Gotthold Ephraim Lessings sämmtliche Schriften herausgegeben von Karl Lachmann. Gotthold Ephraim Lessings sämmtliche Schriften. Neue rechtmäßige Ausgabe. Cilfter Band. i ii der Berlin, Voß' schcn Buchhandlung. 1 8 39. Inhalt. Seile Messings litterarischer Nachlaß. Glückwmischnngsrcde bey dcm Eintritt des 174Zstm Jahres, von der Gleichheit eines Jahrs mit dein andern........ 1 Abhandlung von den Pantomimen der Alten.......... 8 Der Schauspieler......................... 16 Gedanken über die Herrnhuter. 176l).............. 22 lieber taS Hcldcnbnch...................... 30 Leibnitz.............................. 4?. Reue Versuche vom menschlichen Verstände........... 5,1. lieber die Elpistiker........................ 61 -Von der Art und Weise der Fortpflanzung und Ausbreitung der christlichen Religion..................... K4 l'KIN'VI^IälXVS I)L pli.^LSckilpUvlXIKVS....... 81 Bemcrknngen über Burke's philosophische Untersuchungen über den Ursprung unserer Begriffe vom Erhabenen nnd Schönen . S2 Anmerkungen über den AesopuS................. l»7 Ueber den Phäder . . ...................... 103 Ueber die Wirklichkeit der Dinge außer Gott.......... 111 Durch Spinoza ist Lcibnitz nur auf die Spur der vorherbestimmten Harmonie gekommen.................. 112 Anmcrknngcn zn WinkelmannS Geschichte der Kunst des Alterthums 114 ?nm Laokoon........................... 12Z Ueber einige Stellen aus dem Mvntfaucon........... 170 Ueber eine Stelle des Llemciis Alcxandrimis........... 172 Unterbrechung im Dialog. Chor. Unstndirlc Dichter. Dclicatesse. 173 VI Inhalt. Seite Rachspiele mit Hanswurst.................... 476 Leben und leben lassen. Sin Projekt für Schriftsteller und Buchhändler . .......................... 478 Ueber die Ahncnbilder der Römer. 1769........- . . . 183 Fragment über die Jsischc Tafel................. 497 Kleinere antiquarische Fragmente................. 203 1. Karyatiden......................... 203 2. Dioskorides......................... 205 3. Erottcskcn......................... 208 4. Ueber die Mängel des antiquarischen Studiums....... 209 5. Anmerkungen zu Fucsjlins Künstler-Lexikon......... 211 6. Anmerkung zu Hcinckc'ns Itlve xenerüle il'nne Olleclinn compl. >l'Lfl»Ml»!S........................ 21? 7. Vermischte Anmerkungen und Nachrichten.......... 212 Kollcktanccn zur Literatur.................... 219 Entwürfe zur Fortsetzung der Briefe antiquarischen Inhalts . . 405 Zur Geschichte der Aesopischen Fabel............... 420 Al-museiinla lalioa tlioologica in kolio............ 434 Wiclef.............................. 416 Vom ArianiSmuS, zusolge einer Abhandlung des Hr». D. TöllncrS nemlichen Inhalts...................... 447 lieber den ArianismuS, von PhilalclhcS dem mittlern. Zufolge Herrn T. Tellers Antithesen. Vorrede........... 448 HilkiaS.............................. 449 Ueber die Philosophischen Gespräche, über die unmittelbare Bekanntmachung der Religion und über einige uiijuläuglichc BcwciSartcn derselben.................... 454 Gelehrte Krctze. Vorrede. 1774................. 455 Hermäa. Erster Band. Vorrede................ 457 Daß mehr als fünf Sinne für den Menschen seyn können . . . 458 Ueber eine Aufgabe im Teutschen Merkur............ 461 Zur Geschichte der deutsche» Sprache und Literatur, von den Minnesängern bis auf Luther». 1777........... 468 Thomas Murncr......................... 492 Neue Hypothese über die Evangelisten als blos menschliche Geschichtschreiber betrachtet. 1778. ... -.......... 495 Inhalt. vn Seite Gegen Mascho.......................... 614 Larliarus ^ntivaruaro d. i. G. Ephr. Lcßing an den Herrn George Chr. Silberschlag, visier Brief.............. 61V Ueber den Beweis des Geistes und der Kraft. Ein zweytes Schreiben an den Herrn Direktor Schumann. 1778.... 618 lieber die von der Kirche angenommene Meynung, daß es besser sey, wenn die Bibel von dem gemeinen Manne in seiner Sprache nicht gelesen würde, gegen Herrn Hauptpastor Göze 621 Zu Nalhan dem Weisen..................... 633 Gegen Semler.......................... 634 Bibliolatrie............................ .635 Von den Traditoren. In einem Sendschreiben an den Herrn Doktor Walch........................ 653 Vorrede.............................. 666 Gegen eine Stelle aus Lcß von der Wahrheit der christlichen Religion........................... 668 Sogenannte Briefe an verschiedene GolteSgelchrten....... 66o Sogenannte Briefe an den Herrn Doktor Walch........ 661 Ausschweifung über tag Glaubcns-Bckcimmiji der ersten Christen 684 Hilarius............................ 688 lieber die itzigcn Religionsbewegungen .............. 690 Ein Text über die Texte..................... 692 Theses aus der Kirchengeschichte................. 603 Historische Einleitung in die Offenbarung ZohanniS....... 699 Die Religion Christi. 1780.................... 603 DaS Christenthum der Vernunft................. 604 lieber die Entstehung der geoffenbarten Religion ........ 607 Ueber eine Prophcjeyung des Cardanus, die christliche Religion betreffend.......................... 609 Womit sich die geoffenbarte Religion am meisten weiß, macht mir sie gerade am verdächtigsten.............. 611 Daß man die Menschen eben so von der Begierde ihr Schicksal in jenem Leben zu wissen, abhalten soll, als man ihnen abräth zu forschen, was ihr Schicksal in diesem Leben sey . . 611 Gespräch über die Soldaten und Mönche ........... 612 VIII Inhalt. Seite Meines Arabers Beweis, daß nicht die Juden, sondern die Araber die wahren Nachkommen Abrahams sind........ 613 Der Philosoph auf der Kirchenvcrsammlung........... 614 Betrachtung über die geistliche Beredsamkeit........... 616 Beytrage zu einem Deutschen Glossarium............ 617 Zum ersterr Bande von L. E. Steinbachs deutschem Wörterbuch 636 Grammatisch-kritische Anmerkungen................ 645 Vcrgleichung Deutscher Wörter und Redensarten mit fremden . 655 Altdeutscher Witz und Verstand.................. 6L6 Philologischer Nachlaß...................... 689 Zur Gelehrten-Geschichte uud Literatur............. 71«: Selbstbetrachluugen, Einfälle und kleine Aufsätze........ 746 Lcssings litterarischer Nachlaß. Glückwünschungsrede, bey dem Eintritt des 4743stcn ZahrcS, von der Gleichheit eines Jahrs mit dem andern.") Äie meisten alten Poeten und Wcltwciscn, hochzuehkcndcr Herr Vater/ haben geglaubt, daß die Welt von Jahren zu Jahren schlimmer würde, und in einen unvollkommcuern Zustand verfiele. Wir können hieran nicht zweifeln, wenn wir uns erinnern, was ein HcsioduS, ein Plato, ein Virgil, ein Ovid, ein Scncca, Sallust und Strabo von den vier Altern der Welt geschrieben haben, und wie bemüht sie gewesen mit den lebhaftesten Farben die goldenen Zeiten unter dem Saturn, die silbernen unter dem Jupiter, die kupfernen unter den Halbgöttern, die eisernen aber unter den jetzigen Menscheu abzubilden. ES ist zwar schwer, die eigentliche Quelle dieses sinnreichen Gedichts zu entdecken; cS kann seyn, daß diese Männer etwas vom Stande der Unschuld im Paradiese gehört haben; eS kann seyn, daß sie selbst einmal die heilige Schrift zu sehen bekommen haben, welche ihnen Gelegenheit zu ihren Fabeln geben müssen. Das ist aber gewiß, daß ihre ganze Erzählung, so artig sie auch klingt, ohne Grund ist, und kaum einer Möglichkeit, geschweige Wahrscheinlichkeit ähnlich sieht. Denn erstlich erzählen sie uns solches ohne Grund, ohne Beweis, ohne Zeugniß. Hernach ist auch die Erzählung selbst so beschaffen, daß sie von der Wahrheit sehr entfernt und keines Beifalls würdig zu seyn scheint. Ihre hochgcpriesencn goldenen Zeiten sind ein bloßes Hirngespinst. Wir sollen glauben, daß eitle und verderbte Menschen ohne alle Gesetze, welche doch die Seele aller menschlichen Gesellschaften sind, weise, tugendhaft und glücklich gelebt haben. Sollte dies wohl möglich seyn? Wir sollen uns überreden lassen, daß eine tiefe Unwisscn- °) G. E. Lessings Leben, nebst seinem noch übrigen litterarischen Nachlasse, herausgegeben von K, G. Lcssing, Th. II (1795), S, IM- Lessings Werk« XI. 1 Gluckivüiischuugsrcde hcit/ eine rauhe Lebensart, wilde Sitte», eine unachtsame und faule Muße, »»angebaute Felder und Gärten, wüste Einöden, armselige Hütten »nd Höhle», nackende Leiber, cinc elcndc und harte Kost, ein Mangel alles Umganges, aller Bcqucmlichkcitc» und aller Annehmlichkeiten, die wahren Merkmahle der glückseligen und goldenen Zeiten gewesen sind. Wir sollen uns einbilden, als lebten wir jetzt in den eisernen, schlimmsten und elendesten Zeiten, da wir doch ganz offenbar an unsern Jahren mehrere Merkmahle der goldenen Zeiten wahrnehmen, als jene Alten gehabt haben. Denn dieses ist unstreitig cinc goldene, oder die glückseligste Zeit, in welcher man die meisten und besten Mittel, und die wenigsten Hindernisse findet, die wahre Zufriedenheit der Menschen, die allgemeine Wohlfahrt und die vollkommene Glückseligkeit Aller nach Wunsche zu befördern, Sie dürfen aber nicht meynen, H- V , als wenn diese kindischen Vorurlhcile und abgeschmackten Irrthümer »ut unsere» uralte» Vorfahren alle wäre» begraben worden. Nein! wir finden auch unter uns einfältige, schwcrmüthige, mißvergnügte und undankbare Leute, welche ihnen selbst und andern mit den ungerechten uud ungcgründctcn Klagen beschwerlich fallen, daß die Menschen wirklich jetzt in den eisernen Zeiten lebten, daß die Menschen von Jahre zu Jahre schlimmer würde», daß die Welt sich z» ihrem völligen Untergänge neigte. So vieles Mitleiden ich mit dc» kindischen Klagen dcr Schwachheit habe, so gewiß getraue ich mir doch jetzt bei meine» schwache» Kräfte» zu erweisen, daß eigentlich eine Zeit vor dcr andern keine» Vorzug habe, sondern, daß ein Jahr dem andern völlig gleich sey. Die Zcit ist eine Ordnung dcr Dinge, die in der Welt auf einander folgen, sie wird durch die Ordnnng uiifcrec Gedanken begriffen, welche sich die Sache» bald als vergangene, bald als gcgeinvärtigc, bald als zukünftige vorstellen. Alles was nach und nach geschiehet, geschieht in dcr Zcit. Ein Jahr ist cin Thcil der Zeit; dieser Theil dcr Zcit wird bald nach seiner Größe, bald nach seiner Beschaffenheit betrachtet, nachdem eS entweder von dcr Mcßkunst, oder von der Nalurlehre, oder Sittcnlchre beschrieben wird. Bei den Meß- künstlcrn heißt cin Jahr dicjenige Zcit, da die Sonne die ganze Sommerstraße durchlaufe» hat, oder eine gewisse Reihe auf einander folgender Tage, Wochen und Monathe. Sie hören gleich, H. V-, daß die Meßkünstler das Jahr nur nach ihrer Größe betrachten; hier aber werde ich nicht den geringsten Widerspruch besorgen dürfen, wenn ich sage, daß cin Jahr bis auf cincn geringen Unterschied so groß sey, wie das andere. Ein Naturverständiger hingegen versteht durch ein Jahr diejenigen Wirkungen, welche die Natur cincn Frühling, Som- bcy dem eintritt des 1743sten Jahres. 3 nick/ Herbst und Winter hindurch hervorzubringen pflegt. Ein Sittenlehrer aber redet im verblümten Verstände, wenn er ein Jahr gut oder böse, gleich oder ungleich nennet. Er versteht dadurch die guten und bösen Zufälle, die guten und bösen Handlungen der Menschen, welche die zwölf Monathe hindurch geschehen sind. Sie können leicht ermessen, H. V-, daß ich hier die Jahre als ein Naturkündigcr und Sitten- lchrer ansehe, wenn ich zu behaupten suche, daß eins dem andern gleich sey. Sie können auch leicht einsehen, daß in diesem Verstände ein Jahr dem andern gleich sey, wenn es einerley Kräfte und Wirkungen, einerlei Zufälle, einerlei Handlungen, einerlei Absichten und Mittel mit dem andern aufzuweiscn hat. Und, o! wie leicht wird mir cS seyn, die Gleichheit der Jahre zu erweisen, da ich den deutlichen AuSspruch der gesunden Vernunft, das göttliche Zeugniß der heiligen Schrift, und den unverwcrflichcn Beifall der Erfahrung auf meiner Seite habe. Niemand läugnet, daß Gott der Schöpfer dieser Welt sey; niemand läugnet, daß Gott die Welt sehr gut erschaffen habe; niemand läugnet, daß sehr gut seyn, eben so viel heiße, als in seiner Art die größte Vollkommenheit besitzen. Hat aber die Welt in ihrer Art die größte Vollkommenheit, so werde ich ohne Bedenken sagen können, daß alles was in der Welt zugleich ist und auf einander folget, mit einander übereinstimmen müsse; und daß die Welt, so lange sie nach des Schöpfers Willen Welt bleiben soll, keine Hauptvcräudcrung leiden könne. Denn hierin bestehet eben die wesentliche Vollkommenheit eines Dinges. Geschiehet nun in der Welt keine Hauptvcrändc- ruug; stimmt in derselben alles mit einander übcrein: so ist nichts leichter, als den Schluß zu machen, daß auch die Jahre in der Welt mit einander übereinstimmen, daß eins dem andern gleich seyn müsse. Eben so, wie man nur diejenige Uhr vollkommen zu nennen pflegt, in welcher eine Minute, eine Stunde, ein Tag mit dem andern genau und richtig übereinstimmt. Dieser Beweis führet mich unvermerkt zu einem andern. Wir wissen und empfinden eS, daß Gott nicht allein der Schöpfer, sondern auch der Erhalter aller Dinge ist. ES erhält aber derselbe die Welt durch eine Menge gewisser Kräfte, welche er derselben anerschaffcn hat. Alle diese Kräfte sind noch in eben der Menge und Beschaffenheit vorhanden, als sie im Anfange der Welt gewesen sind. Sie sind noch in eben der Menge da, sonst müßten sie sich entweder selbst vermindert haben, oder Gott müßte sie durch seine Allmacht i» ihr voriges Nichts verwandelt haben. DaS erste ist nicht möglich, weil diese Kräfte nicht die Allmacht haben, die zu ihrer Zcrnichtung nöthig wäre. DaS andere aber ist nicht glaublich, weil man nicht den I" /> ElückwmischuiijZSrcdc geringsten Grund der Wahrscheinlichkeit angeben kann, daß Gott dieselben vermindern wollen, und aus was für einer Absicht er solches gethan hatte. Sie sind auch noch in eben der Beschaffenheit vorhanden, sonst würden sie andere Wirkungen hervorbringen müssen, welches der Erfahrung widerspricht. Sind also alle Kräfte, wodurch Gott die Welt in ihrem Wesen erhält, sowohl in ihrer Menge als Beschaffenheit annoch vorhanden, so müssen sie auch wirken. Sonst wären sie ohne Nutzen und ohne Absicht da, welches der Weisheit GottcS zuwider liefe. Ja sie müssen auch Wirkungen hervorbringen, die ihnen gleich sind; sonst hätte sich ihre Beschaffenheit verändert. Zweifelt also „jemand daran, daß vom Anfange der Welt bis auf unsere Tage einerlei Kräfte und einerlei Wirkungen derselben gewesen sind; o! wer wollte doch Bedenke» tragen, sicher zu schließen, es müsse auch ein Jahr dem andern gleich seyn; weil eins wie das andere einerlei Wirkungen, einerlei Kräfte der Natur auszuweisen hat. Sie belieben nunmehr mich mit Dero gütiger Aufmerksamkeit weiter zu begleiten. Die Menschen haben ihre Natur, ihre Menschlichkeit niemals verändert lind abgelegt; die heutigen Einwohner der Welt befinden sich in eben den Hauptumständcn, in welchen ihre ersten Väter vor fünftausend Jahren standen. Sie haben noch eben die wesentlichen Theile, eben die Seele, eben den Leib, eben den Verstand und Willen, eben die Hanptncigungcn, eben die Mängel und Vollkommenheiten, eben die Absichten, warum sie der Schöpfer in die Welt gesetzt, eben die Mittel, die ihnen l''0tt zur Erlangung derselben gegeben, eben die Hindernisse und das Verderben, eben die Wege zur Weisheit und Thorheit, zur Tugend nnd zum Laster, zur Nuhc und zur Unruhe, zur Glückseligkeit und Verderben, welche jene ersten Besitzer der Erde hatten. Ist es auch glaublich, H. V., daß einerlei Samen unterschiedene Früchte trage, daß einerlei Quellen unterschiedene Wasser hervorbringen, und ist cS auch wahrscheinlich, daß aus einerlei guten und bösen Herzen, aus einerlei guten und böse» Absichten und Mitteln, aus einerlei guten und bösen BcwcgungSgründcn, unterschiedene gute und böse Handlungen, und ans diesen wiederum unterschiedene gute und böse Zufälle entspringen können? Ich weiß es, Sie geben mir gerne Beifall, wenn ich sage, daß die Handlungen und Zufälle unserer jetzt lebenden Brüder und unserer uralten Vorfahren bis auf einige sehr geringe Nebcnumstände eine sehr genaue Gleichheit haben, wir wollten uns denn bereden lassen, die Menschen hätten jetzt aufgehört, Menschen zu seyn. Sie erlauben also, daß ich weiter schließe. Sind die guten und bösen Umstände, Neigungen, Handlungen, und Zufälle bey dem Eintritt des 1743stcn Jahres. 5 aller Menschen, sie mögen leben wo sie wollen, einander gleich; so werden mich die Jahre, in denen sie leben, und in welchen sie geschehn, einander gleich seyn. Ich behaupte dieses um so viel mehr, da ich einen Zeugen auf meiner Seite habe, welchen Dero Glaube und Frömmigkeit nicht verwerfe» kaun. Ein Zeuge, durch den der Geist der Wahrheit redet, der König, dessen Weisheit nicht nur ehemals die Welt bewunderte, sondern welchen auch noch jetzt Juden und Christen in tiefer Ehrerbietung verehren, ein Salomo, durch welchen uns Gott den Prediger aufzeichnen lassen, versichert uuS eben dieses (°). Was ist es, spricht er, das geschehen ist? Eben das, das hernach geschehen wird. Was ist cS, daß man gethan hat? Eben das, was mancher noch wieder thun wird; und cS geschiehet nichts ncucS unter der Sonnen. Geschiehet auch etwas, davon man sagen möchte: Siehe, das ist neu? Denn cS ist zuvor auch geschehn in den vorigen Zeiten, die vor uns gewesen sind. Kann ich nicht hieraus recht sicher schließen? geschiehet nichts ncucS unter der Sonnen, geschiehet in unseren Zeiten nichts, das nicht schon in den vorigen Zeiten geschehen wäre; thut man in unsern Tagen nichts, das man nicht schon in den vorigen Tagen der Welt gethan halte: so müssen auch die Jahre, in welchen cS geschieht und gethan wird, einander gleich seyn. Doch sollte sich auch jemand finden, welcher sich nicht schcuctc, Vernunft und Schrift in Zweifel zu ziehen, so würde sich doch niemand getrauen können, der Stimme der Erfahrung zu widersprechen. Man lese nur die alten und neuen Geschichten, welche geschickte und redliche Männer mit Sorgfalt aufzeichnet haben; man halte sie gegen einander, und man urtheile un- partheiisch. Wird man nicht gestehen müssen, daß uns in beiden einerlei Bewegungen und Wirkungen der Natur, einerlei gute und böse Handluugcn der Menschen, einerlei glückliche und unglückliche Zufälle und Begebenheiten vorgestellt werden? Werden wir nicht mit Ueberzeugung ausrufen müssen, cS geschiehet nichts neues unter der Sonnen; darum ist ein Jahr dem andern gleich! Ja ich frage euch, ihr Brüder, die ihr jetzt durch Gottes Gnade ein neues Jahr zu leben anfangt, sprecht selbst, ob in dem vergangenen Jahre etwaS vorgefallen, geschehen und gethan scv, welches nicht auch in den vorigen Tagen geschehen, und in den künftigen Jahren sich zutragen wird? Wenn cS gleich nicht in unserm Vaterland-, in unserm Wclttheilc geschehe» ist; denn bei dieser Betrachtung müssen wir die Welt als einen Ort ansehen. Wird man also nicht aufrichtig gestehen müssen, ein Jahr (°) Prediger Sal, t, 9. 1». I'. Glückwmischun.gsrcdc sey dem andern gleich/ weil Vernunft, Schrift und Erfahrung hier zusammen treten, und solches einstimmig versichern. Doch ich kann leicht voraussehen, daß meine Meinung bey Einigen Widerspruch finden wirb. Man wird mir cinwcndcn, daß nicht ein Jahr dem andern gleich seyn könne. Man wird mir die Wunder der gottlichen Allmacht entgegensehen, welche gewisse Jahre von den andern unendlich unterscheiden Man wird die Landplagen zu Beweisen anführen; man wird sich auf die Zeiten der Barbarei berufen. Man wird den AuSspruch eines erleuchteten Paulus entgegensetzen, welcher vorher gesagt (°), daß in den letzten Tagen gräuliche Zeiten kommen werden. Allein alle diese Zweifel werden wegfallen, wenn man erwägt, daß ich hier nicht von den außerordentlichen Wirkungen der Allmacht Gottes, welche selten geschehen, sondern von den ordentlichen Wirkungen der Natur rede. Wenn man voraussetzt, daß ich nicht von einzelnen Theilen des Erdbodens, sondern von der ganzen Welt überhaupt spreche. Und ich rede mit der Erfahrung, wenn ich behaupte, daß fast kein Jahr zu finden, in welchem man nicht in einem Theile der Welt den Anfall der Landplagen empfunden habe. Denn auch diese sind Mittel, wodurch die weiseste Vorsehung Gottes die Welt in ihrer Vollkommenheit zu erhalten pflegt. Die Barbarei hat auch keine Hanptveränderung in der Zeit gemacht. Die Erfahrung behauptet, daß dieselbe nur in gewissen Theilen der Welt geherrscht, so lange fast die Welt steht. Was endlich das Zeugniß des heiligen Paulus anlangt, so widerspricht dasselbe meinem Sahe nicht. Denn der heilige Gesandte Gottes saget nichts mehr, als daß die Tage des neuen Bundes eben so wenig als die Tage des alten Testaments von allen Irrthümern, Lastern und bösen Menschen frei seyn würden. Er führet auch lauter solche Laster an, die nicht neu, sondern alt sind, und welche er schon in dem Anfange seines Briefes an die Römer bestrafet. Kurz, TimothcuS wird vo» ihm ermähnet, dergleichen lasterhafte Menschen zu meiden. Darum müssen sie zu TimothcuS Zeiten gelebt haben. Es bleibt atso dabei, daß ein Jahr dem andern gleich sey. Ist dieses wahr, o wie wenig Grund bleibt uns noch übrig, die Tage unserer Väter als die goldenen, die besten, die glückseligsten mit neidische» Auge» anPisehe» und mit seufzender Stimme andern anzupreisen! Warum scheuen wir uns nicht, mißvergnügte Vcrläumder und undankbare Verächter unserer Jahre zu seyn? Warum schrcicn wir dieselbe» als eiserne, als schlimme, als »»glückselige Zeiten aus? Warum seufzen wir so ängstlich voller (°) 2. Timoth. 3,1. bey dem eintritt des 1743sie» Jahres. 7 Unzufriedenheit nach bessern Zeiten? da doch unsere Tage durch Gottes weise Güte besser sind, als wir sie verdienen, und cS nur an uns liegt, daß wir dieselben nicht besser gebrauchen und uns zu Nutze machen. Warum hoffen wir ohne genügsamen Grund? Warum lassen wir uns endlich nicht als vernünftige Menschen den heiligen Willen Gottes, seine weise Einrichtung der Welt, seine weise Regierung der Zeit in zufriedener Gelassenheit gefallen, und bedienen uns der Jahre, die uns die weise Vorsehung gönnet und die für uns allezeit die besten sind? So wie eS unsere GcmüthSruhc, die allgemeine Wohlfahrt und unsere Glückseligkeit erfordert. Kluge Christen, glückliche Seelen, die sich in die Zeit zu schicken wissen, unglückliche Thoren, welche ohne Noth klagen und ohne Grund hoffen! Sie, H. V-, haben nunmehr wiederum ein Jahr geendet, das dem vorigen gleich ist. Sie haben durch GotteS Gnade ein neues angefangen, bei dem ich schon im Voraus so viel Achnlichkcit mit dem vergangenen und zukünftigen erblicke, daß ich fast Bedenken trage, dasselbe ein neues Jahr zu nennen. DaS alte Jahr war voll von den ehrwürdigen Wundern der Weisheit, Macht und Güte GotteS, deren Sie und alle die Unsrigcn erfreute Zeugen sind, und das neue wird daran nicht leer seyn, wie wir sicher hoffen können. Die Kräfte der Natur sind auf den Wink der höchsten Vorsehung im vergangenen Jahre geschäftig gewesen, alles reichlich hervorzubringen, was zur Erhaltung der Welt, unseres Wesens und Wohlseyns dient. Und sie werden in dem gegenwärtigen, wenn es Gott gefällt, nicht Muß- haben. DaS zwei und vierzigste Jahr dieses Jahrhunderts hat uns übcrflüßigc Mittel angeboten, die hohen Absichten unseres Schöpfers, weswegen wir leben und da sind, zu erfüllen. Und daS drei und vierzigste wird gegen uns Unwürdige eben so freigebig seyn, wenn wir es erkennen wollen, und es an nichts f.hlen lassen, was zu unserm und der ganzen menschlichen Gesellschaft Besten dienet. Hatte das vorige Jahr seine Plagen, die uns der starke Arm des Höchsten überwinden half, so wird auch daS jetzige zu unserer Prüfung seine Uebel haben. Doch getrost, wir sind in GotteS Hand! Jetzt verehre ich die allerhöchste Majestät in tiefster Demuth, und danke ihr mit der rcinesten Regung meiner Seele für alles daS Gute, daS sie die Welt und »nS hat genießen lassen, und welches sie uns fernerhin, wie mich mein Glaube versichert, erzeigen wird. Ich preise nebst Ihnen die weise und mächtige Liebe des höchsten Regenten, die Zeit, und auch unsere Tage, die gegen unS stets neu ist, und niemals alt wird, mit vergnügtem und zufriedenem Herzen. Ich wünsche endlich mit der Redlichkeit und mit dem Eifer, der Christen 8 Abhandlung von den Pantomimen der Alten. gebührt, der Geist des Höchsten wolle uns also regieren, daß wir uns Gottes Willen allezeit gefallen lassen/ daß wir die beständige Mischung des Guten und Bösen von seiner Hand also annehmen, daß wir dabei weder übermüthig noch klcinmüthig werden, daß wir die Kräfte und Wirkungen der Welt also gebrauchen, daß wir sie nicht mißbrauchen, daß wir die Mittel zu unsrer Seelenruhe und unsrer Glückseligkeit und der allgemeinen Wohlfahrt so anwenden, wie cS die Ehre unsers Herrn erfordert. Mir wünsche ich von Ihnen in diesem Jahre gleiche Liebe, gleiches Gebet, gleiche Vorsorge, gleiche Treue und gleichen Beistand. Ich verspreche Ihnen dafür gleiche Dankbcstisscn- hcit, gleiche Ehrerbietung, gleichen Gehorsam, gleiche Begierde, Ihnen gefällig zu werden, gleichen Eifer, Gott für Dero Wohlseyn an- zuflehn. So werden wir in der That erfahren, daß wir in den goldenen Zeiten leben, daß ein Jahr dem andern gleich ist. Abhandlung von den Pantomimen der Alten.*) s- t- Es werden wenige von mcineu Landes Leuten seyn, welche nicht jcjv das Wort Pantomimen unjchlichcmal gehört und selbst sollten im Munde geführt haben, ohne vielleicht zu wissen was cS eigentlich bedeute. Und wer weiß ob Herr Nicolini selbst den wahre» Begriff davon mag gcwnst haben, sonst wurde er uns wohl schwerlich seine stumuicn Poßcnspklc unter diesem Rahmen aufgedrungen haben. ?och was wird er sich darum viel bekümmern? Hat er doä, überall seine» Endzweck erlangt. Und er ist es werth, daß er ihn erlangt hat, da er auf eine so anlockende Art sich die Rcngicrigkcil und den lappischen Geschmack der jcjigen Zeiten jüinsbar zu machen gcwust hat. Toch mit seiner und aller derer Lrlaubniß, welche ihn bewundert haben, behaupte ich, daß seine kleinen Affen nichts weniger, als Pantomimen sind. (5r d.„sf deßwegen eben nicht auf mich böse werden, denn ich stehe ihm dafür, daß er dieser Anmerkung halber gewiß keinen cin;i- gen Zuschauer weniger bekommen wird. Denn ich zweifsic sehr, ob einer von denen, die ihn so offt besucht haben und noch besuchen werden, meine Abhandlung lesen wird. Nach dem Geschmacke dieser °) In, zweiten Bande des Ibcalralischcn Nachlasses S. 22? gedruckt,- untcr dc» Brcelaucr Papieren crhallcn und danach berichtigt. Abhandlung von den Pantomimen der Alten. '» Herren und Damen wird sie wohl nicht seyn; die es vielleicht lieber seh» würde», wenn ich einen Commentar über die Geburt des Alle- quinS oder über den hinkenden Teuffel schrieb, und ihnen darinnen die schonen Lerwandclungen, die niedliche» Posituren und den kunsi- rcichcn Zusammcnhang des ganzen Stückes auf die lebhafteste Art vorstellte, als daß ich sie mit alten Erzchlungcn vergnügen will. Und gcsezt auch ich würde von allen gelesen, und gesezt auch er würde mit seiner Benennung von allen ausgelacht, so kan er sich doch gewiße Rechnung machen, so lange seine Kunst was neues ist, daß cS ihm niemals an einem vollen Schauplaze fehlen wird. ES sind keine Pantomimen, wird man allenfalls sagen, cS sind aber doch Leute die einem die Zeit auf eine ganz artige Art vertreiben. O wenn das ist, Verdienst genug für die heutige Welt! Ist wohl was verdrüßlichcr, als Langeweile! §- 2. Dem Nahmen nach heißen Pantomimen Leute, welche alles nachahmen. Und eine richtige Beschreibung zu machen, welche stch so wohl ans die griechischen als romischen Pantomimen schickt, so waren es Leute, welche tanzend alle Personen eines dramatischen Stücks vorstellen und jeder Person Charakter, Affekten und Gedanken durch die Bewegung ihrer Gliedmaßen ausdrücken konnten (°). s- 3. Ten ersten Ursprung der Pantomimen müßen wir bey dem Ursprünge de§ TanzenS suchen. Teiln die Tanze der Alten drückten alle etwas aus. sCallioInus leitet sie von den »limis her. Laimgs. in I>i»>t. all Vopilcum. <)uit! voro iliis vj>r>ouemu8, piauiui'. Laltatio liuaevis ^uguUi tempoiiuus in 1'eeoa veilaliatur, et polt illa tenil>c»ra iial'lim viguit, tzuoeezue inuil am^Iius eoinwullv auk conzuiielum I>at>ev»t cuin lüomuoliia alI>vUi, res vei» izil'a et ars illa, suliaotli wcxius, czuc» omm'a, Iew curvu« Uvrculvi» «lesigvitt <^ Vs- nurl.ni, toeniinni» vnvtviUul et nulrem: rexom kilclt wUUem: keiivw reliail et ^uvenvm, ul i» »no ville-is etsu muUos, >-»u vsri» iuul»li»»e aiscrelos. w Abh«ndlung von den Pantomimen der Alten. iione ukus ett, lange ante ?vlaliem nola 8eenae et in ul'u polila knere; te6 in ^ri>goe6ia lantum et Lomoeilia et Lalvriz locum uaveliat: ous^uam enim 5ola per le anle i6 tempu» c>i-x^^? in Oirliettra comvaruerat. ?iimns I?v>!>6es tallationis artem a 1'. et teoaratam in 8eenam I^alinam inti-oiluxit. Dieses widerlegt totticütu« mit der Stelle luili. V. c. 7. Lx l^uiI)U8 omnilius colligenilum ett, Inllalionem »anlomiinicam non kuille ?vli»6!s inventum: oeo ab ivto vrinnim extia Lomcviliam <^ l'rszceäiam in 1'eenam I^atinam invectam, ted wagiz exenllsm, atlzue exornalam, alczue cum tibiis ulurilius, iittulis atczue iülioro cxliibilarn. liatione cuius novilalis, et majoris eliam suilassi» in tül>lln6o «iextciilal!-!, et concinnilatis :«ien eommenilalus el'I, ut inventor illin» salt. ner livvervolen au>iiveiit. Lutev. in -Linon. I'vl. I?i>II^, »tziüro? rä? z'a? xc» röv Xoizo^ «:ra- ök-.i' k^otT/csk. ^/acT-oS. 8at. üb. 3. e. 14. Dt'omec/e« lib. II. can. «le varns l^aemalum xeneriuus. art. poet. 6. «j^,--,-? ole. ^>o,la^. in pivIoZ. ad 'kerent. ^/ii/a^c-/,. Iil>. 9. 8vmn'>5. ^e?ii,i« ail illui! r>el»g- 6. v. 73. ^allanles ^ai^ros. S»el. in ^ux. e. 43. et 46. I^ip. in Comment, ail l'aeit. c.iv. 64. j §. 3. Wie man aber angefangen hatte, das Tanzen auch mit auf den Schauplaz zn bringen, so bemühte man sich immer mehr und mehr damit auszudrücken, und zwar das was in dem vorgestellten Stücke war gesagt oder gethan worden. Einer der ältesten von diesen Tänzern, war der Tänzer des AeschyluS, von welchem nnS AlhcnäuS(°) Nachricht giebt. Er hies; TelesiS oder TclesiiS. t5r erfand unter- schiedne Arten die Reden durch die Hände sehr deutlich anSjudrucken. Und wie Arisioclcs erzchlt so soll er sonderlich, da er die sieben Helden vor Theben getanzt, alte ihre Thaten sehr wohl vorgestellet haben. H. 4. Bey den Griechen waren die pantomimischen Tänze allezeit entweder mit der Tragödie oder Comödie verbunden, zwischen deren (°) ^>. l. ^'kXk-I'ti; l'tX«^«;, o os>x^oö-.llcr»«>,<>>,', 5 X?» t-t^ 1 k axtz^>? X^?^^ ^'^ > ^öii^i'« <5t-.xwoi> c^-^t?. ^izl<^o».>^? ^01?»- <^>5tV, o?-. o ^t^> »l-x^^, ci^ir-/i>; ?kx^"iz?, ll? 7k kV vl>X^^^"^ 70^^,' t?rw ^,Z«^, k^ir- v» -colHo'«!, »i>ä^-/t«7« öi. otzXl^i-^i,'. Abhandlung von den Pantomimen der Alten. Handlungen sie aufgeführet wurden. Der erste aber der sie bey den Römern bekant machte war der Kayscr Augustus, der sie, um den inüßigen Pöbel durch sinnliche Vergnügungen im Zaume zu halten, von der Comödie und Tragödie abgesondert auf den Schauplatz brachte. Tiefes bezeugen Svidas(°), ZosimuS. §. 6. Die ersten und berühmtesten Pantomimen zu des Augustus Zeiten, waren PyladcS und Bathyllus. Wie SvidaS in dem eben angeführten Orte bezeugt. H- k- PyladeS war ein Licilicr, aus dem Flecken der Mistharner. Seine Tanzart, wovon er der Erfinder war, wurde die italienische genannt. Worüber er auch einen ganzen Commentar geschrieben hat, welcher aber vcrlohrcn gegangen. Dieses bezeugt Athcnaus, und Svidas welcher jenem gefolgt ist, den Ort aber, welchen er ausgeschrieben, ganz falsch verstanden hat. Athcnaus (°°) sagt, er habe einen Tractat verfertiget, von der italienischen Tanzart, welche Italienische Tanzart aus der römischen, tragischen und satyrischcn Tanzart bestünde. Dieses hat SvidaS so genommen, als hatte Pylades vier Bücher geschrieben, eins von der Italienischen, das andre von der römischen, das dritte von der tragischen, das vierte von der satyrischcn Tanzart. (üluronomism ryaAnopere expolivit. l^gm primus pro una ti- Iiia iuilliliuit plurv5; item l'illiilas, »ü lull voce oyx>I^^ ^«i^roi>.t/^o^. "I'oi'ü?^?' <> ^.i^o^'^o^ Koltcroli- i<^?i?y?, II^>X-»So^> xcit Ii«A^>^>,o^> 5^i>>?l<>i' «w^i' vKoi^^v. Ill s»I> voce ^.A^'ocki^o^. ^.^izi oöutzo?, ^rMxo? ^?c?.c>o'o^c>^, rniiro'u <7^u/Zc>vX!»i? k?k!cr^ ... Xa^a ^o^^ x«-.^ovi; kx-!l>ov^, < « » « » ' . « > ''!.!'» >'l » » XUI. ^«vroi^iio? o»x^!7l^ c^??/x^> 5» ?k>>o7k«ov ovo"»«' Xllt »10?» « > » « , ii-)>- rrki>« x«xl^>^ «lri« z>kz>o?ora. (") Die Stelle ans dem Albcnäus steht im ersten Bnchc p. so und beißt so! 'I'oi?rov röv L«^,>X>.ov o^^o'li' ^.y^^ovixo?, xo» IlvXwö^v, »a! o^iz'z'tz-iii^-l ^k^^ vl-x^k^?, 'l-a^ixizv o'l'^o'llo-A'«,, k?x X^/uxiz^, ^ k,aXk7ro Xvtzi'io^, x«! ^ ^i,«^>lx^?, ^ kx«>-k7^c> jZ/^,ic>.kt«, xa! ^ ?«?v^lx^, 1Z kXk')i-?c> ^!x»','l?. Die Stelle ans dem Svidas, nnicr dem Zilcl Pvladcs, ist diese: ilvXaö^, x^^, a-ro x^.>^? üll<7^ci>>- k^ct^ik c>l-x^^^ ^ I^«>,tx^, -^ri? v.-r «vroi? Zk-^t ^? xll/i.i.x^? xu^oTi/^v^; oi-x^crc-o;, kx»X^7ro Xotz6w-' x«t ^ r^«- ^x^?, ^ kxuX«i.ro ^!üti,t>z' xlit»> cntschnldigc», indem er sagt, man mnffc lesen nicht 5k^, sondern «-ro ^ x^llx?>,-. s»lwi>ttu« in Kolis «>I V«nis7.^ 1? Abhandlung von den Pantomimen der Alten. elioraulom eum eliorc», cum ante p^tliauIeZ oooinoret liue <ÜIic>rn. Ilieronz'ilii ekt !n (ülironieo kiileiiiana. P^I.iijes <üilix i>anlomi. mus primus liomae eliorum et Mulus ^raeciuere seelt. §. 7. Der andre berühmte Pantomime zu des Augusius Zeile» war Bathyllus. Er hatte e§ sonderlich in den comischcn Tanzen sehr weit gebracht, da ihn gegcnthcils PyladcS in tragischen übertraft. (°) Tcß- wcgcn nennt ihn ^uveuulis molleni La>I>)-IIum.(°°) Er war aus Alcxaudric» und ein Freygclaßncr des MäceuaS. (°°°) Welches der alte Untereres des Pcrsius in der 6 Satyre bezeuget. (5) §- 8- Die Erfindung der italienischen Tauzart wird von SvidaS dem Pylades, von Athenäo aber und Aristonico dem Phladcs und Balhyl- lus zugleich zugeschrieben. Wie aus den oben angeführten Stelle» des Svidas und AlhcnäuS zu ersehe». Sie bestand aus tragischen, comischcn und satyrischcn Tänzen. Tie comischcn hießen Kordar. Tic tragischen Enimclia. ?ic satyrischcn Sikinnis. (f-j-) §- il- xötzö^.(-j"!-f) (°) Dieses bezeug! Marcus Anäus Sencca/ i» den kx^vriui-« aus dcni drillen Buche ^»»iruv'rsiürui» und zwar i» der Vorrede: »:i »t ->>i ,»»r><»m le muum VVÜÜIU l'>l!»Ie!j in l^unwi-ai!», U!»I>>II»Ü in ^5!>j;,„!ai» »mUum !t s>! u>»rs»l. (") I» der 6tcn Catvrc m»II> sülliinie L»lI>>IIo. (°°°) Deßwegen nriiiil ihn Scncca in der Vorrede des 5> Vuchs c',»»r<>- vclliitruiu, v!Ul>>u»m I»l!t>!, ^«»>ix. Was aber das 5><:>ii>ttn» l>>» v^lli^ilu i»li»-cv»!»i» scv, dessen er daselbst gcdcntl, ist uubclamtt. (f) Der Ners bey dem Pcrsius brisn 8vU null» Iliurv lilsliij» Ilituresl in MiUis krevi» ul 5t!»ii»nl.i!» reell, lliivc miscerv nvfa«: »ec, quum Ns cii«.l«!r» fussur, 't'r>-i» lilnlum !»I i>uin«ro» Siil^ri movesir,! U»II>>I». I'itcit. ^Vnsl. Ii>i. St. «Zum »lüLcuiiiUi «Iilvmnvrnt > Isusu i» Ui>- lli^IIi: >>>.ii»Ie <>uo>I clviw rvliiilur misvvri v»Iu>»i»!i>>U!< vul^i. (.'»Mliiluiux I. I. ep. 20. I.ivius I. 7. «uulviuu» >>> (.'itliLUlil r. !>t. ü>->i>.^^ u>>^ t)il. ^/u//,/., /^o//u.r lil). 4. «s>>. lt. ^. !>!>. l^>^,j vl-xi/^ärui', ('!"!"!') -^»^«» /'u//u^ I. 4. »»»»msl. It. />)e»i'i!lc». ?'/teo/i/»>//>»» iu (.'Iiuriicl. «. VII. Abhandlung von den Pantomimen der Alten. 1^ I5,/lkXkt0l. (°) §. 10. tz. 11. §- 12. Einer von den berühmtesten Schülern des Pylades zu Zeiten Anglist! war Hylas. (5r hatte ihn in seiner Kunst so unterwiesen, daß ihn das Volk seinem Meister fast gleich hielt. Dieser Hylas tanzte cinsmals eine» Gesang, der sich schloß '^,)>«,uk,uXkt« ««t k/i.>llX!a, ^ kTitzvA^/^a. .a^ ?z /iki^c» /icXo'vi; ^«z>ix^ o>>x^>?l?. lind gleich Vorher! itöo? olix^crk^?, ki^l llö. 4. t4. sj. tvS. /i^v rczaz'lx^ oyx^kll? o'xH/l.«?'«, cr,./^ X'^v, o «aXo^ccrxo?, X">^ «»r«^->av^, ^Xov skaywX^»?, öt^X^, ^k'url« n ^ktz/l^«, , quoll ^«zaxlov k-^t »oX^rr/^a^ 8uill»ü. " korle » «^/Zlip <>,io>I Xusleru« iliuliivit in Lst !»»- >om x^-<^ai< ?ö x-cpaX^ izlirrki,-. vicke LuitlAM. (°°) Dieses crzchlt lms ^/»c?o^!,» in dem II Buche 8-iiurn-iliorum im 7 Kapitel: 8e>> qui» semvl inxiresku» lum sceiuim lolineiulo, »n» I'^Iackes IiMrio »oliiii omillenilus esl, qui cwrus i» opere suo suil lemvori»»!, ^Vn- k»s>i, > !».>iiii!llil!llis eonleiuioiil!,» erniIUinn^ Iirnvvxil. populus »leiiiil,- inlcr ulriusquv kiissr-ip!',-» Uivisus es>. «nun r»nlic»m >>uo>I>It>m sülliirel, ru^iiü elüulul!» ornl iöv ^kz>«!^ ^zx->ik/l.io?'a, luMimem i»i?e»Ivmiiuo vvlul melivd-tlur. Kon «ulit ?>Ii„Ies, el exelamnvil i» rave»: cr-u i^axizo,- /iiz>on> »o^k7>;. 'kiinc e»m nonuIuK cooxit Ulem s-lll!>ro c»»Iicu»i. eunxiue »a lacuin venissel, yuei» >el»el>e»- llorai, «xpressil eoplilgnlem: iiiliil maxi» rnlns mnxno lluro omnilius coxilgre. 8»IInI>!,l II^In« 0eilino>leiu el?>Ii»Ies Ii.ic vooe s,!- curiiaivm 5!>li!»ui» cnniMll, o'u /ZXk'zr-^. 14 Abhandlung von den Pantomimen dcr Allen, §- 13. Die Schüler des Pyladcs und BathylluS dauerte» auch lange Feit nach den Feiten JIngusti. Die einen wurden l'^Iail-le, die andern ^.illlvlli genannt.') (°) Se/ieca lik. Vll. q. n> csp. SS. Iiifi^riplionum Viulerisiine l?olteel. p. 1024. mini. S. et n. 331. »um. I. stille «caligernm in »ninüttiveil. «>I »lanitium. i-t 8!>Ii»!tlii »n>i>e i» Vu- uiseum, vroilsei iiotile in '^v<^oXc>) t«v lil. ll. epix. 2. ^an^ui//««, i» vit» Xeroni» k»n. S4. /^//»k»5 Iil>. VII. »!»>. I>iU. csp. S3. remporiliu» >'eronis sc Vesputiilm. K»e/>ian»Z ^t/e^«/il/,t«n»« i» I>»r>I>!ci» >Ie cnpite t^r.issi. ^sl^siüiolein viaemus, »bi »eütnr ekt? ^tniH. I. 3. c. 7. lle OI>r)s»m»Io ?»i»omima. ^nIe siitlntore, nomin» I»IewnI>is, eIIos»i>I><> ?xll>ss»ri>eo. <7o/ume//a >Ie re ruNic». IUi. I. ?aci»orui»ve lrigitrii cowilitlior exres- su» in pudtico erst. Keneca epikl. 4. 7. ue vrWcoL»U. »>I poslli. «. k. ^lm7Nian»» ^/a?ce//ittus Iil>. 14. c. k. Seneca osp. tS. «Ie Lontolst. ^a?i,V,llZ lid 5. ^5>ron. ^7e/anio^/i. IU>. 10. prope tinem. /lio. lid. S4. n. 633. O(>k, :c-tz, zr»v^> <7o^ü?,' o Ili/^wS-iZi; /».kvo? "v^' a^ioi?, kikk^ IZ-»^^^(j) vi^oikx^w v>5l, «a^ ^iZvcr^xov^-. <5lkt7Ui, ort <7^i/»/k^kt crot, I<«i>, ice^^ "rov ö^ov «^c>öl«^izt/Zkc7^cl^. ^acoi,» /'on/unus i» lUscrodium notis. >l>n»ut> lid. 2. I>i»»v. et lib. tS. I.ib. II. e, 38. ^nllwl. ,. - ., - - > , -> . , llcciL« i^oy^v oi-xo'U/c-vo?^ i^« /^zm^ov ^0?» i^zo^v iz,-!«<7cl? /ll)>a>>,ll?. I^v /llv ),^o? k^?, K«! ?r«>/^v Xcnavi'ü?, c^«sr»^z i«<7k?' ,..^> , ' « > > » " > ? „ ^./^ clH>Til^, or^ xc-i. <;t<^<>^ izv cro^ I' t^'^k?' roi?ro tg°o^»j»-. Abhandlung von den Pantomimen der Alten. 1,'. H- Von dem Theater zog man endlich auch gar die Pantomimen an die Easlcrcyeii. ^uvenslis tat. 6. 120. §- I^ugiente« lelic^uiae I'anl. duiare villeotur in eo luöio»!.? sive l'iilwlol'um gene>o, czui in l-nllia <üisr>Ii>ioi> Mti/Zkicc»» appellsn- lur. Lornm vetlilus, cruo agiliores liut, corpoii ailprel?u8, et niemllra exviimeos. ^erlona live larva anlitzuc». moie line Iik», na, nec^ue ailmvllum vennkla, prominenle menlo, et yualis velulai-um sneies ett. Ili per uiliem saltantes ilileurrunt, obviog Inris et kculi8, sjuoal! velereg I^uperei saeiedant, inceslentes. klavum sionli otitenllunl, ezuoil ?!>uoi ae 8ilen! axeliant s6 8olem deleo- «lenilum, <^uotl esleut calvi. Increditnli »Aililale enrrus ae iliedas lalln tianüeeixluiit, per parietes repunt, in senettr!>8 eiiitunlur, eilaliezne et inlenlo emre corpus in tulilime vibrant. 8ed et ili- vertos netu« kaltalionv ae gel'lu imitanlur. Io»lorem, satirum, ku- toiern et id ßenus keile rekerentes. klox et siuiulaera piignae tacili edunt, rullitms coneurrunt et diglsdisnlnr. Stilen. lil». I. o-^ox->^olv. p^irluca a l^iilw. Xenonli. in t!^ri exnedit. in (üonvivio apud ?I>ri>ces. Vnmi» ^uxUt Ilisluriiii» s-iNsnü, u»»m m»xi»»n» KexNxens mvlesli» »a» nlsecisli. >iu>>e» e»ii» silUitnü slelisli ul I»ii!8, K> rursu» (!»i>a»eu« N»Iim cviicillisli: Seil i» l'-lnuce ilieple, quoll viisi» esset lilii vivuü exMi: Iioe conlrit luNnriilin. l.i>>. 3. o. 7. lle t.'ur;'sl>i»iUv I>!»iwi»'»uo. X?^'^^'^^, 1^0 ' >^>' ^/lll' ^k^il^acrn- «HiAoz'z-oio^. I'kiz ö' oX,/Zl^-k <7l^>^ -^Tiz'k,,^ ^kXlk^k^, ^> ?,>tt- k^-X^ö^^a. !/'<^i/. ^»»1. Uu. I. e. 77. ^ivi»^ Iil>. VII. ^/uve»u/i« s»>. S. verl. tZV. I. L. lle l.Iis>I>e»e «iexumokum >exe, >>e e^jus sili» et II;'- poelill» ^llienienll. Znvcnal gedenkt auch eines Pantomimen des pariltis, des frevgclasseucn der I1omili»e^ k. V)I. v. 87. Der Schauspiele r. *) I. Einleitung. Aon der Beredsamkeit überhaupt. §- ^)ic Beredsamkeit ist die Kunst einem andern seine Gedanken so mitzutheilen, daß sie einen verlangten Eindruck auf ihn machen. s- Man sieht also leicht, daß es dabey auf die Gedanken, und auf die Mittheilung derselben ankomme. §- Die Kunst, wie man seine Gedanken dem Eindrucke, den man auf einen andern machen will, gemäß ordnen soll, will ich die geistige Beredsamkeit nennen. 8- Die Kunst, diese so geordneten Gedanken dem andern so mitM theilen, daß jener Eindruck befördert wird, will ich die körperliche Beredsamkeit nennen. Aon der Beredsamkeit des Körpers. §- Und zwar deswegen, weil diese Mittheilung vermittelst des Körpers geschehen muß. Sie kann aber nicht anders vermittelst des Körpers geschehen, als durch gcwiße Modiflcationcn dcßclbcn, welche in des andern Sinne fallen zc, Z- Diese Modifikationen können entweder in den Sinn des Gesichts, oder in den Sinn dcS Gehörs fallen. s- Die Modifikationen des Körpers, welche in das Gesicht fallen, sind Bewegungen, und Stellungen dcßclben. «) Zm theatralische» Nachlaß, Th. il, S. 209. Unter den Brcslaucr Papieren finde» sich nur N. i und II, und zwar N. il in vier Tabellen. Der Schauspieler. §> Die Modificationcn des Körpers, welche in das Gehör fallen/ sind Tcmc. §- Die Lehre von den erfreu,, heißt die Lehre von der Acrion; die Lehre von den andern heißt die Lehre von der Prominciarion (Aussprache.) Z- Diese Modifikationen des Körpers überhaupt, sind entweder unmittelbar in unsrer Willkühr, oder mittelbar. §- Die ersteren, weil nichts als das Wollen und ein gesunder Körper dazu gehört, können durch eigentliche und hinlängliche Regeln gelehrt werden. §- Die andern, welche nicht unmittelbar in unserer Willkühr sind, sehen eine gewisse Beschaffenheit der Seele voraus, auf welche sie von selbst erfolgen, ohne, daß wir eigentlich wißcn, wie? 5- Is. Der Schauspieler: (5in Werk, wminnc die Gnindseitzc der ganzen körperlichen Beredsamkeit entwickelt werden. Äic ganze körperliche Beredsamkeit theilt sich in den Ausdruck I) durch die Bewegungen. Oratorischc Bewegungen sind alle diejenigen Veränderungen des Körpers oder seiner Theile in Ansehung ihrer Lage und Figur, welche mit gewissen Veränderungen in der Seele harmonisch seyn können. Sie heißen überhaupt Gebelnden. Sie sind entweder ->) Bewegungen des Rörpcrs überhaupt. Diese begreifen «. das Tragen des Körpers, oder die Modifikationen deßelben, wenn er in Bewegung ist, oder geht. Die Stellungen des Körpers, oder die Modifikationen deßelben, wenn er in Ruhe ist, Oder Bewegungen seiner Glieder, Diejenigen Theile des Körpers, welche der meisten Veränderungen fähig sind, sind Ltssmas Welke xi t8 Tcr Schauspieler. der Ropf. Des Ropfcs überhaupt. Des Gesichts. Die Bewegungen des Gesichts heiße» Mine». iZ. und die Hände. Die Lehre von den Bewegungen der Hände hicß bcv den Alten die Chironomic. Deutsch vielleicht die Händcsprache. Die Füße können zu diesen Gliedern nicht gehören, weil diese zu dem Tragen und den Stellungen zu ziehen sind. Dieses beweise ich daher/ weil man zwar eine Bewegung mit der Hand und dem Kopfe machen kann, ohne daß die Lage des Körpers verändert werde; nicht aber die geringste Bewegung des Fußes, ohne daß sie nicht eine Veränderung des ganzen Körpers verursachen sollte. II) durch die Töne. Vom Tragen. Oder von der Modiflcation des Körpers überhaupt, wenn er sich von einem Orte zum andern bewegt. Diese Lehre theilt sich natürlicher Weise in zwey Capitel. I. Von der Bewegung der Füße. Die Lehre vom gehen. DaS schöne Gehen kömmt auf die schöne Beugung des BcineS, und auf die Gleichheit des Schritts an. Das schlechte Gehen wird durch das Gegentheil beyder Stücke verursacht. 1. Wann die schöne Beugung wegfallt. DaS Gehen mit dem steifen und gestreckten Fuße, ist der Gang eines stolzen und ruhmredigen. 2. Wann beyde wegfallen. So ist eS der Gang eines ungeschliffenen, eines Bauers. II. Von dem Halten deS Aörpcrs. Von dem eigentlichen Tragen. DaS natürliche, wann der Körper die Luft beständig nach einer Perpcndicular-Linie in Ansehung der Fläche, auf welcher er bewegt wurde, durchschwcbt. DaS verderbte- Wann diese Linie vorwärts einen spitzen Winkel macht. Ich nenne sie deswegen die verderbte, weil man zu faul ist die Last des Körpers aufrecht zu halten. T'cr Schauspieler. Diese Richtung gehört für das Alter; für das Nachdenke»; für die Niedergeschlagenheit. Das gekünstelte. Wann sie vorwärts einen stumpfen Winkel macht. Ich nenne sie die gekünstelte/ weil man sich Zwang anthut, die Last des Körpers, welche vorfallen würde, zurückzuhalten. Ost aber ist sie auch die natürliche; bey dem Erstaunen nehmlich, und Erschrecken, wenn man so zu reden alle seine Kräfte aus einmal zusammen rast. Alle drey Arten könnten durch die Seiten-Beugungen eine Aenderung bekommen, die eine Art von Reih damit verbindet. Von den Stellungen. Alles, waS bey dem Tragen gesagt worden, gilt auch hier, weil eine Stellung nichts als ein festgemachtes Tragen, so zu reden, ist. Ich habe also weiter hier nichts neues zu betrachte», als die Veränderung einer Stellung in die andre, welche zweifach ist. Die Stellung nehmlich wird I. entweder von der Person, mit welcher der Schauspieler redet ab. Aus Verachtung, aus Furcht, aus Entsetzen, aus Schaam. II. oder auf sie zu geändert. Aus Vertraulichkeit, aus Absicht zu bitten. Lhironomic. Die Bewegungen der Hände I. überhaupt, betrachtet als Linien, welche sich in der Luft beschreiben. In dieser Betrachtung sind sie entweder 4) angcncdine, die aus Linien von schöner Krümmung bestehen. 2) oder unangenehme, die aus Linien von schlechten Krümmungen oder gar keinen bestehe». ->) Bewegungen auS grade» Linien. Diese gehören für alleS da.S was unter der schönen Narur ist, z. E- für das bäurische, und zugleich sür heftige Leidenschaften, weil diese den kürzesten Weg gehe». I>) Bewegungen aus unangenehmen krummen Linien. Diese gehören für alles das, was über der schönen Natur seyn will; für das affectirtc zum Exempel. 2V Tcr Schauspieler. N. insbesondere, so ferne sie nehmlich gcivißcn Charakter» gemäß ciiijurichteii sind. Für das Tragische oder l,ol,c Toinischc. Hier gründet sich das Vergnügen, welches sie verursachen/ ans die Bewegungen selbst/ und auf die Gleichheit/ wie wir sie voraussehen. /Z. Für das Nicdrigcomischc. Hier gründet sich das Vergnügen wiederum auf die Bewegungen selbst/ und auf die Gleichheit die sie dadurch mit ihren Originalen bekommen, lt. Für die Stuzer. Gehören schöne Bewegungen/ denen aber die Große fehlt/ und die so viel möglich mablcnd seyn müßen. 2. Für die Alten schlechte und oft untcrbrochnc Linie»/ die nach ihren Charaktern eingerichtet sind. 3. Für die Bedienten. Gehören viel mahlendc Bewegungen in schlechten Linien. 1X1?. Jeder von diesen Charakter» muß erst in der Ruhe betrachtet werden, und alSdcn» so, wie er durch die Affcctcn abgeändert wird. Anmerkungen. 1) Die Verachtung löset oft die Bewegungen der schönen Linien, in Bewegungen von graben Linien sehr glücklich auf. Z. E. ES spräche eine Person, die um Gnade gebeten: und warf mich ihm zu Fuße. Die Bewegung der Hand welche das warf begleitet, würde auf Art sehr schön sey», doch so daß die Bewegung geschwinder wird, ,e näher die Hand dem Ende dieser kleine» Linie kömmt. Allein wenn eben dieses Ulfs sagt: Geh, wirf dich, wenn du willst, vor deinem Brndcr nieder! so ist die Bewegung der Hand eine bloße schiefe grade Linie ^ welche die Verachtung und den Stolz, womit er dieses spricht, weit beßer cmzeigt. III. Im vorhergehenden habe ich die Bewegung der Hände an und für sich selbst und überhaupt betrachtet. Nunmehr muß ich sie nach ihrer Verbindung betrachten und daher handeln I. von ihrer Vorbereitung. Oder von derjenigen Aufmerksamkeit, die Hand allmählig in denjenigen Punkt zu bringen, von welchem aus eine Haupt-Bewegung erfolgen soll. Wenn zum Ercmpcl Can»t sagt: erniedrige dich nur. und der Schauspieler höbe die Hand schon so tief, daß er um dieses auszudrücken, sie erst erheben ?er Schauspieler. ^.'t und hernach sinke» lasse» »lüßte, so würde dieses tad.lhaft sey». Er würde durch seine Bewegung ciue» Begriff mit cinsiicßen las- sc»/ welcher hiebcr gar »icht gehört/ das Erhebe» nehmlich, welches just dem Erniedrige» ciitgcge» ist. Ich verlange also, daß er itt dem vorhergehenden Worte: heiß meine Lasterthat ei» übereilt Verbreche», die Hand schon i» eine maßige Erhöhung gebracht habe, um das folgende: Erniedrige dich nur, mit großen» Nachdrucke machen zu können. II. Von dem Anhalten in demselben. Dieses nenne ich/ wen» ma» einige Zeit die Hand in der Lage, in die sie nach gemachter Bewe- gnng gekommen, eine Zeitlang erhalt, um sogleich eine andre mit ihr zu verbinden, die dem Verstände nach z» ihr gehört. Z. E- in der Zeile auS dem Canut: Geh wirf dich, wen» du willst, vor deinem Briider nieder- gehören die Worte wirf dich und nieder offenbar zusammen. Also,e. KV. Man könnte dieses die Constrnkrion nennen. KV. Beyde Stücke die Vorbereitung und die Construknon sind nur in der erhabenen Action nöthig, und durch ihre Wcg- lassung oder ttebertrctung wird die Action komisch. Hiezu kömmt noch der Tontrast in den Bewegungen, da der Schauspieler diejenigen Gestus zusammen nimmt, welche eine» Gegensatz ausmachen. Einen schönen Contrast machen die Worte zum Exempel: Erniedrige dick) nur, ich will als Sieger sprechen. Wenn dieser Gegensatz aber auch getrennt würde, so verlange ich doch, daß der Schauspieler darzwischcn keinen Gestnm machen, son^ dem diese bcvdc zusammen behalten müße. Gedanken über die Herrnhuter. — — uru Ilttll»! ulisvl-ru I» m»»i» Il^iiriiü ^jücl»l!>tti !U>IUU ü^UiUüi» »ll<>ui- t!l!^i» i» Iwv liiullom loco cunlirmitri i>!lli!»mi»i. Ciko5 «50 /I-^X^^I?. Christus kam also. Man vergönne mir, daß ich ihn hier nur als einen von Gott erleuchteten Lehrer ansehen darf. Waren seine Absichten etwas anders, als die Religion in ihrer Lauterkeit wieder herzustellen, und sie in diejenigen Gränzen einzuschließen, in welchen sie desto Heilsamcrc und allgemeinere Wirkungen hervorbringt, je enger die Gränzen sind? Gott ist ein Geist, den sollt ihr im Geist anbeten. Auf was drang er mehr als hierauf? und welcher Satz ist vermögen- der alle Arten der Religion zu verbinden, als dieser? Aber eben diese Verbindung war es, welche Priester und Schriftgelchrten wider ihn erbitterte. PilatuS, er lästert unsern Gott; kreuzige ihn! Und aufgebrachten Priestern schlägt ein schlauer PilatuS nichts ab. Ich sage es noch einmal, ich betrachte hier Christum nur als einen von Gott erleuchteten Lehrer. Ich lehne aber alle schreckliche Folgerungen von mir ab, welche die Bosheit daraus ziehen könnte. DaS erste Jahrhundert war so glücklich Leute zu sehen, die in der strengsten Tugend cinhergicngcn, die Gott in allen ihren Handlungen lobten, die ihm auch für das schmählichste Unglück dankten, die sich um die Wette bestrebten, die Wahrheit mit ihrem Blute zu versiegeln. _ 26 Gedanken über die Hernihuler, Allein so bald man müde wurde, sie zu »erfolgen/ so bald wurden die Christen müde/ tugendhaft zu seyn. Sie bekamen nach und nach die Oberhand und glaubten/ daß sie nun zu nichts weniger als zu ihrer ersten heiligen Lebensart verbunden wären. Sie waren dem Sieger gleich/ der durch gewisse anlockende Maximen sich Völker unterwürfig macht; so bald sie sich ihm aber unterworfen haben / diese Maximen zu seinem eigenen Schaden verläßt. Das Schwerdt nutzt man im Kriege/ und im Frieden trägt man cS zur Zierde. Im Kriege sorgt man nur, daß es scharf ist. Im Frieden putzt man cS auS/ und giebt ihm durch Gold und Edelsteine einen falschen Werth. So lange die Kirche Krieg hatte/ so lange war sie bedacht, durch ein unsträfliches und wunderbares Leben, ihrer Religion diejenige Schärfe zu geben, der wenig Feinde zu widerstehen fähig sind. So bald sie Friede bekam, so bald fiel sie darauf, ihre Religion auSzu schmücken, ihre Lehrsätze in eine gewisse Ordnung zu bringen, und die göttliche Wahrheit mit menschlichen Beweisen zu unterstütze». In diesen Bemühungen war sie so glücklich, als man es nur hoffen konnte. Rom, das vorher allen besiegten Völkern ihre väterlichen Götter ließ, das sie sogar zu seinen Göttern machte, und durch dieses kluge Verfahren höher als durch seine Macht stieg, Rom ward auf einmal zu einem verabschcuungSwürdigcn Tyrannen der Gewissen Und dieses, so viel ich einsehe, war die vornehmste Ursache, warum das römische Reich von einem Kaiser zu dem andern immer mehr und mehr fiel. Doch diese Betrachtung gehöret nicht zu meinem Zweck. Ich wollte nur wünschen, daß ich meinen Leser Schritt vor Schritt durch alle Jahrhundertc führen und ihm zeigen könnte, wie das ausübende Christenthum von Tag zu Tag abgenommen hat, da unterdessen das beschauende durch phantastische Grillen und menschliche Erweiterungen zu einer Höhe stieg, zu welcher der Aberglaube noch nie eine Religion gebracht hat. Alles hicng von einem Einzigen ab, der desto öfterer irrte, je sicherer er irren konnte. Man kennt diejenigen, die in diesen unwürdigen Zeiten zuerst wieder mit ihren eigene» Auge» sehen wollten. Der menschliche Verstand läßt sich zwar ein Joch auflegen; so bald man eS ihm aber zu sehr fühlen läßt, so bald schüttelt er cS ab. Huß und einige andre, die daS Ansehen dcS Statthalters Christi nur in diesem und jene» Stücke zweifelhaft machten, waren die gewissen Vorboten von Männern, welche es glücklicher gänzlich über den Häuft» werfe» würde». Gedanken über die HerriilMcr. '.'7 Sie kamen. Welch feindseliges Schicksal mußte zwey Männer über Worte, über ein Nichts uneinig werden lassen/ welche am geschicktesten gewesen wäre», die Religion in ihrem eigenthümlichen Glänze wieder herzustellen/ wenn sie mit vereinigten Kräften gearbeitet hätten? Selige Männer/ die undankbaren Nachkommen sehen bey eurem Lichte/ und verachten euch. Ihr wäret es, die ihr die wankenden Kronen auf den Häuptern der Könige feste setztet/ und man verlacht euch als die kleinsten, eigennützigsten Geister. Doch die Wahrheit soll bey meinem Lobspruche nicht leiden. Wie kam eS, daß Tugend und Heiligkeit gleichwol so wenig bey euren Verbesserungen gewann? Was hilft cS, recht zu glauben, wenn man unrecht lebt? Wie glücklich, wenn ihr uns eben so viel fromme als gelehrte Nachfolger gelassen hättet! Der Aberglaube fiel. Aber eben das, wodurch ihr ihn stürztet, die Vernunft, die so schwer in ihrer Sphäre zu erhalten ist, die Vernunft führte euch auf einen andern Irrweg, der zwar weniger von der Wahrheit, doch desto weiter von der Ausübung der Pflichten eines Christen entfernt war. Und ietzo, da unsre Zeiten — soll ich sagen so glücklich? oder so unglücklich? — sind, daß man eine so vortrcfliche Zusammensetzung von GottcSgclahrhcit und Weltweisheit gemacht hat, worinnc man mit Mühe und Noth eine von der andern unterscheiden kann, worinne eine die andere schwächt, indem diese den Glauben durch Beweise erzwingen, und jene die Beweise durch den Glauben unterstützen soll; jctzo, sage ich, ist durch diese verkehrte Art, das Christenthum zu lehren, ein wahrer Christ weit seltner, als in den dunklen Zeiten geworden. Der Erkenntniß nach sind wir Engel, und dem Leben nach Teufel. Ich will cS dem Leser überlassen, mehr Gleichheiten zwischen den Schicksalen der Religion und der Wcltweisheit aufzusuchen. Er wird durchgängig finden, daß die Menschen in der einen wie in der ander» nur immer haben vernünfteln, niemals handeln wollen. Nun kommt cS darauf an, daß ich diese Betrachtung auf die Hcrrichlitev anwende. ES wird leicht seyn. Ich muß aber vorher einen kleinen Sprung zurück auf die Philosophie thun. Man stelle sich vor, es stünde zu unsern Zeiten ein Mann auf, welcher auf die wichtigste» Verrichtungen unserer Gelehrten von der Hohe sci»cr Empfindungen verächtlich herabsehen konnte, welcher mit einer sokratischen Stärke die lächerlichen Seiten unserer so gepriesenen Wcltwcise» zu entdecken wüßte, und mit einem zuversichtlichen Tone auszurufen wagte: 28 Gedanken über die Hcrrnhutcr. Ach! eure Wissenschaft ist noch der Weisheit Kindheit, Der Klugen Zeitvertreib, ein Trost der stolzen Blindheit! Gesezt, alle seine Ermahnungen und Lehren zielten auf das einzige, was uns ein glückliches Leben verschaffen kann, auf die Tugend. Er lehrte uns, des Reichthums entbehren, ja ihn fliehen. Er lehrte uns, unerbittlich gegen uns selbst, nachsehend gegen andre seyn. Er lehrte uns, das Verdienst, auch wenn cS mit Unglück und Schmach überhäuft ist, hochachten und gegen die mächtige Dummheit vertheidigen. Er lehrte uns, die Stimme der Natur in unsern Herzen lebendig empfinden. Er lehrte uns, Gott nicht nur glauben, sondern was das vornehmste ist, lieben. Er lehrte uns endlich, dem Tode unerschrocken unter die Augen gehen, und durch einen willigen Abtritt von diesem Schauplätze beweisen, daß man überzeugt sey, die Weisheit würde uns die Maske nicht ablegen heisscn, wenn wir nnscrc Rolle nicht geendigt hätten. Man bilde sich übrigens ein, dieser Mann besäße nichts von aller der Kenntniß, die desto weniger nüzt, je prahlender sie ist. Er wäre weder in den Geschichten, noch in den Sprachen erfahren. Er kenne die Schönheiten und Wunder der Natur nicht weiter, als in soferne sie die sichersten Beweise von ihrem großen Schöpfer sind. Er habe alles das unerforscht gelassen, wovon er, bey Thoren zwar mit weniger Ehre, allein mit desto mehr Befriedigung seiner selbst, sagen kann- ich weiß es nicht, ich kann es nicht einsehen. Gleichwol mache dieser Mann Anspruch auf den Titel eines Weltweiscn. Gleichwol wäre er so beherzt, ihn auch Leuten abzustreiten, welchen öffentliche Aemter das Recht dieses blendenden Beynahmens gegeben haben. Wenn er es nun gar, indem er in allen Gesellschaften der falschen Weisheit die Larve abriß, dahin brächte, daß ihre Hörsäle, ich will nicht sagen leer, doch minder voll würden; ich bitte euch, meine Freunde, was würden unsere Philosophen mit diesem Manne anfangen? Würden sie sagen: Wir haben gcirret? Ja, er hat Recht. Man muß keinen Philosophen kennen, wenn man glaubt, er sey fähig zu widerrufen. Hu! würde ein stolzer Algebraist murmeln, ihr mein Freund ein Philosoph? Laßt einmal sehen. Ihr versteht doch wohl einen hyperbolischen Afterkegel zu cnbiren? Oder nein — — Könnet ihr eine Exponential-Größe diffcrcnlircn? ES ist eine Kleinigkeit; hernach wollen wir unsre Kräfte in was größern versuchen. Ihr schüttelt den Kopf? Nicht? Nun da haben wirS. Bald wollte ich wettcn, ihr wißt nicht einmal, was eine Irrational.Größe ist? Und werft euch zu einem Philosoph auf? O Verwegenheit! o Zeit! o Barbarcy! Gedanken über die Herrnhuter. Ha! Ha! fallt ihm der Astronom ins Wort, und also werde auch ich wohl eine schlechte Autwort von euch zu erwarten haben? Den» wenn ihr, wie ich höre, nicht einmal die ersten Gründe der Algebra innc habt, so müßte Gott cS euch unmittelbar eingegeben haben, wenn ihr eine bessere Theorie des Monde» hättet, als ich. Laßt sehen, was ihr davon wißt? Ihr schweigt? Ihr lacht gar? Platz! Ein paar Metaphysikcr kommen, gleichfalls mit meinem Helden eine Lanze zu brechen- Nun, schreyt der eine, ihr glaubt doch wohl Monaden? Ja. Ihr verwerft doch wohl die Monaden, ruft der andre? Ja. Was? ihr glaubt sie und glaubt sie auch nicht? Vor- trcflich! ttmsonst würde er eS wie jener Baucrjunge machen, den sein Pfarr fragte: kannst du das siebende Gebot? Anstatt zu antworten, nahm er seinen Hut, stellte ihn auf die Spitze ciucS Fingers, ließ ihn sehr künstlich darauf herumtanzen, und seztc hinzu: Herr Pfarr könnet ihr das? Doch ich will ernsthafter reden. Umsonst, sage ich, würde er seinem Hohnsprcchcr andere wichtige Fragen vorlegen. Vergebens würde er sogar beweisen, daß seine Fragen mehr auf sich hätte»/ als die ihrigen. Könnt ihr, würde er etwa zu dem ersten sagen, eure» hyperbolischen Stolz maßigen? Und zu dem andern- seyd ihr weniger veränderlich, als der Mond? Und zu dem dritten: kann man seinen Verstand nicht in etwas bessern üben, als in uncrforschlichcn Dingen? Ihr seyd ein Schwärmer! würden sie ciumüthig schreye». Ein Narr, der dem Tollhausc entlaufe» ist! Allein man wird schon Sorge tragen, daß ihr wieder an Ort und Stelle kommt. Gott sey Dank, daß so ein verwegener Freund der Laycn noch nicht aufgestanden ist, und zu unsern Zeiten auch nicht anfstchen »lochte: denn die Herrn, welche mit der Wirklichkeit der Dinge so viel zu thun haben, werden schon sorgen, daß meine Einbildung nimmermehr zur Wirklichkeit gelangt. Wie aber, wenn so ein Schicksal unsre Theologen betroffen hätte? Doch ich will mich ohne Umschwcif erkläre». Ich glaube, das, waS so ein Mann, wie ich ihn geschildert habe, sür die Wcltweisen seyn würde», daS sind anjctzo die Hcrrnhurcr für die GottcSgclchrtcn. Sicht man bald wo ich hinaus will? Eine einzige Frage, die man, wenn man die geringste Billigkeit hat, nimmermehr bcjacn kann, wird deutlich zeige», daß mcinc Vcr- glcichuug nicht ohne Grund ist. Haben die Hcrrnhmcr, oder hat ihr Anfübrcr, der Gc-af von Z. jemals die Absicht gehabt, die Theorie unsers Christenthums zu verändern? Hat er jemals gesagt, in diesem Gedanken über die Hcrrnhutcr. oder jenem Lehrsätze irren meine Glaubensgenossen? Diesen Punkt verstehen sie falsch? Hier müssen sie sich von mir z» Rechte weisen lassen? Wenn unsre Theologen aufrichtig seyn wollen, so werden sie gestehen müsse»/ daß er sich nie zu einem Religionsverbcsscrer aufgeworfen hat. Hat er ihne» nicht mehr als einmal die deutlichsten Versicherungen gethan, daß seine Lehrsätze in allem dem augspurgischen Glaubensbekenntnis) gemäß wären? Schon gut, werden sie antworten, allein warum behauptet er in seinen eigenen Schriften Sachen, die diesen Versicherungen offenbar widersprechen? Haben wir ihn nicht der abscheulichsten Irrthümer überführt? Ma» erlaube mir, daß ich die Beantwortung dieses Punkts ein wenig vcrspare. Gcnung wir haben sein Bekenntniß; er verlangt nichts in den Lehrsätzen unserer Kirche zu verändern. Was will er denn?------ Ueber das Heldenbuch. Angefangen den 23stcn Februar 1758.') §- 1- Ueber die vcrschiednen Ausgabe» dieses HeldenbnchS will ich mich nicht einlassen. Erabener hat alles gesammelt, was Köhler, 'PlacciiiS, Logt, Horn und Andre davon angemerkt haben. Ich habe inich bey meiner Untersuchung der Ausgabe von 15lil) in klein Folio bedient. Hier ist ihr Titel: Das Heldenbuch. Welche auffs ncw corrigirt und gebessert ist, mit schonen Figuren geziert. Gedruckt zu Frankfurt am Map», durch Wcvgand Han und Svgmund Feyerabend. Sie hat 487 Blätter, und jede Seite zwcl) Spalten. Ich wäre vielleicht begieriger gewesen, eine ältere aufjiitreibc», wenn nicht ver- schiedne Stellen, die ich aus der allerersten hier und da angeführt gelesen, mich genugsam hätten erkennen lernen, daß die alle schwäbische Sprache auch iu der allerersten schon große Veränderungen erlitten habe. °) Lcssings Leben, nebst ftincm noch übrigen litterarischen Nachlasse, Th. ili (1793), S. 3. In der Vorrede S. X sagt der Herausgeber Gc. Gust. Flillcborn „Sie (die Fragmente einer Untersuchung über das Heldenbuch) stehen in einem dicke» Hefte, und sind vom 23stc» Februar 1729 datirt." Ueber das Hcldenbuch. ,?> §- 2, Es muß noch eine andre alte Sammlung von Heldenliedern unlcr diesem Titel cxisiiren; denn Röhlcr in der Untersuchung vom Thcucr- dank sagt: ^liam colleeüonem Iioroieairun e-mtiooum, a priori prorsils 5lzuv loci meotiono excukam. tz. 3. Morhof, Kohler, Frisch, Wachter, Gottsched, welche dieses unsers Hcldeubuches gedenken, machen uns alle so verwirrte und undeutliche Begriffe davon, daß sie sich schwerlich die Mühe können genommen haben, es ganz zu lesen. §. 4. Ver Herausgeber hat es in vier Theile getheilet, deren Ucbcr- schriftcn diese sind: Erster Theil sagt von Kcvscr Ottnitten und dem kleinen Konig Elbe- rich, wie sie mit grosser Gefahr über Meer in der Hcvdcnschast cim Konig seine Tochter abgcwuimcn (und wie er Sie ihm zu einem Eheliche» Gemahl vermahclc» liesse.) Ander Theil meldet von Herr Hugdictcrichen mid seinem Sohn Wolff- dictcrichcn, wie die umb der Gerechtigkeit willen, offl den trostlosen Leute» haben hulff mit ihren trefflichen Thaten gethan, neben ander» kühne» Helden, so ilmc» i» nölhc» bcvgcstandcn scvn. Dritt Theil zeigt a», vom Rosengarten zu Worms, der durch Crinihil- le», König Gibichs Tochter ward gcpstantzt, dardnrch nachnials der »icbrcr theil Helden und Rvscn z» abgang kommen/ unnd erschlage» sind worden. Zm vierdtcn Theil wird gcniclt, von dem kleinen König Laun», dem Gczwcrgc, wie er seinen Rosengarten mit so grosser niamibcir und mit Zaubcrcv umbgiengc, biß er zuletzt von den Helden bezwungen warb und ihr Gaukelmann seyn musit, (Mit sampt andern kurtzwciligc» Historien, Im andern Theile dieses Hcldciibuchs verfaßt, welches auch in sei» so»- dcrlichc beschreibimac» »»dcrschicdlich ist geordnet worden.) §. 6. Allein der Herausgeber ist ein höchst unwissender Mann gewesen. Er hat drey Gedichte, die alle drey völlig von einander unterschieden sind, und allem Ansehen nach anch drey untcrschicdne Verfasser haben, in eins jusammcngcworfcn. ?ic ersten zwey Theile machen ein besondres Gedicht ans, der dritte ein besondres, und der vierte desgleichen. lieber das Hcldcnbuch. Der einzige Goldast unterscheidet die Verfasser, wie es sich gebort. Die erster» zwey Theile fuhrt er allezeit unter dem Namen Efchil bachs an; wenn er von dem dritten Buche redet, sagt er: (S. 363) incerlus auelor parlig III Ilvlcledueli. Doch sagt er auch S. 406: ^non^mus, i>ut korlean iclem auetor p:»rlis III Ilelcieduel», ncmlich LsolnIIiacu. Das vierte Buch aber führt er unter dem Namen lleivrieks voo OlliermiZAell an. Grabcncr vermuthet, daß Offtcrdingcrn auch von dem dritten Verfasser sey; welche Vermuthung weniger kritische Einsicht in den Styl verräth, als Eoldasts. Das erste Gedicht, welches in den zwey ersten Theilen enthalten ist, sollte also den Titel führen: Von Kaiser Ottnitt und Wolffdietcrich. §- 6. Von dem Alter der Verfasser dieses Hcldenbuchs sagt ücearcl. iu IM. Keller. ?rioeio. Laxvnine t'uj>. (üao. V. §. 9. p. 174. 69. I^iber Iiie 6e Iieroilius veteriuus a Wolkramn Llciieuli.icilici el Ileniieo Llllerlingio comvolilus est temnore I^riecleiiei IZarliarol'- las, et lsviclcm snlo kunollisalioncill Laroli kl. et »romulAalioncin pteullo-l'urvilli, ut riluriliug arAumcntiZ in Ilittoria t?oeteos der- manic.ie «lemonttralio. Diese Beweise ist Sccard mit sammt dem Buche schuldig geblieben. Und ich hätte um so viel lieber sehen mögen, wie sie ausgcfal len wären, je unwidersprechlichcr man dieses Vorgeben widerlegen kann. Die Canouisation Carls des Großen geschah mit Gcnchmhaltnng Papst I?i>telir>lis III, wie kriecleiieus I selbst bezeugt in seinem Diplomat« bey ^ae. ^nclr. Lrukio cle vila et revus getli» >ViIe- I. 55. »lenk. 5an. p. 888. und andern. ?alelialis aber starb 1168, nnd gleichwohl gedenkt der Dichter der Herzoge von Mcranc, die Friedrich I erst im Jahre 118l) crcirt hat. Hätte dieses ohne einen prophetischen Geist geschehen können? Wenn Grabener diesen Widerspruch bemerkt hätte, so würde er stch auf diesen korilciilum eeleveriimi I^ee-zrili nichts zu gute gethan haben. Vor 1180 kann der Verfasser also nicht geschrieben haben. Allein ich vermnthc, daß er auch nicht vor 1248 geschrieben habe, und zwar eben deswegen, weil der Herzoge von Mcranc gedacht wird, die 1248 schon wieder ausgingen. Würde es der Dichter gewagt habe», würde llcbcr das Hcldcnbuch. 33 cS nicht widcr scincn Plan gewcsc» sey», ein noch lebendes Geschlecht jii ncnncn, wo cr lautcr falsche Rainen brauchte? §- 7. Goldast Ckom. III. Oonlülut. Imneiial. praolat. acl liebem IZiitann. .?ae^um p. 3. 4 A 5.) will, daß unter dem Kayser Olt- nitt Odoaccr, der Hcrulcr König, und unter Wolffdicterich Theo- doricus Veronensis zu verstehen sey; doch ohne die geringsten Gründe dieser seiner Muthmaßung anzuführen. Allein einem Manne, wie Goldast, muß man auch da Gründe zutrauen, wo er keine angicbt. lind ihn widerlegen wollen, ohne diese vorher aufzusuchen, heißt sich ein leichtes Spiel machen. Die bloße Aehnlichkcit des Schalles, und aufs höchste der Ableitung, welche die Namen Ottnit und Odoaccr, TbeodoricuS und Dietrich haben, kann sein einziger Grund nicht gewesen seyn. Er muß größere Achulichkcilcn zwischen den Begebenheiten, die uns der Dichter von beyden meldet, und denen, die uns die Geschichtschreiber vo» ihnen aufgezeichnet, entdeckt haben. lind diese finden sich auch wirklich. Odoacer hatte sich zum Herrn desjenigen Theils von Italien gemacht, welcher in den folgenden Zeiten den Namen der Lombardcy bekam. Ottnitt ist König von Lombarten, und ist es durch das Recht der Waffen. wolffdicterich ist der Sohn eines Königs von Lonstantinovel. Theodoricus ward von dem Kayser Zc»o an KindeSstalr angenommen^). Wolffdierrich kommt, dem Kayser Gttmt sein Reich streitig zu machen. Theodoricus kam mit seinen Golhc» nach Italic», in der Absicht, die Hcrulcr zu verdrängen. Seine Absicht gelang; cr schlug den Odoacer bey Verona, und belagerte ihn drey ganzer Jahre in Ravcnna(°°). Eben da wolffdictrich dem Ottnitt am stärksten zusetzt, da er ihn fast übcrwuuden hat, ändert stch die Scene anf einmahl: Ottnitt und Wolssdictrich werden Freunde, und unzcrlrcnnlichc Freunde, Geselle». Theodoricus, wie gesagt, hatte dc» Odoaccr schon drey (°) Man scbc den Bricf des Atalaricus, seines Enkels, an dc» K. Zttstiman, bcvm Cassiodor B. 8. Ludewig (im Leben Iustinians S. 403,) erklärt dicsc Adoption für weiter nichts, als cinc su> mut-im cuii»icm. Aber, wärc sic nichts als c!» lccrcr Titel gewesen, so macht doch Atalaricus offenbar z» viel Aufhebens davon. (") loriiancles ct<- rol>. vol. p. tt». Lcslingü Werke XI ? -'.i Ueber das Hcldenbnch. Jahre in Raveiina belagert, u»d schon halte sich ihm ganz Italien unterwerfen. Dennoch ließ ThcodoricnS von dein Rechte des Siegers so viel nach, daß er den Odoacer zum Milgcnvssc» seines neuen Reiches annahm. wolsfdictrich kommt in den Verdacht, seinen treue» Genossen, den Ottnitt, umgebracht zu haben. Theodoricus brachte den Odoa- ccr wirklich mit eigner Hand um. Wolffdierrich folgte dem Ottnitt in allen seinen Reichen und Rechten. So folgte Theodoricus dem Odoaccv. Tiefe Aehnlichkeiten sind nicht gering, wenigstens hinlänglich, Gvld- astcn von dem Lorwurfe eines nnüberdachtcn Vergebens loszusprechen. §- 8. Aber sie werden von unzähligen und offenbaren Unähnlichkeiten unendlich überwogen. Ottnitt heißt Römischer Kayscr, und ProccpinS sagt ausdrücklich, daß sich Odoacer diesen Titel nie angemaßt. I'rocou. . lil). I, e. 1. ölk/Zill «a>,oTi/l^i'o?. Rom lind auch Lateran/ sagt der Dichter, habe dem Ottnitt gedient, lind wie wenig hatte Gdoacer in Rom zu sagen! Er wagte cS nicht einmal, seinen Sitz da zu nehmen. Knrz: Ottnitt isi ein sehr mächtiger Herr, dem alle deutsche Reiche und alle Reiche in dem Lande der Walhen nnlcrlhan sind. Odoaccv hingegen herrschte bloß über Italien, dessen dritten Theil er seinen Hcrnlcrn zn Lehen gab. Und das waren die ansehnlichen LchiiSträger nicht, welche Ottnitt um sich hat, nnd die er anredet: Ihr Fürsten und ihr Herren/ Grosse» Freyen Dicnstmann. LchnSträger also von allen Hecrschilden (°)! Was wußte nia» aber von diesen zu einer Zeit, in welcher verschiedene Gelehrte mir den allerersten Ursprung der Lehne gefunden zn haben glauben? §- 9. Grabener führt an, daß klarqu. tVellerus (drigin. I'algl. l>. I. e, 10.) ^oli. 1)cel'u8 (beym plaeeius in l'lieulro ^n«r>.) .mid ?eir. I)alilman»u8, (im Schauplatz der maSguirtcn u»d demaSgnir- ten Gelehrteu Num. 37.) das ganze Heldcnbuch für »ichtswürdige (°) Den niedrigste» Heerschild ungerechnet, deren älteste Spuren man erst unter Heinrich IV findet, obgleich eine ähnliche Eiutheilung des Adels lange vorher üblich gewesen seyn muß. Ucbcr das Hcldenbuch. Fabeln gehalten. Morhof und andre glauben, daß Fabeln mir »n- tcrmischt sind. Grabcner selbst bemerkt, daß nichts im ganzen Hcldcnbuche sey, woraus man schließen könne, daß man die darin cnthaltncn Fabeln höher, als in das zwölfte Jahrhundert setze» dürfe. Sei» Beweis ist vornehmlich dieser, daß der Herzoge von Merane darin gedacht werde, deren ersten doch Friedrich I creirt habe. §- 10. Gottscheds Meynung, die nicht leicht abgeschmackter seyn könnte, ist diese, daß Ottnitt, Odoaccr der Hcruler König, Vvolffdietrich, der Westgolhcn König Thcodoricus, Dietrich von Bern, der Osigothcn König Thcodoricus Nero- nensis sey. Nur etwas zum Beweise: Im I. 490 belagerte Thcodoricus den Odoacer in Ravcnna, und drey Jahr darauf ward Odoaccr umgebracht. Wie kann uuii aber eben dieser Thcodoricus, nach mchr als achtzig Jahren nach dem Tode des Odoacer (Ottnitts) die dem wolffdietrich entflohncn Xvürme vollends erschlagen haben? (denn drey Jahr, nachdem die Wurme Ottnit verschlungen, schlug sie erst Vvolffdietrich, und 80 Jahr nach Wolfsdietrichen, die übrigen Dietrich von Bern.) Der Anhang des Hcldcnbuchs sagt gar: Tcmsclben Kayser Ott- nitt dienet Rcussen und das Land zu Bern, darnach über 2M Jahr warde das Landt Bern Herrn Dietrich von Bern. Dietrich von Bern kann also der Tycodorieuo Veronensis nicht seyn, der Odoacern überwand, oder Ottnit kann Odoacer nicht seyn. §- 11- Meine Erklärung: Der Dichter hat unter dem Ottnit, die beyden Gegenkayscr Ottos des vierten, nemlich Philipp und Friedrich II verstanden, und vcrschicdiic von ihren vornehmsten Thaten in diesem seinem Roman von Ottnit, in ein Ganzes verbunden. §- 12. Von den Herzoge» von Mcranc. Le. Dav. lLoeleri Oilteit. c!v Ducivus kleramao ex Lomili- lius ilo ^näecliZ orlis. ^Itork. 1729. In dem Leben IXotkeri c. XVI. t. loript. rer. ^leman. (ZolcI. l>. 39l>. wird bereits eines (üuonoois Oucis Moraniav gedacht, wo- Äi Ueber das Hcldcnl'iich. bey Eoldast die Anmerkung macht: Lgo, conkiilulo, omnino planerus (in Instar. Vüritciao p. 34.) Lolclatto iAnorgnliam Duoatus klorsoü st- trivuvio »nsset, se6 cum relpicist Ouealum kloraniae temnorv imoeraloris Otlonis I. iam exlsnlem, c^ui omoino ec> sevo incogni- ins erak, lZoldsktus ol) nae ignoianliae eulna iminunis eile viiletur. Wenn nun aber zu Ltto'S I Zeiten bereits Herzoge von Mcranc cxistirt haben, wie würde cS mit unsern Beweisen aussehen? Unterdessen loset Köhler diesen Knoten sehr wohl. Er sagt: Lkkc hard (im Leben kolken) habe unter I^ilecl. Il geschrieben, und nenne den Lunonem, ^eoerum Ollonis KI. nur deswegen einen Herzog von Mcranc, ciuoniam oliam sorle prsesuil (üsrenisnis, czuema6mc>l1um eins lilius Ollo (v!ll. I)!lmaru5 lib. V. n. 37l) .irmil I^civn.) ^l! tlsrinlliiam veio olim eliam peitinuilso lirolenkem «litiooem lel'ta- tur klegisorug .^nool. Laiint. I. I. o. 2. 14., eujus nars nolior sevo iniius I^Iil^eligi-lli clieebslur Ducalns klersniso. Lx tu! ergo leouli »s» et oolilia 6ixit Llilioliarelus t>ullonew Ducom vlorsniae. tz. 13. Die Saracenen. Die Saracenen waren unlcr Friedrich II noch nicht in Sicilicn unterdrückt. Friedrich hatte »och im Jahr 1221 viel mit ihnen zu schaffen. Die Verheerungen, die sie in diesem Königreiche angerichtet hatte», bewogen den Kayscr, wider sie i» das Feld zu ziehe». Bey seiner Annähcrnng zogen sie sich ans die Gebirge, und hier war cs nicht möglich, ihnen bcyzukommcn. Friedrich faßte den Entschluß, sie zu belagern und auszuhungern. Und weil sie Mangel an LebcnSmit- teln litten, wurden sie bald auf das Sleußcrste gebracht, und gezwungen, sich an den Kayscr zu ergeben. Viele baten nm Erlaubniß, daß sie seine Staaten verlassen dürfte», und erhielte» sie ganz leicht. Die Ucbrigc», die unter seiner Herrschaft bleiben wollten, wurden »ach Nocera in Apulien gebracht; man verbot ihnen bey schwerer Strafe, daß sie keine Waffen in ihren Häusern habe» sollten. Barre IV. S. 12. tlollonul. I^il). IV. tlil't. iVean. IM. 6v liel). gvü. I?relZ. spul! Muralor. VIll. lieber das Hcldcnbuch. ,!7 Friedrich II bediente sich auch der Saracenen bey seinen Armeen. So bestand j. E. das Heer, mit welchem Rainald (den der Kayser, als er 1228 endlich nach dem gelobten Lande ging, als seinen Statthalter hinterlassen hatte) in das Erbgut des h. Petrus eindrang, um den Papst Eregorius IX zu bekriegen, aus Deutschen und Saracenen aus Sicilien. Die Saracenen aus Nocera oder Luceria thaten auch Manfrede» gute Dienste, und nahmen ihn in ihre Stadt auf, wie Iamsilla (avuä klarst. VIII. p. 530 ) und Saba Malaspina (IM. lili. I. e. 4.) mit Mehrerem berichten. Sie intercsstrteii sich für den jungen Eonradin. (vlonseuus ?atav. Oluori. !>,). klursl. 1". VIII. p. 728.) Sie waren sogar die letzten, mit welchen tüarolus fertig werden konnte, bis er endlich 1269 Noccria nach einer langwierigen Belagerung einnahm, wobey die meisten Saracenen elend verhungert waren. S. den angeführten klonsclms, und Saba Malasp. zu Ende des ätcn BuchcS. §- 14. Anwendung der Lessingischcn Hypothese I. auf vcrschiedne Prädicale, die der Dichter dem Ottnit giebt und die auf Friedrich II passen: ^. Ottnit wohnt in Italien. Friedrich II war in Deutschland weder geboren, noch erzogen. Anno 1212 kam er nach Deutschland, 122V ging er wieder »ach Italien, und kam erst 1236 a»f kurze Feil wieder »ach Deutschland, bey Gelegenheit der Empörung seines ältesten SohncS Hcnrici. Das Jahr darauf war er schon wieder in Italien. Zwar rief ihn die Empörung Friedrichs des Streitbaren, Herzogs von Oestreich, zu Ende 1236 nach Deutschland; doch war er das folgende Jahr 1237 im August schon wieder in Italien. 1238 ging er abermals auf eine kurze Feit nach Deutschland, kam aber noch eben dasselbe Jahr nach Italien zurück. Und von der Zeit an findet man nicht, daß er wieder nach Deutschland gckommc» sey. Es saß da in Lampartc» Ei» edler König rcicy, Anff einer Burg hieß Garde». Hcldcnv. S. 1. Lamparten, Lombardei). Die Longobardcn überschwemmten Italien nm das Jahr 686. Der Name der Lombardei) ist also noch später zu setzen. Die Anlicipation, welche Gottsched hier will gellen lassen, ist lächerlich. D cstdcriuS, der letzte König der Longobardcn, ward gefangen 744. ^ Ueber das Heldenbuch. Karl der Große, nachdem das Lombardische Reich ein Sude genommen, hatte in den meisten Städten Grafen gesetzt, deren einige den fürstlichen Titel führten, und nachmals die Länder größtcnthcils an sich zogen n. s. w. S. BünauS Leben Friedr. I. S. 32 — 33. Garden. Mareliio Lüenlis ward von den Einwohnern von Mantua mit gewaffneter Hand wieder in Verona eingesetzt. Eccclinus II wäre bey dieser Gelegenheit bald gefangen worden. Illo nameiuo clie, sagt Kersrä klaurilius so. ülurat. VIII. s>. 16., vix evglit Domiuus Leeeliuu8 ele. k'ugeruut ci^o eoulrsni klaieliioni» scl aieein Lsrilge — ^reem gutem Lsrilse — uullic^uv per teriaui et ue/uam kti'i'elil'liwe (Nareluo) olilicleuat. IZ. Ottnit ist des Sternlaufs kundig. lieber die Astrologie Friedrichs II S. ^otonius <^o6ius dlnoii. Vieent. beym Mlurat. 7'. VIII. p. 83. (Beyde Gcschichtchen mit den Astrologen sind indessen verdächtig.) Mehr beweist liol-miiiuus lili. IV. o. 12. Nichts ist entscheidender, als das Zeugniß des Salia Mal-,- tpms Kitt. Sie. I. I. esp. 2. bey I>Iu.->.. I'. VIII. p. 788. Nergl. lii- coualcius k'errarienLs IliUor. Imoer. v. 112V. bey I>Iurat. IX. »lat- tüseus psris iu IM. ülsi. p. 286. l^isueitei ?i>>i»i Llirou. I. 2. ulurak. IX. p. 670. (o'e 8co>lo ^lieileiiei ^ltiologo.) Rom und Lateran. Unter Lateran ist der päpstliche Stuhl, und unter Rom die weit- liche Gewalt dieser Stadt zu verstehen, durch welche Trennung ganz deutlich auf Zeiten gewiesen wird, in welchen die Päpste über den Rath und die Bürgerschaft in Rom nichts zu sagen hatten. Und dieses ist von den Zeiten der Schwäbischen Kayser wahr. Schon Friedrich I mußte in dem Vergleiche, den er mit Papst vugenius III auf dem Reichstage zu Costnitz 1152 oder 53 einging, versprechen, er wolle, ohne des Papstes Einwilligung, weder mit König Rogerio, noch mit den rebellischen Römern jemals Frieden machen, sondern, dieselben unter-den päpstlichen Gehorsam ;u bringe», allen Fleiß anwenden, ksroriii ^unal. anno 1152. Arnold, ein Schüler Abälards, der kühne Feind aller weltlichen Macht und Güter der Bischöfe und Geistlichen, soll sogar Willen« gewesen seyn, die Römische Republik wieder in den vorigen Stand zu setzen, das Ccipitolium von Neuem zu erbaue», den Bürgermeistern und der Röm. Ritterschaft das ehemalige Ansehen wieder zu verschaffen, hingegen die Stadt der päpstlichen Obrigkeit gänzlich zu entjiehcn. Ollo l^it. I.. II. v. 20. llkber das Heldcnbuch. Im I. 1228 verjagten sogar die Römer den Papst Lregorius IX aus Rom, als er den Kayser Friedrich II auf eine so übereilte und ärgerliche Weise in den Bann gethan hatte. I). von der Wahlen Land. Wie kann man sagen, daß den Schwabischen Kayscrn alle Könige in Deutschland und der Wahlen Land gedient hatten? 8->xo Lrammsf. I.. XIII. p. 242 und I.. XIV. p. 262 leugnet, daß Dännemark dem Deutschen Reiche jemals uuterwürfig gewesen sey. Aber Friedrich I lockte den König Waldemar in Dännemark aus seinen Staaten, nnd verlangte, daß er ihm huldigen sollte. S. Barre III. S. 600. vergl. den daselbst angeführten Brief ConradS III an Johannes von Constantinovel. Eben so gewiß ist es, daß König Friedrich auf dem Reichstage zu Merseburg 1162 den Dänischen Priiijcn-Streir entschied. Der neubcstätigte Dänische König wurde in Friedrichs Gegenwart gekrönt, und von ihm durch das Schwert belehnt, wie er denn auch dem Deutschen Könige den Lehnseid abgelegt, und das RcichSschwert vorgetragen. Buna» im Leben Fried. S. 14. Z. 15. II. Auf verschiedene Facta selbst. 1. Von seiner verdächtigen Geburt, Friedrich II war Heinrichs VI und der Eonstantia Sohn, 1194 geboren, zu Assist, einer Neapolit. Stadt. Das Gerücht, daß er nntcrgeschoben sey, war allgemein; (Hlruv. in L^nt. IM. (-erm. Dill'. XX l!e i?iieu'. II und in Loi-p. IM. «er. VII. 8eot. VI. §. 1.) ob es gleich erdichtet scheint. Facell Gesch. von Sicilicn, und van- dolph Gesch. von ReapoliS. 2. von seiner Gemahlin aus Syrien. Friedrich II mußte sich dem Papst HonoriuS III verbindlich machen, die Jolanta, nach andern Jsabella, eine Tochter des Königs von Jerusalem Johannes, zu heurathen. Die Verbindung ward in Rom vollzogen. 3. von dem Hasse seines Schwiegervaters. Friedrich verlangte Jerusalem jur Morgcngabc. Johann mußte sich dazu bequemen, und ward, ungeachtet der Fürbitte des Papstes, von seinem Eidam unwürdig behandelt. Barre IV. u. 36. 37. Platina iu llmi. III. tZimu». I.. III. p. II. e. 10. ä». liaiu. au an. 1226. -in Ueber das Heldenbuch. 4. von der Verwüstung seiner Länder durch dao Rricgcs Heer des Papstes, den er selbst einen Drachen gencnnr Als Friedrich seinen Krenzuig angetreten hatte, bekriegte Rcinhold, der Statthalter in Italien, ehne sein Lorwisscn, den Papst- Tic päpstliche» Truppen coinmaiidirtc Johannes, der mit außerordentlicher Grausiuilcit den Krieg führte. S. Barre. Johannes wollte durch aus Kayscr werden, und streute sogar, um sich Parthey zu machen, ein Gerücht von Friedrichs Tode aus. 5. von seinem doppelten ZZanne. EregoriuS IX that ihn das erstemal in Bann, als er von seinem angetretenen Kreuzzuge zurück kam, weil er die Tee nicht vertragen konnte. Unter dem zweyten starb er (am 13tc» Tcccmbcr 1260). Vcrschicdne Meynungen über seinen Tod. §- 16. Der Name Ottnit oder Ottcnit-°) §. 17. Erklärung der Person Vvolsdietrichs ") S- IS- Einige andre Punkte. 1. vom «Llephante». TaS nlemorialo polell.il »in I'.egleoliuui ( KIni.il. k. Vlll. S. 1110) merkt als etwas Besondres an, daß Friedrich 1237 in seinem Heere gegen die Mayländcr ciucn Elephanten gehabt, (/r Halle ihn vom Sultan bekommen. S. Mural. Gesch. von It. Th. VII. S. 469. Vergl. Ilielmillus in Cüion. ->»utl klurat. '1'. VII. S. 1001 unter dem Jahre 1228. 2. Von den Heydcn. T'ie Schriftsteller des IZtcn Jahrhunderts haben es durchgängig im Gebrauch, auch den Mahomcdanern den Namen Hcyden zu geben. °) Hier hat Lcssing nichts, als eine Stelle aus Barre m. S. 91L über den Bcvnamcn Primislcws, Gttocar, d. h. der dem Otto ergeben ist, ausgezeichnet. Fülleborn. °°) Hier ist kein Wort weiter cmgcmcrtt. Aus einem andern Blällchcn steht- Ueber Wolfdictrich S. p»s. SSS. Ich suchte diese Seite Im Barre, und fand daselbst: das« Kavscr Philipp die Prinzessin Irene gchcurcnhct habe, und ihrem Bater, den sein Bruder Alezis vom Throne gestoßen, bcpzuflchcn suchte. Der junge Alcris solllc durch Hülfe der Kreuzfahrer aus den Thron gesetzt werden. Vielleicht suchte Lcssing unter dieser Geschichte die Geschichte des Vertriebne» Wolfdictrich?. Fülleborn. Ueber daS Heldcnbuch. N S. klemm!i>Io pökelt, k. (klurak. I'. VIII. p 1099-) und ^non. Vutie-m. <->!>. Mnr. I'. VIII. p. 761.) 3. Von den Römcrzügen. Die Anstalten zn der Expedition, welche Ottnit vor hat, sehen - denjenigen sehr ähnlich, die bey den sogenannten Römcrjügcn beobachtet wurden. 4. von Friedrichs Rreuzzug. S. Monaeuus patav. in eiiron. an. Alurat. I". VIII. p. 672. liiennalclus reri-m. (an. klur. I'. IX. p. 127.) 6. vom Heyden Zacharies, der im Heldenbuchc sagt: --i» der Stadt Mcssvn In meinem Königreiche. Die Saracenen in Sicilicn hatten ihre kogulog. kioIiai-6. av. I»u,al. I'. VII. 920. Vielleicht IMraliellus, der im Jahr 1222 llnrnhcn in Sicilicn erregte. S. e. I. S. 996. 0. Luders. (GcrwartS Herjogthum, S. Held. Bl. 4.) Ist eine Stadt in Oberelsaß, an den Burgundischen (Grenzen. Toch konnte Luders vielleicht auch so viel heißen, als Lothringen; I^llmrius, I^uliorus und Imtlierus sind dieselben Namen. 7. Friedrich ein Freund der Jagd. S. üolaiillinus lili. IV. c. 9. 8. von Friedrichs scharfsinnigen Reden, liieulialilns I^enra,'. a>>. klm-al. "I'. IX. >>. 131. <). von der Pflicht der Rayser, Wittwen und Wa)'sen zu beschützen. (S. Held. Bl. 3. n.) S. Barre III. S. 969. ebend. IV. p. 62. <üvne. xener. "IV II. 413. ^ct. au. lialu. anno 1228. «. 1. 1t). vom Panner-Amte. 8. ^lirevlit Disieil. «Iv Vcxillis Imnc-rii. Ottuit macht den EligaS zum Fcndrich. (Bl. 4.) 11. Von Terfis- Es ist ohne Zweifel l'arvilmm. S. von einem daselbst veranstalteten Turniere Ilolaum'u. lili. I. o. 13. (Vcrgl. Held. Bl. 141. k>.) Anmerkungen zum dritte» Theile des HclccubuchL. vom Rosengarten. 5aS Buch George Rosts (aus der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts): „Hcldcnbiich vom Rosengarten oder gründlicher lieber das Heldeubuch. Bericht von den neuen Propheten, Rosenkreuzern, Chiliasten und Enthusiasten," handelt also von etwas ganz ander»,. Erich VII, König von Dännemark, stellte im Jahre 1311 zu Rostock ein Turnier an. Weil die Nostocker die fremden Herren nicht aufnehmen wollten, lagerte man sich an einem benachbarten Orte, genannt der Rosengarten, u. s. w. S. Barre IV. p. 473. Xrao- Vandalia I.. VII. e. 89 ley. Ilerw. Loineri Lllron. col. 976. au. Lccard. I'. II. Vom Nix- Cliron. t^raoeitei ?in!ni lil». II. o. 48. apud klurat. I'. IX. p. 669. (de Nienlao pitee.) Die Stelle lautet so: i>sieolans ?iseis uoe eliam tempore in liegno 8ieiliae ett oatus. Ilio eniin, dum puer eilet, deleclalia- tur elle in ariui8 asüduu8; eujus mater ol> Iwe iiidignala, male- dietionem illi inivrecala e5t, ut 1'eilicet lemncr deleetaretur ello in aciuis, ut extra eag von vollot vivere; yuod 6>^uidem conligit, »am semper ex tune in o^nis rnaris vixit, ut pil'ois. I)iu exlra a^ua8 el?o non poterat; naulis apvarevat, et eurn e!8 in oaviliu8 aliczuamdiu erst, maris aellus illis praedieen8, et leerela czuae vi- derat in prokundo. ^oguillain moxiinum pil'eiuui eile dixit, et iutvr 8ieillam et (!alal>riam velagum nioluadilliinum else. Iinpe- rator li'l'illerleus euw eo leimonem tianuit, et nrojoelo in tu»d» viiso arxenteo, inklitit illi, ut del'eenderet in nrolundum, ov vas illud ail'erret. Ille vcro alt. 6 lleleendero in »rolunduin, non reverlor: ex>)erili lame» ^iinwillt, et cum deloendill'et, ullra n«n eomparuit liominuni visui. üeniinisvor, c^iivd anne8 XXII. Im Kriege wider den Eccclin führte der Prediger-Mönch Iohan- »es die Bologneser an. S. Muiat. 'I'. IX. u. 29. beym Jahre 12i?6. Lcibnitz. -N Vom Rönig Tyrol von Schotten. Dessen i^araeoelis !u I. ?ar. Vet. «oldast. p. 273. Man kennt diese» König nicht. In des »Isltliaei Spinell! Lpliemer. IXespol. (an. !>lurak. VIl. I». 1088) finde ich eines Dueis Leoliae gedacht; aber ich weiß nichts Bestimmtes über ihn. Leibnitz.*) Chronologische Umstände seines Lebens. ^r hat sein Leben selbst beschreiben wolle», wie ans seinem Briefe a» Pcliffou sur la 'koler-mee zu ersehen. Geboren 1646. Zu Leipzig profitirtc er das Meiste von Jacob Thomasto, und in Jena von Erhard Wcigcln. 1664 wurde er Magister pliilosopluae zu Leipzig, nachdem er vorher «lo priueipio !u6!vi(lui disputirt. 4666 dispulirte er zu Leipzig pro laculialv ele eomvlexiouivus, nachdem er vorher über lzuaestiooes ex jure eolleelns und cle eou- tlitioriiliu8 disputirt hatte. 4666 erschien auch seine srs eowdillatoria. Dieser war beigefügt: tleiuun«liat!o existenliae I)ei matl>emat!earll eortitucliuew exucia. 4666 ward er iu Altorf Doetor .luris, nachdem er in Leipzig RcpulS bekommen, und dispulirte »le casivus peiplexis iu jure. 1666 ging er von da nach Nürnberg, und schaffte sich auf die bekannte Art Zutritt bei der alchymistischen Gesellschaft, wie Bruckcr sagt. Der Prediger daselbst, Iustus Jacob Lcibuitz, der klemoravilia jZ'ckliolliecav IVoriinuergengis geschrieben, und dessen Freundschaft sich Lcibnitz erwarb, war kein verwandter von ihm, sondern mir ein bloßer Namensvetter. Zu Nürnberg lernte er auch Boiucburgcn kcnucu, welcher ihm vessmmg machte, iu die Dienste des Lhurfürstc» von Mainz zu kommen, weswegen er steh nach Frankfurt begab, um da in der Ruhe zu sey». 4668 gab er heraus novam mellwlluin «lueeuclue lliscciitme^ue juli?uru«lenl!av oum enlalogo «lesiileruloi uin in jnr!?s>ru(le»Iig, und bald darauf: t^orporis jur!» reeoiieumuiili! rsüoiiei». IIui eben diese Zeit wollte er auch ^Isteclü Lueyclnuueu'illm verbessern und vcrmch. °) Lcssiugs Leben il, S. 172. 41 Leibnitz. ren, bei welcher Arbeit ihm Hasenthaler helfen sollte. Auf dieses Projekt kam er auch noch in seinem Alter wieder zurück. 1669 schrieb er für den Prinzen von Pfalz- Reuburg das 8nvei- rnen demonstrationum noliliearnrn nro eligemlo rege polonorum, nachdem Johannes Casimirus abgedankt hatte. In eben dem Jahre gab er den ^i?ol!urn 60 veris nrine!»i!s et vei'i» ratione nliilosopiiancii contra I^seullovlülosoiilws heraus. 167» ward er Hofrath des Churfürsten von Mainz. 1671 kam er zuerst in die Bekanntschaft des Herzogs von Brannschweig-Lüncburg, Johann Friedrichs, Kalcnbergischcr Linie, und schrieb die 6e5ensionem logioam 8. 8. I'rinitalis, desgleichen Il^polliesin nliz^icam novarn seu lüeoriam motu8 concreli. Das letztere hat Christian Rnorr, der Verfasser der saliul-zc- nach Holland, wo cr mit dem Bürgermeister Hudden Bekanntschaft machte. 1677 kam cr nach Hannover. Die Bibliothek daselbst ward durch den Ankauf der Bibliothek des Hamburgischcn Medici und Professors, Martini Fogelii, auf seinen Rath vermehrt. In diese Zeit fallen auch die Bemühungen, das Wasser aus den Bergwerken auf dem Harz zu bringen. Desgleichen schrieb er um diese Zeit, als die Französischen Gesandten auf dem Nimwcgischen Frieden keinen Gesandten der deutschen Fürsten, außer der Churfürsten, zulassen wollte», unter dem Namen iüaelarim ?urttenolii cle jure luprewalus so legsticmis prmeipuiu Kermalliae, wozu cr sich aber doch niemals bekennen wollen, um sich an den Königl. und Churfürstlichen Höfen, an welchen er gelitten war, nicht in Mißgunst zu setzen. 1677 überschrieb er an Newton zuerst etwas von seinem Lslculo rMeronliali, nachdem ihm dieser vorher seinen calcnlurn tluxloouiii nur in einem Räthsel Übermacht hatte. 467!) starb sein Herzog Johann Friedrich, auf dessen Tod cr das schöne lateinische Gedicht machte. Ernst August aber, dessen Bruder, der ihm in der Regierung folgte, bestätigte ihn mit einer Pension von KW Rthlr. als .Hofrath; obschon Leibnitz selbst kaiscrl. Dienste suchte und an Lambccii Stelle Bibliothekar werden wollte. 1681 nud 82 correspondirte Leibnitz mit Schelhammern über die Entstehung und Fortpflanzung des Schalls. 1683 machte Leibnitz in den ^ctig crucu'lorum seine Gedanken von der Jntcrusur-Rechuung bekannt, 1684 sein Loeeimea llv (limoulloniliug liAurai'urn invemenilis, und gericth darüber mit Tschirnhaus und Craig in Streit; publicirtc abcr in diesem Jahre den melucxZum irmZenIiura und den 6e ma- x!m!s A mimmis. In eben diesem Jahre unternahm cr seine gelehrte Reise zur Erläuterung der Braunschweigischcn Geschichte. Er reiscte besonders Deutschland durch, und ging von da nach Italien. Nach dieser Reise, bet der ihn aber Eccard beschuldigt, daß er -r«ykh)ia, nehmlich seine Mathematik und Philosophie, dem vorgezogen, fallen seine theologischen Streitigkeiten mit pelisson. 1686 schrieb Leibnitz über die Gesetze der Bewegung, und bekam darüber mit Catelan und Paptn Streit. 1690 fand Leibnitz die Auflösung der Ketten- und Stricklinic. 1691 machte ihn Anton Ulrich, Herzog zn Braunschwcig-Wolfcn- büttel, auch zu seinem Hofralh und Bibliothekar in Wolfcnbüttcl. Leibnitz. 1692 ward sein Herr Ernst August Churfürst; welches Geschäft plaren trieb, dem Lcibnitz in Bcischaffmig aller Rechte und Vorzüge des Hauses aus der Geschichte sehr behülflich war. Um diese Zeit schrieb er auch seine ?roto-z!>es. 1693 erschien sein iüonex juris gcnlium divlowatieus, der größ- tenthcils aus Wolfcnbüttelischen Handschriften genommen war. 1694 beschäftigte er sich wieder mit methaphystschen Speculalioncn, und schrieb seine Abhandlungen 6o votiooe tutislanliae und tle iul'a uatura live vi inüla in den ^etis eruiZilorum. 1693 erschien in den^ctis eru^ilorum sein 8pec!meii «l^namicum. In eben diesem Jahre machte er in dem Journal lies 8avans sein System von der Iiaimom's uraestaliilila bekannt. 1696 ward er Geheimer Justizrath und Historiograph des Churfürsten von Hannover. 1697 machte er seine Tyadik bekannt, die er als ein Bild ei'ea- tionis ex niliilo atczue u»o. iä clt ci-eatore, wollte betrachtet wissen. Auch kamen in diesem Jahre seine novislima 8mica heraus. 1698 kamen seine woiiumentoruiu lustorieorum nonlZum Iiaele- nus e6itorum ?omi II. heraus. 1700 brachte er die Akademie der Wissenschaften in Berlin j» Stande. 1703 war er einige Monathe in Berlin krank. 1704 wollte er auch zu Dresden eine ahnliche Akademie aiijulcgcn versuchen. Aber das ging nicht, und er gab sich mit den Jrcnicis ab, die damals in Berlin betrieben wurden. 1706 starb die Königin Sophie Charlotte. 1707 erschien der erste ?omu» seiner oolleclionum Iiilloricarum anli^uil. IZninswieiollles illullranliui»; die übrigen 2 lomi folgten 1710 und 1711. In eben diesem Jahre brachte er auch seine llieociicvo zn Stande. 1708 beschäftigten ihn zum Theil die Werke des Cudworth und Puffeudorff. 1710 erschien der erste Band von den stlisecllsnois Lorolinenli- du8, desgleichen die l'iiooclici'-e zum erstenmale im Druck. In eben diesem Jahre schaffte er die Gudcischcn Reste nach Wol- fenbüttel. 1711 sprach er Peter den Großen zu Torgau, der ihn auch mit einer Pension von 1000 Rthlr. zu seinem Justizrathc ernannte. Zu Ende dieses Jahres machte ihn der Kaiser Karl Vll. zum Reichshofrath und Baron. .^.'..-Mz»<< t^H, ^ Leibmtz. 47 1713 reisete cr nach Wien, nnd ward in der Unterhandlung des lltrcchter Friedens gebraucht. Der Kaiser gab ihm 2000 Fl. und freie Tafel, mit dem Versprechen die Pension zu verdoppeln, wenn er in Wien bleiben wollte. In Wien gab er sich auch viel Mühe, eine Akademie der Wissenschaften anzulegen. Er verließ es aber noch in diesem Jahre, weil die Pest da ausbrach und ihn sein Hof zurück forderte. Der Churfürst von Hannover war König in England geworden, und Leibnitz schrieb seinen ^llti-^geoliile, den er aber nie für seine Arbeit erkennen wollte. Um diese Feit, weil sein Hof mit ihm nicht vergnügt war, daß cr so oft an fremden Höfen sich aufhalte und das Geschäft der Braun- schwcigischen Geschichte vernachlässige, wollte er nach Frankreich gehen, und Eccard ward Braunschweigischer Historiograph, um das von ihm angefangene Werk fortzusetzen. 1716 erschien sein Aufsatz ecieu«e ^eneia/e liu'il g voulu Zöllner, on tonlos los verlies llo railon le loient relluiles :, uno sa^on lle caleul. <üe pouiroil elre en ineme icms uue moniere 6e langue oii ä'eeri- tuio univvrl'ollo, ^tom. V. ,i. 7. I^es elulles a I'.igo cle 16 ans p. 8. Er bekennt, daß er in die Tiefe der Mathematik nicht eher eingedrungen, als bis er Huygcns zu Paris kennen lernen. Ebend. Formalisten nnd Materialisten. Diese letzter» wollen alles in der Ratnr mechanisch erklären. Jene, die Formalisten, wohin die Pla- tonikcr und Aristoteliker gehören, nehmen die eaulas limiles mit zu Hülfe. Doch habe» einige von diesen die wirkenden Ursachen «anlas ellreientes et msleiiales zn sehr vernachlässiget, wie Ilenr. klorus in England, welche glaubten liu'il v a cles pllvnomeues lzui oo pvu- veot elro i>opli«zues meeaniczuewent v. 11. Huygcns verachtete die Infinitesimalrechnung des Leibnitz, bis er aus Beispielen sah, von welchem erstaunlichen Nutzen sie sey; und da legte er sich kurz vor seinem Tode noch darauf. Leibnitz sagt von ihm: lui a im wo- 4» Lcibnitz. rilv tout iait eminent «loonvit «znnll «Iroits !6. Lcibnitz hatte die hinterlassenen Werke des Pascal sur les eoni- yiies in Ordnung gebracht. Ob sie hernach herausgekommen? p. 12. Das Lcibnitzische System dürfte wohl am leichtesten und besten aus der Abhandlung zu erlernen seyn, die er für den Prinzen Eugen schrieb, II. ?sr81. p. 2l).) weil diese so abgefaßt ist, daß sie auch von denen verstanden werden kann, die weder in der Sprache der Schul Philosophie noch der Cartcstanischcn Philosophie geübt sind. Denn nach der ersten bequemte er sich in den Aufsätzen, die in den ^clis erucli- toruw eingerückt wurden, und nach letzterer in denen, welche in das Journal ilveili88et, neee58srigs non nnsse comnroliuii, nisi ex nrinciiiii» menli in8ili»; cum «en- euz «iniilem «locesnt, cjuiil li»t, 8e«I »on c^ui«! necoksario siut. Iilem non 8!>Iis gvimallveilit, i6ea» entis, 8uli8>i>nlige unins et ej«i8«Iom, veri, boni, alissciue mullas menli noslrso i6eo inn.ilas v85v, czuia insa innala est silii, et in so in8ü naee omvia ^eine- Iievilit. IXemnv niliil 08t in iiilellectu «siio«! von suerit in «ei»8u, ni?i iv8e inlellcelu8. klulla olia in I>>ocltiiim goiin.i«l?erli na85e»t, cum eliam immateiialem animuo naluram ^er cuniculos 8ul»»!>I. Inelinsvit sä 8oeimsnos, («luemailmollum et amieus eins tüleii- eu8) «inorum oavoerlina semner suit «Iv Dec» et menle vnilosoplii.i. ^iouveaux l?S8si8 sur t enleiniement I^umaln nsr I^eilinilz.^) I^a iüonilesüo l)onnsv^'a^, plalonicienne, v. 27- les avanli- g«8 «In 8z?8iewe uv I^eibnil». Iliitl. s^e 8^slem«z pai-oit allier l^Ialon sveo Demoerile, Lrislole avee I)e8c!>rle8. leg 8el>ol!>8lil^ues sveo les kloilornes, la tlieolo- ßio et la modale ovee la raison. II 8omblo «ru'il nren«! le meil- Icur - slances kiuo ce s^sleme inlioiluit et 6sn8 leiir Iiai'monie vreelslilie ^>»l' 1,1 8ul>5tgoce mimilive. ^'z^ trouvv vne 8imulieite et unv uni- karmile 8ui'l)sen!>nle8 en 8nrle lzu'nn peut llire <^uo e'est par tout et toiijouis la meine elwso sux «legres ils ne^feclion vrv«. vois waiiilensot ce <^ue plalon enlcniloit, lzu.ii«! il »renoit la matierv nour un etre imparsait et I>!>n8iloire; ee rles, et onmmont ilg vnt pouitant lies ames et lln senlimeot selon I'oninion «In (") Oeuvre» iiliilosopluilues Ii»i»o« ot sr-tn^oise« oil»,ili! lirüe» ä» ses Mlls, q»i so cv»sl!>vv»! ilims I» vi>>Ii«l>>v«luv rovsl«! » U»» n«vr» ei iiukliees p!ir lUr. Null. I5rie Ililspe «ivec uns nrefiice «Is I»lr. liilslner, » ^Vmsler«!. el l.eip^ij; l7k^. 4. LeslingS Werk- xi, 4 5,0 Leibnitz. gvnre Iiumain; comment il saut explir^uer raisonnalilemcnt ceux s^ui ont louies elwses commo <üarclan, lüonciuanolla et mieux czu'eux seuo klallame la Comtesse do Ir. li'ran^ois »leicuie van llelrnont (rzuoiczue u'ailleurs Iieiisse ile paradoxes inmlellißililes) aveo son ami leu Air. Ileor^ klorus; com- ment les loix llv li- oalure ^llont une lionoe parlie etoit ignoree avant ce svsleme) lirent leur oiiAine des Principes superieurs a la matiere, cruoiczue pourlant tout se fasse mecanilzuenlenl «Zaus la watiöre, en «^»oi les aulres spiiilualisles. «zue je viens ele oommer, avoient manczuc avee ... et niemes les tüariesieus, en erovant <^ue les «ulislances immalerielles clianAeoieut si »011 la suice au wo!»« la ilircelion ou «lelerminalion lies mouvemens tles eorps, au lieu t^uv I'ame et Iv corps garilent parsailement leur« loix, cl>acun les siennes seloo le nouveau s^sleme et cme nean- moins I'un vlieit ä l'aulre aulant » rruSilarum anni jk93. I>. 40-4Z. Oper» I.vUinUüii l>er vuleus 'I»w. VI. i>. 2l.?. Neue Versuche vom menschlichen Verstände.") Aa dcr Versuch vom menschlichen Verstände, den wir einem berühmten Engländer zu danken haben, eins dcr schönsten und schätzbarsten Werke dieser Zeit ist, so habe ich mich entschlossen, Anmerkungen darüber zu machen/ indem ich über eben denselben Gegenstand und über die meisten darin berührten Dinge seit langer Zeit sehr viel nachgedacht habe, lind glaube, daß dicscS eine gute Gelegenheit seyn könnte, ctwaS davon, unter dem Titel: Neue Versuche vom menschlichen verstände, bekannt zu machen, und meinen Gedanken in so guter Gesellschaft eine desto geneigtere Aufnahme zu verschaffen. Auch habe ich geglaubt, daß ich mich der Arbeit eines Andern gar wohl bedienen könne, nicht allein um mir die Mühe zu erleichtern, sondern auch um demjenigen, was er uns gegeben bat, etwas beizufügen, welches weit leichter ist, als von frischem anzufangen und auf eigene Kosten alles umzuarbeiten. Wahr ist es, ich bin nicht selten einer andern Meinung, als er. Aber weit gefehlt, daß ich seinen Verdiensten darum das Geringste entziehen sollte- ich setze sie vielmehr dadurch in ihr völliges Licht. — Ueber die Elpistiker. **) »rn.iri re-j nellui«, conto»!» «loceci. _ »on^'v. Abriß der Abhandlung von den Elpistikern. lularch ist der einzige Wchrinann dieser Anekdote, die man sich lange Zeit bloß zu wissen bcgniigt, bis endlich ihre Muthmaßungen darüber geäusscrt a) Hcuinanu, li) Brucker, c) Jochcr. Einiger gc ringcni Lichtcr nicht zu gedenken. P °) Z» Lcssings Lcbc» 11, S. 75 sagt Karl G. Lcssing „Locke, vom »iciischlichc» Vrrsiandc, war nicht wcnigcr Lcssiugs Studium, und cr wolltc sogar rinc Schrift uutcr dcm Titcl: Neue Versuche vom menschlichen Verstände, l'crausgcbcn, wie man aus dcm Anfang ciues Vorbcrichts erficht, dcr so lautct." °°) Lcssings Lcbc» II, S, tIN. 4* 52 Ucbcr die ölpistikcr. I. Anlithcsis. 1. Wider Heumann, daß die Clpistikcr keine Christen gewesen. a) Bruckers Gründe, aus dem Namen der Philosophen, der ihnen vom Plutarch beigelegt wird. Unzulänglichkeit dieses GrundeS. i) Meine Gedanken. a) Die Hoffnung des zukünftigen Lebens war kein unterscheidendes Kennzeichen deS Christenthums. 1. Ohne diese Hoffnung kann keine Religion gedacht werden. Warburton würde hinzusetzen, ohne diese Hoffnung kann nicht einmal ein Staat menschlicher Einrichtung bestehen. 2. Außer daß diese Hoffnung in der gemeinen Religion der Hei' den nickt fehlen konnte, war sie das Hauptwerk ihrer geheimen. Alle ihre Mysterien liefen anf sie hinaus. (S. Diog. I^i''it. lit,. VI. p. m. 319. Die Antwort des AntistheneS, eins, in vila Diogenis, s>. m. 334.) , 3. Hätte sie aber auch schon der heidnischen Religion gemangelt, so war sie doch in den Schulen der Philosophen viel zu bekannt lind angenommen, als daß sie den Heiden an den Christen ctwas Unerhörtes oder Lächerliches hätte seyn können. b) Will man aber nnter dieser Hoffnung gar ungezwcifclte Gewißheit versteh,?, in der nur ein Christ von seiner künftige» Seligkeit seyn kann: so sage ich, daß diese unter die geheimen Lehren des Christenthums gehörte, und aus diesem Grunde der Anlaß zu einer allgemeinen Benennung der Christen unmöglich seyn konnte. 2. Wider Bruckern, daß die Elpisiiker nicht die Stoiker seyn können. Denn 1) die Stoiker waren nicht die einzigen Philosophen, welche die Hoffnung eines künftigen Lebens annahmen. Dieses bekennt Vrucker selbst; aber er sagt, sie wären diejenigen, welche das meiste Gerede davon machten. 2) Doch auch das waren sie nicht, und bloße Stellen aus dem Seneca können dieses nicht beweisen. Die übrigen Stoiker alle reden weit seltner davon und Epiktet zum Exempel fast gar nicht. S. I>i-,sii pliz^iol. Sloicorum, lili. III. r>. 17<1. Auch Alltoni- »us reder niemals anders als zweifelhaft davon. Siehe lil,. IV. p. wo Gatakcr auch den Wankelmut!) des Seneca hierin zeigt, und sehr richtig anmerkt, daß alle die Stellen, wo Seneca positiv davon redet, nicht aus seiner Ueberzeugung, sondern ans lieber die Elpistiker. ',3 den veranlassende» Umstanden zu beurtheilen. <üonk. äntoo. lili. XII. p. 3Z0. 3) vs hätte aus ihrem Systeme selbst bewiesen werden können, nach welchem aber die Hoffnung jenes Lebens einen sehr zweideutigen Anblick erhält. Denn sie glaubten, daß die Seele von langer Dauer, unsterblich aber darum nicht sey. S. I^ins. I. o. Sie werde mit der Welt untergehn, und ob sie schon nach dieser allgemeinen Verbrennung wieder hergestellt werden würde, so würde es dennoch geschehen, ohne sich ihres vorigen Zustandes zu erinnern. Veniet ilerum ist. 36. Welche llnsierblichkeil! -j) Und wenn auch diese Hoffnung, nach dem stoischen System, so zweideutig nicht wäre, so würde sie doch schon als Hoffnung mit der Apathie der Stoiker streiten. 5) Ja ihr nachzuhangen, würde auch aus dem Grunde keinem stoischen Weisen geziemet haben, da sie doch immer noch keine apodiktische Wahrheit ist, sondern nur eine Wahrscheinlichkeit, eine Vermuthung, von welcher der stoische Weise seinen Beifall zurückhalten uuißtt. S. I^ipsii I>Iiinu6uot. p. 161. lind aus diesem Gesichtspunkte muß die Ungewißheit betrachtet weide», mit welcher sich Scneca darüber ausdrückt. Er glaubte weder das eine, noch das andere, weil keines Gewißheit, beides nur Vermuthung war. Aber er hält sich auf beides gefaßt. öS sey, daß die Seele untergeht, cS sey, daß sie fortdauert: und wo er sich für das erste mehr, als für das andere erklärt, als Lpitt. « 64., da ist er so wenig mit sich in Widerspruch, wie Bruckcr glaubt, oder spricht seine wahren Gesinnungen vor Angst über den annähenden Tod, wie Gataker mcynt, (>>. 108.) aufrichtiger; daß er alsdann nur klcinmülhigcr würde gesprochen haben, wen» er i» dem Tone jener Trostschriftcn geblieben wäre, und daß er eben hier der Stoiker in seiner Größe ist, wen» er zeigt, daß er auch auf das ANcrschlimmstc, auf den gänzliche» Untergang, gefaßt sey. Dieses mußten die (5pikurecr wissen, und konnten daher den Stoikern aus diesem anscheinenden Widersprüche keinen Vorwurf machen. Wie konnten sie, wie durften sie hicrnachst den Skeptikern etwas Lächerliches anheften, welches auf die herrschende Religion zurückgefallen wäre? 3. Wider Hcumaii» und Brnckcm zugleich. Leide nehmen ohne Grund an, daß die Hoffnung des künftigen Ueber die iZlpistiker. Lebens darunter zu verstehen sey. Es erhellt aber aus dem Zusammenhange und aus dem -r^v-xnxuinov ro-v Ao-v allzndeutlich, daß bloß die Hoffnung dieses Lebens gemeint sey. Denn jene ist vielmehr eine Zerstörern: dieses Lebens, welches gezeigt wird a) an den ersten Christen, deren Verachtung des TodeS aus jener Hoffnung vornehmlich entsprang. Sie ließ nicht allein die wahren Bekeuner, wenn der Heide ihre Gewissensfreiheit kränken und sie zur Verleugnung der erkannten Wahrheit zwingen wollte, alle Martern dulden und verachten, sondern sie war es auch, welche so viel falsche Märtyrer machte, die für nichts besser als für Selbstmörder zu halten find, lind die Heiden selbst schrieben diese Bereitwilligkeit zu dem schmerzlichsten Tode nicht bloß dem Chrgeitze zu, so wie AsklcpiadcS bei dem Prudentins io lio- insoo t. Il^mno -r-tzt <^cz>. XIV. populäre ^ui66-im sub eo- lore gloriae illileiala creilillit si'eczuonli.i, >it se per oevum cousoeranljos outuliient, welches auch die Meinung des JuliauuS war (v. (ZreA. IXarian^oni iaveck. I. in ^ul. apuc! k^orllwltum, p. t7Z), auch nicht bloß einer ansteckenden und zur Eewohw hcit gewordenen Raserei, wie ArriannS all I5n!el. lili. IV. cap. 7. nicht einer bloßen Halsstarrigkeit, wie IlntoninuS (°), sondern vornehmlich der Hoffnung eines ewigen und bessern Lebens, V. I^ucianu8 in ?eiegiinc>, lom. III. p. 337. Luseli. lili. V. c»o. I. wo das Nehmliche von der Hoffnung, besonders der Auferstehung der Körper, gesagt wird, i) Zln den Philosophen. I) Jas Crempcl des Cleombrolus beim CallimachuS, 2) das Erenipel des HcgesiaS und die Stellen im (°) t^ib. XI. 8- 3. i>. m. »19. Wenn ander« nay«?-»^? daselbst, woran ich aber zweifle, Halsstarrigkeit bedeutet. Denn es kann gar wohl seine gewöhnliche Bedeutung behalten und durch viise insNttiium erklärt werden, so daß es so viel als das «u-io -50^,5 beim Arrian bedeutet. Denn wirklich war cS auch der Vorwurf der Heiden, daß sich die Christen durch ihre strenge Lebensart zu dieser Verachtung des Todes angewöhnten, i'vriuii. ils speelilculis e. t. sunl qui oxislimi!»!, l!Iir!s>i!t»»» expvUilum morli gviiuti ssnc oliülinalionLin »bMeilNone voluplstum <:ru«Iiri i-Iv. A»I beste» würbe durch ilisviplin» zu übersetzen scvn, welches Tcrtullian selbst in dem Folgenden braucht. Oder es sind überhaupt ibrc kirchlichen öl--»«?«-, oder darunter zu verstehen, vermöge welcher die Verleugnung des Namens Christi und die Weigerung, seinetwegen sich allen Verfolgungen nnd dem Tode selbst auszusetzen, für das gräßlichste, abscheulichste, unvcrzeih. lichsic Verbrechen erkläret wird. S. Oonst. Mi. V. 0. 4. Ueber die Elpisiikcr. 8omn!o 8e!p!ollis und Senoe. IZpisk. 102. Und wie natürlich diese Art zu denken sey, erkennet man ans der oben angcführ- teil Antwort des Antisthenes. 5) An ganzen Völkern, worunter die alten Teutschen vornehmlich gehören. Siehe die Stelle des Appiauus in I^>sii pü^siol. «loio. p. 173. 4. Wider Jöchern: daß die Clpistikcr nicht die Cyniker seyn können. Die einzige Sentenz des Diogenes beweiset nichts. Was er darin von der Hoffnung sagt, kann jeder Wcltweise sagen. Wäre sie aber eine besondere Stütze der cyuischcn praktischen Weltweisheit gewesen, so hatte dieses aus ihrem System selbst gezeigt werden müssen. Nun aber kann gerade das Gegentheil daraus gezeigt werden. Beweis a) aus den Lehrsätzen der Stoiker, welche die Cyniker durchaus annahmen. Denn die Cyniker waren nur eine Art von Stoikern, li) Aus der ganzen Schilderung des Cynikers beim Arrianus, III. cap. Z. II. Uebcrgang zu meiner Erklärung. Ehe ich diese vortrage, wird es dienlich seyn 1) Derjenigen zu gedenken, die sich für eine der angeführten Meinungen erklären, und besonders für die Jöcherischc. n) Leuschner. 1. Die von ihm gehäuften Stellen des N. T., wo der Hoffnung gedacht wird, beweisen nichts. Die damalige Fortpflanzung der christlichen Religion war ganz anders, als die ersten Predigten derselben. Wie wir schon oben gesehn. 2. Er hatte die Heumannische Meinung auf die bloße Anferste- hung der Leiber einschließen sollen. Aber auch das hat er unterlassen, und überhaupt nichts hinzugefügt, wodurch die Hcu- iiiannische Meinung wahrscheinlicher würde. IW. WaS er von der Wahrscheinlichkeit sagt, daß eS zu vermuthen, Paulus werde sich näher um die Christen bekümmert haben, ist schimärisch. Bei dieser Gelegenheit 1) von dem Vorgeben des Theodor Victor, welcher den Plu- tarch mit einem viel spätern dieses Namens, den OrigcncS zum Christenthum bekehrte, vermengt. Oonk. 2) Die gute Meinung des Franz. BalduiunS (Comment, all L,I!eta j>rine!^>uin lioiiiau. clo tüunsto), welcher schreibt: k-oiiz^it eo lem^orv plnlarcllus lilnum -c-tz-, ö-^iüolt^o^«^-. 5«! Ueber die Elpistikcr. imjiiolalem et super«! iliouem reelo uolat. 8e6 lelißioucm c^usm iu meckio collvest, von vi«Iel. I'orlasse all (^luisliu uos aeeessisset, se fiS, 1 B. S. 179-223. 4) Von den Wissenschaften und den Gesinnungen gegen das Christenthum überhaupt zu urtheilen. a) Ein Man», der so unrichtige Begriffe von der >üdi> scheu Religion hat, konnte unmöglich richtige von der christ- lichen haben, die sich auf jene gründet, v. ti^miios. !ili. IV. yuaest. 6. Es ist indeß doch merkwürdig, daß dieses Buch just da verstümmelt ist, wo man das Beste von dem Volte der Juden zu erfahren vermuthen mußte; denn die Kle Frage sollte handeln: c>u!s avuc! ^»ilaeos lleu8? Weil man Tinge darin gefunden, welche den ersten Christe» nicht anstanden. b) Ei» Mann, der sich wider alle barbarische Gottesdienste und Gebräuche, das ist, wider alle ausländische erklärt; der in der Religion auf nichts mehr dringt, als ro s-nov -r-ntziov -»-^,1« 71,5 kVo-.'/Zia? beizubehalten, (Siehe sei» Buch -r^l ö-icr^öa^ci^a?. LlUl. Ileur. 8>e-,I>. »gg. 288 ): ist eS wahrscheinlich, daß der von der christliche» aiidcrs sollte gedacht, und nur die christliche heimlich seiner heidnischen sollte vorgezogen habe»? c) Ein Mann, der alles für Aberglauben hält, was uns die Gottheit als eine» Richter, als einen Rächer, als etwas anders, als das allcrmcnschenfrcundlichste Wesen betrachte» läßt (I. c), mußte der auch nicht die christliche Religion zu dem Aberglaube» zähle», sie, die ciue» Gott predigt, der seine» eignen Sohn hinrichten lasse», um seiner Gerechtigkeit genug zu thun? Man versuche es, ob die christliche Religion in die Mitte der Plutarchischcn Ohngöttcrci und Dcisidai- monie paßt; und ich will cS sodann glauben, daß er von der christlichen ein hcimlichcr Anhänger gewesen. 6) Ve» dem Zeugnisse des Julians in klisozwx. p-ig. 68. der Französischen llcbcrsetzuiig. i) Stiebriy. Ueber die Elpistikcr. 57 2) ?» zeigen, welche Wendung man der Heumaunischcn Meinung, noch außer ihrer bloßen Einschränkung auf die Auferstehung der Leiber, geben könne, um sie soulon-zlile zu mache». 1. Auf das Rorurthcil der alten Christen, daß Christus nochmals im Fleische erscheine» werde. Lunk. Ori^oues d. lle. p. ZZl, I^uciauus in pliilo^alris. 2. Auf einige Ketzer, die ihren Anhängern ein wirkliches ewiges Leben auf dieser Welt versprachen, als den Mcnandcr und seinen AiilMig. kused. Ilisr. Leel. lid. III. e. 26. oder auf den CcrinthuS und dessen Lehre vom tausendjährigen Reiche. 3) Zu zeigen, auf welche Religion oder philosophische Sekte man sonst die Clpistikcr deuten könne. 1. Der Sticbritzische Einfall von den Jnden. ») Die von ihm angeführte Stelle des Augustiuus würde wenig sagen. 6) Aber die Beschaffenheit der jüdischen Religion selbst, die ihre Hoffnung ans kein künftiges Leben, sondern auf Glückseligkeit dieses Lebens gründet, ans die Ankunft eines irdischen Messias. <-) Und viele Stellen aus dem Philo würde» diese» Einfall ziemlich wahrscheinlich machen könne». k^ ?cizoog-^k^ heißt nicht bloß nennen, son- dern aus Höflichkeit nennen, eingeführter Weise nennen, fälschlich nennen. j) Siehe die Stelle in dem Kühnschcn Incliev zu dem Aclian unter ^tzoc?«z>o^kv>lo. 2) Eine Parallelstclle beim Origeues, lili. V. contra ('elüum, §. 61. p. m. ti24. obschon daselbst «i^otz-v» steht. Ueber die Elpistiker. >'/, 4. Waren es also Leute, welche sich den Namen der Philosophen nur anmaßten, so ist die Frage: was waren sie eigentlich? Beweis, daß die Wahrsager und Pseudvuianten sich den Namen der Philosophen angemaßt. s) Aus dem ausdrücklichen Zeugnisse des PhilostratuS vom Nero, b) AuS den damaligen Lerfolgunge» der Philosophen. Z. Zugegeben, daß sich die Pseudomanten Philosophen geneiinct; aber warum Elpistische Philosophen? Weil die Hoffnung und der allen Menschen natürliche Hang zu derselben der ganje Grund ist, auf welchem ihre Künste beruhen. erläuterungcn dieses Satzes aus dem Leben des Pseudomanten Alexanders, wie ihn Lucian selbst vortragt. 6. Aber vielleicht ist dieses ein bloßer vinfall des Luciaus. Man müßte zeigen, daß diese Pscudouianlcn wirklich selbst die Hoffnung außerordentlich erhoben, um dadurch ihren Künste» den Eingang in die Herzen offen zu halten. Tie merkwürdige Stelle aus dem Dio Chrysostomus. 7. Einwurf, welcher daher genommen, daß sich die Wahrsagern nicht auf die bloße Hoffnung, sonder» eben sowohl auf die Furcht stütze. Beantwortung desselben: bedeutet beides, und heißt überhaupt bloß die Erwartung des Zukünftige». Zu zeigen, in wie weit auch die Furcht o-vi'---^--^«^ r->^ /Zlov sey. 5. Endlich die Stelle des Aristoteles- die Wahrsagung hieß wirtlich bei den Griechen die Elpistik. Will man also »och zwcifcl», was Elpistiker waren? Die Abhandlung selbst. Plularch gedenket, im Lorbcigch», gewisser Philosophen, die man von dem griechische» Namen der Hoffnung Elpistir'eu gcnenitt habe; weil sie die Hoffnung für das festeste Band des menschlichen Lebens, lind dieses ohne jene für durchaus unerträglich erklärt hätte». Mehr sagt u»S Plutarch von ihnen nicht; und da die belesenste» Gelehrte», LipsiuS, Menage, Fabricius, ihrer auch sonst bei keinem andern Alten erwähnt fanden: so ging es mit dieser Anekdote der philosophischen Geschichte, wie mit allen Nachrichten, die sich bloß aus das Zeugniß ciucS Einzige» gründe». Man begnügt sich, sie zu wis- M^KMM^-'--^ 60 Ucbcr die Elpistikcr. sen, sie zu wiederholen, und wenn sie tausendmal wiederholt werden, so haben sie gleich noch eben so viel Licht, als ihnen ihr erster Währ- inann ertheilen können oder wolle». Endlich aber findet sich denn wohl ein Kopf, in dem sich solche vermeinte Inseln an irgend ein festes Land schließen. Er weiß nicht mehr als seine Vorgänger, aber er vermuthet mehr. Seine Vermuthung erzeugt eine andere; diese eine dritte; und ist die Sache nur einigermaßen wichtig genug, um Rachciferung zu erwecken, so sind in kurzem der Vermuthungen so viele, daß ihre Verschiedenheit und Menge einen treuherzigen Leser weil verlegener macht, als er nimmermehr bet dem gänzlichen Mangel derselben gewesen wäre. Leider werden auf diese Weise die Gegenstände der Gelehrsamkeit unendlich vermehrt. Jede Monade von Wahrheit wandert aus einem ungestalteten Korper von Meinungen in den andern, belebt den einen mehr, den andern weniger; den kürzer, den länger; und wer die ganze Geschichte aller dieser hinfälligen Erscheinungen nicht inue hat, nicht an den Fingern zu erzählen weiß, wird von der Sache selbst so viel als gar nichts zu wissen geachtet. Muthmaßungen und Wahrscheinlichkeiten erfüllen das Gehirn des Lit- tcrators; wo soll der Platz darin für die Wahrheit herkommen? Glücklich genug, wenn diese IluSschwcisungen des WitzcS und der Eitelkeit, die uns von dem geraden Pfade ablenken, ein bloßer Schneckenzug sind, der, nachdem er uns um alle Gegenden hcrnmge- führt, wieder in die Richtungslinic der Wahrheit hineinfällt, wenn aus allen den Muthmaßungen endlich eine Entdeckung entspringt. Alsdann hat doch wenigstens unsre wahre Wissenschaft Einen Schritt weiter gethan; die nach uns kommen, sehen den labyrinthischcn Ausweg, lassen ihn seitab liegen und gehen geradezu. Der erste, der seine Vermuthung über die Elpistikcr äußerte, war I). Hcumann, ein würdiger Veteran unter unsern jetzt lebenden Gc lehrten. Er glaubte, Plutarch könne wohl die Christen gemeint haben. Seine Gründe schienen einem Manne nicht erheblich genug, der von solchen Sachen zu urtheile» das erste Recht hatte. Bruckcr widerlegte ihn, und behauptete, daß die Stoiker darunter zu verstehen wären. Darauf trat ein Dritter (es war I). Jöcher) ins Mittel, widersprach beiden, und brachte die Cyniker in Vorschlag. Unter diese Hypothesen haben sich die Gelehrten getheilt. Ich weiß aber nicht, wie es gekommen, daß die Henmannischc noch immer die meisten Anhänger erhalten, ob sie schon gleich die sonderbarste ist. Doch vielleicht hat eben dieses Sonderbare sie empfohlen. Ueber die Elpistikcr. s.l Wer bloß bcitritt, kann die öffentliche Erthcilung seiner Stimme ersparen. Nur eine uns eigne Meinung berechtigt, daß wir auch gehört zu werden verlangen können; besonders da in Untersuchungen von dieser Art nicht immer der Gelehrteste den rechten Punkt trifft, sondern oft das gute Glück(°) die Entdeckung der Wahrheit einem aufhebt, der seinem Mitbewerber um diesen Preis an Belesenheit und Scharfsinn weit nachstehet. Dieses zu meiner Entschuldigung; indem ich es wagen will, Männern von nnflreitigen Verdiensten zu widersprechen, und mich vermesse, eine Kleinigkeit besser zu wissen, als sie, die mich so oft in wichtigern Dingen unterrichtet haben. Die Elpistikcr, will ich erweisen, waren weder Christen, noch Stoiker, noch Cyniker; man hat die Worte des Plutarchs nicht gehörig erwogen; man hat die zeitverwandten Schriftsteller zu wenig um Rath gefragt; man hätte sich erinnern sollen, was Elpisiik bei den Alten war; und was wäre natürlicher gewesen, als zu vermuthen, daß die Elpistikcr Leute seyn mußten, welche die Elpistik trieben. — Eins nach dem andern! Erstes Hauptstück. Wider I). Hcumann, daß die Elpistikcr keine Christen gewesen. Meine Gründe wider Hcumann sind von zweierlei Gattung. Einige kann ich nur gegen ihn allein, andere gegen ihn und Bruckcrn zugleich brauchen. Dieses Hauptstück ist den ersten bestimmt. Ich will zuvörderst die Meinung des DoctorS, so viel möglich, mit seinen eignen Worten vortragen(°°). Er schließt so: „Weil weder „Cicero noch Sencca, noch Diogenes Laertius, noch sonst ein Alter „außer dcm Plutarch, der Elpifliker gedenkt, so können sie schwerlich „eine philosophische Sekte gewesen seyn. Aber eine besondere Art „von Leuten muß es doch gegeben haben, die diesen Namen geführt, „und da die Christen, sagt er, von den damals slorirendcn Heiden „auch hierin unterschieden waren, daß, da die Heiden nach diesem Lc- „ben keine Hoffnung hatten, sie hingegen durch den Tod in das ewige „Leben einzugehen hofften, und durch diese Hoffnung, zum größten „Erstaunen ihrer Verfolger, alle Martern glücklich überwanden: so „muthmaßc ich, daß Plutarch niemand anders als sie unter den El- „pisiikcrn verstanden habe." (°) ü'ur'vx^, izv <7^,il!t«o^? kzil» riz; kv olv^tzuikm? öktior^o? «at l«? vt?(o «t?«ro^i. SV. mailem cuncl» mnrliUium msl.i lllssolvere, ullr» nellue curse neyue --»uilio locum estie. (°°°) Er sagt von den Druiden (>>>,. IV. v. -;. c, ): lu>i»imi-i iwc v»- Iimt persuiiUere, »011 inlerire iinims». (f) Poesie« Iiumimilateui et wiligati sumus: Imliaizue, ut appel- lanlur, ila i°e vera inmeipia vilao eogoovimus, neyus solum curn lüelilia viveuäi laliouern acoepimu8, secl etiam euin spe melioie moiiencli. Man sehe da, worauf diese Geheimnisse abzielen; auf nichts geriugcrS als auf ein fröhliches Lebe» und auf einen hoffnungsvollen Tod. Dieser bessern Hoffnung rühmten sich die Singeweihten auch »»gescheut und so zuversichtlich, daß sie die schwachen Seelen der Uneingeweihten mit Angst und Schrecken erfüllten. (°) Ssl, II. 148. (") ve i.eßiDus, IU>. II. o»l>. 14. Wie ich diese Stelle anführe, so wird sie in allen Ausgabe» gelesen, die ich zu Natbe zicbcn tonnen. Dessenungeachtet scheinen mir die Worte: iiuliaiiue m »iipeUilnuir, it» re vor» prineipiit vUi,e lioxnovimu» eine verborgene Wunde zu haben, und ich vermuthe, daß es eigentlicher geheißen: ini>i,i, ul nppeliiiiuur Usque ver-t ,„!». ci>,i» vi>se, c»k»ovi»i>is. Wcnigstctts ist diese Lesart dem Sinne gemäßer. Denn Cicero will nicht sowohl sage», daß die Geheimnisse der wirtliche Ansang des Lebens, sondern vielmehr, daß sie der Anfang des wahren Lebens gewesen, welches er dem wilden rohen Leben des ungesiileten Wcltaltcrs entgegensetzt. s,j Von der Art und Weise der Fortpflanzung Xklvm /Z^oru?', 01 S^gx^k^rkg ?k>/?z, >lo>,io<7' «öo^>' roi?ök /«.o^oi? kxki. k>^l, rot? ö a^olv'l. »ce?^' kxkt «oex«. O dreimal glückliche Sterbliche/ die dieser Geheimnisse r'un dig herabfahren! Denn sie allein werden dort leben, da die andern nichts als Elend erwartet. So hatte sich Sophokles d.ir über ausgedrückt, und Plutarch, der uns diese Stelle aufbehalten (°), merkt ausdrücklich an, daß viele tausend Menschen dadurch unruhig und schwermüthig gemacht werden. s-co^x«? a^ou-r^v /-.-^-««a? k/lZ^?rXi/xtv «K'v/tl«? 5koz /^-u^tzl^v ravra ) Cr h.ijt daher auch für nöthig, sie der Jugend nie ohne einen Gegensatz, der das Ucbertriebene derselben wildere, vorzulesen, und schlägt jene Antwort des Diogenes dazu vor. Wie? sagt der Cyniker (°°), als er eine ähnliche Anpreisung der Geheimnisse hörte, so sollte es der diebische patacion, weil er eingeweiht ist, dort besser treffe»/ als Epaminondas? Der Philosoph, so ein Spötter er sonst war, läßt die Hoffnung einer künftigen Glückseligkeit in ihrem Werthe, und behauptet nur, daß sie sich mehr auf ein tugendhaftes Leben, als auf den Antheil, den man an den Geheimnissen habe, gründen müsse. Von der Art und Weise der Fortpflanzung und Ausbreitung der christlichen Religion.*) Unter den Gründen für die Wahrheit der christlichen Religion ist derjenige keiner von den geringsten, der von der Art und Weise ihrer Fortpflanzung und Ausbreitung hergenommen wird. Hierinn soll sich die unmittelbare Hand Gottes zeigen. Ich leugne nichts; aber um mich davon zu überzeugen, darf ich doch wohl den natürlichen Lauf der Dinge etwas genauer betrachten, um zu sehen, wie weit es durch diesen allein mit einer Religion hätte (°) Zu dem Traktate: Vvie die Poeten mit der Jugend zu lesen. Er sagt nicht, aus welchem Stücke die Stelle genommen, ohne Zweifel aber hat sie sich im Triptolemus befunden, wo diesen Ceres, der die Eleusiiüschen Geheimnisse heilig waren, in ihren Erfindungen untcrrichlcle. >A«^ISV ^ tZV«^ll1 ^V<5«? jI«l; °) Theologischer Nachlaß S. t9l. und Ausbreitung der christlichen Religion. 65 gedeihen können, deren andcrweitS erwiesene Nichtigkeit ich so lange bey Seite setze. Man hat drey Stücke bey Einführung einer jeden Neuigkeit zu erwägen. 1) Wie vorthcilhaft die änssern Umstände, 2) wie kräftig die Mittel, 3) wie stark die Hindernisse sind. Dies sey auch hier mein Leitfaden. Anfangs will ich die aussern Umstände übersehen, unter welchen die christliche Religion eingeführt ward. Reinlich 2) die Umstände, in welchen sich die andern damals herrschenden Religionen, a) die jüdische, (1. Hauptstück.) I>) die heidnische, (2. Hauptstück.) 2) die Umstände, in welche» sich damals die gesunde menschliche Vernunft, oder die Philosophie, befanden. (3. Hauptstück.) Hierauf will ich die Mittel schätzen, deren sich die ersten Christen zur Ausbreitung ihrer neuen Lehre bedienten. Und zwar 2) in Ansehung ihrer Lehrart, (4- Hauptstück.) 2) iu Ansehung ihrer gesellschaftlichen Verbindung. (6. Hauptstück.) Endlich will ich die Hindernisse beurtheilen, die der neuen Religion entgegen gcsczl wurden, 1) von der Obrigkeit (t>. Hauptstück.) 2) von den Wcltweiscn (7. Hauptstück.) Und dieser Untersuchung, sage ich zu mir selbst, unterziehe dich als ein ehrlicher Mann. Sich überall mit deinen eigenen Augen. Verunstalte nichtS: beschönige nichts. Wie die Folgerungen fließen, so laß sie stießen. Hemme ihren Strom nicht; lenke ihn nicht. I. Hauptstück. Von der jüdischen Religion. Hier wollen wir t) die Umstände der Religion selbst, 2) die Umstände des Volks, welches sie bekannte, erwägen. l. Abschnitt. Die jüdische Religion hatte sich 1) weit von ihrer Lauterkeit, 2) von ihrer Einigkeit entsernt. (°) (°) Hierbei? nachzulesen l'i». ^svodi comineiiiarili-i reims s-eM? CloiM-mulUM lul> ^puswli». veroli», i» 4. IK99. v. ^Vcl. Urudil. !»»»> t70v. ,,. 39«. l-uut. les >u»Vl!»»x lUvmnn--» >I ^N>--n>- 'I'. l. » 201. !?«ssmgs Werke x> 5 i',s> Von der Art und Weise der Fortpflanzung 1. 2. Von den Trennungen und Sekten der jüdischen Religion. II. Abschnitt. Von den politischen Umständen des jüdischen Volks. II. Hauptstück. Von der heidnischen Religion. Und zwar 1) von der Religion des Pöbels, 2) der Kluger», ll. Die Religion des Pöbels hatte lauter Lokal-Götzen, welche die Römer in ihrem Werthe ließen oder gar adoptirten. 2. Die Religion der Klügern. III. Hauptstück. Von der Philosophie. 1) Von dem Untergänge der vornehmsten alten Sekten. 2) Von der Entstehung der neuern, 4) der Eclectischen, 2) der Pythagorisch-Platonischen. I. Die vornehmsten von den allen berühmten Sekten waren ohne Häupter. Siehe die Stelle des Scncca in den «luaeMooiuus nulii- ralilius. Und diejenigen, welche diese Sekten noch lehrten, lehrte» sie mit vielen Verfälschungen. Dieses kann nicht besser erläutert werden, als aus der Erzählung des Justinus von seinem klua'io plnlol'ouliieo. Was für einen Begriff macht er von den Stoikern! Bey den Pythagoräcrn schreckten ihn die mathematischen Vorübungen ab, die ihn eben so wohl von der Platonischen Schule hätten abhalten müssen, wenn die neuen Platouiker sich nicht auch in diesem Stücke vo» den Grundsätzen ihres Lehrers relaetiirt gehabt hätten. Alle philosophische Vorübungen überspringen, besonders die mathc matische, welche, ihre eignen Wahrheiten bey Seite gcsezt, schon dadurch unentbehrlich wird, daß sie unsern Geist an Ordnung und deutliche genaue Begriffe gewöhnt, und ihn lehrt, was Demonstration ist; diese überspringe», sage ich, und bey dem anfangen, was die Spekulation und Ausbreitung der christlichen Religion. l-,7 kühnes und wunderbares hat: heißt den geraden Weg zur Schwärmerei) nehmen. Ich muß bekennen, daß mir auch Iustinus diesen Vorwurf zu verdienen scheint. Seine Begierde, Gott zu kennen, war rühmlich. Aber wie sich Gott nur durch seine Werke den Menschen gcoffenbaret, so ist es nothwendig, auch diese Werke zu studieren, und auf der Leiter der Wahrheiten, die man aus diesen Werken abstrahirt, zu den großen Wahrheiten von dem Daseyn und den Eigenschaften Gottes hinaufzusteigen. II. 4. . IV. Hauptstück. Von der Lchrart der ersten Christen. Sie war nach aller möglichen didaktischen Klugheit eingerichtet. Denn 1. Sie begnügte sich größtcntheils nur mit Bestreitung der übrigen Religionen. 2. Sie zeigte von aussen nur den großen und schönen Lehrsatz der natürlichen Religion. Hier ist von der äoelriaa sroani zu handeln. Die meisten unsrer GottcSgclchrtcn halten mit Ziorthold (") dafür, daß diese doclrina areani nur die Gebräuche und Symbola der Sakramente, keineswegs aber die Lehrsätze betroffen, und erst gegen das Ende des zweyten Jahrhunderts aufgekommen sey. Ich kann dieser Meynung nicht seyn, doch bin ich eben so wenig mit der Art, mit welcher die Papisten, besonders Schelstrar, (") das Gegentheil zu erhärten suchen, am allerwenigsten aber mit den Folgerungen, die sie daraus ziehen, zufrieden. Indeß scheint cS, daß blos diese Folgerungen und die Furcht vor selbigen, unsere GottcSgelehrten auf jenes andere Extrcmum getrieben. (°1 Nillert. lle Mlciplina »rosni, Iiallila >VUleIiere»e 4683. Und kpillola »a -nuioum, rlua kelpoiisio üil LclieMrsli villsrl. ^pvIoAel. con- «invlur. «olliüe 4w 1687. viS. ^Vcl. Lrutlil. I. Suppl. p. 13. s°") Us lacio ^nlioelieno koncilio und Villen, spoloxelica >Io vilci- I'Uns «rciini vontra 'k>?»?!vlium, Itnmae in 4Io t68S. v. ^et. LruSil. »im» j68S. p. 3tl. 5 ° 68 Von der Art und Weise der Fortpflanzung Ich will mich in diese Streitigkeit nicht einlassen; sondern lediglich die Anmerkungen mittheilen, die ich bey meiner eignen Lektüre der crsicn Kirchenväter über diesen Punkt gemacht habe. 4) Vaß die lloclniia iucani weit früher aufgekommen, als erst gegen das Ende des zweyten Scculi, beweise ich -,) aus der Natur der Sache selbst, d) aus Zeugnissen, und zwar aus Spuren derselben 4) in den Vorwürfen der Heiden, und besonders 2) des Cclsus 3) beym 'PliniuS. 2) Tic tlneliiiia arcani war keine Nachahmung der hcidnisclicn Mysterien, sondern vielmehr eine sehr heilsame Klugheit, wenn die Heiden nicht die ncmliche» Waffen, mit welchen sie die Christen an- griffen, gegen sie umkehren sollten. Mußten sie nicht schon, nur in dem Artikel von der Gottheit Christi, die so oft verspottete Mytho>o> gie der Heiden zn ihrer Schntzwchr machen? Man sehe die Apolo gie des JustinuS. 3) Man muß ciucu Unterschied unter den Lehrsätzen machen, welche sie verbargen. Einige verbargen sie nur Heiden überhaupt, andere den Kalcchnmenen. Tic ausdrückliche Stelle des CyrilluS deshalb. Welches die Lehrsätze der erster»; welches die Lehrsätze der zwei" ten Galtung gewesen. 4) ?ic ilocti-m» ni-c-mi horte auf, so halb daS Christcntbum die herrschende Kirche ward; und sie die Svottcreyen der Heiden nicht mehr zn befürchten hatte. Gab es schon noch bis in das 7lc I>>>'> hundert noch Katcchumcuen, so waren sie doch von einer ganz andern Art. 3. Mit ihren eigentlichen Lehrsätzen hielten sie zurück, und reizten dadurch die Ncugicrdc. Der Ercmpcl sind in der alten und neuen Geschichte unzählige, wie viel Anhänger die bloße Nenbcgicrde verschaffen kann. Cyrillus selbst sagt es an einem Orte, daß bey vielen die Ncubc> gicrdc die erste Triebfeder gewesen, warum sie zu den Christen getreten. Muthmaßung über diejenigen, welche ihre Tanfc verschoben. Es waren Leute, die ihre Ncubcgicrdc ohne Zweifel gesättigt halten, und die den verlassenen Aberglauben nur mit einem andern zu vertauschen fürchteten. (!ons. I'oli. l^limneii tlo ^.'»lecliumenig iniliizimo I^cles. lilier. LoHiso in 12. v. /V«-,l, kiuilil. öuno 1688. l>. 334. und Ausbreitung der christlichen Religion. 6!) 4. lind wußten durch die Heiligkeit ihres Lebens ein großes Vorur- theil für die Lauterkeit ihrer Lehrsätze z» erwecken. 6. lind endlich wußten sie, wenn sie diese geheimen Lehrsätze entdeckten, solche t) durch eine Aftcrphilosophic, die damals Mode war, zu bemänteln; !^) durch untergeschobene und erdichtete Prophczcyiuigc» und Bücher zu erhärte». V. Haupt stück. Aon dc» gesellschaftlichen Verbindungen der ersten Christen, t) Von ihrer Allcnexefallenheir. '.') Von ihrer (?cmci»schaft der lauter und der ausscrordcntlichcn Unterstützung, welche die Reichen die Bedürftigen genieße» ließe». Tcr Ecitz war bey dc» ersten Christen das abscheulichste Laster, welches alle in sich bcgrif; die Milde hingegen und die Bereitwillig- kcit sein Vermöge» milznthcilcn, die erste Tugend. Besonders war diese Unterstützung derer, welche in Verfolgungen des Namens Christi wegen gcricthe», ganz »»glaublich. Wer nichts ii» Vermöge» hatte, ihucu zu schicke», war verbunden zu faste», und ih»c» das Antheil von Speise auf diese» Tag z» sende». 3) Von ihrer Nachsicht gegen alle Arten vo» Ketzer. Man kau» diese Nachsicht als ci»c» Beweis der Bescheidenheit »»d Liebe der ersten Christe» betrachte»; aber Hort sie darum ans, die Wirkungen der feinsien und siudicrtcstcn Politik gehabt zu habe»? Ihr Cinflnß auf die Ausbreitung der christlichen Religion aber bestand darin», daß a) Tic Trennung von der heidnischen Religion nui so viel großer ward. ?enn jeder Scktcnstiftcr arbeitete nunmehr für seine eigene Rechnung, und schaftc sich die Anhänger unter den Heide», die er unter den Christen nicht finde» koinitc. li) Diejenige», die sich vo» dc» Christen verführe» ließe», wäre» vielleicht Leute, die ohnedies wieder zu der heidnischen Religion zu- rückgcspruugcu wäre», wen» ma» ih»c» die Freyheit, ihre» besondern Mcynnngc» zu folge», hätte streitig machen wollen. Va ma» ih»c» aber nachsah, so kamc» sie oder ihre Kinder wieder nach »iid »ach i» den SchooS der gemeinen Kirche zurück, welche die Klugheit gehabt halte, sie nie ganz z» verstoße». c) Viele vo» diese» Sekten wußte» sich dc» Verfolgungen zu entziehen, und wuchsen um so viel ruhiger zu einer künftige» Vcrstärknng 7" Von dcr Art und Weise der Fortpflanzung des großen Haufens, als dieser auf die Einheit in dcr Lehre schärfer zu dringen anficng. Z. Selbst die Anhänger des Simon wurden von den Heide» mit unter dem Titel dcr Christen begriffen. (IriZvoes contra Lcls. lib. V. Da sie aber die Verehrung dcr Götzen siir eine gleichgültige Sache erklärten, so konnten sie sich den Verfolgungen leicht entziehen, icleni üb. VI. und JustinuS Hpol. 2. sagt ausdrucklich, daß sie in Ruhe gclassen worden, als man die Christen offenbar verfolgte. So zahlreich aber Anfangs diese Sekte war, so sehr war sie doch gegen die Hälfte des dritten Jahrhunderts geschmolzen, da LrigcncS wenige oder gar kcine mehr kannte. Sie verloren sich: und wo anders hin. als in den Schoos der rechtgläubigen Kirche? So ist der Schnee, der auf den Bergen fällt, bestimmt, zu seiner Zeit den Strom der Thäler zu schwellen. 4) Von ihrer Gelindigkcit gegen die Sklaven. I>/eut/o-Neme,i« ellus et ego Paulus cont'liluimus, ut lerv! czuinc^ue llieuus oue- leolur, 8al>lialo vero et Dominica czuirl'cant vel seiieulur in ec- clelia vrovtec 6oct,ioani nielalis. 8alil>aluni cnim «liximus ciea- tiouis lialierc rationem, Doininicain retuireclionis. llud ferner heißt es: magna Ilcliiiomacle lola ct ea, c^uao illam tclznilui', t'eivi »lienlur, desgleichen noch viele Feste. Bey den Griechen, bey welchen die Knechtschaft noch sonst am leidlichsten war, warS ein ausdrückliches Gesetz, /--i -4-^«-. «Mvv ryk- I^lZ. Dieses Gesetz hat uns Ulpianus aufbehalten, (v. I>e>il! lüowmeot. in Icges allicas I^ili. II. '1'it. VI. Ldit. Ileinec. i>. ?'».) uud er sczt hinzu: ö^o^^ ,„,kv «^>?.ci^o^mi?, it«x»lizo^c>io^>>; t'-.xo" -r»^? öo^x-zv?. Aber warum war es gleichwol eine Schande, wenn die Griechen nicht allein selbst ein Handwerk trieben, sondern auch mir durch ihre Kncchtc treiben licßc»? Ich habe in meinem SophocleS*) eine Stelle aus dem Plutarch angeführt. Die ersten Christen fcyertcu neinlich beyde Tage, ob sie schon die Fcycrung des Sabbaths nicht für nothwendig hielten. Warum soll- tc» Sklavcn nicht gern eine Religion angenommen haben, die ihnen zwey Siebcntheilc ihrer Mühseligkeiten erließ? Ich will indeß nicht behaupten, daß wirklich PctrnS und Paulus dieses Gesetz gegeben, die vielmehr in diesem Punkte völlige Freyheit °) Band VI, S. 294. und Ausbreitung der christlichen Religion. 71 gelassen. Genug daß man daraus sieht, was zu den ersten Zeiten üblich gewesen. Ich weiß auch, daß die Feycrung von aller Arbeit an solche» Tagen in den nachfolgenden Zeiten untersagt ward; allein das geschah erst dann, als das Christenthum schon etablirt, und es mmmchro Zeit war, daß die Christen auch »ndlich einmal dem Staate nützliche Bürger würden. Z. E. in dem lüoocilio I^arxZ. welches gegen die Mitte des vierten Jahrhunderts geschert ward. <üsp. 2!). yuoä oou oiior- leal, iüliristianuz jullaia-ne et iu 8al>Iiato ociari; cZieiv sulem «Zo- miiiieum prsekerenle5 oeiaii, ll mvtlo pollent, uk (üliriltiani. <^uo6 li inveuti lueriuk juclsi^aiv, ^rmtuema kiut a (üliritlo. VI. Hauptstück. Von den Hindernissen, welche die Obrigkeit der christliche» Religion entgegen scztc. Hier wird es auf einen richtigen Bcgrif von dc» Verfolgungen ankommen, zu welchem folgende Bemerkungen etwas beytragen werden. Erst von den Verfolgungen der Juden. Tiefe konnten nicht weil gehen, weil die Juden nach ihrer damaligen StaatSvcrfassung ihnen nicht an das Leben kommen konnten. Wenn ja Christen durch sie umgebracht wurden, so hatten sie sich dieser Gewalt nicht ohne Gefahr angemaßt. Tiefes zeigt der Tod des heil. Iacobus. Der Hohepriester Anainis machte sich die Zeit zu Nutze, da der Landpflegcr Festus gestorben, und der neue, Alkinus, noch nuterwcgcnS war. Tiefe Vcrmcsscnheit bekam ihm auch sehr übel; AlbinuS schrieb ihm deshalb einen sehr zornigen Brief, und nach drey Monate» ward er von dem Agrivva seines Priester- lhums cutsezt. Hernach von den Verfolgungen der Römer. I. Unter dem Nero. Sie war weder allgemein, noch eine eigentliche Religionsvcrfol> gnng. Teil» er ließ sie nicht als Chrisicn umbringen, sondern, wie bekannt, als vorgebliche Mordbrenner; als Elende, auf die er den Haß, den ihm seine neugierige oder stolze Grausamkeit zugezogen hatte, walze» z» können glaubte. Li^o ('1'aciti ^niisl. XV. c->p. 44.) alinlenclc, ruuwii IXero tulilkillit reos, ek cjuaeü!iMm!8 poeois ari- keeik, c>uo8 per llagitia iuvilos, vulgus (!I»istiguc>s avpellaliat. 72 Von dcr Art und Weise der Fortpflanzung ^nclor nominis ejus (ülirittus, 8 ei speelaculo IVero ol^lulerst et , 56. und Ausbreitung dcr christlichen Religion. 73 II. Unter dem Domitian. Auch diese hat nicht das geringste Ansehen einer allgemeinen Vcr- folgung. Sie ist auch vielleicht nicht viel schrecklicher gewesen, als die, welche eben dieser Kaiser gegen die Philosophen ergehen lassen. Und vielleicht gar, daß dort das Christenthum blos dcr Vorwand, und hier ein wirklicher Haß gegen die WcltweiSheit dcr Grund war. Viele, sagt I)ic> Domit. cap. 14. e's r« -ru»- lovöw-.uv ^c>. hui moros ^udaeorum alioriavoraot, wurden der x!hn- göttcrcl) wegen verdammt, uud einige verloren das Leben, andere nur ihr Vermögen. Von dcr Verfolgung dcr Philosophen, sagt hingegen eben dieser Geschichtschreiber, nachdem er erzählt, daß er den Rusticus Arule- INIS, oil k'x^-xrocpkl, aus dem Wege räumen lassen: od^oi, 7- !X ^? 01. >,c>t»o^ »ai^i? k^^.aA^o'av Vio,,,,^?. Sie wurden hau- sig umgebracht, und die übrigen alle aus der Stadt gejagt. Ganz sonderbar ist cS, wenn Rorrholt und andere die Verfolgung, welche Domitian gegen die Nachkommen Davids ergehen ließ, mit zu den Verfolgungen gegen die Christen rechnet. t?S ist wahr, sie traf einige Christen mit, als die Cnkcl des Juda, welcher ei» Bruder des Herrn nach dem Fleische heißt; sie ist aber dem ohngcachtct für cinc Verfolgung des Christenthums so wenig zu rechnen, daß dem Christcnlhumc nichts vorthcilhaflercs battc seyn können, als wenn dem Domitian sein Vorsatz, alle Rachkommen des Davids auszurotten, gelungen wäre. In dcr Stelle deS OrosiuS, die hiervon handelt, (°) muß wohl offenbar statt inviäetur, mklluilur gelcscn werden. 1'orlia perleeulio, schreibt Sulpicius Scvcrus, (") iier ?>n/»- »»um iml: ,kt? »-^«crk^i; 6^1^!', rov xa^' ^>>.l>!i' (°) Bei,'», Korll'olt I>. S8. (°°) Li>cru>.> UiNur. M>> U. «j. 4S. Lili!. Uoi». 74 Von der Art und Wcisc der Fortpflanzung ^oz>o? »va«-,,^^«,, öl^z'^ov. Die Verfolgung war nur zum Theil; in dieser und jener Stadt; und ward nicht durch öffentliche Gebote, sondern durch den Aufstand des Pöbels veranlaßt. — — ---------.) 1. Die Verfolgungen waren fast nie allgemein, llcberhanpt kamen sie auch zu spät. Die erste Verfolgung des Nero fällt i» das 3l>. Jahr nach Christi Himmelfahrt. Wo waren seine Junger damals nicht schon hingekommen? 2. Waren fast nie durch förmliche Gesetze befohlen. 3. Hatten fast immer eine andere Ursache, als die Religion. Tic Heiden bestraften die ersten Christen nicht sowol wegen ihrer Religion, als wegen der Ucbcrtretung der Gesetze. Die Heiden Halle» keine Gesetze, welche die Gewissen bunden, und dieses und jenes zu glauben befahlen. Aber sie hallen Gesetze, welche alle Zusammen, künftc, und besonders alle nächtliche Zusammenkünfte, (') bey schwerer Strafe untersagten. Ueber diese hielten sie, und wenn die Christen diese übertraten, so wurden sie nicht als Christen, sondern als Ucbcr- trctcr der Gesetze verfolgt und bestraft. Ja, ich setze frey hinzu: sie verdienten bestraft zu werden, und zwar um so viel mehr, da ihre Religion dergleichen Zusammenkünfte im geringsten nicht erforderte. Vvo zwey oder drey in meinem Namen versammlet sind ic. Ich sage diese Versammlungen gehörten nicht zu dem Wesen der Religion. Sie konnte ohne sie bestehen, ohne sie ausgebreitet werden. Gesczt aber, diese Versammlungen wären ein wesentliches Stück der Religion gewesen, oder von den ersten Chrisicn dafürgehalten worden: so war ihnen doch noch ein anderer Weg übrig, ehe sie, den Gesetzen zuwider, heimliche und nächtliche Zusammenkünfte anstellten; dieser °) „Das ist alles, was Ich über die christliche Verfolgung auf 3 halben Bogen, die in dem Manuscriple besonders lagen, von ibm gesmidc». Nun folgen seine generellen Bcmcrtungc» darüber." Aarl G- Äessing. (°) Nach den Gesetzen des Nomuliis: Xociurii-l» i» t>-i»i,lo vigiii»» nv IiÄl«-»>u. eu»s. villtluiim» gcl IvL«?» Ilum. in Ui.'ii».><^ii ^urixprcul. k vl ä,tt. '4'. I. p. S4. Nach den Gesetze» der zwölf Tafeln: s> j» uri-v l-vilu-i iwcluriio» Nt-iunertt, lÄl>Ui! luilu. I'-Ni. IX. I>-x Vl. titln, t'uiil-v. l>. j0t> IZüUIui- lins i» Xll. '1'u>i. 4. I. e. p. 7t. und Ausbreitung der christlichen Religion. ncmlich, das; sie sich bey der Obrigkeit desfalls meldeten, und sich die Crlaubniß dazu auswirkten. Tiefes hatten auch die Juden thun müssen, und ihre Synagogen waren sonach von den verbotenen Hetärien ausgenommen. Wozu also das Zusammenlaufen? wozu die nächtlichen Lersamm- lungcn ganzer Schaaren von allerley Alter und Geschlecht? Diese mußten nothwendig einer guten Policey verdachtig seyn. Aus diesen geheimen verbotenen Zusammenkünften nahm Celsus seinen ersten Grund wider die Christen. Taß OrigcncS sehr schlecht darauf geantwortet habe, hat auch Mosheim erkannt. (S. 16.) Allein daß die Antwort, welche Mosheim darauf giebt, hinlänglicher sey, ob sie gleich weniger anstößig ist, glaube ich schwerlich. Tenn 1) ist es falsch, daß die Zusammenkünfte der Christen nicht mit unter den verbotenen begriffen, und daß dieses Verbot nur die wollüstigen, aufrührischcn und ärgerlichen Zusammenkünfte verboten. Sie waren cS alle ohne Ausnahme. Siehe was der Consul bey dem Livius cap. XV. Iit>. Z!). sagt, als die Bacchanalien abgeschaft wurden. Und woher wußten denn die Heiden, daß die Zusammenküuftc der Christen wirklich so unschuldig waren? Sczt hier Mosheim nicht eben sowol als LrigcncS als bewiesen und ausgemacht voraus, was zwischen ihm und dem CelsuS streitig ist? Vaß aber die Römer überhaupt nie eine Religion als Religion verfolgt, sondern nur in sofern sie mit gewissen Anordnungen verknüpft war, welche den guten Sitten oder ihrer Slaatsvcrfassung zuwider waren, erkennet man deutlich aus der Ausrottung der Bacchanalien, unter dem Consulatc Sp. Postumins Albiuns und 0. MarciuS Philippus (»,mc> u. .) welche Livins 1. wcitläuflig beschreibt. Denn nachdem sie solche nun mit der änsscrsten Strenge verfolgt, so stellten sie sie doch noch demjenigen frey, welcher sich Gewissens halber dazn verbunden achten würde, und verordneten nnr, daß sie nicht ohne Lorwisscn des Prälors und Erlaubniß des Senats gehalten werden sollten. 8i ciuis lalo taciuin lViIeuuc! e>> neeellailuni dueeret, oev line religione et perioul» le iil oiuillere polle, auu^l piaetvicm protilerelur Kc. o. 18. s. k. 7K Von der Art und Weise der Fortpflanzung Anmcrkungcn über die Erzählung des Lioius von Ausrottung der Bacchanalien zu Rom. 1) Ihr Urheber in Etrnricn war ein gemeiner, unwissender Grieche. .Vc. Eine neue Sekte zu stiften, eine neue Religion zu predige», ist ein Ungelchrtcr auch immer geschickter, als ein Gelehrter. Gcsezt auch ein Gelehrter hätte steh ein noch so blendendes System auSgcdacht; gcscjl er besäße noch so viel Ehrgeiz, dieses System zu einer herrschen den Religion, und sich zu dem Haupte derselben zu machen: wenn er nicht die Macht besizt, welche McseS besaß: wenn er nicht schon Heerführer und Gesetzgeber eines' ganzen Volks ist; oder wenn er nicht Männer, die diese Stelle begleiten, sogleich in sein Interesse ziehen kann; wenn er sich seine ersten Anhänger unter der Menge suche» muß; so wird er wahrlich seine» ganze» Charakter verleugnen, seine ganze Deukungsart verändern müssen, um nur einigermaßen glücklich zu seyn. Wahrheit und Philosophie werde» ih» bey dem Pöbel nicht weit bringe»; die künstliche Beredsamkeit der Schule ist ein zu viel feines Rüstzeug, so plnmpc Massen in Bewegung zu setzen: er muß aufhören, Philosoph und Redner zn seyn; er mnß taerilloulus et vales werde», oder es sich zu seyn stellen. 2) ?iee is, fährt LiviuS fort, ilte8 lacroium. Das ist das wahre Kunststück eines neuen RcligiouSstiftcrS. Er mnß nicht sagen: komm, ich will dich eine ncnc Religion lehre». So ein Vortrag erweckt bey der Menge Schauder. Er fängt mit Skrupel» an, die er gegen die gewöhnliche Religion beybringt, und im Vertraue» beybringt, als ein Mann, dem das Wohl eines freundes am Herzen liegt. Aus diesem Scrnpel werde» AsscrtioncS. AuS diesen Assertionen entstehen freywillige Absonderungen, erst nur iu Kleinigkeiten, endlich im Ganzen. Ich verachte, wird der griechische BacchuSpricsicr gesagt haben, eure Götter nicht; sie wären mächtig genug, euch viel Gutes zu erweise», wenn sie nicht vielleicht von einer °) „Auch diese Amnerkungen befinden sich ans einem besondern Bogen. Ob sie gleich eine Digrcßion in dem Werke sind, so hat »icin Bruder sie doch bey dieser Gelegenheit gemacht, und weil er den Bogen mit dabey gelegt, sie vermuthlich dabcv lassen wollen." Aarl G. Lessing. lind Ausbreitung dcr christlichen Religion. 77 mächtigern Gottheit eingeschränkt würden. Und wer könnte wohl diese seyn? fragt die fromme Ncubcgicrdc. — Ich vermuthe nur. Denn die Götter, wie du wohl weißt, sind immer einer mächtiger als der andere. Die Götter des weisen und berühmten Griechenlands zum Krempel. Doch auch unter diesen giebt es einige von ganz besonderer Gewalt und Bereitwilligkeit, den Menschen, die in gewissen ihnen gefälligen Gebräuchen unterrichtet sind, zu helfen. — Nenne mir doch diese. — Sie werden in Griechenland selbst sehr geheim verehrt. — Aber dn kennst sie doch? — Ich kenne sie; und kenne sie als sehr eifersüchtige Wesen, die nicht von Jedermann gekannt seyn wollen, die ihre Geheimnisse nicht unter den Pöbel gebracht wissen wollen, weil sie mit dcr Kenntniß dieser Geheimnisse ein für allemal ihren unausbleiblichen Beystand verbunden haben. Ein Schauder überfällt mich, laß uns von etwas anders sprechen — Ich hielt dich für meinen Freund — Und hältst mich nicht mehr dafür? — Kann ich? Freunde sollten alles gemein haben; und du behältst mir das vor, was nicht allein Freunden, wa§ allen Menschen gemein seyn sollte. — Lege mir es nicht so nah. An meinem Willen fehlt es nicht; aber prüfe dich selbst, ob du im Stande bist, ganz neue sonderbare Dinge zu hören, zu glauben, zu thun. — Tu wärest es doch im Stande? — Aber wclcbc Ueberwindung hat es mich gekostet. — Ich zittre noch; genug cS ist überstanden — Auch ich werde cS überstehen — Run ist die Ncubcgicrdc aufs höchste; nun ist dic Bereitwilligkeit da; nun nimmt das Spiel seinen Anfang. 3) Inilia eiant cjuso jirimo iiaucis Iracliln tunk: «Zeimlo vulziiii hellet. Tiefe Mißbrauche wuchsen auch mit der Zeit so sehr, daß man für nöthig hielt, sie auf den Kirchenvcrsammlungen erst einzuschränken, und end lich ganz und gar zu verbieten. (°°) Plinius("°) sagt von diesen LicbcSmahlen, daß sie zusammen gekommen waren cupivnikum cilium, nromilouum lameo et in- uoxium. Ich finde keinen Ausleger, der dieses promilouus erklären wolle; daß ich also zweifle, ob es viele gehörig verstanden. Sarto- rius hat es wenigstens nicht verstanden, wenn er es übcrsczt: sie wären zusammen gekommen, unter sich, doch nach gemeiner Art, und sonder JcmandS Nachtheil, zu speisen. Die Ungewißheit in welcher auch die Herausgeber sind, ob sie das l»mer> zu promileuus oder zu irmoxius ziehen sollen, zeigt schon, daß sie nicht deutlich genug gcsc he». Ich glaube, daß nicht sowol alle Speisen unter einander damit gcmcynet werden, als die Vermischung der Gäste selbst von allerley Stand, Alter und Geschlecht. Diese Vermischung war den Alten bey ihren Gastcreycn etwas ganz ungewöhnliches und anstößiges. Und darum will Plinius sagen, ob schon von dieser Seile ihre Gastcreyen anstößig, so wären sie doch sonst von allem Frevel frey. Daß die Beschuldigungen des Cäcilius beym MinntinS Felix wahr sind, ob sie schon nur von den Carpocratianern ( ! ) galten, und es sich die ersten Christen durch ihre allzugroßc Ecliudigleit und Nach- (°) »aiU-.se, sagt Livius, Sie waren also nicht das Hauptwerk. Der Betrüger dcbilirle auch nicht damit. v. Ie IUisvi>»!;o» «le Julien, iw In Ir-xlurl. srsnc. p. üü. U. tS4. (°°) I» dem 4tcn Jahrhunderte v. !>. i. ritemsnni eommvin-lrium i» K-Molam 5uSae in ^npentlics urxi M 8vn . !ZK8. (°°°) üpist. 97. X. (-k/) eiemenfi ^lsxsnar. SIromsl. li>>. lll. 8- 2. I>. 5lt kiUl. polwri. und Ausbreitung dcr christlichen Religion. 7v ficht gegen alle Arte» von Ketzern zuzuschreiben hatten, wenn die Heiden, was sie von den Ketzern in Crfahrung brachten, den Christen überhaupt zuschrieben. 5) Ilujus mall lalieg ex Ltruria liomam, velut conlagiono morlii, penelravit. primo urliis magnituclo cavacior nslienlior^ue talium malorum, oa oelavit. Dcr Enthusiasmus ist eine wahre ansteckende Krankheit dcr Seele, die mit einer unglaublichen Geschwindigkeit um sich greift. Shafrsbury. Seinen ersten Schauplatz muß der neue Religiorlssiiftcr auf dem Lande, in kleinen Orten wählen. Hat er aber da die crstcn Anhänger sich vcrschaft, so sucht er ein größeres Theater, und die größte Stadt ist fiir ihn immer die beste. Ein Junger fängt auf dieser, dcr andere auf jener Ecke an; die verschiedenen Flammen fressen in dcr Stille fort; endlich treffen sie zusammen, und die halbe Stadt steht in der schrecklichsten Fcucrsbrnnst, noch ehe die Policcy Ranch gemerkt hat. — — - — — — — — — — — 4. Die Verfolgungen konnten sich auf zwey ansehnliche Klassen von Leuten fast gar nicht erstrecken: 1) auf die römischen Bürger, 2) auf die Sklaven. 6. Viele Kaiser thaten ihr Möglichstes, sie einzuschränken, ja sogar den Grund davon wegzuschaffen. Aufs erstere beziehen sich ihre Verbote gegen die Augeber und die ihnen gedrohten Strafen, vill. Luledius. Anf das andere ist das Bemühen dcr Kaiser, Christum für einen Gott öffentlich erkennen zu lassen, zu ziehen. Dies ist dcr wahre eigentliche Gesichtspunkt, aus welchem man das, was TertullianuS vom TiberiuS, LampridiuS von dem Scverus dcsfalls erzählt, bc< trachte» muß. v. klosliein» 6e ltu6io Ltknioorum «ÜKMilmos imi- iancii. Dill. Leel. Vol. I. p. 367. « Bon dcr Menge der Märtyrer. Um das bcgreiflich und verständlich zu machen, was die Geschichtschreiber der Kirche von dcr unzählbaren Menge der Märtyrer sagen, kann vielleicht anch diese Anmerkung nicht nndicnlich seyn, daß ncmlich in den ersten Zeiten nicht allein diejenigen für Märtyrer gerechnet wurden, welche Verfolgungen wegen des Namens Christi er- Von der Art und Weise der Fortpflanzung litten, oder gar ihr Zeugniß mit ihrem Blute versiegelten, sondern mich diejenigen, welche jenen in ihrem Gefängnisse bey ihren Duldun- gen nach allen Kräften bcystandcn, ihnen den nöthigen Unterhalt reichten, sie mit Gelde versahen, nm sich dadurch ihren Wachtern gefällig machen zu können. I'o^'io Z'atz -ro^o-a^iuv ^«^rvi-^ov ^u.lv?vo>>l<7>>iz<7-7«l. (!onktit. ^pott. Iik>. V. o. I. Das Martyrthuui gieng bey ihnen über alles. Wenn ein (5a- tccl'nmenus Märtyrer ward, so durste er sich im Geringsten nicht beunruhigen, daß er noch nicht getauft sey. lo ?>ag »«5»? 70 1??^ Xtzl<^o^> k-^«-. a^ru )>v^c7i^ktzoi' /Za^icr,/.«. (üooslit. ^polk. lil), 6. e s. ^l/chi/i^o» Hin/. VI. m. 96. u. f. Beschlu ß. Wenn aus allem, was bisher angeführt worden, folge» sollte, daß die christliche Religion durch ganz natürliche Mittel fortgepflanzt und ausgebreitet worden: so hüte man sich zu glauben, daß wider die Religion selbst etwas nachtheiliges daraus folgen könne. und Ausbreitung der christlichen Religion. 81. Es ist gar keine fremde Assertion unter unsern GottcSgelchrten, daß Christus selbst zu keiner bequemern Zeit in die Welt hätte kommen können. (°) Hat nuil Christus selbst die bequemste Zeit erwartet, hat er das große Wunder seiner Erscheinung nicht blos durch lauter andre Wunder unterstützen, sondern dem natürlichen Laufe der Tinge unterwerfen wollen; warum wollen wir diesen natürlichen Lauf der Dinge bey der weitern Ausbreitung aus den Augen setzen? 1LINVI.I^NV8 ?K^8M?1I(MILV8.*) Einleitung. Aupus, der 1676. eine Ausgabe dieser Schrift mit einem wcitläufti- gcn Loinmcntar herausgegeben, in welchem allerdings viele gute brauchbare Antiquitäten zusammen getragen worden, die zusammen den ganzen neunten Band seiner zu Venedig 1727. in Folio gesamm- lcten Werke ausmache», wirft daselbst die Frage auf, wie der Titel dieser gegenwärtigen Schrift des Tertullian heissen müsse,- ob lilier prselcrivlionum gäveitus lioereticos, oder liber lie rzrge1criptic>nil>u?! Imeretieorum? und giebt seine weise Entscheidung dahin, daß beyde Titel nicht unschicklich wären. Toch sey der lezte, meynt er, wohl der schicklichere, und scheine der zu seyn, den der Verfasser selbst seinem Buche gegeben. Aber wnßtc denn LnpuS nicht, daß man diesen Titel noch auf eine dritte Weise anzugeben pflegt? daß man ihn auch 6-- pr.iel'cii- plione, nicht prael'v>Ij>lic>mvus Iiaeielivoi'um auszudrücken Pflegt? So lautet er in der Ausgabe des Rigaltius von 1634., so in der Ausgabe des Morcau von 1658. (s) Und wie kommt es, daß Lnpus die ganze Rote des Rigaltius nicht gelesen hatS ES muß ihm diese Ausgabe gar nicht zu Gesichte (°) lUosIieiuui l^ommeitt. »le rel!»» tlnill. cit>>. I. tz> — guiliu» ex red»» reeliMnie suuuunl, >iore «empöre ülium Lei >>o- mines ,Ie5eei»Iere poluisse nexiint. c»«k. dri^enes eonlin Lelsum lidr. II. °) Theologischer Nachlaß S. 2L9. (ki) Morcau scheint in dem Titel zwar dem Rigaltius gefolgt zu sct'», gleichwol - - er '1'. II. p, «ti. nicht weniger als zehn verschiedene - - -, die alle in dem Buche enthalten scvn sollen; von welche» aber doch leicht zu zeigen, daß sie auf cinc hinanslaufcn. Lessings Werke x>, g 82 '1'ertuIIi.inuA >) und die Pflanze, die sein Latcr nicht gcpflanzet hat, reißet er auS,(v) nnd macht aus den ersten die lcztcn,(k) die Wurfschanfcl in der Hand, um seine Tenne zu reinigen, (g) Mag doch auf jeden Windstoß der Versuchung von der Spreu des leichten Glaubens so viel verfliegen, als nur will; desto reiner wird das übrige Getreide in die Scheuer des Herrn gebracht. Haben sich nicht an dem Herrn selbst einige seiner Schüler geärgert und sind von ihm abgewichen? Und doch haben die übrigen, seine Fußtapfen auch verlassen zu müssen, darum nicht geglaubt. Sondern so viel deren es wußten, daß er das Wort des Lebens sey, daß er von Gott gekommen, haben bis ans Ende in seinem Gefolge verharret: ob er es ihnen schon selbst sanftmüthig frey gestellt hatte, daß sie nun auch von ihm weichen könnten, wenn sie wollten. Kleinigkeit, wenn hernach einige, als PhygclluS, HermogcneS, PbilctuS und HymcnäuS von seinem Aposicl abtraten: der Lerräthcr Christi selbst war in der Zahl seiner Apostel gewesen. Wir wundern uns, wenn seine Kirche von einigen verlassen worden, da doch nur das, was uns nach dem Beyspiele Christi begegnet, zeiget, daß wir Christen sind. Sie sind von nns ausgegangen, aber sie waren nicht von unS; denn wären sie von uns gewesen, so wären sie bey uns blieben. IV. Wir wollen nns vielmehr sowol der Weissagungen des Herrn als der Apostolischen Schriften erinnern, durch die wir vorbcr gewußt, daß Ketzcrcyc» kommen würden, durch die wir vorher gewarnt wurden, Ketzcrcyen zu fliehen. Und wie wir uns nicht davor entsetzen, daß sie sind, so laßt uns es auch nicht Wunder nehmen, wenn sie das können, weswegen wir sie fliehen sollen. Vcr Herr erinnert nnS, daß viele reißende Wölfe in Schaafsklcidcrn komme» werden. WaS wären das für Schaafsklcidcr, wenn cS nicht die äussere Fläche des christlichen Namens wäre? Wer sind die reißenden Wölfe anders, als der trügliche Sinn und Geist, welcher der Hecrde Christi innerlich auflauert? Wer sind die falschen Propheten anders, als die falschen Prediger? Wer die falschen Aposicl anders, als die Lehrer des verfälschten Cvangclii? Wer sind die Anlichristcn jczt und auf immer anders, als die sich wider Christum empöre»? Jczt sind es die Kctzc- rcye», welche durch verkehrte Lehren die Kirche nicht weniger zerrütten, () Sehet zu, daß euch niemand beraube durch die Philosophie und lose Verführung nach der Menschenlehre und nach der Welt Sayungen, und nicht nach Christo. Er war zu Athen gewesen und hatte diese menschliche Weisheit, diesen Affen der bessern, diese Verfälscherin der wahren naher kennen lernen, sich mit ihr eingelassen und selbst erfahren, in wie mannigfaltige Kctzcrcycn auch sie sich trennt, die sich alle unter einander widersprechen. WaS hat also Athen mit Jerusalem zu thun? Was die Akademie mit der Kirche? Was die Ketzer mit den Christen? Unsere Lehre ist aus der Halle SalomvniS, nach dessen Grundsätze der Herr in Einfalt des Herzens zu suchen ist. Auf ihre Gefahr, die lieber ein stoisches oder platonisches, oder dialektisches Christenthum wollen! VIII. Uns hat Christus Jesus alle Wißbegier unnöthig; uns hat das Evangelium alles Forschen übcrslüßig gemacht. Wenn wir glauben, so verlangen wir nichts weiter zu glauben. Denn das glauben wir vor allen Dingen, daß weiter nichts ist, was wir zn glauben hätten. Ich komme also zu demjenigen Punkte, welchen auch die llnsrigcn vorweg den, wenn sie ihrer Ncugicr nachhängen wollen, nud den die Ketzer so eindringen, wenn sie ihren Lorwitz annehmlich machen wollen. Es stehet geschrieben, sagen sie: Suchet, so werdet ihr finden. Laßt uns nicht vergessen, wenn der Herr diese Aufmunterung ergehen lassen. Ich glaube, es war im Anfange seiner Lehre, als noch alle zweifelten, ob er der Christ sey; als ihn PctrnS noch nicht für den Sohn Gottes erklärt hatte; als selbst Johannes an ihm zu zweifeln bcgonnte. Damals war cS Feit zu rufen: Suchet, so werdet ihr finden! als derjenige noch mußte gesucht werde», der noch nicht erkannt war. Und da§ zwar so weit es den Juden galt! Denn nur diese hatte» sich der ganzen verweisenden Aufmunterung anzmichmen, die das halten, wo sie Christum suchen sollten. Sie haben, sagt er, Moscn und (ii) Kap. 2, 8. 88 tulligllll5 ^uIIIanu8 iZo niaekvii«lic>niIiN5. les dringt ja mit dicscr Lcrmahnung in mich, und Hebion und Simon, und wic sie alle nach der Rcihc heißen, die sich bey mir gern einschmeicheln, die mich ihnen gern znm Sklaven machen möchte». Da ich also auf allen Seiten seyn soll, um zu suchen und zu finden: kann ich nirgends seyn; und das wollten sie gern, daß ich nirgends wäre, als ob ich es nicht bereits ergriffen hatte, was Christus angeordnet, was allein zu suchen, was allein zu glauben ist. XI. Man irrt ungestraft, sagen sie, wenn man nicht sündigt. Als ob irren nicht auch sündigen wäre. Alles was ich sagen möchte, ist: nur der schweift ungestraft umher, der nichts verlaßt. Wenn ich aber bereits geglaubt habe, was ich glaube» sollen, und wähue, das; ich noch etwas anders suchen müsse, so hoffe ich ja wohl auch etwas anders zu finden, welches ich auf keine Weise hoffen würde, wen» ich wirklich geglaubt hatte, was ich zu glauben schien, oder wenn ich nicht aufgehört hätte, es zu glauben. Indem ich also meinen Glanbcn verlasse, werde ich als ein Vcrlcngncr desselben befunden. Ich sage es noch einmal. Niemand sucht, als der, welcher entweder nichts gehabt hat, oder verloren hat. DaS Weib hatte von zehn Groschen einen verloren: also suchte sie. Sobald sie ihn fand, hörte sie zu suchen auf. Der Rachbar hat kein Brod: also klopft er an. Sobald ihm aufgethan wird, und er bekömmt, hört er zu klopfen auf. Die Witwe verlangte, bat, von dem Richter gehört zu werden, weil sie nicht vorgelassen ward. Kaum war sie gehört, und vorbey war dies Anliegen. Also hat c§ doch ein Ende das Suchen, das Klopfe», das Bitten. Dem Bittenden wird gegeben, heißt eS, dem Klopfenden wird aufgethan, und der Suchende findet. Was giltS; nur darum sucht einer immer, weil er nicht findet! Denn er sncht da, wo nichts zu finden ist. Was giltS; nur darum klopft einer immer an, weil niemals aufgethan wird! Denn er klopft an, wo niemand ist. Was giltS; nur darum bittet einer imincr, weil er »icmals gehört wird! Denn er bittet von dem, der nicht höret. XII. Und gesezt auch, daß wir noch, und immer suchen müßten; wie! bey wem sollten wir wohl suchen müssen? Bey den Ketzern? bey denen alles fremde, alles unsrer Wahrheit entgegen ist? denen wir gar nicht zu nahe kommen sollen? Welcher Knecht erwartet sein Brod von einem Fremden? geschweige von dem Feinde seines Herrn? Welcher KriegSmann »imuit Sold und Geschenke von BundSloscn? geschweige — — — — — — — — — — — — — — — — -^MM'V^ ' ^liuuu8 ikv nruetciiuliouilius. '»1 An inerku iigcn. zu dem 'lVrkuIIign. <1o prael^ririlioiiiliui,. e. i. Alles, w.iS Tcrtnlli.in i» diesem l»id den folgenden Kapiteln von den Kctzcrcycn sagt, kann vollkommen ans die dcisiischcn und n.Uiir.i- lisiischcn Schriften angewendet werden, über deren Ausbreitung und Eindruck man sich so sehr wundert. Vcnn auch der Naturalismus gehört u»tcr die Rotten, die prophezeit)! worden und dazu bestimmt sind, ut 5it!es üalieuüu leuIutiuiiLM, Iiaueivt eliam luoiistiooew. (?. 2. /-.VaAn^s könnlc hier sehr wohl durch abfordern/ ncinlich ans diesem Leben, gegeben werden, l^eoiis eroganclo üomini 6e»uisla erinnert mich an die Fabel von den drey Bolhschaftcn dcS Tods, unter welche» sich ebenfalls ein Fieber befand. Lupus will eroxslio durch Erschöpfung überseht wissen, ciuia uli vrogstio poeuniiim, ita 5o- bris crueiülu exlisuiit Iiumaoam 1'ulittanliam. Auch von den gefährlichen Schriften, gegen welche unbesonnene Zeloten öffentlich predigen, gilt, was Tcrtullian von den Kctzercycn sagt: riiliil valeliunt, li iantum valere ooo mireolur, ncinlich die schwachglänbigen Eiferer, die den Schaden, welchen dergleichen Bücher stiften, nicht genug bejammern zu können glauben, ^ut emm t!uu> rniiimlui', in ^niic/«/«,» ^itimi»i/'/i Leute werden zn ihrem Aergernisse damit be - - - ---- ") Von den Schriften wider die Religion läßt sich sehr wohl sagen, was Tcrtullian von den Kctzcreycn sagt: »6 uoe suut, ut lules Iialieiillu lentalionem, iialieret oli.im proliationem. lind von denen, welche sich wundern und darüber ärgern, daß diese Bücher so gelesen werden, kann man eben so recht sagen: Vano et ioeonsiueralo Iioe ipl'o seauiZaliianlur. Denn wahrlich auch diese Bücher, wie die Äctzcreycn, niliil v.ileliuut, si illns t.intum valerv nou ruireolur. °) Lcssiiigs Lebe» II, S. 255. Bemerkungen über Burke's philosophische Untersuchungen über den Ursprung unserer Begriffe vom Erhabenen und Schönen. Was Erhaben und Schön heißt. Alle angenehmen Begriffe sind undeutliche Vorstellungen einer Vollkommenheit, Die Vollkommenheit ist die Einheit im Mannigfaltigen, Bey der unendlichen Vorstellung der Einheit im Mannigfaltigen, ist entweder der Begriff der Einheit/ oder der Begriff der Mannigfaltigkeit der klarste. Die undeutliche Vorstellung einer Vollkommenheit, in welcher der Begriff der Einheit der klarste ist, nennen wir schön. Die undeutliche Vorstellung einer Vollkommenheit, in welcher der Begriff der Mannigfaltigkeit der klarste ist, nennen wir erhaben. Daher heißt in dem ganzen Umfange der schönen Wissenschaften und Künste nichts schon, was sich nicht auf einmal übersehen läßt, nnd nichts erhaben, was sich auf einmal aus einem Gesichtspunkte ganz betrachten läßt. Unfroh. Man weiß die eigentliche philosophische Bedeutung des Wortes frol), nach welcher cS die angenehme Empfindung, die durch die Auf- hocung der Unlust erregt wird, bedeutet. Welch Wort nun aber drückt die unangenehme Empfindung aus, welche durch die Aufhörung einer Lust erregt wird? Ohne Zweifel unfroh. Und so haben cS auch wirklich unsere Alten gebraucht. Z. E- der Graf v. Ailchbcrg, in folgender Apostrophe an den Winter. Ilez? wililer llin gexvalt 1uot. uns slier lulre leid Du verueruest uus «ier uluomeii «eliiu Du velwest ßruenen wall! Vnä dariuo ule liuiten lireit Du gesweigest un» 6ü vogelliu Des Iiiu ieti unlr» — u»ell so mue siu weicleo ist °) Lessmgs Lebe» li, S. 233. ,Bci»erklingen über Bnrkc'S philosophische Untersuchnngen-c. !>Z Wie m'l suesse reine Die ie>> mit trügen meine nlin muor üolie slak Mancss. Samml. Th. 1- S. 13. ,/Schon wieder, Winter/ leiden wir unter deiner Gewalt! du vermerkst uns den Glanz der Blumen; du welkest den Hayn und die „breite Linde, du verstummest die Vogel, deß bin ich unfroh! Doch „es mag noch hingehen, wenn nur Sie, die Süße, die Eine, die ich „so innig liebe, mein Gemüth erquicket." Von der Licbc. (19tcr Abschnitt des 4tcn Theils.) 1. Wen wir lieben, an dessen Vergnügen und Mißvergnügen nehme» wir Antheil; wir sind mit ihm vergnügt und mißvergnügt. 2. Wir können aber mit niemand vergnügt oder mißvergnügt seyn, wenn wir nicht mit ihm, wegen des Gegenstandes seines Vergnügens oder Mißvergnügens einerlei SinncS sind. Wer sich über etwas srcuet, das ich für ein Uebel halte °), oder über etwas trauert, was ich für ein Gut halte, mit dem kann ich unmöglich trauern oder mich freuen. 3. Folglich ist die Achnlichkcit der DcnkungSart, die Identität der Urtheile, der Grund aller Liebe"). 4. Wenn wir uns selbst zum Gegenstände unserer Betrachtung machen, so denken wir unS, als außer uns', und haben gleichsam einen confu- scu Begriff von einem außer unS cristircndcn Selbst"'). °) Wen geht dieses etwas näherem? ihn? mich? oder einen dritten? Moses Mendelssohn (bandschriftliche Anmerkung). ") Nicht Achnlichkcit der Dcnkungsart überhaupt; sondern die Acl'ii- lichlcit der Urtheile über Vollkommenheiten und Unvollkommcnhciten, die mich oder ihn angeben. Diese aber ist nicht die Ursache, sonder» die Wirkung der Liebe. Mendelssohn. °") Wir betrachten öfters die Wirkungen unserer Seele einzeln, als Dinge die außer uns sind. Sobald wir sie aber zusammen nel'mcn, und sie als eine Person bclrachtcn: so stießen alle die Begriffe gleichsam in ein innerliches Selbst zusammen. Mendelssohn. !)4 Bcmcrklmgc» über Bnrkc'S philosophische Unlcrsuchnngcn Zwischen diesem unsern Selbst und einer andern Person können wir Zlchnlichkeitcn der Empfindung und der Urtheile wahrnehmen. Je mehrere und größere dergleichen Achnlichkeitcn wir wahrnehmen, desto stärker wird der Grund unserer Liebe zu dieser Person. M e 6. . Und je mehrere und größere dergleichen Achulichkcitcn wir zwischen eine» andern Person und unserm Selbst wahrnehmen/ desto schwerer wird es uns (besonders im Stande der confuscn Ideen) diese Person von unserm Selbst zu unterscheiden. 7. Und aus dieser Schwierigkeit, diese Person von unserm Selbst zu unterscheiden, kömmt eS, daß wir ihre Empfindungen für die unsrigcn, und unsere für die ihrigen halten, daß wir an ihrem Vergnügen oder Mißvergnügen Antheil nehmen, und verlange», daß sie tS auch an linscrm Vergnügen und Mißvergnügen nehmen solle. 8. Die Schwachheit, schon bei geringen und wenigen Achnlichkeiten, die eine andere Person mit uns hat, diese Person mit uns selbst zu verwechseln, heißt die Sympathie °). 9. Die Sympathie wirkt daher plötzlich, und verräth allezeit einen sehr geringen Grad von Scharfsinn °°). 10. Die ganze Liebe der Thiere gegen einander ist Sympathie. Und man sollte sagen, daß man, vermöge der Sympathie, nicht sowohl sich an eines andern, als den andern an seine Stelle setze. 11. Was hat aber der Genuß der venerischen Wollust mit der Liebe gemein, daß man ihn des Namens der Liebe gcwürdigct hat? Setzt er die wahre Liebe voraus? oder sollte er sie doch wenigstens voraussetzen? Kcins von beiden. Das Wesen der Liebe besteht vartn, daß ich das Vergnügen der geliebten Person sür das mcinige, und mein Vergnügen für das ihrige halte. Nun aber findet sich eine ähnliche Erscheinung bei der venerischen Wollust, die angenehmen Emvfindungcn der einen Person sind von den angenehmen Empfindungen der andern unzertrennlich; die einen reihen und unterhalten die andern; keinS von °) Diese Erklärung vo» der Sympathie macht mich etwas stutzen. Ich wünschte sie amichmcn zu können. Mendelssohn. °°) Aber eine» desto größer» Grad vo» Witz. Mendelssohn. über das Erhabene und Schöne. !),". beiden weiß/ ob es mehr Vergnügen erhält oder mittheilt °). Und aus 'dieser ähnlichen Erscheinung kömmt cS, daß man den Beischlaf zu einer Art von Liebe gemacht. Er ist cS auch in den kurzen Augenblicken seiner Dauer wirklich, und vielleicht die intimste Liebe in der ganzen Natur. Bon dem Hasse. Die Schwierigkeiten bey der gemeinen Erklärung der Hasses scheinen mir noch weit größer zu seyn, als bey der gemeinen Erklärung der Liebe. Der Haß, sagt man/ ist das Vermögen (clispositio) der Seele/ auS eines andern Unglück Vergnügen zu schöpfen °°). Unglück ist Unvollkommenheit — Und also können wir auch aus dev Unvollkommenheit Vergnügen schöpfen? und also ist das Ver- °) Ich kann mit dieser Erklärungsart noch nicht völlig einstimme», Folgende Beispiele scheinen mir ihre Unzulänglichkeit darzuthun, t) Die Liebe zu den Kinder», die bcv vielen Leuten heftiger Affekt ist.-- 2) Die Freude nber die Unwisscnbcit meines Freundes in Anschiuig einer Gefahr, die ihm bevorstehet. Wir unterscheiden uns i» diesem Falle auch allzndcnllich. 3) Wir personisicircn öfters das mcnschlichc Geschlecht, unser Vaterland u. f. w. und ertheilen dem abstrakte» Begriff vom Mcttschc» überhaupt oder von dem Baicrlandc die Individualität, um a» dessen Schicksale Theil zu nehmen. Nach der Wölfischen Erklärung läßt sich dieses leicht begreife». Wollen Sie aber behaupte», daß wir uns von dieser erdichtete» Person nicht uuterscheidcn können? 4) Der Mensch befindet sich in dem Zustande der vcrrwirrlcn Begriffe, wenn er seine Vorstellungen zwar von sich, aber nicht vo» einander unterscheiden kann. Er bleibt sich alsdann seiner bewußt, aber die Dinge die er sich vorstellt, kann er nicht von einander nnlerschridc». Zn dem Zustande der völlig dunklen Begriffe aber, könne» wir die Vorstellungen sogar von uns selbst nicht unterscheiden, und das Bc wnßiscv» hört ans. Wolle» Sie also annehmen, daß sich bcv der Liebe alle Misere Vorstcllungcn völlig verdunkeln, dergestalt, daß sie sogar das Bcwußlscvn ausheben? Die allergrößte Achulichkcit der Vorstellungen mit uns selbst hrbt das Bewußtseyn nicht auf, daß wir nicht das ittnig sind, was wir uns vorstellen; sonst wurde sie unsere Bc- griffe völlig verdunkeln, welches doch bey der Liebe nicht geschieht, wenn sie nicht mit einer körperliche» Wollust verbunden ist. Zst aber dieses, so hat die Verdunkelung gewiß eine» ganz andern Grnnd, als die Achnlichtcit. Mendelssohn. °°) Wolf nennet aisiwsiiiu die Bereitschaft. Mendelssohn. 96 Bemerkungen über Burkc's philosophische Untersuchungen :c. gnügcn nicht bloß die anschauende Erkenntniß einer' Vollkommenheit? — Ich weiß gar nicht/ waS ich hierbei? denken soll °). Unterdessen hat mich meine Erklärung der Liebe auf eine ähnliche Erklärung des Hasses geleitet, bey der ich einen dergleichen Widerspruch nicht verdauen darf"). So wie ich mir bey der Liebe, dcS Unterschiedes zwischen mir und der geliebten Person nicht bewußt bin, so bin ich mir hingegen dieses Unterschiedes zwischen mir und der gehaßten Person nur allzusehr bewußt. Da ich mir nun die Person, die ich hasse, als eine solche denke, die von mir völlig unterschieden ist, so kann cS nicht fehlen f), daß nicht der Begriff einer Vollkommenheit in ihr, in mir den Begriff einer Unvollkommcnhcit, und umgekehrt der Begriff einer Unvollkommcnhcit in ihr, in mir den Begriff einer Vollkommenheit erwecken sollte. Geschähe dieses nicht, so würde ick die gehaßte Person mir gleich und nicht von mir unterschieden denken, welches wider die Voraussetzung ist-Z-f). Wir freuen uns folglich nicht über des Feindes Unvollkommcnheit, sondern über unsere Vollkommenheit, die wir uns bey jener gedenken. Und so auch mit unserm Verdruss- über die Vollkommenheit dcS Feindes. Wenn meine Erklärung der Liebe den Menschen erniedriget, so erhöht ihn meine Erklärung des Hasses um eben so viel, da ich ihn von einer so abscheulichen Eigenschaft, an einer Vollkommenheit Mißvcr- °) Dieser Einwurf ist zur Gm'igc beantwortet worden. Mcndelss. ") Sie sollen zugleich an die Ursachen der Feindschaft gedenken, die Wolf mit gutem Borbrdacht nicht hat wolle» in die Definition des Hasses bringe». Die nächste Ursache des Hasses ist die Bctracknung, das; der Klüeks- stand dieses Menschen mir oder aiidcrn Mciischen, die ich liebe, schädlich seyn kann, und zwar durch Verschulden, indem ich ih« als moralisch unvollkommen crkaunt habe. Mendelssohn. 1°) Wie folgt dieses? Daraus daß eine andere Person von mir umcr- schicden ist, folgt kcmeswegcs, daß sie mir völlig entgegengesetzt sev; und völlig cutgegcngcsctzt müssen sich die Personen zweyer Feinde seyn, wen» Ihre Erklärung richtig scvn soll. Mendelssohn. 1"!°) Ich sehe nicht ein wie dieses folgt. Warum kann ich mit meinem Feinde über Recht und Unrcckt, über Wabr und Falsch einstimmig sevn? Warum trennen wir »ns nur alsdann, wenn es Urtbcile über Vollkommenheit oder Unvollkommcnhcit betrifft, die einen von uns selbst angeben? Mendelssohn. Anmerkungen übcr den AcsopuS. i'7 gnügcn zu finden, weil diese Vollkommenheit einem andern gehört, losspreche. — Der wahre Werth des Menschen kann bey keiner Wahrheit verlieren.') Anmerkungen über den Aesopus.^') Fab. IV. Dcr Fuchs und der Bock. <^ Griechischen wird diese Fabel auf zweierlei Art erzählt. Das Eincmal nämlich springt dcr Fuchs nicht mit in den Brunnen hinab, sondern kommt nur dazu, als dcr Bock sich vergebens herauszukommen bemüht, lind so ist die Fabel einfacher und besser. Der Umstand zwar, daß dcr Fuchs über die Hörner des Bocks heraus springt, ist sinnreich; allein cr macht den Fuchs cincr gleichen Unvorsichtigkeit schuldig. Denn, wufile cS auch der Fuchs schon ganz gcwifi, daß der Bock so dumm seyn, und sich dazu bequemen würde? Fab. VIII. Der Fuchs lind dcr Dornstrauch. Dcr Fuchs war auf einen Zaun gesprungen, und als cr darauf auS- glitt, daß cr fast herabgefallen wäre, heM j» den Wörterbüchern lalior, cailo; cs muß abcr ausglciten hcißcu, weil ö^cr-s-o? nicht allein lanlus sondern auch Iuk>rieill>8 heißt;) hielt cr sich au einen Dorusiranch fest. Als cr nun von den Stacheln desselben schmerzlich verwundet wurde, sprach cr zu ihm, u. s. f. — Hier sollte sich die Fabel cudcu; und die Moral sollte die seyn, welche in folgender Sentenz des publ. Syrus enthalten ist- ") Ihre Erklärung von dcr Liebe ist nicht so sehr zu verwerfen, als die vom Hasse. Den» ich hasse cincn Menschen, dcr beständig den bösen Vorsatz hat mir zu schaden, dcr also in dem Unhcilc über meine Vollkommenheit von mir abgehet. Wie kömmt cs abcr, daß ich zur Vcrgcltnng auch in Ansclnmg dcr Urtheile über scinc Vollkommenheit von ibm abgchc? Worauf gründet sich dicscs ^ue- lsttonis? Die Unähnlichlcit zwischen zwey Menschen kann doch unmöglich loi-lii» seyn. Sie müsscn also amichmcn, daß in dem Stande dcr dunklcn Vorstellungen dcr Bcgriff dcr Unähnlichkcit blos prädomnürt, Wir sind also zwey Personen, die zwar von einander unterschieden, abcr nicht cinandcr ciitgcgcngtsetzt sind. Mendelssohn. ") Herausgegeben von Z. I. Sschcnburg unter den Zusätzen zum ersten Theile dcr Kollcklanccn S. 452. L-ssmgs Werke xi. 7 !»5 Anmerkungen über den Aesopus. <)u»m milerum suxilium «st, uvi nocot, c^uoil sutlinel! lind wie der lateinische llcbcrsetzcr die ersten Worte: '^---»^ >^tz«^c,^ M-a/Za^o^xi-«, durch Illllluerat turlo in l'pinol'as vepros vuljiecula, habe geben können, begreif' ich nicht. Fab. IX. Diese Fabel ist nach der lateinischen Uebcrsctzung durchaus unverstandlich. Und auch dem Originale selbst sind gewisse Erläuterungen aus der Gymnastik der Alten durchaus nothwendig. Fab. X. Die Moral der lateinischen Uebersetzung ist ganz anders, als die Moral des Originals, und trifft den Zweck der Fabel gar nicht. Fab. Xl. Der Fuchs und die Larve. Warum hat der lateinische llcbcrsetzcr aus dem Zimmcr ciucs Schauspielers die Werkstatt eines Bildhauers gemacht? Fab. XIII. Die Fischer. heißt nicht sowohl ein Unglück, als das Ausbleibe» eines gehvfftcn Glücks; eine fehlgeschlagene Hoffnung. Fab. XVI. Der Arglistige. Von dieser Fabel verlohnt es sich der Mühe, eine philosophischere Auflösung zu geben. Was sollte Apollo im Ernste antworten? War es ihm möglich, eine eintreffende Antwort darauf zu geben ? Ja; aber nicht mündlich, sondern schriftlich, so, daß der Aersucher sie nicht eher wußte, ehe er, was er thun wollte, that. Denn die Antwort selbst mußte auf seinen Entschluß keinen Einfluß haben. Fab. XXIV. Die Frau und die Hcnnc. Aus dieser simpeln und schönen Fabel scheinen die Neuern die alberne Fabel von der Henne gemacht zu haben, welche ein goldnes Ei legte. Die Moral ist bei beiden eben dieselbe. Wozu also der unnatürliche Umstand eines goldnen Eies? — Unterdessen ist diese Fabel von dem goldenen Eic nicht so ganz neu. Anmerkungen über den Acsopus. 99 Fab. Xl.ll. Die Fledermaus, der Dornstrauch und der Taucher. Diese Fabel scheint bloß gemacht zu seyn, um die natürlichen Eigenschaften der drei Dinge zu erklären. Sie gehört daher nicht mit Recht zu den äsopischen. Fab. Xl.IV. Der Holzhauer und Merkur. In des Apostolius Erzählung dieser Fabel (^clggior. p. 291.) gefällt mir dieses, daß der Gott des Flusses selbst die Aerte heraus« langt, und nickt Merkur. Und auch dieses, daß er ihm zuerst eine silberne, und hernach eine goldne weist, welches beim planudes uni' gekehrt ist. Fab. Xl.Vl, Der Vogelsteller und die Lerche. Diese Fabel kann ein Beispiel seyn, daß man die Moral ans der Handlung der Fabel, und nicht aus den Reden der aufgeführten Personen ziehen müsse. — Auch muß die Handlung nicht anders verstanden werden, als ste wirklich ist. Diesen Fehler hat die 78ste und 12s>stc Fabel. Fab. Xl.Vll. Der Wanderer. Ist nicht sowohl eine Fabel, als ein bloßes Bild. Fab. UI. Die Wespen und die Rebhühner. DaS k'-c-»z>z>->.>,o/i^-oi, ist ganz falsch übersetzt durch promittenlos. 'tZ-ca^-X-^ci^^ heißt ügmlleo mo velle; Lgttilico, «zuvll milii Opus lU. In der 12ov, scheint mir vor «Tiro^, -kktz-^ ausgelassen zu seyn, und der Sinn dieser: daß man unter den Menschen viel von ihm rede, viel nach ihm frage. Denn daß so viel als Werth/ Ansehen, heißen könne, davon finde ich kein Beispiel. Fab. Xci. Merkur und TiresiaS. Ich möchte wohl wissen, wie die Ausleger diese Fabel mit der 98sten und 99sten verglichen, wo von der «oy-^ ausdrücklich gesagt wird: <-tuv-<7^ov o-u--, -x". Wer diese Schwierigkeit nicht aufzulösen weiß, versteht die ganze Fabel nicht. Sie muß aber so aufgelöst werden, daß Tiresias den Merkur eben daran erkannte, daß er ihm schon zum zweitenmal einen unrechten Vogel nannte, aus dem nichts zu schließen war. Aelian sagt: (1^. III. c. IX.) ciui toaes svium et volalus oli- tervaot, eorrnoew, Ii lola g/iparuerit, csplautivlis auguria iusulpi- eatam eile oicnnt. Fab. eill. Merkur. Daß diese Fabel bcscnders auf die Schuster (<7»T>r-^; ist einer, l^ui srtew fulorism exercet:) eingerichtet sey, drückt die llebersctzung nicht aus. Sie hat stc vielmehr gleich allgemein gemacht, daß man anstatt der Schuster jede andre Handwerker setzen kann. Fab. ciV. ZliPiter. Anstatt 6i» 7o^> vx>.<>" muß man lesen: <5t« r->^> o'x^--", d. i- durch die Lippen, lind nunmehr erst kommt in die ganze Fabel ein Verstand, o oxZo? aber heißt eigentlich: Mus, ripa; im figürlichen Verstände aber bedeutet es auch die Lippen, so wie auch x">-oe Indium und rips bedeutet. Fab. 5XXII. Der Reiche. Das: ^,i.cpc>tza? ktz),c>>,a/Zk^ ist schlecht übersetzt durch: «inaestui iigvere alieoas eslsmilales. heißt vielmehr nur überhaupt: sich fremder Zufalle unterziehen. Anmerkungen über den Acsopns, 101 Fab. ci.IV. Der Fischer. Diese Fabel ist ei» bloßes Gleichniß, weil sie keine Handlung hat; oder, wenn man das Durchschlüpfen der kleinen Fische auch für eine Handlung wollte gelten lassen, es gleichwohl ohne Absicht geschieht. — So auch Fab. 268. Fab. ciVIII. Der hungrige Fuchs. „Sin hungriger Fuchs erblickte in einem hohlen Eichbaum von den „Schäfern zurückgelassenes Fleisch und Brod. Er gieng hinein, und „fraß es auf. Jetzt war sein Bauch angeschwollen; er konnte nicht „wieder heraus, und fieng an zu heulen und zu schreien. Sin andrer „Fuchs gieng vorbei, und fragte, was ihm fehle. Jener erzählte, wie „eS ihm gegangen war. So bleib jetzt hier, sagte der andre, bis du „wieder so wirst, wie du beim Hineingehen warst; so wirst du leicht „wieder heraus können." Nachahmung. Ich bin zu einer unglücklichen Stunde geboren! so klagte ein junger Fuchs einem alten. Fast keiner von meinen Anschlägen will mir gelingen. — Deine Anschläge, sagte der ältere Fuchs, werden ohne Zweifel doch klug seyn. Laß doch hören, wann machst du deine An» schlägt? — Wann ich sie mache? Wann anders, als wenn mich hungert? --Wenn dich hungert? fuhr der alte Fuchs fort. Ja! da haben wir es! Hunger und Uebcrlegung sind nie beisammen. Mache sie künftig, wenn du satt bist; und sie werden besser ausfallen.") Fab. VI.XXXIV. Die Otter und die Feile, veutilius ut attererer, ist nicht im Griechischen, und verderbt alles. °) Lessing hat in diesen Anmerkungen über den Aesop vcr- schicdnc seiner Nachahmungen oder Umändnmgcn äsopischer Fabeln zuerst entworfen. Die obige ist indeß die einzige ungcdruckte, die er vermuthlich, weil sie keine Handlung hat, und mehr Gespräch als Fabel ist, in die Sammlung seiner gedruckten Fabeln nicht, gleich den übrigen, mit aufnahm. Bei diesen letztem machte mir indeß die Wahrnehmung seiner kritische» Sorgfalt in niehrer» durchstrichncn und verbesserten Stellen kein geringes Vergnügen. Eschenburg. 102 Anmcrluiigcn über dcu Slcsopus. Fab. ei.XXXVI. Zupitcr und der Fuchs. Ich halte diese Fabel nicht für äsopisch. Die Thiere sind mensch lich darin: io lecticu 6um veliilur (vulprs); und das ist ein ncnc rer Fehler. — Dergleichen Spuren finden sich auch in der 228sten Fabel. Fab. exei. Herkules und Plutus. In der Moral dieser Fabel hat der Grieche nngcmcin verstoßen: 10 Z-k-,ov «va^>ktzo^,^v. 8ie mulli proviii» iofelieos ininruilviiliu, eauluui in numea rekeiunt. Fab. (.XcVIll. Die beiden Käfer. Aus dieser Fabel folgt durchaus ganz und gar nichts. Fab. cexix. Der Löwe und der Fuchs. (5S isi unglaublich, wie Tamerarius diese ganze Fabel in seiner lateinischen llebcrsetzung verhunzt hat. Er versiaud sie ganz falsch, und machte eine ganz andre, nämlich eine schlechte, daraus. Die Moral, wie sie beim Gabrias kurz und gut ausgedrückt wird, ist diese: ökl ««,, /uxol"izo'tV «kci^iikisko^al, daß Man auch keine kleine Verachtung dulden müsse. Eine MauS läuft dem schlafenden Löwen über die Mähne; er erwacht, springt auf, und sieht sich fürchterlich um: ^>o/?kizov »?rk/Z>,--rk: und o/z^^v, iizv ««xizv oöov ««t «vcci-tzkku. Ich wollte ties letzte Wort lieber in «-co^k-rw verwandeln, lind was meint er für einen oSov <7^^-t«v, von welchem er abschrecken («50^-5-1,-) will? Den Weg ohne Zweifel, den die Maus über seine Mähne nahm. Camcrarius aber muß cS von einem ganz andern Wege verstanden haben, wenn er sagt: vl iler coovellit, oeizue, .-ovro? lesen. Nothwendig! — Der Esel hätte so frei mit den Wölfen nicht sehn dürfen. Auch das folgende x-»^, welches nur einem Löwen zukommt, zeigt es zur Enüge. Über den Phader. I. Buch. 1. Fabel. V. 4. lurZii cgulain illtulit; die Ursache aber, warum der Wolf dieses that, ist im Griechischen sehr wohl ausgedrückt, weil er das Schas wollte kT>>-o)>o^i x«raA-oli^<5«->,i>i; o°u »Ti^oi? c^?o? xarll. lind ist es nicht auch sehr natürlich, daß dem Schafe jene Entschuldigung zuerst einfallen mußte? v. !). Repu!1ll5 ille veiitatis viriliiis. Das ist zu gut für den Wolf. Was geht dem Wolf die Wahrheit an? Er will das Schaf bloß in die Verlegenheit setzen, daß es nichts zu antworten weis. Der Grieche sagt daher viel schöner: « «^or-ux'^ 1^? «lVl«?, da er mit diesem Norwandc nicht fortkam. 2. Fabel. Die Fabel an sich ist gut erzehlt. Aber die Gelegenheit, die Phä- der dazu erdichtet, ist nichts weniger als passend. Die Frosche wollten durchaus einen König haben; das wollten die Athenicnser nicht. Die Frösche klagten, als sie das Klotz zum Könige bekommen hatten, nicht daß sie einen König bekommen hätten, sondern, daß sie einen so unwirksamen, unthätigen König erhalten hätten :c. Im Griechischen ist die Gelegenheit nicht, bey welcher sie AesopuS soll erzehlt haben; und auch Fontaine hat sie weggelassen. Aber welcher läppische Einfall von dem letztern, dem Klotz eine Schulter, ein Gesicht zu geben! 8ims olor n'o IongtLM8 regarilor au vilaAe eelui Le. — ^ugyu'ü tauler tur I'e^aule rmibu8o,u«z penvis sbjeelis, elegantiores uitiiarum i» l'peoulo — — Dieses nalan8 ist sehr abgeschmackt, 1. weil durch das Schwimmen das Wasser nothwendig getrübt wird, daß eS unmöglich ein Spiegel mehr seyn kan. 2. weil der Hund nur seinem Stücke Fleische, welches er fallen ließ, hätte nachschwimmen dürffen, um es wieder zu bekommen. Die Griechische Fabel sagt bloß x-vu,- «y-'u? k'x->^-5« -co^^ov Slk/Z«^-. d. i. er ging über den Fluß. Wer heißt es aber die llcbcr- sctzcr durch lknvium Irajieieliat geben? Aphrhonius/ der diese Fabel gleichfalls erzchlt, sagt: li^a^ «^-raci-«? 71? x-uuv 5«,,' wvr^ ötizkt rizv oxA^" rov »o^a^ov d. i. er ging an (neben) dem Ufer des Flusses. Christ/ dessen Kritik sich über die Worte nicht erstreckte, hat diesen fehlerhaften Umstand beybehalten. Viator »innern 5oi8 nataln traollon» I'erebat exta rapla tlen>il)u8 eanis. Fontaine aber hat ihn verbessert. Er läßt den Hund vom Ufer herab springen; und noch dazu den Fluß auf einmal ungestümm werden, daß er nur mit Mühe und Noth wieder an das Land kommen konnte. Aber wie schleppend und nichts sagend ist er sonst. dliaoun so Iroinpe iel uas. Oll voit eourir apres l'omoro ^tant 6e 5ou8 cp^'nn n'en tait pag I^a plus part lln tems le liomlire. 106 Über den Phädcr, Warum la plus pari 6u tems? Man weis die Anzahl dieser Narren niemals. lale exemplum, sagt Iloogl'tiatanus in seinen Anmerkungen, viäeri potel't in perclicca, iluss limul uxores ^uaereote, uuilv neulram obtiuuit. ^öi luktiuum I. 13. c. 6. Lt vi6e rxuiä i6em rekerar 6e Oemetrio 8)rioe rege, llue «zuoc^ue pertiuet laljula cle Lamelo, ^ k'aernurn ^mU. p. 105. 6. Fabel. Die Kuh, die Ziege, das Schaf, der Löwe — welch eine Ecscll- schast! Und wie war es möglich, daß sich diese viere zu einem Zwecke vereinigen konnten? Und noch gar zur Jagd. Im Griechischen ist diese Fabel vortrefflich; und zwar zwischen dem Löwen und dem wilden (5sel (0^«^c>?). Die Theilung ist besonders sinnreich. Nachdem sie nehmlich einige Thiere gefangen, so macht der Löwe drey Theile. DaS erste Theil, sagt er, gehört dem Könige der Thiere, und der bin ich. DaS zweyte ist meine, nach der Billigkeit der Theilung; denn von dem was übrig bleibt, nach' dem der König sein Theil bekommen, muß ich eben so viel haben als du. Und das dritte Theil — — das soll dir übel bekommen, wenn du dich nicht gleich mit der Flucht davon machst. 6. Fabel. v. 1. Vieioi I^uiis eelebres viclit nuptias /^l'ouus, et eouliuuo — — — Wie paßt immer und ewig die Fabel auf diesen Fall! Müs^ sen denn die Kinder eines Diebes auch nothwendig Diebe werden? Bey dem Gabrias ist diese Fabel weit anders und weit besser. Es liegt auch dort eine ganz andre und schöne Moral darum, nehmlich sktzo? ro^z ritt cöl« /Z>,cl,Zs> «z>»'ioo'l«? Aclii-o^sa?. Was <^,i,uma? hier heißen solle, weis ich nicht: ohne Zweifel muß a^ll? (aus Unwissenheit) dafür gelesen werden. Daß Christ aus diesem Diebe, einen öffentlichen Dieb, der das gemeine Wesen bevortheilt hat, macht die Sache nicht besser, sondern vielmehr schlechter. Denn war es denn gewiß und noth- Über den Pbädcr. 107 wendig, daß die Kinder eben die Gelegenheit, das Publicum zu bevortheilcn, haben würden? Fontaine macht noch am allcrglücklichsten einen Tyrannen daraus; der allem Ansehen nach das Nolk noch mehr pressen wird, wenn er Familie bekömmt; und auch alle seine Kinder groß und reich machen will. Und alsdenn liegt auch eine ganz andre Moral darin», als die, welche Faber zur Aufschrift macht: iwproliorrur, iinprolia soboles. 7. Fabel. 2. l) cjuaota k'peoies, eeieliium ooa lisbet! Im Griechischen klingt es so sinnreich nicht, und folglich viel natürlicher: ,c>v o-vx -x^t. Welch ein schöner Kopf und nichts darinn! Denn -)-xk.ov heißt alles was in dem Kopfe ist, und also freylich auch das Gehirn, v. I. 1'erl'liliaui liagieam — Warum jierlunam? l^erluna war die ganze -rx--^, die ganze Kleidung des Schauspielers. Und hier ist ja nur von der Larve die Rede. Und warum trszie-iir»? 8. Fabel. v. 6. — — — — — coeiiil kingulc>8 Inliecie prelio, ut illuil extialierent walum, '1'uiiileiu perl'uul'u vtt jurejuianilo Lrui8, (-ulu'ljuo eiecloiis oolli loiigikuiliiiem t^eiivulosum levit iiiellivinoin I^upo. Diese Zeilen sind niäit übel, sie haben ihre kleine Schönheiten. Aber »nr hier taugen sie nicht; weil die Antwort des Wolfs bey weitem nicht so frappirt, als sie es in dem Griechischen thut, wo die Gefahr des Kranichs, und sein Weigern, so sorgfältig nicht beschrieben wird. Ancl, Fontaine eilet hierüber weg, um geschwinder zum Ziele zu kommen; ob ihn schon der Brcßlauischc Ilcbcrsctzcr des "phäderS deswegen tadelt. !>. Fabel. Diese Fabel isi unter den griechischen nicht zu finden. Fontaine macht aus dem Sperlinge ein Rebhuhn; uno sagt in dem Eingänge seiner t5rjcl)lu»g, daß AcsopuS ein oder zwey Mährchcn gleichen Inn- Halts habe. Mir sind sie nicht vorgekommen. 108 Über den Phäder. 10. Fabel. Auch diese Fabel ist nicht unter den Griechischen. Die Moral die Phäder daraus zieht, ist viel zu allgemein. Die eigentliche Moral ist diese: daß es eine sehr kützliche Sache sey, eine Streitigkeit zu schlichten, wo beyde Theile als Belrieger bekannt sind. So hätte man, zum Exempel bey dem Processe welchen Voltaire und der Jude Hirsch vor einigen Jahren hier hatten, sehr wohl zu dem Juden sagen können In rioa viileris vercliäille izuoä vetis; und zu Voltairen: 1e creilo lurripuille «zuoä pulere oegas. 11. Fabel. v. 9. 10. Huoe «Zum psventes exitus nolos pelunt, I^eonis aillliAuiitur I>orreo6o impelu. Die Art, wie der Löwe und der Esel mit einander jagen, ist nicht wohl zu bcgreiffen. Der Löwe verbirgt den Esel i» das Gebüsche und Eestrütte; da läßt er ihn schreyen; und die Thiere, die sich durch ihre gewöhnlichen Schlupflöcher retten wolle», fallen dem Löwen in die Klauen. Entweder die Thiere wußten nur einen Ausgang, oder der Löwe konnte überall seyn, oder er fing nur sehr wenige. Wie vortrefflich fallen alle diese Schwierigkeiten im Griechischen weg. Sie kommen beyde zusammen vor eine Höhle, in welcher sich wilde Ziegen aufhalten. Der Löwe lauert an dem Eingänge, und schickt den Esel herein, der die wilden Ziegen mit seiner fürchterlichen Stimme herausscheucht, und sie dem Löwen in die Klauen treibt. 12. Fabel. Diese Fabel ist vortrefflich crzehlt. lind wie sehr hat sie Christ verhunzt. Phäder sagt ^6 sontem Lervus, ^uum itii^et, rellilit. Schön! als er getrunken hatte; denn alSdcnn verhinderte ihn der Durst nicht mehr daran. Christ aber sagt: III konte Lervus eorniii» acilpexit i/6en«. Und wie elend ist das folgende ttmen-/»»» verlies nr«luo lleeus. Das timenäum verderbt alles. Das Geweih muß hier nicht von seiner nützlichen Seite gezeigt werden. Über den Phäder. 109 Bey dem Fontaine sind die vier letzten Zeilen das beste; und die übrige Erzehlung taugt nichts. In dem Griechischen, ist statt der Jäger ein Löwe, welches der einzige Unterschied ist, den cS mit der lateinischen Fabel hat. 43. Fabel. In den Griechischen Fabeln, des Avhthonius ausgenommen, ist, weit schicklicher, anstatt des Käses, ein Stück Fleisch. Denn dieses läßt sich ohne Zweifel weit leichter im Schnabel wegtragen, als jener. Die erste von den griechischen ist die artigste, weil die Lehre, die der Fuchs dem Raben giebt, gleichwohl noch mit seinen Schmeiche- leycn zusammen hängt. Erst sagt er, er verdiene über alle zu regieren, wenn es ihm nicht an der Stimme fehle; und hernach, wenn es ihm nicht am Verstände fehle. Beym Fontaine spricht der Sitlenlchrer allzusehr durch den Fuchs. Die zwey letzten Zeilen bey dem Phäder sind überflüßig und schlecht. 14. Fabel. Die vierte und fünfte Zeile müßen nothwendig eingeflickt seyn, und es wundert mich, daß dieses noch niemand bemerkt hat. Denn man mag nun die Krankheit auf den König oder auf den Schuster ziehen, so ist dieser Umstand doch höchst unsinnig angebracht. Der Zusammenhang und die Construction leidet auch nicht daS geringste, wenn man sie wegläßt. klalus eum lulor inopia ^enoröitus Ne6ic!n!im ignolo laeerv coepillot looo, vornlitgret tsllo imlillotum nomioe, livx urliis, eins exveriooili xistia >^c. 15. Fabel. Diese Fabel ist eine von den schönsten d»s Phäders, und findet sich in dem Griechischen nicht. Der Eingang der Fontainschcn Nachahmung taugt nichts, und verdirbt viel. Denn es war doch ein großes Verdienst des Alten gegen den Esel, daß er ihn auf eine so schöne Weide brachte. 1k. Fabel. Diese Fabel kömmt im Griechischen nicht vor; aber sie ist auch sehr »litlelmäfiig. 110 Über den Phädcr. Die zweyte Zeile scheint inir nichts weniger, als lateinisch zu seyn. Alala viäere expotlt. Wessen mal»? Was für mal»? Könnte man nicht vielleicht malam lesen, und es auf das vorige lern ziehen? 17. Fabel. Diese Fabel ist sehr schlecht; und die alte Fabel bey dem Nomulus, nach welcher Christ seine gemacht hat, ist schöner! obgleich auch nicht sehr schön. 18. Fabel. Kömmt in dem Griechischen gleichfalls nicht vor. 8erola welches Christ aus den alten Fabeln anstatt der andern Hündinnen gesetzt hat, ist keine gute Verbesserung. ES ist natürlicher, daß sich einer Hündin eine Hündin erbarme, als daß eS eine Bache thue. 19. Fabel. Im Griechischen ist es die 208. Fabel. Die Moral, welche Phä- druS daraus zieht, ist nicht allein höchst gemein, sondern auch ganz die unrechte. Der Grieche trift sie weit besser. !lo>->,0l, 6t' kX^lck« «ktzöo'v? k^o^ol^oi??, /I,ox^o^ I?5»/I^?'0l, <^avo^><5i, zc^^rov x«?«,-a>^-rxo^vc>c. d. i. Viele, die in Hoffnung ei' ncs unsicher»! Gewinnstes, sich einer schweren Arbeit unterziehen, kommen um, ehe sie zum Zwecke- gelangen. Warnm Fontaine aus dem Leder einen todten auf dem Wasser schwimmenden Esel gemacht habe, ist schwer einzusehen, lind welch ein elender Eingang, der uns die wahre Absicht der Zabel gan> aus den Augen bringt. Nach seiner Erzählung sollte man glauben, diese Fabel lehre weiter nichts, als, daß der Hund tot und gournianli sey. Phadrus hat Fontaine» verführt, aus einer seichten Moral eine noch seichtere zu machen. Der schöne Schluß soll den Fehler einigermaßen wieder gut machen, aber umsonst. Wenn der Schluß zu Anfange stünde, und der Anfang gar wegbliebe. Ohne Zweifel hat Fontaine mit dem weitschweifigen Anfange es wahrscheinlicher machen wollen, daß Hunde einen so albernen Anschlag fassen können. Allein wozu diese ängstliche Wahrscheinlichkeit? Ueber die Wirklichkeit der Dinge außer Gott.*) Ich mag mir die Wirklichkeit der Dinge außer Gott erklären, wie ich will, so muß ich bekennen, daß ich mir keinen Begriff davon machen kann. Man nenne sie das Complemenr der Möglichkeit; so frage ich: ist von diesem Complemenre der Möglichkeit in Gott ein Begriff, oder keiner? Wer wird das Letztere behaupten wollen? Ist aber ein Begriff davon in ihm, so ist die Sache selbst in ihm; so sind alle Dinge in ihm selbst wirklich. Aber, wird man sagen, der Begriff, welchen Gott von der Wirklichkeit eines Dinges hat, hebt die Wirklichkeit eines Dinges außer ihm nicht auf. Nickt? So muß die Wirklichkeit außer ihm etwas haben, was sie von der Wirklichkeit in seinem Begriffe unterscheidet. Das ist: in der Wirklichkeit außer ihm muß etwas seyn, wovon Gott keinen Begriff hat. Eine Ungereimtheit! Ist aber nichts dergleichen, ist in dem Begriffe, den Gott von der Wirklichkeit eines Dinges hat, alles zu finden, was in dessen Wirklichkeit außer ihm anzutreffen: so sind beide Wirklichkeiten Eins, und alles, was außer Gott existircn soll, cxistirt in Gott. Oder man sage: die Wirklichkeit eines Dinges sey der Inbegriff aller möglichen Bestimmungen, die ihm zukommen können. Muß nicht dieser Inbegriff auch in der Idee Gottes seyn/ Welche Bestimmung hat das Wirkliche außer ihm, wenn nicht auch das Urbild in Gott zu finden wäre? Folglich ist dieses Urbild das Ding selbst, und sagen, daß das Ding auch außer diesem Urbild cri- stirc, heißt, dessen Urbild auf eine eben so unnöthigc als ungereimte Weise verdoppeln. Ich glaube zwar, die Philosophen sagen, von einem Dinge die Wirklichkeit außer Gott bejahen, heiße weiter nichts, als dieses Ding bloß von Gott unterscheiden, und dessen Wirklichkeit von einer andern Art zu seyn erklären, als ke nothwendige Wirklichkeit GottcS ist. Wenn sie aber bloß dieses wollen, warum sollen nicht die Begriffe, die Gott von den wirklichen Dingen hat, diese wirklichen Dinge selbst seyn? Sie sind von Gott noch immer genugsam unterschieden, und ihre Wirklichkeit wird darum noch nichts weniger als nothwendig, weil sie in ihm wirklich sind. Denn müßte nicht der Zufälligkeit, die sie außer ihm haben sollte, auch in seiner Idee ein Bild cntsprc- °) Gedruckt in Lessings Lebe» «, S. 164; wie Karl Lessing S. 93. sagt, „an Moses Mendelssohn gerichtet." 112 Ueber die Wirklichkeit der Dinge außer Gott. chen? Und dieses Bild ist nur ihre Zufälligkeit selbst. Was außer Gott zufällig ist, wird auch in Gott zufällig seyn, oder Gott müßte von dem Zufälligen außer ihm keinen Begriff haben. — Ich brauche dieses außer ihm, so wie man es gemeiniglich zu brauchen pflegt, um aus der Anwendung zu zeigen, daß man es nicht brauchen sollte. Aber, wird man schreien: Zufälligkeiten in dem unveränderlichen Wesen Gottes annehmen! — Nun? Bin ich cS allein, der dieses thut? Ihr selbst, die ihr Gott Begriffe von zufälligen Dingen beilegen müßt, ist euch nie bcigefallcn, daß Begriffe von zufälligen Dingen zufällige Begriffe sind? Durch Spinoza ist Leibnitz nur auf die Spur der vorherbestimmten Harmonie gekommen.*) Ich fange bei dem ersten Gespräche an. Darin bin ich noch Ihrer Meinung, daß es Spinoza ist, welcher Leibniizen auf die vorherbestimmte Harmonie gebracht hat. Denn Spinoza war der erste, welchen sein System auf die Möglichkeit lcilctc, daß alle Veränderungen des Körpers bloß und allein aus desselben eigenen mechanischen Kräften erfolgen könnten. Durch diese Möglichkeit kam Lcibniy auf die Spur seiner Hvvothese. Aber bloß auf die Spur, die fernere AuS- spinnung war ein Werk seiner eigenen Sagacität. Denn daß Spinoza die vorherbestimmte Harmonie selbst, gcseht auch nur so, wie sie in dem göttlichen Verstände ünlececlenler s,l« heißen hier weiter nichts, als schlechte, elende Werke; weil Strabo ganz neue Werke darunter versteht, die er nicht den Werken aus den ältesten Zeiten der Kunst, sondern den guten ältesten Werken entgegen setzt." Zu S. 11., wo oben von W- erinnert wird, daß die Kunst und die Bildhauerei zuerst mit Arbeiten in Thon ansingen: „VS hätte angemerkt zu werden verdient, daß die ältesten Künstler auch in Pech gearbeitet haben. Dädalus machte eine Bildsäule des Herkules aus Pech, zur Dankbarkeit, daß dieser seinen Sohn Ikarus begraben hatte, ^ottoc/o,-. 1^, II. «lo Deor. t)rix. Doch sagt pausanias (i^. IX. p. 731. eci. ^u/i».) von eben dieser Bildsäule, daß sie von Holz gewesen. Auch Junius vergißt des PcchS (I.ili. III. e. IX.), wo er die verschiedenen Materien der alten Statuen erzählt. " 3. S. 1Z. sagt N?-, daß sich von Statuen aus Elfenbein niemals, in so vielen Lndekkunge» die geringste Spur gefunden habe; und L. setzt hinzu: „Man dürfte aber vielleicht überhaupt zweifeln, ob die °) Vorarbeite» zu cincr neuen mit Aiimerkungc» Berichtigungen und Zusätze» begleiteten Ausgabe, von Eschcnburg heraus gegeben in der Berlinischen Monatsschrift, im cilstcn Bande (1788) S, 694. ") Alle Seitenzahlen bezieht» sich hier auf die Dresdner Ausgabe. Zu der Wiener, die L. gleichfalls besaß, und die ich mehrere Zahrc, selbst bis nach seinem Tode, von ihm in Händen hatte, war nichts beigeschrieben; auch nicht zu den zwei Theilen der Winkeln,. Anmerkungen zur G. d. A-, die ich gleichfalls ans seinem Nachlasse besitze. iLschenburg. ^-5^ >S> Anmerkungen zu WinkelmannS beschichte der Kunst. Alten viel große Stiikkc aus Elfenbein durchaus gearbeitet haben, und ob nicht die meisten von den so genannten elfenbeinernen Statuen bloß solche gewesen, an welchen allein das Gesicht und die andern sichtbaren naktcn Theile ans Elfenbein gearbeitet waren, plinius könnte diese Vermuthung zu bestärken scheinen, wenn er (1^. Xll. 8ect. 2.) sagt: !mle<7uam eo6em evore ,lu,nt»,-»i o?-» I'uectareotul', vt mens-uur» i,eile?. Die elfenbeinernen Statuen des Gcrmanikus, des Britannikus, die bei den circenstschen Spielen vorgetragen wurden, können eben deswegen nicht sehr groß gewesen sein. Doch andere uiüsscn es allerdings gewesen sei»! als z.B. die Statue der Minerva Alea, die Angu- sius von Tegea mit weg nach Rom nahm, und von der pausanias ausdrüklich sagt, daß cS -^-cp«,^-»; 6-« ,«,'i-o? -ck-ro-,^,u,k^ov gewesen." Ebcnd. sagt W, daß solche Statuen, an welchen nur die äußersten Theile von Stein waren, Akrolirhi genannt worden; und L. schrieb hinzu: „Den Beweis bleibt schuldig." 4. Zu S. 32. Note 2. bemerkt L> daß die Figur beim 2Zegcr ^Iiel. kranu'.1. 3. p. 402. keine Mumie sei; nnd S. 33., daß die Acgyp- ter nicht, wie W- sagt, auswärts/ sondern vielmehr vorwärts gebogene Schienbeine gehabt zu haben scheinen, welche Bildung derselben pi- gnorius auch an den Figuren der Isischcn Tafel wahrzunehmen glaubte. 6. Vvinkelm. S. 36. „Die Sphinxe der Aegyptcr haben beiderlei Geschlecht, das ist, sie sind vorne weiblich, lind haben einen weiblichen Kopf, und hinten männlich, wo sich die Hoden zeigen. Dieses ist noch von niemand angemerkt. Ich gab dieses aus einem Steine des Sto- schischcn Musci an; und ich zeigte dadurch die Erklärung der bisher nicht verstandenen Stelle des Poeten philemon-- L. „Oder vielmehr des Strato, oder Strattis. — Athenäus führt nämlich die Stelle, wovon hier die Rede ist, zweimal an: einmal im ölen, nnd einmal im t4tcn Buche. Dort legt er sie dem Strato bei, und setzt noch hinzu, daß sie ans dessen pkönicidcs sey. Hier aber dem philcmon; ans einem Fehler des Gedächtnisses ohne Zweifel, wo es nicht ein bloßer Irrthum des Abschreibers ist. Denn da er dort die Stelle in ihrem ganzen Umfange anführt, (hier aber nur die ersten drei Zeilen davon), und auch das Stük benennt, woraus sie genommen; so scheint diese erste Anführung mehr Glaubwürdigkeit zu haben, als die andere. Man wird daher die Stelle auch vergeblich unter den Fragmenten des philemon, in der Ausgabe des Clericus, suchen. Warum sie aber bis auf diese Wintel- 8« 11k Anmerkungen mannische Entdekknng nicht verstanden worden, das begreife ich nicht. ES hat Jemand eine» Koch gcmicchct, der sich in lauter Homerischen Worten auSdrükt, die der, der ihn gemiethet hat, nicht versteht. Ich habe einen männlichen Sphinx, und nicht einen Koch, nach Hause gebracht: sagt dieser also von ihm. Sollte man nun hieraus nicht gerade das Gegentheil von dem schließen, was N> entdckt haben will? Venn eben, weil alle Sphinxe für weiblich gehalten wurden, wird hier der unverständliche Koch ein männlicher Sphinx genannt/' S. 47. gedenkt W- der Sphinxe an den vier Seiten der Spitze des LbeliSkS der Sonne, welche Menschenhände haben. — -L- setzt hinzu: „Auch der Sphinx in dem Gemälde des OedipuS in dem Na- sonischcn Grabmahle, halte Menschenhände. (S. Bellori.) Er hat über dieses Flügel, und sitzt." 6. Von einer hölzern Statue des Apollo zu SamoS sagt w. S. l>1,: Telekles habe die eine Hälfte derselben zn EphesuS, und Thcodorus die andere Hälfte zn SamoS verfertigt. — „Umgekehrt; sagt L-, TheodoruS zu Ephcsus, und TelekleS zu SamoS. D-ol/o^. l, c. Evend. Nr. 2. schlägt W. vor, in der Stelle beim Diodor anstatt «ar« ^ otz->z!?z!>, zn lesen: «ar« oo-P-u,-. — „Oder vielleicht, bemerkt L/ «g^^, nämlich, ^---^-»v, welches so viel wäre, als -r?os ötz^«? z,^«?. n?. Verbesserung taugt nichts; denn rizv oo-^-uv^ «lövtui' würde wahrer Nonsense sein." 7. „Unter den (S. 77. angeführten) Ursachen, warum die bildenden Künste bei den Persern z» keinem besondern Grade der Vollkommenheit gelangen konnten, war vielleicht auch der eingeschränkte Gebrauch derselben, indem sie solche nur zur Nachahmung kriegrischcr und mördrischer Gegenstände anwandten, eine von den vornehmsten, .^puii porlas, sagt Ammianus Marcellinus (I.> 24. e. 6.) non rimgitur vel lingitur gliuil, proeler vgrias csnllos et belln. Lk. S^i^nniits, 1v. 3. 92." Zu der Bemerkung S. 120., daß der Preis in den Panalhcnäi- schcn Spielen zu Athen gemalte Gefäße von gebrannter Erde, mit Ocl angefüllt, gewesen, schrieb L. die Anführung pindars/ ^Ve»i, ^ /l,)ioci. /Z. , 8. w S. 135. unten: „So malte polygnotus das Pücile zu „Athen, und, wie es scheint, auch ein öffentliches Gebäude zu Del- „phoS." — L „Nämlich die Lesche. V. />a,./a»l. I.. X., wo die zwei großen Gemälde darin umständlich beschrieben werden. Was sie vorgestellt, brauchte uns Herr 5V- also nicht erst aus einem alten ge- zu Winkelmanns Geschichte der Kunst. 117 schricbene» Scholio zu dem Gorgias des plato lehren zu wollen. Sogar die Verse, die er aus demselben zuerst beizubringen glaubt, flehen bereits beim pausanias," S. 137. sagt w./ daß die Stadt Aliphera bloß wegen einer Statue der Pallas von Erz. vom HekatodornS und Sostratus gemacht, berühmt gewesen sei; und beruft sich dabei auf den polybtus. Allein dieser Schriftsteller sagt, wie L, erinnert, nichts davon; und W- hätte lieber Thespiä (das wegen der Statue des Kupido berühmt war) anführen sollen. 9. Zu S. 18V. „Der platte Augapfel in den alten marmornen Statuen hat dem Iuvenal zu einem Bciworte Gelegenheit gegeben, welches kein einziger neuer Ausleger gehörig verstanden hat. 8s>. VII. v. 126. heißt es von dem Sachwalter Acmilianns: — Iwjus ooiw 5lsl cm i ns i>Iieneu8, nlli l^uglliijuges iu vettiuulis, allzuo ivle seraei IZellslorv keclenZ euivatum lialtilo minalur Llnious, er ^/»/«a meclilaluv proelia /««ca. Si«i«a /usc« heißt ihnen hier allen eine einäugige Statue; ciuwc- der, wie einige sagen, weil die Statue im Prosit betrachtet, nur ein Auge hat; oder, wie andre wollen, weil die Schützen um desto gewisser zu treffen, im Zielen das eine Auge zuschließen. Noch andre wollen gar, daß Acinilian wirklich nur ein Auge gehabt habe. Sie haben aber alle wenig von der Kunst verstanden. Tcr Künstler wird in dergleichen Ehrenwerten keine Fehler in der Natur nachahmen; er wird keine Gcberde nachahmen, durch welche da§ ganze Gesicht verzerrt wird. Kurz, insca heißt hier hohläugig, blödstchrig; und so erscheinen wirklich alle alte Statucu, wegen des platten Augapfels, uud des unbemerkten Sternes darin. Der einzige alte Scholiast des Iu- venals zielet auf diesen wahren Sinn; und die Ausleger haben ihn bloß verlassen, weil sie ihn nicht verstanden haben. /u^ea, sagt er, eu- jus oculus iolioilns eeü'it; deren Auge» einwärts gehen, znrükweichcn. 10. Der S. 198- von N). gemachten Anmerkung, daß die völlig bekleidete Venus iu Marmor allezeit mit zwei Gürteln vorgestellt würde, fügt noch diese bei: „daß die alte» Bildhauer der Göttin» diesen zweiten, ihr eigenthümlichen, Gürtel auch alSdaun noch gegeben ha- den, wenn sie sie ohne alle Bekleidung, ganz nakkend, vorstellten; wie aus einem Epigramm der Anthologie (1^. V. 19.) erhellt. Aber aus eben diesem Epigramm erhellt zugleich, daß, wie w. behaupten 118 Anmcrkungcu will, er nicht allezeit dcn llntcrlcil' umgürtct; den» an der darin beschriebenen Statue hing er von dein Halse über die Brust herab." 11. „Hr. 5V> scheint (S> 203.) ungewiß zn seyn, was er aus dem Netze machen soll, welches über dcn Mantel einer weiblichen Statue, in der Villa des Grafen Fede, geworfen ist. Ich halte eS für ein Aonopeum; das ist, für das feine Netz, unter welchem man sich, besonders in Aegypten, vor dcn Mükken und Fliegen zu schützen pflegte. i?s ward nicht bloß über die Schlafenden gebreitet, sondern man ging, allem Ansehen nach, auch darin aus. Tie Wörterbücher erklären Ronopeum zwar nur durch Vorhang, i-t-/,-,-,. ^i»/»//»- allein es ist unleugbar, daß cS wirklich ein gestriktcs Netz gewesen sei. Der alte Kommentator des Horaz beim Trucc,uius sagt (über LnmI. IX. 16.) auSdrüklich: genus ekt retis sä muscas et culiees sliigen- äc>8, czuo /.lexarnlriui pol!5limum ulunlur ^>ro^>Ier culioum illic: aliunclauliaw. Und man lese nur in der Anthologie (1^. IV. c. 32.) die drei Sinnschriflen über das Konopcum, um dieses Umstaiides wegen völlig gewiß zu sein. Der alte Schcliast des Juvcnals erklärt cS dnrch linuiu leouil'limis maculig ,in,«-/i-»i. Für dieses »in,«-/«,» will das Faberische Wörterbuch c/i/ii,-?/,-?» gelesen haben; allein es ist offenbar, daß man ,ic/«»t lese» muß; und macu/ae hier nicht Flekken, sonder» Maschen bedeuten. — Hcnninius, in seiner Ausgabe des Iluvenal, hat jenes „«»c-Zun» in verwandelt, und also das mnc-zi/i« gleichfalls falsch verstanden. — Sonst finde ich auch beim cle lie Vcstiaria, (üap. I. eine Kleidung erwähnt, die mit der beschriebenen viel Achnlichcs hat: /ie/i- cu/,»!e!»g>oria I^oIIuei. Abcr ich kann die Stelle beim Pollux nicht finden." 12. Nach Winkelmanns Bemerkung, S. 207. gab man den Haaren der Götterstatucn vielmals eine Hyacinrhenfarbe. Er beruft sich da- bey auf eine Stelle beim pindar, die L> berichtigt. Sie steht nämlich nicht ^Ve,». 7., sondern /«t/im. 7. ^nt. und heißt 'o/?^-»- xoici-^ ?>lo^«i?^ nach des r. 1. gegeben wird, llcbrigcus heißt c'ov stets eine Viole, nie abcr eine Hyacinthe; und jcnc Haare waren also violenfarbig. 13. S. 267. gedenkt W. des von dem Vrabmal der Nascucn noch zu Winkelmanns Geschichte der Kunst. 119 übrigen Gemäldes, als des einzigen, welches den Oedipus nebst dem Sphinx vorstellt, und i» der Wand eines Saals der Billa Altieri eingesetzt ist. L. erinnert dabei, daß sich zu Aelloris Zeiten drei Stükke daselbst befanden; außer jenem nehmlich noch die Tigerjagd mit den Spiegeln, und ein Pferd; welche Altieri alle drei aus dem Rasonischen Grabmale hatte wegnehmen, und in seine Villa bringen lassen. Die letzten zwei muß also auch die Feit verzehrt haben. V. Ie//»,'!t Deleriuk. 8epuleir IXat^num, ou. k?,aev. p. 1l)39. Ebendas. sagt Vv., daß ein Stük eines alten Gemäldes im Pallaste Farncse, welches Du 2Zos (liellex. I. p. 3-ZI) angiebt, in Rom ganz und gar unbekannt sey. — „Indeß ist das doch, wie L. bemerkt, keine Erdichtung des Du Bos; sondern Aellori gedenkt desselben gleichfalls. Du 2Zos sagt: Oo voit enoore au I'alais lernet« uo moieean uo «einluie aulikjue, trouve tlsns la vi^oe ilo I'Lmnereur ^«Irien livoli <^e. lind T)ellori: (Inlroiluel. a6 t'iolui'lls i>nli<^ua8 ?>slic> li'aruekiaiio liomav eernilur eleganlilllma uietura. ex viüa ^llriani eo tianslala, czuae encarvi» !>l>»rnala ekl, exliivens lui-vam et duos juiei-os, nee uou ciimiiiiam IV^mpIiam, et llimillium eizuuw, ex umlira sronliinin grlioruml^uo niocleunles, quas tiKurss Vilruvius voeat wvottra ek tliiniäiata ligilla, et Ilali t-Vv/^e/c/ie." lt. S. 27Z. findet w- das Urtheil des Arhcnäus (0e//>»o/ I.ili. 13. p, l>v4. sehr ungegründet, daß ein Apollo bloß deswegen schlecht gemacht zu achten sein würde, wenn man ihm nicht schwarze, sonder» blonde Haare gegeben hätte. — L. setzt hinzu: „x?"^«? »o,u,c^-, sagt Atlicnäus. Dolce hat diese Stelle besser verstanden, als Hr. XV- (Dialogo uella I>iUura, p. 183.)" S. 31l>. gedenkt W. der Anführung des Skelmis beim Rallimachus, lind glaubt, daß mau dafür Smilis lesen müsse. In der Note sagt er, daß man in Bcntleys Anmerkungen über diese Stelle (/^nAni. 1l>6. p. 358.) sehe, wie mancherlei Muihmaßnngen von andern so- wohl, als von ihm über diesen Namen gemacht stnd. — „Ich finde, sagt daß schon pomponius Gaurikus (de 8eulu>. eap. XVII.) den Skclniiö beim 2xallimachua für den Smilis gebaltcn: l^lurus et iu 8i>mu t>n>ilis ^egiiienlls, czuem (üollim.iclius 8eelmin a^pel- I-ivil. Diese Vcrmnthuug, welche Ruhn (acl ^»»/ä«. VII. p. ZZl.) verwirft, ohne zu sagen, ob sie wirklich Jemand, und wer sie gehegt hat Wesseling neuerlich (I'loliuli. can. 34 ) gebilligt und angenommen; und diesem ohne Zweifel hat sie Herr Xv- hier entlehnt." 120 Aiimcrknnac» 15. Ueber die S. 319. angefnhrten Runstschulen des Alterthums erinnert L. folgendes: „Wenn Schule» hier Folgen von Künstlern heißen, die einem gewissen Stile folgen, und in diesem Stile unterrichten, so war wenigstens Korinth keine solche Schule. Denn wir lese» nirgends, daß die korinthischen Kunstwerke einen eigenen Stil, ^o-cov ^? k^a?l«5, wie es pausamas nennt, gehabt hätten. Der Stil der korinthischen Künstler war Anfangs unter dem Helladischen, und hernach unter dem Attischen Stile begriffen." „Die (S. 320. u. 3) angezogene Stelle des plinius (I.. 35. c. 3t>.) hätte Vv- bei diesem seinem Abschnitte von den griechischen Schulen zum Grunde legen sollen; und er würde Lerter, wo bloß viel gearbeitet ward, nicht für Schulen ausgegeben haben, plinius aber sagt, daß es An« fangs in der Malerei nur zwei Schulen gegeben habe: die Helladische und die Astatische; bis öupompnS in der ersten eine Trennung verursacht habe, und die Helladische Schule in die Sicyonische und Attische unterschieden worden. Schon aus diesem Zeugnisse des Plinius ist es also klar, daß die Aeginetische und Korinthische Schule keine Schulen in dem angegebenen Erstände gewesen, lind warum gedenkt der Verfasser der Asiatischen oder Ionischen Schule so gaiij und gar nicht? Ohne Zweifel, um sein Lieblingssystem, daß die Kunst und die Freiheit beständig einerlei Schritt gehalten, nicht zweifelhaft zu mache». Tcr vornehmste Sitz der Ionischen Schule scheint in RhoduS gewesen zu sein." 5V. glaubt S. 321., daß sich schon in ganz alten Zeiten eine Schule der Kunst ans der Insel Aegina angefangen habe, wegen der Nachrichten von so vielen alten Statuen in Griechenland, im ägincti- schen Stile gearbeitet. — „(5s ist wahr, sagt L-, pausanias gedenkt cu)<»^ixl-ii' ktz^v, rr gedenkt eines Stils, « wl)>n'^txo; ^L^vllv. Aber dem ungeachtet kann man nicht berechtigt sein, hieraus eine besondere Schule zu machen, wenn man nicht das Zeugniß des plinius ganz umstoße» will. Man muß vielmehr den pau- saniao mit dem plinius zu vergleichen suchen: welches am besten geschehen kann, wen» man annimmt, daß man durch die Benennung des äginetischcn Stils nur gewisse alte Werke unterschieden habe, die lange vor der Stiftung aller Schule» gemacht worden. Denn Schule» i» dem beigebrachten Verstände lassen sich überhaupt nicht eher denken, als bis die Kunst zu einer gewissen Ziollkonimcnhcil gelangt ist, bis die Meister nach festen Grnndsätzen, und zwar Jeder nach seinen eigenen, zu arbeite» anfangen. Werte vor dieser Zeit hießen also bei den Ericchen äginetische, oder attische, oder ägyptische Werke; wie zu Winkclmaims Geschichte der Kunst. 121 aus der Stelle des pausanias (1^. VII. p. 633.) erhellt, die der lateinische Uebersetzer aber nicht verstanden zu haben scheint." Zu S. 327., wo gesagt wird, daß auch die aus Athen mit ihren Kindern nach Trözene geflüchtete» Weiber an der Unsterblichkeit durch Statuen öffentlich verehrt zu werden, Theil gehabt hätten, setzt K. hinzu: „Nicht alle, sondern nur die vornehmste» derselben, wie pausanias in dem Verfolge der angezogenen Stelle (I.. 2. p. 186.) selbst beibringt." 16. Zu S. 363. bemerkt Lcsstng/ was er auch schon im Laokoon fBand VI, S. 64-Z) erinnert hat, daß Tauviskus nicht aus Rhodus, sondern aus Tralles in Lydicn gebürtig gewesen sei. „ VVinkelmanns Irrthum schreibt stch ohne Zweifel daher, daß er beim plinius von diesem Kunstwerke gelesen zu haben sich erinnerte: ex eoclem Ispicle, lilwclc» aclvecla opi^a ^vollooii e> ^sui-isei. ?as Werk war aus Rhodus nach Rom gekommen. Apollonius und Taurisr'us waren Brüder, die eine so große Hochachtung für ihren Lehrmeister in der Kunst hatten, daß sie sich auf ihren Werken lieber nach ihm, als »ach ihrem leiblichen Vater »eunen wollen. Denn nichts anders kann plinius meinen, wenn er von ihnen sagt: pareuluw !i eeilsmen ) sagt Theophrast, „wird sich dessen und jenen rühmen; er wird dem ersten dem besten, „mit dem er auf dem Wege zusammenkonimt, erzählen, daß er unter „dem Alexander gedient; wie viel reiche Becher er mitgebracht; er „wird behaupten, daß die asiatischen Künstler denen in Europa weit „vorzuziehen sind." Nämlich um den Werth seiner Becher, die er aus den asiatischen Fcldzügcn mitgebracht, desto mehr zu erheben. — Was beweiset nun diese Ausschncidcrci hier für unsern Verfasser? Wenn sie ja etwas beweiset, so beweiset sie gerade das Gegentheil."-- 122 Ilnmerknngcn S. 382. redet w. von Cäsars Statue zu Pferde, die vor dem von ihm crbaucten Tempel der Venus stand, und sagt: es scheine aus einer Stelle des Statius, daß das Pferd von der Hand des berühmten Lysippus gewesen, und also aus Griechenland weggeführet worden. — „Es scheint; setzt L. hinjn, vorausgesetzt nämlich, daß die Stelle des Statius, auf die es ankommt, nicht untergeschoben ist, wofür sie Barth, N. Heinsnis und andre erkennen. ^. Sz-Ziin,-. 1^. 1.1. v. 86. coaf. K«eeon. cap. 61. in t?ae/rl^e, et 1^ VIll. esp. 12," 17. „Raligula nahm unter andern, sagt winkelmami S. 391., den Thcspiern ihren berühmten Rupido vom Praxiteles/ welchen ihnen Rlaudius wiedergab, und Nero von neuem nahm. — lieber diesen Kupido macht Ä> folgende ausführlichere Zlninerkung: „Unter den kostbaren Kunstwerke», welche Verres in Sicilicn, besonders zu Messana, mehr raubte als an sich handelte, befand sich auch ein Aupido des Praxiteles von Marmor, dergleichen eben dieser Künstler für die Thespicr gemacht hatte, und deren einer also vermuthlich die Wiederholung des ander» war. Dieses erhellt deutlich ans den Worten des Cicero (1,. IV. p'c^eni/) llnum l^upi- clinis marmoroum prsxiteliz — — illem ovinor, arlisex ejusclem moell tüuviilillem socil illuru ii8, ^>rovler s^uem l'lie- tvias vituntur. Jener war zu Messana in Sicilicn; dieser zu Thcspiä oder Tbcsvia in Böotien; beide von Einem Künstler, dc»i Praxiteles." „Hieraus verbessere ich fürs erste ci»e Stelle des alter» plinius (I.. XXXVI. e. 4. Z. 6.)- Ljuscleill (praxilelis) ett Kupido lili- jeetus a (üeerone Vorri, ille proulor «zuem Iliel'uiac! vilelianlui, nune in Oetsviav telwlis po/ilus. So lesen alle Ausgabe», auch die Harduinische. Ich behaupte aber, zufolge der Stelle des Cicero, daß man ille proptor «zuom <^v. lesen, und auch hier zwei verschiedene Bildsaulen des Kupido verstehen müsse. Den» es ist falsch, daß die, welche Cicero dem LerreS vorwirft, eben die gewesen sei, welche die Einwohner zu Thcspiä verehrten. Cicero unterscheidet beide, und sagt nur, daß sie beide von eben demselbc» Künstler, nnd vielleicht auch nach eben derselben Idee verfertigt worden." „lind nunmehr komme ich zu dem Fehler des Hr». 'winkelinann. „Kaligula," sagt er, „»ahm unter andern den Thespicrn ihren berühmten Kupido vom Praxiteles, welchen ihnen MaudiuS wiedergab, „und Nero von neuen nahm." — Er beruft sich dcSfallS auf den pausanias- Zlllcin er hat diese» Schriftsteller zu flüchtig nachgesc. hen, und ist bloß dem Harduin, in seiner Zliimerkung über die Stelle zu Winkelmanns Geschichte der Kunsi, 123 des Plinius, allzu sicher gefolgt. Pausanias erzählt dies nicht von dem marmornen Kupido des Praxiteles, sondern von dem ans Er; des Lvslppus. Ich leugne nicht, daß die Worte des Pausanias etwas zweideutig sind; allein diese Zweideutigkeit fällt weg, so bald man sie im Zusammenhange genau betrachtet, und mit der Stelle des plinius vergleicht. Gio-ir-^-ri, s- -u^-kyov (sagt Pausanias 1^. IX. I). m. 7li'^.) x^"-^^ citz)>ao'«5o Dtz^r« ^.vT> Isiz«-trk>-iz?, X^KvTi 5kV5ö>/>zo'lo'v. Kc» ocr« ftkv kix^^ öcö?z>Kir«t. Htzurov 70 w^a^l^« ».l^iz?«^ io^> Ltz^o? >^kz>o^?t I'clio^ >'«^k^><7«^rc» Zv^«völ0^> o^ic^io Gkc?^!!^?^ «^o- 5k,»,^c»^o?, Kktzllv« «vAl? ök^irk^w «i-«<7^a^ov »oiizo'a!,' xa^ rov ^kv w^o^l ölkcp^kttzk. Ich kann wich nicht enthalten, zuvörderst die lateinische Ilcbcrsctznng des AmasäuS anzuführen, weil er gleich die Worte, auf welche es bei meinem Beweise fast am meisten ankommt, ganz unrichtig genommen hat: 1?uel''>!olllll>u8 post ex aere iüupilli- nem eladoravit I^li^iu5, et ante eum e msrmore t'entelioo ?ra- xitele8. De k'tii^-nos alio jsm loeo rv8 ett a me ex^iolllg. primum omuium e 1'ecle 5ua (Huuillinem Ijuuc HioljjieulLm amotum a <üujo liomano Imverslors tra6unt; ^Iiespienlilius 6ein6o rernilsum a Olauilio ^ero iterum Romam icnorlavit; ilii ett igni eonl'uinl.us. Ich sage, Amasa'us hat das ^^o>- fälschlich auf ^«co,, gezogen, da er cS hätte sollen auf ziehen, pausanias will sagen: Schon vor dem Kupido von Erz, welchen Lyslppus den Thcspiern arbeitete, halten sie einen aus pen- tclischcm Marmor, den ihnen Praxiteles gemacht Halle. Was mit dem letztem vorgegangen, fahrt er fort, und die List, deren sich Phryne wider den Praxiteles bedienet, solches habe ich bereits an einem andern Orte erzählt. Aen erster» aber (nämlich den Kupido des Lysippus, nicht als den ersten in der Feit, sondern als den ersten in der Erwähnung des pausanias) soll Kajus Kaliaula den Thcspiern weggenommen, KlaudinS ihnen wiedergegeben, Nero aber zum zwci- tcnmalc mit sich nach Rom geführt haben; und dieser ist daselbst verbrannt. — Meines ErachtcnS zeigt dieses -ov ^ deutlich genug, das; man das »l>^o,', wie ich sage, auf a'?«^« ziehen müsse." „Doch auch diese Worlkritik bei Seile gesetzt, so erhellet auch schon aus dem Znsatzc, daß diese nach Rom weggeführte Bildsäule daselbst verbrannt sei, daß cS nicht das Werk des Praxiteles könne gewesen sehn. Sie verbrannte; und verbrannte ohne Zweifel in dem grausamen Brande, den Nero selbst anzmidelc. Verbrannte sie aber da; wie 124 Anmerkungen konnte sie zu des ältern plinius Zeiten noch vorhanden, und in der Sc/io/a vc/aviae aufgestellt seyn? lind dieses meldet in der angezogenen Stelle plinius doch ausdrüklich." „Alles dieses zusammen genommen, muß man stch die Sache also so vorstellen- daß Praxiteles mehr als Einen Kupido gemacht hadc, und auch nach mehr als Einer Idee. Um einen brachte ihn Phrync; einen andern, der ganz nakkend war, hatte die Stadt Parium in Mysicn, dessen plinius gleichfalls gedenkt; einen dritten besaß Hejus in Messana, den stch VerreS zueignete; und den vierten hatte der Kunstler für die Thcspicr gemacht (°), welcher endlich auch nach Rom kam. Doch war cS nicht der, den erst Kaligula, und zum zweiteumalc Nero dahin brachte; denn dieses war ein Werk des Lysippus von Erz, welches in dem großen Brande unter dem Nero mit darauf ging. Zu den Feiten des Pausanias halten die Thcspicr also wcdcr die Bildsäule des Praxiteles, noch des Lysippus mehr, sondern sie begnügten stch, wie Pausanias gleichfalls meldet, mit einem Werke dcS Mencdorus von Athen, welches nach des Praxiteles seinem gemacht war." „Was Winkelmann in der Anmerkung S. 391. o. 6. dem ZZianchini entgegen setzt, ist nicht so gar schließend. ' Es ist wahr, Plinius gedenkt der Pallas vom tLvodius l"), des Herkules vom Lysippus, die doch nach Rom gebracht worden, auch nicht. Aber müssen sie zu den Feiten des Plinius noch vorhanden gewesen sein? Könncn sie nicht, wie der Kupido des Lysippus, in dem große» Neronischen Brande darauf gegangen sein? Daß aber dieser wirklich eine Menge alter Kuustwerkc verzehrt habe, sagt Tacitus (-Xnnal, 1^. XIV. c. 41.) auSdrüklich. Ja, in diesem Brande ging der alle Tempel des Herkules, den Evander erbauet hatte, mit zu iÄruudc. Wie leicht, daß sich der Herkules des LysippuS in diesem Tempel befand!" 18. Zu S. 394. „Ich begreife nicht, wie so ein Paar Alterthums- knndige, als Stosch und Winkelmann, über das, was der Borghe- fische Fechter vorstellen soll, ungewiß seyn könncn. Wenn cS nicht- die Statue des Chabrias selbst ist, der sich in der nehmlichen Slcl- (°) Wo es nicht cbcn die Stalue ist, die ihm Pbrpnc aus den Händen spicllc, wie Strabo l,. ix. meldct, wclchcr abcr dlcsc Ecschichlc nicht von dcr Phrvnc, sondcrn von dcr Glvccruun crzählt. S. H/«»u<,i »miuvniilr, in IV. ^cl. in Verrei». (") Der Künstler dicscr Pallas hcißt nicht Evodius, sondcrn «Ludo- rus, und ist eben der, dessen W. selbst S. 317. nntcr dc» Schttlcrn dcS Dadalus gedenkt. zu Winkelmanns Geschichte der Kunst. 125 lung in der Schlacht bei Theben gegen den Agestlaus so besonders hervorthat; so ist es doch die Statue eines Athleten, der sich als Sieger am liebsten in dieser Stellung, die durch den Chabrias Mode ward, vorstellen lassen wollte. Sie hätten sich nur der Stelle des Nepss, in dem Leben des Thabrias (csp. 1.) erinnern dürfen: Harnquo ir> es vietoris (^e.--Zu vergleichen S. 163. wegen der Aehnlichkeit einer bestimmten Person. Beim Artikel Diogenes im zweiten Register, wo gesagt wird, er habe die Raryatidcn im Pantheon zu Athen verfertigt; durchstrich L- diese letztern beiden Worte, und schrieb hinzu- „Aus diesem, und mehr dergleichen albernen Fehlern ist eS wohl sehr deutlich, daß Herr W- das Register nicht selbst gemacht hat." Zum L a o k o o n. i. Erster Abschnitt. I. Laocoon; Widerlegung der Winkclniannischen Anmerkung. Wahre Ursache, aus dem Gesetze der Schönheit. Beweis, daß die Schönheit das höchste Gesetz der alten Kunst gewesen. II. Zweyte Ursache; aus der Verwandlung des Transttorischcn, in das Beständige. Der äußerste Augenblick ist der unfruchtbarste. III. Die Natur wird mit dem Gemählde des Dichters weiter verglichen. Worinn und warum weiter beyde von einander abgehen. IV. Beyder Uebereinstimmung. Wahrscheinliche Vermuthung aus dieser Uebereinstimmung, daß der eine den andern vor Augen gehabt. Die Griechen crzehlen diese Begebenheit ganz anders, woraus wahrscheinlich wird, daß die Künstler den Virgil nachgeahmet. V. Ein Svence dürfte schwerlich meiner Meinung seyn. Sein seltsames System, bey welchem alles Verdienst des Dichters verloren geht. Beweise wie wenig er von dem besondern Gebiete der Mahlerey und Dichtkunst verstanden 1, an der wüthenden Venus 2. an den allegorischen Wesen. °) Dieselben Papiere, aus denen Karl G. Lcssing die Vorarbeiten zum Laokoon in der zweiten Ausgabe desselben (1788) drucken ließ , sind jetzt im Besitz des Herrn B, Fricdlänbcr. Da der Herausgeber sie frei zu benutzen Erlaubniß hatte, so hat er den Druck nicht nur vielfach verbessern, sonder» auch manches nicht uninteressante Stuck hinzu fiigen können. Zum Laokoon. VI. Ein CayluS hat dcn Dichtern mehr Gerechtigkeit wicderfahren lassen. Er bekennt cS, daß die Künstler den Dichtern viel zu danken habe»/ und noch mehr zu danken haben können. Seine Gemählde deck Homers. Einwnrff wider die zusammenhangende Folge derselbe»/ aus den unsichtbaren Scenen des Dichters. VII. Mißdeutung, welcher die Rangordnung »nterworffcn, die Cay- luS unter den Dichtern nach der Menge ihrer Gemählde machen will. Er hat nicht unterschieden, was bey dem Dichter ein Gemählde, und was für dcn Mahler brauchbar ist. Er nimt nur immer dieses; und jenes bleibt immer weg, wornach die Rangordnung doch nur einzig geschehen müßte. Beweise aus dem vierten Buche der Jliadc. VIII. Ursache, warum das Gemählde des Dichters nur selten ein Gemählde des Mahlers werden kann. Jener mahlt fortschreitende Handlungen, und dieser für sich bestehende Wesen. Exempel wie Homer diese Wesen in Handlungen zu verwandeln weis. IX. Beantwortung der Einwürfe wider das Homerische Schild, aus diesem Gesichtspunkte. Der Dichter wählet das aus, was der Künstler intendirct hat, »nd läßt sich nicht in die Schranken der materiellen Kunst einschließen. Zweyter Abschnitt. I. WinkclmannS Geschichte der Kunst ist indeß erschienen. Lob derselben. Wie er das Alter des Laocoon angegeben. Er hat nicht den geringsten historischen Grund für sich; er urtheilet bloß aus der Kunst. Plinius scheinet da, wo er des Laocoon gedenkt, von lauter neueren Künstlern zu reden. Widerlegung der Maffcischcn Meinung, die Winkelmann nicht ganz zu Schanden machen wollen; und warum. II. Beweis aus dem -^otk-, und ^o^o-r, daß der Laocoon kein so altes Werk ist. Umständliche Erklärung einzelner Stellen des Plinius. III. Ist er indeß nicht aus der Zeit, in welche ihn Winkelmann setzt; so verdient er es doch daraus zu seyn, und das ist geling für eine Kunstgeschichte, die unsern Geschmack bilden soll. Ucbrigens hat sich Winkelmattn wegen der Ruhe des Laocoon näher erklart, und er ist meiner Meinung, daß die Schönheit diese Ruhe veranlaßt habe. IV. Sein Ausspruch, daß die neueren Dichter jenseit den Alten mehr Bilder haben, und weniger Bilder geben. Commcntar über diese Worte zu wünschen. Woher der Unterschied der poetischen und materiellen Bilder entspringe. Aus der Verschiedenheit der Zeichen, deren sich die Mahlerey nnd Poesie bedienen. Jene im Raume und natürlich; diese in der Zeit nnd willkührlich. Zum Laokoon. 427 V. I» dem Raume und in der Zeit. Folglich jene Körper, und diese Bewegungen. Jene Bewegungen andeutungsweise durch Körper. Diese Körper andeutungsweise durch Bewegungen. Ausdrückliche Schilderungen von Körpern sind daher der Poesie versagt. Und wann sie es thut, so thut sie es nicht als nachahmende Kunst/ sondern als Mittel der Erklärung. So wie die Mahlerey nicht nachahmende Kunst, sondern ein bloßes Mittel der Erklärung ist/ wann sie verschiedne Zeiten auf einem Raume vorstellet. VI. Schönheit insbesondere ist kein Vorwurf der Poesie, sondern der eigentliche aller bildenden Künste. Homer hat die Helena nicht geschildert. Aber die allen Mahler haben sich jeden seiner Fingerzeige auf die Schönheit zu Nutze gemacht. Des Zeuxis Helena. VII. Von der Häßlichkeit. Vertheidigung des Thcrsites, in einem Gedichte. Verwerffung desselben in der Mahlerey. Caylus hatte Recht ihn auszulaßen; la Motte nicht. Einführung des Thersites in die Epigoniade. NircuS war nicht der schönste unter den Griechen. Daher ist ClarkS Anmerkung falsch, in den Briefen der Litteratur. s^VII, S. (ZW. Vom Eckel. Die Discordia beym Petron.) VIII. Schönheit der mahlerische Werth der Körper. Folglich kommen wir hier von selbst auf die Regel der Alten, daß der Ausdruck der Schönheit untergeordnet seyn müße. Ideal der Schönheit in der Mahlerey hat vielleicht das Ideal der moralischen Vollkommenheit in der Poesie veranlaßt. Da man dafür auf ein Ideal in den Handlungen denken sollen. Das Ideal der Handlungen bestehet 4, in der Verkürzung der Zeit 2, in der Erhöhung der Triebfedern/ und Ausschließung des Zufalls 3, in der Erregung der Leidenschaften. IX. Leblose Schönheiten um so mehr dem Dichter versagt zu schildern. Verdammung der Thomsonschen Mahlerey. Von den Land- schaftSmahlern; ob es ein Ideal in der Schönheit der Landschaften gebe. Wird verneinet. Daher der geringere Werth der LandschaftSmahler. Die Griechen und Italiäner haben keine. Beweis aus dem umgekehrten Pferde des Pausanias, daß sie auch nicht einmal untergeordnete Landschaften gemahlt. Vermuthung daß die ganze perspektivische Mahlerey aus der Scenenmahlerey entstanden. X. Die Poesie schildert Körper nur andeutungsweise durch Bewegungen. Kunststück der Dichter, sichtliche Eigenschaften in Bewegungen aufzulösen. Erempel von der Höhe eines Baumes. Von der Größe einer Schlange. Von der Bewegung in der Mahlerey. Warum sie Menschen und keine Thiere darinn empfinden. (Von der Schnelligkeit.) 1S8 Zum Laokoon. XI. Folglich schildert die Poesie die Körper auch nur mit einem oder zwey Zügen. Schwierigkeit in der sich oft die Mahlerey befindet diese Züge auszumahlen. Unterschied der poetischen Gemählde, wo sich diese Züge leicht und gut ausmahlen laßen, und wo nicht. Jenes sind die Homerischen Gemählde, dieses die Miltonschen und Klopstockschen. XII. Vermuthung daß die Blindheit des Milton auf seine Art zu schildern einen Einfluß gehabt. Beweis z. E. aus der sichtbaren Dunkelheit. XIII. Die crsie Veranlassung war indeß der orientalische Styl. MoscS Vermuthung; aus dem Mangel der Mahlerey. Daß das nicht schön seyn muß, was biblisch ist. Wenn der Grammatiker eine schlechte Sprache in der Bibel finden kann; so darf der Kunstrichtcr auch schlechte Bilder darin» finden. Der h. Geist hat sich in beyden Fällen nach dem leidenden Subjecte gerichtet; und wann die Offenbarung in den nordischen Ländern geschehen wäre, so würde sie in einem ganz andern Style und unter ganz andern Bildern geschehen seyn. XIV. Homer hat nur wenige Miltonsche Bilder. Sie frappircn, aber sie ab-trahircn nicht. Und eben deswegen bleibt Homer der größte Mahler. Er hat sich icdeS Bild ganz und nett gedacht. Und selbst auch in der Ordnung ein mahlerisches Auge gezeigt. Anmerkung über die Gruppen, die sich bey ihm nie über drey Personen erstrecken. XV. Von den collectiven Handlungen, als welche der Poesie und Mahlerey gemein sind. Dritter Abschnitt. I. AuS dem Unterschiede der natürlichen und willkührlichcn Zci- chcn. Die Zeichen der Mahlerey sind nicht alle natürlich; und die natürlichen Kennzeichen willkührlichcr Dinge können nicht so natürlich seyn, als die natürlichen Kennzeichen natürlicher Dinge. ES ist auch noch sonst viel Convention darunter. Eremvcl von der Wolke. II. Sie hören auf natürliche zu sevn, durch Veränderung der Dimensionen. Nothwendigkeit des Mahler», sich der Lebensgröße zu bedienen. Abfall der Kunst in den erhabnen Landschaften. Schwindel kann die Poesie, aber nicht die Mahlerey erwecken. III. Die Zeichen der Poesie nicht lediglich willkührlich. Ihre Worte als Töne betrachtet können keine Gegenstände natürlich nachahmen. Welches bekannt. Aber ihre Worte als unter sich verschiedner Stellen fähig, können dadurch die verschiednc Reihen der Dinge auf einander und neben einander schildern. Exempel hiervon- Auch sogar Zum Laokoon. 1?!) die Bewegung der Organen kann die Bewegung der Dinge ausdrücken. Exempel davon. IV. Einführung mehrerer willkührlichcr Zeichen durch die Allegorie. Billigung der Allegorie in so fern die Kunst dadurch auf den Geschmack der Schönheit zurückgeführet/ und von dem wilden Ausdrucke abgehalten werden kann. V. Mißbilligung allzu weitlauftiger Allegorie-»/ welche allezeit dunkel sind. Erläuterung aus RaphaclS Schule von Athen; und besonders aus der Vergötterung Homers. VI. Nützlichkeit der willkührlichcn Zeichen in der Tanzkunst. Daß eben dadurch die Tanzkunst der Alten dk Neueren so weit übcrtroffen. VII. Der Gebrauch der willkührlichcn Zeichen in der Musik. Versuch das Wunderbare und den Werth der alten Musik daraus zu erklären. Von der Macht die sich daher der Gesetzgeber darüber anmaaßtc. VIII. Nothwendigkeit alle schöne Künste cinzuschrenkcN/ und ihnen nicht alle mögliche Erweiterungen und Verbeßerungcn zu gestatten. Weil durch diese Erweiterungen sie von ihrem Zwecke abgelenkt werden, und ihren Eindruck verlieren. EulerS Entdeckung in der Musik- IX. Von der Erweiterung in der Mahlerey der neuern Zeiten. Wodurch die Kunst unendlich schwer geworden-, und es sehr wahrscheinlich wird/ daß alle unsere Künstler mittelmäßig bleiben müßen. Einfluß den Fehler in Ncbcnthcilen, z. E in Licht und Schatten und Pcrspec- tiv, auf das Ganze haben. Da uns hingegen die gänzliche Wcgla- ßung aller dieser Theile nicht anstößig seyn würde. X. Ermnnterung die bildenden Künstler aus den alten Zeiten zurückzuruffcii/ und sie mit Begebenheiten unserer itzigen Zeit zu beschäftigen. Aristoteles Rath, die Thaten Alexanders z» mahlen. Anhang. I. Zerstreute Anmerkungen über einige Stellen auS WinkclmannS Geschichte; wo er nicht gcnau genug gewesen. Antigonc dcS Sophokles. Die Teller dcS ParthcniuS. Der Meister des Schildes vom Ajax :e. II. Von dcm Borghcsischcn Fechtcr. III. Von dem Cupido des PrantclcS- IV. Von der Kunst in Erzt zu gieße». Daß sie zu den Zeiten des Nero nicht verlöre» gewesen. V. Vermuthung über das Netze ,,. 2M. VI. Von den Schulen der alten Mahlerey/ und von den Asiat!' schen Künstlern. LtslmgS Werke XI, 9 130 Zum Laokov». II. Gcrard * glaubt/ wider meine Meinung, daß die Mahlerey auch das Erhabene ausdrücken könne, welches mit der Größe der Dimensionen verbunden ist. Denn, sagt er/ ob sie gleich diese Dimensionen nicht selbst beybehalten kann, so läßt sie ihnen doch ihre comparative Größe, und diese ist hinlänglich das Erhabene hervorzubringen. — Er irrt sich: diese ist hinlänglich um mir zu erkennen zu geben, daß dergleichen comparative große Gegenstände in der Natur erhaben seyn müssen, aber nicht vermögend, die Empfindung selbst hervorzubringen, die sie in der Natur erwecken würden. Ein großer majestätischer Tempel/ den ich unmöglich mit einem Blicke übersehen kann, wird eben dadurch erhaben, daß ich meinen Blick darauf herumreisen lassen kann, daß ich überall, wo ich damit stille stehe, ähnliche Theile von der nehmlichen Größe, Festigkeit und Einfalt bemerke." Aber eben dieser Tempel, auf den kleinen Raum einer Kupfcrplatte gebracht, hört auf erhaben zu seyn, das ist/ meine Bewunderung zu erregen/ eben deswegen, weil ich ihn auf einmal übersehen kann. Wenn ich mir ihn schon nach allen den gehörigen Dimensionen ausgeführt denke, so empfinde ich nur, daß ich mich alsdann verwundern würde, ihn so ausgeführt zu sehen / aber noch verwundere ich mich nicht. Zwar kann ich mich über seine Figur/ über seine edle Einfalt verwundern; aber dieses ist eine Verwunderung, welche ans dem Anschauen der Gcschick- lichkcit des Künstlers, nicht aber aus dem Anschauen der Dimensionen entstehet. S. Hagedorn S. 33Z. Von dem Erhabenen der Landschaften. Was cr von dem Carniße anführt, scheint nichts zu seyn und grade gegen den Werth der Landschaften. Eben weil mehr mechanisches dabey ist, könnte er mehr davon schreiben. Cibbers Critik einer Stelle des Nat. Lee, die cr für Nonsens erklärt, weil sie kein Gemählde geben könne. Und was Warburton dagegen erinnert (über PopcnS ^i-oloßue Ic> ilic- 5->lii'es v. 121.) Ich halte mit Warburton die Stelle gleichfalls für schön. Aber Cib- ber hat auch Recht, daß sie sich nicht mahlen läßt. Was folgt also ° Vn 7>on>Ion t7S9. p. 2t. °° Auf dem Rande. Aber in den mciischlichcn Figuren kann der Künstler eine Art der Erhabenheit erreichen, wenn er gewisse Glieder über die Proportion vergrößert. S. was Hagedorn von dem Apollo Bclvcdcrc sagt, und Gcrard 147. vom Parmigiano. Zum Laokocn. daraus? Daß die Probe unrecht ist; und daß es allerdings poetische Gemählde giebt, die sich nur schlecht mahlen lassen. Der Kunstrichter muß nicht bloß das Vermögen, er muß vornehmlich die Bestimmung der Kunst vor Augen haben. Nicht alles, was die Kunst vermag, soll sie vermögen. Nur daher, weil wir diesen Grundsatz vergeßen, sind unsere Künste weitläuftiger und schwerer, aber auch von desto wenigerer Wirkung geworden. vvlervaüons tiii- I'llalio lom. II. p. An dem Tage des h. Rochus haben die Mahler zu Venedig die öffentliche Aussetzung ihrer Gemählde cl-ms la Keuo/a cli 8. kocli. theile 8cuola, I'urie lies premieres 6e Veni'so, est remplio a^ip6 cle celui czui rejiie5enlo I'^nnoncialiov. I^e mur «zui sei-me la cllamlii-e lle la Viei'xo llu eo>6 6. ^pri-s avoir lü kiillnn, o» lieeouvre ls I^alui-v sveo lies ^eux plus elsirvoians lju'gupgi-gvalit; on zs remsi'^ue 6es vesutös suxiz^ellos va o'au- ivit po!r>i sait slleotioo. Und dieses ist auch der einzige wahre Nutze», den die Künstler aus den Dichtern ziehen sollten. Gedichte sollen für sie gleichsam unendliche Augen mehr, und eine Art von Vergrößerungsgläsern seyn, durch welche sie Dinge bemerken können/ die sie mit ihren eigenen bloßen Augen nicht würden unterschieden haben. I>. 12 betrachtet Richardson die bildenden Künste von der Cam- ineralscite, in wie fern sie die Reichthümer eines Landes vermehren. ES ist wahr, der Künstler verarbeitet sehr wenig, und eben nicht kostbare Materialien, und macht etwas daraus was unendlich mehr werth wird. Allein wenn sich dadurch die Cammcralisten wollten verleiten laßen, die Mahlerey Fabrikenmäßig zu unterstützen und arbeiten zu laßen, so wäre der Verfall der Kunst und die Verderbniß des Geschmacks nicht allein unvermeidlich, sondern am Ende würde auch die Arbeit nicht einmal so viel werth seyn, als die verarbeiteten Materialien. p. 38. Exemvcl, wo sich Raphael so wohl von der natürlichen, als historischen Wahrheit entfernt hat. Von jener in einem seiner Cartons in Hamptoncour, wo er den wunderbaren Fischzug vorstellt, und die Barke für die Menge der darauf befindlichen Personen viel zu klein macht. Von dieser gleichfalls in einem Carton von dem von Petra und Johanne curirteu Gichtbrüchtgen vor der Thüre des Tempels, genannt die Schone, wo er figurirte Sculen angebracht hat. Allein eS ist zwischen beyden Abweichungen ein großer Unterschied; diese vermehrt die gute Wirkung, jene verringert sie. Nehmlich in einem bloß natürlichen Auge. Jene ist allen Mensche» anstoßig, diese nur den Gelehrten. p, 43. ES hat, sogar große, Mahler gegeben, welche in ein einziges Gemählde die ganze Folge einer Geschichte zu bringen gesucht haben. Wie z. E. Titian selbst, die ganze Geschichte des Verlornen Sohnes, von der Verlassung seines väterlichen Hauses, bis zu seinem Elende. Richardson sagt, diese Ungereimtheit sey dem Fehler gleich, welchen schlechte dramatische Dichter begehen, wenn sie die Einheit der Zeit übertreten, und ganze Jahre ein einziges Stück dauern lasse». Zum Lavkoon, 133 Allein der Fehler des Mahlers ist unendlich ungereimte/, als der Fehler des DichrecS. Denn t hat der Mahler die Mittel nicht, welche der Dichter hat, unserer Einbildungskraft in Ansehung der beleidigten Einheit der Zeit und deS OrtcS zu Hülfe zu kommen. DaS Mittel der Perspectiv ist dazu nicht hinreichend. ?. Der Fehler deS Dichters behält noch immer eine gewisse Proportion mit der Wahrheit. Wenn wir in dem ersten Acte in Rom und in dem zweyten in Aegypten sind, so sind wir doch in diesen beyden Orten nur nach und nach: wenn der Held im ersten Acte heyrathct, und im zweyten schon erwachsene Kinder hat, so bleibt doch noch immer zwischen beyden eine Zwischenzeit: anstatt daß bey dem Mahler nothwendig alle verschiedne Orte in einen Ort, und alle verschiedne Zeiten in einen Zeitpunkt zusammen fließen, weil wir alles in ihm auf einmal übersehen. 3. Welches daS voniehmste ist: weil in dem Gemählde die Einheit des Helden verlohrcn geht. Denn da ich alles auf einmal darinn übersehe, so sehe ich den Helden zugleich mehr als einmal, welches einen höchst unnatürlichen Eindruck macht. p. 37. Raphacl hat in einem von seinen Gemählden im Vatican, welches die wunderbare Bcfreyung des h. PctruZ aus dem Gefängnisse vorstellet, ein dreyfaches Licht angebracht. DaS eine ist der Ausfluß von dem Engel, daS zweyte ist die Wirkung einer Fackel, und daS dritte ist der Schein deS Monde». Alle diese drey Lichte haben jedes seine ihm eigenthümlich zukommende Scheine und Widerscheine, und machen zusammen einen wunderbaren Effect. Diese Schönheit ist vermuthlich eine von denen, auf die Raphael von ungefehr gekommen ist. Als eine solche verdient sie alles Lob. Seine vornehmste Absicht war sie nicht; und sie wird auch daher weder die erste, noch die einzige Schönheit in seinem Stücke seyn. p. 49. Hannibal Caraccio wollte in einem Gemählde nicht über zwölf Figuren verstatten. Rubens in seiner Auferstehung des LazaruS in SanSsouci hat den Augenblick genommen, da LazaruS schon lebendig aus dem Grabe herauskömmt. Ich glaube auch daß dieses der eigentliche ist, und fällt dabey die Nothwendigkeit, sich die Nase zuzuhalten, weg- denn mit 134 Zum Laokoon. dcm/ das Lazarus lebendig wird, muß auch der Gestank nicht mehr vorhanden sein. IMergl. Band VI/ S. 524,^ p. 89. Exempel/ daß selbst Naphael und Hannibal Caraccio der Schrift in ihren Gemählden nicht ganz entbehren können. Zum Beweise, wie sehr sich die Mahlerey vor allen Zusammensetzungen, die sie nicht durch sich selbst verständlich machen kann, zu hüten habe. Indeß ist es ohne Zweifel immer ein sehr großer Unterschied, wenn Raphacl oder Caraccio schreibt, und wenn es ein andrer thut. Ohne die Schrift wird man zwar die eigentliche Geschichte des Raphacls nicht verstehen, aber sein Gemählde wird doch noch immer als Gemählde eine vortreffliche Wirkung thun. Anstatt daß die meisten andern Geschichtmahler bloß das Verdienst haben, die Geschichte ausgedruckt zu haben. I>. 93. Michael Angela soll seinen Charon aus einer Stelle des DanteS genommen haben, Llu'vn, ilomooio von occlii cli liro^ia, Lalle col i-emo Iun. 2l?. Ist cS wohl wahrscheinlich, daß die Hoffnung, welche Ri- chardson hier äußert, dürste erfüllet werden? daß ein Mahler aufstehen werde, welcher den Raphael überträfe, indem er den Contour der Alten mit dem besten Colorite der Neuern verbände? ES ist wahr, ich sehe keine Unmöglichkeit, warum sich diese beyden Stücke nicht sollten verbinden lassen, »nd warum eines das andere ausschließen müßte. ES ist aber eine andere Frage, ob ein menschliches Alter, ein menschlicher Fleiß, hinreichend sind, diese Verbindung zur Vollkommenheit zu bringen. Was von den Handzeichnungcn angemerkt worden, scheinet diese Frage z» verneinen. Ist sie aber nicht anders, als zu verneinen; wird jeder Meister, je weiter er es in dem einen Theile gebracht hat, desto weiter in dem andern nothwendig zurückbleiben: so fragt sich nur noch, in welchem wir ihn vortrefflicher zu sey» wünschen werden? Wegen Vortrcfflichkeit der Zeichnungen kommt >,. 26 8ur I'^rt eiüi<>uer cu fait, clo I>emlm-o, noch eine schöne Stelle vor. - III. Allegorie. Eine von den schönsten kurzgefaßten allegorische» Fictioncn, ist beym Milton (?-»'ä,I!lc: lol'l, L»ol< III, 695), wo Satan den Nricl hintergehet. — osh Ilwu^I» wi5«lcnn >v!,IIv, ill l^eins — in; Zu»I Laotoon. „Oft, wenn gleich die Weisheit wacht, schläft der Argwohn an „ihren Thüren, und giebt sein Amt der Einfalt, maßen die Güte „nichts Böse» vermuthet, wo nichts Böses hervorblickt." Und so gefallen mir die allegorischen Fiktionen; aber sie wcitläuf- tig ausbilden, die erdichteten Wesen nach allen ihren Attributen der Mahlerey beschreiben, und auf diese eine ganze Folge von mancherley Vorfällen gründen, dünkt mich ein kindischer, gothischer, mönchischer Witz- Die einzige Weise indeß, wie eine wcitläuftigcre allegorische Fiction noch erträglich zu machen ist, ist von dem CcbeS gebraucht worden: er crzchlt nicht die bloße Fiction, sondern so wie sie von einem Mahler behandelt worden. Blindheit des Milwn. Ich bin der Meinung, daß die Blindheit des MiltonS auf seine Art zu schildern und sichtliche Gegenstande zu beschreiben einen Einfluß gehabt hat. Außer dem Exempel, welches ich bereits von den Flammen, welche Finsterniß von sich strahlen, angemerkt habe, finde ich eines (p-i^iM»! lolt L. III. 722) welches vielleicht gleichfalls hierher gezogen werde» kann. — Uriel will dem in einen Engel des LichtS verstellten Satan, den Erdball, die Wohnung des Menschen zeigen, und sagt: I^ooli 6»v?li^v!>ril oo Iliat ßlolie, vvliol'e Iiillier sllle Willi tiglit lrom tienee, tkougl» but resleetecl, sliines. „Siehe auf jenen Ball nieder, dessen Seite, die nach uns gewandt „ist, mit Lichte scheinet, das von hier entlehnet ist." — Man merke, daß beyder Gesichtspunkt in der Sonne war, von da aus sie nicht mehr von dem Erdballe sehen konnten, als eben die Seite, welche der Sonne zugekehrt war. Aus den Worten des Dichters aber sollte es scheinen, als ob sie auch von daher die andere uncrleuchtcte Hclfte hätten erblicken können, welches unmöglich ist. An dem Monde können wir zwar öfters die eine erleuchtete und die andere uncrleuchtcte Helftc erblicken; aber das macht, weil wir uns an einem dritten Orte befinden, und nicht in dem Punkte, von welchem die Erleuchtung ausgehet. Die allgemeine Wirkung seiner Blindheit aber scheinet die geflissentliche Ausmahlung sichtbarer Gegenstände zu sey». Homer mahlt dergleichen selten mehr, als durch ein einziges Beywort, weil eine einzige Eigenschaft eines sichtbaren Gegenstandes hinlänglich ist, uns die andern auf einmal crinncrlich zu mache», indem wir sie alle Tage Zum Lcwkoon. 137 beysammen vor Augen haben. Ein Blinder hingegen, bey dem die Eindrücke der sichtbaren Gegenstände mit der Zeit immer schwächer und schwächer werden müssen, bey dem eine einzige Eigenschaft eines Dinges die Bilder der übrigen nicht so geschwind und lebhaft hervorbringen kann, weil er sie öfters beysammen zu sehen die Gelegenheit verloren: ein Blinder muß natürlicher Weise auf den Einfall kommen, die Eigenschaften zu bäuffcn, um sich durch die Erinnerung mehrerer Kennzeichen das Bild des Ganzen lebhafter zu machen. Wenn MoscS z, E. Gott sagen läßt: es werde Licht, und es ward Licht: so drückt sich MoscS wie ein Sehender gegen Sehende ans. Nur einem Blinden kann eS einkommen, dieses Licht zu beschreiben; denn da die Erinnerung des Eindrucks, welchen das Licht auf ihn gemacht hat, sehr schwach geworden, so sucht er es durch alles zu verstärken, was er bey dem Lichte je gedacht oder empfunden hat (?. 1^. Look VII. v. 24Z biS 246): I^et tiiero lis liglil, lain«l krom Iier oalive esst I'o journev Ilirougll Il»s ain/ gloom be^ini. Gemählde beym Milton. I. Von progressivischen Gemählden, von welchen u»S Homer so vortreffliche Beyspiele giebt, finden sich auch hier sehr schöne beym Milton. Als «) das Erheben des Satans aus dem brennenden Pfule. p. I., L, I. v. 221 — 228. /Z) Die erste Eröffnung der Höllenpforten durch die Sünde. L II. v. 87t —88Z. ?>) Die Entstehung der Welt. 15. III. v. 708 — 718. s) Der Sprung dcS Satans in das Paradies. V. III. v. 18t —183. -) Der Flug des RaphaelS zur Erde. IZ. V. v. 246 — 277. ^1 Der erste Aufbruch des himmlischen HcereS wider die rebellischen Engel, v. VI. v. 36 — 78. Die Annäherung der Schlange zur Eva. IX. Z»9. S-) Die Erbauung der Brücke von der Hölle zur Erde, von der Sünde und dem Tode. X. 285. ') SatanS Zurückkunft zur Hölle und unsichtbare Besteigung seines Thrones. X. 414. «) Die Verwandlung dcS Satans in eine Schlange. X. 610. 138 Zum Laokoon. Auch die Schönheit der Form hat Milton, »ach des Homers Manier, nicht sowohl nach ihren Bestandtheile»/ als nach ihren Wirkungen geschildert. Man sehe die Stelle der Wirkung/ welche die Schönheit der Eva auf den Satan selbst hat. Look IX. 4öS — 466. II. Auch an solchen Gemählden/ die wirklich von der Mahlerey behandelt werden können/ ist Milton weit reicher/ als ihn CavluZ und Winkclmann glaubt; obschon RichardsoN/ der sie ausdrücklich auszeichnen wolle»/ in ihrer Wahl oft sehr unglücklich und unverständig gewesen ist. Z, E- 1. Richardson hält den Raphacl mit seinen drei) Paar Flügeln (li, V. 277) süc einen schönen Gegenstand der Mahlerey; und cS ist offenbar, daß er eben dieser sechs Flügel wegen ein sehr untauglicher ist. Obschon das Bild aus dem JcsaiaS genommen, so ist es doch darum nichts mahlerischer. Die Gestalt des CherubimS ist eben so unmahlerisch. XI. 129. 2. Desgleichen das Bild der aufrecht cinhcrgchcndcn Schlange- IZ. IX. 496, welches wider alle Pondcration in der Mahlerey seyn würde; ob cS schon bey dem Dichter sehr gefällt. Bon den nothwendigen Fehlern. Dieses Kapitel der Aristotelischen Dichtkunst ist bisher noch am wenigsten commcntiret worden- Ich nenne nothwendige Fehler solche, ohne welche vorzügliche Schönheiten nicht seyn würden; denen man nicht anders, als mit Verlust dieser Schönheiten abhelffen kann- So ist im Milton ein nothwendiger Fehler, der Gebrauch der Sprache in allen, dem weiten Umfange, welcher Kenntnisse vorausseht, die Adam noch nicht haben konnte. ES ist wahr, Adam konnte so und so nicht reden, man kvunte mit ihm so und so nicht reden: aber laßt ihn reden, wie er hätte reden müssen, so fällt zugleich das große vortreffliche Bild weg, welches der Dichter seinen Lesern macht. Und cS ist ohnstreitig die höhere Absicht des Dichters, die Phantasie seiner Leser mit schönen und großen Bildern zu füllen, als überall adäquat zu seyn. Z- E. IZ. V. 688. von den Fahnen und Standarten der Engel — — Desgleichen gehören seine theologischen Fehler hierher; oder dasjenige was mit den genauern Begriffen, die wir uns von den Geheimnissen der Religion zu machen haben, zu streiten scheinet, ohne welches Zum Laokoo». 139 er aber das in keiner uns sinnlich zu machenden Zeitfslge hatte erzch- len könne», was vor der Zeit geschahe, Z. E. wenn er den Allmächtige» (V. V. 004) zu seinen Engeln sagen läßt: "Iliis 6s? I tisve liegst >-vkom I lieolare KI)? oiil^ ton, anci vu lliis IinI^ lull Ilira Iiavo anoinIeiZ, wuom z^e vo^v Iieliolcl ^t mz^ riglit Iisnd; ^our desä I I»!m gpvoiat. Heute mag hier immer heißen von Ewigkeit; Gott hatte den Sohn vo» Ewigkeit gezeugt; gut: aber dieser Sohn war doch nicht von Ewigkeit das was er seyn sollte, oder er ward wenigstens nicht dafür erkannt. Es gab eine Zeit, da die Engel nichts von ihm wußten, da sie ihn nicht zur Rechten des Vaters sahen, da er noch nicht für ihren Herrn erklärt war. Und das ist nach unserer Orthodoxie falsch. Will man sagen, Gott hatte bis dahin die Engel in der Unwissenheit von den Geheimnissen seiner Dreyeinigkeit gelassen: so würden eine Menge abgeschmackte und unverdauliche Dinge daraus folgen. Die wahre Entschuldigung des Milton ist diese, daß er nothwendig diesen Fehler begehen mußte, daß dieser Fehler auf keine Weise auszuweichen ist, wenn er das nach einer uns verständlichen Zeitfolge crzehlen will, was in keiner solchen Zcitfolge geschehen ist. Soll die Ursache des Falles der bösen Engel ihre Bcneidnng der höhcrn Würde des Sohnes sevn, so muß man sich vorstellen, daß diese Beneidung eben so von Ewigkeit erfolgt, als die Geburt des Sohnes:c. Allein ich denke überhaupt, daß Milton eine bessere Ursache hätte erdenken sollen, als diese, welche nicht in der Schrift, sondern nur bloß in den Vorstellungen einiger Kirchenväter gegründet ist. IV. Die eigentliche Bestimmung einer schönen Kunst kann nur daSje- nige sevn, was sie ohne Beyhülfe einer andern hervorzubringen im Stande ist. Dieses ist bcv der Mahlerey die körperliche Schönheit- Um körperliche Schönheiten von mehr als einer Art zusammenbringe» zu können, fiel man auf das Historicniiialen. Der Ausdruck, die Vorstellung der Historie, war nicht die letzte Absicht des Mahlers. Die Historie war bloß ein Mittel, seine letzte Absicht, mannichfaltige Schönheit, zu erreichen. Die neuen Mahler machen offenbar das Mittel zur Absicht. Sie mahlen Historie, um Historie zu mahlen, und bedenken nicht, daß sie dadurch ihre Knnst nur zu einer Hülfe andrer Künste und Wissenschaften machen, oder wenigstens sich die Hülfe der andern Künste und 140 Zum Laokoon. Wissenschaften so unentbehrlich machen, das; ihre Kunst den Werth einer primitiven Kunst gänzlich dadurch verlieret. Der Ausdruck körperlicher Schönheit ist die Bestimmung der Mahlerey. Die höchste körperliche Schönheit also ihre höchste Bestimmung. Die höchste körperliche Schönheit existirct nur in dem Menschen, und auch nur in diesem vermöge des Ideals. Dieses Ideal findet bey den Thieren schon weniger, in der vegetabilischen und leblosen Natur aber gar nicht Statt. Dieses ist es, was dem Blumen- und LandschastSmahler seinen Rang anweiset. Er ahmet Schönheiten nach, die keines AdealS fähig sind; er arbeitet also bloß mit dem Auge und mit der Hand; und das Genie hat an seinem Werke wenig oder gar keinen Antheil. Doch ziehe ich noch immer den LandschastSmahler demjenigen Historienmahler vor, der ohne seine Hauptabsicht auf die Schönheit zu richten, nur Klumpen Personen mahlt, um seine Geschicklichkcit in dem bloßen Ausdrucke, und nicht in dem der Schönheit untergeordneten Ausdrucke, zu zeigen. Die Aehnlichkcit und Uebereinstimmung der Poesie und Mahlerey ist oft genug berührt und ausgeführt worden; aber, wie mich dünket, nie mit derjenigen Genauigkeit, die allen Übeln Einflüßcn auf die eine oder auf die andere hätte vorbauen können. Diese Übeln Einflüße haben sich in der Poesie durch die Schilde- rungssuchl, und in der Mahlerey durch die Allegoristcrey geäußert; indem man jene zu einem redenden Gemählde machen wollen, ohne eigentlich zu wißen, was sie mahlen könne, und solle; und diese zu einem stummen Gedichte, ohne überlegt zu haben, in welchem Maaße sie deutliche Begriffe') erregen könne, ohne sich von Ihrer eigentlichen Bestimmung zu entfernen und zu einer willkührlichcn Schriftart zu werden. Außer diesen Verleitungen der Dichter und Künstler selbst, haben die seichten Parallelen der Poesie und Mahlerey auch den CriticuS öfters zu ungegründcteii Urtheilen verführet, wenn er in den Werken des »» ^ «Ws °) Allgemeine; den» dcullich sind alle Begriffe der Malcrcy. Moses Mendelssohn auf dem Rande der Handschrist. ^-">"", Zum Laokoon. 141 Dichters lind Mahlers über einerley Vorwurf/ die darinn bemerkten Abweichungen von einander zu Fehlern machen wollen, die er dem einen oder dem andern/ nach dem er entweder mehr Geschmack an der Dichtkunst oder Mahlerey hat, zur Last geleget. Und diesen ungegründeten Vorurtheilcn wenigstens abzuhelffen, dürfte cS sich wohl der Mühe verlohnen, die Medaille auch einmal umzukehren, und die Verschiedenheit zu erwägen, die sich zwischen der Dichtkunst und Mahlerey findet, um zu sehen, ob aus dieser Verschiedenheit nicht Gesetze folgen, die der einen und der andern eigenthümlich sind, und die eine dfterS nöthigen, einen ganz andern Weg zu betreten, als ihre Schwester betritt, wenn sie wirklich den Titel einer Schwester behaupten, und nicht in eine eyfcrsüchtige nachäffende Nebenbuhlerin ausarten will. Ob der Virtuose selbst aus diesen Untersuchungen einigen Nutzen ziehen kann, die ihn das nur deutlich denken lehren, worauf ihn sein bloßes Gefühl bey der Arbeit unbewußt führen muß: dieses will ich nicht entscheiden. Wir sind darinn einig, daß die Critik für sich eine Wißenschaft ist, die alle Cultur verdienet; gesetzt, daß sie dem Genie auch zu gar nichts hclffen sollte,") II. Poesie und Mahlerey, beyde sind nachahmende Künste, beyder Endzweck ist, von ihren Vorwürffcn die lebhaftesten sinnlichsten Vorstellungen in uns zu erwecken, Sie haben folglich alle die Regeln gemein, die aus dem Begriffe der Nachahmung, aus diesem Endzwecke entspringen. Allein sie bedienen sich ganz verschicdner Mittel zu ihrer Nachahmung; und aus der Verschiedenheit dieser Mittel müßen die besondern Regeln für eine jede hergeleitet werden. Die Mahlerey braucht Figuren und Farben in dem Raume. Die Dichtkunst artikulirte Töne in der Zeit. Jener Zeichen sind naturlich. Dieser ihre sind willkuhrlich.°°) °) Die Grenzen der Künste tonnen, vlinc dem Feuer des Genies Eintrag zu thun, von der dcnllichstcn Erkenntnis abgtthrilct werden; denn sie zeigen dem Virtuosen nur wovon er zu abstrahiren hat. Es sind also blos negative Regeln, die gar wohl ein Werk der Kunst scvn können. Mendelssohn. °°) Diese Opposition zeigt sich deutlicher in Anftbung der Musik und Malercy, Jene bedienet sich gleichfalls natürlicher Zeichen, al'inct aber nur durch die Bewegung nach. Die Poesie bat einige Eigenschaften mit der Musik, und einige mit der Malcrcv gemein Ihre Zeiche» sind von willkührlicher Bedeutung, daher drücken sie auch zuwrilcn neben einander crisiirendc Dinge aus, ohne deswegen einen Eingrif in das Gebiethe der Malcrcv zu thun, jedoch hiervon i» der Folge ein mehrere?. Mendelssohn. 442 Zum Laokoon. III. Nachahmende") Zeichen neben einander können auch mir Gegenstände ausdrücken, die neben einander, oder deren Theile neben einander cristircn. Solche Gegenstände heißen Aörper. Folglich sind Körper, mit ihren sichtbaren Eigenschaften, die eigentlichen Gegenstände der Mahlerey. Nachahmende Zeichen aufeinander können auch nur Gegenstände ausdrücken, die auf einander, oder deren Theile auf einander folgen.") Solche Gegenstände heißen überhaupt Handlungen. °°°) Folglich sind Handlungen der eigentliche Gegenstand der Poesie. Doch alle Körper cxistiren nicht allein in dem Raume, sondern auch in der Zeit. Sie dauern fort, und können in jedem Augenblicke ihrer Dauer anders erscheinen und in andrer Verbindung stehen. Jede dieser augenblicklichen Erscheinungen und Verbindungen ist die Wirkung einer vorhergehenden, und kann die Ursache einer folgenden, und sonach gleichsam das Centrum einer Handlung seyn. Folglich kann die Mahlerey auch Handlungen nachahmen, aber nur andcutungs- weise durch Rörper. Auf der andern Seite können Handlungen nicht vor sich selbst bestehen, sondern müßen gcwißen Wesen anhängen. In so fern nun diese Wesen Körper sind, schildert die Poesie auch Rörper, aber nur andeutungsweise durch Handlungen, f) °) Natürliche. Mendelssohn. °°) Nein! sie drücken auch nebe» einander cMirendc Dinge aus, wenn sie von willkührlichcr Bedeutung sind. Mendelssohn. °°°) Bewegungen heißen sie cigcntlich, denn es giebt Handlungen, die aus neben einander cristircnden Theilen bestehen, und diese sind malerisch. Aber die Bewegung bestehet blos ans Theilen, die auf einander folgen. Wir haben also Bewegungen und Handlungen. Die Musik drückt Handlung durch Bewegung und die Malcrc» Bewegung durch die Handlung aus. Jene vermittelst natürlichcr Töne, diese vermittelst der Räume. Die Poesie bat Bewegungen und Handlungen vermittelst der willkührlichcu Zeichen. Die Poesie hat aber auch unbewegliche Handlungen, diese sind vollkommen malerisch. Z. V. das homerische Gleichnis, da die Hirlcnknabcn vor der Hecrdc stehen, und dem grimmigen Löwen brcnncndc Fackcln entgegen hallen. Der sterbende Adonis, die Entführung dcr Europa sind Folgen von Schilderungen, da stehende und bewegliche Handlungen mit einander abwechseln. Mendelssohn- -Z-) Die Poesie kan gar wohl Körper schildern, aber sie hat folgende Grenze nicht zu überschreiten. Wenn wir ein im Raume befindliches Ganze uns deutlich vorstellen wollen, so betrachten wir 1) die Theile einzeln, 2) ihre Bcrbindnng, 3) das Ganze. Unsere Sinne verrichten dieses mit ci^ M-.^-Ms' -^?^i»Z^N^> .',^^5-^ ^ Zum Laokoon. IV. Die Mahlerey kann in ihren cocristircnden Compositionen nur einen einzige» Augenblick der Handlung nutzen, und muß daher den prägnantesten wählen/ aus welchem das vorhergehende und folgende am begreiflichsten wird. Eben so kaun auch die Poesie in ihren fortschreitenden Nachahmungen nur eine einzige Eigenschaft der Körper nutzen, und muß daher diejenige wählen, welche das sinnlichste Bild des Körpers von der Seite erweckt, von welcher er ihn braucht. °) Hieraus fließt die Regel von der Einheit der mahlerischen Beywörter, und der Sparsamkeit in den Schilderungen körperlicher Gegenstände. In dieser besteht die große Manier dcS Homers; nnd der entgcgcngcsctztc Fehler ist die Schwachheit vieler neueren, besonders der Thompsonschen Dichter, die in einem Stücke mit dem Mahler wetteifern wollen, in welchem sie nothwendig von ihm überwunden werden müßen. Homer hat für Ein Ding nur Einen Zug. Ein Schiff ist ihm bald daS schwarze Schiff, bald daS hohle Schiff, bald das schnelle Schiff, höchstens das wohlberuderte schwarze Schiff. Weiter laßt er sich in die Schilderung des Schiffes nicht ein. Aber wohl das Schiffen, das Abfahren, das Anlanden des Schiffes macht er zu einem ausführlichen Gemählde, zu einem Gemählde, nuS welchem der Mahler u. f. w. VI. Nach dem, was wir in nnscrn mündlichen Unterredungen ausgemacht haben, verbessere ich meiilc Eintheilung der Gegenstände der poetischen und der eigentlichen Mahlerey folgcndergestalt. ncr so crstaunlicheu Geschwindigkeit, daß wir alle diese Operationen zu gleicher Zeit zu verrichte» glauben. Wenn uns daher alle einzelne Theile eines im Raume sich befindenden Gegenstandes durch willkübrlichc Zeiche» angcdeu- «t werde»; so wird uns die dritte Operativ», das Zusainincnhaltc» aller Theile, allzu bcschwchrlich. Wir müssen unsere Einbildimgskrafl allzusehr anstrenge», wenn sie so zertrennte Stücke In ei» raumcrfüllcndcs Ganze zusammenfasse» solle». Mendelssohn. °) Dcr Dichter suchet allzeit Handlung und Bcwcguttg zu vcrbüide», daher er sich scltc» bev cincni Augenblicke dcr Zeit lange verweilet. Da ihm eine grössere Mannigfaltigkeit zu Diensten ist; so schränkt er sich nicht gern auf eine kleinere ei». Daher vermeidet er stehende Handlungen, wenn er sie i» bewegliche verwandeln kun. Die folgenden wohl ausgcsuchtcn Bevspiclc passe» auf diese Lehre vollkommen. Sie beweisen aber keine gänzliche Ausschließung aller stehenden Handlungen. Mendelssohn. 144 Zum Laokoon. Die Mahlerey schildert Körper, und andeutungsweise durch Körper, Bewegungen. Die Poesie schildert Bewegungen, und andeutungsweise durch Bewegungen, Körper. Eine Reihe von Bewegungen, die auf einen Endzweck abzielen, heißet eine Handlung. Diese Reihe von Bewegungen ist entweder in eben demselben Körper, oder in verschiedene Körper vertheilet. Ist sie in eben dcmsel- den Körper, so will ich cS eine einfache Handlung nennen; und eine collective Handlung, wenn sie in mehrere Körper vertheilet ist. Da eine Reihe von Bewegungen in eben demselben Körper sich in der Zeit eraugncn muß,- so ist es klar, daß die Mahlerey auf die einfachen Handlungen gar keinen Anspruch machen kann. Sie verbleiben der Poesie einzig und allein. Da hingegen die verschiednen Körper, in welche die Reihe von Bewegungen vertheilet ist, neben einander in dem Raume existiren müssen; der Raum aber das eigentliche Gebiet der Mahlerey ist; so gehören die collectiven Handlungen nothwendig zu ihren Vorwürffen. Aber werden diese collective Handlungen deswegen weil sie in dem Raume erfolgen, aus den Vorwürffen der poetischen Mahlerey auszuschließen seyn? Nein. Denn obschon diese collectiven Handlungen im Raume geschehen; so erfolget doch die Wirkung auf den Zuschauer in der Zeit. Das ist; da der Raum, den wir auf einmal zu übersehen fähig sind, seine Schranken hat; da wir unter mannigfaltigen Theilen neben einander uns nur der wenigsten auf einmal lebhaft bewußt seyn können: so wird Zeit dazu erfordert, diesen größern Raum durchzugehen und uns dieser reichern Mannigfaltigkeit nach und nach bewußt zu werden. Folglich kann der Dichter eben sowohl das nach und nach beschreiben, was ich bey dem Mahler nur nach und nach sehen kann; so daß die collectiven Handlungen das eigentliche gemeinschaftliche Gebiete der Mahlerey und Poesie sind. Sie sind, sage ich, ihr gemeinschaftliches Gebiet, das sie aber nicht auf einerley Art bebauen können. Gesetzt auch, daß die Betrachtung der einzeln Theile in der Poesie eben so geschwind geschehen könnte, als in der Mahlerey: so fallt doch ihre Verbindung in jener weit schwerer als in dieser, und das Ganze kann folglich in der Poesie von der Wirkung nicht seyn, als es in der Mahlerey ist. Zum Laokoon, 145 WaS sie daher am Ganzen verlieret, muß sie an den Theilen zu gewinnen suchen, und nicht leicht eine collective Handlung schildern, in der nicht jeder Theil für sich betrachtet schön ist. Diese Regel braucht die Mahlerey nicht. Sondern da bey ihr die Verbindung der erst einzeln betrachteten Theile so geschwind geschehen kann, daß wir wirklich das Ganze auf einmal zu übersehen glauben: so muß sie vielmehr sich eher in den Theilen als in dem Ganzen vernachlässigen; und cS ist ihr eben so erlaubt als zuträglich, unter diese Theile auch minder schöne und gleichgültige Theile zu mengen, sobald sie zu der Wirkung des Ganzen etwas beytragen können. Diese doppelte Regel, nehmlich, daß der Mahler bey Vorstellung collectiver Handlungen mehr auf die Schönheit des Ganzen; der Dichter hingegen mehr darauf sehen muß, daß so viel möglich jeder einzelne Theil schön sey, spricht das Urtheil über eine Menge Gemählde des Künstlers und des Dichters, und kann beyde in der Wahl ihrer Vorwürffc sicher leiten. Z, E> Angelo hätte ihr zufolge kein jüngstes Gericht mahlen sollen. Nicht zu gedenken, wie viel dieses Gemählde, durch die verjüngten Dimensionen von der Seite des Erhabenen verlieren muß; da das allergrößte noch immer ein jüngstes Gericht eo migvalure- ist: so ist cS gar keiner schönen Anordnung fähig, die auf einmal ins Auge fallen könnte; und die allzu vielen Figuren, so gelehrt und kunstreich auch eine icdc für sich selbst ist, verwirren, und ermüvcn das Auge. Der sterbende Adonis ist bcv dem Bion ein vortreffliches Gemählde. Allein ich zweifle, daß es einer schönen Anordnung unter der Hand des Mahlers fähig ist, wenn er, ich will nicht sagen alle, sondern nur die meisten Züge des Dichters beybehalten will. Die um ihn heulenden Hunde, ein so rührender Zug bey dem Dichter, würden unter den Liebesgöttern und Nvmvhcn, dünkt mich, einen schlechten Effect thun. VII. Den Schranken der bildenden Künste zu Folge, sind alle ihre Figuren unbeweglich. Das Leben der Bewegung, welches sie zu haben scheinen, ist der Zusah unserer Einbildung; die Kunst thut nichts als daß sie unsere Einbildung in Bewegung seht- — ZeuxiS, crzchlt man, mahlte einen Knaben, welcher Trauben trug, und in diesem war die Kunst der Natur so nahe gekommen, daß die Vögel darnach flogen. Aber dieses machte den Zcuris auf sich selbst unwillig. Ich habe, sagte er, die Trauben besser gemahlt, als den Knaben; denn hätte ich auch LMigs Wett- XI, 1t) 14«; Zum Laokoon. diesen gehörig vollendet, so hätten sich die Vögel vor ihm scheuen müssen. — Wie sich ein bescheidner Mann doch oft selbst chiquanirct! Ich muß mich des ZcuxiS wider den Zcuxis annehmen. Und hättest du/ lieber Meister, den Knaben auch noch so vollendet/ er würde die Vögel doch nicht abgeschrecket haben, nach seiner Traube zu fliegen. Thierische Augen sind schwerer zu täuschen als menschliche; sie sehen nichts, als waS sie sehen; uns hingegen verführet die Einbildung, daß wir auch das zu sehen glauben/ was wir nicht sehen. VIII. Die Schnelligkeit ist eine Erscheinung zugleich im Raume/ als in der Zeit. Sie ist das Product von der Länge des erster»/ und der Kürze der letzter». ' Sie selbst also kann kein Vorwurf der Mahlerey seyn; und wenn Caylus* dem Künstler bey allen Gelegenheiten, wo schneller Pferde gedacht wird/ sorgfältig empfiehlt/ alle seine Kunst anzuwenden/ diese Schnelligkeit auszudrücken: so kann man sich leicht einbilden/ daß man bloß die Ursache derselben, das Anstrengen der Pferde/ und den Anfang derselbe»/ den ersten Satz der Pferd-/ zu sehen bekommen würde." Hingegen können die Dichter diese Schnelligkeit, auf mehr als eine Weift/ ungcmein sinnlich ausdrucke»/ nachdem sie 1) entweder/ wen» die Länge des Raums bekannt ist/ vornehmlich auf die Kürze der Zeit unsere Einbildungskraft heften; 2) oder einen sonderbaren ungeheuern Maaßsiab des Raumes annehmen; >?) oder auch/ weder der Zeit noch des Raumes erwähnen/ sondern bloß die Schnelligkeit aus den Spuren schließen lassen/ die der bewegte Körper auf seinem Wege zurückläßt- - ?-»>. VN, et Xll. l.id, V. a A-k^v «öo?, a^v»- (Z^^zkov. Die Zeit, in welcher die Pferde von dcm Schlachtfelde in dem Olymp anlangen/ erscheinet hier nicht größer als die Zeit zwischen dem Aufsteigen der Iris und dcm Ergreiffen der Zügel; zwischen dem Ergreif- fcn der Zügel und dcm Antreiben; zwischen dcm Antreiben und der Willigkeit der Pferde. — Ein andrer griechischer Dichter läßt die Zeit/ so zu reden/ noch sichtbarer verschwinden. Antipatcr sagt von dcm Wcttläufer Arias:" Man sahe den Jüngling entweder »och in den Schranken oder schon am Ziele; in der Mitte der Laufbahn sahe man ihn nie. 2) Wcnn Juno mit Mincrvcn hcrabfahrt, um dcm Blutvergießen dcS MarS zu sicucrn: *" llo'o'o?' ö' ^kizoklöki; l>?kV V^(^«>,'l0t<7tV kv , XiTi<7<7uv k»l o»c>»« »oi-rov. Welch ein RauiN/ und dieser Raum ist nur ein Sprung! Und ist nur die Elle dcS ganzen Weges, an dessen Ende die Göttinnen schon gleich in der folgenden Zeile sind- — Scipio Gcntili in seinen Anmerkungen über den Tasso,-!/ sagt daß ein großer damals lebender Kunstrichter den Virgil getadelt habe/ daß er den Merkur, j-^ indem er von dem Olymp nach Carthago flieget, unter WegcnS auf dem Berge AtlaS ruhen lasse; uno Dio lo «lancarsi. Allein, fahrt cr fort/ ich verstehe diesen Einwurf nicht; und ohne Zweifel/ daß ihn Tasso eben so wenig verstand/ welcher sich kein Bedenken macht/ den Vira.il in diesem Stücke nachzuahmen. Denn Tasso laßt den Gabriel, als cr von Gott zum Gottfried hcrabgcschickt wird, auf dcm Libanus ruhen, fff — Wie Tasso den Virnil hier nachgeahmet, so ist virgil dem Homer gefolgt; welcher den Merku» !- i>- ?. -j-j- ^eiwia. Iib. IV. SS». e»nlo l. «I. 14. 10" * INa>I. - ZSS. " ^ViUI>oI. lili. I. Ili-iil. - 770. 148 Zum Laokoo». als er von dem Jupiter zur Calvpso gesendet wird, auf dem pierius Station halten läßt.* Meiner Meinung nach hatte Gentili dem Kunstcichtcr sagen solle»? „Ihr müßt dieses Anhalten auf dem Atlas „nicht als ein Zeichen der Ermüdung des GotteS betrachten; als ein sol- „chcS würde cs allerdings unanständig seyn. Sondern die Absicht des „Dichters dabey ist diese: er will euch eine lebhaftere Idee von der „Weite des WegcS machen, und zerlegt ihn also in zwey Hclsten, und „läßt euch aus der bekannten Größe der einen kleinern Hclftc auf „die unbekannte Größe der andern Hclfte schließen." Von dem innersten Olymp bis auf den pierius oder Atlas? oder von diesen Bergen, bis in die Insel Onygia, oder bis nach Carthago; und so wird mir die Weite des Weges sinnlicher, als wenn eS bloß hieße, aus dem Olvmp nach Ogvgia oder Carthano. — Tasso bleibt gewisser Maßen nur darinn hinter den alten Dichtern zurück, daß er einen Berg nimmt, welcher dem Orte, wohin der Enge! geschickt wird, zu nahe liegt. Von Tortosa bis zum Äibanus ist ein zu kleiner Weg, als daß er mich, den Weg von dem Libanns bis in den Himmel mir besonders weit vorzustellen, veranlassen könnte. 3) Von dieser dritten Art ist die Beschreibung HomcrS von den Stuttcn des Erichthonius: *° ^.t ö' 05k />,kV <5>-.,Hrij>kv k!lt Alöugcev «^o^tzav, '^.»izoi- kir' av^ktzlxioi- »«t-irov <>kov, oiiSk «arkxX^v '^.xtzov rzti o?zz>^i»-o? «Xo? »o>-t0lo ^-kcrxov. „Sie liessen über die Spitzen der Aehrcn, ohne sie z» beugen, und „liessen auf der schäumenden Fläche des Meeres einher." — ES ist philosophisch richtig, daß die äußerste Geschwindigkeit den Körpern, über welche sie geschieht, keine Zeit läßt, irgend einen Eindruck anzunehmen; in dem Augenblicke, in welchem der Druck auf die Aehrc geschiehet, höret er auch schon wieder auf; und die Achre muß sich also in eben demselben Augenblicke beugen und wieder aufrichte»; das ist, sie muß sich gar nicht beugen. — Die Datier, welche das erste 5-o" durch marelivient übersetzt, ohne Zweifel auS der kleinen nichtSwürdi^ gen Ursache, nicht zwcvmal couroiont sagen zu dürfen, verdirbt die ganze Schönheit der Stelle. Denn dieses niarclioionl involvirct eine gewisse Langsamkeit, mit welcher jene Erscheinung unmöglich beste- he» kann. * - 5«. *' Ili-Iil. xx. v. s?<>, Zum Laokoo». 149 Indeß, kann man sagen, muß dieses auch noch so schnelle Aufsehen auf die unterliegenden Körper dennoch die Bewegung in etwas langsamer machen, wenn dieses etwas auch schon noch so unendlich, noch so unmerklich ist. Und daher läßt Homer seine Götter, wenn er ihnen die allcrmöglichste Schnelligkeit geben will, gar nicht aufsetzen, den Boden gar nicht berühren, sondern über den Boden dahin streichen, und zwar ohne Fortsetzung der Füße, mit an einander geschlossenen Beinen, weil schon die wechselsivcise Bewegung derselbe» Verzögerung und Aufenthalt zu erfordern scheint. ° Diese seinen Göttern eigenthümliche Bewegung vergleicht der Dichter mit dem Fluge der Tauben: als wenn er von der Juno und Minerva sagt - 778): ^.t /Zar^v i'tziztzuo'!, 5!>,kiao'i,v tö.u.aA'' o/i,otal. Denn alödenn ist der Flug der Tauben am schnellsten, wenn sie mit »»beweglichen Flügeln dahin schießen, wie Virgil sagt: 1!ai->6. IV. 71. nach der Auslegung des Hclio- donis, ^nlli. lil,, III. >>. 147. Lllil. <üomme!. Und diesen Stand mit geschlossenen Beinen, weil er ein Bild der Schnelligkeit sey, sagt HcliodoruS, hätten die Acgypticr daher auch den Bildsculcn ihrer Götter gegeben. Mir fiel hicrbey ein, daß man auch den senkrechten Hang der Arme in den Acgyptischcn Formen auf diese Schnelligkeit ziehen könnte; denn ilimis5ig manilius suxere, sagten die Alten, sey so geschwind als möglich fliehen, und Aristoteles merkt ausdrücklich an," -5^ o-, ^koi-5k? Aar^ov ^kono'l »«tza<5klo>-7kc 7-«? Aklh«?. Doch dieser senkrechte Hang der Arme, dieser geschlossene Stand der Beine, war nicht den Acgyptischcn Gottheiten besonders, sondern ihren menschlichen Figuren überhaupt gemein. Woher dieses? Die natürlichste Stellung ist cS gewiß nicht; denn ob cö schon die einfältigste zu seyn scheint, so ist es doch gewiß, daß sich der Mensch am seltensten darinn befindet: weshalb ich nicht bc- grciffen kann, wie, nach Herrn W. (n. 8), der Anfang der Kunst selbst auf die Acgvvtischen Formen führen können. ° vv grvssu Deorum v. t!omm«?»>. in Virgil. v. lili. I. ^cneill. A i-c»'« inc?5s» ?<«I» Umlirii, °° H,rM»t. >IL inc^ss» !>»ini!>U»»i, >>> I>',r»Imi Ia!:ia i>. 60». I5llil> »'iinievl. t646. 160 Zum Laokoon. Vielleicht dürste man sagen: es ist der Stand der völligen Ruhe, und nur diesen hielten die Aegyptischen Künstler ihren unbeweglichen Nachahmungen für anständig und zuträglich. Doch so früh resonnirct man in der Kunst nicht, und die erste» Bestimmungen erhält die Kunst mehr durch äußerliche Veranlassungen, als durch Ueberlcgungen. Meine Meinung ist also diese: die ersten Acgyptischcn Figuren standen mit senkrechten Armen, und mit zusammengeschlossenen Füßen. Man thue noch das dritte Kennzeichen hinzu, mit zugeschlossenen Augen, und man hat offenbar die Stellung eines Leichname». Nun erinnere man sich, welche Sorgfalt die alten Acgypticr auf die Leichname wendeten, wie viel Kunst und Kosten sie anwandten, selbige unverweßlich u erhalten, und eS ist natürlich, daß sie auch das Ansehen des Verstorbenen werden zu erhalten gesucht haben. Dieses brachte sie auf die Mahlerey und bildenden Künste überhaupt. Sie machten über das Gesicht des Leichnams eine Act von Larve, auf welcher sie die Gestchts- züge des Verstorbenen nach der Achnlichkcit ausdrückten. Eine solche Larve, ist die pei-scms ^egz?pliaca bei dem Bcger I". III. 402. welche Herr Winkelmann unrichtig eine Mumie nennt (S- 32. o. 2.) Doch nicht allein das Gesicht, auch der ganze Körper ward in eine Art von hölzerner MaSkc eingefaßt, welche die Gestalt desselben ausdrückte, daher sie HerodotuS" ausdrücklich ä^>-"o^ r-v-ov «^^o-t- öc« nennet. Herr Winkclmann will eS zwar leugnen, daß die ältesten menschlichen Figuren mit zugeschlossenen Augen gewesen; und erklärt das /^^xo?« bcvm DiodoniS durch mvl-mlia (S- 8. Anm. 3. So hat eS auch schon MarSham übersetzt, <ü->,i. (!I>i-oi,. pag. 292. Lilil. I^ip8.) Allein die vornehmste Ursache, warum er diese Auslegung macht, fällt weg, wenn man den Diodorus selbst nachstehet. DiodoniS sagt nicht daß die Bildsäulen deS DädaluS mit zugeschlossenen Augen gewesen, wie Herr Winkelmann vorgiebt; sondern er sagt grade daS Gegentheil- die Bildseulen vor dem DädaluS hatten zugeschlossene Auge», aber DädaluS dfnete sie ihnen; so wie er die Beine ihnen aus einander setzte, und die Arme lüftete. Aus meiner Erklärung von dem Ursprünge der Acgyptischcn Kunst, laßt sich auch noch erklären, warum die ältesten Acgyptischcn Figuren mit dem Rücken an einer Säule anliegcn. ES war der Gebrauch der Aegypticr die nach der Figur deS Leichnams gearbeiteten Särge an die ° ll> p. IZtllt. N't.'5SeIi»L. Zum Laokoon, Mauer zu lehnen: unddaS erste hölzerne oder steinerne Bild war nichts als die grobe Nachahmung cincS solchen Sarges. Was vor dem DädaluS also in Acgypten nichts als ein religiöser Gebrauch war, ein bloßes Hülfsmittel des Gedächtnisses, erhob DädaluS zur Kunst/ indem er die Nachahmungen todter Körper zu Nachahmungen lebendiger Körper machte, und daher all das Fabelhafte, was man von seinen Werken erdichtete. Doch die Acgyptischen Künstler selbst müssen diesen Schritt dcS DädaluS bald nachgcthan haben. Denn nach dem DiodoruS (lib. I.) ist DädaluS selbst in Acgypten gewesen, und hat sich auch da durch seine Kunst einen unsterblichen Ruhm erworben. „Parallel dicht zusammenstehende Füße, wie sie einige alte Scribenten anzudeuten „scheinen, sagt Herr W-, hat keine einzige übrig gebliebene ägyptische Figur." (S- 39.) Ich möchte das Vorgeben dieser alten Scribenten, welches zu cinmüthig und zu ausdrücklich ist, nicht verdächtig machen. Man darf nur erwägen, daß die ältesten Werke der Sculp- tur, besonders bey den Aegvvtiern, sowohl als Griechen, von Holz waren: (paul-mias Ooriviti. eap. XIX. p. 452. LoA. ltuk.) so fällt die Verwunderung größtcnthcils weg, daß sich keines davon erhalten. Genug daß wir den parallelen Stand der Füße auf andern Werken der alten Acgvptischen Kunst als auf der luliulg llisea noch erblicken. Die Acgypticc blieben bey den ersten Verbesserungen des DädaluS stehen: die Griechen erhoben sie weiter bis zur Vollkommenheit. IX. Von der Verschiedenheit dcr Zeichen, deren sich die schönen Künste bedienen, hanget auch die Möglichkeit und Leichtigkeit ab, mchrcre derselben mit einander zu einer gemeinschaftlichen Wirkung zu verbinden. Die Verschiedenheit zwar, nach welcher sich ein Theil der schönen Künste willkürlicher, und der andere natürlicher Zeichen bedienet, kann bey dieser Verbindung nicht besonders in Betrachtung kommen. Da die willkührlichcn Zeichen eben deswegen, weil sie willkührlich sind, alle mögliche Dinge in allen ihren möglichen Verbindungen ausdrücken können, so ist von dieser Seite ihre Verbindung mit den natürlichen Zeichen ohne Ausnahme möglich. Allein, da diese willkührliche Zeichen zugleich auf einander folgende Zeichen sind, die natürlichen Zeichen aber nicht alle auf cinandcr folgen, sondern eine Art derselben neben cinandcr geordnet werden müssen: so folget von selbst, daß die willkührlichcn Zeichen sich mit tZ2 Zum Laokoon. diese» beyden Arten natürlicher Zeichen nicht gleich leicht und gleich intim werden vereinigen lassen. Daß willkührliche auf einander folgende Zeichen mit natürlichen auf einander folgenden Zeichen sich leichter und intimer werden vereinigen lassen, als mit natürlichen neben einander geordneten Zeichen, ist klar. Da aber auf beyden Theilen noch der Unterschied hinzukommen kann, daß es entweder Zeichen für einerley oder für verschleime Sinne sind, so kann diese intime Verbindung wiederum ihre Grade haben. 1. Die Vereinigung willkührlichcr, auf einander folgender hörbarer Zeichen, mit natürlichen, auf einander folgenden hörbaren Zeichen, ist unstreitig unter allen möglichen die vollkommenste, besonders wenn noch dieses hinzukommt, daß beyderley Zeichen nicht allein sür einerley Sinn sind, sondern auch von ebendemselben Organs zu gleicher Zeit gefaßt und hervorgebracht werden können. Von dieser Art ist die Verbindung der Poesie und Musik, so daß die Natur selbst sie nicht sowohl zur Verbindung, als vielmehr zu einer und ebenderselben Kunst bestimmt zu haben scheinet. ES hat auch wirklich eine Zeit gegeben, wo sie beyde zusammen nur eine Kunst ausmachten. Ich will indeß nicht leugnen, daß die Trennung nicht natürlich erfolgt sey, noch weniger will ich die Ausübung der einen ohne die andere tadeln; aber ich darf doch belauern, daß durch diese Trennung man an die Verbindung fast gar nicht mehr denkt, oder wenn man ja noch daran denkt, man die eine Kunst nur zu einer Hilfskunst der andern macht, und von einer gemeinschaftlichen Wirkung, welche beyde zu gleichen Theilen hervorbringen, gar nichts mehr weis. Hernach ist noch auch dieses zu erinnern, daß man nur eine Verbindung ausübet, in welcher die Dichtkunst die helfende Kunst ist, nehmlich in der Oper, die Verbindung aber, wo die Musik die helfende Kunst wäre, noch unbearbeitet gelassen hat.') Oder sollte ich sagen, daß man in der Oper auf beyde Verbindungen gedacht habe; nehmlich, auf die Verbindung, wo die Poesie die helfende Kunst ist, in der Arie; und auf die Verbindung, wo die Musik die helfende Kunst ist, im Recitative? ES scheinet so. Nur dürfte die Frage dabey seyn, ob diese vermischte Verbindung, wo um die Reihe * Vielleicht ließe sich hieraus ein wesentliches Unterscheidungszeichen zwischen der Französischen und Italienischen Oper festsetze». Zn der Französischen Oper ist die Poesie weniger die Hlilfkunsi; und cS ist natürlich, das, die Musik derselben sonach nicht so brillant werden könne. In der italiänischen hingegen ist alles der Musik untergeordnet. Dieses sieht man selbst aus der Einrichtung der Oper» des Mclaflasiv, aus der «»- Zum Laokoon. die cinc Kunst der ander» subservirct, in cincm und ebendemselben Ganzen natürlich sey, und ob die wollüstigere, welches ohnstrcitig die ist/ wo die Poesie der Musik subservirct/ nicht der andern schadet, und unser Ohr zu sehr vergnüget/ als daß es das wenigere Vergnügen bey der andern nicht zu matt und schläfrig finden sollte. Dieses Subservircn unter den beyden Künsten, bestehet darin,,, daß die eine vor der andern zum Hauptwerke gemacht wird, nicht aber darinn, daß sich die eine bloß nach der andern richtet, und wenn ihre verschiedne Regeln in Collisio» kommen, daß die eine der andern so viel nachgicbt als möglich. Denn dieses ist auch in der alten Verbindung geschehen. Aber woher diese verschiedne Regeln, wenn es wahr ist, daß beyder Zeichen einer so intimen Verbindung fähig sind? Daher, daß beyder Zeichen zwar in der Folge der Zeit wirken, aber das Maaß der Zeit, welches den Zeichen der einen und den Zeichen der andern entspricht, nicht einerley ist. Die einzelnen Töne in der Musik sind keine Zeichen, sie bedeuten nichts und drucken nichts auS; sondern ihre Zeichen sind die Folgen der Töne, welche Leidenschaft erregen und bedeuten können. Die willkührlichen Zeichen der Worte hingegen bedeuten vor sich selbst etwas, und ein einziger Laut als willkührlichcS Zeichen kann so viel ausdrücken, als die Musik nicht anders als in einer langen Folge von Tonen empfindlich machen kann. Hieraus entspringt die Regel, daß die Poesie, welche mit Musik verbunden werden soll, nicht von der gedrungenen Art seyn muß; daß cS bey ihr keine Schönheit ist, den besten Gedanken in so wenig als mögliche Worte zu bringen, sondern daß sie vielmehr jedem Gedanken durch die längsten geschmeidigsten Worte so viel Ausdehnung geben muß, als die Musik braucht, etwas ähnliches hervorbringe» zu können. Man hat den Compouisten vorgeworfen, daß ihnen die schlechteste Poesie die beste wäre, und sie dadurch lächerlich zu machen geglaubt. Alber sie ist ihnen nicht deswegen die liebste, weil sie schlecht ist, sondern weil die schlechte nicht gedrengt und gepreßt ist. ES ist aber darum nicht jede Poesie, welche nicht gedrengt und gepreßt ist, schlecht; sie kann vielmehr sehr gut seyn, ob sie gleich freylich, als bloße Poesie betrachtet, nöthigen Häussnug der Personen z. E. in der Zcuobia, welche noch weil verwickelter ist, als Crcbillons; aus der üble» Gewohnheit, jede Scene, auch die allcrpassionirtcstc, mit einer Arie zu schliefzen. (Der Sänger will beym Abgeben für seine Cadcncc gcklalscht ftp».) Man miisjte in dieser Absicht die bcstc» sranzbsischcn Oper», als Alps, mid Armidc, gegen die besten des Mctasiasio »nlcrsuchc». 154 Zum Laokoon. nachdrücklicher und schöner seyn könnte. Allein sie soll anch nicht als bloße Poesie betrachtet werden. Daß eine Sprache vor der andern zur Musik geschickt sey, ist wohl unstreitig; nur will gern kein Volk das wenigere auf seine Sprache kommen lassen. Die Unschicklichkeit beruht aber nicht bloß in der rauhen und harten Aussprache, sondern auch, zu Folge der gc. machten Anmerkung, in der Kürze der Wörter, und zwar dieses nicht weil die kurzen Wörter auch metstentheilS hart sind und sich schwer unter einander verbinden lassen, sondern auch schon deswegen, weil sie kurz sind, weil sie zu wenig Zeit brauchen, als daß ihnen die Musik mit ihren Zeichen gleichen Schritts folgen könnte. Völlig kann keine Sprache von der Beschaffenheit seyn, daß ihre Zeichen eben so viel Zeit crsodcrten, als die Zeichen der Musik, und ich glaube, dieses ist der natürliche Anlaß gewesen, ganze Passagen auf eine Sylbe zu legen. 2. Nach dieser vollkommensten Vereinigung der Poesie und Musik folget die Vereinigung willkührlicher auf einander folgender hörbarer Zeichen, mit willkührlich auf einander folgenden sichtbaren Zeichen, das ist die Verbindung der Musik mit der Tanzkunst, der Poesie mit der Tanzkunst, und der vereinigten Musik und Poesie mit der Tanzkunst. Unter diesen drey Verbindungen, von welchen allen wir bey den Alten Exempel finden, ist wiederum die Verbindung der Musik mit der Tanzkunst die vollkommnerc. Denn obschon hörbare mit sichtbaren Zeichen verbunden werden, so fällt doch dafür hinwiederum der Unterschied des Zeitraumes, den diese Zeichen nöthig haben, weg, welcher tn der Verbindung der Poesie mir der Tanzkunst, oder der vereinigten Poesie und Musik mit der Tanzkunst bleibet. 3. Wie eS eine Verbindung willkührlich auf einander folgender hörbarer Zeichen mit natürlich auf einander folgenden hörbaren Zeichen giebt: sollte cS nicht auch eine Verbindung willkührlicher aufeinander folgender sichtbarer Zeichen mit natürlichen auf einander folgenden sichtbaren Zeichen geben?" Ich glaube, dieses war die Pantomime der Alten, wenn wir sie außer ihrer Verbindung mit der Musik betrachten. Denn eS ist gewiß daß die Pantomime nicht aus bloß natürlichen Bewegungen und Stellungen bestand, sondern, daß sie auch willkührliche zu Hülfe nahm, deren Bedeutung von der Convention abhing. Dieses muß man annehmen, um die Vollkommenheit der alten Pantomime wahrscheinlich zu finden, zu welcher noch ihre Verbindung ° Die einfache Kunst, welche sich willkührlich auf einander folgender sichtbarer Zeichen bedient, wird die Sprache der Stummen sey». Zum Laokoou. mit der Poesie vieles beytrug. Dieses aber war eine Verbindung von einer besondern Art, indem nicht Zeichen und Zeichen mit einander verbunden wurden, sondern bloß die Folge der einen nach der Folge der andern eingerichtet, bey der Ausführung diese letztere aber unterdrückt ward. II. Dieses waren die vollkommenen Verbindungen; die unvollkommenen sind diejenigen, da willkührliche auf einander folgende Zeichen mit natürlichen neben einander geordneten Zeichen verbunden werden, deren vornehmste die Verbindung der Mahlerey mit der Poesie seyn würde. Wegen des Unterschiedes, daß die Zeichen der einen im Raume und die Zeichen der andern in der Zeit auf einander folgen, kann keine vollkommene Verbindung entstehen, woraus eine gemeinschaftliche Wirkung entspränge, sondern nur eine Verbindung, bey welcher die eine der andern untergeordnet ist. Erstlich also die Verbindung, wo die Mahlerey der Dichtkunst untergeordnet ist. Hiehcc gehört der Gebrauch der Bänkelsänger, den Inhalt ihrer Lieder mahlen zu lassen, und darauf zu weisen. Die Verbindung, welche CayluS angiebt, ist mehr von der Art, wie die alte Pantomime mit der Poesie verbunden war. Diese ist, die Folge der Zeichen der einen durch die Folge der Zeichen der andern zu bestimmen. Daß die Mahlerey sich natürlicher Zeichen bedienet, muß ihr allerdings einen großen Vorzug vor der Poesie gewahren, welche sich nur willkührlicher Zeichen bedienen kann. Indessen sind bcvde auch hicrinn nicht so weit aus einander, als cS dem ersten Ansehen nach scheinen sollte, und die Poesie hat nicht nur wirklich auch natürliche Zeichen, sondern auch Mittel, ihre will- kührlichcn zu der Würde und Kraft der natürlichen zu erhöhen. Anfangs ist cS gewiß, daß die ersten Sprachen aus der Onoma- topöie entstanden sind, und daß die ersten erfundenen Wörter gewisse Achnlichkciten mit den auszudrückenden Sachen gehabt haben. Dcrglci- Wörtcr flndcn sich auch noch itzt in allen Sprachen, mehr oder weniger, nachdem die Sprache selbst mehr oder weniger von ihrem ersten Ursprünge entfernet ist. Aus dem klugen Gebrauche dieser Wörter entstehet das was man den musikalischen Ausdruck in der Poesie nennet, von welchem öfters und vielfältig Exempel angeführt werden. So weit indeß die vcrschicdncn Sprachen größtenthcils in ihren einzelnen Worte» von einander abgehen, so viel ähnliches haben sie indeß noch in denjenigen Fällen, in welchen allem Ansehen nach die 156 Zum Laokoon. ersten Menschen die ersten Töne von sich hören ließen. Ich meine, bey dem Ausdrucke der Leidenschaften. Die kleinen Wörter/ mit welchen wir unsere Verwunderung, unsere Freude, unsern Schmerz ausdrücken, mit einem Worte die JntcrjcctioncS, sind in allen Sprachen ziemlich einerley und verdiene» daher als natürliche Zeichen betrachtet zu werden. Ein großer Reichthum an dergleichen Partikeln ist daher allerdings eine Vollkommenheit einer Sprache, und ob ich schon weis, welchen Mißbrauch elende Köpfe davon machen können, so bin ich doch auch gar nicht mit der frostigen Anständigkeit zufrieden, welche sie beynahe gänzlich verbannen will. Man sehe, mit welcher Mannigfaltigkeit und Menge von Jntcrjcctioncn Philoktct bey dem Sophokles seine» Schmerz ausdrückt. Ein Uebersetzer in neuere Sprachen muß sehr verlegen seyn, was er dafür substituiren soll. Die Poesie bedient sich ferner nicht bloß einzelner Wörter, sondern dieser Wörter in einer gewissen Folge. Wenn also auch schon nicht die Wörter natürliche Zeichen sind, so kann doch ihre Folge die Kraft eines natürlichen Zeichens haben. Wenn nehmlich alle die Worte vollkommen so auf einander folgen, als die Dinge selbst welche sie ausdrücken. Dieses ist ein anderer poetischer Kunstgriff, der noch nie gehörig berührt worden und eine eigene Erläuterung durch Exempel verdienet. DaS Bisherige erweiset, daß cS der Poesie nicht ganz und gar an natürlichen Zeichen mangelt. Sie hat aber auch ein Mittel, ihre willkürlichen Zeichen zu dem Werthe der natürlichen zu erheben, nehmlich die Metapher. Da nehmlich die Kraft der natürlichen Zei' chcn in ihrer Achnlichkcit mit den Dingen besieht, so führet sie ansiatt dieser Aehnlichkeit, welche sie nicht hat, eine andre Acbnlichkeit ein, welche das bezeichnete Ding mit einem andcr» hat, dessen Begriff leichter und lebhafter erneuert werden kann. Zn diesem Gebrauche der Metaphern gehören auch die Gleichnisse. Denn das Glcichniß ist im Grunde nichts als eine ausgemahlte Metapher, oder die Metapher nichts als ein zusammengezogenes Glcichniß. Die Unmöglichkeit, in der sich die Mahlere« befindet, sich diese» Mittels zu bedienen, giebt der Poesie einen großen Vorzug, indem sie sonach eine Art von Zeichen hat, welche die Kraft der natürlichen haben, nur daß sie diese Zeichen selbst hinwiederum durch willkührliche ausdrücken muß. Nicht jeder Gebrauch der willkührlichen auf einander folgenden hörbaren Zeichen ist Poesie. Warum soll jeder Gebrauch natürlicher Zum Laokoon. 157 nebe» einander stehender sichtbarer Zeichen Mahlerey ftp», in so fern Mahlerey für die Schwester der Poesie angenommen wird? So gut cS von jenen einen Gebrauch giebt/ der nicht eigentlich auf die Tcuschung gehet, durch den man mehr zu belehren, als zu vergnügen, mehr sich verständlich zu machen, als mit sich fortzureißen sucht; das ist, so gut die Sprache ihre Prosa hat: so gut muß auch die Mahlerey dergleichen haben. Es giebt also poetische und prosaische Mahler. Prosaische Mahler sind diejenigen, welche die Dinge, die sie nachahmen wollen, nicht dem Wesen ihrer Zeichen anmessen. 1. Ihre Zeichen sind neben einander stehend, welche folglich Dinge, die auf einander folgen, damit vorstellen. 2. Ihre Zeichen sind natürlich; welche folglich sie mit willkührlichcn vermischen, die Allegoristcn. 3. Ihre Zeichen sind sichtbar; welche folglich nicht durch das Sichtbare das Sichtbare, sondern das Hörbare oder Gegenstände anderer Sinne vorstellen wollen, Erläuterung: il«z ein-->Ze! Ilei-e's tke plsoe; ltaall ktill. llo^v iesilul Iow! ?lie Oows sinl Lliovglis, Iliat, ninß tlie mid^vs^ all-, 8!iew learee kc> xi'ols as keelles. Ilalk vvaz? llown Ilsngs ooe ilist galliers Lamplni-e; «lresillul Italic! IVleiliiuks Itv teems vo Iiizgei' ilmn liis I>eail: 'klie kisliormen Iliat ^vsllc upon tlie beaell ° «ins I.esr ^v>. IV. 8c. ö. Zum Laokoon. ^ppear liliv »lico; anä z?on tall aoelioriog barli I)imim8lj'6 to kor lüoeli; I>er (!oclc, a kuo^ ^Iluolt too lmall sor liZItl. I^Iio murmuring Lurgo l'iist on llie unnumlierä idle t'eliblog eliskes <üallnot Iieaill liixli. I II louli oo more, I^ekt biain turo, aa6 tüv lZelicient liglit lopple klovva IieaälonA — Mit dieser Stelle des Shakespear zu vergleichen die Stelle beym Milton k. VIl. v. 210. wo der Sohn Gottes in das grundlose Chaos herabsieht. Diese Tiefe ist bey weitem die größere; gleichwohl thut die Beschreibung derselben keine Wirkung, weil sie uns durch nichts anschauend gemacht wird; welches bey dem Shakespear so vortrefflich durch die allmälige Verkleinerung der Gegenstände geschieht. X. Die verjüngten Dimensionen schwächen die Wirkung in der Mahlerey. Ein schönes Bild in Mignatur kann unmöglich eben dasselbe Wohlgefallen erwecken/ welches dieses Bild in seiner wahren Größe erwecken würde. Wo die Dimensionen aber nicht beybehalten werden können, so will der Betrachter sie wenigstens aus der Vcrgleichung mit gewissen bekannten und bestimmten Größen schließen und beurtheilen können. Die bekannteste und bestimmteste Größe ist die menschliche Gestalt. Daher sind auch fast alle Längenmaaße von der menschlichen Gestalt oder einzeln Theilen derselben hergenommen worden. Eine Elle, ein Fuß, eine Klafter, ein Schritt, ein Zoll, Mannshoch ze. Sonach glaube ich, daS die menschlichen Figuren dem Landschaft- mahlcr, auch außer dem höheren Leben, das sie in sein Stück bringe», noch den wichtigen Dienst leisten, daß sie das Maaß aller übrigen Gegenstände und ihrer Entfernungen unter einander, darinn werden. Läßt er sie weg, so muß er diesen Mangel eines gewissen Maaßes, durch Anbringung anderer Dinge ersehen, welche der Mensch zu seinem Gebrauche oder Bequemlichkeit gemacht, und daher nach seiner Größe eingerichtet hat. Ein Haus, eine Hütte, ein Zaun, eine Brücke, ein Steig, können diesen Dienst verrichten :c. Und will der Künstler eine ganz unbebaute Wüste, verlassene Gegend, ohne alle Menschen und menschliche Spuren schildern, so muß er wenigstens Thiere von bekannter Größe hincinschcn, aus deren Verhältnisse zu den übrigen Gegenständen man auf ihre eigentliche Dimensionen schließen kann. 160 Zum Laokoo». Der Mangel eines bestimmten und bekannten Maaßes kann auch in historischen, und nicht bloß in Landschaststückcn von übler Wirkung seyn. „Die dichterische Erfindung, sagt der Herr von Hagedorn,* „sobald sie der bloßen Einbildungskraft überlassen ist, leidet Zwerge „und Riesen bcvsammcn; aber die mahlerische Erfindung oder die Ver^ „theilnng ist nicht so gutwillig und biegsam." Er erläutert seine Meinung durch ein berühmtes Gemählde des Alterthums, den schlafenden Cvclopen deS TimantheS. Dieses Riesen ungeheuere Große auszudrücken, bat der Künstler dessen Daumen durch darneben gestellte Sa- tvren mit einem ThyrsuS auSmesscn lassen. Er findet den Einfall sinnreich, aber in einer mahlerischen Zusammcnschnng sowohl mit den ersten Begriffen vom Gruppircn und unsern ihigen Ideen vom Helldunkeln streitend/ als auch dem ungezwungenen Gleichgewichte deS Gemähldes nachtheilig. Man kann es dem Herrn von Hagedorn auf sein Wort glauben, daß dieser Gegenstand alle die bemerkten Unbequemlichkeiten hat. Allein cS sind diese- nur Unbequemlichkeiten für das Auge des verwöhnten Kenners: ich füge aus dem, was ich von den Dimensionen gesagt habe, eine andere hinzu, die er für jedes Auge hat, und für das ungeübtere am meisten. Wenn mir der Dichter den Riesen und den Zwerg nennet, so weis ich es aus den Worten, daß er die zwey Ertrema meinet, zu welchen die menschliche Gestalt von ihrer gewöhnlichen Große abweichen kann. Allein wenn der Mahler eine große und eine kleine Figur verbindet, woher weis ich, daß eS jene Ertrema scvn sollen? Ich kann wcchscls- wcise sowohl die kleine als die große für die Figur von der gewöhnlichen Größe annehmen. Nehme ich die kleine dafür an, so ist die große ein ColossuS; nehme ich die große dafür an, so wird die kleine ein Lilliputer. Ich kann mir in diesem Falle noch eine größere und in jenem noch eine kleinere gedenken. ES bleibt also unentschieden, ob der Mahler einen Zwerg oder einen Riesen, oder ob er bcvdeS vorstellen wollen. Julius RomanuS ist eS nicht allein, welcher den Einfall des TimantheS nachgeahmt hat"; auch Francis Floris hat ihn in seinem Herkules unter den Pvgmäen, gebraucht, in einer Zeichnung, die H. Cock 1S03 gestochen hat. Ich zweifle aber, ob sehr glücklich. Da er nehmlich die Pygmäen nicht als verwachsene und bucklichtc Zwerge, sondern als in allen ihren Verhältnissen wohlgcwachseiic kleine Mcn- " Bon der Mahlerey S. 409. " Iticlii»rlll»il rrntt au lil I-emtt»«.>, I. p> 3t. Zum Laokoon. 101 schen vorstellt, so würde ich nicht wissen, ob es nicht Menschen von ordentlicher Größe, und der unter der Eiche schlafende Herkules nicht ein Riese seyn sollte, wenn ich nicht den Herkules an seiner Keule und Löwenhaut erkennte, und cS schon wüßte, daß das Alterthum den Herkules zwar als einen großen, aber als keinen ungeheuern Mann vorgestellet. TimantheS läßt einen Satyr den Daumen des Cyklopen mit einem ThyrsuS messen; FloriS einen Pygmäen die Fußsohle des Herkules mit einem Staabe. ES ist wahr, Herkules ist in Betrachtung der Pygmäen / so gut Riese, als der Cyklope in Betrachtung der Satvren. Dem ohngeachtet thut die ähnliche Ausmessung hier nicht auch die ähnliche Wirkung. Die Satyre waren an ihrer Gestalt kenntlich, und ihre Größe war die gewöhnliche menschliche Größe. Wenn sie also den Daum des Cyklopen messen, so erkennen wir klar daraus, wie viel der Cvklope größer als der Satvr sey. So auch bey den Pvgmäen! das Messen des Pygmäen erweckt die Idee von der Größe des Herkules; gleichwohl ist cS aber hier nicht auf die Größe des Herkules, sondern auf die Kleinheit der Pvgmäen angesehen, und die Idee von dieser hätte FloriS am lebhaftesten machen sollen. Dieses aber konnte nicht wohl anders geschehen, als wenn er den Zwergen auch außer ihrer Kleinheit, noch andere Eigenschaften, die wir dabey zu denken gewohnt sind, gegeben hätte? die Ungcsialthcit nehmlich, oder das vergrößerte Verhältniß ihrer Breite gegen ihre Länge. Er hätte sie den Figuren in concaven oder convcxen Spiegeln, mit welchen sie Aristoteles vergleicht, ähnlicher machen sollen." XI. Eins von den perspccnvischsreii Gleichnissen ist das, wo Homer" das Schild des Achilles, oder vielmehr dessen Glanz, mit dem Glänze eines Feuers vergleicht/ das von einsamen Bergen im Sturm behafteten Seefahrern leuchtet. Doch sind hier mehr die Oerter, als die Zcit- folgen, hinter einander gcstellet. — «'uratz k^kti-a <5«xo? /.i.kz>c» ir, <^/Z«tzov rk, Kaloi^k^olv 5^o?, 70 <5r «at-rai, -v^oA-' oyk<7Pi, ^5«A>/u,lo .!j,' -ro^i? ö'o-ux k-oi-7a? «?>,>,ai, Ilmiov.kir' lx^^">»r6l rp-^o'vcr^. " ^rMvli-ie» i>roi>>. Seot. x. »ach der Verbesserung des Vossius »ck pumpo». IUel!,m lib. III. csp. 8. p. 687. " IIis>I. 1'. v. 373 II. f. Lcslings Wett- xi, 11 162 Zum Laokoon. Der Glanz des Schildes, der Vorgrund; der Glanz/ den die Schiffer erblicken, der zweyte; das Feuer auf den Bergen, welches diesen Glanz verursacht, der dritte; die Freunde, von welchen sie fern auf dem Meere herumgetrieben werden, der vierte. XII. p. 306.°) „plinius, sagt Herr Winkelmann, berichtet, daß man unter dein „Nero nicht mehr verstanden, in Erzt zu gießen, und er beruft sich „auf die Colossalische Statue dieses KayscrS vom Zenodorus, dem e« „bey aller seiner Kunst in dieser Arbeit nicht gelingen wollen. ES ist „aber hieraus, wie Dona« und Nardini wollen, nicht zu schließen, „daß diese Statue von Marmor gewesen," ES ist gewiß, daß Donati und Nardini die Stelle des PliniuS, auf die cZ hier ankömmt, nicht verstanden und eine Unwahrheit daraus geschlossen haben. Aber auch Herr Winkclmann muß sie mit der gehörigen Aufmerksamkeit nicht erwogen haben, oder er hätte sich anders ausgedrückt. ES soll dem Zenodorus mit dieser Statue nicht geglückt seyn? Wo sagt dieses plinius? Er rühmt vielmehr von ihm, daß er in seiner Kunst keinem Alten nachzusetzen gewesen, daß sein Werk eine ungemeinc Aehnlichkeit gehabt, daß er schon vorher seine Gcschicklichkcit durch Gießung eines Solossalischen Merkurs bewehrt. Und die Bcwetteifcrung der folgenden Kayser, dem Nero keinen Antheil der Ehre an dieser Statue zu lassen, sie der Sonne zu weihen, den Ncronischen Kopf mit Köpfen ihrer Bildung zu vertauschen, sie mit unermeßlicher Mühe von ihrem Orte wegbringen und anderSwo aufrichten zu lassen: was kann man anders daraus schließen, als daß es ein Werk von ganz besonderem Werthe gewesen seyn müsse? PliniuS sagt zwar: I5s l'Ialua inäieavit mteriille kunclenüi seris le!enlii>m. Allein diese Worte sind eS eben, die man mißdeutet. Man findet darinn den Verlust der Kunst, in Metall zu gießen, da nichts darinn liegt, als der Verlust der Kunst, diesem Metalle eine gewisse Mischung (temperst ui-am veri«) zu geben, welche man in den alten Kunstwerken dieser Art zu seyn glaubte. ES fehlte dem Zenodorus an einem chymischcn Geheimnisse; nicht an der plastischen Geschicklichkeit. Und zwar bestand dieses chy- mische Geheimniß darinn, daß die Alten das Kupfer, aus welchem sie ihre Bildsäulen gössen, mit Gold und Silber sollen gemischet haben: «Zli0ll6sm -es eolllulum suro arKeotorluo milcel>atur. (t) Dieses °) i» Winkclmanns Geschichte der Kunst, (t) r-Iin. Ii<>. »4. leel. 3. eMl. «arcl. / Zum Laokoon. ^63 Geheimniß war verloren gegangen, und zur Mischung des Kupfers, deren sich die damaligen Künstler bedienten, kam nichts wie Bley, wie PliniuS selbst diese Mischung deutlich crzehlet. (2) Nunmehr lese man die obige Stelle ganz- La twlua mö'ieavit ioterille kull6eaiii geris 1'eientiain, cum et IXero /ai'Aii'i aui'um ai'A'en/itM^ue psra- tu« eilet, et Xeno6ice noelum expliearet, izuomoelo viclellcet suli liot 1?roj!mi tam enormem et eoncsvam limulacri compgxem tror>8- kerio ia urdem <^e. Allein diese Meinung deS Petit ist leicht zu widerlegen: indem der Spuren der nehmlichen Geschichte des Laokoou bey frühern und zwar griechischen Scribenten, eben so viele als klare und deutliche sind. XIV. XXX. Herr Winkclmann hat sich in der Geschichte der Kunst näher erklärt. Auch er bekennet/ daß die Ruhe eine Folge der Schönheit ist. Nothwendigkeit sich über dergleichen Dinge so präcis auszudrücken als möglich. Ein falscher Grund ist schlimmer als gar kein Grund. XXXI. Herr Winkclmann scheint dieses höchste Gesetz der Schönheit blos aus den alten Kunstwerken abstrahirt zu haben. Man kann aber eben so unfehlbar durch bloße Schlüsse darauf kommen. Denn da die bildenden Künste allein vermögend sind/ die Schönheit der Form hervorzubringen; da sie hierzu der Hülfe keiner ander» Kunst bedürfen; da andere Künste gänzlich darauf Verzicht thun müssen: so ist cS wohl unstreitig/ daß diese Schönheit nicht anders als ihre Bestimmung seyn kann. XXXII. Allein zur körperlichen Schönheit gehöret mehr/ als Schönheit der Form. ES gehört auch dazu die Schönheit der Farben/ und die Schönheit des Ausdrucks. Unterschied in Ansehung der Schönheit der Farben zwischen (5ar- nation und Colorirnng. Carnation ist die Colorirung solcher Gegenstände, welche eine bestimmte Schönheit der Form haben, also vornehmlich des menschlichen Körpers- Colorirung ist der Gebrauch der Lo- cal-Farben überhaupt. Unterschied in Ansehung der Schönheit des Ausdrucks, zwischen transitorischem und permanentem. Jener ist gewaltsam, und folglich nie schön. Dieser ist die Folge von der öftcrn Wicdcrhohlung des er- stern, verträgt sich nicht allein mit der Schönheit, sondern bringt auch mehr Verschiedenheit in die Schönheit selbst. Zum Laokoon. XXXIII. Ideal der körperlichen Schönheit. Was eS ist? Es bestehet i» dem Ideale der Form vornehmlich, doch auch mit in dem Ideale der Sarnation und des permanenten Ausdrucks. Die bloße Colorirung und der transitorische Ausdruck haben kein Ideal: weil die Natur selbst sich nichts bestimmtes darinn vorgesetzt hat. XXXIV. Falsche Uebcrtragung des mahlerischen Ideals in die Poesie. Dort ist ein Ideal der Körper, hier muß es ein Ideal der Handlungen seyn. Dryden in setner Vorrede zum Fresnov. Baco beym Lowth. XXXV. Noch übertriebner würde es seyn, wenn man nicht bloß von dem Dichter vollkommene moralische Wesen, sondern wohl gar vollkommen schöne körperliche Wesen erwarten und verlangen wollte. Gleichwohl thut dieses Herr Winkelmann in seinem Urtheile vom Mitten. 28. G. d. K. Winkelmann scheinet den Milton wenig gelesen zu haben; sonst würde er wissen, daß man schon längst angemerkt, nur er habe Teufel zu schildern gewußt, ohne zu der Häßlichkeit der Form seine Zuflucht zu nehmen. Ein solches verfeinertes Bild der teuflischen Häßlichkeit hatte vielleicht Guido Reni im Kopfe (v- Dr^ilell'g pretaoe to tke ^rt ok paioting p. IX.) Aber weder er noch sonst einer hat es ausgeführt. MiltonS häßliche Bilder aber, als die Sünde und der Tod, gehören gar nicht zur Handlung, sondern füllen bloß Episoden. MiltonS Kunstgriff, auf diese Art in der Person des Teufels den Peiniger und den Gepeinigten zn trennen, welche nach dem gemeinen Begriffe in ihm verbunden werden. XXXVI. Aber auch von den Haupthandlungen des MiltonS lassen sich die wenigsten mahlen. Wohl; aber daraus folgt nicht, daß sie bev dem Milton nicht gemahlt sind. Die Poesie mahlt durch einen einzigen Zug; die Mahlerey muß alle übrige hinzuthun. In jener also kann etwas sehr mahlerisch seyn, was sich durch diese gar nicht ausführen läßt. XXXVII. Folglich liegt es nicht an dem vorzüglichen Genie des Homers, daß bey ihm alles zu mahlcn ist; sondern lediglich an der Wahl der Materie. Beweise hiervon. Erster Dewcis, aus verschiedenen unsichtbaren Gegenständen, welche Homer eben so unmahlerisch behandelt hat, als Milton, z. E- die Zwietracht :c. XXXVIII. Zweyter Beweis; aus den sichtbaren Gegenständen, welche Milton vortrefflich behandelt hat. Die Liebe im Paradiese. 166 Zum Laokoon. Die Einfältigkcit und Armuth der Mahler über dieses Subject. Der gegenseitige Reichthum des Milton. XXXIX. Stärke des Milton in successiven Gemählden. Exempel davon aus allen Büchern des Verlornen Paradieses. Xl,. Miltons Mahlerey einzelner siniilichcr Gegenstände. In die- ser würde er dem Homer überlegen seyn, wenn wir nicht schon erwiesen hätten, daß sie nicht für die Poesie gehöret. Meine Meinung, daß diese Mahlerey eine Folge seiner Blindheit war. Spuren dieser seiner Blindheit in verschiedenen einzeln Stellen. Entgegengesetzter Beweis, daß Homer nicht blind gewesen. Xl,I. Neue Bestärkung, daß sich Homer nur auf successive Ge« mäblde eingelassen/ durch die Widerlegung einiger Einwürfe, als von der Beschreibung des Pallastes in der Jliadc. Er wollte bloß den Begriff der Größe dadurch erwecken. Beschreibung der Gärten des Al- cinous;° auch diese beschreibt er nicht als schöne Gegenstände, die auf einmal als schön in die Augen fallen, welches sie in der Natur selbst nicht sind. Xl.Il. Selbst bey dem Ovid sind die successiven Gemählde die häufsigsten und schönsten, und grade dasjenige, was nie gemahlt worden, und nie gemahlt werden kann. XI.Ill. Unter den Gemählden der Handlung giebt eS eine Gattung, wo die Handlung nicht in einem einzigen Körper sich nach und nach äußert, sondern wo sie in vcrschicdne Körper neben einander vertheilt ist. Diese nenne ich collective Handlungen, und es sind diejenigen, welche der Mahlerey und Poesie gemein sind. Doch mit verschleimen Einschränkungen. XH.IV. Wie der Dichter Körper nur andeutungsweise durch Bewegungen schildert: so sucht er auch sichtliche Eigenschaften des Körpers in Bewegungen aufzulösen. Als i- E- die Größe. Beyspiel von der Höhe eines Baumes. Von der Breite der Pyramide». Von der Größe einer Schlange. ° viixs». vil. welche Beschreibung Pope sich aiissilchtc, mid in dc» vuartli»» übersetzt einrückte, ehe er »och das übrige übersetzte. Eben so berühmt waren bey den Alten die Garte» des Adonis. Deren Beschreibung bey den, Marini, Canto VI. Vergleich»».; dieser Beschreibung mit der des Homers. Die Beschreibung des Paradieses beym Milton: Uuvk IX. v. 43». desgleichen IV. Z68. Zum Laokoon. 4K7 XI.V. Von der Bewegung in der Mahlercv; warum sie nur Menschen und keine Thiere darinn empfinden. XI.VI. Von der Schnelligkeit; und den verschiedncn Mitteln des Dichters sie auszudrücken. Die Stelle bevm Milton L. X. v. 90. Die allgemeine Reflexion über die Schnelligkeit der Götter ist bey weitem von der Wirkung nicht, als das Bild würde gewesen seyn, welches uns Homer auf eine oder die andere Art davon gemacht hatte. Vielleicht würde er/ anstatt, „er stieg sogleich herab," gesagt haben- Er war hcrabgcstiegcn. XV. prvkav «. OIu!, hui compara le promler la?emture et la I>oe8ie, etoit >m I>omme 8en8!I)Iv c^ni 8'annercevoit c^uv Ie8 6eux arls salsoieat sur lui ro8sioii8 8eml>lalile8. ^1'out Ie8 lleux, 8e llitoit-il, nou8 reore8vilteiit 608 el>o8e8 al)8vnle8 comme pre8eutes, 1'appa- rence eomme realitv; tout Ie8 cleux sout iUu8!on, et cette illli- sion plait. (nou8 kalt plalgir.) Ilii keconil taelia ile penetrer llan8 l'interieur I'eASrcl lle celle8-ci la Poesie ü la I'eiiiture. I.e preinier e'etoit l'^mateur; le seeoml Iv ?Ililo80pIie; le troisieme lo ( rilnpie. I.e8 lleux Premiers iiv pouvoieut pas a>8ement tairo uu mau- vais usage ni cle leur sen8alion8 ni «lo leur eouclu8ion8. I^Iais spiant aux vli8vrvations du <^rili<^ue, Iv prineipal eonsiste (laus la ju8te88e Iais nous autres modernes nous snmmes Hatte, «le les «le- vaneer ile liien loin en cliaiiAeant leurs petites aliees en lies Zrsnlls cdemins: «lussent meme les granlls eliemins par la. mal- Zre leur avantsge 6'etre plus courls et plus turs, «levenir «les sentiers tout ausli peu dattus <^ue ceux c^ui ameuent par les «leserls. ^pparement cpie l'antitliese vrillianie lle 8imoni«Ie, «ivv la peinture ne toit «in'une Poesie muotte, et la Poesie une Pein- ture pariante, ne sv trouva point «lans un ouvroge lloAmati«pie. tü'etoit un trait 6'esprit, comme ce poele en avoit «l'autres, «mi en psrtie sont «l'une verite si krappante, l^u'on ne preuci pas garcle a ce «iue le reste en a ile vague et «le saux. I^es ^neiens pourtant ne s'v aliuscrent point. (üar allmet- tant pleinement la sentenev lle 8imvnille liuant ä l'inipressiou lies «leux arts, ils n'oulilierent point ile nous liieu iinpriiner clans I'esprit, «lue maigre la parsaiie rvsenilileuoe lle eelte Impression, ils llilleroieut encore lieaucoup tant ä l'egar«! «les oli- jets lru'a I'egaril lle la maniere «le leur iinitaiion. r«>o. <üv ne sont etv et llu peiutre sur le memv sujet, lle cos pvlnts, ou l'un s'est eloiAnv 6v l'autre, ils eu laut uu eiime ou a I'uu c»u a l'autre, selon lrue leur Zout les porte le ulus 011 vvrs la noesiv ou vers la ueinture. t^ette tausse criti«zue a egare eu Partie les p'i^/itoso« rneme. Llle a tait naitre llaus la ?oesie la rage rle vouloir peiuclr« tnut, et llsus la ?elnture celle «les allegories; le tout 6sus la ^leiue et pure inteutiou, lle talre «le l'uue uu tavleau uarlaut, saus savoir prourement ce Hu'elle peut et rloit ueiuäre, et ae I'aulre uu ?c>emo ruuet, saus avoir consillere, jusl^u'a «ruel point eile peut exnrimer lies i«Iees geueraies saus s'exarer lle leui' lie- stiuation et äegeuerer eu uue esuece ü'eeriture u inoins autll kamiiiere liue l'autre. I^a langue aiiemanäe, liuoitiue eile ne iui ceiiv eu rien etsnt inanie eowme il laut, est nnuriaut eucoro ü 5»riuer, ü ereer uieme, nour niusieurs geures lle eomnositiou, «laut eeiui-ei u'est pos le moinllre. l>Iais ä l^uoi I)l>u se llouuei' eetto ueiue, su risljue luemo lle u'^ reussir püs au gout lle ses comuatriots? oila la lauAue trau^oiso lleja toute eree, toute korwee: ris^uous lloue le nac^uet. I^t Hu'zs a-t-il ü ilsr^uei? 1'out «lelioats <^ue les ?raul^ois sout sui- le elianilre lle leui' lariAue: je les eouuois ll'asso» lionue eomuosi- tiou ü 1'egarä ä'uu elrauger, liui u'^ pieleuü ä rieu, c^u'.', etre clair et preeis. 17l1 Ueber einige Stellen aus dem Montfaucou. Älonltinieon ^ntil^uitv Lx^Ii^u^v. ?j «miei i; I'ui ti«. Leconcle ^c!!t. 8 1722. ") p. 60. hält einen Kopf mit einem Barte, und weit gcöfnetem Munde, den er in seinem eignen Cabinete gehabt, für einen Jupiter 6 «Ze» oracles. Höchst abgeschmackt. Der Kopf ist offenbar eine Larve. Die weite Leffnung des Mundes für einen redenden Gott würde nichts weniger, als nach dem alten Geschmacke seyn. p. 52. Auf dem geschnittenen Stein aus dem Maffci ri. S. I'gb. XIX, welcher die Entführung der Europa vorstellet, laßt der Künstler den Stier nicht schwimmen, sondern auf der Fläche des Wassers, wie auf dem Eise lauffen. So schön dieses Bild in der Poesie ist, wo man sich die äußerste Geschwindigkeit dazu denken kann; so anstößig ist eS auf einem Kunstwerke, weil der Begriff, den die materielle Kunst von der Geschwindigkeit geben kann, nur sehr schwach, die Schwere des Stiers dagegen zu sichtlich ist. p. 64. Die Tuccia Vcstalis mit dem Siebe, eine kleine Statne beym Mvnlfaucvn Isb. XXVIII. 1. hat keinen Schlcycr; auch nicht einmal iotulsm; sie ist in Ihren freyen natürlichen Haaren: ein Beweis, daß die Alten auch das t!ostumc der Schönheit nachsetzten. p. 76. Der Minotaurus war nach der Fabel ein ordentlicher Mensch, nur mit einem Ochsenkopf. Doch man wird wenig alte Monumente finden, wo er so abgebildet. Die Figur ist nicht schön; und die Künstler machten eine Art von Ecntaurus daraus, welches zwar eine schö- uere, aber eine weit abgeschmacktere Figur ist, indem sie nunmehr zwey Bäuche, zwey Werkstätten der animalischen Ockouoiuie hat, welches eine offenbare Absurdität ist. p. 96. Von dem Hinken des LulkanS. In den noch übrigen Bildsculc» von ihm, die Montfaucon gesehen, erscheint er nicht hinkend. Die alten Künstler indeß, die ihn hinkend machten, thaten es ohne Nachtheil der Schönheit. Cicero 6«z iXaturs Deoium I. sagt: ^tlioois ') Auch diese Anmerkungen, nebst der folgende» zum Clemens Alcran- drinus, finde» sich unter den Papiere» im Besitz des Herr» B. Frlcdländcr und sind von Karl G. Lessing der zweiten Ausgabe des Laokoons beigefügt. lieber einige Stellen aus dem Montfaucon. 171 Iau<1amus Vulesoum, lzuem kecit ^leamenes, ia l^uo stsote atrme vestito anparvt claudicatio rioll cletorrrus. p. 12S. Monlfaucon hält die Figuren, die beym Stosch für Diomedes gelten, für Lellooarios, welches mir sehr wahrscheinlich ist. Doch giebt er p. 145. Isli. LXXXVI. 1. eine dergleichen Figur selbst für einen Diomedes aus. p. 194. Montfaucon bringt einen geschnittenen Stein bey, auf dem ein Herkules mit der Keule, und der auf den Rücken geworffenen Löwenhaut, mit der Umschrift Boleros. Er nimt ^riteros für Gegenliebe. Dne aulro Image ä'^rckeros est si extraorilioaire, «zu'oll ne la preo6roit jamais pour teile, si 1'iasorivtioll ^nteros n'en kaisnit soi. tüetle Image rellemvle iiarlaitemeot ä ua llereule Iiailiu, ljlli portv la massuv 5ur I'epaule. l^a peau cle bete czm' peaä clerriere, parolt 6'etre von vas lion, comme on la voit 6ans Hereule, mal» ll'un saoglier. I^a petitesss cle la pierre «zui est une eoroa- line, certamement svlilzue, ne permet pas ile la bien clistioguer. l?etlv iigure est si eloigaee 6e t'i66e zus e'est le vom «l'ouvricr, et a,ue la Lgurv revretenteo est un Hercule> lind so ist es auch; denn Stosch führt einen andern geschnittenen Stein mit diesem Worte an. , p. 221. Der Name des Glycon findet sich auch auf einem Basrelief beym Boifsard, woraus eS Montfaucon, t?I. CXXXV. anführt. VS stellt den Herkules mit der Keule vor, an der sich ein Cupido hält, und hinter der er vor einem vorstehenden Adler mit dem Blitze in den Klauen, Schutz suchet. lZCNI I^VKNN. Die Büste des Bacchus t?I. ei.XVilI, aus des 2Zegers Brandend. Cabinete, öfnct den Mund, daß die unterste Reihe Zahne zu sehen. Um die Trunkenheit ansjndrücken. Zluch eine größere Ocffnung des Mundes haben die Bacchantinnen, als die wo. 4. t?I. ei.Xl. Desgleichen der lachende Faun, aus dem Beger ?I. LI.XXIII. 4. p. 293. Die kleine Statue mit einem Fuße auf einer Kugel, in der einen Hand einen zerbrochenen Degen, die Montfaucon für die Göttin Rom ausgiebt, ist vielleicht ein Sphäromachus. _ 172 Ueber eine Stelle des Clemens Alcxandrinns. p. 359. WaS I°ab. ecXIl. Maffei für die puäicitl-ml auSgiebt, scheint mir Ariadnc zu seyn. Die ander» beyden Figuren scheinen Bacchus und einer von seinem Gefolge zu seyn, welcher letztere den Gott abziehen will, bey der Ariadne länger zu verweilen; so wie auf dem geschnittenen Steine aus dem königlichen Cabinete lal». LH,. 1. Clemens Alerandrinus, wenn er von den Bildsculen der heidnischen Götter und ihren charakteristischen Kennzeichen spricht (Loborl. 26 l-eotes p. Zl). L6it. potteri), sagt unter andern, daß Ceres, so wie Lulkanus aus den Werkzeugen seiner Kunst, Neptun ans dem Dreizack, «»o -i? o"v.u,xoy«, als ein voeabulurn ,-,--5ov, eben sowohl die Fruchtbarkeit als Unfruchtbarkeit bedeuten könne, und daß er also das Bezeichnete für das Zeichen, die Fruchtbarkeit für die Kornähren, mit welchen Ceres gebildet wird, gesetzt hätte. Oder o-^-xoc.-«, da cS auch für -rv^.'Zo^ gebraucht wird, und überhaupt etwas zusammengebrachtes anzeiget, müßte den Strauß von verschiedenen Kornähren und Mohnköpfcn, den ihr der Künstler in die Hand zu geben pflegt, bedeuten können, wovon sich aber schwerlich eine ähnliche Stelle dürfte anführen lassen. Hat keine von beyden Vermuthungen Statt, so bleibt nichts übrig, als das o-v^oy« für verfälscht zu halten; oder vielleicht hat man -?l7<-z,oi»c°;, oder wenn man von dem Zuge der Buchstaben noch weiter abgehen darf, Xlxvoxoyl«? oder x«^z>oyt«? dafür zu lesen. Denn der Korb, >^xvov, war allerdings das Kennzeichen der Ceres; selbst ihr Kopfputz war öfters ein kleiner Korb, wie Spanheim (sä Lallimsebi Il^mo. in Lerer, p. 736. kclit. Lrn.) aus Münzen zeiget. Beym Montfaucou soll die eine Ceres aus den Handzeichnuu- geu des Le Brun (lab. Xl^IIl. 4.) vermuthlich einen dergleichen Korb auf dem Kopfe haben. Weil er aber ohne Zweifel nicht deutlich Unterbrechung im Dialog. 173 genug gezeichnet war, so wußte Montfaucon selbst nicht, was er daraus machen sollte; Quarta gslerum siogulsrem cspite gsstst; la kzualrieiue a un voouet exlraorclinaire. Und in dem deutschen Montfaucon ist aus diesem galero gar ein sonderbarer Helm geworden. Ob das, was neben der Ceres aus dem Doissard XI.II. 2) stehet, eben ein Bienenkorb ist, wofür es Montfaucon ausgiebt, weis ich nicht; eS kann der bloße Korb seyn, der bey feyer- lichen Auszügen der Göttin vorgetragen wurde: (Lallimacülls in <üe- rer. v. 1. 3.); denn ich finde nicht, daß der Ceres die Erfindung der Bienenzucht, so wie des Ackerbaues zugeschrieben werde. Unterbrechung im Dialog.*) Man bemerkt sie durch Striche, oder Punkte, welche die Franzosen points pomluivans nennen. Die untcrbrcchnc Redensart muß allezeit zu füllen und leicht zu füllen seyn; wenn man die Figur dem Wesen der Sache zuschreiben soll, und nicht der Bequemlichkeit oder Verlegenheit des Dichters. Voltaire sagt (^u «üommeot. kur le dornte ci'LHox ^el. HI. 8o. 2) <ü'est u»o Ir«8 xigncie oegligoiice cie r>s poiut linir s» plii'ül'e, kii perioclo, et «Z« so lailler interrowpre, turlout «zuaoä le peilonoüge c^ui inieiroint ett ua tudallerrie, czui msoliuo sux diensöanees en couj>aut la parolo :> lori superieur. 1üowa8 Lor- neillo est kujot ü ce «iekaut «ians toutos se8 pieces. — Wer fragt nach der Wohlanständigkeit, wenn der Affcct der Personen es erfodcrt, daß sie unterbrechen, oder sich unterbrechen lassen? Da hat Home die wahren Schönheiten des Dialogs besser gekannt. „Kein Fehler ist gewöhnlicher (sagt er, Grd. der Cr. Th. III. S. „311) als eine Rede noch fortzusetzen, wenn die Ungeduld der Per- „son, an die sie gerichtet ist, dkse treiben müßte, dem Redenden ins „Wort zu fallen. Man stelle sich vor, wie der ungeduldige Schau- „spiclcr sich indeß gebchrdcn muß. Seine Ungeduld durch heftige Ak- „tion auszudrücken, ohne dem Redenden ins Wort zu fallen, würde „unnatürlich seyn; aber auch seine Ungeduld zu verhehlen, und kalt- „sinnig zu scheinen, wenn er entstammt seyn sollte, ist nicht weniger „unnatürlich. °) Dies und die folgende» Stücke im theatralischen Nachlaß il, S. 247; umer den Brcslaucr Papiere». 174 Chor, Unstndirlc dichter Chor- Zn den alten Tragödien. Unter den neusten englischen Dichtern, welche ihn wieder cinzu führen gesucht, hat besonders Mason vcrschiedne Versuche gemacht. Der erste war seine Elfride, die ich habe, wie er in den vorgesetzten Briefen zugleich die Ursachen angiebt, warum er in dieser alten Manier schreiben wollen. Der zweyte ist sein Taracracut (a vrsmatio Poem) der 1769 herauskam. Bey Gelegenheit dieses letztern machen die Verfasser des Alontli. k. (Vol. XX. si. 607) gegen die eingebildeten Vortheile des Chors sehr pertinente Anmerkungen; besonders über die zwey, 1) daß er hauffigere Gelegenheit zu poetischen Schönheiten gebe, und 2) daß er das angenehmste und schicklichste Mittel sey, dem Zuschauer nützliche Lehren beyzubringen. Sie merken zuletzt sehr wohl an, daß MasonS Stücke besser seyn würden, wenn sie nicht so poetisch waren. Unftudlrte Dichter; oder solche, die zu den Wissenschaften nicht aufgezogen worden. Heinrich Iones, der Verfasser des neuen Esser, war ein Maurer. Der Verfasser des englischen Llinde und Sophronia, ist ein Schmid oder Stahlarbeiter. In England überhaupt sind dergleichen Lcnle niemals selten gcwc sen, die es, ohne Anweisung, nicht allein in der Poesie, sondern auch in andern Wissenschaften, bey den niedrigsten Handwerken und schlech testen Umständen, sehr weil gebracht haben. Als- Heinrich 5vild, der um 1720 zu Oxford die orientalischen Sprachen lehrte; war ein Schneider, und unter dem Namen des arabische» Schneiders bekannt. Robert Hill, ein Schneider in Buckingham, zwischen dem und dem Italiener Magliabcchi, Spcnce 175!) eine Parallele schrieb, um die Aufmerksamkeit des Publici ein wenig mehr auf ihn zu ziehen, und wo möglich seinen Umständen dadurch aufzuhelfen. Er hat Lateinisch, Griechisch und Hebräisch vor sich gelernt. (S. des lUoolli. k. Vol. XX. p. 217.) Delicatesse. Eine allzuzärtliche Empörung gegen alle Worte und Einfälle, die nicht mit der strengsten Zucht und Schamhaftigkeit übereinkommen, Delicalesse. 176 ist nicht immer ein Beweis eines läutern Herzens nnd einer reinen einbildungSkraft. Sehr oft sind das verschämteste Betragen und die unzüchtigsten Gedanken in einer Person. Nur weil sie sich dieser jv sehr bewußt sind, nehmen sie ein desto züchtigeres Aeußerliche an. Durch nichts verrathen sich dergleichen Leute aber mehr, als dadurch, daß sie sich am meisten durch die groben plumpen Worte, die das Unzüchtige gradezu ausdrücken, beleidiget finden lassen; und weit nachsichtiger gegen die schlüpfrigsten Gedanken, wenn sie nur in feine un- anstößige Worte gekleidet sind. Und ganz gewiß sind doch diese den guten Sitten weit nachtheiliger, weit verführerischer. Man hat über das Wort Hure in meiner Minna geschrien. Der Schauspieler hat es sich nicht einmal unterstehen wollen zu sagen. Immerhin; ich werde es nicht auSstrcichcn, und werde es überall wieder brauchen, wo ich glaube, daß es hingehört. Aber über Gelierten seine Zweydeutigkeiten, über das verschobnc Halstuch und dergleichen, im Loos in der Lotterie, hat sich niemand aufgehalten. Man lächelt mit dem Verfasser darüber. So ist eS auch mit Fildingen und Richardson gegangen. Die groben plumpen Ausdrücke in des ersten: Andrews und Tom Joncs sind so sehr gemißbilliget worden, da die obscönen Gedanken, welche in der Clarisse nicht selten vorkommen, niemanden geärgert haben. So urtheile» Engländer selbst. ° ° Die Verfasser des »ion»>i^ ileviow (Vol. XX. p. 132.) wen» sie sich darüber anfbalten, daß Rousseau die Clarissc für den schönsten und besten Roman in allen Sprachen hält. In Msiice to ll>e memorv ot a wie ver> inßieniiis ^Vriler, vv csnnot Iielp I-Minx nolice uere, uov krequenll^ ^vo I>»ve been lurpriüell lo liinl Perlons, nrelenuinx? lo oelic-lev, so mueu offen- oea »t lke ooarlo expreMuns lue^ nieel ^villl in /o/c/i/t ^tn-^eics snS ^om /o»es; «lule Mo impure »na «klcenö lliouglils Mst occur in <7/a?-!^Ve voulck ssk llieke verz? SeliciUo person», ^vliicl» lUe> tliink vk vors« lenaencv, » eosrke iiie», exprekke«! in vulgsr l!>nxu»s;e, in ilkelk öisxuklins, or sn iSe» equsll^ luscious »n<> lwpure, conveyea In vvoräs lliat m»x UesI on tue »ffeclions vk Ms üo-trl, villwut »l!lri»ing Mo esr? «/o/i „IU»rr^ come uv! peovl's vsrs aro koweliwes tue nlcest vart ouout Mew. Ohne Zweifel sagt das Slip- slop in irgend einer englischen Komödie; aber es ist vom Moliere entlehnt, aus seiner Kritik der Weibcrschule. Nachspiele mit Hanswurst. *) §- t- Vom Charakter des Hanswursts. Es ist falsch, daß dieser Charakter die Erfindung eines Wiener Schauspielers, Namens Srraniyky/ gewesen; wie Löwe in seiner Geschichte des deutschen Theaters versichert. Es ist falsch, wie eben derselbe uns bereden will, daß die lustige Person, welche die Stelle des Hanswursts vor Stranitzky auf unser vaterlandischen Buhne vertreten, Wurst- Hans geheissen. Der ehrliche Hanswurst ist eines weit höhern Alters: denn Luther hat ihn schon recht gut gekannt. Luther hatte sich dieses Nahmens verschiedentlich bedient; und der Herzog Heinrich von Braunschweig Wolffenbüttel beschuldigte Luthcrn, daß er unter andern seinen eignen Herrn, den Churfürsten von Sachsen, so genannt habe: „Welchen Martinus Luther seinen lieben andächtigen Hanswurst nenner." , In der Replique gegen den Churfürsten von Sachsen vom 2. Nov. 164t> beym Hortlcdcr low. I. I/>b. IV. cap. 16. Diese Beschuldigung verdroß Luther» gewaltig, und da er in der Replique des Herzog Heinrichs noch so manches andre fand, was er nicht verdauen konnte, so nahm er daher Gelegenheit dem Herzog Heinrich diesen Ehrentitel zu geben, und ihm in einer eignen Schrift zu antworten, deren Titel ist: Wider Hanswurst. D- Marr. Luther. Gedr. zu Wittenbcrg. 1541. durch HanS Luft in 4to 16 Bogen. Ich sage aber, Luther hat nicht des Hanswursts allein erwähnet, sondern auch seinen eigentlichen Charakter gekannt, und in wenig Worten so genau beschrieben, daß man nicht allein deutlich siehet, was der HanSwurst damals gewesen, sondern auch, was er noch seyn muß, wenn er als ein ursprünglich deutscher Charakter auf unserer Bühne wieder erscheinen soll. So schreibt Luther: Du zorniges Geistlcin (den Teufel meynend) weißest wol, dein besessener Heintz auch sampt ewrcn Tichtcrn und Schreibern, daß dis Wort, Hansworst, nicht mein ist, noch von mir erfunden, sondern °) Theatralischer Nachlaß, Th. 1, S. xl.ix. Nachspiele mit Hanswurst. 177 von andern Leuten gebraucht wider die groben Tölpel, so klug seyn wollen, doch ungcrcimbt und ungeschickt zur Sache reden und thun. Also hab ichs auch oft gebraucht, sonderlich und allermeist in der Predigt, lind weiß mich nicht zu erinnern in meinem Gewissen, daß ich jemals eine Person insonderheit gcuicinct hätte, weder Feind noch Freund. Sondern wie die Sachen sich zugetragen, so hab ichs gebraucht. Aus einer andern Stelle ist zn schliißen, daß man ihn, den Hanswurst, gern stark, fett und völliges Leibes gewühlt habe. Bey seiner Tölpclcy also auch noch ein Fresser; und zwar ein Fresser, dem cs bckömiitt. Harleguin ist auch ein Fresser; aber dem es nicht so ansetzt, damit er schlank, leicht und geschmeidig bleibt, welches sich zu seinem Charakter eben so wohl schickt, als der feite Wannst zum Charakter des HanSwurstS. §- 2.°) Vom Nutzen solcher Nachspiele. §- 2- Worte, Einfälle, Stoff, Entwürfe zu dergleichen Nachspielen. Gleich die erste Erzchlnng beym Poggius konnte eine vortreffliche Hanswurstsccnc geben. Hanswurst ist vier bis fuuf Jahr verreiset und von seiner Frau entfernt gewesen, die sich indeß von einem reichen Manne unterhalten lassen. Er kommt endlich wieder, da sie es am wenigsten vermuthet, und wundert sich sie so reinlich und galant, und sein Häuschen sowohl ausgerüstet, und mit allen Nothwendigkeiten und Bequemlichkeiten versehn zu finden. Er fragt, wo das, wo jenes her sey, und sie antwortet jedesmal, daß sie cs GolicS Scegen zu danken habe. (Der liebe Gott hat mirs beschert.) Bis endlich ein kleiner Knabe zum Vorschein kömmt. WaS ist das? O ein allerliebstes Kind — Ich seh wohl — öS heißt Fritzchen — Aber wem ist cS denn? — Es wird eben heute vier Jahr alt — Wem ist cS denn? — O Mann, dn mußt ihm zum Angebinde etwas schenken — Aber wem ist cs denn? — Mcinc ist es. — Deine? Und wie bist du denn dazu gekommen? — Durch Gottes Scegen. (Oder wenn man diesen Ausdruck nicht brauchen wollte — Mein gutes Glücke — Oder das Koboldchcn. Denn man könnte singircii, daß sie dieses den Mann beredt; und da °) Das Folgende auf einem Brcslaucr Blatte. LcMttgs Werk- XI. 178 Leben und leben lassen. er böse wird, daß ihn das Koboldchen auch damit versehen, so kann sie ihn bereden, daß dieses Knäbchcn das Koboldchcn selber wäre. Und so nach könnte das ganze Stück das Roboldchcn heiße». §. Die 109 unter den ?aoetiis des poggius gäbe gleichfalls eine gute HanSwurstscenc: wenn man den Hanswurst zum Stadtrichtcr eines kleinen Städtchens machte. t5r giebt dem Kläger und dem Beklagten Recht, und ist immer auf der Seile dessen, der zuletzt spricht. Leben und leben lassen. Ei» Projekt für Schriftsteller und Buchhändler.") ^Ü^ic? es sollte dem Schriftsteller zu verdenken seyn, wenn er sich die Geburten seines Kopfs so einträglich zu machen sticht, als mir immer möglich? Weil er mit seinen edelsten Kräften arbeitet, soll er die Befriedigung nicht gemessen, die sich der gröbste Handlanger zu verschaffen weiß — seine» Unterhalt seinem eigenen Zlcisse zn verdanken zu haben? Aber Gelehrte, sagt man, die sich mit Bücherschrcibcn abgeben, stehen doch gewöhnlich in bürgerlichen Bedienungen, durch welche für ihr genügsames Auskomme» gesorgt ist. Ich weiß wirklich nicht, ob dieses die Absicht aller AmlSbesoldnn- gen seyn kann. Ich weiß, daß sehr viele derselben dieser Absicht jetzt nicht mehr entsprechen, indem sie zn einer Zeit festgesetzt worden, zu welcher die Preise der Bedürfnisse bei weitem nicht die jetzigen waren. Aber Weisheit, sagt man weiter, feil für Geld! Schändlich! Umsonst habt ihrS empfangen, umsonst müßt ihr cS geben! So dachte der edle Luther bei seiner Bibelübersetzung. Luther, antworte ich, macht in mehreren Dingen eine Ausnahme. Auch ist es größtentheilS nicht wahr, daß der Schriftsteller das umsonst empfange, was er nicht unisoust geben will. Ost ist vielleicht sein ganzes vermögen darauf gegangen, daß er jetzt im Stande ist, die Welt zu unterrichten und zn vergnügen. Oder sollen ihm die Amtsbesoldungen das zugleich mit gut machen? Der Staat oder Regent bezahlt ihn nur grade für das, was er wegen seines Amtes zu wisse» und zu können nothwendig braucht, welches oft wenig genug °) Fülleborns Nebenstunden, zweytes Stück, Breslan 1800, S. 37. Leben lind leben lassen. ist. Was er mehr weiß, ist für seine Rechnung: und wenn er über dieses Mehr noch mehr wissen will, das geht den Staat vollends nichts an. Daß gleichwohl so viel junge nichts Gemeines versprechende Gelehrte, in ihrem Amte, das sie anzunehmen sich nicht enthalten können, wie man zu sagen Pflegt, verburren und versauern/ kommt größlenlheilS daher, weil ihre Besoldungen nicht hinlänglich sind und seyn können, um sich die Bücher und Instrumente anzuschaffen, welche zum Fortschreiten in einer Wissenschaft unentbehrlich sind. Warum diesen die Quelle eines Zuflusses verstopfen oder verleiden, der noch oft der einzige für sie ist! Aber, setzt man hinzu, die alten Gelehrten, die Schriftsteller bei den Griechen und Römern begnügten sich doch nur mit der einzigen Ehre, nahmen für ihre Arbeiten kein Geld! vy! woher hat man denn das? Etwa, weil Q-uintilian in der Zuschrift au seinen Verleger keines Honorarii gedenkt? Oder, weil Eckbard cle Lclit. liliini-um -»zmczu<: minus mocirsl, l'ceua clt luerolu voi-lae. Die erste Hälfte diefcS Aerscs mag jetzt von deutschen Theatern oft genug wahr seyn; aber auch die andere? Und selbst Terenz, auch er verkaufte seine Stücke nicht bloß den Acdilcn, und nahm nicht bloß Geld, weil er die Ehre hatte, es vom Staate zu bekommen. Er nahm es vom Schauspieler, ohne diese Ehre, und lachte hoffentlich mit, wenn dieser ihn seines GeitzeS wegen im Prolog anstach, wo er nicht gar die Spölterey diesem in den Mund gelegt hatte. Wir wissen ja sogar noch, welches Stück ihm am theuersten bezahlt worden, und wie theuer. Luuuclius mei-uit pri-lium, czuaiitui» null» imiea ouiusdam lüomoema, i>ändc der Buchhändler. §. Der Schriftsteller thut förmlich Verzicht, durch seine Freunde, die leine Buchhändler sind, Subscribcnten sanimcln zu lassen. Es wäre denn an Ocrtcrn, die kein deutscher Buchhändler wohl ablängen kann, oder wo sich etwa Buchhändler sändcn, die aus bloßem Neide, weil sie nicht alles haben sollten, lieber gar nichts möchten. §. 4. Aber wie viele werden deren seyn, sobald der Vortheil, den sie von Einsamittlung der Subscribcnten habe», nicht beträchtlicher ist, als cr bisher gewesen. Und das soll er seyn. 182 Leben und leben lasse». §. A. Man theile also den Preis, den das Buch haben soll (von dessen Billigkeit weiter unten) in drey Theile. Ein Dritthcil für den Druck, ein Dritthcil für den Verfasser, und ein Dritthcil für den Buchhändler, bei dem die Liebhaber uutcrzcichne». §- k. Das Dritthcil für den Druck ist so reichlich gerechnet, daß das Buch mit aller typographischen — wo nicht Pracht, doch Sauberkeit erscheinen kann. Und da der Autor selbst drucken läßt: so ist nicht zu vermuthen, daß er aus schmutziger Gewinnsucht es daran werde fehlen lassen. Was ja daran noch Ucbcrschuß seyn dürfte, lasse man ihn für Briefporto, für Spcdicrkostcn bis Leipzig, wo das Werk ausgeliefert wird, und dergleichen rechnen. §. 7. Das eigentliche Dritthcil für den Verfasser ist anzusehen, als ob eS auf den Preis für den zu verarbeitende» rohen Stoff verwandt würde, und versteht sich ja wohl von selbst. §- 8. Endlich das Dritthcil für den Buchhändler, welchem billigen Manne könnte das nicht genügen? Besonders da ich annehme, daß der Buchhändler Risico ganz und gar nicht dabei haben muß; und Mühe nur wenig. §- ö. Denn was braucht der Buchhändler mehr, als daß er die Ankündigungen, die ihm der Verfasser zuschickt, au seine Kunden auf die gehörige gnte Art vertheilet und versendet? Die Exemplare erhält er in Leipzig, wo er ohnedies hinreiset, oder doch seinen (iommissionär hat. Die wenigsten seiner Kunden, wenn sie wissen, mit wem sie zu thun haben, werden sich auch schwerlich weigern, ihm gegen die Messe die Subscription in Pränumcraliou zu verwandeln, damit er auch nicht einmahl nöthig hat, die Auslage auf der Messe von seinem Gelte zn machen. §- 10- Denn das ist allerdings nöthig, daß ans der Messe gegen Erhal- tung der Exemplare sogleich baare Bezahlung geleistet werde. Der Schriftsteller kann nicht borgen; nud nur darum opfert er einen so ansehnlichen Theil seines Gcwinustcs auf, damit ihm alles erspart werde, was das Zeit vcrspliltcrndc Detail des Kansmanns crfodert: Buchhalter,, Mahnen, Einkassircn u. dcrgl. Leben und leben lassen. 183 §- t^. Was könnte denn auch gegen diese baare Bezahlung »och sonst eingewendet werden, da der Buchhändler nicht nöthig hat, sich mit einem einzigen Ercmplarc mehr zu beladen, als bei ihm besprochen worden? lind wenn ihm auch von seinen Knnden die Subscription in Präuumcration nicht verwandelt worden: welcher Kaufmann wird nicht gern Geld nach Leipzig führen, das er mit 33 Procent wieder zurücknehmen kann? §. 12. Ware eS nicht vielmehr zu wünschen, daß sich der ganze Buchhandel ans diese Art rcalisiren ließe? i?in großes, glaub ich, könnte dazu beilragen, wenn sich irgend Jemand eines Ankündigungs-Zouruals unterzöge, in welchem alle diejenigen Verfasser, deren Werke in dem Meßcatalogo auf die künftige Messe versprochen werden, eine umsiänd- lichc Nachricht ertheilten. Line solche Selbstankündigung, in welcher sich jeder Schriftsteller gewiß von seiner besten Seite zeigen würde, wäre gleichsam das Wort, bei welchem er künftig gehalten würde, und müßte Liebhabern und Gelehrten wohl angenehmer seyn, als eine erschlichene oder selbstgemachte Recension im Posauncnton, wenn das Buch schon da ist, und so vlel daran liegt, daß eS mit guter Art unter die Leute kommt. —-- Ueber die Ahnenbilder der Römer. Eine antiquarische Untersuchung. 1 7 6 9. Äcr Herr Gchcimerath Rloy glaubt über die Ahnenbilder der alten Römer eine ganz neue Entdeckung gemacht zu haben. Da er indeß weiß, daß dergleichen Entdeckungen nicht leicht eines apodiktischen Erweises fähig sind; so begnügt er sich, ihr den Namen einer Muthmaßung zu geben, der eS an einer schmeichelhaften Wahrscheinlichkeit nicht mangle, und empfiehlt sie der Prüfung der Gelehrten. Ich denke, daß ich diese Prüfung vornehmen kann, ohne mich ci- °) Die folgende» anliquarischcii Fragmente gab Eschcnlmrg aus Lcssings Papiere» im zehnten Theile der vermischten Schriften 1792 heraus. 184 lieber die Ahncnbildcr der Römer. »er großen Eitelkeit schuldig zu machen. Ich bin ein Schulmann, dessen Pflicht es ist, in dergleichen Dingen ein wenig bewandert zn sei)». „Es ist bekannt," schreibt Herr Rloy in seiner Vorrede zu den verdeutschten Abhandlungen des Grafen von Taylus", „daß die Verwaltung der höhcrn obrigkeitlichen Aemter den römischen Edelleuten „das Recht gab, die Bilder ihrer Vorfahren in ihren Vorsälcn aufzu- „ stellen. (8paolieim 6e ulu 65 praelt. IXumism. vil's. X. p. 3.) „Es wurden dieselben" — Doch, nicht weiter! O-mlliorius in limmv! — Herr Rloy strauchelt bey dem ersten Schritte, den er über die Schwelle thut. Ich will nicht fragen: wenn die Sache bekannt ist, was bedarf sie eines Währmannes? — Eine Anführung zu viel, ist besser als eine zu wenig! — Aber ich frage: warum ist Spanheim hier der Währmann? Spanheim ist in dieser Materie weder der erste noch der ausführlichste Schriftsteller. Wenn Herr Aloy Neuere cilircn wollte, so hätten es Sigonius oder Lipsius seyn müssen. Ich halte viel von einem Gelehrten, der mich gleich vor die rechte Schmiede weiset. Und wenn Herr Rloy nun den Spanhcim für die rechte hielt? — Sodann hätte er nicht sowohl diese, als eine andere Stelle aus ihm (nehmlich I)il7. I. p. 4!).), wenigstens diese nicht ohne jene, anführen müssen; weil wir nicht in dieser, sondern in jener, ans den Hauptort des Cicero °" verwiesen werden, aus dem cS allein erhellet, daß das ^us imagmum den höhern obrigkeitliche» Personen eigen gewesen sey. Ich mache ihnen dieses Vorrecht nicht streitig; aber ich glaube bc- Häupten zu dürfen, daß man es zu weit ausdehne, wenn man auch die Vorsäle der Privatpersonen darunter begreift. Ich meyne: daS ^us imüAiais acl memoiiam siol'lerilalemcjuv prvlleml-iL, welches Cicero / wie er sagt, erst durch seine Erhebung zum Aedilis erhielt, ging bloß auf öffentliche werter; und erstreckte sich auf das Wohnhaus der Bürger nicht. Dort, auf den Straßen und freyen Plätzen, in Tempeln und Gebäuden für daS Gemeine Wesen, hatten nur die das Recht, ihre Bilder aufjustcllcu, welche sich in kurulischen Würden um den Staat verdient machten. Aber wo findet man die geringste Spur, daß cS allen andern Römern sey benommen gewesen, ihr eigenes Bildniß innerhalb ihrer vier Psählc zu haben? ° Erster Band, Allcnburg 1708. 4. °° Verr. V. e. t4. Ueber die Ahnenbilder der Römer. 185 Auch ist weder Sigoniug/ noch Lipsius/ den Gutherius" hier für den Ausschreibet des Sigonius nicht ohne Grund hält, so weit gegangen. Keiner von ihnen hat in der Stelle des Cicero die Ah- nenbildcr in den Vorsälcn der Privaihäuscr gefunden; sondern es ist die Hcerde ihrer Nachfolger, welche die Sache vollends anfs Reine zu bringen glaubten, wenn sie auch diese, und vornehmlich diese Bilder zu denen zählten, auf welche allein der kurulische Stuhl berechtigte. Ich will mich in die nähern Beweise hiervon jetzt nicht einlassen. Denn was thut alles das gegen Herrn Rloy? Ihm war es vergönnt, der gewöhnlichen Lcycr zn folgen. Nur hätte er ihr auch recht folgen, und uuerwiescne Dinge mit eigenen Fehlern nicht noch mehr verstellen sollen. „Die Verwaltung der höhern obrigkeitlichen Aemter, sagt er, gab „den römischen Edelleuten das Recht, die Bilder ihrer Vorfahren in „ihren Vorsälcn aufzustellen." Die Bilder ihrer Vorfahren? Aller ihrer Vorfahren? Und nur ihrer Vorfahren? Nicht auch ihre eigene? — Man kann sich nicht schielender ausdrücken. Wenn sich Herr Rloy aus den einzelnen Stellen der Alten keinen richtigen Begriff bilden konnte; so hätte ihm der erste der beste neuere Allerthnmsknndigc die Sache deutlicher machen können.** Der, welcher in einer Familie zuerst ein kurulisches Ehrenamt bekleidete, erhielt das Recht, sein Bild auf die Rachwelt zu bringen, nicht seiner Väter Bild, als welche dergleichen Würden nicht bekleidet hatten. Folgte ihm der Sohn in einer solchen Würde, so fügte der Sohn sein Bild dem Bilde des VatcrS bey; der Enkel, unter gleicher Bedingung, seines dem ihrigen; und so weiter von Glied auf Glied. Tas ist die gemeine Meynung; aber liegt die in den Worten des Herrn Rloy? Und den römischen Edelleuten gaben jene Aemter dieses Recht? ° Ue 5ure M.1IUIUN, l,. I. c. SZ. °° tVi/a /!o««an<»'»ui, Z. Inter I»»ü<:il>u!t perluiinrui», seiln, «uruli pt-rsiiivuitruin, z»rit illml p»>>Mmuii> it-servIiiUur, ut luiuu cuillue ii> celuliiiurv llumus pitrle, »Iliui» inlellipie, <:olluc»re licerel iiimgiiiüm. kvleri vnim, qui lull» curuli »o» viaitt sli Iwe zurv !»rcel)i»ilur. Yuml N ergo, m.ixislrntu curuli »wrluo, iitl silium >>!>»si>^t >>!U>i8 i»i!>!;u, illü s> iptu nuixittrivlii suiixivrelur, !»>>>>!>>nl sui»», ulrittn<>ui>i!iiu, eoruuitlein uurn »lqiiu cuslvtlia, »iltlil» e»z»slilid, izui lulliim vuiulem ektut -tiloiillis^ vstisie, Uiuisirvl. 186 Ueber die Ahnenbilder der Römer. Wen versteht Herr Rloy unter dem Worte, Edelleute? Entweder pstrieios, oder ooii!I<:5. Aber er verstehe diese oder jene; er hat in beyden Fällen entweder eine Ungereimtheit, oder eine Falschheit gesagt. Eine Ungereimtheit, wenn er notiiles darunter versteht: denn die vo- diles erhielten nicht dieses Recht, sondern wer dieses Recht erhielt, ward erst, eben durch dieses Recht, novilis. Eine Falschheit, wenn er rislrieiog damit meynt: denn nicht die pstrieii allein verwalteten kurulische Ehrenämter; sondern eS kam bald die Zeit, als sie diese mit den pleliejis theilen mußten. Auch plelieji erhielten also das Recht der Bilder, und wurden durch dieses Recht ooliiles.' Doch, was halte ich mich hierbey auf? So unbestimmt sich Herr Rloy auch ausdrückt, so leicht ist eS doch zu errathen, von was für Bildern er reden will. Er weiß zwar nicht recht, wen diese Bilder eigentlich vorgestellt haben: denn er nennt sie Bilder, welche die, die in kurulischen Ehrenämtern standen, ihren Vorfahren aufrichten durften; und eS waren die Bilder dieser obrigkeitlichen Personen selbst. Er weiß zwar nicht recht, wem eS erlaubt war, diese Bilder aufzustellen: denn er sagt, den römischen Edelleuten, welche dergleichen Acmrcr bekleidet; und er hätte sagen sollen: allen und jeden Römern, die zu solchen Aemtern gelangten. Aber das ist es auch nicht, waS er uns von diesen Bildern lehren will. Was er von diesen Bildern weiß, und was bis auf Ihn kein Mensch in der Well gewußt noch vermuthet hat, betrifft das Materielle derselben; ist etwas, das in die Geschichte der Kunst näher einschlägt; und die Kunst ist es eigentlich, die so einem Antiquar am Herzen liegt! — O, das muß jeden Mann von Geschmack freuen! Da stehen wir mit offnem Munde, voller Erwartung! „Es wurden diese Bilder," fährt Hr. Rloy fort, „imagines, und „von den Dichtern oft cerse genannt. Man hat sie bisher allgemein „für aus Wachs bossirte Bilder angesehen; und ich habe keinen Schrift- „ steller gefunden, welcher sich eine andre Vorstellung davon gemacht „hätte. Gleichwohl glaube ich, daß man, nach einer genauern lieber „legung der Umstände, sie für nichts anders, als für Werke der cn° ° ^H/kit», Lleelor. I^>. I. o> SS, Iluguiu leinnviiliiit,, >>«5l rvgifu»;iuin »liltuot ünni», penvdi sulu» viUrieio« iiiii^illrillu» vr»nl: illuu nuIiUU»«, I>uN>.'!l per eonlvnliunes lriliunilis« kuininunic'iUi oui» >>Iu>iv nunurn», si- muUluv niiliiNI»» imsginv». liniuu nun rsro «x <>» nwIiHu» qui^iniim nukili!, »NW niUrleiuiu: ut Llitutlii aisrevlli, ut llici!, t'Iituunü, !t,u!Uii, l!5 v itliilv u «iLliv siliuUiitv Mnllv iwiwrum. Ueber die Ahnciibilder der Römer. 187 „kaustischen Malercy halten könne. Hier sind die Gründe meiner „Muthmaßung." Ein Wort, ehe wir uns durch diese Gründe überzeugen lassen. Es ist falsch, daß man diese Bilder bisher allgemein für aus Wachs bosstrtc Bilder angesehen habe; für wächserne Bilder wohl, aber nicht für ans Wachs bosstrte. Herr Rloy hat keinen Schriftsteller gefunden, der stch eine andre Vorstellung davon gemacht hätte; aber ich wohl. Beydes wird sich weisen. Nun zu den Gründen! „Erstlich, wie kann man glauben, daß die Römer gerade unter „allen Materien, woraus sich Bilder verfertigen lassen, diejenige er? „wählt haben sollten, welche der Vergänglichkeit am meisten unterworfen ist? Es war ihnen daran gelegen, daß die Bilder ihrer Vorfahren erhalten würden, und viele Jahre hinter einander ihre Vorsäle „zierten. Würden sie nicht lieber Marmor oder Erz genommen haben, „als das zerbrechliche und weiche Wachs, wenn sie nicht eine andre „Art Bilder gekannt hätten, die, bey der Dauerhaftigkeit und Feste „des Marmors und ErzcS, gleichwohl die wegen gewisser Umstände „nöthige Leichtigkeit der bossirten Bilder besaßen." Man verschießt die stumvfesten Pfeile zuerst. — Wachs besteht allerdings aus trennbaren Theilen, und ist daher in seinen Formen vergänglicher, als Marmor und Erz. Bildet sich aber Herr Rloiz dem ungeachtet die Vergänglichkeit des Wachses nicht weit größer ein, als sie wirklich ist? Und wie? wenn es den Römern bey ihren Ahnenbildern, außer der so lang als möglichen Dauer, noch nm eine andre Eigenschaft zu thun gewesen wäre, außer der diese Dauer von keinem Werthe ist, und die sich vorzüglich an dem Wachse, weit weniger an dem Erze, und an dem Marmor ganz und gar nicht findet? Diese Eigenschaft wird Herr Rloy glauben, sey die Leichtigkeit. Nichts weniger. Doch, ich muß ihn seinen zweiten Grund erst vortragen lassen, ehe ich mich umständlicher über das alles erklären kann. „FwcytenS: die alten Schriftsteller melden uns, daß diefc Bilder „nicht allein sehr lange sich erhalten habe»; (tüc. in pilon. e. 1. „Oviel. ^mor. I. 8. ^uvcual. VIII. 18. 8eneea, ori. 14. IXon luoil noliilem aliiuin Plenum /'««in//« ima^inilius.) sondern „auch bey Begräbnissen der Verwandten, öffentlich sind vorgetragen „worden. (lVIeurüus i!e dunere, o. Wie kann man dieses von „bossirten Bildern behaupten, die der Regen, der Wind und die „Sonnenhitze gar bald würde haben zernichten müsse»? Hingegen „die cnkausiischc Malerei) widerstand allen Widerwärtigkeiten der Zeit, „der Lnft und des Uugcwittcrs, und kounlc weder von der Sonne, 488 Ueber die Ahnciibildcr der Römer. „noch von dem Meersalzc, beschädigt werden. (l'Iin. XXXV. 4. „huse ^ieiura in vaviuug nee lole, »eo s»Ie ventislzuv eor- ,,1'umuitui'.) Man berichtet nns auch von den neuern Werken dieser „Malcrcy, daß die Farben sehr sicher und dauerhaft sind; daß sie sich „sogar waschen lassen, und noch folgende Eigenschaft haben. Nehm- „lich, man hat diese Gemählde an Oertern, wo üble Ausdunstungen „sind, oder auch vom Rauch der Kamine anlaufen lassen. Wenn man „sie aber wieder in den Thau gesetzt, so find sie so rein und glänzend worden, als ob sie aus der Hand des Malers kämen. Derglci- „chen Bilder waren also jene mit Rauch bedeckte (lumol'ao imaxzines) „und bey den Begräbnissen gebrauchte Bilder. Ich sollte glauben, „der einzige Umstand vom öffentlichen Herumtragen derselben, hätte „auch jede Vermuthung, daß cS bossirte Bilder gewesen wären, verhindern sollen." Dieser zweyte Ernnd sagt nicht viel mehr, als der erste. Sie gründen sich beyde auf der Dauer und Leichtigkeit, welche die Ahncn- bilder gehabt, und haben müssen; zwey Eigenschaften, die sich nicht an in Wachs bossirtcn Bildern, wohl aber an cnkanstischen Gemäl- den finden können. So meint Herr Rloy. Aber, wie ich schon gesagt habe, die Dauer war weder das Einzige noch das Erste, was die Römer an ihren Ahncnbildcrn verlangten. Sie verlangten etwas, was die cnkaustischcn Gemälde eben so wenig gewähren konnten, als die Bilder in Marmor und Erz. Au dieses hat Herr Rloy gar nicht gedacht, und scheint auch nicht den geringsten Begriff zu habe», wie und wodurch c§ zu erlangen war. Man soll es bald hören. Beyläufig nur noch ein Wort von den Beweisstellen des Herrn Aloiz. „Die allen Schriftsteller, sagt er, melden uns, daß diese Bilder sich „sehr lauge erhalten haben/' Welche Schriftsteller? Wo? — Zwey davon, Cicero und Sener'a. nennen diese Bilder /umo/«« iroagi- »es; und die andern zwey, I!n. II. XXXllI 7. 1!)0 Ueber die Ahncnbildcr der Römer. wie Sie, keine andre Art von Wachsarbcit, als das Bossiren? — Aber nur weiter! „Denn das Wort cei-c-e brauchen die alten Skribenten auch von „den Werken der Wachsmalcrcy. (Z. B. Statius, Silvar. I, III. tv „kimilein lioelae rokeiet miui liaea cerae. lind: ?ot kLiipto vl- „veaies limiue ceras ?ixi1"Ii. Viu°. ^u^. /^«^e?iKe,u.? llv „piotura, plgüice ^e. I. I. e. 6.)" Mit Erlaubniß, mein Herr Echeimerrath! — Diese beyden Stellen des Statius haben Sie wohl schwerlich selbst nachgeschlagen, sondern bloß aus den ZZulenger abgeschrieben. Denn warum würden Sie sie nicht sonst ein wenig genauer angeführt haben, als sie Bulengcr anfuhrt? Sie stehen beyde im dritten Buche der Walder des Statius; aber dieses Buch cuthält mehr als Ein Gedicht. Sie würden uns eine kleine Mühe erspart haben, wenn Sie uns sie naher, als es ^)ulenczcr gethan, nachgewiesen hätten. Die erste derselben steht in dem dritten Gedichte, v. 201.; und die zweyte in dem ersten, v. 9Z. Vielleicht wäre gegen beyde noch etwas zu erinnern. Aber cS sey. lüorae mögen da immerhin Werke der eukaustischcn Malerey bedeuten. Müssen sie es darum überall bedeuten ? Können sie nicht anderwärts auch plastische Werke bedeuten? — Fahren Sie nur fort! „Keine hingegen bedient sich eines Worts, wodurch ln der lateinischen Sprache Figuren, Brustbilder, oder kleine Statuen, angedeutet werden." Keine? — Sie brauchen das Wort iwago! Aber Hr. Aloiz wird doch nicht läugncn wollen, daß imago auch sowohl von ganz runden als halb runden Kunstwerken gebraucht wird? Und zwar brauchen sie imagc», weil dieses Wort mehr die Aehnlichkcit, als die Materie, woraus diese Aehnlichkcit gemacht ist, andeutet. Doch brauchen sie auch andre, z. B. /on-ias. Cicero nennt die Ahncnbilder clarittimoium viroi'um Sollte dieses kornia« hier nicht etwas mehr anzeigen, als bloße Gemälde? Ich erinnere mich keiner Stelle, wo es von Gemälden gebraucht würde; und wenn es oft so viel als Risse, Muster, architektonische Zeichnungen bedeutet; so ist cS nur deswegen, weil dergleichen Zeichnungen die Sache von allen Seiten vorstellen, und nicht bloß von Einer, wie Gemälde. Aber keine dieser Stellen bedient sich auch eines Worts, wodurch ein Gemälde, oder eine Nachbildung durch Linien und Farbe» auf einer Fläche, ausgedrückt würde, wie taliula oder piotura. Haben denn der Herr Geheimerrath auch die Grieche» nachgesehen, welche vo» der römischen Geschichte geschrieben, und gelegentlich dieser Ueber die Ahncnbilder der Römer. Ahncnbilder gedenken? Haben der Herr Gcheimerath auch geprüft, was diese für ein Wort brauchen? — Ich erwarte keine Antwort — verfolgen Sie Ihre Rede! „Die Schriftsteller lassen sich in gar keine Erklärung ein, weil „sie die Sache als bekannt voraussetzen konnten. Der einzige pli- „ nius"-- Und noch Einer, den der Herr Gcheimerath gewiß keimen, aber mit Fleiß vergessen. Doch, ich unterbreche Sie zu oft. — „Der einzige plinius, dem wir so viele Nachrichten von Dingen „schuldig sind, die uuS sonst ganz unbekannt seyn würden, redet weit' „läuftiger von ihnen; und seine Nachricht ist so beschaffen, daß ich „mich nicht genug über die Sorglosigkeit der Ausleger verwundern „kann, die diese Stelle nicht ganz übersehen haben. Seine Worte „sind: (Ililt. ?tst. XXXV. 2.) ^pucl msjores in slriis erant ,, imag!ne8, Huse Ipeolarenlur, noo lißns exterorum sililleum, „nee aer». ant iiigrwoili. Lxpresl! cera vultus liogulis lZispone- „Iiaului' aimariis, ut ell'ent imagi»e5, <^uas eomilsrontur ^entilitia „sunera; sempei^uv ilekunclo ali^uo totus aäerat samiliso ejus, ,, gums cer>l'ori, ^ic/oL>. 7!.) meiner Mcynnng entgegen zu stehen scheint. Sie ist zu „lang, als daß ich sie abschreiben könnte. Ich glaube aber doch, daß „sie eine Meynung, die durch Zeugnisse sowohl, als durch die Erfahrung bestätigt wird, nicht widerlegen könne. Vielleicht redet poly- „bius von einer ganz andern Gattung von Bildern, welche weder „mit denen, von welchen ich geredet habe, zu verwechseln smd, noch „so allgemein gebräuchlich gewesen stud, als jene." Nachdem ich gezeigt habe, wie kläglich es mit den Zeugnissen und der Erfahrung aussieht, welche die Meynung des Herrn Aloy bestätigen sollen, so soll mich die Länge der Stelle des polybius nicht abhalten, sie ganz aiiznführcn. polybius hatte in seinem sechsten Buche von den verschiedenen RegierungSformcn, ihre» Vorzügen, ihren natürlichen Verwickelungen der einen in der andern, gehandelt, und gezeigt, wie vortrcflich in der römischen Rcgicrungsform alles zur Erreichung einer weit auSgc breiteten, allgemeinen Herrschaft abzwcclc, indem nicht allein die Natur die Römer mit vorzüglicher Stärke des Leibes nnd .Kühnheit des Gemüths begabt, sondern auch ihre Erziehung einzig dahin abziele, die Jugend in beyden zu bilden und zu befestigen. „Nur Eins °, „sagt er, will ich anführen, um aus diesem Beyspiele abzunehmen, „wie sehr die Römer darauf bedacht sind, daß man im männlichen „Alter dazu gewöhnt sey, alles geduldig zu ertragen, um nur in sci- „ncm Vaterlandc einen rnhinvollen Namen zu erlangen. Tcnn so oft „unter ihnen irgend ein berühmter Manu diese Welt verlassen hat, „wird er bey seiner Leichcnbcstattung, anßcr andern Ebrenbezeignngen, „ans den Rcdncrplatz, wie sie cS ncnncii, herausgetragen, zuweilen „stehend, damit ihn Jedermann sehen könne, seltner liegend. Hier " lZ^ki- !x«i'ov klz-al <7^ikiov i-iz? ro^i ito^lr."»^«^«? c7?koT!. i'ktv T^.^klv ^ 7r»rl>iöl 7^ k?r'o-i>ki°>i Piziiiz?. «t> /i.k.r«>,>,a4i> ,^5 ^c-y'«-uroi? k-rtc^ai^i- »»-ö^dii', o"w?k^o^.>/i.ki^iz ^? 'iZ/^/ZoXov? i'i? 1^ «)>olzav, srovk ^cv k?°l>>? k>'«tzz,7^, cr^«ii-o<: Leslings Wcrke XI. 13 1S4 Ueber die Zlhnenbilder der Römer. „steht das ganze Volk versammelt umher, und sein Sohn, wenn er „einen schon herangewachsenen Sohn nachgelassen hat, und dieser zu- „gegcn ist, oder einer von seinen Blutsverwandten, besteigt die Rcduer- „bühne, und hält eine Lobrede auf den Verstorbenen, worin er die „von ihm in seinem Leben verrichteten edlen Handlungen erwähnt. „Und so geschieht es, daß das ganze Volk sich an das Geschehene „lebhaft erinnert, sich es wieder vor Augen stellt, und so innig da- „von gerührt wird, daß die Trauer mehr öffentlich, als bloß dem „Geschlechte des Verstorbenen eigen zu seyn scheint. Hierauf bestatten „sie die Leiche des Verstorbenen; und hernach stellen sie sein Bildniß „an dem scheinbarsten Orte des Hauses auf, lind schließen es in hölzerne Schreine ein. Dies Bildniß aber ist das Antlitz des Verstorbenen mit ganz vorzüglicher Achulichkcit gearbeitet, sowohl der Form, „als der Unterschrift nach. Dergleichen Bilder aber tragen sie auch „bey öffentlichen Lpferseyerlichkcitcn nmher, und schmücken sie aufs „schönste. Wenn aber irgend ein angesehenes Mitglied des Hauses „stirbt, so tragen sie das Bild mit zum Leichcnbcgäuguiß, und bcklei- „den es so, wie es seiner Größe und seinem Range gemäß ist. War „es ein Feldherr oder ein Konsul, so legen sie ihm eine Präterta „an; war es ein Lenscr, so geben sie ihm ein Purpnrgcwand; hatte „er einen Triumph gehalten, oder sonst etwas Ruhmvolles gethan, so „giebt man ihm ein gvldgcwirktcS LUeid, Und so fährt man cS auf H>a»'k0'>A«i <5i?.>l!r7^«,«. ölk^w ?ai>?« A«^«vrkc) «cu »o^o'avrks 7« vo,iil^o,iik?'«, rl^«o°t ktxova ?o^> /i^r«?^«^«?^«?? ki? rov vc^ttroi' 50!kov r-iz? ^>v>>t,>a ?'a't>!il« ikk^^^k^rk?' ^ 6- klxuv ki^i, »lzocrllirov -i? o,«cr/i,i?'oi-, x«t «z>^«<^?zi', <5?/ ^a? klxc-?-«? k>' ^«l? Kizii.ort>,kc7^ ^.'<7l«l? «i'c>^)«zi^k<; xrxri^o'vrr^ <^^o^l«.!oz' k^av ruv otxk^!>>v /tkrciXX«^^ k^l<^«?^5, «^oncr^v ki? rizv kx<^0l>cei-, sr.'s>^,Kkv» ll? o^olo^a^c,-? -,/!«l Soxoncr-. «a^« ?k rr> /i^zik^o?, «az c»>,>^v srktzt»c>^?'. oii^ot ök -kl>c>o'«?-«X«/^/?c«-cii>l7l?' k«,- /llv i?-r«- ro? ?z <^tz«^z>o? ^ z»z>o, ^?, «yl^oiz^/»^>c>ii?' k«,^ öe -ro,z>?, Tolo^ov xa^tiz)>«?, öl«- Xtz^o'ov?. ^.-urvt /tkv c>^>v o^>?ol ^oizi-vo^r«!, <>a/Z6ol ö? ^??MM?«M»A> . ^ llcbcr die Abncnbilder dcr Römer. 195 „einem Wage», ii»d läßt die Fasccs, Beile und andre dergleichen Eh- „renzcichen vorantragcn, nach Verhältniß dcr Würde, die er bey sci- „nen Lebzeiten bekleidete. Ist inan nun auf den Rcdncrplatz gekom« „mcn, so setzt man sie alle nach dcr Reihe auf elfenbeinerne Sessel; „und schöner kann für einen chrlicbcndcn und edclmüthigen Jüngling „kein Anblick scyn. Denn dic Bilder solcher Männer zu sehen, die „durch Tugend berühmt worden sind; und sie wie lebend und beseelt „vor sich zu sehen, ist ohne Zweifel das edelste Schauspiel." — Ja wohl ist diese Stelle dem Herrn Rloy so schnurgerade entgegen, daß er sie nur hätte anführen dürfen, um sich mit seiner Muthmaßung lächerlich zu machen. Wie klug also, daß er sie nicht anführte, und es darauf ankommen ließ, wie viele von seinen Bewunderern sich dic Mühe nehmen würden, sie nachzusehen. Indeß hat er sich mit einem Vielleicht dagegen bewaffnet: „Vielleicht redet polybius von einer ganz andern Gattung von Bildern." Aber dieses Vielleicht ist so viel wie Nichts; und es ist unwidersprech- lich z» erweisen, daß polybius von eben den Bildern redet, von welchen dic angeführte Stelle des plinius, und andere Stellen lateinischer Skribenten handeln, von denen Herr Rloy nicht läugnct, noch längncn wird, daß sie von eben den Bildern reden, von welchen (5r rcdet. ?ic llcbcrcinsiimmung ist klar. t. polybius sagt, daß diese Bilder -c? -a^«-'-?-«^,- ro-eov riz? an dc» scheinbarsten Ort des HanseS, gestellt wurden, plinius sagt: in n/i/i« erant i-nazines. l-uno l'-iectarentur. 2. polybius sagt, daß diese Bilder an diesem scheinbaren Orte in einem hölzernen Hänschcn eingeschlossen wurden: ?-c»öl«. dieses Häuschen hieß bey den Römern nrmsrium; und plinius sagt: ->xz>rc>l'll eei-g vullus lmgulis anol)!>nlur nimaivt«. 3. polybius beschreibt ein solches Bild durch ^zo-^^c,,. Also keine ganze Figur, mich nicht ein ganzer Kopf, sondern nur bloß ein Antlitz, plinius sagt: vullus. «ai, zr-Xikxki? x«l 7« i-«,,? n^x«,^ ktu^or« /i>kaiz«!; l<5k»- o,o.ov ir«cr«? oioi k^ -^10» «r«? «a^ -rkiri ^>/-.k,0^1^ «i> :r»iz«^<^«,, ä «>- ««>,>,t0i' ^>k«u« ?ovro^> y?a,-k^; — I'OI.VU. Ilis«. I.. VI. 0. öS. öS. 13° 19k Ueber die Ahncubildcr der Römer, » 4. polybius sagt, daß die Schränke, worin diese Bilder gestanden, bey öffentlichen Feierlichkeiten eröffnet, und diese sorgfältig geschmückt wurden: 7«,,? ö^i^o^k^kcri. ^Tic7l«l? M'vlZ'm^k? xo<7,<^c)^c7i. z,i.Xt>.i>-e> Und plinius: ut ellenk imagines, ^nae comilarenlur Aenlililia kuners; kemper^uo llekunclo alic^uo, tolus oclerat si>mi- liso ejus, lsui uoczusm kuerst, po>>ulus. 6. polybius sagt, daß diese Bilder bey Lcichcnbcstattnngcn vorgetragen wurden; a^o^io'i.v kl? cxl>bins/ daß man diesen Bildern bey offen! lichen Vortragnngen den übrigen Körper beygefügt, und diesem die Kleider des Verstorbenen angelegt habe, um sie auch in Ansehung der Größe desto ähnlicher, und in Betracht des klebrigen desto kenntlicher zu machen. Zweytens sagt es Polybius ausdrücklich, ««^« -r).«---^ v.-n« r^v i?5<>)>tz«z??z,>. Es waren also plastische Bilder, und gemalte plastische Bilder. Nur ein Paar andere Gründe will ich hier »och Herrn Rloy entgegen setzen, aus welchen es erhellet, daß diese Ahncnbildcr mehr als bloße Gemälde gewesen sind: 2. AuS dem Worte ceise. Tie Metapher wäre sehr stark, wenn sie nur WachSgcmälde gewesen wären. Natürlich folgt daraus, daß sie ganz und gar aus Wachs bestanden; so wie man sagt: ecra und marmors. Auch wird cera und laliul!» einander entgegen gesetzt: — — ki lseeas, <^ kl Ism niula i-ccumva», <)ugm lilel in cera v»llu8 A in laliula, ^/«^/«a/. Xl, IgZ. 2. Aus der bestmöglichen Ähnlichkeit/ die man dabey zur Absicht hatte. Erz und Marmor konnten diese nicht gewähren; und aus der Hand frey gemalte Porträte eben so wenig. Hirr Rloy wird sagen: und bosstrtc Wachsbilder eben so wenig! (5r hat Recht; aber warum kennt er von wächsernen Kunstwerken keine, als die bossirtcn? 3. Aus dem Vortragen selbst. Was für ein kindischer, armsc ligcr Aufzug müßte cü gewesen seyn, wenn es lauter Gemälde waren, die man nur von vorne sehen konnte? Wenn sie aber nun keine Gemälde waren, diese Ahnenbildcr; muß- tcn sie darum nothwendig bossirre Bilder seyn? — Und nun komme ich auf die eigentliche Umvissciihcil des Herrn Aloiz. .^i'^Ätz?' 1ö7 Fragment über die Isische Tafel. i. Geschichte der Zsischen Tafel. ^ircher in sciiiem Oecliun» ^egz'ntiaeus, lom. III. p. 80. handelt im ersten Kapitel von dem Ursprünge und Namen dieser Tafel, und crjählt ihre Geschichte so: l'iiliula (livilne //«ica, czuia Iliacae, Iioo ett, ^ez^nligeae '^Iienlogiae lnmmsni eonlinet; Seniit«» ^ieitur, eo 'ui'6i»alis tummo lieisiuulieae lilei'giicio liono eam prirous sl» in- lciilu vi>u!it:alllm OiI)i prolulerit. ^am a sgliro Imi^.in6nm »l!i)us ioüruc>!5limo U5lzus ») ila ovnnuil, ut tameltl kummc» sluliil, intlilum /it, ut sviretui-, ) anlu> ilius iienuo ineilleocluni «jellil //e,it>n,/ni« Dueis Ijauaiiue ( .iiicellaiius, <^>i!>u> -.^ klicalio lliero- ßl^nlliiivi'um iiiseilam euul^nvil; rx «zuu rios omni, lzua lieii ^>u- Iu!>, iliÜAeiilia eoni in minoreiu nionoilionen» liülluelani >>!«: cu- ric»5<, I^eetor'i exliiliemus. .1) Rirchcr meint die Pnndcrung RcuiS von dem KricgShccrc Kaisers 2xarls V. im J.-1527. Der Connctable von Bourboii/ welcher das kaiserliche Herr kommandirtc, nntcrnahm zwar die Belagerung, ward aber wahrend derselben bey dem Sturme durch 198 Fragment über die Jsischc Tafel. eine Kugel verwundet, und starb, noch ehe die Stadt überging. In dem eigentlichen Verstände sollte man also nicht sagen: ckreulin Lurtiomava. Wer weiß ob dieser, wenn er am Leben geblieben wäre, alle die Grausamkeiten nnd Unordnungen verstattet hätte, welche der Prinz Wilhelm von Orauicu, der dem Herzoge von Aourbon in dem Commaudo folgte, bey der Einnahme der Stadt erlaubte? k) im I. 1Z47. e) Von den Volkern Kaisers Ferdinand II. — Vincent II. Herzog von Mantua und Montfcrrat, starb im I.,1629, niid setzte den Herzog von Nevers, Rarl von Gonzaga, zu seinem t5rbcn ein, den aber der Kaiser mit dem Herzogthume zu belehnen sich weigerte. 6) Torquaro Bembo war ein natürlicher Sohn des Kardinals. Rircher sagt hier ausdrücklich, daß die Tafel bet) der Plünderung von Mantua weggekommen, und seitdem nirgends wiedergefunden worden. Dieses sagen auch andere, und vermuthen, daß sie vielleicht von einem Unwissenden, dem das Silber, womit sie ansgcziert gewesen, das Kostbarste daran geschienen, zerschlagen sey°. Gleichwohl finde ich bey Herrn Winr'clmami", daß sie sich gc genwärtig in dem Museum des Königs von Sardinion zn Turin befinde. Aber er bekennt, daß er sie nicht selbst gesehen habe. es muß aber doch wohl seine Richtigkeit haben, daß diese Tafel annoch vorhanden ist; und zwar hat unser Wagenseil, in seinem Buche von Erziehung eines Prinzen/ der vor allen» Studiren einen Abscheu hat, (Lcipz. 170'». 4) S. 226, die erste Nachricht wieder davon gegeben. Hiervon heißt es in den ^clis Lruliiloi-. a. 17VK. S. 121: Lunt lligna eliam Icclu, ciuae ile Iali8 »lenlav Ilmeae, iuel^ti illius X-^^on, ^illerit, ulciue ex clirepliono kowse m rnsuus lalii'i cujllStZam seirsri!, inllo ixl I>. Lemlium Lar6ioslolii pervooerit, tan6em in xaaooli^Iaeio I>lantuani vucis sä srmum IliZl) kuerit glltervsla. IllU verc> in illius urliis cleiirae- östioue evsnuillo eam ^7»v/ie,„s tetlelur, üonum lamen nunlium slatim snneclit, kluoei nimirum ^uguüav l'aurinnrum illa jam lia- beatlli', inler kerrgineuta A rejoelanea in »liteuro looc» leperlu sorte, <^ au ^rolüatrn viduao Dueiz Vicloris ^mallei ^Iiiiltinac:, A ipl'c» llielauium tiuuo pro weiilo oou aeslimanto, 5il>i otleiis-»; ut »cZeo, ulii coospioi nune rioM, Iio«: inu'icio ^«^e»-/«-/»' uollri con5tok. ° S. viclion. >Ie t7/ta,-/e/),e, ilrt. Z^/Ana?'!,», ». ^. °° Geschichte der Kunst, S. 45. 5,8. Fragment über die Jsischc Tafel. II. Von dem Alter dieser Tafel. Rirchcr fahrt am angeführte» ^r-tc fort: ^uoä 6um l'uoinius, von narva «iisiieultas exorilur, an a veieiil)U8 Romanis, su al» ^eg^ntiis, monumentum Iioe. inler eelera saue eelelierriinum, eonseelum sueiil. !Von lieluol, tzui ^i>dulaw Iisoo s kiomams coneinnatani senliant, slii ex ^eg^>>lo, uns eum aliig rerurn ^c^niiai'um monurnentis, je5eeeiil, eerluin eti, Iiaue a üuwaiiis ueiliei vulla ralione no- luill'o; a niil'eis ilaciuo ^eg^utiis eonlecla kuit. III. Von ihren Auslegern. '1. Der erste, der sich an eine Auslegung tiefer Tafel gewagt hat, ist Laiircntius pignoriuo. Seine Schrift kam untcr dem Tilct: Veiul'tillimae 'l'-iliulae aeneae, 5aeri8 ^eß^vlivrum iiinulaeii8 eae- lalae Lecuralu I^xnlicaiio, zu Venedig, bei Rampajctti im Jahre ll!i»>'> (nicht 1l>00, wie Tomasmi in dem Gebell des pignorius vor giebt), in Quart heraus. Einige Jahre darauf, 1008, wurde sie in dem nehmlichen Format ju ^ranlsurt, untcr der Aufschrift: /.a-ii-en/,'» /'iA,tt),-t t^IlaiuLlvies ^eg^plii; Iwe eil, Lacrorum, »>ii uinntui-) linluluerorum Deliuealiu ^ iüxnliealio, eum ejus- 200 Fragment über dic Zsischc Tafel. liem ^uelusilu, euin iigmis ueneis, ^>er I^ralres 5, nachgedruckt. Tie letzte nnd beste Ausgabe aber ist die, welche der Buchhändler zu Amsterdam, Andreas Fristuö/ mit verschiedenen Vermehrungen, die aus dem Titel erhellen, besorgte: /.ki-o-e«//« ^<^,io,i- uleu5a Iliaea. czua Lsoioruni opuii ^eg^nlios >»>ic> iimulaoin, tulijeelis laliulis geneis exlulienlur ^ cxnlieüiilur. ^eeesiil ejus- tZem ^ueloiis cle ms^na Deüin I^I^Ire Discuisus, -.^ li^illarui». genimaium, guiuleloiuin »li^iiol i'iguiae, <^ eaiundem ex /sii- c/isT-o t)/ii//e/t'o^«e inlerui elulio. I^iee non ^«eoii ^/it/llicor. 1^. VII. ^cs. /^I^nuiit Lxnl. ,>. 9. 1^.) i) //eiivniV-u«, dessen Rirchcr gedenkt. t, sagt pignorilis, S. 14, iigue luvulum vix uliuil, lzuain ^ex^tttioium le^es, nüiiileie. Iluju» lentenliae !>I evlume» suil, yuoil Iege8 in oes ineitleienlui. I>go aii eiuciilui» leeloicui nrovoco, au l^iie^uitl in oeneas luliulss ineiluiu e5l, iä oonli. uuo tex iil. Wie Bembo zu lieser Tafel gekommen sey, ist dem pignorius nicht so ausgemacht, als dem Äircher. t?r sagt S. 12: Lx lioma ineidil. !» insnus inugni viii /^e/ii I/emit <üaid!»:>>is, 5en ex ^«it/t I^onliiieis maxiini viuiiere, teil, ciuod aliis nlacel, ex Urei suueilius, v manivus viilelieet sslni lcirarii, , «inam ^euvas Vivus, iniiutliius ille seululor, veii- eulo !la iilleeulus el'l, ul nvn tam kimilo vvuin ovo lll. ^roliel^na »igro velut eneuul'lo^ <>uu,I ulramenlo 1'eululvr exnrcl'- Ll, leuuibus »rgeuli viuoleis nuMm vvu'ucilur luuervel'lilur. Fragmcnt über die Zstschc Tafel. 201 Tcr .Kupferstich des ?lcneas Vicus selbst ist bey dem Werke des pignorius nicht befindlich. Frisnis aber hat ihn zu seiner Ausgabe nachsuchen lassen und hinzugefügt; und zwar nach der wahren Größe; anstatt daß er beim Airchcr nur nach der verjüngten Größe vorkommt, in welche ihn Hcrmarr bringen lassen. Von dein Gebrauche der Tafel sagt er Seite 13. ?u!t labula liacc, nili mea nie süllit scnlcnlia, laers lioiriav lewuli slieujus meiil'u, ciuae ex I^Iaerobio >^ I^esto aiae uulvinaiis loeo eiiil, i» l^u.i cuulao, tlinv» libaliones reooneballtur, ^ sseella prse- leren 6eo>um. I'uerunt I>ae menkue ^uamloszue aureae vel ar- ^enleae; ^ c^uilkein inl'eii^lae ri^iucl t-iaecos, ut votiink ^ril'lolv- les A Valeiius I>Iuximus. 8. 6. 4. Schuckford handelt davon in seiner Ilitloire 6u moiille s«- oree et prvlane, l'. II. n. 304, in der französ. Uebers. 1^6« 1738. 4. 5. Warburton (Ll7iii luv les Ilieiogl. p. 294.) hält sie für eine Arbeit, die zu Rom gemacht worden. Dieses Vorgeben aber, sagt Winr'clmann, ° scheint keinen Grund zu haben, und ist nur zum Behuf seiner Meinung angenommen. Ich habe die Tafel selbst nicht untersuchen können; die Hieroglyphen ahcr, die sich an keinen von den Römern nachgemachten Werken finden, geben einen Grund zur Behauptung des Alterthums derselben, und zur Widerlegung jener Meinung. Die Tafel selbst ist ein Parallelogramm, in drei Felder vertheilt, wovon das mittlere das Höhcrc ist. Die Figuren, die viel Einförmi- ° S, 29. Fragment über dic Isische Tafel. ges haben, und wovon dic meisten mehr als Einmal, auch wohl vollkommen in der nehmlichen Stellung nnd mit den nehmlichen Slttri butcn vorkommen, flehen alle neben einander, mit kleinen Figuren und Hieroglyphen untermengt. Dcrglcichcn kleinere Figuren und Hie- roglyphen füllen auch ciucu ungefähr zwei Finger breiten Rand, welcher auf allen vier Seiten umherläuft; wie denn auch mit einem kleinern, ans Hieroglyphen bcstchcndcn, Rande das mittclflc Feld cingc- faßt, und zweimal durchschnitten ist. Von der Arbeit selbst urtheilt pignorius, S. t3. ^rtikcei» tabula von valcle lloctum lsvit, ^eA^utiuin viilelicel, saetumve a6 ^ex^>Iic>rum norwam, c^uorulii ltuilium iu iil ms^is ineuiulie- l»at, ut siiciluras miias ex^rimerent, czuam ut venullatem alle- Llarout. IV. Einige Merkwürdigkeiten dieser Tafel. 1. Keine einzige von allen darauf vorkommenden Figuren bat eine» Bart; auch nicht einmal Thmuis, der dem Menses / dem pan der Aegyptcr, heilige Bock. Nur dic zwei Sphinxe, welche auf jeder Seite dieses BockeS, in dcr untcrstcn Einfassung, stchcn, haben einen. Fig. 35- 37, nach dem pignorius; nach dem Airchcr, und 60. Dergleichen waren es ohne Zweifel, welche dic Alten Androsphinrc nannten. Doch haben anch andcrc Sphinrc auf dicscr Tafcl, als in der obersten Einfassung beim Kircher Fig. 9, in der untcrstcn Fig. 3l>, etwas von dem Kinn hcrabhängcn, welches einem Barte nicht unähnlich sieht. Dieses haben auch Fig. 2, iu dcr Einfassung, dcr Habicht mit dcm Kopfe des Horuo, welches pignorius für den Schweif einer Schlange hält; S. 6l): o eujus mento ilepenilet l'erueriti-; caucla, vill ego male cooji»io, »euiiunc viclelieet in wenluiu iulixu. — Und sogar die kauernde Figur mit dem halben Monde auf dem Kopfe, auf dem Schiffe des Anubis, in dcr Einfassung Fig. welche pignorius für cinc Isis hält; ja auch dcr Horus im drit tcn Felde beym pignorius, XK, nnd in dcm zwcytcu Felde, Fig. V, welches nach dem pignorius gleichfalls Horus oder Orus ist. Die Gesichter aller, sowohl menschlicher als thierischer Fignrcn, die großer» in den drei Feldern sowohl, als die kleinern in dcr Einsas- sung, sind alle im vollkommcncn Profil; außcr dcm Brustbildc in dcm mittclstcn Feloc, Zig. IVI. beim Äircher, ivelchc dieser zn seiner 'l'iias ^iiciuia Ileculina rechnet, und also eben sowohl für cinc Gottheit an- Fragment über die Isischc Tafel. 203 nimmt, als die andern völligen Figuren. Aber eben daß es nur ein Brustbild ist, läßt mich vermuthen, daß es auch weiter nichts, als eine Verzierung vorstellen soll, dergleichen sich in dem Laubwerke, welches die innern Felder von der Einfassung haben, mehrere befinden. Eben dieses Brustbild ruht auf den zwei Säulen an dem Thore der Isis mitten in dieser Tafel; und die Vcrgleichung zeigt, daß die Fignr V. welche Rircher für eine tteeale Leol^Uica (S.101 ) hält, weiter nichts, als eine solche Säule ist. 3. Alle menschliche Figuren sind barsnß, anßcr die zwei, welche in der miltclstcn Reihe oben um den Apio, sowohl rechter als linker Hand, stehen, und Priester desselben zu seyn scheinen. Bey diesen laufen über der Hacke, nach dem platten Fnße zu, Riemen, welche nichts anders, als eine Art von Schuhen, bedeuten können. Win- r'clmam, muß sie nicht bemerkt haben, weil er sonst (Gesch. d. K. S. 62.) nicht sagen könnte: „Schuhe und Sohlen hat keine einzige „ägyptische Figur." 4. ?aß Sistrum ist nicht allein in der Einfassung der Tafel, Fig. 1. beim Aircher, wie Herr ^vinr'clmann sagt, (Gesch. d. K. S. 46.) sondern auch i» dem dritten Felde der Tafel selbst, bey der Figur ll. »ach dem Rirchev. 5. Zwischen der Einfassung und den drei Feldern läuft ans allen vier Seite» noch ein Rand mit groteskem Laubwerk. Und dieses Laubwerk ist cS, welches mir das Aller der Tafel sehr verdächtig macht; indem dergleichen, nach dem Fcngnissc des Vitruvius/ 1^. VII, c. 5. erst z» seiner Feit aufgekommen ist. In diefcS Laubwerk sind Mcnschcnköpfc mir cingeflochlcn. Kleinere antiquarische Fragmente. i. Karyatiden. Äcn Ursprung dieser signrirlcn Säulen meldet Virruv gleich zu Anfange seines Werks, wenn er ein Krempel anführen will, wie nütz lich einem Architekten auch die Kenntniß der Geschichte sey, um von verschiedenen Verzierungen seiner Werke Rechenschaft geben zu können - '.'01 Kleinere antignarischc Fragmente. Oai^a olvilas ^elovooiiek!, euni poikis Iiottiuus conlra Liaeeiuni euiil'ensit, Zolles t^iaeei, per vi'eloriam gloriol'o vello livei.ili, vommum eonlilic» l^ar^alilius Iiellum iviiixeiunt. Itgyue opviijo Lapl», viris inleiseelis, eivitato «lelela, matronas eurum i» lei vilu- iem oulluxeiunl. IVeo sunk pasli, slolas, nel^ue oinnlu» m!>Irn»u>es «Zepnnei'e; uti nvn uno triumolic» lZueeioiilui', seil seleiuo servitu- tis exemiilo -zravi eontumelia prellae poenas llare vicloienlur pro civilate. Icleo c^ui tune sieliiteeli sueiunk, gecZilloiis pulilieis lle- liAiigveiuud esruiu imugines oneiü sere»6o collocslgs, ut oliaiu pottens nola poena peceati (!ai-^i>lium memoiiae traclerekur. Wenn dieses seine Nichtigkeit hat, so werden auch die Karyatiden des Diogenes in dein Pantheon ° dergleichen weibliche, zn Säulen dienende, Figuren gewesen seyn; und ich gestehe es, daß ich nichts davon begreife, wenn Herr 'winkelmann bey Gelegenheit dieses Künstlers schreibt:" „Aller Wahrscheinlichkeit nach ist noch eine von den Karyatiden „des Diogenes von Athen, welche im Pantheon standen, übrig; sie „steht unerkannt in dem Hofe des Pallastes Farncse. SS ist die „Hälfte einer männlichen unbekleidete» Figur bis auf das Mittel, ohne „Arme. Sie tragt auf dem Kopfe eine Art eines KorbcS, welcher „nicht mit der Figur aus Einem Stücke gearbeitet ist. An dem „Korbe bemerkt man Spuren von etwas Hervorragendem, und allem „Anschein nach sind cS vorgestellte Blätter gewesen, welche denselben „bekleidet haben; auf eben die Art, wie ein solcher bewachsener Korb „einem KallimachuS das Bild jn einem korinthischen Kapital soll gc- „geben haben. Tiese halbe Figur hat etwa acht römische Palmen, „und der Korb drittehalb. ES ist also eine Statue gewesen, die das „ wahre Verhältniß zu der attischen Ordnung im Pantheon hat, welche „etwa neunzehn Palmen hoch ist. WaS einige Scribeulen bisher für „dergleichen Karyatiden angesehen haben, zeugt von ihrer großen Unwissenheit." Hier citirt er deS Demonitv/» (?a>Ius liomae IIolpe8, p, 12., den ich denn nothwendig nachsehen müßte. — Indeß ist mir mancherley in den Worten des Herrn N). sehr verdächtig. Seine Karyatide ist eine männliche Figur; nach dem Virruv aber stellten dergleichen Säulen nur Weiber vor. Vie Mäuuer von Karya hatten alle über die Klinge springen müssen. ° r.. xxxvi., li. s. °° Geschichte der Kunst, S. 387. Kleinere antiquarische Fragmente. So viel muß ich zwar gestehen, daß mir die Erzählung vitruv's ziemlich fabelhaft scheint. Aarya ivar ein geringer Flecken in dem lakonischen Gebiete; wie konnte dieser sich unterstehen, mit den Persern gemeinschaftliche Sache zu machen? Auch erwähnt kein einziger aller Geschichtschreiber hiervon das Geringste. Rarya, sagt pausanias," oder, nach ihm, Raryä, war der Diana und den Nymphen geweiht, deren Fest die laccdämonischcn Jungfrauen alljährlich daselbst mit feyerlichen Tänzen begingen. Karyatiden heißen daher auch dergleichen zu Ehren der Diana tanzende spartanische Jungfrauen; und solche Raryatidei, waren die vom prarirelcs/ deren plinius°° gedenkt, wie aus der Gesellschaft, in die er sie mit den Mänadcn nnd Tbyadcn setzt, zu schließen ist. Harduin hat daher sehr Unrecht, wenn er diese Karyatiden des Praxiteles mit denen des Diogenes für einerley Vorstellungen hält, und bey Gelegenheit dieser in seinen Noten ans sie zurückweist. Vergleichen tanzende Karyatide» waren auf dem Ningc des Dlcarch. °" _ >. Z8K. ^«,ii'»5 ite piclur» Velerum, r>. tt4. Kleinere antignarischc Fragmente. Stcinc also, auf welche» man mit Auslassung des V liefet, sind für untergeschoben zu halten; wie sie sich denn auch schon durch die nnzierlichen Buchstaben selbst verrathen, die dieser Knnstlcr sehr gleich und schön zu graben pflegte." Er brauchte die Vorsicht, ihren Umriß erst mit tiefen Pnnkten anzugeben, welche an den äußersten Spitzen derselben noch jetzt sichtbar sind. peirescius, den Lagarre diese Punkte bemerken ließ, vermuthete, daß es Löcher zu Stiften wären, mit welchen man kleine metallene Buchstaben darin befestigt hätte. <üum sliriuiliu?, sagt Stosch," in Iiilerioliove loraminulis. cruae ex /^e/i^/cii lenken!!», nt Iinuet, 6?»^enc/,l-5 in ejus vila, extantes ex melallc» «li^uo lileras elavis relineliant. — 8ecl uaee /^«T-^/c//, tsuli viii, 6ixerim, ^ in .iliis gemmis inscriplis, nr.ieseilim eju5^/i<>, ae alioium, sorammula illa, li allenlius veulvirue ar- malo inl'vieiglltul', invenire ckt; slnamnliiein pulaveriw, all lilera? >lillrili»en5, reeln ac aeezun online ,i>>l!>nll!>s, in uniuscujnsline earum exlremilsle seslnloies ellorm.ilile, nlcziie ii, czui iwe arli- lieium niseleimisere, inaelzualc!« ac inelegimtes, >ik in nluiilinü -iliis gernmis vliservalur, inlculjiseiunl. — Stosch hat ohne Zweifel Necht. Ich will indeß doch die Stelle des Gasscndus selbst an- fnhrcn, weil ich eine Frage dabei? zu thun habe, und die Vermulbung des pcirescins dem ungeachtet sinnreich, und bey andern ähnlichen Fällen, an größer» .Knnstwcrkcn, besonders an Gebäuden, anzuwenden ist: t)uia vera inler celer.i A»Att,','itt> vullu», eeleviis illinü /^/»/^nT'tt/,^ ^«A»/^- eaelstcnis, manu; ise keiie: o-z o OOoo^ovOO 0 O. 0 O OOOO O "oOO00 ki «Zepielis in allia cliarla, uk inox vlt lsolum, soraminu- ° Kemmüe ilntiliunv v!»'!!»«« .^^-/c/iii, p. 1Z. Zt. °° Ikiil. p. 3S. Kleinere antiquarische Fragmente. 207 lis, lineas intei-cluxit, ljuao eas lilerag in siune moiZum ex- »rimei enl: 8ie 5a inlerprelalnm m'xit soiamina cmaccZam, «zuae visevsnkur Hl'iilu in anli^un, neseici tzuo lemnlo. iüum eoim newo «Zicere nollvt, ecc>ni6 illa si^nilic-irenk, mvinavit inte, ioseriplinnem clls, seu 6ellieatinnem saclam ^OVI O??. kl.^X. IlZczue v'emonstiavit per liueas soiamina sie eoimcclcntes: Bv: i)?°r 8ic speravit se inlerp^elaiui-um seriem '- 208 Kleinere antignarischc Fragmente. nennen sollen. Denn, es sey nun, daß man eaclalura und lcalnlura entweder mit dem G.uintilian ° nach den Materien, in welche beide arbeiteten; oder, mit dem Aldus Mmnirius °° nach der Form nntcr- terschcidc: so ist die Arbeit eines Dioskoridcs doch niemals e.iela- tvra. Nach dem S^uintilian nicht, weil diese bloß in Metallen, nicht aber in Holz und Steinen Statt findet; nach dem Manutius nicht, weil cselalura bloß erhabene, getriebene, halbrunde Arbeit bezeichnet; »crtiefte Arbeit aber, so wie ganz runde, allein der lcalnlura zukommt. WaS man aus der varronischen Ableitung des Wortes caeluw von cavuw°°° dagegen einwenden kennte, ist nichtig; denn die Bedeutung der Wörter muß nicht nach ihrer Ableitung, sondern nach ihrem Gebrauche, bestimmt werden. Selbst die Stelle des Apulejus f wo er von des pyrgorelcs Bildnissen Alexanders, welche in Edelstein waren, caelamen, eaela- mine excluoeie, braucht, kann den Gassendi nicht entschuldigen. Denn aus der Folge sieht mau, daß Apulejus nicht vertiefte, sondern erhabene Bildnisse meint, indem er sie lorcumala nennt. Dergleichen aber sind die Kunstwerke des Dioskorides nicht, und vielleicht waren eS auch die Arbeiten des pyr-goreleo nicht. Denn cS ist sehr wahrscheinlich, daß eS Apulejus eben so wenig verstanden hat, als Gassendi/ sich über solche Dinge gehörig und eigentlich auszudrücken. 3. Grottcsken. pignoriusfl- leitet sie von der unförmlichen ZeichnungSart der Acgypter her, dergleichen auch auf der Jsischcn Tafel vorkommt: Lx Iiis imi>eii>i-i lielinealinniuus »on male cjuoiundam 1'enleiilia anutl ^linium conliimatur, linearem pielursm ^eg^plii invenlum esse; curn iusce convenirv viclealur, <^uo6 cle iiisanlin pielurae narrst ^e/ianu«, sileo iullciele pielores lune lem'ioiü« venieillum Iraelalle, ut scitcriveie vomina rerum veeello Iialieieiik. Digns res ulic^ue, ljuam I'iielisni veeunia miileliueiit. Lt Iiiiic primum msogll'e eenseo ego m'cluras illas, ezuas ^'iVr«^t„L I.in- kapere cxa-zilal, ^uosciuo noslii iu ervnlis komao invenlas /e/o/ie gsipellarurit <^ gvilke ariiprierunt. ° 7. II. csp. uN. lle «Zii-ieN!!» iier epislol-lm, l^. III. ep. S. I. IV. cle I.inkU» I.g>i«-t, ex eil. a»/, p. 1- ?loriilor. I>. I. i>. m. tv. 1"Z- Slens-i Islac-a, p. 13. eil. ?ris. Kleinere antiuaarische Fragmenle. 209 Allein die Grotteoken, welche vitruvius so sehr tadelt", waren eine Erfindung der Maler seiner Zeit, und mehr das vorsctzliche Werk einer ausschweifenden Einbildungskraft und eines Übeln Geschmacks, als Nachahmung des ägyptischen StylS. Ich wüßte auch nicht, waS die Künstler zu Vitruvs Zeiten hätte bewegen können, den ägyptischen Styl nachzuahmen. Der ägyptische Aberglaube hatte damals noch keinen so allgemeinen Beifall unter den Römern gefunden, daß die durch denselben eingeführten Figuren die Kunst hätten verderben können. 4. Ueber die Mängel des antiquarischen Studiums. DaS Studium des Antiquars ist ein sehr armseliges Studium! Wie viel Ungewißheit, anch da, wo er nichts als Untrüglichkcit zu erblicken glaubt! Er steht z. B. eine alte Statue, aus welcher er nicht weiß was er machen soll. Doch endlich entdeckt er eine Aufschrift darauf; und nuuuichr scheint ihm nichts gewisser zu seyn, als daß die Statne wirklich das ist, waS die Aufschrift von ihr besagt. Als ob nicht auch die Alten aus Unwissenheit, aus Kinderey, und wer weiß aus was sonst noch für Ursachen, falsche Ausschriften hätten machen können! Nur ein paar Beyspiele hiervon. Als p. Clodius das HauS des vertriebenen Cicero niederreißen, und den Platz der Göttin der Freyheil heiligen lassen; was sagt Cicero von dem daselbst aufgerichteten Bilde dieser Göttin?" „Luwue nnIilVimum I^ilieilas kua «lciniu ileliuir iiollore, e- iiiuluciul» e maiinore in 1'euuloro uolilum 5uit. kloe c^uiiiaiii Iittmo iivliilis, von alioous »u live leligiulo I^ilieilalis facerlkolo, ml <>i»l>lum aellililslig ftmo ill'^artsvit. Lleriim cogilaiat onines l,is>e>ic!! muneii5 kj!le»ikoro luuei'üro. Ila^uo oinnia ligna, lalni- >U8. oi»al»enlviun> s^uvlZ 5»s>ci'suil i» lams <^ cuinmuiiivus loeis, lola o (^>!>et!ia allzuv iiisuli» »iiinivus, Iwvoiis ^>ouuli lioms»! e- ° l.. VII. S. °° Nr. >>ro tlnm» t>u>, ^.'Ni».,s V?c,ke XI. I ! 210 Kleinere antiquarische Fragmente. Iirem renunlmri, ki mcxlo e»sZcm nrima lilera comnelllorem 1n>- buillol olic^uom: acnZililutcm cluodus in loeis, narlim in ai'e.i, siar- lim in Iioilis snis eolloesvil: liANvm ilo Iiuslo mereliii'.i» u>)Ialnm ifli 6e^Iil, ^uo6 elk'et liznum m.izig ittorum, c^unm nuvlicac! lilivr tslis. Ilano . 2.) daraus erweise» will, daß die Wörter: kignum, limulacrum und imaxo als gleichbedeutend gebraucht worden. Allein, cS ist falsch. 8ignum ist zwar das allgemeine Wort; allein limulacruru und imaga wird «ur in so fern von dem lignn gesagt, als dieses eine gewisse Person wirklich vorstellt, und nicht bloß anzeigt; wie hier die tanagräischc Buhlcriu. ?aS Ikonischc macht das liAnnm zum limulaerum und zur im.i^o; und diesen Unterschied hat Figrcliiis gar nicht angemerkt. Ein zweytes Beyspiel dieser Art ist das Verfahren der Einwohner von RhoduS, wider welches Dio Chrvsostomus in einer ganzen Rede geeifert hat." ° Nehmlich in der 3lsic» Siede, ?oöl«-,. ZJ8. ss. wo auch niehrcre Beyspiele dieser Art »»geführt werde». Dergleichen geschah entweder mit Vorsatz, oder ans Unwissenheit. Mit Absicht, wie in dem eben gedachte» Falle. So wurde» auch zuweilen Namen berühmter Männer in die Stelle der Eo'ltcriiamen gesetzt, und umgekehrt. Auch veranlaßte die Schmcichclcv zuweilen diese Vertauschung, wen» ma» z.B. die Bildsäule» der Kaiser »ut Göttcrnamcn bezeichnete. Vo» der Unwissenheit, aus welcher Mumnius den Staiucn falsche Inschriften gebe» iicß, werden von eben dem Dio Thrvsostomus vcrschicdnc Beyspiele angeführt f). — Man sieht aus dem alle«, wie unsicher die A»gabc» der, auf diese Weise oft umgeänderte», oft erst spät hinzugesetzten, Name» ans Bildsäulen, Herme», Bnsicn und geschnittene» Steinen sind. Und mochte dies nur der emziqc Umstand sey», der das Studium des Altertumsforschers schwankend und »»sicher macht! Kleinere antiquarische Fragmente. 211 e.°) Anmerkungen zu Fueßlkns Künstler-Lexikon. Donat Rascicotti Nicht Rasciolti, wie er beym Fucßlin heißt, war ein Kupferstecher ju Venedig, um 1669. Diese Data finde ich auf einer Sammlung von Lctavblätlcrn, an der Zahl 14, welche wollüstige Figuren enthalten, lauter nackte Nymphen und Weiber aus der Fabel und Bibel, zum Theil unter den Händen geiler Satyrn. Nach wem Rascicotti diese Blatter gestochen, wird nicht angegeben; sie sind aber von sehr richtiger und schöner Zeichnung. Crispin de PaS. Den ich beym F. gar nicht finde, ob er gleich so vieles nach seiner und andrer Zeichnung gestochen. Itzt merke ich nur seine Blätter, an der Zahl 6tZ in klein länglich Lctav an, welche Geschichten aus dem Alten Testamente vorstellen: und besonders wegen eines Einfalles, der artig genug ist. Nemlich, die Stücke sind auf die gewöhnliche Kupfcrsicchcrarl schrafsirt und behandelt; nur in verschiedncn von den erstem, wo Gott vorkommt, ist diese Figur Gottes mit bloßen Punkten, nach Art des Ouug »lalle!, ausgedrückt, um die mehr dem Geiste als den groben Sinnen empfindbare Gegenwart des Schöpfers auszudrücken. — Crispin de PaS, oder wie er auch auf seinen Kupfern heißt, PassänS, ja auch van de Passe, arbeitete znCölln, wo er unter andern die vier Evangelisten nach Lelcloi'pius Lorlxius auf 4 Zolioblältcrn, jeden in halber Figur, herausgegeben. Abr. Bloemaerl. Auf seinem Bildnisse nach P. Mvrclsen, das I. Mathan gestochen, flehet, daß er IlZW, 43 Jahr alt gewesen. Er muß also 16K7, nicht K9, wie das Fucßlinschc Lczicon sagt, geboren seyn. Gio. Ghirardini. Ein Maler, der 1698 nach China reiste, und seine Reise Franjö- sisch, mit untergemengte» Italiänischen und Französischen Versen, beschrieben hat. Sie ist 17M gedruckt, uud unter den Rcisebeschreibuii- gcn in unserer Bibliothek. David VinckboonS oder NinkbocnS. Richt Winckcnbooms, wie ihn F. schreibt, welcher auch ganz gewiß fälschlich von ihm sagt: daß er ungefähr 22 schöne Kupferstiche °) Nc>, e. 7. 3 von Füllcborn herausgegeben i» Lcssings Lebe» I», (1705) S. 387. 14« 212 Kleinere antiquarische Fragmente. verfertiget. Ich wüßte nicht, daß er in Knpfcr gestochen: wohl aber haben Nie. dc Bruyn, Joh. Londcrscel, (?. Swancnbusch, sehr große lind schöne, desgleichen Mathan, P. Scrwoulcr, Hcsscl nnd (5. I. Visfhcr kleinere Stücke nach ihm gestochen, lind zwar Mathan eine Folge von 12 kleinen mythologischen Stücken, nnd P. Serwonlcr 10 kleine längliche Iagdstücke, die zu Amsterdam bet) (5, I. Visshcr herausgekommen. Sein Zeichen ist Chevalier Bcrcnni. Finde ich bey F. nicht, er soll an dem Monnmcnt des Kardinals Friedrich, Landgrafen zu Hcsscndarmsiadt, in einer Kapelle der Tomkirchc zu BrcSlan gearbeitet haben. S. die Reise nach BrcSlan in der Kidl. <^im-m. I'. X. p. 120. Bernini kann cS nicht seyn, welcher bereits 1680 gestorben war. 5ic andern Mitarbeiter, Hcr- cule Fcrretta und Dominico Guidi, starben, jener 1l»8l!, dieser 1701. Anmerkung zu Hcknekc'ns Ill^c -zenernle 6'une f'vlleelinn comnl. li'Lslam^es. Daniel, HicronyniuS und LambcrluS Hopser. Wie Heinile (Iilve -Zone,'. 4^1.) diese alten Meister, die nm 1527 und folgende Jahre gelebt nnd gearbeitet, unter die Holzschneider setzen können, kann ich nicht begreifen. Ich habe von keinem einzigen Holzschnitte gesehen, wohl aber ein Paar hundert in Kupfer gestochene, meist radirte Blätter, unter welchen sich verschicdne Nach, ahmungen und Lopicn von Turcrn befinden. 8. Vermischte Anmerkungen und Nachrichten. Gemälde von der Hölle. Ich erinnere mich, daß ich mich ehedem über ein altes Gcmäldc, ich weiß nicht mehr in welche», Kloster zu HildcSheim, gewundert habe, welches lauge vor der Reformation gemacht war, nn>d auf welchem die Hölle zu sehen, in der geistliche Personen von allem Range sich fanden. Jetzt sehe ich aus einer Stelle beym Lnthcr, in seinem HanSWorst, daß dieses nichts besonders, sondern die gewöhnliche Weise gewesen, die Hölle zu malen: „Vorzeilen da die Maler das jüngste M- Kleinere antiquarische Fragmente. 213 „Berichte iiialeleii, bildeten sie die Hellen einen großen Trachcn-Kopf, „mit sehr weitem Rache», darum mitten in der Glut, stunden der „Papst, Cardinal, Bisschove, Pfaffen, Mönche, Kaiser, Könige, Fnr- „sten, allerley Mann und Weiber, doch kein Jung Kind." Gratiana le Wrtght. So hieß die Englische Malerin, welche zu London 1664 den Prinzen Ferdinand Albrecht von Brauuschweig und Lüneburg gemalt. Sie scheint von Geburt eine Italienerin gewesen zu seyn, und die Frau vom Michael Wrighl, die er ohne Zweifel bey seinem ersten Aufenthalte in Italien gcheirathet. Es ist aber doch sonderbar, daß Wal- pole nichts von ihr weiß. Lodovico Dolce (vuleius). Weder Ghilini" noch Papadopoli" sagen etwas von dem Plagio, welches Tolcc an dem Camillo Leonardo begangen; sondern beyde zählen seinen IVallato ü'ollo (lemme nicht uutcr seine llcbersetzungen, sondern unter seine eignen Werke. Er ist zuerst gedruckt zu Venedig 1666 in 8. Ich habe einen spätern Druck ebendaher von 1617 vor mir. Camillo Massimi. Ein Römer von Geburt, und Cardinal von der ersten Promotion Clemens des X, im Jahr 1670. Er war einige Zeit NuntiuS in Spanien, und starb den 12ten September 1677. Er sammelte ein großes Merk >Ie I?icluiis Velerum, für welches er alle llcberbleibsel von alten Gemälde» durch geschickte Hände in Wasserfarben genau ko< piren ließ. Einen große» Theil davon halte Pietro Santi Bartoli gemalt, besonders die Gemälde aus dem Nasonischcn Grabmales), die nunmehr bis auf wenige Stucke verschwunden, so daß man sich jetzt nur allein aus diesem Werke des CardinalS Massimi eine» Begriff von ihrem wahren Colorit machen könnte. Von den Gemälden in den Ruinen der Bäder des TiluS fand er in der Bibliothek des ESkurials sehr schöne colorirtc Zeichnungen, die er copircn ließ und seinem Werte einverleibtes). Er besaß selbst vcrschicdnc alle Gemälde, die nach seinem Tode ln die Hände des MauiuiS Massimi seines Anver- wandten kamen, und die de la Chaussc siechen lassend). Die ganze ° '>'!»!!»»» ll Il»u»ii»i IcNcnUi, kliliUw s. p. 284. °° IlM»r. l!v>». t'-tli^viiii >r', II. i>. LZI. Vvnel. 17ZK. k«I. ^V) vLNuiui-i a>! küiipl. si-iniIiUui >!is>i»i>iiinu V. »I>. >!viu»l 't'Iivs. ^V>U>i>. Noi». I. XII. I>- tt>,'1!). Oui»>i»iij »>Uoi» vw. II) UoNulittti I. c, >>. tUü!>. t'oii»!>(! i>ivlur!uum e:iiuiNz >iu->i- i» t!»- >>«.'»> >!»>uc> <.') In den l'illux- üuiicUl! (It-Uu viulv >Il Itumu. lli-llui. l> lillv, ^ 214 Kleinere antiquarische Fragmente. Sammlung von den Zcichnnngcn aber ist nachher nach England an den D. Mead gckcmmmenv). Rijzus und Charadossus. In der Ilmverl'. des Earzoni p. 401, deutsche lieber- setzung, wird einiger neuern Steinschneider gedacht, als des Paulus Rizzus zu Venedig, und des Ambr. CharadossuS von Pavi, der für Papst Julius II. Diamanten geschnitten. I. de la Jove. Ein neuer Französischer Maler, pemtre orclinaiio du lioi en km, ^ca^ewie Ro^ale ile ?einture A 8culr>lur«z, welcher Trophäen, Oartoueues und andre dergleichen Verzierungen gemalt, die von G. Huauier ju Paris in besondern kleinen Wuchern gestochen worden, kloullou !e 5ili!. Ein neuer Franz. Maler, hat Trophäen, chinesische Verzierungen xicluras, rllin»li« Maxiini, sunt el Iise: >»tivilss ^tlunicli«, ex klinile l>i>rrl>!le eilili, cnise vilerlur Veneri u ^xwpli!» xenus Ileelenle; iclem ^cloni» relenlu» s Venere, eui» venu>un> ilurus essel ei eueres triuw XxmnUurum: «zuse reliiiuiuv e lerrs sneruitt crulse in r.xliuilii«, r>rvpe ^n>nl>ill>e»>rum. l?s ist also so gar gc»a» nicht, wenn Du Dos sagt, daß diese Gemälde aus dc» Bädcr» des Tilns genommen worden. Sie wurden nur in der biegend dieser Bätcr ausjzcgradc». ».Nellexi»»« eril. sur l-» poeNv et w ?ei»t. I. n. Selten wild ein Franzose nicht etwas mehr sagen, als ihn sein Wäbrma»» sagen lassen sollte. Und des Du Bos Währma»» kann hier Niemand anders ftp», als Belloriuo. Man vergleiche z. E. diese Stelle des Franzose» mit der i» der Note ») cilirlcn Stelle des letzter». I.e l.'!»rüinul lUassiini svoil s-,il u» Ire« liesu reeueil >Ie ce» nesseln«, el nur une itvnnlure liisurre, e'eluil U"Lsl>i>x»e, quil uvuit rknnorlv » Noiue le« rilu« xruinle« ricliesse« tle seil reeueil. I>uru»l su >o»eiulure il ^ uveU suil eenier u» norleseuille ui suren! Iruuvee« » Nome, I«r«>iu'on eu»n»ein,u llurunl le seiüieme sieele it suuiller nvec ur>leur llun« le« rui- »e» eie. l>. e. n. J5V.) Es Ware» blos! die Gemälde aus den Bädern des Tilus, wovon der bardinal in Spanien colorirtc ?lbzcich»»»gc» fand. Ilud was ist das denn für eine uvunlure iiisuire? Die Spanische» Abzeichnn», qe» wäre» früher, u»d ohne Zweifel zu einer Zeit gemacht, da die Colorilc der Gemälde von tcr Lust noch nicht so ansgcblcicht wäre». Vielleicht, das; zu dcs Cardinals Zeile» vcrschicdnc schon gar nicht nichr zu sehe» wäre», o) Dieses lerne ich aus dei» Du Bos l> c. !ii3). l.'e reeueil tle tlessei»« esl nulle Uenui« l>eu e» ^nglelerre, el est eulre le» »litiu« lie »lr. le Uoeleur klellll. .Kleinere antiquarische Fragmente. 215 und andere dergleichen Dinge erfunden und gezeichnet, welche von An- loinc Avclinc 1736 in sechs kleinen Büchern gestochen worden. Ueber die ältesten Deutschen Maler. Eine von den zuverlässigsten Quellen der wenigen Nachrichten, die wir von den ältesten Teutschen Malern haben, ist ohne Zweifel das Kapitel beym Vvympfel'NkZ", um 15V2 geschrieben. Ich ziehe es i»ir daher ganz aus. Nostiales czuo^ue ?!ctc>res ekle vmnium vrerslantiktimos vel in5a vxperientia (c^use rerum msgistra ekl) »nertislime 6ocet. Icones //!'«e/i« ^/e«!a?»ii zier univeilllm Luronam 6eli6eianlur, Iia- Iicntuiizue a m'eloiilius in I'ummo pretio. ()ui(I tle ^/«^/i,ic» S>c/i»>i Ke?Vit» I1u,c-' <^ inte -^leinannus Iiae temsiettate excelleiiti5limu8 ett, <^ IVureovergl« ima^ines lllil'vluiistiinas ckenin^it, czu« a mercstori- vus in Italiam lir>n5vc>rlantur, <^ illio a nroualil'Iimis nieloiiuas non minus niouantur «zuam I^ailiali! ant Hvellis taliuloe. ^oa?t- ,ic« //«/^ ^igentinenlis non ekt omitlenilus, ezui 5a >^ nturima vakn- lum l!e>!lium Genera, lzn>l' mcnlo luimana? vitoe utui lunt, iinli- cnnt liemonstianl. Iliv s»nt cmos ve! ('orovus ^ilienientis li- gulinsll oriis invcnlor ailmiraii uoltit Iau>jaie. Ich habe diese Stelle abgeschrieben nach dem Abdrucke der sich von WynipfclingS Werke in dein Basclschen Vneie IMoiieo" findet, das 157^ gedruckt ist. In der Original-Ausgabe, von 1505 zn SlraS- ° LliNon»! Nuium U>.'ri»iUlwttr»»>, ^!>>>. li!^. ill> l>i>Uli>!> ci' I'Iiimcv. " I. ,,. !>>!>. 216 Kleinere antiquarische Fragmente. bürg, lautet sie nicht völlig so: doch sind die Verschiedenheiten cl'cn von keinem Belang. Vom Israel von Mecheln, vom Martin Schön und von DürerN enthalt sie nichts, als was überall bekannt ist. Nur von dem StraSburger Maler, Johann Hiriz, den sie nnS kennen lehrt, finde ich sonst nirgends die allergeringste Erwähnung. Alte Deutsche Baukunst. Die Deutschen Maler mochten zu und vor 'Myinpselings Zeiten wohl eben so gut seyn, als sie in irgend einem Lande waren. Ob aber auch die Teutschen Baumeister damals das Lob verdienten, das ihnen Wympfeling giebt °, ist eine andere Frage. In ^reliiteelura Lermsoi exeellentiNmi lunr, Quorum irililleia ^enea» Hilvius mi- rari le potuille seribil non eommenäaie. Kunt meo, inauit, ju- ilieic» liieutoniei mir»liile8 klalliemalici, omnescjue genles in ^r- eliiteclura lupeisrit. Iloe Iiomo Ilaliis llv l-ermanis lestatur, nee sulla locjuutus ett, t^uoll ul coetera ocilillcia (c^uoe pat"lim in (^er- msnis mgßnilieerilillime exlruela lunt) omitlam, ^igenlinenle templum in nur aber, wie ich fürchte, die Worte des Aeneas Sylvius nicht auch diese Auslegung leiden, daß man die Gebäude der Deutschen eher bewundern als lobeu könne. Und es wäre auch gerade, was sich von der damals üblichen Gothischen Bauart sehr eigentlich sagen ließ, llngehenre Masse» von Stein, ohne Geschmack, oder wenigstens in ei- nein sehr kleinen Geschmacke aufgethürmt. Von den ältesten Italiänischen Kupferstechern. Ugi-c' Antonio IZolognete. S. Vasari ?a. III. Vol. I. p. 2W. kelLna pitliiee clvl v. Malvslia I. p. 63. Sein GeschlechlSname war lisimonlii. — Sein Zeichen ist i>il/ und, wie Christ sagt p. 3ö2 das leere Reißtäflcin. Das Lerjeichniß beym KIi>Ivo5ia von seinen Kupfern ist äußerst mangelhaft. Die Stücke, die er nach Dürern machte, und worüber Dürer so ungehalten ward, weil er sein Zeichen darauf gesetzt hatte, war die aus 36 Stücken bestehende Passion in 4lo, und Holzschnitten, welche mit dem Fall Adams anfängt und mit der Sendung des h. Geistes aufhört, lind diese machte er nicht in Holj, sondern in Kupfer nach. Ob wohl noch Exemplare davon vorhanden? ° csi>. ?s. Kleinere antiquarische Fragmente. 217 Hierauf arbeitete er »icisiens nach Rapliacl, jedoch nach dessen Tode anch nach ^ulio Noinano, der ans Bescheidenheit, so lange sein Meister lebte, nichts von sich wollte stechen lassen. Christ sagt p. 300, daß sich schon Stücke mit der Iahrzahl 1608 von ihm fanden. Anmerkung. Den Anfang des KupfcrsicchenS führt Lasari I. c. von nlaiis» l'iniguerra ^ioi-eolisc», der um 1460 seine niellirte Arbeit in Silber auf feuchtes Papier abzudrucken den Einfall gehabt; worin ihm ein andrer Goldschmied zu Florenz IZaeeie» LallZio! gefolgt. Dieses habe ^uclrea klairle-zna zu Rom erfahren, und daher Anlaß genommen, viele von seinen Werken zu stechen, und von ihm sey die Erfindung nach Flandern gekommen, wo sie ein berühmter Maler zu Antwerpen Namens Martin (der sich auf seinen Werken mit l>I. <ü. bezeichnet) in Uebung gebracht und vcrschicdne Stücke nach Italien geschickt. Was er hier von dem klantegna sagt, hatte er in dessen Leben ?i»t. II. p. 3!16. auch schon versichert, daß er nehmlich vcrschicdne Kupferstiche gemacht, v »a l'altie cciie leee i luoi triooli. Auch, sagt er, habe das Reinliche Antonio pallaillvlo, ei» Maler und Goldschmid zu Florenz, gethan. Aber haben denn die Jtaliäncr das geringste von diesen Leuten und ihren Arbeiten aufzniveiscii? lind wenn nicht; bleibt cS nicht immer der Niederländer Martin, der ohne Zweifel Martin Schön seyn soll, der nach dem Lasari die Kunst zuerst geübt. 2. klarec» >Ia liavoima. Ein Schüler des klare' Antonio, die teguü le tue tlauipe col legno cli üasaollc- Ii8., Nasari pa. III. V. 1. p. 306. 3. ^goktino Vencliano. Anch ein Schüler dcS klare' ^nkouic», clie te^nü Iv luv o^ere i» i^uesta manieia /V.V. Nasari I. c. Er und klareo 6a liavcuua, haben zusammen gearbeitet, wie Aasari sagt. Polidoro da Caravaggio. Ohne Lehrmeister und ohne Schüler. Denn ob er schon unter den Schülern des Raphacl, denen er den Mörtel zutrug, zur Malerei) Lust bekam und seinen Berns erkannte, so kann er doch im geringste» nicht uuter die Schüler des Naphacl gcrcchnct wcrdc». Er maltc mit scincm Freunde und (Lchülfcn dem Maturiuo, fast nichts, als große Frcskogcmäldc, meistens auf die Außcuseilcn der Häuser, grau in 218 Kleinere antiquarische Fragmcnlc. grau. Mit Farben zu malen, wollte ihnen nicht gelingen. Doch hat Polidoro in den letzten Jahren einige gute Staffelcygcmäide in Ocl gemacht. In jenen seiner großem Gemälde brachte er häufig Alter, lhümcr an, wodurch er allerdings der gelehrteste von allen Römischen Malern zu sehn scheint. Nur, denke ich, muß man mit diesen Alterthümern in seinen Gemälden nichts beweisen wollen, weil die feurige Einbildungskraft des Meisters sie so wenig in ihrer ursprünglichen Einfalt ließ, daß sie vielmehr alles verschönerte und übertrieb. Man sehe nur die acht Gottheiten, die Golzius nach ihm gestochen. — Po- lidoro verließ Rom nach der Plünderung von 1527, und ward in Mcssina, wo er die Triumphbogen zu dem Einzüge Carls des V., der von Tunis zurückkam, gemalt hatte, von seinem Bedienten, indem er nach Rom zurückkehren wollte, umgebracht. Lasari I?. III. V. I. 262. kitraire alla maceliia Sagen die Maler, wenn die Person nicht sitzen und sich malen lassen will, und sie ihr Bild stehlen müssen. So wollte sich Maglia- bcchi durchaus nicht malen lassen, und mußte ihn daher Tandini t>ill»i'0 1'ic»enli»o, tni'mgilo, como li luol iliie, slla maccliiu. N-Zi'iui im Leben des Magliali. Cioiualu «lo' I^ettor. ä'lwl.l'. 32-11.2!). Apollo als Hirt. Ich erinnere mich, ich weiß nicht von welchem Meister, in Kupfer eine Nerbanuung des Apoll, den Gott nemlich als Hirten des Admc- tus, gesehen zu haben. Ter Meister halte dem Gott die gewöhnliche Lcyer oder Cithcr in die Hand gegeben. Aber das ist falsch, und Apollo muß in dieser Situation ein Haberrohr haben. Denn TibnlluS läßt ihn liu. III. ei. 4. 67. selber sagen: üle huonu'am ^clmeli nivecis pavillo juvoooos Nor> in vanum laliula lieta joeum. "I'unc: ego nee cilliai!» ^olersm gaucleie sonora, IXee Lmilc-s elwrl^!s redclei'v vciee tuuo8: t>e.) Er war ein Schüler des Georg SabinuS. Lco»l?ard Abcl: wie er beim Jocher heißt! >""ß Abcla heißen. Er ward vom Papst Gregor Xlll. im I. 1578 zum Ve- lvuv» eli ^ieluuia, und 1582 zuu: iXuulio ^uollulieo ullv ^>arli . Z5i. Giov- Francesco Abela, Seine Beschreibung von Malta ist italiänisch und in vier Büchern. Sie ist in Malta selbst gedruckt, 1647. Fol., und daher ohne Zweifel in hiesigen Gegenden selten. Er nennt sich auf dem Titel: Viceeaneellieie ö'ella lsciü emmovlit- lima kelixiooe Lierolvlimilaim; und auf dem Titclkupfer heißt er cÄmme»l?a,o,' ^üe/a. (W. B. 260. Z. Litt, /oi.) Abraras. So nennen die Antiquare eine Art von geschnittenen Steinen, auf welchen sich gnostischc Bilder oder Aufschriften befinden; weil auf dem größern Theile derselben dieser Name, unter welchem Basilides die Sonne, oder Christum als die Sonne der Gerechtigkeit verstand, vorkommt. Das Wort selbst ist von der Erfindung des Basilides, und weder griechischen, noch hebräischen, noch ägyptischen Ursprungs; sondern eS sind bloß zusammen genommene griechische Buchstaben, die nach ihrem vslore oumerico Z66, als die Zahl der Tage im Jahre ansinachcn. — 1. — 2. iz — 100. « — 1. o- — 200. -2 — 1. 5 ^ 60. Denn eS wird eben sowohl Abrasar als AbraraS ausgesprochen. Der überzeugendste Beweis hicvon ist dieser, daß sich dergleichen Steine finden, ans welchen, anstatt des Worts Abraras, die Buchstabe» ^4- stehen, welche gleichfalls 365 ausmachen. — Man sehe hiervon mit mehrere», eine eigne Abhand- lnng in den klilcellimeis I^inlienlilius novis, Vol. VII. 1'. 1. von Paul Ernst JablonSki: lle IXomiois vera ek genui»!» ligniliealione. Montfaucon macht sieben vcrschicdnc Klassen solcher Steine, nach den verschiedenen Bildern und Aufschriften, die auf denselben vorkommen. (S. den deutschen Auszug, S. 210.) Die Abraras erklärt Winkelmann für unwürdig, in Absicht der Kunst in Betrachtung gezogen zu werden. Abulola Ahmed. Lin berühmter arabischer Dichter. Er lebte zu Maarra in Syrien, in der ersten Hälfte des cilften Iahrhun dcrtS, hatte bereits in seinem dritten Jahre durch die Blattern das Gesicht verloren, und konnte sich, wie er sagte, von allein, was er vorher gesehen, nur der einzigen rothen Farbe aiinoch erinnern. Gleichwohl sollen in seinem Gedichte Schildcruugen sichtbarer Gegenstände vorkommen, denen es weder an Wahrheit noch Lebhaftigkeit Kollcktaneen zur Literatur. 221 fehlt. GvliuS(°) hat einiges von seinen Gedichten, besonders den Anfang desjenigen, welches der Fnnkc betitelt ist, drucken lassen; und cS verlohnt sich der Mühe, jenes Vorgeben daraus näher zu beleuchten. Acanrhus. So hieß der erste, welcher in der fünfzehnten Olympiade ohne Schurz zu EliS lief; und Baudclot ist irrig, der die gänzliche Entblößung erst zwischen der drei und sicbcnzigsicn mid sechs und sicbenzigstcn Olympias aufgekommen zu seyn behauptet. Wiukelm. Gesch. d. K. S. 330. — Winkclmann'S Währmann ist Tionys von Halikarnaß. — PansaniaS indeß sagt, es sey OrsippuS gewesen, welcher in den olympischen Spielen zuerst ganz nackend gesiegt habe. I. c. 44. p. 106.) Doch PausauiaS und DionyS sind zu vergleichen. OrsippuS war der erste, dem der Schurz im Laufen entfiel, oder der ihn, wie PausauiaS sagt, mit Fleiß fallen ließ, und so siegte. Nach ihm ward eS erst ordentlich eingeführt, nackend zu laufen; und nach dieser Einführung war Acan- thuS der erste Sieger dieser Art. Nur müßte sonach OrsippuS nicht in der fnnszchnten, sondern in der vierzehnten Olympias gesiegt haben. Acharonyx, °) Ich habe in den Antiquarischen Briefen gesagt: daß dieser Raine keinen Verstand gebe. Wenn er aber ja noch eine» geben kann, so wäre cS dieser, welchen ihm Brückmanii giebt (Ab ha ndl. von Edelsteinen, S. 81.)- daß Achatonyx ein solcher Lnyr sey, welcher mit Achat verbunden ist; der nämlich von dem Achate noch nicht völlig abgesondert ist, in welchem er gewachsen. Aber was für Namen könnte man aus diesem Grunde nicht alle machen, wenn man alle die Edelsteine, die mit tcr Stewart, in welcher sie gewachsen, noch verbunden sind, zu besondern Arten machen wollte! Ein Rezensent in den Icnai scheu Gelehrten Zeitungen (St. 96. 1768.) will sich auch des Achatonyx annehmen. Er leugnet, daß man heut zu Tage unter dem Namen Achat, als einem GcschlcchtSnamcn, alle durchsichtige Hoinstcine begreife, und sagt: „Wir haben noch nie gehört, daß man den Chalccdon einen Achat (°) In ^Vnneiulicv na Kr!lmi»!U. ^Vrüli. ^/»entt, wo besonders MS. 226 nachzusehen ist. Das Gedicht: der Funke, balle bereits vor Golius, Johann Fabricius in seinem «necimine ^raliivo (gcdr. zu Rostock 16Z8) mit einer lateinischen Version, die aber nicht so genau, als die von Golius, scv» soll, drucken lassen. -) Bergl. Band Vlii, S. 170 ff. Z ._^_ 222 Kollcktanccn zur Literatur. „genannt." So muß der Mann überhaupt nicht viel von diesen Dingen gehört haben. Er hätte allenfalls nur Vogels Mineralogie S. 132 nachschlagen dürfen; und er würde beides gefunden haben: sowohl, daß Achat als der Eeschlechtsnamc für alle edlere Hornsieinc gebraucht, als auch, daß der Chalccdon unter die Achate gerechnet wird. „Der Name Achatonyx, fährt er fort, ist kein Monstrum, wie „Hr. Lessing glaubt; wenn gleich Achat und Onyx zu Einem Geschlechte gehören. Auf solche Art müßte der Ehalccdonyx auch ein „Monstrum seyn." Ich habe ihn ein Monstrum genannt, nicht in sofern Achat und Onyx zu Einem Geschlechte gehören, und nur verschiedene Arten des nämlichen Geschlechts sind, die sich allerdings zusammensetzen lassen, wie ich bei dem Sardonyx zugestanden habe, und auS dem Chalccdonyx nicht erst zu lernen brauche; sondern in sofern, als Achat das Geschlecht, und Onyx die Art ist, und alle Komposita aus Geschlecht und Art widersinnige Komposita sind. Daß aber von den neuern Naturalisien Achat wirklich als ein Geschlechts« name angenommen werde, deSfallS habe ich mich schon auf Vögeln berufen; und daß der Rezensent nicht glaube, daß dieses eine besondre Meinung von Vögeln sey, so darf er auch nur den Brück mann (von Edelsteinen, S. 8-),) nachsehen, der ausdrücklich schreibt: „Achat wird von den mehrcsten Schriftstellern, die von Edelsteinen „geschrieben haben, für das Hauptgeschlecht aller dieser Steine ausgegeben, welche in diesem Abschnitte sind beschrieben worden; z. E. von „halbdurchsichtigen Steinen wird der Chalcedon, der Karneol u. s. w., „von undurchsichtigen der Onyx, für Achat angenommen." Wie kann der Mann nun so in den Tag hinein schreiben, und seine Leser glauben machen, daß er es besser verstehe? — Diese Klassifikation des Achats, als Geschlecht, gründet sich auch wirklich auf der Betrachtung der Bestandtheile; und wenn ste Brückmann nicht gellen lassen will, so geschieht es nur wegen Erleichterung der Kenntniß der äußern Merkmale, und nicht wegen der Bestandtheile. Der Rezensent muß sein ganz eignes System der Steine haben. Denn er leugnet sogar, daß auch der Onyx unter die Achate gehöre; und daß die reguläre Lage der farbigen Streife den Achat zum Onyx mache, will er deswegen bezweifeln, „weil die Streife keine nothwendige Eigenschaft des Onyx sind, und es auch genug Achate giebt, „die eine reguläre Lage der farbigen Streife haben, und gleichwohl „darum noch nicht zu Onyxen werden." Allein anch desfalls verweise ich ihn auf Vogels Mineralogie, oder auf Hill's Thcophrast, der S. 86 sagt: ^'Iie (üolour ot llie grounil, »oil Negulaiilz^ ot Kollektanecn dcr Literatur. 223 Il>e ^orivs, are ilieresare Il>e ilislingiiisliioZ tüiaraclcrikties vs kliis klono-, snll in l!>e last, narlicull»!^, il o colours, Iiut vlaeecl in irrcZnIar elou6s, voin3 anä snols. Er sicht also, daß ich mit Leuten spreche, welche die Sache gewiß besser studirt haben, als er; und es verlohnt sich wohl dcr Mühe, das Oberste zu Unterst zu kehren, um den Herrn Klotz nicht Unrecht haben zu lassen, der sicherlich keinen Naturalisten in die Hände genommen hat, sondern seine Steinkcnntniß von den Antiquaren entlehnt, die so viele alberne Fehler darin begehen. Er nenne mir den Naturalisten oder den Alten, dcr das Wort Acharonyx gebraucht hat. (5s ist bloß aus dcr Fabrik der Antiquare, und ist, wie ich vermuthe, aus cinem Mißverständnisse in dcr Daktyliothck des Eorläus entstanden. Dcnn wenn es da auf den Kupfcrblättern öfters heißt: än. t>emm. teilst. On^x. inci. so hat man Achat Onyr znsammcn gelesen, da es doch zu trennen ist, und Achat sich auf den einen, und Onyx auf den andern Stcin bczieht, dic darübcr stchcn. Achilles Tatius. In dem Artikel von ihm beim Chaufcpic' wird dcr llcbcrsctzuugen seines Romans ins Italiänische und Französische gar nicht gedacht. Dieses ist zu ergänzen aus der Vorrede zn dcr fraiizösischcn llcbcrsctzung von 173>>, ü la II») o, in 12. Dicsc ist sehr frci, und von einem gewissen v ° °. Achilles Tat,us- Anmerkungen aus dessen Roman, nach der Ausgabe des Salmasius, I.ug6. L->t. 1640. 12. 1. Ans dem Ecmählde, welches dcr Schriftsteller von dcr Entführung dcr Europa zu Sidon sah, hielt Europa in der einen Hand, dcr linken, das Horn des SticrS, und mit dcr andern den Schweif: Xklyk? öl6rk7«?-ro, 1Z /tkv kiki. «ktz«?, ?z k^i o^lzav. Ich erinnere mich nicht, auf einem alten Denkmale die Rechte so angewandt gcschen zu haben. — Die Beschreibung des EcmähldcS ist übrigens sehr schön; und dic Schönheit dcr Europa besonders gut gcgcbcn: oi^rpaXo?, zico^iz rc?a^k>^, X«^«^« /«.a'o^ i-n,' <^k^i^>- 'Zijk^a icyox^-rrovrk?. panillae naululnm ineliimnlos. Dcr Ucbersctzcr 224 Kollckianeen zur Literatur. sagt nicht völlig recht: mociiee tumeliant; ob es schon wahr ist, daß die Brüste allerdings nicht zn stark seh» mußten, wenn sie schön seyn sollten; sie senkten sich nur ein wenig. ^-^« ist das Adverbium von ciuic:tus; denn sie waren unterbunden, mit der Zona, welche zugleich das Kleid zusammenhielt: ^ o-^^a^o^,?« i-o-v? /-.«^o-v? ««l rov x^^» kx?»klkv. — Doch, ich möchte fast zurücknehmen, was ich hier geschrieben. Die sich senkenden Brüste können auf keine Weise schön seyn; hingegen wohl das klare pspillas. Also mag auch wohl die Zona nicht unter, sondern über die Brüste sehn gebunden worden. Mit dem eigentlichen Namen hieß diese, ssl'ela ueekorüliZ, <^5->ö-?,,i.o? oder ^I-oö-o-,^?. ?o <^A>c>? heißt eigentlich der obere Theil der Brust, woran die Brüste sitzen; der untere heißt ^»o,', obschon Achilles selbst /^o-, r-ov sagt. Eine Stelle des AristanetS, die ich in den Auszügen aus diesem anführe, zeigt auch deutlich, daß die Zona über die Brüste gebunden wurde. >? I^ili. II. p. 66. Ein Beweis, daß man einzelne Stellen aus dem Homer kompouirt, und sie in die Cithcr gesungen hat. Leucippc nämlich ^tz^o^/l^v ^'crkv ^(Z/^^o^> rizv ?(>o? rov XkM'r« crvo? rl, «ce^ r^z «^ll?^? /«.ovcr-iz? k).i^ai^ki>' ^o<^o?'^>«i> k^M cl >/v Xl^i^v »otxl- >»>^. Dieses Halsband bestand ans drei Steinen, einem Hyacinth, einem Amethyst, und zwischen beiden einem gemachten Sardonyr. Aon dem Hyacinth heißt cS: tzoöov -y'v -V k,iI>u>. So einen rothen Stein würden wir jetzt eher einen Granat nennen; unsere jetzigen Hyacinthe müssen ins Gelbliche fallen. Von dem Amethyst: i-rc-c-^^tz-^o ^o-u nc-i.-o'o'll ^<7lm>, er röthcte mehr als Gold. Es ist bekannt, daß das alte Purpur ins Gelbliche siel; und es giebt auch weißlich-gelbe Amethyste, obgleich die Hauptfarbe violet ist. Den mittclsicu Stein nennt zwar Achilles Tatius nicht Sardonyr; aber eS war doch einer, nud zwar ein gemachter. Er bestand nämlich aus drei Steinen, rizv k'-raX^vt, die der Farbe nach mit einander abwechselten, aber doch «r-v^t^-vo-, waren, in Eins zusammengesetzt, so, daß «tz-izn'i? -ro-v ^lrS-on, oder die Grundlage, schwarz, -r-> ,<-.-crov cr^,»« weiß, der übrige höchste Theil aber -/-.^i-i-l» xvlz^-xov^kvov war. Denn so, glaub' ich, muß es heiße»; nicht, wie gedruckt ist, ^iii!,>i^ von -r^tzl-o?, fucrrolh. lind alle diese drei Steine zusammen stellten ein Auge vor. Diese Stelle erläutert vortrefflich die Geschichte und Kolleklaneen zur Literatur. 225 die Kunst der alten eompolllarum gemmsrum. Hierzu genommen das Halsband beim Aristänct, in welchem die Steine als Buchstaben gesetzt waren, die den Namen der Besitzerin ausmachten. 4. 1^. III. r>. 167, wird der Statue eines ^-.o? x«-5l->v, ^ol.«« zu Pelustum, gedacht. Sie stellte den Jupiter in seiner Jugend vor; und man hätte ihn für einen Apollo halten sollen: r-> s- a?«?^« ? kc-,,'to>os '^5o>^>'-, /t«Xt?-a kvlx^^. Er streckte die eine Hand aus, in der er einen Granatapfel hielt, -x" i-oikv -V -»^. Achilles setzt hinzu: ^5 6- goi«? » >.o),o? ^-u^>o?, er hatte eine verborgene Bedeutung. 6. In diesem Tempel dcS Jupiters zu Pelusium waren zwei Gemählde des EvanthcS, eines Meisters, dessen sonst nirgend Erwähnung geschieht. DaS eine stellte den gefesselten Prometheus, und das andre die gefesselte Andromeda vor. Aber, wenn in der lateinischen llcber- sctzung steht: Lvsnilii«: i)!eloris, cujus illiv cliam img^o «leziicls lueist; als ob auch das Bilduiß des Mahlers selbst da gewesen wäre; so besagt der griechische Text davon gar nichts. Beide Gemählde werden von dem Achilles mit großer Knnsi beschrieben; und diese Beschreibungen können als Muster in ihrer Art dienen. 6. 1^. 114. p. WZ. Die Beschreibung eines Theaterdolchs, wovon das Eisen in den Heft hineingeht. Er hatte sich unter der Gcräthschaft eines riov I« rov ^O/i-izlzov 7ll 5o,o- <>i/ttt, welches in des Nigaltii nnd LeunclavS Ausgabe fehlt, aus einem Mspt. der kaiscrl. Bibliothek (Lommeot. Lioliolli. Laes. 1^. VII. p. 263) herausgegeben: ob es Bayle mit angemerkt? Christoval Acosta. Begab sich nicht nur in die Einsamkeit, sondern schiicb auch einen Traktat, -7e vic/rr ^o/t/»--i. 4.) LessingS Werke xl. 15' 22k Kollektanecn zur Literatur, Acratus- Ein Freigelassener des Nero, dessen er sich, nebst dem SecunduS LarinaS, bediente, um alles, was ihnen an Kunstwerken in Griechenland gefiele, für ihn wegzunehmen, und nach Rom bringen zu lassen. Winkelmann, Gesch. d. K. S. 391. — Ich habe aber noch nicht finden können, woher Winkelmann die Namen dieser Leute hat. Acvolithi. Erklärt Winkelmann (Gesch. d. K. S. 16.) durch Statuen, an welchen nur die äußersten Theile von Stein waren. Aber den Beweis von dieser Erklärung ist er schuldig geblieben. Adam Anglicus. Ein scholastischer Philosoph, den Johannes SariSberiensis anfuhrt, und der also wenigstens im 12ten Jahrhundert muß gelebt haben; denn jener starb 1182. Es muß also ein andrer seyn, als der Schüler des Occam, mit dem er beim Joch er verwechselt wird. Joh. SartSb. führt von diesem Adam (klelal. I,. III. e. 3.) Örtern Dillereodi an, und sagt davon: Dlinam liene llixilket Iiona quae z//i/a> leminuila, «lormiens; et nual!>!im seitens, n-;!« I^'eiao. — Beim VioskoridcS heißt der Ort und der Fluß r°«)>a?, in Lycicn gelegen. — ^junt et in I^eucolls (so hieß ein Vorgebirge und eine Stadt in Pamphylicn) expelli maii. !Xi- xer e5t, ulanu?, uumieolu8, non mullum a ligno äilleren?, leviü, srgßilis, oclnre, ll leralur, gravi.-. Weil er nun sonach verschiedene Eigenschaften mit dem Bernstein gemein hat (wie denn auch Mcrbo- dus von ihm sagt: Vieions smleas lrgliit aUrilli cnlessclus;) so ist cS gekommen, daß man ihn überhaupt für nichts als einen schwarzen Bernstein gehalten, und dem Bernsteine selbst den Namen Agtstcin gegeben hat. Indeß ist der Gagath sowohl von der Steinkohle, als von dem Bernstein, zu unterscheiden, nnd von dem letzten, besonders daran, daß er keinen angenehmen Geruch, wie dieser, an sich hat. Er wird (sagt Logel in s. Mineralogie, S. 327,) in Frankreich, in England, nnd im Würtcnbcrgischcn, hänsig gefunden. — BoctiuS dc Boot (I.. II. e. 1K3.) sagt, daß die Franzosen den Gagat nennen, daß sie also gleichfalls, wie die deutschen, da§ vorderste A weglassen. In der alten franzos. Ilcbcrsctz. des Mcrbodus beißt er,/t,>/<-/. Jetzt schreibt und spricht man /ni«. °) S. 12«. 15" 228 Kollcktancen zur Literatur. Agathsn. In convivio ?Iatonis Locrates ailmiralur ^xallici- M3 auljaciam, l^ui coram tot Iiominum millibus nraeleoli animo recitsllet Iiagoelliam susm. du! ^ggtkon ressionllit, le vitius velle eoiam mullis iiominum millilius m'cere, c^uam onucj u»uni .^ooralem. ^Ic^ui in illis, innuik, millivus et 8ociates erat. ?it cuim miro woiio, ut ,nui no- l'>eioi>»m luoi'um cm.im sorlilu?, ziliil'aln et siuivl» numino lloinum polmleliüt, wie ApulejuS, -7« Deo Ko^-ntt«, sagt. — Diese n^,»»,-,'» mochten wohl auch zugleich seyn. Ein solches ni-mn^/i»» versteht ohne Zweifel Juvenal, init. 8at. VIII. uulcr k-n/.n.,-.- <)uis 5ruelu8 ßenniis lauula j^lin-o cnnücn <ü»rvinuw? MehrcrcS s. unten im Ariikel: /»>aAV,„>,>-, Kollektanecn zur Literatur. 2?>) Zlkari. Dieß hielten die Alten für das kleinste von allen Thieren, xizgu ^I'kroll sr«^-a^o^i.kV!o, wcrsrktz ^M'z v öiz öoxk-. c^c-xr^ov kiv«-, 7-/»' icavriov, «x«^t, >,i^xov «ai ^xyo,'. lüst. ^oimsl. Iv. V. c. 32. l?s erzeuge sich in allem Wachse und Holze. Wie viel unendlich kleinere haben uns die Vergrößerungsgläser entdeckt! Ar'roases. Eine Art von Vorlesungen oder Reden bei den Alten. Wie ihnen mit Nutzen und Anstand bcijnwohncn, davon handelt Plutarch in seiner Schrift -r-^-, ro^ «--^-v-»'. Die Philosophen, die dergleichen hielten, tadelte» und straften ihre Zuhörer namentlich so tapfer, als es stch wohl wenige unsrer Kanzelrcdner jemals unterstehen dürfen. Gleichwohl finde ich nicht, daß man ihnen ein Verbrechen daraus gemacht hätte. Vielmehr lehrt Plutarch, wie stch die Zuhörer auch in diesem Falle aufzuführen; und man kann nicht ohne Bewunderung lesen, welche Mäßigung er auch sogar demjenigen Zuhörer anrälh, dem der Philosoph unverdienter Weise den Text gelesen. Auch von diesem verlangt Plutarch, daß er geduldig bis ans Ende zuhöre, und fich erst nach der Rede bei dem Philosophen vertheidige, mit Bitte, 7^ Zk«ytz^c7l«?' kxktVTZ?- xcll 70V rovov w V^IV «kXtz^a^ «v^M', 6l? «>^^u? «,u,a<>ravo/lki'i>iv HZiiX«i7-lV: u>. lillCI latelll reliielienilenili ittam »lczue veliemevliam, <^ua ai^veitu» ls nune kuil utus, »il arguevllum ali^nvij vore peecslum relervek. — Ohne Zweifel haben unsre Prediger mehr Beruf, von dem Lebenswandel ihrer Zuhörer zu sprechen, als die alten Philosophen hatten. Gleichwohl dürfte man den, der da rathen wollte, sich gegen einen schmälenden Prediger eben so zn verhalten, als Plutarch es gegen den Philosophen verlangt, sehr auslachen. „Was kümmert das den Prediger, wenn cS anch wahr wäre?" sagt man: das ist, wir hören die Predigten unendlich weniger in der ernstlichen Absicht, uns zu bessern, als die Alten die Akroascs ihrer Philosophen. — Es wäre also die Frage, ob man die namentlichen, persönlichen Bestrafungen der Laster den Predigern so schlechterdings verbieten sollte? Leo Äaptista Alberti. Oder de AlbcrtiS. Näher giebt Jö' cher ans seinen Währmänncrn die Lebenszeit dieses verdienten Man- ucS nicht an. Sonst habe ich zweierlei noch anzumerken. I. Wenn Iöcher sagt, daß seine Bücher 6e lie HeMealoria erst nach seinem Tode 1485 herausgekommen wären, so ist das so ausgemacht nicht; da verschiedene versichern, daß er sie selbst 1481 herausgegeben habe. 230 Kollektanccn zur Literatur. II. Jocher sagt: „seine />ii»-t -N zu „Amsterdam in fraiijösischcr Sprache herausgekommen." Soll das heißen: eine französische Uebersctzung ist erst 1643 herausgekommen? Ist es denn etwas Wunderbares, daß ein Buch erst nach huudcrt Jahren übersetzt wird? Oder soll es hcissen: dieses Buch ist niemals eher als 1K43, auch iu keiner andern Sprache eher, gedruckt worden? Wen» es das heißen soll, so ist es ganz falsch. Tcnn man hat nicht allein schon eine italiänische Ucbcrsctznng von 1547, gedruckt zu Venedig in Oktav, weiche Haym anmerkt; sondern auch das lateinische Original selbst war bereits mehrmals, und zwar das erstemal zu Basel 1640. 8. gedruckt. TicseS hatte ich verlangst über JöcherS Lerikon einmal angemerkt. Anjetzt aber finde ich beim Fücßlin, daß der Graf Bottari in seinen Anmerkungen zu dem Lasari (l'. I. i>. 32 l.) nähere Untersuchungen über unsern Albcrti angestellt hat. Nach ihm ist er 1398 zu Florenz geboren, und eben daselbst 1472 gestorben. Wenn das ist, so ist sein Buch c!e lie ^eilinV-aloiia nach seinem Tode herausgekommen, cS mag 1486 oder 81 zuerst seyn gedruckt worden. Ich weiß nicht mehr, wer die siud, welche, wie ich sage, versichern, daß er es selbst herausgegeben habe; aber, wenn ich mich recht erinnere, so habe ich meine damalige Nachricht auS des t.7e»>e„i Livliullx'szuv Luneule gehabt, die ich deSfallS wieder nachsehen müßte. Füeßlin aber, welcher den Bottari in seinem Artikel Albcrti crcerpirt hat, that eS sehr nachlässig, wenn er unsern Alberti Autor eines BuchS von der Bau- und Mahlerknnst nennt, welches er in zehn Büchern verfaßt, und in drei Theilen zum Truck befördert habe. t5s sind zwei verschicdnc Bücher, nicht Eins; und beide sind, wie wir gesehen, nach seinem Tode herausgekommen. Und zwar daS von der Mahlerci am spätesten, und. wie schon gesagt, anßcr Italien, zu Basel, 1640. Wenn man sich hicbei erin- nert, daß auch des Vinci Werk von der Mahlerci erst länger als hundert Jahrc nach seinem Tode, und auch nicht in Italien, sondern in Frankreich zuerst herausgekommen ist; so wird man wohl nicht ohne (Srund vermuthen dürfen, daß die Jlaliäner aus Neid »lit diesen Büchern heimlich gewesen. (5s ward in Basel gedruckt; aber der Herausgeber war darum kein Schweizer, sondern ein deutscher; nämlich Thomas Vcuato- riuS, ein Prediger in Nürnberg, der sich besonders durch die AuS gäbe der Werke des ArchimcdcS (Basel, 1644. fol. gr. u. lat.) verdient machte. Aenatorius aber eignete es dem Jakobus Mi Kollektanecn zur Literatur. 231 lich ins zu, der Professor der Medicin und Mathematik zu Wilten- bcrg war. Er sagt, er habe um so weniger angestanden, die Schrift des Alber li drucken zu lassen: eum !>A!ie 1680.) beschrieben hat, deS Andenkens höchst würdig. S. Journal des 8av. ^. 168», I>. 176, wo auch p. 184, Zweifel und Auflösung derselben vorkommen. Ana. Unsre Aua sind keine neue Erfindung. Es gab auch vor Alters abergläubische Verehrer eines gelehrten Mannes, welche die geringste» Brosamen, die ihm entfielen, aufsammelten. Ein solcher war Damis in Ansehung des ApolloniuS: » ^«.ut? k^o^-^o ^ö-v äv»)--^a^ai, X«-, ?o^o. Er mochte reden, oder sich verreden, Oag«-s>K-),)'-<55«-,) DamiS sing alles auf, hielt alles für werth aufgeschrieben zu werden. Das Buch, in welches er diese Schätze zusammentrug, scheint er Lxa?,^,^« betitelt zn haben; d. i. eigentlich, ttcbcrblcibscl in der Krippe, oder, was das Pferd beim Fressen herauswirft; oder die vom Tische übriggebliebenen Brocken, die den Hunden vorgeworfen werden. Denn y>a^i, heifit sowohl die Krippe, als der Tisch. Und diese Benennung verdienen alle Ana. Wenn nur die Tafel selbst, von der sie Brocken sind, nicht mcistcnthcils cinc sehr hungrige und armselige Tafel wäre! Den» wie viele Sammler solcher Ana könne» sich die Entschuldigung des DamiS zueignen? Als ihm einer diese hündische Sitte, sich von den geringschätzigen Brocken zn nähren, vorwarf, so antwortete er: " s«^-? s-uv -! Gkoz, 50^1 «ai, ^ktza^oi^k? «^vroi? kto'i.v, /lk>,ki, ^-izök sttztrovr« >riz<; w.it/Ztzoo'lcl; «5o>-X,'vo^«t. ^/^iVo/^i', tke vila ^lottcm. 1^. I. o. 1!^.) 232 Kollcktaneen zur Literatur. Anakreon- Bon der Ausgabe des Pauw, und was seine» Urtheilen entgegen zu setzen, siehe den Artikel Anakrco» beim Chaufcpic. Bon unsern deutschen Uebersetzungcn und Nachahmun- gen würden sich mancherlei gute Zusätze machen lassen. d'Ancarville, der gegenwärtig den AnliauariuS in Italien macht, und dessen Avanlüren zu Berlin um 176l) ich mich noch wohl erinnert! Er wohnet dem Concert und dem Souper mit bei, Und ist des Morgens draus — wo? — in der Hausvoglci. Er hatte sich für einen Grafen von Dncourt ausgegeben, und sich von dem französischen Gesandten als eine» solchen bei Hofe vorstellen lassen; ward aber von Frankfurt aus, Schulden oder falscher Wechsel wegen, verfolgt, ertappt, und hingesetzt, lind nun fand es sich, daß er eines Kaufmanns Sohn, aus Marseille, wo mir recht ist, sey. Als er in der HauSvogtei saß, ließ er seine ?r>Iiticzue t?alculee drucken, die ich damals gesehen und gelesen habe, die mir aber seitdem nicht wieder vorgekommen ist. Ter Prinz von Würlembcrg befreite ihn, bezahlte für ihn, nnd nahm ihn zn sich, lind was er weiter bei ihm gemacht, davon finde ich eine merkwürdige Nachricht in dem lektsmeot t'oliticiue «Zu klareeliül 1)ue c/e Leitewelches 1702 zu Paris, wie der Titel sagt, in 8vo gedruckt ist, >>. 98: „II grriva, c^uv claus le incine lems le 1'iiikee ile VVurleiii- „ber^, ciui seit aujourä'liui euwme Volvolaiie ll.ios l'armee elo .,k1r, le klgreelial 1)«»«, l'uliju^ue i>ar uo »ominv -i'./,tc«ii?i//e, „ezu'il avoit lire ea I7üt1 >Iv la eilsllelle ele 8j>anlliiu, (dahin ist .,cr nicht gekommen; sondern er saß die ganze Zeit in der Hausvog- .,tci;) avoit eu In6er lg r^iiocelle tut „iosorme, eovo^a W>. >lus ulurs clun» „le Niniflvre, clies le piinee cle Wulleiiitieij;, qui i»uj;it l'ur le „eliam^> cle l'etre tivi> livie :> un ^vantuiier, envo^a une iier- .,1'vone nt.tt7-vi//e, liuvo siiela Iieuieule- „ment -, klaileille, momeut oü il alloit k'einliarquei^' A'tr Prätendent, Prinz Eduard. Halle damals das nämliche Projekt; und der französische Hof Halle Mühe, ihm begreiflich zu machen, daß Eng. land, .', izui Iv Uinil'leie «le I^isliviioe ütoit veoeiu, dicfeS uinimcr- inchr zilgcbcii werde. Oo l'uil, heißt cS daselbst weiter, eine l'el'uoir Kollektaneen zur Literatur. 233 6'elre lioi e s'^ kullent oppotes. ^viV» icu»' A'i'aii^ ci'ime e?l /^oiVuAa/. Das Letztere ist sehr räthselhaft gesagt. Jakobus ?lngelus. Dieser Gelehrte ist nicht au Florenz, sondern aus Scarperia, einem Flecken im florentinischen Gebiete, gebürtig. Von diesem Geburtsorte hat er seinen Namen bekommen, obgleich Gesner, Simlcr und Frisius aus dem Jakobus Auge lus Florentinus und Jakobus Angelus von Scarparia zwei Personen machen. Allein ohne Grund, wenn man dem Ncgri in seiner Geschichte der siorentinischen Schriftsteller hierin am sichersten glauben kann. Ich sage, hierin; denn in einem andern Stiicke irrt sich Negri mit diesem Manne selbst. Dieses betrifl sein Leben des Licero, welches er für eine bloße Ucbcrsetzung des Plutarchi scheu Lebens auSgiebt. Element folgt ihm, weil er das Buch selbst nicht gesehen hat, und setzt hinzu: Voilü nc eoeore ur> auteur imsgi- nuirs iaie 6e la litte «les 8avaos; l'autre relluit ü la coomlion elo klmule Irrillucleur; <^ conleczueiumeot 6eux erreurs lle woios «lans la repudlirzue «les lettres. Das Letztere verhält sich anders. Des Angelus Leben des Cicero ist keine bloße Ucbcrsetzung, welches schon der Titel besagt, den ich hier ganz hersetze. IVova et vunczuam autea vila in I^pis Ilittoiill cle !>!,?'. iüieeronis, inlZgnis ae elarit- limi liomanae !ieip. Oialoris, ultimum et (üootulis termeczuo Im- ^eiuloris Vitg, s ^nco5o lzuocian,, eo^nomeulo ^livilate liouiana vinlliealu ae liberal!», et in >>uulieum iniuium >. 28.) führt ein Werk von ihm an: ^eeliea, kjuav vneii illi tuuelt (nenmv I'ieluiae <^ua«lr»Ir>e iu i>I- taiis ulnm, //t'e,„,ii/ini 5>!nuit. Verum colloelii 5unt all alii-i; i>Im, quain no- c^uiliaiz telmlam ilieas. Lam ex liivliotlieca palatina is esni lzuaui liallenius eonein- »avit /'/a«?tl/e«. <üujus lejeetanea vlil'eoenani Iiane llecleluiit, t^uum «lixi. Apollonius, des Nestors Sohn. Der Name eines alten Bildhauers, welcher sich, ausser dem Torso im Bclvedcre, auch auf dem Rumpfe einer Statue in dem Pallaste Massimi zu Rom befand. Dieser letztere hat sich gegenwärtig verloren. (S. Winke im. Gesch. d. K. Vorr. S. XXII.) JuniuS, in seinem ciatalogo ^riillvum, wo er die Inschrift aus dem Gruter anfuhrt, sagt, die Kolleklanecn zur Literatur. ?Z5 Statue sey ein Ilcreules odliczuato eornvre tedens gewesen. Doch, Junius meint unstreitig den Torso im Belvederc, welcher den Namen dieses Künstlers gleichfalls führt. Dieses letzter» gedenkt auch Demontiosins (cle Seulnlura, p. 13. eiiit. komae, 1585.); allein er irrt sich, wenn er den ApolloninS dieses Torso für den Apol- loniuS halt, der mit dein TauriSkus zugleich arbeitete, diesem vermuthlichen Meister des farncsischen Stiers. Denn der ApolloniuS des herkulischen Torso war aus Athen; und dieser aus Tralles, wie Plinius ausdrücklich sagt. Ararus, „AratuS, welcher die Astronomie nicht verstand, „wie Cicero sagt, konnte ein berühmtes Gedicht über dieselbe schrei- „ben; ich weiß aber nicht, ob auch ei» Grieche ohne Kenntniß der „Kunst etwas Würdiges von derselben hätte sagen könne»." Dieß sind Worte Winkelmann'S; (Gesch. d. K. Lorrede, S. X.) wogegen zu erinnern seyn mochte, daß in dem Gedichte des Slratus auch nichts vo» der Astronomie steht; es ist eine bloße Astrogno- sic. Und so etwas, wie diese gegen jene ist, hätte gar wohl auch ein Grieche von der Kunst schreiben können, ohne die Kunst zu verstehen. Ja, dazu bedarf es auch nicht einmal eines Griechen. Wo steht die Stelle des Cicero? /«inAnit 2?a, liovo jn'ima li Isvorurono, v so ne sanno von tolo lii Isiis, m:> lii 1'ola aneora, eile rieleono inullc» i>i>! lielli, e ^uanii» liano lalli eou kiuon (Zisegiio, e polli i» lle^iia «iistanxa tiell' veeluo, suinio un uellislimo etlekto; eli io llirei, eile g>'^ck,„Lzi, paraßvnali olli liesmi, liano conie le >>illuie ^ranlli falle a vgli» In ia tela, i» riZnartlo ulle imagiui takte a I»u»>u eii ^eiiuello. ?lristophanes. Wer seine Vertheidigung in Ansehung des SokrateS übernehmen wollte, müßte nicht vergessen, daß M. Cato CcnsorinuS eben so von dem Sokratcs gedacht und geredet habe, als der Komödicnschrciber. S. den Plutarch in dessen Leben. Avchon. „Die Anzahl der uns bekannten Archontcn," sagt Caylus (im Vorbcrichtc des ersten BaiidcS seiner Alterthümer, S. 23K Kollektanccn zur Literatur, XVIl der Ucbers.) „ist so geringe, daß wir von den 943, welche „jährlich i» einer Zeit von 943 ans einander gefolgt sind, nämlich „von Kreon an, welcher diese obrigkeitliche Würde zuerst bekleidete, „bis ans den Kaiser GallienuS, welche» die Jahrbücher für den „letzten angeben, nicht mehr, als ungefähr 270, kennen." Er rechnet aber unter die Zahl der Archonten die obrigkeitlichen Personen mit, welche unter dein Namen t-h-l? -r^^^ bekannt sind, und welche in dein zweiten Jahre der 118tcn Olympias aufkamen, und bis auf das erste Jahr der 123stcn Olympias, d. i. eine Zeit von ncunzchii Jahren, fortgedauert haben. Tiefe neuen obrigkeitliche» Personen waren nur dem Namen nach von den Archonten unterschieden. Aristänet. Ich habe die Liebesbriefe, die unter dein Namen dieses Schriftstellers bekannt sind, nach der Ausgabe des Panw, ^rsj, i>6 klieri. 1737. 8vo. wieder durchgelaufen, und mir folgendes daraus angemerkt: Lp. I. Eine schone Beschreibung eines schönen Mädchens. Un ter den Theilen ihrer Schönheit ist auch c>-s --v^"«, nstus roolus. llin ihren Hals hat sie ^i^oxo^^-rov »ky^Ski-^c-lov, ^ -rowo/i« z>5ztz»,il/t«5« ci^l, >^^l<5l!->»- ^ ^k<7l?. Das ist die Stelle, auf die ich mich oben unter Achilles Tatius §. 3. beziehe. — Von den Brüsten heißt eS: x^ü^^^r-s <-! /-.u^-ol rizv «/l^-xo^'p' c^-^Kv'u^ /Zl«l^x. Der llcbcrsctzer druckt «-uöui^ui'r«? durch loioi-isoles aus, welches zwar für sich gut ist, aber dem Griechischen, nwla e^clonis imilaiiles, nicht entspricht. Ob aber «/l^-x»"! nicht eine Art von Halstuch vielmehr, als das eigentliche 5^oö-?,,i,ov hier ausdrückt, von dem ich es unter dem Artikel Achilles Tatius §. 4. erkläre? Lp. II. p. 26. Daß auch die Griechen eine krumme Nase geliebt, und sie für eine Schönheit gehalten, lehrt die Stelle: l-c»,'ov krumme Nase wäre hinlänglich, sich in ihn zu verlieben." So sagt eine verschmitzte Magd daselbst von dem Geliebten ihrer Gebieterin, Petrus .Arlensis de Scudalupis. Diesen Mann scheint klotz für einen Franzosen angesehen zu habe»; denn er nennt ihn Peter von Arlen. (S. d. Art. Edelsteine.) Er war aber ein Spanier, welches das seinem Namen vorgesetzte Don anzeigt, und «?»iz//e»' //t'e,-»/öh/ntt<«,t««. Was aber auf seinem Kupfer hinter Kollcktaucc» zur Literatur. 237 sciiici» Name» dic Buchstabe» /?. V. andeuten solle», getraue ich mir nicht zu sage». Die ihm untergesetzten Verse scheine» anzuzeigen, daß er mehrerlei Widerwärtigkeiten ausgesetzt gewesen. l'oileljuitur I^oriuos, tegit Lonl'lantia koiles; Inler ulrumi^uo seror, Le llala sata le-^uoi'. Vielleicht, daß ihn diese ans seinem Vaterlande nach Paris getrieben, wo er 1l>1t> sein Werk: Hvmpalliis leplem metullcirum fehlem seleelorum Ismilio, snli initinin Inijus l'eeuli e6it»m: /»>/,n//ii/i/t /n/»Vüt»l, «l! /^/a?ie/a«, ^>?o i»c»/»»'i e/iic:«/aktn«L e>7t'/«nl n. ?KI1. 8„n. 8e<1 line area ipl'a elavis illa nulli ului ell. <^>n le^erunt, allumarunt milii, tot lanla^ue liliio illo conlineri, ut k>m»! aurn lit praettantior. Inler cetera unum tuccurrit, e^um! ille in «o legerat ^ ex 00 liliro ailiZuxit ^aü. /'e/i'. ^'ttie»' in tuo ^n//a,/,o cn/>. 3. e,l/ni io /e» ie^/too «'»miil/!t^i/io?'c«t »ec/nc/itni, ^i»','/^ /,«/^/i,l?'et- ?!Nt»u»t ?»ev reiVe ve»'/« oe/Z/vt «lven/e nm//» e/ c? ue/e/tits, ci^'u« oc/«inn/o- itt» ?» ^it/>e^t'o»enl ?n?»ik/unt iea/um ?>i no» e.^i//ittio, /aiK/nni» i»e.v/iaik/?t ?na/o?«»i /»n/i« c/enioii/ii'a/oi'e»!. Lt Iiuno tlielieum elle exitlimo, i<:!u»Iur; earum orißmes, i»venloie8 et ouerglores noluliunlur. ^nimiiio veio atitolutum «lomiiiium in ess exereere, leijenlem in tlirono, mamlel'illtniui'. t)»us m.ignn Isliore et l'tuilio eomnselum ett. — Ohne Zweifel aber ist es nie erschienen. Die Pariser Ausgabe ist von 161«). 8. an, I)«n. 6i>I!»m, welche zu Hamburg 1717, gleichfalls in 8. mit dem Leonardns und Al- biiiius, nachgedruckt ist. Vogt, der sie wegen der erster» Ausgabe unter den rare» Büchern anführt, cilirt: !)) Kollektanecn zur Literatur. zu Florenz herausgekommen sind, enthalten meistens Abhandlungen von verschiedenen Spielen, besonders von dem Iui. III. p. 288.) In der Daktyliothek des Zanetti findet sich von ihm ein schöner E,mco, der Kopf Alexanders in der Rüstung und dem Schmucke der Minerva, (lav. Xl.) Auripelleo. Kann wohl nichts anders seyn, als (Äoldlcdcr, dergleichen man sonst zn Tapeten und Ucbcrzügcn der Stühle brauchte. Von Erfintnng desselben finde ich bei dem Matthäus, ucenli» mulie,' et lancla auiipellem, iil el"t surum in z>el!v, lepciit. ()uamonrem Iiuju» re! sililices rju8 lliciii 5r5>um lnij;uliü aimis waxiino Iionoro eolunt et vtilei'vimt, — Nach der andern Stelle, p. 41, ist diese Erfindung zu Mcssina gemacht worden. Gelles tir.iolea si-gentea vlillu- cere, tlein es» suoo lingoie in »uieum eolaiem, ezuss i>uiij>elles vocsnt, Alell'aneol'es luuin ut servnl, invonlnm suit, msgis novum czuaui velus, Die Kunst, diese gvldlcdcrncn Tapeten zn machen, f. beim Cni^a«. clo rer. voi . 1^. Xlll. c. A6. lln. Ballon. Aon Erfindung desselben will ich mir die Stelle anS dem MatthänS («I« ici'uni invenloiilius, 4t>.) anmerken: ?il-> lusoii.i venlo silcna, <^uao et >>>>!> venlaria appellaii siotelt, invent.1 est reeens, ciuamvis veleies ixieros lulill'e /»//e I^x-iiiius; l>>!>!> venlaiiu I>laiclnvne I^e,,!,. lienli exeo^itsla kuit. 240 Kollektanccn zur Literatur. Babel. Von dem Urspnngc der verschiedenen Sprachen. — Hier will ich einzelne Gedanken »nd Nachweisungen z» meiner Abhandlung über diese Materie sammeln. In Lcland's ^äv-inlage am! I^eeellii^ ok kevelslion, die Vcr thcidiauna der von Gott anerschaffene» Sprache. Herder hatte sich dawider erklärt; (wo?) und Klotz in seiner Bibliothek hatte geurtheilt, es verlohne sich nicht der Mühe, diese Hypothese, wie er sie nennt, zu widerlegen, darüber wird Klotzen in den Hamburgischen Nachrichten (v. I. 1769, St. XIII.) der Text gelesen. Origioe lies premivres loeiälvs, lies peuples, lies seiendes, ^ lies ^rts, >^ lies Iliiomes snciens ^ molivrnes. 8vo. ü ^msl. ü I^anis elies I^oomlis, 1769. v. Bar. Von ihm ist doch wohl auch die /H>i/,-e lkt ^ein- /t'e?' Ci/Ai-e« « /1o?i ijui>/io//e l/e /a ^/««c/ie, tVieini'/ei' -/e? ^vee lies liemarcznes crili-ziies, Iii5toi'i«zues, ^1 pliiloln^Iii- «jues, oil le Lommeolaleur Iiisi^Iee, ex^Iil^ue, liekenli <^ embronillo les penlees lie lon .^uleur; lans Deäicaeo, lans I^rviaee, tsns In- 6iee, >^ lans Li-rala meme. Gedruckt auf drei Bogen in Quart, ohne Jahrzahl und Ort. Denn wcnigsiens ist es ganz seine Versifikation und Denkart. (5r geht darin auf die Großen loS, welche ihre Volker mit vlcnd überhäufen, durch Krieg und durch Abgaben; anstatt daß der gute Ton O-uixotte nur auszog, um den Unglücklichen und Elenden beizuspringen. Wen er unter dem (üiievaliei lies I^oups versteht. ^)ui n'iiime r^ue Ion or, 5s vie, A tes >e - Kaule sagt davon, der Verfasser habe mehr als ein Ge- Äs,mgS Werke xi> 1k 242 Kollektanccn zur Literatur. lehrtcr, denn als ein Genie, mehr für die Studicrstubc als für das Theater geschrieben; und er räth ihm ab, sich weiter mit dem Theater abzugeben, und lieber das Lolk zu unterrichten, als es zn belustigen j» suchen. _ Berlin. Bei Berlin, zu Charlottcnburg, steht die Sammlung alter Werke, welche der Kardinal Polig nac zu Rom gemacht hat. Das bekannteste sind eilf Figuren, welche der ehemalige Besitzer eine Familie des LykomedeS getauft hat; das ist, Achilles in Wcibcr- kleidcrn unter den Töchtern des LykomedeS versteckt. Man muß aber wissen, daß alle äußere Theile dieser Figuren, besonders die Köpfe, neu, und, was das schlimmste ist, von jungen Anfängern in der französischen Akademie zu Rom, gemacht worden sind. Der Kopf des sogenannten LykomedeS ist das Bild des berühmten Hrn. von S losch. Das beste Stück daselbst ist ein sitzendes Kind von t^rz, das mit den Knochen spielt, welche die Griechen Asiragali, und die Römer /»/,' nanntcn, und die anstatt der Würfel dienten. (Winkclmann v. Emvf. des Schönen, S. 10.) Vergl. den Art. PolignakischeS K a b i n e t. Ritter Vernini. Drei von seinen schönsten Gruppen sind in der Nilla Borghcse. Die erste: Duviilis ^u^nam ineuntiü eum l^o- liallll» (^siile. Oj>r>s liae eczuiti5 />«,i^e»/!t /5e,,-int ekt, czui sui iuliu» ljeliueslionem in Dgvitiis lleilit eanile. (^/»nM, eciit. Ua- veio. s>. 24.) Die zweite: iolißne upus, et maAniluiline cousj>!<:uu»>, i» izuo eeriütur Apollo peiteezuen8 Daplineu kugientem, czu-ie jan> iuui i eoitiee «jieiiii ioei^ik. — Imziouitur in^vuli Iiali ex eanincio msim»re, ornslo «Ziveilis oolorilius, laixzuain aeu pielo. Inseiius lii tculpti veilus le^untur: <^uisyui8 amang le^uicur kugilivge xaulZia kormae, — — ?i:u eai'^it smaias. (/lte»>, p. 27.) Die dritte: exllidet ^eueain 'I'-ojanum, ^iulrem ^nellil'em Iiumeris sereulem, «zui ileos I^enates lecum porlat, vaivo juxts tec^ueote ^tesnio. „Vor dem Raphael waren alle Figuren gleichsam schwindsüchtig; durch den Bernini wurden sie wie wassersüchtig." (Winkelm. v. (5mpf. d. Sch. S. 11.) — „Weil die Baukunst weit leichter ist, als die Bildhauerei, so konnte Bernini, ohne Gefühl des menschlichen Schönen, ein großer Baumeister seyn, welches Lob derselbe in der Bildhauerei nicht verdient." (vbenv. S. 22.) ^ Kollcktanccn zur Literatur. 243 Aon dem Leben des Bernini, wclckics der Abt de la Chambre herausgeben wollen, s. unten im Art. Mahlerei. Beryll. Brürkmann beschreibt ihn, als einen durchsichtigen, blangrünen oder meergrünen Stein, und setzt hinzu, daß die, welche das wenigste Grün bei sich haben, oft so schön und feurig sind, daß, wenn sie recht rein und gut geschliffen worden, man sie verfaßt für Diamante halten sollte. — Und PliniuS: probaliMmi lunt ex ^ui vii'i6ilatew puii maiis imitanlur; proximi, n^ni voeantur cl>>^- tuber^IIi, et lunt vaullo pallilliores; l'e6 in aureum oolorem ex- euule sulgore. — Sonach weiß ich gar nicht, wie Dinglcy sagen können, daß der Beryll roth, gelb oder weiß sey. DaS heißt, gerade die vauptfarbe vergessen, und nur diejenigen Farben nennen, in welche die schlechter» Arten des Berylls hinciiispielcn. Beim Theophrast kommt der Name Beryll nicht vor. lind was Ricol (d. llcbcrs. S. 121), sagt: „er wird Beryll genannt von der Gegend, wo er wächst;" davon kann ich auch nichts in Erfahrung bringen. Ich wüßte kein Land, auch keinen Ort, der so hieße. Richtiger sagt wohl ZsidoruS (Oiix. I.. XVI.) ,,IZei^IIu8 in Inclia xixnilui-, gentis suae /»lAun nomva iialiens." DaS heißt aber nicht: genlis l'uae nomen Iialiens. Noch weniger versteh ich, wie Woodward in seinem klellm-l nt l^llils (beim Johnson) sagen kann: .,ll>e Ijer^II ok our lapiilLries is vnl)? a line 5ort »k coroelian, ol a moie llcep liiiglil reil, lvmelimes vritli a oast vk z^ellovv, giul mors tiaiil'uareut tlian llie cuwmaii cornelian. Die Jtaliäncr nenne» den rechten meergrünen Beryll n!!> «le i eliiari e 6e gli kenri. Oltre s oliv oel 6ipi»ßere II elelti »Agelli li pieolle uns eerla sranelio^/!» nell' vperare, elie mollo giova, ecl insni- n>i5l:e; tsl sraiiLlie^^s e kaeilil!» nssee llg n^ueflo, clie nel m'pin- Aero le (leite cnts Iiaoliismo Ai-anäe liderln, e Iiceo?!> o pre- eello lii elkereitarli in 6ipingere liori e krntti «lsl nstursle lr ol- l'ervi eome un grau tegieto ili czuett' arte; un valenle maettro llella lzusle a me mollo lo eommenllavg per molte ragioni, mü principalmeuts per la poeo gvanli secennata, ,ne des Marschalls von Belle-Islc S. 43, heißt: ,.«oi,t- Iic-z liel-elprit, preekoit puvlil^uemeiit I'^llivil'liie en I'isnee; vn m'ea a louvent porle lies plsinles; mais je n'elois pa5 e» pisee pour le reprinier. I^e IVIiiutlro li'ulors lzui lievoit le p»,i>>, I»i permit 6e remplir uns cliai'gv canlllieraule liaiis I.i rolie. (^u'el't-il »rrive lie eetle enniieleenllenev? ^»ittc?/» a knit lies LIeves, l^ui Ironorent lu ruemoiie; et ceuxoi luut lies I^rolel^les. Bönhase. Man weiß, was gewisse Handwerker, besonders die Schneider, einen Bonhasen nennen, nämlich einen, der heimlich in Anderer Häusern arbeitet. Nach Frischen heißt es so viel als Bühuhase, weil dergleichen Keule furchtsamer Weise aus den Bode» oder die Bühne laufen, um da im Verborgenen zu arbeite». Er beruft sich deswegen auf eine Preussische LandeSordnnng, wo es auch ausdrücklich Bühnhase geschrieben werde. Ich bin mit dieser Ableitung so ziemlich zufrieden gewesen, bis ich von ungefähr beim Pc- ringSkiöld (in seinen Anmerkungen zu dcS tock/aet vita '1'lteollo- lioi, p. 358.) das schwedische Wort BonäS finde, welches nicht allein dem Laute, sondern auch der Bedeutung nach, mit unserm Bön- hase die größte Gleichheit hat. vr erklärt es durch das Griechische lZuv«u<5os, grtilex illiliorglis; womit er es auch seinem Ursprünge nach verwandt zu seyn glaubt. Kollcktancen zur Literatur. 247 Bordell. Heißt so viel als ein kleines Haus, von dem Angelsächsischen Soi-Ä, ein HauS. S. die Anmcrk. des du Fresne über den Joinville, S. 63. Die Uebersetzer haben sich oft den Kopf zerbrochen, wie peiilv mailon ju übersetzen sey. Da haben wir es ja! Villa Borghese. Manilli gedenkt in seiner Beschreibung dieser Villa (p. 43, /iave^o.) eines Basreliefs, welches den Raub der Proserpina vorstelle, und vorauf Jupiter, vor mitleidendem Schmerz, sich das Haar raufe. — Sollte diese Beschreibung wohl ibre Richtigkeit haben? Sollte eS möglich seyn, daß die Alten den Jupiter in einer so unanständigen Gestalt gezeigt hätten? Ein Jupiter, der sich das Haar anSrauft! Missen (in seiner Voz^gs ci'llslie, II. p. 469.) gedenkt unter den Statuen dieser Villa eines alten Silen'S, der den Bacchus in seinen Armen bält. Eine solche Statue habe ich in dem ganze» Manilli nicht gesunden; wohl aber ein Basrelief, ulii eliiius jlimjam ex ocjuo col'um minslur Laeelius, verum l'ul'lenlutuc a <^uol!am milile ex ejusciem comilatu, l'e6 ;cie viclestur. Es sey, daß Misson dieses gemeint habe, oder nicht; die Vorstellungen eines trunkenen Bacchus sind auf den alten Denkmälern selten. Bacchus in der Gestalt eines liegenden Zlußgottcs ist mir eine merkwürdige Statue: üaoelii l'Ialus, ^us«: exliibetur ligura lluvii jiieentis, uvis sulem eoiunat»?, manu^ue eornn eopise, ex «zuo liiuililer uvgo s>rocleunt, lul'lioet; ailel't veio ^»uerulus Iu«lenli8 lilu exltiliitu». (il). p. 22.) Die Gruppe, Markus Koriolanus mit seiner Mutter, deren Winkel mann gedenkt, (Gesch. d. K. Vorrede, S. XIII.) ist beim Manilli (v. 31.) die Faustina mit ihrem geliebten Fechter. Borghcsischer Fechter. Manilli sagt davon p. 31, e-/. //«vei'c,.' ,,t>tslua illii (^lailialoris 5ani»6l'6>in>, ^mgii-mlis ii>u, »>»us >lAn/t«e ^/i/ie/7i, ciui, lieet I^liniu8 ejus nc»> mennueiil (<^i»»ii>n> ejus koilün aelalo nonilum lnelat »alu»), i>uju8 laine» l'lüluue ailillcia immoilalo »oineu ol°t aile^tus. Lii^itur l'tstuu Iiaee su^er Iialm limiloni illi, czuae k'aul'li»!«: alc^ue amatiiri ejus ell. I'u^ziolita, ec> t!>ntuiu ilill'ereus, ^uo«I -ii.im li.ilieul Vi»!i8 la- Willis i»ei!>»>." — Das Fußgcstcllc der Faustina beschreibt Manilli: „kluiwoiis vunilidi, e»ju8 sions el't ex slnlialli o, viue vei» liiern el. esiiii!,!» la^iiile cül'tin^uuulu,.^--Wenn sich nun aber 248 Kollektanccn zur Literatur. nach dem Misson (1'. II. p. 168.) auf der Nase des Fechters die Aufschrist- ^ll<5l«; ^oc?^-o^> (nicht/ wie dort verdruckt ist/ ^o-o-^o^) zzIiatoris, in pUAllam waximo impetll proourreiilis. Herr Hofcath Hepne war cS, der gegen meine Deutung des Bor- ghesischen Fechters in den Göttingischen Anzeigen erinnert hatte, daß ich den Borghcsischcn Fechter mit einer Statue in Florenz verwechselt hätte. Auf meine Antwort hierauf in den Antiquarischen Briefen erklärt er sich dcSfallS dahin, daß er nur damit sagen wollen, die Stellung des ChabriaS bei dem NcpoS passe eher auf den Miles VclcS zu Florenz/ als auf den Borghcstschen Fechter. Und diese» kann ich ihm zugeben/ ohne daß ich deswegen beide Statuen verwechselt haben muß. Ich habe schon erklärt, daß ich selbst an meiner Deutung zu zweifeln anfange. Jedoch nicht aus Gründen, die mir noch zur Zeit andre entgegen gestellt haben. Auf diese o>) Obgleich der Handel überhaupt, in dem römischen Reiche, größtcn- theils den Städten zur eignen dienlichen Einrichtung überlassen ist; so ist er doch auch mchrmalcn von dem Reiche in allgemeine Ncbcrlc- gung gezogen worden, besonders im I. tL«7. Allein unter den damals erörterten vielerlei Punkten bctrift keincr den Buchhandel, ohne Zweifel weil die Klagen und der Mißbrauch damals noch nicht so groß und allgemein waren. Denn sonst würde man, glaube ich, die Gelehrten und die Gelehrsamkeit wenigstens wohl eben der Aufmerksamkeit gewürdigt haben, deren man die Schiffs ^ und Fuhrleute, die Verfälschung der Weine, die Zchrung iu den Wirthshäusern, würdigte. Die Privilegien, wclchc Buchhändlern auf Bücher ertheilt werden, sind gewissermaßen Monopolien. Doch sind weder alle Monopo- Kollektancen zur Literatur. lien dem Rechte der Natur zuwider, noch sonst dem Gaiijcn schädlich. Besonders wenn sie Dinge betreffen, die nichts weniger als unentbehrlich sind, und auch bei diesen, so viel möglich, die ltcbersetzung im Preise verhindert wird. Daher wäre cS gut, wenn in den Privilegien der Buchhändler auch der Preis festgesetzt würde, um welchen daS Buch zu verkaufen sey. C. Cäcilia Metella. DcS KrassuS Frau, ihr Grabmal in der Gegend von Rom, ist eins der schönsten Denkmäler der alten Baukunst. (S. Winkclmann, v. d. Empf. d. Sch, S- »-) Callistratus. „Dieser magere Sophist, sagt Winkclmann „(Gesch. d. K- Vorr. S. XI,), hätte noch zehnmal so viele Statuen „beschreiben können, ohne jemals eine einzige gesehen zu haben; unsre „Begriffe schrumpfen bei den mehrcsten solcher Beschreibungen zusam- „mcn, und was groß gewesen, wird wie in einen Zoll gebracht." — Mcursius ^L-S/. ^.tt^) hält diesen CallistratuS für den alte» Rhctor, welcher gewissermaßen der Lehrmeister deS DemostheneS war. OleariuS, der ihn seiner Ausgabe der Philostrate mit einverleibet, fallt dem McursiuS hierin bei. Nichts ist leichter, als daS Gegentheil zu erweisen. Gleich die erste Statue deS Satyrs, die in Acgypten bei Theben in einer Grotte soll gestanden haben, kann nicht anders als ein Werk seyn, welches zu den Zeiten der Ptolcmäcr in Acgypten ist verfertigt worden. Die ältesten ägyptischen Werke, ehe die Griechen sich Meister von dem Reiche machten, sahen ganz anders aus. Der Satvc stand auf Einem Fuße; und PliniuS sagt ausdrücklich, daß Polyklet der erste gewesen, welcher auf Einem Fuße ruhende Statuen gemacht habe. Auch die Verglcichung der Kunst deS Skopas mit der Kunst deS DemostheneS, in der zweiten Beschreibung, ist ein Beweis wider den OleariuS, auf den er in der Vorrede nur sehr schlecht antwortet, indem er sie lieber gar für von fremder Hand eingcschoben halten will. Diese Verglcichung ist übrigens nur von der Aehnlichkeit beider Wirkungen hergenommen, und nicht weiter ausgedehnt, so, wie cS Coyvel auf eine falsche und höchst kin- dische Art gethan hat. Hippolytus Tapiluplis. Seine lateinischen Gedichte sind zu Antwerpen, ex ollieini, (üii'il'i,, plunlmi, t57!, in Ht<>, auf 17 Bo- gen zusammengedruckt worden. Baylc hat von dieser Sammlung Kollcktancen zur Literatur. nicht» gewußt. ES kommen beinahe nichts als geistliche und verliebte Gedichte darin vor; satyrische gar nicht/ wenn man ein paar Evigram- mcn auSnimmt: daß ich also nicht weiß, wie Teissicr (Hilclit. aux Lloxes, "k. l. p. 179.) hat sagen können- qu'llipuolz'le (^.ivilune cxcelle clans Is pvi-lie lal^ii^ue. DaS Epitaph, welches er seinem Bruder Lälio gesetzt, (p. 119.) ist dieses: klimlua te, luaoli, merito l'e jaoi.it slumno, IXsm IVIaro - esp. Xl, und lautet so: (v,>p. III. p. 28. c. b.) yuoii li ita elt, neeell'e eK. snoum (üiii'ilu l>lI^L(!r»ric> motu wove- Iiunl; czu»l! l! ccleiior l!t m»tu5, ecleiius; l'i larclior, tsräius. — Dieses quod k! it., el't, ist nuu aber wohl gewiß falsch, so wenig ich auch von des CardannS Erklärung selbst mir einen Begriff machen kann. So viel sehe ich, daß cS nicht seine Erklärung, sondern die Erklärung dcS FrakastoriuS (in tlomoeenlrieis, Leet. 1. c->>>. 16.) ist, den er hier ausschreibt, ohne ihn zu nennen. Aber ich verstehe den FrakastoriuS eben so wenig, und kann nicht begreifen, wie man sich bei Präcession der Aequinoctien eine piolllisulmeielin vorstellen können, das ist, wie man glauben können, daß sie tu einem Zirkel geschehe, 5/ »z«^ 262 Kollektanecn zur Literatur. in welchem sie wachse und abnehme. — Ricciolus in seinem ^t/mn- A>e/!o »ovo, I.. VI. e. 17. p. 461, gedenkt dieser Erklärung des Frakastorius gleichfalls, und verwirft sie. — Das quoil 5i ila el't läuft mit den eignen Worten des Cardanus dahin aus: snnis <^ug6riuAentis gute iülirillum U8lmo s6 ^lüglegnium, e^ui tloruit guuis I)(!(!(!rittum, antieiparuot geauinoelia lemper ouzenZo; pott ^Ivsteguium gutem gntleiparuat, 5ecl wiuueollci. Nämlich wiederum ganzer 900 Jahr; bis also auf 1800. Ita ut ll ellent czugtuor «zug6raute8 psrvi eirculi, et e^uoälivet illorum iu Otütütüt) snnis I'upeigi'etur, tvtus gutem eireulu», iu tribus milli- Ku8 se sex ceotis. — Oder, wie Ricciolus die Meinung des Fra- kastoriuS ausdrückt: ?racgttoriu8 sit, periuu'um Iixarum tulsm pergxi sonis 36l)M, 5elZ ejus snomglism snnis 3tiW, <^ mvtum «^uiiiem ^plsnas per le eoulieere guuis ceutum uoum grg6um, talemt^ue suille Lkiitll tempore; lieri gutem veloeiorem se velo- vloiem per gonas 900, us90 gll memnerllglem. Itsc^ue guuis 9W auto (üliriltum tuill'e tgriium, leli eum mminutiouo Igrüitaii8. Von Cardan's Büchern, -/« Ke^»,,. p'n,giebt es eine doppelte deutsche Ncbersetzung: die eine von Heinrich Pantalcon, Basel, 1569, fol. welcher ein Auszug aus den Büchern c/e «»Stt/it»/<- beigcfügt ist; die andere durch Huld er. Frölich v. Plawen, Basel, 139t, fol. welcher gleichfalls ein Auszug aus jenen Büchern beigefügt ist. Dieser Auszug ist dort und hier vollkommen der nämliche, und geHort dem Pantalcon; nur daß das Deutsch ein wenig hier geändert ist, welches vielleicht auch von der ganzen Uebersehung gilt. DaS griechische chymische Räthsel vom Arsenikum, welches Car- dan I.. X. e. 61, t/s /ie, 5'a,>. mittheilt, ist, glaube ich, eben dasselbe, welches Leibnitz aufgelöset hat. ES wäre zu untersuchen, ob das System von Gerüchen, welches er I,. III. e. 14, l?e ^Ke^. k^«,'. giebt, so ganz neu, und so ganz richtig sey. Er sagt davon sehr stolz: <^uie«miel mteiilulum el't uli gliis, nvl^is, velali uuvo Ileieuli, l'uveuiuluni el't. Das Wiehern der Pferde bringt Cardanus auf fünferlei Arten, die alle ihre gewisse und bestimmte Bedeutung haben. S-^'e,-. I.. VII. <-. 32. Kollektanecn zur Literatur. 253 Cardan hatte einen Roman, oder Fabelbuch, über welchem er, wen» er cS laS, sofort einschlief. Er gedenkt desselben an verschiedenen Orten, und uv gezahlt wird. Aller Vermuthung nach, sagt GeSncr, soll das aber wohl xo-izxiö-"--,? heißen; denn eines solchen Steines gedenkt PliniuS, und rechnet ihn unter die ^n-innc-u/o», als diejenige Gattung vielleicht, welche jetziger Zeit Granat, heißt: s ^usreliellone, i. e> C-ii-tliagine; »uia eiica <üaillis!;iiiem iuvenii'oniui', l'eä czuocl a l^oeni« neg»eisln,!l»i^ li»- mom .iilserrentur. Wollte man aber jcneS durchaus retten und beibehalten, so müßte cS wenigstens x«^^6ovio?. (üialceclnn!»?, gelesen und geschrieben werden; von Chalccdon, einer Stadt in Bithy- nien. (viel. 6e/ne7,i« ilo koMIiliuü, r>. 8-»-i^ in der Offenbarung nur in ««>.xi6-^ zu verwandeln seyn. Und PliniuS selbst nennt eine Art von Smaragden c-ilelicilnnü, (I,. XXXVll. leet. tl>.) »Ions juxla <^slolienem, in c^uo le^elianlur. ^in.iiii^ililes vuealiis «st. Indeß ist unser ichiger Chalccdon icr weder dieser Calchcdo- nicr, welches ein schlechter Smaragd war, noch jener Carchcdonicr, welcher unter die Karbunkel oder Rubinen gehörte; sondern, wie gesagt, ein milchfarbener, kaum durchsichtiger Achat. Und wie dieser von dem Sardonvr und Onvx unterschieden sey, lchrt Boot. (1^. ll. >:sv. l)1 ) Kgo Iisni: clillelenliam iuter 8grilon^cliem, (üaloelloniuui, et On^cliem n»no: c^un^I 8arll«ii)-x lit, iliini t^ln^cln !>!>icl!>iü, aut t'ainevli luhicuinlus color, «lil'linvlo uiljunelus el't. t^sleeclo- »ius, «luiu adelt ruliieuiiclus et m-zer ecilor ilil'linelus. IXum cnn- suli et mixii, c^usli aijua exi^ua, uoiliunculu lulielliliii-, vel ni- xreilinis tiiieta ellel, gilello pullulll. 0»vx veic» »lonrie, lluu» sclett »itzer, et »best rubieuoilus. Kollektanecn zur Literatur. 255 Ckarron, picrrc. Seine drei Bücher, «»A^e. sind »och immer ein gutes Buch zu lesen. — Wie oft habe ich die Zeile des Pope, aus seinem zweiten Briefe über den Menschen: 1'Iie j» »>><:>' l'uicl^ vs Hlsnliiml is KIsu, auch selbst von Franzosen als einen schöne«/ Povc'n eigenthümlich zugchörenden Gedanken angeführt gefunden! Gleichwohl ist er von Wort zu Wort au» dem Charron genommen, welcher gleich zu Anfange seines ersten Buchs sagt- la visie I'cieiieo et le vr»i eiuile »le l'Iwmwe, ^'ett I'livmme. Warburton hatte diese Entlehnung wohl anmerken sollen, wenn sie ihm bekannt gewesen wäre. Siulio Clovio. In dem Leben dieses berühmten Miniatur- mahlcrS macht Füeßlin in seinem allgcm. Künstlerlexikon einen Fehler, der auf alle Weise gerügt zu werden verdient. Er sagt nämlich- „Albrecht Dürer hielt deS Clovio Porträte und Historien so hoch, „daß er einige davon in Kupfer brachte." — Ich sage, Füeßlin macht diesen Fehler, und nicht Vasari, den jener anführt. Die Sache verhalt sich gerade umgekehrt. Das erste Stück, welches Clovio mahlte, war eine Madonna nach einem Holzschnitte unsers DürerS: I^a i»,'i>i>!> eul'u, schreibt Vasari in dem Leben des Clovill, eiie il t^lovio cvlviille, sü »u» AIi>i!t>»u.i, lu^uale i'iliull'e, eome iiige- jznol'li e Ii le^uo uelle piims caile iI'.V!l>l> »ulo.-i — DaS Werk, welche» Vasari hier meint, ist das I5iiil»lii ^/ü«»/o Ottie-o »ioi'ic» pur l'iAUl!>s lli^el'tliln euin veilllius uiuiexi» t'/ie/«/»«/«. und zu Nürnberg i>ei- ^Il>e>>. l)u,ei, 1511, s»l. gedruckt. Es besteht mit dem Titclblatte, auf welchem Maria mit dem Kinde innerhalb eines zunehmenden Mondes auf einem Kissen si»t, aus zwanzig Blattern Holzschnitten, und nicht, wie Knorr sagt, auS ein und zwanzig. Weil das Werk so rar ist, daß cS auch Schober, in dem Leben Albr. DürerS, S- 150, nicht einmal ganz gesehen, so will ich die Blatter Mit ihren Vorstellungen, nach den Worten des ChclidoniuS, angeben. 1. I^emtilex ^oaeliiwui», ulpule iukoeeuiieium, iil> ara vomiui lejiellit. 2. ^iigelus ^»aeliim», ruii commoiauli, apliaiel, et snil'tus ex klaris vir^ino nalvitui'. 1l). (üuril'tiis, kluriae silius, oelav«, Iari!> czuomoäo llolueiit, lilio 5uc> ex IZelliania Ilierol'o- I^msw in msnuz ^uäaeorum nrolieileente. 17. Naria snno c^uinto «leeimn ^>c>st <ÜIiii5ti uleeullcioem, a>I- slsnle eoiiem enm t^anelis ownivus, vliit. 18. Naris t'uura edoios angelorum exallala »6 laevani I)ei t'glris leöet corouals. 19. Das neunzehnte, oder, mit dem Titel, zwanzigste Blatt ist wieder eine sitzende Mutter mit dem Kinde, von Heiligen und Engeln umgeben, und darunter steht, außer der Jahrzahl und dem Orte des Drucks, ein Auszug dc» kaiserlichen Privilcgii. ChelidoniuS war ein Benediktiner zu Nürnberg, und ein Zeit- verwandter Dürer'S; er scheint auch seine Verse vielmehr zu den Holzschnitten des Künstlers gemacht zu haben, als daß der Künstler die Holzschnitte zu seinen Versen verfertigt haben sollt-/ die er zum Schlüsse der Charitas Pirkhaymcr, aem's «livae (ülarae I^oeieo- iiui-ASv ^relnmslri elißnil'limge, zuschreibt. WaS Schober übrigens von den größcrn Buchstaben in dem Worte anne^-t« auf dem Titelblatte, und ihrer Bedeutung träumt, ist ganz ohne Grund, und bloß aus dem falschen Abdrucke bcim Knorr entstanden. S. dessen Künstlerhistorie, S- 74. Auf dem Dürerischcn Werke selbst ist nicht die geringste Spur davon, sondern alles mit gleich großen Buchstaben gedruckt. Kollcktanccn jiir Literatur. 267 Guido de Columna. DaS Gemählde/ welches er in seiner ////?a-'-a ^» ^N-IN von der Helena macht/ hat mit Ar tost'S Beschreibung der Alcina so viel AchnlichcS, daß es das Urbild derselben könnte gewesen seyn. ^. K. L. in seiner Helena Meoelsi (Seleela luU. et liier, contmuglg, p. 243.) hat dieß bemerkt/ aber mit einer Unrichtigkeit in der Note k, wo man anstatt des DiktyS KretensiS den DareS PhrygiuS setzen muß. Denn nicht jenes/ sondern dieses lateinische Uebcrsetzung wird dem Cornelius Ncpos zugeschrieben. — Eben daselbst wird eine deutsche Uebcrsetzung deS Guido von David Förtcrn angeführt/ die zu Mümpelgard, 1599, 8. gedruckt worden. FabriciuS scheint in der IZililioll,. k^at. mecl. aevi, 1^. III. u. 1132, keine gekannt zu haben, die wirklich gedruckt sey, indem er aus dem Lambeccius bloß die prosaische und poetische anführt, die in der Wiener Bibliothek in der Handschrift liegt. — Ob das alte Werk, welches ich besitze: Die Hystori von der ersterung der hochedelnschönenko st lichcnundgroßmechtigen statt Troya, gedruckt zu Straßburg, 1499, in kl. fol. eine Art von Ueberfttzung deS Columna sey, müßte die nähere Vcrgleichung zeigen. ES sängt mit der Geschichte eben da an, wo DareS Pbrvgius anfängt, erzählt aber die beiläufigen Geschichten, z. B- deS JasonS und der Mcdea, viel umständlicher. Conclamatio. Außer der militärischen Bedeutung, welche diese» Wort hat, versteht man auch darunter dasjenige Geräusch und Gctbne, welches die Römer bei ihren Todten auf Hörnern und Trompeten, von Zeit zu Zeit, bis zur wirklichen Bestattung derselben machen ließen; sowohl, wie Hygin sagt, um die Anverwandten und Bekannten des Verstorbenen dadurch herbeizurufen, und sie sehen zu lassen, daß er natürlichen TodcS verblichen sey; als auch, wie Servius anmerkt, im Fall die Seele den Körper noch nicht wirklich verlassen hätte, sondern nur in Betäubung läge, sie wieder zu ermuntern, damit nicht, wie schon geschehen war, ein Lebendiger für einen Todten auf den Scheiterhaufen gebracht würde, wo er durch die Heftigkeit deS Feuers nicht eher wieder zu sich käme, als bis er nicht mehr zu retten wäre. Dom Martin hat diese Conclamation auf einem Basrelief deS AntiquitätensaaleS im Louvre bemerkt, und sie am umständlichsten und besten erläutert. Daß aber nicht allein die Trompete (tub-,), deren in der Stelle deS HyginuS gedacht wird, sondern auch das Krummhorn, welche beide Instrumente auf dem Basrelief zu sehen, dazu gebraucht worden, beweiset Dom Martin aus einer Stelle des Leslings Werk« xi. 1 ? 268 Kollcktanecn >ur Literatur. PetroniuS, aus welcher zugleich erhellet, daß es die Knechte des Libitinarii waren, die diese Lctchenmusik machten. Cornelius Nepos. Steph. Andr. Philippe hat seiner Ausgabe dieses Schriftstellers (Lutetiae panlior. tz?nis .Ic>. kardou, 1764, gr. 12.) ein Verzeichnis; aller vorhergehenden Ausgaben angehängt. Ich vermisse aber in demselben eine von den allerersten, nämlich die von Brcscia, aus der Druckerei des Jakobus Britannikus, in Folio, vermuthlich von dem Jahre 1497 oder 1498. Denn ich bekenne, daß die Angabe des JahrS zu Ende des BuchS für mich gewissermaßen ein Räthsel ist. Iloe onus, heißt es, prob! ^emilii ,le Virorum exeellentium Vita iwpreliit ^laeolius Lritsnnieus. In in- el^Is Liixiao eivilsle ^nno znl-^cclll). xv. (Aalend. Oclvliiis. III> bedeutet Zwei oder Drei von Fünfhundert, nachdem man den dritten Strick zweimal oder einmal nehmen will. Aber wozu alsdann die vorhergehenden vier kleinern ccce? Die Leben des Cato und AttikuS mangeln in dieser Ausgabe; und die Leben der Könige laufen als eine bloße Schlußrede der Lebensbeschreibung des Timoleon in Eins mit derselben fort. Da auch FabriciuS diese Ausgabe nicht gekannt hat, so gehört sie unstreitig zu den seltenen, und verdient mit den ncncrii verglichen zu werde». Barth war der Meinung: ^emilium p-olium, ->evc> lliemlnlii, t ornelii I^eiiatis liiiros in I^ilnmen lecle^ille; (vill. ^It/iv> lv. XXV. e. 15.) und daß wir weiter nichts, als diesen Auszug vom NcvoS hätten. Nur das Leben dcS Attikus hält er für so, wie es Nepos selbst geschrieben: I/mea, le6 ele^anlei' et iimnriv lvi-i^Ia vita vor,! l'uinelii IXe^nliz a<> nos venit, allen ^uiiioin uli^umisue, ut /^ttiei relius inteielsg nuiiis viileamnr, lsnvlies eam le^iniu«, et l'sne ejus e«inr>si:>Ii«iiv judicu^e s>ntoiui>t eruiliti viii ilo alleris iliis. (^./.o,/. 1^. Xl^Il. e. 2!».) An dem ersten Orte meldet Barth, er habe solches in einer eigenen Abhandlung erwiesen. Wo ist diese? — In seinen Anmerkungen über den Statius (so/<t. 2. v. <>2.) die Anspielung auf das Stück des Eupolis entdeckt habe. Er hatte ohne Zweifel seine Weisheit dein alten Scholiastcn des Dichters zu danken. Und doch ist eS abgeschmackt zu sagen / daß Iuvenal auf das Stück des Eupolis ziele. Er zielt nicht auf die IZanlae dcS Eupolis/ sondern auf die Kaviar! überhaupt/ die dieser in einem eignen Stücke lächerlich und verhaßt gemacht hatte. — Ob man aber hinlänglichen Grund habe, die CotyS oder Cotytto für die Göttin der Unkeuschheit und Unzucht selbst zu halten/ weiß ich nicht. Die nächtlichen Feste des Bacchus/ der IssS/ und anderer, wurden eben so unzüchtig begangen/ ohne daß es deswegen Jemanden eingefallen wäre, diese Gottheiten selbst zu Schuhmächten der Unzucht zu machen. Beim SuidaS indeß heißt die Cotys ausdrücklich öui,«,-^ — t'z,otzos ---^ --uo-x^', wo wir zugleich sehen, daß sie auch zu Korinth scy verehrt worden. Unter den neuern Dichtern hat Milton besonders der CotyS dieß Amt gegeben. In seinem Comns, V- 180 ff. sagt er: Ilail, t-millel's ok »oeluinal I'jiort, »-»rlc-veil'd <ü<>>^»u, und ich würde daher keinen Dichter tadeln, der sich dieser angenommenen Meinung weiter bedienen wollte. Daß auch die Römer den 17» Kollcktanccn zur Literatur. Dienst der Cotytto angenommen haben sollten/ ist aus der Stelle des Horaz, wo er ihrer Feste, Cotyttia, erwähnt, nicht zu schließen. Er läßt, Hio-/. XVIl, v. 5K. die Kanidia sagen: luultus ut tu lilvris Ool^IIia Vulgsta, t'scium libori Lupiitinis? Der Dichter aber scheint nur überhaupt die nächtlichen magischen, und auf verbotene Liebe abzielenden Cäcimsnicn der Kanidia so zu nennen. La aulem t?o/^ttta »ouiiuavit, ut Iioiiel'to voeavulo tui^iiu- üinem susru celarot, sagt der alte Scholiast. Die Römer hatten indeß andere eben so unzüchtige Feste, welche Juvcnal mit diesen vergleicht. Ran«-, hieß das obenerwähnte Stück des EuvoliS; und dieß war vermuthlich der Name derer, die in den Geheimnissen dieses Dienstes eingeweiht waren, wie aus der angeführten Stelle Juvcnal'S zu schließen ist. EuvoliS hatte darin besonders den Alcibiades sehr mitgenommen, dessen ausschweifende Jugend sich der Schändlichkeit jener Feste ohne Zweifel mit schuldig gemacht hatte; und es ist bekannt, wie hart sich ZllcibiadcS dcsfalls soll gerochen haben. — Bei der Stelle Juvcnal'S wären übrigens die Ausleger noch fleißiger nachzusehen, besonders GrangäuS, welcher sagt, daß die Cotytto sonst eine unzüchtige Tänzerin gewesen sey, desgleichen EraSmus im Hciagio, «^az>« >.oi^rrl0t«; ferner CruquiuS über die Stelle des Horaz, welcher xo^n/Zo? und >or^?l« von dieser Cottys herleitet. Construktion. Ein Beispiel sehr unpoetischcr Wortfügung, besonders in Verwerfung der Beiwörter, sind folgende Verse im Ti- bull, i.. ii. ki ?. v. r. IXe<: tilii maluei'is toi um lmao^uu^uo uer oiliem korlis srat vuliil» rulüoug »iva üove. Und diesen Pentameter kann Bronkhuvsen noch dazu wegen der verschränkten Glieder rühmen! Er glaubt sogar, daß cS ein ganz besondres und vorzügliches Kunststück dcS Tibullus sey, seine Pentameter so einzurichten: in s>ii,no iiemil'tiekio eollocat vina einllivla, . II. mit vielen Ercmvcln erläutert; alS: 8ei'g tawen taeilis ^vcus veuit zieclilius. ^«orv^v/^r// tlo^v?-««^/^?/ ^Vu»it. Alte Medaillons mit einem hohen Rande auf beiden Seiten. Sie scheinen ihren Ursprung aus Griechenland zu haben, und zu Ehren der Sieger in den Kollektance» jur Literatur. S6t olympischen Spielen geschlagen worden zu seyn; daher auch Rinck ihren Namen von der Stadt Crotona herleitet, weil aus der Historie bekannt ist/ daß einstmals alle olympische Sieger Crotoniaten gewesen; daher das Sprüchwort: czui Ooloniglarum poNiemus, is reliyuo- rum Li-gocorum primus; worüber EraSmus naäizuschen ist. Jobcrt sagt/ daß sie von sehr stachcm Relief/ in Vcrgleichung gegen andere Medaillons/ wären. Doch, das ist nicht allgemein wahr; es finden sich deren auch von sehr erhabenem; so wie auch sogar manche/ die tief gearbeitet/ und nicht geschlagen/ sondern gegraben zu seyn scheinen. Huoä v!etor!ales link, sagt Rinck/ palma cloeet; et veiilimile elt, vletores luclarum Ol^mpieorum illos ^>rimo ex vietoriae jure euclille. Und daß die olympischen Sieger dieses Recht wirklich gehabt/ erhellt aus der Stelle des Pollux vom AnaxilaS/ beim ^a/cüak« «le (Moronis, 5,. VI. v. 7. — korum msxima pgrs ^eroois et l'rsjam efligiom gerit; et eile potett, sagt Rinck gleichfalls/ «zuoil viclores Iiorum temporum Iwper»lorum espüa imprimere amaveriot. D. Deutsch- Bei der bewußten Stelle des Scioppius von den verschiedenen Dialekten der deutschen Sprache/ ist das nicht zu vergessen/ was im iV/'nmuia/i'co ^a/ae/iün/io ^1 ^V«^tie?i. 23/ dagegen erinnert wird- Auch wäre zu untersuchen, in welcher deutschen Mundart das Gespräch/ Hans Pumbsack, eigentlich geschrieben sey. Es steht in den j?acetiis k'aeeliarum. (Wolf. Bibl. 142. 12. Ltli. 12.) Deutsche. Mrs. Pilkington erzählt im dritten Bande ihrer Memoi^, die letzten verständigen Worte, (tenlZuIe worcls) welche Swift gesagt habe, ehe er in seine letzte tiefe Melancholie verfalle»/ in der er keine» Menschen mehr gekannt habe/ wären bei folgender Gelegenheit gewesen: Mr. //n,i taln unlleislancl liim, wliicli wlieu I>v ilill, I»e eiied: .^O^/ a K'ci'niaii, n»c! « 6?en<»«/ a /»c>l/,'Az// ^c/»iei /.tm.^ liis leivavt clicl 1o; ^c. d. i. „AlS Hä»dcl im Begriff war/ Irland zu verlasse»/ gicng er zu Swift/ um von ihm Abschied zu nehme». Der Bediente hatte ziemlich lange zu thu»/ ehe er sich dem Dechant verständlich machen konnte; und als er ihn nun 262 Kollektancen zur Literatur. verstand, rief er aus: Oho! ein Deutscher! und ein Genie! Ein Wnn- dcrmann! Laßt ihn hereinkommen," e?e7,nan Httan-c/«, sagen die Verfasser des H/o»i/i^ Kev/oiv. Vol. XVIII. p. 107, bei Gelegenheit der damaligen politischen Streik schristen zwischen Oestreich und Preussen, guä K'einia» l.'o,l/?ove,'- /?e«, aie »laverliial exnrel'liolls, to ligml>/, tlie lirkt, i» quarre! ^vitliaut eaute, tlie leeonil, a conli oveel')' willmul, e»6; d.i. „deutsche Zänkereien und deutsche Streitigkeiten sind sprüchwörtlichc Ausdrücke, wovon der erste eine Zänkerei ohne Grund, und der zweite, eine Streitigkeit ohne Ende, bedeutet." Diamant. Daß der Diamant nicht gänzlich dem Feuer widcr> stehe, hat man nicht erst durch neuere Versuche gelernt. Denn schon Aldrovandus, Mulaei klelelliei I.. IV. o. 78. >>. 948, sagt, wenn er des alten Wahnes gedenkt, daß er llsmwis relueteinr, et lerra uoii lraiigatui': „IVos autem e>'ellimuü, Iiorum allerlo cielleclero g veii- ^ tsie, ouiii «liuluriiilalo tcm^>c>ri5 ignilius c'oii/ilmn^ö,^ et lere Isoilem io ^ulverem reiligülur, li pil'lillo keueo in moilsii» eoulunelutur/' Diogenes. Daß sein Faß ein irdcncS und kein hölzernes Faß gewesen sey, beweist Hr. Klotz in seiner Abhandl. von geschnittenen Steinen (S. 111) sehr umständlich auS alten Gemmen, und glaubt, daß es nur daher zu beweisen sey. „Diogenes, sagt er, in seinem Fasse ist auf einigen alten Steinen vorgestellt. Man sieht, daß dieses Faß von gebrannter Erde, nicht von Holz verfertigt, oder mit Reifen versehen ist. Gleichwohl stellt man cS sich gemeiniglich so vor." — Daß cS sich Hr. Klotz so mag vorgestellt haben, kann wohl seyn; aber daß man cS sich gemeiniglich so vorstelle, ist nicht wahr. Wenigstens kann cS sich keiner so vorstellen, der die Verse Iuvcnal'S darüber gelesen hat? »ut. XIV, v. — — — Doliü »mli önlenl, t^ni»i; l! lVe^vri«, ollei-i» liet (!>S5 ilonius, aut, euilei» nlrunli« vi,i»u>ill'ii mimeliil. 5i>n,lit ^Ivxünil«;,', tel'l« vui» viilit in ill» ^la^num tiguilalvi cm, «juu»>» s^Iiüior Illc, «jui ?^il entere!, <^ii Ixluni li!>> jivl'eeiet oiiiem. DaS Wort tel'ta, der Umstand, daß eS nicht verbrennen könne, und daß cS mit Blei wieder ganz zu machen sey, beweisen ja deutlich, daß eS nicht von Holz, sondern von Erde oder Thon müsse gewesen seyn. Alle Ausleger Invcnal'S haben dieß bemerkt. Was brauchen wir Kvllektanec» zur Literatur, 263 also erst aus Gemmen zu lernen, was wir aus einer deutlichen Stelle bereits wissen? Der einzige Menage, glaube ich, ist es, der ein hölzernes Faß vielleicht annehmen zu müssen glaubte, weil Lucian sage, daß es Diogenes hin und her gerollt, um auch nicht müßig zu scheinen, als die Einwohner von Korinth bet einer zu fürchtenden Belagerung sich so geschäftig bewiesen. Und doch gesteht Menage, daß Diogenes zur Noth cS auch mit einem irdenen Fasse habe thun können. Die Stelle des Menage (sä D-ox. I-ae-'t. I.. VI. tz. 23.) ist diese: lel'ta- eeuin »on iuille Oiuxenis llolium, l'ev>I. !V. en. 59.) angemerkt und erwiese», indem er in einer Menge von Beispielen zeigt, vel ea>lem 1'aeniu» ineuleuii, vel uno eveleiiKjui! loee» lliverl'a traili. Donners borg. ES wird wenigen bekannt seyn, daß dieses ein feuerspeiender Berg, und zwar ein feuerspeiender Berg in Deutschland ist. In der Pfalz nckmlich, bei Rheintürkheim, einem kleinen Dorfe a» dem Ufer jenseits des Rheins. Man lese, was McgalissuS da- v)» sagt, in der Vorrede zu seinem undcntschcn Katholiken. Dieser McgalissuS ist M- George Litzcl, von dem wir eine Ilil'toruun puelurum (Zraecoruin Germania« haben. S Beitrage zur kritischen Historie der deutschen Sprache, St. Vll. S.43L. Dresden. „Der größte Schatz von Altcrhümern in Deutschland b'findct sich zu Dresden. ES besteht derselbe aus der Gallcrie Chigi 264 Kolleklanccn zur Literatur. zu Rom, welche König August mit eo,ooo Skudi erstand, und dieselbe mit einer Sammlung von Statuen vermehrte, welche der Kardinal Alessandro Albani demselben sür lo,ooo Skudi überließ. Ich kann aber das Vorzüglichste von Schönheit nicht angeben, weil die besten Statuen in einem Schuppen von Brettern, wie die Heringe gepackt, standen, und zu sehen, aber nicht zu betrachten waren. Einige waren bequemer gestellt, und unter denselben sind drei bekleidete weibliche Figuren, welche die ersten Herkulanischen Entdeckungen sind." (Winkelmann von Empfindung des Schönen, S- 20.) Was Winkelmann hier drei bekleidete weibliche Figuren nennt, - nannte er vorher in seinen Gedanken über die Nachahmung griechischer Werke, S. 18, drei Vestalen, und bewunderte an ihnen vornehmlich die große Manier in den Gewänden. — Außer diesen bewunderte er auch damals in Dresden eine so genannte Agrippina; eine sitzende Figur, größer als die Natur, mit gestütztem Haupte auf die rechte Hand. Ebcnd. S. 18. — Die gedachten Vestalen haben dem Prinzen Eugen gehört, und die Künstler in Wien haben ihre Ausführung nach Dresden sehr schmerzlich empfunden. Eben das. S. 20. — Von Werken neuerer Bildhauer rühmt Winkelmann daselbst die Arbeiten deS Matticlli, von dem Fücßlin weiter nichts weiß, als waS w- daselbst sagt, daß er zuerst in Wie», und nachher in Dresden gearbeitet habe. E. Eb ermayer. Von der Ebermayert scheu Sammlung geschnittener Steine spricht Hr. Klotz, als ob er cS wäre, der das Betrügerische derselben und den eigentlichen Meister der darin enthaltenen Stücke entdeckt habe. „Ich glaube, sagt er (Abhandl. v. gesehn. St. S- 135.), daß Dorsch sie. alle geschnitten hat." — Daß Dorsch das Meiste daran gemacht habe, hat man längst vor ihm gewußt; aber er hätte nicht sagen sollen, alle. Schwarz sagt nur: magiiaai >>a7- lem; und Lippert in seiner Daktyliothek (S. 324), gleichfalls mir: das Allermeiste. Von diesem letztern lernen wir auch, daß die ganze Sammlung hernach vom Könige von Portugal gekauft worden. Da Klotz dies Ercmpel des Betrugs anführt, so hätte er mehrere anführen sollen und können; besonders die Gorläischc Sammlung. Edelsteine. In dem eigentlichsten Verstände nennt der Natu ralist nur die allerhärtestc» Quarze, Edelsteine; und Quarze »emit Kollektaneen zur Literatur. 2«Z er alle feste, mehr oder weniger durchsichtige Grubensteine/ welche mit Stahl Feuer schlagen. In diesem Verstände sind nur der Diamant, Topas, Amethyst, Rubin, Granat, Smaragd, Hyacinth, Sapphir, Beryll und Chrysolith, Edelsteine, von welchen jeder Artikel nachzusehen ist. Im weitlckuftigern Verstände aber zählt man auch andre feste und eine glänzende Politur annehmende Steinarten, als: Opal, Jaspis, Porphyr, Türkis, Karneol, Chalccdon, Onyx, Malachit, u. s. f. unter die Edelsteine. — (S. Vogels Mineralsystem, S- 137.) l. Von den Schriftstellern über diesen Theil der Naturgeschichte. Ich will sie so durchgehen, wie sie KamilluS Leonardi vor sich gehabt und genutzt zu haben bekennt, in seinem Speeulo I.svio'iim, II. V. ., Deerevi ia lwo espitulo nomioa omoium 6oeto- rum, a oio — ^viceooa — ^ognaes kletue — 8slomoa — I^ü^llologus — ?!imus — Lolious — I^amilaiius — Ileligwi>nllu8 — Illilorus — ^roalllus — ^ulia — Oiooz?lius ^Iex»n- /a^ick^ von dem ich aber nicht finde, daß eS jemals in einer Sprache sey gedruckt worden. (/>'«ü-t>. Kilil. 6r. I. eap. X.) Dieß Manuskript war im Jahr der Hegira 749, d- i. im I. Ch. 1Z4S, geschrieben. Conring meint, es müsse aus dem Griechischen, nicht aus dem 266 Kollektanecn zur Literatur. Aegyptischen, seyn übersetzt worden, weil der Verfasser Hermes/ und nichtThvth hcisse. FabriciuS merkt an, daß es Albertus MagnuS scheine gebraucht zu haben, weil er in seinem Buche, «/e die Meinungen des Hermes, besonders bei den Edelsteinen, öfters anführe. Albertus mag auch wohl der seyn, aus dem Lconardi den Hermes kennen lernte. Evar soll ein König in Arabien gewesen seyn, der an den Kaiser TibcriuS Nero ein Buch, -ie Si»-^//«-««» ^Fec/iS»«, geschrieben habe. Dieses gründet sich auf eine Interpolation des PliniuS (1^. XXV. 8eel. 4.), wo aber, wie Harduin erwiesen, anstatt Evar, CratevaS zu lesen ist. Harduin vermuthet zugleich, daß diese Interpolation aus dem Anfange des MarboduS entstanden sey: Lvsx, rex ^rsbum, sertur I'crij>l!lls I^eroiii. Und eben dieses Gedicht des MarbodnS ist es, welches Leonardi hier meinen muß, indem cS mit den Anfangsworten öfters angeführt worden, und der lateinische Dichter seine Nachrichten aus der Schrift des Evax genommen zu haben versichert. Ilujv8 Lv-ww opvra car- mme elegisco loripta Iiaheri sjuiit ^enariae. et Viennae ^u5>riso, iocsuit T'i^a^uettus, I.ili. cie Ilrli. cap. 3 t. p. 194, setzt Harduin hinzu. Was aber dieses sür Werke sind, weiß ich nicht; ob daS nämliche Gedicht, c/e /c-^-Mi-s, oder andere. Serapio haben verschiedene griechische Aerzte geheißen, und besonders der Stifter der empirischen Sekte. Hier aber soll wohl der arabische Medikus, Johannes Scrapio, welcher um das I. Chr. 1070 lebte, zu verstehen seyn, und von welchem wir verschiedene ins Lateinische übersetzte Traktate haben. S, IZilil, kf. Vol. XIII. p. 299. Avicenna, welcher gegen die Mitte des cilftcn Jahrhunderts starb, hat auch von den Steinen nichts insbesondre geschrieben, sondern ihrer nur beiläufig in seinen mcdicinischen und philosophischen Schriften gedacht. Johannes Mesue desgleichen, der weit älter als Avicenna ist, und in der ersten Hälfte des neunten Jahrhunderts berühmt war. Salomon soll ohne Zweifel der lüdischc König seyn, dessen Weisheit und Kenntniß der Natur so groß gewesen. Da er alles verstanden, so wird er sich wohl auch auf die Steine verstanden haben; und Mi- chael GlvkaS ?. II. ännalium (v. Lil,!. kr. Vol. XIII. p. 388.) sagt ausdrücklich: kcxvcr^^oz^?- ö- ^«>,o,>i,i»>v Z-->-v, e/c. Physiolog uS ist nicht der Name eines Schriftstellers, sondern eines Buchs, und zwar eines doppelten, die aber beide nicht von der Kollcktaiieen zur Literatur. 267 Natur der Steine, sondern der Thiere, handeln- (S- den Art. Phy- siologuS.) Vielleicht, daß es noch ein drittes gegeben/ welches auch von Steinen handelte. PliniuS und SolinuS sind bekannt. Den letztern muß man ohne des SalmasiuS Anmerkungen gar nicht lesen wollen. LavidariuS ist gleichfalls vielmehr der Name eines Buchs, als eines Autors, unter welchem nämlich, wie GeSner in seiner Bibliothek sagt, vom VincentiuS, Albertus, und andern, öfters des Marbo duS silier Lapiilum angeführt wird. (S. den Art. Marbodus.) Heliamandus. Von diesem Namen finde ich nirgends Nachricht. JsidoruS ist der Rischof von Scvilicn, ein Schriftsteller des siebenten Jahrhunderts, der in seinem Buche, 0^-»«,», vieles aus alten Schriftstellern übergetragen hat, die zum Theil verloren gegangen sind. Arnaldus. So hcissen mehrere Schriftsteller. Welcher darunter aber von Steinen etwas geschrieben, habe ich noch nicht finden können. Vielleicht daß ArnalduS de Villa Nova, der zu Anfange des vierzehnten Jahrhunderts noch lebte, und viele mcdicinische, physikalische und astrologische Bücher hinterließ, verstanden wird. Juba, der König von Numidien, den Cäsar nach Rom im Triumph führte, wo er sich zugleich in den Wissenschaften übte, und viele Werke verfertigte. PliniuS bekennt, ihn zu seinem 37sten Buche genutzt zu haben; und da alle seine Schriften verloren gegangen sind, so kann Lconardi auch nur die vom PliniuS aus ihm beigebrachten Nachrichten hier meinen. Besonders hat er von den Steinen auch nichts geschrieben, (v. //li^ii-»» Index ^ueloiaiu s6 /V,»«»?».) DionvsiuS AlerandcinuS. Auch dieses Namens giebt cS me- rcre, und ich weiß nicht, welchen Lconardi meint. Albertus MagnuS. Vornehmlich in seinen Büchern-/e VincentiuS Historialis, Ich vermuthe, daß VincentiuS BcllovacensiS, ein Dominikaner, der ums I. 126o ein großes Werk unter dem Titel: «/iecu/,«n ^Va/in-n/e, geschrieben, hier gemeint sey, über welches Werk, FabriciuS einen Indioem Seriptor. dem XlVten Bande seiner p. 107. einverleibt hat. Thctcl RabanuS kenne ich nicht, eben so wenig als den Barihol o m a u S de Ripa Romana. MarboduS. Von ihm s, unten einen eignen Artikel. Ortulanus ist mir »och gänzlich unbekannt, so wie silier tleolgrum, (ÄrnueoniaL, und Imitier 6e I^allira livruw, welches Titel von Büchern sind, die ich bei Gelegenheit muß kenne» lernen. 268 Kollektaneen zur Literatur. KiranduS soll wohl der vorgebliche König der Perser Kyran- nus, oder/ wenn er griechisch geschrieben wird, Ko-h-vo?, seyn, unter dessen Namen ein silier pkxliealium virtutum, aus dem Griechischen ins Lateinische übersetzt, vorhanden ist. (S. ^o^o/. pohliilr. I.. I. v. Xl. §. 6. wo Morhof des ReinestuS Vermuthung beibringt, daß Koliliudi (liomae, 1741. p. Xl.) Zugleich führt er in der Note verschicdnc Künstler an, die damals in Verfertigung solcher Pasten zu Rom sich am meisten auszeichneten: „Lxcellunt modo iu uilie: t7«,-o/it5 ^»n/itc,-, liomauug .^uii- lex, Llius ^«lriaol, k^ulotiae puriliorum »ati, nariter aurilici», tt/s7-tcu« De/i?t^ Luecus ex proviucia I'oineraoia, cjui maximam Aemwarum eopism dikee vi- tiis eklinxil, et eaullem ^uotiilie au'suAvt gemwis iotigniorilius. Ilarum vero elex-uitiaruM leiiei» veuslero praebet; live etiüm eei^pa ex illis äilixenler llueta plu8 v6ium Isp!6em, expei'iweuto proliaveris, verss else xemma8 putes: et li suvulo illas ioterueris, ulrol^ue enim mullse tsuulae, praeeinue io t'ueiolsiicla Vstiesna üalilics, aeteruo tetlellsto upere conkeela spcelimtur). ^/e^ius igitur vilress otlas parst Zemmis Lelitlis eonlli>nili8 valäe ilZooea». 8eil ut iogenium v!ii extraoeis eliam Iio»>iuil»u8 iur>ote5est, nou eoim llo trivio, vulgaresk^ue Iiowiues urnponimus. Is puipureum colorem, ljuo ^glpiu'es saelitiae colo- >is ruvii pargntur, l'uo tiullia 2>lte^uu>u8 ett, et iu eo sä texa- ^iuta Krailus evloris ruvri (r^uam l'eslaiu oppellant) nempe a ro- l'iiceo l'uvalulllo aci purpuieum teriei villvll niiravililer pervenlt, l!»e <^uivu8 peruauea pisellioet a,8 ruutivaria. ?orix> illue äeve- iieiÄMU8, ut «zuui» cju86em eolori8 muüv!>i'iu8 iuttigeret, opeia velullioi.i neeell'e Iialieivt tZilluIveie ae itelere. ^lia <^uo^ue lau- äuttilia ulsjue ulilia praetlat ^t/t>.,tu« 5elici iogeuii tui couatu; ita ut «ji^nus illo Iiouore, et coinpeusaliouv ceutenu'us Lt, qusm ealamita8 uokliyrulv lernpoiuw vet lorc», vel minimv repeuäit. Ehrenrafel. So hcifit in der Oberlausitz ei» außerordentlicher Gerichtshof, der nur für Edle ist/ und nur aus Edelleuten besteht. Selbst die Advokaten müssen von Adel seyn. Er richtet nur über Ehrensachen, über streitige Wavpenschildc, und über Injuricnsachen, in Einer einzigen Sitzung. Unter Struvc'n hat im Jahr 1739 ein Baujiier, Fohrl, eine eigne Dissertation davon geschrieben, in der aber wenig mehr zu finden ist, als Grosser und Carvzov haben. Das lchte gehaltene Gericht dieser Art ist von 1684; und aus Fohrl's Abhandlung sehe ich nicht einmal, ob seitdem wieder eins scv gehalten 270 Kollcktanecn zur Literatur. worden. Ohne Zweifel wird durch den Unbrauch auch dieses gute alte Vorrecht nun wohl abgcschaft seyn. Johann Ein out. Ein hollandischer Mahler zu Anfange des sechzehnten Jahrhunderts/ von dem ich beim Fueßlin keine Nachricht finde; von dem aber in I>ee>t O/inieeT-i (ülli-onoßr. p. 7Z6. eines Gemähldes gedacht wird/ woraus Peter Acrtseus, sonst der lange Peter genannt, sehr viel gemacht habe: ^„/.annes Z.»«,/,-«, i^lli llorebat a- 162Z, koteroilsivi, inlignis sligg vieloi', czu!, exem- plo Ts/o^-as oiv!« tni Oi?/?c?. ^n/?,,/ niovocalus, pinxit laliulam ex sllio (ükril'li alliAencli cruci, in «zu» vg,ii eoloi-is al,^ue «live?- Ise lormae ciii?c»i-lliium liominum liAurae oonl^iciclianlur; ila »t grtillce8 in es viclereot errsla omniurn eelelirimn vielorum. viilo. returciuo inl'v non moilo ariilieibu«, teil eliam illulille orli. Opmeer's Werk verdient überhaupt nachgeschlagen zu werden; indem ich aus Jüngeres Dill', cle in-milius z»'<:>un8 sehe, daß bei ihm auch sonst noch holländische Künstler genannt werden, deren ich sonst nirgend erwähnet finde; z. E. ein Guiliclmo Tattero. -Elpistiker. Unter diesem Titel will ich die Kleinigkeiten sammeln/ die mir zu meiner Abhandlung über diese Sekte vielleicht noch dienlich seyn dürften. °) LIegans klegis l/e S/is, inter Vetera poemalia a ^. ^i eelilg, eujus ioitiurn ett: 8nes sallax, ls»es «luloe walum, l^e8 l'umma mslorum, Rnlsmen mil'eiis, izug tua sala tisliuni! Ohne Zweifel wird diese Elegie auch in Burmann'S Anthologie stehen? — — Sie steht daselbst/ und ist das 82ste Gedicht des dritten Buchs/ i>. 331- Sie ist von keinem schlechten Poeten/ ob sie gleich sehr deutliche Nachahmungen des Tibull und Ovid hat. Die sich über alles erstreckende Macht der Hoffnung wird darin beschrieben, aber mehr von der Seite ihrer Täuschung als ihrer Wohlthätigkeit. Vieles würde ein Elpistikcr sogar nicht von ihr gesagt haben. Daß die Philosophen die Bildnisse der Stifter ihrer Sekte, und andre dahin zielende Symbole in Ringen trugen, ist bekannt. Vielleicht geHorten also die alten geschnittenen Steine Elpistikern zu, auf welchen der Name der Hoffnung vorkommt. Dergleichen ist unter des /'tcct>- °) S. Band V, S. 47 und oben S, 51. Kollcktanccn jnr Literatur. 271 Lernn,!« I.ilersli«, lad. I. n. 12. ein Karneol mit dem Worte und lall. II. n. 16. mit den Buchstaben L?L 1Z IZ. stl. welches Galcotti sehr wohl durch «/ie et Sana Me«/e erklärt. Diesen schlichten, mit bloßen Buchstaben versehenen Stein könnte ich zur Vignette meiner Abhandlung nehmen. Engel. Die katholische Kirche läßt keine Namen der Engel gelten, als die drei, welche in der H. S- vorkommen: Michael, Gabriel, Raphael; und sie erlaubt es nicht, daß man mehrere Namen guter Engel erdichte, und sich unter solchen erdichteten Namen an sie wende. Unter den Ketzereien des AldebertuS, welcher im I. 704. auf einem SvnoduS zu Rom unter dem Pabste Zacharias verdammt wurden, war auch diese, daß er Engel unter unbekannten Namen angerufen hatte, dergleichen Uricl, Ragucl, Tubuel, IniaS, Tu- buaS, Sabaoth, Simicl, u. a. waren. Der SynoduS erklärte ausdrücklich, daß dieses nicht Namen von Engeln, sondern die Namen böser Geister wären, die er um Beistand angerufen habe. S. ^Vnla- /tt/i« nü ^/ea-nnckl», See. VIII.--Den Namen Uriel, als eines guten Engels, hat Klovstock autorisirt. Evax. S. oben, unter den Schriftstellern von Edelsteinen. Die Stelle, die beim PlintuS von ihm handeln soll, verdiente näher, und mit Zuziehung guter Manuskripte, untersucht zu werden. Sie steht I.. XXV. o. 2, wo cS vor Harduin in den gedruckten Ausgaben hieß: Lx Ins Lvax rex ^raiiuin, cxui ile tjimplieium eileetiliuü all I>ieronein leiinllt. Lralevss, e/e. — Die Worte: ex Ins bis t>a- tevn«, sagt Harduin, stehen in keinem einzigen Manuskripte, und er vermuthet, daß sie aus dem Anfange des Gedichts des MarboduS cingeschobcn worden. Einer von seinen Gründen ist auch der, daß MarboduS unter dem Nero den Tiberins verstehe; denn er seht hinzu: <)ui polt ^»Kustum rexnavit in oriie teeunclas; daß PliniuS aber diesen Kaiser nie Nero nenne, ob er schon wirklich diesen Zunamen gehabt habe, sondern unter dem Nero jederzeit den DomitiuS Nero verstehe. Dieses möchte nicht so völlig wahr seyn; wenigstens ist I.. VII. leet. 4K, e-/-,. ////?-. I,. XXX. leet. 6.) Und cS wäre nicht unmöglich, daß unter diesen einer dieses Namens gewesen wäre, der sich sür einen kleinen König in Arabien ausgegeben hätte. Wenn man diese Vermuthung annehmen wollte, so würde man leicht sagen dürfen, daß Marbodus, oder wer sonst den Auszug in lateinischen Versen aus den Schriften des Evax gemacht, sich in dem Nero geirrt habe; da er sie an den Nero überschrieben gesunden, habe er sich nicht eingebildet, daß eS der viehische Nero seyn könne, und also den andern darunter verstanden. Daß die verdächtigen Worte aus dem Marbodus in den Pli- nius gekommen, dünkt mir deswegen nicht wahrscheinlich, weil bei dem Marbodus Evax nur von den Kräften der Steine, beim Pli- iiiuS aber l?e «ini/ikcium ^cceÄ?-» überhaupt geschrieben haben soll. Sonst können die Schriften des Evax, welche zu Fcrrara und Wien liegen sollen, nicht das Gedicht von den Edelsteinen seyn, weil jene carwino elegiaco geschrieben seyn sollen, dieses aber in Hexametern ist. Um die Vermuthung, daß dieser Evax einer von den Magiern gewesen, welche TtridatcS mit nach Rom gebracht, noch wahrscheinlicher zu machen, könnte man anmerken, daß die Magier den Titel König geführt zu haben scheinen, welches aus der uralten Verwandlung der Magier, welche den neugcborncn Christus besuchten, i» Könige erhelle. Tertulltan (I.. III. al/v. Ma-cia».) sagt: klaxos lei-s liege« Iisliuil Orieos. Und PliniuS selbst hat eine Stelle, wo er sagt, daß es auch tn Arabien Magier gegeben habe. Auch ist so viel gewiß, daß die magischen Grillen und Betrügereien von den verborgenen Kräften der Edelsteine zu den Zeiten deck Plinius sehr bekannt und geläussg waren. Denn er sagt ausdrücklich in seinem 37sten Buche, daß er bei Erzählung der Edelsteine zugleich mit auf die Widerlegung dieser Grillen sehen wolle, sä majorem utililötem vitse oliiter eoargustur Uggoruw ios-mlla vsoitss, Kollcktaneeii zur Literatur, 273 lluaruZo illi et pluiima prodiiZero de gewmis, meilleina ex ins Iilanda speeiv ^irocligia tiansgretsi. (8eot. 14.) Endlich schc ich nicht, warum kvox rex ^ralium unwahrscheinlicher oder für dcn PliniuS nnsÄiicklichcr seyn solle, als Xac/ia^n« Sai>,^,ittts, dessen Bücher an den Mithridat er im 37sten Buche, kect. 60, gedenkt. Eupolis. Seine TodeSart, die gewöhnlich so erzählt wurde, daß ihn Alcibiadcs zur Strafe für sein Schauspiel, Nn/i/as, habe ersäufen lassen, war schon bei den Alten streitig; oder vielmehr, Era- tosthcncS hatte das Gegentheil davon erwiesen, S- t^c, I?pp. aä ^lttic-. I.. VI. ei>. 1. ^'^<7/.cs«o^!^8, Augustin über Ps. 67, (I. IV. tts,^,. 512.) sagt: ea'c/?t/o7'e« clieualur i» ai/e ai g'en/eii'/a, rellore8. Es sind also weiter nichts als Gicsser in Erz, Glockenspeise, oder einer andern vermischten Masse. F. Fabel; äsopische. WaS Rousseau von dem Gebrauche der Fabeln bei dem Unterrichte der Kinder in seinem Emil sagt, ist nicht ganz ohne Grund. Alle die Fabeln, welche bloße ErfahrungSsatzc enthalten, sind für die Kinder nicht. Zu ihrem Gebrauche müßte man die aussuchen, welche bloße moralische Regeln enthalte». , Zu meiner Erklärung der alten äsopischen Fabel von der Scham- haftigkcit") hat mir der scl. Herr Rektor Hcusinger eine Stelle des NoninS nachgewiesen, die ihr vortrefflich zu statten kommt. Oder eS ist vielmehr eine Stelle des Varro, aus seinem Verlornen i^-^ o-ea-u- die NoniuS unter ,»u/ic-cii'it anführt, und aus welcher er zeigt, daß dieser Ausdruck so viel als <^e»>gchcissen habe. Es wird nämlich in dieser Stelle des Varro jener Weg der unnatürlichen Lust, durch dcn ich annehme, daß die Schamhaftigkcit in der Ssopi- °) S, oben S> 100, ?cssi,iqs Werke Xl, ^ 274 Kollcklaneen zur Literatur. schcn Fabel einziehen solle, culiieulum puelnris genannt, indem Varro von einem sagt, oder sagen läßt: Ilic ellcliiium muliorsvit; Iiiv :»t me 6eoa scivlelceulem oudivulum siuilm-is piimiis jxilluit. So hat Mcrccrns in seiner Ausgabe des NoniuS (der besten und seltensten, l'-»-!!'. 1614. S.) die Worte dcS Varro nach seiner Handschrift abdrucken lassen; und so, glaube ich, lautet sie auch Wort sür Wort in unserer Handschrist des NoniuS. Aber in seinen Noten meint er, daß sie ungefähr so müsse gelesen werden, oder gelesen werden könne: Ilie elsoolum muüeravil: kio meilec> !>Z^.«,;, lpecies eolnris «»ge^ulea; das wäre also himmelblau. Nach dem EustathiuS hingegen, -lö->'? Xtz---.^«rc>s ^«vo?. Doch seht er hinzu, so wie der Himmel, wenn er gänzlich «^>xt>,<>? scv- Beides wüßte ich nun nicht besser im Deutschen mit Einem Worte auszudrücken, als durch grau. Doch dürfte blau auch wohl eben so gut seyn, weil das Dunkelblau doch ins Schwarze fällt. ^o»^c>?, gelb? llavus, i'ulus. blümerant ist vom Französischen i/eu m<,»,-a»t, bleich blau. Färse. Eine Komödie, die bloß Lachen erregen will. Wir müssen dieß fremde Wort wohl schon brauchen, denn unser Possenspicl ist mehr ein Schimpfwort, als daß es eine besondere Gattung der Komödie andeuten könnte. Aber, wenn wir cS brauchen, müssen wir nicht Farce, sondern Färse, schreiben, damit es weniger Französisch aussehe, und wir nicht auS der dritten Hand zu borgen scheinen, was wir so gut, als die Franzosen, aus der ersten nehmen können. Den» eS kommt ohne Zweifel, vermittelst des Italiänischen Fn-/a, welches eben das bedeutet, von dem Lateinischen:/a^cio, /a^/um, und drückt, wie das Wort Satu?«, eigentlich einen Mischmasch von Allerlei aus. Das Wörterbuch della Crusca leitet indeß das italiänische Wort/'«^/» von dem griechischen -^o-o? Her, welches (von v«tz->?, ein Mantel, Kollcktanecn zur Literatur, 275 ein Ueberrock) auch eine Art von Kleidung w>.r, von welchem die Verfasser vielleicht annahmen, daß cS die Kleidung der Schauspieler in den Färsen gewesen sey. Dr. Faust. Zu meiner Tragödie über diesen Stoff: Diogenes Lacrtius (I.. VI. H. l»2.) erzählt von dem Cyni- «/i.a^ai'o.ii.-vi-iv, o^u? 5«>>lv '««vi^v ^aiisw «?az^Xc>t -roi? !xk<> <5ai,«,o- Daß er in seiner Schwärmerei die Schwachheit des Geistes ohne Zweifel, da man lauter i^a-r« oder Schreckbildcr zu sehen glaubt;) so weit gegangen sey/ daß er sich als eine Furie gekleidet/ und so herumgezogen, mit dem Vorgeben/ er komme aus der Hölle/ um auf die Sünder Acht zu haben, und den Geistern daselbst Nachricht zu bringen. — Dieses kann vielleicht dienen/ den Charakter des Verführers in meinem zweiten Faust wahrscheinlich zu machen. Desgleichen/ was Tamcrlan zur Entschuldigung seiner Grausamkeiten von sich selbst gesagt haben soll: <üu>' tu me Iiomineni nuts8, et oon I)ei iram polius 06 Iiominum iiei'nieiem in ieriis o^eniem" («aietticu^ I.. VIII 0. 3.) Eine Scene aus der l/,ii>c-/ai //.//»i-z,. Vol. XVII. p. 38. „In Ilie till't ^ear ok Iiis reign 716;) ^/lr/a//»tas, prioce vf tlie HuraceuZ, tool< liv l'urnri^e Il»e eitv os ^e,'A is Inol<'i'»ce»5 xve>e prcnaring lu invacle ^Vlis, iiacl ripneä uu ilie vellv vk a >voman l>ig wiili elnlll, onil Iioiling Ilie inlant in a bettle. Ii»cl tlivneii Ilieir ri^>>t Iiancls inlo tlie waler, lieivA pei l'naclecl vv a kla^ieisn, tliat tlivv woulii Iiecoiue liv tli.it means invineivle, ancl Iax. //o^n^ttt?» ^a?'n^/?««t nenolern, tummse lnei arlole- l'cenlem, I'raekeotum uruis creat, snno lulut. 1549. Unter diesem Pabste und um diese Zeit ist er also zu suchen. S. 3- Vol. II. p. 123. Ebenfalls Nasari, p. 3. Vol. l. p. 134, in dem Leben des Loren zctto, sagt, daß dieser Kardinal einer von den ersten Großen in Rom gewesen sey, welcher alte Statuen restaurircn lassen. Es ist Hippolvtus EstensiS, oder Hippolvt aus dem Hause Este, ein Sohn des Mfonso I- Herzogs von Ferrara, geboren 15»9. Der Papst Paul III. machte ihn im I. 1538 zum Kardinal. Sein Leben s. beim Ciacconi/ 1°. III. p. 650, wo cS von seinen Gärten insbesondre heißt: liomsv in ymimali ->e T'iuui-e Iiorlos, smoeoillimos in luwmo rnonlis exltruxit cum nerm.ix;nilico nrae- torio, ttstui» gnl!ciui5, nicluris, et re^ia prorlus tuvelleetili nleno, all imilalionorn priloi luxus et knlen6olis, 6e «zuilius />«?if//i?«.>, ^c^o//u« et ^ittAttkr««L ni Itinerario Ilalise.-- Ilujus lieet villoo, sährt Ciacconi fort, nrsetoiiiczue elegaotlbus «lelieiis. volislimsizue cultuis waxiwo kumtn iolti'uetg, saeno Hin- nsii^ti Larilinslis suimus relsxalns, no» falis iainen lon^um vilse snatiurn neregit. IXsm eum vouiluni terlium et tex-iAelimum ae- t»tis snnum atliAlllvt, clie AIinli8 IV ^onas Docemliiis, anno ta- lutis 1572, , wo von dem mooto yuirinali fmc»tte «?t cava//o) gehandelt wird/ es von den Gärten des Kardinals heißt: in uoe monte dort! lunt rnggnilicentitllioi k'errarielllis (üanlioalis, yuilius oulli Rowse sriiorivus I'»Ieomciioi'e8, ut et LI- vse l'peeiem prseliegnt et lali^riotlii. Il^e re vineunt Ourventes ünrtos; tec! anticiuilalidus et mtei'ipliomvus priteis tunt iokerio- res.--In der italiänischen Ucbersehung, Venedig/ 1610/ Bl. 74/ p. 2. steht bloß: wollte (üavüllo, ciov' era la ViZoa 6e1 i^sr- clinal Lkte, üora e il valszieo elel ?ollletlee, muravigliolo per i Iivlelietti eto. Also sind denn die Gärten des Kardinals zu den Gärten deS päpstlichen PallasteS gezogen worden. Von diesem Pallaste sagt de Lande, k. III. p. 653. I?sul III. vorg l'üll 1640 kut le Premier, l pour ton llabitatiou. Lregolro XIII ell üt uo palais plus eonllclerslile, et aeüela «In Laräinal ull xran6 jarciiu, sjn'il svait vre8 rio lü. Dieser Kardinal kann nicht Hippolito gewesen seyn, als welcher in dem ersten Jahre Gregors XIII, starb, aber auch nicht wohl Alovsius von Este, jenes Neffe, welcher zwar erst 1380 starb, von dem eS aber doch beim Ciacconi heißt: liomse in Huirinali in Iimtis lnis aniwaui ox- Iialavit. (I. III. u. 930.)°) Francesco Ficorsni. Graf Caylus (Alterth.Vorb. S-X. der deutschen Ucb.) sagt pon ihm, cr habe seine meisten Werke nach den Nachrichten verfertigt/ welche ihm der Pater Contucci/ ein Jesuit/ lieferte. °) „Eine Statue der Agrlppinc, die aus dem Bade tritt, im Patlasic der Thuillcrics kommt unter den Ll-uue» ve vulivs »nliiiue» tles »li>itu»!> ttuvsle» >z<- ?»ri!j I>»riti, t«77.z auf der achte» Tafel vor. Diese Slawe war ehedem iu dem Kabinette des Kardinals Mazarini! und sie ist es, welche die Dresdner Agrippinc laufen hclse». Denn weil sich diese eben so auf den rcchlc» Arm stutzet, und fast in einer eben so gedankenvollen Stellung da sitzt, wie die Dresdner, so Hai man ohne Zwciscl die eine nach der andern genannt. Mich daucht sogar, daß der Kopf der Dresdner von dieser Franzosische» entlehnt ist, wenigstens sind die gescheitelten langen Haare an beyden die »chmlichc». Die Französische aber ist nur vier Fuß hoch. Del Nuleo Lilniloliiiu 'j'om. IU. lall. aa. Die ^Vgrippi»» >I< «»IM.-!-, »ic« sitzt mit über einander geschlagene» Beinen, an die Lehne eines Stuhls 278 Kollcktanccn zur Literatur. Der Pater SontucciuS Conti, cci war Aufseher des Kircheri- schen Kabinett — Ausser den bekannten Schriften des Ficoroni/ die er selbst herausgegeben, kamen noch nach seinem Tode zu Rom, 1757, in 4t0 heraus: Lcmmav ^nii^uae I^ileralav, aliae^uo rmiores, unter der Besorgung und mit Erläuterungen dcS Jesuiten Nicolao Galcotti- Ficoroni hatte nämlich alle geschnittene Steine zusammen getragen, auf welchen sich Worte oder Buchstabe» finden, deren uns auf acht Tafeln in allem 227 in gedachtem Werke in Kupfer vorgelegt werden. Den größten Theil derselben besaß sonst in den Originalen Antonius Baldanus, 8aer->v ioni8 ^ua- rum et psluäium pomptinarum a 8ccreli8, wie ihn Galeotti in der Vorrede nennt. Doch kommen in dem nämlichen Werke auf eilf Tafeln auch noch andre seltne geschnittene Steine vor, die dem Ficoroni durch die Hände gegangen waren, und die er hatte zeichnen und stechen lassen; wie auch vcrschicdnc andre alte Kunstwerke, die zu seiner Zeit waren entdeckt worden, auf noch andern besondern Tafeln erscheinen. Dieser BaldanuS und Contucci müssen 176K schon todt gewesen sevn, weil ihrer dc la Lande unter den Gelehrten zu Rom nicht gedenkt. Fittgal. Ein recht crzfranzösisches Urtheil von ihm steht im lourosl LueyelopelZi^ue, ^anv. 1762: „ezue taut lon m,':rile con- liste » r>eu prvs lkanz lon onli^uil^. Vne Ir»iluc!tion sraoi'aiso äe ect ouvraxv leroit cerl.iinement i?l/ie/,/,c,^»i/e." — Desto schlimmer für die Franzosen! Francesco Francia. Ein Goldschmied und Mahler zu Bologna, zu Anfange des scchszchnten Jahrhunderts, von welchem Vasari und Malvasia nachzusehen sind. Er war auch ein großer Künstler im Ntelliren, und als einen solchen rühmt ihn besonders Camillo Leonardi in seinem Speeulo ^.ipiclum: (s^. III. <:. 2.) vnum apuii mo6einos re^>erio, 6e kiuo ariuil i>»Iissuc»8 nulla exlat memoria, <1e zurückgelehnt, über welche sie dc» lmkc» Arm . . . zurückgeschoben. Hat mit der Dresdner Agrippine allerdings nichts gemein. »ist. Se I ^c-iil. iw» Inserii». r. XXIX. p. 166 kur »u mo^en S'inoorlisrer I» oouleur <^o. XXVIII......kermnnieiis Agrippine <>ui »e reisimililv p»« mi» -t «eile <>e vrescke." — Anmerkung von Lcssing mit der Blrlscdcr ans cinc» llcine» Zettel geschrieben, hier von Cschcnburg und vollständiger von Karl Lcssmg im Lebe» I, S. 3jZ bekannt gemacht. Kollektanecn zur Literatur. 279 mciloriuus l'eu teulptorivus in argenlo; lzose leulpiurs Me?/»M .is)^>cllatur. Virum eoguoteo in live eelvlzerrimum et tummum, nnmino ^««ci/c"»»! Lonooienlem sliter ^,a:«, t<^0. Dieser Caradosso ist Ambrosia Foppa, ein trefflicher Bildhauer/ Goldschmied und Medailleur von Pavia, der um isoo zu Rom und Mailand arbeitete. Frcymciurcr. In dem zweiten Jahrgange der Freimüthigen Nachrichten (S. 147.) wird angemerkt/ daß das englische Wort, /'Vt-e-^/li/on, eine» Steinmetz bedeute, weil nicht allein frei, sondern auch glatt und regelmäßig hcissc. Ich habe vergessen, in welcher Absicht dieses dort angemerkt worden; und cS verlohnt der Mühe, daß ich es wieder nachsehe. — In Johnson'S Wörterbuch- indeß finde ich weder unter /»^e, noch unter ,««/»», die geringste Spur, daß F>ee-7»/n/o» dieses bedeuten könne. Gegen meine Meinung, daß vor den Jahren einige zwanzig dieses Jahrhunderts der Freimaurer in Büchern nirgend gedacht werde, hat mir Hr. Bodc eine Stelle aus einer 1K57 zu London gedruckten Chronik von London angezeigt. Der Titel dieser Chronik heißt: /.on-/,»«- /»«/,',>>; au Iiitlniie»! Dilconil'e or Perlusti'-Uiun ok Iliv Lil^ ok l.nmloii, Iiy ^a.i.e« //ou-e/, Und die Stelle soll i>. 44 stehen, und so lauten: ^V,'. 18. "I'Iio eomnan^ vt Malo»», «Ilier^ile ealleu l^ree- ftlasviis, vvere useil lo be a lovi»^ iiiotlieiliuoll l»>' mau^ »Avs; ^vt. weie tl>o^ uot legulateil I» a ioeiel^, till Ilein^ IV. 'I'Iieir !>rn>8 l'alile, oä !> (^Iievro» velvvoeii tluee esÜIes aijzcnl, !> nair ut cviiinall'es ok tlie llrl'l. 280 Kollcktancen zur Literatur. Howel ist mir als ein großer Schmierer bekannt, und ich weiß nicht, daß cr ein Werk unter dem Titel, I^oullinopolis, geschrieben habe. Nun wird es darauf ankommen, die Stelle selbst darin zu vcri- ficircn. Heinrich trat die Regierung 1399 an. Göttin des Friedens- Sie hatte lange Zeit in Athen keinen öffentlichen Altar. Erst nach dem Siege, welchen TimothcuS, der Sohn Cimon's, in der lotsten Olympiade über die Lacedämonische Flotte erhielt, welchem zufolge die Lacedämonicr den Athcniensern die Herrschaft zur See zugestanden, wurden ihr von diesen öffentliche Al- tärc und ein Pulvinar errichtet. (t7o,'»ei, ^Ve/io« in Oap. 2.) ()uae vloloria tgotae iuit ^lticis Iselili.io, ut tum primum aiav puiilice liat saet.ie. eii»an angeben, nach welcher es Kissen bedeutet, aufweichen die Bildsaulen der Goiter ruhten, oder standen, und in welchem Verstände sie ein Theil des /ec///!e^nit waren. Ich weiß nicht, ob die Griechen in dieser Bedeutung ^tt^tnn?--» gehabt haben; obgleich PitiökuS in seinem Lexikon, unter /ec/t/eeT-niunl, es sagt, und den Beweis unter ^»/«.»»»^ suchen heißt, wo ich aber nicht» finde. Hier heißt /lu/vina^ weiter nichts, als ein kleiner Tempel, eine Kapelle. G. Gadarer. „Die Gadarer, schreibt Kloh, (Abh. v. gesehn. ,,St. S- 6i.) von welchen Arrian sagt, daß sie sowohl die Armuth „als die Künste angebetet, und beide in der gottesdienstlichen Verehrung mit einander verbunden haben." — Ich kann nicht finden, was das für ein Volk seyn soll. Ich habe in den verschiedenen Schriften Arrian'S vergebens nach ihnen gesucht. Endlich finde ich, daß Gy- raldus («>,n/aAm. I. p. 78 ) sie als Verehrer der Armuth anführen, und sich deSfallS auf den Arrian berufen soll. Die Stelle ist diese: „paupertss et srs a (Z-ttisreis cullso, ut. ^rrisnus i'»ril>it, «juoä vi^elicet pimpertas giZ gileg comminileentlas ioiluklriam et iiomi» num mAemum acuit." — Die Stelle beim Arrian citirt er nicht, und ich weiß sie auch nicht zu finden. Aber die Gadarecr Gadarer Kollektaneen zur Literatur. 281 zu nennen, das kann nur Klotz. — Und nun finde ich, daß es die Gad Iraner, die Einwohner des alten Gades, seyn sollen, von welchen nicht Arrian, sondern PhilostratuS im Leben des Apollo- nius jenes anführt. Gastrecht. LeeuncZum ^noo! in mar!t!mis praeeipue olvitati- bus Iiotpiti contra eivem, et viee verta, brevil'lilnis pvaeLxis ter- miois, plerumcjue sä j'uminam trium clierum, nonnnnizuam «le tlie in clieni, jus recillenäum, nee leotentiae exeeulio nlterius t°u5- uenä'evll'a ett. ()uo6 jam olim in Lraecia ^Vaitto^icai'um, et liomae /^ae/oivs ^ze-'SAk'iNi oslieiura kuit. Gemmen. Unter diesem Artikel will ich verschiedne allgemeine Dinge von den alten geschnittenen Steinen sammeln, in so fern sie Werke der Kunst sind. In so fern sie aber natürliche Produkte sind, s. den Art. Edelsteine. I. Von der Menge, in der sie übrig geblieben sind. Sie ist groß; aber leicht dürste sie sich um ein Großes verringern, wenn wir alle neuere Werke dieser Art zu erkennen, und von den alten zu unterscheiden wüßten. Denn wenn man bedenkt, wie viele Künstler es im vierzehnten und fünfzehnten Jahrhunderte gegeben, die in Edelsteinen gearbeitet haben, so muß sich eine weit größere Anzahl neuerer Gemmen finden, als man in den Daktvliothckcn angezeigt sieht, wo cS eine große Seltenheit ist, eine neue unter den alten mit unterlaufen zu sehen. I>lolto ne lioriles la cliletta^ione oltra le monti (sagt Ma ffe i, in Verona IlluÜrata, ?. III. p. 269.); mu lpeMMnio 1'opuonenilo antioln i mocleroi lavori. Die großherzogliche Sammlung zu Florenz besteht beinahe aus 3oou Antiken, in verschiedene Klassen geordnet; und der neuern daselbst sind ungefähr 800. ES würde natürlicher seyn, denke ich, wenn die Zahlen gerade umgekehrt wären. Es ist wahr, die dauerhaftere Natur der Steine würde es allenfalls begreiflich machen, wenn sie so gar häufig auf uns gekommen wären. Aber was die Zeit gegen sie nicht vermochte, das vermochte der Aberglaube. Wie viele werden deren die ersten Christen vernichtet haben, da ihre Lehrer ihnen nur einen einzigen Siegelring zu tragen erlaubten- roll? öc «>,>,ov? «zkoM^kov ü«n^>>-ioi^, alii auteni l'nnt aojieielltli svnuli; sagt Clemens AlcxandrinuS (paeo'ag. I,. III. p. 288. eckt. ?ott.). Eben derselbe verbietet, keine Bildnisse der Götter, noch sonst etwas darein geschnitten, zu führen, was mit der Friedfertigkeit und 282 Kollektanecu zur Literatur. Enthaltsamkeit eines Christen streite; sondern sie sollten eine Taube, oder einen Fisch, oder ein segelndes Schiff, oder eine musikalische Leier, wie PolykratcS, oder einen Anker, wie SclcukuS, darin fuhren. Dergleichen Figuren finden sich auch hausig auf geschnittenen Steinen/ die daher alle für Werke spaterer Zeit und christlicher Künstler zu halten sind. Vittori in seinem !>>umo oereo velerum cln'illioiiorum, commenlsno explic-üo, (liom. 1737.4.) hat verschiedene bekannt gemacht, z. B-p. 105 einen, worauf ein Anker, zwischen welchem auf jeder Seite ein Fisch, und oben iiK.'v'r^ und unten x^icioc steht; p. S2 einen ovalen Opal, der auf der einen Seite einen Anker, und auf der andern die Buchstaben ixsr^ unter einander gesetzt hat; p. 75 wiederum ein runder Opal; auf der einen Seite «Xu, und auf der andern eine Taube. — AuS der letzten Stelle des Clemens Alcxan- drinuS ist klar, daß zu seinen Zeiten die Christen sich noch keines Kreuzes, oder sonst eines naher auf Christum deutenden symbolischen BildcS in dieser Absicht bedient haben. Selbst den Fisch, welchen man sonst deswegen als ein christliches Symboluni angenommen, weil das Wort 'lx^-u? die Anfangsbuchstaben von i^?-,^? x^^-o? v-ov -v^o? o-u?-^ enthält, scheint Clemens nicht sowohl darum, als vielmehr zur Erinnerung des Apostels Petrus, welcher ein Fischer gewesen, und zur Erinnerung der Taufe in Vorschlag zu bringen- II. Von ihrer Vernachlässigung in den Zeiten der Barbarei. Es ist bloße kahle Deklamation, was Klotz dcSfalls! S- 5>5> und 5«? sagt: „Damals rührte kaum einmal der Glanz der lebhaften und man- „nichfaltigen Farben, die diese Steine von allen andern Dingen uin „tcrscheiden, die Augen der Sterblichen auf eine angenehme Art. Darf „man sich wundern, daß ihnen alle Schönheit der Arbeit, und die „wahre Deutung der Vorstellungen, verborgen geblieben?" — Der Glanz und die Farben der Edelsteine rührte sie noch genug, welches die vielen Schriftsteller von den Edelsteinen in diesen Zeiten bezeugen. Uud cS brauchte gar nicht Unwissenheit zu sey», wenn man auf den alten Gemmen Vorstellungen aus der heil. Schrift erblickte. Man wußte gar wohl, was sie eigentlich vorstellte»; aber mau deutete sie anders, um sie dadurch zu heiligen und würdig zu machen, dem Schmucke der Kirchen einverleibt zu werden. Wie abgeschmackt schreibt übrigens Herr Klotz, „daß das Gctraidc- „maaß auf dem Kopfe des Jupiter Scrapis einige Gelehrte verführt habe, dem Erzvater Joseph diesen Kopf beizulegen!" Das hat kein einziger Gelehrter gethan; und Lippert, der es anführt, sagt Kollektanccn zur Literatur. 283 das auch gar nicht. Kein Mensch in der Welt hat gesagt: dieser Kopf auf einem alten Steine ist der Kopf Joseph's, weil er ein Gctraide- maas, auf hat. Die ganze Welt hat diesen Kopf nicht anders als einen Kopf des ScrapiS genannt. Aber Gelehrte hat cS gegeben/ die aus dein Scheffel des Scrapis schließen wollten, daß Serapis kein andrer, als Joseph gewesen sey. Und das ist ganz etwas anders. III. Von ihrer concavcn und convcrcn Figur. Eine von den Ursachen, warum die Alten so häufig auf convexe Steine geschnitten haben, ist auch die, daß sie sehr häufig auf Steine schnitten, wie sie aus der Hand der Natur kamen; und diese giebt sie meistens cyfdrmig, und besonders diejenigen, welche in den Betten der Flusse gefunden werden. Und auf diese ihre natürliche Gestalt bezieht sich die Stelle des PliniuS: (I.. XXXVll. I'eet. 7S.) Oavse aut cxluverautes vilioreg vielelltur ae«zualil»us. ?igui'!» olilsriFS maximo prountur: >Aa//icine?'u«. ^tAa//io/iu». ^/e^atttiei'. ^t/kon. (eujus aililiei» geimiiae lluae;) ^»leio«. ^o//oc/o/ii/u«. /^iAmon, (is ^e^Anmum appellat, eonlrs li,1em vetuttae xemmae, «zuae in moleo »IgAni Duois Llruriae ?Io- rentiso glltsrvatur. M?-/. ^/o^. Vol. II. eiall. 1. ^al). III. n. 11. et ilcm Inleription. gnlils. in Ltrnr. urbibus extlsnt. Vol. I. ?gl». V. n. 1. Dlroliilzue lsptus eliam /.eonoi-cki ^tu- An/?inii et parlier Lczuitis ^/a^ei inäigilstur.) /'/^a^,lace«. ^z//emnii (gemmao «liiae). /^/o/ai'cüit«. ^'o?«/c/e/««. /'z/i'- i^o/e/e« (oujus Avinmae 6uae). ^8t^//a.r. Ke/enc««. K!o?o». ^8t?/o//?'a/»«. K!o/i'tt/«s. leitk'i'ttL. ^eiitti/i««. ^«//i/ion. Ilis rxl^ell^i l'unt gemmarum soulntores au eoäem nrselerili, czuorum oner.i e^ioZia geri nariler inoisa vulgavit vir cl. 6?e»iu«, in I'atrio ^Vtlieoaeo vudl. Ilist. ?rsel. üquv sunt: ^t«,/i/io/e»'it». f/«/^, //^/. ^t,i/< ^/o--. ^. Il.iaii. i)7. o. 1. Vi(lel!s v. 155, et in l'raes. n. 7.) ex emilius omnivng nnlsnllum ett, ,t'o»i, tat». 68, u. 48.) <^uao I^omnej! canut releiro 6!citur, in Iioe catalvAo teulviorum antilzuoium lletcrillero «lelreclavimus: ovus eoim, l^uantnmvis eleganliflimum, lulilel^ae lillei susnicionem suliit snuä vlerosciue cultos v!rv8, / von dem ich unter Vettori rede, über den jedoch die Stelle des Avule- >us (k'lmill. I.. II,) wider meine Meinung seyn würde, wenn Apu- 286 Kollcktaneen zur Literatur. lejus in solchen Dingen ein glaubwürdiger Skribent wäre: k?rolu- Fit ex inl'ula (8amo) elanculo t^lliggoras, paire Hlnel'aielio nu- per smill'o, c^uem cowjierio inler l'elluli>rio5 artilices, gewmis f-cherrimo l'LsIjieo^is, I:>ullem ws^is k^uam opem «zuaelille. Ferner führt er an den Theodorus, von dem ich in den Antiquarischen Briefen handle; und er meint, man müsse beim PliniuS/m»- ^aAtöilm anstatt ^-»'l/oni/c/ienl setzen. Also sind beim Stosch 48 alte Künstler, und 65 Steine; und beim Gori 5 Künstler. Hiczu kommt noch HoruS, in de» /)ac/z,K»//t. s. unten Zanetti; und folgende aus Winkelmann in der Ilc/c-i//,/, c/es /»iei'i'e« Aiave'es <1u seu Ijsio» /a/c/l: 4. i^<7->?. Von ihm ist eine alte Paste: ein stehender Jupiter ohne Bart; neben sich den Adler; in der Rechten den Blitz, und die Linke in die Aegidc gewickelt, p. 39. 2. Eine alte Pastc: Jupiter auf einer Quadrigc, der zwei Riesen zu Boden geschleudert hat. Eine Kamee in der Far- ncsischcn Sammlung, p. So. 3. Stz-v),,?^o?, Auf einem Karneol in dem Kabinette des Chcv, Vittori zu Rom. Kupido auf der Erde sitzend; neben sich eine offene Muschel, p, 137. 4. Der Kopf eines jungen Fauns in einem rothen Jaspis, f.. 238. Z, ^cp^os. Penthcsilea verwundet, vom Achilles gehalten, auf einer Kamee, die dem Herrn Diering, einem englischen Kunstliebhaber, gehört, p. 380. K. D//,/UKt«, auf einer alten Pastc, worauf eine Urne, auf welcher der Name dieses Meisters steht, 490. 7. Noch einer vielleicht, dessen Name sich mit angefangen, auf einem Karneol mit einem Pfcrdekopfe. p. 643. Die übrigen Künstler, welche gleichfalls Winkelmann in diesem Werke namhaft macht, sind: Apollonides, ,>. 2l9. Solon, p. 25,1. Hyllus, s>. 2«0. und ebendaselbst, Alexa. Allein diese alle sind von Stosch oder Gori bereits genannt, obschon hier zum Theil es andre Werke von ihnen sind; und es ist folglich unrecht, daß es in dem Register gleichwohl von ihnen überhaupt heißt: graveurs aneiens, leurs noms oon pulllies jus^u'« pieleal. In allem wären also zur Zeit ein und sechszig alte Künstler, deren Namen bekannt sind. — Noch kommt der L2ste hinzu, dessen weder Stosch, noch Gori, noch Winkelmann gedenken; dessen Kollcktanccn zur Litcralur. 287 aber Johann Fabcr in seinen dommenlsriis sä Imsgines Viror. Illul'lr. ex IZilil. ^«/»t- l/,^,», p. 62, bereits gedacht hat, wenn er sagt: oli aililiee alirjuo aevi /VuAiil'li kaela viiielue; vordi gratis sl) ^)eifcis cs- niei8 aliislzuc: I'culttluiis. Wenn diese ali-«: kciilptuise sich nur nicht auf den ZosimuS beziehen! — Auch muß noch ein 63ster seyn, den selbst Stosch in seinem Werke S- 4 anführt/ nämlich 'Lv-x-r^o?. S- Klotz, S. 37. Den ersten und Kosten nennt Natter in der Vorrede, S. 37: „Daus la eollcclion 6u (üointe ?'o»>« on Irouve «les psttes anli- c^ues oa can»!?, aveo le nom 6' '^.iz^o^o? et oelui , 70. 72. SosiuS; II, S34. 73. Einer, dessen Anfangsbuchstaben vielleicht durch angegeben sind, auf einem Ochsen in einem Chalccdon, oder wcisscn Karneol geschnitten, wie ich ihn in den antiquarischen Briefen bekannt gemacht habe. Der Ochse ist fast eben der, wie er auf den Münzen des AugustuS vorkommt; als beim Rüben iuS (c-Zil. ^5?»-. Isli. IX. n. 23. auch Ial>. XIV. o, 13.) vielleicht, wie dort gesagt wird, wegen der vom August gegebenen Schauspiele, nämlich solcher, wie nach dem PliniuS IV VIII, e. Cäsar als Diktator zuerst in Rom einführte. — Fast noch näher kommt er dem Ochsen auf den Münzen von Epirus; und es ist bekannt, daß die cpirotischcn Ochsen sehr berühmt waren: in nc.l'lra urde dulius kpirolicis laus maxima. I.. VIII. leet. 70. — Wenn die Buchstaben LI' lateinisch seyn sollten, so könnten sie vielleicht auch auf dem Stein ^/>»,«« bedeuten sollen. Eine solche Münze von Epirus s. beim Bcger/ 8nieilegx. ^otiq«!. p. 17. — Oder es ist wohl eher noch der Ochse im Thicrkrcise, so, wie er auf dem alten marmornen Globus im Pallaste Farncsc erscheint, und wie ihn ManiliuS beschreibt: 288 Kollcktanccn zur Literatur. — — — — taurus 8uec!«l!t ioeurvus, clsu6u8 pecle. Oder Lukan: — — — — oili poplite lapl'o I^Itima curvali ^loeecleret unZuIa tsuri. Ein solcher Ochse kommt auch schon beim Agostini auf einem Onvr vor; und in der Sammlung des Maffci (tiemwe an. ticlie ligurate, p. IV. Isb. I^X.) Um ihn herum stehen die Buchstaben/ von oben an gegen die linke Seite gelesen: Olli^N die aber sowohl Agostini als Maffci unerklärt lassen. — Und dieser Ochse wäre denn mit dem Ochsen des HylluS zu vergleichen. S. Klotz, S. 90. VI. Von den neuern Steinschneidern seit dem fünfzehnten Jahrhundert. , Die Werke vieler neuern Meister, besonders des fünfzehnten Jahrhunderts/ sind sehr schatzbar. Maffei trägt daher kein Bedenken, zu sagen- ?>iel lecolo 15W I'iolgglio «teile ^emme liorivg io Ilslia a legno, clio oella ^alleria lli ?iien^e non e >Ia appre^ar niealo menc» la raeeolta ili sopra otloeeoto pe^^i möllern!, llelle lerie 6eßli sniiolu, le zier» le o'ocoellus I'ammiraliil ^e/^lr/?nno, e nlcuii sllro. — Aus den Zeiten des Versalls des römischen Reichs sind viele geschnittene Steine übrig, die noch in Kabinettcrn hin und wieder verborgen liegen. Aber ihre Meister sind nicht genannt. Vasari gedenkt folgender, wie ich sie aus dem Vcttori ziehe: 4. Valerto Vincentini, dessen eigentlicher Nanie Bclli war. Er arbeitete viel für den Papst Klemens k-'//, und starb 4540, alt 68 Jahr. „Dieser Künstler (heißt es beim Fücßlin, ohne Zweifel auch aus dem Vasari,) verfertigte so viele und schöne Arbeit, daß man auf die Gedanken verfiel, er habe das Geheimniß gehabt, die Edelsteine weich zu machen. Auch seine Tochter verstand sich auf das Steinschnetden. S- la/a?-, p. III. p. 862; eclit. 6i kii-eo-e. 1550. 2. ^oanne« » th/i^c» Bonon-e»/- nurieupalus. Vasari, ebendaselbst. Dieser und Vicentini haben auch wohl ihre Namen auf den Stein gesetzt; und cS finden sich deren verschjcdne im Musco Srrozzi zu Rom. 3. ^/oz^/tt» ^»c/ilini«, l?errgi'!eolis. 4. ^t/ea:anl/e^ t?e/ä/t, leu <>/ä?'i, eogoomentc» 8 (Ziäieerst ob exlrsveis ooouullis nrtilioilius, »Ii eoclem I^auienlic» klorelitisrn oooilis, wird gleichfalls beim Vasari im Leben des Val. Viccntini/ aber in einer neuern Edition, gedacht. — Ich denke aber, dieser Künstler ist Joh. Ber- nardi da Castelbolognesc (Nr. 2.); und Vettori scheint ganz unrecht zwei vcrschiedne Künstler daraus zu machen; der letztere starb 1550. 7. DominikuS, ein Mailänder, mit dem Beinamen de' Ca- mei. ES ist sehr albern, wenn dieser Steinschneider beim Füeßlin ein Schüler des Bernardi heißt, und doch gesagt wird/ er habe um 1490 gelebt, da der Meister doch 155o starb. 8. F'etn«« H?c»'ia litt j'e/ei», lebte unter dem Papste Leo ^ um 1515. 9. H/t'c/ilrei, vul^o clielu8 H/t'o/ieknu«. 10. ^/ntt/iaeus ^Va^llii»«, Veronc-ntis. — Mattes del Nasaro arbeitete viel für Franz /. und starb zu Paris, 1548. 11. ^Vico/au« ^aittiu«, (AvaNji) und 12. 6akn/nt« ^/o?it/e//a, bei welchem Nasaro lernte, obgleich beim Füeßlin auch unter diesem letzter» steht, er habe beim Avanzi gelernt, und unterm Avanzi, er habe beim Nasaro gelernt. 1Z. Ein Vcconcslschcr Goldarbeiter, mit dem Zunamen/o ^o/-/io, der gleichfalls beim Mattes del Nasaro gelernt hatte. Sein wahrer Name hieß Giov. Mario Mantovano. 14. Brugta Sforzi, und zwei seiner Neffen, gleichfalls Schüler des del Nasaro, welcher letztere die Kunst nach Frankreich brachte, und auch da viele Schüler hinterließ. 15. Marmita, von Parma, und dessen Sohn, Lodovico. 10. Joh. Jak- Caraglio, anfanglich ein Kupferstecher; hernach arbeitete er in Polen. 17. Franc. Francia. S. oben den Artikel von ihm. 18. Joh. Anton dc RubeiS, ein Mailänder. 19. 20. CoSmo und Giacomo da Trezz»/ welcher letztere zuerst in Diamant soll geschnitten haben. 21. 22. Gasparo und Girolamo Misuroni. LcslmgS W-rk- xi, 19 290 Kollcktanecn zur Literatur. Hierauf führt Vasari noch diejenigen Künstler an, deren ?a- millo Leonard! in seinem «/-evu/o /.n^i-/»,» gedenkt. Nur hätte er hier nicht den Giov.Mar, Mantuano als einen besondern Künstler anführen sollen, da eS der schon oben gedachte Zovvo ist- So ist auch ^V-c/ii»u« l'erranenllz wohl gewiß kein andrer, als der oben Nro. 3. angeführte Anchini. 23. Giacomo Tagliacarne, ein Genueser. 24. Leonardo Milan esc. Die folgenden hat Vcttori hier und da zusammengetragen: 25. Mattco Bencdetli, und 26. Marc Ajio Morctti, die beide vom Masini in seiner kolißna peiluttratg, n. 739, angeführt werden. 27. Filippo Santacrocc, aus Urbino, der auch mit dem Diminutiv seines Vornamens Pipvo heißt. 28. Antonio Dardani. 29. Sevcro di Ravcnna. 30. Flaminio Natale. Bis hichec die Künstler aus dem sechzehnten Jahrhundertc; auS dem siebzehnten sind wenige oder gar keine bekannt, ausser: 31. Einer mit dem Zunamen i/ //o^iA-none, der um daS Jahr 1670 berühmt war. 32. Ein gewisser AdoniuS in Rom, dessen Stärke, wie Vettori sagt, in zusammengcschlungcnc» Händen auf Kameen, zu Hochzcitrin- gen, bestand. Zu Anfange des achtzehnten Jahrhunderts war 33. Suzon, genannt Rcv, ein Franzose, bekannt; und von den Neuern nennt Vcttori folgende: 34. Flavio Sirlcto, der.1737 zu Rom starb, und dessen zwei Söhne: 35. 36. Francesco und Raimondo. 37. Giov. Eonstanzi, von dem V. sagt: -ulamantem lziioqu« teowvil, eselata in ec> I^eronis imsgioe; und dessen zwei Söhne: 33. 39. Carlo und Tomaso Costanzi. 40. Domenico Laudt. 41. Franc. Ghinghi, aus Florenz. 42. Anton Pichler. 43. Lorenz Natter. 44. Markus Tuscher. 45. Girol. Rosi, genannt il Livornese. 46. G ottfr. Graaft, wegen seines schwer auSzusvrechcnden Na- Kollektanccn uir Literatur. Söl menS von den Italiäncrn ,/ T'k-c^/co genannt. Er hieß eigentlich Kraft, und war aus Danzig, ein Schüler von Nattern, der seiner in der Vorrede gedenkt. VII. Wie die Arbeit der ältern und neuern Künstler zu unterscheiden ist. Winkeln, ann sagt in seinen Erinnerungen über die Beobachtung der Werke der Kunst, in der Bibl. der sch. Wiss. B. V. S- 12: „Die größere Glätte an Figuren tief geschnittener alter Steine ist „nicht das Geheimniß, welches Maffei (»^on» -tt»/,?-. p. III. o. 7. „p> 2t!9,) der Welt zum Besten mittheilend entdecken will, wodurch „sich die Arbeit eines alten Künstlers im Steinschneiden von den Neuern „unterscheidet: unsre Meister in ihrer Kunst haben die Glatte so hoch, „als die alten, getrieben. Die Glätte der Ausarbeitung ist wie die feine „Haut im Gesichte, die allein nicht schön macht." — Die Stelle des „Maffei ist folgende: l^elle nielre mesvale, ollro sl uilegnc» c6 nll» oole rspnrelonlalo, o olll'o al eoloi'e e yuglilü clella pielra l'lells, o'i: ur> ßiuc!i/.io eei'Io per liislioguere il moilerno lisll'aiilico. l!,.in texi-ela no vie» sallo cla ^ualclio ^nli^usiio, eliv lo sü: ma »oi e>vlligmo all'iaeontio elker Iieno lli sai' nulilieo, c^uinilo <: uol'livile, lullo cio, clio n»<> lei vüe a (leluller I'imnoslure v la sittile. 8iccomo silunciue lo pieti'e iluio von li pollono lavoi-si'e ,'Iie eon la ruals. o la ruola nan lioulisee; e liecome eonvien >Ii>o, clio in oi» maniera avelkei' gli iwtieln, riliuisa ineognila a' iiallil; eosi i mollcini I.ivvii nnn I>snno msi il oamno luoitlo Io, come c^uei cle' liomimi e lls'Kreci: lalelie oeeüio pratieo, Iieiielio luftro vellclse il sondn, e lo saeee, «lal noa cll'el' peio uersellamenlo lisee. e uzuali, o vil^i-anti, eolio5eeiü coo lleurez^a, ollv il per,.n »on v .inlico. — Winkclmann könnte bei dieser Widerlegung des Maffei nur halb Recht haben. Nämlich, wenn schon auch neuere Künstler ihre Werke in der Tiefe eben so vollkommen glatten können, als die alten, und es daher nicht nothwendig folgt, daß jeder Stein, der diese Vollkommenheit hat, deswegen alt sey; so ist doch da§ Gegentheil als eine ziemlich zuverlässige Regel anzunehmen, daß nämlich diejenigen Steine, welche in der Tiefe wenig oder gar keine Polirung haben, eben daher nicht für alt zu schätzen sind. Dieses vollkommene Policen verstanden in den neuern Zeiten nur die beste» Meister; bei den Alten verstanden es alle; cS war bei ihnen kein Geheimniß. Dieses erkennt man daraus, weil sich Steine von sehr mittelmäßigen Künstlern finden, die plump 19 * 292 Kollcktanccn zur Literatur. und ohne alle Zeichnung sind, aber gleichwohl eine sehr vollkommene Politur haben. (S. Natter, H/e//.ol5. p. 9.) An eben der Stelle scheint Natter die wahre Art zu errathen, durch welche die Alten zu jener vollkommenen Politur gelangten: daß sie nämlich mit eben den Werkzeugen poltrten, mit welchen sie gegraben hatten. Den» diese allein können in die kleinsten Vertiefungen dringen: .,ll elt ro- mar^ualile, hiio est. ouvrage ll imosrtait etc vourlaul Ii!:» Iiien poli; ^ , Ln^a?'?'tc>, /!eic/ieiit'o ^rgeutoraleuli, aliisciue. IX. Von Pasten lind Abdrücken der allen Gemmen. Von jenen s. oben den Artikel Edelsteine. — Abdrücke zu machen lehrt, wie jene, gleichfalls Vettori in seinem 1>. ur all illa se- parolur." — Hierauf lehrt er auch, wie sie in Siegcllak abzudrucken °) In der Handschrift folgt hier ein achter Abschnitt: von den com/io- ^?<0?-i5u6 Fein»n»?'«m, der aber nur den Entwurf von dem enthalt, was Lessing im kosten seiner Antiquarischen Briefe, Tb. ii. S. .?8 ff. weiter ausgeführt hat. »Lschcnburg, Kollektancen M Literatur. 293 sind. Das Siegellack muß nicht brennen, sondern nur fließen; und an, besten drückt man sie auf wcisse französische Spielkarten ab. Genovefa. Das Kloster der heiligen Genovefa zu Paris ist durch seine Bibliothek berühmt. In Ansehung der dort befindlichen Alterthümer, wovon eine eigne Beschreibung heraus ist, bemerke ich eine Stelle aus Landringer'S Dill, i» »nveliem ^Iexane, r^uae vlim in klukeo KIsgni F^ei,?/cit, tanclem /^e/?-t HsAuin«, Iioliie kli. p?. Osnoni- enrum liogularium 8. Lenovesae I'sril!euli8 cK, sautlsm preeamur I^ueinam. t?/ll,«/nl»> on!m a.^t?!eu« Lloll'arii lavoriolis^wi voce: //ei ne/ea. Interim eiuaellam tiisnlieuille klaveengti l-alüeo, ^-co- /«o t//a«t/io /Viäiicio c/e ^e!>e/ö, non levo in ejus Vitav klein»- lia inliieium eU, ilii8, cju!>8 a 1o conlictus nou eruiieleeliat, pro vetu5>!8 «vulgäre, egerit. Gesandter. Gesandtschaft. Zeilcr sagt in seinem Sendschreiben, No. «5: „Im Deutschen wird ein Unterschied gehalten, „also, daß der Fürsten und andrer Stände deck Reichs (darunter auch „die Reichs- und Hanscestädte zu verstehen,) Legaten nicht Gesandte, „sondern Abgesandte genannt werden. — Und diesen Unterschied „obscrvirt auch der NcichSfuricr bei den Reichstagen." — Unser heutiger ZeitungSstvl, wenn ich mich nicht irre, bemerkt diesen Unterschied nicht; oder kehrt cS vielmehr gerade um. Giotto. Der Schüler des Cimabue, lebte von 1226 bis 1Z3K. Das am besten erhaltene Werk dieses Meisters, welches Wright irgendwo angetroffen hat, ist in der Kirche des heil. AntoniuS zu Pa- dua. ES ist ein Freskogemahlde in einer Kapelle hinter der Kanzel, nnd stellt die Kreuzigung Christi vor, und wie die Kriegskncchtc um sein Gewand das LvoS werfen- Glied er mann. Für den Erfinder desselben wird Baccio della Porta, ein Dominikaner und Mahler, der 1617 starb, gehalten; eben der, von welchem Ravhacl seine bessere Farbenmischung soll gelernt habe». S. Vasari, Tb, III. S. 34. 294 .Kolleklance» jur Litcr.itur. Vielleicht aber, daß auch die alte» Künstler den Glicdcrma»» kannte», und daß cS ihr x^-a,^ war, welches SliidaS durch ^s^- roi^-? ««-, ^tza-s^-?. Stephan» S erklärt zwar «^,-«/3o? bloß durch ^,o/-/asma, ein Modell; dieß aber kann wohl der Bildhauer brauchen, nicht aber der Mahler. Goldmachen. Kunkel in seinen vlill. ile lsliliug lixis el volütilibus (k.nnli. 1689.) soll, nach der Anzeige des ^«m-««,/ ck« Kava«« V. 1678, 435, erzählen: ^uo xv il s iu l'ail cle kaiie co isio et all inirsiile l'jieeilii^ue <^ leinture, svev lac^uelle I'LIeeteur t^/i-t/iin» «lu ooiil convvitill'oit le meieuie, lo cuivie, <^ Ie8 auti^es mvtaux eu veiilsule or, ou oa veiitsble or^oot; ä»I il glluie, lzue Iv l^iiu^e ^ugulle eovii^on I'iin 1,?9t> coaveilit gvee une ^arlio tle celle teiiiturs lei^v ernt <^ s>uuli'v loi» gulsot ele kueieu^v en vi, ^ui toutl'iit loule kuile 6'exame». II ajoule «zue ces iv^illreg »o msi^ueol pss s^ue celte klvciieino uliivoilello s>our la Iisusmu- istiou lles niviaux l'oit propre pour Avviir les iiillimiläz tlu cuijis Iiuwnin. Von dieser Goldmackzerei der Churfürsten von Sachsen sehe man auch des Freihercn von Schröder nothwendigen Unterricht vom Gold- inachcn, hinter s. Fürstl. Schatz- und Rentkamm er, Kap. 1. §. 10: „Wer zweifeln will, sagt er, gehe nach Dresden in Meißen, sehe allda das sogenannte GoldhauS an, lasse sich berichten, was zu Churfürst Augusts und Mutter Au na Zeiten darin gearbeitet worden/ und frage, wie die herrlichen »»kostbaren Gebäude in selbige Gegend herkommen? Wer sich der Wahrheit versichern will, der frage nach hochgedachten Churfürsten ^eti8 (üi^mieis und Journalen, so wird er in der geheimen Kammerkanzlci eine Menge Schriften von des Churfürsten eigner Hand, und sonst ganze Volumina finden, worin- nen die von Zeit zu Zeit gemachten Tingirpulvcr und das Quantum von Woche zu Woche aufgezeichnet zu finden. Im Gegentheil wird in der gemeinen Rechenkammer, welche sonst alle Ausgaben zu versorge» gehabt, nicht ein Groschen, vielwcniger ohne namhafte erforderliche Summe darzuthun seyn, welche zu so vielen ansehnlichen Gebäuden, als dem sogenannten Stall, der AugustuSburg, u. s. f. daraus wäre genommen worden, so hcrgegen alles a»S der geheimen Kammer, wie es diese aus den, Goldhause empfangen, hergekommen ist." Kollektanten M Literatur. 295 Die von Schröder» daselbst namhaft gemachten Adepten, welche wirklich tingirt haben sollen, sind: 1. TheophrastuS ParaeelsuS. 2. RaimunduS LulliuS. S- dess. Art. 3. Ein Baron Chaos zu Wien, welcher vor Kaiser Ferdinand ///. Projektion gethan haben soll, wofür ihn dieser zum Freyherr» gemacht, und das Ungarische Kammer-Grafen-Amt zugelegt habe. Er soll aber das Geheimniß nicht selbst gewußt, sondern die Tinktur bloß einem Grafen von Mansfeld, der General zu Raab in Ungarn gewesen, entwendet haben. 4. Wenzel, ebenfalls in Wie»/ der ungefähr im I. 1704 vor dem Kaiser tingirt haben soll, und dafür zum Freiherr» von Rheinburg und obersten Münzmeistcr in Böhmen gemacht worden. Er konnte aber auch dle Tinktur nicht selbst machen. 6. Der 1705 zu E»S verstorbene Baron Wegnerede, welcher eine Tinktur gehabt, wovon ein philosophisches Gran (d. i. vier gemeine) sieben Loth Imperfekten Metalls in Gold, und demnach Ein Theil 4?o Theile tingirt hat. 0. Ein Niederländer, Namens Sommer, der eine geraume Zeit vor der Wienerischen Belagerung sich zu Wien aufgehalten, und aus einem Pfunde Quecksilbers acht Loth guten feinen GoldcS figirt hat. 7. Ein Graf von Nimburg, dessen Wittwe den Marquis von Concbon hciralhete, und ihm das Geheimniß zubrachte. S. Isc- lin'S historisches Lexikon, unter Conebon. Unter allen Prozessen von Goldmachen ist mir der Bechcrsche, welchen dieser in seiner ^/z,c/in/o/i/,ia, p. 144, doch mehr aus Spekulation, als aus Erfahrung, wie er sagt, mittheilt, als der vernünftigste und verständlichste vorgekommen. Er setzt nämlich voraus, daß die Metalle alle Eins, und nicht nach den accidentellen laeeivus, die sich in den Bergwerken eingemischt haben, sondern einzig und allein nach der Reinigkeit und Kochung ihres Quecksilbers, unterschieden sind. Dieses beweiset er daher, weil man auS allen Metalle» Quecksilber ziehen könne, und, wenn solches herausgezogen ist, die metallische Form vergehe, und bloß eine todte Erde zurückbleibe. Es komme also nur bloß darauf an, das Quecksilber recht zu reinigen, und so zu in- spisstren, daß es ganz kompakt werde, und sich zusammen schließe. Da aber eine solche reine quecksilbrige Substanz bloß im Golde zu finden sey, so könne man auch nur Gold durch Gold machen, indem man es nämlich aus seiner Korporalitäl in einen subtilen gci- S9K Kollcktanecn zur Literatur. stigen Stand setze, in welchem cS andres Quecksilber durchdringen und tingiren könne u. s. f. Von den verschiedenen Betrügereien bei dem Steine der Weisen s. des Gcofroy Abhandlung in den Schriften der Pariser Akademie von 1722; im sechsten Theile der deutschen Uebcrsctzung. Al>rah. Gorläus. Geboren zu Antwerpen 1Z49, gestorben zu Dclst 1009, ohne daß man erfahren können, in welchen Bedienungen er daselbst gestanden, die er doch muß gehabt haben, da er sich selbst als einen Mann beschreibt, ljui puliliclz ^uoliilis lMi'ingitur munv- rilius. Daß er einer von den drei Aufsehern der dortigen Münze gewesen sey, ist ein Mißvcrsiändniß. S. den Baylc; desgleichen von seiner Kenntniß der lateinische» Sprache, die man ihm hat absprechen wollen. Bavle merkt nur an, daß man, wenn anders den Kcakxe- ^a,ii« zu trauen sey, sich nicht so recht auf seine Medaillen verlassen könne. Er hatte noch anmerken können und sollen, daß man diesen Vorwurf auch seinen geschnittenen Steinen gemacht hat. Job. Jak. ChifletiuS (ill ^t/to /-Vttncico, veritale bislorioa, botamoa, I>e- rsliliea illuttrsto, Oari, 2.) sagt ausdrücklich- dewmae s , einen Zusatz/ den keine einzige andre Uebersctzung hat/ der sich in keiner Laien» pgtrum findet/ und überhaupt in keinem Exemplar vorkommt, als in der alten Italischen Version, von der die lielaU. Koeltingenl'. 1?. I. kale. III. p. K0. nachzusehen sind. — Sollte man aber hieraus nicht schließen dürfen, daß dicsc Gothische Version also nicht aus dem Griechischen, sondern aus der alten lateinischen Ucbcrsctzung gemacht worden sey? ES fehlt ferner darin die Geschichte von der Ehcbrcchcrin, Joh. VII, 52., welche nicht bloß daraus verloren gegangen, sondern vom UlvhilaS s. ,1. p. vorschlich oder unwissentlich Übergängen worden. Jenes wollte der Abschreiber des Kodex, ein noch jetzt unbekannter Dcrrenus, in seiner Abschrift durch einen offenbaren Betrug glaube» machen, dc» aber Ihre itt seinen Hnaleeli8 vluliilanis p. 26., entdeckt hat. — Zu untcrsuchc» wäre nun, in welchen Ucberschungcn oder Handschriften dicsc Geschichte gleichfalls fehlt? und was vielleicht daraus zu schließen ist? _ Grerxorius Nazianzenuo, Findet sich in der ncucn Halli- schcn Ausgabe dieses Kirchenvaters dcr kleine Brief desselben an den NikobuluS, «Zu cliai'üt-loi-e euiüoliv», den CascliuS 1509 zuerst herausgegeben, nebst dem Auszüge aus dcm DemctriuS PhalcrcuS über eben diese Materie? (W- B- 652. e. yuolll. 8.) H- Friedrich von Hagedorn. Scin Vatcr war dänischer Resident in Hamburg, dessen Bruder in dc» »ämlichcn Dienste» Viee- 298 Kollektaiieen zur Literatur. admiral war. Er studiere zu Jena, wo er ziemlich locker lebte/ und Schulden wegen ein halbes Jahr auf dem Carcer sitzen mußte. Eine Zeit, die er sehr gut zubrachte. Er ging darauf nach England/ wo er einige Jahre bet dem dortigen dänischen Gesandten als Sekretär, doch ohne Gehalt, stand. Seine Bedienung/ die er hernach gleichfalls als Sekretär bei dem englischen Court in Hamburg erhielt/ trägt ungefähr 600 Rthlr. ein. Er hcirathcte eine Engländerin/ die schon bei Jahren war, in der Meinung/ viel Vermögen mit ihr zu bekommen. Diese lebt (im I. 1768) noch; und da sie auch das Wenige, was sie gehabt/ bei ihm zugesetzt hat/ so genießt sie von dem englischen Court eine jährliche Pension von 600 Mark/ nebst freier Wohnung im Englischen Hause. Seine ersten Gedichte sind/ wenn ich nicht irre/ von 1729; und sie versprachen den Mann nicht/ der er in der Folge ward. Seine nachhccigcn Gedichte/ nach welchen er allein zu beurtheilen ist/ haben ihn Zeit und Mühe gekostet. Er war nie ohne seinen Horaz und wcisse Kartenblätter in der Tasche, auf welchen er sich das anmerkte, was er hörte oder las, oder was ihm sonst an eignen Gedanken einfiel. Zwei oder mehr Futterale voll solcher beschriebenen Kartcnblätter sind an seinen Bruder nach Dresden gekommen; desgleichen ein Horaz, durch und durch mit Anmerkungen beschrieben. „Unter andern" (schrieb mir Hr. FuchS, Pastor in Zehren bei Meisten, den 15ten Oktober 175-Z,) „fanden wir/" (nämlich er -und der LcgationSrath v. Hagedorn/) „daß er noch kurz vor seinem Tode Ihre schöne Auslegung über die „Ode: ^n^cu« c/eo?-«m c,t/to^ et in/i-e«/««,!«, sorgfältig eingetragen, „und dieselbe als etwas UngemeincS gar sehr bewundert, und mit vic- „len Lobsprüchen begleitet hatte. Ein Bentlcv, hieß es zuletzt, würde „sich sehr geschmeichelt haben, wenn er dergleichen Einfälle gehabt „hätte" u. s. w. — Die Unterstützung, welche Hagedorn diesem Fuchs verschaffte, °) gereicht ihm zur Ehre. Dieser ließ auf seinen Tod auch ein Gedicht drucken, welches er mir damals schickte. Aber cS scheint/ daß diese Unterstützung selbst den Stachel stumpf machte, welcher Fuchsen antreiben konnte, sich weiter zu zeigen. — Hagedorn speiste einmal bei Carpsern in Gesellschaft des Ritters Taylor, und verschiedner andrer, worunter auch Lipstorp war. Taylor sprach beständig, und ließ keinen zu Worte kommen, worüber Hagedorn ungeduldig wurde, und das nächstemal einen gewissen Mann, welcher das Etablissement «o/a /5o»a y»ae //v»e/e« bet Hamburg hatte, anstellte, ihn zu Boden zu plaudern, und ihn nichts aufbringen zu lassen, was er ihm nicht widerspräche. Dieses gelang; und Taylor, -) S. Band V, S. 37. Kvllcktanccn zur Literatur. 29!) dem man weiß machte/ daß dieser Mann ein polnischer Wovwodc sey, denn er sprach ein ziemlich polnisches Latein sehr fertig/ getraute sich kauni/ den Mund mehr aufzuthun. Lipstorp, der sonst ein Mann von wenig Worten war, trank bei dieser Komödie etwa» reichlich/ so daß er darüber sehr gesprächig wurde/ worauf Hagedorn aus dem Stegreif die Zeilen machte: O Wunder! welches sich hier zeigt: Daß Lipstorp spricht, und Taylor schweigt! Hagedorn starb an der Wassersucht, die er sich allerdings durch sein unmäßiges Trinken zugezogen hatte. — Dieser Mann/ der in seinen Schriften so vorsichtig/ so anständig und so gutherzig war/ war in seinem mündlichen Umgänge äußerst beißend und beleidigend; und hierin war der Herr von Bar gerade das Gegentheil von ihni/ der feiner Feder mehr Freiheit erlaubte/ als seinem Munde/ und durch seine Reden kein Kind zu beleidigen im Stande war. EinSmals wurde von einer Ucbecsctzung aus dem Englischen gesprochen/ und einer sagte/ cS habe sie ein Kaufmann gemacht/ und cS sev wirklich viel/ daß ein Kaufmann so übersetzen könne. Pah! sagte Hagedorn, das thun die Kaufleute alle Tage! Ein Wortspiel; aber ein bitteres! Einen Theil von den oben gedachten Kartcnblättern hatte sich die Dmioiscllc RcimaruS abgeschrieben, bei der ich sie gesehen habe. Es sind sinnreiche Stellen aus französischen, englischen und lateinischen Schriftstellern und Dichtern, so wie H. seine Noten damit auSzu-- spickcn pflegte. Einiges ist darunter, das ich nicht finde, wo er es her hat, und das ihm vielleicht handschriftlich war mitgetheilt worden; z.B. ein französisches Epigramm auf den Baron Holbcrg: i'l>ilol»j>lie wocczuvui', t^omissuv alialiilaiie, II moril et 6ive,l!t tnur :> tvui- le >>i-oelisin. I)«8 Dnuois crjienllaiit i> leivit Iv H/o/iei'e, n'en vloit j>as le Hamburg. < Geschrieben daselbst im Jahr 1763 und 1769.) Unter diesem Artikel will ich das Wenige sammcln, was ich hier Merkwürdiges in die Kunst und Literatur einschlagendes gesehen und bemerkt habe. 1. Eine schöne Sammlung portugiesischer Bücher habe ich bei Hrn-Ramcycr gesehen, der mit seinem Bruder, Peter Ramcycr, an dreißig Jahre sich der Handlung wegen zu Lissabon aufgehalten hat, wo sie ein ansehnliches Vermögen erwarben, mit welchem sie sich 30U Kollcktaneen zur Literatur. wieder nach Hamburg begaben, wo sie von ihren Interessen und gelegentlichen Geschäften, als Diskontiren, lebten. Peter ist schon seit einigen Jahren todt, und muß von beiden Brüdern der fleißigste und wißbegierigste gewesen seyn. Er hat die ganze Bibel/ samt den apo- kryphtschcn Büchern in die portugiesische Sprache überseht, auf welche er besondern Fleiß gewandt hat. Leute, die cS verstehen können/ versichern/ daß seine Uebersetzung sogar besser sey, als diejenige portugiesische, welche die Holländer zu Batavia in drei Oktavbändcn drucken lassen/ und deren Verfasser Almeida heißt. ES versteht sich, daß Rameyer nicht aus den Grundsprachen übersetzt hat, sondern auS den englischen, deutschen und holländischen Uebersetzungcn zugleich, so, wie ihm bald die eine, bald die andre, vorzüglicher schien. Aber auch Almeida hat nicht auS der Grundsprache übersetzt. Rameyer hat das eigenhändige Manuskript seines Bruders in drei Folianten binden lassen; und cS würde immer eine Stelle in einer großen Bibliothek verdienen. Wenn sie einmal gedruckt werden sollte, würde Raine yer indeß nicht der einzige Deutsche seyn, der einen Platz unter den portugiesischen Schriftstellern einnähme. Ein gewisser Heinrich AhlcrS, ein gcborncr Hamburger, welcher gleichfalls als Kaufmann um eben die Zeit in Lissabon gewesen, hat eine kleine Abhandlung von den Kometen geschrieben, welche daselbst gedruckt ist. Nach den flüchtigen Blicken, die ich darein thun konnte/ zu urtheilen, muß AhlcrS ein Mann von guten astronomischen Kenntnissen gewesen seyn; cS wäre denn/ wie es mir fast aus einigen Citationen scheinen wollte/ daß er unsern Heine von Kometen ausgeschrieben und übersetzt hätte. Er durfte nicht fürchten, daß man in Portugal sein Plagium so leicht entdecken würde. AhlerS dedicirte sein Werk dem Konige/ und weil er sonst in seinen Geschäften zurückgekommen war, ward er katholisch/ in Hoffnung, durch den Hof sein Glück zu machen; aber er starb, ohne cS gemacht zu haben. Rain eyer hat verschiedene geschriebene Sammlungen, in welchen viele merkwürdige Dinge befindlich sind. Ausser einer Menge portugiesischer Gedichte/ auch einen in dieser Sprache geschriebene» Traktat eines Juden, welcher nicht schlecht zu seyn scheint. Er hatte auch alle Sentenzen gesammelt, welche zu seiner Zeit wider die Juden gesprochen worden, die in den Auto'S da Fe waren verbrannt worden; desgleichen Nachrichten von andern, damals vorgefallene»/ Dingen; z. B- von den, Prozesse eines ettglische» HaiidluttgshauscS, Wingficld u. Compagnie, um 1722, wegen übcrwiesencr Ausfuhr des Goldes. ES war darauf, daß Wingfield gehangen werden sollte, wenn sich Kollcktauccn zur Literatur. 301 nicht der König von England ausdrücklich für ihn interessirt hätte, auf dessen Fürsprache er gänzlich frei und losgesprochen ward. Die deutschen Kaufleute/ welche in Lissabon alle unter dem Namen der Hamburger passiren, haben ihren eignen Patron, vor dem sie allein belangt werden können. Von diesem erhalten sie eine Art von Paß, auf welchen sie sich vcrschicdner Vorrechte bedienen können, z. B. mit Gewehr zu gehen, bei Tage und bei Nacht, mit und ohne Licht, welches keinem Portugiesen frei sieht. Ich habe da diesen Paß im Original gelesen; wie auch die Abschrift des lateinischen Briefes von dem Senat zu Hamburg an den König von Portugal, bei Uebcrsendung zweier Schiffe mit Baumaterialien, nach dem Erdbeben von 1755, nebst der, gleichfalls lateinischen, Antwort des Königs. Unter den portugiesischen gedruckten Büchern waren auch vier bis sechs Bände Predigten von dem Jesuiten Vereida, der für ihren besten geistlichen Redner gehalten wird; eine Beschreibung dcS Klosters zu Mafra, welches der vorige König, Johann bauen lassen. Die Aussprache des Portugiesischen hat nicht viel Schwierigkeit; was vornehmlich dabei zu merken, ist das «o, welches als o«A ausgesprochen wird. Ein hiesiger Geldwechsler, Herr Albrecht Balcmann, hatte eine schöne Sammlung von Münzen und Medaillen neuerer Zeit, worunter sehr seltene Stücke sind. Unter den Medaillen habe ich viele von Hcdlingcr und dem Genfer Dacicr daselbst gesehen; desgleichen die große goldne Medaille mit dem Brustbilde August'S //, Königs von Polen, die 100 Dukaten wiegt, von Groskurt; auch eine silberne Schaumünze auf Newton, sehr schön, von I. C. Balcmann hat auch eine kleine Sammlung von Gemmen, geschnittenen und ungeschnittcnen, unter welchen ich einen Onyx bemerkte, worauf ich den OcdipuS mit seinen Töchtern zu sehen glaubte, erhaben geschnitten, in der Größe einer welschen Nuß, oval, nach der Länge. Auf einem Postamente steht ein Sphinx; neben demselben ist ein alter Man» hingesunken, in einer kraftlosen, verzweifelnden Stellung. Vor ihm stehe» zwei Frauenspersonen, wovon ihn die eine an einer Schnur zu halten scheint; beide, als ob sie ihm Trost zusprechen wollten. 3. Die Manuskripte und beschriebenen Bücher, welche Johann Albert FabriciuS hinterlassen, blieben bei dessen Schwiegersöhne, dem Professor RcimaruS, dessen Sohn sie jetzt gern zusammen verkaufen möchte. Eine Dcsignation derselben wurde dem vierten Theile 302 Kollektanecn zur Literatur. der Fabricischen Bibliothek/ wie sie 1741 vcrauktionirt ward, beigefügt; doch nicht zum Verkauf sowohl, als um die Gelehrten wissen zu lassen, was davon vorhanden; wie ihnen denn auch der Gebrauch unter erforderlichen Bedingungen angeboten wurde. Erstlich kommen in dieser Dcslgnation vor: Sc-^/oic-s c«?» e/ e»i5 <1i».i, nl- c^ue eruiiitas o^l'ervoiloncs all aiielvren» i^»suni ill>is>i!>ii>lum niljeeit^ ^Vo. 1l)9. ^4^t/?o/e/e« lle ^i^te 1i>>et«riea et l'ueiie-i, Ar.ieee. Venetiae 153t!: oallüluü <»li> eael. ms. Hierauf folgen: t^oc/ice« ^/K^k. l>e/e»««i e/ ^ecen/t'oi'u«,. ^i«r?/o.' ^Vo. 149. ?V.--o5a/<7- Ll>I5col>i pl.vNologus. Nochmals ^V». 249. ^Vo. 133. Vaiise I^ee>ione8 oil ^4/io//n, »m ex Valiea»» et l?!>l!>Iino ei)llicll)us exeeijitae a ^uc/t'o. ^Vo. 194. /?n^/^o/o«inet (>ier coni^en«e» et korrupte /'/a/omnei meli) Li/,//» k'n?«/i<-^nnl, i. e. Veilu» I^Ic- moriales in liogula ("am'Ia iiliiorum liivlieoruin ex t^oeliee Ijililiotliecae pelriuae aziuii Il.iiiiuur^ense-!. ^Vc>. 204. Ili-gliani klauri tZIvll'aliuni I^Iino l'Iieoiileiii«, ex gpogrsplio TVe^e/ii. Ferner: die Handschriften von Johann Adolph Hoffn, an», welche auS seinen Arbeiten über den Just in US, und einigen Exccrp- tcnbückcrn bestehen. Endlich: /.ii, t tt ^ ^. Fai-'ici» St/t/t »ut e,/enl/,'^ et lillii aliorum, iiliu8 iilem ali^iiill !>>I5i:i!j»lit: ^Vo. 276. ^«1 vilam 7>/e/n?ic/i//io?n« (!olleel!>iie!> ^Vo. 297. Journal der Teutschübendcn, von 471l>. 47. ^jeeit ^aii'iciu« gppgralum libiorum si! linguav ßermaiiieav Ilisloriani et Oiigine8, I^exiea, Lrammalieam, Lloejuenliam et l've'lin l'pectaiilium. 4. Den 24sten Jänner 1769 habe ich den Senior Gocze zuerst persönlich kennen lernen. Ich besuchte ihn auf seine wiederholte Einla- Kollcktanccn zur Literatur. 303 dung, und habe einen in seinem Betragen sehr natürlichen, und in Betracht seiner Kenntnisse gar nicht unebnen Mann an ihm gefunden. Wir sprachen zuerst von der hiesigen öffentlichen Bibliothek. Der Professor und Bibliothekar Wolf hat sich seit 1739 ihrer so bemächtigt, und sich so unerlaubte Dinge mit ihr herausgenommen, daß es unbegreiflich ist, wie man ihm alles so für genossen hat ausgehen lassen. Der verstorbene Pastor Wolf und dieser sein Bruder hatten eine gemeinschaftliche Bibliothek; und als jener starb, fand man zwar kein förmliches Testament, aber doch einen schriftlichen Aufsatz, vermöge dessen er seinen Antheil der öffentlichen Bibliothek vermachte, doch mit der Bedingung, daß sein Bruder Zeitlebens den Gebrauch davon behalten, und nicht genöthigt sevn sollte, sie abzuliefern. Weil sich diese Bibliothek nun in einem öffentlichen Prcdigerhause befand, welches gcbauet werben mußte, so ließ sich Wolf gefallen, sie auf die öffentliche Bibliothek zu räumen, für welche die Stadt, in Rücksicht auf dieses Vermächtniß, ein neues Gebäude hatte aufführen lassen- Hicdurch nun glaubte Wolf ein Recht erlangt zu haben, mit der ganzen Bibliothek zu schalten und zu walten, wie er wollte. Er schlug sogar seine Wohnung darin auf, schnitt die Kupfer aus den Büchern, um sie in eigne Sammlungen zu bringen, und kehrte das Unterste zu Oberst, alles ungcrügt, weil er sich geäußert hatte, daß er nicht allein seine» Antheil an der Bibliothek, sondern auch noch sein ganzes Vermögen, das sich vielleicht auf 30,00» Mark belaufen mag, der öffentlichen Bibliothek vermachen wollte. Er hatte sich hierzu unter der Bedingung erboten, daß man einen gewissen Studiosum Wolf, einen bloßen Namensvetter von ihm, den er zu sich genommen hatte, und an dem Katalog arbeiten ließ, ihm adjungircn und substituircn sollte. So sehr sich Gocze dagegen setzte, und so ungewöhnlich hier eine solche Survivance ist; so ging cS doch bei den Oberalten durch, und er erhielt die Vokativ» für seinen AmanuensiS. Aber was er nun mit dieser Vokation machte, ist erstaunlich! Er brauchte sie nicht, um den jungen Mann damit zu beglücken, sondern ihn damit zu peinigen. Denn er hatte sich unterdessen mit ihm überwerfen. „Siehst du, „Bestie, sagte er zu ihm, das habe ich für dich thun wollen! Da» „Glück hast du bei mir verscherzt! Das sollst du nicht allein nun nicht „haben, sondern nun will ich dich auch noch zum Hause hinauSprügeln „lassen!" Indem giebt er einem dazu bestellten Kerl eine» Wink, und Wolf hatte Zeit, sich aus dem Staube zu machen. Die Geschichte ist gewiß; und dieser Wolf ist jetzt Prediger in Nordcrditmarschcn. Er verklagte hierauf den Professor, weil er ihm für seine Arbeit an 302 Kollektaneen zur Literatur. der Fabricischen Bibliothek/ wie sie 174l vcrauktionirt ward, beigefügt; doch nicht zum Verkauf sowohl, als um die Gelehrten wissen zu lassen, was davon vorhanden; wie ihnen denn auch der Gebrauch unter erforderlichen Bedingungen angeboten wurde. Erstlich komnicn in dieser Designation vor: Kc-,-//,/»----« Tl/HH, t-ottn// eme»./«/-. Von diesen mochte ich wohl noch nachsehen, und unter ihrem Titel beschreiben: ?» ^'n/io: ^Vo. 4. i/iitte« ^ti,'»^/. 44. p'i/^ui-tiis Iuovu8 (!ollos^ie»l'i!iu» et elii>i»»e ^^liieuli »ls^ue ^Iilina, eil- l^ue eruilitas oul'ervaliancs ail »»elliieni is>s>ii» i>l»sti!>nil>u» »iljeeil. ^V». 109. ^-'-//»O/e« »e>ic!i. ^inece. Venetise 1-i3t!: eolluluü «um cncl. ,»>'. Hierauf folgen: t'ot?ice« ^/S>8. t-c/e»«,» e/ ^ecen/iatV/- Lsiü'^opi ei,vl>l>Ic>8U5. Nochmals ^n. 2l9. ^Vo. 133. Vaiise I^eeliones »>I ^/,«//«,/a,»nl ex Vüliiüiiio et l^alatino coelicivus exeersit.ie a <»'it»/o/tttlet (>>er eoni^cixliur» ^Vi><«?i' ei cori'iiule /^t»/om«>!> >' liivliotlieeae pelrinae .i^iiiil Il.iniliui-^ciile^. ^Vo. 294. Ilrsliani klauri s!I»lV!iliiim I^alittn-I'lienlili'mn. ex a^ogi-gplie» ^V?^e/» i nlivruni, s^ulius idein »li^iiill ailsin I^illl: ^V». 27k. ^«1 vilam ^/o,ii« ^olleelaiic.i /'»/„,>,','. ^Vo. 297. Journal der Teutschübendcn, von 171l!. 17. ^iljeeit Faii'ici«« i>tts>sratum Iili,»>un> ail Iliiguae ßeimlliiieav Ilislo^iai» et Oiißines, I^exica, (-rammalieam, I^Ioizueiiliain et I'viilin I'^eclanlium. 4. Den 24sten Jänner 1769 habe ich den Senior Goezc zuerst persönlich kennen lerne». Ich besuchte ihn auf seine wiederholte Ein» Kollektanecn zur Literatur. 303 dung, und habe eine» in seinem Betragen sehr natürlichen, und in Betracht seiner Kenntnisse gar nicht unebnen Mann an ihm gefunden. Wir sprachen zuerst von der Hiessgen öffentlichen Bibliothek. Der Professor und Bibliothekar Wolf hat sich seit 1739 ihrer so bemächtigt, und sich so nnerlaubte Dinge mit ihr herausgenommen, daß es unbegreiflich ist, wie man ihm alles so für genossen hat ausgehen lassen. Der verstorbene Pastor Wolf und dieser sein Bruder hatten eine gemeinschaftliche Bibliothek; und als jener starb, fand man zwar kein förmliches Testament, aber doch einen schriftlichen Aufsatz, vermöge dessen er seinen Antheil der öffentlichen Bibliothek vermachte, doch mit der Bedingung, daß sein Bruder Zeitlebens den Gebrauch davon behalten, und nicht genöthigt sevn sollte, sie abzuliefern. Weil sich diese Bibliothek nun in einem öffentlichen Prcdigerhause befand, welches gcbauct werden mußte, so ließ sich Wolf gefallen, sie auf die öffentliche Bibliothek zu räumen, für welche die Stadt, in Rücksicht auf dieses Vermächtniß, ein neues Gebäude hatte aufführen lassen. Hiedurch nun glaubte Wolf ein Recht erlangt zu haben, mit der ganzen Bibliothek zu schalten und zu walten, wie cr wollte. Er schlug sogar seine Wohnung darin auf, schnitt die Kupfer aus den Büchern, um sie in eigne Sammlungen zu bringen, und kehrte das Unterste zu Oberst, alles ungcrügt, weil er sich geäußert hatte, daß cr nicht allein seinen Antheil an der Bibliothek, sondern auch noch sein ganzes Vermögen, das sich vielleicht auf 30,00t) Mark belaufen mag, der öffentlichen Bibliothek vermachen wollte. Er hatte sich hierzu unter der Bedingung erboten, daß man einen gewissen Studiosum Wolf, einen bloßen Namensvetter von ihm, den cr zu sich genommen hatte, und an dem Katalog arbeiten ließ, ihm adjungircn und substituircn sollte. So sehr sich Goczc dagegen setzte, und so ungewöhnlich hier eine solche Survivance ist; so ging cS doch bei den Oberalten durch, und cr erhielt die Vokation für seinen AmanuensiS. Aber was er nun mit dieser Vokation machte, ist erstaunlich! Er brauchte sie nicht, um den jungen Mann damit zu beglücken, sondern ihn damit zu vcinigcn. Denn cr hatte sich nntcrdcssen mit ihm überworfcn. „Siehst du, „Bestie, sagte cr zu ihm, das habe ich für dich thun wollen! Da» „Glück hast du bei mir verscherzt! Das sollst du nicht allein nun nicht „haben, sondern nun will ich dich auch noch zum Hause hinauSprügeln „lassen!" Indem giebt cr cincm dazu bestellten Kerl einen Wink, und Wolf hatte Zeit, sich aus dem Staube zu machen. Die Geschichte ist gewiß; und dieser Wolf ist jetzt Prediger in Nordcrditmarschcn. Er verklagte hierauf den Professor, weil cr ihm für seine Arbeit an 304 Kollcktanecn zur Literatur. dem Katalog noch Geld schuldig geblieben war. Der alte Teufel wird einmal über das andre citirt; aber, ohne jemals zu erscheine», ohne die geringste Erklärung wegen des ausgewirkten AdjunktS zu thun, bleibt er ruhig auf seiner Bibliothek/ und fragt nach allem nichts; versichert/ daß die Obcraltcn zu gut rechnen können, als daß sie einem Manne sollten Unrecht geben, der die Stadt enterben kann. Hierauf sprach ich mit Goczen über seine Streitigkeit mit Sem- ler, in welcher G- nun wohl offenbar Recht hat. Scmlcr hat von dem Komvlutciisischcn Neuen Testamente gesprochen, ohne eS gesehen und untersucht zu haben. Die Spanier müssen allerdings Manuskripte gebraucht haben, und die Stelle im Johannes ist aus der Vulgata nicht übersetzt worden. Sie würden sonst, wie die Vulgata liefet, gewiß überseht haben, und nickt ES ist zwar wahr, die noch übrigen Codices haben diesen Spruch gar nicht, bis auf den Berlinischen, welchen Christian Rau dem Churfürsten verkaufte. Aber das geht sehr weit, diesen Rau darum zum Betrüger zu machen, und vorzugeben, daß ihn Rau selbst aus der Komplutcnsischcn Ausgabe abgeschrieben habe. Goeze hat eine vortrcfliche Sammluug von Bibeln, und besonders den ersten Ausgaben von Luthers Ucbcrsctzung. Luthers letzte Revision seiner Bibel ist von 1545, welche denn auch bei Beurtheilung seiner Sprache in meinem Lcrikon zum Grunde gelegt werden müßte. In seinen übrigen deutschen Schriften ist Luther bis an sein Ende weit nachlässiger geblieben, und er hat auf keine derselben den Fleiß verwandt, den er auf die Bibel wandte. — Ein Neues Testament nach seiner Ucbcrsctzung in Nicdersächsischcr Sprache, doch ohne seinen Namen, ist zu Hamburg 1523 in Oktav gedruckt, und äußerst selten, weil damals das Papstthum in Hamburg noch herrschte; wie denn auch die katholische» Prediger damals sehr eiferten, daß der gemeine Mann dieses deutsche Testament mit in die Kirche brachte. Die Druckerei muß in Hamburg sehr spät in Gang gekommen scvn. DaS älteste, was Goeze gesehen, und selbst hat, ist ein kleines Buch: De vccr Uterstcn, d.i. die vier letzten Dinge, in kl. 8. gedruckt, 1515, und so gothisch und schlecht, als kaum eines, daS zwanzig oder dreißig Jahre früher gedruckt ist. Doch soll Maittairc ein zu Hamburg gedrucktes Buch anführen, das zehn Jahr älter ist. — Die Nie- dcrsächsische Bibel, welche unter Bugenhagcn's Aufsicht übersetzt, und zu Lübeck 15Z4 gedruckt worden, und die man das Ei vor der Henne nennt, weil damals selbst Luthers obcrsächsische noch nicht zusammengedruckt war, hat er auch. Kollcktanccn zur Literatur. 305 5. Der Bürgermeister Greve hat eine schöne Sammlung von Gemählden, meistens aber von deutschen und niederländischen Meistern. Aus der italiänischen Schule habe ich einen einzigen Luca Giordano bemerkt, welcher die Fabel von dem Satyr und dem Wanderer vorstellt, der auS Einem Munde kalt und warm bläst. Der Wandrer sitzt bei dem Napf, und bläst in den Löffel; der Satyr steht voll Unwillens auf, und zeigt gegen seine Frau, die ein Kind auf dem Arm hält, auf den Wanderer. — Das vorzüglichste in diesem Kabinet sind die Stücke von Dcnner, der, wie bekannt, lange in Hamburg gearbeitet hat, und dem dieser Kunstliebhaber viel zu verdienen gab. DaZ vornehmste von diesen Stücken ist ein alter Fraucnskopf, an welchem D- länger als zwanzig Jahre soll gearbeitet haben, und der, wie mir der junge Greve sagte, seinem Vater 1200 Dukaten gekostet hat. ES sind auch da vcrschiedne junge Köpfe, von eben diesem Meister, die eben so fleißig und gegossen gearbeitet sind; daß man also nicht sagen sollte, Oenncr habe nur Runzeln mahlen können. — Außerdem sah ich Blumenstücke von Rachel Ruvsch, und ihrem Lehrmeister, Wilhelm von Aclst; Landschaften von Poelcmburg, mit allerliebsten weiblichen Figuren, von Hcrrm. Zaftlccven, und von Ferg, einem gebornen Wiener, der 1740 zu London starb, und dessen Stücke sehr selten sind. Ein vortreslichcS Stück von Hugtcnberg, den Entsatz einer von den Türken belagerten Stadt vorstellend, hat mich ganz bezaubcrt. Welch ei» Ausdruck der Affekten, der Furcht, des Schreckens, der Wuth, des Schmerzes, der Todesangst! und welche Gradationen in diesem Ausdrucke! Eugen kommt auf der Seite ruhig hereingeritten, ohne die geringste Miene, anzugreifen, oder sich vertheidigen zu wollen. Einige Schritte von ihm, der Fürst von Dessau mit einem andern Generale, der schon mit gezücktem Degen drohender aussieht, und zwei auf ihn sprengende Feinde, einen Türken und Mohren, erwartet. Hngtcn- burg starb 173Z zu Amsterdam; der Prinz Engen ließ ihn seine Schlachte» mahlen. — Ein schönes Küchenstück, ansscrordcntlich fleißig gemahlt, von Thcod. Nalkenburg; auch ein Blumenstück von Taun», welcher ein gcborncr Hamburger war, und zu Wien 172» starb. Er studirtc Anfangs nach Mario Nuzzi, und hernach nach der Natur. — Ein schöner Laircsse: die Umarmung der VcnnS und des MarS, von dem ganzen Himmel erblickt; Merkur auf sie hcrabfah- rcnd, um ihnen zu sagen, daß sie bemerkt werden. Ein kleiner Amor stößt den Merkur zurück, als ob er sie mit dieser Nachriclit nicht stören sollte; andre AmorS mit den Waffen des MarS spielend; auf der Seite LcmngS Weite XI. 306 Kollcktancc» zur Literatur. eine Bildsäule einer schwängern bekleideten Frauensperson, mit einem Tau- bcnncste in der Hand, ohne Zweifel die Fruchtbarkeit vorstellend. — Vor« nehmlich zwei kleine Stücke von RubenS: das Eine die GeschichteAk- täon's vorstellend, welcher die Tianc mit den Nymphen überrascht. Ak- täon bloß hinter einem Baume; so, daß man nicht begreifen kann, wie er hinter diesem so lange verborgen bleiben, oder so nahe herznschlcichen konnte. Tes Kontrastes wegen ist unter den schöne» junge» Nymphen, die ihre eigne oder TiancnS Bloße zu verbergen suchen, auch eine alte häßliche Frau, welche der Tianc ihr ^verkleid reicht, roth, mit Ermeln, und diese vorne mit goldenen Knopflöcher». TaS zweite Gemählde ist die Entdeckung der schwängern Nymphe (Kallisto) aus tem Gefolge Miauens; die Nyinpben ihr das Kleid abziehend! sie mit einer schuldigen Schaam sich sträubend; Tianc in einiger Entfernung, die Hände vor Erstaunen zusamincnschlagciid; eine Gcbchrde, die nicht edel genug ist. Aber das gefällt mir sehr wohl, daß die schönste, zärtlichste Bildung von allen der schuldige» Nymphe gegeben ist. — Auch noch eine kleine Skizze von Rubens: eine Maria mit dem Kinde auf dem Schooß, das schon etwas erwachsen ist, und mit dem der kleine Johannes spielt. 6. Die Geschichte der H a m b u r g i sch c n O p e r s. unte», im Artikel Oper. 7. Denkmäler und Gemählde i» dc» Kirche». — Die bckann- tcstc» Hambnrgischcn Mahler, lere» Werke i» den dortigen Kirche» zu sehe», sind: Wagenfeld, Ro»d u»d Engels. Aon dem ersten und seinen Schülern finden sich vcrschietnc in der Hciligcngcistkirchc; das schönste und größte aber in der IobanniSkirche, welches den ^a kob in der Morgendämmerung mit dem Engel riiigcnd vorstellt, und gewiß ein trcflicheS Gemählde ist. Tie Wirkung der Morgciuölbc auf alle Theile der Landschaft, die Aktion der Ringer, das Festhalten Jakob's, und dessen Begierde, seinen Gcgiier zu kciincn, so wie das LoSreissen und die Bemühung des Engels, sich nicht erkennen zu las sen, sind in den Handlungen und Gesichtern ungemcin schön ausgedrückt. Dieses Gemählde ist im I. IliKI verfertigt worden. TeS Künstlers Manier darin ist gewissermaßen Rcinbraiidtisch; und i» dc» Kleinern zeigt er eine reiche Komposttion und gute Gruppirung. Fücßli» weiß vo» ihm nichts. Eben so wenig hat er den Engels gekannt, von dem er weiter nichts weiß, als was Oesterreich in der Beschreibung des Stenglinischen KabinetS vo» ibm sagt. Oesterreich glaubt, er sey ein Teutscher gewesen. Taö war er aller- Kollektanccn zur Literatur. 3<)7 dingS; und zwar ei» gcborncr Hamburger, wie aus seinem Epitaphium j» sehe» ist, welches iu der IohanniSkirchc steht, und eine treflichc Pcrspcktiv, von ihm seihst gemahlt, vorstellt. 8. Was war das für ein buntes Zeug, in welches man sich so allgemein in Hamburg ju kleiden pflegte, als Huetius auf seiner Reise nach Schweden hier durchging? Er sagt in der poetischen Bc- schrcibung dieser Reise (l'ovmsla, eciit. 4. n. 5>«i,): — — — — ^Ibim, Ilaiuliui'^i^ue al!«:i'i8 lariclem vcftiKis liga. Ilic >iic:luratos in vestiineula lapelas Iiuluiiui' ^>c>puln?; Lam>>»5^ue uilie.-^no viileres liil'li.ikis ^eltari Iiumeiis; .lmicmiu5 ales t'ali.i »ou vaiia jiaiiilit ^«c^lueula caucla, iXeo tut i» imlirilera ^lingunlur »ullo ovlures. Hamilron. 1^» Lranclo üielo^ne pourroil cncoio reelumei' //tt««t//»?t. Iialiile iicirilpe cl'Iiitloire, 6l»I>Ii :> iiome, et clonl >s!5 lalens tont eonuus nar l!x Arsiuls ialilcaux lipi's v I'upeiieuicmeiit ^isvvs lous les ^eux lkc: I'^rlil'te. par i^Ii'^ t7nne^u Service ele »'vlo^rn?. Kn-c//e ^»-», 1768, p. M8. ,>ücklin gedenkt seiner im ersten Supplement; oder ganz im Vorbeigehen, ohne von seinen Werken etwas namhaft zu machen. Haym. 5er Verfasser des /F,i/a«,>i-?-i, und des WcUS von seltene» italiänischen Nnchern, ist, glaube ich, eben der RicholaS Haym, der zu London vor Heidegger'» die Direktion der ^pcrnbül'nc auf dem Haymartct halte. Wenn das ist, so vcrmn lbcl der Verfasser des t.'o«i^in,iio» /o //«> /^/nz/^oii/'i- sehr »»richtig, daß er ei» Deutscher gewesen sey, Er war ein Römer von (Geburt; und sein Vorname war Nicolao Francesco. Er starb 172!>, welches in icncm S'uchc gleichfalls nicht a»gcgcbc» wird, t^ben so ist daselbst ei» Irrthum i» Ansehung Heidegger'S, der für eine» in«,,, 07 aiiSgegebc» wird. Er war ei» Schweizer. Hellenisten. Von den verschiedenen Mcinnngc», wer die Hellenisten gewesc», deren in der Apostelgeschichte mehrmals gedacht wird, s. 5aS,ic, ILibliolli. er. I.. IV. c. V. i,. 22t?, 20" 308 Kollektanccn zur Literatur. Der Erfinder dcS hellenistischen Dialekts, in welchem das Neue Testament geschrieben seyn soll, war I. I. Skaliger, in den ^vimaitverll. iu p, 124. Diesem folgte hierin Daniel Heinsins, in s. Lxcroitt. r>tZ ^Vo,!,-,i,n, welchem GrotiuS, Rich. Simon, und andre, beistimmten. — Dieser Meinung aber widersetzte stch aus allen Kräften Claud. Salmasius in s. t!owmenla- rio 6e liugua Ilelleoittica, seinem dunere Ilellenittieo, und seinem vssilegio, in welchem letzter», S. 387, er den Joh. Drnsius für den Erfinder dieser Meinung angiebt. Diese Werke des Salmasius verdienen sehr, daß ich sie mit Fleiß einmal lese, besonders das erstere, in welchem er von den griechischen Dialekte» überhaupt handelt. Hermä. So nennt man alle viereckige sieinerne Pfeiler, oben mit einem Kopf; der gemeinen Meinung nach, weil dem Hermes dergleichen zuerst gesetzt worden, zum Andenken dessen, was ihm aus dem Berge Chilene von den Söhnen des Chorikus widerfuhr, die ihm die Arme abhieben, wovon sowohl der Berg seinen Namen, als er seinen Zunamen, Cyllcuius, bekommen haben soll. Kei-v/n« k i>A. ^eneilZ. VIII. V. 138: blicke et iule (Ü^IIevius, et mons elicunlui-; oamezuo xrsecv -.^Xo-u?, oliczua mulilalos ^arle coi^o- ii8 llicuol; volle eliam vocoinuz kjuosäai» 1"l!mulys in mo6uni kignorum, kine msviuu8. — — Andre geben eine allcgc- rischc llrsachc an, warum dem Hermes dergleichen viereckige Steine gesetzt worden, die mau, in so fern man unter ihm die Sonne vcr standen, beim Makro biuS (Sn/«--»n/. I. 19 ) und, in so fern man ihn als den Gott der Rede betrachtet, beim SuidaS angemerkt findet. Dieser sagt unter Ly/-,'?''' i'irywz-uvov «^r,c>z>c>v, uroiiler verilalis li, inilalem. — Doch Herr Winkelmann, welcher solche viereckige Steine mit einem bloßen Kopfe für die ersten Versuche der Kunst ansieht, (Gesch. der Kunst, S. 7.) meint, daß sie ihren Name» von dem Volte Hermes nicht hätten bekommen dürfen, da überhaupt im Griechischen ein großer Stein heissc, wovon die Beispiele beim SuidaS zu finden. Aber warum schreibt Herr W. beständig: die Hcrma; eine Hcrma? Er hat ja wohl nicht den geringsten Gründ, c§ im Deutschen eines andern Geschlechts zu machen, als es im Lateinischen hat. Ilermse ,»i ^«-»/ckc«, schreibt Cicero an den AttikuS, (I.. I. e>>. 8.) eiiln ea^ililius geuvis, ele «iuil)U8 acl nie seiil-liNi, jaw vune ine »clmucluin tleleelsot. ES ist sehr iiuwisscnd, wenn verschiedne Kollcklanccn zur Literatur. 309 Ausleger unter diesen Hermiö eigentliche Bildsäule» des Hermes vcr- flehen, da eS doch nur Pfeiler von pcntclischcm Marmor waren, auf welchen ganz vcrschicdnc Köpfe, vielleicht griechischer Wcltwcisen, standen, weil sie zur AuSjicrnng seiner Akademie im Tuskulanum bestimmt waren. Hcrmathenä. Hcrmerar'lä. Her in erstes. Dieß waren nicht bloß Kopfe der Minerva, des Herkules, des Amor, welche auf viereckigen Pfeilern standen, wie Popma insbesondre von den zweiten sagt: (aä Nc. 1^. I. ep. 8. n-ü ^itticu,»,) yuoä erst Ilereulis cajiut Mercurii llaluae ^uadralac; iwriolilum, cujus o>>ulu»> roiluxisl'et, et, marv ruvrum 6iviuilus ira»5il>ot, ju laullem 11A,i«. I I7>>. von welchem er am Rande ausdrücklich sagt: noiil/,,,» ^> i/,t»t/ecint N,ii»la/«I/«I. Fr et) tag welcher diese Ausgabe in seinen ^oalectl. I^itera,-. i«!7 beschreibt, glaubt sie Lolomae, uor Ilen- lienm l^ueolel gedruckt, weil sie der Ausgabe von des ^/»«e Doctn- »»le ^Ilum, welche dasclbsi hcrausgekomiiic», vollkcmmcn gleich sey. Auch der .Kommentar, welcher bei dcm Pbysiologus ist, scheint ibm von cbcn dcm zu seyn, welcher das genannte /locO/na/e kommcnliri hat. Mich wundert um so mehr, wie Beaugendrc dieses (^ccubl als ein Werk des Hildebcrtus hat können drucken lassen, da in seinem Manuskripte stch am Ende zwei Acrsc befinden, welche mein gedrucktes Exemplar nicht hat, und die eS ausdrücklich einem Tibal- duS zuschreiben: <üi>rm!ne tiinto, lit laus et ßloria t^Inil'to, t!ui, li nori alii, placeant Iiaee melia ?'iia/. I.;.".', ci» Epitaphium auf einen I>I.iß!slr»m ?'/ie»Sa/'/,in>, welches er wrbl seyn könnte! und aus den Zeilen in demselben: Hoc vivenie loous Der^enlis tloiuil; il'to 8uvluto marcet nominis Imjuü ociar! irürdc ich angeben können, wo Theobald gelebt und gelehrt hätte! wenn ich nur erst wüßte, was Ivcu» /?e?ve,i/i« für ein Ott sey. Indeß ist es wahr, daß Beaugendrc stch aus diesem gcdrnckicn Physiolog« 6 nicht viel Raths würde haben erholen können, und daß er ihn uns viel korrekter geliefert hat, als er dort erscheint. Maittaire (ärmsl. Iz'lwxr. 1'. I. p. s>02;) führt auch eine Edition, imprellum per (^Iiiil't. Luellaari, j4!1^>, an; und unter den Manuskripten der Fabrizischen Bibliothek, unter welchen sich zwei Lodiccs des /Vi^/?«/»^ befinden, Ro. 14!) und 2-1!», wird einer (Ä/»nt'e,l/-« vom Jahre 1492 erwähnt. Jene bringt auch Frcytag aus dem Maittaire bei; nicht aber diese; wie er denn Kollcklanccn zur Literatur. ,-Zll auch von der Ausgabe des Beangcndre nichts gewußt hat. Und so spiele» die Lilteratoreu unter sich oft die Blindekuh! Beäugen dre wußte »ichtS von der ältern Ausgabe; und Frey tag, der die altern kennt, weiß nichts von Bcaugendre'S neuester. Bei dein allen ist Beangendre'u diese Unwissenheit weit eher zu vergeben, als eine andre, durch die er Verse unter die L-umina des HildcberlnS gesetzt hat, welche viel zu gut sind, als daß diesem eine Sylbe davon gehören könnte. Ich meine die />)>//!c>/nn- ZVt-A'-acciiii, >>. 13!l>, welche nach ihm //i/c/eiei'en« sä »micum lian-marioum leu ^ri^Iis-.anum soll geschrieben haben, «zua eum ro- xat, iil! in luo niloilunio ij,5um coolemnat »ut «Zeseral; sorle ,Iuii> .1 out ul) //e?ii/c« /. ils exagilaiotui', ut lioiiisni peteie caselus kit, ob Iurre8 Lceleliae l'cilieek. ciu»8 eveileie l'emvri- immvlo >ecu5avit snimo. Dieser ganze Brief besteht aus »ichtS, als aus lauter zusammcngelragcncn Stellen aus dem zwcilcn und dritten Buche von 0,«/ti k.->il'!ali8 ex ?vo><,; und cS ist nicht einmal daS, was man einen Cenlo nennt; sondern die Verse sind schlechterdings so, wie sie an verschiedenen Lrten bei», Lvid stehen, ohne daß stc Hildebcrtus sich im geringsten auf seine Ilinständc eigen gemacht hätte. Wie war cS möglich, daß ein (belehr- lcr sich aus seiner Iugcndleklürc nicht so viel erinnerte! Ich bcdanrc den Mann, der so elende Dinge so lange und so viel lesen muß, bis er alle seine klassische Lektüre darüber vergißt. Hätte sich Bcaugcndrc aber erinnert, daß er nichts als Stellen aus dem Ovid abdrucke» lasse, so wurde er uns verschiedenes haben richtiger, und nicht mit so lächerlichen Fehlern, liefern können. So bat er z. (5. drucken lassen: Hitt'jie caiiem lon^o vil'um su^it ^«11» kuimmiiuo (!reiiil, et ij>l'<> lnam nel'cia vilut, o^eru. ^.>as ist das für eine Anna? (nuc Heilige vielleicht 5 — Doch, wer weiß nicht, daß die Stelle a»S dem siebente» Briefe des zweiten Buchs <'.,- /'»»/o ist, und daß mau »^n» statt ^imu lcfeu müsse S — Wiederum läßt er drucken: ^irc ma^i» aliilku» vomcr lenuslur sl» ul'u, ?>iee »>>i^!s el'l euivis Irila ruli?. Wer kann die zweite Feile verstehen, der sich nicht aus dem Ovid (l^>. I. v. -It.) erinnert, daß ^/-/>-n viu, zu lese» scy^ — Ferner läßt er drucken: 8! j>aeem »ullam ^ei-i/iis »>!>>! -„aei^il eunli. Iliila IXe^luno cur ego tlvua serum? 312 Kollcktanccn zur Literatur, Was soll das /ic,ti/,-s? Wer versteht das? — Mau muß aus dem Ovid (Lp, IX. L. II. v. 27.) wissen, daß dafür zu lesen ist. An einer andern Stelle sand er in seiner Handschrift geschrieben: /i'c5ee> und glaubte üe,-el/em dafür lese» zu müssen; nämlich: Lonveuieus onimo geuus esl tilii; noliilo liailiA»ie-» liuanilam veil'u peiilil'iiuiaiu, welcher für den H. viel zn gut ist, und stch anfängt: lempora piikea elceem le jaolavere 8il)^IIi?. Lt vcl'lri 5exu8 ^loria mag»a kuil. Dnius ingenio piaekenlia l'uecula ^aulkenk, Lt noo ex lolo virgine vale coienl. I^iine e eure."« kiijo. Das zweite Gedicht, gleichfalls auf Rom, ist hingegen von cincin Christen, doch auch aus frühern Zeiten; und Rom wird darin redend eingeführt, als zugestehend, daß es zwar durch die christliche Religion seine Größe und seinen Glanz verloren, aber bei diesem Verluste dennoch mehr gewonnen als eingebüßt habe, lind das ist sicherlich wohl die beste Antwort, die man auf den Vcrwurf geben kann, daß die christliche Religion an dem Verfalle des Reichs Schuld sey; denn die Sache selbst zu leugnen, ist weit unsicherer. Das Gedicht fängt so an: I)um limulacra milu, <1um nomina vana ^Iseererik, IMilia, livpulo, moeiiilius alt» lui. limul esligie8 oi.isrzue tupers>itioki>8 »ejieiens, uni l'um sarnulula Oeo, <ücllerunt arcc», ceeilleie, palalii» tlivum, tzervivik li0j>ulu8, elegeneravit Lcjues. Vix teio, lzuao lueiim, vix liomao Koma revorilor, Vix llnik occafug vel ineminillo mei. t-ralior üaeo jackura inilii l'uecetlillu8 illis, I^lgjor 5uiu ^auiier ilivile, l'lanto j.ioeos. ?Iu8 aczuili8 vexilla iüiuvis, plu8 t^aelaie ?elru?, e/c. Hören. Der Sinn des EchörS, wxov^ix?, cü<7A^<7ts, ^-^ o Gko^l>a^-o? zra^i^txioiclr^v kl^ai. ^^<7^ »acr^i . ^^/n/n^t/i. ile ^.UiNt. II. 38. e<1it. ^v>//a,tt/i.^ Theophrast nannte ihn von allen den leidenschaftlichsten, weil er glaubte, was uns durch ihn in die Seele komme, wirke weit geschwinder und stärker auf die Leidenschaften, als das, was durch den Sinn des Gesichts, oder des Geschmacks, oder Geruchs, empfunden wird. Die gräßlichste, schrecklichste Gestalt kann uns bei weitem nicht so in Bewegung setzen, als ein starker Knall, ein fürchterliches Geräusch. Ob aus diesem Pathetische» des bloßen Sinnes für den Vorzug der Poesie und Musik vor der Mahlcrei etwas zu schließen ist? — Ob auch daher schon zu begreifen seyn mag, daß jene Künste mehr Gewalt über unsre Leidenschaften haben, als dieser zustehen kann? Der Sinn des Gehörs hat manche Besonderheiten. In den Io8oi,Iüc!>I '1>ai>s»elioo8 vom Mai 1668, liest man von einem Tauben, der beim Schall der Pauken sehr leise hören konnte. Und Mor- hof, «lo l>iU'aü<)xi8 lenluum, p. 321, erzählt von Menschen, bei welchen auf gewisse ^mpsindungcn des Gehörs gewisse Wirkungen er- l'.li Kollcktancen zur Literatur. folgten; z. E. von einer Frau, die beim Hören des Bonners Leibes- öffnnng hatte. _ Holdsworth. Ein neuer englischer Gelehrter, der im I. 17>i!>>> III ienles ININIUN ^o^ürcrunl. Ich denke also um so viel mehr, daß mein Einfall gegründet ist. Boivin in seinen Noten über den NicephoruS nimmt sich zwar der alten Auslegung an, und meint, weil das Sprüchwort eigentlich geheißen: Kollcktanccn zur Literatur, 316 ^6li>-v c!i>o?, ^'-ra«»-rkxkv, wie es Grcgoriiiö LypriliS aus- drucke, so sey RiccphoruS durch den zweideutigen LasuS betrogen worden. Maxiistcr Hugo. Ein Scholastiker, von dem Johannes Sa- riSbcricnsiS (7»/t-/«/oAit?. 1^. IV. c. 13.) die Erklärung des Glaubens in geistlichen Dingen anfnln'ti liiles ett voluutaria ce^liluiio iililVuIiiii», l'u^ra vziiiiiiniem, inkiu telenliaiu eoullituls. I. Ideal. Es war bei den Alten nicht erlaubt, die Vollbcitcn nach Sterblichen, wenn ihre Bildung auch noch so schön und erhaben war, >» porträtircn. Sie verlangten ein eignes hohes Ideal. — Doch ist ^cnuS öslcrS nach beriibmlen Buhlcrinncu, nach einer Kratina, nach einer Phryne, vom PraritcleS und andern gebildet worden. — Einer ähnliche» Profanation machte stch der Erzbischof von Mainz, Albertus, schuldig: yui ali^uanclo in ><>mnlu l^uo6am teortum l»ui» «li'^inxi nio ilivina vi>ßi»i: eni-.ili.il. (v. Kc^/»^e/i. p. 162 ^,Iis>>Ii ) Diese Lilalion nehme ich ans Jüngers Dill. cZo inaui- »ri?> Das Wort Ideal scheint Sana zuerst gebraucht zn haben. S- dessen Artikel. Igiao, oder Iv'adc. °) So nennt Gori (llaclz'I. Xanelt. >>. 17.) einen Stein, welcher dem PraSina di Cmcraldo sehr ähnlich sey: nernulcliri Isuiciig, e^iiem /A/ningili»ae l'iül'mac! nci-limilem. lind dieses übersetzt Zanctti: un'Igisde nioltn Iiell.i, clio al I'rosma ili 8lnei»Illl> »lkai l'i nvvicma. Aber ich stndc nirgends die geringste Spnr von einem solchen Steine. Endlich glaube ich dcuu doch gefunden zn haben, was eS snr einer sehn soll. Der I.-inis >>e>>linlic:»s ohne Zweifel, so, wie ihn die Spanier aus Amerika bringen, und niech-a «Ze Iiijacia uenucii. Der Nie- rcnstcin ist auch wirklich ein grünlicher lhonichtcr Stein. Ilythia. Jlythia, oder, die Hexe. Unter diesem Titel gc- denke ich die Erklärung eines Steins beim SlcphanoniuS heraus- zugeben, den auch Maffci seinen (Zemme ^nlielie liAuialv (I'. I. °) Bcrgl. Band VIII, S. 17?. 31K Kotlcklanecii zur Literatur. I». 24. lad. 19,) einverleibt hat, und den sie beide für eine Agrip- pina erkennen. Sie haben die Gcbchrde, in der sie da sitzt, gar nicht gekannt; und eS ist mehr als lächerlich, wenn Maffci darin eine ernsthafte und liefsinnige Eebehrdc entdecken will, die ihre Sorgen und Betrübniß über die Ermordung ihres Gemahls zn erkennen geben soll. Tiefe über einander geschlagenen Beine, ivo Knie auf Knie liegt, sind aber nicht die, von denen ich in meiner Schrift: Wie die Allen den Tod gebildet, gehandelt habe. Niemand hat beide Attitüden mehr verwechselt, als Winkcl- mann, in den Anmerkungen über die Gesch. d. K. S. Kl. Besonders, wenn er sagt: „Ich lasse es dahin gestellt sehn, ob eine Münjc, Kaiser „Aureolus, auf welcher die Vorsicht mit über einander geschlagenen „Beinen steht, all ist;" nämlich beim Tristan. (Lom.'5. III. p. 183 ); so kann man ihm nicht viel Bekanntschaft mit allen Münzen zugestehen. Nicht die Vorsicht allein; noch verschicdne andre Gottheiten stehen auf denselben in dieser Stellung. Z.E. nur die anzuführen, die in Ilietauro vorkommen: I-e/ic-ias ^ui/ica, auf den Sturz einer Säule mit dem rcchlcn Arm sich lehnend, und den rechten Fuß über den linken geschlagen; (auf einer Münze der Julia Mammäa, l'ali. l^Vl. 7.) in der Linken einen KaduccuS. Secu-'ita« I'e?-/ic/ua, in der nämlichen Stellung; nur anstatt des Kaduccus einen Spieß in der Hand; auf einer Münze des Va- lerianus. (lab. I^XIX, 7) cruribus 6eeu55al!s, sagt OcsclinS. Auf eben dieser Tafel Nr. !). Keci^i/a« in der einen Hand ein Füllhorn, in der andern einen Oclzwcig; auf einer Münze des Nerva. I^ov-c/ent'ta ^uAil/ii, (die von Winkclmann angeführte Münze;) in der einen Hand ein Füllhorn, mit der andern auf eine neben ihr liegende Kugel hinweisend; auf einer Münze des AureoluS. (lud. I^XII, 3.) Auf einer andern Münze eben dieses Kaisers heißt die nämliche Figur: ^»A,-//-. (iäi-/. n. 4.) t//enien/ta ?'e»-/«i,unl/ in der nämlichen Stellung, mit rincm Spieße, dessen Spitze zur Erde gekehrt ist; auf einer Münze des Probus. (lab. I.Xlll, 10.) Allen diesen Figuren kommt gewissermaßen der Begriff der Festigkeit und Ruhe zu. Sie lehnen sich auch alle auf den Sturz einer Säule; und ganz frei stehende habe ich nicht gesehen. Verschiedene behalten eben diese Attitüde auch im Sitzen; als, die kokt.--/«« />uikc«,- ('lali. 8.) aber alsdann sind nur die untern Kollcklanecii zur Literatur. 317 Beine über einander geschlagen, nicht aber, daß Knie auf.Knie ruhclc. Wenn eben diese Figur sich aus keine Säule lehnt, so sieht sie auch nicht mit über einander geschlagenen Fußen; wovon man auf der nämlichen Tafel Beispiele findet. „l?i»e Statue eines Helden, sagt Winkclmanii am angeführten „Orte, mit über einander geschlagenen Beinen würde bei den (Griechen „getadelt worden seyn; denn es wurde dergleichen Stand auch an ei „nein Redner unanständig gehalten, so wie es bei den Pythagoräern „war, den rechten Schenkel über den linken zu legen. Hierüber isi vielerlei anzumerken. TaS Erstere zu beweisen, daß nämlich ein dergleichen Stand an den Rednern für unausiändig sey gehalten worden, beruft sich N> auf den Plutarch, und dessen Ab- Handlung vom Zuhören. Aber Plutarch redet in der angezogenen Stelle (Lylandcrs AuSg. S. 45>.) erstlich nicht von dem Staude des Redners, sondern von der Eebchrdung des ZnhörcrS. Nicht von dem Redner sagt er, laß unter andern nnansiändigcn Bezeugungen auch ,^i>^ «5a>,Xaäte cc^k?5? eine sey, die er sich nicht versiatirn müsse, sondern von dem Zuhörer. Man darf die Worte des Plutarch nur ansehen: L-r' w^riz? 7^? «Xtzoacrru?, oi) ^ovov, «. r. X — Zweitens heißt auch ,l^>^ nicht der Stand übergeschlagener Beine, sondern das öftere llcbcrcinanderwcrfen der Schenkel, wodurch ein sitzender Zuhörer seine Unruhe und Unachtsamkeit zu erkennen giebt; und dieses wurde, nicht wegen der Figur selbst, sondern wegen der beständigen unruhigen Abwechselung, nicht an dem sichcudcn Redner, sondern an dem sitzenden Zuhörer für unanständig, ä^-iri-e, gehalten. Xylandcr übersetzt die Worte sehr richtig: imleeor.-» lernn- lum inlei- 1o normulalio. ki^o?, heißen die Schenkel, uud nicht die Beine oder Füße unter dein Knie; und »on «»aXXa^ktv, alleiiiaie, bedeutet die Handlung des UmwcchsclnS selbst, nicht aber die Lage der Schenkel, in die sie durch diese Umwcchseluug kommen. Solch ein unruhiger Zuhörer war der Kaiser KaritakuzeuuS, als NiccphornS GregoraS (lv.XIX, c. ) vor ihm redete. 5icsc Stelle verdient dabei angeführt zu werden. /M.4«?/^vI58. S. Ahucubildcr. — 5ie alten Römer hatten auch Knechte „c/ /«in^/iic«, wie die Vrabschrift auf einen solchen in dem 8opulellrc> lamiliao ^ugullao sich befunden. IXo. 32. p. 28. 6?-»-i, I^um. cXXVII. p. 158 ) t?in solches Ahnenbild, wie cS an feierlichen Tagen aufgeputzt wurde, glaube ich auf einer Münze des M. KalpurniuS Piso (beim Koklcktanccn zur Literatur. ^iscliuS, l.ili. XI^I. 4.) zu erkennen. OiscliuS hält die ^igur für einen ^le»,» Z'«-,,»«»,«,; aber die beigefügte Krone, und das Gefäß, die er für ^pfcrgcrälhschaft ansieht, Halle ich vielmehr für die Todte» kröne und für einen Oclkrug oder /c<>,//i««z wie jene alle» todten aufgesetzt nnd beigelegt wird. Auf cincui Mariiior in Spou'S »lil'ecll. erinnere ich mich beides einer sterbenden oder todte» Person eben so beigefügt gesehen zu haben. Vielleicht ist auf einer dort gleich daneben stehenden Münze des AugustuS der Terminus mlt einer corona r-nliala ebenfalls nichts anders. Isisehe Tafel. Tcr letzte, der diefe Tafel zu erklären gcsncl'l hat, ist EayluS in seinem Ileeueil <>'.4»>in,»ilez, Vol. VII. — Er hält sie für ein spateres, zu Nom verfertigtes, Werk, aus den Seiten, in welchen die Römer zu dem ägyptischen Götlerdiciiste so großes Se« lieben trugen. Ich habe diese Erklärung noch nicht gelesen; ich »ins; es aber, so bald mir das Werk in die Hände kommt, nm zn sehen, was ich für meine Anmerkungen, die ich über diese Tafel gemacht habe, darin antreffe. Juden, ^b ein Jute, der stch hat taufen lassen, wenn sein Weib, die eine Jüdin geblieben ist, nicht weiter mit ihm lebe» will, eine andre Frau nehme» könne, ist eine Sache, worüber noch neuere lich i» Frankreich sehr ist gestritten worden; nämlich bei Gelegenheit eines gewissen Baruch Lcvi aus Hagenau gebürtig, welcher stch im I. 1762 mit seinen zwei Kindern laufen ließ. Seine ^rau kehrte »ach Tcutschland zu ihren Acrwandtcii zurück; und als er eine andre Fran, eine Französin, dafür hciralhcn wollte, und sich deswegen an den Pric ster wendete, der ihn getauft hatte, und seine Frau kaimlc, so verweigerte ihm dieser die Erlaubnis;, die ihm auch von dem geistliche» <''c- richte zu SoissonS, und von dem Parlamente zu Paris abgesprochen wart. Tie Schriften, für nnd wider, in dieser Rechtssache, sind zn Paris gedruckt: lieeueil iiiijio,i-nil s»i' la >eut lv »emulier iimi:» tun I>ulel«e, loikcjue f., keliune jnive icsnse clo le tuiviv <^ il'l>!il>ilei' uvee lui, 12. — Zch glaube, die Protestanten würden einem gelausten Juden diese Erlaubnis; nicht versagen, weil sie von der UnauflöSlichkcit des Ehestandes überhaupt anders denken, als die Katholiken. Ein ConvcrsuS aus dem Zudeiithumc war unlcr andern GalluS GallenS, der zu Anfange der Reformation zn dem Pabstthumc gc Kollektanecn j»r Litcralnr. 31!» treten war, und bald hernach ein Lutheraner wurde. ?cnn um 1^24 branchic ihn schon Johannes Freiherr zn Schwarzcnbcrg in sei- ncr Landschaft das Evangelium zu predigen; wobei er mit dessen Kapellan in Streit gcriclh, der ihm unter andern die Frage vorlegte, warnin die Kirche nur vier Evangelisten angenommen habe. Er bcant wertete diese papistische Frage christlich, und ließ seine Antwort drucken. (S. Wolf. Vibl. 104. 1k. yuocil, 4.) Ioh. Fr. Jünger. Er war aus Meisten gebürtig, und dispu- tirle im I. 1678 als Magister zu Leipzig c/e «in?-^«« ^ic-i,»^, worunter er solche Eemahlde verstand, die entweder bloße Wesen der Einbildung, oder solche Tingc vorstellten, die nicht ohne Aergerniß und Verletzung der Ehrbarkeit konnten gemahlt werden. Unter die erstem rechnet er auch die Engel als geflügelte Jünglinge, weil die Flügel den Engeln in der Schrift nur figürlich beigelegt würden. K. Rädmon. Tcr angelsächsische dichter, welcher das Alte Testament in diese Sprache poetisch übersetzt hat. IuniuS hat Stücke d^vcn li>>',,', zu Amsterdam herausgegeben, unter dem Titel: Caec/- i,i«,i,,>> ^I»nlu'I>! I'ui!is>I>,!>li8 I^uölica (^eoeseos ao prsecivuaiuni laeiae p.ißiiiae IIisl»ii!j>um; in 4. — IuniuS glaubte, er sey aus dem sechsten Jahrhunderte; Hickcs aber (<^is,»iiia>. .^nAl. ^axvii. v. 133.) giebt ihm ein weit jüngeres Aller. Ioh. Heiur. Stuß, Rektor iu Ectha, wollte ihn iu seinem 1'Iiesuuio l-olli»- et ^nxlo- tisxoiucu wieder bcrausgcbcn; welches Unternehmen aber ins Stecken gerathen ist. — Ka'dmon lebte, nach dein Beda, in lnonatleric» >i>>e!>nel1ialcl> lud .ihnlilsii ////:eiet, Iioe ivl'e l>ol't s>ulill»»l verliis rioetiei?, maxiwa tuavilato et coin^uuelioue, iu s>>!>, iil ett ^ngloium, liugua ni«seirot." HickeS macht indeß nicht sowohl den Kadmon jünger, dessen Alter wohl auS dem Beda unstreitig ist; sondern er mißbilligt nur daß IuniuS die gedachte Paraphrase unter seinem Namen herausgegeben, und stc dem Kädmon so zuversichtlich beigelegt habe, da sie vielmehr für ein weit neueres Werk zu hallen sey. (praes. i» ^Iie5. lingn. levkenli'.) — — Klopft ock indeß hat mir mehr- 3?0 Kollcktanccn zur Literatur. malen gesagt, daß cr dicsc vorgeblich Kädmonische Paraphrase sehr poetisch gefunden habe. Rlangfüßc. Ich habe einmal den Einfall gehabt, die Wirkungen der vcrschicdncn Klangfüßc ans uns nach den vcrschicdne» Ar- tcn des PulseS zu bcstininicn. Ich wollte mich bei den Aerzten un »erweisen lassen, ob, und was für eine vcrschicdne Art des Pulses jede heftige EcinüthSbcwcgung insbesondre begleite, wenn man anders genaue und richtige Bemerkungen hierüber bei ihnen findet; und so- dann wollte ich die Klangfüfic untersuchen, und festsetzen, welche mit jeder besondern Art des Pulses übereinkämen; welches sodann diejenigen seyn wurden, die sich am besten zn denen Affekten schickten, die mit diesen Pulsen verbunden sind. Vicß war ein bloßer Einfall von mir. Jetzt bringt mich eine Stelle beim Vitruv auf die Vermuthung, daß die Alten vielleicht schon längst so geschlossen, und ans diese Weise die Wirkung ibrcr Klangfüße bestimmt haben. Vitruv (I., I. c. 1.) redet von dem, was vcrschicdne .Künste mit einander gemein haben, und wie die eine die andre nöthig habcn könne, und wirklich brauche, ohne daß deswegen der Meister der einen auch völlig Meister der andern seyn dürfe. Ticß erläutert cr durch das Beispiel der Medicin und Musik, und sagt: llli me klu/ieie» zieuvciit liie» »ue. ler nar oxemjile «1o la siroz>k»tion iles niouvoinens clo lailcre, llout le nou>5 c5t comnol'6, clo eoux «les nieclü, czni so»! l> ^ pgs cle la elanle. Er hat cS von der Bewegung der cigcutlichcn Füße verstanden. Allein, was hat der Rhythmus der Pulsader für eine Verwandtschaft mit der Bewegung der Beine beim Tanzen? An meinem Erstaunen, oder vielmehr, zn meinem Vergnügen, finde ich nun, daß man mir in dieser Art von Untersuchung schon zuvorgekommen ist. Ein Medikns zu Nancy, Herr Marguet, hat ein Werk herausgegeben: Ile la ülellwilo 60 eovnoitre le iwuls na,- la klullcsue, welches sein Schwiegersohn, Herr Buchoz (kledveiu IZo- Kollcktanecn zur Literatur. 321 i-missa >s»io<:I>o, luivant cet sulcur, 6e I'^Iat 6e la malaclie. — Die Ausgabe dieser Schrift von Bnchoz muß noch ganz neu seyn; und ich muß sie bei erster Muße lesen. Römische Subjekte, Aus der Stelle des Cicero von der Traurigkeit, die ich im zweiten Bande der Dramaturgie angeführt habe. °) _ Mylord Roß zu Dublin, von dem das ^ournsl Lne^elovviZl. q»e, 1762, p. 1l)Z, nachzulesen ist, würde ein gutes Subjekt zu einem neuen Don Pedro seyn. Von einem ausscrordcntlichen Projektmacher, den Weisst zum Muster halte nehmen sollen, oder den Jemand noch nehmen könnte, der einen bessern Projcktmacher verfertigen wollte, f. gleichfalls das .Inuni. Lnovcl. 1762, p. 103. LS war Kapitän Pockrich in London- Seine (^läscrmusik. — Sein Eeheimniß, unsterblich zn werden. — Ein gewisser Newbnrgh hat diesen zweiten Ton Quixote in einem besondern vcdichte, Hio poekiaii, besungen. Rochklinst. Ich besitze ein altes deutsches Kochbuch, welches allem Ansehen nach das erste ist. SS führt zum Titel das einzige Wort: Kuchcmaistrcy, nicht aus einzelnen Buchstaben zusammengesetzt, sondern ganz geschnitten, llulcr diesem Worte steht ein Holzschnitt; der eine Küche mit verschiedene» darin beschäftigten Personen vorstellt. Nirgends zeigt sich weder Ort noch Jahr des Drucks; aber daß es aus dem fünfzehnten Jahrhunderte seyn muß, ist wohl unstreitig. Die Form ist klein Quart, und der Bogen find viere, von welchen aber nach der Signatur die Bogen A und B jeder acht, und die Bogen T und D jeder sechs Blätter haben; daß folglich da§ l^anze, mit den vier Blättern, welche den Titel, die Vorrede nnd das Register enthalten, ans 32 Blättern besteht. Die Seiten sind nicht numcrirt, und der KustoS fehlt auch. Aber Anfangsbuchstaben hat es; und zwar zu Aufauge der Vorrede und des ersten Theils ein °) Band VN, S. 391. rmmgs W-ek- xi. 21 322 .kollcktancen zur Literatur. ?l uud D von einer schr bunten Art, voller Laubwerk. DaS Werk- chcu ist in fünf Theile, und jeder in besondre Paragraphen getheilt, die ich durchlaufe» will. Ditz Büchlein, heißt cS, wirt gctcilet in fünff teyl. In dein ersten teyl. lernt cS. wie man fastenspeyß bereiten sol von mancherley vischen. vud auch bibcrschwantzcn. :c. zu syeden. braten, gebachö. vn wie man etliche darunter vcrgulden vd' versilbern mag. Auch wie man von gcmüß v»d suppe in mägcrley weiß mit gewürtzic. vn cllich mit färbe bereiten vnd geben sol. ic. — So ist alles treulich nachgeschrieben; und man steht, welche Sonderbarkeiten die Schrift hat: 1) Die Substantive haben keinen großen Anfangsbuchstabe». Nur die Perioden fange» mit einem an. 2) .kein .Komma zeigt sich gar nicht; auch sonst kein Uutcrschciduugsjcichcn, als das einzige Punktum, welches für alle und jede, auch öfters an Stellen gebraucht wird, wo wir jetzt ganz und gar keine Interpunktion setzen würden. I) An Zeichen kommt noch sonst das Etcätera, :c/ und das Paragraphenzeichen (I vor. -1) Arabische Zahlen finden sich gar nicht; sondern die Paragraphen sowohl als die Blatter der Bogen stnd mit römische» Zahlen, aber aus der nämlichen deutschen Schrift, iiuincrirt. '>) Roch merke man den Ausdruck: Ditz Küchlein lernt, anstatt daß wir jetzt sagen würden, lehrt; zum Beweise, daß lehren und lernen Ursprung, lich Ein Wort waren, und erst in spätern Zeiten stnd unterschieden worden. Was ich sonst für mich daraus aumcrkcu kau», wird größtcnthcils nnr in alten Wörtern bestehen: §. 3. mach ein gelbß pfcffcrlcin darüber. Pfcsfcrlcin ist hier ohne Zweifel so viel als Brühe. §. 4. Haupt, grot vn ingcrusch. Ingcrusch heißt so viel als Eingeweide. §. 7. las es in einer Pfannen er wallen eine» wall: ein einjigcsmal aufwallen, aufsieden. §. 8. gar ein hofliches vnd deuigs essen: jetzt brauchen wir höflich nur von Sitten. Russen. Die allen Grieche», wenn sie .Kinder küßte», psicgtcn sie bei de» Ohre» zu fasse», uud sich vo» ihnen so fasse» z» lasse»: ai,'ir7o,u^vot 5ai,Si,a?, sngt Pllttarch, (llv aulj. noi':t. I». 38, veiit. ^//.^ ori, <5kt tXkl^ ,^<5lt 70^; öi« lliwv llcsi^oiil-- ra?, ^,er jcicum iiiuueoles, Maxime aiiianllos cos, sjui z>ei' iiuies -nusuiil. — Diese Art zu küsse» habe ich irgendwo die florcnti- Koklektanccii zur Literatur. 3S3 nische genannt gefunden. Lic llrsache, welche Plutarch angicbt, ist wohl schwerlich die wahre; und der ganze Grund von diesem beiderseitigen Ergreifen der Lhrcn mag wohl kein andrer seyn, als, weil ans diese Weise Gesicht nnd Gesicht am völligsten gegen und auf einander kommt. °) L. Lachen- Vom Lachen, in sofern es unbelebten Tingen und den Göttern von den Lichtern beigelegt worden, siehe ein gutes Kapitel iu IM'cell. vnll. I.. II. c. 28. Ein sehr merkwürdiges Beispiel vom unwillkührlichcn Lachen fin> dct sich beim Saro (llift. I)sn. II. p. 3t).) in dem Zweikampfc des Agncr mit dem Biacco. Erst hieb Agncr; und als die Reihe an den Biacco zu hauen kam: lune IZisccc, muluo pei-eulluiu-, czuu «Iciiiu» leirum iil^iaiet, neclem liunec» snnlxus, me>Iiuin ^^ueii coizius ^»urslanlis aLumiiiis muerono Iiansegit. 8unt eiui üllci'uiil, wviieiilem ^gucrum svlnlo in lil'um ore »er l^ummam lluluiis llillimululiviieni soiiiigm i ecllliclille. — Lcr Umstand kann sehr wahr seyn; ja er ist der Sache so angemessen, daß das Faktum selbst durch ihn wahrscheinlich wird. Man erinnere sich nur daß das Lachen durch eine Erschütterung des Zwerchfells entsteht. Wie sehr aber mußte dieses Eingeweide durch den mächtigen Hieb gereizt und erschüttert werden! Der sterbende Slgner mußte also lachen, er mochte wollen oder nicht; und es geschah gar nicht aus Verstellung des Schmerzes, wie Saro meint, die ihm gewiß in diesem Augenblicke uumöglich gewesen wäre. Schon Aristoteles hat cS (I/. III. iZv naiünus animalium, c»>>. IU.) angemerkt: ielu lrojeela pi-ueecueiia iu ni-oeliis ntum °) plutarch scheint diese Art, Kinder zu küsse»/ wobl freilich mcbr so gedeutet, und ibr einen anspielende» nioralischr» Sin» gegeben, als diese Änspicllmg für die wahre Bcranlassimg jener Sitte griiommcn zu habe». Wr!»> aber L> diese Art zu küsse» irgendwo die florc»tinische genannt fand, so hatte man dabei, fürcht' Ich, mehr einen unmoralische» Ncbcnbegrif, »nd den verdacht der den Griechen so oft, nnd leider! nicht inimcr mit Ungrnnd, vorgeworfene» unerlaubten Knabciilicbc. Denn auch das Wort florcnzcn findet man in allen deutschen Büchern von diesem Laster gebraucht, und ich erinnere mich, das, mir Lcssing selbst einmal sagte, er babe eine Warnung dawider in einer allen Predigt mit diesem Ausdrucke gefunden, dessen Ursprung bekannt, nnd der auch im Italiänischen üblich ist. Eschenburee. 21° Kollcktanecn zur Literatur. allulille. Dieß ganze Kapitel, wo mehr vom Lachen vorkommt, verdient näher von mir erwogen zu werden. Die Thränen der Freude und des sardonischen LaclicnS zeigen gc nngsam, wie nahe beides, Weinen nnd Lache», mit einander verwandt sind. Vom sardonischen Lachen s. verschiedenes gesammelt in ^Vc>,-oi5 üiilicule; I.oiul. 1751. 8- t5r meint, daß der Lord das Wart ,/,-//, A-?«-/ /i«»io«,-, u. dcrgl, gebraucht habe. Lakonismus. Den Ursprung des Lakonismus findet Kappe (in seiner Dill', ele I^avnnismo, n. 3 ) vcruchmlich in der neidischen nnd stolzen b'cnuilhSart der Spartaner; und dann in einem ausdrücklichen (Gebote ihres Gesetzgebers, des LykurguS, ^,«^1,1« de lie». I>sceci. I.. lll. tal). Vlll. inlL i>.) welchem znfolge schon die Jugend angehalten wurde, sich nicht anders, als mit wenig Worten, auszudrucken. Aber nun ist die Frage: Was bewog den Lyknrg zu diesem (besetze? Weil er seine LandcSleule schon von Natur dazu geneigt fand? Aber was braucht man dem natürlichen Hange einer Ration noch mit (Ersehen zu Hülse zu kommen? — Dieß erinnert mich an eine schöne Stelle des SymmachuS, von der ich mich wuudre, daß sie einem so belesenen Manne, wie Kappe war, entgangen ist. (5r meint nämlich, weil die Spartaner gcfnndcn, daß sie es den Athcnicnscrn schwerlich in dem reichen nnd blühenden Ausdrucke gleich thun wurden, so hätten sie lieber einen ganz entgegengesetzten Weg einschlage», als sich der Gefahr der Verglcichnng aussetzen wolle». (1^. I. ep. 45.) lUemioi vievilulcm ^-«itilonimi laue!! cjuonilsm lmll'e. e^o lecum I»oma»is lexilius sgo, ek, li ita v,8, ^ttiois; «zuil^us I.iiilnm llecus a lacuiiilia suil, ul milii vlile-Ziilur I^evues inelu coilulionis in ,Iivei5um l'tueii.i «leslinull'e. Lampadisten. So hieße» die, welche i» denen Spielen zu Athen, die ^«^?r«ü^ü^o^.«l, das Fackelreniien, hießen, den Preis davon getragen hatten. vi» Denkmal auf einen solchen Lampadistcn s. beim CayluS, wo auch eine Beschreibung dieser Spiele selbst, nebst Anzeigung verschie- Kollektaneen zur Literatur. 32-; dcner Pnnktc, die dabei noch zu nntcrsnchcn wären, gegeben wird. (S. Erklärung der Zicrralhleistcn des ersten Bandes der Alterthümer, S. XIV der Ucb-rs.) Franc. Lana. Tiefer italiänische Jesuit, welcher 1687 zu Rom starb, hat von seinem Werke: ^/n^i//e>-»,» ^Va/«^ae ci ^t-s belitelt, nur drei Bände zu Stande gebracht. — Ob in diesen schon etwas von der Mahlerei vorkommt? — Aus dem ^i-oc/,omo wenigstens, der zu Brescia 1L7t» in fol. gedruckt ist, und womit er dieß Werk ankündigte, erhellet, daß er von der Verbesserung der Mahlerei handeln wollte; und in diesem Prodromo selbst wird von S. 13.5 bis 1l>8 in vier Kapiteln davon gehandelt, ans welchen ich hier einiges ausziehen will. Kap. /. enthält Vorschriften über die mahlerische Erfindung. Er redet von der Maniiichfalligkeil in den Figuren, Stellungen, und besonders in den Gesichtern. 1>'el clio, sagt er, 5i lilrova molla tljslicollü; poi^Iiu vA»i nilkoie inLlina iialuialmenlo s>j e5^rimere iielli veisvimx^i quelle Ll'ionomie, clio Iia niir imvielVe nell'ima- ^io.i^ione; vncle i: ttalo ollervslo, clie i voll! ^>illnresvlil tenKOuo 5cmure mvllo llella lilionomia llel ^»ailro, ekella llmllro, o lj'ollra ^>c>s»na >»!>> omals, o u!ü sielzuenliunenlo vetlula iZal j>i>Ic»re; v rni! svno eziic' ezuaiiii »e' e^uali i-avnrel^ntaiiiioli molle kuceie, I'una nun Iialiliia In kil!»»oi»i!> kimile all' allia. <^»iniii <: eioeno ili molla loll«: il samiil'illimo /kn/»c//o, clie i» lanlo »uero cl»'e^li seee, llislieilnieulo l, litiuveiü «in voll» olie lla limile ark uu altro. Von den unschicklichen Uebertreibungen sagt er: iXoo ^»nllu noo viakimnr «>ue> jiilloii, i i^usli iliuingono la IZeglilliina Vereine a nii: «lella i.r»(e, loliilmeot«: adliantkonala ner il «kulore, o <>u!>li elio iiisvoriil!»; »i»venil<>li el'jiiiwere in lei u» >I»Ioiv pi!>»6e 8>, n>ü eoslanke o llivotv; r^ual' i; la kla^oinm «lollo !>vlll!int) in KIrl'liua, vnera maiavigliol'a 6i I»izs:>Llla. Kap. //. Regeln für die Zeichnung. — La na räth, nicht bloß eine Skizze im Kleinen von dem anszuführenden Gemählde zu cntwcr- fcn, sondern sogar ein kleines, nnd nur aus dem Groben gearbeitetes Modell aus Wachs von einer jeden zu mahlcndcn Figur zu machen, nnd dann von diesem Modell dic Zeichnung zu nehmen, weil man es nach Gefallen wenden nnd stellen könne. Anch wären dergleichen Mo dcllc öfter wieder zu gebrauchen. Ucbcrhaupl räth er dem Mahler, sich vorher einige llcbnng in der Bildhauerei zu erwerben, weil eS dic leichtere Kunst sei); allenfalls auch nur vom Bosstren in Wachs. Kollcktanccn zur Literatur. Lana scheint der Erfinder des Worts Ideal zu seyn; ob er gleich nicht will, daß der Mahler nach dem Ideale mahlen soll, sondern nach der Natur. Io vorrei, sagt er, elie li nitlni! ,>!A>ialIero le tue pari! dal nalurale; ve so inlenilere, zierclie llclilia elser ziiii Iiella uoa kigura ili^iinla a ca>>riecio, elie cliiamsiio lli maniera, ccl io la ilirei ?-?en/e, er »laie ma-zzior suelle^^a alle slalue e alle lizuie, sacevano i cor-i! alizuanlo graniii^ le teste >>iceole, Ia eoseia luv-za, ia molle iisrti awavauo ia tolliA>ie2?a e Ia lunglieera, zier uoa cerla xia^ia e leg-ziadria. Von den gewaltsamen Stellungen hat er sehr richtige, gesunde Anmerkungen: I^el elie, sagt er, molli nceeann s>urcei>6o e elislogao.o'o le vlla m lal mo>Io, elie «Ia i^uctto suolo /! iiuü co- »oseerv eller rruello un'uouio >I!j»iulo e non vivo, ^>eielie »alinia >>er il cloloie, elie »lovrelive leiilirne, to vivo solle. Liica «ii e!u saieüüe uiollu cüe iliie; i»ä oliervo solo, elie nelli ssorxi «Iclla vila e 6eIIe memvre ven s->clso l'lanoo »aleulli luolii erioii e>I iiii>alurale?./.e, Io czuali «Ia clü neu >: Iieiie iiile»- tlente, «.lisiieilnieiilv si eonoscono, r>ercl>e tali skor^i ia«ileo»u l'oeeliio eon Ia novilä: niä »o» «lee seoslaili llal posliliile e tlal veiilimile. per ianlo Ia testa lli ein slä in pieiii, oon si voll! ziiit !n lu, se uon lzuanlo xli ocelii ^uai6ino merro il cielo; »e z>!!l li voll! «Ia ull lato, se non ssuanto il menlo koeclu Ia sjialla; i! «elto »on lia si torto, cüe Ia loalla airivi inü ollre clella >!»liei>le vicino all'sltro, tenra eoiileur- jierürli inlienie; si elie I'unire cviilitle in conlemoeiare I'el'tlenie liarli «le' colori, saccnilull llnleeinenle ssum.ire; eo?i 5ono lalle I'onerv e ll ln, von eonllueeiulo il nemiello «lall'uua parle all'»llra l'onia la lela, u>a .ini'ulluullol», e iliuillo variv volle lonra cli ella; v lsuesl» mollo li l'uulo ul'ure >Ia vulvuli klaeklii, l^uuntlo in uoclii evl>>i vo^liono loiiuuie uuu pilluiu, la <^»llle lieuclie uou Iruvliia eeila lieliealo^s 328 Kollektanecn zur Literatur. veiZulg ia v!cinan?.a, nullaclimeno Iialiliia kor?» >Zi disegno, o ri- wirals lla lontano com^iarisea oomv te solle sinila, e ckeliesla- mente formala; o yurtto nilture lanko n!n vengono ltimale, «!o» czugnto wenc» kiolte 5ouo dininle; uoielie »llervole «ja vieino si pollono ogevolweule numeraie le liolte (il elie non avviene nelle sllre vilture) e 6ul noco numero lli clie 5i grgomenla il valore v msclllia lZel piltore, clie in 8i poelii colui lenpe sormsre ua bei ezuailro; co?i ü voggono I'ouere lii l'itiaoo, l'sol» ila Vei'ons, linlorelto, eli »Itii molti. Dilli, eüe ezuetlo e uroprio lli valenti pittori; u»!clis un maeltro nell'oiie nel tormaro nun niltura o rilratto, noo vi mekte »in nennellate m quelle, clie sono zireei- lameule oeeeklsiio, moltrancko ili sauere ciö clie sa, v non one- ramlo «zuall äisli a tentone, o ^iuucanllo a inllovinaie, come snnno gl'inesnerli; clie zieiö volencko cmend.ire il mal salto, con- vieoe clie moltinüeliino i eolni 6el nenneilo, e consumino colorl lenz» »eceslilü. L cmincki e, clie m'llori eccellenti liannn polulo in Iireve lewpo mningere molti ljuallri, nerelie m'uns /,„//u,-a^ bedeckt bleibt, ohne daß irgend eine andre Farbe darauf getragen würde, indem er macht, daß dieser Grund zur Andeutung der Schatten und der dunkeln Theile des Gemähldes dient. Ich habe von ihm unter andern sein eignes Bild- niß gesehen, auf welchem man, wenn mau es gegen das Licht hält, die Leinewand überall durchscheinen sieht, wo keine Farbe aufgetragen ist, und wo man nur einen leichten Gruud wahrnimmt; welches eine vortrcflichc Wirkung thut." Daniel Land ring er. er lebte uuiS I. 1680 zu BreSlau, und war, wenn ich nicht irre, ei» Medikus, aber zugleich in den Alterthümer», besonders in Münzen und geschnittenen Steinen, nicht übel erfahren. Im I. 1681 ließ er daselbst drucke»: Dill', in 0,,?. clicin Hleximu'i'i KI. 7 Bogen iu 4. — Tiefer Kopf Alerander'S, erhaben auf einem Luyr geschnitten, ist dem sehr gleich, welcher in der Dacl^Iiolueea Almelliaua, II. vorkommt. — Im I. 1686 Kollcktancen zur Literatur. 329 gab er daselbst heraus: I^olitmm IXumnium ^llliliuorum lam Im», liomaoor. et Lraeeor. czuam ^ugu^lorulii, prout rsii Inut vek coinmunes. DaS Gclchrteulerikon hat keine Nachricht von diesem Land- riuger; und ich hatte mich in BreSlau nach llmständen von ihm erkundigen können. Als Landringer die erste dieser Schriften herausgab, arbeitete er zugleich an einem Lxamino Lliomieo-Kleclieo linvias 1'ineloruiu, I»ervao vornaeulae, wie er selbst in einem kleinen Nachbcrichte an den Leser sagt. Ich weiß nicht, ob er etwas davon hat drucken lassen. Lara. Die Geschichte der sieben Kinder von Lara s. beim Fc- libien, III. S. 259 ff. — Die vierzig Blätter von Tcmpcsia, auf welchen er diese Geschichte nach dem Otto Vänius gestochen hat, sind in kleinem läuglichten Quart, mit einer lateinischen und spanischen Auslegung unter jedem, und einem Titelblatte, gleichfalls in beiden Sprachen, (^otvei-m'ao, an. ?üiliupum I^ilaerr, 1l>12.) Der Titel heißt: Ilittoria leplem inlautum iZo I^ara, auloi'e Ott. ^aeiiio. — ////?ci^ia c/e /o« /a?a, e^c. — Die Erklärung dcS zweiten Blattes fängt an: LI avno 13»! rexngnclu ei lic^ l^ermuilo, rmfeieron llel I'iincipo Lon^ulo Mutlos ^ Douu ^anelia elo. — Doch Mariana und Garibay, welche Felibicn cilirt, machen diese Geschichte um mehr als dreihundert Jahr älter. Felibicn rügt auch dcu Fehler, den eben dieser Ausleger mit dem .llmanzor macht, den er einen König von Corona nennt. Aber wer ist der König Bermndo? Felibicn weiß nicht, ob LäniuS diese Geschichte gemahlt, oder nur gezeichnet habet Alles ist darin, nach des LäniuS Geschmack, mit allegorische» Personen häufig untermengt, die sich, ohne die un- lcugescyte Erklärung nach den Zahlen über ihren Köpfen, von den wahren Personen schwerlich würden unterscheiden lassen. Gleichwohl ist cS eine nolhwendigc Eigenschaft solcher vermischten allegorischen Gemählde, daß sich die allegorischen Personen von den wahren durch solche untrügliche Kennzeichen unterscheiden, daß sie sich gar nicht verwechseln lassen; denn sonst ist cS schlechterdings unmöglich, ohne Hülse einer Untcrschrist, auf den wahren Verstand derselbe» zu kommen. Leibniy. Von seinem Versuche, wodurch er erwiesen, daß cS wirkliches Blut gcwcscn, was in den gläsernen Fläschchcn enthalten war, die in den Grabstäten der alten Märtyrer mit beigesetzt wurden, 330 Kollcktanecn zur Literatur. mochte ich doch wohl naher unterrichtet seyn. Es ist davon nachzu- schcn Fabrctti, lulcri^Ir. t). VIII. p. 666. — /ai-ett«« e»ii» (schreibt Nettori clo 5e^>lem clorwieulil^ns, z». 36.) leltimoiii» clu- ijslimi vlri t?ol??/?^/t t/o /.eiiiit/^ (olim elerocloxi, i^iii ^Ii^lico expcrimenlo s>roli!>veral) verum tanguinem in IiitLo v.ilculis ieue- riil 6emovl'lrat. — Hierzu noch eine Rote des Nettori: Lunilei» k'oc/k/T'/c/unt /?ci/t/e//»s t/eo?-Ziu»> !>j>pellat (Ollorv. 5o»ra i cime- teri 6o' 88. klnrtiri, 1^. I. c. 38. p. 186.) alciuc vuiill'e in gremiu Lanclae liowanae I^celeliae seriliik citalo Icoo. Vicß Letzte ist eine Lüge. — In dem Register, unter Leibnitz, setzt Ncttori noch hinzu: I)o eoäem expoiimenlo menlio ett:>puIv t!ullu 8i>uetorum ignoturum ; ri. 33, §. 6. eckt, livmae, 8. a. 170U. Lcmnius- Auf seine Flucht und auf sein Nichtstellen pasit, was Alcibiades antwortete, als ihn die Athenienser aus Sicilien zurückberiefen, um sich gegen seine Ankläger zn verantworten. S. ^te/-«-«. I.. Xllk. c. 38.°) Niederer, im vierten Bande seiner Beiträge handelt auch vom Lemnius, und ist mit seinen Nerthcidigern uiizufrieden; welches ich nachlesen muß. _ Locke. Gilbcrt hat einen Auszug aus Locke'S Ncrsuch über dc» menschlichen Ncrstand gemacht, welcher vcrschicdnen Ausgaben desselben ist vorgesetzt worden; wenigstens hat ihn Polcy seiner lieber sctzung vorgesetzt. Jetzt finde ich, dasi Locke selbst einen knrzcn rä sonnirciiden AnSzng von scincin Werke gegeben hat, nämlich in der VouoF 8lutlenl's I>il>i!>r^, 1)^ Iliv /^llieiiia» 8vLiel> ; I^«n. 1<>2 ll'. Der Auszug ist vortrcflich; und da er authentisch ist, so hätte Poley ihn lieber, als den von Gilbert, wähle» sollen. Wenn er ihn gekannt hätte! Aber ich habe seiner nirgend erwähnt gefunden. Lorcnzetto. Ein verdienter Bildhauer, der aber nicht sehr bekannt ist. (5r war ei» Schüler Navhael'S. „Sein Ionas, in „der Kapelle Lhigi, sagt Winkeln,an», (Non Empf. d. Schone», „S. 42.) ist bekannt; ein vollkommcncrs Werk aber von ihm, im ,,Panlhcc», eine stehende Madonna, noch einmal so grosi als die °) Vcrgl. Band III. S. 277, Am». Kollcktanccn zur Literatur. „Natur, welche er nach seines Meisters Tode machte, wird von Nic- „ma»d bemerkt. Ein andrer verdienter Bildhauer ist noch weniger „bekannt; er hieß Lorcnzo Ottone." Man sehe sein Leben beim Lasari, k>. III. Vnl. I. ji. 13»>. — Und was mir ihn am merkwürdigsten macht, ist dieses, daß er, nach Lasari'S Erzählung, der erste Rcstauralor alter verstümmelter Statuen gewesen ist. — Er war ein Florentiner von Geburt, und starb 1541 im 47sten Jahre seines Alters. M. Macavonische Poesie. 5er Urheber derselben war, wie bekannt, Trofilo Folcngo, der seine Erdichte unter dem Ramcn ^/e^/«ius t.'<,<-ct/'tts herausgab. Ich besitze davon die Ausgabe: Ve- »etii5, -zpuä Ijevilaecjuain, 1K13, 12. Folcngo starb 1544. In Frankreich machte ihm diese Art von Versen ei» gewisser An- toinc Arena nach, von dem einiges 1537 zu Avignon mit gothischen Lettern ist gedruckt worden. Dieser Arena starb in eben dem Jahre, in welchem Folcngo starb. Siehe von ihm die ^'ai/.eii/e- iEins von seinen Gedichten ist über das Tanzen. Unter des Folengo Nachahmern in Italien ist auch Cäsar IIr- siuus, gebürtig von Ponzano im Gcnncsischcn, der zu Ansänge des siebzehnten Jahrhunderts lebte, und bei dem Kardinal Bcvilacc>na ^clrclär war. Er gab unter dem Namen: ^/n^//?,'t >'/<^,-'»« <.'u- Iiiiccia I»!».arol>il:a heraus, deren Ausgabe, Vcn. 1-»iarurii; daS zweite, 1e lauelilius pa-xiae; das fünfte, 'i^^i, 1>ei- tolili, et Diia-Iis. — Hierauf folgt ein Buch Epigrammen, und ein Buch Elegien; endlich ein Anhang von Epigrammen, die zu dieser Ausgabe hinzugekommen sind. Auch die Deutschen haben sich in der macaronischcn Poesie versucht. Eins von dergleichen Gedichte» ist die FVil?ilius fuis lelniallis tteelicio et liilere kolcnt; aulore «ü>/^/i«/varlo wslrolzuo limul lieilenli et l)lsL6e cliclio, I>Iu1tine6es 6eiri, czui pollunt Iiuppere lange, ^ioa sliter, izuaui li lloAlos natura ileilillet, Illis lunt e>iuirlew, kuot, in^ugm, eornora klein», Le6 mille erregurit wensclu» wartrasizue iilagasl^ue e/c. !Naczinzki. Lateinisch: ^oan»es ein polnischer Edelmann. Er studirte in Deutschland, und hielt sich hernach meisten- theils in Königsberg auf. Hier gab er im I. 16K4 sein Lateinisch- Polnisches Lexikon heraus, welches er dem Könige SigiSmund August zugeeignet hat, und seine erste Arbeit nennt, und die Frucht seines Fleißes in Deutschland. Durch dieses Werk hat er sich um seine Muttersprache nicht wenig verdient gemacht; und es ist zu bedauern, daß der zweite Theil, welcher ein Polnisch-Lateinisches Wörterbuch hat enthalten sollen, nicht zu Staude gekommen ist. Er verspricht denselben in der gedachten ZueiguungSschrift. Seine Absicht dabei war, zu zeigen, daß die slavonische Sprache keiner ander» an Reichthum weiche. Er wollte grammatische Anmerkungen mit untcrsireucn, und die Analogie der polnischen Sprache mit der hebräischen, griechischen lind lateinischen beibringen. Mit der hebräischen z. E. hat sie die Geschlechter der Zeitwörter gemein; mit der griechischen den Dualis. Paolo Alessandro Maffei- In seiner bekannten liaeeolla 6i 8tstue ^olielie e klo3 Statuen auf eben so viel Knpfertafeln enlhält, sagt er vom Laokoon, daß die Künstler desselben in der tasten Olympiade ge- lebt haben; welches Vorgeben Winkclmann schon sehr zweifelhaft gemacht hat, und ich völlig widerlegt habe. — — Beim vatikanischen Apoll braucht die Schlange, welche an den Sturz, auf den sich Apoll mit der Hand stemmt, sich heranwindet, der Drache Python nicht zu seyn, für den sie auch wohl nicht schrecklich genug aussähe. Die Schlange war überhaupt ein Symbol, welches die Alten dem Apoll, und mchrcrn Gottheiten, beifügten. Bei dem Köcher, Kollcktaneen zur Literatur. 333 welcher ihm über die linke Schulter auf dem Rucken hangt, merkt Maffei an, daß Jnl. Cas. Skaligcr (ich vermuthe über ^/«c?-oS. 1^,, I. ^nlurnal. e. 17.) angemerkt habe, es sey ihm und der Diana allein erlaubt, ihn so zu tragen, und sonst keinem andern, weder von den Gottheiten noch Rymphcn, die ihn immer an die Seite gegürtet hätten. Ist das wahr? und woher hat es Skaliger bewiesen? Magnet. Der äußerliche Gebrauch des Magnets gegen innerliche Krankheiten ist keine neue Erfindung. Athanas. Kircher sagt schon in seinem Werke, 6e ^rte klagnelica, 1^. III. i?. VII. (in welchem ganzen Theile er den 'la^^u.«z^t?.^ov abhandelt, worunter er aber doch mehr die magnetischen Kräfte der Arzneien, als die Arzncikräfte des MagnetS versteht,) lüap. I. p. 63 t: „I?x collc» getlatug ülggneg sualmui» l'anaio, i>v oorvorum art»m aeoelerare ^erliivelui'." — Der austrocknenden Kraft, welche er mit dem Eisen gemein hat, nicht zu gedenken; denn diese äußert er entweder äußerlich gegen äußerliche tlebel, oder innerlich, pnl^crisirt genommen, gegen innerliche. ES ist aber ThcophrastuS ParacclsuS der eigciuliche erste Erfinder dieser Kur, durchweiche jetzt (1769) MeSmcr in Wien so viel Aussehen macht. Er handelt von den Kräften des Magnets, in der Sammlung s. Werke durch ^»/i!>3 starb, verdienen zum Theil, wegen ihres sonderbaren Inhalts, alle Aufmcrkfauikcit. Seine Seefahrt nach der Neuen Welt habe ich selbst; aber seinen (^euius L» rans, 5. äe ^dulu in Iciieotiis, Kiliae, 1678. 8. muß ich zu bekomm »icn suchen. Die Rezension im Journal lies^avnns des JahrS 1l>7!) macht mich darauf begierig. Ges. NIalvasia. Verfasser der Lebensbeschreibungen bolcgnc- sischcr Mahler. Winkclmann's Urtheile nach, war er ein Manu ganz ohne alle Empsiudnng teS Schönen. (Von der Fähigk. der (5in p f. des Sch. in der Kunst, S. 5.) — Er nennt den Ra phael einen urbinatischcn Hafner, nach der pöbelhaften Sage, das; dieser Volt der Künstler Ersäße gcmablt habe, welche die Unwissenheit jenseits der Alpen als eine Seltenheit aufzeigt; und sagt, daß die Laracci sich durch die Nachahmung des Raphacl verdorben hätten. Mahl er ei. Die Schriftsteller von dieser Kunst unter den Al' tcn sind sämtlich verloren gegangen; unter den Neuern ist Leo Bap tista de Albcrtis (s. oben) als der erste auzuschcu. Nur zwei oder drei von ihnen haben sich um die Kunst verdient gemacht. Unter diese aber gehört weder Pictro da Lortona, noch Poussin. S. Winkelmann v. Nachahmung der Ericch. Werke, S. 7t). eben daselbst gedenkt Winkclmann, S. 120, der lll-^e >1e I-, I'eiiilui-o imr t>'/in«i->«>/; au nloiU, 1l!li2. 1. und sagt, daß eS eine seltene Schrift sey. — Ist dieß nicht vielleicht der >uuvelles cle la lie^ulil. dv I.eklies, 1. tle luamuuz 1'ickuris; Iiuu. 1^.1. 1l!7!1. ^. Kollcktancen zur Literatur. 335 ^,)/<^/i Henkle,', Hpil'I. 1^. III. cn. 433; ulii ie>uii3 t'Inil'tiannium e^uaellam lioliet. l'ciinciniiii« aä lul'eulan. 21, uüi ^»iec,-, Olironogi. et cle aliig zirae- l'lantitms >,ielc»iuus in Ilollanliia, ibid. n. 7l)l>. (Dieß ist des Pctr. Lpmcer, eines Holländers aus dem vorigen Jahrhunderte, <.>z>us ^Iii-onogi'asiliicum Oiliis IHniveili.) I)e ^>!i?c-t aitillciolislima zilclura v. ^/o/<-/lunäi, z>. 9- ile I'rogi^elVu Iclololalriae, I>. III. c. 46. — 6e -z>i-av?-lx?l, 1^. IV. ile Illololalr. o. 91. ZIuS eben dieser Dissertation lerne ich auch des Jesuiten ^o/i. I^ilili. II. ile >>ieluri8 et imi>L>niuus l'aeiis, und des Jcsui: teil 7>/n/!ttcculum Imo^irium kcuucn, die ich beide wohl bei Gelegenheit cininal durchblättern muß. Von dem thcbanischcn Gesetze für die Mahler, rc» ,u/lltcr^«t^ habe ich uicinc Meinung im Laokoon gesagt, ^iicdcl hat Einwürfe dagegen gemacht, wider welche mich ein Ungenannter (ich glaube, Hr. Prof. MoruS.) in dem letzten Stücke der Neuen Bibliothek d. sch. W. vertheidigt hat, wo Ri edel'S Theorie rczcnstrt wird. — In der vorhin angeführten Dissertation von Jünger wird dieses Gesetzes auch gedacht, und Jünger macht den In- s,u;: kzualis elium lex s^ucl ^e^^utioz viguit; viii, acl ^ieumneli. n. 2 t!). ^icß wäre uachjuschcn. Vül diesem thcbanischcn Gesetze ist auch eine Stelle beim Cicero (de Oralore, 1^ II.) zu vergleichen: Vallle aulem liclentnr eliain i>na^ines, czuae keie in llesormilatem aut i» nli^uou vitium eor- ^oris ilueuiitur, ein» limililucliiie iuiuioris. Ich stndc, das; Vcttori (6e septem voi-niient. z>. 22,) daS thcbanischc Gesetz eben so, wie ich, verstanden hat, wo er diese Stelle des Cicero anführt, und hinzu setzt: elo Iioo aliul'u alitii loezuuli kiimus, lege 1'l>eli!>»c>runi mulela ^»eeuniaria cl>i!rcituv von oliuni exilum keeit, pol'lyuom .Ve^)j>liorum ouekaeia tain magnae srliz comucu- diaiiam invcnit. Wenigstens hat sieben Fouscca y Figueroa in seinem Buche l/e ^Iel!ica et iüitrea; allein nicht ganz richtig; denn in»Ia nlecliea oder <üitrca hcissen Citronen; .^/t?/llNAoK aber ^uraolis, Pomeranzen. Roch mehr irrt er sich S. 12 mit dein Worte ?'aiie/l,'o, welches er durch i>wtui'!im Inerogl^ilüesm übersetzt. Es ist so viel als «,a- Se/co, groteskes, arabcökeS Laubwerk, in dergleichen dort beim Manilli Gryphe geflochten waren. ES müßte denn seyn, daß H. hier des Pignorius Meinung im Sinne gehabt hätte, welcher die Arabesken von der allen ägyptischen Mahlcrci herleitet. — Auch giebt er mehr als Einmal das Italiänische i-i/»//», ein vorspringender Theil an einem Gebäude, durch exeellus, da man es doch gewöhnlich, obgleich nicht im bessern Latein, protraello nennt. — Was S. kl), xra- mtus l/cll' IM» für eine Art des EranilS sey, weiß ich eben so wenig, als Haverkamp. S. auch oben unter B- Villa Borghcse. Marbodus. Bischof zu RcnncS in Bretagne, in der ersten Hälfte des zwölften Jahrhunderts. Seine Werke hat Beaugendrc mit den Werken seines Zeitgenossen, des Erzbischofs von Tours, Htl- dcbertus, zu Paris 1708 in Folio herausgegeben. Er enthält eine Stelle in meiner Litteratur bloß wegen seines /.«üs^ /.ri/iic/u»-, eines Gedichts in lateinischen Hexametern, worin er sechzig Edelsteine nach ihren Eigenschaften und Kräften beschreibt. Es ist zuerst unter verschiedenen Messings Werke xi. 22 338 Kollcktanccn zur Literatur. andern Werken des Marbodns 4524 zu Reimes, ^e-toni«, apuil ^loaniiew Lililiopolam, zullu Vvooig ILeclononlis I^pilovzii, gedruckt worden; und das einzige Exemplar, welches Beangendrr von dieser Ausgabe noch anftrcibcn konnte, ist in der Bibliothek des Mazarinischcn Kollegii zu Paris. Hierauf ist es I?,iliurgi, 4531, eum tvlivliis ^ictoiii /^-//i^c-i/?« herausgckouiuien; und wiederum IZ39, cum cowmeolsni« ^t/uic/i ^«^/!e/oalerct omi>:i8. Warum soll man ihm nicht glauben, daß ein altes Werk unter dem Namen des Evar vorhanden gewesen sey? Warum soll er allein diesen ganzen Betrug geschmiedet haben? Unter den übrigen Gedichten des Marbodns hat Beaugendre vieles mit untcrlanfcn lasse», welches MarboduS eben so wenig gemacht hat, als ich; z. E. das Epigramm auf eine» Neidischen, wcl ches sich anfängt: liuwziitur inviclia czuiiiam, earillimv .luli, <^uvli me liouia le^it, ruru^iitur inviliia. etc. Tieß ist ganz aus dem Martial; (1^. IX. op. 99.) nur daß die Zeilen, in welchen Martial von dem jure lrium libeiorum spricht, welches ihm Titus und Domitian geschenkt hatte, weggelassen sind, die sich freilich auf einen Bischof nicht recht paßten. Kollcltanccii zur Literatur. 339 Mathematik. Ich habe vcrschicdnc Beispiele angemerkt, in welche lächerliche Fehler witzige Kopfe verfallen, wenn sie ganz imd gar nichts von der Mathematik wissen. Eins davon kommt im Gil Blas vor, (I., II. cl>. 4.) wo Gil BlaS bei dem Toktor San- grado ist, lind unter ihm praklisiri. Sangrado schickte ihn zn de» kranken, die er selbst nicht besuchen wollte, unter der Bedingung, ihm drei vertheile abzugeben. Gil Blas thut das auch, und sagt: .1'gvuis lieu cl'elre evulent >älfte von dem ganzen Verdienste hckcminen kcnule. Johannes Matthäus. Man hat von ihm ein kleines Buch: ,i /tt>5; und er lchtc zu Anfange des sechzehnten IabrbundcrtS. Seine Schrift war der bloße Grundriß zu einem größer» Werke; und ^-liiAi-/?».? ^„//-«in»».'?. I^ii'oonus IXeliieulls, gab es zuerst zu Paris im I. 1520 heraus. Zu Haiiihurg ist es 1013 mit dein (vcdichtc des AutouiuS SabcllikuS «le reimn et arlium iuveiiloiiuus i» Oktav wieder aufgelegt worden. Matthäus war a»S dem Gehiele vo» Luua gebürtig. ZZon diesem seinem Geburts- lande sagt Zustinian in der Vorrede: /.«,«» Ileliuriae uilis eil, »lim et »oituü i»>I)!Ii>ute, et le ij>I'i» eeleliialii, uuuo ver» ruinu- ruin t.intuin insgniluciiue e»»!'»ieua, i» «zuilius «iuo>i«Iio eil'ulliu»- lur iiiüiiiilirca eoiiiziliii i»u> moiiuiiieiils, «zuae lacile lesleiilur, czua»>!» ulius sueril. l?«ii'lus uuleiu. izui »slura, »o» etiani gilv »cililus el't, suu in «li^iiitule ii^^uu l>u»e iliem zie: luverut, I^u- »sv tuluin uumine >i> Veneriü, uut i» !>ai,eli Veneiii, ut eznivus. <>!>m »Ineet, comi»ul!>lo. — Matthäus hatte auch ein Werk -/e 7>/,t/ic»'iüi<« c/n,k« hinterlassen, welches Giustiuiani gleichfalls herausgehe» wollte. Ich weiß aber nicht, daß cS geschehen wäre. Im Iöchcr finde ich dafür seine Gedichte angeführt, die Ioh. Auratus 1>">7<'> zu Paris soll herausgegeben haben. ?aS Gedächtniß des Matthäus verdient in meiner Litteratur erhalten zu werden, weil ich ihm vcrschicdne Rachrichten von t?rfiii- düngen zu danken habe. Auch ist er älter, als PolydoruS Lcr- giliuS und Sardus, welche über eben diesen Gegenstand geschrieben haben. Ticsc haben sich auch nur, so viel ich mich erinnere, auf 22" 340 Kollcktancen zur Literatur. die Erfindungen der Alten eingeschränkt, da hingegen Matthäus auch vrrschicdnc Erfindungen der Neuern mit beibringt, die ich an ihrem Orte ausgezogen habe. (S. z.B. Blaserohr, Ballon, Mühlen, Lichter, ^,-,^c//c>«, und mehrere Artikel.) — ES wäre zu wünschen, daß er überall seine Währmänncr angegeben hätte. Manches ist mir daher bei ihm sehr zweifelhaft; und bei manchen Dingen hat er sich in den Namen geirrt, oder sie sind falsch gedruckt. Medaillen. Daß auch die Alten Medaillen oder Schaumünzen gehabt haben, welche nicht im Umlauf waren, sondern als Kunstwerke und Denkmäler von den Liebhabern aufbewahrt wurden, beweist I. 28 ll. i^e uluki'. I^umisnmtum aurcoium vel argenteorum ve- ierum. czuiliu8 pia gommis uli lolcnl. Aber ganz falsch ist es, alle kupferne Münzen mit den Bildnissen der Kaiser, wie Erizzo (vilcoi'lo toni'a le kleilagl. 6eßli autielii) will, zu solchen Medaillen zu machen. Ob die ^/tSiAai'in, oder ,«u»e,vr ^/-gtAa^i/in, indeß in solchen Medaillen bestanden haben, möchte ich nicht so geradezu mit Rinkcn (S, 17) und Savot (I)ile. tur les klecl. ant.) behaupten; und eben so wenig, daß die Imagines Im^eralorum, welche an den lignis couortium hingen, solche Schaumünzen gewesen sind. In dem Kabinct des Königs von Frankreich isi ein goldncr Post- humius, der zwölf Dukaten wiegt; und in dein kaiserlichen zn Wien ein goldncr EralianuS, der fünfzig Dukaten schwer ist, wie Rink cbendas. anführt. — Die kupfernen Schaustücke aber sind ungleich häufiger; doch ist auch von ihnen keine ganze Kaiscrfolgc zn macben. Die seltensten darunter sind die vom Anglist, und die häufigsten die vom Hadrian. Mediceischc Venus- Ein französischer Schriftsieller, den Winkelmann anführt, hat sie mit einer Habichtsnase gebildet finden wollen. S. von der Nachahmung Gricch. Werke, S. 124; wo aber die Anführung des ^»ii?-«»/ rimus iv5liluik, ut miliaria lauicülius Iißiiaientuiv Dieses finde ich beim Matthäus (iZe icr. in^eot. p. 21.); aber ans wessen Zeugniß sagt er es? M^V!V/«<7/. De 7>/e,,//c/L. leu eiiouli« lülirisl! et tsneloruw cas>Uil>us c>«^>on! solilik. Vell, I^Il'numenll. > Kcllcklaiiecn zur Literatur. 341 XlV> ezuorum originem aceeilit cuin ^«A,io»io et Z5t',c/ieio a genlililiu8, «zui t^aelariliu«, IIoioillu?^uo aliis üae i»5a uola ioliz eliam imagillivus a6lü- bueriot. Metastasio. In seiner Jugend hieß er Tr.ip.issi. — Mir hat Finazzi erzählt, daß die I1tc?o»e .15Sl,,ic?ona/a, die 1726 zuerst zu Venedig aufgeführt wurde, gewissermaßen die eigne Geschichte des Metasiasio gewesen sey, die er mit der Roinanina, der berühmtesten damaligen Sängerin in Italien, gehabt hatte. Tie Romanina halte sich in ihn verliebt, und als M- nach Wien berufen wurde, wollte sie ihm, einige Zeit darauf, dahin folgen. Metasiasio aber besorgte, daß sie ihm unangenehme Händel in Wien machen, und dort seinem Rufe nachlhcilig werden möchte, indem sie mit einem gewissen Poeten und MnsikuS, Bulgarelli, verheirathel war, und wirklc hei Hofe einen Befehl aus, der ihr unterwcgv entgegen geschickt wurde, und ihr verbot, das kaiserliche Gebiet zu betreten. Die Ro- manina wurde darüber rasend, und wollte sich in der ersten Wuth das Leben nehmen, verwundete sich auch die Brusi mit einem Federmesser. Tic Wunde war zwar nicht tödtlich; sie starb aber 5och nicht lange darauf aus Gram und Verzweifelung. Tcm ungeachtet vermachte sie dem Mctastasio die Halste ihres ansehnlichen Vermögens, und die andre Hälfte ihrem Manne. Aber M- weigerte sich, das Vcr- mächtniß anzunehmen, und machte dem Manne ein Geschenk damit. Tie crsic ^pcr, von Metasiasio gearbeitet, sagte mir Finazzi, sey die alle Oper S//ace gewesen, von der er die Worte umgeschmol- zcn habe. Sie ist aber nie unter seinen Werken gedruckt worden. Auch habe ihm Bulgarelli bei seinen ersten Opern viel geholfen. DaS Subjekt des 6//acL ist ungefähr daS nämliche mit dem Esser. Agostins Merelli. Ein Bologneser, und einer der berühmtesten Frcscomahler. Er starb zu Macrit ILlit). — „ku egli, sagt Malvasia von ihm, (I?ellina ?iltlieo, II. i>. 414.) il piiino invcntorv er von voler regolaro co» tanta l'litielwa?!» ll'un tolo punto, volle cluamaro t^eci«/e, clio poi tono ltato seZuitv «Zal Sn,i/t^ 6all' ^ttoi'e/ci, v piü, v eon waxg!or opvlicailiollo, o sortuva cial H/vn/icel/i, tutti tuoi sllievi. 342 Kollcktanecn zur Literatur, Miniatur-Mahlerci- II «Zipio^vro a ^>u»la tki peimella ^it.c«Io iiiiagioi tonra la vaila ^eeorina. So erklärt sie La na; er hat aber Unrecht, wenn er sagt, daß in dieser Art von Mahlcrci: n»n lerviamo «Zi Iiiaeca, mn sucvi.imo, clie l'il'tell'o caiulure ilello esilo le»/.a toccarlo lerva >Ii Iiiaecs. Wenigstens thn» das die Mi- nialnrniahlcr jetzt nicht mehr; weil die Wcissc des Elfenbeins oder des Pergaments mit der Feit gelb wird, und die »leisten werter niedrig kleiden würden gegen das Ilcbrige, wo die Farbe aufliegt. Einer von den berühmtesten ältern Meistern in dieser .Dinsi ist Giulio Clovio, welcher 1678 starb. Sein vornehmstes Werk ist ein IZi-oviarium in der königlichen jUinstkamuicr zu Neapel. — 5» La na'S Zeiten war auch der Padre Eiov, Ballista /t«^-»-« i^i,t sehr berühmt, von dem L- sagt, er habe den Clovio noch übcrtrosscn. diesen studc ich beim Fücßlin nicht. INisogyn. Ich hahe dieses Stück verfertigt, als ich die Fragmente Menander's stndirtc, und fand, daß er diesen Charakter in einem Stücke behandelt habe, welches PhrynichnS r^v »a^-^v luv «ll/^öti^v tol^o^i »ennt, Menander's Misogyn aber scheint ein noch verhcirathctcr Mann gewesen zn seyn, den alles ärgert, was seine Frau thut, und der weder an ihr, noch an irgend einer Fran in der Welt etwas Gutes wahrnehmen kann, Besonders ärgerte ihn ihr Aufwand, selbst der, den ste in Opfern und gotlcs- dienstlichen Handlungen machte, Eincm solchen Manne eine fromme, andächtige Fran ;u geben, war ein Meister-ng von Mc»ander. Es hatte ihm dc» Namen SimnloS gegeben, wie aus den Fragmenten beim SlobäuS erhellt. Ans einem derselben scheint mir »och zu er- hellen, daß Simylos sciuc fromme Frau aufs Acußcrstc gebracht habe, so, daß sie ihn zu verklagen schwört, wenn man nämlich die Worte heim Priscian: " - - 'O/I-t^/-.!, '«ax!>><5k-^x, „Ich schwöre dir heim Sonnengott, daß ich dich Zn,nricu belangen „will!" der Frau in den Mund legen kann, wie man cS denn mit aller Wahrscheinlichkeit darf. Denn ,ctx-o<7-u>; oder heißt eigentlich seiio uxoruru in viros, z>aie»kui» i» likivios, nuuillg- rumcine iu uuiakorv» ^>ro injuriu seconlu. ^a zn dieser Xlagc scheint es sogar wirklich gekommen zu seh», nach einem Fragmeute im Sui- das iu dem Worte Kallektanec» zur Literatur. '^Xxkt >5k z>tzc»i^ur?lötov kxit <7i Ai^^inov X«c »aiit le illue lZlsiloma et Iii-aelima llünolili." Jenes z>l>«^^«^i. Stov St^^ov, «zuoil iluas pla^nlas Iisliel, scheint die schriftliche Lorladung gewesen zu seyn; und ^«tz«?-«?^- bedeutet die llepolilionem lliaclimae all iis, «zu! lle re piivsla inler le liil'«.esit!iient. ?^. 1702. 4.) Modisten. So hießen vor Alters, besonders zu Nnrnbcrg, die- Itnigen, die fich einer zierlichen Handschrift beflissen, und darin Unterricht crtbeilten, dergleichen in der ersten Hälfte des sechSzcbntcn Jahrhuw dcrls Johann Ncndörffcr war, aus dessen Schule ganz Teutsch- land mit Schönschreibern versorgt wurde. S. Voppcimayr, S. 2M. ZNonier. ?cr Verfasser einer beschichte der .^unst, dic ich noch nicht kenne, die aber das nicht leistet, was sie verspricht. (S. Winkelmann'S Vesch. d. K. Vorr. S. X.) Edward Moore. Er ist Verfasser des englischen Trauerspiels, ?'/><- >ill's /^/itti nAf-nc'e. und beide aus der 2'o»-^/ii-e- V'itt^rv/,/ genommen find; und gleichwohl finde ich, daß zn der Aeit, da Moore'S Spieler (im I. 1763) zn London herauskam, ebendaselbst eine kleine Schrift erschien: ?V,e s.'am-?/)----, -> liue 8lc>i'v, »ii ^vliicli llio iievv "1'raz;e«I^ <>k Iliak ni>me >» ioimileil; tl-anl'Ialeii si»i» lliv Italian. !^. lind dic Verfasser dcS ^/„ii//,/,/ Kei/ew eben dieses Jahrs, S. 146, sagen gleichfalls, daß Moore den ganzen Plan, und fast alle Charaktere ans gedachter Geschichte genommen habe. Ist eS möglich, daß die Engländer ihre eignen Werke so wenig kenne»!' 344 Kollektanecn zur Literatur. Mühlen ^/o/n n/cti//i«eu.s, i'e?'. »iveiik. p. 38. Da also ein Italiener des scchSzchntcn Jahrhunderts schon ausdrücklich der Windmühlen gedenkt, ist es da wohl glaublich, daß man zur Zeit des Tasso noch keine Windmühlen in Italien sollte gehabt haben? Gleichwohl sagt Tasso in einem Briefe, in welchem er eine Vergleichung zwischen Frankreich und Italien anstellt, es ausdrücklich. In dem Briefe nämlich, der in dem ^ou7-»»i /^le-ic/t^ie«/-^»-?, vct. t7K8 zuerst, und zwar nur in einer französischen Uebcrscyung, erschienen ist, unter der Aufschrift: I/ltalis eomparee :> la 1'ianee, par /s ^»^e, ^uteur la ^/e-'^/ä/em De/tvi-xc/ morceau reeemment «iceouvert et trg>Imt. Die Stelle selbst ist diese: ne 6ois pas omelti-e un avantgAe, c^ne la Trance tait tii^er 6cs ven>8 »ar le» moulin8, yu'il» sout .iZir; avgnt.izo, «Zont ett «rivee I'ltalio, czui n'a «zu« 6es mnulins ü eau. — — Doch, dieser ganze Brief scheint mir eine Erdichtung, und das Werk eines Franzosen zu seyn. Denn sonst hätte sichs wohl der Mühe verlohnt, ihn in der italiänischen Sprache selbst mitzutheilen. Musik. 1. Herr Bach, welcher hier in Hamburg Tclemann's Stelle erhalten hat, ist beständig ein besondrer Freund von diesem gewesen; doch habe ich ihn gleichwohl sehr unparlheiisch, in Vergleichung mit Graun, von ihm urtheilen hören. Telemann, sagt er, ist ein großer Mahler, wovon er besonders in einem seiner Jahrgänge, welcher hier der Zellischc heißt, ganz ausnehmende Beweise gegeben hat. Unter andern führte er mir eine gewisse Arie an, worin er das Erstaunen und Schrecken über die Erscheinung eines Geistes ganz unnachahmlich ausgedrückt habe, so, daß man auch ohne die Worte, welche höchst elend sind, gleich hören könne, was die Musik wolle. Aber Telemann übertrieb auch nicht selten seine Nachahmung in das Abgeschmackte, indem er Dinge mahlte, welche die Musik gar nicht mahlen sollte. Graun hingegen hatte einen viel zu zärtlichen Geschmack, um in diesen Fehler zu fallen; aber die Hut, auf der er dcS- falls beständig stand, machte auch, daß er selten oder gar nicht mahlte, und sich meistentheils mit einer lieblichen Melodie begnügte. -i ^e/it» //e-'tiotte!«,?, üsVi'-rii'»» Lliuz, poi^ta et mul!o»8, primus lle mulica livrum scriplit; schreibt Ioh. Matthäus äe rer. iaveiit. Kollcktanccn zur Literatur. 345 p. 2ö. — Dieses soll heißen: //«/»s //e, «ltcltZ Ztktzi, I>icc>^il0^>; X«!, I^otz/U)>)>a? ««zu.oi'itt öl,' w^it^uvu»- kXkl ,i->5?. „^>am concenlus «zuia'elli illo, czui numerig mulleiz et ilmris eslicilui-, tonorum conkensum ex iis, «znav 6!llolla l'uut, Iiavet, lino^ acutis et gravilius kmilituijo yuaeiZgm inlerveoit/' Man merke hier anf das öt' c>l^iz,.ov!ov -x^^ ro -r^zno^o,. Ich weiß nicht, ob man das von Stimmen sagen konnte, die nur in der Höhe und Tiefe von einander unterschieden wären. Aber das Folgende sagt noch mehr, wo Plutarch die Harmonie der Freundschaft dieser musikalischen Harmonie entgegensetzt: r^? ör o-v,^^«? 7«^^? atz/t,oi-ia? v-üöcv c»o^vtov o^6- «>'u>ia>.c>v, c>i^6! cuZoXov k^vai /^k» tzo;, »?4 azecc^r^Z' o^oiu^ kx^^^^s o,u,o>-o>>ccv x«t o^oöci^kiv ««^ °) Bermuthlich eine von seine» komischen Arien. Eschenburg. 34k Kollektaneen zur Literatur. o/i.o/Zo'u^iktV «ck <7TN'0/>,c»ea^ki,v, llcr^ktz /u«; ^s>i'X?? sr^iktocri At^iziz- -1^^? o-ki^-io-l. ,,^t vero nie amioiti.lv eoncontuZ alcliio Iiaev -c>,>u>lov, «vu^c-^ou und axuüo,' /l^lz->s, welches bei der Harmonie der Freundschaft nicht Statt finde, bei der Harmonie der Musik Statt gefunden haben; und es ist mir schwer zn begreifen, wie das Musik ntt' ,t»t/c»io könne gewesen seyn. N. Natter. Sein System ist: das Schlechteste für das Acltcsie zu halten; welches ans dem, was er über die dritte und sechste Kupscr- lafcl vorbringt, zu erweisen ist. (Winkclmann, von der Fähigkeit der Empfind, des Schönen, S. 7.) „Eben so falsch, fährt Winkclmann fort, ist dessen llnbcil über „das vermeintlich hohe Alter der Steine auf der achten bis zur zwölf- „teil Platte. Er geht hier nach der Geschichte, und glaubt, eine sehr „alte Begebenheit, wie der Tod des OthryadeS ist, müsse auch ei- „ncn sehr alten Künstler voraussetzen." Taß Natter in seinem Werke die Feder nicht selbst führen können, ist ohne Zweifel die Ursache, daß verschied»- Stellen ziemlich dunkel sind. Aber warum koniite er sie nicht selbst führe»? Warm» schrieb er nicht in seiner Muttersprache? Herr Dcschamps, der sie führte, hat nicht einmal immer als ei» Gelehrter gut gcschricbe», geschweige als ei» Kunstverständiger. Wie nachlässig er in seinen Anführungen ist, habe ich an der Stelle des Plinius in den Antiquarischen Briefen gezeigt. Nicht weit davon sagt er: Oans la l'uite los t^i-oi:«, a^anl i>>. XXXVIII.) — TeSglcichm glaubte er, daß alle Künstler das Geheimniß gehabt hätten, die Karneole und Onyre klar und rein zu machen, (i^-l/,) ^e lui8 auM ,' Ies t^ornslioes >^ les On^x, vü la ezugntite prociigieulo tle eurnalines lines >^ mal-gravees, yue Ies ^nciens nous ont Iransiniles; tarillis cznü zirel'eick ü peine er> Irciuvet-on une eolrv iiiillo, czui alt le meme leu. II ^ a cneoie ä'aulres rail'ons plii8 soite» <^ plus convaincaickes eo saveur 6e celle coojeelure; mais je laillv aux tümieux ü Ies lleviner, eri alleniiant cjuv je Iruuve une aulie oecalicm ele Ies leurs evmmuniczirei'. ES ist wahr, die ganze Abstcht seines Werks ging dahin, zu zei» gen, daß die allen Künstler sich ungefähr eben der Methode müssen t'ctunt haben, als die neuern. 5cm ungcacktct erkannte er auf alten kleinen Spuren von diesen ganz nnbelannlen Instrumenten. (I^t^. p. XXVIII.) l^u Fi-avvui- eickemlu <^ exeice «leeouvrira mille Irsils, mille lieaule8 ile clelail impeieez>lilile8 pour laut aulie ezuo puuv lui. Il appereevra la niarelie <^ I'ell'et lle Ivus Ies oulils Is ceux rzui nou8 1'vnl. eounu8, wais memo lle ceux dank on i^iiorv auj»ur- l'tincliiin <^ la lorme, wais 6ont I'ozierativa ne laick'e pas seiilililv ä u» Iiomme ile melier. — Natter battc taS Instrument, womit die Wappcnschncidcr Parallclliuicn schneiden, darunter bemerkt, und sagt, Hr. Guay, den er dieses Instrumcut lehrte, ob er es gleich nicht mit hat steche» lassen, würde es leicht auch darin entdeckt habe», wen» er steh die Mühe gegeben hätte, die Haare eines allen gntcn Kopfes zu kopireu, ohne daß er nöthig gehabt hätte, ciu neues 348 Kollcktaneeii zur Literatur. dazu zu erfinden. Wäre es also sehr unwahrscheinlich, wen» man annähme, daß Ratter mehr solche Instrumente, deren Spuren er auf alten Steinen gefunden, wieder erfunden und gebraucht hätte? Wie weit die Figur in den Stein mit dem bloßen Rade zu fertigen sey, steht man l'ali. II. tig. 2. Nämlich bloß nach den gröbsten Vertiefungen, die schlechterdings noch keinen Gliedern ähnlich sehen: gpies izuoi Ion emoloie «Zes oulils plus neliks plus kaillans, nour l'aclrever l'elon la eauaeiie 6e I'.Erliste. Was also gerade bei dieser Kunst die Hauptsache ist, kann mit dem Rade nicht vollendet werden, sondern erfodert kleinere schneidende Werkzeuge, in deren Gebrauch allein die wahre Eeschicklichkeit des Artisten beruhet. Ners. Zu meiner Tragödie von ihm könnten das Lemma sehn, die nämlichen Worte, welche einer von den Umstehenden ihm zurief: Dscme aileone mori milerum ekt!°) Daniel Neuberger. iüelülire polier il'^ugsliourg, «zui avoit trouve l'mveolioo 6e «jonoer :> Is cire la llurvte «Zu ser, aull'i dien czue la couleur. (v. ^ou^n. c/es ^av»»s, 2. 1684, p. 47; und Sandrart in f. Mahlerakademie. Nicolaus. Der berühmte Wasscrtanchcr, von dem ich, in meiner Sammlung über das Heldenbuch vcrschiedncS angemerkt habe.") Joh. Matthäus (llv lier. lnvonk. p. 40.) gedenkt seiner auch. Er redet von der Zeit der sicilianischcn Vesper, und der Entstehung des Ordens der Flagellanten, und setzt hinzu: Iloe eliam temnore in 8i- cilia vir kuit I>Iiec»Iaus nitcis, klellanenlis, cmi vilam in man lluxik, nee cliu exlra alzuas ello noteral. Ilie mulla ilv maris seeictis natekeelt lwmmilms, nott malris execrationcm Iiauo iolmmanam vilam sorlitus. Niellum. Eine Art von Gravüre, oder, wenn man will, von Email, von der ich noch keinen rechten Vcgrif habe, ob ich schon °) Seines Vorsatzes, den Tod des Nero als Trauerspiel zu bcarbci. tcn, dessen auch in der Vorrede zum zweite» Bande seines Thcalral. Nachlasses, S. xxix, gedacht wird, erwähnte >L. zum öfter» gegen mich; und, so viel ich mich erinnere, Halle ihn Nalh. Lee's wildes/ obgleich nichts weniger als verwerfliches Stück, ^Vc^o Fm/ie,-oi- ->/ Kome, zuerst auf diesen Stoff geleitet. Eschenburg. °°) S. oben S. 42. Kollcktaneen zur Literatur. 349 Werke davon gesehen; z. E. bei Hrn. Balemann in Hamburg das Portrait eines kaiserlichen Generals, aus dem dreissigjährigen Kriege, in einem gehöhlten Thaler. — Tie Jtalianer nennen diese Arbeit la- voro eli Kielln, und die Franzosen IXellure. Vigenere in seinen Anmerkungen über die Bilder des Philostratus, soll die Art, wie dabei verfahren wird, beschreiben, wie ich aus einem Artikel des Ca- seneuve in dem französischen Wörterbuche des Menage sehe. Jener mnthinaßt daselbst, ohne Zweifel sehr richtig, daß das Wort von nige-', ,l/Aettu«z herkomme, und ne/iu»^ gleichsam so viel sey, als ,l,Ae//ki/u>a, und nciVe?' so viel als niZ^/Zai-e. Ader er geht zu weit, wenn er darum in dem Testamente des Abts Lecdcbodus, der unterm Klothar, dem Valcr des alten Dagobert, lebte, und welches Testament Helga ud, ein Mönch des Klosters Fleury, in seiner Geschichte des Königs Robert anführt, anstatt: lenlellas 6egurala5, «ziiae Iialient in meciio ciuccs „letVa/as, will gelesen wissen: niAe/- /n/äs. TaS Wort ward nun einmal so gesprochen und geschrieben, auch wenn man Lateinisch sprach und schrieb. Hieraus steht man auch, daß ei'«,',,- nittee, als ein Kunstwort der Heraldik (beim Menage unter dem Art. weder so viel heißt, als aonilläe, gleichsam omiiliilve, in der Bedeutung von klein, zart; noch auch von Io ler tio rooulin, liui luulieot la meule tuperieure, herkommt, sondern wirklich ein Kreuz, nach gedachter Art gearbeitet, bedeuten muß. Au Anfang des scchszchnicn Jahrhunderts war Francesco Fran- cia, ein Goldschmied und Mahler von Bologna, in dieser Art von Arbeit sehr berühmt, dessen auch Lamillo Leonardi gedenkt. (S. s. Artikel.) — Ob aber das wahr seyn mag, was Leonard! daselbst sagt, daß diese Kunst zu niellircn eine neue Erfindung sey, und bei den Alten sich keine Spur davon finde? Ich habe eine Ahnung, daß es vielleicht die Enkaustik der Allen ist! — Wenn ich die Sache näher untersuche, muß ich Bulcnger eZe pielura et Staluaria Veterum, Ii. II. 6sp. V. VI. zu Rathe ziehen, wo die Stellen aus dem Vigenere lateinisch übersetzt sind. War, wie oben angeführt, zur Zeit des LeodeboduS, der, wenn er unterm Klothar lebte, in der ersten Hälfte des siebenten Iah» Hunderts gelebt haben muß, daß Nicllire» schon bekannt; so ist es sehr wahrscheinlich, daß diese Kunst sich von frühern Zeiten hcrschrcibl. Sie wird keine Erfindung dieser dunkeln und barbarischen Zeiten gewesen, sondern von Griechen und Römern abgekommen seyn. Kollcktauccn zur Literatur. Als ei» musikalisches Kunstwort, heißt ,o...o? nicht bloß ein Stuck auf der Zither, ju welchem gesungen werten kann; so, wie es beim SnidaS erklärt wird: i-c>/^ot xciXow?«-, v-, ^ov?-.. «ol> rtzo^vt, «a^'o^^vva? aöo.ilkV und weiter hin: 0 »l^aylj,- ölxo; ?tzo«o? ^-x^-ö^c-s. Sondern es wird eben sowohl von Stücken auf andern Instrumenten gebraucht, zu welchen nicht gesungen wird; z. E. von der Trompete, beim PolyänuS, Iv. V. c. 1t>. 4. wo es vom PrammcneS heißt: x?^«>>«,kvo? vo/i-v ^1? ,»^o^-u-e-v. ai^tov, indem er dasjenige Stuck, mit welchem sonst zum Angriffe geblasen worden, seinen Soldaten zum Deichen des Rückzuges, und umgekehrt, machte. Jenes heißt vo»»? «'^i-kX-'v^xo^ und dieses »vax>/>frl>.o?. Notkheinde. Iinlumevlum cznuilckgm lioeum, taclum i» iiillnli! sormam, ciuocl germanico vocant Nothhcmdc, I>. e. /»- Iunilicu Ioriiienli8 emillg. I>Ielzue lu- Inm ^roilvll'iZ mililil>u8 eieclelialur, l'e«! z»llrlur!enliuiii ulero i>z>>ili- ealul» clolores lelialiak et uarlum saeilem ziroouraliak. 16 »euatui', texelislur vt coiiluelialuo a viiginilius il»v»I>ulis not-Ze ,1,1/«/,,, üoo mocio: e/e. — — ES verdrießt mich, das Ucbrigc abzuschreiben, nämlich ans dem Boissard, >!e lliviuativne, u. 5.5. Das Lächerlichste ist, daß diese unbefleckten Jungfrauen bei ihrer A> beit den Teufel zu Hülfe rufen mußten. Wenn der Teufel dem Hemde die Kraft verleihen sollte, so, dächte ich, könnten es auch wohl bc- fleckte Jungfern weben und nähen. Nymphäum. Nymphen. Das alte von Holstein beschrieb bne Gemählde, Nymphänm, ist, nach Winkclmann's Vorrede zur Gesch. d. Kunst, S. XXIl, durch Nachlässigkeit, wie man vorgiebt, verdorben, und wird nicht mehr gezeigt. ^Vz,,»jI>i><: ^>ro I'alvis «Ions nüirili»; wenn anders die Stelle so von ihm ist, und nicht vielmehr, wie Hei >isin 6 vermuthet, «ux/ae gelesen werden muß. Äollcktaiice» zur Literatur. 351 O. Odsidianischcs Glas. Hr. Klotz sagt, daß die Alle» die Fusammeusctznng (oder den Glasfluß, in welchen sie die geschnittene» Steine abgegossen,) „//i-«,» o/>/,'in, I". l. p. 320, 6'.)1.) „^'avois tlit avsiit l'^uleur clv la t^lili^iie 6e Illisloiro 6n <üal- vini--liio, lzuo I.i I>.iine ll^ruclilion ckt imnl.ic.idlo. I'as>>>ello O'/ium //>c»/n^->i-»i. — Ob Mvshcim in seiner Rede Ile vl/i» ?'/ic'c,/oAkc-o diesen Umstand bemerkt? Ohr dergen. So könnte man, glaub' ich, nicht unfüglich das Griechische a.-^-^s-,,-, die sich die Alblcicn umbanden, nm ihre Ohren vor den Schlägen j» bergen, übersetzen, nach der Analogie von HalS- bcrge, dein Theile der alten Rüstung, welcher den Hals in Sicherheit setzte. Dergleichen Ohrbergen ricih XenokrateS, nach dem Plutarch, (i>. 38. Lll. X^Isulll'.) lieber den Bindern, als den Athleten unijumachcn, um sie vor übel» Rede» >u bewahre», wodurch ihre Sitten verdorben würden, anstatt, daß die Schläge bei diesen nur die Ohren verletzten. — Ich schließe hieraus, daß die 5-,6k?, wie natürlich, auch das Gehör müssen benommen haben; und darin bestand vielleicht der zweite Nutzen für die Athleten, in» sich 362 Kollcktanccn zur Literatur. durch das Geschrei, welches die Zuschauer um sie her machten, nicht zerstreuen zu lassen. > Spuren von diesen Ohrbergen scheint man in dem nicht zu finden, was Winkelmann von den zerschlagenen und zerquetschten Ohren der Pankratiasien, in der Vorrede zu s. Versuch einer Allegorie, anmerkt. Entweder diese Ohrbergen müssen also spat seyn erfunden worden, oder die Pankratiasten müssen sich ihrer nicht bedient haben, sondern nur die Athleten. Oper, die Hamburgische. Die erste Hamburgische Oper ist von 1678, (s. Gottsched'S Vorrath zur Gesch. d. dramat. Dichtk. S. 238;) und heißt: Der erschaffene, gefallene, und aufgerichtete Mensch. Verschicdnc Jahre vorher waren schon zu DreS» den, zu Halle, zu Würtembcrg, zu Wien, Opern aufgeführt worden, ja gar auch zu Kcvpenhagen eine deutsche schon 1663, betitelt: Die Waldlust. (Ebendas. S. 216.) Die allegorischen deutschen Singspiele, welche durchaus in cincm gleichen Sylbenmaßc abgefaßt sind, und weder Recitative noch Arien haben, schreiben sich gar nicht von der italiänischen Oper her; wie z. E. Harlekin's Hochzeit, und andre solche Singcstückc in Ayrer's Ooere llieatrioo. Von den ersten Unternehmern und Spielern der Hamburgischcn Opern habe ich noch zur Zeit nichts erfahren können; ausser daß mich der Rektor Müller versichert, ein gewisser RalhShcrr allhicr habe die Entreprise davon gehabt, und sie wären an eben dem Orte, wo jetzt das neue Theater auf dem Gänscmarkte steht, aufgeführt worden. Hierncichst unterzogen sich der Direktion derselben der Herr von Ahldefeld, ein Holsteinischer von Adel, dessen Güter in der Nähe von Hamburg lagen, und der meistens in der Stadt lebte, nebst dem englischen Residenten Wich. In dem Patrioten soll eine Satire auf diese Herren und ihre Theatcrverwaltung stehen, unter dem Namen HaSkarl, eines damaligen elenden deutschen Komödianten. Diese soll die Schwester von Wich, eine Fran des damaligen hiesigen englischen Predigers Thomas, welcher nachher Erzbischof (von Cantcr- bury, denk' ich,) geworden, weil sie mit ihrem Bruder unzufrieden gewesen, geschrieben, Herr Weich mann aber ins Deutsche übersetzt haben. Auf diese Satire wollte die Entreprise durch ein Vorspiel, genannt die Baßgeige, antworten lassen, in welchem sie Brocke 6, Telemann und Weichmann, die sie für die Urheber jener Satire hielt, sehr anzüglich mitnahm; besonders Telemann, wegen seiner Kollektanccn zur Literatur. ^j5^; Fran, die ihm nicht Farbe hielt, sonder» einen schwedische» Offijicr liebte. Mein cS kam zu früh ans, nnd die Aufführung wurde vom ^i.ube untersagt. Diese Baßgeige hatte Prätorius gemacht, welcher damals als Poet für das Hambnrgischc Theater arbeitete. Dieser Johann Philipp Prätorius ist hernach Professor Juris zu Trier gewesen, und hat vcrschicdne juristische Werke geschrieben. Die Hambnrgischc Oper muß im I. 17Äi in den elendeste» lim- ständen gewesen seyn, wie ich an§ dem Schreiben eines Schwabe» an einen deutschen Freund in Petersburg, vo» dem gegenwärtigen ?nsiandc dcr^pcr i» Hamburg (t Bogens.) scbc. Lauiprccht steht als Name des Verfassers auf meinem (nein plar bcigcschricbc»! nnd sonach müßte es Dreyer wohl in seine Saunn lung der Lamprcchtischen Werke gebracht haben. Damals war die Lpcr gäiijlich unter italiänischer Direktion, obgleich die Madam Kaiser noch dabei, und wirklich auch noch die vorzüglichste Sängerin war. Verzierungen und Zänze waren abscheulich; und die übrige» Säiigcrimicn wäre» Madam Monza und ihre Tochterj beide höchst elend, und die letzte nocl, dazu fürchterlich häßlich, obgleich sehr verliebt. Die Bühne war aber auch höchst leer, und das ganze Theater bestand aus drei bis vier deutsche» Jtaliäucni. Die Hambnrgiscbcn >I per», die ich gcdrnrkt selbst durchblättert babc, sind nach der Icilordiunig sagende, ^ch will daraus anmerken, was zur (beschichte derselben gehört: ll>'!>!, ans Hypcrborccn nach t!j„ibricn übcrbrachlc güldene Apfel, t^in allegorisches Stück anf die Vcrmähluug des Herzogs zu Holstein, Friedrich, mit der schwedischen Priu> zcsstn, Hcdwig Sophie, ^'inc gelehrte Vorrede zeigt, nach dem Rudberk sowohl, als mit eignen Gründen und Zeugnissen, daß ina» Hl'pcrborccn > Hcspcricn, den AllaS, uud was zu dieser Fabel mcbr gehört, nirgend anders als in Schweden sncl,cn müsse, und macht die Anwendung dieser allen Fabel auf den feierlichen Fall. Diese Vorrede ist völlig nach Lhrist. Hcinr. Pvstel'S Geschmack; nnd also wird auch das Stück vo» ihm seyn. Die Vorreden, pflegte er zn sagen, schreibe er zn seinem, nnd die Singspiele zn andrer ihrem Vergnügen. Auch finde ich dieses Stück in dem Vcrzcichniß der Postclischcn ^pcr» und Werke, welches Weich mann in der Vorrede zum Wittckind giebt, ihm wirklich zu- geeignet. Dieser Postel halte schon 1brisienthum. Il!9!1. Die Verbindung des Herkules mit dcr Hebe; bei der Vcrmählungsfcicr des damals römischen Königes Joseph mit der Brannschwcigischcn Prinzessin Wilhclmiue Amalic, Auch dieses Stuck bat eine gelehrte Vorrede über die Fabel vom Herkules und der Hebe, und verräth also Posteln als Verfasser. — — Noch ein Stück in chen dem Jahrc auf eben dieses Fest- Die Wiederkehr dcr güldnen ?eit. 47W. » oder: Die Macht dcr Tugend; aus dem Italiänischen übersetzt. 1701. Störtebeckcr und Iödge MickaclS, erster und zweiter Theil. Gottsched hat diese beiden Stücke erst unter dcni ^'lnc 47V7; sie sind aber bereits 1701 gedruckt iind aufgefiibrl wor den. Beide ans dem Titel genannte waren Seeräuber, die cbe dem bei einem Grafen von FricSland in Dienste» gestaute», und von den Hamburgern endlich ertappt und hingerichtet wurden. Aus dieser Lper hat man hernach ein Stück gcmacbt, wclcbes sich noch lauge auf dem Theater crhiclt. Der Hamburgische Bür< gcrmcificr, uuler dcm sic hingerichtet wurden, hicß Simon, und dcr Syndikus, Uctrecht. ES muß lustig ausgesehen haben, wenn beiden unterm Schalle der Pfeifen und Trommeln die Kopse ab geschlagen, und vorne auf zwei Pfähle gesteckt wurden. 17s>2. Der königliche Prinz AuS dcr dänische» Geschichte entlehnt. Seine Stiefmutter verfolgte ihn so, das; er Kuhhirte werde» mußte; eine schwedische Prinzcsstn, dcr da? Orakel geweissagt hatte, daß sie ihre» Gemahl im Walte sucht» sollc, nimmt sich seiner an, und erhebt ihn auf dcn Thron. — — /Leienece. — — Penclope, oder Ulysses, andrer Theil. Der crsic ist, nach Gottsched'S Angabe, gleichfalls in diesem Jahre auf geführt worden. 4704. Der gestürzte und wieder erhöhte Nebukadnezar. Es muß vcrtreflich gewesen seyn, den Nebukadnezar, in ein wildes Thier verwandelt, mit AdlerSfcdern und Klauen bewach sen, unter vielen andern Thieren zu sehen, und brummen zu höre». 4706. Die römische Unruhe, oder, die edelmüthige Okta> via. Diese Oper ist von Bart hold Feind. Aus der Vorrede sieht man, daß Postel kurz vorher gestorben war; daß Hunold dcn Nebukadnezar gemacht habe, so wie vorher schon eine Oper, Kollcktancen zur Literatur. 355 Salomo; daß ebc» um diese Zeit auch Bressand gestorben ist, der für das Braunschweigische Theater gearbeitet hatte; daß der .Kapellmeister Kaiser ein Werk über die Opern und Kantaten schreiben wollen, und daß die Komposition der gegenwärtigen Oper von ihm gewesen ist. „Dieses ist nunmchro, sagt Feind, „das 31stc Singspiel von seiner Arbeit; worüber ich mich desto „mehr wnndre, weil die Jtaliäncr von ihrem Palaroli in Le- „ncdig als ein unerhörtes Mirakel ausrufen, daß er bereits 18 „Opern komponirt; worauf jedoch sein Brunnen auch dermaßen „erschöpft worden, daß er nunmehr nichts als Kirchcnstücke setzt." 17(16. /.w Fec/e//ü ^'o,'v>ia/a, oder, die gekrönte Treue. Die Geschichte des Abdolonimus, welcher aus einem Gärtner, König in Sidou wurde. Tie Mustk von Kaiser. Es war seine 33stc Oper. — — Der Durchlauchtige Siec, c«n,'ius > oder, Almira, Königin in Castilicn, gleichfalls von Kaiser in Mustk gesetzt. Almira muß früher aufgeführt seyn, als daS vorige Stück, und sonach die 32stc Oper dieses Komponisten seyn. I7U7. Der angenehme Betrug, oder, der Carncval von Venedig. In diesem Stück kommt auch eine Tricntje, ein niedcrsächstschcs Dienstmädchen, vor, welches in diesem Dialekte vcrschiedne Scenen hat, und Lieder stngt. Opilz- Daß die vorlrefliche schweizerische Ausgabe des Opltz durch die Dazwischcnkunft der elenden Trillcrischen ins Stecken gerathen, ist ein wahrer Verlust für die deutsche Litteratur. Ihr größter Vorzug besteht darin, daß ihre Bcsorgcr eine Menge den Sin» völlig verstümmelnder Fehler, welche sich in die letztem Ausgaben ciiigeschlichcn hallen, durch Gcgc»ci»andcrhaltung mit den ersten >Inginalabdrückcn verbessert haben. Wenn sie nur immer die nämliche Aufmerksamkeit angewandt hätten! Eine Stelle, wo es nicht geschehen ist, fällt mir eben jetzt in die Angcn, da ich die Schäferei von der Nymphe Hercynia wieder durchlaufe. „An der Wand," sagt der Dichter unter andern, bei Beschreibung der Grotte dieser Nymphe, „waren unterschied»! Historien mit Muscheln und kleinen Steinen, und „zwar so künstlich, eingelegt, daß wir hinzugiiigc», und cS mehr für „eines Apolle nS Werk, als für sonst etwas, ansahen." — Für eines ApollcnS? — t5S muß unfehlbar hcissc» ApellcnS. Denn der Dichter will sage», daß ma» diese eiiigclegtc» Kunststücke eher für ein feines Gemählde, als für sonst etwas, hätte anschcii solle». Und 23 " 35K Kollcktanccn zur Literatur. so liest auch wirklich die erste Ausgabe von ^K30 zu Bricg i» Quart, welche die Schweizer sonst zum Grunde gelegt zu haben sich rühmen. Orkus. Bei den Lateinern heis;t dies; Wort so viel als Pluto; im Griechischen aber bedeutet oy-,- durch /«in„ie>i/,i»i „übersetzte, da er es durch hätte übersetzen sollen." Orpheus. Unter den Schriften, welche unter dem Namen die seS VichterS noch vorhanden stnd, ist auch ein Gedicht -l-izt i» welchem ThcodamaS, der Sohn des PriamuS, redend cingcsübn wird, als den Orpheus in den wunderbare» Kräften der Siciuc un terrichtend. Tiefer Orpheus kaun also auch der alte Orpheus, welcher, »ach dem Suidas, eilf Mcnschenaltcr vor dem trojanischen Kriege lebte, gar nicht einmai seyn sollen. Ja, TzcizcS giebt diesem Orpheus auch eine ganz andre Mutter, Namens Mcnipa, anstatt daß der alte Orpheus ein Sohn des Oeagrus und der Äalliopc war. S. GcSner's Note», S. 303. Beim Stobäus wird dieses Gedicht vielmehr dem Onomakri- tus, als dem Orpheus, zugeschrieben; und auch SuidaS sagt, das; dem alten thrazischcn Orpheus ein Gedicht -r-^ ?i-« das den Titel vz«5<>^>.o»-r«>,-,<5o? (ue ocluginla I»pi/,tVe«, v. Kl — 76;): „daß die Erde den Menschen gegen jedes Uebel ein Hülfsmittel gewähre:" '^.-uiiz zial» /l^Xlili'a 5o>,v».)>,l>lV?'0t0'l /Ztzo^oicr-, „daß die Erde die Erzeugerin aller Steine sey:" 'l^x zioltiz? X-tiAuv ^«vn^v ^vo?, i»- ö'« welches ganz in dem Sinne des Thcophrast gesagt zn sey» scheint, »ach welcliem die Mineralien ans dem Wasser, die Steine aber aus der Erde erzeugt werden: vöaros /c-v /<^axx,ov,l^?>a' x-^o? «St Xc^wl- «ymo^l-a. Ferner: „daß es eben so viel Steine als Pflanzen gebe:" welches mit einer andern Hypothese der neuern Naturalisten übereinkommt, nach welcher eine jede Pflanze ihr eignes Insekt habe. Loren?» Ottone. (S.untcr Lorcnzetto.) Er war ein Schü- lcr des Ercolc Fcrrata; und von ihm ist eine stehende heilige Anna im Pantheon, die nebst der Madonna des Lorenzctto eben daselbst, dem heil. Andreas von Fiamingo, und der Religion von lc Gros, in der Kirche al <Äicsu, von Winkelmann für die schönsten Figu^ rcn neuerer Bildhauerei erkannt werden. (Lon Empf. d. Sch. S. 12.) Orgel. Z'vn wem, »iid wann sie erfunden, ist unbekannt. Der gewöhnlichen Meinung nach aber soll sie Papst Litellianus umö > in die Kirchen eingeführt haben. Worauf gründet sich also NavarruS, wenn er (cie Viat. et Iro- i'i» caiwiiicis, o. 1<>.) versichert, daß zur Zeit des Thomas von Aguino, also nm 1274, noch keine Orgel in der Kirche gewesen sey? Er gründe sich aber worauf er wolle; so ist cS doch gewiß, daß die Orgel schon früher eingeführt worden. Tcnn schon Thcophilns lehrt Orgelpfeifen machen; nnd er lehrte nichts, was nicht damals schon dem tÄcbrauche der Kirche geheiligt war. Kollektanccn zur Literatur. Freilich wohl mag die Orgel, welche Konsiaiitinus // Ko- pronymuS ums Jahr 742 dem Könige Pipin schickte, noch unfdrm. lich genug gewesen sevn. Von ihr ist die Stelle beim LambcrtnS Schafnav. unter dem Jahre 758 nachzusehen, woraus Zlvcntinus Änd Marianus Skotus ihre Nachrichten ohne Zweifel genommen haben. P- papirius. „Der vermeinte Papirius mit seiner Mutter, eine „Gruppe in der Villa Ludovifi, stellt vielmehr die Phädra und den „Hippolytus vor," Winkelmann, Gesch. d. K. Vorr. S-XII. - Hat Winkelmann diese Entdeckung zuerst gemacht, oder Wcbb? Hingegen findet Hav er camp, in der Vorrede zumManilli, den Papirius in einer Statue, die M. für einen jungen Nero ausgiebt: ?uerum iptum, I'ulneium, cujus ael.is maturo oriii lüenlio no- dililsla suit, tlepenilenle »c! peelus liull.i, exnrel'iit ^c>-t'c,itt^ lab. XI^. ^e^o»-« puerilem imagliiem Iruslra eernis voeari u voüro, p. 39. k'. pasquin. Bernini hat den Pasquin für die schönste aller alten Statuen gehalten. Was Winkelmann hierüber sagt, s. Gesch. d. Kunst, Vorrede, S. XII. Von dem Ursprünge dieses Namens finde ich eine merkwürdige Stelle in k>^/?e?-t lliner-irio (kül',1. ts>24, 8.) 2'.!!>, worin zugleich die zuverlässigste Nachricht davon nachgewiesen wird: ..i'ü8f>ui»u8 I'iN'Ioe liomaous, atc^ue iiclec» ponlilieius. luiiu >» leprelieiiileiiiliz ^ulieorum, t^grelinslium, iploiu»» c^ui» eliam I^onlillcum, vilüs li- Iieilsle et inipuaitsle, »eegliooein tleelit aulieis lileralis, ut lerivl.'» «^uoelidet famoss, ineerlo suetorv eiliia, in l'as^uillum leseiienl. morluo cum piopv Isliernsm ejus iu l'oiione l'tatua marmu- res glgllislorio Iialiilu eiVoll'a ell'el, et eoilein loei in via puliliea ereets, populsri joeo pas^uillus .isipellari caepit, «zuoil illie «li i^iciieilalem »oliMmus mogiller t'ss^uinus lial^ilüll'et. Vui^i Imlui» aulieorum conllrmavit !>iielorjla8, et ljui viva vvev Iioniinum mu- res vuhliee inkeetalug eiut, m«rtuu8 l'ula wenmria liii» Lpijzriun- limloplioii muous suliiit, eum kluluav Iiuie leiisita malecliea onmis Aenvris uoelu usligerentur, «zuae a loec» ipt'u t^ascjuilli nomen lii^i viiilliesrurit. Ilgec ^ln/on!»« ?'t^n/> »lulinenlis l'uis in Ii^ninuni ^t,t»«^n/i>? auimsik- ve>liunii»us inseiuit, ut ex nun vulgnia Iiislaiia l^os^uilli inunus elIV: u^ouet, noliliVa lünlnm, no» lilei'iiiia; eaezue non ovseui-a et levia, 5e<> ß^avia et manilel'la errat»; non nlevejoium, l'eii ela- liiiiaiaruin Iiominum; ona eruililn, I,?«! nauulari iingiia, ineelleie: <>»«il luilur ille I^us^iiinus, in »«lilliniis lunluin ou iioniinum >>,Ieolio^em et rerum lllrovitatem saelis, uleneji» Iiso inaleliieenlia suerit ul'us.^ pcmbrokisches Rabinet. Zu Wilton in England. Die Statuen dieses KabinelS hat Carrv Crecd auf vierzig Blattern in gr, 4, aber schlecht, gcähct. Vier davon werden einem allen griechischen Meister, Klcomencs, beigelegt; über welches, und andre bc- triegliche Vorgeben dabei, Winkel mann spottet- Gesch. d. K. Vorrede, S. XIV. Eine Beschreibung von Wilton, und den dortigen Sammlungen von Alterthümern und Kunstsachcn, findet sich in einem englischen Buche, das den Titel hat- !5ix Week's ^ou,-. (S./.»,ic?o»-MnSn--»e, ^ni-il, l7s>8.) Von der Statue der VcnuS in dem Vorhoft heißt cS: it is tlie lumv as was set un liesoie llie temnle ot li)' ^«/.ioe»on. Also deS Agesander, oder eines seiner Gehülfen. Aber woher weiß man das? Aus einer Unterschrift des CcntaurS? oder aus der Aehnlichkeit der Arbeit? — Nr. 13 soll der Kaiser Kommodus seyn, als Fechter vorgestellt. Aber Gro- nov und Smid nennen ihn weil schicklicher einen AntäuS. S- dcS letztem Leeim l'rojana. perspektiv. Eine Art von Prospekten, in welchen die Pcr- spektiv nicht so genau beobachtet ist, nennen die Jtaliäncr Vedute; und Metelli war ihr Erfinder. Lambert hatte den Anfang von dem gesehen/ waS ich im ersten Theile der Antiquarischen Briefe von der Pcrspcktiv der Alte» gesagt hatte, und schrieb an Hrn. Nicolai auf einem Zettel darüber- „Die Probebogcn sind ihres Verfassers und dcS Lesens würdig. Die „Untersuchung über die Pcrspcktiv, ihren ersten Erfinder, u. s. f. könnte „lehrreich und wichtig werden. Hr. L- hat unstreitig Recht. Euklid'S „optische Schriften würden damit angefüllt seyn, wenn die Erfindung „nicht viel neuer wäre. Albrecht Dürer, ein Deutscher, hat eigentlich das EiS gebrochen, ungeachtet vor ihm Picdro del Borgo „etwas darin versuchte. Rogcr Bacv und Porta waren nahe dabei." Perron. Die Littcratoren sind uneinig, wem die Anmerkungen über den Petron eigentlich zuzuschreiben sind, die sich in der Goldastischen Ausgabe zu Franks, a. Mavn, tt'.U». 8. unter dem Namen Georg Erhard's befinden. Denn dieser Georg Erhard ist ei» Pfcudonvmus; und die Verfasser der IM. I.ilt. i,<- la I^rsoce I. p. I. drücken sich sehr falsch aus, wenn sie von gedachter Ausgabe sagen: I^Ine auliv -> I'',a»,!l'ui t l'ui' le lUe!», svee leg viisoivuüons do divers Kavan». t)n I'ulliiiine ü ^/««»-c/, c^ui s'^ ett ea,:Iie soos un »mn emprunle. DaS heißt, G. Erhard habe sich unter einem erborgten Namen versteckt. Erhard ist vielmehr dieser erborgte Name selbst; und sie haben sagen wollen, daß entweder M- (5asp. Lundorp, oder Goldnst darunter verborge» liege. KoNckimiccii zur Literatur. 3l>1 JeucS versichert Ioh. Pct. Lotichius; dieses aber war des DaumiuS Vermuthung, die er in einem Briefe an den Placcius äußerte. , ilo ^vri>>t. pleuilnn.) J.ucS haben ColomcsiuS, Baillct, FabriciuS, Jöcher, u.a. nachgeschrieben, und eS ist die allgemeine Meinung geworden; dem ungeachtet halte ich diese» für gegründeter. Worauf sich Daumius selbst gegründet habe/ weiß ich nicht; genug, ich gründe mich auf folgendes: Erstlich heißt cS in der Ucbcrschrift des poetischen Kompliments, welches Ioh. PH. Parcus der Ausgabe vorangcsctzt hat: ^n Sa/ei oliin inier ,Ieo8 colloellv.iulur, ut irauit ^'>>' ^'»//c//«,t««, tlucliliiinus ^»laeeo^lor mous in numüiiioii- lius lileri», in l'uu »nul'eulo ilo »ouililale civilulis l'^roteninrunii; >>uull 1'crvuiur in aivliivi» civil.'ilis uraeiliclao, uvi rvlert, vc/a- ^j(i2 Kollektanccn zur Literatur. ütiliit /'ekiueninl?orotemproni!>n»m oiiec» valuisso i»Aen!c> et ul'u, ut primus omoium exeoZitarit ralinnein iiiipiiinoiiilas plumliu notas wulice»; l^uae re5 poslca m-igniim mnriiililius oi»nil)>i8 sl- lulit cowwoilum. Von dem Drucke der musikalischen Noten ist doch wohl hier unstreitig die Rede. Denn obschon die Worte allenfalls auch von der Art und Weise zu verstehen seyn könnten, die Noten in zinnerne oder bleierne Tafeln zu stechen, und so abzudrucken; so würde dieses doch nur eine sehr kleine Erfindung des Petrucci gewesen seyn, von der es sich schwerlich der Mühe verlohnt hätte, so viel Auf- Hebens zu machen. Nun wäre zu untersuchen, wann dieser Ottavio Petrucci gelebt habe, und wer er gewesen sey. Ob cin Buchdrucker, oder sonst ein Künstler oder Gelehrter. Auch ist, so viel ich weiß, das Werk dcS CastcllanuS, ilo ?>ciliililale ci^ilatis loroleiiiproiui, nie gedruckt worden. BIS ich also dieses erfahre, will ich mir auf allen Fall die alten Drucke anmerken, in welchen sich musikalische Noten finden. Z.E. I'Ioies klul'iee omnis egntus l-re^nriani. I,»>>>«'ll'»», äi-gentin-ie per ^o. ^z//«, 1488. 4. (W- 2). N>'.>. 7. IIi. 4.) — ülulices von ioulilo (^ompenilium. Imprell'um Veuetüs, 14!)8. 4. per ^o. Sa/i,, «^am. (k>). Yuocll. 4.) philokret- Meine Vermuthung, daß Philoktct unter dem elauäicsnle beim PliniuS gemeint sev, ls. Laokoon, S. '.'.',) sBand VI, S. 388 Z steht, wie Riedel in seinen Anmerkungen sagt, bereits beim Gronov über den StatiuS, S- -.'85,, „aber nur mit zwei Worten ganz verächtlich hingeworfen, nicht in dem hohen kritischen Tone, wie im Laokoon." Ich soll Gronov'S StatiuS noch zum erstenmal in die Hände nehmen, und bin mir sehr bewußt, daß ich meine Emendation Niemanden zu danken habe. Doch dem ungeachtet konnte mir Gronov zuvorgekommen seyn; und ich muß nachsehen. philotas. In meinem kleinen Trauerspiel dieses Namens ist der Zug wegen dcS kurzen Schwertes nicht sowohl aus dem Lohen- stein, im Arminius, als aus dem Plutarch: /.uc-ieiia liiuenli li- lio, parvum glaclium lilii elle, ». Solch ein junger Held, wie Philotas, war Archidamus, der Sohn des ZcuxidamuS, welchem sein Vater, als er ihn zn wild auf die Athcnicnscr einbrechen sah, zurief: ^ üwa/ll-. ^o?^-?, iz' ?vv ^c,^,>.«ro? ^-t,-: entweder mehr Kräfte, oder weniger Muth, Kollektancen zur Literatur. 363 (^/«/»i-c/i. in I^canieiZ.) — Desgleichen der innge Lacedämonier, von dem Scneka in seinen Briefen meldet: I^acon ciuicZsm sclliue im- >>uiies esulus elüinalial: pux;nsn5 czuiilem «»plus snm. tervire ta- inen »olo. Verum cum z»aullo nost julieielur l'ervili kun^i mi- uil'terio. iüisum parieti eaput runil. (Li>. 77.) p hysio nnomie. ^o. ^a/. ^/e»-it/-!i ele Vgrietale I^aeiei Ilum-inao I)I5euil'us ?I>^5ieus; Dresclae, 1676, 4. enthält mancherlei Gutes. Er nimmt nur acht Theile des Gesichts, und zwölf Hauptthcile an, aus welchen er durch die Kombinationen eine erstaun-- liche Menge von Varietäten herausbringt. Die zwölf Hauptgesich- ter sind: Fünf, in Ansehung der Linie, welche das Profil macht: 1. lseie» piona; j daS schönste. 2. — i!eclin!»i5; / wo die Stirn vorragt. — i-eelinans; ^ wo der Untertheil deS Gesichts vorliegt. 4. — ,,r»euiva; ) das schönste nächst Nr. 1. 5. i-eeurvs; s das häßlichste von allen. Und sieben in Ansehung der Eintheilunq: 6. I^aeies in Ireü aen.ui>>e-i narles ililliilinla; Von den Haanvur. zcln auf der Stirn bis zu dem Zwischcnraum der Augcnbrauncn! von da bis zur Spitze der Nase; und von hier bis ans Kinn. 7. 8. wo das, waS dem einen Theile abgeht, nur Einem Theile zugelegt worden! entweder 7. der Stirn- welches nach Nr. 0. daS beste ist; oder 8. der Nase- oder >>, dem untern Theile, daS häßlichste. u>, lt. 12. oder wo daS, was dem einen Theile abgeht, den andern beiden zugelegt worden; entweder W. der Stirn und der Nase: erträglich, und macht ein satirische» Gesicht; oder lt. der Nase und dem Untertheile: daS abscheulichste von allen; oder 1?. der Stirn und dem Untertheile: daS Mohrcngcsichr. Die acht Theile deS GcsichtS sind ihm: srvus, oculus, lein- noiu, ual'uü) innlmn, (der ganze Untertheil;) linee-z, Isliia. nie»- j,„„ _ PliniuS, I.. VII. c. 1. wo er von der Verschiedenheit der menschlichen Gcsichtöbildung handelt, leitet sie auS zehn oder mehr Stücken her, die er aber nicht namhaft macht: „iu lueie vultunue »ul'li'o, ouin linl cleveiu vel nlura iileinliia." Kollcktanccn zur Literatur. Auch Gualtcrus RivinuS in seinem Eigentliche» Bericht der vornehmsten der Architektur nngchörtgcn mathematischen und mechanischen Künste; Nürnberg, 15,47. fol. handelt unter andern von der Phvfiognomie, nnd soll besonders von den Augen, wie Mcrbih, S- 24, sagt, sehr gute und scharfsinnige Anmerkungen machen. ES ist dieser RivinuS der Ucbcrschcr des Vitruv; und dieses sein Werk ist gleichsam der zweite Theil der Ucbersehung. Ioh. Baptista Port« hat nicht allein eine lateinische Phvsio- gnvmie in vier Büchern geschrieben, deren Neapolitanische Ausgabe sehr fehlerhaft, die zu Hanau 15SZ. 8. aber verbessert ist; sondern auch I'n^loglioiiioiiic!,, in acht Büchern: czuil»>8 »ova saeillimaizuo »s- leitur melliollus, «zua plautarum, Aiiuiialium, inelalloiui», leiui» tleuilzul: omnium, ex prima cxliiiiae saeit-i intveelione ljuivis all- m'las vires »llel^iiatur. k>a»<;os. :>>>. Weciiel. 1?.>l. 8. Auch gehört hichcc: ^/e.v. cle Luhjecl» I'Ii^liuZuu iiuae et ^Iiiromünliac; in t)j,p. sc>I. 148- de St. pierrc. Dieser bekannte Abbe soll auch ein Buck l'ur la I'uretv llv la köligioa hinterlassen haben, welches nie gedruckt worden, woraus aber Voltaire in seinen <.)ue1'ti. "I'av. I. 16. II. ö. Plasma di Smeraldo. So nennen die Italiener einen seltenen Stein, welcher die Mntter oder die äußere Rinde des Smaragds ist. (Winkelm. Anmerk. z. Gesch. d. K. S. 18.) — In der vaet^Iiolli, Aanetl. p. 17, finde ich ihn /^««m» ch' 8oiei!>I geschrieben. — Die Alten schnitten tiefe und erhabene Figuren darauf; und cS muß große Stücke davon geben, weil Winkclman» am angcf. Orte sagt, daß man einige daraus zusamnieiigesehte Tischblatter im Pallaste Corstnt finde. Kcllcktanccn zur ^ilcralm. ES ist ohne Zweifel eben der Stein, den Vogel, S-14S, Sma- ragdpraS, 8m.ii-,x>lites, nennt, der nur halb durchsichtig ist, und farbige Punkte und Streifen hat. (S- Smaragd.) — In meinen Antia, »arischen Briefen habe ich das Wort l'r.isma naber erklärt, ( Br. XXV. Th. I- S- IM.) sBand VIII, S. 77. > und gezeigt, daß es nichts anders als der l^slius oder die gomma pralina der Alten sey. Dinglei' sagt, man finde im Plasma die meisten alten geschnittenen Steine, nächst dem Beryll. Er erklärt das PlaSma durch den scheusten Smaragd, und beschreibt ihn gleichwohl von der Farbe stehenden Wassers, manchmal mittelmäßig klar, aber meistens voll schwarzer und wcisser Farben, und mehr undurchsichtig. Was muß der Mann für einen Begriff vom Smaragd gehabt haben? Den gewiß nicht, den PliniuS davon macht. I» Prassern mögen wohl genug geschnittene Steine vorhanden gewesen seyn, aber wahrlich nicht im Smaragd. Die alten grünlichen geschnittenen Steine werden wohl alle, oder meistens, Malachiten seyn. _ plauruö. Es ist Zeit, das; ich den PlautuS einmal wieder lese. Ich fange heute (den 23sten Jun. t7L?) mit dein EvidikuS an, und hier will ich die mancherlei Anmerkungen eintragen, die ich über die komische Kunst, besonders, in so fern er sie selbst gelegentlich berührt, und über die Alterthümer dabei machen werde. Es ist ungcgründet, daß PlautuS sich vornehmlich auf dieß Lustspiel viel eingebildet habe. Er läßt zwar in dem Stücke, Bacchidcs (Akt II, Sc. 2, V- 85,) den Chrysalus sagen: IXoo IioruI, l'etl aclor wilii cor o>Iio sauc-iat. Llism ^uain ego l-iliulam acezue !>» me ij>l'o .nun, ^ullam ae^uo invilus t'veeto, li !>jzit ?ellio. Aber dieser Chrysalus, der das sagt, ist ein Knecht, und ein eben so schelmischer, als EvidikuS. Dieses Lob eines Stücks, in welchem ein schelmischer Knecht lilierlale», maliliu inveiiil lua, ist also mehr ein charakteristischer Zug des Chrysalus, als Eigenlob des Dichters; und muß für die Güte des Stücks, oder für die Prädilcktion des Verfassers, auf keine Weise angezogen werden. Akt Sc. I, V- 22. Mich dünkt, hier hat Plautus, eines Einfalls wcgcn, das Kostüme sehr bei Seite gesetzt, und die römischen und griechischen Sitten ganzlich vermengt- ES sind die beide« Knechte, EvidikuS und Thcsprio, die mit einander sprechen: Kollcktanccn zur Literatur, — — /Hi. "se volo 1'cienulüii. Opeiam milii jil>!>»r lilii. ?V« ^U8 llieis. IHl. I>Io «leeet. ?Vi. ^am lu uulein ooliis jirac- lui-am xeris. ()uem mo lliels 6ijz»!»>em eile Iiominei» Iioeiie _V>I>coi^ sllerum? .^t enim uiiiim a pi-aelura tus, k!p!cliee, »uel't. <)ui>I- n»i»? 8cill8, I^i<^oi<:ü ei, cieelu, srms seeit. ciuae Iialiuit 8lrlll!^^ocle«. I'ravnliiv?, >,nt ai! >i«kle?. Der Tadel, welchen KamcrariuS und LambtnuS über diese Stelle gemacht haben, ist ganz falsch, aber auch Taubmann'S Rechtfertig gung taugt nichts. Denn das geht gar nicht auf die Waffen Achill'S, die Hektar dem PatrokluS abnahm-, sondern auf die Homerische Dichtung, daß Vulkan Dinge zu schmieden verstanden habe, die sich freiwillig bewegen können. Aon dieser Art müssen auch die Waffen des StrativpoklcZ gewesen seyn! will EpidikuS sagen. Ebendas. v. 5». Diese Stelle ist ei» Beweis, wie viel die Al- teil durch bloße Zeichen auszudrücken verstanden haben, weil dergleichen Zeichen bei ihnen durchaus bekannt waren, welches sie bei uns nicht sind. Thesvrio erzählt dem EpidikuS, ihr Herr habe ein Mädchen aus den Gefangenen gekauft, und EpidikuS will wissen, wie theuer' ()ulil minis? ?Vu 1u>. (^uailiü^inla mims! Thesprio mußte ihm also mit den bloßen Fingern die Zahl 4» weisen können, und das Zeichen davon mußte allgemein bekannt scvn. Jeht könnten unsre Schauspieler durch Aufhebung ihrer Finger keine höhere Zahl, die allen verstandlich wäre, weisen, als bis auf zehn. Poesie. Von ihrer Achnlichkcit und Unähnlichkcit mit der Mahlerei, von dem Einflüsse und der Verbindung der eine» mit der andern, zu meinem Laokoon, ist nachzusehen: «»Ais/. LaU»», in l^uaekit!» Oral, ok Vei'ilimililius; ubi clvcel,, ulile, immo veeelliuiuw eile me! poi-Iae, inspicere ^eslum, vultus, Iialiitum, mvres, et »>ia juielorum orlillcio ia kuliula lvile repiaeseulats. Kollcktanccn jur Literatur. 3l!7 Zur Geschichte der alten deutschen Poesie wäre vielleicht eine Handschrift wichtig, die zu Thocn auf der Bibliothek befindlich ist. Sie ist von Gottfr. ZameliuS, der Bürgermeister in Elbingen gewesen, und hat den Titel: dei-mania l!elliea liecliviva, lingug, lite- i-i«, melio: Da6 uralte deutsche voctifircnde Deutschland, in drei Büchern; als: 1) durch Rede- und Svrachwesen; 2) durch Lehr- und Schrcibwescn; 3) durch Sing- und Reiimvesen. 1L67. — Dem Titel nach könnte manches Gute darin stehen, (v. I^e/i-. ^ac»ic/iit i>i<)Iiiia IZililiolli. Ilionieiit. p. 3.',. ^enae, 1723. 4.) pr-imaticcio. Monville in s. Leben des Mignard, S. 4, sagt vom Primaticciv: II sut alliie en ^i-ance iiar k'ian^ois I, <>ui I'eovo^a cle^uis !> liome en 151i>. pour aclieler lies .iniisjues; il c» r.i^sinila 124 st.ilues. !>vec on, eie la Venus ile I^leclici«, e/c. <>u'i! !>v»it s:,i> mouler. (^)o lui «Ivinia au lelour I'.^uhg^o 6e 5. ^iieiilas ile I rnves. Dieses hat Monville zum Theil auS dem Fcltbicn, (H»Irel, 1'. II. >>. 22i>.) zum Theil auS dem Vasari genommen; welcher letztere aber 125 Stück übcrhanvt, mit Köpfen und Rümpfen und Figuren zusammen, nicht bloße Statuen allein, angiebt. Die Formen hatte Primaticciv von Giacomo Barozzi da Vignola, und andern, machen lasse»; aber die VenuS scheint, nach den Worten des Vasari, nicht die VenuS von McdiceS, sondern eine andre VenuS im Bclvcdcre gewesen zu scvn. — Auch nennt Monville die Abtei, welche Franz / dem Primaticcio gab, ganz falsch lnce, I. p. 151. p rorogenes. Monville im Leben Mignard'S (^mtlenl. 1731. K I'il's. XXVII.) sagt: 1'our no pas ils^uer ci'ensevelir lniis Ie» mines «ie liliuiles im l^einlro, ilont I'Iigliilelt: c'loit ev> I!?ii>e, Demeliiu» I'oliorceles leva Ie lii^e ar nn aulro enllioit czue pnr celui, »ü Iiavaillvit l'iologenes, il aima mioux, au lüpport ai^»e,' Ii> >>ei»Inie, c^»e recevvir la vielaiie, fjui lui eloit vk- seile. — Das ist falsch. Nicht, um diese» Mahler zu schonen, sondern bloß, uni ein Gemählde von diesem Mahler nicht zu verbrennen, steckte DemctriuS RhoduS auf der Seite nicht an, wo er cS allein einnehmen konnte. Der Mahler selbst arbeitete ausser der Stadt, und hatte bei der Belagerung für sich nichts zu befürchten. — Ich habe im Kollcktanccn ;ur ^itcratur^ Laokoon bereits angemerkt, das, mehrere daS Gemählde des Proto- gcncS, welches in der Stadt war/ und dessen ivcgcn DcmetriuS nicht die äußerste Gewalt gegen sie brauchte, mit dem verwechseln, welches er wahrend der Belagerung ausser der Stadt mahlte. pulvinecr. Loec/eii«« in /««I t?i>s». II. !/^tt,o//,e/.- ..Inlor Iionnres liivinas suiil'e, icl vein la- lis eunslal; »le ki^villcalu oou eunveniunl. /.««i^/nu« Ire>»Il)5, i» c^uihiig cleorum sl.ilu.ic; cvllacaicnlur. cxnonit; 1'«i>e nleii^no >iu> pro leelulis, in tem^ilo tlralis, gut nro leclicig .innaralis clenruni ciceeneie. ^I/aic'«^/«« /)o»n/i«s »6 .^,«/»n. Lac/I v. ?li rejeeii« :>>!>!i li^«ilical!l)iüliuj> iuliesiielaiin' pulvin.iii.i. <^uao Inner leelos straltt» i» tewnlig sil limulaoa »uniinuin luhlev^iula nunebanlur. Dieses ist die gemeine Bedeutung, die aber von den Auslegern bei dieser Stelle dcS Ncpos unrecht angebracht wird, wie ich unlcr dem Artikel, Gottin des Friedens, angemerkt habe. Denn nulvi»-»' heißt nicht allein dieses, sondern überhaupt eine Kapelle, ein kleiner Tempel. So sagt ScrviuS (.iik v. ^Z.Z, 1^. III. l^enrx. k,,^//.) auS' drücklich: Ho»-«-/» nropiiv Inea luvt, in cjuilius iluna renununlur ileorum. .^Iiulive /e,«/>/»: »au> il.i et >l!s, suneivo- »ie»Iil>us >>Ieii?cjue. conlueverunl. Diese» l'usiorveuienlihu» nleiiülnie versteh' ich nicht. War cS etwa» so? Weil man in den Tempeln doch wohl immer mehr als Eine Bildsäule der Gottheit, die darin verehrt wurde, hatte; gleichwohl nicht mehr als Eine aufgestellt seyn konnte, daß indeß die übrigen auf dem Pulvinar ruhten? Ich erinnere mich hiebei der hetrurischcn Götzenbilder, ^Kiin . die fast alle unter den Fußsohlen einen Zapfen haben, mit welchem sie in den Lochern auf ihren Altären oder Fußgcstcllen befestigt und aufgerichtet werde» konnten; und woraus denn deutlich erhellt, daß sie nicht für beständig aufrecht standen. __ pyrnstelco. „I^clieluiu ^lexano'ii 1^1. nno veluil. i» geim»>i le sli ,ili<> 1'e.ilni, ijuain a l^r^olele, nun clukiie el.iinlini» ailis ejus." ^'/»i. XXXVII. 1. Wenn PliniuS nicht ausdrücklich das Wort eclieluw gebraucht hätte; wenn er nicht an andern Stellen, wo er eben diese Nachricht giebt, gleichfalls das Wort eilixil brauchte: so würde ich glauben, daß dieses Verbot Alexandere bloß in seiner Weigerung bestanden habe, sich im Original von andern Künstlern, als dem ApellcS, PyrgotelcS und LvsippuS, bilden zu lassen. Kollekiaiiecn zur Literatur, 369 Auch AvulejuS (in FVo^itKs) erzählt daS Nämliche; nur mit der Veränderung, daß er anstatt des Lysippus den Polyklct setzt: ani elllglem legis acro clucerei; und auch er braucht die Worte: <>.//,,,< univeilo oilii tno. — Aber gut/ daß wenigstens /uo dabei steht! An den Orten, wo seine Befehle so unumschränkt nicht waren, wie in Athen j. E-, werden die Künstler also doch gethan haben, was sie wollten. Wenn man dazu nimmt, wie man kann und muß, daß Alexander nicht auch zugleich den geringern Künstlern untersagt habe, die ihn vorstellenden Werke der drei privilegirtcn Meister zu kopircn; und daß nach seinem Tode das Verbot überhaupt seine Kraft verloren: so fällt die Nothwendigkeit unstreitig weg, daß die noch vorhandenen Köpft Alexander'S wirklich von jenen Meistern seyn müßten. Natter sagt, daß der Kopf, den PyrgotelcS geschnitten, wie cS Heisse, in dem Kabinct des Königs von Preussen sevn solle. (?rek. n. IX.) Dieß bezicht sich auf daS, waS Beger (luol'. IZrarxZeli. Vol. III. v. 203 ) bei einem erhaben geschnittenen Sardonyx anmerkt, welcher ihm den Kopf des Alexander mit dem Kopfe seiner Mutter Olympias vorstellt: ai-Iilieium ia Iiae gemwa aetalem in'vilil; acle«, ut »c>n alisiiscle conjeelura l'ulieat, gemmam propo- lilaiu ejuüdciu ^'i/,^»^e/i» onus noi^is lauNo owine su^orelke. Q. O.uarticr. Daß cS für Gnade, Fristung des Lebens, gebraucht wird, wie in den Redensarten: um Quartier bitten; kein Quartier geben; erklärt Menage auf folgende Art: /!i>!<> ^i,» il'un ollieier vu ll'uii s»I>a^e; «le l'oile que yuano! or> oe vouloit ^>oiiit i-eeevoii' Ia iaii<-on, mais «ju'en ul'ant «le tous Ie8 clroils 6e Ia vicloiie cle Ia xueiro, «^uel^u'un luail 5on ennemi, il lui <1i- s»il: ( 'est euvaiii c>iie tu vllies un quartier cle les xages; oa u'en veur poi»I; il tau! mourir. — Er beruft sich dabei auf 0e L,/k«.> Olitzinos «le «jiivl^ucs (^ouluiue8 ancieuues. t'eMttgs Wrik- xi 2 I 370 Kollektancen jiir Literatur. R. Rabbinen. Wenn die Rabbinen sogen, daß von verschiedenen Auslegungen einer undeutlichen Schriststelle die eine eben so wahr sey, wie die andre; so erklärt dieß Canz, wenn ich mich recht erinnere, in seiner Ontologie ganz falsch, daß sie also die einzigen wären, welche den Satz, daß von zwei widersprechende» Dingen nur Eins wahr seyn könne, leugneten. Sie wollen weiter nichts sagen, als, daß man sie alle beide könne gelten lassen, wenn sie nicht» enthalten, was ander» unleugbaren Wahrheiten zuwider ist. — Jetzt finde ich, daß August in eben so dachte. Wenn er nämlich I.. XII. <7o?>/e^ seine Meinung von der Erschaffung der Welt sagt, und auch anderer Meinungen anführt, so setzt er hinzu: In Iiuo tliverlllalL leiilruliai-um veil»»m (verse euim lunl omnes, kjuia verum ciieunt. ell'i non omnes l'e- cunilum mi?olem I'crij>Il>ii8 ello j>vlluut) caucoxiiam ^aiial veiilas. — Sollte für das letzte vcrilas nicht vielmehr vaiielas gelesen werden? _ Raphacl. Von den in England und Frankreich befindlichen Gemählden Raphael'S s. Winkeln, ann von Empf. d. Sei'- S. 2(1. — In Spanien, im Eskurial, sind zwei Stücke von ihm, deren eins eine Madonna ist. — In Deutschland sind zwei Stücke: zu Wie» die heil. Katharina, und zu Dresden das Altarblait aus dem Kloster S- Sisto zu Piaccnza; aber dieses ist nicht von seiner besten Manier; und zum Unglück auf Lcincwand gemahlt, da seine andern Oclgcmählde auf Holz sind. Daher hatte dasselbe bereits viel gelitten, als cS aus Italien ankam; und wenn cS auch von seiner Zeichnung einen Bcgrif geben könnte, so bleibt doch derselbe mangelhaft in Ansehung seines Kolorits. Ein vermeinter Raphacl, welchen der König von Preussen vor einigen Fahren in Rom für:;ooc> Skudi erstehen ließ, ist von keinem Kunstverständigen allhier sin Rom) für dessen Arbeit erkannt worden; daher auch kein schriftliches Zeugniß von der Richtigkeit desselben zu erhalten war. (Winkclm. cbcndas.) Wie es zu verstehen sey, was de PilcS vom Raphacl »icldct, daß er zu der Zeit, als ihn der Tod übereilte, sich bestrebt habe, de» Marmor zu verlassen, und der Natur gänzlich nachzuahmen, s. beim Winkclmann, v. d. Nachahmung griech. Werke, S. tS- Kollektanccn zur Literatur. 371 Religion, christliche. Widcr die vielen Werke, welche in neuerer Zeit für dieselbe herausgekommen/ gilt es, daß sie nicht allein sehr schlecht beweisen, was sie beweisen sollen, sondern auch dem Geiste des Christenthums ganz entgegen sind, als dessen Wahrheit mehr empfunden seyn will, als nncrkaiinti mehr gefühlt, als eingesehen. Dieses zu erhärten, müßte man zeigen, daß die für die Religion geschriebenen Werke der Kirchenvater nicht sowohl Behauptungen derselben, als bloß Vertheidigungen gegen die Heiden gewesen sind. Sie suchten die Gründe gegen sie zu entkräften, aber nicht unmittelbar Gründe für sie festzusetzen. Meines BcdünkcnS war eS Grotius, der mit seiner Abhandlung von der Wahrheit der christlichen Religion, welche 1«39 zuerst herauskam, den Weg eröffnete. Doch hatte er so bald noch keine Nachfolger. Einige vierzig Jahre später entstand erst unter den rcformirtcn Theologen ein Streit, ob auch die christliche Religion aus bloßen Gründen der Vernunft erwiesen werden könne, oder ob sonst noch etwas hinzu kommen müsse, um sie für wahr zu halten. Von diesem Streite s. /5,«/,/l>t IliNilnII. 'l'Iieol. tlogm. 1^. l. c. 2. Z. 17. Die, welche der Meinung waren, daß die Vernunft hierin keine Genugthuung verschaffe, und uns von der Wahrheit der Religion nicht überzeugen könne, sind vornehmlich der RcchtSgclehrtc UlrikuS HubcruS, in s. Werke ,1« t »imuil» lialiniii« et 8eiii>I»i.ie; Joh. RcgittS, lnllo ziorci- ,>ic,isli 8. 8. rlivinüalem, I'Vane»?. 1. -> »laicinnilgs, l'. ilv i'eela i» I)«?»m llile, den Joh. Rud. Meisten t«74 zu Basel zuerst griechisch und lateinisch herausgab. Desgleichen ArchclanS, Bischof z» Carra in Mesopotamien, wider den MancS, unter Entscheidung vier heidnischer Philosophen. Von dieser Disputation sind noch Fragmente vorhanden, welche Fa- briciuS im zweiten Bande der Werke des HippolytuS wieder hat auflegen lassen. 24* 372 Kollektaneen zur Literatur. Ich sage, ich will mich nicht hierauf berufen; weil die zwei Schriften/ auf welche man sich deSfallS bezieht, leicht nur bloß dergleichen Einkleidungen sevn dürften, ohne daß die Streitigkeiten jemals wirklich so gehalten worden, wovon ich in ihnen selbst mehr Spuren aufsuchen müßte. Denn sie sind mir wenigstens dadurch verdächtig, daß bei dem ArchclauS die Philosophen nicht allein wider den ManeS sind, sondern auch beim Origencs sich sogar EutropiuS zur christlichen Religion bekehrt. Anderer Punkte der Unwahrscheinlichkcit zu geschweige». Wie denn auch Fricdcrtct, der eine eigne Dissertation: l?tnloloplios Lenliles cnvlrovelliaruru kiciei ir> veteii Liirilti eccle- La grbilri, zu Leipzig 1723 gehalten hat, aus der ganzen Kirchengc- schichte nicht mehr als diese zwei Beispiele anzuführen weiß. Doch bringt er auSdrüklichc Zeugnisse bei, welche diese Gewohnheit sonst bekräftigen; nämlich- t. des CvrilluS aus dem vierten Jahrhunderte, <üateeli. VI, kjuao 6e I>I»n!iroiiia I)ei agit, n. XV. cM. 7Ao. Wittes, i>. 96; und ?. des PhotiuS. S-c'a.^, Ili». I.ilt. 8c,-. Lcel. ?. I. p. 100. Wiescmann in s. Nlemoiai>Ii. LccI. llill. l'. I. 8cct- I. §. 19, p. 200, sagt davon, daß cS cxcwjilc» lcauilalvso, oeo kacile exculancio, geschehen sey. Und wen» er hierin auch Recht hätte, so würde der Satz dennoch bestehen, weil hier nicht von heidnischen Philosophen, sondern von christlichen die Rede ist, gegen welche die Einwendung des Hasses und der Unwissenheit nicht gilt. Rcmbrandt, Die Rcmbrandtische Manier schickt sich zu niedrigen, possierlichen »nd ekeln Gegenständen sehr wohl. Durch die starken Schatten, welche durch den Vortheil des unreinen WischenS oft erzwungen werden, errathen wir mit Vergnügen tausend Dinge, welche deutlich zu sehen kein Vergnügen ist. Die Lumpen eines zerrissenen Rockes würden, durch dc» feinen und genauen Grabstichel eines Wille ausgedrückt, eher beleidigen als gefalle»; da sie doch in der wilden und unflcißigcn Act eines Rcmbrandt wirklich gefallen, weil wir sie uns hier nur einbilden, dort aber sie wirklich sehen würden. Hingegen wollte ich hohe, edle Gegenstände nach Rcmbrandt'S Manier zu behandeln nicht billigen. Ausgenommen solche hohe, edle Gegenstände, in welchen Niedres und Edles verbunden ist. Z. E die Geburt eines Gottes in einem Stalle, unter Ochsen »nd Eseln. Und solche, mit welchen die Dunkelheit für sich verbunden ist. Moses Mendelssohn, dein ich diese Gedanke» mittheilte, antwortete mir: „Sie habe» vollkommen Recht. Denn wenn uns schon „bei hohen und edeln Gegenständen die Skizze» oft besser gefalle», Kollcrtanccn zur Literatur. 373 „als die vollendeten Gemählde; so geschieht es deswegen, weil wir bei ,/dcn Skizzen dasjenige hinzudenken, was ein arbeitsamer Pinsel auS- „geführt hätte. Die Rcmbrandtischc Manier aber kann uns als eine „fertige und vollendete Arbeit bei edeln Gegenständen nicht gefallen. „Von Dietrich hat man eine Bcschneidung im Rembrandtischen „Geschmacke" __ Xeyselius. Von dessen bewundernswürdiger Maschine eines künstlichen Menschen s. daS Journal . 1680, p. 292, mitgetheilt. Ritterorden. Ich finde in ZeillerS Sendschreiben XXl: „Was derselbe mir von dem neuen Ritterorden, 6o i ^avnlieri 6i „5-m>!» I>Ii>il!a genannt, so neulich in diesem 1«Z19tcn Jahre zu Wien, „von dem Herzoge von NcverS und andern Fürsten und Herren auf- >, gerichtet worden, schreibet, das habe ich mit mebrern daraus verkommen." — Ich merke mir dieses Zeugniß deswegen an: 1) Weil GrvphiuS dieses Ordens gar nicht gedenkt; 2) weil er im Gegentheil an der wirklichen Eristcnz eines Ordens der Ritter von den Kreuzzügen, deren Justiniani im 2vstcn Kapitel der andern Edition gc- 374 Kollcktaiiccn zur Literatur. denkt, zweifelt, und meint, daß überhaupt die Krcuzordcn darunter verstanden würden. Könnte Justin iani nicht diesen Orden des Herzogs von NevcrS darunter verstanden haben? Ich muß sein Werk bei Gelegenheit selbst nachsehen, nämlich seine chronologische Geschichte aller Ritterorden, in italiänischer Sprache, deren zweite Ausgabe 1692, fol. erschienen ist. Galeazius Ruber, oder de Rubeis. Ein geschiktcr Schmied zu Mailand zu Anfange des sechzehnten Jahrhunderts. Cardan'S Vater war sein vertrauter Freund, und dieser Freundschaft haben wir cS vornehmlich zu danken, daß der Sohn an verschiedene» Orte» seiner Werke dieses Künstlers gedenkt. Einmal in dein Buche c/e r,,/« ^7-«- o.3. „I1tel)!>tur (patei) smico uoicn et karuiliari, ^i»Ä,'o: (ssiiiilise Iwe nvmea erat:) limililuilo mnrum et liuilivi-u», 5i>l»iuiu illi aniivuiu elleLvrat. Is o»im cl't, c^ui ^reliimolis co- vlileam inveoit, nonclum vul^stis .^relümeclis liliiis; ^laclio» ziluuiiii ioslar lleelereniur, et kerrum pe»e ut li^num l^iiKle^ent; et, . 3KL vji,». wo er von der Cochlea des ArchimedcS redet, und sagt, daß VitruviuS ihrer gedenke, und DiodoruS SikuluS zu zwei vcrschicdncn malen: Dicens, .^eg^^tum liecalam henelieic» eoclileae all /Vicliiinecle in- veotae. <^uc>ll kl ita elt, cum ^leliiinecles l^eliucli lielli l'uinci lemuoriliug lloruerit. iiel'cic» e>ua jülclo llli>i(ju» Icin^orc! l>e»e uu- tuei-it ^c^plus liauilsi-i. Lecl /t,-^/», eivig nolter sgliel-tzue teiraiius, cujus iiilia nieulioneui sacluri l'umus, vui» jaul olim inveotam i^ke ezusli primus auetor exisliiiiaiet leueiill'e, jirae loelitia inlariivit. Villimus illum vei-l'untem Irukatilein ma- ckioam, se naullc» pott nieiito exeulsum.^ Die Maschine wird dort im Holzschnitte beigefügt und erklärt. Prinz Ruprecht. Dritter Sohn des Churfürsten Friedrichs V. von der Pfalz, und der Elisabeth, Königs JakobS I. von England Tochter. Geboren 1019, den 26 December. Schon den 26 Oktober des nämlichen Jahrs war sein Vater zum Könige von Böhmen gekrönt worden, welcher 1632, den 19 November, kurz nach Gustav Adolphs Tode starb. Im I. 1635 gieng Ruprecht nach England, wie Michae- Kollektanecn zur Literatur. 375 liS sagt/ oder vielmehr im folgenden Jahre/ nach Salmon'S Berichte- (üliarles, pliiice Malaiin (lu tiliin, A le I'iioce Robert 5on fivro, arriveront eri ^ngleterre; ils venoient tollieiter le reeou- viement «Zu l>alal!nst. Rüchen. In Ansehnng dcS Sinnes des RückienS, nnd der Besonderheiten desselben/ ist Johannes LeodiensiS/ als Beispiel eines ganz außerordentlichen Geruchs merkwürdig, von dem Digbv ile!^!>. lu^a lüorporum, und Morhof, 84, p. KK. S. Satyrisches Drama. Oder wie es Eschenburg in seinem Hurd mit Einem Worte nicht übel übersetzt, Satyrspiel. Nur könnte man leicht aus dieser Benennung schließen, daß cS schlechterdings auS Satvrc» habe bestehen müssen. — Vor dem CasaubonuS war eS den neuern Gelehrten kaum bekannt; daher viele gar nicht wußten, was sie aus dem CyklopS dcS EuripidcS machen sollten Z.E. FlorenS ChristtanuS in den Noten zu seiner Ueberj^ung desselben, sah wohl, daß cS keine ordentliche Tragödie seyn sollte; aber auch nicht einmal der Name fiel ihm bei; und er glaubte cS, wie PlautuS seinen Zl mphitrvo, eine lr->^ie<»i>,ie,I!aii> nennen zu können. Erst muß man dieses Drama, welches ein regelmäßiges Werk war, von den Satyrchdrc» unterscheiden, die mit wilden Gesängen und unordentlichen Tänzen in den ältesten Zeiten das BacchuSfest stierten, und auS welchen das Trauerspiel selbst seinen Ursprung hatte. Das neuere Satprspiel war eine spätere Erfindung, und ward durch das ernsthafte Trauerspiel veranlaßt, welches vielen bei so freudigen Feierlichkeiten zu ernsthaft war, denen man also auch etwas lustigerS geben mußtc: — — — — — eo >i»oil Illccelilis eint et gr.ila novilalv moiainlus 8^eelutoi-, tuiiclusljue lueiis, ei jiolu« et exlex. ./« .1 />.,'. 223.°) °) Ma» lese darüber das sehr empfepliingswürdige ''Programm des Hr». Prof. BII h I c in Göningcn, tlv l'-llmla Lill^ricavr-lecorum; c!»vtt. t787. 4.wor- 37« Kollckrancen zur Literatur. . Schach. Ei» Verzeichnis der Schriftsteller vom Schachspiel st» dct ma» beim V/io.//>/illenlis cisea an- oum 1337 ia rl>z?tlir»um gerwanieum verlit, auxil^ue sile», ut^ oovus lilier vicleretun. ES ist eine dergleichen Ucbersehung unter den Manuskripten der Wolfcnbüttelischen Bibliothek; ohne Zweifel wird c» die nämliche fern. — Eine eigentliche deutsche Uebersctzung der Abhandlung dcSCassaliS von einen, Stephan Flacher von Dünkclspiel von 141? s. unter den MsptcN/ Nr. 25. 4. Eine gedruckte italiänische von 1234, s. 151- 1- <^uo,II. 11. WicliuS, welcher das Gedicht deSVida kommcntirt hat/ heißt nicht HieronymuS, sondern LukaS/ und war aus Licgnih in Schlesien. Sein Kommentar mit dem Gedichte selbst ist gedruckt ^i-genlinse, 1504. 8. (104. Llli. 8.) 22. Cosmo Grazino hat eigentlich nichts vom Schachspiele selbst geschrieben/ sondern nur eine verbesserte Ausgabe von dem Gedichte des Vida, liebst einer italiänischen Ucbcrschung in Ottava Rim«/ geliefert, die looi zu Florenz in 4. gedruckt ist. (S6. yuocll. 4.) 20. Girolamo Zanucchi ist gleichfalls nur ein Ucbcrschcr des Vida in Ottava Rima. Seine Uebcrschung ist gedruckt 'I'ievigi, 1589. 4. (180. Yunlll. 4.) Unter die Ueberscher deSVida gehört auä> noch Nicolo Mu- toni, den Hyde nicht hat, und dessen Ucbersehung in veill soiolli zu Rom/ 1544. 8. gedruckt worden. (154. 1. <)uoill. 8.) 21. Gregorio Ducchi aber, Kenliluomo IZi-ekc-iano, hat ein eignes Heldengedicht vom Schachspiel 1«o7 zu Venedig in 4. drucken lassen. Der Titel heißt: II kiuoco cle^Ii Livaeedi, ri- 6o>Ic» ia l?oema Lroico, I'otlo I^rotonoiioa cli «Iiiv uolenii I!i-, v ^egU Lroi loro. ES besteht auS sechs Gesängen in Ottava Rima. (180. YuoiZI. 4.) in auch die von mir dem Wcrf. mitgcchcilte LcssingIsche Aermulhima., daß die Alccstis des EuripidcS nicht ein Trauerspiel, sondern ein solches satyrischcs Drama sey, geprüft und bezweifelt wird. Eschenvurg. Kollektanecii zur Literatur, 377 18. Damaiio Portughcsc hat ein I^!uro cls impaiaro giocsio ü Losocln v cle' liellislimi osrlili <^.'e. italiänisch und spanisch geschrieben, wovon zwei alte Ausgaben ohne Jahrzahl in der Wolfenb. Bibliothek befindlich find. Die ältere, ZlZ2. yuoäl. 8; und die spätere 554. 1. <^uc>61, — Es hat zehn Kapitel, wovon das achte: ilelli Ii-alli txllili clie l! «Zicouo in volZsre 8os- gnuolo ^imoi's«, und daS neunte clclli xioclii iZelli psilili, d. i. von solchen Spielen, wo man wettet, daß in drei, vier, fünf, sechs Zügen der Gegner matt scvn soll, und das zehnte cle l'arls llol giooare slla mente, handeln. Es ist aber zu bedauern, daß die Erempel im achten und neunten Kapitel, welche nach Art des Stamma, und vielleicht die nämlichen find, wegen der fehlerhaften Holzschnitte, welche dabei gedruckt, kaum zu verstehen sind. 19. Ruy Lopez. Von dieses Spaniers Abhandlung sind in der Wolfenb. Bibliothek nur zwei Nebcrsetzungen: eine italiänische von Gio. Domenico Torsia mit dem Namen des Lopez; Vc- ned. 1584. 4. (!80. yumll, 4.) und eine französische, ohne Namen dcS Verfassers und UebcrschcrS, Paris, 1609.4. (86. yuodl. 4.) — Ru» Lopez ist der, dessen Anweisung mir unter allen am besten gefallen hat. 17. D- Jakob Menncl hat ein deutsches Gedicht vom Schachspiel 15,07 drucken lassen, welches sich meistcntheilS bei den Anweisungen zum Schachspiel findet, die Christian Egcnolff zu Frankfurt in der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts öfters hat drucken lassen. (263. Yuocll. 4 ) — Ich habe auS diesen Anweisungen gesehen, daß unsre jchige Art, Schach zu spielen, gar nicht die alte, sondern eine neuere ist, die damals Currcnt, oder das welsche Schachspiel genannt wurde. -- AuS den gemeinen Regeln merke ich mir daraus folgende: Will» das Splcl behalten, So zieh den ersten von dem Alten, (d, i- den Läufer.) Und ^ole lieginam I)el>c8 jiroilucei'L nrimam. (Welches aber jenem widerspricht; indeß sind beide Auszüge gut.) ' Und Hut gegen Hut Thut selten gut. I/uc-a««« iu ^imcH, ucl a l!«!cii> öl^-tmuient !v jeu 378 Kolleklanccn zur Literatur. lies ecliees, sagt Du Fresnc i» seinen Anmerkungen über den Joinville, S- 59. Von neuern Schriftstellern über dieß Spiel, welche Hydc nicht haben konnte, s. die Vorrede der ^»»I^le cles l^eliees. par /^/ii/-c/o^; I.e!vs. 1764. 8. Dahin gehören: 1. Don Picdro Carrera, der im I. 16l7 ein großes Buch darüber herausgab. Aus ihm scheint Philidor alles Historische zu haben, welches sehr seicht und unrichtig ist. Z. E. Wenn er von den Regeln des Palamcdes spricht, welcher das Spiel/ nach dem Carrera, soll erfunden haben, als ob wirklich noch ein Buch von ihm vorhanden wäre. 2. /.e cn/aS?'Ion vut nrincinal est cie mo renlirv leeowmauilalile nar uno »ou- veaule, 6ont »ersönne ne l'ekt avise, ou peut-elie n'eu a elu cansvle; c'est cello elo l>!en joucr les I>ions; ils l'ont I'ame lies eeliee?." Schauspieler und Schauspielkunst. ES muß nicht wahr sei)», daß die Schauspieler der Alten beständig unter der Larve gespielt haben. Denn wie könnte Sencka (!<',,!lt. XI.) sonst sagen: ^ililices leeniei. cjui iniilanlui' olseelus, «^ni molum et >>e>>!>Iu- tivneni vxpiimunt, <^n! tiil'liliani le^i.iesenluiil, Iioe inilieiu !nu- lanlui' vereeunijiam: lleiiciunt vnlliim, veih.i sulunillunl, l!>;u»l in terram oculos et clevrimunt, lulio^em lil»! exp>ii»e>e »»» pol'- 1'uoi; nee vroliiuelur Iiie, nee .iil^Iueilur. — Man dürfte zwar vielleicht sagen, daß ai-Iillees I'eemei hier die Pantonnmcn wärcui aber wie paßt sich das veilia suliuullunl auf die Pantomimen? Schifsbau. UmS Jahr t0St that ein Engländer William Pettv einen Vorschlag zu einem Schiffe, von einer ganz neuen Bauart, und ließ auch wirklich ein Modell davon bauen, mit welchem im gedachten Jahre auf der Themse Versuche angestellt wurden. Die Beschreibung davon finde ich in 'I'Iie Vou,,^ Liluiienl's l.!»»,^, Ii^ Ilie ^tlieni-m Loeiel^, p. 2l)8. — Das Wesentlichste von der Struk- Kollcktanccn zur Lilcralur. 37!» t»r war/ daß eö aus zwei kleinen Schiffen bestand/ welche dnrch eine Platform mit einander verbunden waren, so, daß zwischen beiden Schiffen das Wasser einen freien Durchlauf hatte. Die Vortheile, welche Petto davon versprach, waren: 1) eine weit größere Geschwindigkeit/ da cS zwei oder dreimal so viel Segel führen könne/ als ein andres Schif, und dabei keinen Ballast brauche; 2) daß cS nicht so leicht umschlagen, und gar nicht sinken könne; jcneS/ weil das Wasser unten dazwischen durchströme; und dieses aus dem nämlichen Mangel des Ballastes; u. s. f. Wegen des doppelten Kiels wollte man diesem Schiffe den Namen ic>1'u laelis ul'u, 380 Kollckianecn zur Literatur. ae poilkllmum, II nulrix cal!^ae/ Kos/»«, inllgllis stlrovomus. Ich weiß nicht/ was ich aus dieser Nachricht machen soll. Es ist wahr, csslis und xsle-, wird bei den Alten unterschieden; und zwar, wie Jsidvrus (XVIII, 14.) will: caA?« rohrS bediente, in /.m^. Se/ioi»-« LviÜI. kleelicivol. en. 75. 7l>. — Von Leuten die im Finstern gesehen, s. Ilu^/.oknus 6e I^uco Kollektaneen zur Literatur. 381 ^mmalium, 1^. I. e. 14. — Von einem, auf den die Erblickung gewisser Dinge sonderbare Wirkung gehabt: cui, v!lo anlimonw, tta- tim.Isxatus slvus kuerst. V. theilt. A. Ilitt. ^»alom. 6. — Auch hat es fanatische Seher gegeben; z. E> Lepp, der Narr des Tycho dc Brahc. S. e^a^e«-/- cle vila T'z/c/i<>?!<«, 1^. VI. — Joseph BurruS; s. /?n^/io/»l. c!e I.uce ^vimal. I.. III. e. 8. — Und von den isländischen Sehern überhaupt, ^ola Ilslniens. Vol. II. Manche haben sich den Mangel des Gesichts durch andre Sinne zu ersetzen gewußt, wie Job. Vcrmaascn/ der die Farben durchS Gefühl unterscheiden konnte. S- I5xperiment8 anä Lont. toucliing (üolours, /ioi. Ao>//e, p. 42. — ^ekö/ii/. in Il^potli. nova vl>^. lica, n. 31. — Ein andrer Blinde konnte in der Karte spielen. V. I),A^»e»« cle Matura iüornorum, c. 28. n. 7. Eine Nachricht von dem gelehrten blinden Madchen, Esther Elisabeth von Waldkirch/ und der Art und Weise, wie sie ihr Vater schreiben lehrte/ s. im des 8avans, 0.1680. ». 115. Seiltänzer. Vom Ursprünge der Seiltänzer s. den Abbc DcScampS in seiner Dill, kur uns kledaille xrec^ue ll^nlooia lüllralüills, cini res>relenlo er» revers cles 8i>ee>aeles ^ ^eux pu- blies kort liarliculier.-. Vergl. ^o«?». t/es Snv. s. 1677, p. 30!). Von ansserordcntlichen Seiltänzern, besonders von zwei Türken, s. e-iT-c/an. ilo Sublilitale, XVI, i>. 637, l)pp. — Sie stiegen an sehr steile Seile hinauf, und auch wieder herab. Man merkte/ daß sie sich mit dem großen Zehen an dem Seile fest hielten. Die Bande von Seiltänzern, Bereutem/ und starken Männern/ welche Nicephorus GrcgoraS 1^. VIII, e. 1V, beschreibt, war aus Acgyptcn, und zog in der ganzen Welt herum. ES waren vierzig Personen, wie sie auszogen, und schon in Konstantinopel keine zwanzig mehr. Die übrigen waren alle bei ihren Kunststücken verunglückt. Auch machten sie eben nichts außerordentliches, und ich habe wohl noch geschicktere Leute, besonders Bereuter, in dieser Art gesehen. Sie gicngcn von Konstantiuopcl durch ganz Europa/ und kamen bis an das äußerste Ende von Spanien. Selbstmord. „Iloe cruoselam cgit »6 morlem, eiuod, pro- polila I'iiepo mulitticlo, in «allem revolvebanlur, et »no ivlinciue. rent novitali loeum. l?al'l!il!o illi» eile cocm't vitg, et ijile mun- «lus; et luliüt, illuä lamäsium lleliciarum: ^»on^^i-c ea-/em?" S^^v^c^, de ?raaciuill. e. 2. Kollcttanccn zur Literatur. Warum mag Carda iilis den Trieb, sich selbst umzubringen nmn,e»t /iei„!>«>» nennen? — I^ili. >in^>r. c. VI. ,.I^i>l>». invi iiiloilliim eliam amore Iiervieo, ut mo ijil'ui» >,uculuio on- Ailarem; verum talia eliam aIÜ5 neeilleie lnl'j>il!or, li^et Iii i» liliros nc»r> reforonl.^ Die Melancholie, olra Iiilis, heißt a^e^-o weil sie der größten Leute, und der Helden aller Art, gewöhnliches Antheil sey. S- I»o?/«e llognom. 1^. l. o. 8. Servius. Manchmal bringt dieser berühmte Ausleger Vir- gil's sehr unzcitigc Gelehrsamkeit an; z, E. ^je». Iv. Vl. ?. 8. Was ist natürlicher, als daß die Schiffer, wenn sie anlanden, zuerst nach süßem Wasser gehen? — >>.->, s mvent-, llumina iuoi>5t>.->>. Zlbcr daS ist dem ServiuS zu geringe. Nach ihm, weisen sie die entdeckten Flüsse nicht nach, damit ihre Gefährten daraus trinken und kecken können, sondern damit sich AcncaS darin reinigen möge. Indeß lehrt unS Servius, bei seiner so weit her gesuchten Gelehrsamkeit, doch etwas sehr schönes, nämlich, daß sich bei den Alten die vermeinte Verunreinigung bis auf die Gedanken erstreckte. Nicht nur, wer einen Leichnam berührte, ihn nur sah, war unrein; sondern auch der, welcher nur bloß mit irgend einer Bewegung daran dachte: ejui suim» oßnol'ocligt. St- Severo. Unter den vielen Erflnduna.cn, welche dieser, (vielleicht) noch lebende, neapolitanische Graf für die setnigcn aus- giebt, und wovon man im lehtcn Monate desI'',»'.^I»>»'>Ii<,u I>.'1<>4, spricht von diesem Geheimnisse, und hat sogar die ganze Prozedur bekannt gemacht. Siegelerdcn. Oder gesiegelte Erden; «errae lixill-Uae. — „Wenn der BoluS geschlemmt, in cylindrischc Kuchen gebracht, und gesiegelt wird, so nennt man sie hernach gesiegelte Erden." (Vogel'S Mineralogie, S-At.) — Bolus aber hcissen alle feinere Tbon^ arten, sie mögen eine Farbe haben, welche sie wollen, nur müssen sie im Feuer sich rötblich brennen. Dieses ist das eigentliche Kennzeichen des BoluS; nicht aber sei» mcdicinischcr Gebrauch, welcher, wie Vogel sagt, sehr willkührlich ist, und nur bloß in der Einbildung bc- Kollektanccn zur Literatur. 383 sieht! noch weniger sein fettiges Gefühl/ welches auch der Porzellan^ thon und die Walkcrde hat. Unter den Siegclcrden ist die l'o^ri, I^emnia die berühmteste, welche auf der Insel LcmnoS, jetzt Stalimenc, und zwar, wie Brcuning (Oricntal. Ncise, S 4o.) sagt, nur einmal des Jahrs, iiämlich den Vtcn August, mit großen Feierlichkeiten, „nicht weit von „den Ruinen der alten Stadt Ephestiä, bei einer Kapelle, Sotira „genannt, gegraben wird, welcher Ort oder Grube sonst das ganze „Jahr uncröffnet bleibt. Es ist auch den Einwohnern bei Leib- und „Lcbensstrafe verboten, dieselbe außerhalb der Insel zu distrahiren; sie „wird nachmals mit des Türken Siegel bezeichnet, und nach Konstan- „rinopcl gebracht." — Sonsi rühmt Brcuning ihren Gebrauch sehr wider Vergiftungen. Bei Boissard (cl<- Divmal. >>. l98.) finde ich, daß in den al- lcraltcsicn Zeiten daS Zeichen, welches auf die "I'eri'a I^emma gedruckt worden, ein Bock oder eine Ziege gewesen sey, zum Andenken dcS Bocks und der Ziege, welche die Weiber zu Lcmnos der VcnuS geopfert hätten, um vom bocksartigcn Gerüche befreit zu werden, mit welchem sie die Göttin bestraft hatte. Ja, die Siegelcrdc selbst sey in den folgenden Zeiten von den Priestern mit Blute von geopferten Bocken und Ziegen besprengt und vermischt worden. .,II!ca.uo mos perclui-avit mullis l'eeulis, ul leluZ est //»»le-'ii», //eioc/c)/«.«? et D/o/co,-«/?«. leni^i»!«: taineii ^ui vixil sloruillmo 5ul> lempoie T'irl- /<,«,'. ttt/uüi«!, ^/«»'ct et t't)tti«ictt/i, li^illui» Iioe eaprae jam llelioiat iwi»imi." Homer gedenkt der Insel Leinn öS oft genug; aber der lemnischen Siegelcrdc wüßte ich nicht, wo? Auch Hcrodo- tus gedenkt zwar am Schlüsse des sechsten BuchS der lemnischen Weiber, die ihre Männer, und auch einmal in folgenden Zeiten, der KcbSweibcr, die ihre Männer mit den von ihnen gezeugten Söhnen umgebracht hätten; aber kein Wort von der lemnischen Erde. Diosko- ridcs muß also der eigentliche Währmann des Boissard scvn. Wie die Erde jetzt, unter der Regierung der Türken, gegraben werdc, beschreibt Boissard eben daselbst, fast eben so, wie Brcuning. Hcphestiä, sagt er, hcissc jetzt Cochino. Aus des 2'ei,t /5e/»nii t)l,l7. o. 22, hat er auch verschiedene runde Kuchen solcher Erde mit ihren Siegeln, welches arabische Charaktere sind, in Kupfer stechen lassen. Sophokles. Worin ist die --»^«Xl« zu setzen, die man nach dem Plutarch, am Sophokles tadeln könnte? so, wie am Euri- 384 Kollektanccn zur Literatur. pidcS die ^«x-a. eie ^uäit. >>. 4.?, «ilit. ^/n,«/- .) — Betrift diese maeczualilas, wie es XPlander giebt, den Ausdruck, , oder den Charakter? Soldatische Steine. So müßte man, nach der Meinung des Chiflctius, eine Art von geschnittenen Steinen nennen, auf welchen besondere Figuren vorkommen, die aus Köpfen verschiedener Thiere, öfters nach der Gestalt eines Hahns geordnet, und auf die Füße eines HahnS gestellt, bestehen. Weil unter diesen verschiedenen Köpfen sich meistenthcilS auch ein alter Mannskopf befindet, welcher dem Kopfe des SokrateS etwas ahnlich steht, so hat Chiflet (in s. Kac^a/o«, k. 6e (»ommis ejus ima^ino eavlali» ^iiliieium,) die ganze Figur auf ihn gedeutet, und die übrigen Thierköpfe von seinen Anklägern verstanden, oder als svmbolische Vorstellungen seiner Tugenden erklärt. Leon. Agostini, welcher unter seinen Gemmen auch zwei dergleichen hat, ha'lt sie für Amulclc. (!'. I. o. 203. 204. p. 78. ellit. t>, o»ov.) De la Chaussee ((Zemme ant. ligui-. n. 17t>. 478. 482.483.) macht theils phystkomoralischc, theils historische Auslegungen darüber. Und diesem ist Schott gewissermaßen gefolgt, welcher einen solchen Stein in dem königl. Kabinett zu Berlin in einer besondern Schrift ausgelegt, und eine politische Sittcnlchre darin gefunden hat. S- die Haupttugenden eines löblichen Landesherr» in einem alten Steine des kbniql. Mcdaillenkabiucts zu Berlin; zuerst angemerkt und erklärt von Ioh. Carl Schott. Bcrl. 4717.4. — Dieser berlinische Stein kommt mit dem beim de la Chaussee, Nr. 176, vollkommen übcrein; nur daß auf jenem der Pferdckopf einen Kranz im Maule hält, und hinter ihm, über dem Widdcrkopfc ein KaduccuS steckt. Spiele. Vom Ta rockspiel findet sich eine Stelle in Zeltlers Sendschreiben XX: „Bernh ardinuS di Cortc, der 149<.« das „Castcll zu Mailand den Franzosen verräthrischcr Weise übergeben, „war hernach von denselben aufs äußerste gehaßt; also, daß sie auch „im Spiele eie i larncolii, wenn sie des VcrräthcrS Karte geben „wollten, sagten: ilc» Uernaniino is in l'mxers; d. i. dcS Deutschen Verstand ist in seinen Fingern. — Ich merke dieses Sprichwort als ein Zeugniß sür die mechanischen Talente der Deutschen an. 44l. Liebe deinen Nächsten; aber rcissc den Zaun nicht nieder. 178. Denke auf faule Tage, und arbeite darauf loS- 22g. Rechne genau; auch der Februar hat ein und dreißig Tage. 252. Freie um die Wittwe, weil sie noch trauert. ve,'«i«!jö Werke xi, 25 38k Kollektanecn zur Literatur. 287. Ein Narr denkt, daß andre nichts denken. 348. Wer sein Huhn allein isst, muß sein Pferd allein satteln. 356. Wer Einen züchtigt, züchtigt hundert. 373. Könnte er laufen, wie er trinkt, er ficnge einen Hasen. 389. Dem Hunde, der Asche leckt, vertraue kein Mehl. 437. Der Hund nagt an dem Knochen, weil er ihn nicht verschlingen kann. 461. Der größte Schritt ist der Schritt aus der Thür. 47«. Der Mantel ist deß, den er deckt; die Welt deß, der sie genießt. 499. Ueber einen Nagel gicng das Hufeisen; über das Hufeisen daS Pferd; über das Pferd der Reuter verloren. 303. Ein Pfenning erspart, ist zweimal verdient. S2l. Eine Blume macht keinen Kranz. 323. Auch Ein Feind ist zu viel. 336. Der Blinde schluckt manche Fliege mit hinunter. 587. Donnerstag kommt, und die Woche ist vorbei. 629. Die Wage sagt: da» ist schwer; und, das ist leicht; aber nicht: das ist Gold, und das ist Silber. 708. Des Tapfern Blick ist mehr als dcS Feigen Schwert. 718. Drei leben friedlich, wenn zwei nicht heim sind. 719. Alle Schlüssel hängen nicht an Einem Gürtel. 923. DcS Apothekers Mörser verdirbt dcS KunsipfeifcrS Musik. 928. Jahre wissen mehr als Bücher. 949. Jede Meile ist im Winter zwei. 976. Ein Morgenrcgen hintertreibe keine Reise. 977. Ein schöner Wintertag macht keine lustige Vögel. 981. DeS Schlafenden Kopf ist in seinem Magen. 1006. Wer in Hoffnung lebt, tanzt ohne Musik. 1016. Der Herr nicht zu Hanse, Niemand zu Hause. 1031. Weiber verschweigen, was sie nicht wissen. 1032. Wer dem Kinde die Nase wischt, küßt der Mutter den Backen. Steigbiegel. Daß die Alten keine gehabt haben müssen, weil sich deren keine auf alten Denkmälern finden, hatte Matthäus schon angemerkt: (ile ivr. ivvenl. p. 38.) Liane«, Ii. o. inslruinentum illuil, in ljuo ulei^ue nes inl'iu'eot!» cezuo ulnv^ue ezuiel'eit, Inventur» e5t, novuw. I^.'im ut i» msrmoieis li^ni» liouiae er alini villeie ÜLet, n»n Iiulieiiiwi »»liczui ill inslrumentum. Kollcktanccn zur Literatur. 387 Johann Stoffler-. Die TodcSart desselben/ deren SethuS CalvisiuS in s. Opeie (üircmologico, p. 832, gedenkt, daß nämlich ein Fall Anlaß dazu gegeben habe, den er selbst vorhergeschen, ist so ausgemacht nicht, indem CrustuS (^rmsl. Suevias, I>. III. I,. XI. e. 5>.) sagt, daß er zu Blawbeycrn an der Pest gestorben sey. Bavlc bemerkt diese Verschiedenheit bereits, zieht aber für die letztere Meinung bloß den Adami an, und erklärt sich eigentlich für keine, da doch unstreitig CrusiuS, der gleichfalls Professor zu Tübingen war, den meisten Glauben verdient. T. Taback. Nicht Toback, wie cs einige auSsvrcchen. Den Namen haben die Spanier diesem Kraute von einer Insel gegeben, auf der eS häufig wächst, ,,l acullaliiiu» iiisi^nilius celevei riiiia el't lieibs, sagen die Medici von Lyon, (I^ili, XVIIl. c. 138.) qu-»m I'e/,.m all luclis voesii relert ?V«el<>/,ts; I^ieolaus !>Iongrc!u8 /^«ciett,- <^vieclus iu Ilis^auivla intula /'e/eit-ce,i»tc. Ililjisui Vaiaco »o- miuariinl, al» iiiluls rjuaclam ejus nttiiiinis, ia czus sienuentislima ie^,eii>ur. tZuIli, lzu»>! ^on»««,» ^i'co/t'«s, regiu8 alic^uanilu iu I.uli!»»!» nialor, eju8 seinen niiinus acl ieAiuaw, ieg>8 Ilse niuliem, ilelulerit, iliiu8s>ue sneullates lloeueiit, ^>icottlrnain, et //>'»6tt„l /ie^/ttne n»nc!u>>!>iunt." Dieser 7Vt^«< hat einen li^inr vu Dielinnnaiie ite I» I^n^ue siaix'nil'e geschrieben, in welchem er unter dem Worte ^V/co/» geschehen sey, daß er dieses Kraut aus Portugal nach Frankreich geschickt habe. Was mir hierbei am merkwürdigsten vorkommt, ist dieses, daß man dieß Kraut damals am wenigsten zum Rauchen und Schnupfen, sondern für weibliche körperliche Uebel, und besonders wider die Lust- scuchc, gebraucht hat. Nicot, an dem angeführten Orte, sagt selbst, cS sey 6e vertu ittiiiinalile pour ^u«!,ir luule« navime«. ul.ive§, u!c,',es, elmneres, llartre«, aulies lels a>!ei«Iens au eoius liu- m-iin. Auch geht das Epigramm des BuchananuS dahin, wider die Kontgin Katharina von Medici, die cS nach ihrem Namen //c>-'6»m Met/ic-lr,» wollte genannt wissen. Er nennt cS darin l'-ilu- tileiam euoetis lanFuorivus iwivam; und sagt, daß ihm der Name Mcdicca allein alle gute Kräfte würde genommen, und es in Gift verwandelt haben, da diese Katharina «»5«^« luesn»« l'uniun, sey. 25° 388 XoUcktanecn zur Lircralur. Der jetzige mediciuische Gebrauch des Tabacks ist/ glaub' ich/ nicht groß. Von Tabacksklvsticrcn habe ich gehört, auch weiß ich/ daß Krüger ihn wider die Kratze vorgeschlagen hat. Doch, daraus selbst schon sollte man schließen, daß es wider die venerischen Krankheiten auch dienlich scvn konnte. Tapferkeit. „Einen greif an; zwei erwarte, dreien suche ans- „zuweichcn; vor vieren schäme dich nicht zu fliehen!" ist ein Spruch des Frothv/ Königs von DSnncmark/ beim Sar»/ B. V. Tempelherren. Niemand hat besser gezeigt, wie gesetzwidrig und ungerecht man bei dcr Aufhebung dieses OrdcnS verfahren habe, als Chr. Thomas iuS in s. Dils. «je lem^Ianiuruin Le^uilum 0>. cknt! luulslu; II->I. 1705. 4. Wenig oder gar keine neuere Schriftsteller haben so scharfsinnig und frei darüber gcurthcilt. W ichmanShauscn, in s. I)il7. 6o Ilxlioelinnk- Opel. ^empl. von 1687, war viel kurzsichtiger und zurückhaltender. Doch hat er sonst ctwaS sehr merkwürdiges. Er vergleicht am Ende die Tempelherren mit den Jesuiten, und schließt: voro naiis eliam .lel'uilas saia cum lemnlaiiis msnsuis lint, lenipus inaniscslsliit. theile ^iemelis tlivina taotlem, lsun» ^raeleiiill'o viilelur, inveniel. — ES ist nun geschehen, waS er prophczcihte; und nur unsern bessern Zeiten haben wir cS ohne Zweifel zu danken, daß eine eben so ungerechte Sache wenigstens mit weniger Grausamkeit ist ausgeführt worden. Theater. Matthäus (ilo ,, ii ,I ^c/in,ne-i/<'«.- und von dem Gesetze selbst den Petit, in t^unnnvni!,,'. l^eges ^ttics?. Theodor,is. Ein tragischer Schauspieler zu den Zeiten des Aristoteles. Dieser gedenkt setner in dem siebenten Buche der Po- Kollcktanccn zur Literatur. 3L!) litik/ Kap 17/ wo er von der Gewalt der ersten Eindrücke redet. Auf diese, sagt er, sah ohne Zweifel TheodoruS, wenn-er nicht zulassen wollte, daß ein andrer Schauspieler, wenn es auch einer von den allergeringsten gewesen wäre, vor ihm auf die Bühne treten durfte, ^? <«,!?kl05),ii»>lli' -r»», Ak«ii>)»' »«zurollt axo«,?, weil die Zuschauer, was sie zuerst hörten, auch sich zuerst geläufig machten, so, daß sie daS Nachfolgende, wenn cS auch besser wäre, bloß dadurch, daß cS anders sey, befremde. — Ohne Zweifel war TheodoruS ein Protagonist, daS ist, einer, der die ersten Rollen spielte; und, wenn die erste Rolle das Stück nicht anfieng, so machte er ohne Zweifel unter der MaSke auch die Nebenrolle, die cS anficng, um den Zuschauer sofort an seine Srimme und an seine Deklamation zu gewöhnen. In dem Verzeichnisse der berühmten Männer dieses Namens, die Diogenes LaertiuS (I.. II. §. 103.104 ) anführt, finden sich zwei, wovon einer dieser TheodoruS ohne Zweifel gewesen ist; der vierte Nämlich, o-u rc> Hiui cii^cxov ziktzk'«,, ,Zi,,?X,lo,' irwzixaXo,-, cuju5 ltirlur liliellus ci'i>ulc!ie>'; oder der zwanzigste, 50^15? i^a^öla,', JcncS Werk würde sich zu seinem Eigensinne, auch den Vortheil des ersten Eindrucks bei der Deklamation mitzunehmen, sehr wohl schicken. Doch kann er eben so wohl der letzte gewesen seyn; wenn nicht etwa beide eine und eben dieselbe Person seyn sollten. Denn wenigstens nennt Aclian (IM. v-»-. I.. XIV. c. 40.) den TheodoruS, welchen Alexander PhcräuS die Acropc so rührend spielen sah, daß er sich der Thränen nicht enthalten konnte, und daher auS dem Theater zu gehen für gut befand, gleichfalls ^c-z'^öi«? ^o^v. Und da Alexander PhcräuS ein Zcitverwandtcr des Aristoteles war, so ist cS höchst wahrscheinlich, daß dieser Theodor eben der ist, dessen Aristoteles gedenkt- — Menage, in seinen Anmerkungen zum Diogenes LaertiuS, führt ans dem HcsychiuS eine Stelle an, in welcher eines komischen Schauspielers oder komischen Dichters gedacht wird, der den Zunamen n-?.^c>/Z«^, geführt habe. (WaS daS heissen soll, verstehe ich nicht, und müßte die Stelle in der neuen Ausgabe des HesychiuS nachsehen.) — Seines Grabmals gedenkt Pansän ias, (I.. I. e. 37.) und sagt dabei, daß er für den besten tragischen Schauspieler seiner Zeit sey gehalten worden. — Don seiner Frau s, Plutarch, (I.. IX. L^mpol. yuaett. 1.) Auch gedenkt derselbe seiner in dem Buche vom Etgenlobc, daß er zu dem komischen Schauspieler SatyruS gesagt habe, es sey nicht zn bewundern, wenn man die Zuschauer zum Lachen, wohl aber wenn man sie zu Thränen und zum Weinen bewege. 3M .kollcrianec» zur Lilcralur. Tragische Subjekte, t. „In ia meri>li»l>gli i'neolinilur iluo tumuli, inxentibuü saxi«, cinuoruin loco, imvalila I>slienles «iunrum /i«/,„m eni voia. <^»i- bus »v üulviee in urim» »«ioletcenlia nraeiüvium suei-it, snie. ut muluis vulnerilius eoociilei-ent. 1'atuin llrclinatuii veregiinutinnrm s avl'.enli, 5uu pinu nrcixima ^uieverunt. IVIox rixsnlilius eoiuin canivus, ivli ljuo^ue a6 juigiu uiiinuin, iniie i>ii vulnei^a inulua nromne- runt, iioimüiii^uo tiulicules vt srulro? l'e o^nolcenle«, in mutuis sin^Iexillus exuiiai'unl. ^ t>/»>-5 . „kliles kzuidam, cun> vecil» Inalia «ivlialieret, sr.ilieni nuclul» cornoie gAnavit, lieleslslus vella eivilia, sewel i^isnni illi nei» iweos siutei no ovruui i ixijnnxil." ^IuAit/?in. «je t^ivil. I)ei, 1^. II. e. '2,?. Iloe enoligit, eurn ^inna et Aluiius insesla ligns an! urliviu 6ueerent. a^uivus oceurrit <ü. I^nmoejus, nlsßoi paiei'. /.i, i»^ 1^, ^'a/e,'. Maa:. 1^. V. (lieit, niililem I'vnivejanuin l»:i:i>lilVe siiilreui, c^ui erst, in exereitu Lortniii. /.ivt'»« »ro tierlnri» l^iunani wallet, j'ieii ulruwljue uolel'i; »am exeiciluz »mnes seie vraut Linuse. V. tÄHuei (^ornwent. aä I. e. 3. Tragische Subjekte, die ich zum Theil entworfen/ zum Theil schon auszuarbeiten angefangen habe, sind: Faust/ KlconniS, Alcibia- deS/ Nero. 4. Mathtldis, eine Schwester Edgar's, Königs von Schottland, hatte sich dem Klosterleben gnvidmet. Heinrich l, verlangt sie zur Gemahlin. Sie weigert sich. Endlich wird sie von ihrem Bruder dazu gezwungen. Als sie sah, daß sie ihr Gelübde der Keuschheit brechen mußte, verwünschte sie alle ihre zu zeugenden Kinder. Und die Ge- schichte sagt, daß dieser Wunsch eingetroffen sey. '1'I»eali-. Vilse, p. 188. 6- Die Dcmostratcn, beim Plutarch, waren ein tragischer Stof, wie die Horazter. Sie stritten wider den KritolauS und seine zwei Kcllcktaucc» zur Literatur. 39 t Brüder, u»i den Krieg beizulegen/ welcher lauge Zeit zwischen ihren Landeslcutcn, den Phenäcrn und Tegäern gedauert hatte. e. Wenn man das tragische Ende Karl« I. Königs von England unter fremdem Namen auf die Bühne bringen wollte/ so könnte man am besten die ähnliche Geschichte eines Königs von Siam dazu nehme»/ welcher zu eben der Zeit von seinen Unterthanen der königlichen Würde entseht/ und hingerichtet wurde. S. Ilil'toire iiioclei-rie, '1'. III. p. 78; oder deS de l'Jsle kela». Litt. «Ze Liam. 7. Dahomira, Gemahlin des Königs WratiSlauS von Böhme»/ würde eine gute tragische Heldin seyn. Ihr Haß gegen das Christenthum, und gegen ihre» ältesten Sohn, weil er zu gut Christ war; die Ermordung dieses Sohnes von seinem Bruder Boleslaw/ die auf ihr Anstiften geschah; die Tradition/ daß sie in Prag lebendig von der Erde scv verschlungen worden, sind lauter Umstände/ die Quellen deS Schreckens und deS Mitleids werden könnten. Sie lebte um 910. 8. Evvonina, des SabtnuS Gemahlin, unter dem Kaiser Ve- svasian, lebte mit ihrem Manne lange Zeit in einer Höhle. Beide aber wurden von dem Kaiser doch zuletzt umgebracht. S. ^/»t. in Lroticis, der sie Empone nennt. 5k'«cit. IM. I.. IV. 9. Cinnadon, ein junger Spartaner, und dessen Verschwörung gegen die Ephorc», aus bloßem Ehrgeize, keinen über sich zu wissen. ^,//t»t. I'vlir. V. c. 7. .Veno^. Hellen. III. Troja. Man bild.t sich gewöhnlich ein, daß die Griechen, nachdem sie Troja zerstört hatten, sämtlich wieder hcimgerciset wären, ein Jeder nach seinem Lande. Ovid hingegen nimmt sehr wahrscheinlich an/ daß eine griechische Kolonie da geblieben se»/ wenn er die Pcne- lope an den Ulyß schreiben läßt: (Heinici. Hn. I. v. Dimlu lu»r ulii», »in uiilu I^ei^aniü leltüiit; /«t.c>ta cojitivo «^uue Iiuvv viel»?' aiul. V. Venedig. Die jährliche Vermählung des dortigen Dogen mit dem Meere ist bekannt. ZIpostolius (I'ioveiliior. t!e»>. I. 54 ) erzählt/ daß die Vcitttiaiicr sollst auch eine ähnliche Verbindung mit den 392 Kollctlaiiecn zur Literatur. Dohlen eingegangen, damit sie ihren Saaten nicht schaden sollten. Ob man in Venedig noch diese Gewohnheit hat? oder warum sie abgekommen ist? venusseuche. Ich kann beweisen, daß die VcnuSscuchc eher in Spanien grassirt hat, als man gemeiniglich annimmt! nämlich weit eher, als ColumbuS zum erstenmal aus Amerika zurückkam; und dieses zwar aus einem Briefe des Petrus Martyr. Sonst, denke ich, pflegen die Arzncigelchrtcn auch anzunehmen, daß die Gonorrhöe, welche den Alten bekannt gewesen, nicht so bösartig, und daher mit der venerischen Gonorrhöe gar nicht zu vergleichen müsse gewesen seyn. Indeß finde ich beim FirmiknS (I.. Vl. ülaliieleos. t. . II. eiucS dadurch verursachten Todes erwähnt. Eine Folge des uiivcncrischen Saamcnflusscs möchte aber der Tod wohl nicht seyn können. Wäre nicht auch die Krankheit des Kaisers Justinian in Betracht zu ziehen, welche ProkopiuS (^necil. p. 1K, eilit. .VIem.) eine sehr schwere Krankheit nennt? Denn wie Metaphrastes in vita 8. 8an>- ploois ?strinii komani, a «zuu gilliuc: vivo miiisice ^ullii>isnu8 t->- vstus elt, sagt, so war diese Krankheit an den Schamgliedcrn, und bestand aus Geschwüren in der Blase: -^Sot-ov »0,-7^-0? -x->»" rvv, xai. rize xv?-to? --«--wK-to-Tj?, n,ilZenist. .^/e»in?i«i, n. 8. Auch wäre zu untersuchen, worin eigentlich die ->rl't>8 inguinüril» bestanden habe, die unter Pclagius dem zweiten Bischöfe zu Rom umS I. 580 herrschte? PelagiuS starb selbst daran. V. 0^c» u«. u. 2.°) vcttori. Seine I1^/c»/a/to <.7^/i/oAra/-/i/ca, s. l?emm!>e Duae Velustislimae, emlilemaliliun et Ai-.ieci arliliei» linmino in- liznilae, csiise exlaut liomae in Uulec» Vieloriu. exvlicalae et il- lusiiüwe, ist zu Rom 1739 in 4. gedruckt, und enthält 32 Kapitel: °) Ueber die Geschichte und Entstehung der Lusiscuchc in Europa war L. schon längst Willens eine besondre Untersuchung anzustellen; er gab aber diese» Lorsatz auf, als er erfuhr, das; Hr. Dr. Hcnslcr gleichfalls damit umgieng, und, wenn ich nicht sehr irre, theilte er diesem seinem würdigen Freunde seine bisher angestellten Untersuchungen mit. Eschonburg. Fül- lcborn fand unter Lcssings Papieren eine» Plan zu einem Aufsätze über die Entstehung der venerischen .Krankheit, der aber nur kurze Anmerkungen und Eitate enthielt. Lcssings Leben ui, S. IX. Kollcktaiiceii jur Literatur. 1. />e /»no/?lin<I,>i»!>ü cjuolnie, oeleiis ex^ellenlioi' gl^iio cluiislimus, oceunit qu!iiii>o8 L>ru5>:i, finden, nennt Gori II. p. t0. ciall. 1.) einen sechsten, anüj;Ivi>!u:i uneris Oliülcellonio exeil'i. czuncl in I^Iukec» <^an- >>aoi«i liamuc: silsoiv.iluiv Ei» siebenter ist der, dessen Ioh. Fall er in den (^nmnienlaiiis ait lmiiAiiicg Viioruin Illultrium, p. l>7, gedenkt, worauf ein Kupido, der einen Schmetterling an einen Baum spießt, befindlich ist. Aber Fabcr nahm den Namen Aulus für den Vornamen des Brutus. — Der achte endlich ist der, den Vcttori hier beschreibt. 4. /1»i«itr»i. Die Farben dieses Achats sind sehr matt: alll'unilo enim iAne caiigveie, l^uooum in anliljnn saiLonI,!,^» ro^eiiii oontiAit i>. 1735, aonulus ^»o^ue cum nre- 394 Kollektanceii zur Litcr.ilur. /us ae: eo?i/»e/ut/» eoniiili'eilk/t ^emmn« ene»tc/iVi»' ne i//»/<>n/tt?-. Es wird dieser Gebrauch vornehmlich aus einer Stelle des Proper; (k, IV. KI. 7.) erwiesen, wo von der verstorbenen Cyntbia gesagt wird: kolitam cligito IZei^IIon :>cleliei»t izoi!-. 7. coitl/t/io «?l/i^u»e ^ernmae ^«i^e^o?'/«. <^»i'e, k^eneii /»i s«/t's. Er glaubt mit dem Buonaroti: ul»l>l>nt, nol.im kui't.il^c! lin- Aulsrem, inaure8, alioüizue mulieliees oi-nstu?, Iiihueie. Er glaubt daher sogar, daß beim dü Cangc und Banduri, wo dergleichen Obrgehcnke an sterblichen Weibern zu sehen sind, sie ein Zusatz des AbzeichncrS wären. Aber das ganze Vorgeben ist, wie ich glaube, falsch, welches auch Winkelmann irgendwo schon erinnert hat. 3. He moni/t, k^ene?'! ctien eo//um n/i^i«/>> /imie/iu»/tii». 11. ^tn^i/Zae, ^7l»e inn?»e«, a^mi/Zn«, innn«/t'r«, «/in-^i/e «»'- »innien/a m«//ei? tli ^ei^n^n»/, <^iio» i/,»'.. Sie hießen n mi»!t/o mit/iei»i, tt ?«»«,'/«, n/> «, mitti«, u. s. f. Sie sind unterschieden von den »inuliiviliu!, und .->»- cillis all oi'nameoiis. 12. /^'ctt/ent oi"ita»te»/a ^ite»t> iniaAtilt/»« » « »«/»^a/»,' et >/?l«7'e? 13. /le/ei'tit/u»' «in« iit/»'e«m ^?u/et ^ieto,<»i, l» ^it» /iei' //leetat»»" «i A/i//»«, et e/u« »??iw»ie?it» »«/«.»ittit,'. 14. ^4/i»i/ lia» lii/k'citiil c»t/!l!^«t e/,l>;e/t, in/^'« /uc/i.? ^i?te?'t/!^»« ne/ei'unl, /^/tt/»/»/i/itSz /?e^t- ^n«, /,»^e>a/o7^u« c^. Ott« ^eii/iu?» ?t/<»^a/t«. Gerade von dem Spiele/ mit welchem sich Venus hier die Zeit zu kürzen scheint, von dem Balanciren, findet man bei alten Schriftstellern nichts. Dagegen aber von andern, z. B- 6e Iu6o mgiloium, welches NonnuS (Dionz-s. I.. 33 ) den HymcnäuS und Kupido mit einander spielen läßt: ^uem luelum t.'t'<7c?-o et ^n??o llixeruol: micm e t/,'Ai/i«, Ii. e. i, ut oul'ervat ^o»tit» ^/arce//u« in I^ilirc» ^mare vir^a, luclum vi6stur exmimere, ^?v'-7>ei , i«? ^/i/Aai,-n. Er meint, um sich zum Vergnügen und zur Freude dadurch aufzumuntern. 19. ^r^iottuii/i»' »on?l«//cie veteie« »i/cr^i/i»»««, <^uae c/« a voluplülilius nieiniile,«?li. Sie heißen auch a ratioiiilius voluplali!-, und scheinen die Besorgung aller Ergöhlichkciten der Herren über sich gehabt zu haben. Unter den spätern Kaisern kommen sogar l,'ii>um voluutstum vor. 20. «Kit« /i/it/!is itt't/Z'-cit'tt,-. Unter den Aufschriften in dem gemeinschaftlichen Grabe der Freigelassenen und Knechte der Livia Augusta befand sich auch eine auf einen AmianthuS, der l.iviue »6 Veueiem heißt. Dieses haben einige erklärt: ^ui I/iviae sueum pitt'üi'et, et ea czuae acl veoultalein oris »lVeviaulliim «.«m- 6ueu»t; und anders. Er aber erklärt cS aus dem Bianchini uud Gori, welche beide gedachtes Grabmal erläutert haben, m„ ^e,Iituo Divise temiilc» Veneiig sätiielo. 21. /»t atttiizlUt« Acnlttii« ?»!i^/!e! !a /» e^uc»i///^i'me vk'c»//««/»?'. Er erläutert dieses an einem alten Karneol, worauf ein Todtcnkopf, ein rundes Brodt, ein prächtiges Halsband, und wius tulm um lullus, Kollcktanecii zur Literatur. vier Knöchel, die die Alten statt der Würfel brauchten; und meint, das; darin die Ermunterung ausgedrückt sey: k>gc> viv-uvus, clum lieet ells bene! 22. k?emmki aö ^u/o ^cn^i/«, ^ne/ie a^ii« «n/i'/»«'» ^>/oi^!l« eoc/cin i^e/i/li 23. Ds cae/atnia i?i/c? in»t6 ne«?/ /»«»'/»len/e ae/ i//,i/?,a/i<)«ci» Aemmae ^ic/o»'tkinae. 2 t. .^cit^)/ne /»'o/ « it-f'en/i»? tins iVe?'»/» <«- ^cu//?kn, sliorumezue velerum gcmin.iium cuelatui-is, all ii^cleln 1'sepe rejietiliü, et vsrum maxime, «zuae »utii^icoiiin 5cuI>>Iuiuin vowioiliu8 inligoilae kunt. — Natter kopirtc im 1.173« diese Venus des Vcttori/ und machte eine Danac daraus, die mit der ausgestreckten Hand den gvldncn Regen erwartet. Natter selbst erzählt das in der Vorrede seines WcrkS; aber er leugnet, daß er den Namen Aulus deswegen auf sciucu Stein gesetzt habe, um ihn desto theurer zu verkaufen, welches ihm Vcttori hier Schuld giebt. 28. mot/o cne/anl/t Aemma«. e//!' i»«'?» «- ^öo^itv,/i'vs /en/e vi/, o«, t/e?»»,!//,»/«,-. AnS dicscm Kapitel sehe ich, daß Christ'S Meinung von der Diamantspihc ihm gar nicht cigcn gewesen sey. Sie gehört dem Vetrori, der cS sogar beschreibt, wie mit der Diamantsvitzc gearbeitet worden, und cS ohne Zweifel von Künstlern selbst gesehen hatte, kemm-irum e-wI-Un^e», schreibt er S- all eas ineiilenllas vel ^!c/a»i»?i/em vel Vin/n,» -illlu!«', l>en> live siu- ttulum gclawant!8 ila enniixmunt, ut mnvo'i neijueat, eiin» n^us keulpturae pei-lieiunt, ejuocl .i^u»t. f»>!> e.ul'piile sdamunli« ^eiimi-ii» persrieaniZo. (Ileum vero czuiw(liv>.I>!>ie ^^uas 6ieuot eliam kerrens c^uos- lllllii ^nivulos l'>)I»?, »on clial^lleos, neczuc; igne temperslos, e^c. Und wenn er sagt, daß die Steine an einen Handgrif gcküttct werden müßten, um sie bequem an das Rad zu halten, so setzt er hinzu- iilei» vmninn l'umaiillae geinmge roocluZ in u5u ett, ji ac/ai»a>!te»n, non ro^a«, -»»lilieat. — Hierauf sagt er, wie nöthig zu dieser Arbeit das Vergrößerungsglas sey. °)---— 29. Ds Aemma. cr Quillt» ^lexs «i/cuhi/a, ^uae ^jc/ii/iem «?.i/it^>e< ll^mi« iil/'/inc/itni. //em c/o ^aic/c>?!^c/ie. Dieß ist die zweite Gemme, die in diesem Werke erläutert wird. Auf der Are« steht in drei Linien Ko^o? '^.^a -5-»^. Gori, im .^c/. /^/o^. hatte dieses Steins schon erwähnt. — Zuletzt sagt Vettori, daß die Alten am liebsten lebhafte und kriegrische Leute und Thaten auf den Sardonvr geschnitten hatten, weil sie in der Meinung gestanden, dieser Stein habe die Kraft, die Furcht zu vertreiben, und Muth einzuflößen. — .^eluiieni. ul inl! nutukanl, potissimum «Zeceret 8art. Dieser Stein ist aber eigentlich nur ein Fragment, auf welchem bloß die Beine dcZ Mars und die Schrift sichtbar sind; das Andre ist von einem neuen Künstler ergänzt worden. W. /1e tlf'k't'i«, Hiiiin« ^jc'/ittVe» inc/u/?ls ?/! ci^ta /i^ia^. Fcstus (ilv vcili, li^ius.) sagt: Ocie,« antic^ui monlem ennsl'iigolum vn(üi!>i>ut — »ixl«! ioilall'v etiam ne'i'ecie tunk clielae inae^ualiter l»lii^!>>ae. Jenes alte Wort hat mit unserm deutschen Hocker, welches nicht bloß einen Buckel, sondern auch einen Berg bedeutet, die vollkommenste Gleichheit. Frisch hat es nicht gekannt, sondern leitet Hocker von hoch ab, 31. /^s ««»x'ttl! ^t/e.rae. /)t6^?ii><'/»i', nn, aki^nt /5'iih,/oi'e« « V^/iiiio memoi nki «i'/em , »ec lamen .16 liane üien, vl>lervalam, ..eunlinere (levielienuinius, «ruum uailes caelaturae onnolitas in- ..l'nexcrimus. ^unerlieies enin, vusliea unius, alleriusve, roaxiine .,laevii;ala et exuulila est; veium glieulii lulierala. alssue eliam .,exeavata. IIIuiI autem »onnulli eonleninlanles. ineuriae vel .,neA>i^entiae velerum lealnlorum lacile iiiliucre »an verentur; ,,ita ut, l! i^ua I>ujus oneris anlitsua gemma caclala in manus .,eorum inei,Ier!t, si-zillis 01I Iiniolo^iii ailnenl!» ..utunlur. <^ut nnl'lri aevi seil ulVis, caetera im» !n>>>rc>Iianilus,) ..aversam parlem vel eomnl.inari l'lalim saciaut, vel »liciuei ininr- ,,rent arlilieiliu?, vriiato sl«x!lil)»s caulieulis, et niaeaniliis, vel ,,ex auro vuro, vel encaul'lieis aureo onereulo, ut vilium vel». ,.starum xemmarum, liuocl ivli pulaiit^ live ernenllent, live ewen- ..«lasse viäeanlur. lies aulem non i>a lv Iialiet: eleuin» l'olerlis- ..liini Iivininuni surre, ciu! xenurias inciilerunl. alciue ea« l'iin .,noi»i»e li^narunl, lruvli vel ex unl'Iia liilsei laliune lulis l'uncnjne .,Iieet inlelli^ere, lt con/'uieielur c>uam minimus evriiiu nuiueius, ,, «mi >>ane l'narlam .i>I»r»arunl, ea^i. 2. «leleiinloium. Iz;itur i>I ,,omoino veil'antes, ae laenenunieit» liujusinaili ßeinni.iü, in all»»» „elatas, co»Ira luecm inl'nieienles, nuvinius, alijue in cii, an!- „niallvertiniuü, von line ail»uialic»»s nula, maximam eoluli» ..ae^ualiililalemz alleci ut vollem coloie liansluee.it iniago i»l',:ul- ,.»>a, iarel; ua nmle seiiali et imneiili „liomines eunelas inllil'liuole exnoliiv, laevi^aie et evnisilaoare l'uleot) !u nol'lerun» uiaxinü l'acienilas ell'e eenl'emus. <)u» mu- ..nilo, uli lpeel!>l)iliores liao uostia aeiato et inl'e^uenlil>us omnes „veluttae eaelatuiae Laut, magno rei anliisuariae lion», at^ue ..cintilunienlo. teliciler aul'nieaiuur." Kollcktanccn zur Literatur, 399 Acncas Vico- Landringcr in seiner 1)!l7. ia On^eliom ^liximilri sagt: ^le»ene i^'t1o»nweiila ex gemmis et oa- i»ei« a ^onn»e /^«nienit'O c/e ^i,!^ci« r» omulgnlu, o^ologismo ae- oii iilu inclixent. — Ich kann nicht erfahren, was für ein Werk dieses ist. Violine. Leonardo da Vinci war zu seiner Zeit ein trcf. lieber Violinist, und stand sogar als solcher bei dem Herzoge zu Mailand/ Lodovico Sforzia, in Besoldung. In seinem Leben aber, welche» seinem Werke von der Maklerei vorangcsetzt ist, lese ich etwas'/ das mir sehr besonders vorkommt; nämlich, daß Vinci/ um bei seiner Musik einen hellen Ton zu erlangen, sich eine Geige von Silber, wie einen Pfcrdekopf, machen lassen, und damit alle andre Violinspiclcr übcrtroffe» habe. _ Virgil. ES ist in der That keine geringe Ungereimtheit, wenn Virgil (.4cn. I. v. 271.) den Jupiter zur VcnuS sagen läßt: puer ^leamus, cui »ime. coi;rioi»eo ^lulus /XiIiIUui-, (IIus ei»!, u6cnl.'s I^ivr.-»^, p. 4iZli.) Aber wenn er hinzusetzt, er scheine hier dem Homer nachgeahmt zu haben, welcher, um seine Leser von den Gebräuchen der Götter zu unterrichten, den Jupiter zur ThetiS reden lasse, als ob sie cS eben so wenig, wie die Sterblichen wisse, daß alles, wozu er mit seinem Haupte winke, unwiderruflich sey; (lliacl,«. v. 5'.'.^) so glaube ich, daß zwischen beiden Stellen noch ein großer Unterschied ist. Jupiter sagt das nicht der ThetiS als etwas NcucS; sondern er verweist sie nur darauf, damit sie um desto weniger an seiner Bekräftigung zweifeln solle. Beim Virgil hingegen sagt der Umstand mit dem Namen ganz und gar nichts, wenn man nicht ein kahles Kompliment an den Anglist uS und die Familta Julia, darin annehmen will; welches aber eben in dem Munde dcS Jupiters gar nicht erbaulich ist. W. Georg Willcrius. Ein augspurgischer Bürger und Buchhändler, welcher den ersten Mcßkatalogus drucken ließ; nicht 4N0 Kollckianecn zur Literatur. aber 155t, wie Heumann (eonl». Uei I^it. p. m. 144:) undGund- ling (IHN. I^It. p, s>036,) sagen. Man ersieht dieses aus der ersten Sammlung dieser Katalogen, welche zu Frankfurt ex ottieina ^'<^o/at ^n^äe,', 1595. 4. besorgt worden. Vergl. ^/i,-a-?«« clv Sci-ipt. See. XVl. c. 127- — ^!c/nimitt Lililiolli. ^ci-osm. 1)117. I'lnelu». — Deutsche ^cta Lrullito^. Th- V. p. 419. — ^o. t?/,^. ^e«l//e,-- Vil7. (Zo weiitis reipulil. ^ugutt. in rcm lit. p. 9. — 1'ticluur. Li- dliotli. I. o. 1. Winkelmann. Bei der Erläuterung seiner IVIonumeoli ^n- livlii lncciil! hat er, laut der Vorrede/ S-17, zwei Maxime» zum Grunde gelegt. Die erste: nickt anzunehmen, daß die bildlichen Vorstellungen in den Werken des Alterthums müßig, und ohne bestimmten Endzweck sind; diejenigen Werke ausgenommen, in welchen man cS deutlich sieht, daß der Künstler bloß nach seinem <-n/»il-c,u gearbeitet habe. Die zweite: daß in diesen Denkmälern irgend ein Subjekt dargestellt sev, dem man in der Fabel und in der Geschichte des heroischen Zeitalters nachspüren müsse. Diese Marimc ist cZ, welche Klotz, in s. Abb. v. gcschn. Steinen, S- 123, bestreiken wollte. Aber er geht eben so damit zu Werke, wie mit meiner Assertion wegen der Furien. Er ist weit entfernt, auf den Geist und die Absicht, auf die Brauchbarkeit und daS Licht einer solchen Behauptung zu sehen. Er hält sich schlechterdings an die Allgemeinheit des wörtlichen Ausdrucks; und glaubt Winkelmann widerlegt zn haben, wen» er ihm recht viele einzelne Fälle entgegen stellt; er mag diese Fälle schon ausgenommen haben, ober nicht. Sollte es aber wohl wahr seyn, was w- in eben dieser Vorrede, S- 16, von den alten guten Handschriften sagt? Sie wären, meint er, von den Gelehrten schon dergestalt durchforscht, daß sie jetzt nichts weiter, als ausgepreßte Zitronen, ohne Saft, wären. Wunderbare Menschen. Auf solche, in Ansehung ihres Körpers oder ihres Geistes, würde ich in meiner Litteratur vorzüglich mit sehen. Wir kennen den Umfang der menschlichen Kräfte ohne Zweifel noch lange nicht. Wir wissen noch lange nicht, wozu ein Mensch dnrch Fleiß und Uebung gelangen kann, und was für Ausnahmen auch in seinem Organismus sich äußern können, ohne seiner Erhaltung und Gesundheit hinderlich zu seyn. Hier will ich also mir einige solche Beispiele sammeln, denen ich noch keinen gewissen Artikel anweisen kann. Andre haben ihre Stelle bereits unter den fünf Sinnen erhalten/ z.V. Sehen, Hören, u.s.f. Äollektanecu zur Literatur. 401 >:« ,!>mst„>T n-.6 ,i^.n,ök? AD .n?!. 1684. p. 186. 2. Das Mädchen zu Cambrai, welches aus einem Geschwulst an der Hüfte Milch hervorgab. Eben das. -,. 1668. ». 213. 286. 3. Die schlesische Dame, die alle Monate ein heftiges Kopfweh bekam, während dessen ihr eine Menge grauer Haare wuchsen, die man bald auSrcissen mußte, wenn daS Kopfweh nicht bis zur Raserei steigen sollte. Ebendas. a. 1684. x. 262. 4. Margucrite Matthicu, die ganzer Jahre mit einem Kinde soll schwanger gegangen seyn, welches ihr nach ihrem Tode ausgeschnitten worden. S- ^lourn. lies Ssv-ms, ->. 1678. p. 306. 348, wo man die Möglichkeit dieses Falls weitläuftig zu erhärten sucht. S. NikomachuS Smi)rnäu6. — AutoniuS Molinctus in s. Anatom, pallwlox-. (Ven. in 4.) redet von diesem NikomachuS von Smvrna, den sein allzu fetter Körper ganz unbeweglich gemacht habe; er sagt aber nicht, wie Aeskulap ihn geheilt habe. S- .loui», lies 8sv. a. 1687. p. 69. e. Die Frau zu Xaiutongc, die einmal mit neun, und das Jahr vorher mit cilf Kindern niedergekommen. Ebendas. g. 1634. p. 160. 7. Ein Mädchen, welches im fünften Jahre schon ihre Zeit soll gehabt haben. Ebendas. a. 1683. S, 112. Z- Zaccolini. Die Schriften dcS P, Mattco Zaccolini, eines TbeatinerS, über die Optik, welche der Kardinal Barbcrini aus seiner Bibliothek dem Mignard mittheilte, (S- Monvillc, Vie «io 7»//A„a^/, p. 19.) und woraus dieser und dü FrcSnoy viel gelernt haben sollen, sind sie gedruckt worden, oder liegen sie noch im Manuskripte? ' ' Älnn.!S Wctte xl 26 402 Kollcktaneen zur Literatur. Zahlen. Die Ziffern haben wir den Sarazenen zu danken, oder den Arabern/ die aber selbst gestehen, daß deren Erfindung den Indianern gehöre. S. ^li,t^^a,aA. Il^osK. l. p. tü. Vossius (sei Ms/am, I.. I. c. 12.) und Huet (OewonNr. Lv. prn,wt. IV. o. 13.) auch Darvpodius, haben unstreitig Unrecht, wenn sie dieselben den Griechen beilegen wollen- Bei uns Deutschen sind sie spat in Gebrauch gekommen; und in öffentlichen Urkunden trift man sie vor dem 14tcn Jahrhunderte nicht an. Wann sie in dem übrigen Europa aufgekommen sind, ist ungewiß. — S> dieses, und mehrere» hierüber, in des Hrn. v- Gcmmin- gcn kleiner Abb. von Verschiedenheit und Verbesserung der Ziffern, in der Sammlung s. Poet, und Pros. Stücke, 2t-Aufl. Brschw. I7K8. gr.8. Antonio Maria Za-nerti. S. von diesem Kunstliebhaber und Kenner den Fücßlin. — Seine Daktyliothck hat Gori lateinisch beschrieben; und sie ist mit der italiänischen Ueberschung seines Neffen, des Girolamo Francesco Zanetti (welcher, glaub ich, Bibliothekar der St. Markusbibliolhck ist,) zu Venedig, in Folio herausgekommen. Sie enthält 80 Tafeln, von Antonio Maria Zanetti selbst gezeichnet, aber von verschiedenen gestochen; auf deren jeder ein Stück, doch nicht lauter Steine, sondern auch Büsten von Marmor, Münzen und Lampen mit unter. Die Steine sind grdsztcuthcilS Ca- mcen, und darunter einige von sehr großem Werth. Der allervortref- lichste, welcher jedoch tief geschnitten ist, soll der Hermaphrodit, Taf. I^VIl. seyn, mit den Buchstaben welches DioskoridcS bedeutet, auf einem Amethyst. Das nämliche Subjekt, nämlich ein ruhender Hermaphrodit, den ein Amor fächelt, und zwei andre Liebesgötter neben ihm, einer auf der Harfe, und der andre auf einem Rohre spielend, findet sich auch auf mchrcrn alten Steinen, doch ohne Namen deS Künstlers. — Von eben diesem Künstler ist noch eine Gemme in dieser Sammlung, mit der nämlichen ersten Sylbe dcS Namens, Taf. XXXIII. welche einen Giganten, der statt der Beine Schlangen hat, vorstellt, auf einem Beryll. — Auch findet sich ein Stein mit dem Namen eines sonst unbekannten Künstlers, HoruS, opov, den Kopf, oder vielmehr nur die Larve, eines Silens vorstellend, auf einem Sardonyr, Taf. Xl.IIl. — Noch sind vcrschiednc Steine von neuern Meistern mit untergemengt; namentlich von Nicolo Avanzi, Taf. Il, das Brustbild Alexanders als Minerva; von Alexander CäsariuS, mit dem Beinamen Magister GraekuS, «Mai!- Nio kreeo) ein Kopf des Phocion; vom Marmita, der Kopf eines .kollcktaiiccn zur Literatur. 403 KommoduS AntoninuS, Taf.XXV/ und ein unbekannter weiblicher Kopf/ Taf. I.XXIV; und vom Valerio Vinccntino de'Belli, der Kopf einer Fau stina auf einem Achat, Taf. XXIII; lauter Meister auS dem fünfzehnten Jahrhunderte. Zanctti hat das Werk der Königin von Schweden Louise Ulrike/ zugeeignet/ in einer lateinischen Zuschrift/ die ohne Zweifel von Gori ist, deren Antiquitäten- und Naturalien-Kabinet, und deren große Einsicht in diese Dinge er sehr rühmt. Bei der Gelegenheit kommt er auf die alten Daktvliothekcn des SkauruS, des Pom- pejus/ des Cäsar, des MarcelluS/ deren PliniuS gedenkt; und äußert/ daß er sie gleichfalls für Sammlungen geschnittener Steine halte: I^emo e5r, czui ignoret, elarislimoz liorosni orliis n, meines viios et (üael'itreg lanli keeilke ae msxime omnium gel'tiwslle an- /i^uns ^eni»ia«, excelleotiurn eselgtorunz ovitrcio, 6ignilate, at^ue elegsnlis inligne», ut von liawinulo, teil ileorurn lligoitlimum et siigeelaiisllinum clonum eenkuerint. Wie falsch daS ist, habe ich gc^ wiesen (°). Eine lehrreichere Stelle für mich aus der nämlichen Dedikation war folgende: !>Iewor»t etism (nt illul'Ires semioss taeesw) liumaiia liil'loris /^ivi»»i, /^UAutli conjugern, iuter owoes lemioss eniiueiiljslimüm vnerum avliizuoiurn et Aemmsrum arnore et ttu- llio mii'uin in inodum llagrgll'e, Isntiizue Iislve srte» tecille, ut in ualalio suo ionumeros urnvemoilum sluerit non tolum gem- inaiios o»il!ces, verum eliam nictoies, kotores, ttatuglins, sreni- teelo?, oiirilices, saliros argenlarios; Quorum nomio», (zuan^uam »on oainia, exemto usucis auliinc: onnis eorum levuleielo eolum- lia^io not,!» innotuerunt. Ich bin äußerst begierig nach diesen Namen; ob vielleicht nicht einige darunter sind, die beim PliniuS vorkommen, und die man für weit älter hält, als sie sind- Von der Entdeckung dieses Columbarii, dessen Urnen von Marmor sogleich zerstreut waren, finde ich eine Stelle beim Ficoroni cle I^arvis, u, 18-der lat. Ucbcrsctzung: ^ottris vero Iiiti-e clielius alia dujus Latli)-lli »rullieio nioiiumeula, et viueeinue nin-i ejus leouleralis, uns cum illiu5 l'Ialua et i»l',:riutione, «luni »6 Vise ^nui»e laevaw, oolum- vuiiuiu /itv/ae, /Vugul'lii^ue liueriurum cleteetum 5uit. Uujus su- lem eulumvarii, nev non ollaium, uioziuiii, marmorearumo^ue iiiseiiolionum ktalim oütuei turum ö^^!t-^anc. ^o»ii klaren- >ini, nolliemo Dominier c/e /iitöeis liomsni, ia lucem cum Ineu- °) S. Band Vlil, S> 49. 26' 404 Kollcktanecn zur Literatur. leola euarraliollo proiliil. Nach diesem Werke muß ich vor allen trachten. Die Erklärungen des Gori sind, wie man sie von ihm gewohnt ist; ohne vielen Scharfsinn, und auch dann und wann ohne crfodcr- liche ausgesuchtere Gelehrsamkeit. Besonders bin ich mit seinen Benennungen der Steine sehr übel zufrieden. Man sehe, was ich unter Jgiade und Moccostcin angemerkt habe; desgleichen in den Antiquarischen Briefen vom Prasma. Auch kommen die nichlSbc- dcutcnden Namen: Achatonyx und Achatsard onyx öfters bei ihm vor. Hieher gehört auch der Fehler, den er mit dem vllro olilich'a»o bei der 31sten Tafel macht, wo er den Kopf eines Jupiters beschreibt, oblilZiaao vitro caerulei colnris exprellum. Das vilrum olillä'iimum war schwarz; und auch Klotz macht diesen Fehler. Ueber die Pantoffeln, die Gori, Taf. 32, an den Füßen Jupiters sieht, cujus z>e6«8, o.uo6 not-milum, ciopiijgti, (co//e /na- »ette o <^e/itt?iz ,» ^ziec/i,) bat sich schon Natter aufgehalten. Wenn der Kopf Domitian'S, Taf. 17, wirklich auf einem orientalischen Granat ist, wie Gori sagt, so ist er, wegen seiner ungewöhnlichen Größe ein seltenes Stück. S. 99. sagt Gori, er habe gefunden, daß die Steinschneider auch sonst xemmarii genannt worden; aber ohne Stellen anzuführen: yuos rewoti8 tewporilius elism gemmaiios opiivlliitos invooio. Tieß ist wir nicht glaublich. — Bei Taf. 20, welche einen Achat mit den Köpfen des Kaisers Hadrian und seiner Gemahlin Sabina vorstellt, macht er eine gute Anmerkung: Omvium raritlima tunk ßemmi8 inleslpta jugala caoilg, »!s gemwae svalvtav exlanli vnera lluolius csziitikius oroslae. Zigeunerin. ^K----'a, eine Statue in der Villa Borghese, hat gar nichts vom ägyptischen Styl, wie Masse, meint; und Hände und Füße sind von Bcrnini. (S. Winkelm. Gesch. d. K. Vorr. S. XII.) — Was heißt aber daselbst: gleichfalls von Erz? Vorher sagt er ja selbst, daß die Statue von Marmor sey. Zipperlein. Zeillcr in s. Sendschreiben, S. 6, sagt: „Lor „Zeiten hat man um Abwendung des Podagra den heil. Cyprianus „angerufen; daher auch Lhiragra, oder der Schmerz in den Hän- „den, und Podagra, oder der Schmerz in den Füßen, mit Einem Entwürfe zur Fortsetzung der Briefe antiquarischen Inhalts. 406 „Raineu das Zipperlci» genannt worden, wie Michael Probst „in seiner Arzncykuust und Wundcrbuche, ?. 2. p. 3M. schreibt." Diese Ableitung scheint Frisch nicht gekannt zu habe», der Zipperlciu von dem ungebräuchliche» Zeitwerte zippen herleitet, welches von zieh eu und zuppeu herzukommen scheine. Ich möchte fast jene Ableitung vorziehen. Entwürfe zur Fortsetzung der Briefe antiquarischen Inhalts.*) I.VIN. furchten Sie nicht, »och mehrere Briefe im Tone der letztem zu erhalten. (Gewisse Dinge verdienten freylich nie gesagt zu werden; und doch müsse» sie wenigstens Einmal gesagt werden. Tie persönlichen Verhältnisse der Schriftsteller gegen einander in- tcrcssircn nur kaum den kleinsten Theil des zcitvcrwandtcii Publici. Welcher wünscht, daß sein Buch auch bey deu Nachkommen nicht ganz vergessen sey, — und welcher sollte es nicht wünschen? — muß über nichts streiten, was nur ihn selbst angeht. Ob Lcssing den berühmten Rloy beneidet hat, was die geheimen Ursachen gewesen, warum er wider ihn geschrieben, verlaugt auch schon iu zehn Jahren niemand mehr zu wissen. Dann sragt sich bloß: WaS hat er gegen ihn geschrieben? Was hat sein Schreiben gegen ihn genutzt? welche Vorurlhcile hat er gegen ihn bestritteu? welcher Wahr- heile» hat er sich gegen ihn angenommen? Folglich ist alles sehr unnützes Geschwätz in der Recension des Herrn Alolz('), bis auf das Wenige, was die unter uns streitige Sache selbst betrifft. Er verspricht mir in einer besondern Schrift zu antworten. Die muß ich erwarten. Vorläufig will er nur einige Punkte berühren, deren Untersuchung wedcr Rachschlagcn noch Nachdenke» erfodcrl. (5S ist nicht die Frage, ob Tuscher für ciiie» Steinschneider gehalten worden, sondern ob er °) Herausgegeben von Eschcuburg im zwölfte» Theile der sämmtlichen Schriften 17SZ. (°) Zu seiner deutsche» Bibliothek d. sch. W- St. vu. S. 465. -W6 Entwürfe zur Fortsetzung der Briefe antiquarischen Inhalts. es gewesen. Freilich ist er für einen gehalten worden, und hat gar für einen gehalten werden wollen; und dadurch wurden Gori und Mariette und Giulianelli hintcrgangen. Aber er ist keiner gewesen; welches Natter beweiset. Natter's Zeugniß gilt hier allein, der mit ihm lange Zeit gelebt und gearbeitet hat. Vettori war seinetwegen in dem nehmlichen Irrthume. Aber auch daS beweiset nichts. Sie wissen alle von ihm nur Ein Stück zu nennen: sein Portrait nehmlich; welcher Versuch aber, wie Natter sehr richtig sagt, noch lange zu keinem Steinschneider macht. Ja, diese Köpfe waren bloße Pasten, über ein WachSmodell gegossen. Au- ßerdem noch der einzige Kopf der Minerva; aber der war mit dem Messer geschnitten. Diesen Künstler nannte Rloy gleichwohl einen fleißigen Künstler, Aber fleißig soll hier nicht die Vielheit der Arbeit anzeigen, sonder» die Sorgfalt der Ausarbeitung! Woher kennt er die? möchte ich fra- gen. Hat er ein Stück von ihm gesehen? Ja, diese kann er gar nicht gehabt haben. _ (Auf einem einzelnen Oktavblatte findet sich folgender, anders lautende, Anfang dieses acht und fünfzigsten Briefes ) Scharfsinnige Leute wollen angemerkt haben, daß die letzten sie- ben meiner Briefe ihrem Titel nicht entsprechen; daß sie nicht antiquarischen Inhalts gewesen. Nun, so waren sie wenigstens antiquarischen Tones! — Es hat mir Mühe gemacht, diesen Ton zu treffen. Geläufig wird er mir nie werden; und ich werde immer einen Herrn Rloy nöthig haben, der mir ihn angiebt. Ich muß den Stich, den man mir zu versetzen denkt, nur selbst vertiefen. Er kann bey dem allen nicht tödtlich werden. Aber auch um eine ernstliche Antwort wäre ich nicht verlegen. ES ist wahr, daS Studium der Alterthümer selbst betreffen diese sieben Briefe nicht: aber sie betreffen doch Männer — Einen Mann wenigstens, der sich mit diesem Studium abgiebt. I.IX. Seine Verantwortung wegen der alten Künstler. — Ich tadelte ihn nicht, daß er sie nicht alle angeführt, sondern daß er gar keine andern anführte, als die er bey Srosch gefunden hatte. Den Cro- nius hätte er nicht wegen der allen Paste anführen sollen, sondern weil ihn plinius angab. S. in meinen Rollektaneen, was sonst Entwürfe zur Fortsetzung der Briefe antiquarischen Inhalts. 407 von dieser Materie anzumerken wäre. Zugleich von meinen beyden noch nicht bekannten Steinen mit L?. und I.X. Daß ich ihm Druckfehler Schuld gegeben habe. — Aber er führt weislich nur Bcrill an, und sagt nichts von Agat und Amethist; des Moco nicht zu gedenken. — Bey Gelegenheit hier von des Baccius Ableitung des Worts Achates, wovon er glaubte, daß damit auf den Gefährten des Aeneas angespielt sey. lind habe ich ihm nur Schuld gegeben, daß er die Namen der Steine nicht zu schreiben weiß? Habe ich ihm denn nicht bewiesen, daß ihm von ihrer Kunst überhaupt nichts beywohnt? Tiefer Unwissenheit ist er noch auf eine andere Weise zn überführen, vr kennt anch nicht die allcrbckanntestcn Scribentcn in dieser Materie. Beweis aus dem, was er vom Petrus dc Scudalupis und vom ^amillo Leonardo sagt. I.XI. Auck den Marbodus muß er wenig oder gar nicht kennen. „l?r „ist in der Ausgabe des Gsrla'us befindlich", sagt er. Sonst nirgends? — Hierbei, Nachricht von den verschiedenen Ausgaben. — lind was für Aberglaube steht denn in dem Gedichte des Marbodus, der sich nicht auch im plinius fände? I.XII. Darum, daß Marbodus den »Lvax als Quelle nennt, braucht er nicht ganz den Betrug geschmiedet zu haben. Es können Schriften eines Evax vorhanden gewesen seyn, und sind es vielleicht noch. I.XIII. Unter den Gedichten des Marbodus finden sich einige, die ihm gar nicht gehören, und die sein Herausgeber ihrem rechten Urheber wohl hätte wieder zustellen können. Eben das ist von den Gedichten des Hildebertus zu sagen. Von den Gedichten beyder ließe sich zur Berichtigung der klassischen Dichter, woraus jene Stellen genommen sind, vielleicht noch einiger Gebrauch machen. I.XIV. Gebrauch, den der jüngere Burmann davon zu seiner Anthologie liatle machen können. I.XV Wenn Rloy Burmanncn solche Rachweisungen hätte geben könne», so würde es ihm dieser ohne Zweifel Dank gewußt haben. Und °) Less. Roll. S. 74. 278. s^S. 234. 287.Z 408 Entwürfe zur Fortsetzung der Briefe antiquarischen Inhalts. so waren wir wieder bey Rloiz, dessen besondere Widerlegung ich ruhig erwarte. Aber nein; er hat sich anders besonnen. Er hat meine Briefe kaum zur Hälfte gelesen, und will sie gar nicht ganz lesen; geschweige, daß er sie zu widerlegen sich die Mühe nchnicn sollte. Er ist zu groß, sich mit mir einzulassen; und er läßt seine Kreaturen gegen mich loS. Er ist wie der Alte auf dem Berge, der thut, als ob er kein Wasser betrübe, und seine Banditen in der Welt hcrumschickt. Von dem elenden Stolze, seinen Gegner nicht lesen zu wollen. I.XVI. Eine von seinen ersten Kreaturen ist Xicdel. lieber dessen Recension der antianarischcn Briefe in der Erfurter Zeitung"). „Roch, fängt er an, haben wir die antiquarischen Briefe des Herrn Lessings (erster Theil bey Friedrich Nicolai) nicht ausführlich angezeigt." Nein; aber gcwandSweisc ihnen schon mehr als Einen Hieb zu versetzen gesucht! — TaS ist gar recht! So wird der Leser allmäblich vorbereitet, und der Verfasser fürs erste bey kleinem Zener gebraten, bis man ihn ganz in die Flamme wirft. TaS geht nun los. Der Himmel stehe mir bey! „Einige Anmerkungen des Herrn Rloy wider Herrn Lcssing, „und eine Recension im Rcichspostrcutcr haben dem Herrn Verfasser die Gelegenheiten zu diesem Buche von 26k Seiten in kl. 8. „gegeben." Ganz recht! In seinem Bliche wollte mich Herr Rloiz fein höflich eines Bessern belehren; und iu dem Ncichspostreutcr ließ er auSpv- sauiieu, daß er mich eines unverzeihlichen Fehlers überwiese» habe. Eine Belehrung, dachte ich, ist der andern werth; und ich würde Hrn. Rloy gewiß auch recht höflich belehrt haben, wenn ich mich nur auch auf einen hübsch abgerichteten Freund hätte verlassen können, der meine schlaue süße Höflichkeit in gute derbe Wahrheit übersetzte. Aber leider! habe ich keinen solchen Freund. Ich mußte also »ur gleich so schreibe», wie ich verstanden zu sey» wünschte. TaS ist, nicht höflich, aber wahr! „In der Vorrede erklärt er sich über den Ton, den er in diesen „Briefen genommen, und bekennt sich für einen Nachahmer der Allen, „die daS Ding, was wir Höflichkeit nennen, nicht gekannt hätten." ') Der Anfang von Lessings Antwort auf diese Recension fand sich diesem Entwürfe beygelegt, und wird daher hier sogleich mit eingerückt. Eschenburg. Entwürfe zur Fortsetzung der Briefe antiquarischen Inhalts. 409 Die Bescheidenheit nicht zu vergessen, welche den Alten anstatt der Höflichkeit eigen war! Ich bekenne mich für ihren Nachahmer in Beydem; in dem sowohl, was sie nicht hatten, als in dem, was sie hatten. Die Rloize mögen immer über meine UnHöflichkeit schreyen; genug, daß der wahre Gelehrte nie meine Bescheidenheit vermissen soll! „Herr Äessing wird sich auf gewisse Punkte besinnen, in welchen „man den Alten keineSwcgcs nachahmen soll, in welchen man vielmehr „sich nach unsern Sitten, nach unserer Denkart und unserer Sprache „zu richten hat." Herr Riedel traut mir zn viel zu. Wahrlich, ich besinne mich auf keine solche Punkte. Was bey den Alten recht und gut war, ist noch recht und gut. Doch, ich sehe, er kommt selbst mit einem Exempel meinem Gedächtnisse zu Hülfe. „Die Alten nannten auch gewisse Glieder und gewisse Handlungen „mit ihren eigenen Namen gerade heraus; un§ andern mißfällt es „schon, wenn dergleichen Sachen auch nur von fern her angedeutet „werten." Diese Glieder und Handlungen bloß des Titels wegen mit ihren eigenen Namen zu nennen, mißfiel auch den Alten. Es waren nur ihre pirons, die sich das erlaubten: und auch wir haben ja unsere Datulle. Aber freilich, wenn der Naturlehrer, wenn der Arzt, wenn der kühue Satiriker diese Glieder und diese Handlungen, der Kürze, des Nachdrucks, des Unterrichts wegen, bey ihren eigenen Namen nannten: so halten die Allen kein ArgcS dabey; und wir Neuern sollten lieber auch kcins dabey haben. — Dieses nun angewandt auf die Höflichkeit! Aus bloßem Kitzel werde ich zuverlässig nie unhöflich gegen Herrn Rloiz seyn. Sollte ich ihm auf der Straße begegnen, so werde ich ganz gewiß meinen Hut zuerst gegen ihn abziehen. Sollte ich wieder an ihn schreibe», so werde ich ganz gewiß: Wvhlgcborner Herr, insonders Hochzuehreuder Herr Gchcimerrath, au ihn schreiben, und mich seinen gehorsamen Diener nennen. Sollte ich an Einem Tische mit ihm speisen, so werde ich ganz gewiß seine Gesundheit mit einer liefen Verbeugung, und genau in der Reihe trinken, die sei» Rang crfodcrtc. Sollte ich gar mit ihm zn spielen das Vergnügen haben, so werde ich ganz gewiß mit eben der Höflichkeit sagen: „der Herr Gehcimcrath haben gewonnen," als: „der Herr Echeimerath sind basta!" -- I.XVII. Von Xicdcl'a Anmerkungen über den Äaor'oon. Einige Beweise seiner Unwissenheit. Von der Caricatur. Die Stelle aus dem Ci- Entwürfe zur Fortsetzung der Briefe antiquarischen Inhalts. eero"). — Vermuthung, woher die Caricaturgcsichter Ihren Ursprung haben: aus den komischen Masken der Alten. I.XVIII. Von dem Gesetze der Hcllenodikcn. — Die ikonische Statue sollte freylich die größere Ehre seyn. Aber was bewog sie, dieses zur großem, und nicht zur kleinern Ehre zn machen? Warum machte» sie die Gefahr, in dem Bilde eines minder schönen .Körpers auf die Nachwelt zu kommen, zur größcrn Ehre? Warum machten sie den Vortheil, sich in einem schönen, aber fremden, Ideal aufgestellt zu sehen, zur kleinern? I.XIX. Von dem Gemälde des Timanrhcs, und der Verbesserung der Stelle des plinius, die ich aus dem Gronov wohl soll geborgt haben. Ich kenne Gronov's Noten über den StaliuS nicht. I.XX. Von der Vesta/ nnd dem Vorgeben, daß cS eine altere und eine jüngere gegeben habe. cn S. 3Z5-Z Entwürfe zur Fortsetzung der Briefe antiguarischen Inhalts. 411 Dakthliothckcu der Alten. Bestimmung des Wortes Ae»-»-» aus einer Stelle des Ticcro in den Reden wider den verres, und einer Stelle Tiblill'ö/ woraus erhellt, daß Ae»-»,« eigentlich ein ungeschnittencr Edelstein heißt. I.xxv. Von der Perspcktiv der Alten, wider diesen litcrarischen Briefsteller. Besonders eine Prüfung der Abbandlung des Caylus. I>XXVl. lieber einige kleinere Punkte gegen ihn; und Abschied von ihm auf immer. I.XXVU. Ru» wieder zu Herrn Rloiz/ mit dem wir auf der IZten Seite seiner Schrift stehen geblieben. Von der großen Aiijakl geschnittener Steine, die ans uns gckom- mcn sind. Der wahren allen sind vielleicht weniger, als wir glauben. Sehr gegründeter Verdacht gegen die Taktyliothekcn des Gorläus, der heiligen Gcnovefa, des Marterte/ u.a.m. — Maffei Benennung dieses Studiums °). I.XXVIII. Wie die ächten alten Steine von den neuen zu unterscheiden sind. Hiervon sagt Rloy gar nichts. Die Stelle beym Lippert, die er hätte commcntircn sollen. Lippert/ so viel ich mich erinnere, giebt drey Kciinzeichcn an: den Stein; die Vorstellung; die Arbeit. I.XXlX. Ich habe erwiesen, daß die Alten in ganz kostbare Edelsteine nicht geschnitten haben, lind auch von den geringern Arten giebt eS vcr- schiedenc, von welchen plinius ausdrücklich sagt, daß sie nicht gc> schnitten worden. — Von der Besonderheit, woran alte Steine zu erkennen sind: nehmlich an der ungleichen hintern Seite; wie Vertori anmerkt. Die Ursache, welche v. davon angiebt, das Gleichförmige der Durchsichtigkeit, ist richtig; nur ist auch das zu merken, daß die Alten ihren Edelsteinen überhaupt die Ungleichheit ließen, um ihnen von ihrer Masse so wenig zu nehmen, als möglich, lind nur daher ist eine Stelle beym plinius zu erklären °°). I.XXX Von der Abhandlung des Dingley, die dahin einschlägt; und zwar erstlich, von dieser Abhandlung selbst""). °) S. Rollest, i, S. 2«Z. i^obcn S. 281.^ °°) S. Rollert. S. 267. I^oben S. 283.^ °°°) Hierher gehört vermuthlich der »mimchr im Tert folgende, völlig ausgeführte Brief, der sich uutcr des seligen LessiNlz'ö Papieren sowohl im 412 Entwürfe zur Fortsetzung der Briefe a»iig»arischc» Inhalts. Das zweyte Kennzrichen, an welchem alte geschnittene Steine von neuern zu unterscheiden, sagt Maffci, sey die Farbe und die Beschaffenheit des Steines selbst. Wenigstens kann diese oft zu einem Verdachte Anlaß geben. Allzu kostbare, in Ansehung ihres FeuerS oder ihrer Farben allzu schone Steine, habe ich gezeigt, ließen die Alten nicht gern von der Kunst verletzen. Von einigen sagen sie uns ausdrucklich, daß sie nie geschnitten werden, oder daß sie nicht geschnitten werden können. Die sie am häufigsten schnitten, waren von den geringern Gattungen, welche die doppelte Eigenschaft haben, daß sie sich weder der Sculptur zu sehr weigern, noch das Wachs zu fest halten. Von diesen Gattungen aber nahmen sie die reinsten und beste», die sie finden konnten. Ich hoffte hiervon viel Merkwürdiges zu lesen, in den Anmerkungen, welche Robert Dingley über die Edelsteine, besonders solche, auf welche die Alten zu graben Pflegten, der Englische» Societät mitgetheilt hat. Aber ich betrog mich. Der Gelehrte, der sie übersetzte und dem Hamburgischc» Magazin (°) einverleibte, hat sie mit vcrschie- denen Noten begleitet, die von seiner Kenntniß auch in diesem Theile der Naturgeschichte und von seinem Scharfsinne überhaupt zeigen. Allein er hätte deren ungleich mehrere machen müssen, wenn er alle Unrichtigkeiten seines Originals hätte anzeigen und verbessern wollen. Ich will einige Beweise davon geben. „Der Stein, sagt Dingley, den man am meisten gegraben findet, „ist der Beryll, nach diesem folget der plasm oder schönste Smaragd, „alsdann der Hyacinth; den Chrysolith findet man bisweilen, aber „sehr selten gegraben, wie auch, aber sehr selten, den Krystall oder „orientalischen Kiesel, den Granat und den Amethyst." Am meisten den Beryll! Ganz unerhört. Der Beryll ist ein durchsichtiger meergrüner Stein, der in seinen Unterarten mehr oder weniger in das Gelbliche spielt. So beschreibt ihn Plinius; so haben ihn die Neuern angenommen. Doch so einen Stein meynt Dingley nicht; sein Beryll ist entweder roth, oder gelb, oder weiß. Jenes, sagt er, war der Beryll der Alten. Und wer sind denn die, welche diesen Namen einem ganz andern Steine beylegen dürfen ? Leonard»», Stella, Agricvla, CäsalpinuS, Gesner, Boot, Lael, Nicol, und wie sie alle heißen, sind es nicht. Auch die noch neueren Naturalisten Brouillon, als in einer reinern Abschrift von seiner eigene» Hand, gesunde» hat, ob er gleich fünfzigster Brief überschrieben war. Eschenburg. (") Band IN. S. L40. Entwürfe zur Fortsetzung der Briefe antiquarischen Inhalts. 413 finde ich mit jenen übcrcinstiminig, und alle verstehen unter Beryll wo nicht eben denselben Stein, den die Allen darunter verstanden, doch einen ihm sehr ähnlichen, den sonst so genannten Aquamarin. Folglich habe ich lange nicht gewußt, was Dinglcy hiermit will, bis ich endlich finde (°), daß die Englischen Juwelierer einen ganz andern Begriff mit dem Namen Beryll verbinden, und ihn einer Art von Earncol beylegen, der dnnkelrothcr und durchsichtiger als der gemeine Earncol sey, und mchrmal in das Gelbe spiele. Das wirklich Dinglcy diese Art von Carneol unter seinem Beryll verstanden habe, zeigt selbst die Eintheilnng, die er von ihm wacht. „Vom Beryll," sagt er, „giebt eS drey Arten; der rothe fallt in die Orangefarbc, ist durchsichtig und lebhaft; der gelbe ist ockerfarben, und der weiße, den „man Calccdon nennt, ist milchfarben; diese beyden letzten sind nicht „so lebhaft wie die erster»." Niemand, so viel ich weiß, hat den Ealcedon zu einer Art des Berylls gemacht; wohl aber zu einer Art des CarncolS, oder auch den Earncol zu einer Art des Calccdon. Auch die übrigen zwey Arten passen wohl auf verschiedene Abänderungen des Carneels, aber kcincSwcgcS des Berylls. Kurz, man muß beym Dinglcy Larneol für Bcryll lesen, und muß sich erinnern, daß der Carneol der Alten ihr Sarder ist, wenn eS wahr seyn soll, was er von ihm vorgiebt. Den Sarder findet man in allen Daktylictheke» am häufigsten, und PliniuS sagt cs ausdrücklich, daß man ihn zum Graben und Siegeln am geschicktesten gefunden habe(°°), Dingley aber ist um so weniger zu entschuldigen, daß er uns diese Vcrirrung verursacht, da Hill in seinen Anmerkungen über den ?heovhrast(°°°) kurz vorher davor gewarnt, und eS den unwissenden Juwelieren verwiese» (°) Woodward bcvm Johnson: rue ver>U vk our l.»i>ickgries is onlx a üne kort ok Lsriielivn, ok s more ckeep driglu reck, kowelimes >v»I> » cakl »5 >e»oxv »»ck more lr»»kvürvnl Ilian >I>e cowmoii l,'lirnelion. t°°) l.i>>r. XXXVII. 8ec>. Zt. eck Usrck. (°°°) Dinglcv's Anmerkungen sind von 1747, und Hills Throvhrast von dem Jahre vorher, wo es Seite 67. heißt: i'iie ^e«eiiers ok our >iwo rocko» kour kpeeie» «k llu» klone; llie commo» or Ine reck, llie vvlnle or luo ^ello,v, snck >I,e vor^II O.irneliv». — Vlie I»kt, or llie ServU c»r- nelion, i» pronerl^ llie miUe vrieM»! Kinck; it !s ok s. ckeeper colour llian »»> vk llie vllier«, il» »Ik« mueU lUlrckür, ilnck more tr»»kpi>renl: koiue ok «ur ^v^vellers, liiiovi»/; ok no »Mer LervU Init U>is, n»me il kimpl^ llie ver>II: >>itl tt vuxlit »ever lo Iie kv cslleck uut villl llie sckckilivn ok ils ovn xroner »sme l?arnelion; »le ver>ll ok »>e ^»lienls üeüix » klone »k liuil« »notüer Xinck, Iranspiirelll i»>ck vk liluiM xreen, ilnck evickeiUI)' Ilio ver^ Keuim vlucU ^vo »ovv ci»U Nie »^u» »>»»-/»«. 414 Entwürfe zur Fortsetzung der Briefe antiquarischen Inhalts. hatte, welche ihren Beryllcarneol schlechtweg Beryll nennen, als ob sie von dem eigentlichen Beryll gar nichts wüßten. — TaS Werk des Cardinals de Lusa, dessen in der Note gedacht wird, mag wohl nicht von dem Steine Beryll handeln, sondern von der Brille, dem Augen- glafe, auf das geschärfte Gesicht in geistlichen Dingen angewendet. Denn es ist bekannt, daß dieses im barbarischen Latein Beryllns hieß, und ohne Zweifel unser deutsches Brille davon herkommt. Nicht zwar, als ob die ersten Brillen aus eigentlichen Beryllen wären gemacht worden, sondern weil man vielleicht zn den ersten Brillen ein grünliches Glas brauchte, welches dem Beryll daher ähnlich sah; oder weil überhaupt die Jtaliäncr, wie Boot sagt(°), alle Krystalle ezui rnulti pliei gnZuIorulii rollexn alilzuos colore» in lv Imliere vilZentur, Berylle nannten, wovon der Name endlich bis auf das gemeine Glas erstreckt worden. Vielleicht auch, daß der mediciuische Gebrauch des pulverisirten Berylls gegen mancherley Beschädigungen der Augen, von dem man in den mittlern Zeilen Aufhebens machte"), zur llcbertragung dieses Namens auf die Brillen etwas beygetragen. Aber weiter: nach den Äeryllen, sagt Dinglcy, folgt der plasni, oder schönste Smaragd. Was man unter Plasma verstehen müsse, habe ich schon gezeigt (°"). es ist der PrastuS der Alte», und demnach so wenig der schönste Smaragd, daß vielmehr gerade nur eine von den geringsten Arten der durchsichtigen grünen Steine so genannt ward, und eigentlich noch jetzt so genannt werden sollte. Wenn Tinglet) bloß gesagt hätte, daß, nach dem Larncol, eS die grünen iind grünlichen Steine wären, welche man am häufigsten von den Alten geschnitten finde: so wäre cS eher recht gewesen. Denn wirklich findet man deren sehr viele, welche von den Antiquaren bald PlaSma, bald Prasma, bald Präs, bald Beryll, bald grüner Jaspis, bald Chrysolith, bald Heliotrop, bald Smaragdit und bald Smaragd genannt werden: aber, wie schon erinnert, einen jeden dieser Namen eher verdienen, als den Namen Smaragd. Sonderbar ist eS, daß sie bey den undurchsichtiger, dunkler und schmutziger grünen Steinen sich nicht des Malachites oder (°) I.ikr. II. csv, so. De Lact will davon zwar nichts wisse»; si.il>. I. cap. t0.) aber selbst diese Benennung der Augengläser von Beryll scheinet ein Beweis für den Boot zu scvn. (°°) kleUu» >I>-I.spiUum Virllllidu» p. tZ. Lllil. vvriiiirll. L?ziz^,>,Xo? — Q^>?o? o >^^>o; 6^r«<7ct? , xcr^ cr^«crii.c>T>?, «ai, ocp^aX,«,!?»' vöi„» ; intenlion«» eur-u, vouvuMonvs, vculvrum iwtores, -wnizuieiu. ("") S. den 2östc» Brief. Entwürfe zur Fortsetzung der Briefe antiquarischen Inhalts. 415 MolochiteS erinnert haben, welche Gemme von dem Minus doch ausdrücklich rellcleiiüis lauclala jigms(°) gencnnt wird. Die dritte Stelle giebt Tinglet) dem Hyacinth. Und was nennt er einen Hyacinth? Einen dunkel braunrothcn Stein, feurig und durchsichtig. ES ist wahr, das ist der Hyacinth der Alten; aber warum spricht Dingley hier so streng mit den Alten, da er in seinen übrigen Beschreibungen sich so weit von ihnen entfernt? Tie neuern Stein- kenncr verstehen unter Hyacinth einen gelben, honigfarbigen oder citron- farbigcn Stein, deren einige nur in das Röthliche spielen("). Sein Hyacinth dürfte schwerlich von dem Amethyste und unserm Granate zu unterscheiden seyn; und ich weiß nicht, mit welcher Zuverlässigkeit man sonach sagen könnte, daß die Alten den Amethyst und Granat sehr selten, den Hyacinth hingegen weit häufiger geschnitten hatten. Der Uebersctzcr hat das englische t?ci7nei beybehalten, weil er wegen des vollkommen gleichgeltcnden deutschen Namens ungewiß war. Aber er hätte sich kein Bedenken machen dürfen, Granat dafür zu brauchen; es ist durchaus das nehmliche, und einige Engländer schreiben bloß Larnet, weil sie bey einigen ältern italiänischen Schriftstellern (-arnatci anstatt t-r-malo fanden, welches fast auf die Vermuthung bringen sollte, daß diese Benennung nicht von den Körner» der so genannten Frucht hergenommen, sondern die Verstümmelung von t-aramanlieus sey. Wenigstens stimmt die Beschreibung, die uns die Alten von dem i^arliuneulo xarawantieo geben, mit dem Granat gänzlich übcrcin. WaS Dingley endlich von dem Krystalle sagt, ist nur von dem ganz weißen uud dessen Gebrauche zu Siegelsteiuen zu verstehen. Da er in weil großem Stücken gefunden wird, als andere Edelsteine, so brauchte man ihn auch zu größer» Dingen, zu welchen er häufig geschnitten ward. Aber wie viel gefärbte Krystalle mögen in den Dakty- liothekcn für die ächten Edelsteine gelten, deren Farbe ihnen die Kunst zu ertheilen wußte! Unter den übrigen Anmerkungen sind nicht weniger, eben so unzuverlässige. — Er spricht von einem VeriniUionstein, Verwillon-ttone; und man sollte glauben, was das für ein besonderer Stein sey. Gleichwohl ist eS weiter nichts, als ein Bcynamc, den die Iuwclierer derjenigen schönen Art von Granaten gebe», deren Farbe sich dem Zin (°) I. c, 8oct. 3K. (°°) ve I^ael, Ilb. I. c. 6. Ilecenliorum kl^acintlii sunl Nsvo colore, inlerilum Nwplici, eoquv am ssluro sut iMulo, vel cum ral-etli»« qu-tUam mixlo mlenliu« vel remilsius. 416 Entwürfe zur Fortsetzung der Briefe antiquarischen Inhalts. nober nähert (°).— Der Onyx und Sardonyx sind ganz falsch angegeben; und von dem wer weiß wo aufgelesenen Achatonyx macht er eine Beschreibung, aus der ich jedem Trotz biete, klug zu werden. Doch ich will mich bey solchen Kleinigkeiten nicht aufhalten. Nur eins muß ich noch mitnehmen. Dinglcy sagt: „die Alten grübe» auf „ihre meisten Steine, den Onyx und Sardonyx ausgenommen, so wie „sie gefunden wurden, weil ihre natürliche Politur alles, was durch „die Kunst an ihnen kann verrichtet werden, übertrifft." Aber man hüte sich, ihm das zu glauben. Entweder die Edelsteine werden als Kiesel gefunden, und diese haben eine rauhe Schale, die ihnen abgeschliffen werden muß, um den durchsichtigern farbigen Kern zum Lorscheine zu bringen; oder sie brechen als Drusen in fremden Steiuartcn, und diese haben zwar eine natürliche Politur, aber selten oder nie die reguläre Fläche, welche in dem Abdrucke eine egale Arca geben könnte. I^XXI. Zwcytens, von Hill's Kritik über diese Abhandlung. I.XXXII. Drittens von Äästnev's llcbersctzung, und der beygefügten Note. I.XXXII!. In wie fern von der auf dem Steine befindlichen Vorstellung auf das Alterthum desselben zuverlässig zu schließen sey. I.XXXIV. Von der Arbeit, der Zeichnung, der Ordonanz, und besonders der Politur"). I.XXXV. Ueber die Geringschätzung der geschnittenen Steine in den mittlern Zeiten. Wie viele waren denn ihrer damals schon wieder aufgegraben, nachdem ste durch das Christenthum fast ganz außer Gebrauch gekommen waren? Ihre Deutung auf biblische Personen und Geschichte war vielmehr ein frommer Betrug, um ste zum Schmucke heiliger Gefäße anwenden zu dürfen. Woher will Rloy wenigstens beweisen, daß es Unwissenheit gewesen sey? Rloyens Beweis aus dem Jupiter Serapiv/ S. 57. Wie seltsam er schließt, daß ihre Geringschätzung zu ihrer Aufbewahrung habe beytragen können"). s°) ve I.Si-i. Ii>>, I. c»i>. s. °) C. Rollekr. 7, S. 293. I>cn S, 29t, > °°) Ebcnd. S. 265. »bei, S. 262.Z Entwürfe zur Fortsetzung der Briefe antiquarischen Inhalts. 417 I.XXXVI. Ob damals kaum der Glanz der Edelsteine die Augen auf eine angenehme Art gerührt habe? S. 55. Gleichwohl sind aus diesen Feilen so viele Schriftsteller von Edelsteine»! wovon aber freilich, wie wir am Leonard» und Skudalu- pis gesehen, Nloy wenige oder gar keine kennen mag. Anmerkungen über das Register derselben beym Leonardi. I.XXXVIl. Insbesondere über den physiologus/ der in dem Verzeichnisse des Lconardi vorkommt. Von diesem weiß ich nichts; aber wohl von zwey andern Büchern dieses Namens. Beiderseitige Unwissenheit des Beaugendre und Freytag s. I.XXXVIIl. Register der Steinschneider im Leonard,, nebst einigen Anmerkungen darüber. I.XXXIX Von der künstlichen Vervielfältigung der geschnittenen Steine. Alon.cno Schnitzer mit dem vitro olisilliaoo, S. 58. Gort macht indeß diesen Fehler auch"). Von den nachgemachten Edelsteinen, den Paste» und Abdrücken in Schwefel und anderer Materie°°). xc. Von den Gc-.darern; S. xci. Was er von den Kupfern der geschnittenen Steine sagt, wird als bekannt und gemein vorbey gegangen. Die wenigsten Urlheile find sein; nnd was sein ist, ist falsch. ?. E. S. 7«). daß man in der Ausgabe des Maffei von den Gemmen des Agostini die Hand des Galle- struz.n vermisse, lind doch sind es die nehmlichen Platten; ein Beweis, daß er diese Ausgabe gar nicht kennt. xen. Ich komme auf seine Betrachtung der Steine von Seilen der Knust, S. 7IZ —101. lind hier, glaube ich, geht eigentlich das Buch an. Alles Bisherige sind vorausgeschickte Anmerknngen. In diesen Betrachtungen ist er nichts, als winrclmanns AnSschrcibcr, bis aus die bloßen Verzierungen des SlylS. Hier sind einige Proben von dieser Ausschrcibcrcy: ') S. Rollckt. ii, S. 205. 45?. s oben S, ?5l. -Wl.^ °°) Ebend. i, S. 213. i^S. 268 Z °°°) Ebcnd. l, S. 258. >S. 28«.> > >>>'s,uu,s Ä'«vkc XI. 27 418 Entwürfe zur Fortsetzung der Briefe antiquarischen Inhalts. Rloy sagt S. 1!Z: „Sie Quelle des guten Geschmacks ist nun „geöffnet. Weise ist der, welcher aus ihr schöpft, und, wie Sichler „auS dem kastalischen Brunnen, sich aus derselben begeisiert." Und 't.vinkelmann/ von der Nachahmung der griechischen Werke in der Kunst, S. 2: „Die reinsten Quellen der Kunst sind geöffnet. „Glücklich ist, wer sie findet und schmeckt!" winkelmanil von den mit königlichen Kosten zu Dresden aufgehäuften Schätzen der Kunst und des Alterthums; uud Dloy von einer Sammlung Abdrücke geschnittener Steine. Rloy, S. 30: „(5S ist ein sehr unüberlegter AuSspruch eines französischen Skribenten, dessen Bnch nicht hätte zur Schande der Deutschen übersetzt werden sollen." Nehmlich Iuvenel de Larlencas. lind ^vinkelmann, in den Erinnerungen über die Betrachtung der Werke der Kunst, in der Bibliothek der schönen Wissenschaften, B. V, S. 12: „Auch der Porphyr kaun eben so gut bearbeitet wer- „den, wie vor Alters, welches unwissende Skribenten läugncn, nnd „zuletzt larlencas in einem Buche, dessen llebersctzung den Teutschen „keine Ehre macht." Aber ^vinkelmann dachte überhaupt von den Franzosen ein wenig anders, als Herr Rloy. Er sagt in der Nachricht vom Stoschi- schen Museum, in der Bibliothek der schönen Wissenschaften, B. V, S. 26: „Ich kenne aber die Begriffe der Franzosen von der Schön^ „hcit des Alterthums. Unter uns gesagt, ich fürchte mich, unsern „Landsleuten etwas zum Nachtheil dieser Nation zu sagen. Ihre Wuth „in Uebersctzung französischer Bücher, die voll von tausend Acrgehungen, „wie des Barre deutsche Geschichte sind, mache» mir diese Besorgniß." Rloy sagt, S. 62: „Zu den Werken der Alten liegt der Ver- „stand tief." Und Winkelmann in den angeführten Erinnerungen, S. 4: „Daher liegt der Verstand der Alten tief in ihren Werken." Rloy, S. 73: „Wer den Homer nur in der Uebersctzung gc> „lesen hat, der kennt seine majestätische Einfalt gewiß nicht. Eben „so mangelhafte Begriffe von der alten Kunst wird derjenige haben, „der bloß aus Kupferstichen von ihr urtheilt.'' Winkelmann/ von der Fähigkeit der Empfindung des Schönen in der Kunst, S. 17: „Dieser Privatunterricht auS Kupfern und „Abdrücken bleibt unterdessen wie die Feldmesserey auf dem Papier Entwürfe zur Fortsetzung der Briefe antiquarischen Inhalts. 419 „gezeichnet. Die Kopie im Kleinen ist mir der Schatten, nicht die „Wahrheit; und es ist vom Homer auf dessen beste llebersetzung kein „größerer Unterschied, als von der Alten und des Raphaels Werken „auf deren Abbildungen." Rloy redet S. 159. von Werken, die einen allzu scharfen, eckigen Umriß habe», und deren Meister lieber ihre anatomische Kenntniß zeigen, als sanft und gefällig sey» wollen; und setzt hinzu: „Wem die „Werke gefallen, die diese sparsame Weisheit bezeichnet, der giebt ei- „nen eben so ungczwcifelten Beweis von seinem verderbten Geschmacke, „als der, welcher die natürliche und sanfte Schreibart des Senophon ,,deni spielenden Witze der Sophisten nachsetzt." — Diese sparsame Weisheit! Was heißt das? Er braucht den Winkelmannischen Ausdruck, und giebt ihm gerade die umgekehrte Bedeutung. VVinkclmann sagt nehmlich, von der Nachahmung griechischer Werke, S. 12: „Eben so unterscheiden sich die neuern Werke von „den griechischen durch eine Menge kleiner Eindrücke, und durch gar „zu viele und gar zu sinnlich gemachte Grübchen, welche, wo sie sich „in den Werken der Allen befinden, mit einer sparsamen Weisheit, „nach dem Maaße derselben in der vollkommencrn und völliger» Na- „tur unter den Griechen, sanft angedeutet, und öfters nur durch ein „gelehrtes Gefühl bemerkt werden." Rloy/ S. 174: „Die Ausleger sage», nach ihrer Gewohnheit, „entweder Dinge, welche uns noch ungewisser machen; oder sie sagen „nichts von denselben. Eine Sache, die sie mit den Brnnncn gemein „haben, die oft überfließen, und dann Mangel an Wasser leiden, „wenn wir es am nöthigste» brauche»." lind winkelmann in der Vorrede zur Geschichte der Kunst, S. XXl: „Ueberhaupt sind die mebrcsten Skribenten in diese» Sachen „wie die Flüsse, welche aufschwellen, wenn man ihr Wasser nicht nö „thig hat, und trocken bleiben, wen» eS a» Wasser fehlt." xciil. Nachtheil der geschiutlcnen Steine für daS Kunstaugc, oder das Auge eines jeden andern, der sich darnach bilden will. Die ScWnhcit laßt sich in so kleinen Figuren bey weitem nicht so deutlich empfinden, daß sie auf die Ausführung im Großen einigen Einflnß haben könnte. xciv. So sehr er Winkclmann ausschreibt, so untersteht er sich gleichwohl ihn zu meistern, wegen seines Satzes, daß die alten Denkmähler 27" 420 Entwürfe zur Fortsetzung der Briefe antiquarische» Inhalts. aus den mythologischen Zeiten vornehmlich zu erklären seyen. Vcr- theidigung dieses Satzes. xcv. Rloycns lächerliche Nachahmung des Winkelmannischen Enthusias »uiS. Von diesem überhaupt. Wie anstößig die Nachahmung bey der VennS Kallipygia sey. Christs Ecriugschätzuug bey dieser nnd andern Gelegenheiten, dessen Vertheidigung. xevi. Christ's weitere Vertheidigung wegen der alten Art in Stein zn schneiden. Es ist nicht einmal Christ's Meinung, sondern schon Vertori's, welcher durchaus davon spricht, als ob er sie ausüben gesehen, und sie umständlich beschreibt. Es ist kein Schluß von dem, was wir jetzt nicht zu machen wissen, auf die Alten, daß sie cS auch nicht gewußt hätten. Möglichkeit, daß es verschiedene Arten kann gegeben haben; gezeigt an dem, dessen sich Rivaz und vaize gerühmt haben'). Auch den Valerio Vincenri hatte man in Verdacht, daß er eine geschwindere Art zu arbeiten haben müsse. S. dessen Artikel beym Fueßlin- xcvu. Und doch ist Rloy auch der Plagiarius von Christ. Außer dem Beweise, den ich von den Ahncnbildern der Römer insbesondere geführt habe, noch andere ans Christ o Vorlesungen über die Literatur. Zur Geschichte der Aesopischen Fabel, i. °°) ier sind die ersien Linien einer Geschichte der Aesopischen Fabel; demjenigen vielleicht nicht unwillkcniiiien, der es mit einem Blicke übersehen will, wie und von wem dieses Feld angebauet worden. °°°) °) S. Rollekt. I, S. 208. »den S. 283.1 °°) Ei» Heft jetzt im Bcsitz des Herr» Ech. Raths von Mcuscbachj hier sorgfältiger abgedruckt als im zweite» Theile der vermischten Schriften. °") Hierunter hat Lcssing angemerkt „Svidas citirt oft, ob»e Name» des Verfassers, «V /.^^-xm? oder -V kl^Avl?. oder ki-uKij-. Aus dem Babrias fuhrt Svidas verschiedne Stellen an, die ich unter keine bekannte Fabel» z» bringen wüßte,' als unter corvs ebendasselbe), ll?» awa>)s<. Xu^r^ Steltio. Kk. /Zczo? Iiinnulus. Ilvtz^-x^?." Zur Geschichte der Acsopischcii Fabel, /o / /»» Seine Fabel von den Baume», die sich einen König wählen. B. der Richter IX. v. 8. ^V« / /t« n. Seine Fabel vom geraubten Schafe. //<^ic> Ynintil. (Iral. I. V. 11. ^4 e^o u Aus des AristophancS o^ö'-V-o-^^ov «^«^^«^ ^in avilius v. 387.) ist mehr nicht zu schliesset!, als daß eine Sammlung seiner Fabeln vorbanden gewesen! "icht aber daß er sie selbst geschrieben. DaS Zeugniß des Phädcr und des AphlhoninS beweisen dieses auch nicht. Fabeln die nach dem Zeugnisse der Zillen gewiß von ihm sind. 1. Der Igel, der dem Fuchse die Fliegen vcljagcn will. ^lilioteles. 2. Der Adler und der Käfer, plul-uclius. 3. (Ässila. Lellius. o /!/»ouillg. Am wahrscheinlichsten ist, was Hcrbclot sagt, S. 618. a. t//INI/. GcllcrtS Irrthum i>. 31. als ob Sandabcrs Fabel» andere wä ren, als des Pilpay. t5S ist der nehmliche Mann, der i» der Pcrsi- scheu Sprache Pilpay, und in der Hebräische» Sandaber heißt. Der franz. llcbcrsctzer des Pilpay hat Gelierten verführt. S. des- sc» ^vcrliss. welcher noch dazu setzt, daß aus den Fabeln des Sandaber die Franzosen ihren Roman von den sieben Weisen gemacht. Pilval) oder Bidpa!, war ein Bramme, und schrieb sein Werk für eine» König von Indien, Namens Dobschclii». Hcrbelot S. 466. Koc'i'a/eä. Daß SokratcS ci»ige in Versen gebracht, beweiset wenigstens daß die damals vorhandene Sammlung in Prosa gewesen, plularelius >>L i>u<1, ^ueli!!. e»». <>. tzuiilag in voeo ^x^»^?. Ij»8 ^r» exemttlo i'iiliulü» ol^ ^ucrale8 ilivinis onvriuus iu«lillil, sagt AviannS in seiner Präfation; welches aber wohl mehr von den Fabel» zu verstehen seyn muß, die Plato seinen Gesprächen cingcslochtcn. ^1 e m e /1 i?«« ^l' />»e u «. Welcher »ach dem LacrliuS lili. V. leet. 8l). >.o)'lol- ^l^-e-t^ s^vcc^z,«^ hiiucrlassc» haben soll. 422 Zur Geschichte der Acsvpischcn Fabel. Lttiiia«. oder üslirius, von dem Avianns sagt: quas (szliulas) (Ii^ei« juiii- Iiis Lsbliug reveleng in lluo Volumina coailavit. Cannegiter meinet, daß BabriaS und Babrins zwei verschiednc Fabeldichter gewesen; in s. Zlnmcrk. zur Präs. p. 8. SnidaS sagt ausdrücklich, daß er seine Fabeln aus dem Aesopus genommen, und in Verse gebracht, Choriambische nehmlich. Seine Sammlung bestand aus zehn Büchern. Stelle des Seneca. logos oelopios intenlslum kivmanis onus, in s. koiilol. all I^ol^li, v. 27. ?/>cie«/iu«. plioeilrus pailem aliciusm lznin^ue in liliellos rcl'vlvil; sugt Avia». Vielleicht gedenkt auch seiner Marlial III. 2V. t?aniu« vielleicht; beym Marlial III. 20 ^^1^t/l0«ttt«. 8ovlutla Leculi II. Lannegieter macht ihn alter als den Titian, weil er seiner nicht gedenke. Nach ihm hat er unter den ^nloniuis gelebt, und ist kei- neSweges der Rufus Festus AvienuS. V'i/tNttu«. Dessen Apologie beym Ausonius episl. XVI. Cannegielcr hält ihn für den Julius Titianus, welcher des lUgxiinini lunioiis Präcep- tor gewesen: also um 234. /t» »i u/u«. ^! »to!t >/ »i 1«« ^> iIaotii. I^Iagislei' /^ilati«« Diaconus, dem die vierzeiligen Griechischen Fabeln gehören sollen, die gemeiniglich den Nahmen des GabriaS führen. Vowus lnst. Orst. II. e. 16. §. 2. Leor, Csnneg. Dilleit. p. 289. Vixir Ignstius ille tun iniliis Heeuli IX. v. kellert p. 35. ^4 //> e c/. König von England, starb 909. der die Fabeln des Aesopus in das Angelsächsische übersetzen laßen, nach der Vorrede zum ^elono moralis., wo er zwar ^Iliecluz geschrieben ist. Zur Geschichte der Aesovische» Fabel. 423 Es ist feine Angelsächüsche llebersetzung des Aesop itzt mehr vorha». den, v. I»>,olluc>. disevuis lo Ilie l^anieivui^ l'slvs p. 179. so viel dieser Verfasser erfahre» können. Er Halle aber deswegen nicht dürfen auch an der ehemaligen Existenz derselben zweifeln, welches auch jene Citation aus dem ^el'ono inoralil'ulo beweiset. ^« »i^ioveleti. «. 8i?»eo?l Ke//! »s. Tcr griechische Ucbcrsctzcr des Kelila und Timme; der, wie TeS- billio» bemerkt, um 1100 gelebt. ?'e^k»/c/il«. dessen IXovu5 ^vionus ohne Zweifel auch Fabeln enthält, v. (^ioriillle lle'i.oller-ili I. IV. ,,.181. Der- proven',alischc Ueberseycr. Oder vielmehr eine Fra»zösischc, und zwar von einem Frauenzimmer, Namens Maria, welche die Angelsächsische llebersetzung ins Französische gebracht hat. Ihre Arbeit ist noch vorbanden. I) den Schluß davon fuhrt PaSauier an. lievlieielie« lie la VII, l. II) und eine Fabel aus ihr der Kommentator des Chaucer. >>. 177. ^/e.ra»k/e,' Ideellam ^eczuam). an»» 12t."> ilien, olnit. llnlcr sciiicu I>I^!z befindet sich ein nnvus ^e5oz,u» und noviiü .^vianus. v. Nsleus evte^i Uik«. ?oe>. m. -r. s>. !>!>2. /oaiine? >Io t!spus. 1262. . ?er lateinische Ueberseycr des kelila und ^imme. v. kilil. me6. -e. ?sl»-. 1»m. I. p. 332. ^iitoe?l/ in« /Fe//»l!a?eii/^5. starb um 1289. Tie Fabeln in seinem ^zirr-ulo cloolriimli. Fabeln aus den Minnesingern. Hugo von Trimberg. Äoner. Oder die sogenannte» Fabel» aus den Feiten der Minnesinger. .4c/o//>/>u». 1315. dessen Fabeln Geyser aus einem unsrer Bivliolh. herausgegeben 2007. e?e//tt«?e»t/iu« k^tti/cr. 1436. ^!«»liciu«. /^eon/i. Hatt. 1461. Bamberger gedruckte Ausgabe von Bonners Fabeln: ohnstrcilig also die ersten gedruckten Fabeln. 1498. Tcr Rcincke Fuchs ist nicht zu übergehen, lind unter dieses Jahr müßte ich ihn setzen, wenn ich Gottscheds Meinung wäre, daß Heinrich von Alkmar der Urheber desselben sey. Aber es ist unstreitig daß ein älteres fraiijostscheS Gedicht davon cristirct: wenn es auch weder der IVonveau li^naiil, noch der üc^nanl (ü»nl>'esgit, seyn sollte, die Gottsched anführt. Ein drittes französisches Gedicht dieses Namens, welches bloß le liomsn uu lionaici heißt, führt (In I''rcs- vo^ unter liomavus an, und die auegejogcne Stelle beweiset, daß auch Iscgrimiii seine Rolle dann» gespielt. Steinhöwcl. Sebastian Lrand, ^ti/Veiiltits. Tessen zweytes Buch 1505. ans Licht kam. t?tti?ttio»u« /,eo?ite^Iag. ^lljiaral. 'I'um. III. p. 117. V. Lslllo. Beym JeremiaS PadnannS ° werden eines Baldo rli^-Iiiwi s-iuu- laieg öfters angeführt. Diesen hält ReincsiuS" für den Waldo, welcher 779 Abt zu St. Gallen war. Grund hierzu hat er »u» freylich nicht sehr wohl; denn er schreibt blos an den Daumius: von ereu'is? ^lium ergo wilu »omina, äivinator selieior. Lvu seinen ° °° °°° Diese Sternchen sind in der Handschrift, und er hat vermuthlich Anmerkungen dazu schreiben wollen, die ich aber nirgends finde» könne». R. Lcssmg, 428 Zur Geschichte der Acsopischcu Fabel, Versen urtheilt cr sehr gut. 8unt ejus rli^llimi milv lnnuliccs lu- eiles^ue; seeuiati kamen proe eeloiis lioo geuus jueumli. Die ganzen Fabeln dieses Baldo oder Waldo finden sich in der Bibliothek des Klosters jn Meilen; aber so. wie sie Rvspff anführt, kann ich weiter nichts davon sagen, als daß sie in vlcgicischcn Versen sind."" VI. °) ^poI»Hl morales 8. (üvrilli gab Balth. Corderius zu Wien 1<>3» in kl. 12. heraus, und glaubte sie zuerst herauszugeben; ungewiß, ob cS des Iliervl'vl^. mitsrii oder ^lex-mu'rini Werk wäre. Bald darauf 4639, merkte Aubertus Miräus über den (Senna- dius c. Z7. an, daß sie lilulo 8peeuli l'-ipieoli»?, I'.iriliis a ^»an»o parvo schon langst gedruckt worden; ist aber noch ebenfalls ungewiß, ob sie dem (üyrillo ^lexanclimo gehören. Diese Anmerkung des MirauS wiederhohlt der Verfasser der Lebensbeschreibung 8. lü^iilli Lpilcoin ^lexaumioi in den ^clis tan- etorurll (lanuaiii ei. 28. p. 3Z4.) und fügt hinzu: lle illiug liuelli (nehmlich der ^polo^oi'uio) aueloro Lz?r!llo sgemus IX HIarlü. An dieser Stelle nun p. 19. setzt ohne Zweifel der nehmliche Verfasser hinzu: keil luc I^iliellns, ut 6e 8eri»toriliu8 Lcclelisl'l. ventek /^/it/,'Mii« /.tt5ieus noster, all anelvro Istiiio I',:iintuz etl: ul^ne olil'urvavit, czuem >^ inlv oilal, /Vuuerlu» I>Iiroeiis in o^ierv >Io 5»r!ul. Leeleliakt. all ea^. 67. (?o»naciii ^lallilienli!-, titulc» ^iec?t/t Kc-^itc?l/t'kiI». Invesli^ancium ellel, ouru ejus exlek alic^uocl !u 8elavorum teil- ptis vektigium. Cyrillus, der Sklaven Apostel, lebte um 876, Aber auch so alt ist der Apologcnschreibcr nicht, und meine Mnthmassnug ist weit wahrscheinlicher. VII. Vincenliu» Ijelllivaceiiliü. Dominicaner im 13ten Seculo. Juformirte die Sohne I^u-Iu- vie! IX 5<öuigs von Frankreich. Jn seinem 8'ieculu vucliinali °) Unter den Brcslauer Papieren n>it dem Tilcl „XXlli, eprillns der Fabeldichter." Wahrscheinlich sollte es das 23stc Stuck der Beitrage zur, Geschichte und Litteratur werden. Zur Geschichte der Acsopischc» Fabel. 429 lili. III. can. 114 —424 hat cr auch einige Acsopischc Fabeln mit eingerückt, von welchen ich mich wundere, daß mau sie noch nicht zur Verbesserung dcS Phadrischcu TcrtcS gebraucht hat. öS sind aber folgende. 1. I^»i»i8 et Hgiiu?. I^üaellr. I. (I'sli. ont. III.) " 2. »Iu8 »umeii ti!>n?ire voleiis et lima. ^nonv. 3. ^ud. nnt. IV.) "3. I^useiuig et ^Vceiviler. /^nonvw. 45. (I^al» snt. XXXIX.) 4) <^!wis Humen iruiilieiis. I. 4. (tat). ant. VIl.) 6) Riliiia a vulne pailem cauclse peiit. ^nonv. 66. 6) I>oelurnu8 lur e.ioi n.invm mittens. I. 23. 7) Vaeca, esvellg, et avis loeiae leouis. I. 6. 8) 6ius et I^iiuu?. I. 8. !>) t.'eivus i» lanle te vielen?. I. 12. " lö) Ilnmo »l> ailioiilius manulnium pelens. ^nonv. 63. 11) Vulne? et cvrvu8 lünlu cal'eo. I. 13. 12) I^e» annis «leleclus. I. 21. "13) ^linu8 Iilaiuliii vnlen8 licut oalellu?. ^nonv. 17. 44) I>l»n8 puilune»?. IV. 22. "16) I^enore8 ts nr.-reinilai-e volenle8 in i>m. ^Voon) . 28. 16) ^li»u8 ex eujus pelle Ivmpana sael.i. Ill, 2t). ^non. 67. (I'ad. snt. 47.) 47) Lraeulus nenoos I'avoni8 tollen?. I. 3. 48) k'ormica et musea conlenilenteü. IV, 23. 1!>) liana i»lli>n8 l'e et lios. I. 24. '20) KIu8 et Leo. ^nonv. 18. k'ali. ant. XVlII. "21) kriuus et ^linu8. ^noo^. 43. ' 22) Vel'verlilio ex .ivium et czuailiup. narliuu« ^Vnonvm. 44. "23) Verax et süllax in vroviueia limiorum. k'ol). autic^. 1^1. »24) nli>nu8, pe et ülinu8 rudeo?. I. 11. ""28) 4,eo lan^uoiem 6ngen8 et vulpes. 29) (!ani8 ninßui8 et lunu« mscer. III. 7. (k'al). ant. 46,) VIII. «) Dieser I^eonliaidus Dali ist bekannt. Vio'. I)>;Iie!Iius, ^öelier ^.'e. Ob aber dieser seiner Fabeln wohl in seinem Leben gedacht wird, °) Auch das Folgende handschriftlich unter den BreSlauischc» Papieren Vorher geht eine Nachricht über zwei Gedichte des Campani und zwei des Panoninia in derselben Äolfcnbüttclschc» Handschrist. Zur Geschichte der Acsopische» Fabel. welches LaurcntiiiS MchuS 1744 nebst einigen seiner Briefe heraus gegeben hat? Es sind deren 4g, wenn ich in der Geschwindigkeit recht gezehlt habe, und ziemlich von den bekanntesten. Er hat sie dein aIii> reseit. I^oitsn et gcl reliczuas nergsm, nili lora re>or. Zur Geschichte der Aesopischen Fabel. 431 gewesen sind. So ist z. ö. die Fabel pelis et. Venus von ihm über- schrieben, I>Ius!uu>l>, ^äoleseens et Venus, und fängt an I^nrmokum juvenem nimio gtieelstist amore klutipul-,. WaS stlulijiula heifit, weis ich nicht. Mulcipuls heifit eine Mausefalle; aber wie sich die in einen Jüngling verlieben könne, weis ich nicht. Doch eine Katze und eine Falle fangen beyde Mäuse; warum soll der Dichter nicht also einen Namen für den andern brauchen können? — Die Fabel kelis et KsIIus gallinaeeus überschreibt er klsrtui- et Lallus, und fängt an (Zallum waitur ualiet Ae. Wenn cS noch klaites hieße — Die Fabel I^ims et Vipera hcifit bey ihm: !>Iiil!o et I^ima. Inlrogrellu estum kauri vaga mulio lirosm I»l'nee>am lingit. Die letzten beyden Worte hat Dati nach dem Italiänischen gemacht; denn da hcifit klaitorn ein Marder, und nlukoc» ein« Art von Schlangen. IX. /V lj t> t e m i u s. Wen» er eigentlich das erste Hundert seiner Fabeln herausgegeben, kann ich nickt sagen; aber gewifi vor 1499, von welchem Jahre eine Lcnctianische Ausgabe in 4io in der Bibliothek ist, welcher ein DomiciuS PalladinS ein Schreiben vorgesetzt, in welchem die »vologol-uiu liuellus, nuncr impiellus hcifit. (<)uoo1.171. 28. 4to) Dieser Ausgabe sind 30 Aesopische Fabeln, von LaurcntiuS Valla l4lZ8 übersetzt, beygefügt. Bayle weifi nicht ob er lange nach 1606 gelebt. Ich weifi dafi er noch 1Z16 am Leben gewesen; denn als in diesem Jahre Beatus NhenanuS das Lnclurinium X^sli ?u!lofoplii pz-tug^orici hinter dcm ^cueas (Zaraeus plat. clo iwmortalilate aniuiae, (nach der Ucbersctzung des AmbrosiuS CamalduleiisiS; so wie den XystuS nach der vermuthlichen Ucbersetzung des RufinuS, aus einer alten Handschrift, die Selettscli! in kivliollieea 6iva: ?ivis lervsbgtui-) herausgab; so setzte dem erster» AbflcmiuS ein kleines SmpfehlungSgedicht von 7 Herameter» vor. Das andre Hundert Fabeln hat er 1606 hinzugefügt, wie aus einer eignen Zuschrift an einen AngeluS Grypho erhellt. 432 Zur Geschichte der Acsovischc» Fabel. X. Einzelne zerstreute Fabeln. 1. Beym Bruder Michael Styfel i» der Auslegung sciucS Liedes von der christförmigen Lehre Luthers, gedruckt um 1620 in 4» kömmt folgende Fabel vor. (Sig. ist aber wohl schwerlich von ihm selbst. „Der Dorn ist eine Wurzel des TodtschlagS, darum wird er auch gar von Christo so schwerlich verdammt. Hier hilst dich auch keine Entschuldigung, daß dir Unrecht geschah, daß man den Zorn an dich mach. Also beklaget sich einer gar hoch vor einem andern. Da antwortet er ihm mit diesem Glcichuuß. Ein Eiusicdcl kam auf ein Zeit mit seinem Krüglein zu einem Bronnen, der da was au dem Boden schlhmig; und als er daS Krüglin hinyn stieß, do gicng der Schlym über sich häruf. Da sprach der Bronn: Bruder, du be- bctrübst mich. Antwurlct der Bruder: Ich betrüb dich »it, dein böser Grund betrübt dich. Also sag ich dir auch: ein schlechte Gc- dult ist das, so du »it zürnest, wann man dir nichts übclS thut, oder gutS thut. Also sciud auch gcdnltig die unvernünftigen Tbicr/' XI. Lillierlus (!»Fnc>lus IXo^crenus. Die erste Ausgabe seiner 8^Iva oarralinnum ist I^ujzllun! 1546. i» 12«, oder vielleicht daß es eine noch frühere giebt; denn seine ZucigiiuugS- schrift an den Johann MctelluS ist von 1637 und IXo^erellii dalirt. Diese war nur ein Aorschmack des vollständigen Werkes', welches 1667 zu Basel iu 8. herausgekommen, und aus 8 Büchern bestehet, wovon das erstere ^uoln^os cum l'uis inlerpielaliomliuz enthalt. Unter diesen merke ich an, l. p. 1. Die Erschaffung des Dichters, aus dem Philo. p. 18. vv ^llno et eczuo: wird auch von ein Paar Furlcutcn oder Postknechtcn erzählt, p. 34. Do liuocl.im. Der eine will dem andern etwas sagen; und dieser heißt ihm, es bis nach Tische zu vcrsparcn. Er verbrannte sich daS Kleid, p. 40. De Vulpo czuailam (»lini teslieulos mantlucaiiili cuniila). r>. 49. Oe anu multiui^g. Ist wie die Fabel beym Rckam vom Wolfe, der 365 mal zublinzt, und dieses für ein Jahr rechnet. p. 78. De klulierv pro pulice «ecliculuin nrolerenle. Zur Geschichte der Acsopischcn Fabel. 433 XII. Ochini Fabeln sollen 1554 zuerst herausgekommen seyn. Es sind deren fünf Bücher. Ich habe sie aber weder Italienisch noch nach der lateinischen llcbersetzung des Castellio jemals gesehn. Sondern bloß deutsch nach der llcbersetzung des Christoff ^Virsung in 4. von 1659. Und auch in dieser llcbersetzung nur die ersten vier Bücher; ob ich schon in dcr Salthenischcn Bibliothek finde, daß sie alle fünfe übersetzt worden. Logt scheint deren nur gar zwey Bücher gekannt zu haben, und sagt daß der erste Druck des ersten von 1656 sey, in welchem Jahre wenigstens die AucignungSschrift des Wirfung an Otto Heinrich, Pfalzgrafcn am Rhein, unlerschricben; und zwar datirt in Augspurg (um darnach das Deutsch des Wirsung beurtheilen zu können.) WirsuugS Leben muß beym Adami stehen. Er war anfangs Prediger in seiner Vaterstadt. ES sind nicht eigentlich Acsopische Fabeln; sondern wahre und erdichtete Eeschichtchcn, und sinnreiche Einfalle, durch welche die mancherlei) Thorheiten des PabstihumS und die Laster ihrer Glieder ins Licht gestellt werden. Sehr viel sinnreiche darunter, als 1.40. Es wird alles als wahre Geschichte crzehlt. Aber sonst cincr der es glaubt! Z. E. 1.41 von den Juden in Rom, die Christen werde» und Juden bleiben wollten. Schmoyen/ was wir sonst schmunjeln nennen; halb gern halb ungern lachen, und es zu verbeißen suchen. 45. S. Viel Histörchen vom Tridcntinischcn Concilio, die er für wahr ausgicbt. 1.56. Melbig. ES ist nicht müglich, wer »ilt Müllern zu handeln hat, daß er nicht melbig werde. S. 66. Du bist meines FugS nicht. S. 66. Du bist nicht, wie ich dich verlange. Des wäre sich nicht zu verwundern. S. 68. Ich hab eines Regens und nit einer Guß begehrt. S. 73. Dcßcn unlcrsinud sich ein Jüugliug. S. 74. ZauffcnZ II. 44. Ein fast zarter und heygklcr Mann? 11.47. Unwürsch. ili. Unglaublich von Iulio III. II. 49. Raßlcr und Spieler III. 24! vielleicht vom Rasseln dcr Würfel. LcMgS ülwk- XI- 2^ Alaunseiiuta littlnit tliooloKl«^ in k'olio. °) 1) (Üoelii I^aetanlii ?iimiani Opera in memdrana. Non allen Handschriften des LactantiuS in »nscrcr Bibliothek ist zu merken, daß sie Bünemann zu seiner Ausgabe (von 1739) nicht so brauchen können, wie er wohl gewünscht, und daß er nur in cin- zelen Stellen sie nachsehen dürfen, (s, IZiinem. prael-ilio no, 43. 47.) Wenn er aber sagt, daß die Loiliceg aus der EudiuSschen Vcrlasscn- schaft hierher gekommen, so ist dieses nicht ganz richtig; denn der, welcher in dem Quartcatalogo unter Nummer 3 spccificirt ist, ist zurückgeblieben. Dieser Lo6ex enthält die VII lilir. inglilulionum, die in den Uc- berschriften durchgängig den Zusatz sdvergus xcnles führen, welches ich nicht finde, daß es Bünemann sonst aus einem Manuscript angemerkt habe. Die Einthcilnng in Capitel dnrch alle sieben Bücher, ist die nehmliche, die Bünemann mit Römischen Zahlen angegeben hat, und zu jedem Kapitel ist der Inhalt mit rother Tinte an den Rand geschrieben. Dergleichen Inhalte hat Bünemann ganz weggelassen. Zu den Griechischen Stellen war in dem Texte Platz gelassen, die aber ebenfalls mit rother Tinte von einer etwas neuer» Hand eingetragen worden, wovon jedoch eine Lateinische Uebcrsetzung bereits von der ältern Hand, die den Tcrt geschrieben hatte, an den Rand geschrieben war. Auf die loslitulivne» folgen die Bücher «le ira und 6v om'licio Dei vel kormLlione Iiominis, beide ohne alle Abtheilungen von Kapiteln. Endlich schließt das Lärmen l'I>»e»!co (welches aber nicht des Lactantius, sondern des LlaudianuS seines ist), und von einer neuern Hand die Stelle aus dem zweyten Buche des PlininS von diesem Vogel. Die Anfangsbuchstaben sind von (?old und illmuinirt, und der ganze lüoilex höchstens ans dem Ende des XIV. Jahrhunderts. Er scheint in Italien geschrieben zu seyn, wie denn auch der Name I)o. mini ^ncirese Lrilli, welcher auf dem letzten leeren Blatte stehet, ohne Zweifel der Name eines seiner frühern Besitzer gewesen. 2. I^aelanlii qusvllain, quoium inilia in memdrana, maxlnia autem nsi-s in clmrla lerittl». Dieser (üoäox fängt an mit dem Buche «!v 0-iilieio Hol, in XXI. Kapitel abgetheilt, deren jedes seinen übergeschriebenen Inhalt hat. °) Lessings «eben ii, S. 201. klaousoripta latina lÜLologiea ia ^olio. 435 Am Ende aber findet sich noch ein anderer, etwas umständlicherer Inhalt aller 21 Capitel. Die Cintheilnng in nur 20 Kapitel beym Bü- ncmann ist etwas verschieden. Hierauf folgen die loslitulionos, in ihre Bücher, und diese in ihre Capitel abgetheilt, meistens mit dem übergeschriebenen Inhalte, wie er in dem vorhergehenden LorZioo zu lesen. Die Instiwtioues führen hier gleichfalls den Zusatz: nclvorsus gentes(°). Endlich macht das Buch 6s iis den Beschluß in 2Z Kapitel getheilt, mit überschricbenem Inhalt ("). Und folglich enthält dieser doilex eben so wohl die ganzen Werke des I^aclimlius als der vorhergehende; indem ihm ebenfalls nicht mehr als das I^itome insliluliouum, und das Buch lle mortilius perse- cutorum fehlen, welche erst in neueren Zeiten pfaff('") und Balu- zius in bisher noch einzigen Manuscripten der Königl. Turinischen und der Colbertinischcn Bibliothek zu Paris entdeckt haben. Die Pergamcntblätter dieses Ooclieis finden sich eben nicht zum Anfange der verschiedenen Bücher, sondern sind durch das Ganze ohne Ordnung zerstreut. Der papicrne Theil ist sehr schönes weißes und starkes Papier, welches einen Buchstaben zum Zeichen hat, der entweder ein p oder Ii ist, so wie er rechts oder verkehrt steht. Das Ganze ist durchgehcnds auf gespaltenen Columncn geschrieben, und schwerlich wohl alter als aus dem Anfange des 16ten Jahrhunderts. Zum Ende hat der Schreiber folgende vier schone Zeilen angehängt: 11t laetus pcmli si>umantis oavila Izmplisg klunero conA.iuclet ?ummi tran!>8i>e potenlis, 8ie saero calamc» soriplor 5ulcasso lil^ellos liltelorig egrogii nomon I^aetgnlii est eui. 3. I^aelauli nonnulla. In memdrsog. Dieser Loilex, wie schon angemerkt, ist nicht in unsere Bibliothek gekommen. Dafür will ich sogleich die andern iüoclices' I^etaolii mitnehmen, die in derselben vorhanden. Erstlich also ein cliarlacvug unter den Luciianis in iolio ^o. 71, den ich in dem gedruckten Verzeichnisse in 4to nicht finde, und der also (°) Die Griechischen Stellen sind nicht eingeschrieben, aber die Lateinische Ucbersctzlmg findet sich gleichfalls am Rande von der nehmlichen Hand. (°°) Die Bücher folgen also in diesem ooSics sehr gut, nehmlich, so wie sie nach einander geschrieben sind. S. Hambergcr. ("") Nur vollständig, mit dem fehlenden Anfange. Denn das meiste davon war schon längst vor ihm bekannt nnd gedruckt. 23 ° 634 »lanuscripla laiioa ll>eolog!ea In kolio. ohne Zweifel für diesen fehlenden wird mitgekommen seyn. Er enthält aber nur die lusiituliones, und ist, wenn er alt ist, aus dem Anfange des loten Jahrhunderts. Fweytens ein memuiguaeeus in <)uart, in dem gedruckten ()ua> t> c->I«Ioko oo. 24. p. 546; nach unserer Zahl aber 240 Lud. Dieser enthält vom I^aelimlius: 1. das Buch 6e ii-a, gleichfalls in 2ö Kapitel, (also anders abgetheilt als beym Bünemann, der nur 23 zählt) mit ihrem vorgesetzten Inhalte. Voran stehet von der nehmlichen Hand, folgende sehr verniinfiige Srinnerung. ., l)uicunali.e!>s vealum ^ugustinum, c^ui in eius Lueuiriilio sit: <üum autem Deus irosci 6icitur, non eius perlurliskic» signi- licatur: c^ualis est io anim« irasceulis Iioiniois. 8e6 ex üu- maois molilius trauslato vocabulo: vimlicta eius, e^uae voll visi jusla est, irae nomen aceipit. 2. Das Buch cle I)ei opikeio, nach der eintheilung dcS ilvilieiz IXo. 2 in 21. Kapitel, mit den nehmlichen Uebcrschriften derselben; gleichfalls doppelt, wovon die zweyten il^o^ -r-^->z ia I^cwn- tium heißen. 3. Das Gedicht des I^acl-mlius 6e ?koenice, dem das Gedicht des Claudians ähnlichen Inhalts, und die Stelle aus dem Pli- nins beygefugt sind. 4. I>. I^actaotii I^irwiani 6v sacralissima rcsurrcclione Llu isli versus. Ist das Gedicht 6e ?asclm, in der Biincwannischen Ausgabe p. 4o16. welches aber wohl mit mehrere»! Grunde dem Veoan- tius koitunalus zugeschrieben wird, unter dessen Gedichten es sich auch lili. III. c. 7. befindet. Tas Sonderbare unserer Handschrift ist, daß das Gedicht sich mit dem 3!) und 40 Verse anfängt. Lslvv kesla (lies, toto venerauilis avvo, <)ua lleus iuleimiin vieit et sslra lenek. worauf alles in seiner Ordnung folgt, bis auf den 400 VcrS, mit welchem es schließt, so daß es von den noch folgenden zehn Versen, die wegen des ^snvia gens laxo Auslegeus bedurft haben, nichts weiß, die also wohl ein fremder und späterer Zusatz seyn könnten. Alimuseii^la latma tlivoloxlea iu ?»Iic>. 437 Das Alter dieses (üoelieis ist zu Ende des Buchs mit den Worten angegeben: in, n. K. 7. Er enthalt 1. die liliros ioslituliouum in ihre Kapitel abgetheilt, mit deren Inhalt. DaS 7te Buch ist nicht 6o vila veala, sondern cle eiivivc» ^»ooemio zu Anfange überschrieben; zu Ende aber heißt eS 6v lZivino prooemio i. e. iieala vila et ullimo sutnro jn- 6ie!o i>6 (üonstsntinum Imveralorem, daß also wohl die gewöhnliche Ueberschrift die Llossa seyn könnte. 2. «Ze ouilieio Dei gleichfalls in 26 Kapiteln, nebst den Ucberschriften, die auch hier gedoppelt sind, wie sie in den angegebenen (üoclicilius vorkommen. 3. 6e ira Dei ebenfalls in 2^ Kapiteln mit den Aufschriften. 4. 6s resurreclione Oliristi versus, welche auch hier mit dem 3!) Verse anfangen, 8alvo sesla llios, und die letzteren zehne nicht haben. Z. Versus «Ze plioe- nice, dem ebenfalls noch das Gedicht des ClaudianS und die Stelle aus dem PliniuS beygefügt sind; mit noch andern ähnlichen Stellen aus den Metamorphosen des OvicUi, und einer Italiänischen aus dem Dante. AuS letzterer Stelle ist nicht unwahrscheinlich zu vermuthen, daß der Karlex in Italien geschrieben worden. Etwa um 1400. DaS Papier ist schön weiß und stark, und hat ein Zeichen, welches einem Crucifix, daß in einen Zirkel eingeschlossen ist, ähnlich steht. Viertens/ ist das Gedicht 6e resurreelione noch in einem vliai tacea unter den ^uxusieis No. 33. 4. bald zum Schlüsse zu finden, wo es gleichfalls eben so anfängt und aufhört. 4. L. /^mlirosii kleäiolaruensis llexameron in Hlembrana. Der Charakter dieses Loa'vx ist ganz Gothisch, und er kann höcl> sienS aus dem 14tcn Jahrhundertc seyn. Wenn noch. Vor jedem Buche ist das darin abgehandelte Tagewerk in einem kleinen Bilde vorgestellt, das Gold und helle Farben genug hat. Was ich darin gclcscn habe, ist sehr incorrcct. Z. L. Ilieroovmi Lpistolae elegantlssime scrinlao. In memviima, l>. lliercmvmi Ltt!sl,e8ios et Kalalas. In memvrans. Von wem, mid wenn dieser iüo-lex geschrieben worden, davon findet sich auf dem Blatte einige Nachricht. Oben nehmlich, steht mit kleiner Schrift: Hoc ezo liiclimuniluz keci Oleinenli« sluin- pnu8. 8criv8i äevote Ilorberto (oder IXorlieito) natre julieoie. Und darunter mit größerer Schrift einer andern Hand: silier con- ventu8 klonaslerii lülementis in Iborxll drclioi'8 8. IZene wüst gelegen. 9. I). ^urelii ^ugu8tioi >Ie «ormooe Domini in moulo libri II. iv. Ioli!,noe8 <üa88i!>nu8 6e sexlo vilio »i-ineivali c^uoll (?ri>eci ^ö^tav voeank. III. Ivooi8 Kanonici iLAularis et (ügrnutensis Luiscov! l!e 8latu vilae «uae Lnislula. IV. Ljus,i8l»Iuiz luae mull» melle panier oliüiiilliiollue iisl>ei?!ie lesjioiitiere, und sich schließi: ulii jilenius siiae»:c^la «loiuiuiea acliinplere ^olueiit. Vule. llnd hierauf endlich folgt 6. ohne alle Ucbcrschrift ein neuer Absatz, welcher sich ansängt: <)uia leliclit Si>eviu8 coeuollii laliuiu fialruiu tueielale; — und schließt: lii'eviliu8 ecelesiaium claustns iuclulii? suw. llnd ;u diesem Zusätze hat (LudiuS a» deu Rand geschrieben: 440 ülarmseripla laiina tlieologiea ia kolio. Ljusil. üainaleli llo ea6em ro lZis slia iliclem «^kxSo^o^. Also eri«tki,i>iuion sind, die anch in einem andern Oiiice des Prudcnlius, welcher sich unter den ^uxuslei» befindet, ebenfalls an diesem Sric sieben. Wie man sie aber beym Weilzius an jenem Orte findet, so werden sie wobl auch in PulmannS Ausgabe daselbst stehe», nur daß Gudius dieses nicht bemerkt hatte. Hlimuscrlnla lalina lucoloxica in kolio. 411 merkung über die 1t) Namen Gottes im Hebräischen, quae quisciuis super sv Iialiuerir, nee in oczua, nee in ormis uuciuaro perivit, und ein Lobgcdicht auf die Jungfrau Maria, welches anfängt: llos in lauele tua canc» versus Virgo ülgria ^Ic^ue Dci xenitiix tali eognominv selix elo. Der größte Theil davon ist verloschen. Tiefer <^olZex gehörte ehedem Bernhard Rorrerdorfen. Er säieinl aus dem 13ten Jahrhunderte zu seyn, und hat fast durchgängig Glossen zwischen den Zeilen am Rande. 42. LreZorii KI. ünislolarum lib. Xll. Iu membrsoa. In der Ausgabe der Beucdictiner (von Paris 47VZ, vier Bände in 1?ol., iu welcher die Briefe in dem zweyten Bande stehn) sind die Briefe in 14 Bücher eingetheilet. Aber man glaube nicht, daß dieser (.'o6ex etwa die sämmtlichen Briefe, oder doch wenigstens die 12 ersten Bücher in sich begreife. Er enthält bey weitem nicht die Hälfte derselben, und ist am Ende defect. Das erste Buch lnclielion. IX. hat zwar auch 8o Briefe, die aber weder nach der alten, noch nach der von den Bencdictincrn bestimmten Ordnung auf einander folgen. Hierauf kommen 78 hinler einander numerirte Briefe, die mit den ersten zweyen des zweyten Buchs lnclielion. X. anfangen, welches 2lc Buch aber nur 34 Briefe bey den Bcucdictincrn enthält. Und endlich folgen 41 Briefe, die gar nicht numcrirt sind, wovon der letzte der 60ste Brief des K. Bnches ist, an den Eulogius, Bischof zu Zllerandria, welcher sich anfängt: mater et custos üonoruni ornnium cliaillos. Tarauf kommen die ersten Zeilen eines Briefes, der anfängt: t)uarnvis lraleroilatem veslram lionis esse !nler>- tarn onvrilius — Ein ebenfalls unvollständiger iüoäex von des Lrexorn Briefen, welcher mit dem 8tcn Buche anhebt, ist unter den Weissenburgischcn klset. tXo. 71, der 2!)Z Briefe enthält, die aber gar nicht numcrirt sind. Beide lüocliees wird sich vielleicht der Mühe lohnen, bey mehrerer Muße, Brief für Brief zu confcrircn. Ein weit besserer und älterer tüoclex aber von den Luislolis l?regorii, in welchem sie sämmtlich in 2 Bücher vertheilt sind, ist unter den ^ugusteis !Xo. 76, welche Einlhciluug darum merkwürdig ist, weil die Bcnedictincr in ihrer Vorrede zn den Episteln sagen: Ltsi enim ncmnulli laut klsli eocliees, in c^uilius alisciuo ulla liliroruin ciistinctione Isuclalae re- praesenlunlur enislolae, null! lamen oeeurrerunt ooliis, c^ui cas iu liliios clivi6enclo, iu nauciores cruani riu»Iuor6ecill> nartiaulur. 442 klanuscrivla latina tlieologiea in kolio. Doch sehe ich nun aus dem gleich darauf Folgenden, daß dieses die eiiistolae cleerelales Oregorii sind, welche der Papst Hadriauus aus allen ausziehen, und in zwey Bücher vertheilen lassen. Der Wcis- seuburgische Lo^ex fangt bey dem 2tcn Buche dieser clecrelalium an. Papst Gregorius I. zugenannt der Große, bestieg den päpstlichen Stuhl 6W den 3ten September, und starb den 12ten März K04, nachdem er also 13 Jahre, 6 Monate und 10 Tage regiert hatte. Die Briefe, welche er während seiner Regierung in Geschäften des Stuhls geschrieben, hatte er fleißig »ach den Jahren gesammelt, lind er starb also ehe er das 14te Jahr derselben vollendet hatte. Dieses bezeugt lolisrmes Diaconus, welcher sein Leben in 4 Büchern beschrieben, das er loli-mn VIII. zugeeignet (also zwischen 872 — 882), aber lili. lV.§.72 schreibt: „I^icet I^ovAoliaro'oruill nerlitlia ssevicnte, post Lxeeliielis lracla- tus all expositione lilirorum «Ze«lileiit, slj exponenv'is tamen episiolis, cluaroclili vivero potuit, nunczuam omuino cessavit, kjugrum v!6elieet tut lihros in scrivio «ierelilzuit, r^not »nnos sclvixit. Ilnlio czuarlum cleeimum eoistolaium livrum sezitimae ioöicliollis terminum noo nere-zit." Die Bcnedictincr, welchen wir die neueste Ausgabe der Werke die. seS Papstes von 170.1 in 4 Folianten zu danken haben, hatten also recht, die Briefe desselben, welche bisher nur in 12 Bücher abgetheilt waren, nach dieser genauern Einlhcilung in 14 Bücher der Zritfolge nach zu ordnen. Aber loliaanes Diaconus fährt nach angezogener Stelle fort: „üx Quorum mullitulline piimi Ilailriuni I'-ipae lei»j>oiilius kiuaeu'aru epislolae clee>elales per sinAulas iixlieliones exeeiulav sunt, et in lluovus voluminilius, sieut inotlo cernilur, con- ^regalae." Dieses bekräftiget Ligclierlus llewvlacenlis tle «oripl. ceclvs. cap. 79. wenn er schreibt: „^«jiianus l^!»na libros ez>islulaiuiu piinii (-re^oiii I'opoe uli- breviavit, et utilioia l^uaeczue ikecerziens Iiellecii» liiiios t»j liuns rei^egik. Desgleichen 1'rilliemius ean. 2^4. 6v 8e. keel.: .,Iil»os XIII epislolarulu (-re^orii l^auae uuurevisvil i» tluos, uliliora äeeeisiens. i>Ianusviin>a lalina tke»I»giea i» ?vlio. 413 I^ilier ?r!mus. 4. Venaneio Linien» Lui8eono 8ciüo8it ut suv8iI)atissae et ruliuloi'ium in omnibus praelieret. X. 43. 2. (ü^i'illüiio, Iiuju8moa'i llisnenclio Lvolesism sub- jacere. ... XII. 34. 3. 1'IieolZoi'o iüuraloil >le 8U8oelltiono co»iuFi8 luliannis k'rae- keeli urliis. - - - X. 6. 4. Alaiinianc» I?p!8covo liavennalis ile ea oon?tiuen. I'ei' 8at>inuin 8>it»Ii.iLonuni l^alumlium üvigeopuiu ec» «zuoil res vel niini8teria Leclesiav renüssv sei'vaverit elemeuler arguit. . - - XII. 26. 1l). Vituli liesen8ni'! pe>- konisaeium nolaiinm scrinsit, ut in utilila» tem t^aroelnae Larvarieina inaneivia oonipaiaii e8 8uuraili<:>a8 »rae8taiet. XII. 22. 13- ^rogi lluei manilut ut 8»lalium 8avia 8uui!!acono ail «leilu- eenllas a6 waie ea8>lem traues exlnuerot. XII. 21. 14. 8lcul>aiic> injunxit auxiliari 8avio 8uuliiaconc> in jani lliela nexolio. ... Xll. 23. 16. liomano desen8ori commenllat, ut pvlrum, c^iem iu8e lle- 1en8oicm leoerat, c^ui io8 suo8 alioudi in conjugium, ni8i in ea li>a?8a tlv siua suerat, sveiaro von niae8uinv!et. XII. 26. 444 »Ia»u5er!ptll latina tlieologica in ?olio. 1k. Lavino 8uliö!acono ut eaussm yuam <ÜIeru8 üogitsnae Le- clesiao contra kpiseopum suuw Iiauero huoslus esl, oum aiiis revoreoijissiwls vil!s liislinii ei, pi aeeepit. IX. 47. 47. üomano ^esensori injungit ut I^survnlio 6e pecunia czuam Lomtacius relic^uerst, sa>iss!>ceio cleüeret. XII. 46. 48. Nariniano I^piseopo liavennae 8va6et ut klaurenlio vel ni!z. sis suis gch'ulorium serii «lederet. - XII. 6. 49. Ililario IXotario, vavem in c^ua Vituüs »sviAgrat Deo clalae ^buati88as iran8lui88»m vs5v inrwteseit, atc^uo ei praecipit ut vsm all vmui onero vel so^aris, ao si sua Iuis8et, I. exe. aooiirreret. - - » X. 67. 20. I'lieolioro (üuralori 8cril>it ut lUaurenIii magistri mililuin missis solalium lerro Gelieret. » XII. 6. 21. I^sulino, ?roculo, k'alumbo, Vonoreo, so rilarciann I^uisco- pis injun°it ut inter IZonisoeiuw Lpi8eapum et (ülerum guum csu8S8, rialiila 8umma aeczuilate, «liseuterent, per8eiuli»>!>8<7uo silii 6illgenter innotc8cere ju88it. - IX. 48. 22. ^n»8tasium ^otioelienum pro reelse liilei tenoro eollaullat, sun6amenturn unum e88e Oliristum 8eeunllum Lpo8lolum coin- memorat, ip8um vero paslorem e88v, per lio8>iuiu itl est l^Iiri8tuiu iogreilitur, ostenu'it, exemplum ^aeolii 8erv!enti8 in- «lueit pro vita pÜ88imi Imperstori8 ciui liaereticorum vra cou- clu8it oraullum c8se innotuit, exemplar primae Lpliesinav eeele8iso, ut inviolsta permaneret, incTuirere iuliet, eo8cziio sjui per praem!» ail 8ünclum oillinem pervenerinl, vrrorcm Lvmoniseav Iiaere8eog ineurrere nianise8>at. IX. 49. 23- ^ntkemio Subiliscono permanllat ut ülallliseo 8eliola8lieo XII. «lare sol>6o8 kestinaret. - Xll. 2. 24. Looam ^Iivstisssm acl po88iclenllam I^ecleslam, czuam lolian- u«8 ?rv8vvler con8lruxir, elewenler invilat. III. 37. 26. Venantio Lpi8eopo I^unen8i 8eril>it, ut Hgrippino prvsvvlero kerolsoo ^uaeiooe servi puvliei juris in wooi>8leriuiu eoo8tiielv8 erat, auxilium prae8li>ret. 27. liomaoo 6elvu8ori injun^it ut I'auslo re8 8ua8, ^uav a 8v rseu8ango occlo8i!>e setiooariis sulitiaeiae vrant eius cuiv8 sue- rant 6ominio resormarct. . - XI. 47. klanuserinta latina tüeologica in I?l>Iio. 446 28. loliaooi episcono 8^racusano lle eiusilem ^ausli relius vio- leoter adlatis. ... XI. 42. 29. I?ulcüerrimum exliorlatorivm all 8ecun2ni Llialcelionensem s^oolluin Orieotis ecelesiss eusloäire sortiler, euwczue salubiitei' sud snecio klo^sis sunra vetrau» salulis iu uuitale catüolicae ecelesiao produeit, aniwum autem uerversoruiu üominum, Iesvnuni «lelenliere nilobatur et 8. lü^rilluin rclutadat, auetorilale sauclao sz'noiii llamnct lzuaeslionelu uli- lem 6v auimalius narvulorum, liui sine vspl^smo moriuntur, iuliuliueit, seciuiluiciue salutatio insius aä eunclem venersbi- Icm vii-uni. ... IX. ZI. 3». liomsno, Oesensor! Liciliav, sci-iliit, ut solalium kzuiüusdsiii o volo Ienine8ccret, ivucuaret. - XII. 36. 36. iUincellinum, I'roeousulem Dalmatioe, eo czuc>>I lio causa klaximi et cxsvoliatioue illius mal! auctor exlileiü, acrius coiriuit, :>8serens suaiu iclationcm (I. relaxalionem) vcl giAliaiu (°) i. e. i»ü»l!l Lnpreiv. (°°) k. I. ScliiswiUicviui» resiUarnnl. 446 klanuscripla latma tlieologiea in kolio. ila silii prode88e, si pr!u8 iiomino nro talivus geglls kaiissaoere per voenilentiam contenileret. - » IX. 6. 36. I>I,iurenlium, mgßiülrum miütuw, Iiorlalur. ut 8i alii naviga- renl culusilam eliam Domilii tilium naviß-ire permitleret. XII. 2t, liorlans eum, ut insalig.iIiililLr nro avimaium lucris in uoilate eeclesiso a Lcliismslicorum erioro ^uantos nolerit revocsret, conlirmausc^ue pro Iioe laliore 6eum et lelieitalem praosenlis vitae et gsuciia aelerna coneos- 8vrum. .... IX. 93. 38. klsülaloni «luociue grales reseit, czuotl pro unllale 5gnrtae Lcelesiso li^eliter clesuciarot, eumc^ue ne in Iioe iorle llclieeret p-Uernz ammonilione corrovor.it. lalcnl! nl»5eoncl!ti et erogal! exemulum iniiuoit, «tuilii, «zuo«I eoenerat siuelum s!»e carere üenuniiat, acl ullimum Illeviiosium eiiisltem cerlsminis coo- persloreui eollaurlat. ... V. 47. 39. »Isurentio Itieollorium eommenilat, 8vß^ereu8 e! ut eum a murorum vigiliae nonllere levigaret. . IX. 73. 40. ^otliemio 8uuc!i!>cono Lamnaniae seriliit, ut I?enenalum Lpiseonum eum goeu8storilius act eum siivceleiiler lleülinaret, ut c.iu8az ips!v8 mslriela inczuisiliono u8, ut ipsi I^aiois vt iolirmioiilius personiz secunäun» lempons exißenliam et per8c>narum iniZi^eii. liam eum meoti8 eoruin e8une clulciler roiri!8lr!lrent, trsostu- lit Iii ncm l» clove; muß er nicht die Abstammung von kratzen, die sich einem jeden von selbst anzubieten scheint, für ganz unstatthaft gehalten haben? Wenn Herr Adclunn mir also nur sonst zu Gefallen scvn will und noch kann: so wird er diesem cla van lu clove auch schon leicht abzuhelfen wissen. Er darf sich ja nur auf das alte und oberdeutsche Kretze, so viel als Korb, besinnen; und was könnte wahrscheinlicher seyn, als daß die Kretze von den Körben oder Kretjcn ihren Namen habe, in welchen sie bis zu einer völligen Schmelze aufgehoben wird? Oder ist ihm das Stammwort von Gruye lieber, welches mit Cramers Krihe so wohl übercin kommen würde? Wie er will! Nur nicht Kretze von kratzen: oder ich Hcrmäa. 457 brauche meine deutsche Freyheit, und entziehe mich dafür zwanzig andern von seine» besten Entscheidungen. Schlimm genug, daß auch so noch der Titel meines Buchs vielen zuwider seyn wird. Der vermiedene und »erbetene Doppellauter macht dem Auge das Aergerniß bloß etwas kleiner; und zwcvcrlci Organe müssen gleich fein scpn, wenn der ekle Nebenbegriff für das Gehör nur um eben so vieles gemindert werden soll. Ein schöner Titel ist einem Buche noch nöthiger, als einem Menschen ein schöner Taufname. — Her m ä a. Ersicr Band.") Vorrede. ^erniaa hießen bci den Griechen alles, was man zufälliger Weise auf dem Wege fand- Denn HermcS war ihnen unter andern auch der Gott der Wege und des Zufalls"). Man denke sich einen Menschen von unbegrenzter Ncugierde, ohne Hang z» einer bestimmten Wissenschaft. Unfähig, seinem Geiste eine feste Richtung zu geben, wird er, jene zu sattigen, durch alle Felder der Gelehrsamkeit hcrnmschwcifen, alles anstaunen, alles erkennen wolle», und alles übcrdrüßig werden. Ist er nicht ganz ohne Genie, so wird er viel bemerke», aber wenig ergründen; auf mancherlei' Spuren gerathen, aber keine verfolgen; mehr seltsame als nützliche Entdcckun- °) Füllcboriis Nebciistundcn, zwcptcs Stück, S. 34. ") Eine» Beweis von Messings Sorgfalt i» Rundung der Perioden geben folgende Abänderungen, die er sich nebenbei' angemerkt hat: Alles was die Griechen zufälliger Weise auf ihrem Wege fanden, nannten sie Hcrmäa. Hcrmäa nannten die Grieche» alles, was sie zufälliger Weise auf ihre» Wege» fanden; den» Hermes war der Gott der Wege, und ibm verdankten sie alles, was ihnen ein glückliches Ohngcfähr in die Hände führte. oder: nicht bloß, wcil Hermes die Gottheit der Wege war, sonder» auch, weil sie dem Hermes überhaupt alles verdankten, was ihuc» durch ein glückliches Ol'iigcsähr z» Theil ward. Hcrmäa nannicn dic Griechen alles, was sie beiher auf dem Wege fanden: theils, weil ihnen Hermes der Gott der Wege war, theils, wcil sie dem Hermes überhaupt eine» jeden glückliche» Zufall zu verdanke» pflegte». — Füllcborn. 458 Daß mehr als fünf Sinne seyn können. gen mache»; Aussichten zeige», aber i» Gegenden, die oft des Anblicks kanni werth sind. Und diese seine Vemerkungen, seine Spuren, seine Entdeckungen, seine Aussichten, seine Grille»; wenn er sie der Welt gleichwohl vorlege» wollte, wie kvniite er sie besser nennen, als Hcrmäa? ES sind Reichthümer, die ih» ein glücklicher Zufall auf dem Wege, öfter auf dem Schleichwege, als auf der Heerstraße finden lassen. Denn auf den Heerstraßen sind der Finder zu viel, und was man auf diesen findet, hatten gemeiniglich zehn andre vor uns schon gesunden, und schon wieder aus den Handen geworfen. So viel von der Absicht dieses Werks, von seinem Verfasser »nd dem räthsclhafte» Titel, der einen verliebten Roman verspricht und mit den Waiidcrschaftcn eines gelehrten LandstörzcS Wort halt. Daß mehr als fünf Sinne für den Menschen seyn können. *) t) Äie Seele ist ein einfaches Wesen, welches unendlicher Vorstellungen fähig ist. 2) Da sie aber ein endliches Wesen ist, so ist sie dieser unendlichen Vorstellungen nicht auf einmal fähig, sondern erlangt sie nach und nach in einer unendlichen Folge von Zeit. 3) Wenn sie ihre Vorstellungen nach und nach erlangt, so muß es eine Ordnung geben, nach welcher, und ein Maß, in welchem sie dieselbe erlangt. 4) Diese Ordnung und dieses Maß sind die Sinne. 6) Solcher Sinne hat sie gegenwärtig fünfe. Aber nichts kann uns bewegen zu glauben, daß sie Vorstellungen zu haben so fort mit diesen fünf Sinnen angefangen habe. 6) Wenn die Natur nirgends einen Sprung thut, so wird auch die Seele alle unteren Staffeln durchgegangen seyn, ehe sie auf die gekommen, auf welcher sie sich gegenwärtig befindet. Sie wird erst jeden dieser fünf Sinne einzeln, hierauf alle zehn Amben, alle zehn Tcrncn und alle fünf Quaterncn derselben gehabt haben, ehe ihr alle fünfe zusammen zu Theil geworden. 7) Dieses ist der Weg, den sie bereits gemacht, auf welchem ihrer °) Lessmas Lebe» II, S. 102. Daß mehr als fiinf Siiuic sey» könne». 459 Stationen nur sehr wenige können gewesen seyn, wenn eS wahr ist, daß der Weg, den sie noch z» machen hat, in ihrem jetzigen Zustande so einförmig bleibt. DaS ist, wenn cS wahr ist/ daß außer diesen fünf Sinnen keine andern Sinne möglich, daß sie in alle Ewigkeit nur diese fünf Sinne behalt, und bloß durch die Vervollkommnn«, derselben der Reichthum ihrer Vorstellungen anwächst. 8) Aber wie sehr erweitert sich dieser ihr zurückgelegter Weg, wenn wir den noch zu machenden auf eine des Schöpfer» würdige Art betrachten. Das ist/ wenn wir annehmen, daß weit mehrere Sinne möglich, welche die Seele schon alle einzeln, schon alle nach ihren einfachen Camplerioncn (das ist jede zwey, jede drey, jede viere zusammen) gehabt hat, ehe sie zu dieser jetzigen Verbindung von fünf Sinnen gelangt ist. 9) Was Grenzen setzt, heißt Materie. 10) Die Sinne bestimmen die Grenzen der Vorstellungen der Seele l§-4); die Sinne sind folglich Materie. 44) Sobald die Seele Vorstellungen zu haben anfing, hatte sie einen Sinn, war sie folglich mit Materie verbunden. 42) Aber nicht so fort mit einem organischen Körper. Denn ein organischer Rörpcr ist die Verbindung mehrerer Sinne. 43) Jedes Stäubchcn der Materie kann einer Seele zu einem Sinn dienen. DaS ist, die ganze materielle Welt ist bis in ihre kleinste» Theile bcscc'lt. 44) Stäubchcn, die der Seele zu einerley Sinne dienen, machen homogene Urstoffe. 45) Wenn man wissen könnte/ wie viel homogene Massen die materielle Welt enthielte: so könnte man auch wissen/ wie viele Sinne möglich wären. 46) Aber wozu das? Genug/ daß wir zuverlässig wissen, daß mehr als fünf dergleichen homogene Massen cristtcen, welchen unsere gegenwärtigen fünf Sinne entsprechen. 47) Nehmlich, so wie der homogenen Masse, durch welche die Körper in den Stand der Sichtbarkeit kommen, (dem Lichte) der Sinn des Gesichts entspricht: so können und werden gewiß, z, E- der elektrischen Materie, oder der magnetischen Materie ebenfalls besondre Sinne entsprechen/ durch welche wir es unmittelbar erkennen/ ob sich die Körper in dem Stande der Elektricität, oder in dem Stande des Magnetismus befinden, welches wir jetzt nicht anders als aus angestellten Versuchen wissen können. Alles, was wir jetzt noch von der Elektricität oder von dem Magnetismus wissen, oder in diesem mensch- 460 Daß mehr als fünf Sinne sey» können. lichcn Zustande wissen können, ist nicht mehr als was Saunderso» von der Optik wußte. — Kaum aber werden wir den Sin» der Elektricität oder den Sinn des Magnetismus selbst haben: so wird cS uns gehen, wie cS Saunderson würde ergangen seyn, wenn er auf einmal das Gesicht erhalten hätte. ES wird auf einmal für uns eine ganz neue Welt voll der herrlichsten Phänomene entstehen, von denen wir uns jetzt eben so wenig einen Begriff machen könne», als er sich von Licht und Farben machen konnte. 18) Und so wie wir jetzt von der magnetischen und elektrischen Kraft, oder von dem homogenen Urstoffc (Massen), in welchem diese Kräfte wirksam sind, versichert feyn können, ob man gleich irgend einmal wenig oder gar nichts von ihnen gewußt: eben so können wir uns von hundert, von tausend andern Kräften in ihren Massen versichert halten, ob wir gleich von ihnen noch nichts wissen, welchen allen ein besonderer Sinn entspricht. 19) Von der Zahl dieser uns noch unbekannten Sinne ist nichts zu sagen. Sie kann nicht unendlich seyn, sondern sie muß bestimmt seyn, ob sie schon von unS nicht bestimmbar ist. 20) Denn wenn sie unendlich wäre, so würde die Seele in alle Ewigkeit auch nicht einmal zum Besitze zweier Sinne zugleich haben gelangen können. 21) Eben so ist anch nichts von den Phänomenen zu sagen, unter welchen die Seele im Besitz jedes einzelnen Sinnes erscheint. 22) Wenn wir nur vier Sinne hätten, und der Sinn des Gesichts unS fehlte, so würden wir uns von diesem eben so wenig eine» Begriff machen können, als von einem sechsten Sinne. Und also darf man an der Möglichkeit eines sechsten Sinnes und mehrerer Sinne eben so wenig zweifeln, als wir in jenem Zustande an der Möglichkeit des fünften zweifeln dürften. Der Sinn des GesichlS dient uns, die Materie des Lichts empfindbar zu machen, und alle dieselben Verhältnisse gegen andere Körper. Wie viel andere dergleichen Materie kann es nicht noch geben, die eben so allgemein durch die Schöpfung verbreitet ist! Auf der letzten Seite dieses seines hanbschrisllichcn Bruchstückes sieht Folgendes - °) Dieses mein Svstem ist gewiß das älteste aller philosophischen Systeme. Denn es ist eigentlich nichts als das System von der Sce- °) Karl Lessing im Leben ll, S. 77. lieber eine Aufgabe im Deutschen Merkur. lenpräcxistcnz und Mctcmpsychosc, welck)eS nicht allein schon Pvthago- raS und Plato, sondern auch vor ihnen Aegvpticr und Chaldäcr und Perser, kurz alle Weisen des Orients, gedacht haben. Und schon dieses muß ein gutes Vorurtheil dafür wirken. Die erste und älleste Meinung ist in spekulativen Dingen immer die wahrscheinlichste, weil der gesunde Menschenverstand sofort darauf verfiel. Es wird nur dieses älteste, und wie ich glaube, einzig wahrscheinliche System durch zwei Dinge verstellt. Einmal — Ueber eine Aufgabe im Deutschen Merkur.*) Äa stand vor einiger Zeit eine Aufgabe im Deutschen Merkur"), über die jetzt so manches geschrieben wird. Ich muß doch auch ein wenig darüber nachdenken. Nur Schade, daß ich nicht nachdenken kann, ohne mit der Feder in der Hand! Zwar was Schade! Ich denke nur zu meiner eigenen Belehrung. Befriedigen mich meine Gedanken am Ende: so zerreiße ich das Papier. Befriedigen sie mich nicht: so lasse ich cS drucken. Wenn ich besser belehrt werde, nehme ich eine kleine Demüthigung schon vorlieb. Die Aufgabe heißt: 5Vird durch die Bemühung kaltblütiger Philosophen und Lucianischcr Geister gegen das, was sie Entlnisiasmus und Schwärmerei nennen, mehr ZZöses als Gutes gestiftet? Und in welchen Schranken müssen sich die Anti- platoniker halten, um »üylich zu seyn? Eine sonderbare Aufgabe! dünkt mich bet dem ersten allgemeinen Blicke, mit dem ich sie anstaune. Wenn ich doch wüßte, was diese Aufgabe veranlaßt hat, und worauf sie eigentlich zielt! Weiß man wenigstens nicht, wer sie aufgegeben? Ein kaltblütiger Philosoph und Lucianischcr Geist? Oder ein Enthusiast und Schwärmer? Der Wendung nach zu urtheilen, wohl ein Enthusiast und Schwärmer. Denn Enthusiasmus und Schwärmerei erscheinen darin als der angegriffene Theil, — den man auch wohl verkenne, — gegen den man zu weit zu gehen in Gefahr sc». Doch was kümmern mich Veranlassung und Absicht und Urheber? Ich will ja nicht zu dieses oder jenes Gunsten, mit der oder jener Rücksicht die Aufgabe entscheiden: ich will jo mir darüber nachdenken. °) Lebe» ll, S. 149. °°) Im ersten Vierteljahr von 1770, S. 8?. 462 lieber eine Aufgabe im Deutschen Merkur. Wie kann ich aber einer Aufgabe nachdenken/ ohne sie vorher dlirchzudenken? Wie kann ich die Auflösung zu finden hoffen, wenn ich von der Aufgabe und ihren Theilen keinen deutlichen/ vollständigen, genauen Begriff habe? Also Stück für Stück, und -r^ov «»o kaltblütige Philosophen? — Ist das nicht so etwas, als ein stählerner Degen? Freilich giebt cS auch hölzerne Degen; aber eS ist doch nur eigentlich den Kindern zu gefallen/ daß man einen hölzernen Degen einen Degen nennt. Nicht alle Kaltblütige sind Philosophen. Aber alle Philosophen, habe ick gedacht, wären doch kaltblütig. Denn ein warmer Philosoph! — was für ein Ding! — Ein warmer philosophischer Kopf, das begreife ich wohl. Aber ein philosophischer Kopf ist ja noch lange nicht ein Philosoph. Ein philosophischer Kopf gehört zu einem Philosophen: so wie Muth zu einem Soldaten. Nur gehöret beides nicht allein dazu. ES gehöret »och weit mehr als Muth zum Soldaten, und noch weit mehr als natürlicher Scharfsinn zum Philosophen. Wortgrübelci! wird man sagen. — Wer mit Wortgrübclei sein Nachdenken nicht anfängt, der kommt, wenig gesagt, nie damit zu Ende. — Nur weiter. kaltblütige Philosophen und Lucianische Geister — daS sollen doch wohl nicht die nehmlichen Wesen seyn? — Lucian war ein Spötter, und der Philosoph verachtet alle Spötterei. — Philosophische Köpfe, weiß ich wohl, mochten einmal, und möchten noch gern die Spötterei zum Probiersteine der Wahrheit machen. — Aber eben darum waren und sind sie auch keine Philosophen, sondern nur philosophische Köpfe. Folglich, sind kaltblütige Philosophen und Lucianische Geister zwei verschiedene Klassen von Geistern: so ist auch die Aufgabe doppelt. Einmal fragt man: wird durch die Bemühung der kaltblütigen Philosophen gegen daS, was sie Enthusiasmus und Schwärmerei nennen, mehr BöseS als GutcS gestiftet? Und einmal: wird durch die Bemühung der Lucianische» Geister gegen das, was sie Enthusiasmus und Schwärmerei nennen, mehr BöseS als Gutes gestiftet? Unmöglich kann auf diese doppelte Frage nur Eine Antwort zureichen. Denn nothwendig haben verschiedene Geister auch ein verschiedenes Verfahren. — Und wenn die Bemühung der kaltblütigen Philosophen mehr Gutes als BöseS, oder nichts als Gutes stiftete: so Ueber eine Aufgabe im Deutschen Merkur. 4«3 könnte leicht die Bemühung der Lucianischcn Geister mehr BöscS als Gutes, oder nichts als Böses stiften. Oder umgekehrt. Wie können nun die Schranken des einen auch die Schranken des andern seyn? Ich will geschwind den Weg links, und den Weg rechts ein wenig vorauSlaufen, um zu sehen, wohin sie beide führen. Ob es wahr ist, daß beide an der nehmlichen Stelle wieder zusammentrcffm? — Bei Enthusiasmus und Schwärmerei. Enthusiasmus! Schwärmerei! — Nennt man diese Dinge erst seit gestern? Haben diese Dinge erst seit gestern angefangen, ihre Wirkungen in der Welt zu äußern? Und ihre Wirkungen — ihre seligen und unseligen Wirkungen — sollten nicht längst dem ruhigen Beobachter ihr innerstes Wesen aufgeschlossen haben? O freilich weiß jedermann, was Enthusiasmus und Schwärmerei ist! und weiß cS sowohl, daß der genaueste Schattenriß, das auSgc- mahltcste Bild, welches ich hier von ihnen darstellen wollte, sie in den Gedanken eines jeden gewiß nur unkenntlicher machen würde. Erklärungen bekannter Dinge sind wie übcrflüßige Kupferstiche in Büchern. Sie helfen der Einbildung des Lesers nicht allein nicht; sie fesseln sie; sie irren sie. Aber waS will ich denn? ES ist ja in der Aufgabe auch nicht einmal die Rede davon, waS Enthusiasmus und Schwärmerei wirklich ist. ES ist ja nur die Rcdc von dem, was die kaltblütigen Philosophen und Lncianischcn Geister für Enthusiasmus und Schwärmerei halten. Und was halten sie denn dafür? — Das was wirklich Enthusiasmus und Schwärmerei ist? oder was cS nicht ist? Wenn das, was cS wirklich ist: so sind wir wieder im Geleise. Wenn aber das, waS cS nicht ist, und ihnen tausenderlei Dinge Enthusiasmus und Schwärmerei scheinen können, die cs nicht sind: so mag Gott wissen, auf welches von diesen tausenderlei Dingen ich fallen muß, den Sinn dcS Aufgebers zu treffen! Der Aufgabe fehlt ciue Bestimmung, ohne welche sie unendlicher Auflösungen fähig ist. Z. E. Diese Herren, die ich nicht kenne und nicht kennen mag, hielten Wärme und Sinnlichkeit des Ausdrucks, inbrünstige Liebe der Wahrheit, Anhänglichkeit an eigne besondere Meinungen, Dreistigkeit zu sagen waS man denkt, und wie man eS denkt, stille Verbrüderung mit sympathisircndcn Geistern — hielten, sage ich, dieser Stücke eins oder mehrere, oder alle, für Enthusiasmus und Schwärmerei: ei nun! desto schlimmer für sie. — Ist cS aber sodann noch eine Frage, ob 464 Ueber eine Aufgabe im Deutschen Merkur. ihre Bemühungen gegen diese verkannten Eigenschaften, auf welchen das wahre philosophische Leben des denkenden KopfcS beruht, mehr Böses als Gutes stiften? Doch wie können sie das? Wie können, wenigstens kaltblütige Philosophen, so irrig und abgeschmackt denken? — Philosophen! — Den Lucianischen Geistern sieht so etwas noch eher ähnlich; weil Lu- cianische Geister nicht selten selbst Enthusiasten sind, und in ihrer gedankenlosen Lustigkeit einen Einfall für einen Grund, eine Posse für eine Widerlegung halten. Aber, wie gesagt, Philosophen! — Philosophen sollten nicht besser wissen, was Enthusiasmus und Schwärmerei ist? Philosophen sollten in Gefahr seyn, durch ihre Bemühungen gegen Enthusiasmus und Schwärmerei, mehr BöscS als Gutes zu stiften? Philosophen? Denn was thut denn der Philosoph gegen Enthusiasmus und Schwärmerei? — Gegen den Enthusiasmus der Darstellung thut er nicht allein nichts; sondern er pflegt ihn vielmehr auf das allersorg- fältigste. Er weiß zu wohl, daß dieser die «<<^, die Spitze, die Blüthe aller schönen Künste und Wissenschaften ist, und daß einem Dichter, einem Mahler, einem Tonkünstler den Enthusiasmus abrathen, nichts anders ist, als ihm anralhcn, zeitlebens mittelmäßig zu bleiben. — Aber gegen den Enthusiasmus der Spekulation? was thut er gegen den? Gegen den, in welchem er sich selbst so oft befindet? — Er sucht bloß zu verhüten, daß ihn dieser Enthusiasmus nicht zum Enthusiasten machen möge. So wie der feine Wollüstling, dem der Wein schmeckt, und der gern unter Freunden sein Gläschen leeret, sich wohl hüten wird, ein Trunkenbold zu werden. Was nun der Philosoph, an sich, zu seinem eignen Besten thut, das sollte er nicht auch an Andern thun dürfen? Er sucht sich die dunkeln lebhaften Empfindungen, die er während des Enthusiasmus gehabt hat, wenn er wieder kalt geworden, in deutliche Ideen aufzuklären. Und er sollte dieses nicht auch mit den dunkeln Empfindungen Andrer thun dürfen? WaS ist denn sein Handwerk, wenn cS dieses nicht ist? Trifft er endlich, der Philosoph, auf den doppelten Enthusiasmus, das ist, auf einen Enthusiasten der Spekulation, welcher den Enthusiasmus der Dar- stellung in seiner Gewalt hat, was thut er dann? Er unterscheidet. Er bewundert das Eine, und prüft daS Andere. DaS thut der Philosoph gegen den Enthusiasmus! Und was gegen die Schwärmerei? — Denn beides soll hier doch wohl nicht Eins seyn? Schwärmerei soll doch wohl nicht bloß der übersetzte Ekelname von Enthusiasmus seyn? Ueber eine Aufgabe im Deutschen Merkur. 465 Unmöglich! Denn es giebt Enthusiasten, die keine Schwärmer sind. Und es giebt Schwärm«/ die nichts weniger als Enthusiasten sind; kaun,/ daß sie sich die Mühe nehmen, eS zu scheinen. Schwärmer/ Schwärmerei kommt von Schwärm, schwärme»; so wie cS besonders von den Bienen gebraucht wird. Die Begierde/ Schwärm zu machen, ist folglich das eigentliche Kennzeichen des Schwärmers. Aus was für Absichten der Schwärmer gern Schwärm machen möchte, welcher Mittel er sich dazu bedienet: da» giebt die Klassen der Schwärmerei. Nur weil diejenigen Schwärmer, welche die Durchsetzung gewisser RcligionSbcgriffc zur Absicht haben, und eigne göttliche Triebe und Offenbarungen vorgebe»/ (sie mögen Betrüger oder Betrogene, betrogen von sich selbst oder von Andern seyn/) um zu jener Absicht zu gelangen, die vielleicht wiederum nur das Mittel ist, eine andere Absicht zu erreichen: nur weil diese Schwärmer/ sage ich/ leider die zahlreichste und gefährlichste Klasse der Schwärmerei ausmachen/ hat man diese Schwärmer Schwärmer gcncnnt. Daß manche Schwärmer aus dieser Klasse durchaus keine Schwärmer heißen wolle»/ weil sie keine eignen göttlichen Triebe und Offenbarungen vorgebe»/ thut nicht» zur Sache. So klug sind die Schwärmer alle/ daß sie ganz genau wisse»/ welche Maske sie zu jeder Zeit vornehmen müssen. Jene Maske war gut/ als Aberglaube und Tyrannei herrschten. Philosophischere Zeiten erfordern eine philosophischere Maske. — Aber umgekleidete Maske, wir kennen euch doch wieder! Ihr seid doch Schwärmer; — weil ihr Schwärm machen wollt. Und seid doch Schwärmer von dieser gefährlichsten Klasse; weil ihr das nehmliche/ weswegen ihr sonst eigne göttliche Triebe und Offenbarungen vorgabt, blinde Anhänglichkeit, nun dadurch zu erhalten sucht, daß ihr kalte Untersuchung verschreiet, sie für unanwcndbar auf gewisse Dinge ausgebt, und sie durchaus nicht weiter getrieben wissen wollt, als ihr sie selbst treiben wollet und könnet. Gegen diese Schwärmerei im allcrwcitcstc» Verstände, was thut der Philosoph? — Der Philosoph! — Denn um den Lucianischcn Geist bekümmere ich mich auch hier nicht. Wie dessen Bemühungen gegen den Enthusiasmus nicht weit her seyn können/ weil er selbst Enthusiast ist: so können auch seine Bemühungen gegen die Schwärmerei von keinem wahren Nutzen sey»/ weil er selbst Schwärmer ist. Denn auch Er will Schwärm machen. Er will die Lacher auf seiner Seite haben. Ein Schwärm von Lachern! — Der lächerlichste/ verächtlichste Schwärm von allen. '.'cslmgS Werk- XI. ZN Ueber cinc Aufgabe im Deutschen Merkur. Weg mit den Frahengesichtern! — Die Frage ist: was der Philosoph gegen die Schwärmerei thut? Weil der Philosoph nie die Absicht hat, selbst Schwärm zu machen, sich auch nicht leicht an einen Schwärm anhangt, dabei wohl einsieht, daß Schwärmereien nur durch Schwärmerei Einhalt zu thun ist: so thut der Philosoph gegen die Schwärmerei — gar nicht». Es wäre denn, daß man ihm das für Bemühungen gegen die Schwärmerei anrechnen wollte, daß wenn die Schwärmerei spekulativen Enthusiasmus zum Grunde hat, oder doch zum Grunde zu haben vorgicbt, er die Begriffe, worauf cS dabei ankommt, aufzuklären und so deutlich als möglich zu machen bemüht ist. Freilich sind schon dadurch so manche Schwärmereien zerstoben. Aber der Philosoph hatte doch keine Rücksicht auf die schwärmenden Jndividua; sondern ging bloß seinen Weg. Ohne sich mit den Mücken herumzuschlagen, die vor ihm herschwärmen, kostet seine bloße Bewegung, sein Stillsitzen sogar, nicht wenigen das Leben. Die wird von ihm zertreten; die wird verschluckt; die verwickelt sich in seinen Kleidern; die verbrennet sich an seiner Lampe. Macht sich ihm eine durch Ihren Stachel an einem empfindlichen Orte gar zu merkbar — Klapp! Trifft er sie, so ist sie hin. Trifft er sie nicht — reise, die Welt ist weit! Im Grunde ist es auch nur dieser Einfluß, welchen die Philosophen auf alle menschlichen Begebenheiten, ohne ihn haben zu wollen,'wirklich haben. Der Enthusiast und Schwärmer sind daher gegen ihn so sehr erbittert. Sie möchten rasend werden, wenn sie sehen, daß am Ende doch alle? nach dem Kopfe der Philosophen geht, und nicht »ach ihrem. Denn was die Philosophen sogar ein wenig nachsehend und parteiisch gegen Enthusiasten und Schwärmer macht, ist, daß sie, die Philosophen, am allermeisten dabei verlieren würden, wenn es gar keine Enthusiasten und Schwärmer mehr gäbe. Nicht bloß, weil sodann auch der Enthusiasmus der Darstellung, der sür sie eine so lebendige Quelle von Vergnügungen und Beobachtungen ist, verloren wäre; sondern weil auch der EnlhusiaSmuS der Spekulation sür sie eine so reiche Fundgrube neuer Ideen, eine so lustige Spitze für weitere Aussichten ist, und sie diese Grube so gern befahren, diese Spitze so gern besteigen; ob sie gleich unter zchumalen das Wetter nicht einmal da oben treffen, was zu Aussichten nöthig ist. Und unter den Schwärmern sieht der Philosoph so manchen tapfern Mann, der für die Rechte der Menschheit schwärmt, und mit dem er, wenn Zeit und Umstände ihn aufforderten, eben so gern schwärme», als zwischen seinen vier Mauern Ideen nnalysircn würde. lieber eine Aufgabe im Deutschen Merkur. Wer war mehr kaltblütiger Philosoph, als Leibnih? Und wer würde sich die Enthusiasten ungcrner haben nehmen lassen, alSLeibnitz? Denn wer Hai >e so viel Enthusiasten besser genutzt/ als eben er? — Er wußte sogar, daß wenn man aus einem deutschen Enthusiasten auch sonst nichts lernen könne, man ihn doch der Sprache wegen lesen müsse. So billig war Leibnitz! — Und wer ist den Enthusiasten gleichwohl verhaßter, als eben dieser Leibnitz! Wo ihnen sein Name nur aufstößt, gerathen sie in Zuckungen; und weil Vvolf einige von LeibnitzcnS Ideen, manchmal ein wenig verkehrt, in ein System verwebt hat, das ganz gewiß nicht LeibnitzcnS System gewesen wäre: so muß der Meister ewig seines Schülers wegen Straft leiden. — Einige von ihnen wissen zwar sehr wohl, wie weit Meister und Schüler von einander noch abstehen; aber sie wollen cS nicht wissen. ES ist doch so gar bequem, unter der Eingcschränktheit und Geschmacklosigkeit des Schülers den scharfen Blick dcS Meisters zu verschreien, der eS immer so ganz genau anzugeben wußte, ob und wie viel jede unverdaute Vorstellung eines Enthusiasten Wahrheit enthalte, oder nicht! „O dieses verwüstenden, tödtcnden, unseligen BlickeS!" sagt der Enthusiast. „Da macht der kalte Mann einen kleinen lumpigen Un- „tcrschied, und dieses Unterschieds wegen soll ich allcS aufgeben? Da „seht ihr nun, was das Unterscheiden nutzt! ES spannt alle Nerven „ab. Ich fühle mich ja gar nicht mchr, wie ich war. Ich hatte sie „schon ergriffen die Wahrheit; ich war ganz im Besitz derselben: — „wer will mir mein eignes Gefühl abstreiten? — Nein, ihr müßt „nicht unterscheiden, nicht analvsircn; ihr müßt das, was ich euch „sage, so lassen, nicht wie ihr es denken könnt, sondern so wie ich cS „fühle; wie ich gewiß machen will, daß ihr es auch fühlen sollt, wer „euch Gnade und Segen giebt." Nach meiner Ueberschung: — wenn euch Gott Gnade und Segen giebt, den einzigen ungezweifeltcn Segen, mit dem Gott den Menschen ausgestattet, zu verkennen, mit Füßen zu treten! Freilich was konnte der ehrliche Mann in dem Hafen zu Athen, dessen schönen Enthusiasmus ein alter Arzt, ich weiß nicht, ob durch eine Pur- ganz oder durch Nicsewurz vcrjagtc, anders antworten, als: Giftmischer! Also so, nur so betrügt sich der Philosoph gegen Enthusiasmus und Schwärmerei. Ist das alles nicht gut, was cr thut? Was könnte denn Böscs darin seyn? Und was will nun die Frage: Kann was Böse« in dem seyn, was cr thut? 30 " Zur Geschichte der deutschen Sprache und Literatur, von den Minnesängern bis auf Luthern. Größtcntheils aus Handschriften der Herzoglichen Bibliothek. Angefangen den Isten August 1777. °) „Bon den Minnesängern bis zu Luther» ist ei» weiter Weg. Ich „halte nie der Muße genug, um zu sehen, ob dort auch Siosc» an „den Dornen wäre». Du mußt ihn auf deiner Wanbcrschaft gehen." Klopstock an den, welcher die Geschichte unsrer Sprache schreiben wird. Eclehrlcnrcp. S. 170. 'ch fange mit dem vierjehnten Jahrhunderte an, als der Stamm der sogenannten Minnesänger bereits geraume Zeit abgestorben war. Wann hörten die Minnesinger eigentlich auf? Und was war die Ursache ihres AufhorenS? 1. Die Frage ist von den Minnesingern, und nicht von den Dichtern überhaupt. Daß die Dichter überhaupt von der Epoche der Minnesinger an bis auf Luthern nie aufgehört haben, ist eben ' zu erweisen; aber wohl jene erotische. 2. Sie hörten nicht nach und nach ans, wie alle Dinge in der Welt, sondern gleichsam durch eine plötzliche Unterbrechung. 3. Welche die Aufnahme der Dichtkunst nur in der Ermunterung und dem Beyspiele der Großen suchen, und daher die Regierung der Schwäbischen Kayser auch hier zur Triebfeder machen, werden sagen, daß der Untergang eben dieses Hauses mit dem Tode Conradins 1268 auch den Untergang der Deutschen Poesie veranlaßt habe. Aber eS ist noch gar nicht erwiesen, daß ein Schwäbischer Äayser irgend etwas für Deutsche Dichter und Dichtkunst gethan habe, oder gar so viel gethan habe, daß der aufhörende Einfluß desselben in Teutschland so allgemeine Folgen hätte haben können. 4. Es muß also ein andrer Umstand dazu gekommen seyn, der die erotische Muse in Teutschland schweigen machte; unter mehreren ") Lebe» in, S. 70. Zur Geschichte der deutschen Sprache und Literatur -c. 469 z. B. das Interregnum, welches auf die Schwäbischen Kayser folgte, und ganz Teutschland in die äußerste Zerrüttung setzte. 6. Es ist zu vermuthen, daß vielleicht auch die erste Erscheinung der Geißelbruder um 12l>0, die sich sehr bald aus Italien nach Deutschland verbreiteten, eine von den mitwirkenden Ursachen gewesen sey. Wenigstens hatte diese abergläubische Sekte in Italien selbst diese Wirkung. Denn der Aonsetius pgöuaous (beym IlrtliLo 1°. I.) sagt ausdrücklich: Lilnerunt luno tem- poris omnia mulicae iottrumevls et gmstoriae canlileoae. Lola eaotio poeuilentlae IvFuliris uulZiebatur ulii^ue tam in civilatibus izusm in villis. ES käme darauf an, auch bey Teutschen Geschichtschreibern eine ähnliche Stelle aufzufinden. 1300. Und hier stößt mir sogleich Trimberg auf, der seinen Renner um 1300 oder 1303 schrieb. — AuS ihm voraus die Stelle, wo die guten Tichter des vergangenen Jahrhunderts genannt werden, die damals schon anfingen, vergessen zu werden; berichtiget aus unser» Handschriften des Renners. 1173. Gcilikeit lucer und unkcnsch Mutwill und unzinilich tcusch Haben niangcn Herren also besessen DaS sl der weis gar haben vergesst» In der hicvor edel Herren snngc» 1180. Bon Borenlaub und von Morungcn Bon Limpurk und von Vvindcsper' Bon Neiff Vvildome und von Brauner' -Her Walter von der Vogelweid Wer des vcrgcß des wer mir leid 1180. Botenlaub, Graf Otto von Bottcnlaube, von dem einige Strophen in dc» Ma»css. Minnesinger» i. 16. 16. Heinrich von Morungcn, dessen Fragmente rbcnd. I. 49—57. 118t. Bon Limpurk, der Scheute vo» Limburg. Ebcnd. 67 — 69. Windcsvck oder Winsbeck ist bekannt. 1t82. Neiff ist ohne Zweifel Gottfried von Niffe», dessen Fragmente ebend. S. 22. 23. Wildomc ist sicherlich der von Vvildonic, (ein undcutschcr Namc) dessen Fragmente ebcnd. S. 193. Im Frankfurter Druck steht statt Neiff Wildomc, Niefertauwe. (Von dem von Brauner' tonnte Lcssing nichts finden. Fülleborn.) 1183. Her Walter von der Vogclweid. S. Mimics.l. S. 101-142. 47t) Zur Geschichte der deutschen Sprache und iellcraliir, 1185. Allci» cr war »it reich des gutes Doch was cr sinniges Mutes Her Reimar und Hcr peterlein Mlizcn diß Genoß an sinn wol sei» Desselben wil ich dem Marner icl'e» 1l9l). Wer maister Cunraden hat gesehen von Wirzpurg oder sein gcdicht Der setz in wol zu der Pflicht Wan er volgt ir aller spor Doch rennet in allen der Marner vor 1195. Der lustig teutsch und schön lattin Als frischen brnnncn und starke» wciu Eemischet hatt in süß gcdön. Meister Conrad ist Worten schön Die er gar verr hat gewechselt 1200. Und von latcin also gedrechselt Das lützcl lavcn sie verneinen An teutschen puchc» die nit zcmcn Wer dichten wil der dicht also Das weder zu niedrig noch zu höh 1205. Seines sinncs flieg, das Mittel halte So wirt cr wert bey jungen und alten. WaS der mensch nich vcrflct Trcg es im in die orcn gct. Des hör ich mangc» torcn vernichte» 1210. Mcistcr Conrads meisterliches dichte», Ich hör aber sei» gcdicht scllc» Wol gclcrt pfaffcn schcllc». 1187. Hcr Reimar. Z» dc» Minnes. toiniiic» zwcv Rcmmar vor. Einer ist Xeinmar der Vidiller, dcssc» Fragmente Th. 2. S. 1t» stehen; und dcr andre Reinmar von Zwetcr, Th. 2. S. 1^2—155, (cbcn dcr, dcssc» dcr Marner 2. 169 nicht zum Bcstcn gedenkt.) Hcr pctcrlei» kenne ich noch nicht. 118». Marner. Minncs. Th. 2. S 166—177. ein Schiller Walters von dcr Bogclwcide, S. 173. 1190. Tonrad von Wiirizburg. Minncs. Th. 2. S. 199—207. 1195. Ist noch cin Züob dcs Marners, au« welchem man schlicßc» solllc, daß cr Deutsch und Latcin uiitcr einander gemengt habe. Glcichwohl ist dicscs cin Fchlrr, dcn cr gleich darauf an Conrad von Würzburg (zum Thril) tadelt. von den Minnesängern bis auf Llllhcrii. 171 Wcr gar sich fielst cm sclzani reim Der wil auch, das seines sinnes leim 121S. Aussen an schönen worlcn klrb Und lützcl im; darinne schweb. Lon Trimbergs Person.') Lon dessen früheren Gedichten, welche verloren gegangen. Vom Renner insbesondre. Proben aus diesem Gedichte. 1) Die Stelle, wo die alten Teutschen Romane gencnul werden, die damals allgemein gelesen wurden. 2) Die Stelle von den verschiednen Teutschen Mundarten uud ihrem Gebrauche. 3) Die eingestreuten Fabeln und Erzählungen. Noch um 1300 setzt die Helvetische Bibliothek (2tes St.) den Richtcbrief der Bürger von Zürich, oder das Municipalgcsetz dieser Stadt, ehe Brun das Bürgeruicisterlhum und die Zünste eingeführt hat. Dieses Gesetz ist daselbst abgedruckt, mit Erläuterungen über die alte Sprache, in welchen viel Gutes ist. Unter andern sieht man daraus, daß die Schreibart, Swcnne für wenn, swer für wcr, welche man zum Theil auch in der Manessischen Sammlung findet, die damalige Schreibart und Aussprache der Züricher gewesen ist. Anmerkung. Alle Gedichte und andre Werke, welche etwas für die unbefleckte Euipfängniß der Maria sagen, müssen nach 12M geschrieben seyn. Denn primus pro illiliata l^oneeptiorie pri- vatiin leriplit ?i>rillis 1ia^munilu8 Julius, Leatns et »lartz'r tlielus, videlicet 8aec. II. Leltolattieo et (ülu'iüi anno 12!)0, et 1ecun1>>N!. Lruiii-viv^ ru. II. p. ilZt.) hat Lcssimi nichts beygebracht. Fiillcboril. 472 Zur Geschichte der deutschen Sprache und Literatur, 1309. Unter dieses Jahr ziehe ich den Stcyerschen Gtrokar von Horner', weil dessen gereimte Chronik, die vom Jahr 425V anfängt, mit diesem Jahre sich endet. P. Hicron. Petz hat sie zum erstenmal im Jahr 1745 aus drey Manuskripten des löten Jahrhunderts herausgegeben, und sie macht bey ihm den dritten Theil der Scrijill. lier. ^ultr. aus. Von eben diesem Jahre ist eine Abschrift des Renners, von einem Johann Trinhart zu Bambcrg, die Herr Ebcling in Hamburg besitzt, und verglichen zu werden verdient, weil sie vermuthlich noch bey Lebzeiten des Dichters, und vielleicht unter seinen Angcn gemacht ist. Das Gedicht selbst heißt darin (!er>tilosiuium ülaxistri Iluxoms 6e IriwIierA. Sie ist auf Papier. 1314. Bis zum Antritt der Negierung Kayscr Ludwigs IV von Bayern. Wenn es auch nicht wahr seyn sollte, daß bereits 1235 Kayser Friedrich II den zu Maynz damals errichteten Landfrieden in Deutscher Sprache aufsetzen lassen; wenn es auch nicht wahr seyn sollte, daß Kayser Rndolph I 1279 verordnet, daß forthin alle Gesetze, Edicte und gerichtliche Acten in Deutscher Sprache abgefaßt werden sollten, wie Avcntinus, Crusius und Spangenberg behaupten: so ist doch wenigstens gewiß, daß Kayser Ludwig von Bayern der erste gewesen, der seine Gesetze, Privilegia und Belehnungen in Deutscher Sprache gegeben. Anm. Es gab auch schon vor I^uäovlco Lavsro Deutsche Inklru- wenta und Diplomata. 1315. Der erste ewige Bund der Eidgenossen. S. Waldkirch I. S. 152. 1317. Starb Heinrich Frauenlob, von welchem das (!I>rome<)ll ^Iliorü ^i-Aelitineiilis spv.6 Diftilium l'. II. p. 108. nachzusehen ist. Er heißt darin msßnus ^ielator, und canlica eaolicorum clietavit leutomee. vietsre, sagt Lcibnitz 8cr. IZr. 1o. III. p. 677. Note, illis tewpo- rilins LxmLoabat epittolsm terivere. Ncrgl. Ilalmii (üollect. 1o. I. und die Lorrede, worin er über das Wort viclsmea handelt. Leibnitz hat wohl Unrecht. Kommt «Zictsre von dichten, oder dichten von öletsre? Seine Uebersetzung des hohen Liedes habe ich vielleicht in dem geschriebenen Auszuge der Geschichten des A. T. entdeckt. 81.32. kol. S. d. I. 1458. von den Minnesängern bis auf Luthern. 473 1323. Ludwigs von Bayern Landfriede zu Nürnberg. S. OhlenschlagerS Samml. der R. Absch. Th. I. S. 43. Um 1325. Bartholom Regenbog, seines Handwerks ein Schneider (zu Ulm). Von einem seiner Lieder, worin er Frauenlob als todt gedenkt, s. Spangenberg in HanemannS Anmerk. über ^vitz Tichkunst. S. 163. Einige seiner Fragmente in der Maness. Sammlung Th. II. S. 197. 1331. Eine Rcisebcschreibung nach dem gelobten Lande, in Niedersächsischer Sprache, von einem gewissen LudolphuS. (41. »Ise. Llankeob. sol.) In ihr kommt eben die Aufschrift auf den Pyramiden in Aegyptcn vor, die ich in einer Lateinischen Reisebeschrcibung nach dem heiligen Vrabe in den Weissenburgischcn KIss. gefunden. 1333. Kayscr Ludwigs Reichsabschied zu Esslingen, wodurch die Pfahlbürger aufgehoben werden. S. Ohlenschlager. 1336. Fängt die Limpurgische Chronik an, welche Faust von Aschaffenburg 1617 zuerst herausgab. l?S ist die älteste Teutsche Chronik (°), so viel ich weiß, äußerst merkwürdig, weil sie so viele besondre Kleinigkeiten mitnimmt, daß sie auch fleißig der Lieder gedenkt, die jedes Jahr am meisten gesungen wurden, und sie also noch oft von mir wird angeführt werden müssen. Der Verfasser war Notarius oder Schreiber der Stadt Limpurg an der Lahn, und 1317 geboren. Sie geht bis 1398. 1337. Conrad von Ammcnhusen hat das Lat. Buch ^aeob üe (üalallis vom Schachspiel in Deutsche Reime gebracht. S. Sekilter <üstsl. ^uct. Lerw. p. 36. Ein »18. hiervon von einem UlricuS Berucr geschrieben ist in unsrer Bibl. lXo. 81. 26. lol. In den t!olleolaneis der Eottschedin ein Lied über die AuSschaf- fung der Juden von Rcgeuspurg. Der Dichter nennt sich Hieronym El, und war ein Naglcr zu Rcgenspurg. (°) Licvcrs Cbronik ausgenommen, welcher bereits im vtcn Jahrhunderte soll gelebt haben. Wenigstens muß der, welcher sie zuerst Deutsch aufgesetzt und abgeschrieben, um 1133 gelebt haben, vermöge seiner eigne» Erimicrung ilnlcr diesem Jahre. 474 Zur Geschichte der deutschen Sprache und Literatur, 1347. Gerlach, edler Herr zu Limbnrg, Von ihm sagt die vorbeiianute Chronik S. 4. „Auch was er der klügste Dichter von Teutschen und Lalcinischcu, „als einer seyn möcht in allen teutschen Landen." Rcichard, Herr zu Westcrburg oder Wesserburg, ein tapfrer Ritter. Die Limpurgische Chronik schreibt: „Da wurden die von Coblenz jämmerlich geschlagen und nieder» „geworfen bey Grensauw, und verblieben ihrer todt 172 Mann, „und wurden ihrer dazu 7 gefangen. Das thetc Reinhard „Herr zu Westerburgk. Derselbe war zwar ein edler Ritter von „Sinn, Leib und Gestalt, und ritt dem vorgenannten Kayscr „Ludewig nach, nnd machte dieß Lied: Ich dorstc den Hals zu brechen Wer rechet mir den Schaden dann? So hclt ich niemand der Mich reche, Ich bin ein niigefrcnndter Man». Uff Ihre Gnad acht ich kleine Sach, Das läse ich Sie versteh» -c. „Da der vorgenannte Kayser Ludwig das Lied hörte, strafte er „den Herrn von Westcrburg, und sagte, er sollte cS den Frau /.wen gebessert haben. Da name der von Westcrbnrg ein kurze Zeit, „und sagte. Er wolle es der Frauwen bessern, und sang dieß Lied. Zn Jammer no'tc» Ich gar vcrbrinn Durch ei» Weib so mmnigliche:c. „Da sprach Kayser Ludcwig, Waßerburg hat es nun wohl gc- «bessert. Diese beyden, Eerlach und Reinhard, stnd also ein Beweis, daß, sobald Deutschland wieder ruhiger und glücklicher war, die Dichtkunst unter den Großen wiederum mehr Freunde gewann. Ich will also in diese erste Hälfte des llten Jahrhunderts verschic- dcne Dichter bringen, die wenigstens nicht später können gelebt haben, und die ich für älter anzunehmen keinen Grund habe. Als: 1. Otto (Ulrich?) von Thürheim; dessen zwey Heldengedichte, durch die er ein drittes von Wolfram von vschenbach von vorn und von hinten erweiterte und fortsetzte. S. 3V. 12. M8. lvl. 134S. Wicdercrscheinung der Gcißlcr. Von ihren Gesängen, welche in der Limp. Chronik Laiscn heißen, s. auch CramcrS Pommcrschc >Ur> chcuhistoric S. 67. (210. 1. Ilili.lol.) von den Minnesängern bis auf Lulhern. 476 Frisch leitet das Wort Laiscn von Eleison. Sollte «6 nicht vielmehr das alte Französische I.ais seyn, welches auch im Jtaliäni- scheu und Französischen vorkommt, und von welchem der neueste (5ngl. Herausgeber des Chauccr Vol. IV. S. 164. nachzusehen ist. 1360. „In derselbigen Zeit sung man ein neues Lied in Teutschen Lau- „den, das war gemein zu pfeiffcu und zu trommeln und zu allen „Freuden: Wisset wer den seinen je auscrkiesct Und ohn alle schuld seinen treuen Freund verliefet Der wird viel gerne sicgelos Eclrcuwcn freund den soll niemand lasen Wen» man das vergelten »it cn tan." Limv. Chr. S. 18. Die Chronik in Niedcrsächsischer Mundart 83. 12. iul>, worin noch manches Gute ist. „Auf dieses sang man aber ein gut Lied von Franwcnzuchtcn und „sonderlich auf ein Weib zu Straßburg, die hicse AgncS, und was „aller vhren werth, und trift auch alle gute Weiber an. Das Lied „ging also: Eines reine» guten Weibes angcsicht Und frölich zncht dabey Die scind warlich gut zu schu Zu guten Weibe» han ich Pflicht Wen» sie seind alles Wandels frey. Limp. Chron. S. 18. „Darnach nit lang sang man aber ein gut Lied von Weiß und „Worten durch ganz Tcutschlaud also:" Ach reines Weib von guter Art Gedenk an alle Stetigkeit Daß man auch nie von dir sait Das reine» Weibe» übel steil. Daran soll» nun gedenken Und solt von mir nit wcnkc» Dieweil das ich das Leben han. Noch ist mir eine Klage not Bon der liebsten Franwc» mein, Da» »hr zartes Mündlci» rot Wil mir imgcnädig sein. 476 Zur Geschichte der deulschcu Sprache und Literatur, Sie wil m!ch zu Grund verderben Unterst wil sie vor mich erben Dazu cn weis; ich keinen rat Ebend. S. 19. Um 136(1 lebte auch Conrad von Maycnberg, (^onrsiZnz cZe mviite pllvUgruiu, tüanooious kalisliooeolis, dessen verschiedene Lateinische Werke bekannt genug sind. Er soll aber auch das Buch von der Natur ins Deutsche übersetzt haben, nach dem Zeugnisse der alten Drucke, die wir davon in der Bibliothek haben. Einer Augsp. bey Bänder, 1478. toi. Wir haben ein KIspt von 1474., in welchem er selbst (Zg. 6. 5ol.) der Verfasser davon heißt, und daß er es ursprünglich Deutsch geschrieben. S. BaumgartenS Nachrichten :c. B. 2. S. 181. 1352. Das Buch von den neun Felsen. KI8. 78. 6. ein Werk von Taulcrn. „In denselbigen Zeilen sang man dis Licdgen: Ach Gott daß ich sie meiden muß Die ich mir zu der frauwcn halt erkoren, Das thut mir wahrlich allzumal webe Möcht mir »och werde» ei» srcuildlichcr Gruß Des ich so lange hab culbercn. Limp. Ehren. S. 30. 13S6. „In dieser Zeit sang man das Tagelicd von der heil. Passion, „und war neu, und machte es ein Ritter: L starker Gott All unser Noth Befehlen wir Herr in dein Geboth, Laß uns den Tag mit Gnaden überschcinc», Die Namen drey, Die stehend uns bey, In allen Nöthen wo wir sein. Die Nägel und das Spcr und auch die Crone. Ebend. (Süldne Bulle abgefaßt. , 1367. „In demselben Jahre sang und pfiff man in alle» diesen Landen „diS Lied: Mancher wcnt, daß niemand besser sey, den» he, Dieweil das ihm gelinge», von dcn Minnesängern bis ans Lutheni. 477 Dem wil ich wünschen, daß ihm nlmcr Heil gcscheh Und wil des srolich singen Lieb, kehr dich an sein klaffen nicht, Des bitt ich durch die Trcuwe blos Ist an ihm klein ihr gut gcloß Ear wol ihr stat das Angesicht. Lhron. S.32. 4359. „In derselbigen Zeit sang und pfeiff man bis Lied: Gott geb ihm ein verderbe» Jahr, Der mich macht zu einer Nonnen Und mir den schwarzen Mantel gab, Dcn wciffen Rok darundcn. Sol ich ein Nonn gcwcrdcn Den wider meinen Willen, So wil ich auch ei» Knaben jung Seine» Knmcr stillen. Und stillt er mir den meinen nit Daran mag he Verliesen. Chron. S. 3». 4360. „In demseldigen Jahre verwandelten sich die Carmina und Gedichte „in Teutschen Landen. Denn man bißhero lange Lieder gesungen „hatte, mit fiinf oder sechs Gesetzen. Da machten die Meister neuwe „Lieder, das hiese wiedcrsang mit drey Gesetzen. Auch hatte es „sich also verwandelt mit dem Pfeiffcnspiel, und hatten aufgestiegen „in der Mustca, daß die nicht also gut war bißhero, als nun aus- „ gangen ist. Denn wer vor fiinf oder sechs Iahren ein guter Pfcif- „fer war im Land, der bauchte jetzund nit ein Flihen. „Da sang man diese Wiedcrsaug: Hoffen hclt mir das Lebe» Traurcn thct mir anders wohl. In den ^nnal. Dominica». Vranef. beym 8enkenvei'A Lelect. Io. II. p. 44. heißt es ebenfalls: LocZem aorw (4360) muüea ampliala e5t, oam novi cantores l'urrvxere et com^onista et liguritta inceperunt alias wodos allerer«, Lttulatore» «zuoczuo le in multnai emeodaveruot, et wagittralia carmioa wkliorala tunt. Heinrich von Mugeln. Dessen Ungarische Chronik unter den Handschriften unsrer Bibl. 49. 26. 4. eine zweyte 20. 4. Er 478 Zur Geschichte der deutschen Sprache lind Literatur, schrieb alle seine Werke und Gedichte z» Ehren Rudolphs IV von Oestreich. 1361. „In dieser Feit sang man das Lied: Aber scheiden scheiden das thut wehe, Von einer die ich gern ansehe Und ist das nit uniimglich. Limp. Chr. S. 40. 1363. Verordnung Kayser Carls IV gegen die ungehorsamen Ritter des Teutschen Ordens. S. Schcnner Samml. hist. Schr. 1. Th. 4364. „In diesen Feiten pfciff und sang man dis Lied und Wicdcrsang. Ich wil in Hosiiung leben svrt Ob mir ichts Heil möcht geschehe» Bon der liebste» Frauwe mein. Sprcch sie zu mir ei» freundlich Wort So müst tranwer» von mir sticl'cn Ich hoffe Ihr Gunst mich je mit l'cil Bekehre. Ach Gott, daß ich sie solle sehen. Ich wolt in Hofnung leben. Limp. Chron. S. 43. 1366. „Da sang man und pfciff dis Lied: Schach Tafclspicl Ich »unnichr beginnen wil. 1367. „Va sang und pfciff man dis Lied? Nit laß ab also ein Weil. Ach Ich, Ich will dir immer in ganzer Treu leben Ich hoff ich find dassclb in dir. Limp. Chr. S. 48. 4368. Fragmente eines Lieds beym Senkenbcrg 8ol. I. III. S. 301, oder dessen Thuring. Chron. Kap. 60 und 62. 1370. Der sogenannte Pfaffcnbrief. S. Waldkirch I. S. 178. 1371. Das Riedersachsische Lied (in der Llmeblirg. Chron. bey Lcibnil- von dc» Minnesängern bis auf Luthern. IV>. lll. s>. 185) auf die unglückliche Ucbcrrumpcluug der Stadt Liine- burg von Herzog Magnus dein Jüngern. S. Pfcffingcr, Th. I. S. 263. 1374. „Umb diese Feil pfciff und sang man diS Lied- Geburt rci» und scubcrlich Weis ich riu Weib gar minniglich Die ist mit züchten wol bcwart Ach daß es wüst die rcin und zart, „und diS Lied: Wie möcht mir immer baß gesrin? In ruh crgrünt mir das Herze mein Als auf einer Auwcn Daran gedenke Mein lieb und nit wcnkc. Limp. Lhron. S. K4. Zum Schlüsse dieses Jahrs sagt dieselbe Chronik S. 75: „Zu dieser Zeit, fünf oder sechs Jahr davor, war auf dem Mann „ein Münch Barfüßer Ordens, der war von den Leuten auSsctzig „und war nicht rcin. Der machte die heften Lieder und Reihen „in der Welt von lÄcdicht und Mclodcycn, daß ihm niemand auf „RhcincSstrom oder in diesen Landen wol gleichen mochte. Und „was er sungc, das sungcn die Leute alle gern, und alle Meister „pfiffen, und andre Spiellcutc fürten den (Scsang und das Gedicht. „<5r sang das Lied: Ich bin ausgczchlct, Man weiset mich Armen vor die Thür Untreu ich spür Nun zu alle» Zeile». „Item sang er: Mav, May, May, die wumüglichc Zeit Mcnniglichcn Freude geil Ohne mir. Wer meinte das? „Item sang er: Der Untreu ist mir gespielt, dasselbe erzählen die banale« vomiuieao. I^iaoek. bey Senkenbcrg ?o. II. S. 1k. 1376. Das Stadtrccht von Pcttau (in Nieder-Slcycrmark, dem Bischof von Salzburg gehörig) unter unsern Handschriften 65.2.4. 480 Zur Geschichte der deutschen Sprache und Literatur, In diese Zeit gehört vielleicht eine Deutsche geschriebn! Chronik N88.83.15. kol. 1379. „In dieser Zeit sang und pfeiff man dis Lied: Die Widcrfart ich gänzlich jage Das prüf ich Jägrr an der Spor Hoho! sie ist davor Der ich so lang gewartet ha». Limp. Chron. S. 80. 1380. Verlangen ich will mich n!t begeben Nacht und Tag zu keiner Zeit. Ebend. S. 82. 138k. Das alte Lied von der Sempacher Schlacht. Bey Stiikcnbcrg Sei. 1o. IV. S. 147. S. Waldkirch l. 181. Der Verfasser dieses Lieds heißt Halbfulter, wie er sich in der letzten Strophe nennt. Er war selbst bey der Schlacht gewesen. (Das Exemplar des alten Drucks zu Zürich bey Augnstin Fricß war in der Thomasiusschen Bibliothek.) In diesem Jahre endigte Otto von Passau, ein ?ranciskancr, sein Buch, genannt die 24 Alten oder der güldne Thron. Sine Abschrift in Deutscher Sprache vom I. 1426 unter unsern l. 13. kol. Eine Holländische Ausgabe, Harlem 1484. 1390. ^seolius l'winßer presb. ^i-gerir. Verfasser eines Deutschen Vo- cabnlar. S. Lekilter Latsl. Huet. Lerm. p. 36. 1394. Der Schildtberger (aus München geb.) trat in diesem Jahre seine Reise an, deren Beschreibung im löten Jahrhundert gedruckt wurde. Zu merken darin besonders 1. Die Sperberburg zur Erläuterung des kleinen Romans in <üa- pelliwi Lrotiois. Kommt auch in der klelulioa vor. 2. Der große Riese. 1397. Ein langes Gedicht auf die Schlacht bey Berchthcim, die Bischof Gerhard seinen Bürgern zu Würzburg lieferte, habe» wir unter den IU88. Vlsi-Keriu. IX. 76. in einer neueren Abschrift. von den Minnesängern bis auf Lttthern. 481 V6 ist gedruckt in Reinhards Bcytr. zur Historie Fraukenlandes, Theil II. S. 2'.!). . Von der Schlacht s. Strohmayers tüolleelsneeri, die ich unter 1399 anführe. AuS der letzter» Hälfte dieses Jahrhunderts ist vermuthlich auch das Leyen Z?octrinal, in niedcrsächstschen Versen 41. »188. Llao- keob, kol. Es ist aus dem Brabantischen übersetzt, und das Bra- bantische Original ist einem Herzoge Johannes von Brabant (aber welchem?) zugeschrieben. 1399. --'>. ulil! schon cdirt,) verdienen aus unserm bessern Ercmplarc noch einmal cdirt zu werden. 64. 7. M8. 4. Von diesem Jahre ist auch itv oolinsrius lies liacles to IZrun- sv>icl! beym Lcibnitz l'o. III. p, 44i>. vcrgl. dessen Iut»<,<1. 1410. Petrus Diesilenlis, Verfasser des Liedes In 6ulei juliilo. Daß er nicht Erfinder dieser Art von Bastardpocsic gewesen, erhellt aus der Stille des Renner (über Lonrad von Wirzbnrg): l'Iiomolius Dilleit. lle petro Dreslleuli. 1414. Eine Nicdersächsische Chronik (41. Llsnkeub.) von 786 bis auf dieses Jahr. Vielleicht schon gedruckt. üessingS Werk- XI. Z1 482 Zur Geschichte der deutschen Sprache mid Literatur, 1416. Der Spruch auf die Eroberung des Fcyaw von den Eidgenossen. 8. Lenltvriliei'ß 8elecr. IV. p. 61. 1420. Johannes Simon. Von ihm ein langes Gedicht vom Leben Jo- hannis II Bisch, von Wurzburg. Stellen daraus bey Lorenj Frieß nach Luden.'. Ausgabe, S. 702. 727. 771. 777. 1421. Bis auf dieses Jahr geht die Lüneburgische Chronik, bey Leibniy III. p. 172. 1424. kid^tlimi «lolols oppresliove civium .^csuisgrsrievlium, in Eberh. Windeks Ilitloris Imper. 8!gism. bey Mcnkcn 8eriut. rer. xer. I'o. I. p. 1210. 1432. Um diese Zeit war zu Wiirzburg ein Dichter oder Mcistcrsängcr mit Namen Bernkopf. S. Lorenj Frieß, Ludw. AuSg. S. 728. Er nannte sich Frauwenzucht. 1435. Johann Weilers Chronik »188. 83. 16 toi. scheint etwas alter; denn sie geht nur bis auf Papst Urban VI und Bischof Friedrich von Blankenhcim zu StraSburg, der es 1376 ward. Merkwürdig das Kapitel S. 199, wie Teutsche Sprache sich erhub. Des Burgers von AschcrSleben Lied vom Magdeburgischen Kriege, nur in der hochdeutschen Ucbersetzung vorhanden in SpangenbcrgS Sachs. Chron. S. 638. 1437. Unser »18. vom I^uoiöürin» oder surea Avmmg. 78. 4. kol. Ebend. eine Uebers. vvn St. Bernhards Epistel an Raiuiundnm. Ebend. die Lehre, wie sich die Prälaten halte» sollen, von Ilen- rieus IlgAeovsue. Eine Pros, llebersetzung von den Fabeln des AvianuS, in d. I. geschrieben 81. 16. kol. dabey auch der Anonymus des Nevelet. 1439. Friedrich von LandSkron, der die iielormglio 8ig!smunii! untergeschoben. S. IlarlZr. eonl. eonN. 1.1. p. 27. prses. 1440. Johann Rothe. Bis auf dieses Jahr geht seine Thüringische Chro- nik, bey Menken lo, II. p, 1634. von de» Minnesängern bis ans Luther». 483 1442. In diesem Jahre ist zu Marienbnrg die Regel des Tcnlschen Ordens gegeben worden, von welcher wir eine schone Abschrift haben von 1585.5.6.4. 1448. Andreas Nicdlcr, eine Beschreibung der Kirchen zu Rom. 46. 4. 4. Um 4460. Elisabeth, Gemahlin des Grafen von Nassau-Sarbrück, Tochter dcS Gr. kri6erici von Vauo'emonl, übersetzte die Historie von Hug Schaplcrn; franz. ausgezogen von ihrem Sohne Johann von N. S, zu Paris. Dieselbe zusammengezogen von Conrad Heydcndörfcr, Slraßb. 4500. lol. 4452. Volkslieder von gutem Regiment. S, Spangenb. S. Chr. S. 557. Schnepper HanS Rosenblüt. Seine Beschreibung der Schlacht bey Hembach in Reinhards Beytr. 4. Th. S. 225. Siehe Priameln. 4453. Von diesem Jahre ist die Mörin Hermanns von Sachsenheim. Baumgartcn, Nachr. 2. B. S. 237, hat dieselbe Ausgabe k-I. von 4538 (lies 4539) vor sich gehabt. (Die unsrige, IM. 251.) 1454. Von diesem Jahre ein eines Deutschen und Lateinischen Psalters, 17.4.4. 1455. Das Lied auf den Sächsischen Prinzcnranb. S. Triller Lorr. seines PrinzenranbcS. 1456. Eine Übersetzung in Teutschen Reimen von dem Speculo Im- maoae lalvalionis ÜI8. 81. 45. kol. eben dahin vielleicht die Uebers. in Riedersächs. Versen, 41. IUL>. IZIauk. sol., hinten daran noch andre Niedcrs. Gedichte. Ucbcrsctzung der Historie der Melusina, von N. Thüringen (von Ringcltlingcn gelegen bey Bern im ttchtlande) Strafib. bey Knobloch 1516. 1457. Lied auf den Tod König I,»6!slau5 ?ottüumus von Ungarn und Böhmen. Senkenberg Sclectsl'V.p.42. Deutsches Mus. 1778. Rovcmb. 1458. Ein Deutscher Auszug der Geschichten des A. T. in M8. 31" 484 Zur Geschichte der deutsche» Sprache und Literatur, 1461. Von Herz. Wilhelms zu Sachsen Reise nach dem heiligen Grabe soll eine Historie vorhanden seyn. S. Spangenberg Sachs. Chr. S. 563. 1462. Von 1462 oder 67 die erste Teutsche gedruckte Bibel? Baumgarten Nachr. 1. B. S. 99. Michel BeHeim, ein Gedicht von der Zwietracht Kayscr Friedrichs und seines Bruders Herzogs Albrecht. M8. in Gotha. 1466. Die Reime auf den Liebling Bischof Johannes III zu Wurzbnrg, Namens HarS. S. Frankens Gesch. des Frankenlandes S. 194. 1467. Starb Härtung, Kammcrmcister des Raths zu Erfurt, welcher Rochens Chronik von 1440 bis auf dieses Jahr fortgesetzt und fortsetzen lassen. S.Menke III. 1186. 1468. Von der Hand eines Conrad von Oettingcn, und von diesem Jahre, haben wir in der Bibl. einen Band 75. Id., der Folgendes enthält: 1. Die Historie vom König Apollonins. 2. Die Historie von Grysel. 3. Die Historie von Kuisesro'o und Sigismun^a. 4. Der Ackermann von BeHeim, der mit dem Tode eifert, daß er ihm seine Frau genommen. 1. Die Geschichte des ApolloniuS gedruckt 5. I. et a. in 4. Diesen ersten Druck haben wir 64.20. l^uoill. 4.; ans ihm ist Velsuers Ausgabe 1695 sehr zu verbessern, tlebers. in nltavv rime Venedig 1535. 8. und 1598. 8. Eine, alte Teutsche Ucbcrs. Straßburg 1516. 2. Die Geschichte der Grysel ist, wie bekannt, aus dem Lateinischen des Pctrarch, der sie aus dem Jtal. des Boccaz genommen. Eine Deutsche llebcrs. davon ist mchrmalcn gedruckt, als zu Straßb. 1520. 4. (welche genau mit unserm !>I8. stimmt.) 1470. Hier will ich der geistlichen Bruderschaft St. Ursula gedenken, weil sie St. Ursulä Schifflein hieß, und diese Benennung gutes Licht auf Brands Rarrenschiff wirft. eine Nachricht davon ist gedr. zu Nürnb. 1513, doch nicht zum erstenmal. Ein Lied zu Ehren derselben von Johann Gossler, Prediger zu Regenspurg. S. die genannte Nachricht. von de» Minnesängern bis auf Luthern. 485 D. Thüring Frickards Beschreibung der Streitigkeit zwischen der Stadt Bern und den Twingherrn. S. Helvetische Bibl. 3tes St. 1472. Johann Calmund Orcl. pineekic:., zwey geistliche Schriften, die christliche Weisheit, und vom christlichen Leben. 86.3. kol. Ich vermuthe, daß diese Traclate älter sind, welche Br. Kalmund bloß abgeschrieben; denn die zwey Stucke, Ich die Jugend und Ich das Alter, im ersten Tractate, finden sich in unsrer besten Abschrift des Renners vom 1.1388,°) wo auch das nehmliche Lateinisch vorkommt. °°) Das klebrige in diesem Bande von KalmundS Hand nicht zu vergessen. 1473. Handschrift von der Uebcrsctzuug der Reisen Mandevills, verfaßt von Otto von Diemcringcn, Thumherr zu Metz, »18.14.1l). 4. °) „Bon einem Michcl von Wirtzvurk gccorrigirt, rechtfertigt und ca- vitclirt und gcregistrirt." — „Ein schönes Manuscript vom Nenner hatte auch Andcrson, welches er Dict. von Stadcn commuiiicirt hatte." — Zettel von Lcssings Hand, Leben NI, S. 85. 86. °°) Ich habe diese beyden Stücke auf einem ander» Blatte von Lcssing abgeschrieben gefunden, und nicke sie hier mit ein. Fi'illeborn. Vucls per evenws trsukit mslv ktult» .kuventus. lcl> pi»s ui iugenl vi tli luxenl vn>> untugenl veliel s» Mein xemüle Stet in piüle vi veii iel> »U kurgen Icun I>scl>en kinxen rgnüen «pringen i^-er ick lriiuvven unUe man Lr ikt weis Her »seil preis diieU Iiei mir IieUulwn k!ln >Vi> er selie» iturcl>si>l>el>en >Vi x»r ieli unklele Iiin 55n siele» ilingen 8»! er Nvingen I>ein lvl perl >verk unüe tln Lut er >I»s Lo ßesciiilU im ua» vett» »>> er «ür vol^et »»e» 486 Zur Geschichte der deutschen Sprache und Literatur, 1474. Hans von Wollheim Reisebuch. !Vl8.17. 2. 4. Er trat in diesem Jahre seine Reise nach dem gelobten Lande an. Das Regiment der jungen Kinder. Bey Bamlcrn zu Augsp, in diesem Jahre gedruckt. Desgl. der Bom der gesipten Freundtschafft ans I. Andrea cbend. 147.5. Albrecht von Eybe, stirbt. S. Lorr. zu dessen Spiegel der Sitten, gedr. 1611. Sein Tractat: Ob einem Mann sey zu nehmen ein ehelich Weib oder nit, gedr. 1472. ^Ver mein lpU >it meiiien >vU von meiil icll o>Ier lu» im sclntcll. I'ritle ßorevs riectas trigelcit cnn» 8enecl«s^ Icli vins »Her v»s von XsNer ^rt sicll mus xvermen Nie Kor erpgrme II »s mein »rme Sein so Icslt unll meine knie >Veilent ssnx icli ^Veilent snrilnx icll vini tilli krölicll I>!n »in! lier >u» üill lilupien i»lut u»>> süßen Ili neit «I»» iür gemiiclit nnr l>ver I>'ür ilii» sclumnfen (sclieriien) !Ulls icU rimpfen ^.uxe» uinl lliu vviliixen mein ^VI5u» xeklumnliet vuil xerumnliet Itlus icll leiiier Innxe sein Kenuli mir wirret vils micll irret ^Ven icll lol xelin »us uini ein Vottes güle Micll beliüte VnIer Iiellv nein. Diese wohlklingende» Zeilen »iiisscn »och aller, als von 1388 seyn. Die Lateinischen Verse nehmliche» Inhalts und Svlbcnmaßcs, die dabey flehen, verlohnt sich nicht der Muhe abzuschreiben. Beysalz von Lessing. von den Minnesingern bis auf Suchern, 487 1476. Die alte Deutsche Chronik von allen Kaysern und Königen, gedr. bey Bämler. Merkwürdig wegen der eingeschalteten Reformation tzigismuocli. 1477. Eberhard von Schüren. Aon dessen l'eutooil't!» siehe Richey hinter dem lckotieoa Usw!). 1479. Hans Tucher von Nürnberg, der in diesem Jahre seine Reise antrat. Die Beschreibung gedr. Augsp. 1482. lol. Wir haben ein KI8. davon. 18. 14. 4. In dem nemlichen Bande eine Pilgerschaft nach dem gelobten Sande von Felix Faber unter Papst Sirius IV. Teutsche Uebers. vom I^uoicisrins, sonst ^urogemws genannt, gedr. bey Bämler, Augsp. 1480. Die erste gedr. Ausgabe vom Schwabenspiegcl. s. Senkenberg vom Gebr. d.d. R. S. 216. Ludwig Hohenwang von Tal.Elchingen, Ucbersctzer des NegctiuS, (in d. I. gedruckt). Die Uebers. ist Johansen Grafen zu Lüpfsen, Landgr. zu Stirlingen und Herrn zu Hewen, zugeeignet. Viel Holzschnitte. 1486. Der erste Druck von LicverS Schwab. Chronik. 1487. Marcus von Wcida. Unter dieses Jahr bringe ich diesen Deutschen Dominikaner, Lese- mcistcr der H.Schrift und Prediger des Klosters St. Paul zu Leipzig; denn von diesem Jahre besitzt die Bibl, ein Werk von ihm in das vom ehelichen Stande Handell und an Churfürst Friedrich gerichtet ist. (Er kann also wohl nicht, wie Jöcher aus dem Sckard anmerkt, bis 1530, oder gar 1560, gelebt haben.) 23. 35. 4. ES finden sich auch noch verschiedene gedr. Bücher von ihm in der Bibl , unter welchen er das Buch geistlicher Gnaden, welches 1503 zu Leipzig in 4. gedruckt ist, weder selbst gemacht, noch selbst übersetzt hat. Das Original ist Lateinisch, und er hat nur den Druck besorgt; die Uebcrsetzung, sagt er, sey von trefflichen Prälaten, deren Namen nicht Noth sey zn nennen. Der Inhalt ist das wunderbare und beschauliche Lebcu der h. Jungfrauen Mathildis und EcrtrudiS, im Kloster Hclffede. 488 Zur Geschichte der deutsche» Sprache und Literatur, Unter den Gesichten der h. Gertrud ist eins, wenigstens mit feiner Ueberleguiig erdichtet, das ich als ein Exempel der Teutschen Sprache dieses Werks hersetzen will. (B. 5. Kap. 18.) „Erbeten von cpncn Bruder, fragte sie den berrcn vm gcbetc: wo do wcrcn dp sclcn Salomonis, Sampsonis, Origcnis und Trapani? Darzu der Herr antwort: Was ich barmhcrzigkeit gelhon hab mit der sclcn Salomonis, wil ich das dcn Mcnschcn verborgen sep, anff das fleischliche Sunde von dcn Mcnschcn dcsto mchr vcrnüdcn werde. Was auch meyn gutikeit mit der sclc Sampsonis gemacht hat, wil ich das is unbekannt sey, auff das sich die Mcnschcn hvnfur an vrcn fryndcn zu rechen forchtcn. Was aber mein gulikeil mit der sclcn Origcnis vorbracht hat, wil ichs verborgen sep», auff das sich kcpncr thue crbcbcn vertrauwcnd in scvne Kunst. Was darvbcr mcin mildikcit von dcr sclc Travani gchcisscn hat, wil ich das dp Mcnschcn nicht wisscn, anff das dcr christliche Glaub darauws mchr erhoben werd, wcn dicser wv wol cr schcpn in allen Togcnden, cmpcr er doch des christlichcn Glaubcn und dcr Tauff." Einige orthographische Besonderkeitcn: Das Punctum ist die einzige Interpunktion, und dient auch statt des Comma. Nur wenn cS ein itzt gebräuchliches Punctum vorstellt, folgt ein großer Buchstabe darauf, den die Substantiva sonst nicht haben. Das z nie ohne vorhergehendes c; als czu, Barmherzigkeit. Ein ü gar nicht, sondern dafür bloß u oder v, als Sunde, darvbcr. Qv für k, als qvam. In dcr Handschrift vom Ehestande eben so, (vielleicht also das Autographum des Lcrf.) außer daß das c hinter z steht, als zcum. 1489. Uebersetzung von den Leltiz liorruworum. Mit diesem Jahre endet die Chroneke der Sasse». Ueber die Lesla liom-morum. °) Der Schweizerische Herausgeber der sogenannten Fabeln aus den Zeiten der Minnesinger hat ihnen einige prosaische Fabeln beygefügt, die sein Dichter gleichfalls erzehlt hatte, um die eigne Ausbildung desselben darnach beurtheilen zu können. „Sie (nemlich jene prosaische» Stücke) sind aus einer alten „Handschrift in kolio, die in der Stiftsbibliothek allhier verwahrt °) Es scheint mir hier dcr beste Ort zu sep», das Wenige, was Lcs- sing über dieses Buch auf verschiedene» Blättchcn angemerkt hat, anzubringen. Fülleborn. von den Minnesängern bis auf Lulhern. 489 „wird, und den Titel hat Lekta tiomsriorum. Es sind hundert „derselben, deren einige Boccaz gebraucht hat. Das Alter der „Handschrift scheinet von der Mitte des vicrjchnten Jahrhunderts." Sollte dem Schweizer wohl nicht bekannt gewesen seyn, daß auch dieses Werk laugst gedruckt ist? Sollte er wohl geglaubt haben, daß er uns da wirklich etwas aus einer unbekannten Handschrift mittheile? Diese Kesta tiomaoorum sind eine sehr bekannte Sammlung kleiner Geschichten, mit geistlichen Anwendungen zum Nutzen der Prediger im 14 und 15ten Seculo veranstaltet. Sie ist eigentlich in Lateinischer Sprache abgefaßt, in welcher sie auch in den ersten Ivl) Jahren der Druckcrey mehr als einmal gedruckt worden ist. Sie ist aber auch schon im 15tcn Jahrhundert in einer Deutschen Ilebersetzung erschienen. Augsp. 1489 in klein Folio (hat nur 93 Kapitel.) °) Die älteste Ausgabe 1473. 8. klarelianä p. 63. l)e Zellen van lilimeo. lot Xvvol 1484. 5ol. getlis liomanoium Ilitloi'ioe volubileg morali^gtse, per miau« eleganter, czuam lioete. ^ußuttinulo cmotzue 6e Civilste I)ei ail eunllem I'ivcleiieum tlgosferrs ince^it ^ 12 keime liliios iam coiisumroavit. I'ril- Iiem. 6e V. Lerm. i. Pamphilius Gcgcubach, ein Dichter zu Basel. 1. die 10 Alter dieser Welt, ein Fastnachtsspiel. 2. der welsche Fluß. 3. der alte vydgenoß, ein Lid in der Weiß, als die Böh- mer Schlacht. Johann Lamerarius von Dalburg, Bischof zu Worms. s. Tritheim. Spangenb. Sächs. Chron. S. 12. von 1686. 1496. In d. I. gedr. Breydenbachs Reise. (S. Baumgartcn Nachr. Th. 2. S. 233 — 36.) 1497. Das andächtige Feitglöggleyn des Lebens und Leidens Christi, gedr. zu Basel. 8. Beygebuuden Sanct Brigitten Gebetly. von den Minnesängern bis auf Suchern. 1499. Riclas Schradin von Luccrn besingt den Krieg der Eidgenossen mit Kayser Maximilian :c. Diese gereimte Chronik ist gedruckt 1600 zn Sursee. S. Waldkirch I. S. 250. Sin Gedicht auf Bischof Bcchtold von Maynz. Das (vielleicht einzige) Deutsche Buch, das ju Rom gedruckt worden, für die Deutschen Pilgrimme, die auf das Jubeljahr zogen, hierin kommt die Päpstin Johanna als wirklich vor. k. 3. Ii. (Bibl. 1282. 17. ^neol. 8.) Die geistliche Romfart von Geilern von Kayscrsberg gepredigt, in dems, Bande. 1604. Johann Hug von Schlestadt Pfarrer zu St. Stephan in Slraß- burg. Wagen für die h. Kirche und des R. Reichs. 1607. «Zori»!>niN lacoiii ^Vi,»l>i»!li»xii >5o. priliiirg. 1502 oder 3 in 4. Murncr hatte dem allen Wimphcling mündlich und schriftlich versprochen, sein Buch nicht drucken zu °) Er hat die Stellen nicht abgeschrieben. Fülleborn. (°) Ile oliAine et ineremviilis r>n»sr»pl>i»e I^ips. p. t4N. V» 4i14 Thomas Muriicr. lassen; cr hatte aber nicht Wort gehalten, worüber i» der Apologie ei» eigner Brief Wimphclings an Murner zu lese» ist. Fülleborn. Schriften MurncrS, von denen ich zweifele, ob sie wirklich gc^ druckt sind. 1) Ein Buch von der Perspcctive, welches M. in dem Tractat 6e P^Iüovico conli-aetu anführt, mit diesen Worten: Lieut vee toi caul'at »I!ur» et alium rsäium in oere A iu scxua oili propler o!i vertilgtem reeinienlium, «zuoc! in ^ier- 5peelivi8 not°ti!s conelamatum elt. 2) Ein Werk betitelt yugmijisi titum wojus. wider die Astrologen, dessen er eben daselbst gedenkt: Iloo gutem cum tit coolrg ^slrnlogos, elgrius 6e i^oc to- czuar in (^uamivarlilo meo msjori. Dieses Werks gedenkt er auch zum Schlüsse seiner Inveetiva contra Attiologos. Wer die Sitten der damaligen Zeit kennen will, wer die Deutsche Sprache in allem ihrem Umfange studieren will, dem rathe ich, die Murncrischen Gedichte fleißig zu lesen. Was die Sprache Nachdrückliches, Derbes, Anzügliches, Grobes und Plumpes hat, kaun er nirgends besser zu Hause finden, als iu ihnen. Er verspricht, Murncrn gegen den Vorwurf, als habe cr bloß des Gelbes wcgcn geschrirbcn, zu vcrthcibigcn, unb zu bcwcisrn, baß ihn sein Druckcr und Bcrlcgcr hcrzlich schlccht brzahllc. Die Anmcrtung dazu ist aber nicht vorhanben. Fülleborn. Neue Hypothese über die Evangelisien als blos menschliche Geschichtschreiber betrachtet. We-lfcnbiittcl 1778. -) Vorrede. Äieß sind die ersten Linien eines Werks, an welchem ich seit vielen Jahren arbeite. Meine Absicht war freylich/ es nicht eher/ als ganz vollendet/ der Welt vorzulegen. Doch cS sind Umstände eingetreten, welche mich nöthigen, einen Vorschmack davon zu geben. " Denn ich bin bey den Haaren dazu gezogen worden, mich über gewisse Dinge zu erklären, die mit gegenwärtiger Hypothese sehr genau zusammenhängen. Wenn ich mich nun auch in dieser, oder in jenen/ oder in beyden irren sollte: so wird man doch finden, daß ich nicht ohne Charte/ und daß ich nach einer und der nemlichen Charte geirrt habe, die man für falscher auSschrcyct als sie bey sorgfältigen Nachmessungen sich wohl finden möchte. — Den wahren Weg einschlagen ist oft bloßes Glück: um den rechten Weg bekümmert zu seyn giebt allein Verdienst. Da übrigens nur von einer Hypothese die Rede ist, und ich die höhere Würde der Evangelisten weder bestreike noch läugne; diese höhere Würde vielmehr bey meiner Hypothese selbst noch sehr wohl bestehen kann, so werde ich hoffentlich nicht mehr Anstoß und Aergerniß geben, als ich zu geben Willens bin. Daß ich aber nur diejenigen GottcSgclchrten, deren Weist eben so reich an kalter kritischer Gelehrsamkeit, als frey von Vorurtheilcn ist, für meine Schöppcn und Richter erkennen; und auf daS Urtheil aller Ucbri- gc» dieses Standes, so vcrchrcnSwürdig sie mir aus andern Ursachen auch immer seyn mögen, nur wenig achten werde, versteht sich von selbst. ^)ie ersten Anhänger Christi waren lauter Juden, und hörten, nach dem Beyspiele Christi, als Juden zu leben nicht auf. <°) Ihnen gaben die übrigen Juden den Namen Nazarcncr/ worüber ich mich blos auf Apostelgeschichte 24, 5. zu beziehen brauche. (°) Denn wenn auch einige Iudciigenossc» danmler wäre», so waren es doch sichcr nicht blos Zttdcngeiwsftn des Tkorcs, sondern Ittdc»>ienossm °) Theologischer Nachlas, S, 45. 1SK Neue Hypothese über die Evangelisten. der Gerechtigkeit, welche mit der Bcschncidung das ganze Mosaische Gesetz übernommen hatte». So wie Nicolaus Apostclgcsch. 6, S. §- 2. Freylich mochten ihnen die Juden wohl diesen Namen aus Verachtung beygelegt haben. Es war aber doch auch sehr in der Dcn- kungSart der Jünger Christi, daß sie einen Zunamen, den sie mit ihrem Meister gemein hatten, nicht weit von sich warfen, sondern die ihnen dadurch zugedachte Schande durch freywillige Annehmung, in Ehre kehrten, l°) (°) Epiphanias sagt dieses ausdrücklich: <--, Xg-?ov /-.aA^ou — ^ci>>tz<>Ti»-7k,? 7uv ro^iro wvrov,; ««>,o^vri>>»-, öl» Xtzl^-ov ä^i- -ro-ci? k-ca>,o^>v. Ilserek. XXlX. 8- 3. Daher konnte sie auch nichts bewegen, sich dieses Namens bald wieder zu cntschlagcn. Vielmehr stehet zu glauben, daß auch da noch, als der Name Christen in Antiochia aufgekommen, und langst allgemein geworden war, die Palästinischen Judenchristcn (°) jenen ihren ältern Namen, Nazarener, vorzüglich werden geliebt, und um so williger werden beybehalten haben, je geschickter er war, sie von den unbcschnittcncn Christen zu unterscheiden, gegen welche sie noch immer eine kleine Abneigung unterhielten, wovon im neuen Testament Spuren die Menge zu finden. l°) Wenigstens zum Theil. Den» woher wäre es sonst gekommen, das; sich »och viele Jahrhunderte spater, i» eben derselben Gegend, imttr eben demselben Namen, eine Art Christe» erhallen Halle, welche die ncmlichen Grundsätze bekannte», uud in gänzlicher Absonderung von der allgemeinen Kirche lcblcn, die vorncmlich aus Heide» gesammelt war. Z- 4. Wäre nun wohl ohne Gefahr anzunehmen, daß jene ältesten Na zarencr, sehr früh, sehr bald nach dem Tode Christi, eine geschric- bene Sammlung von Nachrichten gehabt, welche Christi Leben und Lehren betroffen, und aus den mündlichen Erzählungen der Apostel und aller derjenigen Personen erwachsen waren, welche mit Christo in Verbindung gelebt hatten? — Warum nicht? (°) (°) Was ich hier blos postuliere, wird sich in der Folge zeigen, daß es wirklich so gewesen. Man müßte gar «icht wissen, wie inngierig die Menge nach allem ist, was einen großen Man» bclrift, für den sie einmal sich einnehme» lassen: wenn man mir diesen Hcischcsatz streitig Neue Hypothese über die Evangelisten. 497 machen wollte. Und will Menge immer eine größere Menge werden: so ist natürlich, daß man sich alles von Hand zu Hand reicht, was man von dem große» Manne nur in Erfahrung bringen können, welches endlich schriftlich geschehen muß/ wenn die mündliche Mittheilung nicht mehr reichen will. . §. 6. Und wie würde sie ohngefthr ausgesehen haben, diese Sammlung? — Wie eine Sammlung von Nachrichten/ deren Anfang so gering ist, daß man der ersten Urheber ohne Undank vergessen zu können glaubt; welche hierauf gelegentlich von mehr als einem vermehrt, und von mehr als einem mit aller der Freyheit abgeschrieben worden/ deren man sich mit dergleichen niemanden zugehörigen Werken zu bedienen pflegt — wie eine dergleichen Sammlung/ sage ich/ nur immer aussehen kann. Im Grunde stets die ncmliche; aber vcv jeder Abschrift bald in etwas verlängert, bald in etwas verkürzt, bald in etwas verändert/ so wie der Abschreiber, oder der Besitzer der Abschrift mehrere oder bessere Nachrichten auS dem Munde glaubwürdiger Leute, die mit Christo gelebt halten, eingezogen zu haben glauben dürfte. l°1 (°) Wenn wir jczt, neuerer Zeit, wenige oder keine Bcvspiele von solchen, wie Schneebälle, bald wachsenden, bald wieder abschmelzenden historischen Nachrichten haben: so- kommt es daher, daß gar bald eine oder die andere der ersten Abschriften durch den Druck ihre umschriebene Con- sistcnz crbält. Wer indessen alte geschriebene Chroniken von großen Städten oder vornehmen Familien öftere Gelegenheit gekabt zu durchblättern: wird wohl wissen, wie weit jeder Besitzer eines jeden besondern Ercmplars derselben, sein Recht des Eigenthums, so oft es ihm beliebt, auch über den Text und desselben Länge oder Kürze auszudehnen, sich für erlaubt gehalten. §- 6. Und wenn man endlich doch einmal aufhören müssen, diese Sammlung zu vermehren oder zn verändern, weil doch endlich die zeitvcrwandtcn Leute auSsterbcn mußten, auS deren glaubwürdigen Erzählungen cS jeder thun zu können glaubte: wie würde sie wohl seyn betitelt worden, diese Sammlung? — Entweder, bilde ich mir ein, nach den ersten Währmännern der darin» erhaltenen Nachrichten; oder nach denen/ zu deren Gebrauch die Sammlung vornemlich wäre gemacht worden; oder »ach den, oder jenem, welcher der Sammlung zuerst eine bessere Form gegeben, oder sie in eine verständlichere Sprache gebracht hätte. Lessingö Werke xi, 32 498 Rene Hypothese über die Evangelisten. §- 7- Wenn sie nach den ersten Währmänncrn wäre benennt worden: wie würde sie wohl gcheisscn habcni — Die ersten Währmänncr waren alles Leute, die mit Christo gelebt, ihn mehr oder weniger gekannt hatten. So gar gehörten darunter eine Menge Weiber, deren kleine Anekdoten von Christo desto weniger zu verachten waren, je vertraulicher einige derselben mit ihm gelebt hatten. Aber vorncmlich waren eS doch seine Apostel, als aus deren Mund- sich vhnstrcitig die mehre- stcn und zuverläßigsten Nachrichten verschreiben. Sie hätte also gcheisscn, diese Sammlung — (das Wort Evangelium in dem Verstände einer historischen Nachricht von Christi Leben und Lehren genommen) — das Evangelium der Apostel. §- ». Und wenn sie nach denen wäre benannt worden, zu deren Gebrauche sie besonders gemacht gewesen: wie hätte sie da gcheisscn? — Wie anders, als das Evangelium der Nazarener? Oder bey denen, welche da« Wort Nazarener nicht hatten brauchen wollen, das Evangelium der Hebräer. Denn als Palästinischcn Juden gehörte anch den Nazarener» dieser Name mit allein Rechte. §. 9. Endlich wcnn sie nach dem oder jcncm wäre benannt worden, welcher ihr zuerst eine bessere Forin gegeben, oder sie in eine verständlichere Sprache übcrsczt hätte: wie hätte sie da gehcisscn? — Wie anders als das Evangelium des und des, dcr sich diescS Verdienst um sie gemacht hätte / — 8- to. Bis hicher werde ich meinen Lcscrn scheinen, mich in leere Vermuthungen verlieren zu wollen, wo sie ganz etwas anders von mir erwarten. — Abec nur Geduld: was sie bis izt leere Vermuthungen dünkt, ist nichts anders, und nichts mehr, als was ich von glaubwürdigen historischen Zengnisscn abstrahiret habe, welche jeder andere, dcr weniger bchutsam zu gchen gedachte, als unmittelbare Beweise seines VorgebcnS vielleicht gebraucht hätte. §- 11. Es findet sich ncmlich, daß die Nazarener des 4tcn Jahrhunderts gerade eine solche Sammlung von Nachrichten, Christum und Christi Lehre betreffend, nicht allein wollen gehabt haben, sonder» auch wirklich gehabt haben. Sie hatten ein eigenthümliches chaldäisch-syrisches Evangelium, welches bey den Kirchenvätern bald unter dem Namen dcö Evangeliums der Apostel; bald unter dem Namen des Evan- Neue Hypothese über die Evangelisten. 499 gclinmg der Hebräer, bald unter dem Namen des Evangeliums Matthäi, vorkömmt. Jenes zufolge des ersten Grunds einer nähern Benennung tz. 7.; dieses zufolge des zweyten Z. 8.; und das — vermuthlich zufolge des dritten §.9. s- !2. Ich sage vermuthlich; und in meiner ganzen Hypothese ist dieses die einzige Vermuthung, die ich mir erlaube, und worauf ich baue. Auch beruhet sie auf so viel Gründen, daß in der Welt keine historische Vermuthung sich finden muß, die cS mehr verdienet, für historische Wahrheit angenommen zu werden. §- 13- Und dennoch will ich aus dieser Uebereinstimmung des wirklichen Evangclii der spatern Nazarencr aus dem 4tcn Jahrhunderte, mit einem blos angenommenen Evangelio, wie cS die allerersten Nazarener mußten gehabt haben, wenn sie cincS gehabt hätten, noch Nicht so geradezu schliesst, daß jenes nothwendig dieses müsse gewesen seyn. Denn man kann sagen, daß die spätern Nazarener Ketzer, und die allerersten Nazarener blos schwachgläubige Judcnchristen gewesen: daß also jene wohl etwas zusammengeschrieben haben könnten, wovon diese nie etwas gewußt. §- 14. Laßt uns also so bedächtig gehen, als möglich. — Hat jemals ein Kirchenvater, der des Evangclii der spätern Nazarener gedacht, einen solchen Verdacht geäussert, oder nur mit einem Worte darauf gezielt? — Niemals, kein einziger. §- -5 Haben nicht vielmehr die gelehrtesten und scharfsichtigsten Kirchenväter immer mit einer Art von Achtung davon gesprochen; nicht zwar als von einem durch den heiligen Geist eingegebenen Evangelio, aber doch als von einem unstreitig alten, zu oder kurz nach den Zeiten der Apostel geschriebenen Werke? Allerdings. 8- tv. Hat nicht mehrmalcn einer derselben, welcher ohne Zweifel der einzige von allen Kirchenvätern war, der ein chaldäisch-syrisches Werk brauchen konnte, so gar verschiedene Stellen daraus zur Erläuterung des griechischen Textes oder der vorhandenen Evangelisten anwenden zu dürfen geglaubt? — Allerdings: HicrouvmuS »cmlich. §- -7- Hat nicht eben dieser HicronymuS cS so gar zu übersetzen, und in zwey verschiedene Sprachen zn übersetzen für werth gehalten? - Das sagt er selbst. 32- 500 Neue Hypothese über die Evangelisten 8- 18. WaS hat man also denn noch für Ursache zu leugne», daß das Evangelium der spätern Nazarener sich von den ältesten, ersten Naza- rcnern hergcschriebcn? Ist cS vielmehr nicht ganz glaublich/ daß das syrisch-chaldäischc Evangelium/ welches zu des HicronvmuS Zeiten in den Händen der damaligen Nazarener oder Ebioniten war/ auch in den Händen der Nazarener zu den Zeiten der Apostel werde gewesen seyn? daß es das geschriebene Evangelium werde gewesen seyn, dessen sich selbst die Apostel zuerst bedienten! §. t!>. Die spätern Nazarener hießen freylich Ketzer: aber sie waren doch im Grunde keine andere Ketzer/ als die alten Nazarener/ die noch nicht Ketzer hieße»/ wie aus dem Stillschweigen des JrenäuS zu schließen. Denn die einen sowol als die andern glaubten/ das Mosaische Ceremonialgesetz nebst dem Christenthum! beybehalten zu müssen- s- 20. Daß die spätern Nazarener überhaupt die ältern Nazarener ganz und gar nichlS angegangen/ ist eine Grille des jungen Mosheims, als er noch keck Einen Kirchenvater ergriff/ um den andern damit vor den Kopf zu schlagen; die der alte bcdcichtl.chcre Moohcim selbst widerrufen hat. §- 2l. Die kleinen Abweichungen aber/ die man noch jczt an den vorhandenen Fragmenten des Nazarcnischen Evangclii/ deren einige die nemliche Sache betreffen/ wahrnimmt, und woraus man lieber eine gänzliche Verschiedenheit des Ebionitischcn und Nazarcnischen Evangeliums erpressen möchte/ sind eher aus der EntstchungSart desselben/ wie ich sie §, e. wahrscheinlich angenommen/ zu erklären. Denn da es keinem alten Nazarener einkommen konnte/ ein aus verschiedenen Nachrichten nach und nach erwachsenes Werk als ein göttliches Buch zu betrachten/ dem man weder etwas abnehmen noch zusehen dürfe: so war cS kein Wunder, daß die Abschriften nicht alle übereinstimmten. 5- 22. War nun aber das Evangelium der Nazarener keine spätere untergeschobene MiSgcburt- so war cS auch älter als alle unsere vier Evangelia, deren das erste wenigstens 30 Jahr nach Christi Tode ge- schrieben worden. §- 23. Wäre es auch wohl zu begreifen, daß man in diesen 30 Jahren ganz und gar keine geschriebene Nachricht von Christo und seinen Leh- Neue Hypothese über die Evangelisten. 601 ren gehabt hätte? daß der erste, welcher dergleichen aufzusetzen sich entschloß, nach so geraumer Zeit/ sich hingcsezt, aus seinem oder Anderer bloßem Gedächtnisse zu schreiben? daß er nichts vor sich gehabt, wodurch er sich rechtfertigen können, wenn er wegen dieses oder jenes UmstandS in Anspruch genommen wurde? Das ist nicht einmal glaublich, wenn er auch inspirirt war. Denn der Inspiration war cr sich nur selbst bewußt: und vermuthlich zuckte man auch damals schon die Achseln über Leute, die etwas historisches aus Inspiration zu wissen vorgaben. 5- 2». ES gab also eine altere geschriebene Nachricht von Christo, als des Matthäus: und sie blieb nur, während den dreyßig Jahren, in derjenigen Sprache, in welcher allein sie ihre Urheber hatten aufsetzen können. Oder die Sache unbestimmter und doch genauer auszudrücken: sie verblieb in der hebräischen Sprache, oder in dem svrisch-chaldäischen Dialekte derselben so lange, als daS Christenthum grdßtcnthcils nur noch in Palästina, nur noch unter den Juden in Palästina eingeschränkt war. §. 25. Erst als das Christenthum auch unter den Heiden verbreitet ward, und so viele, die gar kein Hebräisch, gar keine neuere Mundart desselben verstanden, begierig wurden, nähere Nachricht von der Person Christi cinzuzichn (welches doch auch nicht ganz in den ersten Jahren der Hcidcnbckchrung mag gewesen sep», indem die ganz ersten bekehrten Heiden sich mit den mündlichen Nachrichten begnügten, die ihnen ein jeder ihrer Apostel gab) fand man nöthig und nützlich zu Befriedigung einer so frommen Ncugicrde, sich an jene Nazarenische Quelle zu wenden, und Auszüge oder Ucbcrsctzungcn in einer Sprache davon zu mache», die so ziemlich die Sprache der ganzen cultiviertcn Welt war. H. 2«. Den ersten dieser Auszüge, die erste dieser Uebersetzungcn, mcvnc ich nun, machte Matthäus. — Und daS, wie gcsagr Z. 12, ist die Vermuthung, die man kühnlich unter die historischen Wahrheiten anführen darf, die wir von diesen Dingen überhaupt haben. Denn alles, was wir sowol von der Person des Matthäus, als von seinem Evangclio wissen, oder mit Grunde annehmen können, stimmt mit dieser Vermuthung nicht allein vollkommen übcreiuz sondern auch sehr vieles wird durch diese Vermuthung allein erklärt, was noch immer ein Räthsel ist, so viel Gelehrte sich auch die Köpfe darüber zerbrochen haben. Z02 Reue Hypothese iiber die Evangelisten. §- 27. Denn einmal wird Matthäus ohne Widerspruch für den ersten und ältesten unserer Evangelisten gehalten. Dieses aber, wie schon angemerkt, kann unmöglich heissen, daß er schlechterdings der erste von allen gewesen/ welche von Christo etwas schriftliches verzeichnet, das in den Händen der Neubekchrtcn gewesen wäre. ES kann nur heissen, daß er der erste gewesen/ der cS in der griechischen Sprache gethan. §. 28. Zweitens ist eS sehr wahrscheinlich/ daß Matthäus der einzige unter den Aposteln gewesen/ der griechisch verstanden/ ohne erst die Kenntniß dieser Sprache unmittelbar durch den heiligen Geist erhalten zu dürfen. §. 29. Drittens spricht selbst die Gelegenheit, bey welcher Matthäus sein Evangelium soll aufgcsczt haben, dafür. Denn wenn EnscbiuS schreibt: Matthäus, der verschiedene Jahre den Hebräern in Palästina das Evangelium gepredigt, als er endlich auch zu andern in dieser Absicht gehen wollen, habe jenen sein Evangelium schriftlich in ihrer väterlichen Sprache hinterlassen, um so auch noch in ihrer Abwesenheit ihr Lehrer zu bleiben: (°) so dürfte hiervon wohl mir die Hälfte im strengen Verstände wahr seyn. Nur die Veranlassung, bey welcher Matthäus sein Evangeliuni schrieb, dürste wahr scvn: aber diese Veranlassung war nicht so, daß er ein hebräisches Evangelium schriftlich verfassen mußte; sondern vielmehr so, daß er ein griechisches aufzusehen sür thunlich hielt. Ncm- lich: als er nun lange genug den Hebräern gepredigt hatte, ließ er nicht den Hebräern sein Evangelium hebräisch zurück, (bey den Hebräern in Palästina blieb ja noch so mancher Apostel zurück, dessen mündliche Belehrung ste alle Augenblicke haben konnten) sondern er machte sich für seinen künftigen Gebrauch, da er nun auch ander» das Evangelium predige» wollte, die nicht Hebräisch verstanden, aus dem hebräischen Evangelio der Apostel einen AuSzug in derjenigen Sprache, die mehrern verständlich war. (°) Hier wird der Ort sev», eine Stelle des Hlcro»v»uiS zn verbessern. Hieronvmus sagt in dem Eingange seiner Commcntaric» über den Matthäus : ?rimns vmnium sie. LviUieelMilrum) INiiUIiseu» esl, n.ui Lvil»- xelium in ^ua-lea Iieliraeo sermone eu"»M, o>> eorum vel Maxime c»u- siiM, Ijui in ^es»m ereiliavruM ex ^uilaeiü et ne^u«^«aui ! -r^c-k^-onov jZ,^«^ am allervollständigsten in hebräischer Sprache besaßen: waS kann man dazu sagen, daS ohne allen Anstoß wäre? — War cS Matthäus selbst, der diesen vollständigen hebräischen Text schrieb: so ist unser griechischer Matthäus nicht ganz. — Schrieb Matthäus ursprünglich griechisch: so haben ihn die Nazarener in ihrer Ueberschung mit menschlichen Zusähen vermehrt, welches sie nicht gethan haben würden, wenn er in eben dem kanonischen Ansehen gestanden hätte, in dem er jezt steht. Und wie konntc OrigencS und SieronvmuS dieser Zusähe so glimpflich gedenken? — Neue Hypothese über die Evangelisten. 606 Nur wie ich die Sache nehme, haben die Worte des Epiphanius ihre gute Richtigkeit. Das hebräische Original des Matthäus enthielt mehr/ als Matthäus in seinen griechischen Auszug daraus zu nehmen für gut fand. DaS mehrere, was in dem hebräischen Matthäus war, hatten die spätern Nazarcncr nicht hinzugefügt, sondern Matthäus hatte es übergangen. §. 36. Angleichen, wer kann auf Folgendes antworten? — Hat Matthäus ursprünglich griechisch geschrieben: wie kömmt cS, daß die Kirchenväter cinmüthig vorgeben, sein Evangelium sev hebräisch abgefaßt? — Und hat er sein Evangelium ursprünglich hebräisch abgefaßt: wie hat man diesen seinen hebräischen Originaltext können untergehen lassen? — Wer kann hierauf, frage ich, so befriedigend antworten, als ich? — Die Kirchenväter fanden ein hebräisches Evangelium, das alles und noch mehr enthielt, als Matthäus: sie hielten cS also für des Matthäus eignes Werk. — Aber dieser hebräische vccmevnte Matthäus war zwar für den historischen Theil die Quelle des Matthäus: aber nur der griechische Auszug war daS eigentliche Werk eines Apostels, der unter einer höhcrn Aufsicht schrieb. WaS war also daran gelegen, daß die Materialien verloren gicngen, nachdem sie auf die glaubwürdigste und beste Art genuzt waren? 8- 37. Nichts aber bestätigt meine Mevnung, daß Matthäus nicht hebräisch geschrieben, sondern nur ein hebräisches Original so treu und vorsichtig übersezt und gebraucht habe, daß man dem Original selbst seinen Namen gegeben — nichts, sage ich, bestätigt diese Mevnung lnchr, als daß man dadurch nunmehr eine Stelle des PapiaS versteht, die so manchem Ausleger so manche undankbare Mühe gemacht hat. PapiaS nemlich sagt bcv dem EusebiuS: ^lu^Z-«^? ^-v L/Zizouö-, öt«- >>kxr<-i 7« X.oz'l« crv»-kz>^»^«ro' ^i^»/-^«^ ü'nvra, i-i? ^äi^cno -xa^-og. Matthäus schrieb sein Evangelium hebräisch: cS übersczte cS aber jeder, so gut er konnte. §. 38. Die leztcn Worte dieser Stelle sind allerdings so anstößig, daß man dem guten PapiaS allen Glauben in Ansehung der erster» absprechen zu dürfen geglaubt. Man hat sich gar nicht einbilden können, daß PapiaS damit wirklich sagen wollen, was sie so offenbar sagen. Besonders ist sehr lustig zu lesen, was ihm ClcrtcuS für einen AuSpuhcr deswegen giebt, und wie schulmcistermäßig er dem Griechen seine griechischen Worte corrigirt, ohne zu überlegen, daß er nicht sowol den PapiaS, als den EusebiuS, wenigstens den EusebiuS eben sowol als den 60« Neue Hypothese über die Evangelisten. Papias (weil jeder Schriftsteller auch für die aus einem andern angeführten Worte mit hasten muß, in so fern sie Unsinn zu enthalten scheinen, den er mit keiner Silbe rügt) schulmeistert. §. 39. Wie gesagt, allerdings hätte man Ursache dem PapiaS zu Leibe zu gehen und ihn zu fragen- ob er auch wisse/ was sein -5? ->z<5wc»o sage? Ob denn unser griechischer Matthäus nicht eine so gute Uebersctzung sey, als nur irgend eine sevn könne? Ob denn wirklich mehrere griechische Ucbersetzungen seines hebräischen Matthäus vorhanden gewesen; und wie es denn komme, daß man von diesen mehrcrn Übersetzungen nirgends die geringste Spur finde? — WaS PapiaS hierauf antworten könnte, läßt sich nicht abschn. §- 40. Aber nun nehme man mit mir an, daß PapiaS nicht einen ursprünglich hebräischen Matthäus, sondern das hebräische Original des Matthäus meyne, welches, weil cS Matthäus zuerst so allgemein bekannt und brauchbar gemacht hatte, unter seinem Namen »uumcbr umgieng: was sagt Papias alsdenn ungereimtes, wenn er sagt, daß sich dem ohngcachtet noch mehrere an das hebräische Original gemacht, und cS aufs neue in griechischer Sprache bearbeitet hätten? S- 4l. Haben wir nicht schon gesehen, daß Matthäus ein bloßer Ucbcr- scher von allem und jedem, was er in dem Evangelio der Nazarener fand, nicht war? Er ließ vieles zurück, was ihm so glaubwürdig nicht bekannt war. Da waren Nachrichten, die sich von allen cilf Apostel» hcrschrieben, deren manche zwar wohl wahr, aber für die christliche Nachwelt nicht nuzbar genug waren. Da waren Nachrichten, die sich allein von Christi weiblicher Bekanntschaft hcrschrieben, und von welchen es zum Theil zweifelhaft war, ob sie den Wundcrmann, den sie so liebten, auch immer gehörig verstanden hatten. Da waren Nachrichten, die sich nur von seiner Mutter, nur von Leuten hcrschrcibcn konnten, die ihn in seiner Kindheit in dem Hause seiner Acltcrn gekannt hatten: und was konnten die, wenn sie auch noch so zuverlaßig waren, der Welt helfen, die an dem genug zu lernen hat, was er seit Antrctung seines Lehramts that und sagte? §- 42. Was war also natürlicher? — Da der Uebersctzung des Matthäus kein untrügliches Kennzeichen der Göttlichkeit aufgedrückt werden konnte; da sie ihr kanonisches Ansehn erst durch Prüfung und Vergleichung sich erwerben, und so von der Kirche bestätigt erhalten mußte — Was Neue Hypothese über die Evangelisten. 507 war natürlicher, als daß sich andere und mehrere, welche die Arbeit des Matthäus entweder nicht kannten, oder nicht ganz genehmigten, weil sie dieses und jenes noch gern darinn gehabt hätten, weil sie dieses und jenes lieber anders, als so erzählt wünschten: als daß sich, sag' ich, mehrere an die ncmliche Arbeit machten, und sie so vollführten, wie cS die Kräfte einem jeden verstatteten? ^'ö-uv-no s, 43- Und so stehen wir hier an der Quelle, woraus sowol die bessern noch vorhandenen, als die minder guten, und daher 'aus dem Gebrauch und endlich aus der Welt gekommenen Evangelia geflossen. (°) (°) Man macht sich eine ganz unrichtige Vorstellung, wen» man glaubt, die Ketzer hätten falsche Evangelia geschmiedet. Umgekehrt; weil es so viclcrlcv Evangelia gab, die alle aus der einen Nazarcnischen Quelle entstanden waren, gab es so viele Ketzer, deren jeder gerade eben so viel für sich halte, als der andere. Es ist zum Exempel nichts weniger als glaublich, daß Ccrinlhus ein eignes Evangelium gemacht. Er battc weiter nichts als eine eigne Uebcrsetzung des hebräischen Originals des Matthäus. Dieses sagt Hieronvmus ausdrücklich, (prooem. in eoinmeiu. super !»»NI>.) ?Iures fuisle, qui Kvaiixeliü lcrlnlerii»!, et I-iitia» Lvankc- M>n leslillur clicens: n.»»inl»lini>tem — et pertever»nli» titiiue in priie- keii» tempii» monimenl!» lleclaranl, quüs » «liveMs niilnrUiiis eMln, >iiv> ^»rni» Nneretev» s»ori! nrincini». Also die verschiedenen Evangelia waren »ickt ein Werk der Ketzer, sondern daß so viclcrlcv Evangclia waren, machte, daß so viel Kckcrcvc» cMstimdcn. So sagt auch Epipbaiiins il»cres. i.xn. von den Sabclliancrn, daß sie ihren ganzen Irrthum aus den falsche» Evangclicn geschöpft: ^i^-a ctzco 50^1 xa^o^u/uvou '^!z>^>??l0^> L^,az>)it0^>. §. 44. Daß es viele Evangclia von dieser zweyten Art gegeben, wenn wir cS auS der Kirchengeschichte auch nicht wüßten, müßten wir auch ganz allein dem LncaS glauben, der wahrlich nicht die ganz erdichteten untergeschobnen Evangclia und apostolische Schriften der Kchcr meynen konnte, s') sondern nothwendig solche Evangclia, deren Urstof zwar »»verwerflich, deren Ordnung, Einkleidung, Absicht nur nicht so ganz lauter und rein war, meynen mußte, wenn er sagt, daß er durch sie berechtigt und aufgemuntert worden, ebenfalls eine Geschichte des Herrn zu schreiben. C) „Epiphanius und Ambrosius glauben, Lucas sähe hier aus die Evau- „gclia der Ketzer Aasilidis, Lerinrhi und anderer, wie schon von „UiMlel llvliilw lkxurcit. suer, l.g. t.) bemerkt worden." Masch § 30. 508 Neue Hypothese über die Evangelisten. H.ulus Mit et Sslilillos lerideie LviUixetium et luo illiitl »omliie tUulnre, schreibt Origcncs llomiiia i> in i.uo-tiu. Eben das sagt auch Ambrosius llomment. in S. Lucsm. Und Hicronynitts ?rocewl» i» Lew- menl. super maliliiieum. Aber Basilidcs lebte im zweyten Jahrhundert; wie konnte Lucas sein Evangelium in Gedanken haben? Wenn Basilidcs anders eines geschrieben, und Ambrosius nnd Hicronymus hicr nicht bloßc Abschreiber des Origcues sind, der es wahrscheinlich ohne Grund Vorgegeben! (s> Sloskemii Comment, äe relius tlirislisnorum snl« Oon- s>sni. nl-iZnum p. 357.) Aber von dicscn allen sagt kein einziger, daß Lncas darauf gesehen; sie erwähnen dieses Evangclii nnr bey der Stelle des Lucas; und das ist ein gewaltiger Bock von Herrn Masch. Bon dem Ccrinthus wäre es noch cher möglich, daß Lncas auf ihn gesehen. Und Epiphanias suVertus U»erer. i>. l. p. 428. scheint es zu versichern. Da aber Epiphanius an einem andern Orte sagt, das; er nur das Evangelium des Matthäus angcnommcn, so wird nun auch blos das Evangelium des Ccrinthus nichts als eine eigene Uebcrsctznng des hebräischen Originals gewesen seyn. Ucbcrhaupt finde ich wohl, daß man dc» Kctzcrn Schuld gegeben, daß sie die evangelische Geschichte verfälscht — (obgleich auch nicht so häufig, als man sich einbildet. Denn Origcncs sagt, (conir» l.'eilum il. S.) daß dieses nur von den Schülcrn dcs Marcion, des Valcn- tinianus, und wo ich nicht irre, setzt er hinzu, dcs Lucianus geschehen sey.) Abcr daß die Kctzcr ganz cignc Evangclia sich aus ihrcn Köpscn geschmiedet, das findet sich nirgends. Ihre Evangclia warcu ebenfalls alte untcr dcm Namcn dcr Apostcl odcr apostvlischcn Männcr hcrumgc- hcndc Nachrichtcn; cs warcn nur die nicht, wclchc man bcv dcr Kirchc all- gcmcin angcnommcn halte. Mit dicscn hattcn sic zwar dic Qncllc gcmcin; nur der Mann, dcr aus dieser Quelle geschöpft, war minder zuvcrlaßig. Z- 45. Ich wäre so gar geneigt zu glauben, daß in dcr gedachten Stelle dcs Lucas jener hebräischen Quelle ausdrücklich erwähnt, und mit ihrem Titel erwähnt werde, welcher gar wohl (auf Hebräisch versteht sich) ^i^^izo'ls rwv 5ksr)/!ztz0H>c>yi//i^Vlo»- >^/t»- ^«^«^«ruv könnte gewesen scyn;(°) es sey nun, daß die folgenden Worte: ««A-w? xu,-- öocr«v ^/^^v c>^' ayX'!? <»^>7o»ral, xcu. v-r^^c^«^ rov Xo^vii, mit darinn begriffen gewesen, odcr vom Lucas nur hinzugesczt worden, um so viel deutlicher jene authentische Sammlung zu bezeichnen. (") (°) Das ist: Erzählung der unter uns in Erfüllung gegangenen Dinge. Ein Titel, dcr mir ganz hebräisch klingt; ob ich glcich wcdcr angeben kann, noch mit audcrcr Hülfe angeben mag, wie cr etwa auf Syrisch odcr Chaldäisch könne gcheisscn habcn. Bcrmuthlich wäre damit auf die mancherley Prophezeihuugc» gesehen worden, die durch Neue Hypothese über die Evangelisten. die Begebnisse, Lehre» und Thaten Christi in Erfüllung gegangen; auf das öfters vorkommende 70-^0 ö? zi-zioi-v i,^« -c> g^A-v i5?o 7c>v X^itztov öl« 7v^> II^o^Tzrov, lllaUIi. I, 22. II, I?. IV, ti. VIII, 17. XII. 17. XIII,I4. (°°) In bcvdcn Fällen wird dadurch bestätigt, was ich §. 2—4. von den «Personen insgemein gesagt, die a» dem Evangclio der Nazarcner so zu reden geschrieben, "r-r^ki-a-, ro-u ^o^o-v; die Apostel, als die vornehmsten, nach welchen die ganze Sammlung genrnnct war: und «'v-ro-n-a-, alle diejenige», männlichen und weibliche» Geschlechts, die Christum von Person gekannt. §- 46. Und wenn ich sonach den ganzen ersten Versikcl des LucaS: ortiioem relZigcnv riarrationem llv rebus «zuao in nob!g cownlelae tunt: was könnte man eigentlich viel darwidcr haben? (°) s°) Wenigstens wi^a^acrA-ai. öl^^<7iv blos durch lineris Miinitnre, blos durch beschreiben, aufzeichnen/ zu übersetze», scheint mir den Sinn der Worte nicht zu erschöpfe»; beim scheint allerdings auch hier eine oslinaligc Wiederholung anzuzeigen, zu welcher das -»-x^^o'«'', sie haben vor die Hand genommen, besonders paßt. Folglich lieber so: weil denn viele versucht haben, jene Erzählung der unter uns in Erfüllung gegangenen Dinge einmal über das andere in Ordnung zu bringen: so u. s. w. Das in Ordnung bringen jene alte Sammlung, die so gelegentlich ans so vcr- schicdncn Nachrichten erwachse» war, war ohne Zweifel das Schwerere: und das Ilcbersetzc» derselben, wenn man einmal wegen der Ordnung mit sich eins geworden war, war ohnstreitig das Leichtere. Das; also Lucas die ganze Arbeit nur durch das Schwerere bezeichnet, darf wohl nicht befremden. Freylich würde alles das noch wahrscheinlicher seh», wenn vor , z^ovv noch stunde. 8- 47. Ja, ob ich gleich diese Uebersetzung und Erklärung nur für eine kritische Vermuthung ausgeben will, die bey weiten so kühn und gewagt nicht ist, als kritische Vermuthungen in unsern Tagen zu seyn pflegen: so will mich doch bcdünkcn, als ob nur durch sie alle Schwierigkeiten gehoben würden, die sich gegen die Worte des Lucas machen lassen. l°) (°) Denn wenn er nach der gewöhnlichen Uebersetzung sagt: Sintemal slcho viele unterwunden haben, zu stellen die Rede von den 610 Neue Hypothese über die Evangelisten, Geschichten/ so unter uns ergangen sind; wie uns das gegeben haben, die es von Anfang selbst gesehen und Diener des Worts gewesen sind: hat man nicht Recht, dem Lucas sofort einzufallen: „Also haben doch jene viele nichts geschrieben, als wie „und was die Augenzeugen und die ersten Diener des Worts gemeldet? „Und haben sie das, lieber Lucas, was braucht es noch deiner Arbeit, „die alles angewandte» Fleißes ohngcachtct, doch nicht besser gerathen „kann? Habe immer von Anbeginn alles selbst erkundet: hast du es „denn besser erkunden können, als wie uns das gegeben haben, „die es von Ansang selbst gesehen und Diener des Worts „gewesen sind?" Nur wenn diese letztem Worte entweder ein Theil des Titels der erste» hebräischen Urkunde waren, oder von: Lucas zu ihrer nähern und gewisser» Bezeichnung hinzugesetzt wurden, so daß sie ans die hebräische Urkunde selbst, und nicht auf die von vielen unternommene Ordnung und Uebcrsctzung zu ziehen sind: hatte Lucas Recht, eine ähnliche Arbeit zu unternehmen, nachdem er alles von Aubcgi»» erkundet hatte, d. i, nachdem er alles, was in der hebräischen Urkunde stand, gegen die mündlichen Erklärungen der Apostel, die er zu sprechen Eclcgcnbeit hatte, geprüft und durch sie bestätigt hatte. §. 4S. Doch dem sey wie ihm wolle: genug daß so viel gewiß ist, daß Lucas selbst die hebräische Urkunde, das Evangelium der Nazarcncr vor sich gehabt, und wo nicht alles, doch das Meiste in sein Evangelium, nur in einer etwas andern Ordnung, nur in einer etwas bessern Sprache übergetragen hat. §- 49. Noch offenbarer ist es, daß MarcuS, den man gemeiniglich nur für den Epitomator des Matthäus halt, blos daher dieses zu seyn scheint, weil er aus eben derselben hebräischen Urkunde schöpfte, aber vermuthlich ein minder vollständiges Exemplar vor sich hatte, t") (°) Daß er wirklich aus der hebräischen Urkunde unmittelbar geschöpft, zeigt V, 41., wo er die eigentliche» chaldäischc» Worte beybringt, deren sich Christus bey Erwcckung der Tochter des Zairus bediente, welche weder Matthäus noch Lucas haben. Auch Vli, 11. Torban. MarcuS soll der Dollnictschcr und vertraute Jünger des Petrus gewesen seyn. Daher kam es ohne Zweifel, daß er das wegließ, was Matthäus xiv, 28 — 31. von Petro erzählt. Hingegen ist um so viel unbegreiflicher, warum er auch das »cmlichc weggelassen, was Matthäus von Petro erzählt, xvi, 17, ob er (Marcus) schon Vili, 33. beybehalte». Z. 50. Klirj: Matthäus, MarcuS, Lucas sind nichts als verschiedene und nicht verschiedene Ucbcrsctzungen der so genannte» hebräischen Ur- Neue Hypothese über die Evangelisten. 211 künde des Matthäus/ die jeder machte, so gut er konnte; cxa-^o?, §- 61. Und Johannes? — Ganz gewiß hat Johannes jene hebräische Urkunde gekannt/ gelesen/ und bey seinem Evangelia genüzt: aber dein ohngcachtct ist sein Evangelium zu jenen nicht zu zählen, zu jener Na- zarenischcn Klasse nicht zu rechnen; sondern cS macht allein eine Klasse vor sich aus. 5- S2. Die Meynung/ daß Johannes ein bloßes Ergänzungsstück zu den > drey übrigen Evangelien schreiben wollen, ist allerdings ungcgründct,(°) Man darf ihn auch nur lesen, um ein ganz anderes zu empfinden. t°°) Z. S3. Daß Johannes aber sonach die übrigen drey Evangelisten auch gar nicht gekannt, ist eben so unerwcislich als unglaublich. §- 21. Vielmehr, eben weil er die übrigen drey, und mehrere aus der Nazarenischen Urkunde entstandene Evangelia gelesen hatte, weil er sahe, was diese Evangelia für eine Wirkung machten: fand er sich ge- müssigt, sein Evangelium zu schreiben. §- S5. Denn wir dürfe» uns nur erinnern, von wem sich das Evangelium der Nazarcner eigentlich hcrschrieb. Von lauter Leuten, die persönlichen Umgang mit Christo gehabt hatten; die also von Christo, als Mensch, am überzeugtest«! sevn mußten, und ausser Christi eignen Worten, die sie sich getreuer in das Gedächtniß, als deutlich in den Verstand gcvrägt hatten, nichts von ihm erzählen konnten, was nicht auch von einem bloßen, aber mit Kraft aus der Höhe ausgerüsteten wundcrthätigcn Menschen hätte wahr seyn können. §. Ze. Was Wunder also, daß nicht allein die Palästinischcn Judcnchri- stc», denen der Name Nazarencr vorncmlich zukam, sondern alle und jede Juden und Heiden, welche ihre Kenntniß von Christo mittelbar oder unmittelbar aus der Nazarcnischcn Urkunde geschöpft hatten, Christo von Seiten seiner Gottheit nicht genug Verehrung wiedersah- rcn ließen? (°) (°°) Diese Zeiche», welche sich im Originale befinden, beweisen hi»- läiiglich, daß zu diesem Paragraph Anuierkungen komme», welche ich aber »irgend« finde» könne». Rarl Lessing. 512 Neue Hypothese iibcr die Evangelisten. §- S7. Jene/ selbst in ihrem ersten Ursprünge betrachtet, hätten unmöglich auch noch daS Mosaische Gesetz beybehalten wollen, wenn sie Christum für mehr als einen ausscrordentlichen Propheten gehalten hätten. Ja, wenn sie ihn auch für den wahren versprochenen McsssaS hielten, und ihn, als den MesstaS, den Sohn Gottes nannten: so ist doch unstreitig, daß sie keinen solchen Sohn Gottes mcynten, welcher mit Gott von gleichem Wesen sey. §. SS. Wem dieses von den ersten Judenchristcn einzuräumen zu bedenklich ist, der muß wenigstens zugestehen, daß die Ebionitcn, daS ist, diejenigen Judenchristcn, welche sich noch vor der Zerstörung Jerusalems, jenseit des Jordans in Pclla niederließen, nnd noch im vierten Jahrhundert kein ander Evangelium erkannten, als das hebräische Original des Matthäus, daß, sag' ich, die Ebionitcn, nach dem Zeugnisse dcS OrigcncS, sehr armselig von Christo dachten, wenn cS auch nicht wahr wäre, daß sie von dieser ihrer armseligen DcnkungSart gar ihren Namen bekommen hätten. §. 69. Eben so hielt Cerinthiis, welcher zwar ein Jude, aber schwerlich ein Palästinischer Jude war, weil er uutcr die Gnostiker gerechnet wird, Christum für nichts, als den ehelichen, nach dem gewöhnlichen Laufe der Natur von Joseph und Maria erzeugten Sohn, weil er, oder daher er, entweder die hebräische Urschrift dcS Matthäus, oder den griechischen Matthäus für das einzige Evangelium annahm. (*) (°) Nach dem, iras ich in der Aimicrkung zu H. 44, angeführt, scheint es mir sogar glaublich, daß er sich cinc eigne Ucbcischimg des hebräische» Originals gemacht, und also selbst zu denen des Papias gehört, die dr» Matthäus so gut übcrsczt, als sie gekonnt. §. 00. Das nemliche gilt vom Carpocrarcs, der gleichfalls, entweder weil er nur den Matthäus annahm, keine höhere Idee von Christo haben konnte, oder weil er von Christo keine höhere Idee haben zu dürfen glaubte, nur den Matthäus annehmen konnte. tz. 61. Mit einem Worte: Rechtgläubige und Scktirer hatten alle von der gottlichen Person Christi entweder gar keinen oder einen ganz unrechten Begrif, so lange kein ander Evangelium vorhanden war, als die hebräische Urkunde des Matthäus, oder die ans ihr geflossenen griechischen Evangclia. Neue Hypothese über die Evangelisten. 513 s- 62. Sollte also das Christenthum unter den Juden nicht als eine bloße jüdische Sekte wieder einschlafen und verschwinden; sollte es unter den Heiden als eine besondere, unabhängige Religion bekleiden: so mußte Johannes ins Mittel treten und sein Evangelium schreiben. 8- 63. Nur sein Evangelium gab der christlichen Religion ihre wahre Conststenz: nur seinem Evangelio haben wir es zu danken, wenn die christliche Religion in dieser Conststenz, allen Anfällen ungeachtet, noch fortdauert, und vermuthlich so lange fortdauern wird, als es Menschen giebt, die eines Mittlers zwischen ihnen und der Gottheit zu bedürfen glauben: das ist, ewig. §- 64. Daß wir sonach nur zwey Evangelia haben, den Matthaus und Johannes, daS Evangelium des Fleisches und das Evangelium des Geistes, haben schon die alten Kirchenvater erkannt, und ist eigentlich noch von keinem neuern Orthodoxen geleugnet worden. §. 63. Und nun hatte ich nur noch zu erklären, wie es gekommen, daß daS Evangelium des Fleisches von drey Evangelisten gepredigt worden; wenn ich es nicht schon bereits erklärt habe. Denn genauer zu sprechen, hätte ich nur noch zu erklären, warum unter vielen andern aus der Nazarenischen Urkunde geflossenen griechischen Evangelien, die Kirche ausser dem Matthäus, nur eben noch den MarcuZ und LucaS beybehalten; da die Ursache, welche AugustinuS hiervon angiebt, wohl schwerlich befriedigen dürfte. §- 66. Ich will meine Mcvnung kurz sagen. MarcuS und Lucas wurden, nächst dem Matthäus, von der Kirche bevbchaltcn, weil sie in vielen Stücken gleichsam die Kluft füllten, die zwischen dem Matthäus und Johannes liegt; und der eine ein Schüler dcS PctruS und der andere ein Schüler dcS Paulus gewesen war. §- 67. DaS, sag' ich, ist meine Mcvnung, die eine hinlängliche Ursache angiebt, warum man die vier Evangelisten zusammen in fast allen alten Abschriften so und nicht anders geordnet hat. Denn daß sie in eben der Ordnung der Zeit nach auf einander geschrieben haben sollten, ist unerwtesen. §. 63. Nur den Beweis dieser Mcvnung kann ich hier nicht führen, weil Les«i>>gs Werke xi ^ 33 5l4 Ecgcn Mascho. er durch Jnductlon geschehen muß, und ich die Beispiele nicht genug bcvsammen haben kann, um eine dergleichen Jnduclion zu einer Art von Demonstration zu machen.") Gegen Mascho.") cv <)ch muß es nur bekennen, daß ich mir gleich anfangs vorgenommen, nicht das geringste gegen die Fragmente schreiben oder auch gelegentlich - erinnern zu lassen, ohne sofort meine Augen selbst dabey zu haben. Ich habe den Ungenannten, vermuthlich zwar nicht wider seinen Willen, aber doch ohne seinen Willen in die Welt gezogen. Also bin ich ihm meine Vorspräche schuldig: so oft Unwissenheit oder Stolz die Nase über ihn rümpfen. Ich habe ihn darum in die Welt gezogen, weil ich mit ihm °) Ueber diese Schrift sagt Karl Lcssing im theologischen Nachlas; S. 24 „Es sind vier Handschriften davon da. Eine in klein Folio, vcrinull'licl, erster Entwurf, den er davon gemacht, ist am allerunleserlichstcn. Sie bat keinen Titel, aber eine kurze Anzeige dessen, was er in diesem Werke abhan- deln wollen, die so lautet: „Inhalt: „Erst wird die Hvvotl'csc in planen trockenen Worte» vorgetragen. „Sodann werden die kritischen Beweise derselben und alles, was daraus „geführt, dargelegt. „Worauf der Vortheil, welche» dieselbe in Aegreiflichmachung ver- „schiedettrr Schwicrigkcitc» und genauerer Erklärung streitiger Schrisu „stellen haben möchte, gezeigt und mit Unterwerfung einer näheren „'Prüfung geschlossen wird. Das 2>e Manuscript davon, in groß Oktav und gebunden, hat den Ti^ tcl: Hypothese über die Evangelisten als blos menschliche Geschichtschreiber betrachtet, wolfcnbiittel. November t777. angefangen. Auf jedem Blatte steht mir ei» 'Paragraph; der übrige Raum ist zu den Anmerkungen gelassen, deren sich auch einige finden. Das 3te ist in Quart, nur von drey Bogen, sängt sich an: Umrisj der Hypothese, und geht bis ans H. 33. So weit es reicht, ist alles besser darinn ausgeführt: nur sind die Anmerkungen, die sich in den bevdcn ersten bcsindcn, ganz weggelassen. Das 4tc ist sehr gut geschrieben, mit Anmerkungen, und scheint wohl, es habe so in die Druckcrev abgeschickt werden sollen. Leider aber ist es nur ein Bogen in Oktav mit den ersten sechs Paragraphen. Die Vorrede dazu nebst den, Titel, wie ich ihu angeführt, ist auf einem besondern Bogen." °°) Tlieologischer Nachlaß S. 29. Gegen Mascho. 615 nicht länger allein unter einem Dache wohnen wollte. Er lag mir unaufhörlich in den Ohren; und ich bekenne, daß ich-seinen Zuraunungen nicht immer so viel entgegen zu setzen wußte, als ich gewünscht hätte. Uns, dachte ich, muß ein dritter entweder näher zusammen oder weiter auseinander bringen: und dieser dritte kann niemand als das Publikum seyn. Ich verliere also für mich selbst alle den Nutzen, den ich durch die Aufführung eines so lichtscheuen Gastes mir versprach, wenn ich nicht auf jedes Wort, auf jede Miene aufmersam bin, mit welcher man ihn empfängt. Ich muß jeden fragen, der über ihn stuzt, oder über ihn lacht, oder über ihn erschrickt, oder über ihn poltert: wie verstehen Sie das? Wie beweisen Sie das? Ja, ich bin stolz genung zu glauben, daß da, wo ich Belehrung brauche oder finde, auch andre derselben nicht ermangeln dürften. Ich halte mich kein Haar besser, als irgend einen Menschen in der Welt: aber ich habe auch keine Ursache, mich für schlechter zu halten, als irgend einen. Ich kann fehlen, wie andre: aber andre können auch fehlen, wie ich. Und wenn ja gefallen seyn muß: so will ich lieber über meine eigne Beine zu Boden straucheln, als zu Boden gerissen werden. Mit dieser erneuerten Vorstellung ergriff ich also auch des Herrn Mascho Vertheidigung der geoffenbarten christlichen Religion — Bc» der ersten flüchtigen Durchblättcrung schien es mir, als müßte der Titel vielmehr heißen- Vertheidigung der geoffenbarten christlichen Religion des Herrn Mascho. Ich will sagen, daß mir Herr Mascho ein wenig zu viel seine christliche Religion zu vertheidigen geschienen. Aber daS schien mir wohl auch nur so. Also zu einer zweyten bedächtlichcn Lektüre mit der Feder in der Hand! WaS ich dabey auf das Pappier werfe, sey unmittelbar an ihn gerichtet, nicht als Brief, sondern als Stoff zu kleinen Bricf- chcn an ihn. jter Brief. Mein Herr, Ich freue mich herzlich einen Mann in Ihnen zu finden, dessen DeiikungSart mir in so vielen Stücken so wohl behagt. Mit Ihnen verlohnt es sich der Mühe zu sprechen. 33' sie ^cgen Mascho, 7. Zu MaschoS eigner Religion und seiner Denunciation an Gbjcn. Wenn cS nur möglich wäre, daß man der Welt ein ächtes Christenthum beybringen könnte S- XIII. der Vorrede zum Iten Stück. Was vor.Zo—60 Jahren in den menschlichen Lehrbüchern stand, war nicht ihre Religion S- XV. ebendaselbst. Er macht dem Ungenannten ein Verbrechen daraus, von den Neuerungen in der Religion nichts gewußt zu haben, oder sich wenigstens so gestellt zu haben S- 3. 4. des ttcn Stücks. Er verwirft das Buxtorfische System der Inspiration: ohne uns zu sagen, wie weit sich nun die Inspiration erstrecke. Müssen wir nicht aus einzeln Worten alle unsre Glaubenslehren nehmen? Und wenn Worte nicht inspirirt sind, worauf beruhen denn unsre Glaubenslehren? — Die Bibel enthält eine göttliche Offenbarung und die Bibel ist eine göttliche Offenbarung, sind nicht svnonvmischc Ausdrücke. Sein Vortrag wird manchem Leser völlig fremd und unerhört seyn S. 82. — Das große Pflngstwunder? — Von dem Unterschiede der mündlichen und schriftlichen Offenbarung nach meiner Idee S- 202. Ueber die Apostolischen Wundergabcn S- 23». Unterschied des Buchstaben und dcS Geistes S. 249. Wider die übertriebenen Begriffe der Inspiration S- 2S8. 27l. UlN'likli'us ^utikarlilu'o d. i. G. Ephr. Leßmg an den Herrn George Chr. Silberschlag. Erster Brief. Usrlisius Iile ego kum, qui» »o» iiUelligor Miz. Or.Ä. °) Mein Herr, Barbaren haben die Philosophie erfunden. Von Barbaren schreibt sich die wahre Religion her. Wer sollte nicht gerne ein Barbar hcissen wollen? Barbaren hiessen alle Völker, die nicht Griechen waren. Also muß ein Anti-Barbar und ein Grieche einerlei) seyn. Aber ein Grieche und ein Heide war bey den ersten Christen einerley. Wer sollte vollends nicht gern ein Barbar heisst wolle»? Doch das sind die Barbaren nicht/ die Sie meynen. Sie meynen Menschen voll grober Unwissenheit nnd eben so groben Sitten; Mensche»/ dergleichen mein Ungenannter einer. Bin ich aber wohl nicht stolj/ wenn ich mir einbilde/ daß der Barbar, dessen Anti zu seyn Sie mit so vieler Bescheidenheit sich annehmen, ich eben sowol bin, als der Ungenannte? Sie selbst sind cS, mein Herr, der mich so stolz zu seyn berechtigt. Nur ein Barbar konnte unter den Schriften der mir anvertrauten Bibliothek so abscheulich wähle». Nur ein Barbar kann solche Fragmente auf dem Boden der Litteratur gewachsen zu seyn vorgeben- Nur ein Barbar — Kurz, ich bin stolj, ein Barbar zu hcissen, und das ist schon Beweises genuug, daß ich ein Barbar bin. Nur in einen, Stücke möchte ich daS nicht seyn, waS Sie/ mein Herr/ zu Barbaren machen. Sie machen die Barbaren so gar stolz, daß sie ehrliche Leute seyn könne»/ und Sie sage» cS sehr deutlich, daß ich und der Ungenannte sicherlich keiner sind. °) Theologischer Nachlaß S. 33. Ueber den Beweis des Geistes und der Kräfte Ein zweytes Schreiben an den Herrn Direktor Schumann in Hannover. Braunschweig, 1778.°) Mein Herr, lieber wollen wir einander weder bestechen, noch zum besten haben. — Ich entsage daher gleich Anfangs allen verbindlichen Wendungen, so wie aller Ironie, womit sie Ihrer Antwort einen so hohen Geschmack zu geben, bedacht gewesen. Traun, welche trcfliche Ironie, mir selbst Ironie anzudichten! Nur schweigen kann ich nicht ganz: ob Sie schon drohen, mir das lezte Wort zu lassen. Ich nehme diese Demüthigung in Voraus hin, und will mich gern in diesem zweyten Schreiben darnach richten: so daß ich Ihnen nur mit Dingen nochmals beschwerlich falle, auf welche keine Antwort mir auch eine Antwort seyn wird; mit allem übrigen aber, wo cS mir um eine genauere Belehrung zu thun ist, mich an sonst jemand wende, der mehr Zeit und mehr guten Willen hat, mich zu unterrichten, als Sie, zu haben, mir zu meinem Leidwesen versichern. Was mich indeß hierüber noch einigermaßen tröstet, ist dieses, daß ich Ihnen aufrichtig bekennen muß, wie ich weit mehr Stoff zu neuem Nachdenken in Ihrer Antwort erwartete. Dafür haben Sie mich nur an alte verwirrte Begriffe wieder erinnert, die ich, mir schon längst zu größerer Deutlichkeit gebracht zu haben, überzeugt bin. Auch habe ich mich über manche MiSdeutung, über manche Ent- «ervung meiner Meynung zu beklagen. Vorschlich wird gewiß keine gewesen seyn: und doch war mein Ausdruck so diffus auch nicht, daß man leicht den Sinn unter den Worten verlieren könnte. Ich hätte vielmehr mit geringer Mühe aus meinem Bogen ein °) Theologischer Nachlaß S. 1ZS. „Davon ist erst ein Entwurf da; dann ein paar Anfange des Briefes, die In der .Hauptsache zwar immer einerley, in der Wendung aber und dem Ausdrucke verschiede» sind. Endlich solar das Manuscript, nach dem vcrmulhlich hat gedruckt werden sollen." Rarl Lessing. Ueber d. Beweis des Geistes u. d. j^raft. '.'teS Schreiben. 51'^ Büchlein, aus dem Pamphlet ein Werk machen können. Aber ich dachte/ wer keinen Bogen liefet, liefet noch weniger mehrere Bogen, und dic Wahrheit, die »lan auf Einem Bogen nicht sagen und erweisen kann, ist wohl nicht weit her, — oder ist vielmehr zu weit her. Freylich aber kann ich nicht in Abrede seyn, daß eS leider meine eigensinnige Art ist, von der unerheblichsten Kleinigkeit am liebsten auszugehen, wenn ich durch sie mich am geschwindesten mitten in die Materie versetzen kann. Eine solche unerhebliche Kleinigkeit ist mir sodann gleichsam der niedrige, elastische Punkt, auf welchem ich mein Tempo nehme. Doch das Tempo ist nicht der Sprung: und wer sein Auge nur auf mein Tempo heftet, der kann mich eben so wenig springen sehen, als er vermuthlich mag. Denn er ist vermuthlich selbst ein Springer; und will nur kunstmaßig beurtheilen, ob ich mein Tempo nicht zu weit, oder nicht zu kurz genommen habe. Der Sprung an und für sich ist ihm ein Nichts: den kann er auch; den kann er besser. Also recht wohl: die Stelle des OrigencS war Ihnen nur „ein. „unschuldiges Pförtchen, wodurch Sie mit einiger Manier auf die „Laufbahn treten wollten." Aber wenn sie Ihnen ein Pförtchen war: warum darf ich denn auf diesem unschuldigen Pförtchcn nicht mein Tempo nehmen? Weil dieses Pförtchen ganz überstüßig ist? Kann wohl seyn. Weil dieses Pförtchcn nicht fest gcnnng stehet? Ich hätte geglaubt, auch ein unschuldiges Pförtchen müßte vor allen Dingen fest stehen. Weil der Stoff dieses Pförtchcns zu viel oder zu wenig prellet? — Das wäre etwas. Das hätte ich allerdings genauer untersuchen müssen. Dafür kdnntcn wcdcr Sie noch ihr unschuldiges Pförtchen. Wie? Ich sollte also nicht gewußt haben, wie weit die Stelle des OrigencS trägt? Ich sollte dic ganze Elasticität derselben in der Grundsprache nicht gehörig erwogen haben? Lassen Sie uns doch dieses, mein Herr, einen Augenblick genauer untersuchen. Und nur dieses allein. Denn alles übrige, von dem Sie sagen, daß cS Sie eigentlich nichts angehe, haben Sie auch wirklich so beantwortet, als ob es Sie nichts angehe; und wenig erhellet daraus deutlicher, als daß >vir ü5ec dergleichen Dinge nicht streiten müssen. Vviu nicht! Nur über die Stelle eines Kirchenvaters, nur über die wahre Meynung derselben, wollen wir uns hoffentlich wohl noch verstehen. Also, mein Herr: warum Sie den OrigencS nicht ausreden lassen, begreife ich noch jezt nicht. Sie versichern zwar, den Ausdruck des OrigencS in der engern Bedeutung des Apostels genommen zu habcn. Aber ich fürchte schr, daß Ihnen dic engere Bedeutung des ApostclS 52(1 Ueber den Beweis des Geistes und der Kraft. noch mehr zuwider ist, von der ich nicht einmal einsehe/ warum sie die engere heissen soll. Denn wenn Paulus zu den Corinthcrn sagt, Mein wort und meine predigt war nicht in vernünftigen Reden menschlicher Weisheit, sondern in Erweisung des Geistes und der Rraft; und wir unter der Beweisung des Geistes den Beweis aus Weissagungen, so wie unter der Beweisung der Rraft den Beweis aus Wundern, mit dem Ocigenes verstehen sollen und müssen: glauben Sie wohl, mein Herr, daß Paulus dabey nichts anders gethan hat, als was Sie ohngcfähr in Ihren Blättern von der Evidenz dieser beyden Beweise geleistet haben? Glauben Sie wohl, daß er sich begnügte, die alleinige Anwendung der Weissagungen des A- T- auf Christum, von deren Priorität man damals noch ganz anders überzeugt seyn mußte, als man jezt überzeugt seyn kann, zu zeigen, zu erhärten? Glauben Sie wohl, daß er sich begnügte, die Wunder, die Christus gethan hatte, zu erzählen, deren Glaubwürdigkeit zu einer Zeit, als noch so viele Augenzeugen am Leben waren, doch wohl um vieles größer sevn mußte, als sie jezt ist, da wir gar nichts davon wissen würden, wenn sie nicht in Einem Buche stünden? Glauben Sie wohl? Ich bilde mir ein, mein Herr, Sie möchten so etwas, wodurch die Predigt Pauli Ihren Blättern so ganz ähnlich würde, sehr gern glauben: wenn nur nicht in diesem ncmlichen Buche gar zu deutlich stünde, daß Paulus sich noch auf mehr verstanden habe, als auf bloßes Vernünfteln; wenn cS, diesem ncmlichen Buche zufolge, nur nicht gar zu unläugbar wäre, daß Paulus selbst weissagen können, daß Paulus selbst Wunder gethan; wenn man nur dieses nemliche Buch gar nicht müßte gelesen haben, um nicht zu wissen, daß sich Paulus eben dadurch, daß er selbst weissagen können, und dadurch allein als den Mann erwies, der eS am besten einsehen können, was Weissagungen und erfüllte Weissagungen sind, — daß sich Paulus eben dadurch, daß er selbst Wunder that, und dadurch allein als den Mann erwies, der vollkommen glaubwürdig war, wenn er von den Wundern seines Meisters sprach. Hat nun Paulus, nicht durch Vernünfteln über Weissagung und Wunder, nicht durch n^o-v? «^y^viz? o-o-pl«? 7,->)>-,^?, nicht durch vernünftige Reden menschlicher Weisheit, sondern durch eigne Weissagungen, durch eigne Wunder dasjenige bestärkt, was er von den in Christo erfüllten Weissagungen, von den durch Christum und an Christo geschehenen Wundern predigte: so stehet freylich OrigcncS, der sich selbst keiner übernatürlichen Gaben rühmte, schon wett unter dem Ein zweytes Schreiben an den Herrn Dir. Schumann. 621 Paulus, und der Beweis aus Weissagungen und Wundern in dem Munde des Origenes, hatte seine Stärke schon um ein großes, aber doch nicht gänzlich verlohren. Denn jene übernatürliche Gaben, ob sie gleich OrigencS nicht hatte, hatten doch noch andre fromme Christen zu setner Zeit; und der Beweis, wovon jene übernatürliche Gaben der Beweis waren, war folglich im Grunde noch eben derselbe, und konnte nur seltener in seiner völligen Stärke geführt werden. Ich sage; der Beweis des Geistes und der Kraft, wie ihn Origenes führte, war im Grunde eben derselbe, wie ihn Paulus geführt hatte. Keiner von beyden hat ihn in einem engern oder weitern Verstände geführt: und es ist so wenig wahr, daß ihn der Apostel in einem engern Verstände geführt habe, daß vielmehr, wenn ja ein Unterschied gemacht werden sollte, der engere Verstand dem OrigencS beygelegt werden müßte. Denn OrigcneS schon, weil die Wundergabcn nicht mehr in ihrem vollen alltäglichen Glänze herrschten, weil nur noch Fußtapfcn und Spuren davon unter frommen Christen übrig waren, mußte sich mehr auf die blos erzählten Wunder zurückwerfen, wenn er mit spöttischen Feinden der christlichen Religion zu thun hatte. Und doch hat er sich nie so sehr daranf zurückgeworfen, daß er nicht mit deutlichen Worten gesagt, — — — — — — Ueber die von der Kirche angenommene Meynung, daß es besser sey, wenn die Bibel von dem gemeinen Manne in seiner Sprache nicht gelesen würde, gcgcn Herrn Hauptpastor Göze zu Hamburg.") E ln g a n g. Äey Gelegenheit der nähern Prüfung, welche der Reichshofrath über ZZahrdts neueste Offenbarungen Gottes zu verhangen, nöthig gesunden, und die noch bis diese Stunde zu keiner wirklichen Unterdrückung dieses Buchs gediehen, indem die Exemplare desselben nur einstweilen bey Seite gcschaft worden: ist mir im Itcn Stücke des Anti-Göze folgende Stelle entflossen: °) Theologischer Nachlaß S. 103. Ueber die von der Kirche angenommene Meynung, :c. „Was hatte Luther für Rechte, die nicht noch jeder Doktor der Theologie bat? Wenn es jezt keinem Doktor der Theologie erlaubt seyn soll, die Bibel anfs neue so zu übersetze«/ wie er es vor Gott und seinem Gewissen verantworten kann: so war es auch Luther» nicht erlaubt. Ich setze hinzu, so war es Luthern noch weniger erlaubt. Denn Luther, als er die Bibel zu übersehen unternahm, arbeitete eigenmächtig gegen eine von der Kirche angenommene Wahrheit: ncmlich gegen die, daß eS besser sey, wenn die Bibel von dem gemeinen Manne in seiner Sprache nicht gelesen werde. Den Ungrund dieses von seiner Kirche für wahr angenommenen Satzes mußte er erst erweisen; er mußte die Wahrheit dcS Gegensatzes erst erfechten; er mußte sie als schon erfochten voraussehen, ehe er sich an seine Ucbersetzung machen konnte. DaS alles braucht ein itziger protestantischer Ucbcrsctzer nicht. Die Hände sind ihm durch seine Kirche weniger gebunden, die eS sür einen Grundsatz annimmt, daß der gemeine Mann die Bibel in seiner Sprache lesen dürfe, lesen müsse, nicht gcnung lesen könne. Er thut also etwas, waS ihm niemand streitig macht, daß er eS thun könne: anstatt daß Luther etwas that, wobey eS noch sehr streitig war, ob er es thun dürft. — DaS ist ja sonnenklar. — Kurz, BabrdtS, oder eines andern Jztlebenden Uebersetzung verdammen, heißt der Luthcr- schen Ucbersetzung den Proceß machen; wenn jene auch noch so sehr von dieser abgehen. Luthers Übersetzung gieng von der damals angenommenen Ucbersetzung auch ab; und mehr oder weniger, darauf kömmt nichts an. Diese Stelle, sagt der Hauptpastor Goze,(°) sey ein bloßes Gewäsche. — Aber seine Widerlegung dieses Gewäsches? was ist denn die? — Ohne Zweifel ein Meisterstück von Präcision, von gesunder Logik und litterarischen Kenntnissen. — DaS wird auS folgender Erörterung näher erhellen, die ich in zwey Abschnitte zu theilen, für gut sindc. Der erste soll die Antithesin des Herrn HauptpasiorS überhaupt beleuchten. Der zweyte soll meine Tbesin mit allen den Beweisen unterstützen, die seine Unwissenheit abzuleugnen sich erdreistet hat. — Ich will eine Schrift, die frcvlich nur bestimmt ist, die Blöße eines Mannes auch hier aufzudecken, wo man seine ganze Stärke vermuthen sollte, so lehrreich zu machen suchen als möglich. (°) Lcßuigs Schwäche». Zweytes Stück, S. 0S. u. f. gegen Herrn Hauptpastor Eöze. 623 Erster Abschnitt. .Aier ist des Herrn Hauptpastors Widerlegung von Wort zu Wort. — Erst will ich blos durch kleine Einschiebsel sie hier und da unterbrechen; und sodann in ausführlichen Anmerkungen nachholen, was ich/ ohne allzugroßc AuScinanderrückung des Textes, so einschicken nicht konnte. Jenes giebt wieder eine Art von Dialog, die ich, als der Erfinder derselben/ den Kanzeldialog zu taufen/ mir die Freyheit genommen habe. — Der Herr Hauptpastor hat im feyerlichsten Pompe seinen Ort bestiegen: und ich, der arme Sünder/ stehe unter demselben. Er spricht/ und ich horche. Er schwadroniert/ und ich denke mir mein Bischen dabcv. Also 4) Dialog und nicht Dialog. Er. //Nun wenn das kein Gewäsche ist — Ich. Obige meine Worte nemlich. Er. /,so weiß ich nicht, was sonst diesen Nahmen sühre» konnte." Ich. Ich will auch nichts voraus wissen. Er. /,So etwas in die Welt hineinschrciben zu können, und ba- „bev doch auf die Diktatur in der Kirche selbst und der gelehrten „Welt Anspruch mache»/ ja, dabcv nur Bibliothekar in Wolfcnbüttcl /,scvn, das ist zu viel. Ich. Ich danke Gott herzlich, daß ich nicht mehr bin. Und wer wenigstens nächst mir/ auf die Diktatur in der Luthcrschen Kirche Anspruch macht, lasse man sich von Semlcrn sagen. Er. „Herr Leßing sczt hier zum Grunde, daß Luther, durch „Unternehmung einer neuen Ueberschung der Bibel, eigenmächtig „gegen eine von der Kirche angenommene Wahrheit gehandelt habe, //Nemlich gegen die, daß es besser sey, wenn die Bibel von dem „gemeinen Manne in seiner Sprache nicht gelesen wurde. Und „das weiß Herr Leßing so gewiß, daß er es auch nicht einmal nöthig „findet, davon den geringsten Beweis zu geben. Ich- Weil ich glaubte, daß cS jeder Gelehrte eben so gewiß wisse. Weil mir nicht alle Augenblicke einfallt, was wohl der Herr Hauptpasior Göze nicht wisse» könnte, der doch auch ein Gelehrter seyn will. Er. „Ich weiß es, daß mehrere Gelehrte diese abgeschmackte „Meynung angenommen haben, aber nur solche, welche in der gelehrten Geschichte der Bibel offenbare Idioten sind. 624 Ueber die von der Kirche angenommene Meynung, ic. Ich- Das wäre ein Trost, — und wäre auch kein Trost für mich! Denn darf ein Bibliothekar wohl ein offenbarer Jdiote in der gelehrten Geschichte irgend einer Wissenschaft, irgend einer Art von Kenntnissen sepn? — Er möchte mich doch gar zu gern, der liebe freundschaftliche Herr Hauptpastor/ von meinem kleinen Acmtchen verdrängen! — Nun soll ich ihm auch das nicht einmal haben, was mir andre gute Freunde nur geben. Nicht einmal Geschichte der Gelehrsamkeit! Nicht einmal Bücherkunde! «Lr. „Hr. Lcßing mag nun so geringschätzig von der Bibel urtheilen, als er will; so behauptet doch dieselbe immer unter den merkwürdigen Büchern den ersten Platz/ und ich sollte glauben, daß eine „solche Unwissenheit in diesem Fache, als Hr.Lcßing hier zu meinem „Erstaunen zu Tage legt, niemand weniger kleide, als einen Vorsteher eines solchen Bücherschatzcs — Ich. Ja, ja; ich soll fort, ich soll fort. Der Hr. Hauvlvasior hat bereits einen andern an meine Stelle; einen Laniliilalum lieve- i-eoiZi WniNerii, der ihm alle Wochen seine Bibliothek abstaubet, und der cS in dieser, in dieser gelernt hat, was die rechten raren Bücher sind. iLr. — „eines solchen Bücherschatzcs, dessen erster Durchlauchtigster Stifter ein so großer Verehrer der heiligen Schrift war, und „weder eigenhändigen Briefwechsel, noch Mühe, noch Kosten schcuetc, „um seine Bibliothek mit den kostbarsten und seltensten Ausgaben „derselben in allen Sprachen zu bereichern, so daß auch Conring „wußte, daß er demselben eine besondre Freude machte, wenn er in „seiner LpMola Ai-slulaioi'la auf den 88ten Geburtstag desselben, „die vornehmsten Stücke davon nahmentlich anführte, und dem Hcr- „zoge zum Besitze derselben, besonders Glück wünschte: — Ich- Gottes Wunder: Wo der Man» alle die geheime Nachrichten von unsrer Bibliothek her hat! Ich muß gestehe», ich lese und höre so etwas heute, de» 48. Julius 1773. zum erstenmale. — Aber, allwissender Mann, ich bitte Sie, wozu alles das hier? Er. — „als dem Vorsteher eines Bücherschatzcs, welcher durch „den Zuwachs dcr zahlrcichcn und vortreflichen Bibelsammlung der „Hochseligen Herzogin Maria Elisabeth Sophia einen solchen Vor- „rath in diescm Fache erhalten hat, daß nun die Wolfcnbüttclschc „Bibelsammlung unstreitig in Deutschland die erste ist. Ich- Noch mehr? Barmherzigkeit! Ich vergehe vor Schaam, daß ich allein nicht weiß, was die ganze Welt von unsrer Bibliothek weiß. — Aber nochmals Hr. Hauptpastor, nochmals: wozu alles dieses hier? Warum beschäme» Sie mich eben hier so? — Ich kann doch gegen Herrn Hauptpasior Eöje. 625 nimmermehr glauben, daß Sie mich damit auf alle die Bibel-Ueber- schungen in gemeine europäische Sprachen verweisen wolle»/ die schon vor Luthers Zeiten im Drucke waren? Wer leugnet die? Welcher Auktionator, welcher Handler mit alten Schwarte» kennt die nicht? Aber was haben die mit meiner Behauptung zu thun? Ich behaupte/ daß es eine schon vor Luthers Zeiten von der Kirche angenommene Wahrheit gewesen/ daß es besser ftp, wenn der gemeine Mann die Bibel in seiner Sprache nicht lese: und Sie um das zu widerlegen/ wüßten mir nichts entgegen zu stellen/ als die damals schon gedruckten nahmenlosen Ucbcrschungcn, welche sich in den Händen dcS gemeinen Mannes gar nicht befanden/ und welche die Kirche da so seyn ließ, weil, wenn sie auch in den Händen des gemeinen Mannes gewesen wäre»/ sie dennoch keinen Schaden anrichten konnte»/ indem sie alle aus der Vulgata genommen, und zum Theil mit Anmerkungen gespickt waren/ die allem eigenen Raisonncmcnt den Weg abschnitten? Ich weiß freylich/ Hr. Hauptvastor/ daß Sie eine wunderbare Gabe haben, herzlich albern zu schließen: aber so gar albern! — Nein; ehe ich so verächtlich von Ihnen urtheile, muß ich Sie doch nur erst ausbörcn. Vielleicht wollen Sie noch ganz wo anders hinaus. Ee. „So lange also Hr. Leßing diese Stelle bekleidet, wird die „Bibliothek in diesem Felde wohl wenig Thaten thun, und nichts wei- „ter als ein prächtiges Bibclgrab bleiben. Ich- Das erwäge doch ja mein gnädiger Herr, des regierenden Herzogs von Vraunschwcig Durchlaucht, und schicke mich je eher je lieber zum Guckguck! — Indeß doch, Hr. Hauptpastor; wer weiß? ^ Ich Ziehe Sie wohl auch gar am Ende dieser Erörterung bey Seite, und lasse Sie wohin gucken, wohin ich eben sonst nicht einen jeden gern gucken lasse. Er. „Ich ersuche denselben, mich hier nicht als ein hungriges „Pferd, sondern als einen lchrbcgicrigen Schüler anzusehen. Ich. I?iat, wie gebeten. — Aber cS giebt gleichwohl lchrbcgierige Schüler, die am Ende doch nichts weiter als hungrige Pferde sind, die nur lernen um zu essen; die, wenn sie durch ihr Erlerntes endlich zu essen bekommen haben, lieber essen und essen, als anders lernen und mehr lernen. iLr. „Ich verspreche, ihn auf der andern Seite nie unter dem „niedrigen Bilde eines Stallknechts, der nur Heu auf die Raufe tra- „gcn soll, sondern unter dem ehrwürdigen Bilde meines Lehrers zu „betrachten und mir diejenigen Schriften anzuweisen, in welchen — Z26 Ucbcr die von der Kirche angenommene Meynung,-c. Ich. Einen Augenblick Ecduld! — WaS schnacken Sie? — „Ich verspreche ihn als meinen Lehrer zu betrachten/ und mir dicje- „nigen Schriften anzuweisen" — Wenn das zusammenhängt, kann eS nur in Ihrem Kopfe zusammenhängen. — Wie mag der Mann predigen, wenn er so schreibt! Wenn seine Feder so stolpert, was mag seine Zunge thun! — doch nur weiter. Es wird sich ja doch wohl noch errathen lassen, was er will. Er. „und mir diejenigen Schriften anzuweisen, in welchen ich „den Beweis deS, von ihm mit so großer Autorität dahin geworfenen „Satzes: daß es zu Luthers Zeiten eine von der Airche angenommene Wahrheit gewesen, daß es besser sey, wenn die „ZZibel von dem gemeinen Manne in seiner Sprache gar nicht „gelesen würde, finden könnte. Ich. Nur das? Nur das soll ich thun, damit er mich künftig unter dem ehrwürdigen Bilde seines Lehrers betrachte? Weiter nichts? — Nun so merken Sie auf, lenex ^.klüugrie! die Schriftsteller, welche ex pi-okell» erwiesen haben, daß jene Wahrheit nicht blos eine erst zu Luthers Zeiten von der Kirche angenommene Wahrheit gewesen, sondern daß die Kirche von Anfang an, sie nicht anders als erkennen und befolgen müssen, sind- Hosius, Lizer, Roter, Sta- phylus, Lcdesma, ponccr — Haben Sie genung? In der Anmerkung <->) können Sie nähere Nachricht von ihnen einziehen. Er. „Ich vermuthe, daß eS eben die Schriften seyn werden, „in welchen der Beweis für die von dem Hrn. D-Seniler angenommene Mcvnung, daß die ganze römische Kirche vor der Tridcntini- „schen Rirchenversammlung, die Vulgata für authentisch gehalten „und verlangt habe, daß sogar die Grundtcrre »ach derselben geändert werden müßten, befindlich sind. Ich- Sie vermuthen nicht glücklich, und ihr Triumphchcn, das Sie über D. Semlern dort wollen erhalten haben, verlohnt sich wohl der Mühe, daß Sie so damit prahlen. Er. „Daß dieser Satz in der Tridentinischcn Kirchcnvcrsamm- „8el7. IV. 7. angenommen worden, aber mit der Einschränkung, „daß der Bischof, Inquisitor, ParochuS oder Beichtvater, das Recht „haben sollte, die Erlaubniß die von katholischen Verfassern in die „Landessprachen überscztcn Bibeln, solchen Personen zum Lesen zu „ertheilen, von welchen sie versichert wären, daß dieselben am Glau- „ben und an der Gottseligkeit dadurch keinen Schaden nehmen wür- „den, das weiß ich: — gegen Herrn Hanplpasior GLje. 527 Ich, DaS weiß er! das weiß er! Nun so weiß er denn auch hier eine große Falschheit! eine große Lüge! So zeigt er denn auch hier eine Unwissenheit, wie nur immer eine den Nahmen eines luthcr- sckcn Prädicantcn bey gelehrten Katholickcn stinkend gemacht hat! denn offenbar ist cS, offenbar, daß er die Verhandlungen der Tridentinischen Kirchcnvcrsammlung nie selbst kann gelesen haben. Auch nicht einmal nachgeschlagen kann er sie haben, in dem Augenblicke, da er sich so vermessen auf sie beziehet. DaS Allegat Selk. IV. 7. ist handgreiflich, Gott weiß nuS welchem luthcrschcn Tröster, oder ans welchem alten Hefte irgend eines CollegiumS abgeschmiert, das er einmal auf der Universität über (^Iiemoilii Lxamen l^oneilii IViclentini mag gehört haben. Denn bey dem nur ist der Stoff der 4tcn Session in acht Sektionen abgetheilt, wovon die 7te 6e veiliuoe leu Iranslallone toriplul-se ia olia» Imguas handelt. In der Urschrift deS Conciliums selbst enthält die 4te Session nur zwey Dekret-, in deren zweyten daS stehen müßte, waS er so unverschämt daraus anführt. Aber man glaube ja nicht, daß also der belesene Hr. Hauptpastor nur eine 7 anstatt einer 2 drucken lassen. Er würde sich sehr freuen, wenn ich eine solche Lumpcrey zu rügen im Stande wäre. Nein; sein Pudel ist der, daß der ganze Sah, von welchem er sagt, daß ihn die Tridcntinischc Kirchenversammlung am angeführten Orte angenommen habe, weder an dem angeführten Orte, noch sonst wo in den Dekreten der Kirchenver- sammlung vorkömmt. ES wird nirgends darinn der Übersetzung der Bibel in gemeine lebendige Sprachen mit einer Sylbe gedacht; und cS ist so wenig wahr, daß sich die Väter deS Conciliums wegen der Schädlichkeit solcher Ucbcrsehungcn, erst auf dem Concilio Vereinigten, daß sie vielmehr in fester Ueberzeugung von derselben auf das Concilium schon kamen. Von dem einzigen Kardinal Madruccio könnte cS scheine», daß er andrer Mcvnung gewesen sey. Doch wenn man die Stelle deS pallavicini von ihm ctivaS genauer erwägt: so ist auch diese mehr für mich als wider mich. (I>) — Aber, wird man fragen, wie kam cS denn gleichwol, daß der Herr Hanptpastor einen solchen Bock schoß? Er weiß nicht allein, daß die Tridcniinische Kirchcnvcrsammlung mchrgedachtcn Satz zuerst angenommen: cr weiß sogar, mit welcher Einschränkung sie ihn angenommen habe. Das alles kann er sich doch nicht aus den Fingern gesaugt haben. — DaS nun freylich nicht. Freylich hat er lauten hören: nur zusammenschlagen hat er nicht gehört. Dcnn kurz: die Deputation, welche das Concilium, zufolge der 18tc» Session, zu Untersuchung der verdächtigen Bücher nicdcrscztc, hat cr für das Concilium selbst genommen > die allgemeinen 628 Ueber die von der Kirche angenommene Meynung, :c. Regeln, welche diese Deputation ihrem locke! lilirorum proluli. vor- scztc, hat er für Dekrete des Conciliums gehalten; die vierte dieser Regeln hat er, so wie es in seinem Tröster oder in seinem Heft« stehet, nach 8eH. IV. 7. verlegt, weil vermuthlich sei» Professor seliger an dieser Stelle, dieser Regel gedachte, (o) Weiler nichts? TaS laßt mir den Mann seyn, der sich rühmen darf, einen Sieg über Semlcrn erhalten zu haben! So ein Quidproguo paßt treflich zu jenen Lorbeern! iLr. — „aber ich weiß auch, daß dieser Satz nicht vom Concilio „selbst förmlich confirmirt worden, sondern erst seine Bestätigung von „den Päbsten Pius IV. und Clemens VIll. erhalten. Ich. Wie könnte denn etwas, das schon Sel7. IV. 7. stehen soll, von dem Concilio nicht confirmirt seyn? Etwa darum, weil das zweyte Dekret dieser Session kein Anatkema hat, womit der Herr Hauptpastor alle seine Behauptungen zu versiegeln Pflegt? Und was soll denn überhaupt die förmliche Confirmation des Conciliums heisscn, in sofern sie der päbsilichen Bestätigung entgegen gesczt wird? hat denn das Concilium irgend eines seiner Dekrete selbst confirmirt? Sind denn nicht alle und jede in Bausch und Bogen von dem Pabste confirmirt worden? — Doch warum will ich die .^.Iiluru'a alle erschöpfen, die aus den windschiefen Worten des Hrn. Hauptpastors nothwendig folgen? Wir wissen ja ein für allemal, welche Unwissenheit ihm nicht erlaubt hat, sich bestimmter auszudrücken. Was von Wassernüssen nicht ganz unwahr ist, erzählt er von Weintrauben; die Stacheln von jenen vcrsezt er an diese; und wir sollen ihm gleichwohl glauben, daß er allein Weintrauben gegessen hat. Er. „Daß er aber schon zu Luthers Zeiten ein solcher allgemei- „ner Satz gewesen, dessen Ungruud Luther erst hätte erweisen und „die Wahrheit des Gegensatzes erst erfechten müssen, ehe er, ohne „gegen ein allgemeines Kirchcngcsctz zu sündigen, sich an seine Ucber- „setzung hätte machen können, das ist mir ein böhmisches Dorf. Ich. Also, Hochehrwürdiger Schüler, werde ich die Chre und das Vergnügen haben, Sie mit diesem böhmischen Dorfe ein wenig bekannter zu machen. Sie denken, weil Sie keine Bauern daraus kcniicn, daß cS auch keine Bauern drinnen giebt? Cy ja doch! — Ernsthaft! Da dieses das Centrum unsers Streits ist- so habe ich den ganzen zweyten Abschnitt dazu bestimmt, in welchem ich hoffentlich mehr erweisen will, als der Hauptpastor verlangt. Denn er verlangt nur, daß ich ihm beweisen soll, der Satz von Schädlichkeit dem gemeinen Volke verständlicher Bibelübersetzungen, sey zu Luthers Zci- gegen Herrn Hauptpastor Göze. 62S ien ein von der Kirche allgemein angenommener Satz gewesen. Kleinigkeit! Ich will ihm das, und noch ganz etwas anders erweisen. Ich will ihm sogar erweisen, daß von Luthern zurück bis zu der Zeit hinauf, da dergleichen Uebersetzungen erst möglich zu werden anfiengen, die Kirche nie anders als diesem Satze gemäß, gelehrt und gehandelt hat. 5aS will ich ihm sogar beweisen; es wäre denn, daß Concilium und Pabst zur Kirche nicht gehörten: vr borge mir nur bis dorthin. Er- „Wie viele llebersctzungen in Landessprachen; in die italiänische, ober- und niederdeutsche, holländische, waren schon an das „Licht getreten, ehe Luther den ersten bedanken von einer neuen „Uebersetzung fassen konnte und gefaßt hatte? Ich. So viele als der Hr. Hauptpastor nur immer mag gezählt haben! — Aber wie? So kommen Sie doch auf die Absurdität wieder zurück, die ich Ihnen oben kaum zutrauen wollte? So denken Sie doch mit einem Bißchen elender Büchcrkunde mich einzutreiben? Weil Bibeln in Landessprachen vor Luthern sogar gedruckt vorhanden sind, soll die Kirche nicht dafür gehalten haben, daß der gemeine Mann solcher Bibeln gar wohl müßig gehen könnte? Ist denn gar kein Unterschied zwischen diesen beyden Sätzen: die Kirche will durchaus nicht, daß die Bibel in gemeine Landessprachen übcrsczt werde; und die Kirche hält für besser, wenn der gemeine Mann dergleichen Uebcrsctzungc» gar nicht liefet? Hätte die Kirche dieses leztere nicht glauben können, ohne darum jene Uebersetzungen durchaus verbieten zn können und zu wollen? Konnten denn jene Uebersetzuugcn nicht von der Art seyn, und waren sie nicht wirklich von der Art, daß sie in die Hände des gemeinen Mannes gar nicht kommen konnten? Konnten denn jene Uebersetznngcn, welche dem gemeinen Mann schadeten, nicht andern nützlich seyn, auf welche die Kirche doch auch ein Augenmerk nehmen mnßlc? Und was kann denilichcr beweisen, daß vorbesagter Unterschied keine Grille ist, die ich aus der Luft gegriffen habe, als wenn ich gute Katholiken ans Luthers Zeiten anführe, welche nicht allein die ältern Ucbcrfctzungen der Bibel ins Teutsche recht wohl kannten, sondern auch selbst neue Uebcrsctzungc» besorgten, und dennoch mit ihrer Kirche glaubten, daß dergleichen Uebersetzuugcn dem gcmcincn Manne gefährlich und schädlich wären. ( „dische Uebersctzungen zum Feuer verdammt, und sind solche aus dem „Grunde nicht so häufig verbrannt und auf alle mögliche Art vertilgt, „daß von vielen Ausgaben auch nicht ein Eremplar übrig geblieben ist? Ich- Auch das läßt mich der Herr Hauptpastor so sagen, weil er es an meiner Stelle sagen würde; — weil er mir am liebsten in den Mund legt, was er am leichtesten beantworte» kann; — weil er mir gern die Karten in die Hand spielt, die er stechen kann. Er. „Ich antworte; dieses alles räume ich ein: — Ich. Nicht weil ich es sage: sondern weil cr es mich sagen läßt. Wie treflich der Mann antwortet, wenn cr sich selber antwortet! Er. — „Aber ist solches aus dem Grunde geschehen, weil Luther „die Bibel in die Landessprache übcrsezt hat, oder weil man ibn „beschuldigte, daß er solche seinen Irrthümern zu Gunst verfälscht hätte? Ich. Weder aus jenem Grunde allein, noch aus diesem allein: aus beyden Gründen zugleich. Denn wenn Luther seine Ucbcrsctzuug aus der Grundsprache Lateinisch gemacht hätte; so würde seine lieber- setzung sicherlich nicht mehr und nicht weniger seyn verfolgt worden, als die Uebersetzung des Erasmns. Gleicherweise, wenn er sie zwar Teutsch, aber nur aus der Vulgata gemacht hätte: würde sie zuvcr- läßig eben so wohl ohne alle Verfolgung geblieben seyn, als nur irgend frühere Uebersetzungen geblieben sind. Er. „Dieses (die Verfälschung) und nicht jenes (die Ucbersetzuug „an und für sich selbst) warf ihm Emser vor. — Ich. Er warf ihm schlechterdings beydes vor. Man sehe nochmals die Anmerkung (-z). Er- — „Und sein (Einsers) Hauptgravamcn ist dieses: er hätte „nicht allein aus einem verfälschten Hussirischen Exemplare über- „sczt, sondern auch selbst hinzugesezt, was ihm gefallen, und in der „Zeder gelassen, was ihm nicht angestanden hat. Ich- Ich denke, es ließe sich noch sehr streite», was Emser eigentlich unter dem Wicklesschen oder Hußirischen oder Pickardischen Exemplare verstehe, welches Luther vor sich gehabt habe. Daß cr ein Exemplar des lateinischen oder griechischen Textes verstanden, will mir nicht recht zu Kopfe; weil ich nirgends finde, daß mau den gegen Herrn Hauptpastor Göze. 633 Wicklcfiten, oder Hußiten, oder Pickardern eine Verfälschung der Vul- gata oder gar des griechischen Textes Schuld gegeben habe. Wohl aber finde ich, daß sowol Wicklcfiten als Hußiten und Pickarder sich mit Uebersctzuugen der Bibel in ihre Landessprache geschleppt haben: und es wäre nicht unmöglich, daß Einser irgend eine solche deutsche Uebcrsctzung geweynt hätte, auf welche Luther zugleich ein Auge gehabt habe. Der Grund dieser meiner Vermuthung wird sich in dem zweyten Abschnitt zeigen. Doch da dieses hier nichts verschlägt: so lasse ich den Herrn Hauptpastor nur fvrtplaudern. Er. „Alle diese Beschuldigungen getrauet sich kein vernünftiger „Katholik, die einzige Stelle Rom. 3, 28., wo er das Wort allein „gegen den Erundtexl hinzugethan haben sollte, ausgenommen, zu „wiederholen. Ich. Ich weiß weder, wer dem Herrn Hauptpastor ein vernünftiger Katholik ist, noch was sich ein solcher getrauen würde. Ich weiß nur, daß es nicht darauf ankömmt, was jezt geschehen würde, sondern was damals geschah, als Luthers Uebersetzung noch neu war. Unmöglich kann Herr Göze izt von Bahrdts Uebersetzung mehr Böses sagen, als Emser damals von Luthers sagte: und ob über 2W Jahr die guten ^regeren sich auch noch getrauen werden, alle Vorwürfe zu wiederholen, die Herr Göze und seines gleichen Dahrdten jezt machen, das muß die Zeit lehren. Hiermit aber will ich im geringsten nicht mich zum Vertheidiger von Bahrdls Ucbcrsetzung auswerfen: Ich will blos seine Befugniß, nach seinem Gewissen zu übersetze», rechtfertigen, die wenigstens in keinem Betracht geringer war, als Luthers Befugniß. Er. „Zu eben der Zeit, da in den Niederlanden Luthers Ucber- „setzung auf das heftigste verdammt wurde, erschienen katholische " „Uebersctzuugen in holländischer Sprache/ mit dem privilegio „eben des Raisers, der Luthers Ucbersctzuug zum Feuer verurthcilte. „Kann Herr Lcßing nach seinem Grundsatze diesen Widerspruch heben? Ich. Sehr leicht! denn wenn man dem gemeinen Manne eine ketzerische Bibel in seiner Sprache nahm, so mußte man ihm ja wohl an deren Statt eine rechtgläubige i» der ucmlichcn Sprache wiedergeben; wenn er nicht glauben sollte, daß die Unterdrückung mehr auf die Bibel, als auf die hineingelegte Ketzerei) gemünzt sey; besonders wenn der gcuicinc Mann desselben Landes schon ehedem eine unschädliche Bibel in seiner Sprache gehabt hatte. — Das wäre, dächte ich, eine sehr natürliche Antwort: wenn das Faktum anders seine Richtig- 634 Ueber die von der Kirche angenommene Meynung, :c. keit hat. Aber es sey mir erlaubt, gegen das Faktum selbst noch erst meine Zweifel zu äussern. (I>) Er. „Ich besitze- ein sehr seltnes Hieher gehöriges Buch: 8an- „ctuarium prokanig ooelulum, live tiv 8. 8, Lililioium prniniiiiioiie livAua vulgaii, len vernacula, Iraelalus. l!al!!cv piimuiu „conleiiptus, ^nno !l6Z1. a Oieenliato in sseultatv psrilienli, eonliliario, Lleemolina- „r!o, et ?raeäieglore liexiZ (ülnislianislimi <^c. IXune laline pro- „clit in (Zermania. Ilerbipoli, KIIXÜI^XII. 4. Ich. Dieses Buch sehr selten? wer sagt denn das? noch habe ich es in keinem Verzeichnisse seltener Bücher gefunden; so gemeine Schwarten dergleichen Verzeichnisse auch sonst mit aufzuführen pflegen. In unserer Bibliothek ist es zweymal; und ich habe es in meinem Leben wohl an zwanzig Orten gesehen. Es ist schon wegen der Titel- Vignette so bcruchtiget. (5s ist in Deutschland gedruckt; ein berühmter lutherischer Eottesgelehrter hat dawider disputiert: und soll gleichwol sehr selten seyn! Ein sehr seltnes Buch, das so bekannt ist! Allenfalls könnte das französische Original in Deutschland so hcisscn: aber die lateinische Ueversctzung, die in Wurzbnrg ans Licht getreten! — Doch der Litteratoren haben bcreiiS mehrere die Eitelkeit des Herrn HauplpasiorS belacht, welche alle Bücher, die ihm die gnädige Vorsehung Gottes zufließen lassen/ als selten stempelt. Mag er doch! — ich will ihn mit dem eigentlichen Werke bekannt machen, welches er hatte kennen und anführen müssen, (i) Er. „Dieser Verfasser theilt sein Werk in Z Theile; in dem er- „stcn will er seinen Satz aus der heiligen Schrift, und in dem zwey- „ten aus den Kirchenvätern der ersten vier Jahrhunderte beweisen; in „dem dritten macht er den Anfang sogleich, aus dem Tridcntinischcn „Toncilio seinen Beweis zu führen. Ein sichtbarer Beweis, daß er „vor dieser Kirchenvcrsammlung nichts gefunden, was er zu seinem „Behufe hätte anführen können. Ich. Also; weil der nichts gefunden: so ist auch nichts zu finden. — Wie doch Ein elender Schriftsteller sich immer inil dem Andern schüzt! Er. „Ich glaube nunmehr das Gegentheil von dem, was Hr. „Lcßing vorgegeben, hinlänglich erwiesen zu haben. Ich. Er glaubt es, denn er ist sich bewußt, daß er hinlänglicher nie in seinem Leben etwas bewiesen. Er. „Kann er diese Beweise umstoßen, und mir gegenseitige vorlegen, welche seinen Satz erweisen, so will ich ihm von Herzen danken. Zu Natha» dein Weisen. 535 Ich. Ich erlasse ihn seines Dankes, damit er mit gutem Gewissen undankbar seyn kaun. Er. „Bis Hieher ist das, was er vorgegeben, nicht so sonnen- „rlar, wie er rühmt, sondern vielmehr erweislich falsch. Ich. Taß es wenigstens noch nicht erwiesen falsch ist, werden unsre Leser wohl hoffentlich anfangen zu merken. — Und hiermit lasse ich sie zu den 2) Anmerkungen, In welchen sie finden werden, daß ich in den Zwischcnreden nichts mehr geaussert habe, als was ich gut zu machen im, Stande bin. (->) Zu Nathan dem Weisen.^) ist allerdings wahr, und ich habe keinem meiner Freunde verhehlt, daß ich den ersten Gedanken zum Nalhau im Dckamcron des Boccaz gefunden. Allerdings ist die dritte Novelle des ersten Buchs, dieser so reichen Quelle theatralischer Produkte, der Keim, aus dem sich Nalhau bey mir entwickelt hat. Aber nicht erst jetzt, nicht erst nach der Streitigkeit, In welche man einen Laye», wie mich, nicht bey den Haaren hatte ziehen sollen. Ich erinnere dieses gleich Anfangs, damit meine Leser nicht mehr Anspielungen suchen mögen, als deren noch die letzte Hand hineinzubringen im Stande war. Nathans Gesinnung gegen alle positive Religion ist von jeher die meinige gewesen. Aber hier ist nicht der Ort, sie zu rechtfertigen. Vorrede. Wenn man sagen wird, dieses Stück lehre, daß cS nicht erst von gestern her uuter allerley Volke Leute gegeben, die sich über alle geoffenbarte Religion hinweggesetzt hatten, und doch gute Leute gewesen wären; wenn man hinzufüge» wird, daß ganz sichtbar meine Absicht dahin gegangen sey, dergleichen Leute in einem weniger abscheuliche» ') Lcssmgs Lebe» Th. l (1793) S. 408. (Segen Seniler. Lichte vorzustellen, als in welchem der christliche Pöbel sie gemeiniglich erblickt: so werde ich nicht viel dagegen einzuwenden haben. Denn beydeS kann auch ein Mensch lehren und zur Absicht haben wollen, der nicht jede geoffenbarte Religion, nicht jede ganz verwirft. Mich als einen solchen zn stellen, bin ich nicht verschlagen genug: doch dreist genug, mich als einen solchen nicht zu verstellen. — Wenn man aber sagen wird, daß ich wider die poetische Schicklichkeit gehandelt, und jenerley Leute unter Juden und Muselmännern wolle gefunden haben: so werde ich zu bedenken geben, daß Juden und Muselmänner damals die einzigen Gelehrten waren; daß der Nachtheil, welchen geoffenbarte Religionen dem menschlichen Geschlechte bringen, zu keiner Zeit einem vernünftigen Manne müsse auffallender gewesen seyn, als zu den Zeiten der Kreuzzüge, und daß es an Winken bey den Geschichtschreibern nicht fehlt, ein solcher vernünftiger Mann habe sich nun eben in einem Sultane gefunden. Wenn man endlich sagen wird, daß ein Stück von so eigner Tendenz nicht reich genug an eigner Schönheit sey: — so werde ich schweigen, aber mich nicht schämen. Ich bin mir eines Ziels bewußt, unter dem man auch «och viel weiter mit allen lehren bleiben kann. Noch kenne ich keinen Ort in Deutschland, wo dieses Stück schon jetzt aufgeführt werden könnte. Aber Heil und Glück dem, wo es zuerst aufgeführt wird. — Gegen Semler.*) Es hat vw. HochShrwürdcn beliebt, Ihrer sonst ganz ernsthafte» Widerlegung des Wolfcnbüttelschcn Fragments vom Zweck Jesu und seiner Jünger mit einem lustig gründlichen und gründlich lustigem Nachspiele zu beschließen und zu krönen, in welchem ich die Ehre habe ins TollhauS verwiesen zu werden. Nun bin ich mit dem großen Tollhausc, in welchem wir alle, mein Herr Doktor, leben, zu wohl bekannt, als daß es mich besonders schmerzen sollte, wenn die Tollhäusler der mehrcrn Zahl mich gern in ein eignes Tollhäuschen sperren möchten. Wenn wir von Herrn Semler nicht glauben solle», daß er im Grunde mit meinem Verfasser einerley Meynung sey, so muß er uns ohne Anstand deutlich und bestimmt sagen, "1 Theologischer Nachlaß S.34. Bibliolatric. 637 4) Wori»n die allgemeine christliche Religion bestehe. ") Was das Locale der christlichen Religion sey, welches man jedes Orts, unbeschadet jener Allgemeinheit, ausiiicrzcn könne. 3) Worin» eigentlich das moralische Leben bestehe, und die beste Ausbesserung eines Christen, (S. 7t1.) welche durch jenes Localc nicht verhindert werde. G- E. L. B i b l i o l a t r i e. Xtzi^c «roi, iktzo öou.^v >,a?iZkv^, ^ch verstehe unter Bibliolatric diejenige Verehrung, welche man für die Bibel und besonders für die Bücher des N. Testaments zu verschiedenen Zeiten verschiedentlich gefordert hat. Ich nehme also Larrie nicht in dem Sinne der katholischen Kirche, nach welchem es bloß eine Verehrung und einen Dienst aiizeigt, wie sie nur Gott zu> kommen; und bin weit entfernt, das ganze zusammengesetzte Wort Bibliolatric nach Idololatrie gebildet zu haben. Bloß weil ich lange Titel hasse und unter diesen so ziemlich alles zu bringen ist, was ich zu meiner Vertheidigung über eine Sache anzuführen habe, die mich nach der Verdrehung eines unwissenden und hämischen Zeloten um alle Ansprüche ans den Namen eines Christen bringen sollte: bloß darum habe ich auch hier zweydeutige Kürze einer langweiligen Umschreibung vorziehen zu dürfen geglaubt. Büchcrtitcl sind ja doch nur wie Taufnahmcn, die nicht zum Characterifircn, sondern lediglich zum Unterscheiden gegeben werden. Die darauf folgenden Zeilen, nur nicht an Christum gerichtet (°), sagt beym öuripideS Ion ("), indem er vor dem Tempel des Apollo die Stufen kehrt. Auch ich halte es für keine unrühmliche Arbeit vor dem Sitze göttlicher Eingebungen wenigstens die Stelle desselben zu fegen. °) Noch war dem Ercmplar des Verfassers (von der »Ltbigcn Antwort) gleich »ach dem Titclbogc» auf einem besondern Blatte Folgendes vermuthlich zu einer Fortsetzung, oder auch zu einem eignen Werke Bestimmtes bcvge- schricbcn. Rarl G- Lessing im sechsten Tbeil der vermischte» Schriften. (°) Das Original hat »cmlich Oo7/Zk. (°°) Zm ,»» äci. l. v. tLS-lSV. ZZ6 G- E. Leßkngs B i b l i o l a t r k e. ^«vrk^o?' kö^av. °) Vorrede. Ach habe das Wort Dibliolatrie nicht nach Idololatrie gemacht, und will keincsweges damit zu verstehen geben, daß irgend jemand noch izt Abgötterei) mit der Bibel treibe. Daß ehedem dergleichen geschehen, ist wohl nicht zu leugnen. Man überlege den vielfältigen Aberglauben, zu welchem besonders das Evangelienbuch in den dunklen Zeiten gcmisbraucht worden: den knechtischen Respekt, den man für das materielle Buch hatte, dessen (Seist man so wenig kannte. Wer den Greuel beysammen haben will, der lese Joh. Andr. Schmidts Lxoreitalionum luftoriLo-Ilieologiesruiil dritte, 6e eultu Lvsn-zeliorum. Das alles entsprang aus Abgöllcrcl); oder lief auf Abgötterei) hinaus. Und warum so weit zurückgehen? Wenn noch im Anfange dieses Jahrhunderts ein angesehener Theolog der luthcrschen Kirche (*) es für nöthig hielt, die Frage, ob die heil. Schrift Gott selbst sey? in einer eignen Schrift zu erörtern: so mnß eS doch wohl Leute gegeben haben, welche diese Frage mit Ja beantworte» zu müssen geglaubt. Wie sollte es deren auch keine gegeben haben, da Luther selbst ihnen in einer so wunderbaren Bejahung vorgegangen war? Luther selbst hatte die heilige Schrift mehr als einmal (Sott gcnennct: und wenn schon Luther desfalls zu entschuldigen wäre; hat er nie Jünger gehabt, hat er Jünger nicht noch, die sich dadurch einer äh». lichen Entschuldigung unwürdig machen, daß sie das auch nicht zu verwerfen wagen, waS er selbst, more Icilieel maxnvrum viioruin et Li!ueism ws^oaruirl reruir» dsbeotium, zu verwerfen und zu ver- ") Theologischer Nachlaß S. 83. /,Die Vorrede dazu ist dreyfach da, jedesmal immer verbessert. Das übrige aber ist nur im ersten Entwürfe." Aarl Lessing S. 26. (°) Georg Nitsche/GcneralsuperinlcndentdcsFürstcnlhumsGotha,171^. Bibliolalrie. 639 bessern, bey jeder Gelegenheit keinen Augenblick anstand? Mir ist Luther noch weit anstößiger in einer andern Stelle, wo er sagt, daß die heilige Schrift Christus geistlicher Leib sey, und eine solche Lrudität mit seinem treuherzigen Wahrlich besiegelt. Run werfe man dem Gegentheile noch vor, daß von seiner Seite geäußert worden, die ganze Bibel sey, ohne das Zeugniß der Kirche, nicht mehr und nicht weniger werth, als Aesvpi Fabclbuch! Kräftiger könnte man doch schwerlich die beyden äussersten Punkte der Abweichung bezeichnen. — Aber schon zu viel eine Saite gekniffen, die ich gar nicht berühren wollte. — Auch muß man mir das einfache Latrie nicht aufmutzen, als ob es nur einen Dienst anzuzeigen bestimmt sey, wie er Gott zukomme. Denn diese Bedeutung hat cS selbst in den Schriften, in welchen es sie am meisten hat, nicht immer. I^stris verc», sagt Augustinus, (') l'eeuulluiii cousueluclinem, czus loculi tunk, lzni novis clivioa colloczuia conclielerunt, »ut temper, ant tsrn kreczuen- ter, ut ?ie»e tempor, es -lieilur lervilus, c^uss perlinet all colen- öum Deum. Der Unterschied, den die GotteSgelehrten der römisch- katholischen Kirche zwischen >-«^kic» und Soi^-t« machen, ist vollends ungcgründct; und Fatius (") hat gerade das Gegentheil davon festsetzen wollen. Kurz ich nehme Latrie in seinem allcrwcitcstcn Sinne; und verstehe unter Aibliolatrie weiter nichts, als den Gebrauch, den die Christen von der Bibel und besonders von den Büchern des Neuen Testaments, zu verschiedenen Feiten gemacht haben; weiter nichts als die Schätzung und Verehrung, die sie, diesem verschiedenen Gebrauche zufolge, verschiedentlich für jene Bücher gcfodcrt haben. Nun kann den wenigsten von denen, die diese weine Schrift aus Wahl in die Hand nehmen, unbekannt seyn, in welche Streitigkeit über eine so verstandene Bibliolalrie, ich von einem Manne ex ikiig mento religioLs, nimia kuverl'tiliooe impalientiuns . . . namentlich von dem Hrn. Hauptpastor Göze in Hamburg . . . gleichsam bey den Haaren gezogen worden. Ich sage, bey den Haaren gezogen worden. Nicht; weil ich mich vor einem solchen Streite, aus Unknndc der Sache zu fürchten gehabt. Denn ich hatte cS längst für meine Pflicht gehalten, mit eigenen Angcn zu prüfen, liniä liciaiclum lit in eaul's Lllril'lisnorum. Nur; weil man dergleichen Untersuchungen doch ci- (°) I)e e. v. liliro x> c. j. (°°) Siehe dessen neuen Abdruck hinter dem Onomasticv des Hrn> Professor Sachs, '1'. ii> i'. »SS. 540 Bibliolatric. gciitlich nur zu scmcr eignen Beruhigung anstellt, und stch selten die Mühe »immt, ihnen die Runde und Politur zu geben, durch welche sie allein im Publico Umlauf erhalten könne»: war es mir verdrießlich, zu einer Arbeit zurückzukommen, die ich einmal für allemal abgethan glaubte. Ich schickte daher in der Eil auch nur einige tumultuarische Sätze voraus; um wenigstens mit dem Hrn. Hanplpaflor auf das freye Feld zu kommen und da abzuwarten, welche Evolutiones er weiter selbst zu machen, für gut finden würde. Doch was erfahr' ich! Kaum sieht der Hauptpastor, daß ich mich doch wirklich einzulassen gesonnen: als er sein Lieblingsmanövre macht, mir auf einmal den Rücken kehrt, und unter einem impertinenten Siegsgeschrcy herzhaft abmarschieret. „Aber warte!" denkt der Kanzelheld. „Ich will dir schon einen „andern auf den Hals schicken." Und wahrlich; ein dritter, dessen Gelehrsamkeit und Bescheidenheit kaum vermuthen ließen, daß er Gözen naher als dem Namen nach kenne: hat die Treuherzigkeit, sich ihm — Gözen! — sich Gözen surrogicren zu lassen. Was kann mich abHallen, den Namen dieses dritten nunuiehro zu nennen, da seine Schrift vor den Augen der Welt liegt? Des Herrn D. und Prof. WalchS zu Göttingcn Kritische Untersuchung vom Gebrauche der heiligen Schrift soll zwar, laut einer ausdrücklichen Erklärung des Verfassers S. 26. nicht wider mich geschrieben seyn. Aber ich halte sie um so viel mehr gegen mich geschrieben, da sie aus einer so sonderbaren Ursache nicht gegen mich geschrieben seyn soll. „Ich kann, sagt der Herr Doktor, die polemische Absicht nicht haben, „den Herrn Hofrath Leßing zu widerlegen, weil er bis jezt »och „keine Gründe angegeben hat, die beantwortet werden könnten." Also da der Herr Doktor mich nicht bestreiten kann, so will er mir wenigstens in voraus die Waffen aus dem Wege räumen, die ich brauchen könnte? Wenn ich nun eile, um doch einige noch habhaft werden zu können: wer kann mir es verdenken? Er selbst nicht. Denn ich eile zugleich, mich auch in seinen Angen zu rechtfertigen. Uud in wessen Augen mich zu rechtfertigen muß mir angelegener seyn, als in den Augen eines Mannes, den ganz Deutschland für den couipetcntesteii Richter in dieser Sache erkennt. So sey er denn auch mein Richter: nur höre er mich erst aus! Nur verstehe er mich nicht aus Gözen: sondern aus »lir selber. Und Bibliolatrie. 541 wenn ja die Sache Gözens die Sache der Kirche seyn soll: so unterscheide er wenigstens diese Sache von diesem Anwaldc, — Damit ich ihm aber die endliche Erkennung so viel möglich erleichtere, und zugleich die Umsicher, die eine unschuldige Reugier etwa um uns versammlet hat, in den Stand setze, wenn nicht mit ju entscheiden, doch mit zu urtheilen; muß ich meine Schrift in drey Abschnitte theilen, in einen historische», in einen thetischcn und in einen epanortholischcn. In dem ersten, historischen Abschnitte muß ich um Erlaubniß bitten, die Sache ganz von neuen zu erzählen, und einige Aktenstücke der Welt nochmals in extenlo vor Augen zu legen. Ein Beklagter, der nur losgesprochen wird, hat seinen Proceß nur halb gewonnen. Er wird losgesprochen, weil er sich gut vertheidigt hat. Aber sein guter Name leidet doch immer, so lange er nicht zeigen kann, daß er auch nicht einmal angeklagt hatte werden müssen. In dem zweyten, dem thclischen Abschnitte, will ich alle die Satze gut zu machen suchen, deren Unerwicsenhcit man so höhnisch für Un- erweiSlichkeit auSgiebt. Daß man mir die Beweise so lange borgen müssen, daran hat der allein Schuld, dessen Verbindlichkeit es vor- nemlich gewesen, sie zu exeauiren. Aber so find nun diese Elende! Sie exeauiren bey niemand lieber, als wo sie so ziemlich sicher seyn können, daß die Zahlung nicht parat liegt. In dem cpanorthotischcn Abschnitte will ich die gelieferten Beweise aufs neue unlerbancn, und sie besonders gegen den Gelehrten retten, der nothwendig einige davon errathen mußte; und sich der Widerlegung derselben so viel leichter nahen durfte, als er mit Recht sagen konnte, daß er sie nur errathen habe. Von diesen drey Abschnitte» bitte ich alle, die mich lesen, keinen ohne den andern zu beurtheilen. Auch das ist meine Schuld nicht, wenn mein Vertrag ein wenig dcsullorisch scheint. Er mußte schon selbst meinem gymnastischen Tone zu Hülfe kommen, um ihn in den präcis dogmatischen Ton zu übersetze», wozu nichts weiter erfodcrt wird, als die billige Voraussetzung, daß ich etwas Ungereimtes, etwas ganz AcrgcrlichcS weder sagen könne» »och wollen. Nur dem einzigen Stänker gilt diese meine Bitte nicht, der hämisch und klein genug ist, Händel anzuspinnen, die er selbst durchzusetzen weder Herz noch Kraft hat. — Nur den Herrn Hauptpastor Göze gilt sie nicht. Der kann cS halten wie er will! Inleelvlur Iwe opus nofiium etiarll wsleciietis. Immerhin! 540 Bibliolatrie. Was die griechischen Zeilen auf dem Titel sagen sollen: will man noch wissen? Diese Zeilen sagt beym Euripides Jo, indem er die Stiiffcn vor dem Tempel des Apollo kehrt. Auch ich bin nicht im Tempel, sondern nur am Tempel beschäftigt. Auch ich kehre nur die Stuffen, bis auf welche den Staub des innern Tempels die heiligen Priester zu kehren sich begnügen. Auch ich bin stolz auf diese geringe Arbeit: denn ich weiß am besten, wem zn Ehre ich eS thue. Erster, historischer Abschnitt. Der bessere Theil meines Lebens ist — glücklicher oder unglücklicher Weise? — in eine Zeit gefallen, in welcher Schriften für die Wahrheit der christlichen Religion gewissermaßen Modeschriften waren. Nun werden Modeschriften, die meistcntheils aus Nachahmung irgend eines vor- treflichen Werks ihrer Art entstehen, das sehr viel Aussetzn macht, seinem Verfasser immer sehr ausgebreiteten Namen erwirbt . . . nnn werden Moteschriftcn, sag' ich, eben weil es Modeschrislen sind, sie mögen seyn von welchem Inhalte sie wollen, so fleißig und allgemein gelesen, daß jeder Mensch, der sich nur in etwas mit Lesen abgicbt, sich schämen muß, sie nicht auch gelesen zu haben. Was Wunder also, daß meine Lektüre ebenfalls darauf verfiel, und ich gar bald nicht eher ruhen konnte, bis ich jedes neue Produkt in diesem Fache habhaft werden und verschlingen konnte. Lb ich daran gut gethan; auch wenn es möglich gewesen wäre, daß bey dieser Unersättlichkeit, die nemliche wichtige Sache nur immer von einer Seite plädiren ju hören, die Neugicrde nie entstanden wäre, cirolich doch auch einmal zu erfahren, was von der andern Seite gesagt werde: will ich hier nicht entscheiden. Genug, was unmöglich ausbleiben konnte, blieb bey mir auch nicht einmal lange aus. Nicht lange; und ich suchte jede neue Schrift wider die Religion nun eben so begierig auf, und schenkte ihr eben das geduldige unpartheyische Gehör, das ich sonst nur den Schriften für die Religion schuldig zn seyn glaubte. So blieb es auch eine geraume Zeit. Ich ward von einer Seite zur andern gerissen; keine befriedigte mich ganz. Die eine sowol als die andere ließ mich nur mit dem festen Lorsatze von sich, die Sache nicht eher abzuurtheln, yuam ulrinllue plemus luerit peroratum. Bis hicher, glaub' ich, ist es manchem andern gerade eben so gegangen. Aber auch in dem, was nun kömmt? Je zusetzender die Schriftsteller von beyden Theilen wurden — und das wurden sie so ziemlich in der nemlichen Progression: der Bibliolalrie. 543 ucucstc war immer der entscheidendste, der hohnsprcchcndste — desto mehr glaubte ich zu empfinden, daß die Wirkung, die ein jeder auf mich machte, diejenige gar nicht sey, die er eigentlich nach seiner Art hatte machen müssen. War mir doch oft, als ob die Herren wie dort in der Zabel: der Tod und Liebe, ihre Waffen vertauscht hätten! Je bündiger mir der eine das Christenthum erweisen wollte, desto zweifelhafter ward ich. Je muthwilliger und triumvhircndcr mir eS der andere ganz zu Boden treten wollte: desto geneigter fühlte ich mich, cS wenigstens in meinem Herzen aufrecht zu erhalten. TaS konnte von einer bloßen AntiperistasiS, von der natürlichen Gegenwirkung unsrer Seele, die mit Gewalt ihre Lage ändern soll, nicht herkommen. ES mußte folglich mit an der Art liegen, mit der jeder seine Sache vertheidigte. Zusätze von des Verfassers eigner Hand zu der nöthigen Antwort auf eine sehr unnöthige Frage.") Zu B. X, S. 241 ff. § 1. Ich habe öfter Gelegenheit gehabt, mich zu wundern, wie sehr dieses Wort liegula liciei und diese Bedeutung desselben auch Männern uubckaunt gewesen, denen man einige theologische Gelehrsamkeit hätte zutrauen sollen. Aber freylich Kirchenväter liefet man nicht mehr, und in Rechcnbergs llierolexieo reali steht nichts davon. Selbst Suiceu hat unter die Bedeutung des Glaubensbekenntnisses nicht, sondern hat die Stellen, die dahin gehören, zu der Bedeutung der iioclrina in veilio vei traclita, leu m 8criz>turi8 laoris eompre» Iieiil'a gezogen. — Ich will nicht läugncn, daß cS diese Bedeutung auch bey spätern Vätern hat, z. E. bey dem JsidoruS Pelusiota. Aber er hätte diese unsre ganz specielle Bedeutung doch auch nicht ganz vergessen sollen. — Also Neuere konnten sich gar nicht einbilden, daß legula liu'ei etwas anders seyn könne, als aoalogia Lciei; als jene in den symbolischen Büchern ihnen so viel empfohlene nvrina, acl czuam omuia «ivginals leeunu'urll analoxiam Lciei liijuciiosucia. ES °) Bon Karl oe el't teüsmentum, «^i> o^-i>, wobey zu merken, daß oc>o; ebenfalls das Glaubensbekenntnis heißt. §- 2. Da ich dies behaupte und die kegula si6oi im Grunde nichts anders ist, als das Symbolum; so wird man vermuthen daß ich jenes Zabelchcn von Entstehung desselben, für mich anführe» werde. Aber mit Nichten. Vielmehr ist dieses Fabclchcn eben die Ursache gewesen, warum ich daS Wort S^iulioluw gar nicht habe brauchen wollen. — ^'mittgS Merke xi. Z5 .14« Bibliolatric. Sie ist also nicht ans der Schrift gezogen; denn die Kirchcnvä!cr nennen sie liberal! lra6!lam oli anoftolis oder mil cinem Worte >>»- Zitionem, welche JrenäuS sorgfällig von der vtlenüooe ex seii ptvris eoium, «zui Lvangelia conleriiileruiil unterscheidet: (I. HI- e. 6. p. 179.) Zwar sagt Aunustinns in der vorher angeführten Anrede an die Catcchumcnen: itta veilia, tiuse oiiilitlis, i,er «Ziuinas seiivlnia^ sparsa tunl; te6 inlle eollecla et ?. die Worte von der Höllenfahrt (5hristi, ^el'ceniiil -n! inseinn, die dem Thomas beygelegt werden, wenn er überhaupt sie gelesen Hai, da er sie in den Auslegungen des Symboli, die ungezweifclt von ihm sind, ganz übergeht. Und so dürfte dies zu einer andern Untersuchung merkwürdig seyn. Soll nun aber doch die regula liliei aus den Schriften des N. ?. gezogen seyn: wer hat sie herausgezogen? wann ist sie hcrauSgtjogcn worden? Wie ist sie herausgezogen worden? Wer? Einer oder Mehrere? Da auf diesen AuSjug so vieles ankömmt, kann es uns gleichgültig seyn, die Person des AuSzichcrS zu kennen? Wenn die Verfasser der auszujichenden Schriften unter göttlicher Eingebung standen, die ihnen auch jedes Wort vorschrieb: war der AuSzieher seiner Willkühr überlassen? oder war er auch dabey weiter nichts als ein leidendes Instrument? Wenn? Früher oder später als die Schriften des Neuen Testaments sämtlich vorhanden waren? Früher? Wie ist daS möglich? Wenigstens von sämtlichen möglich? Höchstens könnten sie also »nr von den allercrilen Schriften der Apostel ausgezogen seyn: und aus demjenigen Buche, welches vielleicht gerade für die Religion daS Wich tigste ist, dem Evangclio Johannis, wäre nichts genommen? — Später? Also erst nach — ? Womit hatten sich denn die ganze Zeit über bis dahin die ersten Christen behelfen? Brauchten sie bis dahin keinen Inbegriff des Glaubens? War es gleichviel was sie für das noth' * * Bibliolalric. 647 Z- 6. Davon sagt Tertulliamis cle vel. virg. c. 1. nachdem cr die legulain selbst hingesetzt: iiso lege kiclei monenle oaeieis «Zileinlinge et eonuci'L»liolli8 d. i. was also nicht zum Glauben sondern znr Disciplin gehört, aäinittent nouilslem eorreotionis opersnt« tvilieet et prolicienke vti^ue io linem Zi-atia Dei. Ich will hoffen, daß man nicht so gar streng mit mir verfahren, und mich aus diesem Worte nur anhalten wird, bis gerade zum Ausgange des 39S. Jahres Zeugniß hiervon beyzubringen. Eigentlich hab ich nur sagen wollen bis auf das erste Nicäische Concilium. In diesem, bin ich der Meinung, hat die ganze christliche Religion so einen neue» Schwung erhalten, daß ich die Lehrer nach demselben nicht gern so gerade zu gegen mich möchle anziehen lassen. Wenn man daher in der Griechischen Kirche den ChrysostomuS und in der Lateinischen den HicronhmuS oder wohl gar den ZlugustiuuS noch zum vierten Jahrhundert rechnen will, weil sie in demselben noch geboren und auch in demselben schon geschrieben: so muß ich erklären, daß ich ihre Zeugnisse gegen mich nicht anders kann gelten lassen, als wo ich sie mit ältern, eben so ausdrucklichen Zeugnissen belegt finde. Wohl aber müsse» dieser drey Männer Zeugnisse, wo sie für mich lauten, statt aller altern gelten. §- k. lei'tulüauus l!e iwima c. I. wo regula liclei, laergmonturn ll- clei heißt; welches LactantiuS schlechtweg taeroiiicnlum nennt. In einer andern (als der oben angeführten) Anrede an die Cate- chnmcnoS sagt AngustinuS (t. VI. p. 418): laeramenlum 8)invvli, c^uocl aecevilus memoiiaecjue inanilalum pro vcltra talutv reliue- tis. noueiilis üoe el?e ^/ic/et ca//i»/tus len- tenliis viuno Lclei (üirittianuc! suinlitiueutuin iueumliil. §- 7- Uebcrhanpt haben die Papisten darin gefehlt, daß sie den (üsnon liclei zur normn calliolici und ecelolialtici kentus gemacht. 35 ° 548 Bibliclatric. Z. 8. Ich zweifle an der Anthentie keiner einzigen Schrift des N. Testaments: ich glaube fest, daß sie alle von den Mannern geschrieben worden, deren Namen sie führen. Ich bin gar nicht derjenigen Meynung, welche glauben, daß sie vor den Feiten des Trajans gänzlich unbekannt gewesen. Wie könnte ich anch? da mich nichts berechtigt sie für untergeschobne Schriften zu halten. Ich will cS gern zugeben, daß „schon im Anfange des zweyten Jahrhunderts besonders die vier Evangclia bekannt gewesen/' Nur meyne ich, muß man nicht mit Herrn Leß hinzusetzen, das sie damals schon allgemein bekannt gewesen (°). Allgemein bekannt konnte in den Feilen vor Erfindung der Druckercy kein einziges Buch in einem Zeiträume von hundert Jahren werden. Und wie allgemein waren sie denn bekannt, selbst nach des Herrn Lcß Versicherungen? Einige Männer gedenken ihrer, mehr oder weniger ausdrucklich, in Schriften, die selbst nicht bekannt waren. Eine trefliche Allgemeinheit. Wo ist der unbekannte Schmierer auch itzt, der nicht von einem »och unbekanntern Schmierer irgend einmal sollte seyn angeführet worden? darf aber die Nachwelt einmal ans solchen kümmerlichen Anführungen schließen, daß der angeführte Scri- bent zu seiner Zeit allgemein bekannt gewesen? Wie doch immer gewisse Gelehrte kaum die Hälfte ihres Satzes gut machen, und die andre Hälfte, so conlrcband sie auch immer seyn mag, getrost mit einschleppen! Sie wissen wohl, daß die gelehrten Bisilatorcs eS so genau nicht nehmen. — Nun mögen sie doch Beyde! Ich will bloß sagen, daß die ersicn Christen keine vollständige Sammlung aller Ncutestameullicheu Schriften in Händen gehabt, so wie wir sie ietzt habe». Jede Kirche hatte Anfangs, außer einem Exemplar des Evangelii, welches der Aposiel ihr Stifter mitgebracht hatte (°°), nur die Briefe, welche entweder dieser Aposiel ihr Stifter, oder auch ein andrer, nach ibrer Bekehrung ausdrücklich an sie geschrieben halte. Tiescs beweise ich 4. Aus der Stelle des Tertullians ite kegele, c. 36. von den lil- teiis gulneolivis eto. 2. AuS dem Umsiandc. daß Clemens in seinem Briefe an die Cor. die Cor. nur auf den Brief Pauli an sie namentlich verweiset- so wie Polykarpus in seinem Briefe an die Philippcr nur auf den Brief Pauli an die nehmlichen Philippcr. Alles übrige (°) Wahr, der Chr. R. S. 6». (°°) ku». U. L. Bibliolalric. 549 was beide in ihren Briefen aus andern Apostolischen Schriften anführen oder anzuführen scheinen, führen ste nur entweder in ganz allgemeinen Ausdrücken an. oder sagen es wohl gar in ihrem eignen Namen. Wenn ich aber sage, daß die ersten Christen nur eine so unvollständige Bekanntschaft mit den Schriften des N. T. gehabt, so begreife ich darunter keineSwegeS auch die Bischöfe und PreSbyteros. Tiefe konnten gar wohl mehrere Stücke des Neutestamentlichen CanonS kennen und besitzen; auch wohl alle. Genug, daß daraus doch noch immer nicht erhellet, daß diese Schriften alle allgemein gange und gebe unter den Christen gewesen. Wenn aber die ersten Christen nur so geringe Kennlnisse von dem gcsammtcn N. Testamente gehabt: so können sie auch unmöglich die Begriffe davon gehabt haben, die wir itzt davon haben sollen. Sie konnten sie immerhin für göttlich und für untrüglich halten, in allen und jedem Worte: aber folgt daraus, daß sie ihren Glauben daraus geschöpft, den sie zum Theil schon hatten, zum Theil auf dem weit kürzern Wege der mündlichen Predigt erhielten? Sie hielten die Schriften der Apostel für das was sie waren, für iTi^,«^-« x«t xyoiov, für Dinge, die nach Beschaffenheit der Zeit und anderer Umstände an diese und jene Gemeine insbesondere geschrieben waren, die andere nur unter vollkommen ähnlichen Umständen ver- binden könnten. Zur Erläuterung möge noch das dienen: Barnabas in seinem Briefe Halle gleichen Zweck mit Paulo, nemlich zu zeigen, daß die- Christen von allen Verpflichtungen gegen das Mosaische Gesetz frey sind- Da nun Paulus längst alle seine Briefe geschrieben hatte, als BarnabaS den seinigen schrieb: so ist daraus, daß BarnabaS den Paulus gleichwohl nicht anführt, nothwendig eins von beyden zu schließen: entweder kannte er die Briefe des Paulus nicht: oder er hielt es für unnöthig sie anzuführen. Aus jenem würde ein großes Lorurthcil wider die Authcntie dieser Paulinischcn Briefe folgen; wenigstens ließe sich die Art, wie sich Michaelis die Publication der apostolischen Schriften einbildet, sehr schlecht damit verbinden. Dieses wäre geschehen, entweder, weil er geglaubt, daß die Paulinischcn Briefe nichts bewiesen; d.i. weil er sie nicht für eingegeben gehalten: oder, weil er geglaubt, daß Paulus nicht mehr beweisen könne als er selbst; d.i. weil er sich für eben so inspirirt gehalten, als Paulus. Und dieses letzte ist wohl unstreitig der wahre Fall. Bibliolalric, Denn cr sagt cS selbst; er sagt H. 9. daß auch in ihn IesuS Plii-ov öl0i>c«v riz? öi,ö«x^5 »Tiro^' gelegt habe. §. 9. dieses ist aus einer Stelle des IrenäuS üb. IV. o. 33. so klar, als nur etwas seyn kann: pott cieincio et omnis termo ei ^ inentS sey) conslsliit, li et seripturss lillißenter legerit «/inci eo«, ^Ieii. Warum soll er die Schrift eben bey den Presbytern lesen, wenn nicht diese die wenigen Exemplare, die davon vorhanden waren, in Verwahrung hatten? lind wozu hat> teil sie dieselbe in Verwahrung, wenn nicht bloß darum, damit sie gleich ihre mündliche Erklärung beyfügen könnten und niemand sie nach eignem Gutdünken lesen möchte. Umsonst will Lest uns glauben machen, JrenanS rathe nur deswegen die Schrift bey den Presbytern zu lesen, damit man nicht etwa durch verfälschte Aope>'en hintergangcn werde (Wahrh. der christl. Religion 4te AuSg. S. 63.). Denn IrenäuS streitet hier nicht mit Leuten, die sich verfälschter Abschriften der Bibel bedienen; sondern mit Leuten, welche ihren Beweis nicht aus den, allen und jeden Menschen deutlichen Stellen der Bibel führen wollten, vielmehr ans den dunkeln, aus Gleichnissen und Parabeln. Ja es ist eine offenbare Verdrehung, wenn cr den IrenäuS sagen läßt: alle göttliche Schriften, die prophetischen und evangelischen lägen da/ und wären deutlich und könnten von allen befragt werde». Denn dieses sagt cr offenbar (i. II,e. 27.) nur von einem Theile der Schrift, der wegen seiner Deutlichkeit zum Grunde gelegt werden müsse; anstatt daß die Gnostiker die dunkeln Theile derselben zum Grunde legen wollten, die er deswegen voll!« Iielieles nennt, «in! ail tarn luenlüm ailsperlionem ooeculiuot et nolrmt vnlero lumeu prsellioslioms; letl oonstririgunt t'emet iptos et per tenevrolag parsiiolaium »llsnluiinne8 unuslzuiüczue eornm proprium pulat in- venille l)eum. §- ^. Die christliche Religion, nach ihren Glaubenslehren nemlich, ist in den u. s. w. Die ältesten Kirchenväter lehrten die christliche Religion in den Schriften der Evangelisten zwar finden, aber sie halten sie nicht dann gefunden. Die ^i>»öc>-7^ -^^cri«^^ war ihr Fundament, auf welches sich besonders Llcmcns LllcrandrinuS beruft. Biblivlaliic. oäl §- 19. Ich sage, in Absicht der Glaubenslehren. Denn sonst hat sie noch einen andern sehr großen Werth. So wie das Symbolum die regul» liilei Ist, so ist die Schrift regula ait6 cZo I'^Iile S. ^81. zn dem nehmlichen Behufe gebraucht; und ich mnß mich wundern, daß die Katholiken, und nahmentlich Tu Perron nicht pertnicn- tcr darauf geantwortet haben; welches durch die einzige angeführte, grammalicalischc Bemerkung hatte geschehen können. Die nächste Stelle, die Mcstvezat ans den ältesten Kirchenvätern jn eben der Absicht anfiihrt, ist ans dem Clemens AlcxandrinuS (VII. jili. 8ti'l)iu. ,>. 890. ff. der Potlerschcu Ausgabe) genommen und beweis sct eben so wenig wider inich. Sie beweiset nur gegen die Katholiken, welche die Kirche znm höchsten Nichtcrstnhle in ElaubcnSsachcn machen wollen; aber nicht gegen mich, der ich behaupte, daß die mündliche Tradition dem geschriebenen Worte in den ersten Jahrhnn- denen vorgezogen worden. Dies erhellet aus dem Anfange des nchmlichcn Werks und besonders auS p. 322. wo (!lcmenS von seinem !>!cl'rcr redet und den ^l>o^rt«oi- a^o^-o^xov ^^«.uia, ans wcl> chem er die besten Blume» gleich einer Sicilianischcn Biene genutzt, der weit zuverlässiger» »>?i>«öoo'-, 1^5 />.«x«l>la^ ,t«>,- entgegensetzt, und der AuSspruch besonders merkwürdig ist: «»c>l>l>?ra, «zr«o 0 Gio?, Xo)»j> ^tiz-öT'iicl^ z'y«z>c» die Neutestamentlichcn Schriften der Apostel »nd Evangelisten mit begreift. Auch von diesen sagt er (I. II. 28, 2.) Lcrlnlnrae ciuiileru ner- kectae sunt, yülpov a Veibo Dei et cius llietae. Und doch sagt er damit noch lange nicht, was wir ihr von der Schrift behaupten. Tenn er sagt zugleich (II. 28, I.) daß diese vollkommne Schrift uns gleichwohl nicht vollkommen verständlich sey. Nur ein Theil derselben rede zu allen Menschen vollkommen verständlich, und daß nach diesem vollkommen verständlichen Theile der minder verständliche jederzeit müsse ausgelegt werden, erhelle daraus, weil er mit der regula veiilalis übereinstimme. Also ist es bey ihm auch eine regula verilalis, welche früher als alle Schrift ist, auf welcher das Christenthum eigentlich beruhet. Nach dieser regula ver!tali8 müsse die Schrift erklärt werden; nicht aber müsse die reguls veritali» aus der Schrift oder aus der Enostik gezogen werden. Kon evim regula ex oumeris, teil nu- weil ex rcgula; nee Deus ex laetis, letl es, lzuae laela lunt ex I)eo. Omnia enim ex unc» et eodem Den (11.26, 1.). lind das war sie selbst, diese regiila vei-ilatis. Ownia ex voo et eoclem Dea, nehmlich durch sein Wort, huml Beniner coexitlcbat veo (11.25, 3.) Zu S. 248. Z. 28. nach kuluiis. Lder vielmehr iunilamenlo et coluwnse llilei nottraeda denn dasnoch weniger für einen bloßen Schrcibefehlcr anstatt tuluris könnte ausgegeben werden. Von den Tradiroren. In einem Sendschreiben an den Herrn Doktor Walch von G. Ephr. Lcßing. Zur Ankündigung einer großem Schrift des leztcrn. °) ^.'he ich auf die TraditcrcS selbst komme, die man auf Deutsch eben so kurz und gut Auslicferev heißen konnte, wird es nicht undienlich seyn, einige allgemeine Anmerkungen über die Verfolgung vorauSzu- schicke», die sie veranlaßte. Es war die zehnte; und noch waren in allen vorhergehenden neunen keine Christen gefunden worden, über welche Drohung und Marter so viel vermocht hätten, daß sie die heiligen Schriften, welche die heidnischen Obrigkeiten von ihnen forderten, frcywillig ausliefern, oder wohl gar mit eignen Händen in das Feuer werfen wollen, zu welchem sie von den Feinden der darin» enthaltene» Religion bestimmt waren. Oder vielmehr; noch war es selbst den Heiden nicht ciiigckommen, ihre Verfolgung bis auf die heiligen Bücher zu erstrecken; es sey nun, daß sie von den heiligen Büchern der Christen wenig oder gar nichts wußten; oder glaubten, daß Bücher überhaupt von allen Verfolgungen ausgenommen seyn müßten. Es mußte nothwendig etwas ganz besonderes dazu kommen, wodurch ihnen die Augen über die christlichen Bücher so weit aufgiengen, daß sie auch mit ihnen eine Ausnahme machen zu müssen glaubten, die sie noch niemals gemacht hatten. Leider ist aber das Feld der Kirchengeschichtc, in welches die Verfolgungen einschlagen, noch sehr wild und morastig. Der einzige Dodwell sicng mit Hülfe der Chronologie, in der er so stark war, um den Boden von dem allzuvielcn Blute zu trocknen, einmal an, Gräben zu ziehen. Aber bald waren diese Gräben wieder zugeworfen, und cS ist nun gerade, als ob nichts geschehen wäre. Der Ungereimtheiten, der Widersprüche, der offenbarsten Verdrehungen, der handgreiflichen Erdichtungen ist in diesem Kapitel wenigstens noch eben so viel, als in dem Kapitel von den Ketzern; in welchem Arnolds Flcis vielleicht nur darum weniger anschlug, weil er allzusehr aufräumen wollte. Wie ein zweyter Rhelouus, dessen sonderbare Ketzerei) darinn °) Theologischer Nachlaß S. 93. Von dc» Tradiiorc». bestund, daß er alle und jede Kctzercyen für rechtgläubig erklärte, hob er beynahe den ganzen Begriff von Ketzcrey auf; so wie Dodwell den ganzen Begriff der Verfolgung, wenn er zu verstehen geben wollte, daß man die Bestrafung der Christen aus bürgerlichen Ursachen keine Verfolgung nennen müsse. Gleich Anfangs muß ich bemerken, mit wie wenigem Rechte man die zehnte und zehnjährige christliche Verfolgung die Tiokletianische gemeiniglich zu nennen pflegt. Diokletian gehört unstreitig unter die bessern römischen Kaiser. Selbst sei» Entschluß, das Reich in vier Theile zu theilen, ist ein Beweis davon. Vor seiner zwölfjährigen Regierung hatten die Christen zehn Jahr alle mögliche Ruhe genossen, und die zwey Verfolgungsjahre, die auf seine Regierung kommen, waren chnstrcitig auch die gclindcrn. LaktantiuS selbst giebt ihm das Zeugniß, daß er kein blutdürstiger Mann gewesen, und den Verhetz»», gc» seines Mitregcnten, des Galcvius Maximianus/ lange genng widerstanden habe. — s- t- Die Auslieferung der heiligen Schriften wurde in der Diokleiia- nischcn Verfolgung nur von dem Klero, und vorncmlich nur von den Bischöffcn, Presbyters lind übrigen Gliedern der hohen Klassen des Klcri verlangt. ^»F-i/'/i««» nennt diese Verfolgung ausdrücklich iierleeulioiieni coaicum Irs>Ioi»Il»ui». Mi. III. conlrit Lr^touium <:. Z6. ^ci» 8. l'eiiei» beym du Pin S. 227. nach der Ausgabe des AallNc! >>l liiirus UvifiLN» e.v>or>«i!»i!< v>>is>»r»i» vl l>i-e>>>i>'>elc>s>!»t re>i>>> tüi»,-»!». Aber, sagt Herr D. Walch/ diese Stelle ist auch die einzige. Alle andere rede» unbestimmt, ohne die Personen anzugeben, von denen die Bibel mit Gewalt abzufedern. Ich will das fürs erste wahr sevn lassen. Aber seit wenn ist es denn im Gebrauche, das Bestimmte nach dem Unbestimmten zu richten? DaS Unbestimmte läßt mir frcv, die Sache so oder so zu bestimmen, und widerspricht tcincr Bestimmung. Wenn Euscbius, wenn Lplctus, wenn Augustinus den Zeugnissen der »clorum widersprechen, oder es zweifele hast machen sollten, so »nisten sie eben so bestimmt sagen, daß die Bibel sowol vo» dem Klcro, als den Laien gefedert worden.-- Kaktanz, >>e »l. ?. ts. weiß gar nichts davon, daß die diotlc- lianischc Verfolgung ausdrücklich oder gar einzig auf die Auslieferung der Bücher gegangen. Er erzählt nur mit nebenher, daß bey Nicderrris- sung der Kirche zu Nikomcdicn in Bilhvnicn, die darin» gesundem» Schrislc» verbrannt worden: LcriMrao reuen»« iilcettil-iniur. Von den Traditorcn. Wir sehe» aus dcm Laktanz, wie migcrii Dioklclian an die Verfolgung gicnq, und wie scbr er wünschte, daß sie ohne Blutvcrgicsscn abgehen möchte. Er wollte die Religion vernichten, und die Menschen so viel als möglich schonen. Was mehr dabev geschah, war die Schuld des Galcrius, und der Statthalter in den Provinzen, die zu den An- ll'cilc» des Dioklctianus und Galcrius gehörten. Wie nahe die zwey andern Theilhaber des Römischen Reichs, Hcrculius und Constantius sich entweder den Gesinnungen des Dioklctianus oder des Galcrius komme», davon sind keine ausdrücklichen Zeugnisse in der Geschichte, so viel ich weiß, vorhanden. §- 2. ^ie wurde darum nur von diesen verlangt, weil die Heiden wohl wußte», daß die heiligen Schriften eigentlich nur in deren Händen wa> ren; weil die Heiden wohl wissen konnten, daß, wenn sich von den heiligen Schriften auch etwas in Laienhändcn befände, es nur dtc nubcträchtlichsic» Stücke wären, die wichtigern aber mit der äussersten Sorgfalt vor den Heiden verwahrt und den christlichen Laien nicht anders, als mit der größten Behutsamkeit mitgetheilet würden. §. 3- t?s befanden sich also unter denen, welche über die gcwcigcrtc Auslieferung der heiligen Schriften Märtyrer geworden, keine Laie»: oder es waren nur Laien von jenen elenden, die sich bey aller Gelegenheit zu dcm Märtyrthnm drängle», und hcsondcrS hier aus einer bloßen Zweydeutigkeit dazu drängten. §- 4. Noch weniger konnten sich Laien unlcr den Traditorcn befinden. Denn einmal hallen sie nichts anzuliefern; und wenn sie ja von ungefähr etwas auszuliefern gehabt halten, so war ihre Auslieferung kein Verbrechen, und ist niemals als Verbrechen bestraft worden. §. 5. Selbst das Verbrechen der Traditorcn aus dem Klcro halte die »cmlichc Abscheulichkcil in den Augen aller Christen nicht. l?S gab Christe», die gelinder davon urtheilten, und cS bey weite» nicht für hiulänglich hielten, cüie Spaltung zu verursachen. Lcco ersskeralli crimen trsaitloni,, sagt Allgustinus zum Politianus I. Il, littvi-il!« poliluiui c. 7. Vol. IX. t50. Was hilst cs, sagt Augustin kurz darauf, dic Büchcr crhaltc», wcn» man, was in den Büchern sicbt, vcrwirft. v»»e «temeniii» eti, ideo >eU!li»e»>»>» Irixlerc le »oluitlu llummis, »t canlr» verliü lilixes loslü'on!». Dic Donalisicn tricbc» cs so wcit, daß sic auch dic für 1'rauAorLS crkanntcn, wclchc von 'kr-uiilvriiiu^ ordinirt waren. 666 Neu den Tradltorcn. rrsllitores spoellalis e»s, ciuos IraüiwrUni» cominuiuoiiis !>ku»i>>! kucceMssv vvl SvLilis vel vulittis. co»/, a /'o/i/ia/-»», lid. III. «. SS. r. IX. p. SSK. Daß die Donatistc» überhaupt die Verfolgung übertriebe», die sie wegen der heilige» Schriften ausgestanden, bezeugt Augustiuus «oiurn vsinleiuium Iw, I. . 449. ut put-ilis itul Mctali», i».,-- recutionis tempors. Z. 6. Wie komile aber das Verbrechen der Tradition von einigen für so äusserst groß, und von andern für sehr verzeihlich angesehen worden seyn: wenn man nicht von den heiligen Schriften selbst, an denen das Verbrechen begangen ward, schon damals ganz verschieden gedacht hatte? Einen Beweis dieser verschicdncn Denkungsart über die heiligen Schriften selbst, glaube ich in der verschiednen Bewegung zu finden, unter welcher sie die Heiden dem christlichen Klero abfederten. §- 7. Und wie, wenn es eben diese verschiedene DcnkuugSart über den Werth der heiligen Schriften wäre, die damals in Africa unter den Christen zu so viel Unruhen Anlaß gegeben hätte, daß man von Seiten des Kaisers, zur Unterdrückung derselben, nichts bcsscrs thuu zu können geglaubt hätte, als wenn man den Gegenstand derselben vertilgte? Wenigstens wüßte ich keine wahrscheinlichere Ursache auzu- geben, warum die Heiden nur eben jezt erst darauf gefallen seyn sollten, die heiligen Schriften ans der Welt zu schafft»; und alle Ursachen, die man davon bisher angegeben, können offenbar nicht zureichend gewesen seyn. l>i>rs voiiiUi s» nainlum »I< unilal« ilivlserilt l.'xi>>Ii»ü leinuorilius. ^u- xuN. contra «onsiMns lii«. Iii. c. Z. r. IX. IS«!. Also war doch dieser ?sr«, der sich erst zu den Zeiten des Uoiisii vo» der Kirche trennte, und daher seinen Name» erhielt, schon da. ?ott paMonom >>s tl!;i>n!»iiZ, fährt Augustiuus fort, q»»clr»l:in>,'t et quc»I excurrit, ilnni» persclis, lr-nIUio coäicuiu s-tela ekl. CvpriciNUs aber starb den 44ten September 258. V o r r e d e. °) ^jch muß nnn schon vor aller Welt bekennen, daß es mich noch keinen Augenblick gereuet hat, die berüchtigten Fragmente herausgegeben zu haben, und daß ich nicht wohl einsehe, wie ein solcher Augenblick noch in der Folge kommen könne, wenn ich anders bey gesundem Verstände bleibe. Verdruß hat mir freylich jener Schritt weit mehr zugezogen, als ein Mensch von meiner TcnknngSart voraus sehen konnte und mochte. Aber genug, daß dieser Verdruß nur von aussen kam; daß mir mein Gewissen nichts vorzuwerfen hatte; lind daß die verächtlichsten Menschen die wohl nicht sind, welche nicht alles voraus scheu möge»/ was sie gar wohl voraus sehen könnten. Vcrläumoungcn sind ja mir Verleumdungen, und thätige Verfolgungen in Sachen der Religion treffen gemeiniglich nur die, die darnach ringen. Ich weiß nicht, was für ein Schwindel diejenigen mchreutheils befällt, die über dergleichen Verfolgungen zu klagen, Ursache zu haben glauben. Ich weiß nur, daß Schwindel auch hier Schwindel ist; und der Abgrund, in welchen sie stürzen, an ihrem Unglück immer die kleinste Schuld hat. Was ich gethan habe, habe ich nicht anders als auf die feyer- lichstcn, zuversichtlichsten und unzähligmal wiederholten Aufforderungen unserer EotteSgelehrten gethan, von welchen man mir nur eiu Exempel anzuführen erlaube. Als mein Freund, Mendelssohn, von Lavater aufgefordert, ein Christ zu werden oder zu erklären, warum er es nicht werde, sich geäusscrt hatte, das Lczlc zu thun, wenn man es ihm zu nahe legte, und Lavater aber es hiezu nicht kommen zu lassen für gut befand, sondern sein wohlgcmcyntcS Cartell zurücknahm, wer war der Theolog in Eotlingcn, der es so ernstlich bedauerte, daß :c.-- °) Theologischer Nachlaß S.38. Gegen eine Stelle aus Lest von der Wahrheit der christlichen Religion. Neueste Ausgabe S. 44.°) o ^>ch lese in einem Buche, in welchem ich mich so oft erbaue und unterrichte, Ignatius in seinem Briefe an die philadclphcr bezeuge klar, daß schon zu seiner Zeit einige Schriften der Evangelisten und Apostel in einer Sammlung zusammengebracht gewesen. Das macht mich äusserst aufmerksam. Ich habe die Briefe des Ignatius uur eben einmal durchblättert: (?ott! warum kann man nicht alles, alles mit der äussersten, gewissenhaftesten Aufmerksamkeit lesen. Mein Verfasser ist so ein rechtschaffener Mann, als einer. Die Stelle deSIgnatius nach seiner Uebersetzling lautet also: „Ich fliehe /,zu dem Evangelio, als dem Aörper Christi/ und zu den Apo- „steln, als dem Presbyter»» der Rirche. Allein, wir müsse» „auch die Propheten werth halten, denn auch diese kündigten „den Menschen an, daß sie ihre Hofnung auf das Evangelium „und auf Jesum gründen, und die Zukunft desselben erwarten sollten." Was ist gegen diese Stelle zu sagen? und was kann ich dawider haben, wenn mein Verfasser von dem Seinen hinzusezt: „Jedermann „wird eingestehen, daß JgnatiuS hier durch die Propheten die „Schriften der Propheten A. T. meyne! und so ist wohl kein Zwei- „fel, daß Ignatius durch das Evangelium die Schriften der (5van „gellsten, und durch die Apostel die Schriften der Apostel verstehe." Ta sich nun! sage ich zu mir selbst. Wie sehr hast du dich gcir- ret, wenn du bisher geglaubt, daß in den Kirchenvätern der zwey ersten Jahrhunderte schlechterdings keine Spur von irgend einer Sammlung neutestameullicher Schriften zu finden sey! Daß hier und da bey ihnen dieser und jener neutestamentlichen Schrift im einzeln gedacht werde: das wußtest du wohl. Aber einer Sammlung derselben! — Einer Sammlung! Gesteh, daß dir das etwas so fremdes, etwas so unerwartetes ist. Auch muß ich, dem ersten Anblicke nach, allerdings bekennen, daß die llebcrsctzung das Original völlig auszudrücken scheint. ilyc><7^-vz,^ °) Theologischer Nachlaß S. 185. Gegen Leß von der Wahrheit der christlichen Religion, 659 i'ji kV>a)>>>k>,tv ^ cracixl l^o'o'll, x«c i-ol? «!to<^o>i0li lo? »oc^ZlirklZl-j> ex» x^o'ta?. K«t ro^>? »tzo^i^ol? <5s »^»»r^ilk^ >Zl« ro >.«l «lirov; kl? ro k^>az>z>kXtc>i' «»i^z'k^x^iül, «l». kl? «vro»- k>«l^klv, xa^ av?vv «i«. Das sind die ncmlichcn Worte des uniiiterpolirten IgnatiliS/ so wie sie AcßiuS zuerst abdrucken lassen. Mit ihnen stimmt die alte lateinische llebcrsetzung, welche Ußerius kurz vorher aufgefunden hatte, vollkommen übcrein. usux!ens kvsiißelic» ut earni Ie5u, et ^poklilis ut I>5esliz?telio Lceleliao. 8eli et I^ro^Iiet-i8 eliligamus, provler et intog in LviiiiAeliuln an- »nnciiill'e et in Lünistum 5uerare et insum exs»eelsre. Ich schlage hicrnächst den intcrpolirtcn Ignarius nach, und sindc, daß auch da sich nichts findet, wo ein andrer Sinn durchschimmere. Nur das lejtere Kolon slicsscl etwas anders. ti-zo-r-xn)'-^ ^ -V«),)--. ixx>-^<7la?. K«t roii? -rizoizp^a? ök ä)>u!ku, l?? XiZl-^oi' ««r«z>)>ki> c»vrov «vkviiclro? /lk^alrxo^'r«?, ol? «ai vl ä^cx^o>-0l. Freylich scheint mir dieses lejtere Kolon hier gerade der unverfälschtere Text, und, für sich betrachtet, jenem tavtologischcn -'k-rlAlv und «>'«,,lk,weit vcrjNjiehcn zu seyn. Aber was verschlägt das? Im (?ruude ist der verfälschte Innarius hier um nichts verfälscht; und es ist blos zum llcbcrslusse, daß ich dessen gleichfalls alte lateinische llebcrsctzung auch nachsehe, (!oul'u/zien8 sä Lvangvlium, tamsluain ,iI t'iesli^le- ii»w Leeleliae. Lt I^ianlielas »niulein «liligo ut Oiriktuin urae- uuoeiaule«; coalinenles ejus ^jiiiiluin liout et ^voltoli. Juden, ich alles dieses in des i5lcricuS Ausgabe der Apostolischen Väter nachsehe, werde ich gewahr, daß die Auslegung meines Verfassers keine andre ist, als die, welche schon (5IcricnS von der Stelle des Jgnalius gegeben hat. Das Vorurlhcil des Ansehens also steigt in mir: und ich werde immer unrnhigcr. Viiienlur u-iee, veitia, sagt Clericns, ein Mann, dem hergebrachte Meynungen eben nicht ans Herz gewachsen waren, lZo Lvangeliis et ^pvttoliois leiiuüs Inlelli- geulla, ut üoe velit ^»n/ni«, e«xnoleel>6ue «livinae veiilal!» caus», te cnofugeie »6 Lvangelia, l>uil»us ei^eileret; nnn lecus .ie li t'Iiristus isi5e in earno, Iino e5t in eo slalu, czuc» tuit in Ierri5, conl^icuu» et eliainnuni 0j,noi»ine8 vivens ous lermoncs, ^u! in Lvimßeliis leguntur, o^e lu» nruseiret; tum eliam ail lc.rivi.1 ^vattulmuni, cnio» Iislievat ls»!>l> Inliu» t^lirisiianiie Ueeli'liüo piesli^Ieiium. suli lülnil'l» ninnimn I^nil'cn-in. ^uoil cciclu^ nmne» (^liril'li.iiioiuln, ciuicl cieileucluin lit, «lneereul. ^Iiule <,u.i»Ii lie- 660 Sogenannte Briefe. revt libri vovi lettameMi iis tomnoribus, katis I!«zuet. /^6^!t: ^/ec! et ^o/i/iee- iao Igoatio innolcscere noa polueraut. I^oe Ivviter praelerwitten- 6um, sb eo, priruc, c^uiäem loco, novi l'el'lsmeriti 5eripla, per «luao dlirittian! tumus, nomiuari, c^uall perlugium ivurn; kecuaclc, vero veleris libros, «zuia ex iis novuru conlirmgr! poiett. es kann nicht wohl seyn, daß mein Verfasser hier blos mit den Augen des Tlericus gesehen hätte. Er hat gewiß nicht minder seine eigene gebraucht, und wenn, bis auf eine Kleinigkeit, beyde einerley sehen: so muß cS ja klar mid deutlich genung zu sehen seyn. — Das ist alles wahr. Und doch! und doch! — Aber was habe ich dmn dagegen? Muß ich nicht zugeben, daß, wenn in der Stelle des Jgnatius unter den Propheten nichts anders als die Schriften der Propheten gcmeynt seyn können, die Ausdrücke Evangelium und Apostel eben so zn erklären studZ--- G. E. Leßl'ngs sogenannte Briefe an verschiedene Gottesgelehrten, die an seinen theologischen Streitigkeiten auf eine oder die andere Weise Theil zu nehmen beliebt habend) sogenannte Briefe sind eine Art schriftstellerischer Composition, bey welcher sich die Posten eben nicht am besten stehen. Denn selten ist es nothwendig, sie schriftlich abzuschicken. Nur dann und wann kann es seinen Nutzen haben, wenn sie gedruckt werden und mit Buchladenfracht durch das Land reisen. Man könnte sie auch den einseitigen Dialog nennen; weil man sich wörtlich mit einem Abwesenden darin» unterhält, den man aber nicht zum Wort kommen läßt, so oft auch darum steht: Tagen Sie, mein Herr; werden Sie antworten, mein Herr? Figurlich ist eS die allcrkommodeste Art von Buchmachcrcy; obgleich darum eben nicht die schlechteste. WaS sie durch Mangel der Ordnung verliert, gewinnt sie durch Leichtigkeit wieder: und selbst Ordnung ist leichter in sie hinein zu bringe», als Lebhaftigkeit in eine °) Theologischer Nachlaß S. 113. Sogenannte Briefe an den Herrn Doktor Walch. Akt didaktische Abhandlung, die an niemand gerichtet ist, als an alle, und von niemand ganz sich hcrzuschrciben scheint, als von der alten ruhigen Wahrheit selbst.") Sogenannte Briefe an den Herrn Doktor Walch. ^tcr. Hochwürdigcr zc. :c. So gleich als ich Ew. Hochwürden britische Untersuchung vom Gebrauche der heiligen Schrift unter den alten Christen in den vier ersten Jahrhunderten, angekündiget fand, wisperte mir mein Gewissen oder meine Eitelkeit zu: auch das vermuthlich wird dir gellen. Denn eben damals schien es, als wollten sich meine Händel mit dem Herrn Hauptpastor Göze in Hamburg in einen gelehrten Streit auflosen, der eine Materie bctrift, die mit dem Inhalt Ihrer Schrift sehr nahe verwandt ist. Ich hatte, um gewissen Einwürfen gegen das Christenthum mit eins den Weg zu verlegen, behaupten zu dürfen geglaubt, daß Einwürfe gegen die Bibel nicht nothwendig auch Einwürfe gegen die christliche Religion wären, weil diese, in dem engen Verstände genommen, in welchem man nur die eigentlichen Glaubenslehren darunter begreift, die sie von jeder andern positiven Religion unterscheiden, sich weder ans die ganze Bibel, noch auf die Bibel einzig nnd allein gründe. Ich hatte behauptet, das; sich das Wesen des Christenthums gar wohl ohne alle Bibel denken lasse. Ich hatte behauptet, daß es einem wahren Christen sehr gleichgültig seyn könne, ob sich ans alle °) Bon diesen sogenannten Briefen findet sich aber nichts, als was mein Bruder an den Herr» D. Walch in Eotiingrn geschrieben, wovon er zwcv Manuscriptc hinterlassen. DaS eine ist wahrscheinlich der erste Entwurf und führt den besagten Tilel. DaS zwcvtc aber ist nicht blos besser geschrieben, sondern auch anSgeardeilelcr, und hat den Titel- Gotthold Ephraim Lcßing, von den Tradiroren- Begleitet mit einem Schreiben an Se. Hochwürden, den Herrn Doktor C- Fr. 'walch in Göttingcn, dessen Rritischc Untersuchung vom Gebrauche der heiligen Schrift unter den alten Christen in den vier ersten Jahrhunderten, betreffend, o -Xkz'x»'' ,»^« -r«^- k,y7,,'o5c»kl. ZZcrlin 178N. ES hat auch mit »».4, I^oben S. 253^ gar keine Arhiilichlcit als den Titel. Doch sindel sich darin» eine Beschwerde über Hauptpastor Go'zenS Art zu strenen, die der in der Vorrede zu der Bibliolatrie sehr ähnlich ist. Aarl Lcssing im tbeol. Nachlas? S. 23. i."MMj,j Werke xi, 562 Sogenannte Briefe an den Herrn Doktor Walch. Schwierigkeiten gegen die Bibel befriedigend antworten lasse oder nicht. Besonders wenn diese Schwierigkeiten nur daraus entstehen, daß so mancherley Schriften von so verschiedenen Verfassern, aus so verschiedenen Feiten ein Ganzes ausmachen sollen, in welchen sich nicht der geringste Widerspruch sindcn müsse, wovon doch der Beweis in diesen Schriften selbst nnuiöglich zu finden seyn könne. Diese Behauptungen hatte der Herr Hanptpaflor i» Hamburg für weit giftiger, weit vcrdaiiimlichcr erklärt, als alle das Böse, das ich damit unschädlich zu machen hoste. Die abscheulichen Fragmente selbst wären ihm nichts gegen diesen meinen Vorschlag; die einzige simpelste Art, darauf zu antworten. Denn ihm war es allerdings so klar, wie der Tag, daß die heilige Schrift der einige Grund seiner- allcchciligstcn Religion sey, von deren mchrcstcn (Glaubenslehren er gar nicht einsähe, wo er an heiliger Stäte den Beweis anders her als aus der Bibel »chmcn könne! „Da „stchtS! da krazt cS aus! da seht ihrs ja, daß nur wir, wir Lutheraner, crhöilich zn Gott beten können! Das nnd dergleichen mehr „ist einzig ans der Bibel und einzig ans Luthers Bibel zu beweisen, „von welcher mir Gott alle die Original-Ausgaben so neben bey in „die Hände gcsiihrt hat." Auch war ja der liebe Mann so versichert, daß mein Vorgeben, ein Christ zu seyn, ohne auf die Schriften des neuen Testaments vollkommen eben den Werth zu legen, den er als ein Lulhcrschcr Theolog Wittenbcrgischcr Schule darauf zu legen geschworen, das bloße Blendwerk eines Teufels sey, der gerne den Engel des LichlS spielen möchte! Sehet da — dachte er? Nein, schrieb er — die Ralnralistcn können dir großes Aufheben von der christlichen Religion machen, im Grunde aber weiter nichts, als ihr Bischen elende Religion der Vernunft darunter verstehen. „Und iinn will ich ihn fragen, fuhr er fort, diesen nndicnsifcrli- „ Bibliothekar! Ich will ihm auflegen, nnr kurz und rund zn erklären, „was er nnlcr christlicher Religion eigentlich verstehe. Anf das mein „Alle gute Geister! soll er sich wohl packen, dieser Teufel! Sprich, „rede, Teufel!" Ich that cS; aber wie groß muß sein erstaunen gewesen seyn, als er nun gewahr ward, daß ich sonach doch wohl von einer ander» Art Teufel sey, gegen welche dicse Beschwörung nicht anschlage. Denn er crstaunete bis — zum Verstummen. Kaum daß er auf die kurzen Sätze, die (5w. Hochwürdcn kennen, und die ich nur so hinwarf, um meinen Gegner erst auf das freye Sogenannte Briefe an den Herrn Doktor Walch. 563 Feld zu locken, ein einziges abgedroschenes Stellchcn aus dem JrenäuS erwiederte! Und als ich auch diesem Stellchen die Ehre anthat, mich darauf einzulassen: wie gesagt; nirgends kein Laut mehr, und selbst jeder Frosch in den Sümpfen der freywilligen Beyträge und des Post- rcutcrs war mit ihm zugleich verstummt! Nun also der Gedanke, einen beschwerlichen Gegner, an dem keine Ehre zu erjagen ist, losgeworden zu seyn und dafür einen andern zu erhallen, dem selbst unterzuliegen Ehre seyn müßte — dieser Gedanke, der mir bey Erblickung des Titels aufstieß, durch welchen Ew. Hoch- würdeu bald zu erscheinende Schrift sich ankündigte: wie hätte er mir nicht höchst angenehm und schmeichelhaft seyn sollen, wenn er auch weil minder natürlich gewesen wäre? Das halbe Jahr, daS darauf hingieng, ehe diese Schrift Ew. Hochwürden erschien, würde mir sehr lang geworden seyn, wenn es mir die unruhige Neugierdc. den nähern Inhalt voraus zu errathen, in welcher ich so manches Buch aufs Neue nachlas, nicht sehr kurz gemacht hätte. Da ist sie nun! da liegt sie nun vor mir, und ich habe die Feder ergriffen, ein ungchcncheltcS Bekenntniß von dem Eindrucke abzulegen, den sie nach einer sorgfältigen Durchlcsung auf mich gemacht hat. Ein dergleichen Bekenntniß kann ein Mann, dem cS nur um Wahrheit zu thun ist, einem Manne unmöglich übel nehmen, der sich bewußt zu seyn versichert, keine unedlere Absicht zu haben, dabey aber das sonderbare Unglück hat, nicht selten gerade da auf eine ganz ungeheuere Art misvcrstandcn zu werden, wo er geglaubt hätte, daß seine Zleusscrungen am attcrwillkomnicnsicn seyn würden. Dieses Unglück, denke ich, hat mir sogar bey Ew. Hochwürdcn nicht wenig aufgelauert; denn ich könnte mich gleich anfangs beklagen, daß der Herr Doktor Walch mich lieber aus Gözcn, als aus mir selber verstehen wollen. So ist denn Götzcns Sache nothwendig die Sache der Kirche? und wenn sie cS ist: ist denn nicht wenigstens diese Sache von diese», Zlnwalde zu unterscheiden? II. Göze Halle behauptet, daß eS schlechterdings keine christliche Religion geben könne, wenn die Bibel nicht wäre; wen» die Bibel nicht vollkommen das wäre, wofür sie nur der Lutheraner hält. Ich setze diesem schneidenden Satze, andre vielleicht (dieses vielleicht soll mir aber durchaus nichts vergeben) eben so schneidende Sätze entgegen: nnd mir will man nichts zu gute halten; ihm alles? 36" 664 Sogenannte Briefe an den Herrn Doktor Walch. Bey der unchristlichen Anstößigkeit seines allgemeinen Satzes, auf dem er zum offenbaren Nachtheile des gesammteil Christenthums, zum blos anscheinenden Lortheile seiner Parthey, so trotzig und unwissend besteht, soll ihm stillschweigend doch Recht gegeben werden? Bey der geringsten Einschränkung, die ich hingegen von seinem allgemeinen Satze mache, soll und muß ich nicht einschränken, sondern völlig ans- heben wollen? Weil ich behaupte, daß die ersten Christen ihre Glaubenslehren nicht aus den Schriften des neuen Testaments geschöpft haben; sondern aus einer frühern Quelle, aus welcher selbst diese Schriften und ihre, wenn ich das Wort wagen darf, Canonicität, geflossen: soll ich behaupten, daß die Schriften des neuen Testaments gar nichts nutzen? daß die ersten Christen sie gar nicht gekannt? gar nicht gebraucht haben? Ich hätte geglaubt, so könne mir Göze schließen, dem es nun einmal zur Natur geworden, einer jeden Behauptung, die nicht in seinen Kram taugt, die allcrlicbloseste Ausdehnung zu geben? Ich hätte geglaubt, so könne mir ein Homilet schließen, dem es erlaubt ist, von dem Unterschiede zwischen regula Liier und regula mieijilioae nie etwas gehört zu haben. Allerdings! so kann auch nur Er schließen! Und wenn Ew. Hoch- würdcn nicht viel anders zu schließen scheinen: so geschieht es doch blos auf seine Rechnung. Blos weil Herr Doktor Walch die Gutherzigkeit gehabt, sich dem Hauptpastor surrogicren zu lasse», muß er mich ja wohl eben in dem Gesichtspunkt fassen, in welchem mich dieser genommen. Ich muß ein förmlicher Bibliomachus seyn: oder was für ein Buch kann er denn gegen mich schreiben? Wenigstens hätte er das nicht gegen mich schreiben können. Zwar wollen Ew. Hochwürden cS auch eigentlich gegen mich nicht geschrieben haben. Noch weniger gegen den Herrn Doktor Seniler. Wie kann ich auch? fragen Sie; „da keiner von beyden bis jezt die „Gründe angegeben, die beantwortet werden könnten." Was Herr Doktor Seniler zu dieser Erklärung sagen wird, weiß ich nicht. So viel weiß ich nur: daß ich sein Interesse von dem mci- nigcn nicht früh genug absondern kann. Den» wenn ich mit ihm auch jezt auf Einem Wege zu wandeln scheine, so wollen wir beyde doch gewiß nicht nach Einem Orte. Zudem hat mich ohnlängst Herr Doktor Seniler durch einen guten Freund, der ehemals Theologie studieret, jezt aber festere Wissenschaften treiben soll, (verinnthlich händfestere) nach Berlin ins Toll- haus bringen lassen. Und das wohl darum, damit ich ans alle Weise Sogenannte Briefe an den Herrn Doktor Walch. ZK6 mit ihm thun zu haben verreden muß. Träte ich nun auf seine Seite, dacht' ich, sprach' ich so wie er: würde es nicht scheinen, als ob ich wünschte, daß er ein lueiclum inlervsllum für die völlige Rückkehr mciner Lernunft halten, und sonach Befehl stellen möchte, daß man mich aus dem Tollhause nur wieder entlassen könnte! Gleichwol befinde ich mich in dem Tollhause, in welches mich gewesene oder noch seyn wollende Theologen bringen, so wohl! so wohl! Oder wollt ich nun gar anderer Meynung mit ihm seyn; nur im geringsten mit ihm anbinden: — Gott sey bey uns! — er ließ mich vollends an Ketten legen! Ohne also auch für den Herrn Doktor Scmler uiit zugleich antworten zu wollen, muß ich Ew. Hochwürden bekennen, daß ich Ihre Rritische Untersuchung :c. um so mehr gegen mich geschrieben zu seyn glauben muß, je sonderbarer die Ursache ist, warum sie es nicht seyn soll. — Wenn ich gesagt habe, daß die ersten Christen das neue Testament nicht für ihre rogulam Läei erkannt: habe ich denn das ncmliche auch von der regula 6!teir»Iinsv gesagt? Von dieser ist ja gar nicht die Rede gewesen. Auf diese hat man mich ja gar noch nicht kommen lasse». lind nun urtheilen Ew. Hochwürden selbst, wie nahe es mir gehen muß, wenn ich finde, daß ich gleichwohl in Ihrer Schrift unter einem Schwalle von Stellen erliegen soll, die alle nur erweisen, daß die ersten Christen das neue Testament blos für regulsm uileiuliimo gehalten haben. Ich sage, alle; alle, sage ich, alle! da ist auch nicht eine einzige, die das neue Testament als die Quelle empföhle, aus welcher der Glaube fließe, den die ersten Christen in der Taufe angelobten, und von welchem sie die Ueberzeugung, Kraft dieser aufrichtigen Angelo- bung, durch die Taufe erhielten. Es ist wahr, Ew. Hochwürdcu haben einen ganzen Paragraph, welcher versichert,(°) „daß die heilige Schrift die Erkcnntnißcmellc der christlichen Rcligionslehrcn sey" und dieser Paragraph ist mit Zeugnissen auS dem Ignarius/ Justinus Martyr, Theophilus von Annochicn/ Celsus/ Irenäus, Clemens von Alerandvicn, Ter- tullian/ ArUanasius, Julian, Hilariuö/ paulinus, Johann Chrysostomus, Hicronymus, pelagius, Augustinus, Theodore- tuo belegt. Wenn ein einziges von diesen Zeugnissen schlechterdings wider mich ist, was für ein Großsprecher, oder was für ein Leser muß ich seyn, (°) Kritische Untersuchung. S. 108. 666 ' Sogenannte Briefe an den Herrn Doktor Walch, der ich mich gerühmt habe, meinen Sah (daß die Grnndlehren unsers Glaubens nicht aus der Schrift gezogen sind, so deutlich sie auch immer darin» cuthalten seyn mögen, und daß die Schrift folglich der einzige Grund derselben nicht ist) aus eigner, sorgfältigen, mehrmaligen Lesung der Kirchenväter der ersten vier Jahrhunderte zu haben! Aber ich bin weder Großsprecher, noch unachtsamer Leser, und alle jene Zeugnisse, insgesamt und sonders, beweisen gegen mich so viel als Nichts. Denn entweder sprechen sie nicht von den Schriften des neuen Testaments, oder unter die Kenntnisse, deren Quelle diese seyn sollen, gehört die Kenntniß der eigentlichen Glaubens-Arlickcl offenbar nicht; welches nicht sowol aus den einzeln angeführten Stellen, als vielmehr aus dem Geiste der ganzen Werke, aus welchen sie genommen sind, erhellen muß. Erlauben mir Ew. Hochwürden sie durchzulaufen; und das was sie eigentlich sagen, mit dem was sie sagen müßten, wenn sie mich widerlegen sollten, kurz und gut zusammen zu halten. 1) Zuförderst fertige ich also den Ignanuo, Justinus und Theophilus mit einer und eben derselben Antwort ab.(') Sie reden alle drey blos und namentlich von den Propheten des alten Testaments, und nicht von Schriften des neuen, die man doch nur vornehmlich in Gedanken hat, wenn man behauptet, daß die Gruudlchren nnserS Glaubens aus der Bibel gezogen worden. Daß die Propheten von den ersten Christen fleißig und vielleicht nur zu fleißig gelesen worden, wie habe ich das leugnen können oder wollen? Aus den Propheten freylich konnten es die ersten Christen einzig und allein lernen, daß Christus der Messias sey; das ist, derjenige Verheißene, welcher dem Gesetze MosiS ein Ende machen, und der Well eine allgemeinere Religion dafür schenken sollte. Aber wenn sie in den Propheten den Stifter der neue» Religion erkannten, erkannten sie denn auch darum die Grundlchreu dieser neuen Religion? Oder wenn sie aus den Propheten sich würdigere, erhabenere Vorstellungen von Gott zu machen lernten, als ihnen ihre ehemaligen heidnischen Religionen beyzubringen im Stande waren, sind denn dergleichen Vorstellungen das eigentliche ganze Christenthum? Von diesem, so wie es iu dein apostolischen oder jedem andern orthodoxen Glaubensbekenntnisse der ersten Jahrhunderte enthalten ist, ist ja nur allein die Frage. Von diesem behaupte ich ja nur allein, daß es ans der Bibel ursprünglich unmöglich könne (°) Kritische Untersuchung, S, 32. §. III, t, und S. 34, Z. V. 3, 5. und S. 40. §. Vlll, t. 2. 3. Sogenannte Briefe an dc» Herrn Doktor WM), S67 gezogen seyn; am wenigsten aber aus dem iicucn Testamente. — Ich will nicht hoffen, daß man mich hier zn Schötrgen verweisen wird, welcher im Sohar und andern Midraschischcn Büchern die deutlichsten Spuren von allen christlichen Glaubens-Artickcln will gefunden haben. Denn wenn das wahr ist, was ich nicht beurtheilen kann: so waren die Verfasser besagter Bücher znvcrläßig keine eigentliche Juden; sondern cS waren Juden-Christen, cS waren Razarener oder Ebionitcn, welche ihre christliche Ideen in die Propheten hineintrugen, aber nicht aus ihnen herholten. Gegen das Zeugniß des Ignatius insbesondere hatte ich noch dieses zn erinnern, daß die Worte desselben äusserst verstümmelt und verfälscht sind, und daß das, was Ew. Hochwürden und Hr. Doktor Lcß (°) izt darum zu finden glauben, ursprünglich unmöglich an dieser Stelle gestanden haben kann. Wie JgnatiuS eigentlich geschrieben, glaub ich aus dem 30tcn Kapitel des zweyten Buchs der apostolischen Constilmioncn zuvcrläßig errathen zu habe». Es ist von keinem Evaugelio, von keinem Apostel, von keinem Propheten als Büchern und Schriftstellern die Rede. Anstalt i^az-zi-^ij, mnß L^o-xo-rv gelesen werden; und JgnatiuS will die Philadclpher durch sein Exempel blos lehren, wie hoch sie ihren Bischoff, ihre Prcsbytercs und ihre DiaconoS verehren sollen. Den Bisclioff als den Körper Christi, die gesammlclcn PrcSbytcroS als die Apostel, und die DiakonoS als die Propheten. Kurz, ich bin des festen Glaubens, daß die ganze Stelle ohngefähr so geheißen: I t-ioo'z>>,'z>'>»- Ü«t0'xozc!i>, US cra^iei, I^cro^> X^l^'o'u' xai, rot^ 5t>k<5,ZTirctz0ts kxx-^ci'la?, -Vito^oX-ol-;' rc>T-s ^iaxo>'oii5 -56 uz-airi-i^ »izoP?sr«>; XiZt-pov ««rclz>^>.--.>,lll^a? ««t rov t»^>rov> -ri^v/i.c»rc>? /i.k^ar7xc>,-r«;, c>-v «c«. ,0t Z und »ur so entstehet ein Sinn, wie er des JgnatiuS und seines Zeitalters würdig ist. Ich will mich hier bey den einzeln Beweisen aller meiner Veränderungen und Einschaltungen nicht aushallen. Gcuung, daß Ew. Hochwürden sie größtcnthcils aus dem angeführten Kapitel der apostolischen Coustilulioncn leicht errathen werde»; besonders wen» Sie in dem Briefe an die Smyrnäer den achten Paragraph damit vergleichen wollen, den ich für die vollkommenste und culschcidcnstc Parallclstellc Halle, ^ür incinc wcitcrc Ausführung ist bereits ein anderer ^rt bestimmt, und ich hoffe, daß mir jeder Beyfall geben soll, der die Sache ohne Vorurthcilc überlegen will, und nicht befürchten darf, ich weiß l°) Wahrheit der christliche» Religion. Äcrte Auslage, Scilc 568 Sogenannte Briefe an den Herrn Doktor Walch. nicht welchen HauplbcwciS für die Authenlie des neuen Testaments dadurch zu verlieren. 2) Ich komme von den drey apostolischen Männern zu einem ihnen sehr ungleichen Mann; zum ^elsus. (°) Wie? auch der soll es gewußt haben, daß die Christen die heilige Schrift für die Erkennt- nißquelle ihrer Religion halten« Kaum beweisen die Stellen, welche Ew. Hochwürdcn aus seinen Fragmenten anführen, daß er die Schriften des neuen Testaments nur gekannt hat. Denn namentlich führt er keine derselben an; und Origencs, bey verschiedenen auffallenden Beweisen von der Unwissenheit seines Gegners in den allerbckanittcstc» Evangelischen Nachrichten, zweifelt ja selbst, ob 'er die Evangclia gelesen habe. Was er daraus zu haben scheint, konnte er aus hundert andern Büchern haben. Wenn er sie aber auch gelesen, die Evangclia: was beweiset das wider mich? Sind sie deswegen für alle und jede zu lesen gewesen? Haben die Christen seiner Feit kein Geheimniß daraus mache» können? Wenn der spätere Hievokleo in seiner Schrift gegen die Christen so viele und so geheime Dinge beybrachte, ut. all- «juaiilZo ex einlom kuill's vi^oatur; und Laktanz (") ihn in diesem Falle den ruchlosesten Verräther nennt: was setzet Laklauz gleichwohl noch hinzu? IXiü torlo eala in inanuz cjus liivinae Iil> tei-se inciciersak. Hatte den CclsuS nicht ein ähnlicher Zufall begünstigen können, ans dem entweder sein Vorsatz, wider die Christen zu schreiben, entsprang, oder den er um so viel begieriger ergris, weil er diesen Vorsatz schon halte. Auf alle Weise ist aus den Worten des Laklanz unwidersprechlich, daß Schriften, zu deren Besitz Hiervklcs oder CclsuS nur als Christen hätten gelangen können, wenn sie ihnen nicht etwa durch einen besondern Zufall in die Hände gekommen wären, daß solche Schriften unmöglich sehr gemein seyn konnten. Doch sehr gemein oder nicht sehr gemein: CclsuS soll sie gehabt haben; Cel- sus soll gewußt haben, daß sie die Quellen christlicher Kenntnisse sind. Aber welcher Kenntnisse? doch wohl nur der historischen und nicht der dogmatischen? Daß sich die Christen wegen der Bcgcgnissc und Thaten ihres MeisicrS auf die Evaugelia beruften: sey dem CelsuS immerhin bekannt gewesen. Gennng ihm war unbekannt, daß sie auch wegen der Lehren, die nicht unmittelbar aus seinen Thaten folgen, sich auf die nemlichen Evangclia, oder auf irgend eine itzige Schrift des neuen Testaments zu berufen gewohnt gewesen. Und das ist da- l°) Kritische Unttrsuchmig, (") IilMl, Ii>-> V. c. z. I>, SSl> LUU> vünew. WW-««^^«^- Sogenannte Briefe an den Herrn Doktor Walch. 569 her unwidersprcchlich, weil er gerade ganz andre Schriften namhaft »lacht, wenn er den Christen ihre geheimen Lehrsätze vorrückt. Das himmlische Gespräch zum Exempel. Wurde CclsuS die Christen wohl aus einer solchen gnostischen Armseligkeit haben überweisen wollen, wenn er die eigentlichen O-ucllen ihres LehrbegrifS gekannt hätte? Wer unsre symbolischen Bücher kennt, wird der einen Einwurf gegen das Luthcrthum aus einem herrcnhnthischen Katechismus hernehmen? 3) Den Jrenäus anbelangend, kann ich mich, wegen der Haupt- stelle aus ihm, auf meine tLrste Folge der nöthigen Antwort tt. beziehen, von der es mir leid sehn sollte, wenn sie Ew. Hochwürden nicht zn Gesichte gekommen wäre. Es ist die ucmliche Stelle, die sogar Götzen bekannt war; und wem ist sie'S nicht? Aber um so mehr steht zu verwundern, daß Männern entwischt, was jeder Knabe sehen muß, der construiren kann. Die Worte des Jrenäus sind: Non euim per al!o5 liispolltioaelli oottrao lalulis cognovimus, huaw zier eos, per ssuos Lvaoxelium perveoit a6 oos, a, c^uam in 1"uis eonserivIiZ relic^ueiulit; aliczuicl autem ex ralione, univerkis otteolloiiivus nrocellellto) läßt er nicht sein Erstes seyn, sie mani- sollst» prace-niio Lcclelme zu widerlegen? Und was ist dieses vrae- conium Lcele5iao anders als die lieZuIa lidei? oder wie sie JrenäuS lieber nennen wollen, die kogula verilatis, der ««^v riz? a^^k-^a?, den er allen Widerlegungen aus der Schrift vorausschickt, nach welchem er allein ausdrücklich prüfen zu müssen versichert, ob eine Schrift- stelle für oder wider die Ketzer gelten könne. Durchaus erst lraelilio und dann otlcolic» ex leripturis. — Wäre es nicht gnt, wenn man auch ein wenig auf den Geist des ganzen Buchs sähe, aus dem man einzelne Stellen anführt, und diese nach jenem vorher prüfte, ob sie das auch sagen konnten, was sie nach den ausgehobencn Worten freylich oft wahrscheinlich genung zu sagen scheinen? Ich will aber diese Erinnerung blos in Rücksicht ans den Herrn Hauptpastor Gözc gemacht haben. An das sorglose Nachsprechen, welches ich diesem mit so völliger Zuversicht auf den Kopf zusagen darf, ist bey Ew. Hochwürden gar nicht zu denken. Mit Ew. Hochwürden ist es hier gar etwas anders. Sie mußten nothwendig diese Stelle des Jrenäus hier so beybringen, wie sie die Protestanten gemeiniglich zu nehmen pflegen, wenn man Ihrer Sammlung ähnlicher Stellen nicht einen sehr wesentlichen Mangel vorwerfen sollte. Ich bin weit entfernt, mich in einem Studio, welches ich nur bis zu meiner eigenen Beruhigung getrieben, einem Manne gleich zn dünken, dessen Stand und Pflicht cS mit sich gebracht, den größten Theil seiner Zeit und seines Fleißes darauf zu wenden. Ich bin zufrieden, wenn mir ein solcher Mann nur zugesteht, daß ich nicht in den Tag hinein plau- dcrc, und keine feindselige Angriffe auf die christliche Religion thue, welches mir jener Schreyer so hämisch Schuld giebt. Ich hoffe, daß mich Ew. Hochwürdcn sogar von aller Ilntcrgra- bnng der protestantischen Kirche, und namentlich der Lnlhcrschcn, loS- zählen sollen, wenn ich hinzusetze, daß jene ILexula verilalis des Jrenäus, von der ich behaupte, daß sie das, nicht aus der Schrift gezogene, sondern der Schrift als Grundfeste unterzogene GlaubenS- Bckännlniß sey, mir nun auch einzig und allein das ist, was er unter Sogenannte Briefe an den Herrn Doktor Walch. Z71 apostolischer Tradition versteht. Die katholischen Schriftsteller, die mehr darunter begreifen wollen, können aus ihm wenigstens keinen Beweis führen; und hieraus allein können schon Ew. Hochwürdcn abnehmen, wie weit ich noch von allein Pabstthum entfernt bin, und wie wenig ich blos den alten Streit über Tradition und Schrift zu erneuern gedenke. Nur kann ich unmöglich vorschlich taub seyn, wenn mir das ganze Alterthum einmüthig zuruft, daß unsre Reformatores, unter dem ihnen so verhaßten Namen Tradition, viel zu viel weggeworfen haben. Sie hätten schlechterdings wenigstens dem, was JrcnäuS darunter versteht, das nemliche göttliche Ansehen lassen müssen, was sie so ausschlicßungSweise der Schrift beyzulegen für gut fanden. Wenigstens bin ich gewiß versichert, wenn öw. Hochwürden diesen ächten ältesten Sinn des WortS Tradition bey dem JrcnäuS erkannt hätten, daß Sie eine Stelle desselben minder anstößig würden übersezt haben. Nach Ihnen soll Irenäns unter andern anch sagen: „Wenn „die Apostel keine Schriften hinterlassen hätten, denn müßte man „dem mündlichen Unterricht folgen, welchen sie denjenigen ertheilt, die „sie zu Vorstehern der Kirche verordnet." — Nur alsdcnn? Es thut mir leid, daß, wenn ein strenger Katholik dieses für partheyische Ent- kräftung, wo nicht gar für eigentliche Verfälschung erklärte, ich eigentlich nicht wüßte, was ich darauf antworten sollte. Nur alsdcnn? Also, da nnn aber die Apostel Schriften hinterlassen, ist es gar nicht mehr nöthig, sich um Tradition zu bekümmern? Und das wäre die wahre Meynung des Irenäns? Nimmcrmchr; nnd Ew. Hochwürdcn hätten ihm schlechterdings seine Frage hier lassen müssen. <)uick au- kem, ü noiTuo ^riottoli czuiilem loi'ij>luii>s reliliuiu"ent, norme ojwr. teliak oru'inem leciui 'IVaiülioms? Denn nur aus der Frage erhellet, daß Irenäns den Nutzen der Tradition, den man in dem angenommenen Falle doch wohl für ganz unwidcrsprcchlich erkennen müßte, auch ausser diesem Falle erkennt. Bleibt hingegen die Frage weg: so scheint dieses so nicht, welches im Zusammenhange mit dem, was vorhergeht, noch merklicher auffällt. Den» kurz, aus dem Vorhcrgc- hcnden isi klar, daß JrenänS schlechterdings von keiner Trennung der Tradition und Schrift weiß; sondern ihm vielmehr Schrift so gut als keine Schrift ist, wenn sie nicht nach der Tradition verstanden wird. Und was ist darin» auch Anstößiges für einen Lutheraner; so bald wir wissen, daß er unter Tradition nichts anders versteht als das GlaubcnS-Bckcuntniß, von welchem wir ja selbst drey verschiedene Formeln unsern symbolischen Büchern vorgcsczt haben? 572 Sogenannte Briefe an den Herrn Doktor Walch. Auch schiebe ich wahrlich dem Jrcnäus keinen bessern Sinn lnitcr, als er hat. Denn eben das, was er liegulam veiiwl',8 nennt, nennt er an andern Stellen verilal!8 IValnIionem oder velerem l'ratlilio- new, mit unmittelbarer Bcyfügung des Glaubcns-Bckciintnisscs selbst, welches alle falsche Deutung unmöglich macht, lind wie hätte auch das Glaubens-Bekenntniß in der ersten Kirche überhaupt anders hcis- scn können, als Tradition, da es gar nicht aufgeschrieben werden dnrftc, sondern von den Compercmcn blos auswendig gelernt, blos aus öftcrn mündlichen Vorsagen auswendig gelernt werden mußte? So ward es noch zu den Zeiten des AngustinnS in der Kirche damit gehalten; und was könnte uns verleiten zu argwohnen, daß cS jemals anders damit gehalten worden? Die Reden, die AngustinuS bey Ab- legung des Glanbcns-Bekenntnisses zu mchrmalcn gehalten, heissen alle 8vi'mo»es in 'ki'ixlilioiie Hymlioli, und in einer derselben (°) sind die Worte so ausdrücklich als möglich. I^ec uk eaelem veilia Ixmlioli tolleaiis, sagt er zu den Täuflingen, ullo moclo eli8 kenne, e, teä auclioniko percliseere: nee eum «Zicliceriliz, 1'eriliere; 5eck mo- woria teiuver teuere stczue reeolere; so wie bald darauf, i>ulkienlZo t^mvoluru lZiseilur; nee in tabulis vel in alic^us maleria, leä ia oor,knc-, für auserlesene Personen. Und wer sind ihm diese auserlesene Personen? Theils die Personen geistlichen Standes; Bischöfe, Presbyteri, Diakoni, Witwen. Theils seine Gnostiker; daS ist, diejenigen Christen, welche Zeit und Kräfte haben, in diejenigen Tiefen des Glaubens zu dringen, welche der heilige Geist blos durch Aenigmata und Parabeln in der Schrift anzudeuten für gut befunden hat. DaS, daS liegt offenbar in folgender Stelle, die unmittelbar auf eine kurze Zusammenfassung aller vcrnunflmäßigen Tugendlehre» folgt, die in den Schriften der Apostel vorhanden sind! '>« -ra-ur« ?, rvl? »^iro^i 5atzclrl>A'k5«l »«l; ki?kli', «iiöizv ixxo5i6ral> «ccxta, «ai, «>zi,z>h«^k7«i> «öcxl«. klvtzicli, ök o<5«l ^zco^i/xcu, kl? ?,!x^a öiark^vo^cr«^, k'z>)ikz>izcl>j)ccic-,l, ^«l? /?>/0t? a)>lat?' ^ks/Z^>r?iZl>l?' <5?, «-tt,^cll> Mlja^?' «l-t l^l» «v tc^ X^zikiv x«tizc>?' zro^a <5- ««t ,^v roi? ki'^'Z-xa- vo^-7lv -äk?-^ ^>z:->,kc<7^ttö. Ich darf nicht vermuthen, daß mir t?w. Hochwürdcn hier einwerfen konnten, daß Clemens unter den auserlesenen Personen auch der Witwen gedenke. Denn Cw. Hochwürdcn wisse» zu wohl, das; unter dieser Benennung die Diakonissä verstanden worden, die zu den Zeiten des Clemens noch einzig und allein a»S dem Stande der Witwen genommen wurden. Wohl aber werde ich zu einer andern Zeit auf diese Bemerkung zurückkommen, wen» ich zeigen werde, daß alle die Bibcllcscrinncn, die in der Kritische» Untersuchung eine so ansehnliche Rolle spielen, zu dc» Laie», unter die sie daselbst gcsczt worden, nicht gehören, sondern vermuthlich insgesammt Diakonissä gewesen. li) Iezt will ich mir zu der zweyten Stelle des Clemens, die zu der Masse derjenigen Stellen gehört, die ich für diescSmal durchlaufen zu müssen, um Erlaubniß gebeten habe. DaS <^ui<> pro liuo, daS Cw. Hochwürden mit dieser wicderfahrcn, kann ich mir nur auf eine einzige Art erklären. Dadurch ncmlich, daß Sie diese Stelle nicht selbst »achgcschn, sondern nur bey einem von denjenigen Männer» gefunden haben, die Sie S. 2V. und 21. so sehr empfehlen. Aber nur erst das <^uic! pro «zuo selbst: und sodann noch ein Wort von dem Gebrauche dieser Männer. Die Stelle ist aus dem Anfange des ersten Buchs der Stromatum, wo Clemens überhaupt von der Schrift- Sogenannte Briefe an den Herrn Doktor Walch. 575 stcllcrcy handelt. Nach verschiedenen allgemeinen Betrachtungen, ob man überhaupt schreibe» müsse, wer schreiben müsse, ans was für Ursachen man schreiben müsse, deren einige verloren gegangen; kömmt es endlich darauf hinaus, daß Schriften doch immer einen doppelten unstreitigen Nutzen haben: einen für den Schriftsteller und den andern für den Leser. Der Schriftsteller, so wenig er sich anch bemüht, künstlich und zierlich zu schreiben, hat doch immer den Nutzen, daß das Aufschreiben seinem Gedächtniß zu statten kömmt, und ein untrügliches ^«lz/i«xov x^^s ist. Dem Leser hingegen sind Schriften um so viel vorthcilhafler, je unwissender er selbst ist. Selbst einer, der in seiner Erziehung und in seinem ersten Unterrichte ganz versäumt worden, «Xiz.u./ZX'urat xax^ 55ao>«>>,l« 50 °>sm- X'is braucht, wenn er diese Vcrsänmniß wieder einbringen will, nur zu demjenigen Lichte seine Zuflucht zu nehmen, daS einem jeden bey der Hand ist, einem jeden gleichsam eigenthümlich zugehört, 5?o? ro ol«5l«>,- y'vz /3a6iHsio, braucht mir denjenigen WahrhcitSlchrcr aufzusuchen, der schriftlich ihm auch das Ungeschriebene erklärt, --r-. cl^Kklai-, -r^v t'z>)'tz«!su>; 5« wz>tzce-si« SizXoi«?«-/, das ist, braucht nur zu lesen. Dieses Lob der Lektüre insgemein, ist eine so feine und richtige Bemerkung, als nicht Viele von einem Kirchenvater zu erwarten geneigt seyn möchten. Aber, bey ttott, so ist es! Wer aus den Büchern nichts mehr lernt, als was in den Büchern steht, der hat die Bücher nicht halb gcnuzt. Wen die Bücher nicht fähig machen, daß er anch das verstehen und beurtheilen lernt, was sie nicht cnt> halten; wessen Verstand die Bücher nicht überhaupt schärfen und aufklären, der wäre schwerlich viel schlimmer dran, wenn er anch gar keine Bücher gelesen hätte. „Die Schrift, fährt (ilemcnS bald darauf fort, „entzündet jeden Funken der Seele, nnd gewöhnt daS innere „Ange zur Beschallung. Vielleicht, daß sie, wie ein pfropfender Land- „mann, auch etwas hineinlegt; aber ganz gewiß erweckt sie doch das, „was darinnen ist." Daß Clemens hier auf die Platonische Sntwickc- luug zielt, brauche ich nicht zu erinnern. Aber wenn denn nun auch dieses allgemeine Lob des BüchcrlcscnS, die heiligen Bücher nothwendig mit treffen muß: was für Ursachen haben Ew. Hochwürdcn gehabt, uuS die Stelle so zu übersetzen, als ob sie von diesen nur allein handle? Heißt denn ^c-^ immer nur die heilige Schrift? Oder soll das etwas entscheiden, daß Polier das Wort mit einem großen Anfangsbuchstaben drucken lassen? lind nnn vollends und »z^a-s)« nicht für geschrieben und ungeschrieben überhaupt, sondern in dem besondern Sinne, in welchem bcydcS erst um das Nicaische Z76 Sogenannte Briefe an den Herrn Doktor Walch. Concilium gebräuchlich ward! Doch weg mit allen den Wortkritle- lcycn! Die Verfälschung, in welcher uns gleich darauf eine Thatsache gezeigt wird, verdient eine schärfere Rügung. — Clemens will nun auch anzeigen, was er denn eigentlich in seinem vorhabenden Werke aufzeichnen wolle, lind da gedenkt er denn verschiedener apostolischer Männer, die er in seiner Jugend zu hören gewürdiget worden, deren Reden er gern niederschreiben mochte, damit sie ihm in seinem Alter nicht einmal entfielen. Von einem insbesondere sagt er, daß er wie eine Biene in Sicilicn auf der prophetischen und apostolischen Flur Blumen gebrochen: und von allen insgesamt sagt er, daß sie die wahren Ueberlieferungen der seligen Lehre nnmittelbar vom Petrus, JacobuS, Johannes und Paulus erhallen gehabt, und durch Gottes Gnade bis auf seine Zeit leben müssen, damit anch er jenes uralten apostolischen SaamcnS durch sie theilhaftig werden können. Es ist merkwürdig, daß das, was Clemens von jenem cinzelcn sagt, Euscbius in seiner Anführung der ganzen Stelle völlig wegzulassen für gut befunden. Ein alter unverdächtiger Lehrer, der anf der prophetischen und apostolischen Flur nur Blumen gebrochen, ist freylich kein Mann, der uns einen hohen Begrif von der homogenen Göttlichkeit der heiligen Schrift machen kann. Doch hätte nun wohl eben Ense- bius kein spitzes Maul machen dürfen, der uns an einer andern Stelle so etwas, auf eine noch anstößigere Art, schon vom pavias erzählt hat. Wenn man auch nur die Worte ei» klein wenig anders schraubt, was wäre denn darum, was nicht vollkommen Lutherisch klänge? Ew. Hochwürdcn übersetzen ja ganz ohne Anstoß, wie folget: „Wer „die Blumen auf den prophetischen und apostolischen Wiesen bcnuzt, „gleich einer Biene in Sicilicn, der pflanzet einen vortreflichcn Vor- „raih von Erkenntniß in die Seelen derer, welche ihn hören. Solche „Lehrer bleiben bey der wahren Ueberlieferung der seligen Lehre, „welche sie von petvo, Jacobs, Johanne und Paulo, diesen heiligen Aposteln, empfangen und vom Vater anf den Sohn bis auf „unsere Feiten fortgepflanzt." Ich habe mir alle Wortkriliken bereits untersagt. Aber die Uebersctzung eines dritten dagegen hallen, das darf ich doch wohl? Dieser dritte ist Herr Strorh, von welchem wir ohnlängst eine sehr treue und uubefaugene Uebersctzung der Kirchcngc' schichte des Euscbius erhalte» haben. Da lantet eS in dem Uten Kapitel des 5len Buches, wo Euscbius die Stelle des Clemens einschaltet, nun so: „Diese Männer, die die wahre Ueberlieferung der „seligen Lehre erhalten haben, (wiewol sonst wcuig Kinder ihren „Vätern ähnlich sind) hat uns Gott erlebcn lassen, daß sie jenen Sogenannte Briefe an den Herrn Doktor Walch. 577 „altväterlichen apostolischen Saamen auf uns brachten." Sehr gut und genau! das heiß' ich doch übersetzen! Blos für die Kleinigkeit hak uns Gott erleben lassen/ möchte ich lieber gesezt wünschen, hat Gott bis auf uns leben lassen, weil erleben einen Nebcnbcgriff der Zukunft mit sich führet, welcher die Zcitordnung, wenn sie nicht sonst bekannt wäre, ungewiß machen könnte. Aber nun? Getrauen sich Ew. Hochwürdcn wohl, auch dieser Strothischen Uebersetzung die neuiliche Anmerkung gleich an die Seite zu stellen, die Sie Ihrer Uebersetzung beyzufügen, kein Bedenken getragen? Die Versicherung meyne ich- „daß die Nahmen der vier Apostel sich offenbar auf „ihre Schriften und nicht auf ihren mündlichen Unterricht beziehen." Getrauen sich Ew. Hochwürden das wirklich? Und so entscheidend? mit einem solchen offenbar? Wenn es wahr ist, daß unter andern hier auch die Epistel Jacobi zu verstehen: so haben der Ritter Michaelis und D. Leß sehr Unrecht, daß sie diese Stelle nicht als ein offenbares Zeugniß für die Aulhentie derselben angenommen haben, und Ew. Hochwürdcn würden wohl gethan haben, diesen Männern eine dergleichen Entdeckung unter den Fuß zu geben. Doch ich bin gewiß versichert, daß weder der eine noch der andre, was Ihnen so offenbar scheinet, auch nur wahrscheinlich, auch nur möglich würden gefunden haben. Und noch mehr Schade, daß nicht schon Luther aus dieser Stelle des Clemens gewußt, daß ein Jacobus wenigstens sich zuverläßig unter den apostolischen Schriftstellern befunden! Er würde uns das Aergerniß mit der strohernen Epistel erspart haben. — Im Ernst und ohne alle Spörierey: zwcyerlcy ist vielmehr aus der Stelle dcS Clemens offenbar. Einmal, daß Clemens mündliche geheime Nachrichten mcynt, die durch seine Lehrer von gedachten Aposteln auf ihn gekommen. Denn was hatte er nöthig, die Schriften der Apostel von ihnen zu erhalten? Oder würden Ew. Hochwürden, um dieses mit einigem Anschein vorgeben zu können, nicht wirklich Ihre eigene Erndte niedertreten müssen? Und zweytens/ daß Clemens seine Lehrer, den pantänus, den Bardesanes, den Tarianris oder wie sie sonst gchcissen, für nicht geringer gehalten, als die benannten Apostel selbst, welches aus der Anspielung auf den VcrS des Homers folgt, „wiewohl sonst wenig Kinder ihren Vätern ähnlich sind," in welchem Herr Stroth o,u,-»o-, auch wohl ein wenig nachdrücklicher hätte übersetzen können. Denn Kinder die ihre» Vätern blos ähnlich sind, giebt es doch genung? — Und sonach darf ich meine Vermuthung gar wohl wiederholen, daß Ew. Hochwürden ohne Zweifel diese Stelle des Clemens selbst LcsimgS Werke XI, 37 578 Sogenannte Briefe an den Herrn Doktor Walch. nachzusehen für überflüßig geHallen, weil Sie dieselbe beym Ckamieu oder Suicer, oder Gott weiß, bey wem sonst, dergestalt angeführt gefunden, auf welchen allein alle das Harte zurückfallt, was ich von einer so großen MiSdeutung zu sagen, gezwungen worden. Ich müßte den Hrn. D. lvalch in seinen übrigen Schriften zu sehr verkannt haben, wenn ich ihn selbst für fähig halten könnte, uns vorschlich einen solchen Staub in die Augen streuen zu wollen. Er glaubte als ein redlicher Mann, daß das, was solche Männer unlcrsucht hätten, ein für allemal uniersucht sey. Aber lieber nicht so: und besonders möchte ich mir meine Landsleute und Glaubensgenossen, die Gerharde, die Rortholre und die Zorne verbitte». Diese guten Leute waren viel zu herzliche Lutheraner, als daß sie nicht ihren Lehrbcgriff nur allzuoft auch da gesehen haben sollten, wo das pure platte Gegentheil davon befindlich ist. Wahrlich bedürfen vornemlich ihre Anführungen einer sehr starken Revision: und wie anders? Die gelehrten Katholiken hatten das Entschcidcustc darinn schon beschlagen, und befanden sich in ihrer Hcimath. c) Ich will bey den übrigen Stellen des Clemens kürzer zu seyn suchen. Die dritte Stelle ist eine Auslegung, die Clemens von einer Dichtung des Hermas macht. Aber so, wie das ganze Buch des HermaS meiner Hypothese von Entstehung des neuen Testaments und von dem Gebrauche, den die ersten Christen, davon machen zu müssen, sich verbunden hielten, ganz besonders günstig ist: so ist es diese Clemcntinische Auslegung nicht minder; so gezwungen sie auch au und für sich selber ist. Ich verstehe nur die Worte ein wenig anders, als Ew. .Hochwürden sie zn übersetzen für gut befunden. Wenn ncinlich die Bibel, rizv -»plX-izv «v-lz-i-uo-^ genommen, allen Menschen verstandlich seyn soll: so verstehe ich die darauf folgende Worte, -ra-vr-^v ii,v«<, iizv 5-,?--,v i^-xx^u-/ -x^^c^, NUr so, daß hier nicht der Glaube, die Disposition unsrer Seele, sondern das Glaubens-Bekenntniß bedeute. Auch ist es weit schicklicher, dieses mit den ersten Elementen der Schrift, mit den Buchstaben zu vergleichen, als jenen. Das Glaubens-Bekenntniß allein macht die Bibel allen Menschen verständlich: und das ist gerade das, was ich will Aber dieses Glaubens-Bekenntniß muß nicht aus dem neuen Testament gezogen seyn, sondern cS muß früher als das neue Testament, und in seiner völligen Unabhängigkeit vom ncnen Testamente, wenigstens eben so glaubwürdig als das neue Testament seyn. — Wenn das Buch des HermaS hicrnächst, von welchem Ensebius sagt, daß es zum ersten Unterrichte in der Religion gebraucht worden, überhaupt der heiligen Sogenannte Briefe an den Herrn Doktor Walch, 57!) Schriften mit keiner Sylbe gedenkt, worüber sich Hr. Leß selbst so sehr verwundert: was folgt daraus? Entweder wäre» die Schriften des neuen Testaments damals noch nicht beysammen; oder sie standen in dem Ansehen noch nicht, in welchem sie izt stehen, und wurden zu dem Unterrichte in der christlichen Religion für entbehrlich gehalten; — oder bcydcS. 6) Bey der vierten Stelle des Clemens wünschte ich sehr, daß Ew. Hochwürden wenige Zeilen weiter damit zurückgegangen wären. Clemens will von der Schwierigkeit reden, welche mit den Gnostischcn Auslegungen der Schrift verbunden ist. Bey hohen Unternehmungen, sagt er, steht immer ein hoher Fall zu besorgen; vor welchem man sich hier nicht anders sichern kann, als wenn wir uns genau an die Regel der Wahrheit halten, die wir von der Wahrheit selbst überkommen haben. ^H-cl^ko^ai, «I'az'xi/ /I,k)>c<5« -ro-u? /Ikz-l^o-,? k^X"» /Zo>>7k5 -xno'l w>^5kl«?> Nun Wissen wir aber, wenn wir es auch aus ihm selbst nicht wüßten, aus' dem JrcnäuS, was diese Regel der Wahrheit, dieser «>»vuv r^? »?„^k-,«? ist. ES ist daS Glaubens-Bc' kenntniß, die -c-?-? der vorigen Stelle, wodurch das verständliche der Schrift auch dem gemeinsten Manne verständlich wird, und das Unverständliche auch dem kühnsten Forscher nicht länger unverständlich bleibt. Ich brauche Ew. Hockwürden nicht zu sagen, wie Clemens diesen x»i -» 1-5? -»^5-1»? von dem x».'o,'-, -xx^m-n^xij! unterscheidet, die er beyde unlcr dem gemeinen Namen der !r<»i>»öo-5-u5 kxx^.-rc«^».^? zusammen faßt. Aber ich darf versichern, daß man, ohne diesen Unterschied genau in Gedanken zn hchaltcn, im Clemens gar nicht fortkömmt, und da blos ein gnostischcS Gcschwä; findet, wo er doch sehr bestimmte Begriffe zum Grunde legt. Er geht freylich von der Göttlichkeit der heilige» Schrift anS: und habe ich denn die schon geleugnet? Ich bezeige ja blos mein Misfallcn, daß man ihn auf seinem Wege so bald verläßt lind von dem Werthe der Hülfsmittel, die heilige Schrift zu verstehen, so verschieden mit ihm denkt, als welche die Protestanten in die Schrift selbst zu legen für gut finden, anstatt daß Clemens, mit dem gcsammtcn christlichen Alterthume, sie ausser der Schrift annimmt. ES ist wahr, Clemens sagt allerdings: „Menschen, die nur „schlechthin («5X10?, d, i. ohne Beweis) ihre Lehren vortragen, lasset „uns keinen Glauben schenken. Sie können auf eben diese Art auch „Irrthümer lehren." Aber wie? Ohne Beweis rede», sott ihm so viel seyn, als ohne Beweis ans der Schrift reden? Ibin isi obne Beweis reden, gerade das Gegentheil; ihm ist ohne Beweis reden, 680 Sogenannte Briefe an den Herrn Doktor Walch. mit nichts als mit Stellen aus der Schrift beweisen wollen: denn dieses Beweises rühmen sich ja auch alle Kehcr. Clemens soll fortfahren: /,Wcnn eS nun nicht hinreichet/ seine Meynung schlechthin zu „sagen, sondern man auch das, was man sagt, beweisen muß, so „erwarten wir keine menschliche Zeugnisse: sondern wir erweisen „durch das Wort des Herrn das, was bewiesen werden soll. Diese „Stimme des Herrn übertrift alle Beweise (a-roö-^-ls) an Sicherheit; ja recht zu sagen, ist sie allein ein Beweis. Durch diese „Ueberzeugung sind diejenigen, welche die heilige Schrift gekostet haben, gläubig." Fahrt Clemens wirklich so fort: wo bleibt Tertullian- kille« lslvum iacir, non exorcilalio lerivlurarum? Aber er fährt auch so nicht fort; und man misbraucht auf eine unverantwortliche Weise einige seiner Worte, um ihn nichts weniger als seine Gedanken sagen zu lassen. Ihm sind die menschlichen Zeugnisse, eben die Zeugnisse der Propheten und Apostel, so lange sie unabhängig von der Regel der Wahrheit genommen werden; und die Stimme des Herrn, die allein gilt, die allein keine weitere Demonstration zuläßt, ist diese Regel der Wahrheit, die wir von der Wahrheit selbst empfangen haben; ist, mit einem Worte, das Glaubens- Bekenntniß. Dieses, dieses ist die Wissenschaft, ol ^kT!o-a,»,i,'<>t ^ovov -c-^o,,; durch welche auch die gläubig sind, welche die Schriften auch nur gekostet haben. Auch nur gekostet! '^o^-vo-«/^-,-,,,.ÜZ« Sogenannte Briefe an den Herrn Doktor Walch. 681 siiker allerdings muß Schrift aus Schrift erklären und beweisen. Aber die Christen überhaupt haben das nicht nöthig; weil der Gnostiker selbst, so weit er sich über sie verstiegen hat, doch wieder zu ihnen herab muß, und wenn er die Schrift aus Schrift noch so apodiktisch erwiesen hat, doch nur auch durch das Glaubens-Bekenntniß apodiktisch überführen kann. Das ist der wahre Sinn folgender Stelle des Clemens, die, wenn sie diesen Sinn nicht hatte, gar keinen haben würde, o^-o? ««>, ^.«^l?, auch wir, wir Gnostiker, -»^«-v z^,, «^uv ^«z-uv 5) Ich bin wirklich sehr erfreut, über den Clemens hinweg zu seyn. Ich kenne keinen salcbrosern Scribentcn, der mehr Schlupfwinkel für Zänker gewährt, als ihn. Besonders sind seine Stromata ein so buntschäckigcS, desultorischcS Werk, daß man selten eine Seite lang gewiß bleibt, mit ihm auf einer Bahn zu wandeln. Ich will damit nicht sagen, daß er in streitigen Untersuchungen darum ganz unbrauchbar sey: ich will nur sagen, daß er eine ganz besondre Aufmerksamkeit erfordert, und von zwanzig Lesern, die ihn in die Hände nehmen, achtzehn ganz gewiß, blos den schönen Brocken nachjagen, die er aus der weltlichen Gelehrsamkeit so reichlich einstreuet, wenn von den übrigen zwey, der eine auch nur blos bey den schönen theologischen Stcin- chen verweilt, die sich in Einen Lcbrbegriff so gut wie in den andern passen. Wir kommen von ihm auf einen Lateiner, der in Ansehung des Stils und der Worte vielleicht noch salcbroser ist, aber doch in Ansehung der Ordnung und Deutlichkeit dcS gcsammtcii Vertrags ihn bey weiten übcrtrift: auf den Ternillian- Von diesem nun muß ich Ew. Hochwürdcn im Voraus bekennen, daß er eS ist, von welchem ich zuerst eine richtigere Vorstellung von der wahren Quelle unsers Glaubens erlangt zu haben glaube; daß er cS ist, welcher mir das Pochen auf die bloße Schrift zuerst verdächtig gemacht hat; daß er cS ist, welcher mich zuerst überzeugt, wie natürlich cS sey, wenn sich die Apostel vor allen Dingen unter einander über ein gewisses Formular verglichen, um nicht allein selbst einerley zu glauben, sondern auch einerley zu lehren, wclchcS Formular schlechterdings auch noch iezt mehr gelten müsse, als die nachhcrigcn Schriften der Apostel, die nur gelegentliche Erläuterungen über diesen und jenen Punkt desselben sevn könnten, indem nicht eine einzige erst Christen machen sollen, sondern alle an schon gläubige Christen geschrieben worden. Doch cS ist hier noch nicht der Ort, wo ich zeigen muß, was alles für mein Svstcm aus dem einzigen Tcrtullian zu beweisen stehet. Iezt soll ich nur auf ein paar Stelle» antworten, die mir Ew. Hoch- 582 Sogenannte Briefe an den Herrn Doktor Walch. würden aus ihm entgegen setzen, als deutliche Beweise, daß auch Er die Schrift für die einige Erkenntniß-Quelle der christlichen Reli- gionSlehrcn erkannt habe. Die erste derselben ist auS der Schnhschrift genommen und lautet nach Ew. Hochwürden Nebersetzung, wie folget: „Wie könnet ihr Hci- „dcn euch doch einbilden, daß wir Christen uns um das Wohl der //Kaiser nicht bekümmern? Leset nur selbst die Befehle Gottes, die //Quellen unserer Erkenntniß, die wir gewiß selbst nicht unrer- ,. „drucken und die so viele besondre Pflichten gegen Nichtchri- z/sten vorschreiben." Und da» wäre eine Uebcrsctzung von den Worten des Tertullian, die ich aus der nemlicbcn Ausgabe, die Ew. Hochwürden gebraucht, hersetze. <)ui ergo vut!>veii5, niliil no» «le l'alulv tüselsrum cursre, inspiee Ilei voce?, lilerus nostra?, rsuas neczue ipli su^primimus et pleri^u« cs5>is scl exlraneos Iransserunt, Wo steht denn da eine Sylbe von Erkenntniß-Quellen? Sie haben doch nicht lileras nosiras durch Erkenntniß-Quellen geben zu müssen geglaubt; in der Meynung, daß lilerac- „ollr-ie auch wohl so viel als pnmse litlerse liilei nnlirae heissen könne? Ja, wenn man so übersetzen darf! So laßt sich freylich Alles in Allem finden! Eben so unrichtig und ohne allen Grund hineingetragen, ist das letzte: „die so „viel besondere Pflichten gegen Nichtchristen vorschreiben." -Liilu?, Pflichten I tr-m-lci-unr, vorschreiben! Wem ist so was schon vorgekommen? Tertullian will sagen, daß die Schriften der Christen, auf die er sich hier beruft, von ihnen ja nicht unterdrückt würden; sondern durch diesen und jenen Zufall in die Hände der Heiden kämen. ES ist eben das, was oben Laktanz vom HicroklcS vermuthet, und ich kann mich nicht enthalten, den ähnlichen Fingerzeig dabey zu thun. Wenn cS wahr ist, wie Tertullian hier saget, daß die ersten Christen ihre heilige Schriften nur eben nicht unterdrückt haben, und blos zulassen müssen, daß sie zufälliger Weise vielen Nichtchristen in die Hände gekommen: so kann man doch auch wahrlich nicht sagen, daß sie dieselben auszubreiten und bekannter zu machen, freywillig bemüht gewesen; so kann man doch auch wahrlich nicht leugnen, daß sie eine Art von Vorsicht damit gebraucht, und eben das Geheimniß daraus gemacht haben, was ungefähr die Freymäurer auS ihren Constitu- tionS-Büchern oder die Preußischen Officicrc aus ihren Reglements machen, die sie beyde auch eben nicht unterdrücken, sondern vielmehr in die weite Welt zu kommen, nicht verhindern können. Die zweyte Stelle des Tertullian, die aus eben der Schrift genommen ist, würde mir eben so leichtes Spiel machen, wenn ich im sogenannte Briefe an den Herrn Doktor Walch, 583 geringste» auf die Hinterfüße treten wollte. Logimur ail litte^rum «livinaruw vommemoiulionem, li c>uili pr.iesenlium lempoi-um czus- litaü aut ^i-liemonerL cozit, gut reeognnteere. Ich dürfte ncmlich nnr frage»/ wie Ew. Hochwürden beweisen wollten, daß unter den litloiis iNvims auch das gesammte neue Testament begriffen gewesen? Weil wir es jczt unter jener allgemeinen Benennung mit begreifen würden? Oivins lillei-ati^a heißt dem Tertullian in eben derselben Schutzschrift offenbar nur (°) das alte Testament, von welchem er behauptet, daß eS die Schatzkammer aller fremden Weisheit gewesen, und gegen welä'cS, seinem Ausdrucke nach, eine gewisse noviliola paratuia sehr absticht, unter welcher er das neue Testament verstehen soll. Doch in die Verlegenheit, sich auf solche Dinge einzulassen, brauche Ich niemand zu setzen, der ich cS mit beyden Handen zugebe, daß die ge- sammtcn Schriften der Evangelisten und Apostel nicht allein damals vorhanden, sondern auch bey den Christen im Gebrauche gewesen. Ich frage ja nur, in welchem Gebrauche? Ich frage ja nur, ob sie ihre Glaubenslehren daraus hergeholt? ob sie ihre Glaubenslehren ohne sie nicht gehabt haben würden? Hierauf antwortet diese Stelle des Tcrtnllians so wenig mit einiger Bejahung, daß sie vielmehr einen ganz andern Gebrauch, einen blos zufälligen Gebrauch, nach MaaS- gcbung gewisser Zeitumständc, offenbar anzudeuten scheint. Die Christen schlugen ihre heiligen Schriften nach, so wie die Römer ihre geheimen archivalischcn Nachrichten, oder die Sibyllinischcn Bücher; nicht ihre Gesetze daraus zu lernen, sondern daraus zu sehen, wie cS bey gewissen Vorfällen ehedem gehalten worden, oder was ihnen bey gewissen ominösen Eräuguungcn bevorstehe. Vollend» machen die nächstfolgenden Worte des Tertullian: (^erle lidem l'-mruis v». ciliu8 paloimus, t'peiu vrigu»ii8, l'idueiain ligiiou8, llil'vi^Iiiiniii j»'.iet!ej>I<)l'um nillilmniiiu» in eom^ull'ulionihuü lleiil'umus, cS klar, daß blos von einem disciplinarischen und von keinem dogmatischen Gebrauche des ncncn Testaments hier die Rede seyn könne. ^iil,!n> l'ua- <'>!.>- voviliu-! pal'c-uiius kann gar wohl auch nur heisscn- zur Stärkung unser« Glaubens singen wir geistliche Lieder. Denn daß das Singen in den ersten Versammlungen der Christen Mode war, wissen wir gewiß! da hingegen von Vorlesungen, wenigstens der jüngere PliuiuS, weder in Gutein noch in Bösem ciwaS erfahren hatte. Wenn nun gar unter ^ompull'utiomlius die Verfolgungen zu verstehen waren, wem könnte man es verdenken, wenn er unter der vtimmeinniuliviic: litlel'arum clivinaruin vornemlich die Ablesung der Verhandlungen der (°) c»p. 47. I>. 0SK, 684 Sogenannte Briefe an den Herrn Toktor Walch. heiligen Märtyrer verstehen wollte, als welche freylich erst nach den Zeiten des Plinins recht üblich werden konnte, und von welcher bekannt ist, wie viel die erste Kirche darauf gehalten, ut srweotui- liliorum animi, öum pairum reoenteotur triumplu. Und das wäre denn alles, was man mir aus dem Tertullian entgegen setzen könnte? Wie gut komme ich da weg! Ich fürchte, ich werde Ew. Hochwürdcn so leicht nicht können abkommen lassen, wenn ich nun einmal den Tertullian für mich reden lasse. Und wie? wenn Ew. Hochwürden, damit diese wiederholte Drohung nicht blos einer Drohung ähnlich bleibe, mir sofort erlaubten, hier eine kleine Ausschweifung über einen Punkt zu machen, der am besten zeigen kann, wer von uns beyden seinen Tertullian am richtigsten innc hat? Dieser Punkt betrift die Glaubens-Bekenntnisse, die Ew. Hochwürdcn, nach dem BaSnage, für nichts als zufällige menschliche Erweiterungen der ersten von Christo selbst eingcsczten Taufformcl ansehen, weil man die Täuflinge mit den Unterscheidung«-Lehren dec Ketzer nicht zeitig genug bekannt machen können. Von diesen behaupten der Herr Doktor S. 205. u. f. Ihrer kritischen Untersuchung, eine Menge Dinge, von welchen Sie, ich weiß nicht, ob mitleidiger oder zufriedener mit sich selbst, — bald hätte ich stolzer gesagt, — bedauern, daß sie denen, die sich darüber zu schreiben erdreisten, nicht bekannt sind. Was Wunder also, daß ich die Gelegenheit nicht früh genug ergreifen zu können glaube, mich von dem Verdachte einer so schülerhaften Unwissenheit — denn welche Unwissenheit ist schülerhafter, als wenn man auch das nicht einmal weiß, was andre glauben? — zu befteyen, und zu entschuldigen, wenn ich von so bekannten Angaben nicht vermeyne, daß sie darum keines Äeweiscs nöthig haben? — Das Scharmützel ist aber noch kein Treffen, in welches ich mich zu seiner Zeit Paragraph vor Paragraph einzulassen gesonnen. — Ausschweifung über das Glaubcns-Bekcnntniß der ersten Christen. §- t. ES sey immerhin noch so wahrscheinlich, daß die Anerkennung der von Christo Matth. 28, 19. vorgeschriebenen Taufformcl Anfangs hinlänglich gewesen, denen die sich zu Christo bekennen wollten, die Taufe wiedcrfahren zu lassen: ist es denn darum unwahrscheinlich, oder etwa gar unmöglich, daß Christus nach seiner Auferstehung seinen Jüngern einen kurzen Jnbcgrif von dem hinterlassen, was sie künftig von ihm lehren sollten? welchen er ihnen vor seinem Tode darum nicht ertheilen Sogenannte Briefe an den Herrn Toktor Walch. 685 konnte/ weil das wenigste davon noch geschehen war. Daß ein solcher Jnbegrif sehr nützlich gewesen wäre, wird doch niemand leugnen wollen: und nach der großen Entdeckung, die in unsern Tagen gemacht worden, daß Christus, nach seiner Auferstehung bis zu seiner Himmelfahrt, nicht blos seinen Jüngern dann und wann erschienen, sondern die ganzen vierzig Tage continuirlich, nach wie vor, mit ihnen gelebt habe, hatte er ja wohl auch noch Zeit genung dazu. §- 2. ES wäre falsch, schlechterdings falsch, daß man vor dem Ende des zweyten Jahrhunderts auch nur eine Spur eines vermehrten Tauf- formularS oder eigentlichen Glaubens-Bekenntnisses anträfe? Bey dem Jrenäo und Tcrtullian kommen dergleichen zuerst vor? Wer sie älter mache, der sage nicht historische Wahrheit, sondern Conjcktur und Hypothese? Hierauf antworte ich. Erstlich: giebt eS denn frühere Kirchenväter dieser Art, als JrcnäuS und Tertullian, bey welchen ein eigentliches Glaubens-Bekenntniß vorkommen könnte? Ich sage, dieser Art, d. i. solcher, die sich mit Widerlegung der Ketzer abgegeben und sonach Anlaß gehabt hätten, sich ausdrücklich darauf zu beziehen? Zweytens: wenn diejenigen, bey welchen ein eigentliches GlaubenS- Bckcnntniß zuerst in extenso zu finden, versichern, daß das von ihnen angeführte das nemliche sey, welches sofort mit dem Evangelio seinen Umlauf in der Welt gemacht habe, Iiane rexulam ab ioitio IZvange- In ugetlinl,eln eleveoiro, darin» geforscht/ sondern diese re- Aul-iw lulel selbst nach ihrem Gutdünken darin» finden wollen: besonders sind die Arianer wegen ihrer vorzügliche» Fertigkeit, die Schrift auszulegen, von Anfang an berühmt gewesen. AriuS selbst war — — — - - ^ — °) Hilarius. Auch hier brauche ich mich bey den einzeln Stellen nicht aufzuhalten. ES trift mich keine. Sie beweisen alle nur, daß HtlariuS die heiligen Schriften gekannt, gebraucht und empfohlen habe. DaS habe ich nie geleugnet; und das ist die Frage nicht. Sondern die Frage ist, wozu er sie gebraucht, wozu er sie empfohlen habe? Die Frage ist, ob er sie gebraucht habe, die Glaubenslehren daraus zu lernen? ob er sie empfohlen habe, daß andere und besonders der Laie die Glaubenslehren darinn suchen solle? Und das hat er gewiß nicht. ES ist wahr, in seinem Buche cle Irinitale fuhrt er unendliche Schriftstellcn an. Aber blos sie von den Verdrehungen der Arianer zu retten; blos als die Belege seiner katholischen Lehre, und im geringsten nicht als die Quellen derselben. ES waren die Arianer, es war ConstantiuS, auf Anstiften der Arianer, die cS ausdrücklich verlangten, daß der Streit von der Gottheit Christi tsntum lee»v6um es, kiose lcnj>Ia lunl s°) ausgemacht werden sollte. HilariuS ließ sich dieses sehr wohl gefallen. Er sagte: Iloo lzui repucliat gntickMu» ett, et yui liwulal anstliema e». Nun fuhr er fort: 8eä unuw Iiuo ego ^or Iiaoe llignationis tuao lmoei-gm sullieotigm roxo, ut prselonle l^ooilo, quai: nuiio Vriu», cui lÄcrorum vvlumiiium exiioM'io comwiss» erst. Boill Alcrandcr aber heißt es: ro-? A^tm? >,o)-ot? k-ro>u.-,'o?, welches nicht gut durch I»- «rarui» liuersrum vvMxii» inMlen» übcrsezt wird. Kv°i,o-> ^oz>o-, heissc» wohl mehr die göttlichen Ueberlieferungen." Und dergleichen Anmerkungen mehrere. Rarl Lcssing. Ueber die ihigen Religionsbewegungen.°) ^sch will allen neun Fragen Schritt vor Schritt folgen/ werde aber nur auf die 6te und 9tc Rücksicht nehmen/ welche die Sache von der politischen Seite betrachten sollen, auf der nur darum so viel Staub erregt wird, damit die theologische um so viel wichtiger erscheine. Gleich bey der ersten Frage: Worinn die dermaligcn Bewegungen in ReligionSsachcn, besonders der Evangelischen Kirche, bestehen? stoß ich an eine Kleinigkeit/ ncmlich: wie kömmt es, daß der Gegenstand dieser Frage auf dem Hanpttitel der Schrift anders ausgedruckt ist, als hier? Was hier dcr- maligc Bewegungen in ReligionSsachcn heißt, hieß dort ihige Rcli- gionS-Bcwcgungen? Glaubt man mit beyden Ausdrücken vollkommen daS nemliche zu sage»? Oder mit jedem etwas anders? Wenn das »emliche; warum diese kindische Variation? Wenn was anders, woui diese Täuscherey? Doch daS Wozu findet sich bald. Dcrnialigc Bewegungen in Religionssachen, waren ja wohl auch chmalige.--- Wenn diese erste Frage gehörig beantwortet wäre: was könnte sie für ein Licht auf alle übrige verbreiten! Aber ich zweifle, daß sie dieses ist; denn eine Division ist keine Definition- Erst festgesezt, was RcligionS-Bewegungen überhaupt sind, ehe man unS mit Klagen zu betäuben sucht, daß leider jezt dergleichen Bewegungen in allen Standen der Christenheit, bey den Großen sowol als bey den Gelehrten, bey dem Gelehrten sowol als gemeinen Manne, zu spüren sind. ReligionS-Bewegungen sind Bewegungen: und Bewegungen sind sichtbare Veränderungen in der Ordnung der Dinge neben einander. Aber wer weiß von dergleichen sichtbaren Veränderungen, sowol unter den Religionen überhaupt als unter den verschiedenen Sekten derselben? In Europa wenigstens, die Sekten der christlichen Religion wenigstens, stehen seit geraumer Zeit noch immer in dem ncmlichcn Verhältnisse gegen einander, das sie mit ihrer Consistcnz erhielten. Weder die Katholiken haben über die Protestanten, noch die Protestanten über die Katholiken daS geringste Uebergcwicht erhalten. Auch nicht °) Theologischer Nachlaß S. 40. KHMMMMW»fl?SMWM«BW»M-!»« AM>^ Ueber die itzigcn RcligionSbcwcgungen. Z91 einmal, wie man kühnlich hinzusetzen darf, zu erhalten gesucht. Wenn die Begierde, sich in seinen Gränzen zu behaupten, auch manchmal die eine Parthey darüber hinausgctricben: so ist es von der andern gemeiniglich nicht weniger geschehen; und die Waagschalen haben einander gleich gestanden, indem die Vorsehung bald in die eine bald in die andere ein Aß zuwerfen lassen. WaS also in der Frage Bewegungen heissen, hatten höchstens Fermentationen heissen müssen. Nicht als ob Fermentationen nicht auch Bewegungen waren; es sind nur Bewegungen, welche die Bewegung, in welcher das fcrmentirende Ding mit andern Dingen ausser ihm stehet, nicht andern, sondern zur Aufklärung und zum Wachsthum desselben bevtragen. Doch auch das sollen sie nicht, wird man sagen, weil sie eS nicht können, ohne das fermentircndc Ding entweder schlechter oder besser zu machen, als es vorher war, und folglich mit der Ordnung des Werths die Ordnung der Nützlichkeit ändern, in welcher sie mit den Dingen ihrer Art stand, und welche die einzige seyn sollte, welche die Dinge cinerlev Orts haben müßten. Aber man bedenkt nicht, daß die Fermentation durch die ganze Natur geht, wo sie die ncmliche Mischung der Bestandtheile findet. Wenn ein Faß Most im Keller in Gährung gcräth, gerathen sie alle in Gährung, und sind, wenn sie die Gährung ungestört überstanden haben, alle unter einander weder besser noch schlechter, als sie vor der Gährung waren. So auch mit den Religionen. Eine steckt die andre an. Eine bewegt sich nie allein. Die nemlichen Schritte zur Verbesserung oder Verschlimmerung, welche die eine thut, thut die andre bald darauf gleichfalls, wie wir in der Reformation gesehen haben. Alle die gewaltigen Schritte, welche die protestantische Kirche durch die Reformation vor den Katholiken vorausgewann, haben die Katholiken bald wieder gewonnen. Der Einfluß des PabstthumS auf den Staat ist jczt nicht minder wohlthätig, als der Einfluß der evangelischen Kirche. Ja, wenn man dieser verwehren will, noch weiter in sich selbst zu wirken und alle heterogene Materie von sich zu flössen, wird sie ans einmal eben so weit hinter dem Pabsithum sevn, als sie jemals noch vor ihm gewesen. — ' Ü I M VI ein Text über die Texte d. i. Gerippe einer Predigt zu St. Katharincn in Hamburg von dem Hauptpastor Göze nicht gehalten 17 79. Am Sonntage Quinquagcsimac evangel. Luc. VIII. 31 — 43. °) Vorbereitung. A8cil der heutige Sonntag auch «Lsto mihi heißt/ und mir dabey die lieben Leutchen einfallen, deren Devise daS LNo m!ui! Mo miln.' oder in mein Stück! in mein Stück! sevn könnte: so will ich eure christliche Liebe von einer schelmischen Juckscrcv unterhalten/ deren sich Männer schuldig machen, die von Eigennutz und Haabsucht ganz und gar nichts wissen müßten. Mit einem Wort: Ich will heute mit Gottes Hülfe den Text über den Text lesen. Und damit ich aller Verstümmelung vorbeuge, so laßt uns zuvörderst das Wort Text gehörig verstehen. Text kommt vom Lateinschen 1?extus oder ?extum her, welches so viel als daS Gewebe irgend eines Zeuges oder Stoffes bedeutet. In dieser ersten eigentlichen Bedeutung braucht man aber das Wort Text in unserer Muttersprache nicht, denn unsre Mütter webten schon, als noch kein Mensch im Deutschen wußte, daß weben auf lateinisch 'kexere heißt, und wer sich ja gleichwol mit seiner Mutter nicht ausdrücken mag, der braucht in diesem Falle doch lieber Textur als Text. Sondern ein Text heißt bcv uns nicht sowol was gewebt ist, als das, woraus eS gewebt werden kann, und zwar nicht in dem eigentlichen, sondern tm figürlichen Verstände. Text heißt ein kleiner Spruch, woraus sich eine lange Rede machen läßt: so wie sich aus einem Büschgen Wolle ein langer Faden ziehen und dehnen läßt. — °) Theologischer Nachlaß S. 43. Theses aus der Kirchengerichte.") das erste Evangelium wenigstens Jahr nach Christi Tode verfaßt worden: so wäre cS »»vernünftig sich einzubilden/ daß man diese Zeit über nichts von Christi Thaten und Reden mit Zuverlässigkeit habe wissen können. §- 2. Vielmehr muß alle», was die Evangelisten nach und nach von ihm verzeichneten, an Ort und Stelle bereits bekannt gewesen seyn, da von dieser Notorität einzig und allein die Glaubwürdigkeit der Evangelisten abhängen können. 8- 3. Was die Evangelisten von Christo wußten, das wußten sie, weil sie cS wußten und zum Theil mit angesehen hatten, nicht weil es ihnen der heilige Geist eingegeben hatte. Auch soll uns der Glaube an diese Eingebung selbst, die ich nicht bezweifle, anizi nur statt der Ueberzeugung dienen, daß alles, was sie von Christo wußten und niedergeschrieben, nichts als allgemein bekannte Dinge gewesen. §- 4- Und nicht allein die Geschichte Christi war bekannt, ehe sie von den Evangelisten bekannt gemacht wurde. Die ganze Religion Christi war bereits im Gange, ehe einer von ihnen schrieb 5- s. Das Vater Unser wurde gebetet, ehe es bev dem Matthäus zu lesen war. Denn Jesus selbst hatte es seine Jünger beten gelehrt. 8- e. Die Tauf Formel war im Gebrauch, ehe sie der nemlichc Matthäus aufzeichnete. Denn Christus hatte sie seinen Aposteln selbst vorgeschrieben. §. 7- Wenn also i» diesen Stücken die ersten Christen auf die Schriften der Apostel und Evangelisten nicht warten dursten; warum in andern? §. L- Wenn sie nach Christi mündlich überlieferter Vorschrift beteten und tauften: hätte» sie anstehen können, auch in allem Uebrigcn, was °) Theologischer Nachlaß S. 75. ^sfings Werk- xi. 35 694 Theses aus der Kirchcngcschichte. zum Christenthum- nothwendig gehöret, sich lediglich an eine solche Vorschrift zu halten? S- i>- Oder wenn Christus jene Dinge seiner mündlichen Verfügung würdigte: warum nicht alles Ucbrige, was die Apostel von ihm lehren/ und die Welt von ihm glauben sollte? §- 10- Darum nicht, weil keiner solchen Vorschrift oder Verfügung in dem neuen Testament gedacht wird? s 11- Als ob die Verfasser derselben jemals vorgegeben hatten, alles/ alles verzeichnet zu haben, was Jesus gethan oder geredet? Als ob sie nicht vielmehr gerade das Gegentheil gestanden, ausdrücklich/ wie cS scheinet/ um den mündlichen Ueberlieferungen noch neben sich Raum zu gönnen? 8. 12 Ist es nicht genung/ daß die ersten Christen einen dergleichen von Christo selbst verfaßten Jnbcgrif aller Glaubens-Lehren/ den sie lio gulam üllei nannten / geglaubt haben? §- 1Z- Ist es nicht genung/ daß die ersten Väter der christliche» Kirche Spuren eines solchen JnbcgrifS, selbst in den Schriften des neuen Testaments/ erkannt haben? § 14. Ist cS nicht genung/ daß sich auch noch von uns bey den Evangelisten der Zeitpunkt und die Umstände erkennen lassen, wenn und unter welchen ein dergleichen Jnbcgrif von Christo verfaßt worden? §- 15. Und wenn sich endlich gar die Ursache angeben läßt, warum keine ausdrücklichere Erwähnung desselben geschieht; warum cS von keinem einzigen ncutestamcntlichen Schriftsteller angeführt worden: was wollen wir weiter? Entweder wir müssen von der christlichen Religion auf blos historische Gründe nichtS/ gar nichts annchmcn: vdcr wir müssen auch das annehmen/ daß es zu jeder Zeit eine authentische Glau- vcns-Formel gegeben hat; §. 16. Die mehr enthielt, als die bloße Formel, worauf Christus zu taufen befohlen, s- 17. Die nicht erst gelegentlich aus dieser Formel erwachse»; Theses aus der Kirchengeschichlc. 595 §- t8. Die nicht erst später aus den Schriften der Evangelisten und Apostel gezogen worden; §- lö- Die nicht ihre Glaubwürdigkeit aus der Uebereinstimmung mit diesen Schriften hatte; §- 20, Die ihre Glaubwürdigkeit aus sich selbst hatte; §. 21. Die allein der unstreitige Probierstein der Rcchtglaubigkeit war; §. 22. In die alle Kehcr erst übereinstimmen mußten, ehe man sie würdigte, mit ihnen über Glaubens-Lehren aus der Schrift zu streiten; §- 23. Kurz: mit der die Schrift alles; ohne die die Schrift nichts war. §. 24. Ich verstehe aber hier unter Schrift blos die Schriften des neuen Testaments, welche man erst spät mit unter der Benennung Schrift zu begreifen angefangen. § 23. Bei den allerersten Christen ward unter Schrift, z^«^, nur das alte Testament verstanden. Clericus »wchlc mis gerne des Gczcnihcil davon bereden. UM, «cci. lee. priwo p. 467. und die beygebrachte» Beyspiele sind naher zu untersuche». Verglichen mit ci. II. 15. p. 47S Daß Irenäus demobngeachlct auch die Bücher des Hermas mit dem Namen der Schrift beehret, wie Clericus anmerkt „, 46S. ncmlich Miro V. c, 20. weshalb entweder ein weiter oder engerer Sinn des Worts anzunehmen; oder zuzugeben, das; ans dem Worte überhaupt nicht zu schlicsscn — §. 26. Nur in diesem Verstände war die Schrift der Grundstein der christlichen Religion; nur in diesem Verstände war die üegula luici ans der Schrift gezogen. §. 27. Das neue Testament ist mir ganz allmälig zu der Würde des alten gestiegen; und ich gedenke mir die Entstehung desselben und die verschiedenen Epochen seines Ansehens folgendermaßen: Z. 28. Vor allen Dingen wäre zu untersuchen, ob die Juden selbst mit 38 * 696 Theses ans der Kirchengerichte. der Göttlichkeit ihrer Bücher genau den Begrif verbünde»/ den wir mit der Göttlichkeit der Bücher des einen und des andern Testaments verbinden sollen. s- 29. JoscvhuS wenigstens kann diesen Begrif nicht gehabt haben, indem er sich kein Bedenken gemacht, verschiedene Dinge ganz anders zu erzählen, als MoscS, an dessen Erzählung, zufolge jenes BcgrifS, er sich nothwendig schlechterdings hätte halten müssen. §. 30. Hiernächst hat Euseblus das Zeugniß des JosephuS von den Büchern des alten Testaments offenbar verfälscht; denn auch verstärken ist hier verfälschen. §. 31. Endlich vergesse man nicht, daß die Juden die Göttlichkeit, die sie den Worten ihrer Schriften beylegten, durch die mancherley Auslegungen dieser Worte, deren mehrere gleich wahr zu seyn von ihnen für möglich gehalten wurde, so gut als wieder aufhoben. §. 32. Die Evangelisten und Apostel selbst hatten diese vielfache Exegetik, durch welche sich aus allem alles machen läßt, angenommen; und was sie in diesem Geiste geschrieben hatten, das ward hinwiederum in dem nemlichen Geiste erklärt. §. 33. Ja die gesammten Evangelia, die unckchtcn und verloren gegangenen sowol als die ächten und übrig gebliebenen, scheinen weiter nichts als verschiedene Zusammenfügungen und Uebersetzungcn einer frühern Sammlung solcher Auslegungen prophetischer Stellen zu seyn. §- 34- Daß eine dergleichen frühere Sammlung vorhanden gewesen, ist nicht allein für sich selbst sehr wahrscheinlich: §. 35. Sondern das bey dem Matthäus so oft vorkommende „auf daß „erfüllet würde, was geschrieben stehet" ist vielleicht eine Art von Anziehung derselben. §. 36. Noch deutlicher und ausdrücklicher aber beziehet sich Lucas darauf, §- 37. Welcher uns so gar den Titel, den diese Sammlung führte, oder unter dem sie wenigstens bekannt war, aufbehalten zu haben scheint. Theses aus der Kirchengcschichtc. 697 §- 38. Und diese Sammlung war ohne Zweifel das sogenannte Evangelium der Nazarcncr; s 39. Oder das Evangelium der Apostel, Z- 4o. Dessen syrisch-chaldäischeS Original noch im vierten Jahrhundert vorhanden war; §. 41. Das kein Kirchenvater jemals als ein untergeschobenes Werk verdächtig gemacht hat; §, 42. Am wenigsten HieronvmuS, der es in mehr als eine Sprache übersezt-, und zur Verbesserung des griechischen Textes des Matthäus anwendete. §- 43. Dieser griechische Text des Matthäus ist selbst nichts-anders, als die erste Uebcrsetzung desselben, die Matthäus machte, als er das Evangelium zu predigen auSgieng. §- 44. Wie denn auch Matthäus wohl der einzige Apostel war, der eine dergleichen Uebcrsetzung machen konnte. §- 45. Hiermit, dächte ich, wäre der ganze Streit über die Grundsprache des Matthäus wohl am besten geschlichtet. §. 46. Aber nicht allein der griechische Matthäus ist nichts als die Ueber- sehung des Nazarenischcn Evangclii; sondern auch MarcuS und LucaS sind weiter nichts, als abermalige Versuche, jenes erste Geschichtbuch von Christo in eine allgemeinere Sprache überzutragen; welches pa- pias mit ausdrücklichen Worten meldet. §. 47. Hieraus allein ist die Uebereinstimmung zu erklären, welche sich bis in den Worten dieser Evangelisten findet; und aller derer ohne Zweifel gefunden hat, die aus gedachter Nazarenischcn Quelle geschöpft hatten. Z- 48. Nur allein Johannes scheinet sich daran weniger gehalten zu haben. 8- 49. Dessen Evangelium daher vornemlich das Evangelium des Gei- 598 Theses aus der Kirchcugcschichtt. ftes, so wie das Evangelium Matthäi das Evangelium des Fleisches genannt wurde, §. So, Die übrigen zwey, MarcuS und LucaS, sind vermuthlich hinzugekommen/ weil sie gleichsam die Kluft zwischen beyden füllten- §. Zt. Welches ohne Zweifel eine mehr schicklichere Ursache von der gc- vierten Anzahl der Evangelisten ist, als die, welche JrenäuS angiebt. §. 62. Jene ungereimtere des JrenäuS verräth genugsam, daß man erst zu des JrenäuS Zeiten angefangen hat, gerade nur vier, nicht mehr und nicht weniger, Evangelisten gelten zu lassen. §, 53. Vor dem JrenäuS hat kein Mensch weder der vier Evangelisten einzeln noch ihrer zusammen unter dem Namen der Evangelisten gedacht. §- S». So gar das Wort Evangelium war dem JustinuS unbekannt. Die Stelle des JgnatiuS in den Briefen an die Philadelphcr, wo man eS zuerst finden wollen, ist höchst verstümmelt; und man erklärt sie ganz falsch, wenn man den JgnatiuS durch Evangelium die Schriften der Evangelisten, und durch Apostel die Schriften der Apostel verstehen läßt. §. 65. Zu den Zeiten des JgnatiuS glaubten die Christen blos den Worten ihrer Bischöfe, und eS war nicht erlaubt, schriftliche Beweise von ihnen zu fordern. §. 66. Die Bischöfe selbst hielten sich für so gut, als die Apostel. Historische Einleitung in die Offenbarung Johannis. *) Der Kanon sämmtlicher Schriften des neuen Testaments kömmt, wie ans Gerathewohl, ohne allen Plan, durch den Eifer einzelner Glieder zu Stande. Ueble Folge dieser Freyheit. Getheilte Meynungen über verschiedne Briefe. Die Offenbarung Zohannis, ein Beweis, wie planlos sich der Kanon des neuen Testaments gebildet. §. t. Alan muß sich nicht einbilden, daß der Kanon der heiligen Schriften, so wie wir ihn iezt haben, gleich nach den Zeiten der Apostel auf einmal zu Stande gekommen sey. Die ersten Bücher, welche den Christen bekannt wurden, waren ohne Zweifel die Evangelien, worauf die Briefe, einige früher, einige später, folgten. Die Kirchen, an die sie waren geschrieben worden, theilten sie einander mit, die Römer den Korinthcrn, die Korinther den Römern; und das mit allen Bric- fen, so wie sich die Bekanntschaft der christlichen Gemeinden erweiterte. Da war weder Concilium, noch Pabst, noch höchst« Gewalt, die den Kanon der heiligen Schriften fest stellte. ES war das bloße Werk der Zeit. Heute kam das eine, morgen ein andres Buch hinzu; und das lediglich, sagt Herr Z)asnage,(*) durch Veranstaltung einzelner Glieder, welche die Schriften, die sie ihrer Erbauung zuträglich befunden hatten, in ihren Rirchen gangbar zu machen wünschten. Sie nahmen sich so gar, sczt er hinzu, dabey so viel Freyheit, daß sie offenbar untergeschobene Schriften zu den kanonischen Büchern zählten. Ganze Kirchen waren darüber eben so verschiedener Mcvnung, als einzelne Glieder. Das »cmliche Buch, das die einen verwarfen, nahmen die ander» an. Man untersuchte, man stritt, ehe man annahm. Der zweyte Brief des h- Petrus war anfangs nicht in dem Kanon; aber einige, sagt EusebiuS, ficiigcn an, ihn für nützlich zu halten, und so ficng man an, ihn sorgfältiger zu lese». Das ncmlichc meldet er von den Bric- °) Theologischer Nachlas; S. 105, l°) Mtwlre ckv I't5klilc>. B. 8, KW Historische Einleitung in die Offenbarung Johannis. fcn des h. JacobuS und des h. Judas. Nur sehr wenige von den Alten hatten ihrer als göttlicher Schriften gedacht. Doch entschlossen sich einige Kirchen, sie zu lesen. Der Zweifel dauerte lange und endlich fiel er ganz weg. HieronymuS sagt ebenfalls von dem Briefe des h. IacobuS, daß er sein Ansehen nach und nach mit Hülfe der Zeit erhalten habe. Auf die ncmlichc Weise sind die Briefe an die Hebräer und der zweyte und dritte Brief des h. Johannes kanonisch geworden. Kurz, so und nicht anders kam der Kanon der heiligen Schriften all- mälig zu seiner Vollkommenheit; welches besonders sehr deutlich an der Offenbarung erhellet, deren Geschichte, und wie viel Widersprüche sie erdulden müssen, wir jezt erzählen wollen. Z. 2. Von allen Schriften, die unmittelbar auf die Schriften der Apostel gefolgt sind, ist uns nichts übrig als der erste Brief des h. Clemens, nebst einem Fragmente des zweyten; der vorgebliche Brief des h. Barnabas, der gewiß von einem sehr alten Schriftsteller ist; das Buch des HcrmaS; die Briefe, welche den Namen des JgnatiuS führen; und der Brief des PolycarpuS. Stillschweigen der Schriftsteller. s- 3. In allen diesen Schriften findet sich nicht die geringste Spur von der Offenbarung JohanniS. Freylich aber kann man aus diesem Stillschweigen nichts gegen dieses Buch insbesondere schließen, indem sie eben so wenig der vier Evangelisten und fast aller übrigen Bücher des neuen Testaments gedenken. Vorgebe» des Prochorus. Dessen Charakter. 8- 4- Der falsche ProchoruS, welcher sich einen Jünger der Apostel nennt, wußte weit mehr davon, und folgendes erzählt er von dem Leben des h. Johannes. ES habe nemlich dieser Apostel dcn Christen von Ephesus angezeigt, daß er eine Offenbarung von Jesu Christo gehabt. Diese hätten ihn ersucht, sie schriftlich aufzusetzen, worauf der Apostel sein Evangelium dem Prochorus mitten unter Donner und Blitz und Erdbeben in die Feder gesagt habe. Nachher aber habe der Apostel seine Offenbarung mit eigner Hand aufgeschrieben, als ob er gleichsam aus ihr mehr gemacht hätte, als aus seinem Evangelio- Aber der vorgegebene ProchoruS, der sich selbst hier unter die handelnden Personen sezt, war von der Zahl der ehrlichen Christen, die der Historische vinlcilung in die Offenbarung Johannis. 601 Leichtgläubigkeit des Publikums spotteten, und/ indem sie einen großen Eifer für die Religion vorgäbe»/ ihr Spiel nicht einmal unter der Maske einer heidnischen Aufrichtigkeit verbargen. Sein Blich ist voller Fabeln und Ungereimtheiten. Die Worte Hypostasis und Consubstantia verrathen die Zeit genugsam / in welcher es geschmiedet worden. Cerinthus kommt in Verdacht die Offenbarung geschrieben zu haben. §. 6. Nach dem Tode der Apostel (') erschien Cerinthus, der für das weltliche tausendjährige Reich sehr eingenommen war. Diese Meynung schrieb sich ursprünglich von den Juden her, und er war cS, der sie unter den Christen ausbreitete. Er gründete sich dcsfalls auf die Offenbarung, von der er behauptete, daß sie ein Werk des h. Jo- hannis wäre. Er mochte nun aber hiezu viel oder wenig Grund haben: genung, verschiedene Orthodoxen hatten ihn im Verdacht, daß er selbst Vater dazu sey, weil ihnen schien, daß dieses Werk das tausendjährige Reich zu viel begünstige, wie wir in der Folge mit mehreren, sehen werden. Andere Ketzer, die gegen die Offenbarung waren. Sonderbare Antwort dcö Epiphanius. 8- e. Indeß erhuben sich andre Ketzer, als »cmlich Ccrdo und Mar- cion, nach dem TertullianuS, und selbst die Alogi, nach dem Epiphanius, gegen die Offenbarung, welche sie dem h. Johannes absprachen, weil, wie sie unter andern Gründen sagten, zu den Zeiten dieses Apostels noch keine christliche Kirche zu Thvatira gewesen sey. Dieses ihnen einzuräumen, fürchtet sich der h. Epiphanius anch im geringsten nicht; er nimmt vielmehr an, daß Johannes, wenn er an eine Kirche zu Thvatira schreibe, ganz und gar nicht von einer damals schon vorhandenen Kirche, sondern im prophetische» Geiste rede. 8. 7. So stritten also über die Offenbarung Ketzer gegen Ketzer, indem sich die Orthodoxen noch ganz von ferne hielte». Wenigstens sind wir in der vollkommensten Ungewishctt, aus welchem Gesichtspunkte sie diesen Streit betrachteten. (°) Euscbiu- K>,G. B. 3. Hauplst, 28, imd B, 7. Hauplst, 25. 602 Historische Einleitung in die Offenbarung Zobannis. Zustimis erklärt sich für die Offenbarung zuerst, s- 8. Der Märtyrer JustinuS, der um 17». nach Christi Geburt schrieb, ist der erste von allen Kirchenlehrern, welcher der Offenbarung gedenket; und das merkwürdigste dabey ist/ daß er sie dem Apostel Johannes beylegt. In dem Gespräche mit Tryphon fragte ihn dieser Jude, ob er nicht glaube/ daß Jerusalem noch einmal wieder hergestellt werden würde. Hierauf antwortet JustinuS, daß er seines Theils, so wie jeder rechtgläubige Christ, es allerdings glaube/ und sagt: Es hat unter uns einen gewissen Man»/ Nahmens Johannes/ gegeben, welcher einer von den zwölf Aposteln Jesu Christi gewesen. Dieser hat in seiner Offenbarung geweifsager, das; die Gläubigen rausend Jahre in Jerusalem zubringen würden. DaS ist daS einjigemal/ daß JustinuS in feinen Werken die Offenbarung anführt; und warum führt er sie an? DaS tausendjährige Reich damit zu beweisen. s. s. Aus den Worten dieses Kirchenlehrers läßt sich nicht schliesset,, daß sie damals von allen und jeden Kirchen angenommen gewesen. JustinuS scheint blos anzuzeigen, welcher Meynung er für sich sey: oder höchstens, welcher Meynung diejenigen Christen wären, die in diesem Punkt rechtgläubig dächten, das ist: das tausendjährige Reich glaubten. Aber das ist wohl ausser Streit, daß JustinuS für seinen Kopf ein falsches Evangelium anführt, wenn er in dem nemlichcn Gespräche sagt, daß, als Jesus Christus in den Jordan getreten, sich ein Feuer darinn entzündet, und man vom Himmel die Stimme gehört habe: du bist mein Sohn, heute habe ich dich gczeuget. Er versichert, daß die Apostel dergleichen Dinge geschrieben hätten, die gleichwohl nur in dem Evangclio der Ebioniten standen. Sein Charakter. §- 10- Allerdings gab sich JustinuS Mühe, sich von der Wahrheit geschehener Dinge wohl zu unterrichten. Er war viel gcreisct, und zwar nicht als ein gemeiner Mann gcreisct, sondern als ein sehr aufmerksamer Antiquar. Die Religion Christi. Den» !>rr Valcr will auch haben, die ihn also anbeten. St. Johannes. 1 7 8 0.") Christus mehr als Mensch gewesen, das ist ein Problem. Daß er wahrer Mensch gewesen, wenn er cS überhaupt gewesen; daß er nie aufgehört hat, Mensch zu seyn: das ist ausgemacht. §- 2. Folglich sind die Religion Christi und die christliche Religion zwey ganz verschiedene Dinge. s- 3- Jene, die Religion Christi, ist diejenige Religion, die er als Mensch selbst erkannte und übte; die jeder Mensch mit ihm gemein haben kann; die jeder Mensch um so viel mehr mit ihm gemein zu haben wünschen muß, je erhabener und liebenswürdiger der Charakter ist, den er sich von Christo als bloßen Menschen macht. §- 4- Diese, die christliche Religion, ist diejenige Religion, die cS für wahr annimmt, daß er mehr als Mensch gewesen, und ihn selbst als solchen, zu einem Gegenstände ihrer Verehrung macht. §- S- Wie beyde diese Religionen, die Religion Christi sowol als die Christliche, in Christo als in einer und eben derselben Person bestehen können, ist unbegreiflich. §- e- Kaum lassen sich die Lehren und Grundsätze beyder in einem und cbend.cmsclben Buche finden. Wenigstens ist augenscheinlich, daß jene, nemlich die Religion Christi, ganz anders in den Evangelisten enthalten ist als die Christliche. §- 7- Die Religion Christi ist mit den klarsten und deutlichsten Worten darinn enthalten; (°) Theologischer Nachlaß S, 101. 604 Das Christenthum der Vernunft. §- 8- Die Christliche hingegen so ungewiß und vieldeutig/ daß es schwerlich eine einzige Stelle giebt/ mit welcher zwey Menschen/ so lange als die Welt steht/ den nemlichcn Gedanken verbunden haben. Das Christenthum der Vernunft.*) §. i. Das einzige vollkommenste Wesen hat sich von Ewigkeit her mit nichts als mit der Betrachtung des Vollkommenste» beschäftigen können. §- 2. Das Vollkommenste ist er selbst; und also hat Gott von Ewigkeit her nur sich selbst denken können. §- 3- Vorstelle«/ wollen und schaffe»/ ist bey Gott eines. Man kann also sage»/ alles was sich Gott vorstellet, alles das schaft er auch. §. 4- Gott kann sich nur auf zweyerlcy Art denken, entweder er denkt alle seine Vollkommenheiten auf einmal/ und sich als den Inbegrif derselben; oder er denkt seine Vollkommenheiten zertheilt/ eine von der andern abgesondert, und jede von sich selbst »ach Graden abgetheilt. §- S- Gott dachte sich von Ewigkeit her in aller seiner Vollkommenheit; das ist, Gott schuf sich von Ewigkeit her ein Wesen, welchem keine Vollkommenheit mangelte, die er selbst besaß. §. e. Dieses Wesen nennt die Schrift den Sohn Gottes, oder welches noch besser seyn würde, den Sohn Gott. Einen Gott, weil ihm keine von den Eigenschaften fehlt, die Gott zukommen. Einen Sohn, weil unserm Begriffe nach dasjenige, was sich etwas vorstellt, vor der Vorstellung eine gewisse Priorität zu haben scheint. §- 7- Dieses Wesen ist Gott selbst und von Gott nicht zu unterscheide»/ weil man es denkt/ so bald man Gott denkt/ und cS ohne Gott nicht denken kann; das ist, weil man Gott ohne Gott nicht denken kam», oder weil das kein Gott seyn würde, dem man die Vorstellung seiner selbst nehmen wollte. °) Theologischer Nachlaß S.249, Das Christenthum der Vernunft. §- S. Man kann dieses Wesen ein Bild Gottes nennen, aber ein identisches Bild. §. o- Je mehr zwey Dinge mit einander gemein haben, desto größer ist die Harmonie zwischen ihnen. Die größte Harmonie muß also zwischen zwey Dingen seyn, welche alles mit einander gemein haben, das ist, zwischen zwey Dingen, welche zusammen nur eines sind. §- 50. Zwey solche Dinge sind Gott und der Sohn Gott, oder das identische Bild Gottes, und die Harmonie, welche zwischen ihnen ist, nennt die Schrift den Geist, welcher vom Vater und Sohn ausgehet- Z. 11 In dieser Harmonie ist alles, was in dem Vater ist, und also auch alles, was in dem Sohne ist; diese Harmonie ist also Gott. s- 12. Diese Harmonie ist aber so Gott, daß sie nicht Gott seyn würde, wenn der Vaier nicht Gott und der Sohn nicht Gott wären, und daß beyde nicht Gott seyn könnten, wenn diese Harmonie nicht wäre, das ist: alle drey sind eines. §- 13- Gott dachte seine Vollkommenheiten zertheilt, das ist, er schafte Wesen, wovon jedes etwas von seinen Vollkommenheiten hat; denn, um es nochmals zu wiederholen, jeder Gedanke ist bey Gott eine Schöpfung. §- 14. Alle diese Wesen zusammen, heissen die Welt. §. IS- Gott könnte seine Vollkommenheiten auf unendliche Arten zertheilt denken; eS könnten also unendlich viel Welten möglich seyn, wenn Gott nicht allezeit das vollkommenste dächte, und also auch unter diesen Arten die vollkommenste Art gedacht, und dadurch wirklich gemacht hätte. §- 16. Die vollkommenste Art, seine Vollkommenheiten zertheilt zu denken, ist diejenige, wenn man sie nach unendlichen Grade» des Mch- rern und Wenigem, welche so auf einander folgen, daß nirgends ein Sprung oder eine Lücke zwischen ihnen ist, zertheilt denkt. l!06 Z'as Christenthum der Vernunft. §. 17, Nach solchen Graden also müssen die Wesen in dieser Welt geordnet seyn. Sie müssen eine Reihe ausmachen, in welcher jedes Glied alles dasjenige enthalt, waS die untern Glieder enthalte», und noch etwas mehr; welches etwas mehr aber nie die lejte Gränze erreicht. §- 18- Eine solche Reihe muß eine unendliche Reihe seyn, und in diesem Verstände ist die Unendlichkeit der Welt unwidersprechlich. §. 19. Gott schast nichts als einfache Wesen, und das Zusammengcsejtc ist nichts als eine Folge seiner Schöpfung. Z. 20. Da jedes von diesen einfachen Wesen etwas hat, welches die andern haben, und keines etwas haben kann, welches die andern nicht hätten, so muß unter diesen einfachen Wesen eine Harmonie seyn, aus welcher Harmonie alles zu erklären ist, was unter ihnen überhaupt, das ist, in der Welt vorgehet. §. 21. Bis hteher wird einst ein glücklicher Christ daS Gebiethe der Na- turlehrc erstrecken: doch erst nach langen Jahrhunderten, wenn man alle Erscheinungen in der Natur wird ergründet haben, so daß nichts mehr übrig ist, als sie auf ihre wahre Quelle zurück zu führen. §. 22. Da diese einfache Wesen gleichsam eingeschränkte Götter sind, so müssen auch ihre Vollkommenheiten den Vollkommenheiten Gottes ähnlich seyn, so wie Theile dem Ganzen. §. 23. Zu den Vollkommenheiten Gottes gehöret auch dieses, daß er sich seiner Vollkommenheit bewußt ist, und dieses, daß er seinen Vollkommenheiten gemäß handeln kann: beyde sind gleichsam das Siegel seiner Vollkommenheiten. 8- 24. Mit den verschiedenen Graden seiner Vollkommenheiten müssen also auch verschiedene Grade des Bewußtseins dieser Vollkommenheiten und der Vermögenheit derselben gemäß zu handeln, verbunden seyn. §. 25. Wesen, welche Vollkommenheiten haben, sich ihrer Vollkommenheiten bewußt sind, und das Vermögen besitzen, ihnen gemäß zu hau- Ueber die (5ulsichuna der geoffenbarten Religion, L07 dein, heiße» moralische Wesen, das ist solche/ welche einem Gesetze folgen kbnncn. §- 2v. Dieses Gesetz ist aus ihrer eigenen Natur genommen, und kann kein anders seyn, als- handle deinen individualischen Vollkommenheiten gemäß. §. 27. Da in der Reihe der Wesen unmöglich ein Sprung Statt finden kann, so müssen auch solche Wesen cristircn, welche sich ihrer Vollkommenheiten nicht deutlich genung bewußt sind, — — — — — Ueber die Entstehung der geoffenbarten Religion/) w 6 Lilien Gott erkennen, sich die würdigsten Begriffe von ihm zu ma- chcn suchen, auf diese würdigsten Begriffe bey allen unsern Handlungen und Gedanken Rücksicht nehmen: ist der vollständigste Jnbegrif aller natürlichen Religion. §- Zu dieser natürlichen Religion ist ein jeder Mensch, nach dem Maaße seiner Kräfte, aufgelegt und verbunden. §. Da aber dieses Maas bcv jedem Menschen verschieden, und sonach auch eines jeden Mensche» natürliche Religion verschieden seyn würde: so hat man dem Nachtheile, welchen diese Verschiedenheit, nicht in den, Stande der natürlichen Freyheit des Menschen, sondern in dem Stande seiner bürgerlichen Verbindung mit andern, hervorbringen konnte, vorbauen zu müssen geglaubt. §- Das ist: so bald man auch die Religion gemeinschaftlich zu machen, für gut erkannte; mußte man sich über gewisse Dinge und Begriffe vereinigen, und diesen conventionellcn Dingen und Begriffen eben die Wichtigkeit und Nothwendigkeit beylegen, welche die natürlich erkannten ReligionS-Wahrheiten durch sich selber hatten. °) Theologischer Nachlaß S. 24S. 6l)8 Ueber die Enlsiehimg der geoffenbarten Religion. s- Das ist: man mußte aus der Religion der Natur/ welche einer allgemeinen gleichartigen Ausübung unter Menschen nicht fähig war, eine positive Religion bauen: so wie man aus dem Rechte der Natur, aus der nemlichen Ursache, ein positives Recht gcbauct hatte. §- Diese positive Religion erhielt ihre Sanktion durch das Ansehen ihres Stifters, welcher vorgab, daß das Conventionclle derselben eben so gewiß von Gott komme, nur mittelbar durch ihn, als das Wesentliche derselben unmittelbar durch eines jeden Vernunft. §- Die Unentbehrlichkeit einer positiven Religion, vermöge welcher die natürliche Religion in jedem Staate nach dessen natürlicher und zufälliger Beschaffenheit modificirt wird, nenne ick) die innere Wahrheit derselben, und diese innere Wahrheit derselben ist bey einer so groß als bey der andern. §. Alle positiven und geoffenbarten Religionen sind folglich gleich wahr und gleich falsch. §- Gleich wahr: in sofern es überall gleich nothwendig gewesen ist, sich über verschiedene Dinge zu vergleichen, um Uebereinstimmung und Einigkeit in der öffentlichen Religion hervorzubringen. Z- Gleich falsch: indem nicht sowol das, worüber man sich verglichen, neben dem Wesentlichen besteht, sondern daö Wesentliche schwächt und verdrängt. §. Die beste geoffenbarte oder positive Religion ist die, welche die wenigsten konventionellen Zusähe zur natürlichen Religion enthält, die guten Wirkungen der natürlichen Religion am wenigsten einschränkt.- — - — — - — — — Ueber eine Prophezeyung des Cardanus, die christliche Religion betreffend. M Kerolt an Tutilo. — — Ja auch sodann/ wenn die Vorhersagung in Erfüllung geht, ist es noch sehr ungewiß, ob diese Vorhersagung eine achte Prophezeyung gewesen. Denn was der Schwärmer ohne Uebcrlegung vorher sagte, kann das Ungefähr ohne Absicht erfüllen. Folglich gehört zu einer achten Prophezeyung nicht blos, daß sie erfüllet, sondern daß sie in dem ncmlichen Sinne und aus den nemlichcn Gründen erfüllt werde, in welchem und aus welchen sie gestellt worden. Wer aber kann von diesem Sinne und von diesen Gründen, bey der schwankenden und räthselhaftcn Sprache versichert seyn, deren sich die Propheten zu bedienen pflegen? Ein wahrer Prophet kann falsch prophezevcn, wie wir aus dem Ercmpcl des Jonas wissen. Warum sollte ein falscher Prophet nicht auch wahr prophezevcn können? Wollen- Sie ein Beyspiel einer solchen wahren Prophczevung ci> »cS falschen Propheten? — Tardainis, gegen das Ende des tLten Jahrhunderts, hat prophe- zcyct, daß um 1300. eine sehr große Veränderung in der christlichen Religion erfolgen werde. Was ist wahrscheinlicher, als daß diese Prophczevung werde erfüllt wcrdcn? Oder viclmchr, waS ist unstreitiger, als daß diese Pco- phczcvung schon erfüllt worden? Das Christenthum dieses löten Jahrhunderts, wie sehr ist es von dem Christenthum aller vorhcrgchcudcn sicbenzchn Jahrhunderte verschiede»! — Und glcichwohl war Cardanus höchstens nur ein sehr gclchrtcr Charlatan; abcr im mindcstcn kein Prophet,- °) Thcolo.pschcr Nachlas« S.227, ''csmigS Wecke xi> Zg tZlv Ueber eine Prophejcynng des CardannS, ic. (2) Tutilo an Kcrolt. --— Ich komme auf Ihre seltsame Prophezeiung deS Car- danuo. Ich muß Ihnen gestehe»/ daß ich nie etwas von ihr gehört habe. Ich weiß wohl, daß Cardanus abgeschmackt genug gewesen/ Christo die Nativität zu stellen: Aber auch der christlichen Religion? Wo das? Und wann er cS gethan: nun wohl! Lassen Sie uns das Vier- telhundert Jahre noch warten, und alSdenn von der Erfüllung sprechen. Denn was Sie von einer schon geschehenen Erfüllung sage»/ verstehe ich nicht.-- M Kcrolt an Tutilo. ES ist in den Büchern ,!e ,etum vanel-ile, wo Cardanus schreibt: wenn dem also ist; so muß nothwendig im Jahr Christi eine große Veränderung in den Gcseyen Christi erfolgen. Mit seinen eigenen Worten: quoll li ila ek», neeel!,- oft .lunc, Lliritli KUX^L miiguam mulstionem sulursm elle in l^Iuilü leß?. Sie stehen in dem cilfren Kapitel des zweyten Buchs. Nun sage ich: die Voraussetzung des Cardanus, dieses sein czuocl 5> i>a el>, wenn dem also ist, ist eine Unrichtigkeit; denn es ist nicht also. Und gleichwol hat Cardanus aus dieser Voraussetzung etwas sehr wahres vorher verkündiget. Denn daß schon iezt eingetroffen, waS er erst auf 1800. verkündiget: daS lassen Sie sich nicht irren. Er selbst sagt in dem folgenden, daß der Termin etwas später oder fn'ihcr eintreffen könne; und etwas später oder früher thut nichts zur Sache. Genung, er hat die große Veränderung, welche zu unsern Zeiten mit der christlichen Religion geschehen ist, und geschieht, vorher verkündiget; und hat sie von Ohn- gesähr vorher verkündiget. DaS ist es allein, was ich wollte. Ob Sie mich übrigens, was diese Veränderung selbst anbelangt, nicht verstehen, oder nicht verstehen wollen, werden Sie sich selbst am besten beantworten können. — — — — — — — — — Womit sich die geoffenbarte Religion am meisten weiß, macht mir sie gerade am verdächtigsten. °) ,,^!e geoffenbarte Religion, sagt man, gewährt uns allein die völlig „ngezweifelre Versicherung von der Unsterblichkeit der Seele. Die Vernunft speiset uns hierüber mit bloßen Wahrscheinlichkeiten ab." Ich will dies einmal so wahr seyn lassen. Ich will nicht wiederholen, was man so oft erinnert hat: nehmlich, daß eine geoffenbarte Religion, die sich auf menschliche Zeugnisse gründet, unmöglich eine ungejweifcltt Versicherung in irgend etwas gewähren kann; (denn daß die Zeugnisse worauf sie sich gründet, glaubwürdige Zeugnisse sind, kann höchstens doch nur höchst wahrscheinlich gemacht werden): so ist ihre Versicherung doch auch nur eiue höchst wahrscheinliche Versicherung. Doch, wie gesagt, ich will es ganz ungezweifelt seyn lassen, daß uns die geoffenbarte Religion allein die völlige Versicherung von der Unsterblichkeit der Seele gewähret. Die völlige Versicherung, die völlige! Eine Versicherung bey der sich das Gegentheil gar nicht denken läßt. Sin Widerspruch, wenn es je einen gegeben hat. — Doch ich will ja von dieser Seite den Streit nicht suchen. — Der Angriff scheint mir von einer andern Seile noch leichter. Daß man die Menschen eben so von der Begierde ihr Schicksal in jenem Leben zu wissen, abhalten solle, als man ihnen abräth zu forschen, was ihr Schicksal in diesem Leben sey. ") o viel fängt man ziemlich an zu erkennen, daß dem Menschen mit der Wissenschaft des Zukünftigen wenig gedient sey; und die Vernunft hat glücklich genug gegen die thörichte Begierde der Menschen, ihr ') Lebe» II, S.2Z3. °°) Leben II, S 24Z. 39° 612 Daß man die Menschen eben so von der Begierde ic. Schicksal in diesem Leben vorauszuwissen, geeifert. Wenn wird es ihr gelingen, die Begierde, das Nähere von unserm Schicksal in je? nein Leben zu wissen, eben so verdächtig, eben so lächerlich zu machen? Die Verwirrungen, die jene Begierde angerichtet hat, und welchen (wie ich am OcdipuS zeigen kann) durch schickliche Erdichtungen des Unvermeidlichen die Alten vorzubeugen wußten, sind groß; aber noch weit großer sind die, welche aus der andern entspringen, lieber die Bekümmerungen um ein künftiges Leben verlieren Thoren das gegenwärtige. Warum kann man ein künftiges Leben nicht eben so ruhig abwarten, als einen künftigen Tag? Dieser Grund gegen die Astrologie ist ein Grnnd gegen alle geoffenbarte Religion. Wenn cS auch wahr wäre, daß es eine Kunst gäbe, das Zukünftige zu wissen, so sollten wir diese Kunst lieber nicht lernen. Wenn cS auch wahr wäre, daß cS eine Religion gäbe, die uns von jenem Leben ganz ungezweifelt »nlerrichlctc, so sollten wir lieber dieser Religion kein Gehör geben. Gespräch über die Soldaten und Mönche. *) Muß man nicht erschrecken, wenn man bedenkt, daß wir mehr Mönche haben als Soldaten? k. Erschrecken? Warum nicht eben sowohl erschrecken, daß es weit mehr Soldaten giebt als Mönche? Denn eins gilt nur von dem und jenem Lande in Europa; u>'>> nie von Europa überhaupt. WaS sind Mönche? und was sind denn Soldaten? ^. Soldaten sind Beschützer des Staats lc,! L. Mönche sind Stützen der Kirche! ^. Mit eurer Kirche! L. Mit eurem Staate! ----- L. Du willst sagen: daß eS weit mehr Soldaten giebt als Mönche. Nein, nein, mehr Mönche als Soldaten. v. I» dem und jenem Lande von Europa magst du Recht haben. Aber in Europa überhaupt? Wenn der Landmann seine Saat von Schnecken und Mänscn vernichtet siehet: was ist ihm dabey das °) Leben 11, S. 2-18. Gespräch über die Soldaten und Mönche. K13 Schreckliche? daß der Schnecken mehr sind als der Mäuse? Oder daß cö der Schnecken oder der Mäuse so viel giebt? ^. Das versieh' ich nicht. IZ, Weil du nicht willst. — Was sind denn Soldaten? Beschützer des Staats. L. Und Mönche sind Stützen der Kirche. Mit eurer Kirche! IZ. Mit curein Staate! Träumst du? der Staat! der Staat! das Glück, welches der Staat jedem einzelnen Gliede in diesem Leben gewährt. IZ. Die Seligkeit, welche die Kirche jedem Menschen nach diesem Leben verheißt. Verheißt! L. Gimpel. Meines Arabers Beweis, daß nicht die Juden, sondern die Araber die wahren Nachkommen Abrahams sind.") ^ahcr weil diese von Jsmacl, der ganz gewiß der Sohn des Abraham war, und nicht von Jsaak abstammen, der zwar der Sohn der Sara, aber Gott weiß, ob auch der Sohn Abrahams war. Diesen Verdacht bekräftiget 1) Die Fusammenstimmung der Zeit, indem Sara eben darauf mit ihm nieder kam, als sie bey dem Abimclcch gewesen war (°). 2) Verschiedene kleine Umstände, welche in der Bibel selbst auf diesen Verdacht zn zielen scheinen. Als a) der Rahme Jsaak, welcher so viel bedeutet, als man wird lachen j.Mos. XVII. 19. Dahinter scheint mehr zn stecken, als die bloße Verwunderung, daß die betagte Sara ihrem noch betagteren Manne einen Sohn bringt. ") Leben ll, S, 250, (°) Die vorhcrgcschicklc so umständliche Versicherung, das; sie von dem Abimclcch nicht berührt worden, zeigt genugsam, daß der Schreiber selbst die iiblc» Folge» vorausgesehen, die man aus dieser Zusanmienstiunining der Zeit ziehen könne. Nenn als Sara bey dem Könige der Aegvplcr war, wird keine dergleichen Versicherung von ihm gegeben. k!4 Meines Araber» Beweis, daß nicht die Juden,-c. d) Die Austreibung des Jsmael, mit sammt der Hagar, weil Js- mael spottete und sein Gelächter hatte. Worüber sonst, als darüber, daß sich sein guter Vater so gutherzig ein Bankbein unterschieben ließ. XXI. Nach des Michaelis Uebcrsetzung kömmt es heraus, als ob Jsmael über das Gastmahl gelacht hätte, welches Abraham bey der Entwöhnung d-S Jsaak angestellt. Aber wenn dieses auch: so muß er doch Ursache zu glauben gehabt haben, warum er dieses Gastmahl für lächerlich gehalten. c) Die Stelle XXI. 12. wo Gott zu dem Abraham sagt: In Jsaak soll dir der Same genennet werden; von dem Jsmael hingegen es heißt v. 13. Darum, daß er deines Samens ist. 6) Dürfte nicht vielleicht auch die Bereitwilligkeit Abrahams den Jsaak zu opfern, daraus zu erklären seyn? Dieser Versuch, aus welchem man hernach eine göttliche Probe gemacht, kam ihm in einem Anfalle von Eifersucht ein. Die Liebe gegen seinen verstoßenen wahren Sohn wachte auf; er wollte also den andern aus dem Wege schaffen. Der Philosoph auf der Kirchenversammlung/) c> >Hch bringe den Philosophen an keinen Ort, in keine Versammlung, wo er nie etwas zu suchen gehabt hätte. Denn wenigstens die Christen der ersten Jahrhunderte hielten einen Mann, der bloß bey dem Lichte der Natur sah und handelte, mit diesem Lichte sich völlig begnügen ließ, dieses Licht nur immer so rein und hell als möglich sich zu machen und zu erhalten stichle: die ersten Christen, sage ich, hielten so einen Mann, das ist, einen Philosophen, für so wenig gefährlich, daß sie ihn nicht nur mchrmalen zum Schiedsrichter ihrer theologischen Streitigkeiten freywillig erwählten, sondern es auch gern geschehen ließen, wenn einer oder mehrere in öffentlichen Kirchenversammlungcn für diejenigen christlichen Lehrer das Wort führten, deren ungewöhnliche Meynnngen zu prüfen diese Kirchenversammlungen angestellt waren. Ob von letzteren mehrere Exempel vorhanden sind, als das von der ersten allgemeinen Kirchenversammlung zu Nicaa, weiß ich nun eben nicht; aber auch dieses einzige Exempel ist schon hinreichend zu °) Leben II, S. 266. Der Philosoph auf dcr j-.irchenversammlu»g. 616 erweise», auf welchem guten Fuß ehedem zwey Mächte i»it einander gelebt haben, die sich jetzt so gewaltig anfeinden. Die Nachricht, welche uns GclasiuS in seiner Geschichte der Ni- cäischen Kirchenversammlniig von diesen Hülfstruppen der Philosophie giebt, mit deren Verstärkung Arius daselbst erschien, ist äußerst merkwürdig. Daß stc alle aus der Schule des PorphyriuS gewesen, scheint mir daher wahrscheinlich, weil ConstantinuS ausdrücklich befahl, daß die Arianer von dieser Zeit an Porphyrianer heißen sollten. Besonders spielte einer derselben eine ganz außerordentliche Rolle, wenn sich dieser Ausdruck anders auch dahin beziehen läßt, wo sich die spielende Person in der Hauptsache nur leidend verhält. Er hatte nehmlich verschiedene Tage hinter einander mit den versammelten rechtgläubigen Vätern unter großem Zulauf ganz bewundernswürdig gestritten. Die deutlichsten Stellen der Schrift, welche diese gegen ihn vorbrachte», vermochten wider ihn nichts; er hatte Ausflüchte über Ausfluchte, und entschlüpfte durch seine Sophistereyen meistcntheils, so oft sie ihn am festesten zu haben glaubten. Er ward daher so übermüthig, daß er immer mit----Stolz in die ruhige Versammlung trat und sich — —--- Das Aergerniß ward groß: bis endlich ein ganz ungclchrtcr Mann aufstand (einer von den heiligen Bekennen«, der mit dem Bischof zugegen war) und um die Erlaubniß bat, mit dem Philosophen anbinden zu dürfen. Allein die diesen guten Man» kannten, und wußten wie einfältig und unwissend er sey, verwehrten es ihm ernstlich, um sich nicht den Feinden dcr Wahrheit zum Gcspötle zu mache». Doch dcr Bekcnnev bestand auf seinem Vorhaben, trat mit eins ----und sprach: Im Namen Jesu Christi des Vaters Got- tes, daß--— dcr Vatcr war, höre die Lehre der Wahrheit, o Philosoph! ES ist nur ein Gott, der Himmel und Erde und alles was darin ist erschaffen hat, den Menschen aus Staub gebildet, und alles durch sei» Wort und seinen heiligen Geist erhält. Dieses Wort, Philosoph, ist der Sohn GotteS. " ..^.M^ Betrachtung über die geistliche Beredsamkeit. °) >^öorte genug, die ZZaple über die Beredsamkeit des PythagoraS macht! Er vergleicht sie mit der kräftigen Beredsamkeit des Capi- stran (°) wider die Spiele, und der ohnmächtigen Beredsamkeit des Conccte gegen den Kopfputz der Frauenzimmer. Er macht Betrachtungen über Betrachtungen. Nur die wichtigste, die man, wie ich wenigstens glaube, darüber machen kann, wollte ihm nicht einfallen. Diese meine ich; daß alle Wirkungen der Beredsamkeit nur von sehr kurzer Tauer sind. Auch war sie bey den Alten nur ein bloßes Rüstzeug, wenn in der Geschwindigkeit, auf der Stelle, ein leichtsinniges Volk, ein gähnender unentschlossener Richter, bewegt und gelenkt werden sollte. Tie Kraft, die sie sodann äußerte, wurde weislich sogleich in ein Dccret, in ein Gesetz, in ein richterliches Urtheil verwandelt, und nur dadurch behielt sie ihre Fortdauer. Jetzt da sie bey sweitcm so gewallig nicht »lehr ist, haben wir ihr gleichwohl weit uchwerere Tinge aufgetragen. Unser ganzes moralisches Leben, alle unsere christliche Pflichten soll sie ordnen und reitzcn; aber da ist kein Gesetz, kein weltlicher Arm der ihr zu Hülfe kommt, der ihre flüchtigen eindrücke gründe, und ihre angefangene Erschütterung in eine stete Bewegung fortsetze. Ich will sagen, daß unsere geistliche Beredsamkeit, ohne die Kir« cheuzucht, von der hent zu Tage unter uns kaum die geringste Spur mehr übrig ist,, nothwendig eine sehr armscclige Figur spielen muß. Unsere Kanzeln können sich keiner Redner rühmen; ihre besten Betreter sind Sophisten, und wenn sie eS noch wären! °) Lebe» il, S. 245. (°) Capistran, c!» Franciskancrmo'nch im IZtc» Iabrhuttbcrt, auS Capi- stra» in Italic», wnrdc nach Böhmen geschickt, die Hussilc» z» bckchrcn, und predigte den Krcuzzug i» Dciilschlaiid, Ungar» u»d Pohlcn. 1452 kam er nach Nürnberg oder Magdeburg, errichtete sich ans öffentlichem Markte eine Kanzel, nnd predigte mit solcher Krast gegen die Sunde des Spiels, daß die Nürnberger alle Karten nnd Würfel anf eine» Hausen zusammcntrugcn imd verbrannten. Das Jahr darauf war er zu Brcslau, und predigte zugleich wider die Jute» so kräftig, daß nia» in ganz Schlesien eine große Mc»gc verbrannte, weil sie gegen die heilige Hostie nicht genug Respekt bezeugt. War seine Beredsamkeit mächtig, so war cS sei» Gebet noch mchr. Kein Wunder also, daß er vom Papst Alcrandcr Vlli. in, Oclobcr 1090 kanoni- sirt wurde! Betrachtung über die geistliche Beredsamkeit. K17 Tonccte predigte damals wider die hohen Hennias, eine Art von Fontangen, die damals Mode waren. So lange er dawider predigte, so lange er seine Gassenjungen und diese ihre Steine bey der Hand hatten, so lange zog das Frauenzimmer ihre Hennias, wie die Schnecke ihre Hörner bey entstehendem Geräusch, ei». Kaum hört das Geräusch auf, kaum ist Tonecre aus einem Orte weg, so kommen die Hennias und die Hörner größer als jemals wieder zum Vorschein. Ich habe schon gesagt, daß dieses vielleicht auch der Fall des pychagoras zu Croton gewesen. Ich gründe diese Vermuthung nicht sowohl auf die Verfolgung, welche kurz darauf über die Schule des Pythagoras zu Troron erging, als vielmehr darauf, daß noch in den nachmaligen Zeiten Croron als ein sehr üppiger Ort berüchtigt war. Beyträge zu einem Deutschen Glossarium. *) A. Ab, so viel als gegen. Er that fremd ab ihr. Pauli Bl. 30, — so viel als von, uncle. Er kam ab scincin Schloß. Bl. 33. Abdachig/ was nllmählig abfällt. Schotte! von der D- Hauptsprach S-617. °) Erklärung der abgekürzten Bücher-Titel. P. bedeutet: pauli Schimpf und Ernst; eine Sammlung kleiner Erzählungen, a» der Zahl 541. Eine nähere Auskunft fand ich unter den Papiere» nicht. Das B. bedeutet hier, wie sonst, ZZlarr. Scb. Fr. bedeutet: Sebastian Franke Sprichwörder Schöne Weis u. s. w. wahrscheinlich nach der Ausg. Franks, a. M. 1541. 2. Th. Ehr. bedeutet: »Lyring i>rov«-ri>ioruui copi» u. s. w. (S. Adclungs Magazin, Z. I. St. 2. S.554.) Eislcbcn 1601-3. H. Scn. bedeutet: Herrs Scncca, wahrschcinl. nach «is. cilirt. F. Scn. bedeutet: Fuchs Scneca. >Pa»t. bedeutet: pantalcons Ucbcrschnng von Eardans Offenbarung der Natur. Basel. v. N. bedeutet: Die alle Ucbcrschimg der k«kl-v Nom»»oi»w. Scher, bedeutet: Dartbol- Schcräus Ecistl. weltliche und häußlichc Spra. chen-Schule !c. Wiltcnb. 1619. 4. Werd, bedeutet: Werders Taffv, Gottfried od. erlöstes Jerusalem. Franks, a. M. 1651. Tcucrd. bedeutet: Thcuerdank. Kricmh. bedeutet: Aricinhildcn?iache, »ach Lodmcrs Auvg.Zurch.1757.4. 618 Beytrüge zu einem Deutschen Glossarium. Abbüsen/ etwa das Franz. rtelieliler? Schotte! cbend. Abentheurer/ schon bey Pauli Bl. 2. AuS ihm scheint cSHanS Sachs genommen zu haben. Ist damit etwa das alte auauterer verwandt, welches das Vocsvul. leulon. erklärt/ scenieus, cz»i re- eilst Kella et mores clo Iwmioilius mala? Aber ist diese Erklärung richtig? Abespern/ Frisch kennt eS nicht. Es müßte von Aas, Lockspeise, herkommen. Der Spate hat eS auch unter essen, S.897. Abgeilen, Schotte! S-617. von geilen, betteln, durch unverschämtes Betteln erlangen. Abgesellen, sich, Schotte! S. 017, sich von einem gesellschaftlichen Umgange entziehen. Abschreiben oder abschränzen, durch List und Rank um etwas bringen. Stumpf 2, 24. (Schrany- der Riß, die Spalte.) Äbtheil, das Franz. ^ppsnsge. Abtisch, vom Tische. Gefordert abtisch. P. Bl.48. Abzug, Rudolph hatte viel Abzugs von seinen Freunden. Stumpf 2, 24. Er ließ ihnen viel zufließen. Accommodiren, sich, „so heißt man heutiges TagS Katholisch werden." Zinkgräf Avophthcgmen Tb.2, S-84. Achren, Nachähren, Nachährer, alte gute Wörter für Nachlese. Seb. Fr. Aene und Urcine, avus, riroavus. P. B- 63. Affenwerk, »ugae. Opii) Arg. 93. Alchmeyer, Chymisten. P. B- «5. Amey, 2lmye, aus dem franz. Hmie. Geliebte. Morh. bedeutet: Morhof Unterricht der deutschen Sprache und 'Poesie, sammt dessen deutschen Gedichte». Zweyte Ausgabe. 17V2. Meyers T. bedeutet: Rudolf Meyers Todlcn-Dantz, Zürich. 165». Tschcrn. bedeuiet: Andr. Tscherning Deutscher Gedichte Frühling. Breslau. 1042. 8. Opitz bedeutet: Opilzens verdeutschte Argcnis. Lohcnst. bedeutet: Lohensteins Sophonisbe. Heldcnb. bedeutet: Das Heldcnbuch, nach der Ausg. Franks, a, M. 156». kui. Br. bedeutet: Brandts Narrenschiff. Kays. Geiler von Kavsersbcrg. M. S. bedeutet: Mancss. Sammlung der Minnesänger. Andere Citate sind ausgeschrieben. Bey vielen Wörtern hat Lcssing die Quellen nicht angemerkt. Georg Gust> Fülleborn, der diese Eammlung aus vielen Bändchcn, Blättern und Papierschnitzcn geordnet hat im drillen Theile von Lcssings Leben S. 142. Beyträge zu einem Teutschen Glossarium. 619 Amme, Hebamme. Heldenb. S- 110. Ammeln, Kinder warten. Gurinh. Ampel, Lampe. Tschccning S-97. 2ln dem Tode liegen, wofür wir itzt sehr abgeschmackt sagen: auf den Tod liegen. Andt, so viel als weh. Und wer lang Zeit Nach Ehren streit Muß danncn weit Das thut mir andt Mein treuer Dienst bleibt unbekannt. Bey Zinkgräf Apophthegm. I. S. 181. Anerstorbnes Gut, geerbtes. Opitz Arg. 104. Angster, der, ein Gefäß, Flasche, (von c-^og?) Anken, Butter. Pant. S-7. Ansichtig, ansehnlich. P. Bl.7. „Der Gricch achtet ihn für einen „hochgelehrten Mann, wann er ansichtig was." Anstiegen, obsiegen. Heldenb. S-2Z. Anstellen, einem Mädchen ein Kind, linachen) Zinkgräf Ap 2, S-130. Arbeit, GeburtSschmeczen. Heldenb. S. 34. So dich die Zeit nun finde Und du zu arbeit solt gähn Mit unserm lieben Kinde. Argmille, aviinug iuleltu». Alt und gut. S-HaltauS Gloss. Arzneien, sich lassen, für: sich operiern lassen. Atz, der, 5us alboegsi-iae. Zinkgraf Apopht. I. S-214. Aucre, was ist das für ein Wort? L. k. Bl. S2. Im Lateinischen steht liuko. Aufgestabt, aufgeschrieben. Heldenb. S. 140. Ihr schwcrt denn mit der Hand All aufgcstabte Epde. Aufwarten, Jemanden aufpassen. Opitz 1, 1. Augenspiegel, Brille. P, B- ?7. „Etliche können cS auswendig. „und bedürfen keiner Augenspiegel." Ausbcißcn, Jemanden aus dem Credit bringen. Zinkgräf Apopht. 1, S- 154. Ausbieten, herausfordern. „Zween Meister hätten etwas mit einander „zu sprechen, deß einer den andern ausbot zu kämpfen." P-B-62. Ausbündige Männer, treffliche, eximii. Opitz S,«9. K20 Beytröge zu einem Deutschen Glossarium, V. Bar, vir illutlns. Heldcnb. S. 95. Barhaupt, olianeau-vas. Ein gutes Wort. Bärmig, barmherzig. Brand. 14. Bärtling, ein Mann mit einem Barte, Capuziner. AventinuS B. Chron. B. 280. Bauen, bewohnen. Einen Wald bauen. Held. 7.?. Bed, Steuer, Abgabe. Daher Bed im Spiele. Bedacht, Bedenkzeit. Teuerd. Hauptst. t. Begangenschaft, Handel, Gewerbe. Stumpf 2, Z. Begeben, sich, aus der Welt sich zurückziehn. HaltauS Gloss. Begnügig, coutentu8. H. Scn. 57. „daß der Weise an ihm selbst „begnügig ist." Beiten und peytten, warten. Teuerd. Hp.8. Held. S. 7. Siehe Wachter. Beizen, herabsteigen. Heldenb. S. 80. Bekürzen, etwas; „damit ich'S bekürzc," kurz mache. P. B-72. Beliß, muß nächst Hem Marsä)all ein ansehnliches Hofamt verwaltet haben. Bescheidenheit, Mäßigung. Teuerd. Hp. 3. Bestätcn, zur Erde bestatten. Held. S.85. Betrangen, martern. Werd. 2. Bill, das Unbill, imilgnüiio, Unwillen. Bisbern, wispern, leise reden. Werd. 3. Gcwiobel. ital, liisbitzlln. Blicke, Funken. Heldenb. S- 43. Blind, erdichtet. Blinde Namen. Blinyen, das Gestcht blinzt, tilubat. aeies. Fuchs Scn. S. 272. Blinylingen, mit vcrschloßnen Augen. P. Bocken, mit der Stirne gegen einander stoße», Geb. Fr. „Bock „dich nicht mit einem Widder." Boizhür, daß uns der Boyhür schänd, ein Fluch. P.B.27. Brack, Leydhund, ein Hund. Heldcnb. S-67- Bremse, muß auch so viel bedeuten, als ein Maulkorb. Bücherey, Bibliothek- Morh. S. 253. Tschcrning hat daS Wucc Libcrev, von lilier. S. 187. Büsten, die Haare, kräuseln, locken. P. B. 4t. auch pudern. S. Brand- Mit Schwcfclharz büffcn das Haar, viuee! voluri-i criues eMcoie, sagt Kayseröberg- Beyträge zu eiiici» Deutsche» Glossarium. K21 ^iine, für Decke. P. B. 33. „Seine (DomitianS) Diener hätten „gern gewußt/ was er doch die Zeit Mt, so er allein war/ und „bohrten ein Loch oben durch die Büne, und lugte»/ was crthät." Busmcn. Des nahm die Königin wenig wahr, Und sah hcrfur untugcndlich Recht sam ein Falk der bnsmct sich. Hcrm. v. Sachs. VNl. ohne Zweifel so viel als sich aufblasen/ (sich buscn hat Frisch) wovon anch Busnarr. D. Danken/ Gedanken. Tcuerd. Hp. 2. Daren, dürfen. Oft. Daube/ die, woraus die Fässer zusammcngescht werde». Deutsch. Rabelais. Kap. Z. Dcheiner slahte/ aus kcinc Art. Kricnih. Sv- 4. Diet/ Volk. Heldenb. S- 25. Da hub er sich mit Schalle An die heidnischen DIct. Dost, Getöse. Heldenb. S. 13. Drehscln/ wohlklingender und der Ableitung gemäßer/ als drechscl». Drommcr/ ein Wort/ welches ich in Fabers Lexico unter Iiolvalus, von tiolllus, für gleichbedeutend mit Schicker gebraucht finde. Ich finde es beym Frisch nicht erklärt. Ist Drommcr und Schicker und Bleicher völlig einerley? Dunkeln. Heldenb. S-176. Die Nacht die ficng zu dunkeln an. Durchächtc»/ verfolge«/ durchziehen. H. Scn. 58. Durchächrung der Christen. P. B. 33. „Der Muckenst-chcr (Domitian) hat die „andre Durchechtung vollbracht in dem Christen-Glauben." E. «Lhrcngrempeln. Durch dicscS Wort überseht AventinuS Simonie. „Der Bischoff von Bamberg wurde des GeiheS und Ehrengrcm- „vlcnS verklagt." Chron. V. Bl. 347. l>. Ehrcngrcmplcr. Ebenö. tLhrlzrembscn. „Sie wurden alle drey des Lasters ^mliilus, gc- „ nannt dag Ehrgrembsen, so einer über die maß mit unrechter Weiß „nach Ehren trachtet, und die kaust" :c. Avcnt. B. V. Bl. 344. 622 Beytrage zu einem Teutschen Glossarium. Eichen, messen. „Eine Eiche ist ein gewiß Maas flüssiger Dinge, „gleich einem Eymer." Gurintz. Eilende Fälle, wo eine schleunige Hülfe erfordert wird. S.HaltauS Glossar. Einleiben für einverleiben. Einrweders, eins von beyden. Pant. S-2. Ellendthaft, virtu«, i-oliur. Held. S. 84. Entliden, cntgliedern, schwächen. Kommt oft vor. Einschlag, das Französische voeksi-ge, Quitung. Haltaus Glossar. Entschönen, 6esoi-mare. Haltaus Glossar. »Eräugen, sich, sichtbar werden. Morh. Ged. S. 16. Erbarmde, Erbarmung. McycrS T- in der Zuschrift. Ergöizlichkeit, für Geschenk. Zinkgräf Ap. 1, t86. Erlassen sich, eines Dinges, sich dessen begeben. Zinkgräf Ap-t,64. Ernsten, ein gutes altes Zeitwort, ernsthaft seyn. Erschellcn, ein Horn, in ein Horn blasen. Hcldenb. Erschnarchen sich etwas, sich etwas durch Drohungen erpressen. Ovitz. Arg. tos. Erste, der, statt zuerst. Er brach das Bündnis der erste. Zinkgräf Apopht. 1, S. 87. Er rennte der erste. Ebend. 1l8. Etwan, ehedem, vorzeiten. Brand, öfters. F. Fahrende Schüler, „als man sie nennt erfahrene Schüler" P> B-46. B. 76. 89. wo diese farne Schüler immer als Magiker vorkommen. Fahrt, wofür wir itzt Mahl brauchen. Ein fahrt oder zwier. Luther. Fahrum, ein schwärmender Bienenschwarm. Falscher Liebe pflegen. „Landgraf Friedrich ließ sich nicht begnügen an seinem Gemahl, sondern pflegte falscher Liebe mit einer „Kunigunde :c." Meißn. Chron. von Krauß. S- 80. Farm, fehlt bey Frisch. Das Vocsliul. leut. erklärt cS durch c^wbs, vomen naviz, amjila et Iisuil s>^olun6g. Faseln, gedeihen. Scb. Fr. „Pfaffengut faselt nicht." Fedcrklauber, Schmarotzer. Seb. Fr. Feickisch, klcinmüthig. Voc-ili. teut. Feigen. „Er zeigt ihr die Feigen, »ach Gewohnheit der Walhcn, „da sie den Taumen durch zwcn Finger flössen, das heißt ein Feig." P. B. 83. Feldern, Erlen. Beytrage ji, einem Deutschen Glossarium. 623 Feler, eine Weid?/ sglix. Voeaii. teot. Ferge, ein Fährmann. Held. S. 134. Fcrr, fern. Ferre, Ort, Stelle. Heldenb. S. 110. Fillen und villen, schinden, v. R. Bl. 12. „Das sy in schunden „oder viltcn." Fisel, das mannliche Glied, „I.ibi-lller heißt ein Pfaffenfisel; kem- „per ein WolfSmagen." Deutsch. Rabelais Kap. 4. Flastr, am Schuh, üiipiliium, Voesb. t. Flins, ein hartcS Gestein. „Stahel, Flinse und Stein." l!lr. von Turh. IU8. Folant, von Riesen. Heldenb. S- 78. Wachter leitet es von voler, stehlen. Freißlich, schrecklich. Frevel sür Strafe. Zinkgräf Apopht. 2, S. 86. Frey, ein Freyherr. Brand. Fuduz. Utz Eckstein. Vulva. Füdrige Wörter, leüeiuipeu'glia verbs. Fug, Nutzen. Fund, neue Fünde, so viel als neue Moden. Brand Kap. 4. Fiinsigcr, Hlullus. Vocal), teul. G. Gahen, eilen. Kricmh. S- 1. Gab, vorschnell. Gaffeln, herumgaffen. Brand. 32. Gänge, geläufig: gänge Zunge. Garrcn, was heißt es? Betteln, garten und tcrminircn. Scb. Fr. Gauflcure, »itiliecs scenivi. H. Scn. 59. waS heißt hier Gauf? Gefüll, Pclzwerk. Avcnt. Chron. 289. Geheuer, groß. Oft. Geißel, kxecutnr. P. B. 44. ein Gcißelmahl. (niäit oli5e°.) Geister, ein Enthusiast. Luther. Gelcben, cineS Gnade leben. Seb. Fr. „Man gelebt cincS Got- „t-S, nicht eines Menschen." Gelegenheit, Lage eincS OrtS. Ovitz 1. 2. Gemach, waS zu einem anständigen Unterhalt ausgesetzt wird. Hcn- ncnberger Vom Deutschen Orden. Genoß, gleich, genoß am Adel. Teucrd. Hp. 5. Geren, liuus vest!.-. Heldenb- K24 Beyträge zu einem Deutschen Glossarium. Gcrner, daS BcinhauS, Knochenhaut P. B. 44. Geschmack, für Geruch. Held. S. 17t. Die Rose» verlorn irn gcschmack. Gcstrüttich, Gesträuch. Opitz. 1. B. 1- K- Gicnen, das Maul aufgicnen/ für aufsperren. P.B. 72. Scb. Fr. Sinnen, bey den alten Dichtern für beginnen. Glayet, glatzig, kahl. Brand. 42. Glcnz, der Lenz, (also von Glanz?) P. B. 4t. Glimpf, eine weibliche Mode. „Den Glimpf werfen sie über die „Achseln uß an den Rucken." P. B- 73. Glückhafr, wer oft und viel Glück hat. Also mehr, als glücklich. Gluff, f. darüber ZinkgrSf Apopht. 1,S-36. Goller, Kragen am Rocke, Kappe. Auch so viel als Halsband. Grind, oft so viel als Kopf. Glider, ein Verthuer, Verschwender. P. B- 36. „Allwca.cn muß „ein Sparer einen Güder haben." Gugel, cueullus. Gumpcn, springen. P. V-47. Scb. Fr. Gunkel, ein Spinnrocken. Scb. Fr. Gurr, ein Pferd. Hcldenb. S. 171. Guygauch, Gukguk. P.B.68. H- Habdruß, eiuaelism petlis cirea ^eoii.ilia, vol HevdruS. Vue.ili. loulon. (welches gewiß noch vor 1490 gedruckt ist.) S. bcu Frisch Druß-Sucht. Haftig, leverus. Vocab. teuton. Halber, zur Hälfte. Hcldcnb. S. 124. Hallig, Hallig, proolivis. Thalhcllig, in-ono looo. H. Sen. Hälmlein einem durch das Maul streichen, einem schmeicheln. P. B- 32. „Und dankte ihnen — und strich ihnen das Halmlcin durch das Maul " Halsperge, Rüstung. Kriemh. S. Frisch unter Hals. Hcldenb. S. io. Hämmcrling, Meister, ein Bcvnamc des bösen Geistes. Scher. Helb, ein Stiel, z.B. an der Axt- B. Waldis, IV.83. Helffant, Elephant. Hcldenb. Daher vielleicht unser Elfenbein, Heimlich, zahm, von Thieren. Heinacht, heute Nacht. Heldenb. S. 63. Hemling, so ist in einer alten Ucbersctzung des Terenz, Ulm, 1480, ' Beyträge zu einem Deutschen Glossarium. 626 das Wort kunuelius gegeben. Von Hammel leitet es Gottsched. S- Vorrath S.39. Hemmat, Hemde. Hcldenb. S- So. Herbsten, erndten. P. B. 41. Herr, so viel als bitter. Brand 84. Davon Herling, oder Hcrr- ling. S-Frisch. Heumarder, ein schlechtes Peljfutter. P. B-81. „ES tragt etwa „einer eine mardcre Schauben da fornen, und dahinden ist sie mit „Hcw marder gefuttert — seyn alte rüdige Schafe." Hinterred, Nachrede. Br. Hinterständig, für rückständig. Zinkgräf Ap, 2, S. 134. Hirz, für Hirsch. Bey Pauli öfters. Hochzeit, ein großes Gastgcbot. Hcldcnb. S. 33. Höne, Riese. Held. S- 60. Sie hat gefiihrrt der höne Auff ei» bürg, die ist gut. Hofferig, buklicht. Hoffer, Buckel. P.B,61. Horden, so viel als Harren? Horr. Was heißt cS? Von Büchern hab ich grossen Hort. Kavs. Hoyeln. „Er lacht, daß er hotzelt." P. B-94. Hübschheit, Zinkgräf Apopht. 1, S. 222, Huldcr, Courmacher, Liebhaber. Husch, ein vorübergehender Platzregen. D. Rabelais, Z. Imbiß, Frühstück. P.B,67. (Auch JmbS) „An dem Morgen hinken „sie zu Gott, nach dem Imbiß laufen sie zum Teufel." Inner, für innerhalb. Ovitz Arg. 99, Ioch, auch, sogar, Brand. Irrig, unentschlossen. Teuerd. Hp. 2, Der König, als er sie gehört ball, Saß er ein klein Weil ungcrcdl Und bedacht der Sach gar wohl Wie dann ein weiser Mann thun soll Dann er in der Wahl irrig was. Iüngste Tag, Sterbetag. Hcldcnb. Iungfrau, auch von Männern, P, Bl. 1«. „Der bosc Geist „sprach, er wollt nit weichen, man hätte dann einen Priester, der „ein Jungfrau wäre, der drey Messen celebrirte." LessingS Wette xi, 40 K26 Beyträge zu einem Teutsche» Glossarium. K. Ramden, Querbretter in den Mühlrädern. Kon. Tvrol. Viiru- vio piooa, kund allameota in t^mpsuo, quae aczu»? impetu iwpelluntur. Goldast. Rarthaunen, Deutscher als Kanonen. Zinkgräf Apopht. 2, S. too. Rauffen/ oft so viel als heurathen. Räufig, was Käufer findet. P. B- 82. „Die Rußtüscher, wenn „ein Pferd kein Schwanz mehr hat/ so binden sie ihm einen an, «der macht cS den» käufig. Remnate/ vielleicht ein Zimmer/ Kammer. Held. S. 62. Retschen/ schleppen, tragen. Rieb/ Zank. „Lieb wächst durch Ki-b." Deut. Rabelais, Kap.6. Rirchhofblumen, sehr artig für graue Haare. P-B-32. Rlaffer, Verleumder, ital. addaistoro; klaffen, unverschämt reden. Heldenb. verklaffen, verrathen. Heldenb. S 3S. Rlappern, klatschen, ausplaudern. H. Scn. S4. Alappcrnar- ren, 8iilui'l'oo<:s. Br. Rlieden, chlieben, spalten. Rlobe, ein großes Scheit Holz. Rlitter, Dintenflcck. Zinkgräf Ap. 1-230. Rlünseln, tovere inkaoles. H. Sen. Rnellen, cntzwcyplatzen. Br. Rodel, ein elendes Pferd. Kommt öfters vor. Roppen, er koppt mir nach in die Art. Br- Er folgt mir nach, hat die neue Ausgabe. Ropf, Becher. Held.81. Daher unser Köpfchen, vom Obcrthcile der Theeschalen. Roye, Pilgrams-Royen, Rock, ital. l',:Iuavi»a. S-auch Heldenb- S- 64. Rrachen/ sie fängt an zu krachen, für: sie bekommt Gcburtsschmcr- zen. Deut. Rabelais Kap.o. Rrank, schlecht, krankes Brod. Held. S-52. Rräutlein, ein schlimmer Mensch. Luthers Hans Warft- Rröpfen, den Kröpf füllen. B- WaldiS IV. 82. Rröse, das Eingeweide. Heldenb-S. »3. Ruder, eine Art Werg, Nupa. P.B.33. „stock ein Pfund Werks „oder Kuder darin." Rugelechtig, rund. Pant-S-2. Rumpf, klein, eng, schmal. P. B-33. „Jetzt so kann man die „Schuh nicht kumpf genug machen, und mehr einem Kalbsmaule „gleich/ denn einem Schuh." Beyträge zu einem Deutschen Glossarium. 027 Rmift, Ankunft. Du viel liebe kuiift des mcicn. Gr. von Kilchbcrg M.S.12. Dürren, knarren. L. Laichen, betrügen. L.k. Bl.i). „Da laichet si in gleich darumb, „als si in vot um das ringlin gelaichet." S. auch Voeali. ?euloo. Laidig, häßlich, von laiclo. Zinkgräf Ap. 2.108. Leibschiiy, Trabant. Zinkgräf Ap. 1- 62. Lesmeister, Prediger. P. B- 86. „In einem Prediger-Kloster war „ein LcSmcistcr, Prädicant." Lctner, I.eelionaiium, ein erhabner Ort in den alten Kirchen. P. B. 66. Liebt, es liebt, für beliebt. P.B. 62. „Wem, man uns ein Ding „verbietet, so liebt cS uns erst." Limbde, Leumund, Lcimat. Bey Luther oft. Loben, oft so viel als geloben. Kriemh. Losen, lauschen, hören. Loß Gesell. P. B-17. „Losa, Losa, wie die Vogel sinzeiit." Gr. von Kilchbcrg M.S-t.14. Lüften, heben, erheben. „Dii lcrchc lüftet ibr gcdönc." Gr. von Kilchbcrg M. S. 12. Lugen, sehen. Hcldcnb. S 3. E»gl. lo Inolc. Daher eine Luche, Loch. Vielleicht auch Lücke oder Licke, Spalte. Lupfen, crlupfcn, crhcbcn. P. B. 37. „Die lupften ihn auf als „leicht als ein Fcderlcin." Liiyel, wenig. Oft. M. Masten, mäßigen. Flcmming. S. 60. Manchcrhand, mancherley. 5?. Scn. ü?. „OaS Lesen vieler und „mauchcrhand Bücher, «mnis ^ueiis." Mannen, einen Mann nehmen. P. B-43. „ES ist sorglich, man- „nen oder weiden." Manncszeitig, nubilis. Oft. Markten, handeln, dingen. Mas, Masen, ein Flecken, ein Mahl. P. B- 87. ZNasleidin, KMckvns, vom Magen. H. Scn. 13. 40" 628 Beyträge zu einem Deutschen Glossarium. Meuchlisch, listig. Ost. Michel, viel, groß. Hcldcnb. S. 48. Sein klagen das war grimme Michel und auch sehr groß. Milchzins, Abgabe der Priester, die sich Mädchen hielten. Ui) ' Eckstein. S. 16. Mißgehen, unglücklich gehen. Held. S. 45. Mißlungen ist der Frau, sie hat abortirt. P. B. 76. Mitleidenheit, gleichförmige, S^rnpsluie, widerwärtige, änlip.'». ilüe. Panr. S- 1. Mornig, morgend, mornigcn TagS. H. Sen. 60. Mühen, für aMiZere und äMi^i. Des thct gar schre nüchc» Den Held Wolffdictcrich. Hcldenb. Musig, Muße habend. Ft schart. Mutternakt, ganz nackt. Morh. Ged. 93. Tschern. S. 176. Muyen, sich aufmutzen, für aufputzen. P. B- 4. eben so Brand 69. Myet, Lohn. „Die nehmen Gaben, Schenk und Myet." Brand46. N. Nakt, unbewaffnet. Oft im Heldenb. Namen, mit Namen, so viel als nehmlich Nindert, nirgends. Theuerd. Hp. 8. Nötern, nothzüchtigen. OefterS. Nuysüchtig, ein schönes Wort, interessirt, anf seinen Nutzen bedacht. Zinkgräf Zlpopht. 1. S. 47. Nxm, nicht mehr. O. O, für oder. Brand «2. cvleib, Ueberbleibsel. H. Sen. 197. „Und so sie den Olciben entgangen." «um reli^uias ellugerint. 36-,. //Die Rom „für Afrikas Penthäsilca schilt." Schembart, Schönbart, Larve. Brand. Schirmen, fechten, puZillsre. Hcldenb. S. 41. Schlaffen, für: jemanden schlafen machen, todten. Held. S. 128. Schlamp, Schmauß, Gclag. H. Scn. 60. sIm Lateinischen Text steht coens.) Schlecht, oft so viel als grade, nicht krumm. Schleckerhaftig. P. Bl. 3. lcckcrhaft. Schlemmen, aufessen. P. Bl. 3. Schlempe, eine weibliche Tracht, Schleppe. P. B. 73. „Und trei- „ben sie viel Hoffart mit den Schlempen." Schlich, ein Schleicher. P. Bl. 10. „Und wie dem Narren seine „Nothdurft ist so noth worden, daß ihm ein Schlich ist unten „aus entfahren." Schliefen, schlupfen. Schlinden, von Schlund, richtiger als unser schlingen: Swcnne er den suzen Got cnpfat, er slindet vipper natcrii gift, sagt König Tvrol von einem lasterhaften Priester. — Schmarre», Ißschmarren, Eiszapfen. P. B- 41. Schmucken sich, sich schmiegen. Heldenb. S- 23. Schnaphan, ein Petit-kl-nli-e. P. B. 41. „Hast du ein hübsch „Weib, so darfst du ihr nicht fürchten vor den Schnaphanen, die „— ihr haar büffen und ihr hoflren." Schnattcn, Striemen von Schlägen. Brand 33. Schnur, für Zone, Erdstrich. Brand 05. Schuldbothcn, Lxecutores. P. Bl. 17. Schupfen, aus dem Sattel heben. Heldenb- S- 42, Schweißig, blutig. Heldenb. S- K0. Schwind, für geschwind. Werd. 3. Sedelhafr, seßhaft. Sehrcr, sagten die Alten im Comparativ von sehr. Serben, ein Schweiz. Wort, schwinden, sich verzehren. Meyers Todt. Dasi nicht Verderbs!, Stirb ch du stcrbst Ecnad crwcrbst Nicht ewig serbst Zm Höllcnrcich Zin Schwefelteich. Beyträge zu einem Deutschen Glossarium. «31 Sibilit. Ich verstehe dieses Wort des B- Wald is nicht. Fab. IV. 13. Ein großer Sturm hub sich bey Esthland Und »ahm auch plötzlich uberhand, Und drcuct uns so mächtig sehr, Wurfe» viel Guter »aus ins Meer Zulcst wollts besser werde» nit, Der Schiffer blies ins Sibilit. Sidel, ein Sitz. Daher Einsiedler. Held. Siech, ein Kranker. Brand öfters. Sigesse, eine Sense. P. B- 73. Sinn, ein Anschlag, einen Sinn erdenken. P. B. 42. Sippe, ein Verwandter. „JcsuS der ist unser Sippe." Eschenb. Rennwart Sodern, quellen. Spähn, Zank, Streit. Zinkgräf. Apopht. 1. S. 8. Spechen, spähen, erfahren. Heldcnb. S. 444. Speidel, Keile, cuoei. P. B- 48. „Auf einmahl ging Milo durch „einen Wald, da lag ein Elchbaum, da hätt ein Bauer eichene „Speidel darein geschlagen." Spöttlich, etwas weniger als schimpflich. Opih. S- 22. Sprachbaus, Sprachhäusel, Abtritt (prophey, Privät.) P. Bl. 75. „Wie crs versah, daß er in ein Sprachhuß fiel, oder in „ein Prophcp, wie manS dann nennt." Stadel, ein finstrer Murrkopf. Seb. Fr. Stegreif, Steigbügel. Oft. Stchlin, stählern. Held. S. 48. Steifer Stern, ein Firstern. Pant. S- 3. Stecken, erstccken, lussocare. Brand 30- Stenderling halten, still halten, stehen bleiben. Seb. Fr, Stete Augen, unverwandte. Opih. S. 44. Steuren, regieren. Heldcnb. S. 80. Sträuchen, straucheln. Heldcnb. S. 168. Strelen, streicheln- Seb. Fr. Streymen, Striemen, für Strahlen. Pant. Stulreubcr Eyring. ES muß rcibcr geschrieben werden, von reiben, kricaro, und bedeutet Handwerker, die ihre Arbeit sitzend verrichten. Lellularii im Lateinischen. Stund, so viel als Mahl. Heldenb. Und wer er drcv stund minder, Er wer mir »och qrosj gnug. 632 Beyträge zu einem Deutsche» Glossarium. Sturmbar schießen die Mauern, sagt Zinkgräf ganz vortrefflich für: »reelie schießen. Apopht. 1. S. 130. Stuyen, stolzir-n. Tschcrn. 296. Sunder/ so viel als Süden / bey den alten Dichtern. Osten, Westen, Norden, Sunder. T. Tagen, schweigen. Heldenb. S. 2S. Wer gern hört diese Marc Der soll gar stille tagen. Tageweiß, „eine Tageweiß von k^raino und tüislio" vielleicht so viel als daS Spanische ^orns. N. Vagant, eine Singstimme, viell. eontraliasz. Scher. S3. Verarzen, vermediciniren. P. B. 66. Verbösen, verschlimmern, böse machen. „Denn izt in dieser bösen Zeit „Da der Satan verbükt die Leut." B. WaldtS 4, 8Z. vergönnen, mißgönnen. Beytrüge zu einem Teutschen Glossarium. verlanden, sich, Urlaub nehmen, aufhören. Renner, vermächtigen, sich, zu Macht gelangen. F. Scn. S271. verreiyen, (Zoliauclior <^uel38. 3. Fürchten eines, statt: wegen eines in Furcht stehen. Pauli Bl.41. 4. Manche Wörter braucht er unzertrennt, die wir trennen. „Warum „anfechtest du den Menschen?" Bl. 18. 5. Nwndsch, schreiben die Alten, und mit Recht. Denn wir lassen bey der Aussprache immer ein d mit hören. 0. Kilen wird oft mit dem Accusativ gebraucht, wie pl-operare. „Eile die Sachen." Werders Tasso Bl. 3. So braucht Tscherning das Wort scherzen, für: Scherz mit etwas treiben. So kann ein Wcibesbild Der Männer Liebe scherzen. Zum ersten Bande von L. E. Steinbachs deutschem Wörterbuch. °) Wer a sagt, muß auch b sagen. Der Ursprung dieses Sprichworts ist ohne Zweifel in der 176 Fabel des ^bUemius: Frisch ) Bitten. Wiederbitten ist just das, was im Lateinischen unter Andern bei Phädrus, rovoesiv und bei dem h. LncaS a^xaX-^ heißt; Einen zu Gaste nöthigen, bei dem ich vorher zu Gaste war. Biß. Imbiß. Imbs. contrahirt für Imbiß, (Zinkgref Apopht, 1, p. 212) Zum ersten Baude von SteinbachS deutschem Wörterbuch. 639 Ausbeißen. „Ulrich Fitzinger habe Graf Ulrich von Lilien, so bei König LadiSlav wohl dran war, ausgebisscn/ ward aber selbst hernach von Andern auSgcbissenz und hiergegen der von Lilien wieder eiii gebeten." lZinkgref Apovht. 1. p. 154.) Verbeißen. Opitz Argenis 88. „Das Lachen verbeißen." Blind. Vor Alters auch so viel als erdichtet, angenommen z. B- blinde Namen. — Haltaus. Borgen. Borgelicht, poetischer Annahme, den Flcmming dem Monde giebt. S- 632. z. B. Komm, Phöbe, Tag der Nacht, Diane, Borgclicht. Carthaune ist für deutscher zu halten als Canone. Zinkgrcf Apo- pthcgm. II. s>. 18: mit großen Stücken die man auf Französisch Canons, auf Deutsch Karthaune nennt. Daubenfällig. Daube, das, woraus die Fässer zusammengesetzt werden. Daher: den Kopf, wie ein daubenfälligcS Faß umbinden, (deutscher Rabelais Cap, V.) Dichten mit dem Infinitiv für Denken, trachten braucht Schlegel (im Kanut) nicht gut: „Entfernt man sich von dem, dem man zu schaden dichtet." Dingen. z.B. einen Knecht Einem abspenstig machen, ist in dieser Bedeutung (HaltauS) veraltet, jetzt abhandeln, herunter handeln vom gesetzten Preise. Dünken. Vermuthen, Wähnen, Meinen, ohne daß man der Sache völlig gewiß ist. Daher das Sprichwort: „Am dünken und gespannten Tuche geht viel ab." (Ncandcr.) Edelmann. So sagten auch die Alten (Zinkgrcf Apopthcgm.) ein Edekvcib. Wir sagen eine Adeliche. Eil. Eilende Fälle, alt und schön, sind Fälle, die eine schleimige Hülfe crfodcrn, (HaltauS.) Eigenthum. Auch was von einer Sache wesentlich abhängt, heißt deren Eigenthum. „Die Ehre bleibt des Herzens Eigenthum." Schlegel. Eisen. Die Eisen abwerfen, sagt man von einer Jungfrau, die ein Kind bekommen. Erste. Geßner drückt „zuerst" nach Art der Franzosen durch das Substantivum aus. z. B- „Ich habe die Erste gesündigt" (die Eva im Tode AbclS); diese Art zn reden, ist nicht neu. Denn auch Zinkgref sagt: „Nichtsdestoweniger brach der Pabst das Bündniß der Erste" — „er rennte der Erste in die Türkei." 640 Zum eisten Bande von Steinbachs deutschem Wörterbuch. Fangen. Verfangen. Es will nichts verfangen, nichts helfen. Diese Bedeutung muß aus dem Altdeutschen Recht herkommen; anfangen, vindicircn. (HaltauS.) Umfangen. Bei den Alten umsahen. Daher Zinkgrcf: „Es ist weit natürlicher ein hübsch Weib umsahen, als ein Faß mit Wein." Nachfahr so viel als Nachfolger im Amte. (Zinkgrcf) Folgern. Schlüsse ziehen. Schlegel braucht es falsch für Folgen, z.B. »des Stolzes Folgerungen." Fremd, befremden. HaltauS giebt eS durch molus smmi. Ich wüßte nicht, daß man diese Gemüthsbewegung noch in irgend einer Sprache mit einem einzigen Worte geben könnte. Frevel oder Frefel, für die Strafe für den Frevel. Zinkgrcf II. S-86. „Als der Obernmtmann des andern TagcS ihm zchn Tha- „ler derenthalben zum Frevel abfoderte." Frömmigkeit. Die Alten (Zinkgrcf) sagten dafür Frombkcit. Fühlen. Auch von der Seele. „Ein Geist der denkt und fühlt, der irrt nur kurze Zeit." Schlegel. Fuß. Wohl gefußt, ein poetisches Beywort, das Flemming den Rehen giebt. Gänge für geläufig. Eine gange Zunge. (Logaus Schuhrede einer Jungfrau.) Eingehen. Ein Wein, der lieblich eingeht, sagt Logau- Gastung für Gasterei. Eine große Gastung anstellen. (Zinkgrcf.) Ge nartieula insoparaliilis. Diese Partikel, sulistanliviz angehängt, macht eolleclivs, d. i. solche Wörter, die eine zusammengenommene Menge derjenigen Dinge bedeuten, welche das Stammwort ausdrückt: z. B. Wurm — Gewürm. Flügel — Geflügel. Bett - Gcbctt. Feld - Gefilde. Berg — Gebirge. Alle diese Lollectiva sind generis »eulrius. Man schließe aber nicht zurück, daß alle substautiva, die mit ge beginnen, auch (Collectivs sind. ES sind eS nur die, welche unmittelbar von einem Substantiv so formirt werden, nicht aber die, welche von Zeitwörtern herkommen, die dieses ge haben, oder von PerfcctiS, die sich mit ge anfangen. Zum ersten Bande von Steinbachs deutschem Wörterbuch. 641 Geben. Abgeben soll soviel als vorstellen sein. z. B- Er giebt einen guten Soldaten ab. In diesem Verstände läßt Zinkgref das ab weg, und sagt: Eben darum gebe ich dir einen bessern Soldaten, als Andere. ZZcneben. Sich begeben hieß vor Alters abrenuntiare seeulo. (Halt- auS.) Ohne Zweifel verstand man darunter, sich der Welt begeben. Es ist schade, daß diese schöne Ellipsis nicht mehr gebrauchlich ist. In diesem Sinne sagten auch die Alten: Ein beg ebner Mann. Adelung hat zwar diese Bedeutung auch, aber nicht mit der Ellipsis. Auch soll nach ihm dieses Zeitwort kein Particip der vergangenen Zeit leiden. vergeben, früher nicht immer so viel als verzeihen, sondern auch so viel als verschenken; so in dem Sprichwort- bei Neander: „Gott hat mehr, denn er je vergab." Geld. Ehrcngeld peeunis «lellorstse a slupratore solveoo'a. (HaltauS.) Ein altes und noch gar wohl brauchbares Wort. Entgliedern würde dasjenige Wort sein/ durch welches das alte cntlidcn wieder'hergestellt wird. Gluff. Zur Erklärung dieses Worts kann Folgendes etwas beitragen/ was Zinkgref von Kaiser Friedrich I. erzählt. ES war eine kaiserliche Abtei ledig. Dazu waren ihm zwei vorgeschlagen, der Eine hatte hicbcvor dem Kaiser etwas Geldes vor- gcliehen zum Krieg, der Andere war ihm wegen seiner Frombkcit und Einfalt gelobt. Als er nun nicht wußte, wie er sich jenes mit Glimpf cutschickcn sollte/ begehrt er ein Gluff von ihm, etwas in den Händen damit aufzustechen, als er aber keine hatte, begehrt er eine von diesen, als ihm nun derselbe eine gab, sprach er zu ihm, Ihr seid ein Münch, der seinen Orden wohl vernimbt, und derhalbcn dieser Abtei wohl würdig, nicht aber Ihr (sich zum Andern kehrend) wegen Eurer Unachtsamkeit und Irregularität. Denn wer so ein schlecht Ding, das er vermöge seiner Ordensregeln haben soll, nicht achtet, wieviel weniger wird er andere große Sachen in Acht nehme»." vergönnen hieß vor dem auch so viel als mißgönnen. Neander: „die vcrguniitcn Bissen schmeckcn am besten." Ergöylichkeit für Geschenk, Belohnung. „Weil er keine Eraöhlich- kcit für seine treue Dienste bei seinen Lebzeiten gesehn " (Zinkgref I. n. 186.) Es hat, Impersonale für das Französische il ? a. /,Jn der Stadt hatte es einen alten :c." Zinkgref Apophthcg. I. >>. 74. ^>>».,S Werk- XI. 41 642 Zum ersten Bande von Stcinbachs dcnlschem Wörterbuch. Haft. Die Nicdcrsachsen sprachen und schrieben ehemals Hacht. Als in dem Sprichworte: Besser in der Acht/ als in der Hacht. Allenthalbenheit. So übersetzt Zinkgref den thcolog. lorminum: Ubiquität, wenn von den Leiden Christi die Rede ist. (Apophthcg. II, S. 85) Hammel. Hemling. In einer alten deutschen Uebersctzung des Eu- michus des Tercnz, die in Ulm 1486 gedruckt ist, heißt es: „Eunu- chuS, das ist teutsch Hemling." Handschuh. Dies Wort ist mir sehr verdächtig, in so weit man cS nämlich von Hand m-mus und Schuh herleiten will. Ist denn die deutsche Sprache so arm, daß sie für die Bedeckung der Hand kein eignes Wort haben sollte? daß sie das Wort, daS die Bekleidung des FußeS ausdrückt, erst dazu brauchen muß. Unmöglich! WaS sagt man zu folgender Muthmaßung? die alte deutsche Sprache hat ein einzige» Wort gehabt, um Handschuh auszudrücken; und dies ist daS Wort: w-mt, welches in der holländischen Sprache noch für die Art von Handschuh gebräuchlich ist, welche zwar Daumen, aber keine Finger haben, und von welchem waut auch daS französische g-mcl herkommt. Da nun die hochdeutsche Aussprache aus ^vsnt, Hant gemacht hat, und dieses Hant nach und nach mit Hand manus verwechselte, und beides für ein Wort hielt, so, glaube ich, setzte die Unwissenheit das Schuh daran. Zweihändler. So nannten die Schweizer ein Schlachtschwcrd, ohne Zweifel, weil cS mit beiden Händen mußte geführt werden. (Zinkgref I, P. 20S.) Her. Oft bedeutet cS auch so viel als daS lateinische re, wieder. z.B. herstellen. Die holländische Sprache macht fast alle ^c>mjic>8il-i, die wir durch wieder machen, durch her. Unser her in der Bedeutung wieder, scheint sich in daS er verwandelt zu haben, z. B- erinnern, erkcn nen. So würde auch erschaffen so viel als wieder-schaffen sein; wie denn auch im Holländischen diese Bedeutung wirklich ist. Man würde folglich sagen müssen: auS Nichts hat Gott die Welt geschaffen, aus dem Chaos hat er sie erschaffen. Ueberhöhen. Ein gutcS altcS in ^rolüleelura mililgri zu brauchendes Wort. „Ein HauS wird von einem Berg überhöhet." (Zinkgref Apopbth. I. n. 129.) Abhold. EtwaS weniger als unhold. Süßholz- Süßholz in den Mund nehmen. Ein alter provcrbialischcr Ausdruck Hans RoscnblutS für gelinde, freundliche Worte brauchen. ^^ZM^ Zum ersten Bande von Steinbachs deutschem Wörterbuch. t>4>; Hübschheit. (Zinkgrcf Apephthegm. I. n. 222.) Husch- Für einen übcrhingchenden Platzregen. lisbelsis sagt: loin- bsnl ^iai' u»e I»»u?6o. Ihro. Für Jhro, bei den Titeln, sagten die Alten blos Ihr. (Zinkgrcf Apophthegm. I. p. 124.) „bei Ihr fürstl. Gnaden." Inner. Als Präposition für innerhalb veraltet. „Inner der Grän- „zen" (Opitz ArgeniS 00.) Rieb. Zank. — Kicb wächst durch Lieb, sagt der deutsche Rabelais (c->i». V.) Beikirche. Ein altcS gutes Wort für Filialkirche. (Haltaus.) Ricsel. Kieselsteine. Logau sagt im 200Z Sinnspruch: Künstlingstcine. Rlittev so Viel als Klecks. (Zinkgref I. p. 230.) Edelknaben. Schon zu Zinkgrefs Zeiten wollten die Edelknaben nicht mehr so, sondern Pagen heißen. Apophthcg. l. i>. SS. wehr knöpf, süe Oegcnknopf. (Zinkgrcf Apophthcg. I. p. 20.) Rrank. Krank scin nach Einem; sich so heftig nach Einem sehnen, daß dies schon eine Art Krankhcit wird. Flcmming sagt: Ich bin, Schah, krank nach dir. Rrnuscln. Gchncr sagt nicht übel dafür krausen. Bekrönen. „Kein unbiegsamcr Stolz bekrönt mich in Gedanken." Schlegel. Erlassen; sich cincS DingeS; z. B- WaS du nicht iu der Güte kannst überkommen, da erlaß dich des Krieges. (Zinkgref Apophthegm. S. 14.) Uebcrlaufcn für überfallen. „Alsdann überläuft ihn seine Thorheit." (Ovitz Argen. S- 89.) Einleiten, ein alteS gutes Wort, das man noch jetzt sehr füglich für introducircn, installircn brauchcn kann, (HaltauS) wenn cS nämlich das Bcsitzgcbcn cincS Amtes bedeutet. Geliebt, Einem geliebt sein, sagt Schlegel, wo ihn ohne Zweifel der VcrS ein wenig gezwungen. „Ich sorge imr für mich, und wollte selbst allein ?cn Mclnigc» geliebt, den Feinden furchtbar scin." Aiiczcnlicd. Geßner sagt Auglied. Äcidig. Ein andres Wort ist leidig von dem alten Leid/ häßlich. So übersetzt Zinkgrcf: urie kc-mmv Imilo et Iiidenso, durch ciue häßliche lcidtlichc Frau. (Apophlhegm. II. t»8 ) Löblich. Dafür sagten die Alten auch lobwürdig. (Zinkgrcf.) Liinen. Wir machen dicS Zeitwort z» einem rcc-i^rnc:-, imncüson.ili 41» 644 Zum erste» Bande von Stciubachs dcnlschcin Wörterbuch. und sagen z, B. ES lcugt sich jehund viel, wenn wir die Urheber der Lügen nicht nennen wollen. Das hat er in seinen Hals gelogen/ d. i. eine unverschämte Lüge gewesen. Aber ich weiß nicht/ warum es heißt in seinen Hals. Die Jtaliäner sagen in eben dieser Bedeutung: mcnliro per Is Avis. Für verlieren sagten die Alten Verliesen. „Ich will des Königs „Gnad lieber verlassen als Verliesen." (Zinkgref l p. 185.) Lunte. Zinkgref schreibt Lunde. Thesen schreibt Zinkgref anstatt Dresden. DicS scheint aus dem Latein, gekommen zu sein, denn weil man nicht wohl Diesa sagen konnte, so sagte man dafür Oregda. Die ?arl!oin!a perk. der Verba auf ircn mit vorgesetztem ge zu machen, ist keine Neuerung von Gottsched. Zinkgref sagt: Es hatte der König gctarirt. Von dem Wortspiel mit ju« c-moniciim (s. unser Wörterbuch über den Logau) scheint Heinrich IV. Erfinder zu sein. Als er die Stadt ChartrcS belagerte/ brachten die Bürger ihm die Schlüssel und sagten: hll'ils seroient pret ilo lui vlieir comme »nlijels par le lirnit «iivin et civil. Der König klopfte den Abgeordneten auf die Achsel, und sagte: mai8 n'oulilie» nas le . ttk.) Vcrgcßt mir aber auch das Recht des Kanons nicht; welches zugleich durch daS Päbstlichc und das Büchsen- recht mag verdeutscht werden. Grammatisch - kritische Anmerkungen.*) Ueber das Wörtlcin Thatsache. Älit Nccht sage ich: Vvörtlein; denn es ist noch so jung. Ich weiß mich der Zeit ganz wohl zn erinnern, da cS noch in NiemandS Munde war. Aber aus wessen Munde oder Feder es zuerst gekowiuen, das weiß ich nicht. Noch weniger weiß ich, wie eS gekommen seyn mag, daß dieses neue Wörtlcin ganz wider das gewöhnliche Schicksal neuer Wörter in kurzer Zeit ein so gewaltiges Glück gemacht hat; noch, wodurch eS eine so allgemeine Aufnahme verdient hat, daß man in gewissen Schriften kein Blatt umschlagen kann, ohne auf eine Thatsache zu stoßen. Man fand in Lateinischen und Französischen Büchern bey wackern Männern, die an der Grundfeste des Christenthums flicken, daß es ganz unwandelbar gegründet sey, weil cS auf ^aeta, lur 6es kails, beruhe, die kein Mensch in Zweifel ziehen könn«. Nun heißen kaela und 6«8 kaits weiter nichts, als geschehene Tinge, Begebenheiten, Thaten, Ereignisse, Lorfälle, deren historische Gewißheit so groß ist, als historische Gewißheit nur seyn kann. Tiefe Teutschen Ausdrucke bedeuten alle etwas Besonderes mit, und man müßte nach Schicklichkcit bald diesen, bald jenen brauchen-- Die Endung Iren bey den Zeitwörtern ist nicht ncn. Luther sagt schon stolziren. Statt buchstabircn, sagt er indeß buchstaben. Ueber Aber und Sondern. Aber, sondern, allein, sind alles drcycS conjunetionos aiZversa- tivae, die der Franzose mit seinem einzigen wai» ausdrückt. Lor aber und allein muß zwar, vor sondern (meistens) nicht nur, vorhergehen. „Sie ist zwar nicht so schön als diese und jene, aber sie ist doch hübsch." Lllo n'olt pss li Iielle, lin'une teile, mais enlin eile ett jolie. „Ich habe cS zwar versprochen, allein das nnd das hindert mich, mein Versprechen zn halten." Folglich braucht man °) Alles folgende aus Lcsfings Leben lll, S. 177 ff. 646 Grammatisch > kritische Anmerkungeu. aber und allein, wenn man etwas zwar einränmt, aber an die Stelle des Eingeräumten etwas anderes setzt, wodurch es eingeschränkt wird. Sondern hingegen braucht man, wenn man das eingeräumte nicht einschränkt, sondern vielmehr durch eiuen Zusatz vermehrt. Er ist nicht allein gut, sondern auch brav. tXon leulement il elt von, mai» eneoriz il elt biave. Also würden aber und allein cc>nju»e:iioiie-> resli'ielivas, und sondern conjunelic» augmeulalioms seyn, lind nur in dem Falle ist sondern eine covjunelic» aclveilaliva, wenn gar keine andere Partikel vorhergeht, auf welche eS sich bezicht. Z.B. VS ist nicht roth, sondern grün. t>'L. HempelS und Aichingers Regel, daß sondern auf eine Negation folge, ist wahr, aber nicht allgemein. Denn es folgt anch auf nicht nur, welches nichts weniger als ncgirt. Aber fängt auch nicht selten den Perioden an, und alsdann ist der ganze Lordersatz mit Zwar ausgelassen. AIS: Aber werden Sie denn nicht einmal aufhören, hiervon zu reden? klais ne cellere» vou» jamais ile parier 6e eelle eliole la? Hier ist gleichsam vorher ausgelassen: Sie haben zwar Grund hiervon zn reden, aber:c. Desgleichen: Aber lassen Sie uns wieder auf unsere erste Rede kommen, wi>i8 revvnons ü oolre propos. Hier ist ausgelassen: DaS ist zwar gut, was Sie hier sagen: aber ic. °) Grammatisch-kritische Anmerkungen über einige Dichter. Klopstock. Und durch die er Adams Geschlechte die Liebe der Goubcii — — — von neuem geschenkt hat. Klopst. Mess. 1. ES wäre zu wünschen, daß alle unsre Substantive in dcu ^sliliu» vlililzuis daS v liuale hätten, um sie in diesen (^-.lllius ohne Artikel brauchen zu können, welches bet) denen, die das o nicht haben, sich nicht thun läßt. Adams Geschlechte ist der Dativus, welches aus dem v linalv klar wird, und der Dichter hat den Artikel ohne Zweydeutigkeit auslassen können. Aber würde er wohl haben sagen können, z. E. Als °) Diese Anmerkungen über Aber befinden sich zwar eigentlich aus den Blättern, worauf die Vcrglcichungcn Deutscher Redensarten mit fremden siehe»; aber sie scheinen mir vornehmlich durch Adelungs Wörterbuch veranlaßt zu seyn. Dasselbe ist, dünkt mich, mit mehreren Bemerkungen der Fall, welche ich unter der genannte» Rubrik zusamincngcnommcn habe. Füllcborn. Grammatisch-kritische Anmerkungen. 647 Volt AdauiS Hand dic neugeschaffne Schöne überlieferte? Ohne Dunkelheit nicht. von neuem geschenkt hat. Ist von neuem wohl Deutsch? Oder ist es nicht vielmehr nach dem Lateinischen oder Französischen ,Io novo, u8 übersetzt. Und da dieser das Compositum gläräugig davon hat, so sehe ich nicht, warum wir nicht das Homerische Epitheton der Minerva ^«^x-^t? entweder durch dieses gläräugig oder durch glauäugig übersetzen sollten. Hagedorn hätte Gelegenheit gehabt, das Glau bekannter zu machen, wenn er anstatt Eine die mit blauen Augen Mehr als Männcrwitz verband, gesagt hätte: mit glanen Augen. Grammatisch > kritische Anmerkungen. 051 Ueber Provinzialismen. Die Provinzialismen, welche der Schriftsteller brauchen kann, müsse» nächst ihren andern zn bestimmenden Eigenschaften auch diese haben: daß man ihren Stamm in einer von den Quellen der Sprache zeigen, und sonach gewiß seyn kann, daß sie keine Ilflcrgeburten des Dialccts in neuern Zeiten sind. So sind z. B. Rrume n»d Arustc für den äußern harten und innern weichen Theil des BrodlcS gut Englisch. Lliakelp. I^sr. ^Vet. j. lo. 4. — lie luat lt, ut Ut, kiuali Veu8 aölueelabilis. Ich glaube, die Bedeutung ist richtig, daß es nicht sowohl einen falschen Gott, einen Götzen, «Z2 Grammatisch - kritische Anmerkungen. als nur vielmehr ein Bild von Gott bedeuten soll. Doch darum ist es nicht nöthig, die Zuflucht zum Hebräischen zu nehmen. Unser eignes ab, welches nicht allein von, sondern auch nach bedeutet, kann diese Bedeutung schon genugsam erhärten: abmahlen, abzeichnen, heißt bloß nach etwas mahlen, zeichnen; Abglanz ist gleichsam ein zweyter, ein von einem dunkeln, erleuchteten Körper zurückgeworfner Glanz; z. E. der Glanz des Mondes ist nichts als ein Abglanz der Sonne. Abgunst, die Abnahme, die Entziehung der Gunst, an deren Stelle das Gegentheil noch nicht eingetreten seyn darf, dessen Daseyn das Wort Mißgunst andeutet. Die verschiedenen Staffeln wären also Gunst, Abgunst, Mißgunst, Neid, welches auch von den Beywörtern gilt. „Er, der sonst so vielen Antheil an meinem Wohlergehen nahm, fängt an, mir sehr abgünstig zu werden; ja, ich darf „sagen, daß ich schon mehr als Eine Probe seiner Mißgunst habe „erfahren müssen." Ich berufe mich auf eines jeden feines Gefühl, daß es auffallen würde, wenn Mißgunst hier vor, und Abgunst nach stände. Neid, wenn es nicht ausdrücklich auf etwas Einzelnes eingeschränkt wird, ist allgemeine Mißgunst. Auch der beste Mensch kann mißgünstig seyn, gegen den und jenen, der ihm ein Glück nicht zu verdienen scheint; aber darum heißt er noch nicht neidisch. Abbild ist nicht bloß Bild oder Abriß, sondern das Bild von einem Bilde, lind so braucht eS auch wirklich der Dichter, der Abbild dem Urbilde entgegensetzt. Wenn wir auch Abbild-nicht, wie die Holländer, für Portrait brauchen könnten, indem schon Bild im Gegensatz des Gemäldes ein Portrait zn bedeuten Pflegt; so könnte» wir es doch sehr wohl für die Copie brauchen, die ein guter Meister oft von einem seiner Stücke zu machen ersticht wird. So würde ich in der Emiiia Galotti, anstatt: „die Schildercy selbst, „wovor sie gesessen, hat ihr abwesender Vater bekommen. Aber „diese Ropie" — gar wohl haben sagen können: „das Bild selbst — Aber dieses Abbild;" wenn eS im Dramatischen nicht mehr darauf ankäme, der Person ihr angemessene, als gute Worte in den Muud zu legen. Abbinden. Ehedem brauchte man dieses Zeitwort, in der angegebenen Bedeutung für zu Staude bringen, völlig fertig binden, auch sigü» lich, und etwas abbinden hieß auch, caiiila lerum exneiu'ro. Damit ich es kurz abbinde, war so viel alS: damit ich es kurz mache, daß ich endlich mit Wenigem anzeige, worauf die Sache hauptsächlich und allein ankommt. Ich führe diese Redensart an, nicht Grammatisch-kritische Anmerkungen. 653 sowohl, weil sie für sich selbst werth wäre, wieder in Gang gebracht zu werden, sondern weil sie mir eine andre zu erklären scheint, welche sehr gewöhnlich ist. Nehmlich man sagt von einem Manne, der wenig Worte macht, der seinen Entschluß auf der Stelle faßt: er ist kurz angebunden. Was heißt dieses anders, als: er bindet in Allem kurz ab? Nur weil man diese Bedeutung von abbinden zu vergessen anfing, machte man daraus anbinden und indem Leute, die den ganzen Sinn der Redensart nicht faßten, vielleicht an einen Hund dachten, den man um so kürzer anzubinden pflegt, je böser er ist, brauchte man die Redensart von einem Jähzornigen. Abbitten, sich etwas, für sich etwas verbitten, braucht Wicland. Wo ein solcher Schriftsteller von dem Gewöhnlichen abweicht, wird er gewiß seinen Grund haben; und die Abweichungen desselben anmerken, heißt Gelegenheit geben, über die Sprache zu denken. Abend. Frischcns und Wachters Ableitung von dem veralteten Zeitworte Abcn, absteigen, abnehmen, mag freylich wohl nicht die wahre seyn; aber Herrn JhrcnS Ableitung von dem Jslantischcn oplan, nach, möchte ich doch auch nicht vorziehen. Das Hebräische »li uiid unlu-n, er hat verfinstert, läßt mich vermuthen, daß hier noch ein ganz andres Stammwort verloren gegangen seyn werde. Wenn Abend figürlich das Ende von etwas bedeutet; so geschieht cS mehr nach einer fremden, oder nach unsrer jetzigen Art zu reden, als nach der Altdeutschen. Denn bey unsern Vorfahren, welche die Zeit so angaben, ut »c»x ^ucero clieru vitleatur, wie TacituS sagt; d. i., welche den bürgerlichen Tag von einem Abend zum andern rechneten, muß Abend vielmehr der Anfang von etwas geheißen haben, lind in diesem Verstände steht es vielleicht noch in dem Sprichwortc: Gewinnen ist der Abend von Verlieren, d. i. wenn man lange gewonnen, muß man sich gefaßt halten zu verlieren. Freylich kann es aber auch heißen: Wenn man lange verloren, hat man Hoffnung, endlich zu gewinnen. Das Sprichwort kann sehr alt seyn, angenommen den besondern Spieleifer unserer lieben Urältern. Alle Zusammensetzungen von Abend, besonders die poetischen, mitzunehmen, dürfte wohl eben so schwer, als unnöthig seyn. Die einen verdienen eS indeß eben so wohl, als die andern, lind so fehlen z. ö. Abendglocke, für: das Abendläuten der Glocke; Abendgefilde, gegen Abend liegende Gefilde. Zach. Aebicht, das Wort ist gut, und wohl beyzubehalten. Man braucht t','i4 Grammatisch > kritische Anmerkuiigen. es auch von der verwandten oder umgekehrten Hand. So hört man oft in Sachsen: Geh, oder ich will dir mit der abichten eins geben. Ein andres Wort, das gleichfalls so viel als äbicht bcdcu tet, klingt nicht so fein; nehmlich: Acrschlich/ arschlings; cS ist aber auch Hechdeutsch. Adclnng hat eS nicht. Und man sollte, meyn' ich, in einem Wörterbuchc dieser Mundart auch dergleichen Feinheiten mit anmerken, wenn man nicht das Ansehen haben will, dem übrigen Deutschlande weis machen zu wollen, daß diese Mundart allein sich immer anständig und edel ausdrücke. Noch einige fehlende Worter: Aalen, das Zeitwort für Aale fangen, hat Sckollcl ausdrücklich. (Lon der T. Haupt-Spr. S. 1277.) Und warum nicht? Wir machen ja nicht allein von Fisch fischen, sondern anch von Krebs krebsen. Noch erinnere ich mich, aalcn als ein Kunstwort unserer Röhrmeistcr gefunden zu haben; für: eine verschlemmie Röhre lüften, indem man einen lebendigen Aal durchschlüpfen läßt. Abdangen / durch bange machen einem etwas ablisten, abpressen. Ich weiß keine gedruckte Auctorität; aber ich habe sagen hören: Er hat mir mein HauS mehr abgcbangt, als abgekauft. Abbillige,,, ein gutes und nöthiges Wort, eine besondre Art des AbcrkenncnS auszudrücken. Aberkennen ist das Allgemeine; abbilli- gen und absprechen sind das Besondere. Dieses bezieht sich ans den Spruch des Gesetzes, jenes ans die Billigkeit; abbilligcn ist Sache des SchicdsmannS, absprechen des Richters. „Leider sind die Gesetze oft so, daß der Richter einem etwas absprechen mnfi, was er ihm nicht abbilligen würde." Acfern ist noch nicht so lange veraltet, wie Adclnng meynt. Denn noch in dem Eselskömge, einem meisterhaften Buche des vorigen Jahrhunderts, kommt cS S. 247 vor. Ein gutes Französisches Sprichwort. Ich wünschte, daß wir Deutschen diejenigen Sprichwörter, die aus dem Französischen j»r Zeit noch nicht geborgt sind, noch borgten. Wenn wir z. B. von Dingen, deren cS nur wenige giebt, sagen, daß sie sich an den Fingern zählen lassen; warum sollte man nicht von Dingen, die fast einzig in ihrer Art sind, im Scherze saaen 4 Grammatisch > kritische Anmerkungen. dürfen: daß sie sich an der Nase zählen lassen? Senn im Französischen: tüliole«, »lu'on i>eut coiopter sveo le ne?, 5e llit llo cel- les ezui tont tri-s rare8 et presc^a'unilzues er» leur etveee. Du» eliatian-, p. 487. ?->rt. 2. Vergleichung Deutscher Wörter und Redensarten mit fremden.*) aksen machen. Ob dieses nicht mit dem Griechischen c-^«^o>^,v eine Verwandtschaft haben sollte, von welchem Worte nachzusehen ki-ssmi ^Vllaßia p. m. 21. Himmelweit von etwas verschieden seyn, nach dem Lateinischen tolc» eoelo clittsre ebend. p. 2l>. von selbst, so viel als freywillig. Tiefem Ausdrucke ist der Lateinische sb le für honte fua sehr ähnlich, welcher besonders bey Plautus vorkommt, z. ?. ^li se ex!t. kleoseelim. 1. 2. 6<>. Man sehe die Anmerkung Taubmanns über diese Stelle, die sich der neue Herausgeber von (!ikmii dlilervst. I^gt. I. v. m. 3. zugeeignet hat. Es kann nicht fehlen, für: es ist nothwendig. Der Lateiner: sb- esse van polest, ezuiu. 8. Kilon. I. o. p. m. 4. Aufs höchste. Lie. p. I>lil. o. 12. aä sumwum. Jemanden den Daumen halten, premere vollieem. ür. p. 148. °) Es befinden sich darunter mehrere Bcrglcichungcn Deutscher Redensarten mit Griechischen. Lrssing balle ncmlich in frühern Zeiten den Plan, nach dem Beyspiele einiger Französischen Gelehrten, etwas über die Analogie der Deutschen und Griechischen Sprache zu schreiben. Ein dazu gehöriges Manuskript ist 1759 angefangen, und hat die Ucbcrschrift: Ueber die Aehnlichkeit der Griechischen und Deutschen Sprache, zur Erleichterung der erstcrn, und Verbesserung der letzter». Lcssing scheint bey dieser Idee von keinem bestimmten Princip ausgegangen zu scv»; denn bald leitet er Griechische Wörter von Deutschen, z. B. ö-lv« von den, bald Deutsche von Griechischen, z.B. Ehre von k^?, ab. Ucbcrall aber giebt er zu viel auf die Aehnlichkeit des Klanges der Wörter. In der Folge-hat er selbst die Hand von diesem Plane abgezogen, und das Publicum würde durch die Millbcilung dieser wenigen Anmerkungen nichts gewinnen. Füllc- born in Lcssings Leben ill, S. XV. Lcrglcichlmg Teutscher Wörter wohlbcsprccht welches Logau braucht, ist ohne Zweifel das Englische imo snolcen, der gut zu reden, sich auszudrucken weiß. Aus der Hand ins Maul. Englisch: l'Iio^ Iiave liut 5iom Im»6 tc» moulli. Topffreundschaft, nach dem Griechische» x^?"? x^a. Lrasw. p 122. Hölzern, abgeschmackt, albern. Griechisch: -u-ro^>,o,'. IZ-^asm. u. 98. Einein etwas ins Maul schmiere»/ cinkäuen, vrocmau5um in vs inserere. Lrasw. p. 116. Gepfeffert, was sehr theuer ist. Auch die Franzosen haben einen sprichwörtlichen Ausdruck, clier comme noivre. (Duolialmna ^. 2. n. 63l.) Beyde Ausdrücke schreiben sich ohne Zweifel noch ans den Zeiten her, da der Pfeffer ungleich theurer war, als er jetzt ist. Man muß Hundshaar auflegen. Il saut nrerilli-o 6u noil clo la tiüle. Die Raize im Sacke kaufen, ^elielvr cliat cn voelio. Zlbgeben, für: etwas seyn, einen Soldaten abgeben. Das Engl. xivo oll, z. E. beym VVicüeile^ ^I^ove iu a Woo6 ^ct. ^. >>. 81.) no msa lireatliing vvoulll givo ol? a s^oser, as llie lavs. Vorboten. Dieses Wort brauchen wir öfters gewisse prognostische, ominöse Zufälle auszudrücken. Z. E. Lorboten des Todcs :c. Ilnd die gemeine Ableitung ist von Bote, nuritius; Lorläufer gleichsam, welche die Annäherung dieser oder jener wichtigen Begebenheit ansagen. Ich will diese Erklärung auch nicht platterdings verwerfen; aber ei» Englisches Wort, welches Teutschen Ursprungs ist, und sowohl im Klänge, als in der Bedeutung viel Aehnlichkcit mit diesen: Lorbolen hat, sollte mich fast vermuthe» lassen, daß seine Wurzel weit tiefer liege; lo boäv nemlich, oder olioile, heißt: vorbedenken; und vociement oder alioü'ewent die Lorbedeutuug. Z. E. lins volles lome ttrange eruptioa tc> our tlalv. llawlet. Es wäre nicht das einzige Exempel, wo aus unsrer jetzigen Sprache der alte Stamm eines Wortes so gänzlich verloren gegangen, daß man sich gedrungen gesehen, cS zu der figürlichen Bedeutung eines ganz andern gleichlautenden Wortes zu machen. Ich werde in dieser Muthmaßung noch mehr bestärkt, da ich sehe, daß uian auch sogar to soreliode und inreliollcr i» ebc» dieser Bedeutung im Englische» sagt, lioiler aber nichts weniger, als Bote, nuntius, heißt. Rnäuel leitet Frisch von xiomus her. Ich glaube aber, daß es ursprünglich Deutsch und mit dem Englische» coil verwandt ist, welches nicht allein Tumult, Lerwirruug bedeutet, sondern auch, wie und Redensarten mit fremden. ö67 eS Johnson erklärt: s rope wvrmä iotc, s rmg; und das ist ein Knäuel. Fehlen, in der unbestimmten Bedeutung, da es nicht sowohl einen wirklichen Mangel, als nur eine gewisse Disposition anzeigen soll: als z. E. was fehlt ihm? für: was ist ihm, daß er so unsinnig lacht, so kläglich weint? In dieser Bedeutung ist es das Englische w gil. AIS: Wlist tue man, tust Iie lauglis vvitdout reslou? Allerliebst. Die Engländer, wenigstens Shakespear, haben dieses Wort offenbar unserer Sprache abgeborgt, slclerlievekt. ^Vitli z?ou, mine glllerlievett to vereinn. Ileorz? VI. Und Johnson glaubt ganz unrichtig, daß es von s!6, släer, 0I6, eitler und lieve, ciesr, beluvecl zusammengesetzt sey, in welcher Meinung er eS denn auch durch wtiicd liss kc>16 Ilie looeett pok- letlioo vk tlie I>i?srt umschreibt. All, wird von uns, und besonders in dem plattdeutschen Dialekte, auch öfters als ein Adverbium gebraucht, und heißt alsdann so viel, als gänzlich, völlig. Z. (5. ES ist all fertig; eS war all fünf llhr. In diesem und dergleichen Fällen sagen wir auch wohl: es war allbereitS fünf Uhr; und sodann bedeutet dieses allbereitS, welches man eigentlich als zwey Wörter schreiben sollte, so viel als schon völlig. Auch die Engländer brauchen ihr all auf diese Weist, und sagen I. E. t>e is »II reac!^ Ae. Allwcise, gll-^ilo, preteut vk in- limte vrislioai u. s. w. allsehcnd, allwissend, allmächtig. Allst)/ oder allo, diese anreitzende, anfrischende Jnterjection kommt zwar allem Ansehn nach von dem Französischen allons; da sie aber einmal so allgemein üblich ist, so glaube ich, daß wir eben dasselbe Recht haben, bey ihrer Rechtschreibung von der Etymologie abzuweichen, und sie bloß nach der Aussprache zu schreiben, welches die Engländer haben: to slloo, to ioeilv a 60g, 1)^ erging «Iloo. Allein kommt fast durchgängig mit dem Englischen alone überein. Nur zweifle ich, daß man eine einzige Redensart anführen kann, wo es ein Adjectivum wäre, welches nach dem Johnson alone fast immer ist. Längst, die Länge hin, slooßtt; als olonKkt Nie lea cosll, längst der See-Küste. Mang, dermang, wovon das Zeitwort mengen. Engl. among smooxkr. Lenmgs Werk- XI 42 ». -^^.v«^../^ 658 Lergleichung Deutscher Wörter Sich belaufen, to gmouok, in der Hauptsumme ausmachen. Als: die Defccte, die man ihm gezogen hat, belaufen sich auf — Belauf der, smount; das Total von verschiedenen Summen. Aergern, einen, Aergerniß. Wenn man diese Worte von arg, arger ableitet, so weiß ich gar nicht, wie sie zu der Bedeutung gekommen sind, welche sie eigentlich haben. Ich bin daher auf den Einfall gerathen, ob sie nicht vielleicht mit dem Englischen goZor, to anger verwandt seyn, und also vielmehr änger, Acngerniß heißen sollten. Wenigstens drücken die Englischen Worte gerade das nemliche aus. Perenius leitet es von dem Gothischen nngun, anguslus her; welches unser enge wäre, daß cS also auch sonach eigentlich Acngcr- niß heißen müßte. Rathen, to areail, oder areeä. kut mark vvbst I aroaä tliee oovv. Aber merke, was ich dir nun rathe, ulilloo. Ars. Auch die Engländer haben dieses Wort: ^rle; es bedeutet bey ihnen aber nur tue buttoks, or binil pari ok so animsl. Sie brauchen es also nicht von dem Menschen, von welchem cS bey uns fast nur allein gebraucht wird. Als, mit dem Englischen ss in seinen verschiedenen Bedeutungen zu vergleichen. Ksche oder Aesche, krsxious. Engl. alli. Aschgrau/ heißt unstreitig, grau wie Asche, oiois. Die Engländer sagen ssli colourecl, und Johnson erklärt dieses Wort, colouroc! betvveeo brown anä xroz^ Iil cueolcei', eingelegte Arbeit machen, etwas mit vielen Farben unterscheiden. Dorrend, dotticht, Englisch to oote, kindisch, aberwitzig werde»; a Ootarcl, ein alter, aberwitziger Geck. Hiervon ist auch das Französische laooter abzuleiten, wovon beym Richelct (Ausgabe Amsi. 1732. 4to) zwey seltsame Terivationcn zu finden. M. 6v la klotllv lo Va^ei', heißt es da, clit «jgns ton ^ugement 6'IIe- rolioto, csuv Lslaulion g cru lzuo les uitloires kaliuleuses o'IIe- roilote avoieot «Zonnv lieu !> former lo mot ra^otor, preoank pour uns elimolo^io, eo hui n'ett vi-aifemvaulomont o.u'unv limnlo sllulion. jiacloter a 6l6 sait ve r eacläunitare; co czui Iv coolirme, e'e5t la remarczuo 6e KIr. klenage, l^ui ra- poite, «zue le petit neuule 6u IZIesois >^ 6e ^ormsnclic! !6. Geilen, unverschämt um etwas betteln, icl. idicl. wovon auch das Subst., ein Geiler. Schuygeist, Ludwig sagt auch Schirmgeister, und Frohngcister, welches letztere allenfalls von Kobolden zu brauchen wäre. Das Gelag, a eluo, wo jeglicher von der Gesellschaft seine Zeche bezahlt. Ein Kränzchen, wenn die Bewirlhung in der Gesellschaft die Reihe herumgeht. Geldklemme Zeiten, dieser Ausdruck wäre zu dulden; aber nicht das Subst.: die Geldklemme, weil das bessere Wort der Geldmangel vorhanden ist. Ludwig hat beydes. Geleit, ecmvc.^, rrgiu. Ein Geleit von Kriegesschiffen. Er ist unter einem großen Geleit von Kutschen eingeholl worden. Ein Miniaturgemälde nennt Ludwig ein gelüpftes Gemählde. S. deutsch-englisch Lexicon. Gemälde. Gemeinsam, mit diesem Worte würde man nicht übel das Lateinische populgris oder plebejus ausdrücken. Gemeinsamkeit. und Redensarten mit fremden. 661 Genießrecht; ulutruetus. Ludwig ibid. Gern, ein Gerngroß, ein Gcrngelehrler :c. Schagrin, Ludwig nennt es gestipft Leder. Der und die Götte, Ludwig ibid. für Gevatter. Tater, soviel als Zigeuner, (Ludwig), vielleicht soviel als Tartar, wofür diese Leute gehalten werden. Shakesvear in den »lerr^ W'ives ok W. p. w. 240. sagt: Loliemisn-I'grtsi', wie mich dünkt, in gleichem Verstände. Rausch, beym Shakespear kömmt das Wort ronle in diesem Ler- stände vor. vltiello Lc. II. 8. XI. p. m. 218. ko^e Iiesv'n, Inezs Iisve givo wo s roule slresdz'. Das Glossarium bey der kleinen Ausgabe sagt zwar, daß roule so viel sey als caroule, Fr. esroulle, Deutsch Kehraus oder Garaus; allein der Zusammenhang zeigt in der angeführten Stelle, daß es bloß Rausch bedeuten kann. Stocken, für einen stocken, im Spiele, d. i. für einen setzen. Der Stock würde also der Satz im Spiele heißen, (Englisch tiake) und überhaupt sehr wohl für das Franzvsische toricl zu brauchen seyn; wie es denn auch »och in dem zusammengesetzten Worte: Arme liste ck, vorkömmt. Äarfuß, Barfüßer, Engl. lisre, bloß, nackend. Vielleicht ist das Wort baar (baar Geld) ebendasselbe, obgleich einige eS von ps- rat» neeuoia ableiten wollen. Flinte. In dem Englischen hat man das Wort klink, ein Feuerstein, und vielleicht muß man die Bedeutung des Deutschen Wortes Flinte daher nehmen, daß es ncmlich ein Schießgewehr bedeutet, welches durch Hülfe eines Feuersteins losgebrannt wird, anstatt daß eS bey den andern mit Lunte geschieht. So wie im Französischen lulil, beydcS ein Fcucrgcwchr, und den Stahl, womit man Feuer schlagt, bedeutet. Ausschänden einen, nicht ausschandircn; denn warum sollte ein gutes Deutsches Wort die Endung derjenigen Zeitwörter haben, die wir aus dem Französischen borgen? Englisch to siierik. We sksll »II be slieot: Hliakekuesr I>Iorr^ Wive» ok Win6lor p. m. 194. Mumme, Englich Mum. Es kömmt in den klerr^ Wives ok Wmil- lor vor, p. m. lös. Und in einer andern Ausgabe flehen die Worte darunter: llatlerivg liyuor muek in ute awoog tlie ?Iemings. Meyerey. Kömmt ohne Zweifel von meyern, mähen, her. Ein Ort für die Müher. k -^-^.v^^Mx, 6Ü2 Lergleichung deutscher Wörter Maschine. Wir haben dieses Wort nicht sowohl von dem Lateinischen Algeliioa, als von dem daher abgestammten Französischen niaeliino entlehnt. Daher kömmt es auch, daß wir nicht Machine, sondern Maschine sprechen, und es auch so schreiben müssen. Bey dem Verbum hingegen behalten wir die Lateinische Aussprache bey, und sagen machiniren, nehmlich in der figürlichen Bedeutung, für verderbliche Anschläge gegen einen machen. Hufschmidt, figürlicher Weise nennt man einen Hufschmidt jeden, der in seinem Handwerke oder Profession grob und plump arbeitet. So wie die Franzosen in diesem Verstände ihr klaeou brauchen, eo n'ett pss un iailleur, ei: n'el°t pas un eoriioomer, o'esl u» vrai mseoo. Macularur, ein Kunstwort der Buchdrucker und Buchhändler für gedruckte Bogen, welche nicht gut abgezogen sind, oder sonst keinen Werth mehr haben, und die man folglich zu nichts als zum Einpacken brauchen kann. Wir haben es zum IXeulrum gemacht, und im Französischen ist eS weiblichen Ecschlechts. t?clt uno maculature. Masche, maille. Eine Masche aufheben, das ist eine Masche, welche aufgegangen ist, wieder zuziehen; renrenilre uoe maillc. Windel, von winden. Er lag noch in der Windel, il eloit eueorv msillot. Windeln. Einwindeln, emmailloler. Aufwindeln, «tesingilloler. Hand, für eines jeden besonderer Fug im Schreiben. Ich kenne seine Hand; er schreibt eine schöne Hand. Auch die Franzosen brauchen ihr la maiu in diesem Verstände; »eeonnoilro la main «je «zuel- «zu'uu, pour «lire, reeonnoilro lnn cciilure. Handschreiben, im Ll^Io curiao von königlichen Briefen, oder andern hohen Personen gebräuchlich. So nennen auch die Franzosen leltres lle la main, Briefe, welche der König selbst geschrieben, oder doch unterzeichnet hat. Hand. Aus der ersten Hand etwas kaufen, d. i. von dem kaufen, der eS zuerst verkauft. Der Franzose bedient sich des nehmlichen Ausdrucks; prevore, sekkier uue mareliarulile 6e la Premiere main. Nach der Hand etwas verkaufen, d. i. ohne eS zu wägen; eben so der Franzose, aelieler «le la viancle ä la main. Aey der Hand, etwas haben, seyn, d. i. gleich in Bereitschaft haben, »iid Rcdcnsarlcn mit fremden- «63 oder seyn, daß man nur darnach langen darf. Vous avcn 15 tou- le» elioies ü la roain. Unter Händen, etwas haben, d. i. in Arbeit. Unter den Händen wegkommen/ sich verlieren/ d. t. da man es noch den Augenblick vorher in den Händen gehabt, indem man die Hände gleichsam noch darüber gehalten. Hand an etwas legen/ luetlie la rumu ä lzuelczue eliote. Unter der Hand, soviel als heimlich, wie das Französische lous iiiain. I^aites lui oire eela tuus ruaio. Laßt ihm unter der Hand sagen. Vorhand, im Spiele, so viel als Lorzug. Ich habe die Vorhand, d. i. ich bin der erste, der dieses thun darf; ich habe das erste Recht darauf. Der Franzose braucht hier das bloße maio, nicht avimt-mam, welches, wie arricre-mam, in dem Ballspiele Schläge bedeutet, die entweder mit der rechten oder der verkehrte» Seite der Raauelte geschehen, il jouo ruienx ciue vous an r»i«zuer, !I vous ciouueioit ciix <^ la main. Lese die. Im Kartenspiel so viel als Stich; un levv 6e csrtes. Wofür der Franzose aber auch sagt wsm: Lowliieu aves vous waius? Wie viel Stiche haben Sie? Buch/ ein Buch Papier, d. i. eine Lage Papier von 24 Bogen, klnin ue papier; welches bey den Franzosen aber aus 26 Bogen besteht. patsche, parschchcn, jenes eine große plumpe, dieses cine kleine Hand, une meuotto. Zlermcl, etwas aus dem Acrmel schütteln, etwas ohne die geringste Schwierigkeit hervorbringen; als ob man es ganz fertig in dem Acrmel verborgen gehalten, daß man cS mir hcranSschüttcln dürfe. So sagt der Franzose: avoir uno eliolo, uue peifuimv «Zaus la msoolio, vour ilire, oo ilisvol'er, on vlie sllui«:. „8'il joue conlio cet lioiiiml! lü, il tieut uu ^>!>ili ciaus la munviie." Manschcttc, man muß es vergesse», daß dieses aus dem Französischen entlehnte Wort vo» inalu abstammt, um uuscrc gc»ici»c t^inthci liliig in Hand- und Sticfclmanschcttc, nicht abgeschmackt zu finden. Manier, die, vo» dem Französische» munic-ro, Art, Weise. ES ist ei» Wort, das i» gutem uud bösem Verstände gebraucht werde» kann- Hiiigcgc» wird das davon abgeleitete Adjectivum, manierlich, nur i» gutcm gebraucht. Manier, als ein Kunstwort der Malercy, heißt die besondere Verglcichnug deutscher Wörter Art, das Eigenthümliche eines jeden Malers, es sey in der Zeich nung oder im Colorit. Gesprächweise/ heißt 1) so viel als dialogisch. „Dieses Buch ist gesprächweise abgefaßt." 2) so viel als das Französische par roanivia 6'entrelieo. Haus/ für Familie, Geschlecht. Er ist von gutem Hause. Il eN «lo barme maitoo. Dieses Haus ist erloschen, vollkommen wie der Franzose: cetts mailon eü eteiote. Gotteshaus/ für Kirche, la maisun 6e viou. Stadthaus/ für RathhauS, scheint mir mehr Holländisch als Deutsch zu seyn. Auch der Franzose sagt mailoo ^k^ r^. äriltopk. Llj. 473. Vorfallen, sich ereignen, zutragen. Eben so »tzos-tl-e^v im Griechischen. p)tliag. ^ur. Lärm. 21. »o^o-^ 6'«^h^o^-7-> — Xozio^ »tzo^^o^o-i, es fallen unter den Menschen vielerley Reden vor. Noth, für nöthig: es ist Noth. So die Griechen ihr xtz-">'- 1^- tliag. ib. 30. ES ist noch nicht sieben Jahr, ->"»u «r»? k-ci«. Aufheben, z. B. die Gesetze. Eben so das Griechische »v«^-^ -o-v? Nicht so viel jemanden trauen, für gar nicht. Eben so der Engländer: I eare not tbi'g kor z^ou. Altdeutscher Witz und Verstand.") t. Prlameln. i. ^!8elcher Priester sich des verineß Der ein Jahr ob dem Scholder scß/ Und ein Jahr in Freyheiten-Weis umlief, Und ein Jahr all Nacht in der Badstubcn schlief, Und (war) ein Jahr eines BubenvatcrS Knecht, Und ein Jahr ein Büttel und pul für recht, Und daselbst allerley Recht spüret, Und ein Jahr einen Blinden führet, °) Fülleborn i» Lcssings Lebe» 111^ S. XVl. „Etliche Bändchcn, Bogen und Blätter mit Dcnkvcrsc» u. dcrgl. glaubte ich am besten unter die Rubrik: Altdeutscher Vviiz und Verstand, zusammen zu ordnen. Den» so sagt Eschenburg im Stcn Beytrage Zur Geschichte und Literatur aus den Schätzen :c. S. 185. „Unter dieser Aufschrift war der sel. Lcssing scit mchrcrn Jahren Willens, „eine Sammlung von Sprüchwortcr», Apophlhegmen und Dcnkvcrscn altdeutscher Schriftsteller zu veranstalten, die er zum Theil aus vcrschicdnc» „Handschriften der wolfenbüttclschcn Bibliothek, zum Theil aus gedruckten Buchern des fünfzehnten und sechzehnten Jahrhunderts zu wähle» „gedachte." Es befanden sich unter den Papieren beynahe alle die priamcln, welche Eschcnburg in dem angeführten Beytrage, und neuerlich in Gräters Dra- gur Th. 2. S. 332. f. mitgetheilt hat. Nur acht Priamcl» erscheinen hier zum erstenmal. Das Lehmannsche rlorUeßwm poi'uioum (Lübeck 1LZ». 8.), aus wcl- chcm mehrere Apophthcgmcn genommen sind, wollte Lessing wahrscheinlich besonders bearbeitet herausgeben, wie ich aus einem rein und zierlich gc- schriebnc» Titelblatts vermuthe, welches so lautet: Christoph Lchmanns Blumengarten, frisch ausgejätet, aufgeharkt »nd umzäunt von einem Liebhaber alter Deutscher Sprache und Weisheit. Erstes Beet. 1770." Altdeutscher Witz und Verstand. 667 Und war ein Wirt in einem FrauenhauS, Da würd erst ein guter Beichtvater drauS. Scholder, wahrscheinlich Schuld-Thurm. Also keine Person, wie es Frisch erklärt. Freyheit/ sreye Knecht im Kriege, die sich wahrscheinlich vom Raube nährten, pul für recht versteh' ich nicht. 2. Wer Frauen die Köpf stößt an einander, Wenn eine heimlich redt mit der ander, Und scharfe Messer haut in Stein, Und an ein Tanz streut spitzige Bein, Und in ein Essen riert Aschen, Und Löcher bohrt in Beutel und Taschen, Und den Frauen hinten auf die langen Mängel tritt: Der arbeit auch gern, des man ihm nicht bitt. 3. Nebel, übrige Kalt und Heisse Glut, Taubcnmist und auch ihr Brüt, Winpran stechen und Augen reiben, So Blattern und Roth darinn thut bleiben, Gestöber, Blitz, Sunn und auch Rauch, Groß Trünk, Zwiffcl und Knoblauch, Weisser Schnee und auch Heisse Bad: Die Ding seyn all den Augen schad. 4. Ein alter Jagdhund, der nimmer mag jagen, Und ein alter Esel, der nimmer Sack mag tragen, Und ein alte Bubin ungeschliffen, Die sich lang gcnehrt unter Pfaffen, Und ein Tasche ohne Fach, Und ein alter Dienstknecht krank und schwach, Und ein altes Schaf, das nimmer trcgt Wollen, Und ein alt Mann, der nimmer mag „ollen, Und ein altes blindes hinkeS Pferd: Die seyn im Alter allesampt unwerth. Nollen, was cS hier heißt, sieht man leicht. Frisch erklärt es durch schütteln. 6. Welcher Mann an Freuden ist erloschen, Und unten gar hat auSgedroschcn, WS» k ^V^^Ä-/. 668 Altdeutscher Witz und Verstand. Und schwach und krank ist an seinem Leib, Und hat ein schönes junges Weib, Die unter dem Gürtel ist hungrig und zeitig, Dem seyn die Riffarbeit über Jahr zeitig. Riffarbeit, vielleicht so viel als Sarg. e. Wer ab will löschen der Sunnen Glanz, Und ein Geiß will nöthen, daß sie tanz, Und einen Stummen will zwingen, daß er hör, Und ein Kuh will jagen durch ein Nadelsör, Und geistlich Münch will machen aus Schälken, Und auS einem Esel Met will melken, Und an ein Ketten will binden ein Fist: Der arbeit gern das unnütz ist. 7. Ein junge Maid ohn Lieb, Und ein grosser Jahrmarkt ohn Dieb, Und ein alter Jud ohn Gut, Und ein junger Mann ohn Mut, Und ein alte Scheuern ohn Mäuß, Und ein alter Pelitz ohn LSuß, Und ein alter Bock ohn Bart: Das ist wider die natürlich Art. 3. Von dem Zinken, Quater und Eß Kommt mancher in des Teufels Nest, Von Quater, Zinken und von Dreyen, Thut mancher Waffengo schreyen. Von Eß, Seß und von Tauß Hat mancher gar ein ödes HauS. Von Quater, Drey und von Zinken Muß mancher lauter Wasser trinken. Von Zinken, Drey und Quater Weint oft Mutter Kind und Vater. Von Zinken, Quater und Seß, Muß Jungfrau Metz und Agnes Oft gar lang unberathen bleiben: Will er die Läng das Spiel an treiben. Alldeutscher Witz und Verstand. 669 2. Altdeutsche Reime. Für Liebhaber eines triftigen Sinns in ungekünstelten Worten. Aus Bürgerlich. Zw. Th. 1664. 12. Will einer wissen, wer er ftp, Der schell' zween andre oder drey, Wo ihms die ersten zween vertragen, Wird ihm der dritt' die Wahrheit sagen Drum laß ein jeden, wer er ist, So sagt er auch nicht, wer du bist. » Urtheil nicht nach des MannS Gebchrd, Kunst macht auch einen Lahmen werth. » Mancher könnt' die Kappe sparen: Man kennt ihn so schon sür einen Narren. » , Äiisi Sieh auf Dich, und auf die Deinen, Darnach so schilt mich und die Meinen. » Wer entbehrt der Ehre, Dem ist weder wohl noch wehe. » Schenk ist gestorben, Gebhard ist verdorben. » Kappen, Pfeffer und Kalk Verbergen manchen Schalk. o Lieber Rock reiß nicht, Hcrrengunst erbt nicht. » Dien wohl und fodre keinen Sold, So werden dir die Herren hold. Ein eigner Herd Ist Goldes werth; Ist er schon arm, Er ist doch warm. Altdeutscher Witz und Verstand. Langsam zum Säckel, hurtig zum Hut, Hilft manchem armen jungen Blut. Das Kleid ziert einen Mann, Wcrs hat, der zieh es an. , ,«z^«z izA, > n>?iis> u Alte Leute, alte Ränke: Junge Füchse, neue Schwänkc. Alte Freund', alter Wein, alt Geld, Führen den Preis durch alle Welt. Aus Lchmanns ^lorile^inm. Wenn alle Leute wären gleich, Und wären alle sämmtlich reich, Und wären all zu Tisch gesessen, Wer wollte auftrage» Trinken und Essen? Der Fuchs ändert den Balg, Und behält den Schalk. In kleinem Sack Steckt oft großer Pack. Von einem Streich Fällt keine Eich. Schöne Gestalt Hat große Gewalt. Was nicht will werden ein Bildstock, DaS werd' ein Sautrog. Besser ichtS, (etwas) Sprach der Wolf, denn nichts, Als er nach einem Schafe schnappte Und dafür eine Muck ertappte. Altdeutscher Witz und Verstand. Wer antwortet auf unnützes Gesvcy, Der macht auS Einem Unglück zwey. Der Mann ist Ehrenwcrth, Der alle Ding zum Besten kehrt. Die Armen helfen all, Daß der Reiche nicht fall. Bitter im Mund Ist dem Herzen gesund. » Wer ein Ding nicht sehen will, Dem hilft weder Aug noch Brill. -> Halt dich warm, Füll nicht zu sehr den Darm, Mach dich der Grctc nicht zu nah, Willst du werde» alt und graw. Baust ein Haus, So machs auch auS. Hitz im Rath, Eil in der That, Gebcrcn nichts als Schad. » Vorgethan und nachbcdacht Hat Manchen in groß Leid gebracht. Wohl bedinget und gehalten, Stehet wohl an Jung und Alten. Der ist eines Dinges nicht werth, Der nicht das Herz hat, daß crs begehrt. Zwey Hund an Einem Bein Kauen selten klein. L^N 672 Altdttilscher Witz u»d Verstand. Gute Hut Behält sein Gut, Eigne Hut Am besten thut. » Es ist keiner so reich, Der Arm ist ihm mit Denken gleich. Da Ja und Nein im Brauche ging, Da stand es mit der Welt nicht so gering. Ein jeder Tag Hat seine Plag. » Wer irre geht und wieder wend't Der wird unbillig geschand't. Grober Verstand Hält Bestand. « Hart gegen Hart Nimmer gut ward. » Ein blinder Mann, ein armer Mann, Aber noch ein weit ärmrer Mann, Der sein Weib nicht regieren kann. » Leihen macht Freund', Wiederfodern macht Feind. ' ^ >5 n 2 Wer borgt ohne Pfand, Hat einen Wurm im Verstand. » Borgen Macht Sorgen, Darum soll man nicht mehr verzehren, Als der Pflug kann ernchrcn. Laß fahren, was nicht bleiben will, ES sind der Mutter Kinder viel. Altdeutscher Witz und Nersiand. Wer will haben Gemach/ Bleib unter seinem Dach/ Wer will haben Ruh, Bleib bey seiner Kuh. Ost oder West, Daheim ist das Best. Selig ist der Mann/ Der Hcrrendienst cntrathen kann. » Wohl dem, der mit Gott und Ehren Ohn Herrendienst sich kann crnehccn. Der alte Hund oft selbst verschuld'!, Daß man ihn länger nicht geduldet. Einem Edelmann StehtS sehr wohl an, Wenn er etwas vor andern kann. o Lediger Stand Hat Ruh im Land. Ohne Frauen und Wein Können Männer nicht fröhlich seyn. Eine harte Nuß und stumpfer Zahn, Ein junges Weib und alter Mann Zusammen sich nicht reimen wohl, Seines gleichen jeder nehmen soll. » Schnell Spiel Uebersicht viel. Es ist bald gethan, Was bald reuen kann. Feindes Mund Redet selten Grund. LemiigS Werke XI Altdeutscher Witz und Verstand. Hat Paul einen Schaden am Fuß, Sanct Peter darum nicht hinken muß. Freund' in der Noth Gehen wenig auf ein Loth. Wer will, daß ihmS geling, Seh selbst zum Ding. » Einer hat Arbeit und Fleiß, Der andre den Nutzen und Preis. i' M^yÄ uNU»ji<>V «in 5Z Große Freundschaft und Geschlecht Macht manche böse Sache recht. « ES ist niemand so gut, Er hat wohl zweyerlev Muth. Frommer Mann Hilft, wo er kann. » Wer selber fleucht, Den jagt man leicht. » Dreytägigcr Gast Wird eine Last. Mancher nimmtS mit Scheffeln, Und gicbtS mit Löffeln. V! IHIüiiZ i>i,I» ! Duck dich, und laß vorüber gähn, Das Wetter will seinen Willen han. » Wer nicht kann denken und weben, Der kann nicht lange leben. ^.M,.,. il' Wer will haben gute Ruh, Der seh und hör und schweige zu. Altdcnlschcr Wil) und Verstand. 676 ES muß seyn, Schick dich drcin. Mancher entfleucht den, Falken, Und wird vom Sperber gehalten, » Selbst der Mann, Selbst gethan! Sey Hur oder Dieb, Hast du Geld, so bist du lieb. Daß man der Dornen acht, DaS haben die Rosen gemacht. » Gemein Ist nicht rein, » WaS einem nicht kann werden, Ist ihm das Liebst- auf Erden. Was man nicht kann meiden, Soll man geduldig leiden. Wer ist gelehrt in Kunst uud Recht, Der ist nur andrer Leute Knecht. Wer viel verstehet, weiß und kann, Der ist ein hochbcschivcrtcr Mann. DaS gemein Geplärr Ist nicht ganz leer. Ein Gesunder ist geschickt zu wandeln, Ein Weiser zu handeln. Alle Thier »nd Vöglcin sind so weis', Sie ruhn ein Stündlein auf ihre Speis. 4? * Altdeutsch» Witz und Verstand, Wer trinkt ohne Durst/ Der Liebe pflegt ohne Lust, Und ißt ohne Hunger, Der stirbt um zwanzig Jahre jünger, ,in>ll>,(!«, ^itiv^iA in Gewalt Wird nicht alt. » Wer wohl ist gesinnt, LäßtS bleiben, wie er» find't. Einem jeden gefällt seine Welse wohl, Drum ist das Land von Narren voll, « Sich für dich, Treu ist mißlich. « Angenomnc Weis Schmilzt wie Eis. Ohne That der bloße Nahm Steht mit schlechtem Lob bensam. Glimpf Wird oft belohnt mit Schimpf. Glimpflicher Mann Führt die Lente an. Kein Glück Ohne Tück. « Glück und Unglück Tragen einander anfm Rück. » Herrengunst, Aprillcn-Wetter, Fraucnlieb und Roscnblatter, Würfel, Karten und Fedcrspicl Verkehren sich oft, wcrS glauben will. Altdeutscher Witz und Verstand, 677 Wer Böses thut, daß Gutes draus komm, Ist er kein Schalk, ss ist er nicht fromm, 0 Mit Vielem hält man HauS, Mit Wenigem kommt man aus. » Wer will haben ein sauber HauS, Der laß Soldaten und Pfaffen drauS, « Hoffen und Harren Macht große Narren. Wer hat, der behalt, Die Lieb ist kalt, Und Unglück kommt bald. Wer Jungfrau'» schänd't, Nimmt kein gut End. Klein und keck Stößt den Großen in Dreck. Almosen geben, armt nicht, Kirchengehcn säumt nicht, Wagen schmieren hindert nicht, Unrecht gut faselt nicht. » Acht nicht sehr der Sterne Schein, Wenn dir die Sonn will gnadig seyn. Wer aber ohne Sonn muß seyn, Der nehm in Acht der Sterne Schein. Mich dünkt, ich halt, ick) meyn, ich Wahn, ich dacht, Hat manchen guten Gesellen ins Verderben bracht. Wer viel Handwerke kann, Wird zuletzt ein Bettelmann. Wär ein HauS so groß als der Rhein, So gehört doch nur Ein Herr und Eine Frau drein. 678 Altdeutscher Witz und Verstand, Reu und guter Rath Ist unnüt) nach geschchner That, Gcitz und Ehr Treibt die Leut über Meer, » Was Einer nicht erheben kann, Soll er selbander liegen lahn. » Was man verbeut, DaS thun die Leut. Hast du Geld, so tritt Herfür, Hast du keinS, bleib bev der Thür, Das Geld, zu rechter Zeit vcracht't, Hat manchen großen Nutzen bracht. Fromm sevn schabt nicht, Gar zu fromm, reicht nicht, Halb fromm, halb ein Schalk, Nährt wohl, und verdirbt nicht bald. Was der Fuchs nicht kann erschleichen,! Muß des Löwen Klau erreichen. Höflich mit dem Mund, hurtig mit dem Hut, Kostet nicht viel, und ist dock) sehr gut, Was hilft ein Tittel Ohne Kittel? Bleiben im Thal Ist gut für den Fall, Wer sein Ding macht recht und schlecht, Bleibt immerzu ein armer Knecht, » Hut in der Hand, Hilft dnrchs ganze Land. Altdeutscher Witz und Verstand, K79 Willst du lang leben und seyn gesund, So iß wie ein Katz, und trink wie ein Hund, Guter Weg um Ist nit zu krumm- Es ist kein Hühnlein also klein, ES gatzget so viel, als der Hahnen neun, » >ö)!m 5ut Sanct Nicolas bescheert die Kuh, Giebt aber nicht das Seil dazu. Wo Hans Unfleiß nimmt überHand, Da hat kein Ding in die Läng Bestand, Oft Eines Menschen Missethat Entgelten muß eine ganze Stadt. Der hat FcgteufelS genug, Wer mit einem bösen Weib zeucht am Pflug. Wo ein Mann ist und kein Weib, Da ist ein Haupt und kein Leib: Wo ein Weib ist ohne Mann, Da ist ein Leib und kein Haupt dran, » Freund' in der Noth, Freund' im Tod, Freund' hinterm Rücken Sind drey starke Brücken. Fried vermehrt, Unfriede verzehrt. Aus Scb. Frankciis Sprichwörter». Laß Pfaffen und Bcgeynen Und hilf du den Deinen. «80 Altdeutscher Witz und Verstand. Wer trauet einem Wolf auf der Heyd, Und eim Baur (°) auf seinen Evd, Und eim Pfaffen auf sein Gewissen, Wird von ihnen allen drcyn beschissen. Der Frosch hüpft wieder in sein Pfuhl, Wenn er auch säß auf einem golonen Stuhl. « Kraue mich, So juck ich dich. Wer sie bät. Wer weiß, was sie thät. Betteln ist ein Orden, Darin viel zu Herrn sind worden. Ohne Wein und Brodt Leidet Venus Noth. « Jedes Land Hat seinen Tand. Verzagter Mann Kommt mit Ehren nie vom Plan. ZuthStler sind den Herren lieb, Und stehlen mehr, denn andre Dich. Der NiemandS Gesell, Komm nicht über deine Schwell. Zu wenig und zu viel Verderbt das Spiel. Singen kannst du? sing. Springen? spring. Treib was du kannst, das ist ein fein Ding. (') sonst: einem Krämer. Alldeutscher Witz und Verstand, l?81 Ein Räthsel, aus HolloniuS und Setzers Lat. Räthsel-Sammlung, Stettin ^615. 8. Aufgabe von Hollonius. Eins armen Herren reicher Knecht Liegt in diesem Grabe schlecht. Wann er war bös, so hat er Brodt; Wann er war fromm, so plagt ihn Noth. Auflösung von Seyer. Der Herr war geihig, ungerecht, Sich gnügen aber ließ der Knecht: Wann der Knecht trieb die Armen ab, Alsdann der Herr ihm sein Theil gab: Jagt er sie nicht und gab ihn Brodt, Mußt er selbst leiden Hungcrsnoth: Dem Gcitzigcn alles gcbrist, (gebricht) Wem gnügt, der Reichst' auf Erden ist. 3. Sprichwörter und Apophtegmen. Ans Scb. Franke. » Leschs Licht aus, so findest du eine Frau/ wie die andre. Hätt ich Glück und guten Wind, so führe ich in einem Schüssel- korbe über den Rhein. o Steht das Kind wohl, so ist jede Hebamme gut. o Ueberwcib dich nicht. Lüg hören ist gemein, Spenst (Gcspcnstc) sehe» seltsam. Wer ihm selbst hcilloS/ wcS Heiland wollte der seyn: Aller Leute Freund, jedermanns Geck. Altdeutscher Witz u»d Verstand. « Weibe» macht nicht leiben. Jähzornig Leut sind treue Lcut. » Klaren Himmel und lachenden Herrn soll Niemand traue». » Räthlichkcit ist eine willige Armuth. Pfaffengut faselt nicht. Biedermanns Erb liegt in allen Landen. Ein verzagt Herz wirbt um kein schon Weib. Spät Obst liegt lang. Die Katz ist gern, wo man sie strelet. (streichelt ) Einen zeitigen Dieb erläuft ein hinkender Schcrg, ES büßt sich alles selbst. ES sind böse Hennen, die viel gahen und nicht Eyer legen. Man heißt keine Kuh Blcßlein, sie habe denn ein Sternlci». Man muß mit Gott in die Hand speycn. (»l-mus movciul-» cum Mnerva.) ES hilft kein Panzer oder Goller für den Galgen. Mit vielen Streichen wird der Stockfisch lind. » Ein junger Mann muß viermal verderben, ehe er das Glück überdöset und recht Hausen lernt. Bist du kahl, so bocke mit keinem Widder. eit bringt Rosen, nicht der Stock. Altdeutscher Witz und Verstand. 683 » Wenn ein Gienlbffel gicnct (gähnt)/ so gient auch der andre, Wenn Gott will, so kräht auch eine Axt unter der Bank, Der Oelbcrg ist greulicher als das Kreuz. s Besser schel (schielend), denn blind. Das Neue klingt, das Alte klappert. Putzen wollen den Docht alle, aber ihm Oel zugießen will keiner, » Ein anders ist, in den Brunnen fallen, ein anders, in den Brunnen steigen. Besser eine Warze auf dem Rücken, als eine Sommersprosse in» Gesichte. a Wenn das Loch unter der Nase zu wäre, wie einem Frosch nach St, JacobStag, blieb viel unterwegs. Der Gott Venter und da» Kloster Maulbrunn, treibt und lehrt uns fast alles, waS wir thun, reden und können. AuS Lchmaims t'lorilegium. Freundlich abschlagen, ist besser, als mit Unwillen geben. Einem Reichen etwas abschlagen, ist oft gefährlicher, als einem Armen etwas nehmen, DaS Amt ist des Mannes Lehrmeister, Wie man einen Rechenpfennig setzt, so muß er gelten. » Wer nicht anspannt, dem kann man nicht vorspannen. j, '/ttV'ish'iii ii! um» ?!5j»N>6 In der Jugend verzagt, ist im Alter verzweifelt. K84 Altdeutscher Witz und Verstand. , Ost schießen, trifft einmal. Mancher fallt/ der noch nicht gestiegen. Ungcschn macht oft ein Ansetzn. « / Wer einem in die Rede fällt/ der will sich selbst hören- Es soll kein Junger reden, man niese denn/ so soll er sagen, Gotthclf Mit Stillschweigen antwortet man viel. » In Gottes großem Krame sind alle Waaren um Arbeit und Fleiß feil- » .invnil I!?l!MNi^ Man ruft keinen Esel zu Hof, man bedarf denn eines SackträgcrS- Armuth hat einen Sinn mehr, die Noth. Ein gelinder Arzt zum faulen Schaden/ macht BdS ärger. o Wer einen will zu Ader lassen/ der muß ihn auch verbinden können. Man muß um der Raupen willen die Bäume nicht umhauen. Die krummen Bäume tragen so viel Frucht/ als die graden. Der beste Baum bringt ungleiche Aepfel. « Kein Alter hat ausgelernt/ er wäre denn von den Todten wieder auferstände». Wer ein Feuer muß löschen, der löscht viel leichter Anfangs die Funken. a Die Grazien lassen sich nackend sehen: was Grazie haben soll, muß ungefärbt und unbemäntelt seyn. Wer des Tags witzig ist, den hält man des NachtS nicht für einen Narren. - Altdeutscher Witz »nd Verstand. ' 685 Man kauft den Wein nicht nach der Gestalt des FasscS. Anschläge gehn mit der Sonne auf und nieder. Wer schlaft, der schläft ihm zum Besten, Wer arbeitet, der weiß nicht, wem es zu gut kommen wird. Alis verschiedenen Schriftstellern. Wie gesinnt, so geschnäbelt. Lieber mit den Füßen gestrauchelt, als mit der Zunge. Wer wird der Vögel halber, die Saat unterlassen! Frisch gezuckt, ist halb gefochten. Trachte auf die Bank, du kommst doch wohl drunter! Wenn dem Ochsen die Haut ist abgezogen, so ist die größte Arbeit am Schwanz. Viel Fragen macht witzig, aber unwerth. « Mancher hat großen Abscheu vor Huren, und behilft sich mit ehelichen Weibern. Einem Zusehcr ist keine Arbeit zu groß. » Vielen gcschiehts, daß sie krähig ins Bad fahren, und räudig wieder heim kommen. ck'> .i/i.'^.-'i '-Ä Wer ein Ding mit Dünken anfängt, dem gchtS mit Reuen aus. Ein Baum, der in einen Scherben gesetzt ist, kann nicht groß werden. » Wenn die Sonne vom Himmel fiele, so säßen wir alle im Finstern. 686 Altdeutscher Witz und Aersiand. » Laßt uns lustig seyn, über hundert Jahr kommen die Heiden. Zinkgräf Apophtcgmen Th. l. S- 126. Besser in der Acht, als in der Hacht, (Hast.) Neandev. Für alte Schuld soll man Haberstroh nehmen. Ebend, Geld im Säckel dnzt den Wirth. 4. Sprichwörtliche Redensarten. Aus Sebastian Franke, Luther, Lchmann und andern. Er ist hohl bis an die Zehen, (von einem, der unersättlich ist ) Fr. Es reimt sich ivie Hecheln und Salz lecken. Er weiß vorn nicht, daß er hinten lebt, (er ist dumm.) Würste im Hundcstall suchen, aci»-»» s immieo ^»l'iul.ire. Ist er kein Schalk, so weiß er dock), wie einem Schalk um das Herz ist. Es ist eben Gurr wie Gaul, (eins wie das andre.) Die Gänse gagen davon, eS vcllcn'S die Hunde in der Stadt. Den Holzweg gehen, (von einem untreuen Ehemann ) « Er greifet, eh er weiset, (er wird eher alt als weise.) lNlNU^t, t!M k>"? Sein Gang vermag tausend Gulden, (er geht stolz einher.) » Er sieht (auS), wenn er in eine Milch sähe, sie würde sauer. Er sieht, als habe er Senf gegessen, und lacht nicht, cö falle denn ein Thurm um. Alldeutscher Witz und Verstand. 687 » Eh das Kalb seine Augen leckt, (ehe du dich umsiehst, Lat,: cilius tzusw gsparagi eo^usalur.) » Er ruft den Vieren: hebt auf! (er geht auf der Grube.) Er ist unter dem alten Eisen gekaust/ auf dem Ercmpelmarkt. (geringen Herkommens, terrse lilius.) Den Karren aus dem Moß schieben. Laß dir kein Unglück über die Kniee gehn. Die Zech vor der Grte machen, (ohne Wirth rechnen.) Er ist Gesell, dem er fügt, (bald gut, bald böse.) Es ist ein Schiff, oder ein Hut, (es ist ungewiß.) Einem das Wapen Visiten, (den Text lesen.) Seine Evcr haben alle zween Dotter, (von einem Glücklichen.) WerS Glück hat, dem kälbert ein Ochs- Seine Rede prasselt, als wenn ein Gewölbe einfällt. Man sieht zeit am Kamm, was zum Gucker will werde». Aus einem Furz einen Donnerschlag machen. » Ich bitte dich, ist ein Mordgcschrey. Schick ihn nach Wien nach Beutcltuch, (von einem nichtSwürdi- gcn Menschen, an den Galgen mit ihm!) » Ein Niklas Bischoff. (Wer das nicht ist, was er scheinen will.) « . Er ist gen StraSburg auf die Hochzeit gezogen, (hat alles durch^ gebracht.) 688 Alldeutscher Witz und Verstand. Wir sind alle gebrechlich/ sagte jeneAcbtissin,^ind ging mit einem Kinde. Da schwimmen wir Acpfcl, sagte jener Roßdrcck, und schwamm mit andern Aepfcln den Bach ab- Gleich und gleich gesellt sich gern, sprach der Teufel zu einem Köhler. Er giebt Niemanden, es stehle es ihm denn ein Dieb. Süßholz in den Mund nehmen. (Freundlich reden.) Einem Süppchen kochen, (mit Eist vergeben.) DaS Hasenpanier ergreifen, und mit Fersen hinter sich hauen. Luth. Die Hand mit im Sode behalten. Luth. Ein junger Doctor, neulich aus der Esse kommen. Luth. Reden wie zu Hof, (zwevdcutig.) Lehm. 6. Alt-wißlge Antworten. Was befehlen Sie für Wein? Antw. Nassen: so staubt er nicht. Deutsch. Rabelais. Wie schmeckt Ihnen das? Antw. ES verschluckt sich besser als Katzenhaar. °) Ebcnd. °) „Zum Behuf dieser Sammlung hatte sich Lessing noch vorbehalten zu lesen: Niclas Uleenharts Geschichte Zsaac Winckelfclders und Zost von der Schneid, (hinter einer Deutschen Uebcrsctzung des l.»2srili«i ile i'ormes Augs. 1617. 8.) Hans Pumbsack In den rsceUis ^ncelisrum, und cbend. riieses Insuxur. Se Virßinibus (W. Bibl. 154. 22 L,I>. 12.) Ueber Hans Pumbsack vergl. Lcssings Kollektanceii, her. von Eschenburg. Art. Deutsch." Fullevorn. Philologischer Nachlaß. *) i Anmerkungen über alte Schriftsteller. ^. Griechen. Dichter. Home r. t. Odyssee. V> to. Da Homer sagt xo» > auch uns, o Muse, sage ein Theil von alle» diesen Dingen; scheint er nicht andeuten z» wollen, daß schon vor ihm oder mit ihm zugleich auch andre Dichter die Abcntheuer dcS UlvsscS besungen? (die Odyssee gehört allerdings unter die No?-o^s.) V. 32. 33. 34. Ueber diese Verse ist die erste Unterredung beym pciloiia (Cooles IViIilaiiae, Lve cle iis, e^use lcieotilice teiipl.'» kunt i>I) llomoea i» Oii^llva, nuelore ^o. Lapl. I^oi-Iuva. Ver>ot. t013. 4.) Er vhilosovhirt nach dem Maaße seiner Zeit und am unrechten Orte. Denn wahrlich, Homer hat nicht daran gedacht/ ob unsre Sünden Folgen unsrer Irrthümer sind oder nicht. Denn ob- schon -n«ov>cc>,t» von eiror menlis und ^«>-Xu gerruiiio herkommt, so heißt es doch eben so oft Unbesonnenheit, Bosheit, als Unverstand und Thorheit. V- 44. Die zwevte Unterredung über das Wort ^Xw-uxu-rt?. Er behauptet unter andern, daß diese Farbe der Augen ein Zeichen von derjenigen Temperatur des Gehirns sc», die einen weisen und klugen Mann mache. Daher heiße die Minerva ^Xa-v-M-el?. Er sührt große Männer an, die alle dergleichen Augen gehabt, worunter auch Franc. PiccolomineuS ist. Selbst der H. Thomas und ScotuS halten in ih- ren Gemälden dergleichen Augen. 2. Batrachomvoniachic. Das Gedicht führt in dieser Handschrift, fo wie in mehreren, den Titel: öl-uo/?c»y«xo/i,«xl«- °) Herausgegeben von Fullcbor», Lesfings Lebe» III, S. 251. u-s«i»gS Werke XI. 44 K90 Philologischer Nachlaß, Folgendes sind diejenigen Lesarten, die mir die beträchtlichsten geschienen haben. V.8. heißt es: k?ko? k'v ^vi-/rc>7crlV c-^v, anstatt -os xö^os. Aber die gemeine Lesart ist die bessere. Aber mit der gewöhnlichen Jnterpunction, welcher auch Erncsti folgt, bin ich nicht zufrieden, nach welcher das Punctum nach?v gesetzt, und folglich das ganze- wie vordem die Rede ging, zu dem Vorhergehenden gezogen wird. Ich wollte, daß das Punctum voran stände, und es hieße: Wie vordem die Rede unter den Sterblichen ging, so war der Anfang dieser. In der That hat es auch so einen weit schicklichern Sinn; denn die Rede ging nicht, daß die Mäuse die Frösche angesetzet und die Thaten der Riesen nachgeahmt. Dieses war die Handlung, die der Dichter als außer allem Zweifel gesetzt annimmt. Aber der Ursprung derselben konnte so ungczwcifclt nicht seyn, heißt nicht lie, sonder» ut. Wenn cS lie heißt, hat es den Accent- S. plnlouamis uMerenIia vooum xrsec.irum. V. 12. hat die Handschrift statt -koX'v.^.l-,? den Beynahmen des Königs -ro>.-v>xu,-o?. Und dieses ziehe ich auch vor, als poetischer, und der Würde dcS Königs anständiger. Der vielstimmige Frosch ist weit schöner, als der geschwätzige. Doch ist I^cii Anmerkung über diese Stelle auch nicht übel. Aber ich habe sonst noch eine Vermuthung, die von den übelsten nicht ist. -rov ök xcmtSk >,l,i.,-c>x«tz^ »o^i^7,/l,o?, hier sind zwey Adjectiva ohne ein Substantiv»,». Ist das wohl Homerisch? ist das wohl Griechisch? Einige Ucberseyer machen ^vox«?'?? zum Idiomen pro- prluro. Allein was für Recht haben sie daz»? AuS dem 17ten Verse ist ja unwidersprcchlich, daß der Froschhcld, der hier spricht, Phvsigna- thuS heißt, und nicht LimnochariS. Kurz also, meine Vermuthung ist: cS ist anstatt -^/»'ox"?'?? z» lesen ox,,»^? oder >,,/>,'o»h«rul-, der Herrscher des Pfuhls. Diese Benennung kommt ihm j»; denn bald darauf sagt er von sich selbst v. 17. kt/^t kz>u /Zao'^k'U? O'uo'lzii/cl^o?, 05 xonä ^ V.25. fehlt die Anrede und er beißt, statt: so! — — — öH^ov ö'--^ »zeaClV Das Leipziger Manuscript hat die neinliche Lesart. S- Ernesti. V. 8». Auch diese Handschrift liest -'/Z-^--, für r'/Zo«. V. 89. Für «/^-5a5<2c liest sie -->»-rao-a?. Wie wenn man hinter /Zaryaxo? ein Punctum machte, und -hu,5»ao'«? w'xtzö^ ör^a? ^öctit Philologischer Nachlaß. 691 x-'vxv zu dem folgenden auf die Maus zöge? Das -'-r'c^r.>.l- y>Aoziz>o^? -i-ö«? von o-i^,lo>«o? regiert wird, und der schöne Verstand herauskommt, daß die Cithcr dcS Phöbus die schönstim- migen Lieder des Schwans begleite. 2. Die letzte Hälfte 'des 224sten und die erste des 22Sstcn VcrseS scheint ganz auSzustreichen zu seyn. 3. Daß EuripideS zur Unzeit moralisirt, ist bekannt genug, und das will ich ihm als einem Freunde dcS SokrateS vergeben. Aber daß er zur Unzeit malt, das verzeihe ich ihm nicht. Man sehe ein sehr merkwürdiges Exempel davon V-1l4t —1465. Crcusa ist verrathen, und das aufgebrachte Volk sucht sie überall, um sie zu steinigen. Ein Bedienter kommt und meldet dieses dem Chöre, welcher aus den Sklavinnen der Creusa bestehet. Sie erschrecken und lassen sich den ganzen Verlauf der Sache erzählen. Dieses hätte so kurz als möglich geschehen sollen. Aber nichts weniger. Die Beschreibung des Zeltes, unter welchem die That geschehen, und der Tapeten, mit welchen er ausgcziert worden, nimmt an die 30 Verse ein. Verdammter Erzähler! Du selbst zitterst für deine Gebieterin, die dich hören, zittern für sie, und zittern zugleich für sich selbst, weil sie das ergrimmte Volk zugleich mit ihrer Gebieterin dürfte hinrichten lassen; die Zuschauer zittern: und du malst uns das Gewirke der Tapeten, den ganzen gestirnten Himmel von Seide! Man sagt so viel von den Fehlern des Shakespear. Man nenne mir nur Einen, der diesem das Gewicht halte. Von ShakcspcarS Fehlern getraue ich mir fast immer einen Grund angeben zu können. Er begeht sie, um die Hauptsache zu befördern, und die Zuschauer desto lebhafter zu rühren. Aber dieser Fehler des Euripides läuft just Philologischer Nachlaß. 69? wider die Hauptsache; die ganze Action steht auf einmal still, der Zuschauer wird wieder kalt/ und seine Einbildungskraft, die ihm nichts als die Gefahr der Crcusa schildern sollte, wandert unter den Sternen. 4. Noch giebt dieses Stück zwey merkwürdige Exempel, wie vielen Unbequemlichkeiten der Chor bey den Alten unterworfen gewesen. Das erste ist dieses: Der Chor erfahrt, daß seine Gebieterin in Lebensgefahr ist. Sollte er nicht sogleich sich auf alle Seiten zerstreuen, und sie suchen? Das zweyte ist gegen das Ende des Stücks. Minerva erscheint in Gegenwart des ChorS- Sie entdeckt das Geheimniß, daß Ion nicht der Sohn des XuthuS, wofür ihn dieser hält, sondern der Crcusa und des Apollo sey. Gleichwohl soll XuthuS nichts davon erfahren v. 4604. Zu verlange», daß etwas geheim bleiben soll, waS in Gegenwart so vieler, und noch dazu Frauenspersonen, eröffnet wird, heißt eine Unmöglichkeit verlangen. 5. Zeile t17t. kommt ein schönes Exempel vom Lächerlichen vor. Ein alter Mann, der kaum gehen und einen Fuß vor den andern sehen kann, wie er Zeile 74o erscheint, übernimmt es, bey der Tafel aufzuwarten und den Gästen einzuschenken, welches sonst das Amt eines jungen rührigen Jünglings ist. Daher er auch z-kXuv k'^x- <7viS«t«ot? «o>^„'. Aber worüber die Gäste lachen, darüber würden die Zuschauer gezittert haben. Denn der Zuschauer weiß cS, aus welchem grausamen Vorsahe sich der Alte diesem Amte unterzieht. K- Die Sitten in diesem Stücke würden iht auf vielerlei) Weise anstößig seyn. Eine Frau, die so kläglich -» c»' (V-7ö5.) schreyet, weil sie keine Kinder bekommen soll, ein Mann, dem ein Bankbein von seiner lieben Frau so künstlich untergeschoben wird, sollten unsern Zuschauern sehr lustig vorkommen. Aber der Alte, der der Creusa solche rasende Anschläge giebt, den Tempel anzuzünden und ihren Gemahl umzubringen, der sich selbst zur Ausführung der schändlichsten That gebrauchen läßt, ist eine wahre Mißgeburt des Dichters. Was war cS nöthig, einen Alten dazu zu nehmen? Vielleicht zwar, daß es bey den Griechen genug dergleichen Alte gab, die ehemals Sklave» gewesen, und aus blinder Dankbarkeit gegen ihre Herren dergleichen Rollen zu spielen fähig waren. — Aber es sey, wie ihm wolle: cS ist widerwärtig, einen Greis zu sehen, der das grausame Werkzeug einer vor Eifersucht wüthenden Frau wird. 7. Die Götter und die damals nugeiiommene Religion mißhandelt EuripidcS gewaltig. S- 339. 34t. besonders 436 f. Ich kann mir kaum einbilden, wie das Volk dieses Ratsonnemcnt ohne den größten Unwillen hat anhören können. K94 Philologischer Nachlaß- Und was spielt Apollo für eine klägliche Rolle am Ende v, 16S8, Er schickt die Minerva, weil er sich, selbst zu kommen und den Knoten aufzulösen, schämt. ruv -rcl^o^k ^u-k/^t? kl? /l.k<7ov /loXss. IXZ. Sollten nicht dergleichen Stellen auf die Rechnung des So- kratcs seyn geschrieben worden? 8. Von dem Prolog dieses Stücks muß ich noch anmerken, daß das Stück ohne ihn vollkommen bestehen kann, und vollkommen verständlich ist. Warum hat ihn Euripidcs gleichwohl für nöthig erachtet? Wenn wir aus ihm nicht gelernt hätten, wer Ion eigentlich wäre, würde unsre Neugierdc nicht weit besser unterhalten werden? Würden wir nicht weit stärker überrascht werden, wenn ihn Creusa nun endlich für ihren Sohn erkennt? Recht. Aber dafür würden wir uns auch weniger entsetzt, weniger für den Ion und die Crcusa gezittert haben, wenn wir nicht gewußt hätten, daß diese in jenem ihren eignen Sohn umzubringen Gefahr laufe. Dem Euripidcs war es also weit wichtiger, und das mit Recht, das Herz des Zuschauers zu beschäftigen, als seine Neugierdc. MusciuS, V. 1S2. ^oi, K^i»tzi? k»k/^k, x«l o-ü crocpox ^az,kv Ltz/^?. - Die Ausleger haben diese Zeile nicht verstanden. Dir führt mich nicht der weise Hermes zu; nicht die Weisheit also, sondern die blinde Liebe. Eine schöne Schmcichelcv! Hermes ist aber auch dcr Gott dcS Zufalls. tHcrmäa, glücklich» ungefährer Fund.) Die Stelle heißt also, die Liebe führte mich zu dir, nicht ein glückliches Ungefähr. ist so viel als glücklich, schicklich, wie -V>>o^? ^el'cli. Hellem o. I'lieli, 514. — (^A->m. K91 wo von einer unsichtbaren Macht geredet wird, gehört wohl auch zu diesem Amte Merkurs, eben dahin vielleicht dcr Bcvname xa^-o? puulgo. lili. V. p. in. 413. vergl. liii. VII. i». 67^.) Prosaiker. XenophonS Cyropädie. Man kann vielleicht mit Recht sagen, daß Xenopho» von dem Fehler nicht völlig frey ist, den man bey den Malern Manier nennt, indem er vielen von seinen Personen den Sokrattschen DialogiSmus beylegt, z. E- dem jungen CvruS, wenn er bey seinem Großvater um die Erlaubniß anhalten will, auf die Jagd zu gehn, (I^ili. I. c, 4.13,) desgleichen dem CambvscS (I^ili. I. o. L, 7. Kl-) Philologischer Nachlaß, Der Charakter des ArtabazuS hat mich nicht wenig befremdet, weil ich mir nichts weniger vermuthete/ als bey einem Alten einen Charakter anzutreffen, der vollkommen das Individuelle hat, was die Engländer Iluwor nennen, (I^iü. I. e, 4, 27. ^il>. VI, e. 1. 9.) ;jo!>» «Ul i >r.>7At!-^ »^>>'.> o? >»X ,s>^?..<> Der lustige aufgeräumte Ton, in welchem sich CyruS und seine Feldherren unterhalten, kann dienen, die fünfte Scene meines PhilotaS zu rechtfertigen, Ist es erhabner, oder delicatcr, was Xenophon die Gemahlin des TtgraneS antworten läßt, als dieser sie fragt, was sie von der Gestalt des CyruS halte? (I.iii. 111. c. 1. 41.) Die Schlachtgesänge, welche Xenophon die Perser singen läßt. I.iii. III. o. 3.68. Die Tapfersten, sagt X., sind die Mitleidigsten und HülfSbegie- rigsten. V. e, 4.17. Die Bemerkung ist sehr richtig. Ich tröstete damit den sel, Kleist, als er 1757 in Leipzig bleiben und die Besorgung des LazarcthS übernehmen mußte. Die Aegyvtier, welche von der Kriegskunst weniger verstanden als alle andre Feinde des CyruS, waren gleichwohl die einzigen, die er nicht schlagen konnte. VII. o. 1. Die erste Spur von Dragonern, d. t., Reitern, die nöthigen Falls zu Fuße streiten. lV. e. 3, Lucia n. (Il-jlcvo,. o.1. Ueil-/1'. I.p. 179) Hier thut mir weder die Ueberschling des BcncdictuS noch des HemsterhuiS Genüge. Wie wenn man läse: öo-»/^«/^ ,>»y S7, «m» ^>uv az» ^<^c>,' o^'ci'clv 70 für (««l) «^t-^ov ««' «oiz». ? Wir schätzen das Unglaubliche und nie Gesehn- nach dem menschlichen Vermögen, welches doch auch unbekannt ist. (I)ialoxi Dcorum ili, i>sg. 219,) Den Schluß dieses Gesprächs, welche» HemsterhuiS erklärt oder verbessert zu haben wünscht, würde ich so lesen: Si-«^ s.öov? -r^- 69k Philologischer Nachlaß. )>aX«^^«?> ?">IZ ökt^ov i^o^o a»o 701^ k^-^o?. Versetzungen der Art sind sehr gewöhnlich. Jupiter will ihn nicht wegen seiner Liebe, sondern wegen seiner Prahlercy strafen; denn diese ist ein Verbrechen, welche nicht von der Liebe herkommt; -»-ro heißt hier -x. » (lo!ö. p. 246. ro Ak«^« ^Sii^ov k/toi. köo^k ^uoi o^o-vx^ a^iro Z1l)>V0^ ktzZIOV.) Wenn man das Wörlchen ,-o,-o,'ovx-, genauer erklärt, so wird sich ein sehr guter vnd richtiger Verstand ergeben, nemlich: nichts hätte mir angenehmer seyn können als dieser Anblick, es wäre denn die That selbst gewesen. Plutarch. Dieser Tractat wird unter dem Titel Grvllus cilirt. Das ist der Name eines von den Eefährten des Ulysses, die Circe verwandelt hat. EryllnS beweist dem lllyß, daß die Thiere den Menschen an Tapferkeit, Mäßigkeit und Klugheit bey weitem übertreffen. Dieser Tractat ist leider nicht ganz, ES fehlt verschiedneS da, wo Eryllus von der Mäßigkeit auf die Klugheit kommt; das Ende fehlt anch, wornach ich sehr begierig gewesen wäre. 2. slktzl 5o?„Ti^i,Xla?. Ist diese Stelle nicht offenbar wider diejenigen, welch« behaupten, daß die Alten keine Harmonie gehabt haben? 3. -tttz-, i^x^!?. Eine schöne Stellt von den Künsten überhaupt: K«; ,«,^ -r- X^al, -lixtza-, ri^k? ^tzv?^<7klx, ^«X>,ov «ac «»o^oi-ii, »tzo^tzl/i./t«^cc i^äii<7^a^ki'« ^ai? Atzkl«l? ^k^t rov /Ziov. 4. stttzl, c-tzi^? x«^ x«xi«?. Scheinet ein bloßes Fragment zu seyn. Der Schluß ist vortrefflich. 6. Leben des Solon. X«,, ««rcc7>,cl^lov «i^ro^t ?rac7«? i«? ele, überseht Rind! er hat das Frauenzimmer weggenommen! «aic-^a/Zuv weggenommen! (angetroffen). Vom TheSpis heißt es daselbst: c-tzxo,"^uv 6« -r^tzi. s-o-z^v ^ rtztt)>llö^v X^-IV elo. Rind übersetzt: Thespis fing damals an mit seinen Trauerspielen herumzuziehen. Aber ist es denn nicht weit vernünftiger, jn der Bedeutung für wulsre zu nehmen? xi^v 7o^s vo^ov? ist so viel als ^»a/Za^-lv, ändern. Und das Philologischer Nachlaß, 697 that ThcSpis wirklich: er änderte die Tragödie, und machte etwas ganz anderes daraus, als sie war. — Aus derselben Stelle sehen wir auch, daß TheSpiS sich nicht sehr an die historische Wahrheit gebunden haben muß. Denn das war eben das, was dem Solo» mißfiel. 6. Apophtegmcn. Vom ältern Dionysins. Er kam einSmals in das Zimmer seines Sohnes, ««t <^kav, y>^Xov o'uöki'« c^kav^ij! ickikol^x-l?. Dieses Geschichtchen ist hundertmal schöner, als die Gellertsche Fabel von dem Beutel mit Golde, den der Vater nicht ans die Gasse wirft. Agesilaus, 7011 /tl^vv/tkvov r^v »izöovos A>ll?^v »xc>'vc7«l, !r«tz«xaXo^/lk^o?, ^^>?a;, kynz, «xovx« ?o>-?>>axl?. El schien also das Vergnügen der Nachahmung nicht kennen zu wollen, lind doch ist es ein Vergnügen von ga»j andrer Art, als das, welches das nachgeahmte Ding selbst gewährt. MimaS. (Dessen Fragmente in L->Ie vpulo. 1>I)-II,. mit der Uebersctzung und den Anmerkungen des Joh. NorthS.) Die letzten Worte bedürfen einer Verbesserung. MimaS redet von der Gedächinißkunst, und sagt: wie man sich die Behaltung der Namen durch Bilder erleichtern könne; wenn man z. E. Chrysippus behalten welle, solle man xtz^o? und !»-rc>s denken. Darauf fährt er fort: raö? /lkv «rktzl r>ov ovo/ttnc.»'' 7« ök ^tz«^u»7a o°ur!->?' Ilktzl, lli ölikla?, t»t, ^tzi? «ai> rov '^x^^^^' !l6tz<> x^^^^"? ^ ^ttzial^-ov' Zkktzi, ö-i,Xkla? rov 'L-r-lo,'. Was ist das für ein Epeus, der wegen seiner Furchtsamkeit so berüchtigt wäre? Ich kenne keinen. Aber einen Epeus kenne ich wohl, der als großer Künstler bekannt ist; ihn, der jenes IriNsr luvolis equum, 6ivins ?alla6is arte, baute, — iplo 6oli lalirlcalor I5peus. Und er baute dieses Pferd nicht allein, er war Mannes genug, sich auch selbst darein verschließen zu lassen. Ich rette seine Ehre uud lese so: Ilktzl x^^t«? ^Ilziati^ov «St rov üikktov' -r-tzi. Skl>.kla? k-r-,--Tas Folgende fehlt. Im Fache der x«^""» stehen Vulcan und EpeuS an der Spitze. Die Namen der Anführer in dem Facht der s-,,^« sind verloren gegangen. Hätte es doch nur die Zeit mit den Namen aller Schurken so geschehen lassen! «S8 Philologischer Nachlaß. Heraklitus. (IIwm. «->><- Opos». kl^tlwl. p. 70.) IlllaS vTiio? z>?atz«ök<5or«t ^>kl>uv rov vviz«vov k-r^ i'«rov, 'v-co 0T1^«1'0V «^>?ov ovra. Aber muß er nicht unter dem Himmel seyn, wenn er den Himmel tragen soll? Ich glaube, die Worte sind versetzt, und es muß heißen: ^-ec> ««t a^iov c>^«- »-ov o,^a, weil auch noch Himmel unter ihm ist. Und nun ist die Unmöglichkeit klar. AtlaS kann den Himmel nicht tragen, weil der Himmel nicht allein über ihm, sondern auch unter ihm ist. Diogenes LaertiuS. I^ib. VI. >v lo'^/^tllv !t«vizi>^tzk^ «al. kzcatVko'«!. ^.K^va^o"»?, G^/Zalov?, ^Vaxcöti^ovto^»;' k^« /l^v ?c>t ^atz^r^cracsA-ll^ t<5c»-ra sr>-kl^ovz k-c r>ov ^o^euv Diese Stellt bedarf offenbar eine Verbesserung. — Wenn An- tisthenes die Athenienser, Thebaner und Laccdämonier zugleich loben und tadeln wollen, sehe ich nicht, warum ihn die Gegenwart derjenigen, die seine Rede gerade das Meiste anging, davon hatte abhalten können. Possen! Diogenes will sagen, Hermippus melde, daß An- tisthencS bey den Jsihmischcn Spielen einst die Athenienser in einer öffentlichen Rede habe tadeln und bestrafen, die Thebaner und Lace- dämonier aber loben wollen: da er aber gesehen, daß von den beyden letztern allzu viele zugegen gewesen, so habe er es unterlassen, aus Beysorge ohne Zweifel, nicht sowohl für einen Sittenrichter der erster», als vielmehr für einen Schmeichler der letztem gehalten zu werden. Diese neue Auslegung gründet sich darauf, daß, wie man aus Laertius sieht, Antisihenes mit den Atheniensern sehr unzufrieden gewesen; da sich hingegen die Lebensart der Spartaner und Thebaner zu der seinigen viel besser schickte. Sein Schüler Diogenes war der nehmlichen Gesinnungen. Ebend. n. 3. Ltzuru/^vo? oXl^-o'v; kX" /^<^^"S5 k. Dieses heißt in der lat. Uebersetzung: mterrogstus cur psucv3 Iialierer oilcipulos? <)uo6, iofsuit, argenlea illos virga non ejieio. Casaubonus billigt die Negation. Ich finde auch ohne sie einen sehr guten Verstand. Ich glaube nehmlich, Antisihenes hat weiter nichts damit sagen wollen, als: weil ich sie wegprügle. Daß er dieses Philologischer Nachlaß. 69V wirklich that, erhellt aus dem Exempel des Diogenes " ^ allezeit mli heißt. Vigerius sagt nur psUim pro ^ ^ seoipitur. Heißt es durchaus viL, so wollte ich lieber anstatt entweder »^s- oder ^öe, ve cluiaerll Soera. lis viridus. Die Tugend braucht nichts, auch nicht einmal die Stärke des Sokratcs. Denn man überlege nur, ob dieses nicht von der Tugend abschrecken heiße, wenn man behaupten wolle, daß man nicht tugendhaft seyn könne, ohne die Starke des Sokratcs zu besitzen. Antisthcncs am wenigsten konnte dies lehren. DemetriuS PhalereuS. -rktz-, ^tz^v-i«?. Das Mpl. Ku6ianum hat noch einen Zusatz auf dem Titel: c -5-, x-tzl - geschrieben. (Das Mol. steht ?ol. ou. 14.) Suidas. Unter Mavccllimis kommt ein Umstand von dem Philosophen SallustiuS vor, aus welchem seine Lebenszeit zu bestimmen ist: v crv^v 2a?»o^?-tc>? o z,tXocro^o?, teil. Narcellillv. o 2?zc7«t St? Xk)«ZTio't xoct «^a/ZlllV«t rov ^kltzttxXlk« «clt x«t rov i'Xll^-xov/ ö: ««t ^,t<7u?eov. Das lctztre geht wahrscheinlich auf einen gewissen Patäcus, der sich rühmte, ^«o-^-cov i^xi" kx-tv. 8. ?lutarcli. Vita 8oloo. » ^ Hiervklcs. Von dem Schüler dieses Weltweisen, dem ThcosebiuS, kommt ein sehr merkwürdiges Exempel vor, wie wenig auch die 700 Philologischer Nachlast, heydnischen Wcllweiseu die grausamen Verfolgungen der Christen billigten. « Unter lö'«^^ -cT-y kommt das Sprichwort vor »,«.'-»<-?, a,n,'-iz. )>c>v, das Lat. «Zielum ssetuw. Themistius. pelsvius hat viat. 4. p. m. A9 A->tzv,Z^ ^polog. 8oer. S. eben davon I°j«:m. Oral. XXVI. p. m. 31o. Wenn ThemisiinS Vr.it XXIII. p. m. 295 von demjenigen Phi^ losophen spricht, den die Bcwundrung seiner Schriften von weitem zu ihm Herzog, so übersetzt pewvius die Worte: «xov^s folgendergeflalt: tuerstizuv is Ldalciiienlis tems auclitor, von novi illins le6 » msjoriüus Irailili csnlus leetstor, et jsm lZiu olim ex ^osclemia et I^ceo proseeti. Ich möchte wissen, was das für ein (üsotus sey. Possen! Man muß offenbar für uS--,,' lesen <-s->-'. Th^ mistiuS will nehmlich sagen, daß dieser Philosoph ei» Anhänger der Akademie und des Lycei nach ihrer alten erste» Lanterkcit gewesen sey, und nicht nach den Veränderungen, welche in neuern Zeiten damit vorgenommen worden. o In den beyden Zeilen, welche Themistius vrst. XXIV. -,. w. 307 aus Sophokles OedipuS anführt, wird »«l«^ ganz unrecht vom petsvius durch elgmoribu» übersetzt; eben so unrecht, als in den gewöhnlichen Ucbersetzungen durch precilius. So fällt der Con- traft weg, den der Dichter intendirlc. Es sind die eigentlichen Loblieder auf den Apollo zu verstehen, zur Versöhnung desselben, als llr^ Hebers der Pest, preees dürfte es deswegen nicht übersetzt werden, weil es nicht erlaubt war, den Apollo in traurigen Begebenheiten anzurufen, ^etvti. ^gsm. 368. » vrst. II. p. w. 27. t^-t Z^xtzctrkl, zrg<>ol/-.lo^ zek-ko^--.-»»»!- rovu k^aM-rtzv «tzo? A-cov. Ich möchte diese Worte für ein Glossen: halten, dergleichen es beym 'Ikemillio nicht wenige giebt. Ist -v 7ov wohl Griechisch? ist sonst wo rovo? für motruw Philologischer Nachlaß. 701 gebraucht? UeberdieS sagt schon Diogenes Laertins, daß Dlon^toclo- i'us diese» Lobgesang des Sokrates für untergeschoben gehalten habe. EustarhiuS. In libr. Iliad. ^. 198. setzt er den Sokratischcn Dämon mit Achills Mincrva in Eine Klasse. Das bestärkt mich in meiner Meynung von diesem Dämon. Ebend. V. 217. Ein merkwürdiger Beynahme der Sokratikcr, /z>.k!t-öa^o,'-e (nicht schielend, sondern Scher.) Die Bemerkung hat EustalhiuS aus dem PausaniaS, wahrscheinlich ««v» ?-->lX"ov ^o^^-,w a^vT, dessen Eust. öfter erwähnt, j. B. zu Ilias k. 103. II. I! 476—79. EustathiuS erwähnt ein zweytes Rhetorisches Wörterbuch: s- -"^v ^oiz^x^ X^xu. Sollte dieses wohl das lingedrucktc Ll^moloxicum seyn, welches sich unter den »188. ^isnis befindet, lind welches man gewöhnlich dem PholiuS bcy^ legt? S. die Beschreibung davon im VI Supplement. Bande derber. Lruclil. p. 253. Oder vielmehr das ungedruckte Lericon, welches l'liomss Laie besessen, und sich jetzt in der Bodlejanischcn Bibliothek befindet? L. Römer. Dichter. L »c r e l i u s. Lncrej versieht das Kunststück des malerischen WohlklangS in einem hohen Grade; z. B. wenn er das Zittern der Glieder ausdrückt. I^ili. 6. v. 1188. In maniliu? vero »civi tigliier, Iiemvie ailus. --v. 1213. Das allmähligc Sterben. I>a»ßueu!i»t plersizuo murlio kt moiieliantui'. Nirgil. ^cn. VII. 7l>. Die Bewegung der Flingc ahmt die Bewegung der beschriebenen Sache nach: — — iiino sum!6a luminv kulvo involvi — Der langsame Gang nachgeahmt 634. sut leves ocrcas lento llueuot argento. Ovid. »lol-imoi-vlios. I. 343. >I.im maiv I!ltu8 Iisbet: plsnos csvit alveus amncs: klulliina luIiliilurU: oc-IIes exiie viclontur: 702 Philologischer Nachlaß, 8urglt Iiumus: crokeunt loea rleerekcenlilius urilZis, pokt (tXilum) limul ae tetigit, polllis in margine ripse I?roeuliuit xeoiliuZ, resujiinoczue arilua collo. <^uos potiiit, tvlos iollens scl lulera vullus Lt szemitu 6^ laer^mis <^ luetitollo mugitu t!um ^ove vila izueri ekt lillem«zue orare walorum. Die Gemälde der Action sind nicht sowohl Gemälde des Körpers, als der Handlung dieses Körpers, und kommen dem Dichter also sehr wohl zu. Nur ist dabey zu beobachten, daß sie nicht mehr Zeit wegnehmen, als in der Natur selbst dazu erfordert wird; welchen Fehler Richardson sehr oft begeht, wenn er die GestuS seiner Personen malt. Es müssen diese Gestus auch anhaltend seyn, in welchen die Person Philologischer Nachlaß. 703 cine Weile verharret, wenn es sich der Mühe verlohnen soll, sie zu schildern. »I I!»I^»ÄL. r-«Ä5il,slllb«ii ^»t^N?) »»4 »tiaK - >>>zj 51^« V. 738. f. Ich merke bey dieser Stelle an, daß auch selbst im Ovid, in diesem Handbliche der Maler, die Maler dasjenige, was bey dem Dichter das Malerischste ist, ungemalt lassen müssen. Dieses sind die Verwandlungen, welche der Maler nnr als geschehen zeigen kann, da sie der Dichter vor unsern Augen vorgehen läßt, und uns beyde Gestalten zugleich, aus welcher und in welche die Verwandlung geschieht, zeiget. ES würde ein häßlicher widriger Anblick seyn, eine Figur zu sehen, die halb Lieh halb Mensch ist. III. 245. Hrlurus iterum Xanltm?. Der Dichter deutet prophetischer Weise an, was dem Xanthns bey der Belagerung von Troja geschehen sollte. Ciofanus macht also in seiner Anmerkung einen seltsamen Fehler, den Phactontischcn Brand jünger zu machen, als die Belagerung von Troja. Und gleichwohl hat Burmann diese Anuierkuiig ohne die geringste Verbesserung wieder abdrucken lassen. V. 78l>. Minerva entfernt sich geschwind, und hilft sich mit dem Speere von der Erde auf; ein schönes Bild, imprella tellurem ropulit Iiakla. Einen ähnlichen Zug hat der Dichter vom Perseus, I^ili. IV. v. 710. — — pe6iou8 tellurv ropullg. V. 789. Kommt ein schönes Attribut des Neides vor, von welchem ich nicht weiß, ob die Künstler davon Gebrauch gemacht haben. — daeulumlzlie ospit, czuocl tpinea totum Vincula eingeliavt — — — — Die neuern Emblematistcn geben ihm sehr ekelhaft ein Herz in die .Hände, welches er zerreißt. I.ili. III. V. 97. — — <)uic>, ^Vgeuorv vato, pnrvntum Solventem lpeelns? 5 tu lpeetaliorv torpens. Glückliche Wiederholung von einerley Worten für einerley Sachen. » V. 10k. Ein vortreffliches fortschreitendes Gemälde von den Kric gern, die aus den gesäeten Schlangenzähne» aufwachsen. 704 Philologischer Nachlaß. ' j » - - V. 303. Jupiters Blitz ist nicht immer Werkzeug der Rache; auch wäre es dem Gölte der Götter unanständig, diese Werkzeuge der Rache nie wegzulegen. Sein Blitz in der Rechten ist auch ein wohlthätiger. L5t aliuä levins lulmen u, s. w. » B. 617. Ein gemalter GestuS: — — — illv movens allientia tempora csuis Ac. Lid. IV. 364. — — — ut eliume» Iißnig 8ig»a iegst claro, vel cao6i^a lilia, vilro. Die Alten schloffen also die kleinen aus Elfenbein geschnitzten Bilder in ein gläsernes Gehäuse. M <>^>, »p-.-i.i .... - . 472. Ei» gemalter Eestus: l'iiirilione csnos, ut ei-at, turliala capillos klovit, <^ oliltemtes rejeeit all oie coluliras. o N. 426. Das Ungeheuer, von welchem Perscus die Andromcda rettete, war nicht ganz Fisch, wie ich eS öfters abgebildet gesehen habe. Nur das Hintertheil war Fisch. — — — leouitllms esulla Dekinit iu pileeru. V. 771. Zu merken der Anachronismus, welchen der Dichter mit dem Atlas macht. ^ a V. 791. Es ist unrecht, den Kopf der Medusa mit lauter Schlangen statt der Haare zu umgeben. Die Schlangen muffen nur den Haaren untermischt seyn. Lellerit sllernis immixtos criniliu» angucs. Lid. V. 83. Ein sehr malerischer Gestns eines Sterbenden. IZt relupinus liumum morivunlZo verlies pulsal. V. 339. Vorspiel des Instruments u LsIIiope ^uerulss prselentst pnllies cl>c»iiias: ^t«zue koeo pereusliz tulijungit csrmina uervis. Philologischer Nachlaß, 705, L. 383. Gcstus des Amor, der den Bogen spannt: (1ppl»6lof>uo xenu curvavit llexilo coinu. Seneca's Tragödien. (Einige Lesarten zweyer Mannscripte, die sich auf der Rhediger- schen Bibliothek in BreSlau befinden.) OoiZ. XXVI. gpiiil Xrao?ium°) Lere. ?ur. 22. Eronovins liest aus einer bloßen Muthmaßung statt loeum: torum. Nun lieset zwar dieser Loäex auch locum; man sieht aber, daß dieses Wort corrlgirt ist, und es scheint vorher leelum geheißen zu haben. I^cotum aber leidet der VerS nicht, und cS scheint also Glosse für lorum gewesen zn seyn, wodurch Lrouovü Vermuthung gewissermaßen bestätigt wird. Dieser iüoilex hat verschiedene Lücken. So fehlen z. E. im llorc. kur. V. 123 — 161. incl. e°-z. xxix. Uerc. k'ur. 19. 8elZ veleia c^ueiimur: vria rue 6irs ao kera, ist die Lesart des Eronovius, da die gemeinen, und auch der vorige tocZex, alle lesen: Lee! vetera 5ero «zneri'mur, ui» me 6ira ae 5era. Dieser Lorlex hingegen liest: 8eck veiera tero czuvrimur, una we 6ira. Da aber «Zira die erste Sylbe lang hat, so wird besser seyn, daß eiira ac ausgelassen und gelesen wird, so wie kaliricii»: 8e6 vetera kero «zuerimur, uoa me sera. Genug, daß durch diese Lesart bestätiget wird, daß eins von beyden Epilhetis überflußig ist. o V. 61. liefet er anstatt psvieium kolcru, sehr schön: pMclnm- kluo lölem. Man sieht zwar deutlich, daß es eine neuere Corrcctnr ist, doch ist sie offenbar der allen Lesart vorzuziehen. o V. 627. Anstatt liella per omoia, welches hier keinen besondern Verstand macht, lieset der o eriitt»; 34k. Anstatt mitte violonliim licsct dieser (!oilex: ^ree violeotum. lind aus dieser richtigern Lesart ist die unrichtige in den beyden andern schlechter» Mscrptcn entstanden: /^ole violenlum. Ueberhanpt aber wird diese Rede der Anligonc im gegenwärtigen Mspte weit schicklicher dem >'uulio zugeschrieben, indem es zuletzt heißt: ^Xuctorlzue ^laci«?»: lilieris pscis veni. Von! konnte Antigone nicht sagen, welche beständig bey dem Vater gewesen war. 1'i-oaäe» L. 159. Anstatt kulis liest er und Loilex XXVl. wlr>8, welches mir in der That besser gefällt, da es mit dem folgenden lelix eine Beziehung bekommt, und nicht alle Substantive mit EpilheliS behängen werden. » V. 50. er bestätiget die LeSart liccus. » ZZ. 14?. Für slio laerimas liest er nicht übel: Ilio laciimg». > ^oi^ MM MM» »IVMNSVP V'IS^ I»s8 Dem <üo6ex ist eine 1ragoe6is Kreßorii Lorrarii Veneli cui ?itulus pioxoe angebunden. Dieser t?orrariu» ist ohne Zweifel der, dessen vgliellinus unter den Bischöfen von Vinccnz gedenkt ?om. V. Itsl. tsei-. p. >143. Notarius ?ius des II, I'iu» in lsr- lilius patavinus (nicht wie iu dem Kranzischen Manuscript steht ?i- cious) gerichtet. Martial. In dem Epigramm des Martialis auf den im Fieber declamiren- den Matho wollte ich gegen das Ende eine kleine Verbesserung vor- Philologischer Nachlaß. 707 schlagen. Im Fieber declamiren, sagt Martial, ist wahre Raserey; eS wäre denn, daß man sich nicht anders in den Schweiß bringen könnte. Aber doch ist es etwas Großes, läßt er den Matho einwenden. Nein, erwiedert er hierauf, in der Hitze des Fiebers schweigen können, ist etwas Großes: IVIüßna Ismen res ett, errsns eura viscers tebris Lxurit, res ett mggns tseere, klaiüo. Die ersten Worte klagns tsmeo res ett, sind der unterbrochene Einwurf des Matho, worin ich mit allen Auslegern überein komme. Nur das errsns kann ich nicht so gut vertragen, wie sie. Nicht, als ob errsns kebris keiner Bedeutung fähig wäre: sondern weil dieses Beywort hier nichts sagt. Denn das Fieber mag seine gesetzte Feit hallen oder nicht; die Kunst in der Hitze desselben schweigen zu können, ist einmal so groß, wie das andere. Besser also, man liefet: „»Isgns tarnen res ett" — Lrras! oum visoera teliris Lxurit, res ett insZns tocere, »Isllio. » Die Alten legten ihre Kleider, wie wir oft die Wäsche, in Klei- dcrpressen. II. 46. — ins tuuvotilis uellueeot proels lacernis. » Die Aerzte ließen auch bey dem Fieber baden. II. 40. (wo morlius liemitrilscus so viel ist, als teliris temiterlisus). Wie befremdend ist das itzt! « Ob unsre Aerjte mehr verstehen, als die alten, weiß ich nicht, aber das weiß ich, daß sie ehrlichere Leute sind. Sie mausen nicht. Bey den Allen hingegen war ein Arjt und ein Dieb gar öfters in einer Person. S. auch !>lsr>ial. lili. i). 97. Harduin sä ?Iiu, 43, Leer. 3. p> m. <>40. hat den wahren Witz in diesem epigramm nicht eingesehen. LIinieus Ilerocles trullam tuluZnxerst vegro: Depreutus 6ixit: Ltulte l>out. — Derselbe GestuS kommt auch bey andern alten Schriftstellern vor. « Die Anmcrknng, wenn und wo bey den Lateinischen I^ominilius prvpiiis die Endung beyzubehalten, oder zu verändern, ist auch sehr wohl für die Teutsche Sprache zu brauchen. L i v i u S. l.ili. XXX. Kap. 34. Wenn Livius daselbst die Schlacht zwischen dem Scipio und Han- nibal beschreibt, so sagt er unter andern: Igitur primo iwpela exlempla movero loeo Iiollium aolem komsvi. 6einclo >^ umlionil>us pullsntes, ia tummolog ^rs^ii illako, ali^naolum hiatii, velut nullo relislonle, inoullere, urgeolilius >^ novisliwis piimos, ut l'emel molsm aeiem lentero. Alles ist hier deutlich, bis auf die Worte: ^la A umliooil^us pull-mles. Was heißt hier sla? Die gewöhnliche militärische Bedeutung kann ihm hier nicht zukommen, sondern man sieht aus seiner Verbindung mit umlio, daß cS nicht der Flügel der Schlachtordnung, sondern so etwas heißen müsse, das eben sowohl ein Theil des Schildes gewesen, als umlio. Und was war eS denn? Ich weiß nicht mehr, als einen einzigen KritikuS, der seine Vermuthung darüber geäußert hat, Kitanius Olil'erval. I^Iinve linguu: liugul. p. 26. ed. ^Iteub. 1762. ^ls, sagt er, siehe hier pro ea paito lorieoe gut touli, s^uoe e5t s6 Iiumero?, ni sgllc»'. Wie elend! Für denjenigen Theil des Schildes oder- Panzers. Ein vortreffliches Oder! Schild yder Panzer, die Dinge sind ja so weit nicht aus einander. Aber wie muß sich GifaniuS vorgestellt haben, daß sich die Feinde mit demjenigen Theile des Panzers, der zunächst am Halse ist, haben aus der Stelle treiben lassen? Das möchte ich wissen! Aber zur Sache. Ich habe gesagt, als müsse hier eben sowohl eine» Theil des Schildes bedeuten, als vmlio. Welchen wohl? Po- lybiuS, wenn er das Römische Schild beschreibt (°), sagt miter andern: (°) Bey dem Lipsius >>s mU'ui» Nom-m., m-,i. n. r>. in. «07. Wi«WM?» Philologischer Nachlaß. 709 LX^l <5c s^ktzt rizv tri^v cx avi-iAev «a» xolru.Acv ^kg^v o'tö^oi-'v rrlaX-u/i.«, rcc? -rs xw^acpoticrs riov /^«x»^^»^ «crcp«?^-.^^-»^ r«? ittzo? rizv ziTzv k^ktzki.o'kt?. Es ist die Rede von dem Sculo, d. i. von dem länglichen Schilde. Der oberste und unterste schmale Rand desselben war mit Eisen beschlagen, damit es weder durch die Hiebe so leicht gespalten, noch durch das Niedersetzen auf die Erde abgenutzt werden konnte. Und wie, wenn diese beschlagenen schmalen Ränder bey den Römern sls geheißen hätten? Sie waren allerdings gleichsam die als des Schildes. Und durch diese Annehniung kann die Stelle des Livius auch sehr deutlich erklärt werden. Sie erhoben die Schilde nemlich so horizontal, daß der unterste eiserne Theil derselben gegen den Feind kam, den sie solchergestalt aus der Stelle trieben. Ja noch weiter. Dieser eiserne Beschlag hieß bey den Griechen o-^c->,^>l«. Konnte nicht gar das Lateinische sla daraus entstanden seyn? Wenigstens eben so gut als aus o,u^«>.os „mvo. Denn daß «S, wie LipsiuS sagt, von herkomme, werde ich ihm alsdann glauben, wenn man mir eine Stelle zeigt, in welcher «,u,/Zuv grade dies bedeutet. Ich habe überhaupt die Lermnthung, daß vmlzo nur bey dem Ol^peo Statt gefunden, bey den Soulis aber nicht. Gewissermaßen scheint es auch, daß es in Ansehung der Figur nicht anders gewesen seyn kann. Wäre dieses, so wäre noch deutlicher, warum Livius sla A umvonilius gesagt hat: nemlich die Soldaten, welche el^peum halten, stießen uwliouiuus, die, welche suutum hatten, sla. Seneca. Huoottiollvs Natorsle«. Ist denn noch von Niemanden angemerkt worden, daß die Bücher t und 2 versetzt sind? Das zweyte muß schlechterdings das ersie seyn, als in dessen erstem Kapitel er die Hauptcinthcilung der ganzen Na- lurlehrc macht. Es wäre ganz närrisch, erst von den feurigen und gefärbten Luft-Phänomenen zu handeln, (wie in dem bisher für daS erste angenommenen Buche geschieht) ehe jene Einthcilung vorausgeschickt worden, unter welcher besagte Phänomene selbst begriffen sind, in den Worten: o coniemmt Lc. 710 Philologischer Nachlaß. I^ib. I. cap. 1. 8traweota (oder nach Iiul>eniu8 ksmenls) kul>>liure aiZfpeiss ixuem ex iolervsllo trsliunt. Ich zweifle, ob diese Erscheinung sich so schlechtweg nachmachen laßt. Denn der Schwefel schwitzt jwar in einiger Entfernung vom Feuer; aber daß er sich entzünden sollte, wüßte ich nicht. Ebend. 8le!Is eine feurige Lufterschcinung, wie allenfalls der Stern der Weisen aus dem Morgenlande könnte gewesen seyn, wenn der Weg nicht ein wenig zn weit wäre. I^ili. I. cap. Z. Daß keines auch die in einander laufende Gränze zweyer Farben bedeuten kann, das sehe ich nunmehr aus einer Stelle des Scneca, wo von dem Regenbogen die Rede ist: Videmus in eo aliqmil slam- niei, slitzui«! lutei, sliyu!»rl:aw. Lxpeu'iro me poleiom^ li pliilotoplrorum lioxua uti vo. luillom, ut «Zieeiem unila ooi-porg ^o. Plinius. Iliflniig I^aluralis. XXXIV. 8eet. 6. IZns -erens invcr würde in diesem Verstände csplus sagen? Ich glaube also, cS soll beißen iiille ^ielo, und PliniuS will anzeigen, daß der ganze Markt von diesem cbcrnen Ochsen den Namen bekommen, und es also kein Aichmarkt gewesen. Bey dem Stosch ist eine Eemmc, worauf ein liegender Ochse; vielleicht, daß es eine Nachbildung von diesem Ochsen auf dem ioro lioario war. XXXIV. 8eek. 6. Lese ich eine Ableitung des Worts lügniZeladri, von der ich nicht finde, daß sie ein einziger gehörig verstanden hat. Iptum oomeo can- ilelaliii a calillolarum luwino impolilum appaiet. Ich vermuthe mit der größten Wahrscheinlichkeit, daß er durch lumino anzeigen wolle, daß das ganze Wort von carnlela und dem griechischen «>Z?o5 zusammengesetzt sey, welches, wie bekannt, so viel als glänzend bedeutet. I.ili. XXXV. Sock. 2. Not. 2Z. ES kaun kein abgeschmackterer Fehler seyn, als den Harduin begeht, wenn er ein Werk des ^tlicus zu einem Werke des <üioero macht, welches den Titel ^tliou8 geführt habe. Sbend. 8ect. 35. Ich wollte anstatt vulxstis lieber lesen vuiKalarum, und es auf das vorhergehende 8latuai-um beziehen, in dem Verstände nemlich, daß man auch sogar diejenigen Bildsäule» nicht verschont, welche von Dichter» besungen werde». I,ili. XXXVIl. 8ock. ?. Vom Steine des PolykralcS. 8ai^ uovil'llmum prone Ineuin tot proelalis oliliiieiilem. Der Ucbcrsetzer hat aus dieser Stelle Unsinn gemacht. Unter dem Horn ist das Attribut der Loneorclis gc- meynt, welches, wie man steht, von Golde und mit Edelsteine» besetzt war, nnlcr welche» jener Sardoiiyx dc» letzte» Platz cimiahm. 712 Philologischer Nachlaß, Iliicl. Leer. 6. Plinius hat vxempel angeführt, wie weit der Luxus der Römer in den Perlen gegangen, und fahrt fort: <^uin imo etiam jus villemur per^iiZillo corrip!en^ varia tupelleclilis geneia, annulos transeuntes. l^uoe enim von luxuria innocentior exitlimor! poslil? Zu dem Worte srmulos macht Harduin die Umschreibung: yuando 6e snnulis lilemus. (^uoo enim von luxuria pra: illa innocentior vitleatur? t?r nimmt es also so, als ob Plinius die Ueppigkeit mit den Ringen für die größte gehalten hätte. Ganz falsch! Plinius will sagen: Nach diesem eben gedachten Mißbrauche der Perlen scheinen wir gar kein Recht mehr zu haben, uns' über die Trinkgcschirre und andern Hausrath au§ Edelsteinen zu beschweren, geschweige über die Ringe. Denn welche andere Ueppigkeit ist nicht weit unschuldiger? (als jene mit den Perlen.) Iliin'. 8ect. 7. pelrooius Lonlulsr!» morilurus, invim'a i^eroois Princip!«, ul me»lam eius exl>ere6aret, trullum muriliiosm trcceotis lsleo- tis emplnm sreßit. Harduin erklärt cxliereä'giet durch Iiere6i nnker- ret, wem? wessen? Man steht, Harduin hat den Zusammenhang nicht gefaßt. Die Rede ist von der Tafel des Nero. Um diese, wie der witzelnde Plinius sagt, zu enterben, zerbrach Pctron die Schale; er wollte nicht, daß Nero auf seiner Tafel damit prahlen sollte. I.!ii. XXXV. o. k. Hier ist die Stelle, die bey I'üvias unter Lolores so vorkommt: Lolores nalcunlur »ut liunt. ^slcnnlur ur L^noins, ruliric», pa- ritonium, melinum, siecia <^.e. Wenn TufreSne dicS gewußt hätte, so würde er sich nicht den Kopf zerbrochen haben, was siccia seyn soll. Beym Vilnius stehet statt dessen Lretiig. PliniuS sagt, lerr-e lu-e nnmen Ii-iliek, und fügt hinzu: daß sich Parrhasins und Nico- machuS ihrer bedient. Welcher Farbe sie aber gewesen, läßt sich aus ihm nicht schließen. XXXVIs. c.3. Ismeniam clioraulew multis sulgenlivusliue uii lolilum, comi- laute ssliula vgnilolem eius, io«licsto in t!^pro 5ex oureis llena- riis smarsgZo — juslillc vumerari, <^ cum 6uo iclati cllent, im- minuto pretio, male Iiercule» curslum ilixille: mutluro enim 6e- irselum xemmae diguilali. Harduin supplirt bey lluo: tmaraxäi. Aber man sieht, iclsli muß auf etwas gehen, was JSmenias wieder bekam; und das waren zwey Denare, Wie hätte den» der Verkäu- Philologischer Nachlaß, 713 scr sogleich zwey Smaragde für Einen geben können? Auch war es ja ein geschnittener Smaragd. — Also der Unterhändler hatte dem JSmcniaS zu wohlfeil gekauft, ^ cum 6uo ilenaiii relali ellonk, ist er ärgerlich, weil ihn der Stein wegen seiner Wohlfcilheit nun schlechter dünkt. Ueber eine alte Ausgabe der Oillickorum Lstonis. Sie ist in klein Quart auf drey Ternionen, ohne Titel. Zum Schlüsse stehet blos kmit moral>11imu8 <^ato 94. Wahrscheinlicher Weise ist diese Fahl für das Jahr anjunchmcn; und darauf folgen «och drey Seiten Lateinischer Sitlcnsprüche, unter der Aufschrift: kleclii vorlu8 pro juveniliu8 coolecli. Im Texte fällt mir eine Lesart in die Augen, die ich mir merken will. ES findet sich nehmlich unter den vorläufigen kurzen Regeln auch eine, welche nach des Lpitz Ausgabe die Ktc ist und l?oro pare heißt. Lvitz übersetzt sie: Richte dich nach dem Markte. Er glaubt ncmlich mit Scaligcr, daß cS eben daS heiße, was bey dem Tercnz pliorw. I. 2. 29. rUi loro bedeutet. Aber warum hätte sich nicht Lalo eben so ausgedrückt, wenn er eben daS hätte sagen wollen, da uli toro, wie TonatuS anmerkt, schon einmal ein sehr gewöhnlicher proverbialischer Ausdruck war? Fast möchte ich es also lieber mit meiner allen Ausgabe halten, welche koro le para! liefet. Ter Sinn ist klar und gut. Sencca der Redner drückt sich eben so auS: koro A Ilc-nmibus t« Garant. ?rooem. lid. II. toolivv. Wollte man einwenden, Eato könne hier nicht die Zubereitung, ReclilShändel zu führen, verstehen, weil erst die !^tc Regel I.ileras clisce heiße: so weiß man ja, daß alle Regeln in keiner Ordnung stehen, und eben so stark verworfen, als interpolirt sind. Tie letztre findet sich in der alten Ausgabe gar nicht. II. Vermischte Anmerkungen. Polyphemn S. 5)ie genaueren Philologe» unterscheiden nur zwey Polypheme: den (Zyklopen und den Argonauten. Allein auch unter den Argonauten 714 Philologischer Nachlaß. wäre» zwey dieses Namens, welche weder mit einander, noch mit dem Cyklopen verwechselt werden müssen. Der eine war der Pochphemus Elatidcs aus Larissa in Thessalien»). Der zweyte war der Sohn des Neptumis und der Europc, der Tochter des TityruS n»d Tä- narnS, der von solcher Geschwindigkeit war, daß er auf den Wellen des Meeres einherlaufen konnte, und kaum die Fußsohlen bcfcuch- tele b). Der erste war es, welcher von den Argonauten in Mysten zurückgelassen wurde, lind von dem andern muß es verstände» wer- den, was Oalerius Flaccus sagt, daß er zwar mit den klebrigen wieder zurückgekommen, aber eben seine» todten Vater ans dem Scheiterhaufen gesunde» habe. Lt liui pallaiiia piriu, pvl^ulieme, ivveeto ^nle vrliem nrZeoliZ reslat «iepiendeio palris Iielic>uias: multum tiiwulis ^ia jul'la moralis Li veuia» e). Myrmidonicr. Myrmidouia, Myrinidonier, ein Beynahme der Insel Acgina und ihrer Einwohner, wovon sowohl die wahre als sabclhaftc llr- ») Siehe Apollo», «iioa. ^rgo». i. «0—44. (Vcrgl. Hin,!, l. SKZ.1 l>) Sluch dieses sagt ^Vpoiioniu-j, und unterscheidet also diese ^olvphcme umständlich, i. t78 —134. Natalis Tonics hält diese» P. für dc» Cyklopen; aber weder die Beschreibung, die Homer und Thcokrit von dem Cyklopen machen, paßt auf diesen Tanarischc» Polyphcm, noch die Beschreibung, die Apollonius von diesem giebt, auf jenen. Der Homeriscbc P. balle die Gabe gewiß nicht, daß er auf den Welle» des Meeres lausen konnte; sonst dürfte ihm Ulysses wohl nicht so leicht entkommen scvn. Die Redensart: auf den Wellen des Meers einher laufen, ist ein poetisches Bild der äußersten Schnelligkeit. Birgil hat sich dessen ebenfalls bedient, von der Camilla ä,en. V». Los. Er und Apollonius hatten den Homer vor Angen, der von den Füllen des Erichlbonius so sagt, iiina. v. S2» —s». Mau lerne indessen auch hier, wie unglücklich ostcrs der beste Nachahmer ist. Homers Füllen waren Kinder des Koreas, und Apollonius Polvphcm war ein Sohn Neptuns- Allein wer war Birgils Camilla? Voilc» - xunle, eine gemeine Sterbliche; und es wird das Wunderbare der Griechen bey dem Römer zu Lügen. cZ ^reoiiüul. l. 436. Burma»» hätte daher seine ganze Nolc über diese Stelle erspare» könne», und nicht so viel gezwungene An-legungcn und Verbesserungen niachc» dürfe», wen» er nnr dieses doppelte» Polvpbems unter den Argonauten eingedenk gewesen wäre. Er würde keine Schwierigkeil gcsnndcn haben, das von dem zweyten Polvphcm gelle» zn lassen, was aus den ersten freylich nicht passen will. Philologischer Nachlaß. 715 sache bey dem Strabo nachzusehen ->). Als Pclcns aus Acgina flüchtig werden mußte, wandle er sich mit seinen Gefährten nach Thessalien; sie ließen sich in Phlhia nieder, und von ihnen bekamen die Phthier den Namen Myrmidonier, unter welchem diese, als ein Theil der Truppen dcS Achilles, bey dem Homer vorkommend). Die Datier hat sich in ihrer Uebcrsetzung dieses Dichters nur ein einzigcS- mal diesen Namen beyzubehalten getrauet, nemlich da, wo Agamcm- non von dem Achilles und seinen Völkern in dem Tone der Verachtung spricht: aus Ursache, weil im Französischen Myrmidon ein lä- cherlichcs Spottwort ist, das einen kleinen unansehnlichen Menschen bedeutete). Man kann ihr Verfahren nicht mißbilligen. Aber man wird wissen wollen; woher dieses Französische M^rmiilon komme. Ist es wirklich das ucmliche Wort, mit welchem Homer die tapfern Unterthanen seines größten Helden benannte? Wie hat eS denn bey den Franzosen eine so verächtliche Bedeutung bekommen können? Man wird umsonst den Menage und Andre hierüber zu Rathe ziehen. — Ich sage, das Französische kl^rmicloa kommt nicht von dem Griechischen Bcynamen der Aegineten her, sondern es sollte eigentlich kl^rmilloo heißen. -Vl^rmillooes aber wurden bey den Römern diejenigen Fechter genannt, die sich eiucr Art von Gallischer Rüstung bedienten, und daher auch Anfangs den Namen Gallier führten cZ). Nun muß man wissen, wie sich die M^-rmillones bey ihrem Fechten anstellten. Sie setzten sich in eine sehr niedrige Lage, um ihrem Gegner den Stoß von uuten auf beyzubringen. Man sehe die klassischen Stellen beym Lipsius e), nebst der Abbildung, die er davon machen lassen. Wenn denn aber durch eine niedrige Lage der größte Körper in einen Zwerg zusammengezogen wird: was hat leichter geschehen können, als daß man davon den Nahmen kl/iwillo auf jede jwcrgichte Figur, von einem gewissen lächerlichen unternehmenden Wc- ») «eoxi. VIll. i>. m. 43». I>1 Z. B. Ilinit. ». v. «8t. o) Nemlich v. IS». a? t'ellus in v. Neliilrio. — in yuorum xüleis pilcis ekllxie» invnU. Bon diesem Fische ist auch der Name gekommen, klo^i.'^? lx^s ?^llcrcrtc>?. Ilel^cu. e) 8niur»!U, 8er. lili. II. c. 10. Ich kann zwar nicht bergen, das; die vornchmstcn dieser Stellen dem Lipsius tömicn streitig gemacht werden, z.B. r»eilu» ^imal, III. c. 43. ^Vulim. prilek. »unt. P.37V. (in utum ULlpIi'l rcrgl. die Ausgabe des rlaritlus. Doch hat Lipsius Recht, wie aus andern Stellen, besonders dem --rl/Z-xcv-lv beym ArlcmidoruS, erhellt. ..... . ^ ^M^^ 716 Zur Gelehrten-Geschichte und Literatur, sen, angewendet hat, daß dieser Spottname unter den Landslcutcn der Myrmillonen am längsten geblieben, und endlich aus ulvrmillun Klvrmiclon gemacht worden 5)? Zur Gelehrten-Geschichte und Literatur.*) Peter von Abano. (^iotiiüo Uoriclio et eriliellv intorno all» vila cli pielio vlieum, verbessert; (nicht übersetzt, wie cS bey Hallev IZiuI. IZoloniea 1. II. p. 659. heißt.) Der Papst, an welchen ^Ikano das Buch dcdicirtc, heißt daselbst nicht Xvüus, wie in andern Ausgaben, sondern wird durch ein bloßes angegeben. (64.11. Yuocll. 4>o.) 2. tlinuocralis lle »lecliooium ^strologia lilieilus, welches vsvo übersetzt, ist zwar, wie Mazzuchelli angicbt, 1486 in 4to zu Venedig gedruckt, aber nicht als eine besondre Schrift, sondern zum Schlüsse eines Buches Ähnlichen Inhalts, Ouuleulun, leiierlorii nr<>- nolticon in mulationes aLris tam via attrologioa, czuam wvleora- logiea etc. welches in dem nehmlichen Jahre zu Venedig von Erhard k) Diese Verwechselungen des I und o sind den Franzosen, wie dc» Spaniern und Italiancr», in den Wörtern, die sie von dem Lateinische» und Griechische» geborgt habe», ganz gcwöhiilich. S. !.,-,>, prineiiit-» So l'srl . anmerken sollen, daß diesen vcrmcyntcn Traktat des Hippokralcs Tomaso Äovio Zefiricls, in scineni stlelam->!^io IZgZ wieder auflegen lassen, in dessen vooro von 1>ar un nretcnkiment lzu'elle »voit ile ton vlo^uoin:« sutuic, beygelegt hatte. Er leitet also Abälard von ^beillo ab, und beruft sich teSfaUS auf eine Stelle des h. Bernhard, wo dieser den Abälard H>>i8 de ^roncia nenne. Doch daS Zeugniß dieser Stelle, so wie die ganze Vermuthung des Gervaise, wird beym Niceron mit Grnnde verworfen; mit dem Zusätze, daß in der Mundart von Bretagne der Name Abälard ja wohl etwas anders heißen könne. I-irll o's-t-il ->»8 (i'aulio lignilicalion 6ans Iv li:>s IZiolon? ^'uban- llonno eeli» anx elieiclieur« iI'ol^niolnAie. — Wenn es nun aber nach einer Nachricht gehen sollte, die in der Folge B. Pez ("") ans einem alten iücxiive beybrachte, aus welchem er des Abälard Sitten- lehre oder Kilo t« iplnm abdrucken ließ: so wäre die Bedeutung des Namens Abälard nichts weniger, als in der Bretannischen Mundart zu suchen, sondern äliaelai^v,» hieße so viel als IlauelariZus, c^usli hui Iiaberet arlium !>>>»<> lv funimam et aI'ä,lielsriI vt ei-IIv il'tloloise. pari» I7S0. S Voll. IS. (") Mvi». IV. C") ^necllol. 'k. III. lliss. ls-igox. p. XXII. ('s-) «>vw. reM. linx. 718 Zur Gelehrten-Geschichte und Literatur. Abel als ein im Clcvischen gebräuchliches Wort. Und wenn dieses wäre: warum sollten wir Abälard, und nicht lieber gleich Abclart, schreiben? 2. Wegen der Verschiedenheit, die sich auf den Titeln der Exemplare der gesammelten Werke des Abclard zeigt, da auf einigen Franc. Amboesluö/ auf andern Andreas Quercctanus als Herausgeber genannt wird, merke ich an, daß die Art, wie man beym Bayle (Art. Fu. Amboise Anm. das Räthsel lösen will, ganz und gar nicht wahrscheinlich ist; nehmlich, daß O-uercetanus (oder du CheSne) der wahre Herausgeber sey, der aber die Ehre dem Herrn d'Amboise lassen wollen, der damals im Stande gewesen, ein solches Opfer mit Dank zu erkennen. Es scheinet mir gerade das Gegentheil gewesen zu seyn, daß nehmlich d'Amboise den du Chcsne vorgeschoben, als die Theologen sowohl über die Werke des Abelard selbst, als über die t^aek. ^polog. pro ^vgelgrdo, die er ihnen vorgesetzt hatte, Lcrmcn machten. Denn daß ein dergleichen Lermen entstanden, bezeugt nicht allein Roulliard/ in einer Stelle, die Bayle (Anmcrk. L.) selbst anführet: sondern noch wehr ersehe ich eS aus einer deolura voclorum ?i»nllenlium, die auf drey Blättern einigen Ausgaben vorgesetzet ist. Sie befindet sich in dem sonst ganz defcclen Exemplare unsrer Bibliothek ^.47.6., nicht aber in dem vollständigen 47.7. In dieser Censur, wie es heißt, quiä io tzuoyuo Operum ejug loco lalelii otum laret, a Huiiiusllsm l^ivoloßis i?srili«znlilius diligentor a-Inototum et iniiigiwtum elt; lingulisizue periculoliorilius «liolis praekeng ett alllnditum smuletum. lind hierauf folgen die anstößigen Stellen, worunter das ganze Buch «llvoilus Ilsereleg aus den Schriften des Abälard herausgeworfen wird, silier Iiie, ut in Lo6i<:e KI8. oomen ^Iiaelardi Iisuä prso te xerit, iia vecjuo ejus locjuenili morem, 5tilum sut wenlis aoumen tapil. Beym Bayle, wo die verschicdnen Stücke angegeben werden, welche die sogenannte Quercetauische und Amboisische Ausgabe von einander uulerscheiden, wird diese iüentura «loet. ?ai'. weder bey der einen noch bey der andern genennt, und vermuthlich wird AmboesiuS haben zugeben müssen, daß sie in der Folge den Exemplaren beygelegt worden. 3. Endlich kann ich nicht unangemerkt lassen, daß, obschon nach der Sammlung des AmboesiuS, noch verschiedene Werke des Abelard ans Licht gezogen worden, — als vom »Isileue, (lomo V. ^noe- lulgcn8, vwnia clilitlianül: reli-ionis m^l'teria in ulramciue nar- lem versat, veggns <-uoci slleiuerst, et alle^eos c^uoll ncgavcral: k>uo«1 vuus oli^uanZc» z>ul»Iic:i juiis sueere eoZitaverat nuktev ^elie- i'iris, veruro seric» exsminstulo seternis tenolii'is vokius yuam luce ilignum 6s virorum eruäitorum eoolllic» exiktirnavit. lind so babcn sie nnS auch nicht einmal den Titel davon wollen wissen lassen. Ioly mulhmaßt, daß es von denen Manuscripten seyn werde, die beym Riccron unter Nummer 35 vorkommen, und also noch in einer Bibliothek zu Oxford vorhanden seyn dürften. Baldus AugeluS Abbatius oder de AbbatibuS. Von Gubio gebürtig, woher er sich beständig Lu-zuumum nannte. Rästner hat sich also wohl geirrt, wenn er glaubt, daß er den Namen ^lilialius von seinem Vatcrlande habe. Lr war Mcdicns bey dem Franciscus Maria II, Herzog von Urbino, dem er auch eins von seinen Werken zugeeignet hat(°). Man könnte ihn mit Recht den Schlangeudoctor nennen. (°) Ncmlich das kleine Werk >Ie «amirüliili ViporitS n-tlurit et leinl. ^ilinisr. 158? unterschrieben. Die erste Ausgabe von eben diesem Zabrc in 4. zu Urbino, wird für scbr rar gebalien (ciement vua. curieuse r. I. v. 10.) Die vierte Ausgabe, die Llcmcni anführt, babc ich vor mir; sie bcstcbt aus 130 Seilen ohne Register und Vorrede». Das Wert ist ziemlich gelehrt geschrieben und hat vcrschicdiic Kupfer. Borncmlich bandelt es von den Gifte» und Gegengiften, die aus dem Fleische der Natter zu mache» sind'. Ein anderes Werk von ihm nennt Rönig, Niscnsl'-lrllw conceil-,1. nv»-<> -'>-' 1534. Noch kann ich aus dem kleinen Borbcrichte, welchen Veninr-ls On- ciniu«, ein Mtdicus in Url'ino, dem Wcrkchen >ie Vii>er»e Nitlura vorgesetzt bat, anführen: daß Angelas »och ei» emdcrcs Werk 5-^-, rui' ^-tzlaxio^ hcrauszugcbc» im Begriffe gewesen sey. Ob cS aber jemals zum Vorschein gekommen, kann ich nicht sagen. ° I» der Dcdicatio» sagt er unter andern: iiinck u»um mini venit in menlsm veliementer nilmiiiliillum, kernenlis i^eflu in «rliem leri-irum mor- tem intr-ifte; illiul elwm inirui» ex viper-is kerpenti« nee« et eju» esrne »I> omnilni» --ravieridus morliis alilne venenis cur»ri et in prislinum reNi- ui, sect continusto viperinao curnis »tu, »I> omiüdus morliiz nraelervitri. 720 Zur Gelehrten-Geschichte und Literatur. Nikolaus Abraham. Iöcheu schreibt Baylen einen Fehler nach: Abraham solle eine piN'i>l>Iir!>lil! in omriia vpera Virgilii herausgegeben haben, da man doch über den Virgil nichts von ihm hat, als einen kleinen Eommcn- tar über die AeneiS, zum erstenmal 1l>32 zu Pont a Mousson in 8. herausgekommen, kalii-io. Libl. Isk. l. p. 216. WaS ich über dieses hier anmerken will, betrifft seine Ausgabe des Nonnus, theils wider Iöcher, theils wider Element in seiner IZilil. oorieule. Der erste sagt: er habe einige Anmerkungen über des Nonnus Paraphrasiu cdirt. Das heißt einer Ausgabe, die er ergänzt und mit reichlichen Anmerkungen herausgegeben hat, sehr unvollständig gedenken. Element kann das Buch unmöglich gesehen haben. Gleich den Titel führt er nicht genau an; er heißt: 1>->,tov. IXouni pimovvlilani paropliralis Isooli leounllum ^o» Slioem LvgvFelii. ^eeell'erulit I^otse ^iicilsi ^vrsmi, 8oo. ^elu. l'aril'. I'um^tiliug Leb. ll^ianioit^, 1L23. 8. Des Abrams Name ist also nicht, wie Element sagt, bloß durch I>. ^. angedeutet, eben so falsch ist es, was er von der einge- schobnen Geschichte von der Ehebrecherin sagt. Dieser Zusatz des Abrams von der Ehebrecherin hat nicht mehr als 73 (nicht wie Element sagt 373) Verse. Bey dem Nansius ist dieser Zusatz 105 Verse lang, und mit veränderten Lettern in den Text eingeschoben. Abraham theilt den seinigen nur in der Anmerkung mit p. 3V, und beyde haben nicht die mindeste Aehnlichkeit. Hier sind die ersten Verse: l'otOlöc Xk^oe/^kvo'U tktzvi? t?kkc7<7tV avax?o? klk>/!,o? 5-u,ii,l,k-rizk! o?„'U,<4Sw'v L^air^viz? o^kr-iMo?, aziiov cinöotz»lov i^^v etc. Ob sich übrigens Bayle eben mit Recht verwundert, daß dieser gelehrte Jesuit bey den Ausländern so wenig bekannt sey, weiß ich nicht. Wenigstens ist er den lutherischen Theologen nicht unbekannt gewesen, da unter andern Bechmann in seinen ^nnvk. uuer. in «ompe-illium IluUeri p. 248 ly. seine besondre Meynung, die er in seinem PImro von der Schöpfung vorträgt, widerleget. Cornelis Adriansen. Von diesem unverschämten FranciScaner, der die Confession gegen seine weiblichen Beichtkinder so mißbrauchte, s. Marchaud im Artikel I^ouis <1e Lourlion. Seine Geschichte und seine Predigten sind Holländisch in unsrer Bibliothek. Zur Gelehrte»-Geschichte und Literatur. 721 Claudius BadnelluS. Aus einem Buche desselben werden beym Jöcher zwey gemacht. Nemlich 60 coujugio liiieratorum und cke rstiooe vitae IluckiolÄv ac üllerslae in wslrimooio collocgncko et ckegeucko, ist eins und eben dasselbe. Gedruckt I^u^ckuoi spuck Lr^pumm 1544. 4. Caspar Barth. Ein ziemlich großes Lerzeichniß der nachgelassenen ungedruckten Schriften dieses Gelehrten findet sich in dem XI. Theile der Deutschen Hei. Lruck. S. 925. Man sagt aber nicht, ob es aus seinen gedruckten Schriften bloß zusammengetragen, oder wirklich unter seiner Vcrlassenschaft gefunden worden, noch weniger, in wessen Händen diese sich damals befunden. — Gegenwärtig, so viel ich weiß, ist D. Stem- ler in Leipzig Besitzer der beyden letzten Theile von Barlhs ^ckverla- rüs. S. auch Unschuldige Nachr. Jahr 1709. S. 379 und 64Z. P. I. Beronicius. Einer der sonderbarsten Gelehrten der neuern Zeiten, um 1677. Ein wahrer Cyniker, hielt sich zuletzt in Seeland auf, wo er in einem Moraste erstickte; in der Trunkenheit ohne Zweifel. Er machte ans dem Steg-reif sehr gute Lateinische und Griechische Nerse. S. ^nr. IZorremanlius Var. leetioo. c. 6. Seine LeorAgi-ekcmtomg. cliia ist ein komisches Heldengedicht in zwey Gesängen, dessen Dusch hätte erwähnen müssen, wenn er es gekannt hätte. ?. kaliru, hat eS mit einer holländischen Uebcrsetzung 1691. 8. zu Rotterdam, mit einige» andern Gedichten des Verfassers herausgegeben. Man hat nie erfahren können, was BcroniciuS für ein LandSmann gewesen; denn er sprach, außer dem Holländischen, Französisch, Englisch und Italiänisch gleich fertig. Als man ihm cinSmalS sagte, er verdiene Professor zu sey», antwortete er, vor» plseere lilii umlirslioarri itlsrn, vl- kam. Er lebte von den schmutzigsten Verrichtungen eines Tagelöhners, vom Kaminfegcn, Holzspalten und dcrgl. Lucius Domitius BrusoniuS. ContursinuS Lucanus (»ach seinem Geburtsorte). Er hat kacelisrum Lxemplorurnriue liliros VII. geschrieben, die zuerst in Rom 1618 in lol. herausgekommen (impiel?. per ^acob. lVI-!/.ooIuum liom. ^cack. vivliop.) Er hat es dem Cardinal Co- lonna zugeeignet. Es enthält nichts als Apophthegmata aus den alten Schriftstellern, deren manches unter mehr als Einem Titel vorkommt. Unter den vorgesetzten Lobgedichten der Freunde des Brusonius befinden stch auch zwey von dem M. Anton,»» Casanova, (ob sie Lesllngs Werkt XI. 46 722 Zur Gelehrten-Geschichte und Literatur. unter seinen Sinngedichten beym Gruter vorkommen?) wovon das eine i>IIll6eri8 acl caput 60 Wraeulk artig genug ist: Inter tot Damit! miracula miror nmice I'sotum uvum, inZenii tv tscuisse tu!. Joseph de Caceres. Wird beym Iöchev mit seinem jüdischen Lornamen Jacob genenni. Sein Werk ist eine Spanische Uebersctznng des BartaS. Aloy. de Cademoste. Beym Jöcher heißt er de Cada Morto. CäsarinuS Arelat. Ob seine kxliorlgtio g>i IVlonaeI>o8 I^iinenles, die wir im »18. haben, (78. toi.) schon gedruckt ist? Dom. CäsariuS. Den Jöcher so gut als gar nicht kennt, den man aber näher kennen lernen kann aus seinen Lpikt. leleetis 477. 3. yiiolil. 8. JanuS CäsariuS. Dieser Mann ist ziemlich unbekannt. Iöcher hat ihn gar nicht, und höchstens kennt ihn der Deutsche Literator nur noch aus den Gedichten, die in den I)e>ieÜ8 p»Lt. Ital. von ihm stehen. Er hat aber auch andre Dinge geschrieben, worunter ein Lommentar über die IZ2 Oden des ersten BuchS des Horaz vornehmlich zu merken, weil cr nicht schlecht ist, und weil ihn selbst Fabricius nicht gekannt hat. (kiom. 8.) Er hatte, als er diesen Commentar herausgab, schon viele Jahre in Rom die schönen Wissenschaften gelehrt, aber ohne im geringsten dadurch sein Glück zu machen. Er klagt darüber sehr in dem vorgesetzten Briefe an seinen Bruder PctroniuS CäsariuS. Eine dr^Iio von ihm in kimei-o .soanni8 ^rr.i^aniae. Ei» Lärmen in lüatellum Lon?gg!>e. lügtiigsiiones sä Lrlsum, und andre Sachen in der Bibliothek. CäsariuS Heistcrbach. Kennt Iöchev nur aus dem Eckart», und als den Verfasser des einzigen regislii boni. Aber in unsrer Bibliothek stnd eine Menge andrer Werke von ihm vorräthig. Cäsius BassuS. Beym Iöcheu unter BassuS, wo es heißt: soll clo metris und Lommentsiium in ^rstum geschrieben haben. Warum soll? Beyde Schriften stnd in unsrer Bibliothek 4. 1. «rammst. 4. Besonders 66. 1. Litt. kol. p. 207. und 227. Belmonte Cagnolt. äriuilea mN-Vlts. 29. t. Yuocll. 4. verdient gekannt zu werden. «MWWNWIWSMWßSW Zur Gelehrten-Geschichte und Literatur. 7?Z Pomp. Caimo. parallel» s>olilieo «Zelle kepb. antielu; e moderne. 1l)7. 31. Pol. 8. und 115. 3. Pol. 8. Ob es eben dieser ist, von dem beym Iöcheu nur mcdiciiiische Werke vorkomme»? Joann. Cains. Hat do oai>iliu8 üntannieis, und andere Dinge geschrieben. S. unsern Catalogus. Calaino n. Vaiiorum knifl. x^aecanieae. 78. yuodl. kol. Ist kein Gelehrter, sondern der erdichtete Name eines Bauern, den TheophylactuS einen kleinen Brief schreiben läßt. p> 409. Caspar Caldora. Sein Tractat >Ie pekie, rziiae anno 1649 Ilisualenlem eivilatem coiiiliuit, den Iöchee nicht hat, und woraus seine Lebenszeit näher zu bestimmen. Henning Caldrusins. Diulngus coolra i,ns,»diea8 lemioas oum suliulis. 8?. 1Z. (^uodl. 4. — ve vila et iial7. ^gnelis. 82^ 19. yuodl. 4. Ja. CalfhilluS. Von Ausgrabung iüalli-isiiiae I). ?. klartz?ros Hausfrau. 236. 33. riieol. 4. in unsrer Bibliothek. Rex Calid. Warum Rex beym Iöchev, wenn er nur ein Rabbi ist? l'Abb<- Camusat. Welcher die Gedichte des la Jase und Lhaulieu herausgegeben, starb zu Amsterdam im 32sten Jahre, um 1734. Er wollte noch viel schreiben, unter andern ein Werk de 10 sutuloiia Veteium und ein 5>>>c>mo de la lieli^ivn (Iireiienne. welche doppelte Arbeit wegen ihres Lonirasis zu merken, Jordan Vov. litt. p. 187. Bapt. CasaliuS. Cr starb zu Nom 1625, welches ans einem Briefe des CraSmus an Pirthaimcr vom September dieses IahrS zu ersehen. C l a u b e r g i n S. Dixit, 5e no55e modum elncjuendi nalurain menlis. lod noluik indieaie. 8aepo in zirnlundam czuandam eottal'in aliripielialui' cogitando. linde aliszuaodo lio oliiil. iVlil'eell. I^eilinit. p. 148. Pandolfo Collcnuccio. Was man von diesem Manne weiß, weiß man vom P. JovinS. (klogiorum Part. II. n. 92. Ldik. Las. kol.) Die seiner nachher erwähnen, wissen wenig oder nichts hinzuzusetzen. Nur Papadopoli 46" 724 Zur Gelehrten-Geschichte und Literatur. (IM. 'le von ihm weiß, hat er dein Doujat abgeborgt. In einem Stücke macht er die Genauigkeit dieses seines WährmannS verdächtig; aber er ist es selbst, dessen Genauigkeit man dabey vermißt. Doujat Nehmlich hat die Berufung des Gregorius nach Pontamous- son in das Jahr 1682 gesetzt. Bayle hingegen findet, daß Gregorius bereits 4674, vor der Zueignungsschrift seiner Lzmtsxis ^rtis miroliilis, Professor der Rechte zu Pontamousson genennet werde, und schließt daraus, daß sich Doujat irre. Allein, wie gesagt, Bayle irrt sich, und er muß eine spätere Ausgabe z. E. die von 1683 in 12. vor sich gehabt haben, in welcher GrcgoriuS durch einen Zusatz des Buchhändlers Professor zu Pontamousson genennet wird, weil er es damals war, als das Buch wieder aufgelegt ward. Denn in der ZueignuugSschrift an Heinrich lll König von Frankreich, die vor dem ersten Theilt dieses Werkes steht, und von eben diesem Jahre ist, sagt er selbst ausdrücklich, daß er damals zu CahorS die Rechte gelehret. — Diese SyutariS verdient näher beschrieben zu werden, weil sie Mor- hof selbst nur halb gekannt zu haben scheint. ?ol/li. I. lil). I. esp. 1, 3V. Die Commcnlare müssen ihm unbekannt geblieben seyn (°). Zu merken, daß er beydes, seine L^olsxis und seine Bücher 6e ke- pulilie», Gott dedicirt hat; besonders die erste Dedication klingt sehr sonderbar. HadrianuS. Der Cardinal dieses Namens, aus dem Geschlechte der Castellesi. In Ansehung seines BuchcS äo l'eimooo lalino hat Morhof eine» groben Fehler begangen. Er giebt vor (i?ol^li. 1°. I. lili. IV. cap. 9. H. 20.), der Verfasser dieses Werks sey der Lehrmeister Karls des V, der Papst HadrianuS der VI, und tadelt Simlern, welcher dieses nicht gewußt. Allein Simlcr hat ganz recht gethan, und Morhof „verwechselt auf eine lächerliche Weise eincn Italiäncr mit einem Holländer, einen Grammatiker mit einem Theologen, und einen sehr zierlichen Schriftsteller in Prosa und in ZZcrscn mit einem Scholastiker, „einem Feinde der reinern Latinitäl und Poesie." Mit diesen Worten hatte schon la »lomioie in seiner Ausgabe der lVleoaßiana diesen Fehler des Morhof gerügt. Allein die ganze Stelle blieb in dem Abdrucke dieses Werkes weg, und findet sich bloß in den Cartons, die uns Salengrc in seinen Mmoiies tioi) drucken ließ. Dieses Werkchen ist eigentlich ein Commentar über die Rede des Cicero pro Krokis, die er auf benannter Universität öffentlich erklärt hatte. Er versprach ein weilläuftigeS Werk 6e 8tu6Ü8 poelicis, von welchem ich nirgends die geringste Spur finde, so daß ihn ohne Zweifel von dessen Vollendung und Herausgabe seine häuslichen verdrießlichen Umstände abgehalten, über die er zum Schlüsse seines CommentarS p. 61. klagt. Caspar LaurenliuS. Ein rcformirter Gottesgelehrter zu Genf, lebte zu Anfang des 17ten Jahrhunderts, und machte sich außer einigen Theologischen Schriften, ^) durch eine neue Ausgabe deS Hermogenes bekannt, der er einen guten Commentar beygefügt, an dessen Existenz FabricinS zu zweifeln scheint. L) ^) Als: vdlervalio Se publiois üilpuliUioiiikus et eoiUrovsrNi» Se reit- xione. ven. 160». 8. deren der ältere vvalch Sibiwiii. riieoi. Lei. rom. I. p. ÜK4, gedenkt. Ein andres Werk, Se xvn^uiiiuiane rum ciirMo !n lser»meiui!i, bringt Iöcher bey, »lit dem abgeschmackten Zusätze: daß man ihn mit dem Caspar du Laurens/ welcher 1630 als Erzbischof zu Zlrlcs gestorben, für einerley halte. Einen rcformirtcn Theologe» mit einem katholischen Erzbischofc! v) Ausgabe des Hermogcncs. viiiiio»,. «raeca lid. lV. c. Zt. p. 43Z. Sie ist zu Genf 1l>14 in 8. gedruckt. Fabricius muß ein verstümmeltes Exemplar gehabt haben; in mrincm findet sich dieser Commentar, und nimmt, hinter dem Index über die Bücher des Hcrmogencs, 229 Seiten ei». Laurcnlius hat die säinmtlichc» Bücher des Hermogcncs auss neue übersetzt, weil die Stürmische Ucbcrsctzung nicht zum Besten ausgefallen 730 Zur Gelehrten-Geschichte und Literatur. war. S. die Zucigniuigsschrift an dc» Parlamcnlsrath Bouillon in Paris. — Wenn indessen Laurcnlius den Traktat des Hcriiiogcncs -rk^-. /i.kA'oSo^, öklvor^ro«; pr»ütermik5um Iiilelsnu» nenncl, so scheint ihm unbekannt gewesen zu scvn, daß auch dieser von Johanne Cocino aus den Stürmischen Vorlesungen herausgegeben worden. Jaques Lcnfant. Er hat nicht allein zu seiner Hikloire eiu donoile cle Lonslance und 611 Ooneile «ie Laslo unsre Bibliothek sehr genutzt: sondern auch besonders bey seinen poM-mis, die er 1720 zwischen beyden historischen Werken herausgab, den Band geschriebene Briefe von Pog- gius, der unter unsern Manuscripten sich findet, besonders in Ausarbeitung des Lebens dieses Gelehrten, welches den ersten Theil der ?oMi>noruro, ausmacht. Er wollte, was von diesen Bliesen noch nicht gedruckt ist, in der Grundsprache den ^oxgi-mis beyfügen; es ist aber nicht geschehen. Denn man findet nur vier Lateinische Stücke beygefügt, wovon nur allein das dritte, dineii LpiUvIa sä poggiuni, auS unserm Manuscripte genommen ist. TaS erste und zweyte hatte schon Rrause aus einer Handschrift der Pauliner Bibliothek zu Leipzig drucken lassen, wie I^eotant, sagt, in seiner bililiolliocine litteraire AIIemso6e. (Welches Werk von Krausen ist das?) Und das vierte Stück, ^oclre«: Julian! pro Nanuele lütir^tolora Oratio suuebri8, ist gleichfalls aus einem Msple der Pauliner Bibliothek genommen, wovon Börner dem I^enkant eine Abschrift zukommen lassen. Also, was I^eokant in dem Leben des poggius sonst noch auö unsern Manuscripten anführt, ist wirklich noch nngedruckt. Jacob Locher. War ein Schwabe von Geburt, und studierte zu StraSburg unter Sebastian Brand, worauf er nach Italien ging, und unter andern auch den philippus Beroaldus hörte. Als er wieder zurück kam, hielt er sich Anfangs zu Freyburg auf, wo er das Narrenschiff seines Lehrers ins Lateinische übersetzte. S. die ZueignungSschrift dieser llebersetznng an Brand. Er nennte sich auch oft mit Weglassung seines GeschlechtSnarnenS, ^soolias püilomulns, unter welchem Namen er beym Baillet/ als ein pleuö'onz'irms vorkommt. Nach dem Lipenius Libliotli. ?u. I. p. 437. findet sich unter diesem Namen eine IVIsrgarita ?IiiI»l'oiiüjc:!i, Rlle^olovsecu'am exuiliens. ^igent. 1608. 4., die von Iöchern nicht mit angeführt ist. Zur Gelehrten'Geschichte und Literatur. 731 George von Log au. Oder, wie er sich auf Lateinisch nannte, ^ox»8, einer von den Ahnen unsers Deutschen Dichters. — Man vergißt durchgängig unter seinen Schriften mit anzumerken, daß er auch I^ueii 1>et,ei 2s»cl,i povinsla voria herausgegeben, die wir wahrscheinlich ohne ihn nicht haben würden. Sie sind auf 6 Bogen in Quart zu Wien 1533 gedruckt, und zwar auf Kosten des Leorg. I^gxsni, der mit dem Herausgeber verwandt, und König Ferdinands Secrelair war, und dem sie Logau daher auch zugeschrieben. Joh. Mandevill. Iöcher sagt von ihm, daß er aus unbekannten Ursachen auch sä Iiailism genennet werde. Ich weiß nicht, welchem seiner Währmänner er dieses nachschreibt; aber ich weiß, daß es nicht wahr ist, und daß ^oüimnvg sei Iiaiusm ein vom Johann Mandevill ganz ver- schicdncr Mann gewesen. Dieses sehe ich aus des Mandcvills Rcisc- beschreibung, die ich in Lateinischer Sprache (nach einer sehr alten Ausgabe line I. et ->., aber offenbar aus dem 16tcn Jahrhundertc) vor mir habe. Reinlich in dem letzten Kapitel sagt er, daß er dieses Werk zu Lüttich (I^evllii) aufgesetzt habe, wo er auf der Rückreise nach seinem Latcrlande, im Jahre 1356, krank liegen geblieben. Und zwar habe er es auf Ansuchen und Ermunterung eines seiner dasigen Aerzte aufgesetzt, r^ui ibi clieeliatur ^oliaooes aä Larlism. — Noch will ich anmerken, daß in meiner Lateinischen Ausgabe Mande- ville auch nicht klagnovillanus, sondern ^oliavoes 6e klontevilla heißt. Jacob Mennel, lat. lUaolius. Iöcher sagt, cr habe zwischen 1540 und 1590 gelebt. — Ich sage, es ist viel, wenn cr noch 1540 gelebt hat. Denn 1507 schrieb cr bereits ein Deutsches Gedicht vom Schachspiele, dessen erste Ausgabe ich zwar nicht kenne, das aber Christ. Egcnolff 1536 zu Frankfurt am Mayn wieder in Druck ausgehen lassen. George Möbius. Ich würde dieses Mannes schwerlich gedenken, wenn ihn nicht Paw ans die unverschämteste Weise verleumdet hätte. Er war um M60 Rector der Schule zu Merseburg, und I^i- ovvtislu3 l'lieoloßlae. Er schrieb einen Tractat 6o Vraeulorum Lllmicorum origino, propsgationv A cluralicnie, welcher zu Leipzig 1K60 zum zwcyten- male, mit zwey neuen Anhängen vermehrt, gedruckt ward. Der erste dieser Anhänge handelt liiorikcioruw origino, und der zweyte 732 Zur Gelehrten «Geschichte und Literatur. untersucht, so Lvangeliuw all spoUolis eti'am ^moricams kuerit ilrmuneialum? Ueber diese letztere Frage nun erklärt er sich freylich nach den kurzsichtige» Vorurtheilen eines lutherischen orthodoxen Pedanten, vr setzt nemlich voraus, daß Amerika den Alten allerdings bekannt gewesen; und ob er gleich nicht glaubt, daß eS unter dem Ophir des Salomon, auch nicht unter der Atlantis des Plato, verstanden werden könne, so meynt er dennoch, daß man andere weit stärkere Beweise davon habe. Und welches sind denn nun diese Beweise? Er hat deren vornehmlich zwey, wovon der eine ganz lächerlich ist, gesetzt auch, daß es mit der Sache selbst seine Richtigkeit gehabt hätte, der andere aber auf einem Grunde beruhet, der wundersam genug seyn würde, wenn er gehörig erwiesen wäre, oder erwiesen werden könnte (°). Da nun also, schließt Möbius weiter, Amerika den Römern bekannt gewesen, und nur, wie auch Neandeu geglaubt, bey dem Verfalle des Römischen Reiches aus dem Gedächtnisse und der Gemeinschaft der alten Well gekommen: warum sollten nicht auch die Apostel, entweder selbst, oder doch der Schall ihrer Predigt dahin gedrungen seyn können? und auf dem Wege dahin gedrungen seyn können, auf welchem die ersten Menschen und die ersten Thiere dahin gelangten? Nun geschah dieses nicht zu Wasser, sondern zu Lande; nnd es muß folglich wahr seyn, daß Amerika mit den übrigen Theilen der Welt irgendwo zusammengehangen hat, und wohl noch jetzt zusammenhängt. Die Vermuthungen deSfalls waren zu des MöbiuS Zeiten für Ostindien und Grönland. Da er es nun für ausgemacht (°) Seine Worte sind: Nsdemus »uiew wulto tirmiora inMci», qua: Iisno lerrsm vlira coxnilsm suMe SemonNrsnt. Kiwirum Icndunt ins! Ui- Ixsni, teste I^snsio in lnllia v ceiiien I sli, in vsile, v.ui>e l?»nlen liicitur, in provinci» LUili, oppiSum esse, «juoS imperisle ob Iisne c»u- lam nominsnt, yuvnisin in plerisyue »Iowid»» so pvrtis rene- rerunt syuilss kieipites, kormsls» ut Iiviiie vickemus in lio- man! iranerii kixni». vnUs vero Mse dieipites »quilae »isi sb Luropkei» ? Lt cvrioborst vsliUe eon^jectursw, quod null» iis in loeis »vi» dievns inve- nistur, qusm xoluerinl »liuiudrsre, prielere» in surikulliui» ^mvric-e, «luoll keribil Asrinus I^iculu» I XV Uilt. Uisv»n. »ureus nuramus invenlus kuit, in clllo ekligies A.uxukli l!«ssris conlpecl» kuil. vonürniai üvc etism A,dr. vrteliu» in lkeslio orb!» terr., siidilliue iliiiiein iluoü num- wus ille oli »Smirsliililslem rei missus kueril s>> sumwum?onliii»i» Oeeiclenlslem «Um komsnis von incoßnilam kuirte. Ksm ex . I>l>il> für 'le» ^mericiiins. I. ?»rlis p. gl. wo er der verschiedene» theol. Hvpoihcscn gedenkt, wie Amerika wohl bevölkert worden. Die unmillelbar vorhergehende eines ungenannten Theologen, dürste wohl auch weiter nichts als eine sinnreiche Erfindung des Hrn. paw seyn. Wenigstens berechtigt mich sei» Verfahren gegen Möbius, dieses so lange zu vermuthen/ bis er ihn wirklich nahmhaft macht. Namentlich den I»l)> Heilt. Ursinus, der in seinen ."Vuslecii-, seri-i »»v. »«. p. »73Z diese Meynung zu erhärten gesucht. 734 Zur Gelehrten-Geschichte und Literatur. roUi i> pareus, -rlat. 72. Auf dem Titel selbst aber heißt er schlechtweg PhilippuS, so wie auch auf andern seiner Werke. Indessen ist Johann doch auch wirklich sein Lorname gewesen, den er unter andern auch vor seinem 8z?mm»elio, den Lleclis und Mexico Hz'mmaeli. führet, daß ihm also denselben Freher, Witte und Bayle wohl hatten geben sollen. Ob er gleich gedachten Commcntar in seinem hohen Alter herausgab, so war er doch ein Werk seiner Jugend, wie er in der angezogenen Vorrede selbst sagt, welche Stelle ich auch deswegen mit anfuhren will, weil sie noch eines Werks gedenkt, das ihm ohne Zweifel der Tod herausjngeben nicht vergönnet: ^ute annos pra'Iei' zxosilei' ^>i!n^u.iAii>Ia Iiune (üomnienlaiio- lum — giZoiugvi, huem nu^ei' i»Ici' liieiai!!» niea eum scirlun.i reperilkem, lenili gbioulus erga juvcnileni mesm njicrsm omore, oxiktimsvi, in Iiac Hlulniuw ciesvluliniiv nli^uid sublillü lzno^ilo gut. suxilii aiiseire uulle sslisceoli juvenluli, >ier liell!eo5 suio- res milere «Zislijialoo. l^iiii «iiligenlis olalioravi ^uolzuv (üommen- tsrium cie pailieu!!5 ImAuve Lroecoe, ^uem Iiuie, ll vivo, Iirevi kuliiuittsm. L'Abb6 Pernetti. Verfasser der lienos clo (ü^rus eines RomanS, der mir in meiner Jngeud sehr gefallen. Wir haben eine Teutsche Ucbcrsctzimg desselben von Wärinanii in Witlcnbcrg. Er muß den Namen seines Autors nicht gekannt haben, so wie auch wohl wenige wissen, daß er der Verfasser der Ucbcrsetzung ist. (°) S. 5oni-m Vox-tko litt. v> gg. Zur Gelehrten-Geschichte und Literatur. 736 Nicol. Pctreins. Von dem ich weder beym Iöcher/ noch Kästncr, und nirgends Nachricht finde, war aus Corfu, und 1486 den 46tcn Januar geboren. Außer seiner lateinischen Ucbersctznng des Mcletius von der Natur des Menschen, und des Hippokratischen Tractats gleicher Aufschrift, deren kslinoiiis I.iv. II. csp. 24. p. 866. bilil. gr. gedenkt, hat er auch des ^olianms ?liilovoni (üomment. in ^riktolelis ^nimal. (Zenerat. Iilii-08 Griechisch und Lateinisch herausgegeben. Ferner deS I^olemonis Opus pIi^liognDwioum, und den ^lelsmpus 6e I^ervulis eorpori.«. Petrus Picherell. Er ward geboren gegen 4610 zu kerlv Lguelier in der Landschaft Li'io in Champagne (k'ii'milas ^ueulplu.) Jocher sagt, es sey ?ei>e tous ^ongrro; und nicht in diesem Orte, sondern unweit demselben. Ohne Zweifel hat er dieses aus dem Pope Llouvt gezogen, wo es von Picherell heißt: ?irmiwlv ^.u- culplii in proximo nslus. Allein das ist ein Fehler; denn IZIount hat diese Worte ohne lleberlegung ans dem gerissen, was ThuanuS iu seinem Leben (I^ib, IV. cle vila Ina sn. 4589) vom Picherell sagt. Thuanns aber will sagen, daß I^el'Ie ier, wo Picherell geboren, nicht weit von Chateau Thierry Cfneoäoiioi <üsttruw) liege, wo er damals eintraf. Aus dem, was weiter folgt, sieht man, daß Picherell gerade an diesem Tage 79 Jahr alt gewesen, und nicht lange darauf gestorben. l5r muß also im 8l?sten Jahre gestorben seyn, nicht im 79sten, wie IZIount sagt. Iöcher sagt: Man will auch, daß er den Lehren der protestantischen Kirche nicht ganz abgeneigt gewesen sey. Dieses man will ist eine ziemliche Gewißheit. Denn ob er schon in der Gemeinschaft der ka- thol. Kirche gestorben: so ist er doch von seinen eignen Glaubensgenossen für einen Abtrünnigen erklart, und seine hinterlassene Schriften von der Sorbonne als ketzerisch verdammt worden. Unter diesen besonders seine Auslegung der Linsetzungs-Worte beym Matthäus und seine Dill, llo Lavrilieio IVIill've. S. (InIIeer. ^uclic. 6e uovis Li'roiilius. II. p. 286- 8K. Wenn Iöcher sagt: seine Schriften wären ir> Lo5mopoeiam ?a- ravln'illis und Opuleula lüvologicg: so heißt dieses, ich weiß selbst nicht, ob zu viel oder zu wenig sagen. Denn eben diese parsvliralis ist ein Theil der Vriul'culorum. 730 Zur Gelehrten-Geschichte und Literatur. Michael Rossal. Fehlt i» dem Gelehrten-Lcricon. Er war zu Anfange dieses Jahrhunderts ?roselsur exiraoi-6. der Griechischen Sprache zu Groningen, und schrieb Disciuilitio 60 Lpioleto l>Iiil. 8>o. c^ua vrodslur oum non kuillo iükril'liarium. Lroniogoe 1708. 8., welcher seine Antrittsrede r. 1722. p. 178). Richard Simon. Glaubte überhaupt von der christlichen Religion so viel, als nichts, ^orilsn Vo^. lill. p. 160. Joh. Christ. Spambergcr. Doetor und piokelllir klellivinoe zu Leipzig. Er war in seiner Jugend als Barbiergcsclle in Ostindien, und hatte in Diensten des großen Moguls viele Reichthümer erworben. Wie er diese herauSgc< bracht, und seine ganze Geschichte siehe im Gesammelten Briefwechsel von 1760 S. 322 von Brückmaun beschrieben. Leonh, Chr. Sturm. Humbert hat sein Leben recht gut beschrieben Libl. Lerm. XXVII. p. 62., wo auch gute Nachrichten von Goldmann p. 64. und von Schlütern eingestreut sind p. 73. Seine Lcisgravlua l'emvli Iliorolol^w. hat Humbert nicht gesehen. Sie ist nicht in k»I. sondern in 4to herausgekommen, und nicht 1695, sondern 1694, als Sturm sich nicht in Wolfenbiiltel, sondern in Leipzig befand, und den Goldmaun noch nicht herausgegeben halte. Unter den neuern Mspten unserer Bibliothek befindet sich ein Lateinischer Aufsatz von dieses jungen Sturms Leben, bis auf 1708, in welchem viel Merkwürdiges. OctaviuS de Strada. Mit seinem Werke cZe v!Ü3 ImverAloruru a ^ulio ^oel'gre u5olis, welches sein Sohn gleiches Namens 1615 in sol. herausgegeben, ist mehr als ein Buchhändlerkuiff vorgegangen, oder was es sonst gewesen; wovon Freytag, der das Buch weitläuftig reccnsirt (^pp. III. p. 274.) nichts weiß. Denn außer dieser, wie kl) vermuthe, ächten Ausgabe von seinem Sohne, welche dem Matthias dedicirt ist, ist eS in dem nervlichen Jahre auch mit einem Titel erschienen, auf welchem eS eura A iwveoüs I^aurenlii-krgoci herausgegeben, heißt, worauf eine Dedikation an einen Herzog von Braunschweig folgt. Wiederum Zur Gelehrten-Geschichte und Literatur 737 erscheinet das ncmlichc Werk hinter der Koooaloxia Iluciim >Vr- nludueum ^ul'trioe. — Göye (Mcrkwürd. der Dresdner Bibl.) vermuthet, daß er 'Protestantisch muffe geworden seyn, und vielleicht daß dieses den Schlüssel zu dem oft veränderten Titel und den verschiednen geschricbnen Werken giebt, die in so manchen Bibliotheken von dem OctavinS de Strada vorhanden, von welchen Freytag l'. II. p. 1(146. nachzusehen. Qhnc Zweifel schacherte der lutherisch gewordene Strada damit, und verkaufte und dedicirte, wie cS ihm zuträglich war. tlebcr- haupt verdient das Leben beyder Strada, so wie des Großvaters Jacob! a Strada, mehr untersucht und genauer beschrieben zn werden, als es in dem Iöcherschen Gclehrten-Lericon oder sonst wo geschehen. Uffenbach. lieber den Verkauf seiner Bibliothek bey seinen Lebzeiten und über die Preise, die er seinen Büchern setzt, Svöttcrey des Marchand unter dem Artikel t.'ala. ValcrianuS Magnus. Dieser Capuzincr ist besonders durch seine Bekehrung des Landgrafen Ernst von Hessen, und durch seine Händel mit den Jesuiten bekannt. Wegen der erstem, glaube ich, ist es falsch, wenn in einer Stelle des Pascal, die Bayle unter Magni anführt, iLrnst Landgraf von Darmstadl heißt; er war von Hessen Rhcinfcls, und nicht Darmstadt. Wegen der zweyten, nnd seiner daraus erfolgten Gefan gcnschaft zu Rom, verdient ein Brief bekannt gemacht zu werden, den ValcrianuS an einen Capuziucr Äudovicus de Salice, in Antwort auf vcrschiednc ihm vorgelegte und seine Gefangenschaft betreffende Fragen geschrieben, und der stch unter den Manuscripten unserer Bibliothek befindet. Eine von diesen Fragen ist: t!ur, Valoriaoo, «liüsionelias tlelicorl: a lllle oaklwlieü, traullturus aci liseretieos? nnd ValcrianuS antwortet darauf, daß er cS allerdings im Sinne gehabt, aber sich eines bessern besonnen, indem er frcywillig von Prag wieder nach Wien zurückgekehrt, und sich dem päpstlichen Nuntius zur Verantwortung gestellt, der ihn aber ins Gefängniß werfen lassen. Von dieser Mitursachc seiner Gefangenschaft weiß weder Bayle noch Iöcher. Der Brief steht in einem Bande von iUilcvII-meiü. kxtia». kol. 32. 1. ZanchnS. Logau in der Anschrift von Aimelu ?ocmaka vüria sagt.- Julius ZanchuS sey Verfasser des Werks de drolnoruni live (.euomaiioruii» Ori^iu,.'. Falsch! Sein Bruder Johannes ^hrysostomns Aanchus hat eö geschrieben, unter dessen Namen Scholtus und GräviuS es ihren klingt! Wtllc XI 47 738 Zur Gelehrten-Geschichte und Literatur, Sammlungen einverleibt haben. Es ist in Form von Gesprächen abgefaßt, und Julius jst bloß eine von den sich unterredenden Perso- nen. Die Oroliii oder Lvoomam sind die Bcrgamasker, deren letztem Namen ich, wegen seiner sodann entstehenden Uebereinstimmung mit Oroliii, (Bergbewohner) doch noch lieber von dem Worte Berg, welches eben auch in der alten Ccltischen Sprache kann gewesen seyn, herleiten wollte, als mit dem Fanchus aus dem Hebräischen. Einige Materialien zu einem Lateinischen Aufsätze über Johann Huart. De nvmine, De iplilis oomme monenclnm vrit, lallo illurn a ülorliollo aliis^uo ^lsnum nomirnir!. Lispanicurn ^unn illem ello prousre, c^noil Ili- koanieo iäioinste utus kueiit, lieuliieum kano elkot argumenlnm, »ili iole llugrtus Ilisnsnioam lingusm tuam m'xiller. Lsp. 8. p. 130. <)uo terraruin vatus kuvrit. k'ialus in ssuo 8. ^»auni8 l'eile^ortuenlis, l-allie.« mlionis urüv, «zuse tsmen lieuliyuam ele ivllus genlo terupulum movere valet, lzuoll lane conjeolurs non inevta 6ooeri pntekt. <^>io6 iiilius pueritiso inelicium lloelvrit. 6. üolramos tres ^o. <^ui>»us operam clellorit 1tuäii8 et quoe negloxill'e villoatur. l'. 72. pvbla um tam Kiveee kzuain lalinv ili- lerlum eile oitra reprekenlionem nun polle: ootlrum eerte ista rstione nee mi'm'msm in sv oommeruille culpam oonlenelo. Zur Gelehrten-Geschichte und Literatur. 739 1'liilokonliorum inore nun oowla vralionv, von llvleulis 6ili- xentvr ^uoelitis, tei>e<^.i .inna 1673- kn kiliian 1580. In vari.i« lin^nns tr.inslationes. <-.iIIici>m luiju? lüiii Iisn^lalioneni lrinlieeni ü»Iicmu5, prima 1»'u«Ii!l 1680 aueloie Laliiiele (ülianuuis, ilerum imnrelka 1688. 8eeunila, s^uaw Ijn^Iiu« ignuravit, auelniem Iialiet t^arolum Vio- nium a Deliura^ im>>i. 1 <^ 1l>61. 1'ertia tanilew illa ett, cujus cum nrima üa^Iius menlionem saeit. I^aliuam Ls^Iin tanium ex CalalnAN t)x»nicnli cognitam tuille miror, cum 5-üuius tvnis exteriula lit^°). Varia cle i n so eruilitorum jiKlieia. IZaelius klvilieiim nnttrum Iluartum «Zieit, nun unum e mul ii«, te6 iiiler mullu5 nionemnilum linAuIarem. 8eligmanni 6e oueloi-e commcotum. lüonf. ejus 8e!aA>apliia virium imaginaiionis, exeieilalt. aea6. XI., Diesil. 1711. 8. ß. 13. prirlerlim, «sui illum inverecuntium auetorom olle conten- «lunl, resollenili. I)o istius ar^umenli liln-iü ea valent, «^uir! ^nuleju» in ^uol. minnii fortaslis jure «iv earininilius amalniiis aslirmat: tanlo l'an- eliores kunl, n^uanln anerliore?, tanlo «ullicilius enmnolili, ^usnt» limnlieius nroletli. ^r^nmenti nr.i>slantia. Lx veleriliug leviler aliigeral Ime instiiulum k)uinlil!anu8, mii 3 ea>>. lil». I. lul't. l),st. >1o ralionv agil, r>ua nueioium ingenia «tignoleaniur. t^o»s. 'kianslal. lat. prooem. n. 4. ^Vt notier l'«ilii8 iejivilii8 «st ex vmni mvmoria, <^ui Iioc arxu meulum vx inl'iiiul» neiiiaciaveiit. Del'eila: en^uillem (loeiiinoe ^ jam nriliem reliela> nalroeinium in wo l'uleinvre noln; illuä lnmeu mZeoue sulvor, mv doo plula (°) Beym ?i»0«iu« ^iw». ,i. 472. w!rd ciner Dculsch^n Ucbcrsctzmi.? des Hiiart gcdachl, welches aber gewiß die Lalcinischc scvn soll. 47» 740 Zur Gelehrten-Geschichte und Literatur. loplümm' gonero non Ivvitor «Ivlectari, lieot metlioorum alleosionv iil tomporis piano 6oktituslur. Multa üabet pr-rolars, i»lvr c^ua? 2. miraoulorum llnelrioa — Minus vorn, l)o sortiluöine. lila veuti^uam approiisra eile juilicn, swa? lle m.iiilia <^ mi- lilia proterl. sjuiur iniin in koo oatura tales gooeraro, ut opprobet, virtutem omni locn nstci. 8i pollet per lo oulios eäerv sniwos, seoillol; nuno czuoii owplius etl, s.ioil: «luosliam enim eclit corporiliu» impeciitos, keil uilnlo minus perrumpentes vWsntig. 8eoeca. I. v. IVIuita üsnet riäouiia, imwc» ar^uends, ^na: nv8 in 8onooir kontontiam iro juNont, nullum msguum ingoniuiu 6uo mixluia öerneoli«: kuille. Opinionos li-igulaies, 1. 6v srliore vila>, in ?rooem. lat, tr. p. 18. 8csmopli^lgx 8oaraoi. Der Scamvphylax des Lucius ScaranuS, gedr. Vcned. 1601. 4. ist ein Werk, das bey uns wenig bekannt ist, und dessen Gründe für den Gebrauch des Verses in der Tragödie und Komödie wohl untersucht zu werden verdienen. Das Jochersche Lericon weiß von diesem Manne nichts, als was man aus dem Titel dieses seines Buchs ersehen kann, und auch das nicht recht. Denn so viel ich mich noch erinnere, nennt er sich auf selbigem einen Medicus. Celadon von der Donau. Wer ist der Dichter, der unter diesem Namen 1657: Der deutsche dreyßigjährige Rricn., poetisch erzählt/ in 8. herausgegeben hat? Das Gedicht besteht ans zwölf Büchern oder Theile», wie er sie nennt, und verdient bekannter zu seyn. Zur Gelehrten-Geschichte und Literatur. 741 Unter dem Namen Celadon hat sich sonst Georg Greiflingcr, ein Hamburgischer Notarius, der gleichfalls um die Mitte des vorigen Jahrhunderts lebte, versteckt, und verschiedne poetische Sammlungen ausgehen lassen, wie ich bey dem Placcius finde. Aber da sich dieser mein Celadon von der Donau schreibt, so kann es der Hamburgische Ereifliiiger wohl nicht seyn. Lope de Nega's Kunst, neue Komödien zu machen. Dieses Werkchen, woraus ich in der Dramaturgie eine Stelle übersetzt habe, hat der Abt Archimbaud, Französisch übersetzt, seinen ?iecvs koxilives ?art. II. 248. mit eingerückt. ?ots äe I^onve. Duchat C) glaubte, der 47sie Brief unter den Loiklolis olileii- rornro virorum datirt 1637, müsse von einem Franzosen seyn, weil sich verschiedne Gallicismen darin befanden, worunter auch der, daß mciuialis eeepilu8 ln der Bedeutung der kleinen runden Küchelchen vorkomme, welche auf Französisch pets clo IXonoo hießen, und welche keine andre Sprache ahnlich benenne. — Doch wenn e§ mit den übrigen Gallicismis nicht besser aussieht, als mit diesem Exempel, so ist der Antheil welchen Duchat daraus einem Franzosen an unsern Rpilt. olif. vir. erzwingen will, sehr schlecht gegründet. Denn auch die Deutsche Sprache nennet eine Art von Gebäcke Nonnenfürzel, ncmlich die kleinen Kügelchen von Pfesserkuchentcige, die man mit dem bescheidner» Namen Pfcffcrnüßchcn nennt. Wenigstens ist in Sachsen und in der Lausitz der Name Nonnenfürzcl im Munde aller Kinder. Nachtrag zu Zoh. Arnold Valleiistädts Vita ^Itkameri. Ballenstädt hat, als Rcctor der Schule zu Wolfcubültcl, aus Nachrichten in unsrer Bibliothek herausgegeben ^nllroav Hltüa- mori Vita. VVolsenv. 1740. in 4. Und diesem Leben ist, aus Handschriften ebenderselben, von ihm beygefüget worden: 1. ^Itliamei-i lMor!-» klonallerii I5t->I, ilem IZiza Lvitlolarum et cle Lueviae Iliiulilius Lvislola. Etat oder Echal ist ein Benedictinerkloster in dem Bisthu», Frcysingcn. 2. ^o. Ilornliurg lle Ulu gae. Gundelfingen/ verstehe das i» Schwabe», nicht das in dem Herzogthume Ncuburg. (°) vuciUi-mu, l-sN. l. ». »^i. 74? Zur Gelehrten-Geschichte und Literatur. 3. Loittvlae XXX. a6 ^Illiamorum. ES war unrecht, daß Ballenstädt nicht gleich auf dem Titel angab, woher er diese Sachen habe. In der ZncignnngSschrift an den Rathsherrn Adrian Steger zu Leipzig sagt er eS nur: v iümiil-o i» Livliotkeea Augusts exttaote, ijilius ^Illiameii mauum piae to keieote. Dieser Codex ist eingebunden Ilil't. 17, 8. in 4. und cS ist schlecht genug, daß Ballenstädt sogar kein Wort in Beschreibung desselben verlor. Er enthält aber: I. psg. 26 — 76. Lpittolas aliquot «toelarum Iiomiuum ?a- laeospli^ram, von welchen Ballenstädt nur Zt.» herausgegeben Es stnd folgende mit ihren AnfangSwortcn: 1. ^o. keul'ellii. Lll! oullius milu mal! elc. (III.) 2. >?o. IZoewius. 8alve mi Palaeo5ul>^ra. Bey Bal lenstädt I>lo. III. (IV.) 3. Ljusli. I^ieet palseospli^r-» — Nn. IV. (V.) 4. Ljusci. (^uanli exittimas — I^o. V. (VI.) 6. Ljlls.6. Yui6, mi i?->>!>eos»Ii)w — lXo. VI. (VII.) 6. eju8(I. OorlluliNi notiig — 5lo. VII. (VIII.) 7. Ljuscl. ?uit ilie leoun^o — tXo. VIII. 8. ^oan. piriieiani. 8i ox uoieo iiuiilaxat ete.-- Ljuso'. I^ton llount amori8 plenao — — (XXX.) 10. ^cao. Ijralsicaoi. kliror ^nlli-ea — (II.) 11. krasmi StvUao. INuItum lauilis titn vioilicas — Beym Ballenstädt IXo. II. 12. ?raric. ?sliri. !>uno langem l/entio — 13. ^uclreao re1'uo»5. !>>i ^>r!>eeecl. IXon el't quoil mii-oriü — 14. (?I>ritt. Ilexeniloi pi — verisl^mum illml ex>><:iioi'. 1.?. Ljusil. ^Vn ivelo v-Ueas — Nach welchem sich verschiedene Gedichte des HcgendorpS befinden. (XI.) 16. Ilorriliur-zii. k'sei8 tu ljuiclem mitii injuriam. (XII ) 17. Lju8, (XIII.) 18. Lju86. ^aai «lutlura (XIV.) 19. Lju86. t>»lve, mi ?alaeo8nli^r!>. (XV.) 20. Ljv.8Ic>. livutotiii. keuefseis, «zui 27. Kjusll. 8alve in lülirikto; ett ut l'eribis. (XVII.) 28. Wolix. vapito. llie elt puer — (IX.) 2!) ^isouis üoemi. I>Ie lieni-zne. (XVIll.) 30. ^o. doioarii. (^uoä a<) wo l^riliis (X.) 3 t. ^o. Loewi. t^uuui p-zleospü^ia t'uavitrillie (XIX.) 32. eli. »egeoitorki. Dli paI->eo?uI^i->, (XX.) 33. Ljusu'. Ln novü — (XXI.) 34. — — ^uoc! tu e-mt-nig — 3-5. lieukoliii. lieri velperi — 36. Wolf, l^rolii. Lxecpta viitutv — (XXII.) 37. ^o-z> Oeoonomi. Ltl! uulla miüi un^uam — (XXIII.) 38. eakp. Oueigori. Luittolam tuam. 39- I^eonar
  • )>il»u ßratus — (XXIX.) 44. I^eon. tXatteri. Huaw tu ex animo — (XXVII.) 45. ^oauuis pelli». <^llariltimv ^.ume-i, li Iiene v-zle--. ). ^alulein uluiimuin. Llli nlunuium 47. IloroliurFi. Ilie vrevv Iiuue« — 48. ^o. Ui>»ne>'. .^z»um v-il^lialeui — 49. (-eorgii Ilausneri. tji vulvs ett »t u^lo. 5,0. ?i»lavoünli^iae a»I ^uauueiu /Vinulttuiu — t^)uo«I raiuis all le lerilio. 5i. t-vui'gii Ilausiivii. !Iuu«I i»ii»i — ,12, Ljus^. tXee tu »laue Iwwo «3 kl!slivus 5.3. <^!eulgii tlau8»eii. IVu» t'aeile «lixeiim. 5.4. t^Inil'l. Ile^v»>lur>>ii. (ut i«,to) Llli tu. 5.5. petii t»tuiloi. t>o omiiino cv^,»>, 56. I^uuli I^ei^oii. l'eliilti uuuer. — 57. Ljusl). t^u»mo«Io tu voleies una cuui tui- l»>iu^ — 58- ^ruollli. <)uvv t'l, <^ »-o.«^-^. II. Nach 75 t'i-, j» Ende p. 308. folget ^„lisiuil-ilnm 6eiu,a«i- t-arum Iliekuurus, welcher aber uichts als Lollectauea enthält, und das Adversaricn-Buch des Verfassers gewescu, worin außer der 744 Zur Gelehrte», Geschichte und Literatur, Geschichte des Klosters tLtal, dem HornliurgtsclM Gedichtes), und dem Briefe an den Pellio, nur wenige von ihm selbst ausgearbeitete Capitel, die Geschichte und Alterthümer des Schwabenlandcs betrcf send/ zu finden; aus welchen Ballcnstadt daS cie ii^enioi um uliei- lslo !o 8uevia p. 17, gezagen, — Dagegen aber kommt Verschied ncs von fremder Arbeit in diesen lüollecl-mois vor, von welchem wohl manches noch unbekannt und ungcnuht sevn dürfte. Als: 4. j-ragmenla «zuoeelsm tüironieoiuw ex vetutto czuoclam ilioo «leleripla 1620 I^iziliae, io IZiblioilieco docuouii oziucl «livulu l'tiomaw. Diese Chronik geht von der Geburt Christi bis 1410, und ist von einem Irrster ^uclieas, einem RcgcnSburgischcn Augustiner. Es verlohnt sich der Mühe, nachzusehen, ob Menke oder sonst einer diese Chronik herausgegeben, 2. ^oti^uiiates lorrse klilinenlig, ^uelore Lras-mo Ltellu I^i vaoolli-mo. Und zwar enthalten diese: IVIt>Il>iu8, earmiov Iioi-oico (Mulden) welches Menke I°oin, III. herausgegeben, ii. Dv rolius ae populig pi'il'ci8 «rue inter ^Iliim et Lalam (Zermsviae llumii.-, Lowmentarius l. et II. worauf noch ein ziemlich langes Oorollariuiu des Verfassers folgt. Nach dem Krcvsig (p. 2<>g) sind diese Lommentani noch »ncdirt; und cS wäre nachzusehen, was das für I'-zralipomena unsers Verfassers wären, die Menke ebendaselbst, fast von der nehmlichen Materie handelnd, herausgegeben. Z. Eines Ungenannten 'kraetst. ,!e ^Iieutonw, mit einer sogcnami ten <üircumlokiuulio 8uevi»e Ueber eine Elegie in Barchs ^ilverlsrü«. Die Elegie, quoll mverli acl m'verlg lluilia iiati luul, die Barth lili. XI.V. Osp. 26. zuerst bekannt gemacht, ist das nicht, wofür er sie ausgiebt. Er nennt sie Llegiam m'am, eoräatam, eloquentem, eowtani nee malorum temporum. Er nennt sie klegiaui velerem, und mir scheint sie Spuren der allerneucsten Zeiten zu haben, z. E- (°) Bon diesem Gedicht aber muß ich noch anmerke», daß es unter diesen Materialien zwevmal vorkömmt; und einmal weil verbesserter mit einen, Briefe an Althammcr, nehmlich p, 133. Das Unglück hat aber gewollt, daß B. gerade auf die schlechtere Abschrift i>> 267. gefallen, und daS Gedicht nach dieser abdrucken lassen. Zur Gelehrten ^Geschichte und Literatur 745 UIv gvnetliliaeaiu praeclieit tal.i per aiiem Lt inaiiilius pingue? tiaetat Kpllemeriile?, Ulig u<>» alia ett regio svecunciior ulla, l^uain ciuao «le l7iÄ»ec> nomiiie nomen lialiet. Heißt das nicht, die Zeiten Heinrichs Ul und da herum sehr deutlich bemerken, in welchen die Astrologen und Nativitätstcller in Frankreich noch in so großem Werthe waren? Auch wird der Realisten und Nominalistcn gedacht! Ltt, cjuem per lotum 6ialeetiea laoeiat.-»evum. t?ui li» c>rniciiliuöls>ie plaeel. Desgleichen des KrvstallschcnS: Ule viclet vitroizuo cloeet praevili» kutara. Wie auch des Punktirens, oder der Chiromantie: LU ezui sorluvis praectiest tempora puoelis <)uemczuo tenet ^»lira linea ilucta vula. Ja sogar die gekrönten Poeten scheine ich darin zu finden: Ltt alius uomeu «zui gettit Iialivre poiitae tXomiliiltus^uv Irilius noliilis eile oupit. Diese »omilla Iria können ?oeta I^aureatug Lsel'areus gar wohl bc- deuten. Barth sieht hier zwar eine Nachahmung des Juvenal; aber die ti'Iü ooinill!» bedeuten bey diesem einen Freygelassenen. Und was soll hier der Frcygclaßne? Ueber ein Epigramm des Scarron. Das Epigramm des Scarron auf die Gewalt der Zeit und seine zerrissenen Hosen, welches Bavlc so sehr lobt, scheint eine Nachahmung eines alten Epigramms zu seyn, welches Barth ^ävcrk. liii. XXXV. eaj>. 11. bekannt gemacht, und für laleivum lativum vermlecille noi, invllaekicuiu erkannte: lo leovetutem. ^Itili« es nulli, euuetis ittgrala, t>eueetus, I'v tt^gio peuerit viwa »le^aera cleo. lplu milii, puZna» t^uao ooelere inille loleliul, I^aii^uicla eoeiule» meulula viota iitu ett. Casaubonus Anmcrkttiigc» zum Lacrtillt'. Die Noten des Is, CasaubonuS über den LaertiuS, so wie sie in der Stephanischen Edition von 15»3 und auch der Wettsteiiischen Ausgabe einverleibt sind, sind viel vermehrter und verbesserter, als wie sie einzeln herauskamen, »lorgiis 1583, als CasaubonuS sich noch auf La- 746 Sctt'stbetr.ichllmgcil, einfalle und kleine Aufsätze. tcinisch IlorUIiomis nannte. Nur habe ich gefunden, daß dcinungcachtet dieser erste einzelne Abdruck auch verschicdne ganze Anincrkungcn mehr hat, deren sich CasaubonuS ohne Zweifel hernach schämte. Und auch das ist von einem so gelehrten Manne angenehm zu wissen, was er nach erlangter mehrerer Einsicht in der Folge in seinen eigenen Schriften gemißbilligt hat. Ucbersetzung des Charrou. Was ist daran, daß die Herzogin Sophia Elisabeth, Herzog Augusts Gemahlin, den Charron überseht habe? S- placeius u'o ^uv». p. 4t»9, Selbstbetrachtungen, Einfälle und kleine Aufsätze.*) Es war Abends um sieben Uhr, und ich wollte mich eben hinsehen, meinen eilftcn antiquarischen Brief auf das Papier zu werfen, wozu ich nichts weniger, als aufgelegt war; als mir ein Brief gebracht wird, aus welchem ich sehe, daß ich es damit nur anstehen lassen kann — daß ich es damit vielleicht auf lange werde anstehen lassen müssen. Das ist doch ärgerlich! sage ich mir, wie wird der Mann triumphircn! Doch er mag triumvhiren. Ich, ich will mich nicht ärgern, oder mich geschwind, geschwind abärgern, damit ich bald wieder ruhig werde, und mir den Schlaf nicht verderbe, um dessen Erhaltung ich besorgter bin, als um alles in der Welt. Nun wohlan, meine liebe Irascibilität! Wo bist du? wo steckst du? du hast freyes Feld. Brich nur loS! tummle dich brav! Spitzbübin! So? du willst mich nur überraschen? und weil du mich hier nicht überraschen kannst, weil ich dich selbst hehc, selbst sporne: willst du mir zum Trope faul und stetisch seyn. Nun mach bald, was du machen willst, knirsch mir die Zähne, schlage mich vor die Stirne, beiß mich in die Unterlippe! Indem thue ich das Letztere wirklich, und sogleich steht er vor mir, wie er leibte und lebte — mein Vater seeliger. Das war seine Gewohnheit, wenn ihn etwas zu wurmen anfing, und so oft ich mir ihn einmahl recht lebhaft vorstellen will, darf ich mich nur auf die nehmliche Art in die Unterlippe beissen. So wie, wenn ich mir ihn auf Veranlassung eines andern Dinges recht lebhaft denke, ich gewiß seyn kann, daß die Zähne sogleich auf meiner Lippe sihen. Flilleborus Ncbcnstmidc», erstes Stück (1799) S. 77 Selbstbelrachtimgen, Einfälle und kleine Anffttzc. 747 Gut, alter Knabe, gut. Ich verstehe dich. Du warst so ein guter Mann, und zugleich so ein hitziger Mann. Wie oft hast du mir es selbst geklagt, mit einer männlichen Thräne in dem Auge geklagt, daß du so leicht dich erhitztest, so leicht in der Hitze dich übereiltest. Wie oft sagtest du mir: Gotthold: ich bitte dich, nimm ein Exempel au mir: sey auf deiner Hut. Denn ich fürchte, ich fürchte — und ich möchte mich doch wenigstens gern in dir gebessert haben. Ja wohl, Alter, ja wohl. Ich fühle cS noch oft genug — Und doch will ich es heute nicht fühlen, so gern ich es auch heute fühlen möchte. Ich bin bey der verwünschten Nachricht so ruhig — so kalt, daß ich ohne Mühe bey der Nicäischen Kirchenversammlung wieder gegenwärtig bin, und im Gelasius weiter fortfahre — Ich wache auf, und erwäge, daß das erste, was ich auf diesen Tag zu thun hätte, seyn müßte, auf die gestrige schlimme Nachricht Gegenvorstellung zu thun. — Aber dazu habe ich keine Lust, und es ist wohl eben so gut, daß ich es noch einen Tag oder zwey anstehen lasse. — Ich habe gestern Abend bey dem EelasiuS noch etwas gelesen, das mich des NachtS ein Paarmahl geweckt hat, und das auch meinen wachen Kopf ganz anfüllt, das sobald keinem andern Gedanken Raum geben zu wollen scheint. Ich bin nicht gelehrt — ich habe nie die Absicht gehabt gelehrt zu werden — ich möchte nicht gelehrt seyn, und wenn ich cS im Traume werden könnte. Alles, wornach ich ein wenig gestrebt habe, ist, im Fall der Noth ein gelehrtes Buch brauchen zu können. Eden so möchte ich um wie vieles nicht reich seyn, wenn ich allen meinen Reichthum in baarcm Gelde besitzen und alle meine Ausgaben und Einnahmen in klingender Münze vorzählen und nachzahlen müßte. Waare Kasse ist gut — aber ich mag sie nicht mit mir unter einem Dache haben. Ich will sie Wechslern anvertrauen, und nur die Freiheit behalten, an diese meine Gläubiger und meine Schuldner zu verweisen. Der aus Büchern erworbnc Reichthum fremder Erfahrung heißt Gelehrsamkeit. Eigne Erfahrung ist Wcißheit. Das kleinste Kapital von dieser, ist mehr, werth, als Millionen von jener. » Ich werde nicht eher spielen, als bis ich Niemanden finden kann, der mir umsonst Gesellschaft leistet. 748 Selvstbetrachtmigeii, Einfälle und kleine Aufsätze. Dos Spiel soll den Mangel der Unterredung ersetzen. ES kann daher nur denen erlaubt scvn, die Karten beständig in Händen zu haben/ die nichts als das Wetter in ihrem Munde haben. Er füllt Därme mit Sand, und verkauft sie für Stricke. Wer? Etwa der Dichter, der den LebcnSlauf eines Mannes in Dialogen bringt, und das Ding für Drama ausschrcit? Bergab ist lustig wandeln. Aber doch werden bergab mehr Hasen gefangen, als bergauf. Das ist die Recension von der andern Hälfte vieler Bücher. » Dann und wann gehört es unter die unerkannten Seegcn der Ehe, wenn sie nicht gescegnct ist. Der gute Name sey die Seele der Tugend, ist so gar unrecht nicht gesagt. Denn sie lebt noch lange, wenn der Körper schon todt ist, o Armuth macht eben so viel Hahnrcve als Diebe. Fragment eines Gesprächs. A- Erkläre mir doch dieses Gemählde. B. ES ist Herkules und Omphale. A. Das heißt, mir das Gemählde nennen, aber nicht erklären — B- Mehr versteh ich davon nicht. A. Desto schlimmer. Sich, der da, dieser Athlet am Spinnrocken, in dem engen weiblichen Purpur ist — B- Herkules. A. Nicht doch — ist ein nagelneuer Philosoph. Und die da, diese schöne gebictherischc Nymphe, so fürchterlich lustig ausgeputzt, ist — B- Omphale. A. Behüte — ist die liebe Theologie. Der Philosoph hat ihr seine Demonstration umgchangen, und einen knotichen Sorites in die Hand gegeben. Dafür hat er sich in ihren Purpurrock gepaßt, der ihm auf dem nervichtcn Leibe überall platzt, und nuu sitzt er da und spinnt ihren Rocken ab. B- Warum droht sie ihm denn aber mit dem knotichen SoriteS? A. Er soll noch feiner spinnen. Selbstbetrachtungcn, Einfälle iind kleine Aufsätze. 749 Ich habe gegen die christliche Religion nichts: ich" bin vielmehr ihr Freund, und werde ihr Zeitlebens hold und zugethan bleiben. Sie entspricht der Absicht einer positiven Religion, so gut wie irgend eine andere. Ich glaube sie und halte sie für wahr/ so gut und so sehr man nur irgend etwas historisches glauben und für wahr halten kann. Denn ich kann sie in ihren historischen Beweisen schlechterdings nicht widerlegen. Ich kann den Zeugnissen, die man für sie anführt, keine andere entgegen setzen: es sey nun, daß es keine andere gegeben, oder daß alle andere vertilgt oder geflissentlich entkräftet worden. Das gilt mir itzt gleich viel, da die Sache in einer Waage abgewogen wird, in welcher aller Verdacht, alle Möglichkeit, alle Wahrscheinlichkeit, gegen ein einziges wirkliches Zeugniß nun einmahl so viel als nichts verschlagen soll. Mit dieser Erklärung, sollte ich meynen, könnten doch wenigstens diejenigen Theologen zufrieden seyn, die allen christlichen Glauben auf menschlichen Beyfall herabsetzen, und von keiner übernatürlichen Einwirkung des heiligen Geistes wissen wollen. Zur Beruhigung der andern aber, die eine solche Einwirkung noch annehmen, setze ich hinzu, daß ich diese ihre Meynung allerdings für die in dem christlichen Lchrbcgriffc gegründetere und von Anfang des Christenthums hergebrachte Meynung halte, die durch ein bloßes philosophisches Raisonne- mcnt schwerlich zu widerlegen steht. Ich kann die Möglichkeit der unmittelbaren Einwirkung des heiligen Geistes nicht leugnen: und thue wissentlich gewiß nichts, was diese Möglichkeit zur Wirklichkeit zu gelangen hindern könnte. Freilich muß ich gestchen — Wenn ich mich recht untersuche, so beneide ich alle itzt regierende Könige in Europa, den einzigen König von Preussen ausgenommen, der cS einzig mit der That bewcißt, Königswürdc sey eine glorreiche Sclavcrey. Gott hat keinen Witz, und die Könige sollten auch keinen haben. Denn hat ein König Witz, wer steht uns für die Gefahr, daß er deswegen einen ungerechten AuSspruch thut, weil er einen witzigen Einfall dabey anbringen kann? » Folgende Anmerkung des Barclaiuö in Ansehung dcS Nachtheils der Aristocratie vor der Monarchie «st vortrcflich: 760 Sclbstbetrachtungen, Einfälle und kleine Aufsätze. pane verc, >am re^num, quam remmikUcam, prlncinum vilii» >»»- i>u»m nffeels valeluiline ladorare; ulrilii lÄcilior» exsneele« »ll pu- lUicilM »itiiilillem remetlii»? ?!ii»irum el Rexem et ip»!»« vUin murü »allem >Ie meilin lollel, polerunlque » »ucceLsoris in>lole «nerari meliors. labem eoirupli senitlus non unius euiusciue mors» eluU, seil »kllioii semel innres i» ilelerior» sempei laliunlur, ilonee puliliein» sülulem suo ciisu obruerit. ^rgenis I. c, ,8. Bcy der katholischen Kirche in Berlin, welche der König neben dem Opernhaus- erbauen lassen, ist mir die Stelle aus dem StatiuS eingefallen: ?ar oneri soclos. Besold, der berühmte RcchtSgclehrte in der ersten Hälfte dcS vorigen Jahrhunderts, der aber der guten lutherischen Kirche den Dampf anthat, und von ihr ausschied, soll in dem Anhange zu seinen ^xiomst. polit. sagen: Vonissimurn iiroverliium vsso nulo»: In omoilius gli<^u!lv<: revoearo lltus, aut juogero carrnina curo. °) „sagt er bey Gelegenheit einer Anmerkttiig über dc» malerische» We-lMana, in dc» Dichter»." Füllcboril in Lcssings Lcben iil, S. XXIV. Lcs,mgs Werk- Xl, l^