ^nrili ine!tleri8, liinle8 per me- «luiin et lieeavl8 tuner kumum. l)einIesacie8 tuner ignem llonee teneliat; Lc!ürelii8 e:>8 li^neoe tauuloe 5unerlinien8 glulen lient nriu8, et eiiin lieealoe luvrinl, iam l>slie8 ktggne.18 netulg8, imnone8 oner! tuo teeun>Iuin liliitum tuum Klutine eorii. ^e »8 aeeine enlnre8 r^uo8 imnonero volueri.i, tere»8 ec»8 iliii- Aenler nlea lini linv scjua et iae m!xtura8 vultuuw se vestimen- torum liout tuneriu8 a<^»a seeeri>8, et t>e5tiS8 live ave8 ant lulis varil>I)i8 tui8 e»Ior!IjU8, nrout litmerit. <^sn. xxili. e^e «Leo et Att/nmt te?°e?i«/«L. Omnia xenera euloruw eolleni genere olei tvii et n»n! nolsiint in «nerv li^nen, in Iu8 tantum reüu8 ^uoe solo lieear! notl'unt, «juia nu8 tuun» keltinüre kume Zumwi, lzuoil exit tle grdore eerak» live nruuo, et ^Iicovlnl! I>revsvtori llivertsrum artium 5elie6ula. 387 ennelllens illucl minulatim nonv in vas lielile, et a^uam al»un- clanter inkunlle, et none a«! tolem, live kubier earlionos in uieme, a tettuilinis vel eon- eliilii, sxua: ^!to»?k,c/o ^Lt?oreeui»s, et iuteiius ave-, sivo Iiestias ant kolia; et euin liccum tuerit liiiie-, ner vninia iu- beum kolium tvnue, »leiintv knislius, et tei^tio li tit vnus; av n»5t modum linies äekuner tenue vetus elaruin, line acnia nerenlluin. (°) li. I.. rLUviu. ^.>. » ._^_ 1'Iieonlüli ?reslivteri ilivertarum artium leliellula. 391 purnureum kolivm et lanlnreum non tere8, ked nerkunclo eo«lem tewneramento in eonclia linv caleo, et movv ligno, et eum per noetem steterit, in crattinum none kmoinolloeumc^ue volueris, Union» claro lunerius. Vettimenta et omnia kxuoe tolio et ear- min pinxeri», claro kunerlinios. <üinere8 autem coetos, onil»u8 ner noetem, et in erakünum tero eum cliliFentislime kuner laniilem lieeum. (üumiiue aceeneri8 turc»In8 graeiles eolloea eos in nroeclietum cavum lignum, ila ut lluve partes eavi lint inkeriv8, et terlia tuneriu8, liec^ue linics laminas euureas ex utracme narle melle nnro, asnerAvn8 llemner 5al tritum, et colln- ealiis tuner 5ure»In8 ill«8 conjiinelim, eonperio»8 mliFenler altero ligno all Iioe anlalo, ila ut nilul ssilraminis exire voslit. I'okt sae sniamen tereliraii in angiilo inliu« lizni ner cmoil nollis in- kuinleie aeetum ealesaelum aut ui-inam calillam, ita ut terlia nars eju8 imnleutur, et mox oliktrue koramen. Iioe lignum in tal! laco e8 uonere, »I>i noslis illucl kterc^uilinio ex omni narle eoonerire. Post «matunr vern lenlimanas solve conneroulum et 392 Zur Geschichte und Litteratur. Sechster Beytrag. «julciruiä tuper cuprum ir>vooeris, eraäe et lerva, et iterum rc- ponen8 coopoii oräine c^no tupra. Lap. xxxiv. c^e viVilöt ^i//)a?u'cc?. 8i veio virille uitpanieum eomnouerv volis, tolle eupii ta- Iiulas attenuata8 et raäens eas üiliAenter ex utrac^uv naite, per- tuncke aceto nuro et caliäo avtc^ue melle et sale, eoouone^ue ess in ligno minori cavo, oriline lzuo tupra. I>o5t 6ui>« seutima- nas retoiee so raäe, liecme 5ae!e8 äonee tivi eolor suktieiat. Oap. xxxv. t/e (^eiotam autem cowpolituru8 sae tilii plumlivas tadulas atle- nuari, et cowponens e»8 Lcoas in cavo lizno üeut cuprum tunia, intulo aeetc, caliüo live uiina cooperi. OeinlZe pott nienlem kolve eoovereulurn et c^uiec^uid alvum kuerit auierens, rursum lenone liout prius. <üumn^ue tivi sutkeceiit, et minium inde tacere nla- eueiit, eaniieni cerotam tere tuuer lauidem avsljue aczua, et lleinlle mitteus in olls» novas äuas vel tres pone tuner eail»o»v8 arüentes, ualiea8 autein keirum Araeite eurvuin ex uns naitv ÜKno sniaturo et in lummitate latum, eum ljuo moveie ae mil'eeie ipsam eerokam interäuin pc>5lis, ats^ue Iioe tam «liu kaoies clonee miiKum omnino rulicum iiat. Lxsilicit lilier priwus. Incinit ?rvIoZU8 liori secun6i. In m'-rceuenti liliello, tiater liarislimv, tineeiv tlileelioni» all'eetu non mv mguit tuoe inäoli inlinuare, smanti Ixmoiis cman- tumc^ue perteetionis llt, otium cleelinai-e, et iuertiain tieiilli.iniime ealcaie; «mamnue liulev ae deleetauiie, «liveikarum utililatum exereitiis oneiam 6are, juxta vooem oratoiis cujusdam tZievutis: Leiro slic^uiil laus elt; culpa ett, uil lliteeie vvlle. IXee ziigii- tvtur k^uisniam, eum, u5tat, l^uia, «juis^uis vlic» ttuäet ae levitati, kaliuli8 k^uo^ue 5unervaeui8 »neram ilai, et t'curiüitati, ouriolltati, notatioui, emietati, i'ixee, nugn«!, iiomiei6io, luxurioe, tu5ti8, la- erileg!i8, neriuriis ^ esetvris Iiujuiiliiocli, l^use oontrsiia luut oeu- I>8 Dei resnieioutiL tuner üumileu» et nuietum et oneiautem eum Hieopltili ?ro8livtei! divortarum aitlum tclieünla. 3^)3 lllentio in nomiiio «louiiai, vt vliocllnnlem proeeepto I). I^auli apoüoli: ^sa^i« «utem ta^oT'et o^eil»ic/o m«nit>u>5 ^lies, io inox invliservato peäe ingrellus, rovlvvi armariolum cordis mc:I tuklieieuter ex omnilms, ^uoe üiliZeriti exporioatla /iAÜIatilli per- tcrutatus, cuucta v!tu mallil>llsliu<: prolista taUs lueide tuo üuilio commLllllavi alisc^ue inviäia. Verum c^uoniam Inijusinoä! pic^ui!« utus ^orfjiieax Hon valet olke, c^uaü curiotus explorator vinnilius luollis eladoravl cognoteoro, c^uo arlis iugellio od eoloiuia vano- t»8 onu8 üeeorarot, el^ lueem diel solisc^uo raäios uou i-enelleret. Iluic oxoreitio dariZ oneiarn vitri natuiam cownreuendo, ojusknio t»I!u8 u5n et varielato ill ekliei poilv coulltleio, ljuod ai'Uliviuiu, üout vituin ob sudllum diilici, lllidio tuo iudllZaie curavi. Lxplicit prolozu8. lacipilillt cspiiuls. t!i>n. i. «m/ »c/ o^e>«iit/tt»i v/t?'««?«. — II. e/e /?«?'?io 7'o/>«Ae?'i'e. — ill. t/e />«?'??« l///att???t/t et ?ete??/?///s o^e?'/^. — iv. t/e t?a??????/.rt/o??e e/??e?'?t??i et />?t>?tt/. — V. t/s e^?e?'/L et t/o eot^?te?it/t? v/t?'t> «/t/o. — vi. ec> v/t?'». — ix. l/e ct/tata?!cttL v?t?e/s t»»«t». — x. t/ttomoe/c» /?<»it vn/tt t/o v/t?'». — XI. t/o «m^tt/ttF ctt//t /t't/t ve'ti'o. — XIV. t/e v/ti'ti /'t^?/?/?oo. — xv. t/e v/t?», t^?tc»t/ voettttti' ,/tt//to?i. — xvl. t/e ttVve?'//»' vit?-/ eottttt/iitL no« t5 Aiteee et t«t,e«t» t/eco?«»/. uti'ium ^Illcll i» »vllro. 394 Zur Geschichte und Litteratur. Sechster Beytrag. ,/or/o. — XXXI. c/e «?c»7!/!ttiAe??c//L et /o/tVt«»«/» /eite/tr«'». — XXXII. kts Ae?«?ttiL ^?i'cto vitro »///lone?»/^. — — //»^)/tet^?«L /«»ie/Vr». — XXXIII. 0Ao?»octo re/ormet«r v«L «itre«,/- /»«ettt?/«. — XXXIV. ete Incipit liker secuncjus. Csp. i.---- 8i teüerit animc» iuo ut vitrum eomnonns, nrimurn ineiile ligua tsginea inulta et exncca ea. Deintle coinvnre ea nariler in loco munclo, et eineres diligenter colligen8, cave ne tirwuin et oel^ualeni Isniälvns et ar^illa, lllvitlens «um inier tre8 nnitos iv^uales, ita nt cluoe narte8 lint zier te et teiiia ner 5e, llivil-, muro in laiitudine nolito. Deindv kac ioramon in nirac^ue sronlv Iat!tuii!ni8, ner snioct nv8Ünt li^na et iA»i8 iinnnni, et «llil!can8 murum in circuitn U8ljue a«t latituäinem neue ^uaiiior neiluni, tae iterum larern luniuin et oe^ualem ner omnia, et lioe muruni 6iv!l>c»n!8 alilluantululn asevnäere. I'ott «^u« s:>e in majori t>>alin kzuatuor toramina in uno latere longituliini«, et «ni.iiuur in alter« ner meuium lari», iu i^iilius nonautur vata oner!«, duosine so- Ilieopmli preslivleri ulvertarum artium kclleclula. 3l)5 ramina in meäio per nuse klamma poklit S8cenclero, et vem'licaus murum in circuitu, kac «luas kenektra8 lzuaclras Iong!tu6!nv et latituclioe unio8 palmi, in utro8llt impoui et akkumi rsnoä necektarium ett operi. ?ott<^uam Iioec ita oräinave- r!8, kac partem interiorem cum muro vxteriori in Lmilituüineni kornacis srcuarü, interiv8 altituäine motlice ampliu8 pe<Ü8 6im!llii, ita ut kuperiu8 larem kae!a8 veo^ualem per omnia, cum laliro all!- tulliue trium 6igitorum in elreuitu polito, ut lmie<^u!i1 c>per!s vel utvnliliorum tuperponitur von pokkit eaäere. Ikte kurnus 6i- citur clivauus opvri8. <üap. il. «/o /!«»io 7e/>/Ferii. ?ae et aüum kurnum, longituiline peclum X et latituclioe VIII. altitullino vero IV. lline kacies in uoa krönte koramen aü im- ponenüa ligna et i^nem, et in latere uno kenektram petÜ8 uniu« aanu8 rekrigvrii. (!gp. lll. t/e /?«r?!o l^'/nta»^t et ?tte»i/?tt» o/ier». I^aeies etiam kurnum lerlium longitucline poclum kex, lalilu- tline n,uatuor, allitulline trium, et koramen keiiekiramnuo et larem licut tuperiu8. Ilie kurnv8 clleitur clil)auu« clilalaudi et irn^uanm'; utenlilla vero alt lioc op»8 neeeklaria ku»t iiktula kerrea lluarum iiluarum, grotlituclinv pollicls uuiu8, koreipes iluo in uua parte terri percutki, Irullse kerrcoe üuoe alr^ue alia liAuea et kerrea, ^uoe voluer!8. Lap. tV. ,/e co?»tttt'.?!t't»»o einer»,« et Ili« !>a compnlilis ace!s>e IiAiia kagiiiea omnino in kuuio ex- tici'ala, et aceenile i^uem copiokinn in majori kurno ex utracpie parte. Ileinllv tollei>8 clua8 pnrte8 cinerum lle «pniius kupra llixi- mus, et Ivrliam kalnili ilili^enter »le terra et Iapilliliu8 purgati, ciuoä lle aljua tuler!8, eoinmitce in loco mumio. Lumcpie liiu et t>vne commixla kueiinl, levairs cum trulla kerrea poue in minor! parte kurni k>i>>er larem kuperiorem »t co

antur, et cum coeperint calvlieri, ltatim eatlem move nv korle lisiueliaut a ca- 3ö6 Zur Geschichte und Litteratur. Sechster Beytrag. lore ignls et conglernerentur, Lec^ue kacios per spatium uuius iioctis et diei. <üsp. V. l/e !>a/?L o/ier«L ei co^?«e?ic^o vi^o a/^o. In hiio t^patio seeipv lutum aluum, ex yuo eomponuntur vlloe, et exliceans tere diligenter, et iusuta acma maeera cum ligno kortiter, et eompono vata tua, lmoe üut 5uper!us lata, in- teriu8 vero I°trieta, üaventia eirea ora latnum parvum iuteiius recurvum. <)use cum tieca knerint, aeeipv eum loreipe poneu8 ea in koramina jurni caudenti8 ad Iioe aptata, et levans cum Irulla eiuere8 eoetos eum tavulo mixtv8, imple ownia vasa vespere, et per totam uoetem sdde ligua lieca, ut vitrum ex einerii>u8 et laliulo Ii«^ue5aetum pleniter eor^uatur. t?ap. VI. o/iok'eii^tt' vi^e« et su5tia modieum, Katimcme removeiis all orv tene juxta maxillam, 00 torte, ti retiaxeris aulielitum, tralias Lammam in es tuum. IIat»ea8 c^uocme Ispideni oecmalem ante tenettram tupvr c^uem modico percutie8 ipsum canden8 vitrum, ut ocnualiter ex omni parte pendeat, et ttatim cum 5e5ti»atl»ne ereiiro 5uMan8, tolieus al> orv remove. (!umsmo videri8 illud dependere cmaü velicam longam, adlnüe kumwitatvm eju8 ad llammam, et ktatim liliue^aeto appareliit koramen, aecepto^ue ligno ad Iroe opu8 taeto, kae toramen amplum Heut e5t in medio. Deiudv conjunge oram ipliu8, luperiorem videlicet nartcm ad inkerioivm, ita ut ex utracmo partv eonjunctionis koramen apna- reat. 8latimcmv eum immido ligno eonjunge ipsum vitrum juxta iiltulsm, et vxeute modieum et tepsratiitur. Nox etiam caleiae iptam ll^tulam in 5lamma 5ornsei8, donee lis^ueüat vitrum c^uod ei jungitur, et eum testinaiione pone tuper oras duas vitri eon- junet»8 et adliserMt. <)uc>d eontiuuo v!ov!M8 initle in slaiimu, k»rnaci8 donee liimeliat mramvu und« priu8 Mulam teparatti, et aeeepto li^no rotundo dilata lieut allvrum et eomplieaii« oram vju8 in mediu separansime a listula eum iigno Immido, da puerli, ,mi iudueto liguo per 1'orauien ejus porlalilt in lorunieu relli- ?neonlnli Presbyter! llivertarum srlium folieckula. 397 gern, ssui meiiincriter caletactus lit. Iloo genu8 vitri nurvm ekt et allniin. I^o>?em moiio alsnie vollern or6ine oneiare limile8 narte8 vitri, iloneo tilii 5ex vrika Ilauri»8 (°). dan. VI. ci'oceo vi^o. <)uo«1 li villeris v»8 ali^uoü in croeeum colorem inutar!, line illull ooriui usciue üoram tertiam, et Iiudem'8 eroeeum leve, et onvrare inile Quantum volueri8 ordine lpio tuprs. 8i vis vor- mitle con^ui usiiuc; Iioram fextam et Iiavevis eroceum ruvicun- 6um; tae etiain incle kmoil liliuerit. Llin. vii. /??«?'/i?«?'eo vi'ii'o. 8i vero nerspexeiis sruocl I^e torto vns slikmoil in kulvum colorem eonvertat, liui carni Lmilis ett, Iioo vitrum pro mein- Iir.ina lialieto, et aulerens iinle cm.intum volucris, relic^uum corrue nvr ctu!>8 1>oi!>8, villelicet a prima U8n,ue ail tertiam, et li!il»elii8 niirnure.im Ivvem; et i-urlum eoc^ue a teitia U8czue sextam, erit nurnurca riisa et nerfecta. (^ap. vm. k^e l/tVn?ttttt^'L Vi'ii'eiL taöu/e'L. (üum gutem ex I>i8 coloriliu8 oneratu8 5ueri8 yunntom no- t>i8. iüumc^ue omnino !rmi!>tum fuerit, mox eieien8 incle mille in surnum rekrigerü mo- «liee eulesaetum, lie ut non jsceat, teil ttet »ä parietem ejv8 Invui.i, juxta sniam slatue8 et süam narimoclo ir^n.itam, i>e ter- ti.im et relism.18 omne8. t)»oe eum krigicl»: kuerint, uteie ei8 in eoinnonenlÜ8 senektr'^ linclenü'o n.irtieul.itim ^uaiiter volueri8. Lan. ix. ^ttv/«ot?o vtt/'tt vt^ea. Vota vero faeturu8 comvone vitium ordino kpia tunra, et cmn tustlaver!8 teeunäum smanlilatem ksnam volueri8, non kaeie8 tornmeu in kunäo tieut 5uneriu8, Icä ita iutegrum 1on!>r!>Iii8 a littula eum ligno armve intineto, ^u»m Mulam mox e.ilelaolam (°) l^iz>5. Ilülicl, 8 o^uot veÜ8, Interim teuen8 v»8 juxta llammam ut ca- lidum ut noc tarnen licxuetcat. ^uker etiaru modicum vitri a turno ila ut lllum vott 5e traliat, et snnonen8 vali in c^uo loco volue- i !8, circumvolve juxta llammam ut ltvereat. (^uo lacto lecundum conluetudiuem amovel>i8 listulam, n>itten8 va8 in lurnum retri- Aerii; atc^ue lroc modo oneralieris, Quantum veÜ8. (!an. X. lam liltulam cum vala inlvriu8 denendere, ut cullum nou curvetur, et lic le»aran8 cum Immido ligno mitte in turnum resrigerii. t?gji. - - - t/e e?'/?L !v«V» t co/c,?v'^«L. Inveuiuutur in autiIrei8 lapiäilius, pretiolo8 levpll08 gll polaniium, (lecorante8 eo8 suro üoe moilo. L^eei- piente8 auri pelulam, 60 l^us luperius . ?aeiunt et alio mocio, accinientes aurum in wolenäino mo- liluin, cujus utu8 el't in liliris, temperant aizug, et argentum limi- liier, kaeienle8 iinlo circulox et in e>8 imagine8, live üettil>8, sut ave8, opere varisto, et liniunt Iisee vitro luenlMmo, «le cmo l'u>>ra lliximu8. Oeintle aeeipieule8 vilrum allium et rulneunäum ao virille. Quorum uku8 ett in eleelris, teruut l'uper lapillem por- lirilieum uuum8, et liinlium oirea orain; et üoe ine- ilioeriler lpillum, eocsuentes in turno oräino huo kupra. ?:>eiunt «ploijue sevplio8 ex pnrpura live levi kaplnro, et lial-is meilioeri- ter exlenlo collo cireumll!»nle8 lili8 ex alüs vitro laeli8, ex ea- «lem aus«8 Imponentes. Lx sliis etiani coloriliu8 variaut tliverta ouera tna pro liuitn 5no. ('ap. - - - «8 laeiunt opere senesliknio ex allio vitro luciclo, l'pilla8 a8 ininu>!>8, et eooperienles cn8 in uno 400 Zur Geschichte und Litteratur. Sechster Beytrag. latere suri petula, luperliniunt vilrum lueillillimum tritum »t lupra, et componunt eas canjnnelim luper terream talmlam, llv c^ua panlo insorius tlicemus, cooperlam ealco live eineiilius co- s^uentes in turno kene5trarum ut tupra. Ilujusmocli vilrum inler- polltum mulivum opus omnino 6ecorat. Lap. --- t/e ^etiMuL ei/ve?/o co/ore «i^t'/iictiL. 8euteIIas c^uoczue liciiles et navicula taciunt, alialzue vala lictilia, pinAenles ea Iroc moäo. ^eeipiunt omnium xenera colo- rum, terentes ea lingillatim cum aen8 eam camno inlius loci, et licut eonlide- raveris tractu8 in taliula per medium vilrum, ita pertralie cum crela luper vitrum exteriore8 traelus tantuirk, et ti vitrum illud dentum tuerit tie ut uon poslis nertnicere tractu8 n^ui tunt in ta- Iiula, accim'eirs allium vitrum nertralie luver eum, utin^ue eum lieeum fuerit none dentum vitrum tuner alvum elvvans contra lucem, et lieut »ertnexeri8, ita nertralie. üodem modo detiAnat»i8 nmnia Zenera vitri 5ivv in facie, live veltimenlis, in manivu8, in neililni«, in iimlio, vel in «^uocumsmv loco eolores uonere volueiis. tüap. - - - c/o ti/vt'e/e?«/-? v/t?'«. ?ol"tea caletaeie8 in toco serrum divitorium, n^uvd lit ner oinnia gracile, led in iino groltiu8, c^uod cum eanduerit in gro8- sioii ninle a>>none vitro, l^uod dividero volueri8, et mox anna- reliit iiiitium siaetura:. 8i vero vitrum duruin tuerit, maderac illnil dl^ilo tuo ex luliva in loco, ul)i terrum nal'uera8, c^uo tta- in» lllso, tecundum s^uocl dividero volueris, tralie terrum et li8- l'ura len,uvtur. t1mnit)U8 veio nartil>u8 ita divil!8, accinv grota- rinn, l'errum, «^uod lit lonxiludine uu!u8 nalmi utron,ue cauitv recurvum, euin tmo «^uuis et conjuuges oinne8 narles, unam- iniuie in sun loco. Ilis ita comnulili8 accine colorem cum n.---t/e ctt/« ^»o ^«»Attttr. Inlle cunrum tenue nercullum, cuml>ureii8 in narvula na- tclla sorie.i, «toneo nulvi8 oinnino lil, et accine narl!eul!>8 vn-id!« vilrl, et sgnlnii groeei, terev8 liuKuIaiitoi' inler >tnu8 lu^ides nur- t'nüieo8, et comwi«ce»8 Iioee tiia tiinul, ilu ut tit leiiiu nsr8 nul- v!s, et terlia viiiile, terlia^ue l'a^Inrnni, teres nai'iter tuner inl'um Ia>>ioc oncre, noler!8 eodem modo ineerc, licut in niclura colorum, ti>I! «css.ngS Wcrk- x. 2V 492 Zur Geschichte und Litteratur. Sechster Beytrag. moilo, tüum keceris tractus in vettimentis ex colore nrseü'ielo, koarze eum cum pinceUo ita ut vitrum liat nersnieax in es narle, ciua luminam tacere eontuevitti in pietura, et iiiem tractus in una partv üt üensus in altera levis, atciuv levior cum tanta 6i- ligentia lliscretus, ^uau v!6eantur tres eolores apuoüti. l)uem oruincm etiam oblervare äeues inkra tuvercilia, et eirca oculos atcme nares et inentuin, ac circa kacies juvenum, circa »elles nuuo8 et manu8 et relicma memlna nuul cornoris, ut«iue tpeeies nieturoe comnoüta colorum varietate. (!an. . - -t^e vtintt??» oo^?«/^»'. 8it etiain fmiü'am ornatus in vitro, vi6elieet in veslilius, in sviiilius, et in cainni8, in sanlnro, in virnii et aldo, nurnurenn,ue colore claro. t^um keceri8 nrinres umlir.18 in liujiismotli vet'ti- ,nenti8, et lieeoe kuerint, ^uicc^uill relin,uum ett vitri, cooneii levi colore, o^ui non üt tam llentu8 ricut leeumla umlira, nec tain c1aru8 iient tertia, kell inter lias mec>8 tractus et urio- re8 umliras illiv8 Ieviu8 coloris siilitiles tractus renianeant. In relicmo autem tac eirculos et ramos, et in eis tlores ac lolia eo- «lein modo, i^uo liunt in Iittvri8 nicti8, seil camno8, ,ictura. Ilis omniuus comuactis ac oenietis cociuenliiiin ett vitrum et color conurmaintus in turno ciuem comnones Iwc mocio. 'kneoplül! preslivteri äivertarum artium keno6ui->. 493 <üap. - - - ^»o?tt0ue eopilo ««pualitcr in limilitudluem arcuum, «zui areus Iu>Iiei>nt gl- titullinein pe«Ii8 et ilimillii, latituäineni cpuocpue limilem, longitucki- nein vero moliiee gmpliu8 cluorum pellum. Deinciv raacerüliis argil- laiu torliter eum »czua et timo ecpi!, ila ut ties parte8 Hot angilla, et «piarla limus. <^ua optime maeerala misceui8 ei koenuui liceuni, s»eien8 ei paltillo8 Iongv8 et cooperie8 areum virZaruiu interiu8 et exteriu8 acl lpMtuuniem uniu8 pugni, et in ineäio tuperi»8 rel!n^»e8 kor.imen lotuiillum per c^uoct pokli8 manum tuiun iinponere, sncies vlism tilii tre8 tralies kerreo8 Zrolutulline univ8 6igiti, et lou^i- tiilliue iinila ut pt>8unt tran8irv latituliinein kurni, kxuidus j»cie8 ex ulr.ikpue parto tr!a toriuninn, ut cum vnluer!8 potli8 iinponere et eieeie. 1unopone8 in turnum ißuem et lißna llouee exlieeelur. (Äp. /tt.//t ^«o?»»t^o vi^?/!. Interim sao tit»! tatiulain kerream ineuturam kurni iule- rius, exeenti8 !8 in longituiiine et duoliu« i» lati- tuliine, super c^uain orivral^is ealcem vivuni liccum, live cinere8 ipitliluäiue unius tektuese, et euiu oe^uoli ligno eompone8 eo8 ut üriuiter jaeenut. Ilativliit eaclem taliula cau6om terresm, per «uiiun pvslit portari et imponi ae extraüi. I^oue8 autein super e.ini vitrum picturn iüligenter et eoujuuetuni, ita ut in exleriore parte vers»8 eau6am pou!>8 virüle et taplnrum, ae interi,i8 alionu et eroevum et purpureum, ^uoll cluriu8 ett eoutra ixnom, et tie inmitlis trgt)it>us pooe» super ec>8 tsöulam. Leincie aceipie8 siiAinea in tumo valäv lieca, et aocenlle8 ixuein modieum in turno, postea majorem euni oinni cuutela, lioneo viüe.is llam- mam retro, et ex utrac^ue parte inter kuruuiu et tatiulaiu skeen- tlerv, et vitrum tranllenäc» at^ue c^nall lingeuäo cooperire, taiu- lim vo v-llet calx et eiiÜ8 tiiper l.itiulam, ut servet vitrum, ne super uuilum terrum a calore eoukringatur. Ljeeto autew vitro prolig, li P05Ü8 eum unxue tuo colorem erobere; li ncui, tuslieit ei, li auteni, iteruni repone. I'al! motio partitiu8 omniuus eoet!8, repone luper tcit^ulan^ liuAuI.18 in l'uo loeo, cleincle suncio c!>u>mo8 ex puro plumtio noc modo. 26« 404 Zur Geschichte und Litteratur. Sechster Beytrag. Lap. - - - e?e ?ae tivi äuo8 kerros, cmi Iiaveant latitudinem lüsitorum rluo- rurn et suissitudinem unius clixiti, IonZ!tu eandelaura sodiuntur so eelera sulilia, czuam nro- tuncie volueri8, et raäv interiu8 inter c1ua8 rexula8 moilieum in utroc^ue kerro, ut eum vlumbum in ei8 5ui larem utii nlumtium kunc1a8, et in laro kollam in cmo von»8 testam olloe magnam, >>uam I!nie8 inter!v8 et exteriu8 argilla eum kumo maeeratn ut lirmior sit, et tuner vam aeeenl1e8 ignem eoniosum. l^umczuv lieeata kuerit, nnuo nlumuum super ignem intra testam ita, ut eum lilmetactum suerit Iluat in eam. Iterum anerien8 serrum ealawi none suner caruo- ne8, nt caüdum liat, et tialieas lignurn Iongituilin!8 un!u8 uln-r, cmoä lit in uno cauite, nuo manu tenelÄIur, rolunäum, in altero vero nlanum et latum all mensuram o^uatuor ä!ß!torum, ut»i in- eiliatur in tran8verto U8c>uv in meitiurn seeunclum latitudinem serri, in lniam ineikuram ipsum kerrum ealnium et in 5e elautum none8, et ita in sunerioii nai'te nianu mollieuin rellexa tenelii8, ut iniei-ioi'i narte tuner terram ktet, aecental>ue narvula natella kcrrea caleiaeta, Iiauri Iiatellam kuner i^nem ut semner ealilla lit, ejeetuinkme keirum a ligno super terram aneri eum eultello, et e!eicn8 calamuni rurtum elaucle et renonv in liguum. 81 autein (°) c. l., Fu.o. ^'H^A 1'lieonlnli Pre8l>^teri divert-num arlium telieäula. 4gZ> non potlit nlumvuw terro kunclitus inlluero, esletacto melius terro iterum tuinle, tic8, U8«^ue »6 tignuin interius, ita ut ürmiter extenöatur, et a«I- jungen« illi alterum ÜAnum tortiter comvrimo, ita ut cum tena- isveris color in utrisczue p»i tivus annareat. Ljectumo,ue tilum et rurtum colore mallillum attige in alterum tignum, iterumn^ue tu- ncr pone allerum IiAnum et commime. (üumczuo in utris^ue n.-ntiuus color .inporuerit, ineiclv cultello ealamum, huam latum et nrntunitum volueris sie tamen ut incitura tinem non perlrant- eat, teil tunerius, ulii inkuinli mo8 vi6eri8, ineiäo lignum 6uvuu8 digitis IgtuM et t.im spilluin licut ealamu8 Iatu8 ett interius, tüvillens illu<1 in meiiio ill>, nt in nn-i krönte ioteZrum tit et in .iltera ineiluin ut^i c.il.innis interaiur. <^>uem imnolitum ineilie eum cultello ex utra- l^uv narte, et nl.ina et railo licut nl.icuerit. t!!>u. — t/o 5 /»/t^»?»/» /eno/ti'/L. Ilis ila comulet!« .icclne llsgnum nuruni et coiniuikee ei <^uin- tl>m n-N'Iein ulumlii, et tuixle in luvrallieto terro live ligno cniot eulainos voluer!«, cuin ^uiuns onu8 tuum luli«l!il>i8. Iludeas <^uo- >uiv elavo8 lnnulr.iginla loiigilulline lligili unius, s^ui liut in uno capite graciles et rotunüi, in nltero ljuanri ct recurvi neuitus. 40k Zur Geschichte und Litteratur. Sechster Beytrag. ita nt toramen spparest in meäio. Oeincle »ceipe vitrum pietum et eoctvm et pone keounitum or6inem in gltera parte taliuloe ul»i null» pietnra ett. ?olt nivc tolle oaput uriius im.iginis, et eir. eumvolvens illuü plumlio repone äiliZenter in luo loco, et cir- cumtige ei tres clavos cum malleo aä Ime opu8 spto, alljuiigeiis ei pectus et drseina no relirsua veltimenia; et ^uamoumcpie par- tero ttsiiilieris, eontirma eam exterius elavi8 ne movestur a tuo loeo. 'kunc ngne»8 kerrum loliäatorium czuoä tit longum et grg- eile, in luminitate vero grollum ae rotuniium, et in knmmo inlius ivtnnüitatis äe6uctum et ßracile, limntum et superttannstaro, po- naturelle in iAnew. Interim seelpe calamo8 ltannvos <^uo8 ku- liitti, et perkunäe ec»s cera ex utrs!«re!>nt. 8latut!« vero imsginivus eoäem mo6o oräinsbis eampo8 euju8cum^uv co- loris volneri8, et Le partieuiatim comnoneg kenektrsm. l'erseet!» vero ieneitra et in uno Istere loliiiatn, eonverkom in aliutl timili mocio raclenllo et tolicZlinäo eontirm!>Ii!8 per omn!.i. Lsp. - - t/o Asm»«'.? /i/ct« vt'^r« »/^?o??L?it//L. In iw!>ZiuiIiU8 vero tonektrsrnm l! volueri8 in eruc!liu8, et in 1itiri8, ant in ornatu ve5tiweutorum, super vilrum nictum AemniÄS tacere »Iteriu8 eoloris av5ci»et<>8 et ImariiAlios, Ime mollo .1M8. tüum keeeri8 in tui8 Ioci8 eruce8 in e.inite m!>jvsliit!8, sut lilirinn, live orngmenla in Luv votlium, izua? in pietura llunt ex auro live ex auripigmento, lioeo in se- neltr!8 lisnt ex croeeo vitro claro. (^ui-o eurn piuxeri8 opere tslirili, clispone lnva in cjuil)U8 luu!eeenÜ8- lsve partieulis ^spliiri el.iri, korms inllv ii>eiue>o8 seouiii^um !>xilu8 klet. <)»!Iiii8 m'llAv». ter in lu!8 Ioei8 vuujuiieli» et t>!»liiliti8, llenkum eolorem trgliv oirea eo8 euni siineello, i>i> ut inler mm vilra niliil tlmil, liespie emn reli^ui« purtiliui, in suruo eo«ple et iulli«.'reliunt lii)i itu ul onu^nam eiutimt. "I'Iieoulüii I'resüvteri cliversarum artiuiu kelieuul-i. 407 (ünn. - - - aet?tttt. 8i körte v.is vitreum eujuseum(jllv generi, eailit aut pereuti- tur, ita ut frangatur vel üullatur, lioe mo6o repsrelur. 1'olle eiueres et criliii» eos clilixenter mscerans cuui i»«zug, et inclv imple vas kraetum et ponv lolem ut llccetur. <üuma,ue omniuo ei- neies lieci kuerint, ailjunße vali pgrtem lractam, caveus ne in juneturi» c^uic^uam einerurv vel alic^uiil lorliis remsucal, et aeeiue tupliirum ne virille vitrum uos volueris, tupuolito^ue igue et liguis eoc^ue. luteriin ac« niirte» ligni teueas iu manu, et rotula tuver inüiium jaeeat iirmiler ligno eoujuucts, et tertia nars ligui super rotulniu emiuont, ipioü li^uuw iu kuwinitate grscile ineidstur, eV iu lerro juu^slur lieut jun^itur Iiulta iu laueoa, «zuou ker- 408 Zur Geschichte und Litteratur. Sechster Beytrag. rnm !tal>ei>t Icmgilmlinom unius nec1i8, cni iignum ila inlerstur, ut in junetura üeczuale lit lignc», et sli inko loco Fraciliu8 l!t eilu- etum U8cme in iinem, ulii omnino lit aeutiim. I?t juxts kenel'traiu tornscls in 6extrs pgrle, Iwo ekt in llnittra tus, stet lixnum Aro8lituiZino viseuii unius in ierra sotlum, et nertinAons uslzuv o>! kummitstem senestroe; in Iiniktrs vero kornseis, live «st in äextrs tug, juxtg inkgm tenektrsm, ktet kollulu in srAÜIa saeta. Oeincle eoeto vitro, secino li-zuuni cum rotuls et kerro, «zuod voestur veru, et none tummitalem ejus in vss vitri, moäicum- c^ue cjuoll ei SlZIioeterit extraüen8 nunge tortiter in lignum, ut vitrum trgn8ioretur, Itstim^uv calekse in ilamma et percute ker- ruw tuner liznum o!s, ut vitrum äilstetur, »thue eum lektins- tione volve manum tuam cum eoilem 5erro, ut gnulu8 in rotun- 6um amnnücetur; et ita volveullo kae eum üescenilere U8<^ue all rotulam, ut !rlmsli8 liat. <)uo tlutini ejeeto in saHuIam, eollein moilo vnersro c^usntum veli8. (^uocl L volueri8 snull)8 sl!i8 eo- loribus vsrisre, eum acceneri8 vitrum et tran8vunxeri8 eum xra- vili kerro, eice c?e sllc» vste iilteriu8 coloris vilrum, in mc»Ium tlli c!reumlign8 ec» vitrum snuli, «leinte ellle/actum in iiummu, lieut tuneriu8, limil! mo6c> nerliee. I'ote8 eliam l'uner anulum glteriv8 generi8 vitrum nonere Ilcut gemmsm, et eülekse in ilamms ut sütiverest. Lx»Iicit lilier keculiiius. Inclriil^ l^roI»FU8 litiri III. I^ximiu8 I'rcinlielarum I)avi>t, cmem Ommuu8 I)eu8 niieteivit ante temnora seeularia et nr«ei8 intelleetu8, äomum Ilane iticeret iiauituliouem e«e1esti8 ouriie, in nua I)eu8 nvmniei8 elior!8 an^elorum inirl'timauili nroe/iljet elaritule, «jUinn inke tuti8 vikcerII)U8 anlteluliut, l1ieou8: l/nam ^e/ii « /)o- 7it»lv, /t«nc »cvter! (liverk.iruin aitiiun teliecknl». -ZV? k/ieiu« »)tt»e meae; live reeeptüeulum llevoti pector!8 et purissimi eoill!8, cui vere I)eu8 inlialiiwt, e»ju8 Iio5p!ti8 lleliclerio iilem lliiAians oi!>t: ^l>io- nit»le.' tamen ornatuin materislis äomus Dei, «zu« tocus ett ora- iionis, eooltat eurn eoneupiville. I^am pene omne8 impenlas llomus, eujus iple auctor iieri ardentisliine 6eliller!o coneupivit, kecl pro Iiumanis tanZmnis lieet Iioktili erelirs tamen ellusioue non mernit, in auro, arZento, vere et lerro, Lalemon ülio 6ele- gavit. I^ezerat nawcpie in Lxoäo, .Dominum ülovü 6v eon- struclione taliernaeuli manllgtnm tit>u8 li^leliter otteu6!s; per tttirituw sortituäiuis omnem leznitiei torporem exeut!8, et liuicc^iiill non lento eonswiiie in- eipi8, plom8 vir!I)U8 aI)unil!>8 plenve mentis auilacia uleris in pntilieo; per l'piritum pivlalis, kiuiil, eui, fsuainlo, cruanlum vel ciusliter oper!«, et uv tm'repnt nvaiiiioe teu oupulilalis vitium, moreollis protium pi.i , onsiiler.'llialie woileraris; per tpiritum timor!8 Ilolmni te nilül ex le poll'e eo»l!>Iei!>8, nillil iueoiieetlum !> Deo le liuliere l'eu velle cogilas, l'eö eredenllo, eonlltendo, et gratias !>^e>nlo 410 Zur Geschichte und Litteratur. Sechster Beytrag. huicsxuttl notti, vel es, aut ette notes, 6!vinoe mitei'icm'itioe ie- putss. t^is virlnium 5>!j>ul!>>i»»il)u« »nimatus, tcarittimi tili, llo- nium Doi, tlilucialitel' oMeltu», lanto lenorv ilecoratti, et la^uva- ria teil parietes tliverto opere, 6iverliscjue coloi'itnis tlittingueus, psrsct^ti I)ei tpeciem ttoi'ilius variis vernanlem, Aismine toliisn^ue virentem, et tanetoium animas iliveiti weriti eoionis toventem, k^uoltammoäo atnicienlil^us ottenuitti, ljuo6c^ue ereatoreni I)euu> in creatura laultant, et wiradilem in oiierilins tu!» prieiliennl, etkeeitti. I^ec enim nernenclero valet Iium.inns oculus, eu! oneii piiinuw aciem iniiAet; ti letiiieit Ig^ueniia, veinant c^uuli z>!>II!i>; L contilleial ziarietes, ett nsrnllvti tneeies; ti lumiuis uliuiilianlium ex tenettris intuetnr, inettimauilem vitli «leeorem et o^>eri« >»e- liotistimi vsriel.item miratur. <)uo6 ti torte l^ominic«: ^astionis ettigiem linismentis exnrellam contnicatur tiiielis anima, com- nungitur; ti Quanta tancti ^leiluleiint in tui» emnoiilius ciueia- wina, yuavta^ne vita? oeternoe ^ereeperint nrsemia contnicit, vitve melioiis obtervantiam aeeijiit; ti Quanta lint in evelis gliuiüü, lzugntuHuo in t.irtare!s liawwis crueiawenta iuluelur, tj>e ltv tui» von!« actiüus animatur, et lle neeoatoiuia tuorum eonlilleisliune toimlitinv concutitur. ^gv ergo nuuc, vir vone, telix ainnl Oeum et Ilomines in Iiuc vita, telicior in tutui-a, eujus liilxire <^ ttuäio I)eo tot exliilientur Iiolocautt», amnlinii «leincen» neeen- iteiv tollertia, et e^u«: sciliuo 6etunt in ulenlili!» tlomus Duinini, scl exole>i6enl!uw aggreiteie toto menli» conuniine, tine <^uiuus l^ivina w^ttei'ia et otticiorum minitteiia nun vulent eontilteie. 8unt enim Iivec: Lalices, <ü.i»6elavia, ^I'IiuriliuI:», ^ninull!?, t^ieei, tgnetorura pignoruin Lerinia, Bruces, 1'Ienaiia et eieleiu, «juoe in utum eeeleliattici orilini8 ^«oseit utilitas neeeuuria. ()uu.' li vis eomponerv Iioo inciinas or«I!ne. Lxnlic'it ?rc>Iogus, i»üij>i»»t t>>i>ituls. ^»1». I. t^ö /«6?'t5«. — II. t/e /ec/e c^ie?'»n<««//,. — in. k/e /»^»ittco o^eiVL. - IV. f^ö /«//t'^UL. — v. t/s — vi. »<«//e/L. — vu. t/t- /vT'c.v/it^u^. ?lieopl>ili I?i esli vterl äiveitaium aiUuni lolietlula. 411 vm. 7?«« ^tt/ttttit?«'. IX. Äs t'»/Ü!'?«//tettto, o?A«?'ttt?tt ^'ctitt,'. X. ÄS /»1«L tti/si'/ttL /t,//^. xi. ttc/t?tt/tt«t,ttc»'tt//t st«i /Äe?!Äo n^Aento nÄ o/i?». xxiv. Äs />ti!t/s?!Äo aiAeiito. xxv. ^s /«^»vsemÄc, «i/tt»?-s stt//se. xxvi. Äs «!tt/o?e ctÄ/se et s//» xxvil. t/o n/As/to. xxvm. ,/s ,'/«/,»?isnÄe> iÄ^?«!??k/c> xxxiii. item ?»!Äs /»^i^a. Ds »»o/sttt/o xxxiv. ,'ts»« a/t'o ?noÄc>. /ts»i ?»iÄs xxxv. Äs ttivi't>tt?!??s. xxxvil. Äs kttti'c». xxxvin.Äs ^i»tVenÄc> ?i/As//<,. xxxix. Äs oi»a»lÄ» vn/s sn/ts». xl.. Äs ^isÄs ettt/s». xi-i. Äs ^?nte?ia. xi.li. Äs M,Ä». xi>lll. Äs n?«?'» tsn'« /!.'i>/^/t/tt/. xi.ui. Äs «ttiti cn'«5t'cc<. 124 Zur Geschichte und Litteratur. Scchsicr Bcylr.ig, /?//ono — I.XII. t/e /»ui^ettt/one e?t^i»'t. — I.XIII. ^?/«'/ttnc/o auro et tt?°Ae>it» ^iter/tei' — I.XXIII. t/e o/>e?'e e/ttct///> t/uc»t/ /'o«//)//«»'. — I.XXIV. t/o ^«^Aant/tt tttit/t/u« t/ettt«?'ttt?«»'tt. — i.xxv. t/« ^»^«nt/o te?«?-,, et «rAonto. - I.XXVI. t/o o/'AKN». Incipit libor III. i. t/e eon/t>ttt?t/ont; /tt5?'/ete. ^oüilica 6omum iMtlliluln et »Itam, cuju» Ivngiluilo vrieiitem teuäitlui^ in oujus jiarioti: mei'illiauu kucivs Ivnest 't'iieonliil! ?re8t>v»8 naxill!8, et aceenta argilla von maeerata nee an^ua mixta, teck noviter etl'olla, initle in iiluck snatium in prim!8 mockieum, et eowpinAe eum ÜAuo rotuncko sortiter, ckeiucke amnliu8 et korliter ilerum nereule, tieciuo tae!e8 ckonee ckuse narte8 i>>liu8 lvatii imnleantur, et terliam ckimittv vaeuam. 1'uue auker au>eriu8 lignum, et eum cultello longo iueickv argillam üv^ualiier anie et lmtum, ckeiucke gracil! lingno nercute korliter. I'o5t Iivee aeeiue argillam maceralam et linio eciui mixtam, et eomnoue loruaeeiu et larem eju8, teZeii8 narie- 414 Zur Geschichte und Litteratur. Sechster Beytrag. tem, ne uratur igne, et eum xiacili ligno nerlora arxillam trans koramen n.uod ett retro ligno. Iloe modo eompone omoes tor- naees savriles. Oap. IV. c/e /o//^?». Deiude tae tilii folles de nellilius arivtum ita. <^um oeei- duntur arietes non ineidantur nelles 5ul) ventre, ied in notterio- rilius averiantur, et ita everkentur ut inteAroe extratisutur, et iinnletoe 5tramine modice exliceentur. ?o5lea jaceant in con- teclione kiveis et salis una die et duavus uoetiuus, tertia vero trallantur in retorta in iongitndine seil vlus in lalitudine. Deinde unxantur et iterum traliautur. poktiivee tiat soll! caput lixzneum, ciuod träntest ner collnm ejus et im' ligetur, et in cauile kora- minis per sniod trankest til'iula serrea. lieiro vero in lalitudine sollis nonantur ciuatuor ligna, Quorum doo liln conjimgantur et colligentur in mvdio, et dun lilii deinde kuautur in lalle ita, ut jnnetnr«: in medio lint tunerius et inkerius, uli! etiam du« anlir ex eadem velle contuantur, uns sunerius rninor, in n,»a nollex imnonatur, altera major iuserius, ulii reliljui siuatuor digili im- mittantur. Ilis comnletis nono liktulain lerream in koramen kor- naeis, retro et ante lornaeem carliones et ignem, et tullla ut sornax exlieeetur. Dtenliliorum autem et kerrainentorum noinin.i in lalirili onere kunt licee. Lap. V. t/e Inendes lala:, sexuales et c^uadroe. Item inendes ürcuiales et cornut-r. Item inendes tunerius rotundse in limilitudine dimidii nomi, uns major, alia minor, tertia Iirevis, cmo voeantur nadi. Item inendes tunerlus lonZ-x et ktrietse ciuali duo coruua all lia- ktili proeeedentia, Quorum uoum lit rolundum et deduetum ita, ut in knmmitate lit gracilo, aliud vero latius et in lummitale modiee recurvum in rotunda «srualitale ad ümilitudinein uuius nollicis. Ila- tint mnjores et winorvs. dan. Vl. ^lidlei multi, m.ijoies, minores et narvi, in un.-, narto lül!, in alter» ktriet!. Item mallei longi et graeiles in I'uinnn'tale ro- tundi, majores et miuores. Hleonluli I^i'eslivlei'i «llveikarum artium telleclula, 41Z Lan. V». k^o /oi-c^iiüuL. ?oic!ne8 manuales kortc8, I>aliente8 noi-titer, et mitte xraeilem oauäam in c^uoll kcnamen volueri8. Item joroives narvuli, in una lummitate lilii a^lioerentes, et in altera Aracile«, <^u!l»u8 Frana et alia lmvecme minuta comnonantui'. Item loiei- pe8, <^u! llicuntur carnouaiii, et majores et minores, <^uoe lint in una lummitate inteAii et nlieali, in alteia auert! et molliee euivi. Item 5ore!ne8 ineiloi'ii majore8 et minores, in «lualms naitilju8 eom^olit! et elavo conlixi. Lsp. vm. t/e ^tt/ttttittti'. ?crvi 6uc» Iat!tu6ine Iiium äiZitoium, tunerius et inle>'!»8 l'liieli, nor ownia tenues, et tril)U8 c»r6!nil>us aut lmatuor j>ei'- sorati, ner lmiv koiamina lila traliantur. Lan. ix. f/e tt?«e?itc> ^-»o^ o?'A»?ia?'ttt?)i I5tt autem instrumentum lerreum, k^uock 6ioitui- oiAanailum, smoil ennstat iluovu8 leri'is, uno in5eiiu8, alteio l'unei'Iii«; teil nai-8 inseiiar lialiet Aioslituclinem et InnAitollinem lon^ioris iliziti, et est ali-, ut liln ennjunAantur. Valäe enim eonjun^i civlient eum lima, !n cmiuu8 utiis^ne ko Für Geschichte und Litteratur. Sechster Beytrag. lonZituclinem ekt traetus lollus et limatus ^uali suleus, et ex uti-aunv vjus parto lunt cottoe aeut»! liniatse. Ilis leiris limantui- lila aurva et aigentea Zio^» et tulitilia, ita ut in eis graua aonaieaut. <üan. XI. c^e /«^oi't». ?iunt c^uoc^ue kerii kollurii a<1 toll!enarte aeuti, vaivi et ma^ui, Quorum alic^ui lecurvi, livitu teeunclum mvllum overis. ?iunt etiam kerii eotlcin moclo sormati, lecl ol)tuli acl nolieinlum anus. t!av. xm. c/e /e?'?'» ?iunt c^uoc^uv keiri all oxnrimenilas imagine«, aves, liel^ias, live llores, cluetiles in auro et ar^ent» et eunio, loiiAituiliuo unius nalmi, superius lati et canitati, iulei'ius veio Kiaeiles, ro- tunvleii «Ilverlarum nrtium 5enellula. 417 liunt i»a>vi et magnl, tmlt»u8 Inei6itur aurum et arKentuw live eumum smilum. XV. t/e /ei'»'/« «er5oiÄti, in czuit>u8 csmtantui' clavi magiii, weäioeres et ^>i>ivi. lüon. XVI. t/s /e?'»'/« t»/?«/«»'//«. 8unt etiam leiii inkulorii, longi, rotunüi et «z^uaäri, ia r^ui. iius tunäitur lisjuekaetum aurum, ai-zentum vet eunrum. 8unt et eireini lerrei liusI)U8 nartil)u8 eoumoliti, mgjoies et minoies, recti et euivi. I^Im« vero liunt ex puro etislvlie, magnoe et lvelliocre8, ^uackrse, triuin co/!a,u»i et ^o/une/ae. F'tu«/ et aliir, ut kortioies liut in mem'o iutu8 ex molli leri'o, exteriu» vero eovjieriuntur clialvue. (^uoe eum (°) perverkoe kuerint lecunäum magnitumuem, <^uam e!s oitcto,' eaium claie volneiit, oelmsntur l'uner runeinam, lici^ue ineicluntur eum maileo ex utrslme pgrte acuto. Inciäuutur etiam ali-r eum 5erro ineitmio, cie cmo tuvra >iixiimi8, eum ^uiliu8 vesmsri liebet o»u8, «moil eum aIÜ8 gioslio- i im>8 moelimatum luerit. <^um ex vn»n jiaite ineisu: 5ueiint, sae teiii^ierameiitum ooium Iioe mullc». <^sp. XVil. /e/,-^e>'n„i8, et terv kortiter. Deüule mitte iimsm in ignem, et eum eanliuerit, 1alie8 illinn conseetionem tuver eam ex onmi s>!>itv, aulist^uv c»riirius euin ketliniitione tuklll»»i8 «er omiiis lie ut temneramenlum non catlat, et tl»>im eieieii8 extingue occmalitel' in i>8, triiMAU- I.i8, lenue8 ex molli lero, e!>8lmv lie tempernt»i8. <^»m iueil!« kueriut eum mnlleo, live enm ineitorio keirci, aut eum cullella, n»^v8 e»8 veteri in uina noiei, et e!ieum«Inl)i8 eoiit»Ii8 ex Inieino eoiio iueili8, iigadisc^uv tilo liuo. i'ottllvee cooveries e»8 aiAilla niaeeiala liuAuIarilel', eauliasiue nudi>8 äimitte8. t^ummie lieealse tueiiut mitle8 in ignem, et sulllul)i8 tortiter, cowliulatulI>eii8 .ili aigiUa extiiizues -r^un. litvr in a^ua, extiaet»8^ue tleealiis a<1 ixnem. d.-lp. xix. t/e te»^,«^?««?^» /e?-^t. ?erri <^uooe moctn. (I^um lim.ili kuerint et tui8 wanuliriis antati, summitas eoium mittitur in ignem, et mox nt cosnerit eau6e8eero extr.ilntur et i» a«mi» extinguitur. <^sn. XX. t/e eol/t,-,//. ?it etinm keriamentorum aliuck temneismentiim. ciuilius vi- tium ineiililur et mvlliores Inniges Iloe mvllo. 'I'olle Iiireum tiienneni, et lig!» eum i»Iu» Iriliii» llielxis tine eil>a, r>!> li.i ei lilieem come>sa uiina kerinmeni.i tua temneia. In urina etiam ruli nueri nai-vuli Ivnmerantiir ler- r.imentn, 6uriu8 c^uam in acjua Lmnliei. lüsn. xxi. t/e vttLc«//5 /i^»/'/»«/«?!,/?«» n?^»/,,»,. Il-ro omnin ni-oe m!>nil»U8 I1.1ve.15 gixill.im nlii.im, et teiv e.im minutillime, accentis^ue in/?« vtV^iüu« (°) in ijuilius iiuium vel »rxentum nrius insukum tuil, eomminue ^n^ul.niter. <)u!r li non !i!il>et>8, aecine n.irte» alli« oll-r, et mitte eas in caruime« ilonec inean«le5e.int, et li non reliliunt, tine i elriger.ii i et tere tniim- Inriler. Deinde none <>u.i8 noiles ar^ill« tritu? et terli.im cueloc lell-«, et eommikeegs eum .imia tenilla, m.icora snrliler, et inile eomnone valcul.i m-ijor.i et minnr.i, in «mil)»8 Ii^uelae!e8 .lurinn et nrgentum, Interim vern, «lum liec.itur, nccenl.i stater.i, non- llera aurum ve! »rgvntum, snioll vneisii vnlueris. l^uoil li ar- xentum nurum non suerit, Iioe moilo nuiilica. t!»n. xxik. />?«?'^?ett?ik/o ttT^ento. dridra einere8, commisee»8 ea« !>et, nt »on eiriiu- llatur, et mitte cinere8 in eam, in meuio Ienue8 et eirea or-nn sniilos, et Leen sä carlione«. <^)uam 5ieei>Iam -unove c!»Iione8 n (°) l,. vc/kk-iiu«. I'lieauliili t?ielisvteri >Iivers->rum .iilium scllellul!,. 419 soinacv modicum, et ^>vne ius-im testam cum eiiieriuus sul» so- inmine !>n!e somacem, sie ut veutu8 ex solle I» e.im llet, suuer- nolitiüllue carliouiliu» tuslla donee caixlesciiut. Deiiille mitte ar- xentui» in e.im et tuiiei'uone moilicum ^lumlii, suner^ue jeelis caiüoniuus Ii,iucs»c illutl, et Iialieas juxts tv viiAsm ex tepe veulo liecalimi, euin c^us liiscooneiies mligontei', et piiiisica at» .irgento n,uieer iüiiil titioue, Imc ekt ligno izne utto, kusstadis mediaeillei' longo tractu. (?um>oositi!><>ue cailionillus sortiter sussls. Deiixle >es>»ieo sicut urius, et enm vir^uls ausei' imnmnililiain vilii et >>Iuixvi. s»j>ei»»lit»iius, et Imc lauxliu llonec uurum tial. t'sn. xxiii. u.i>iter iu «luo, et mellielalem serva all sacieixlum geilem et ^.ileuam; ex üllera veru sucies va», cui aclicie» ex noilione ua- ten« zartem; vertu giali.i, li waica ai^enti sueiil, amle me>». noixluü .Xllcnn iximuxxixn, quos »ostea iixle limslti-; et ,!xlex ut ie«Icl!>8 tuie naili. t^uo6 s> ^>Iu8 sueiit ai^enti vel mi- »».<>, kecuixlum s»!ui» c>»i»iilila!ein acltles, et iwtt Itiiec uuicuin,ue uarli suum nnixlus relllles. <^sn. xxiv. ,/s /»«k/t'itt/o n?ye?iis«riiii» i»tu»ttu>n n^uoä sil caletaclum sunei' i^ueni, <>t lit iu e<> ceia li^uesaet». Lt s> ^>er i>>i«iu.-u» neglegeiilisin c»n- ligerit, ut .iixenium sul'um iio» tit suiiuui, ileium suuäe, iluuee s-inuin liol. I>ei»,Ie suc iilii cousecliuiiem ex tecilius cli»i!> et l'ale, in ljua exlingua« »ijzeutum c^uoliens lecoxeris. (!ap. xxv. />lü>ica?i«/o „i/nore cn/ice. ^umi^ue eneueii-, »ereuleiv, ^uaiiv meu!itul>iuin iu e«. et sac cculium cum ciiciuu, et circu eum sucies eauclaiu i^uuili-u», 27 " 420 Zur Geschichte und Litteratur. Scchsier Beytrag. in nc tamiliu sac clouec ei knrm.im et amplituclincm sceuixlum argeuii n^uantitatem ae«ruiras. <^uo saetn racle interius et exle- rius vecnie eum lima, et circa oram «lonec orcmalv per nmuia liat. I>ei>xle resxluam meilietalem argenl! licnt l'upra >I!>iiIe in nncZo, et aceipiens serrum nlitusuni salirieadis illull super cntem -eliualew, 6c!ixlv super lignum «puereineum I'lieonliili ?ie8U^tei'i cliverlarum aitium tclieäula. 42t impolilo ei cailione trito, et cum eo polies iptum vas inteiius et exterius, nollum et peclem ot auulum, licksuv kiicauis cum pauoo et crela fulililitei' raka, llonec vmuino lucillum liat opus. Ilis ila peracti» liinle caullam valis in ^uatuor us«iue iu meclium cum lima tenue, et eversa illud tuper incuilem lotuixlam ita ut oc^ualiler, et ia «lextera seiium «luctile mitte in uoäum et tac lupvrius gereut! cum malleo meäiocri «louec conüges soi titei-. I'oktes kuuäo argentum. lzuol! limskti et ralisti cum eo usliter in eo pvllit ja- ceie. Lt ü volueiig tae eircuios cluos interius cum circino, et pertralie cum tuliula odtula in meilio /iniililmlinem agui, live «iexleram r^ual! 6e coolo llvtceiiiieutem et si^nanteni, et littera» inter illc>5 «iuos eireulo5, ati^ue cum teiro koUvriv luvtiliter tode, puliens »il elleclum lieut calicem. L,ip. XXVl. ,/e ca//co et e/?<» f)uvi! u calicem maxnum arxeuteum tuvricare volueriü, <^ua- luor, aut lex, teu X marcarum, uiimo ignv proliauis et pur^a- Ms totum arxentum, lleiiitle divides vrdiue >>uu fupra. I^oslliirc accipe duo8 kerrvs a.^uv lonAos et latos. all mensurani palmi, et licut lcituc!» spillos, se circuli ea amplitudine, ut til^i viilealur ui>il iiisuiiclvlv pollis. Ilunc circulum aptadi» iiiter «luus 5eril)5 !e»^ualiter ita, ut c-ipila inllus extia leri-us parum apparvaut, et emislrinAcs e»8 tiiliu» curvis seiui« snitilius in tiilius I»ci», vicle- licet inieiiu» et ex utrai^ue parle juxla lurame», liccmv liuies ai ^IIIam macei'alam ciica ciieuluin iulei' terius et circa loiame» almnllanteiv <^>»am suiinam cum liceata luviit, calesacic5, et Ii«>uelaelum aiAentum inlunlle. Omnc aiKvutum et auium cmvil lali mn«Io luntliluc, nili conlin^at ex maxna iicZlixeulia, lcirinei ekt 1'anuiu ad onei'aixlum in eu «suoilcunxjue vulueiis. t'iiculos 422 Zur Geschichte und Litteratur. Sechster Beytrag. nutem kecunäum ciuanlitstew, «ruaro inkunckeio volueris, mensu- rauis, et tacies mnjores et winores, julum vero argentuw, z»ust- c^usm neicullei'is ut luura, et vati tormsm !es live rotun- «tss, ^uoe Itent in eircuitu licut coclileari.i, «zuoll onus utiummie müAnum ornstum s cum nereulleris, lims »c^ualiter et r.i«ie» iu illis, e^uas lleniArurv volueris, pertialio tolia giirea et solle grulio irsctu, eamrios^ue eoiiem kuäies xiaciliüus circulis et tulitili c>j)eiv, «ieinä'e eompane nigillum Iioe mo6o. Lan. xxvn. «/e n/At'tto. ^Vccine srxentum nurum, et -e^uo punriere ilivule in lluo, -ttlilens ei tertiär» p-iitem «u^ri uuri. l>ua-> ties nailes, cum miterig in kulile voseulum, rxmcleia tanlum ^iluniui, siunntum »n- penllit me<1ielas irilius cum'i, c^uock orgento mitcnitti, acceritum- crue sulnliur eroceum kisnge winutstim, et mitte j»luml)um et z>sitem luIsiliuriZ iulins suiier vsseulum cuni-eum, gc leliczuuin kul^iliuiis mitte in .iliuil ta« kutile. t^umiiue lilmeseeeris .ii^in- tum eum eunro, move luniter cum corliune, tlutimime insinxle ei nlunibiim et tulnluir ex cumeo vatculo, et ruitum commisce eum cai-lione suiliter, et cum testinatione suiuie in uliull vas tu- lile su^er suinliur ljuod in eu mitera«, moxczuo «le^iulilo vsseulo. eum «luo furierü«. acciue illuii in ^uocl luilikti, et mitte in ignem llonec li^uetist, i>eium. ()ucxl IINU5 s^vam s> igelest, gereut« mollicum, et ealelsc moiiieum, rui5umereulitui, slatlm Ii«7ueseit, »angitur et relilit, nee «teilet iie cnletieii, ut iube5cat, siui» stiilii» Ii>rokunliun> et t^ill'um, ,! iierknixlens s«rusm, eousrinAeu» cuoi luallvo lutuniln, ilunci: ini- nutiklimum ti»t, ejvctumlme inile liecs, et s>uo,I miuutun, ell mitte i» i>ennam .inlvii« i>tuod veio giossius cl'I, mitte in vi»s et cuinunnue, luilumiiuv liccutuin mitte in ulte- ram nennam. I'lieoplnli I'reslivtei! ltiversaruw srtium seliellula. 423 t!ap. xxviii. t/e»tAs//o. (!umljue sie plures penna» implvveris aeeipe gummi, l7uoä voeatur Iiaravas, et particulam ejus mollicam tere eum al^ua in eollem vase ita, ut ex ea glma vix turdiäa llat, et locum c^uem volueris rlenigrare eum ipsa aljua sae Iluwiäum prius, aeeipivus- rmv pennam eum levi terro excute tritum nigellum super eum m'Iigenter äooee totum cooperias, sielme per omnia saeies. Oe in<»!,/e?tt/^ tt?tri'cu/» cn//c/L. 8i vero volueris aures ealiei apponere, mox ut pereuLeiis et raseris, prius«mam aliull c^ui6 operis in eo kacias, aceepla eera sorma inlle aures et kcalpo in eis llraeoves vel I)es>ias vel sve«, llve 5c»Iia lmomo«locum>nl,im grolsior, «piie eera voeatur inkusorium, «juam tolilluliis lÄÜllu serio. j^einlle aeeipe aiAillam korliter macvralam el coopeii lli- ligenter uiraslpie aures singillatim, ila ut omuia suramiiia seul- ptuiic impleantur, t)noll eum lieeata? kueiint ileium eooperi llili- ^enter per omnia, vxeepla sunnniiale inkusoiü, et terlio limiliter saeies. postea niitle ipsas tormas juxla earlinnes, et eum eale- kaet!« luerint elsuulles ceram. l^ua elkusa pone ea omniuo all ignem, eonverlens foramv» per czuoe eera exiit inserins, et sine »lonee canlleseat 5ieut earlinnes, I^atinxme lilmel'ue »rgeiitum, a>I >>e»s ei motlieuin lle aurienleo Ilispauieo, ut verlii zzialia, tl kue- >!> arxenli «limiiüa marea, ponllus, Quorum »ummorum, !I>itislzue caroonilius lliligenler eoonvries leni- tercme tukllabis longo llatu «Ionec loli6atura licmeliat 5u5ticienler, e<1uctuwuc tirmi lueiint elima eos interius et raile veciualiter, ut nullus con- L6erare lsveat, in lmo loco tleterint, imnolitoscme exterius auri- culas rurfum llili^enlor adiuiigo. Deinlle 5ac ner mvilium auric». larum contra clavos tuvtilia snramina, vt in eo,,A,-//o. dum mil'cueris et sucleris uißellum, nartem unam in>e aurieulam eum sorcine et ealeloc in ißnv «Ionec ruüelcat, vl cum aller» sorcine loiißo et gracili tvne nigelluni et krica suner omniu loca, ciuüe «leni^raro voluvris, llonec tractus omnes nleni 5int; sl>Ialuwsme all ig»e cum lima «miali ililigenler nlana, j>onos. Ilieonliili prosu^lcii lliverkarum artium sclieclula. 4?.? . xxxii. ,/e co^?iurum csualecunlzne lit, et nerciite 6onec tenuis la- inm.i lint, latitulline trium »ligitorum et longitucline ciuautum pollit. Deinilv incüle nartes ut lint «k^ue longoe et lala?, et eoo- junges eis niuiter !»>s^»e perkora per omnia cum islorlo terro tenui. I'oklen accine iluas tetlas olloe igne nrouatas tant-e ru.ixni- tuilinis ut aurum in eis potlit jacere, et srange texulam minu- tstim, live argillam kornacis ailam et rut»icun6am, eamcsue com- luinulam ponilera in 6uas partes sexuales, et glllle ei tertism parlem kalis eockem non6ere, mioe moäicv asnersa cum uriua commiu eatur ila, ut non aillioereant lilii, leä vix m.iiliäa linl, et nntie inlle narum suuer uiinam tetlam juxta latituäinem auri, lleiixle inlius auri un.iin narlem, rurtumi^uc conlectionem, et ilciinn aurum lzuvll leniner confectiouem ita coonerist, uv au- run, auro langatur, licczue imnlo tetlam usn^ue all tummum, et «leluner eooneri cum alter» lekta, <^uas 6iligenter cireumlinies ai^üla mixla et macerala, ponesi»5 vero ltrictum, »I>i soramen lit in rneilio, in lzuo eininelmnt ires lannles longiores et cluri, «zui poklint llammam I)iiii(I.inIcr. Deiixlo sunnnne ignvm et Ii'Zna, et cavc ne 6ell- ciat ignis cnniosus iier l'nalium iliei et noclis. I>lane vero eicieii8 auruin, rurtuin 5unile, nercuto et imnonv turno Lcut nrius. Ile- rum auiem nnst «liem et noelem au5er, et atlmiscens ei inoilicum mini cunri sunile lleut nrius, et repone tnner siirnum. Cumk>uc lerlio «Icpnl'ueris, lava ^lilixettter et licca, lic riouäeraus ville «mimlum «lelit, lleiuile complica et lerva. t!.in. xxxm. z'te», eot/c?» 8i vero p.irum sueiit aini, ^»oll coizucre vis, i>>tum per- cule, et cninnone in teklas ticut fii^ieriuii. I'olle.i accinc nllnm iwvam et srangv in smnlo unum snramcn, et circ» I.itus i^uatuor. et sac in .irgilla Iirevv v.ilciilum c»m irimis ne vllir, siisior cmvll e»»> liccalmn lneiit ponos leslas cum aurc» ct clevaliis »Ilam tuner trcs l.iniäe« a lv ali^uantulum remvtos ^>>uc 425 Zur Geschichte und Litteratur. Sechster Beytrag. svillos, et inmitte earliones aillentes, «leinile extinetos, Lclme «motiens lleteencleriut t'upernone srigillos, et nummam natieiis tettas »Ullas eile sli igne. Interäum vero eum Aracili ligno »er koramina inmillo movv cardones, et inserinz limiliter, ut eineres exesut et veutus aliitus Iiadeat. Lierme kaeies euni earuoniuus in olla, licut kuperius eum liZnis in surno. Lup. xxxiv. ?»o/e?ic/a a?«?'». (üoetum vero pleuiter L molere volueris, mitte inlte in kta- teram ponäus octo nummorum et ponclera oeties tantum vivi arzenti, eui ktatim inmitte et 5rica llonee atvum tiat, atliue nar- tieutatim eonirinZe. 1'vIIe kmolzue unum vaseulum ex Ins, in lmilius aurum vel argeutum inkunllitur, imoll tamen alt oiius iktu6 knitlius itiis eüe llvliet, et mitte in innern 6ouec eanäeteilt; serrum etiam Araeile et curvum in uno cavile manutirio intixum, in altero vero üalieos nollum rotunliuni, mitte limiliter in i^uem, et eum utiumllue ean^uent, eum kvrciue tene valculum tuner toutellam latam, kiecam, et lun«Ie in illull vivum arAentum eum auro, et fektinanter eum terro eurvo et canilenle iriea illull et mole, ilonee niliil teulias in vakculo, niti Iminorem; moxcine etlunlie in alniam. Iljeeta vero alzua illa, mitte aurum in ma- nnni liuiltram et lava lliligenter, moliaus tligilo, li üeue moli- t»m lit; et si est, none knner nannum lineuni munllum, et jacla üae et illae, «lonec lieeetur -xuia. t^Nn. XXXV. l/L/« tt/t» ?»oc/,>. (^uoil li natura auri talis c5t. ut sie iion iiollit molere, ae- eijie lamllem taliuleurn, liualliuin et selmnlew, et in me«Ii» ejus kac koramen latitulline trium lliizitorum et limili nroluiuliiul«' Ileiulle nara tilii laniltem «luiiorcm illo, lie ^racilem, ut nostit in illo soramine converti, et lie longum ut notlil in lixiiuin lixi et lirmari, liuoll lignuin trium ulnaiuin et in inierioii naile, in lma laiiis jun^en6us esl, tit groltitulline unius tiuiir, l'uner «mein lanilleni altitulline itimillü nellis, lranssvretur ij>t'um lijznuin, eui jun^atur aliull lignum tenue, latitulline lluarum nalmarum, in »i»o esulta liat, lMie koramen lungi li^ni nertranl'eat, t'uiier cmem tenue lignum ÜAetur lams maxnituliinis unius neltis, a <^uo lamlle luimm siat ligouni Araeile et rotunlle incikum at«me nianum, ita ut inier ma- uus nollit volvi. Ilis ita eownolit!« none majorem laniltem in nel- I'ileonln'ii ?re8l)vtei! mvertarum artlum tclieclula. 427 vim, live i» vss lizneuw »smale, et vide ut lapis llimiter jaeeat, et v»8 liimltei' ltot. <^um«me auium cum vivo ai-Kento in kni-amen eju8 miseris, et ssuulum «lel'uner atn,ue ac^uam, impone lapillvm mino- lem, l^ui liguo junctus ekt, tenensn,iio In tuneriori narte inlum li- F»um, converte moäicum inter manus tu.15, et mox inmultu illiu8 Is- ^>i6is, lzui ligstus ett inkerius, cii cumkei etur, lie^ue ciicumserenilo wvle ner tres vel nuatuor iioras. Interdum vero resniee et niolia «iiAito, et rurknm inmittv tabulum cum »l^ua. i^umi^ue xiraollo et regii.inilo intum lauulum coenerit evullire et ner laniliem <1ik- simili, cum ligno xiaeili longo et tvnuv recollige temner et in koismen reuone, ne lorte gurum cum luvulo egeretur et non molstui-. <)uoil cun> nleniler moliium kueiit, eicinlur et Igvotui ei liccelur ut funra, nonaturlme tuner livrnm. !>l vero tmio mism llesuerit Inventur suilles, »mi tluunt ex I.inilie et lic inve- nilui-, <^u!!> idciico iltem Innis in vake nonitui'. Iloe modo etiam sixentum nuium tenuistime neicull'um et vivo ingento admixtum m»li «1el>et, tzuia in calido vasculo cum calido serio moli no» v.ilet. 8ic outem eominiscealur ut vivi argenti lint cjuiu^ue «ondeia, et textum lit arAenIum nurum. t!sn. XXXVI. tt//o ,«ci^o. l?otes etinm auruin lovius moleie Iioc modo, ^ccine teslain «»Ilse c.inncem ixne nrouidam et none in cinlxmes donec omnino c.iude^e.'ml, et mitte in enm suium vivo :,iAeuIo mixtum !»' nii- n>>I^>>im c>n>si.ictum, tenei>5s^ue cum loi'cine viliia ni-nium oemia- liter, et mox videdi» ue omnino Ii>in. Iloe omnino «ive, »v je- junus mnl.is aut «leaure«, «^uia toetvr vivi nrgenli w.iAiium neii- euluin ett jejuno l^omnclln et inlii'mitales lliveitüs geneinl, eon- ti!» . t'olllüec !in>»ciill(: i^üun lleuui-ntui'iim in l'I-itei!» et «liviile in «I110, et nieilielutem ejus i-uiluin in iluo, lionec invenias ti» xnlos »i rumi in lilnililiuiiucm sutVniii tei'i-i et inlixe mn- niilnin, Imiiinil.ilenxmu ejus lim» et i'!>,Ie rolumlin» et !»m>u!in- tum tonuem, nu!>m kiicadis cum vivo .iixento llonec ulli!» tiul, 428 Zur Geschichte und Litteratur. Sechster Beytrag. et, imie nosti« tleaurare. kokten kucies couseeliouem a>I imiovan- llum onus cleauiauilum I»oc mollo. t^an. xxxvii. »!ot'otttie^L et tt'ontti'anteVL »»tr/c»«//«. 8umo viui lauidvm, «le n^ua mpra 6iximus, et teie cliligenter sunei- lamäem Lecum, aääeslmv ei tertiam paitem lalis et mitte in tektam olla? ca^iaccm, inkuu6e»s ei a«iuam illaw, in cmam pu- jecitti auium iioviter molitum, alc^uv iumonens mvllicum vivi -iiAeuti, mitte tuner caivones 6onec calilium tlat, et cum ligno commove. Ilaveas eliam letas porci ßrollituüine tiinm tligitoium aut cmatuor, serro eolligatas in meilio, tluas munllas, cum «ms lavatns auruni et argentum, et (Inas cuoi czuilius «jeauiatii», unam liceam et alteram Iiumiclam. Ili» omniliu» ex Iioe oiiline com- nolitis, accive auriculas arxenteas aä manu«, et nauuiculum lineum complicatum tiogo iu cousectionem caliilam, cum <>uo kiieavis omnia loca, ciua? 6eauiare volueris in eis. Cunniuc coe- peiint invivaii, calekae eas kunei cailiones et cuin teli» ipla cou- seclione numillis siica illas korlitei-, ilonec omne.-i kollm« vivo inxento liaot slvoe, inleiilum calcsaciendo et inleillum 5iica»6o, et uvi cuin 5elis non notueri» nei'Ungei-e, cum cunrn«leauialuii» et lixno Kiacili siicam«, sacieus ixie Inner sculell-u» ileauialoiiaui iixueam, c^uoe lit sä woilicum o>>us toinatiii» et ca>,ax, et maxiium ciuailia, cava et a?«malis. Deiiniv liinei ins-nn seutel- iam inei lionec cale- lial, et 5eti8 ruisum !>u«i»am'«, liecme tamcliu sucie» nü<>ue »er omnia ailliirreat. 5»ecu»tjue cum igne et lelis sac ücut ixius. I'eilio vero liniiliter sacies. (üumcjue teitia vice innum coepeiit ticcsii, cuui /iccis tetis 5ric!>I)is ne culesucie«, et iteium slicsl)is, <><>nec inciniul siullescere. Hi vero ex ne^Ießen- lii» contigei'it, ut uliliua mscula anji.ireut in .irgeulo, um' .niiui» tenue lit et iii!^,>u!>lilvi' ^olilum, cum cum'» l'u^cinone, et cun» tieci-, leti« a?l>ui>, uum et munilis leti» lava, ruilnmi>uc >><>uei>« lu- ner caruones taanliu culcsuc, tluuec omin'uo croccum liul. I'livnnlnli k'i'esli^tei'i «liversarum intium sel»e6ula. 429 On. XXXVlli. ^a/e'en,/» I'olle lila ex ainienleo Aiaeilia, eom»I!can8 ca it.i, ut plica- lui^i' Nnt !>(! Iii»I, eollig.i e»8 iilo linen, ut lit ciuali uns nars. Lx Iiis nar- lilniü sac «nialulii' ,iut cznin^uv vel lex ita, ut uns nars Ilalie.it ires nlieatu>!>8, alia «matuor, terlia c^llinc^ue, et Lc asccncleinlo »8us omnimi8 liAillalim eolli^ati«, sge modi- cum soiamen in ligno, in <^uoc1 vones ex Ins nartlculis unam, et inlunlle nl»ml>um, ila ut eum ti-iFnIuin kuerit et extraxeri8, avere»nt liln insve nliegtuiir <^»gli nlnmveo nocko inlixoe. Iloc mailo sae linxuli» noililius linzulos no6os nlumveo8, et ineiclen8 >>IiIui'.'>8 nmne8 !n »Ilera n.irte, et lima et rulle snmmilales e.i- i»m, ut ratun«l« iiinit et ircruales, cum «^uilius «znall scalnendo polier!». I'onv luner e.i,Iione8 <1onec calesactoe in lulvum colo- rein eonvellüiilin'. et nenlunt clarilutem. smam nolienllo »cceue- i.int, exlinclaome in iiirlum tliligentcr tc.ilnenilo nolies, >ln»ec eximium kuIZoiem aeciniant. lic?r«,I>!>Iain, nnnen» l'uner ci>rl»»ne8, donec omnino li^ueliat et in- tluiefent. I>einile auker a lekta et mit!« s»u inlos carlxmes, at- l>»e eooneri «liligeiilei-, atnuv cum kollo l'usll.i. ilonec comüui.it »r ei in mlieuin calorem conveil.ilui'. 8l,il!m alilalum all igne cum icsiigerritum sueiü, lere in leutella lignea eum malleo lerreo. .illilens ei terli.im nartem siilis, temnei.'>n5^uo cum vino live uiina, riirtum s»i titer tere, ilonec tnistum tiat lieut sex. Ivx ii.ic eonkei tionv cum nenna cooveii uo liccnuis l'uner c.nliones, iuvolve nannc» muinlc» «louee resi igeretur. t)i>n. Xl/. I'enens vero illud in eollem panna r-nle lliligenler omnia Inc.i, i^uoe nigello !>>.'> in»! eum lei'i'a i.iscnio. I^ott I>«c nalie.18 I.ini iiiZium et mnllem, ,jui leviter notlit incicii et 430 Zur Geschichte und Litteratur. Sechster Beytrag. pene cum unguv raili, et eum illo sricaln'8 nigellum eum saliva matlelaetum lliligentor ac oemisliter per omnia, tlonee omnes tractu8 apertu villeantur et omnino secjuum lit. IIal>ea8 eliara tiznum «le arbore tilia, Arottitulline et longituiline majoris i8 omnes cainpns in lleauralis eoltis, «leluper cum malleo leniter percutiemlo, et opeie puncto- rum unumi^uemime circulum alter! orllinatim eonjunxeullo. l^uo expleto mitte vas tuper earliones, llonee illoe percullur-« i»leriu8 kulvum eolorem recipiant, niKellunnpie limaln'8 et p»Iie8 licut su>>erius. Deinllv conjunAv auricula8 unamcplamcpie in luo loco, et trans koramina, rprse in eis lunt, cunlige eas aureis elavis cum graeili kerreo malleo «leluper kerienleaurat>i8 ati^ue mo<1i8 omvilius i8 al^ue conjungeg et conti^es licut minorem ealicem. iüan. Xl.lil. t/e ^in/en» i>I< 8 clonec cavi lianl, et inlvr!u8 lluctili onere nercutie8 anAuIv8 iuler inkv8 areu8, et limlnim circa eos latituäiue minc>ri8 unZuIip, s^ui suner emineat oe^ualitalem tvliu8 ualen»!, k^uem to6ies sui)- lililcr et llcnigralii8, relismannme uatenam cleauraiii8, et nolies ulruiixme licut luneriu8. e»p. Xs.iV. M«/,^ I'il'tulam I alleram summilalem, mia: lit licut kestuea; lil t umciue atleuuaveii8 ar- ^enlinn nui-um, comnlie.i illuil circa Iioc serrum, coiijunAeus nimii>!lale8 irczualiter cum linca. ejcelocme serro mitle in ignem et s»liila. liuisum imnolilo kerio neieute cum mallco -rlsualiler ner nmnia laimliu, uonec junclura non annaieat. veiinlv kac »nilum lingiilaiiler rolunuum et cavum, live i^uailianAuIuin et li>Ii,lum, et sac in vo soiamen, ner c>uo«l inmillatur liltula al> iiiseriori narle, u«i^ue neue a imno- lilo nereutie8 unl8. lloc »inuino eave, ut oiuov arzeutum lpilluru «zuoü cleauraro voluoiis, live iu calice, leu iu lcvplro, vel iu leutella aut ampulla, lortiter ra«las, «zuia in pereutieuäo all igue et inalleo cuteru ex le trauit, liu« l! alirala nou tuerit, euui cleauratur et super iAuem srecpienler et ,liu coloratur, elevantur per loea lulililes velicoe, izuve cuin krau- ßuntur apparet argeutuui, et opus lleturpatur, nee potest emeu- tlai-i uill «leauratura omnino erailatur, et lleuuo iteaurnvis. t)ap. xi^v. t/e nttro te?'»'-« Il.'vtVtt<. ^uri mulla tuut geuera, ex «puilius pra-cipuum nal'eilur in terra Dvilat, <^uain Lvou lluviu8 eircuit seeunüum (,'eueliu. t^u- j»8 venas, eum 5ul» terra iuveuerlut viri Iiujus artis perili, el?o«liuut, et igne purilicalum atlpue eaiuiuc) pruliatuin iu usus luo8 lecliguut. (!sp. Xl^Vi. «Mo »»i^/co. I^st et auruni araliioum preliolislinnnu et eximii rulinri«, cu- jus utus in antiljuisümis valis sre^uenter rcperilur. ciijus speeieu, Malierin vperarii utuutur, «ll» csver! potest, ut mittalur iu ignein, et li purumauruni elt, nun ainittit kulgorem, li vero anuuixlum, oinnino aniillit lulgorem. Lau. XI.VII. c/« »tt^o I^st etiam aurum, cpivtl 6ieilur liilpanicuni, <>uo>>m«: aceto. (reutiles eniiu, Quorum perilia iu liae arte prolialnliü ell, ereaot lilii Iialiliteos Iioe uwclu. Ilaueut tuli terra iloinuui 5u- perius et in5eriu8 et ex omni paite lapiililniij, euin I)U8 le- netteliis lam ureviüus, ut vix alilpiitl appareat; per ess, ii>«>>ia>», pouuut «luos xallos vetere« iluolleelin aut avimvutuni llomvs laniiloum, lerrani inli.iient. ^uoil eaventes eoriun iniiAiflii, lia- lient vafa, «nea rotuulla magna: amnlitullinis ex omni narte per- koi.ila, Quorum oia tunt eonltricta, «juilius imponuut intos pullos et oliltruunt ora cunreis cuoneieuli's atizue lull teria inkoäiuut, et in^reilienle lul»tili terra ner soianiioa nutiiuntur lex menlllius. ?ott Iioec dil'ec» onei'iunt el coniotuiil ignem onnonuut, clonee liekti-r intei!u8 omnino comliursntur. Huo laeto cuin relrizeia- tum luent, eiciuut et llili^ellter teiunt, sclllentez ei tertiam par- tem lniiguiiii-i Ilvmi»!» ruli, «^ui lanFuis exliccatus iiilus erit. U«e a<^uo n.irto ati^ue mittunt in igiiem. <^ume?ittren!>iluin t^uoil repeiilur in littorivus kücni Iwc niuda. l'uiliuntiii' aien.v in l»eis illis, ulii s»es i-eneiieiidi lueiil. et nonuntiii' lu>>er ligiie.is t.iliillas. Deinile kunerlunditur .i<>ii!> liec^ieiilei' et diligenter, ckiluentilius^ne .irenis lenianet au- vu», l»I)l!I!«l'unum, czuod lin^ulai'itel' in v.ilenlo nouitur. l^um^ue vi>5 il!in!uetur vivum Eigentum. Huöä vero rewanleiit »onitur in vas liilviium et kunililiii'. Liin. xi.ix. «/e n/treo cn/teo. I^Üur cuj»»cu»^ue Aeneiiü nuiuin liatineiis, ll calicem incle c«iii>>»nei<; vvlnei!» et »i'niu'e laniililiu« et electiiZ sinne ni.iiAli- r!l!^, Iioc »i«,I» ineiniüs, l'iiinuin nioba liiiAuIas n!»rte8 sui-i, li nallint cuin iniilleo neieuli lie ut non liiillantui-, et ljuic«jui,I nnn linilitiir lingul.iriler none; cnicitl vein linclitui , liNAiiInriler ut eixnuitui'. Deiulle .-»eeijio uailem lateiis eocli, et seeunilinn <>,i.iii>i>!>>,:iii aiiii cossueuili, snili in es loll'ulai» ^noe illnci cuneie nnllil; et li unn luiue.is laterem, in I.initlv labuleo iilem «zu.iilio, i!cu.iu,s Ä''«r- x. 28 nuiliu8 sussla iliu- tislime atn,ue ejectum perente eum mallen; li non si.in^itur sut- lieit ei, li veio tranFltur, super alium iterum repone, et Iioc lanuliu ki>eio8. «lonvc pereulsum non sr»ngatur. <)uot1 li maiiice linclitur, sunäe illul! eum sulplmre et sie ememl.iliitur. (^uo sacia .lurum omne pariter kun6e, et in unam mansam recliZe, ntime super stateram eo moclo, c>uo urAenlum tupeiius «Zivilist!, m'viile, parln^ue orcline teeumlum sormnm n,».im volueris, licizuv ut pro- limierit aurlcul.18 kormsl)i8. <^noll si opere gemmat» sneere vo- lueris, peicute per 8 Iluvere. lpiie pl>rte8 utrazcme all un.im pertinent aurleulam. (!gp. l,. t^e /»//t/„t»r/l ^tt?'/. Deinde cnmpone solitlaturam Iioe moila. I'olle einereg sa- Aineos, et sae iu«le laxivam, cpuam rursuiu eoiavi8 per eo8>lem e!»cre8, ut sp!ss:> ti.it. liurlum mitte in patellam et cn«pie u.^ue »li lertiaru parlem, et impone ei modieiini ki»ixm.ili8 et p.irum orvinoe suilla: veleri8. <üum»>ue srigiclum suerit et rese«Ierit, eola lliligenter per pannum et mitte in vas cu>»eum,

o«I lit ex omni paite solitlum, excepto moclico kuiimiiue, <>uoil luperius eminest, rotunilum, ut poslit «ligilo vl>striii. I'ost Ilvee tolle >>!>>- tem eupr! tenuem, k^uem m!»Ielue!e8 !>«pi», et kricavis super cam talem ex utrocpie parte, niitte8u!eipli,I ex cupro comuurltur. Ixursumspre sries sülem supra cuprum et s->e licut pri»8, et Iroe taimiiu llonee suslieiat. Deiinle ellunile ac^uam et exlicc!» pulverem in cupreo vole, et tere cuin in eo- llem vake eum serrea nialleo mmi8ce atkpre kae I>uIIiie lliu, et eum lriAiilurn tuerit rekunlie limul eum pulvere ulu prius erst, ulii etiaro cpuatuor pl»rtieul.i8 eupri impoua8, per cp>!>8 eom- mi8eeatur pulvi8 per amni.i ndo non moveatur. t!.in. i.i. in Inen. Ileinde nerenle lnnmn gineile et lonxura, et trulie iude lil.i Ai-ossc» wedioeria et sulililiü, et lim.i c.i serro sunr.idielo, il» ut in eis xrana sornientur. (Anilins rccoclis, renosilis et colliAa- lis linxul.iriler gcnnnis, n.irlein m.ijoris tili nnlaliis euin foreine liilUili cire.i or.im nuris in suverücie in utriusc^ue nnrlilius illis, et cum iorcine incil'aria sacies suuliliklimas ineitur.iz in cireuilu, I>is ink-l iil.i ne end.int, doneo solidentur. k'okt- nioilnin neei^x: n.irlem .iuri tenuem et ligneo mallco oel^ualaiu, et collnea l'uner eom lil.i medioeri» mnll.i oidinatim, il» ut non lil)i odlioereant, ted I1.1I1e.1nt knalia inler te, in 5umnnli>li»us eo- ruw lisnt snlililes incisni!« in lenui nuro, «luiuus liAeutur. .^cce- nlni^ue v.itculo in l^u» e5t t'vlidatura, concule sortiier, ut coin- inisce.ilur nulvis, et eum nenn.i ^raeili linies isisüm svlid.itur.im suner nurum illud et su>>er lil-, «Idi^enler ner owuia, nnttescjuo in innern .ilczue susll.iln's nie et tnlle, doneo videas iusnin solid.i- lur.nu il» cire»nu>u!>,sue discurrere, sju.ili g«iua nersund.itur. I^t mnx asnerges .iljua modiee all^ue eicies et dilixenlvr I.ividns, rursiim^iio linies snlid.ilur.im »ie lieut nrlus svlidaliis, dnnee eat iilnin »num, c^uas st.i>i»> eomnlie-itiis et lueies inde doinuneul.is, «juitius I.inidcs cl.iud.inlui' ininnres et wajnres sd menl'ui-.iin uniu« cujusc>ue, oidinaliisiia n.ii'vulo v.isoul», et noncs lnn<>' cinlxnies, ut nmiiin euleli.il, in <^u!»n lindes mndiee do- innneid.is illus, un!un,ju!nnc>ue i» inseiiorem n.irleni, iiciiue tl.i- Iiilies in tun loc». ^iinnlius vern liauililis nnne Inner e.iiuoues nln lein ani i tuner in si.iliilisli, ilnnee exliceelnr Iliimor sariiilr, et ninx iullmreliunl. linocnie lilu kulilili.i et nereule ea inodiee s»>>er ineudeni, i>!> nt iililni.inluluin leinn., linl, et l-nneu 28* 436 Zur Geschichte und Litteratur. Sechster Beytrag. grana luverlus et inlerlus non vorciant kormam kuam, in sjuilius comnlicauis 51vtculo8 majores et majores, un6o coinulelli8 cam- nos omnes inter ilomuncula8, c^uo8 «um 5ormavcri8 suvlili kor- cive, intinge8 eos in Iiumiila karina, kiccruo colloeatiis unamc^uam- c^uc in kuo loco. ()uo kacto none caruoncs, ut karina kiccelur, ttatim8 calieis in tuis Ioci8, et circa ea8 kaeics «luos traetU8 in inlo vase cum fuliula, ner c^uo8 no5li8 conticlcrare, ut rectv ktent in koliclanilo. I)ein>Ie künde nurum aurum et misco ei tertiam nartem eunri rubel et nur!, ^unil narilcr kukum et inoiiice nercullum Iimalii8 ncnitv8 et nones in uennam anscri«. I'ost Iivec aeeumula ante sornaeem magnum sceruum carvonuni, et in eos none vas calicis, ila ut medielas ein« omnino tu» car- nonit»i8 tit, et illa nai-8 «ietuner emineat, kuner c^uam una anriü nonencla est, l^uam klalim cunjunges ei, et linies inlum vas cum surieula interius et exteriv8 cum toliiiatura, atliue liinatum au- Ilieonliili I'resli^teri äiversarum artium 1"ciie6uls. 437 rum, «^uoä in venua nolueras, teminauis cira juuctura8, izua auris vali conjungitur, lic^uv circumpolito igne aAgeralii8 earlione» in circuitu, licut tuper!u8 tecikti circa auriculam, et terres llekuper cardones, czuos carlioniliu» allun6anter cooperies. In anteriori vero parte iutra cauum valis comnone carbone8 in limilituclinein ino6!ci kurni, iia ut csrlionos in circuitu «lenli jaceant, et tora- inen in meäio anpareat per yuoll potlit tusllari, ut calor iuleriu« et tuperius a?n^ualis Lt. Lurncjue vi6eris tolillaturam circuwlluere, et c^uali tertio inuo6are, atnergo lliligenter moäica assua, eieiens- «j»e lava et licca, rursum^ue liwili modo lolilla, et tawlliu 7aivl>8 tuperiorem, atisue inelire all una auricula U8r^uv ad alleram, <^u!« nar» tanloc latitullin!« lit, Quanta ett grotlituilo lapitluw, «inos innanere volueris, et collocans eo8 in tuc» oräine, lie M- pnne, ut in priinis tlet lapis unu8 cuin (juatuor maiAarili» in anxulo polit!8, lleiinle electrum, juxla siueni lam's cuin mai-Aari- Ü8, rurkumc^ue electrum, lic«me orlli»!>ll!8 ut juxla auricul.18 lein- per Iap!ila8, in cmilius electra pnnenila tunl, compone8 et l»Iidal>i8 »riline Mio tupra. Lt in altcra narle valis limililer kacie8. 8i vero volueris in me6io veutris geminas vel niaiAaritas ponere, enilem mnilo lacies. <^>uc> kaelo coujunxes eas et lolillalns licut auricula«. I^ost I>a.c in <>mn!liii8 llomunculis, in <^uibu8 eleetri» poneixln tunl, co.1pl.1I1!» lni^ul.i8 p.irle8 auri te»ui8, conjunctiis- >>»c ililigenler eieie», als^uv cum incnlura et reguli» incitle» cor- riol.im auri, <^uoä .ililpinnlnluin kt tni5liu8, et com»I!cül»'8 e»8 circa nram uniu8 cuju8cinv narl!» tlunliciler, ila ut iutor intus c»rr!»l!>8 liililil,: l'puliuin lit in circuilu, «piuil l'patiuin vocalur Iinil>U8 elcclri. Deinllc eaclcm inentura alu8 l'nlilili tureiuo eoinnli- cul»!» et sorinaliis onus lninilcun^no vcilueri» in electris kacere. live c!rculc>8, livo nvtlo8, live llokeulos, live aves, üve liellia?, live imag!nv8, et or«l!nali!8 narliculas l'iidlilitcr et «liligenter unai». «juain^uo in lno Iveo, atizue liruialiis liuinida sariua l'uner car- 438 Zur Geschichte und Litteratur. Sechster Beytrag. voues. tumcmc impleveiis uiinm »arlem, soliilud!« eam cum maxima cautel.i, uv vj>us Aiaeilo et imi-um kntitile liisjunAatur .int Iicmvli.it, licciue Iiis uut tcr tacies, llonee alicm.intululu lin- xulie nalticuli« aüluereaut. lic, omiiitms uteie, li vero illic^ua Partien!» llurior el't, linAuI»iiiei' renvnc. ^eclnieii5liue Li>xul.i8 mod.iti vitii, miitv in igneiu lingillulim, et eui» c.inclueiit, moico in vas cumeum in u mmulii. ullslie cooneries n.inno Isneo. Iloe moil» miguln« elilmc» lliinu- nes. ()u» kucto tolle uuam nsilem auri lulul.ili, et suner tuim- lam irlmalem aäliirreuis cum cera in liunlius leeis, i>cci>>ien8u!es a roslio nenn»? fulililil iin>>I>: In'« lmeincummv milculuni volueri«, et imantum voluci'is, <,>»<»> veio l'uneisueiit ies»>iio in vasculum tuum et cunneii, I!c,me su- eie» ex linxuli» culniiüus, llenvc nais uns iinnleiilui', uuleieu^- «me eerin» eu! iuiueterul, nc»ie ins-im niu lein l'unci' sei i uin lenne, cmoil tiulieat tnevvm eauilani, et euv^eiie» cuin »Ileio teiiu ljuoil lit eauuin. in liniililuüinei» valeuli, lilljue nei' oniniu Il!»»!>- sciroliini Ar.ieile, ilu ut sciraiuina linl inteiius >>Iun.i et Iiilinrü, et extei'Iut, suutiiior:» et Iiil'nillü, monier .iievum«-' «inerei;, li foile tuneieeeilieiint, Iiulieutime i>>I'un> serrum in meili» lusieiius Ine- vem .inulum, cum >mu fnneinomitur et eleveiur. <.>uu suclx eonnone cailivncü ma^nu» et Imi^»«, incemlens iilos vulilc, iniei c! soici>»e; ita cuu>>l:rtum c«Ilm >>!>> . uili^cnlci^ utc^ue caruuucs in cii'cuitum coiunuue» et suisuin ex ^Iieopliili I'resli^lcri iliveisarum artiuni sekieilula. 43!) omni partv, aeeeplo^ue tolle ulriscpue manilius un6icpiv tusslaliis tlonce earlioncs ircmaliler ailleaut. Ilavess etiam alam integram anseris, sive alterius avis maxn-r, cpu»: lit extensa et ligno ligata, eum «zua ventilatüs et slaliis sortiter ex omni parte, äonee »er- l'picias inte»' carliones ut soramina seiri interius omnino can- tleaut, licipie starv cellatiis. Hxpectaus vero IimI6!i pol- lieis, in >n>, rursuni<>ue srie.ivis laterem eum sali^a super eotem, et linies super cvriuin liireinuin, taliulie li^ne»: oecjualiter aslixuin, t u per >>uo>I polies ipsum eleetruin ilonee omnino suleeat, ita ut li tliiuillia pars ejus Iluiuiila tiat et ilimiilia lieca sit, nullus pos- lit eunliileraro, lpioe pars licea Iis in eireuitu llispones Iiinl«uin euin lapttliliiis et eleelris ut lupra. I'atenam kpiolein opcre et urcline liinlium uperaveri«, saeiesczue eolatorinm aurenm live argenteum lioe moclci. bereute vas parvulum acl linnlitinlinem mo6iooe pelvis, I.itilulli- nem moclice amplius palmve manns. cui impones cauilam longi- tuclinis unius ulnve et latitucline unius pollieis, ^»oe eau6a lialieliit in summitate eapnt leonis lulile et 6ecentilIZme leulptum, ^uoet nigello per tola, et zier loca opere kulili et punetorio et iilleris versunm exarari in suo loco. ?elv!cula vero l^ua: in lummiiate ell. in meilio suixlo per- korari «lebet, latitucline iluorum Iueii5 in i>>la ampulla imagines ant lieslia» live tloreki »pere iluclili sacere, comjiono in nrimis conseetianein ex nice et eera vt legula. (!an. LVill. t/e co?i/L< ^'«?i//»r /entt^r. lere nartem laleri« live leguliv ininulisliiiie el liisnelae nicem in telta olloe, moclieunilpie cer»? e in tuo loeo, et 5ao puerum detuper pereutere n.uo- eumci>ie modo volueri8, lenilcr ant korliter, ae depone eampo8, ut eavi lmt, et opv8 eleuelur. (^umtiue per vmnia semel per- culseris, appolila ampulla igni eiee conleetionem, recoctarrue am- pulla eiectaczuv ad igne, rurkum imple eam ae licut pr!u8 per- eule eam, licciue kae!e8 donee omnes campo8 veciualiter depona8, et omne op»8 ita eonsormes ut opparcat rruali lulum lit. Iloo aulem omnino procura ut argentum ampull» ita lpillum lit, ut cum opu8 pereutiendo kormaveris, eum kerris koll'oriis poll>8 illud decenter incidere, ködere et rädere. <)uo peraeto, li volueris, sae auriculam sulilem eodem modo cmo kornialti aurieulll8 argen- tei calieis, et in anterior! parle deduetorium, unde viuum ellun- dalur, «zu-« eonsirmauis kolidalura, argento et eupro mixto ut tuiira. Deinde uvicumciue volueris nigello ornal)!8, et reliciuam de.iuram'5 ut kupra. Lodem modo sacie» kevplio8 argenteos et aureos allpiv tcuiellas, et pixides ad ovlatas imponendas et ca- plulas tli)^miamati8 et manulnia in eullellis, et imagiues in cruci- I»U8 et p!e»arÜ8 ex auro live argen!o aut eupro. (!an. I-IX k/Ie i8 in rolulain eo ordinv n- angulatam, iu cpia lianl eiu8dem numeri svnetir»', l'ul» nua liunl siuatuor niiadralaz. «iu!I>»8 l!nguli8 imponanlnr tre8 enluinuell!»'. et intor e.18 du« seucfliir prodneli«, i» ciuarum medio super mediam columnam liat teuestella rotuuda, lull ciuiliu-z iu terliu 442 Zur Geschichte und Litteratur. Sechster Beytrag. loco lormentur uliiv turros octo; czunluat' vi^elicet i'utuiulu: cou- tia 5u^>erime8 eiuailr.18, iu c^uivu8 liant llul'culi uut aviculiie vel vestioloe, teil tenettella:, et inler vas c^uatuor «mrulra?, «iu« et Iatime8 liut, in cmil>u8 in inl'a rotuullitute valis liaut u.uatuor arcus iu kuurcm» momcv urvllucli, in «milius liaut c^uutuor evanAelill»? live iu lneeie augelurum. 5eu iu liguiu uniui.nlium, iuter r^uos aicus tuncr inlam or.im iviuiiiliialis uo- osutur ljuatuor canitu leouum live Iiomiuum suliliu, uer ,mu: culenve tiauteiinr. Ilis ila »eitrnetis cum lei'ri« tlucloiii» et >U!>I- leis, iulei'iu8 et exleiüu8 nercutinutui' llouee omiiiuo loriueului', liccme liiueutur et railuntur. 5eiiis<^ue 5vllor!!s lulliuntur. Iluc ett suneriur nars tliuiiuuli. I)e!u>eii»i!I»u8, in >i!>tuoi' llumiua nuiuilvl! Iiuuiana lneeiv euin 5ui8 smulioiis, >ecie8 lluc»li8 o«M!c. In oi>!zul!8 vero, l^u!vu8 coujuuAuntur ciieuli, liguntur cunitn Iconum live lueie8 Iiomiuum ilo cmil>u8 luui-a ,lix!mu8, itu ut in iulerivii nuilv Slllu-eieaut 5ucie8 iu lmibv8 lirmeutui' c.iteuve, et in lune- rioii eiinilli vel com», ner l^ua8 trauseunt intie eutenoe. <.)n<»l li nes cum i>>5» inlei'ioii narte uecmeat neicuti. liut linguluiilei' live «luelili live kulili onere, et imncui.itui' euin suliilüluiu si^enlu et eunio mixtu, lle cmu lunru llixinius> I^ilium vei» cui !>»iiln8 ii»n<»iv»llu8 elt, et cui catenie lu>ieiiu8 iuliAenil!e 5unt, liut li- iniliter 6uctil! live lulil! unere, in i^u» lnrmeulul' lloreü uut nvi- culse live liesliulu: tecuiulum «muliluleiu iuleiiuii« »ueil-i. Ilue iliuiiliulum li tueiit uiAenteum nut eujueum, uoleiit i uiiliue >^u» lu^ira. (^)uvil li cm!» vulueiit l.iuoiem un^xmeie, ut tlmiiliuluni ui'etiolilil'iij oneris eomnon.it, limilitulliiii in civilutis, imum viüit uronlielu iu inunte, Iioc nwilo noterit cxnriinele. l^un. I>X. t/o />/////. I'ulle argillnm limu mixtum et I^env wueei'iiliim, et lue lic- caii u>l lvlem, liecalumsme cnmminue et ilili^eutei' cnl)ii>. I)e- iude eriluutuiu uciua cummikce et kuititer muceiu, et ex iinle eomnline til)i cluu8 iuul7u8 oil m!>^»Ituusm vi« Iliuiiliu- lum liniiere, unum inleiiviem, ulterum lusieiiiueiu, «m«: ulliiii' erit; «juiL- mull«: voeuulur uuclei. <^>uu8 ttuliiu neiluiuliid li^nu 'slienidnli I'reüliz'teri diversarum artium senedula. 4jH in longitudiuo in s^uatuor cnstis oe^ualiter ineito, sieciue siceat»!» ad svlem. 1'ul't n^ve trausduces ei» seiium, c^uod dieitur toiua- tilo, longum et mvdiocriter ^raeile, ciuvd tit in una sunnuilate xiussius et in tres euttas neieull'uin a?«uialilei-, ae luagis magis- «nie grueile deduetim usi^ue in liuem, in cujus Arotlloii naite imncinetul' aliud serruin ureve et euivum, live lignuni, cuni ciuu iwl'lit clrcuuiverti. Oeinde Iiatietiis duas culurnnellas lizneas tu» sier teainnum lixas et at> invieem tejunctas leeuudum louAiludi- »ein teiri, <,uoe siugulio uaveaut in anteriori navtv LnZuIos ela- vo« tiloilitel' ÜAneos, ad uieusurain palwi longos, et ad similitu- dinem Anulus ineisus, tunei- t^uos nonetui- li^uum aliud i'otuuduui, ila ut iiullit niuniu» et IviiAius removeri, suuer kjuod i-e^uielest »uanus lui-nautis. II!s ita cvwpolltis inter duas iusas culunnias i»one seiium tvrnatile, c^uod nueleos contiuet, et coram te ad lu-vain nianurn sedeute adiutoie, <^ui ciicuinveliat illud, tcunatiis teriis aculis et latioiitms ex »nun »aitv uscjue ad le<^ualitateni, liei^ue 5uri»av!s nueleos illus ut lilii cnujunKantur occiuali latitu- iliue et snillitudine iu wedio. Inteieides veio inseriurecu naileui a inedielale inseiius, ila, ut laliludu tuneiior dualius ineusuris inl'ci iiii'ein suneiel, in «jua suiinavis et pedem. Ladern c!des tuneiiuicin iiailein, cujus taineu allitudu tanla eiit, ut ler inleieldalui' ad limilitudinem lignei eamnanaiüi, ila ul ,j»:>I!I>(!> ineisuin tuil'uin mag!» inag!s>^ue giseilis tit. II!» iU, tinnali» eice keriuin, et cuin cutlelln incide iu laliuii liiuliu su- ixiiuiis »uciei <^uutu«i' augulos usiuie ad incisuiain, ^uoe ei inoxima etl, ila ut iu crueis incidum tuinietur, et uuuui^utid- <1>u' eoiiiu ».l^uale« Iiuveat latiluiliueü in tiiuus narielil^u«, 1'ed alliluilu eonlineut meul'ui'aiu et diiuidiaiu laiitiuliniü, in ^ua eliaui niunaeula ail limililuilinelu lectoi'uui surniauis; sueies <^uu,^ue in iii'oxinia ixiii uelu cusla», «^uatuur laliui'eü, et ciuatuul' tlrieliu- ies, «nias etiain lolunda« saries, iia ut aiiAul! latiorinn iixnnine- uul, et illieliui'uin eavi iinl, ut sie luiundil.iL an>>avea>, in >e>!oi»>» lal!» anlenlur. Luneiic»' veio turiis oclc» cusli« ^l?,^ua- liter lal!» et alivi^ue teet!» sormetui'. Ilüuc erit l'uneiior ^>ul^ >^-«f. 444 Zur Geschichte und Litteratur. Sechster Beytrag. tliuiivuli, Iu!eriori8 nail!8 aulein lalior limvus, i»cil>8 an^uliü limililer in erue!« moclum tormav!8, ut sunerior! eo.inletiir, et inkerioi- limuus in rotuiulum tiniatur. Ikis taliler .inl.il!8 lolle lluo lixna aä lonFilulünvm nelli8 et gioslitudinem unius «ligili, et atlenuabis ea aä sm'ssitumuem, cziia coerain liauere volueris, gliuillsue iiAnum tantoe longiliiclinis lotuintum et Aroll'um ut Ii.il'ta taneeoe, el Iialielns ascellam latam longitucüne necn8. et liual>»8 uloi8 lonZam et valäe oec^ualem, suner ^uam eonliAe8 m-rilicla lluo liZna, ita ut a te spatio lümielii neil!8 ciisjuncta lixnum contra li^uum ocr^ualiler anletur. Deiacie tolle c-vram nuiam l^uam zAni snnolitam sorliler maceialns, lic!erea»l, et illucl rotunllum lignum maciesactum uti!s«jue ma»!I»u8 sorliler sunerliucens tecuininm sm'slituilineni lignorum ollenual)!8. I-'I cuiu inultS8 nsrte8 irksiiale8 ceroc naraveiis, le>Ier>8 juxia i^uem i»ci,Ie es8 narliculatim seeunilum spalia, c^ua; in ai'Ailla tlmriliuli ine!- «Ier.18, et unicuicjue spalio suam narliculam lnom'ce ealelactain sntali!8, at!8. Deiinle neilialie in lm^ul!-, srontilius linAul»8 aiev8, et in nuliijuiü nai!eli>iu8 limililer, et luk linxul!8 grcultus ex ulraime linAuIa8 valva8, !la ut unae« in limlio circa areu8. In suat!!ü vero lr!an^»I!8. >!»- n»8 tutlinent, sormav!8 s!m!Iilui!i»e8 lluodecim Ia>»!il»m, ili^no- nen8 uniouicme anostolo cnnvenientem lam'ilem, lecuiuliim li^ni- ticatinnem nominis sui, smnruin iioiiiiua seril>e8 !>> !»l'er!i»! liuilx» ejusiiem spat!!, et in sinAul!?« aiiAulis juxla Ias>!tle8 saci«8 si»^ula8 seneslellaü. Il-ee erit limilituilo lZe cuia nrnplieta liicil: ^1» orienlo norloc trv8, et al» occiclente nortie tre8, et al> nieriiliano _ "tlieonlnli?re8vvteri äiverlarum arlium tellellul.i. 44Z norlse tre8, et a tententrione porloe lies. In c^uatuvr gutem an- xulis, n^ui lunt inler 6iv!lione8 nortsrum kormaliis in e-era Lii- gulss Iurrieul:>5 iotunilg8, ner c^uas cstenve trantiliunt. 1I!s ita lli«ttn5il!s kacivs in nroxima tuneiiori turii LnAuIas imsgines sn- ^eloruin inteArss in kiuilili'angulis tnaiüs, cum kcntis et Isnceis kuis, s^uall srevim>8 tunt interilienllü, liüi concorilenl. t ire.i nronlielas vero non sncies nnr!,i8, seä tantum 5nal!a eorum Lnt <>uallinn^ul!>, et in Iii»ll08 1'uner cnnita kcrivautur eorum nnmina. 1'acies «^no^ue in imgul!« «^uatuor turres, in k^uiuus ca- tena: lirwentur ut tuneriaiiuus co.intentur. In inkerivri vero ro- tmnlo snslio s-ieies cireulos cmot notueris, vet volueris, in o,ui- lins snrinaljis liiiAuI.i« imsAines virlutum, liiniilli.is snecie kemines, cniorum nnwina lerilies in circulis. ^ll uo5tren»uin auteui in kuittlo surin.ivi» neävm et toinauis, et ownis snatia eirea imazi- neg tuneriu» et interius eront traossoroto. Deines unieniczue n»rli tui« intulorüs at5 nnne» ad ignem, et eum euIetaetLe fueriut, coeram I!- 8 soism!nillu8 iuferiu8 ennverli8, et eireuinnoue8 e!8 1an!lie8 >I»rn8, cni! reliüre non noltunt a«I cnlorem iANi'8, et orljinnlii8 eo8 I.iniilem kuner lunitiem in ümilitumuem mur! avs^ue iemue- j-ll. Zur Geschichte und Littcr.ilur. Sechster Beytrag. lamento liceos, it.i ut inlei' I.ii>i«ie8 muil.i sor.imin.i et n.irvul,i ,-emanegnt. <)uiuu8 ila comnelitis, >iltiu8 siuam 5»rm« lint 1'n.ilin «limiclii nem8, eireumkuniie earlione8 ai'llenle», ac lleinde kiigillos n8«^ue Nil tummuin, et cave ut tanti sn.ilii tit inter koiw!>8 et lapieles, ut c.irbone8 canere notlit. lLunisiue e.irlionc8 omnes incanciuerint, interdum cum giacili linFno movenili lunt ciicum- «zuoc^ue per soiamin.i inter laniäes ut ke covjunxant, et calar ex nmni nsrte oekni.ili8 Lt. üt cum in tautum lieseencierint ut sor- m:>8 vnlere nokli8, iterum imnle kriAiiiis e.irvonilivü uscziie ad tummum, lien^ue terlio kscie8. Ut eum vi8 exteriu8 canileseeie, nono vi>8 in i^nein eum suricalcn cmnil kuinieie vo- Iueri8, et nrimum mncliee liein6e m.igis msZist^ue kuslialiis, «Innee «imnino lirnieliat. (^uo kacta eum curvn keiro et lignn nil'ixo «iiligenter eemmeve, et v»8 in Ialu8 aliuä coiiverte, iui5u»niuv auiiealco imnle et lismekse üe cai-uonivus nui'Aavi8, et sunlatore sortiter slante eoonei'ies m.iAnis cinlionivus. Deiniie amoli8 I.inicliuu8 form.i8 eic!e8 au igne, et .irAill.im .iliun- »l.inter ac^oii nerlulam .itcme iu wulium kecis atienuatum cum n.inno ililixentei' eircumlinic8, licnue juxta sninaeem, in isiiam sumlis, salla kacta k<»m!>8 imponv et teiram circumi>»<«mv ex- NFZer.1, et liiinn !n5eriu8 »snuili creviiu8 Inninxenllo ilili^enlei' conniime. titatimerue nannieulum rnultinlicilor comnlic.ilum et lillo ligna imnolitum nr« manilius Ii.ilie.is, ejectamie valeul» .it» i^ne cum sorcine curvatu rostio, et n.innienio .ippnlitn, i^ui k»r- iie8 et 5sviIIll8 llelenllnt, lliliAenter iusunlie. il«c mniin solinis nliiseiue sul>8 line l!c slaie, ilnnec insusviiiim kuneiius nigiescat; ileiinle iemot.1 terr.i et a s<,sli8 extrl>cta8 icnniie iu iutn loco, «Innee »mnino frixe.int, cavens lummanere nv cali«li8 5oimi8 .Km.im suneiiaci.1«, cmi.i interiores nucle!, li Iiumoi'cin neiscnle- linl, sl.ilim inlianluc et omne omi8 <1i8iumnetui-. t'uniimc ner se iekr!gelati8 argillam removoris, «lili^enter ciicunil'picc, et li smli8, et .innolita eoeia, nee non in-Zilla sui>erü«iilil.i, cum licca 5uer!t, c.ilesncie«, lici^ue sus>erninvlei'i «liversarum artium lelieilula. 447 troe, et lim.iliii.'» ex nnxtina argenti et cunii, lieut nroelerinlimu«, foliilnliiü. I'osl li.ve «liveili8 Iimi8 s^ul>llr.'mgnli8, tiisnguli5, alc^ue i»Iiiiuli8 c!Mi>>c>5 omnes nrimo translimadis, 6eiuile 5erri8 tolko- sl)xi. (ü^tenas lneturus nrimum tialie lila lnutilia live grolliora in ciinio live argento, et eircumlleetv eum tlivula in ti'iuus anri- eulis, ant czuatuor, vel ciuinliue. live tvx, lecunllnm xi-oklilulli- nem n^iiam volueii8, a<1 mensuiinn uiiiuseujusc^ue tliurilnili mi- noiis live mnjoris. Ut eum vmnes eatenas unius tliuiüiull in u».im n.irlem «lexueri», tolle lignnm lenue ex queren live ka. xineo, et kae in eo multa loramina euin Aiaeili terro rotunllo et eglillo, ner ^uoe koi.imina catenam i^ne recoclnm et relVIZe- r.iluln Ir.inslluce8 et «lenno reeonue8, lurtuml^ue ner alinll tora- ine» Ir.inülluces et recnl^uc8, lic^ue tan» llin ki>eie8, lloneo ner nmnia lelnialiler lit grollum et intuullum. Oeincle incille insnin c.iienlim ner n.ir>e8 .ill lzulintitatem tünrluuli, melliam ngrlem Ineviorein, et relio^uas IonZiore8, an>ati8<^ue toraminil)U8 in lum- init.->Ii>)»5 ntri8llrmnlii8 e»8, «inoe lon^iores s»nt, in inferiore narte Ilniriliuli elgvi8 lirmi8 et tran8lluctis, eomno- lilü! ner luneriorem nmlem imnane8 annlo8 narvu!o8, enn» »>ui- im^ ^n>!>Iii8 e> «lilirmnliis e!i8 all lilium i»fvriu8, ner liuoll ni.-niu ^ell.ii i lirm.il>i8 clavo in tunerinri naile Iliuriliuli in nun c.inile, et allerum imnolito anula ontouis inlei'iu8 tul) lilio; et 5ic nrocural>i8 ut tlluriliulum ex omni n.-n-Ie se^ualilei- neinleat. I'o8lunt eli.im eoclem moclo et oriline. »ziio >>r!rI«jue nui'ie.ileo. t»e>I in.iAiioneie cnvenllum elt, ut ainiealeuni, l^uoil llenuraii o nronler lliverla iiiioi'lunia, cnioe »r!>n>iliU8 eveniro lolent. <)noil ourie.ileum li vi8 eomnoneie, niimo n!>turam eunii, ex r^uo eslieitui', 6isee. Lsn. I.XII. tie c»/i?o. (üiiinnm in teir.i na8eit»r. L5»j»8 vena cum inveuilur, siimmo I.-üwi-e k«llien(lo et sianFeinIo ackiuirilur. M eniin l!>ni8 eoloie 448 Zur Geschichte und Litteratur. Sechster Beytrag. virüu's ae «lurislimus et nluwlio naluraliter ruixtus. <)u! lavis ovunilanter etl'olt'us imvonitur ro^o et eowvuritur in moduni caleis, nee tamen mulat colorem, teil lturitiain amittit ut eou- sr.ingi nosllt. Oeinilo minulatin» cansraetus imvonitur lornaei, et k»IIit>us ati^ue earlioinlius aitlnditis iucellunter 6ie ae noelv eoullatur. ^uoil iul'uni iliÜAenter et caute tleri liefet; iileni »t in vriino carvones iwuonantur, <1eiuüv lanillis nunuti« tuner- kuuclantur, rurtuln^ue earliones et clenuo laniäis; üo tiat 6auee ncl canacitatein kornacis tuttieiat. (üuwljuv lavis coenerit I!«^ue- tieri per eavernulss ^uasllam vlumliuiu eklluit et euurum intro remanet. s>uc«j eum lliuti5t!mv eonllatuin kuerit, relrigeratur et eieitur; rurtuw aliuil imnouitur eolleai »ritine. Iluio cunro ta- liter tuto Quinta nsrs ktüAui, et eontieitur metallum, c^uo cam- nana: funäuntur. Invenitur etiam xenus laniäis sutierocei colvris, et iuteräurn ru5us, czui calamina llieitur, szui nou conkraetus, teil ila ut etl'oclitur, lignis coogettis et ouuutianter suceeulis imnouitur, et ilonee omnino canileat comnuritur. (^ui lanis pot't Illre resrigeratus et m!uu>i5tiwe coukraetus wifeetur earüonivus oaniiuu comminutis, et 5unral1icto cunro commiseetur in toruaee, ^uoe üoe invilo comnonitur. 8tant imatuor lam'lles i» nioduin crucis, a le longitultine unius neitis senaratim, naitim in terra tirinali, keil aliituäino neäis unius luver tcrram oeemaliter vrominenl,^, et omnes in kuveriori varte a^uales. 8u«er Iios lavilles vanun- tur ue lanilZIuus ex oinn! narte a6I>irreat, et ita lil, «^uuli lai es latun^a kuner I.iniiles jaeeat. Deincle euin rotundc, lizzn» in snatiis inler keiros koiAmina üant »er onmia ljuautu nosLut amnliora; et luii^enter Hecetur. slieonliili I'i'08li^Iei'i «livei'sarum aitium lcliellula. 44!) l.xiil. /oivittce. Deinile all inlo laie tuit'um liat murus eum nnnutis la^itli- uns, et eailem aii;illa in moilnw ollse, ila ut a niellielalv tune- liii!' .iliului» ftrietior lit, et Lat altivr k^uam latituäo lit, a>,>ue euw li^.iminivus terrei» «ziiincsuv aut s^uatuoi' ciicunlligelui, et eau!em ai-gilla inlerius et exliuius lliligeiiter illinietui'. <^uo kaeto imnonaulur caruones aitlenles eorninixti extincli--, et niux venlns zier i»5er!oia koraiuina ingiecliens alis^uv /latu 5ollis eclu- eit tlammas, et l^uie^oill welalli im^oiütur ttatim ner te li^ue^eil. Deiiule Iioe modo comnouaiitur vaseula nuie oneri necelluria. <^ap. I.XIV. c/e co»,/>»//tt'o?ie I olle siagmina vvterulQ valoruia, in s^uinus ante eunruin live auiicaleuin kul'uin tuerat, et tuner lanillem minutaliin cou- siingc. Deiinle tenam, ex «zua tlunt »Ilse, eujus genera lu»t Ic»nn.ue et imnlo illull l»is ex eruda teria. et ie>' excoela, ila ut du!« zartes lint ciinl«: et tie» cueti»', et nouens linnil in vas ina^nnm neisunde a^ua tenida, et malleis ae ina- i>iliu8 sorliler maeeia, douee vninino in 5o tenax lit. Deinde ac8 l'eeunduin ljuantitatem koinaeiü. et uiuer illinl l(ni»!>I>i« vaii^uluin iinum^ et koi'inatuni mox eircumiiiiies einen- l)U8 lieei«, et lic juxla ignem none tlonee Leeetur. Iloe moilc» c<»iinui>,s Wcikc 29 450 ' Zur Geschichte und Litteratur. Sechster Beytrag. vum, ligneo^ue manumio iiilixum, et «ulixenler commove, u calamina cunro eommiseestur. Deiinio sorcine lon^o vnscula lingula momeum eleva et a locls tuis naululum remove, ne koito laii oiilioereant, rursumr^ue in omniuu8 ut nrius calaminam none, et cunro replv streue ci>ilionibu8 oneri. iüumc^ue (Zenuo nenil»« li^ueklictum tuerit, rurtumo^ue o'iligentil'u'mv commove, et curo sorcine v»8 unum eicien8, tulcls in terra toslis totuin ei7unll elkuäitti, Quantum canero nollit, tunernone. Lorjuo ut nriu8 lissuetacto commove et c.il-nnin.im renone, nl«>»e ellulo eiinio et renlv et tinv Ii«ruetieri. 8ie lingulis v.ili^ s-xiln. t'um«>ne ner omnin nenitus tuerit lii^ueiuctum ,il«me «iinlislime commatum, ellunllo ut mius, et lerva «ionec onus Imliueiiü. lisec commixtio vocatur »8, unlio cnltlari.i, Ieuele8 cl nelve« s»n', ieci non nolest denuiari, ^u.iniio nule eoinmixlioiiei» cunium uon kuit nen!tu8 a nluinuo nui^»lum. Deiinie snetiiriis nuriclilcum, «^und nnssit «le.ini!>i i, sie inciuo. lü.-lv. I^XVI. t/e ^««T'/^ott^/'»?^' I'olle nalellam serream cujv8 in.i^iuluiliniü volueri«, et lini eam inleiiu8 et exteii>i8 argilla larliter m.ieerata et inixl.i, et mligenter vxliccn. Deiiille none c.im .inle sornaeein teiiini! l»- ner earlinnes, ila ut eum solle« llaveriiit, ve»tu8 nrnlim intus n.irlim tiinerius nrnceclat et non inlerius. I^t cireumnoliii» mi- nuli8 cürvnn!l>u8, ircmuliter innvne cunrum, et sunerailile c.ir. Iionum congeriem. ()uou! eum «liu susslainlo sucril üiniesaelum, llisco oneri et mox rmnulam earvonnm savill.im suner illuil nrnico, et eum gracili ÜZno et licco imal! m!>>:e»,lo commove, v!>>el)is«^ue ttalim nlumlium eonuullum inli kavillie ciuali p>ul<>> !uili!«i'ei'e. <^)uo ejeeto iteium carvones sunernone, et ut niimo «Ii>i snsl1an8 ruitunnsue l!i«eo oneri, et tuue kae ut .inle teeisti. l)u«ä tam ciiu tae!e8 llonoe nlumuum omnina exco«^uenli» eicia^. »einile iniurnle tuner insusorium, cnioil aä Iwc .inli>veii8, et lie. inol'liliis l! Iiene nurum lit. I'ene iiluä cum knieij,o niius «>u!>m refiixerotur, 5e»nileuit lo illml lisnielieii /ieut nrius. 8i vero sanum nerwanfelil, rekiige- i.->Iii8 in acma, et aliuä eoileui mo<1o cossucs. Hoc cunium vo> 1'IieonIiiII I^i'elis^tei'i lliverkurum artium tcueckula. 461 colnr ioiiillum. !>x Iioe cunio «zuieimicl kacere vnlueris duetili onere, in imaginiuus, tiettiis et aviiius, in tliuiiuulis et lliveilis vnliü, i» limliis tadulaium, in iitis et catenis, lleaur-nnlum vnei'.'u'i noleri«. Lx Iwc cunro nei'licv auriealcum cum adjeetione eulaminse, vollem modo IIe kmi^ma et none in vatculum mundum et inlunde ei nlsii.im et di^itis tuis c^uasi lavaudo commitce dili^eiiter, douec iillt lmsli kex cerevilioe, atcme eum tetis norei liuies illud vr<^ua- Ii><'r >>cr omnia kuner deauratum timrillulum. Deiude none kuner einliones, et Inm diu csletac, donee conscclio iila incini.it ni^rcscere, et lie elevsns eum korcine ner ownia «IiH^enIer akner- xe»s Strua, liclzuv lavauis, et cum ülis ex suricaleo, ticut lunr» dictum e5t, nolies. <^uo taelo luisum circnmtliesvis eum con- seclione vinei lunims, et vivo oigeutc», et denuo (ieaurutnü nronle^ calorem cailionum, <^ui t^niu« in illud mittuntui , ne koite ü leime lieauiatum 5uerit inlum auium comuurlllur, licrnio iteium nolieg eum tilis, ae llenuo kuner e.iiuoues noneus cliulius enle- iaeies, llunec luucum culorem tiaiiat, et mox iesiiA0l!iuis in uisu», et cum l'ei'i'is Lcsnialimis et ad Iivc antis nolies, tici^ue cum atiüincnto comvusti» incalorauis ut nr-Lcliximus. (^!i»n. i^XVlll. ^ittt//^,' /uoli li olilmandc» vnt!» ounrea keu siAentea licaui'uta trege- ris, vel üliml ljnvltliuet a>>u», Ime ovliiuo slll^ulieie noteris. I'oIIe oll'!> cujuscunisniv unimuli«^ ^uoe ner nluteam inveneris. et c«»- 2S° 452 8»r Geschichte und Litteratur, Sechster Beytrag. Imro, tluoe relrißerats winulatim lere, et leiliam n-ntem cinerum ex ^iIiaAo commisco, et lao tc^Ins licut in nuiilleinulo .iigeiitc» tunei!u8 äiximus, «zrias ixne live lole Hccadis. Deiuile aurum a ennro ällizenlei' alirsäes, et inlam rakuiam comnl!eol»i8 in nlumlio tenue nereullo. Ll<^ue uns ex tettis iIÜ8 corom soinaee nruni8 impolits, iam cslekactam infam comnlicaluiam nlumiii ciim iasui.i imnones, et lupei'jeetis caibonivu8 conllal)i8. Lummie lilnieka- elum tuoiit, eo mvllo <^uo lolot .Eigentum nuiilicari, inteillum nrunas amovemlo et plumlium ittl^enllo, inteillum relegeiulo et morote llanäo eoml)ure8, 6onec cunro »eiiilus avsumnto. nurum aurum annaieat. t!an. I.xix. ^?«o,»ot/o tt? n^oiito. dum i'alei'is auium lle oigenlo. imnona8 infam i-uilum rasu- ,am in vslculum, in c^uo solet aurum et argentum Ii,nielieri, et sunerinnrime paumeulum lineum. ne sorle «miä inlle eieiatur venlo tollis, sll^ue coram sornace noneiis li^nelac. et mox srax- mina kulniiuris imnone, leeundum «niaiititatem inlius raluroe, et cum esrlionv gracili «liligenter commove, oonee sumus eins cet- set; ktatim inluncle in kerrum insusorium. Deinile lunor incixlem leviter nercute, ne korle «^u!«I iinle reliiiat illius nizri. cninil sul- nliur comliullit, sniia intum ett arxentum. Non enin, kulnlmr suri am ex ol7e et eineie, et »ilice niumlium. llc^ve comliure, ut i-eeini»8 arAentum tuum. <^)uoll li a8 live !>«^>!s»Igs, aut aliud «juocl vulllcli8, et tocle cum xzi»eiii leiio 5ul- ?lieoplul! ?rc«uvte>'! lliversarum artium sclietiulü. 463 s»ria. Deimie lalle oleum, cmoä lit tie temine I!ni, et cum tli- gilo t'uperl!n!e8 per omiii.i ienue, aluo resrigeratum tuerit, non in on.ua letl per le, cum kerris ralorÜ8 vallio acuti8 racle mlixentcr ilo5cn1o8, ila ut campi re- m.meant ni^rl. 8i vero litteroe kuerint, in tuo llt grvilratu, iilium c.is vnliieii« elle nigras an lleaurstas. t?um vero lamin» »8 pvrlraelas «zuocum^ue voluer!8 opero todies ut lupra. Deinile Ii:iliea8 kerros graeile» et Iat!ore8 leeunilum «pian- lii.ilem caiiiporum, n^ui lint in una tummil.itv tenue8 et aculi, in altera ol>tul!, n,ui vocantur ineixel; ponen8<^ue I.imiuam tuper inciulem, eampo8 omnes pers<»rav!8 cum 5uprallicti8 lerr!8 per- c»Iieii8 cum mallea. (!umlzuo omne8 campi tnli mo<1o tuerint persorali, cuni I!m!s p!>rvuti8 oec^u!>u!8 eo8 per omnia U8l^uo aä Iraclo8. <)uo saclo lle.1ur.1di8 et pol!e8 laminam. ut tuprl». üo- 8 »Il^uo Iiestinli8 et nvivu8, ex li>l!uu8 par8 leli('et cornnve !i».ig!iiuin et capilli alliue veklimeula per Ine.i, alliue p.ir8 rcinanel .iiFeute.i. r"!unt etirun et I.imiuoe cnprei« et 5o,i!u»tur, et ileniFr.mlur ac rn«Iu»Iur; feinde in pa- tellain liliuekucl» kl.iAuo miltuntur, »t r.ifura.' aldiv li.inl, spi.ili lie.ir^entatve lint. Lx Iu8 lig.intur catiieiirüe picl»', et temliu >>Iipie lecl!, nriinniur ell.im lilir! p.iuperuin. 454 Zur Geschichte und Litteratur. Sechster Beytrag. t!ap. l.xxn. o^ek'e /iu?lct«7i. ?iunt etiam laminoe 60 eunrc», moäo ljuo superius, et lo- tlluiitui' graeili onere imaxinum, llorum, live üestiaium, et ila llisnonitur onus, ut carnni uaivuli lint, lleinäe nuixantur curu lulitili liivulo, et curn serris acl live opus a^>tis poliuntur et in- eolcnantur. ?ott luro lerro punetoiio vunelatur, c^uoll Iioc uioclo lormatur. j^x elial^ve lit lerrum aä menkui-am cliAili lonzum, in uns l'unimitate gracile, in altcra gioslius. ()uo ejus subtile koramen, »leincle ciiea i»5um loraineu lliligenter liwalur, lloneo nia ejus in eireuilu leczualitcr acuta liat, ita nt (zuocun^ue neieulialui' lnevillimus eirculus avuareat. I'okt Iioee inluin serium niom'ce ealelaeium, 11t vix can^eseat, temneictur in aczua. Oeincle te»e iutum lciiuin liniklia manu et malleolum clextia, seilealimo nucr anle te c^ui laminam tenvat luner incu6em, et antet in loeis illis in Anilins nereullurus es, licc^ue meüioeriter nerculiens lunei' senuin euin meleulo imnlv eamnum uuum tubtilillimis eiiculis c^uaut» mc>. pius poslis conjungere unum alteri. Implelis esnim's »mnilnis in Iiune molluin nooe laminain inlain luver nrunas cainlentes llvnee perculliones ill« sulvum coloiem lecim'ant. <üan. l.xxm. ,/e o^e?-e t/«cIi- enllo iukm'ee, ne lurtv alil^ua veliea live lillura in vo lit, tiuiv lu-ne contin^uut ex ineuiia, live ne^Ii^enlia vel ignoranlia aut inseitig lunllenlis, eum aut »im!» caliilum, ant ninn» leltiiial», ant nimis niatliicliin ell'uinlilui'. ^unnnie eontillerate et e.inlo knileris, li Iiuiusmnili vitium in ea llenrelienlleri«, cm» leii'o l>«I Iioe anto lliligentel- elluilies, li noslis. <)u»tl l! I.inlie nroluinli- tulis veliea live lillura sueiit, nt vllollei'e non iiolli!', 1 iiilunil>ii« unoiteliit lv suinlere, et lannliu i>ee tüiiuin lit. (^unll e»i>> kneril, nroviilo, ut ineuillü, et mallei tui nniniiiu »vniales et ,»>- lili l!nt, eum »aile alle- nuelui', ut in null» lueo ljiiiliuti lil 'iin.i, ttatim nertralie imaxines um ut uxmticnlum canili» elevetur, rurtumciuv cum malleo nxxliocri ciica inkum leniter nercutiens, anpolitis carlionilius re- cosmcs; lie xruo kacies lliligcnter elevaixlo inteiius et exterius, ct creliro neicutieixlo, totien^I>xx: aliipianlum knilllum eti, noieris in- terius cum longa malleo et Aiacili nercutere ct aUeuuaro li omis lucrit. <)uoll li iluo canila, vel tria leu nlura in lutiula elle «le- veant, ciica ununxm(xlIlius l>>. I'ott Ilice ileliAiumis naies et ciculuium tiinercüia, vs ct suies, canillos ct oculos, muuus et vi.icln:,, cu:I<:i'!>s^ue vetliuienloi'um nnilirns, tculiells et nelles, et l!c iuteiins cum miuoiiuus eurvis seriis clevav!» lenitev ct llili- ^cntei', summiineie cavcns ut nnu rumnalur nnus aut nciloietui'. <)u<>(I li cx i^»»n>n>!u vel ncxliAenlia conligerit, Inie nm«Iu koli- «Im'! llcliet. 'I'vIIe inlius auii vel aixcnli inomeum, ct allmiscc lci'Hum n.irtcm cum!, suiulcii^cuiv >>!nüci' linialiis l'ul^tililer, cum- Iiul>n,me v!c!i>!«lme lonicle, ct litlclil» lalv cominisceui« Nk>»i>. ex >>»t leuuilei' linieus. kl!>clui!m> kunersnurAc Inuaturlnu. <^ui» lic- ä5ti Zur Geschichte und Litteratur. Sechster Beytrag. ealn cleouo eonkeclionem kunerlmic8 sn!ksi»8, et tie inkeriii8 et 5unoriu8 a6mvti8 carlionitius leniter ilnliis, llonee viiloas tuliila- turam mlilluerv. l^uock viclen8 slalim .isnerge leniter acnis, et li iirmum suerit, veoe; lin nutvm, «lenuo lmüliler sue usl^ue ilum tirmum llat. 8i gutem kraetora Ist» suerit, 6ilige»ter conjunxe ei nlntieulam ejusllem auri vel srZeuti or<^ualiter tenuem, ini.nm sollcislii» eo6em mocio, 6lura imaZinum nercl tutitiles tr!»ctu8, li aurum suerit, ttstim 5»cies eo» et nolies ililiAenter ntc^ue colora- di8 eum atramento uscsue all rutwiem comtiutlo, et l-ile. ut tu- pra in onvre ealici8. Li vero orgenlea kuerit tiimila. et volueii» in intis im-iginilius lleauiare eornna», esuillos et tiailias, et nar- tes vettimentorum, lioc onortet tlvri nrius, li!8. I^einllo eum e»rlioniliu8 sulilililer triti« et lignis xi»eiiit>U8 et xrollinrilius sric-ilii« llilixenter, llonve «er vmiila re^ue clarum tit. I^o5t liseo et i» nur» et or^enla f:>e tiili- tile8 tr»ctu8, czuos et saeieixlo nuriter uolie«, ilunee a>I nerseeli». nein i>er«iuce8. <^um ver» tsoulo8 illa» aureas vet or^enlc.18 nleniter olevata8 all^uo n»Iita8 cunii^ero volueris, tulle cieroin et iiljuesae in vale tielili vel cunre», iilcnie eommlüee ei teguliuil kulililiter Irilam live luliulnm. i>!> ut li»t l>uj»8 iluoe narles et cera- tertia. <^)u»d eum nariler liisiieluetum lueiit oui» cii liAiieu svrtiler coi»uiuveiii8 et iiulv imnlevi.^ «mnes ini-i^ine« in sura et »r^ento, live eunio, vel liuoileuiKjuv in In« elev!>>»>>> snerit, et resri^erstum conlixe ulii veli8. In en^reii' vi'i» i^!>u Ii8 eoclem mnil« allenuüti« liniile »>nu8 l!l, lell nilijuri viiium insl:,nli.'> et mli^enlia, sju» liinioii« n>Uiii>> ,lt. <)u«ll <>s>u8 eum nei veneiit !>>:ule m>r!^!ni eum Iimeo nÄiino et s-iliul», »Iei">tur, et lie lieuuiuri ulinie nuliri, nerseelis lruetilm« iueulmuii, ei nr^liielu eunseelivne iuinleri, 'l'lieouliüi I'iesb^teii cklversarum arlium tclieckula. 467 lüon. l.XXiV. e/e o^e^e I'iant serri ack mcnl'uram unius ckigiti snikli, li-ilius ckiAilis et ^»alnor lati, IvnAiluckine neckis uuins, k>ui lsoiklimi ckelient elle, ut I» eis inilla lit maeula, null» lissura in luneriori latere. In Iii8 lculnsntur in limililuckine liAÜIorum limüi grsciles et latioies, in cjuivus lint llores, vostia?, et »viculse live ckrgcones coneale- nsti collis et cauckis, et von tculuantur proluncke nimis, leck nie- ckiocriter se ttuckiote. Oeiocko attenuabis si^entum multo tenuins »nism »il elevsuckum ^uanloe lougituckinis volueris, st^nv nurg.i- liis cum csivoniliN8 tulililiter tritis et panno, ae nolies eum erela ckesuner rgsa. t)uo kacto conjunge si-Aentiim cuieuni^ue limlio, noliivime ierro 5uner incuckem ita ut teulnlura kunerius lit, ac tuneilocato ei ai-gento ckesuver uonv nlumlium snillum, nercnlies- «zue cum malleo kortilei', ila ut nlumiium inninFüt arxenliim tcnue in tcululuram tam vickicke, ut omues tractu8 in eo uleniler .in>>!>ie.'>nt. <)uock II lamina longior kuerit Iialie eam cke loco sck loeum, et conjuuctam kerro eum korciue »l^ualiter tene, ut una n.-nle nereulla, glia ueiculiatur, licn,ue liat ckonec I-uninn tola ininleotui'. Iloe o»v5 kuli» ulile ett circa limlios iu lllln-icanckis luluiliii aliarium, in nulnilis, in tiinctorum cornornm teiinüs, in liluis et in smiliuscun um, nlunilio tunernolito neieutitur ckonec tiaclus .inuareanl. ^cnlnilur cmorme in seiro, inocko 5unrack!cto, imago crucilixi cko- inini, lnioe cum ai'Fenta vel cunro ckeuuiato inningilur, et lnlii'!- <>nUur incke nli^Inoleria, iilcm canlell!« iel!ini!inum et tciiinol.i tnnctui'iim; lit eli:>m scnl>>tuia im.igiuis SAiii ckei in teiro, el !ma- i^Iii,'!' nnuliior ev.inAelil'Inrnm, «^uiuus l»ur<> vel ar^enla inmielliü «innniiii' sc^nlii liirni nreeioli, sinnle rolnln agni in meili» iV'^- nlii, <>>i!,luoi' evanZvIilli« in ninilum crnc!« in cncuilu, et nroee- ckenliliu» ^naliiui' limliiü ,il> .ignn usc^uo ack >I>> cumnum, ni-rlienles orn.ilnin inul- Inin; iii elünn im.i^o iniljeiiüllü eockein >»»cko, alio^cnio iin.iAinl'-i. cu!u«ljue svilNLe lit lexus, > imnrels^ aui» vel ui'xenlo l'eu 468 Zur Geschichte und Litteratur, Sechster Beytrag. curn-o lleauratn, nlurimum l?ccori8 nroestnvt Ivels, >> cum luis limdls eiu8i1em metulli, in lmiliu8 slant vektioli« vcl sves et tlv8culi, c^ui tamen conliAuntur, (°) seit staguo suliilantui'. ngulu8, i>Ii»8 tiian- xulus, tertiu8 roiunilu8, secumlum eoiivenicntem giossituilinei». Deinlle sculuanlui' in ei8 ltvseuli vollem mocln, l^uo suni.i, ita ut ora kerri ciica tlvsculum scuta t'iaut. <^'umciue valäe »ttemiatum kuerit iirgentum live cunrum ileauralum, vel auiicalcum in sii^ie- rioii naite, nolies ticut 5ui»ia; in inteiioii sui>e>st!>j;nc8 valilc ieuue cum keiio, Ie- suiatum, ita ut lZeaursturs tuueii»8 lit, et staxnum iuleriux sil; tuiunloime uno ex serri8, ciuale veli8, junxe sculntui.iin :>il ar- ^entum, neiculie8cme cum inalleo ita ut seulntuia snn.iiciit, et cum acuta ora 5e>ri in circuilu iiiciil.it ui'. s)uuit cuni ^>ei' loluin ingeulum 5eeen8, serva tiui slo8eulo8 omnes, «mia illi eiunt i">- m'I>> elin orum, ciuoiuni cauiias Iioc ino«Io kacie8. l ommi^ce llu:>8 n.iites ttaxni, et teiliam nluniui, et neieule illuil xiacile et Ion- gum, lleiiille neilraliv uer soramiiia serii, in c^uo til:> ti-iliunlui, it-> ut Ivu^illimum tilum lial, et nun xiacilo nlmis tiut seil me- tiiucie. t^ost Iia.o tue tit»i ferlum ^lucile, lungitinline ne>I>8 u>uiiK ltimiiiii, l^uvil in uns kummitale tit mnitice lutum, :>>I nn>>l'>l>in» unxuis, et meiZivciiter cavuni, et altei» suminil.18 inligalui- li^neo niünuliilo. Deinlie teilens juxta suin:>cem uil Iioc «miti :>>>I:n». snte »^usm stet va.^eulum cumeuin cum eci'a liimesueln, te»e»8- «me sinisli'a niiniu lllius giacilis serri in lutioil iiiu tv «ülesucli, in «texlra vero lilum sla^ueuin «^uasi ^luiium iuvulutum, eujus ca- nut sucies in cera lirmesucta nuiniilum noneuLijue l'uner unuin (°) t'vriilssis lugviiclum non. Ilieonlnl! ?re8>i^leri divertarum arlium telie- U08 in tollulam kerri condenli» teuelii8cmv «Zone« I!es lialiere volueris, nono temner unum srAenteum, et alteruni aureum per omuia, liccme «onens corrigism cum canitilius luner t.iliulam ligneam «kjualem, conligo caud»8 eum meiliocr! wulleo; jiunt etiam eodem modo clavi ex auriculeo led sn!5liore8, n^uo- rum caudoo cunreoe solldantnr inter!u8 ttagno puro endem modo. IÜ8 cousizuntur vaginve cultellorum, et coria kuver I!l>ro8, mul- tarmo Imjusmodi. (ügn. i.xxvl. k arFento ^iftT'/tei'. ?urilicatur argcntum poudeie duodecim nummorum. et per- cutitur kirictim longitudinv dimidü digiti m!nori8, deinde nercu- iilur uurum coctum nondero uu!u8 »ummi eadem latiludinv et loiiAiiudine, alc^ue contolidantur liocc duo procscripla sulidnlura auri, donec «mnino lilii invicem adlioereant, ticlsue inlimul ncr- euiiantur U5mio >Ium tenu!8lima lamina liat. lloc onu8 vidclur, nud nan- >>ere8 e»uro nuro. L-ln. l>xxvn> o^eie /c»//>^ttr. ?ercule tuliuluni eupream ^»üiila: I.itilutl!ui8 et I»n^!l»ili>>l5 v»Iuer!8, sie I'mlI'uin ut vix nlicari notlit, et nt ümisnrua s>> omni lilt'ura et innculü, et nerlruliv in ca imnAinem, «iu!nn vnluvris. Deiinlv uvreulv in loc» c.i>>il!8 solsain cum meiiiocri inalleo ro- iunilo in inleriuri nni lc. et cx t'imerior! pnrlo cum lenui mnllec» in circuitu, lic^ue recu<^ues in nruni8. l)u» resiigcrala uer le, kacics ß c ^ M ^ » k 4f>0 Zur Geschichte und Litteratur. Sechster Beytrag. zier tiilam imaziuem cum mallei's licut secisl! in teuui cumo cuin cuivi8 seiieis et velmaliuus, lenmer ex utl.ilmv z>aile «liliZenIer lleiluceinlo et slemienter recncmenilo. <^ummie elevaveii8 ima- xinem nuam alle volueiis, accij>e lerroz ad niensuiam >>almi Ion- xos, in una tummilale xrollioros, kuner nu»8 nosllt cum mallec, peieuii, et in altera gracilioie«, tenues et lotundos alcmo tuliti- les, nare- »ut, ulii etiam cum eisäem 5eiiis nereulies, ut exteiius eleven- tur trsctus. t)uoilzue cam'IIos et oumes kudliles tractus vetlimentorum, et ungues inanuum et ^»e>Ium. (^uc> saelo, L volueiis coronas imaginum oruare gemmis, electro nt«me mar- Fgiili8, klalim onerarv liNAulas nsrles in auio eum tilis et luli- llalura. lieot 5u^>eiius in opere ealiei8, et a«Ijunßen8 vnammiam- <>ue loco 5uo, sac soiamina, ner <^u«: conlißi «lelient, viilelicet lul» majcniliu8 xommis, et in eunro «ssualller, lic<>»v lleauralii« tatmlam et nolies eam in ni!m!s eum tili8 ex auiicalcc» licut ku- nra, «leinlle cum ierris zelmalilniü, llcsmv coloraui8 et conti^es am! zartes vnamc^uaincmv in lua luco, inmoneslzue gemma8 et c!ieumligalii8 ma,Aai!la8. Lvllem nwilo II saculla« in ceusu sue- rit, i>ole8 in auio et aigento lacere imaAine8 su^er Iil>io8 eva». xelicnum et m!llale8, et Iiekliola« alcme avicula« ac tloic« su^ier sella8 es>uestie8 maticniaium vxter!u8. I'iunt eliam endem <>>>ere, in 5<:)'s>Ii!8 aurei8 live arAen!e!8 vel sculellis, in meilio eim!ic8 eonlra li,acc>ne8 live Ie»ne8 vel xrvsil>e8 mi^uanle«, ima^n ^.im- s>,»!8 vel Davill ora Ie«nuin e«nsiiii^e,ite8, Ienne8 >>uc«me lim- nliee8 et Ai-v>»ue8, iciem IniKuii /i»ZuIa8 >>ecinle8 susl'oca»Ie8, live aliinl (motl litiuciit, (suvilciue tecunduin »neiiü ilalem tle- cen8 vel a^>tnm kuerit. <>an. ^xxvii. ^»»-//ttn^tt N7i^'i/?e» ^1 «Ile smixina ei ^><>»e in ^>elve, live in ali<» vale mumln, et l'unerlumle ei a,mum. al?trAn?!^o ttz^o et nrAMto. 8i aurum et Eigentum Isminis atlennaium at,^ue elavis all- c»Iii conlixum 6eniZratnm vetultote luerit, tolle earlione8 nixros et minulillime tero co8 atl^ue per pannum crivra, sunien8<^ue pannum lineum live laueum ma8 carl»one8, elevansmie lricaliiß «liliAenter per owiiia anrnm et arFentum, llonee aninem liigrei>p>:>, et lule live iAiiv vel panno liecal>i8; tleinllo tolle crelam eanlliilam et miinilil'lime racle in va5e, et cum lineo panno ila liccain sr!cal>i8 luper ipl'uw aurum vel argentum tamtliu, «lnnec priltiuum s»>Aoreni recipiat. vollem mo iioliluin, in una sumniilale ^rotlius et moilice alteuuatui», ila u> pullit imponi in allcrum lerrum curvum per «mocl eireum pleetium impoui lleliet, et cireumr.iilntur moäiee ail inenturam llllulse, alc^ue luperlineatur llnxnun, c»m lerro soliilatorio, rnil.ilurczue in nna ora lonKitnlli- ni8 inleriu«, et in .illera ora exteriu8 eailem meiisura. et l'uper- (°) Ilic i»<-ii>il i» »nttr» eotlirv in»»»» iscoiiliur. älN Zur Eeschichic und Littcr.uur. Sechster Bcytr.^- l'taFnelur lenue. t)uu? sl.iFnalui'.i, niius^uarn llat «?n/i/elie/«L no- vile»- taeti, moäiee ealesaclo eunio liueatui' cun> lelina i>I)ieti.>-, ut tl.ignum levius et ciiius aliliooreat. <)uo taelo comnlieelur in5unr euuiuni cii'ca 5erium et eiieumligelui- iilo seirec» medioeii- ter ^i-oll» koiliter, iia ut ttiiAnati tioctus conveuiunt llui. <)»oll lilum niimo induci deliet uarvulo toramini, l^uocl ett in graeili summilate serri, et in eo vis conicn^ueiü, llei^uv lletluei in vul- uenilo nsc^ue oll slleinra tummitstem, iliissuo Lniiliter olilii'Miui. I)e!n»Io junctuvis llvi invicem eonveuientilius et 6iI!Aenter Aeilii^it« ^it'o?'» ipta ligatuia nariter cuni 5eiio ante tuinliceni kunei' itt-un.15 aiäentes, et sedenle nucio meillocliter ji.inle, teuealnr clexterg manu lignum xiaeilv, in cujus summilate iillu Il-rreat nannieulus cum i'ellng, et lliiistrn teneatui- slagnum Ion- x»in giacilo nercussum. ut mox eum tltlula incaluerit, lineat junelui-am eum n.iuniculo rellns inseclo, anuvlltumljue tla^nuni Ii,mellat, insnw^ue juncturain tliligenlei' eoutolillet. k)uo kuclu resi iizoi.il.'» llslula, nonatui' seirum in intliumento tornalor!« moilo ^ai.ilo, ioinosilo^ue curvo terro et tllo toluio eireumvvlvat unus senum eurvum, aller veio utiissme manilius clniolllceis iam in- «lulis koitiler llstulas teneal, ila ut tei'i-nm eircumllucatur et llsliila ciuiela maiieat, nee omnino oenlis ^raliola gsinareat, >>'i> lil'lula euin m.illeo ineeii juxta loiamen tunerius et inleuiu«, ila ut neue us,iue .ill weiiium lleleeuilat insu rciluiulil.i» s>,!>ti» sicut iil'iiilü txnerlus, lieljue imncnialur in inlei'lvi'i ni>r»o soiinninis, ila tun inlius oia Lesjualiler ttet, nee proeeilat inseiius aut sunerius. IIu- ueat t^uo^ue teiium Ivlilliitorlum ejuslleiu lutilullini» et loluinli- t.ilis, i^uil nleeti-ui» clt. <)uo caletact» >>on!>t moliicu» ninlieulas stsAni suner nleeliui» naium lelin»', et tiili^enlei' e.iieuniliueat teiium ealillum ne nleclium mc>vealui', kell ticjuetuetli slii^no lie silti-rreat ut in eireuitu ejus niinl siiii-inninis exeal, »ill tanluin suneii«,! toi'gmine. <)uo k-ieio -innonat iiliulsin ori et kuMet niiiuum moiiiee, cieiullv ainnlius, llcc^ue korliler, et teeuiulnn» (°) uk »lia M!»iu l» iiiarLiiiv ei»«.i»l!«iur: ^'»»Acn/iiu«, /wn»>, rius, sccuniluin mngislei'Iuin locliouls l'uviat, a ploelro aulem iiil'l!i'i»5, oiinics unius meusuroe et ejusclem Kioklltutliins eru»t. XXVl. M aranjon. °) Was ich unter dieser Aufschrift (das ns in dcm Worte »Naranion siebet anstatt des Spanischen nicht doppelten sondern circmnflcclirlcn ü, welches in unsern Druckereien nicht gebräuchlich ist) bicr mittheilen will, daran hat mich eine Stelle in der Rciscbcschreibung des Antonio 0e Ullo« erinnert, die ich vor allen Dingen meinem Leser vorlegen muß. Don Antonio kommt, bey Beschreibung der Provinz Quito, auf das, was diese Hegend so besonders merkwürdig macbt, den größten aller noch bekannten Flüsse, den Amazoncnflußi wclcbcn Namen er unter unS am gewöhnlichsten zu führen pflegt. Aber es ist dieses weder sein einziger noch sein vornehmster Name, und Don Antonio drückt sich darüber folgendcr- maasscn aus: (°) „Dieser berühmte Fluß, sagt er, welcher „unter allen denjenigen der größte ist, die in der heiligen und „weltlichen (''cscbichtc als merkwürdige große Ströme angeführt „werden, ist «uitcr drcn verschiedenen Namen bekannt. Der „Ruf von seiner Größe hat sich so weit ausgebreitet, daß er „unter jeglichen von diesen drey Namen gleich deutlich vcrstan- „dcn wird. So wohl der eine, als die andern, geben seine „Majestät und Größe auf gleiche Weise zu erkennen, und dcu- °) Da« Folgende, so wie der bicr weggelassene spanische Aussatz mit Übersetzung und Anmerkungen (S. e» Bande der allgemeinen Reisen. S> 284. 464 Zur Geschichte nnd Litteratur, sechster Beytrag. „tcn den Vorzug an, welchen cr unter allen denen Strömen „mit Recht fordern kann, die Europa wässern und fruchtbar „machen. Daß ihm verschiedene Namen zugeeignet werden, „könnte man ohne Zweifel so auslegen, daß ein jeglicher deren, „gleichsam unter einem dunkeln Räthsel, einen von denjenigen „Strömen andeuten nnd in sich begreifen sollte, welche in den „übrigen drey Theilen der Welt die berühmtesten sind. Ich „verstehe dadurch in Europa die Donau, in Asien den Ganges, „nnd in Africa den Nil. Dieses Raisonncmcnt scheint mir ein wenig sehr spanisch, und der aufgedunsenen leeren Beredsamkeit eines Dominicaners würdiger, als der Rciscbcschrcibung eines Philosophen. Besonders begreife ich nicht, wie die verschiedenen Namen des Flusses, von dem die Rede ist, einer sowohl als der andere, die Majestät und Größe desselben auf gleiche Weise zu erkenne» geben sollen. Dieses wird zwar nochmals wicdcrhohlt, aber im geringsten nicht näher erklärt. Er fährt fort: „Die drey Namen, wodurch die Größe dieses Stromes „angedeutet wird, sind folgende: der N?aran>on, der Amazo- „ncnfluß und der Orellana. Man kann aber von keinem mit „Gewißheit sagen, daß cr der erste gewesen sey, den der Strom „geführt, ehe die Spanier ihn entdeckten. Man weiß auch nickt, „wie ihn die Indianer genannt haben; ob es wohl glaublich „ist, daß sie ihm einen, und manchmal auch wobl mcbrcrc „Namen beygelegt haben müssen. Da vcrschicdnc Nationen „an seinen Ufern wohnten: so war es ganz natürlich, daß „eine jegliche ihm einen besondern Namen beylegte, oder denjenigen beybehielt, den ihm eine andere Nation gegeben hatte. „Allein die ersten Spanier, welche hierher gekommen sind, haben „sich entweder nicht genugsam darum bekümmert, oder sind gleich „damals, durch die übrigen Namen, die man diesem Strome „beylegte, in Verwirrung gesetzt worden, so daß das Andenken „derselben in der Geschichte nirgends auf behalten worden ist. „Zu Ansehung des Alters hat der Name Maran/on den „Vorzug. Einige Schriftsteller geben zwar vor, er sey neuer, „als die beyden übrigen: man hat aber Ursache zu glauben, „daß sie sich sowohl hicrinnc», als auch in der Ursache, die Mannijon, 465 „sie davon anführen, geirret haben. Sie setzen voraus, daß „er ihm von den Spaniern beygelegt worden sey, welche mit „Pcdro 0e Grsua, in den Jahren 455!) und 4500, hierher „gekommen sind. Es ist aber gewiß, daß er diesen Namen „schon viele Zahrc zuvor gcführct hat. Denn indem Pedro „Mary-r de Anglcna, in seinen Decadcs (°), von der Entdeckung der Küste von Brasilien handelt, die im Zahre 4500 „durch Vincent Z?"n>c; Pinzon geschehen ist: so erzählt er un- „tcr andern, daß er an einen Fluß gekommen sey, der den Na- „mcn Maranjon gcführct habe. Dieses Buch wurde im Zahrc „1510 gedruckt, lange zuvor, ehe Gonzalo Pizarro die Entdc- „ckung dcssclbcn, und die Eroberung zu Lande unternahm, und „cbc Francisco Ve Grcllana auf demselben schiffctc. Daher ist „kein Zweifel, daß cr nicht schon damals dcn Namen Maran- „fon ^cführt habcn sollte. Allein es ist nichts leichtes, die Zeit „zn bestimmen, wenn cr diesen Namen erhalten hat, oder dcn „Ursprung dessen mit einiger Gewißheit anzugeben. Man findet „von keinem von bcy5?n solche Nachrichten, wodurch aller Zwci- „fcl gcbobcu werden könnte. Einige folgen dem Augusnn von „ ?aratc ("), und leite» diese Benennung von dem Namen ei- „nes Spaniscbcn Hauptmanns, 5Naran>on, bcr. Sie geben vor, „weil dieser Hauptmann zuerst darauf gcschiffct sey, so habe der „Siroin von ibm seinen Namcn crbaltcn. Dicsc Mcvuung bat „aber mcbr Schein als Grund. Man sieht, daß sie sich blos „auf die Gleichheit der Namen gründet, welches aber ein sehr „schwacher Grund ist. Ueber dieses findet man in dcn Gcschich- „tcn nirgends etwas von einem solchen Hauptmannc, wo von „Entdeckung dicscr Königreiche gebandclt wird. Man findet in „keiner Erzäblung einige Meldung von diesem Entdecker, oder von „seiner Entdeckung. Man kann daraus schlicsscn, daß oaratc da- „hcr, wcil dicscr Strom Maranjon gcncnnct wurdc, gcurtbcilct „habe, derselbe müsse seinen Namen von jemanden erhalten habcn, „der daraus gcschiffct sey. Wären ihm mchr Umstände davon bc- „kannt gewesen: so köuntc man sicherlich glauben, daß cr die Nachrichten von solcher Entdeckung scincr Gcschichtc mit cinvcrlcibt (°) vec. I. Ii>>. !>. (°°) UM. >IeI l>vru >>Ii. t t ^cmn>zs Wcrkc x. Zy 4KK Zur Geschichte mid Litteratur. Sechster Beytrag. „haben würde. Und wenn cr sie auch weggelassen, und für nicht „wichtig genug gcbaltc» bättc: so wurden doch nicht alle Geschichtschreiber eben so gciirtbcilct, und das Andenken eines Spaniers „in die Ncrgcsscnbcit gestellt haben, von welchem der größte „Fluß, den man in der Welt kennet, seinen Namen erhalten babcn „soll. Das wahrscheinlichste scheinet zn seyn, daß Vincente Z?«n- „>e; Pinzon, da cr hicrbcr kam, den Strom von den Indianern, „die auf den vielen Inseln desselben, oder an seinen Ufern, „wohnten, mit diesem, oder einem andern Namen, der einen „ähnlichen Laut hatte, nennen gehöret, und daher geglaubct, „und gesagt habe, daß cr den Namen Maranson fübrc. Ucbcr- „ Haupt ist unlcugbar, daß der Name Maranion, wegen seines „Alterthums, den Norzug habe; und daß ibm dcnsclbcn weder „Grsua, noch scinc Leute, gegeben, und damit auf die Ilnru- „hcn und Zänkcrevcn gezielt haben, dic sie unter einander hatten, „und welche im Spanischen XNaranjas genannt werden. Eben „so wenig kann man auch sagen, daß cr unter der grossen „Menge von Znscln vcrlobrcn worden scv, wrlcbc, wie cini.zc „Geschichtschreiber sagen, gleichsam einen verwirrten Irrgarten „von verschiedncn Canälcn vorstellen. „Der auf den vorhergehenden folgende Name ist der Aina- „zoncnfluß. Francisco Oc Grcllano hat dem Etrome diese» „Namen deswegen beigelegt" — Doch weiter brauche ich nicht abzuschreiben. Wer wissen will, was Don Antonio von den beiden übrigen Namen sagt, kann es bco ihm selbst nacblcscn. Ich habe hier blos über den erster» eine Anmcrkuug zu machen, dic zu ciucr weitern nicht unerheblichen Nachforscbung Gclcgcii- bcit gcbcn kann. Nicht zwar als ob icb n.il'crc Nachricht eingezogen hätte, woher dieser Name ganz »»gezweifelt kommc. Aber ci»c Wahrscheinlichkeit mehr, ka«n a»s dem, was ich sage» will, doch erwachse», daß cr sich vo» dem crstc» Europa, scheu Entdecker gleiches Namens hcrschrcibe. Denn daß man überhaupt von kcmcm spaiüscl'c» Hauptmannc dieses Namcns wisse; daß Aaracc ci»c» solchc» blos gc»nithmaßt habe; daß alle andcrc (^csä'ichischrciber, als von cincm Wcscn der Einbildung, vo» ihm schweige»: das ist cs, was ich dem Do» Antonio widersprechen muß. Ich weiß nehmlich so znvcr- Maranjon. 467 lässig, als man dergleichen Dinge nur wissen kann, daß es allerdings einen XNaranion gegeben, der mit seinem vollständigen GcschlcchtSnamcn Maranson y Gran Para hieß, an welchen man hier wohl denken könnte, indem ihm die Entdeckungen und geographische Bestimmung eines größcrn Strich Landes in Amerika beigelegt wird, als nur immer von einem Seefahrer zu rühmen ist; und sich dieser nehmliche von ihm entdeckte Strich Landes gerade von dem Amazonenflnssc oder Maranson ansängt. Freilich folgt daraus noch nicht, daß dieser Fluß von ihm den Namcn habe, weil ich in eben der O-uclle, die mich von seinen Entdeckungen »»lcrricbtct, auch finde, daß er unter gleichem Himmel obiigefcbr gebobre», und er eben so wohl, ja noch eher, den Namen von dem Flnssc, als der Fluß den Namen von ilmi erhalten baden könnte. Aber so viel folgt doch, daß das vorgeben des Zarare nicht sogar ungcgründct ist, als es Don Antonio uns gern machen möchte. Und zwar weiß ich dieses, wovon Don Antonio nichts wissen will, aus einem kleinen aber sehr glaubwürdigen spanischen Aussatze, wovon sich eine Abschrift unter den Manuskripte» unserer Bibliolbck befindet. Er enthält nehmlich, dieser Aufsatz, die ausdrückliche Beschreibung der iLin Tanscno und Achr und ZD»c>-ssig Meilen, welche sich von der Mündung dco Amazoncn- flnsscs an, südöstlich um ganz Brasilien und Parraguav bis an den Fluß öc la Pl».ta erstrecken, und vom ZNaranion Gran Para entdeckt nnd erobert zu sci'ii gesagt werden. Er ist von einem Manne verfcrliact, der viele Jahre die dasigcn Gegenden bereiset zu haben, versickert; und ist an einen Mann gerichtet, an den man ausgemachte Unwabrbcitcn wohl niebt schreiben dürfte, an den Minister, Grafen von ^livarcs. Nun erhellet aus diesem letzter» Umstände srcvlick, daß er nicht zur Zeit der besagten Enldcckung selbst kann gcsibriebcn scvn. Aber um soviel unstreitiger müssen doch die Ansprüche des benannten Entdeckers gnvescn scvn, wenn man noch damals, als von einer bekannte» ^au'e, davon hat sprechen dürfen. Der Verfasser nennet sich Pcvro Ludcna, nnd die AucignungSfchrift an den Grafen von Olivarcs ist von« Jahre Damals hatten die Holländer ohnlängst Brasilien erobert und sich darin» festgesetzt. Nicllcick't 30° Zur Geschichte und Litteratur. Sechster Beytrag, also, daß Lnvena dicsc seine Beschreibung vorncbmlich darum mit an den Grafen von (vlivarcs richtete, um ihn mit dem Umfange und der Wichtigkeit dieses Verlustes desto bekannter zu machen, und zur baldigen Wicdcrcrobcruug dcstomchr aufzu- muntcrn. — Was sonst diesen Aussatz des Luden« anbelangt, so ist er in scbr mißlichen Umstanden bey uns erhalten worden. Das Spanische Original ist sehr fehlerhaft copiret, und die alte Deutsche Uebersctzung, die sich dabey findet, ist so schülerbaft und kauderwelsch, daß der Urbcbcr weder das Spanische, noch dao Deutsche, noch die Sachen muß verstanden haben. Schwerlich also, daß ich es der Muhe würde werth gcbaltcn haben, ihn meinen Lesern in seinem ganzen Umsangc vorzulegen, wenn mir nicht noch bcygcfallcn wäre, das Urtheil eines kundigen Mannes darüber cinzuhoblen. Und wer konnte dieses hier anders seyn, als der Verfasser der vortrefflichen Beschreibung Scs Nn'tcisckcn Amerika? Ich wußte, daß dieser Gclebrtc seit geraumer Zeit an einer ähnlichen Beschreibung des gcsammtcn Amerika arbeitet; und wußte, daß ein so sorgfältiger Schriftsteller von seinem Gegenstände lieber zu wenig, als zu viel gelesen zu haben wünschen würde. Kaum aber nahm ibn unser Herr Rektor leiste in die Hände, als er sogleich erkannte, daß wir, nach L.acr und Z5ar- läus, noch bis itzt wenige oder gar keine nähere und neuere Nachrichten von Brasilien hätten, als darin» cutbaltcu wären. Es ist kaum glaublich, wie weit wir in der Kenntniß der Amerikanischen Länder, die unter Spanischer und Portugiesischer Bothmäßigkcit stehen, seit andcrthalbbundcrt Zabren zurück sind: und doch ist es wahr. Nur die Nölkcr sollte» die Welt besitzen, welche die Welt der Welt doch wenigstens bekannt machen! Auch hatte Herr leiste eine» glückliche» Einfall über die Person meines Maran/on; und sahe überhaupt eine so reiche Erndtc von mancherley nützlichen Anmerkungen vor sich, zu welchen die nähere Erwägung des Spanischen Aufsatzes, und die Begleichung desselben mit hin und wieder zerstreuten Nachrichten Gelegenheit geben könnte, daß ich ihn ersuchte, sie insgesammt Maranjo». -1K9 auf das Papier zu wcrfcn, »m in ihrer Begleitung sodann das Ganze desto sichrer und brauchbarer an den Tag zu ziehen. Er hat die Güte gehabt, es zu thun; und ihm haben es größten Theils meine Leser sogar zu verdanken, daß der Aufsatz selbst, sowohl in seinem Grundtcrte, als in seiner Übersetzung, um ein vieles leserlicher geworden. Besonders hat er in der letzter» eine Menge Ungereimtheiten verbessert; z. E. Ingeniös 60 ^cucar, welches überall Arten oncker übersetzt war, in?u- ckermühlcn verwandelt, die es offenbar bedeuten: ob er sich schon nicht vermißt, dergleichen Vergebungen alle gehoben zu haben. Denn einige derselben, die selbst einem, welcher der Sprache nur ein wenig mächtig ist, sogleich in die Augen fallen, hat er auf meine Norbittc stehen lassen, damit es doch nicht an allen Spuren des alten Wustes fcble: und andere waren zu tief verwebt, einem andern Mittel, als einer ganz neuen Übersetzung, weichen zu wollen, die sich nicht der Mühe verlohnte. Unter jene gehört der Fehler, welcher selbst auf dem Titel stehen geblieben, durch den der alte Übersetzer aus dem nothwendig zusammengehörenden Namen XNaranson >' Gran Para zwey verschiedene Personen gemacht hat, wovon die eine 5Naran>on und die andere Gran Para gcbcisscn. s»« -^1