Gotthold Ephraim Lessings sämmtliche Schriften herausgegeben von Karl Lachmann. Inhalt. Seile ^ur Geschichte und Litteratur. Aus den Schätzen der Herzoglichen Bibliothek zu Wolfenbüttel. Erster Beutrag. 1773. I. Ueber die sogenannte» Fabeln aus den Zeiten der Minnesinger: erste Entdeckung................... 1 II. Rviiiulus und Rimicius.................. 37 III. Von dem Schickard-Marchtalerschen Tarich Beni Adam - 63 IV. Die Nachtigall........................ 78 V. Paulus SilcntiarinS auf die Pythischcn Bäder..... 103 VI. Vermeinte ^-xö-,-« des Ilnioninns in der Herzoglichen Bibliothek zu Florenz.................... 14o VII. Lcibnitz von den ewigen Strafen ............. 149 Beantwortete Anfragen. 1 — 3.................. 177 Zweyter Beytrag. VIII. Marco Polo, aus einer Handschrift ergänzt, und aus einer andern sehr zu verbessern .............. 189 IX. Die Flandrische Chronike, beym Martcne und Dnrand, aus einer Handschrift ergänzt............... 217 X. Ehemalige Fcnstergemäldc im Moster Hirschau...... 228 XI. Des Klosters Hirschau Gebäude, übrige Gemälde, Bibliothek, und älteste Schriftsteller............... 245 XII. Des Andreas Wissowatius Einwürfe wider die Drey- einigkcit ........................... 263 XIII. Zur Griechischen Anthologie................ 295 VI Znhalt, Seite XIV. ErasmuS Slclla und dessen nun erst aus Licht tretende tüomniLilt.ii'ii 60 i'eli. pop. pi. oioe intei' ^Iliim ^ Salam.......................... 313 Dritter Beytrag, XVII. Bon Adam Neusern, einige authentische Nachrichten. 3S9 XVIII. Von Duldung der Dcistcn: Fragmcut eines Ungenannten 416 XIX. Ergänjungen des Julius Finnicus........... 421 Nom Altcr der Oclmalcrcy aus dem Theophilus Presbyter. t774.......................... 443 Zur Geschichte und Litteratur. Aus den Schätzen der Herzoglichen Bibliothek zu Wolfenbüttel. Erster Beytrag. 1 7 73. Vorrede. ^ie Herzogliche Bibliothek zu Wolfenbüttel, deren Aussicht mir anvertrauet ist, hat, von ihrer ersten Stiftung au, die Augen der Gelehrten ganz besonders aus sich gezogen. Und mit Recht. Die meisten Bibliotheken sind entstanden: nur wenige sind angelegt worden; und vielleicht ist keine einzige mit der Ecflisscnhcit angelegt worden, deren sich ein so kundiger Fürst, als Augustus war, in einer ununterbrochnen Folge von nahe fünfzig Jahren becifcrtc. Die Beweise hiervon sind in der Geschichte nachzusehen, welche von ihr Burckhard, einer meiner Vorwescr, mit vielem Flcisse zusammengetragen hat. Dennoch aber ist eben dieses Werk nur wenig geschickt, der Welt einen angemessenen Begriff von ihr zu machen. Ich meyne dieses nicht blos in Ansehung ihres gegenwärtigen Zustandes; in Ansehung des Anwachscs, den sie in den letzten dreyßig Jahren erhalten. Denn wie sehr sich Unseres itzt regierenden -Herzogs Durchlaucht das Recht erworben haben, der zweyte Stifter derselben zu hcisscu: das hat es freylich nicht melden können. Die Beschreibung dieses glücklichen Zeitpunkts bleibt seinem Fortsctzer aufbehalten. Sondern Zöurckhard scheinet überhaupt nicht erwogen zu haben, worauf es bey der Geschichte einer Bibliothek hauptsäch- LeslmgS Werke ix. 1 ' 2 Zur Geschichte und Litteratur. Erster Beytrag. lich ankömmt. Nicht darauf, daß man die gleichgültigem Umstände ihrer Entstehung und ihrer allmäligcn Vermehrung mit einer ängstlichen Gewissenhaftigkeit her erzählet; das wäre höchstens die Genealogie der Bibliothek: sondern darauf, daß man zeigt, wozu es denn nun auch der Gelehrsamkeit und den Gelehrten genutzt habe, daß so viele Bücher mit so vielen Kosten hier zu Haufe gebracht worden. Das allein sind die Thaten der Bibliothek: und ohne Thaten giebt es keine Geschichte. Denn kaum daß Dorckhard noch die wenigen Werke mitnimmt, die Augustus selbst aus dieser seiner Bibliothek, entweder zuerst, oder verbessert, herausgeben lassen. Das weit Mehrere und weit Beträchtlichere, was in Zeiten, die ihm doch viel näher waren, Männer wie K.eibnirz, iLckarö, L.enfant, Lorle, Salig:c. aus ihr geschöpft haben, ist mit dem tiefsten Stillschweigen von ihm Übergängen worden. Gleichwohl hätte auch er schon dreist behaupten können, was ich itzt um so viel sichrer behaupten darf: nehmlich, daß in diesem Jahrhunderte schwerlich eine Bibliothek in Europa so viele und so wichtige Beytrage zu so mancherley Theilen der Gelehrsamkeit geliefert hat, als die Unsrige. Wenn ich es nun für meine erste Pflicht hielt, mir von diesen Beyträgen allen eine genaue und so viel möglich kritische Kenntniß zu erwerben: so schmeichle ich mir, daß ich in einiger Zeit nicht unfähig seyn dürfte, den Mangel des Burckhardschcn Werks zu ergänzen, und eine Littcrär Geschichte derselben bereit zu haben, die in einem vorzüglichern Verstände die Geschichte der Bibliothek heisscn könnte. — Doch was dann? Wird die Welt dadurch viel mehr bekommen, als sie bereits hat? Ein Inventar von Schätzen, ist recht gut; aber es ist kein neuer Schatz. Und ich will es nur bekennen, was von Anfange an mein stolzrer Vorsatz gewesen ist. Mit Einem Worte: lieber für die noch künftige Geschichte der Bibliothek neuen Stoff zu brechen; als die Rechnungen von der verflossenen aufzunehmen. Von der Ergiebigkeit des Grundes war ich aus fremden Erfahrungen hinlänglich überzeugt; und wurde es durch meine eigene um so mehr, als ich an jener Schrift des Berengarms Lorrede. 3 einen so reichhaltigen Anbrach gleichsam zn Tage zu finden, das Glück hatte. Wenn ich nun für das Weitere dem Rathe der Meisten hätte folgen wollen: so würde die Abfassung und Bekanntmachung eines vollständigen Verzeichnisses aller handschriftlichen Schätze der Bibliothek, das Beste und Kürzeste gewesen seyn, was ich in Absicht meines Vorsatzes hätte thun können. Und allerdings wäre dieser Rath recht herrlich und schön, wenn er nicht einen kleinen Fehler mit so manchem andern herrlichen und schönen Rathe gemein hätte. Die Ausführung ist auf der einen Seite, nicht eben sehr nützlich: und auf der andern, nicht so recht möglich. Denn entweder man mcynct ein Verzeichnis^, welches nichts als die ctwanigen Aufschriften der Manuscripte enthält. — Ein solches kann man sich leicht einbilden, ist längst bey der Bibliothek vorhanden, und braucht nichts, als gelegentlich erweitert und berichtiget zn werden. Die Bekanntmachung desselben durch den Druck aber, dünkt mich, würde am Ende pompöser, als ersprießlich seyn. Sie würde bey den Gelehrten so manche übcrflüßigc Ncugicrde, so manche eitle Erwartung erregen; sie würde dem Bibliothekar auf ewige Zeiten so manche vergebene Mühe, so manchen Zeitverlust machen, ihn so manchen auf nichts hinauslauffcndcn Anfragen aussetzen: daß der daraus erwachsende Nachtheil den Vortheil unendlich überwiegen dürfte. Oder man meyner ein Verzeichniß, welches bey jedem Manuscripte zugleich mit anmerkt, ob es bereits herausgegeben sey, oder nicht; ob es sonst genutzt worden, oder nicht; ob es genutzt zu werden verdiene, oder nicht. — Zst ein solches Verzeichniß das Werk einiger Zahre? Zst es das Werk eines einzigen Mannes? Und würde ich dieser einzige Mann seyn? — So schränke sich, wird man sagen, der einzige Mann auf das Wichtigste ein. — Recht wohl. Aber was ist das Wichtigste? Wo findet es sich? Wer zeigt es ihm? Wie gelangt er dazu? Ohne Zweifel, durch Versuche; durch anhaltenden Fleiß; durch gutes Glück. — Und das ist es, woraus ich kommen wollte. 1° 4 Zur Geschichte und Litteratur, erster Beytrag. Ich fange hiermit an, der Wclt einige Proben vorzulegen, wie weit es mir noch bis itzt durch diese drey Stücke gelungen ist, Schätze kündbarer zu machen, die ihre Durchlauchtigsten Besitzer von jeher, so gemeinnützig als möglich zu wissen, sich zum Vergnügen gerechnet haben. Es ziemet mir nicht hier anzuzeigen, in welchem hohen Grade dieses' Lob besonders dem Gegenwärtigen gebühret. Aber verschweigen darf ich nicht, daß ich Seine ausdrückliche Gcnchmhaltung und Aufmunterung zu dieser Arbeit habe. Möchte sie doch nur auf einige Weise der Absicht entsprechen, in welcher er mich dieser Genehmigung und Aufmunterung gcwürdigct! Zch habe mich zweyer Wege bedacht, diesen Wunsch desto eher zu erreichen. Der eine ist: diejenigen Gelehrten um ihren Beytritt zu ersuchen, welchen irgend ein geheimer Vorzug nnscrcr Bibliothek bekannt geworden. Wolfcnbüttcl selbst hat solcher Gelehrten mehr als einen. Besonders haben, wie man weiß, die Herren Rnirrel und -Heuslnger, und den ich zu allererst hätte nennen sollen, des Herrn Geheime Rath von praun Excellenz, so viele Jahre länger als ich, mit einer so viel ausgebreitetem und gründlichern Gelehrsamkeit, als ich mir anmaassc, die Schätze derselben genauer einzusehen Gelegenheit gehabt. Wenn es diesen Männern also gefällig wäre, mit mir gemcinschastliche Sache zu machen: so dürften ohne Zweifel die künftigen Theile meiner Schrift ein ganz anderes Ansehen gewinnen. Der zweyte Weg geht dahin: daß ich mir die Anfragen zu Nutze mache, welche auswärtige Gelehrte wegen der Bibliothek an mich zil thun für gut finden. Je mehr Anlaß ich dadurch erhalten werde, meine eigene Kenntnisse von ihr auch von solchen Seiten zu erweitern, gcgcn die ich mich von selbst wohl schwerlich dürfte gewandt haben: desto angenehmer wird es mir seyn. Da ich mich aber ohnehin in keine wcitläuftige privat Eorrespondcnz einlassen kann: so erlaube man mir, daß ich die wichtigsten derselben hier öffentlich beantworte, und auf diese Weise die Ncugicrdc oder das Bedürfniß eines einzigen, zum Gebrauche mehrerer verwende. I. Ueber die sogenannten Fabeln aus den Zeiten der Minnesinger. Erste Entdeckung. Die Gelehrten in ber Schweiß, welche sich um den Schwäbischen Zeitraum der deutschen Dichtkunst so sehr verdient gemacht haben, schickten, ehe sie mit der grossen Manessischen Sammlung von Minneliedern an das Licht traten, zum ,Vor- schmack einen Band alter Fabeln voraus, die sie ungefehr aus den nehmlichen Jahren zu seyn urtheilten. Wer nicht ganz ein Fremdling in der Geschichte unserer Litteratur ist, der kennet diese Fabeln, die unter dem Titel, Fabeln aus den Zeiten der Minnesinger, im Zahre 4757 zu Zürich in Octav herauskamen, und von allen, die Einfalt und Wahrheit in einer echten und lautern Sprache zu schätzen wissen, mit so vielem Danke aufgenommen wurden. Damals glaubten die Herausgeber, und glauben es ohne Zweifel noch, daß sie der Welt an diesen Fabeln etwas geliefert, was ihr so gut als völlig neu seyn müsse. Sie hielten sich nehmlich für versichert, daß ausser der Hälfte derselben, welche der Straßburgischc Professor, Joh. Geo. Scher;, von 47l)4 bis 1710, in cilf akademischen Dissertationen, mit einem weitläufigen Commcntar abdrucken lassen, sonst nichts davon im Druck erschienen sey; und sie also diejenigen wären, welche das Ganze zuerst aus ihren Handschriften bekannt machten. Wenn Herausgeber so etwas glauben; so glaubt es die Welt natürlicher Weise mit: denn man nimmt an, daß Herausgeber nicht unterlassen, so genaue Kundschaft als möglich deß- falls einzuziehen. Ich wüßte daher auch nicht, daß von irgend jemanden den Herren Schweißern die Ehre der ersten vollständigen Bekanntmachung benannter Fabeln wäre abgestritten worden: und ich selbst bin länger als zehn Zahre der festen Meinung gewesen, daß sie ihnen auch nicht abzustreiten stehe. Denn nur erst 17K9 gerieth ich auf den Verdacht, daß es doch wohl eben diese Fabeln seyn könnten, welche schon längst k Zur Geschichte und Litteratur. Erster Beytrag. einmal gedruckt gewesen, und schon längst wieder vergessen worden. Ich bekenne es mit Vergnügen, wer mich auf die Spur dieses Verdachts geholfen. Es war der Herr von -Heineke; in seiner Nachricht von einer gelehrten Reise, die er das Zahr vorher durch Nicdcr- sachscn und Holland unternommen hatte ("). Da es ihm damit vornehmlich um die Aufklärung des Ursprungs der Druckerey zu thun gewesen war, (besonders, in so fern sie in der alten Formcnschncidcrey zu suchen) und er in solcher Absicht alle dahin einschlagende Seltenheiten, welche in den Bibliotheken dasigcr Gegend aufbewahret werden, in Augenschein genommen hatte: so war ihm unter denen, welche ihm die Bibliothek zu Wolfcn- büttel in Menge anbot, auch ein deutsches Fabelbuch mit Holzschnitten vorgekommenem welchem auf dem letzten Blatte stehet, daß es zu Vambcrg 4461 geendet worden, und welches er daher näher zu beschreiben für werth hielt. Ich will damit nicht sagen, daß der Herr von iHelneke der erste oder einzige gewesen, der dieses alte Fabelbuch gekannt und seiner Aufmerksamkeit gewürdiget hätte. Es war schon vor ihm von verschiedenen Büchcrkcnncrn angeführet worden; besonders vom Johann Saubertns, jn dem Anhange seiner Geschichte der Nürnbergischcn Bibliothek, wo er die ersten Drucke dieses Büchcrschatzes anzeiget, und es für ein Werk hält, das nicht mit beweglichen Buchstaben gesetzet, sondern von eingeschnittcnen Tafeln abgedruckt worden«^"). Allein weder Saubertus, noch sonst jemand, hatte etwas daraus mitgetheilet, woraus der nähere Znnhalt zu schliessen gewesen wäre: und nur der Herr von Heincke hatte die Aufmerksamkeit, dieses zu thun, und dadurch den Weg zu einer Entdeckung zu bahnen, durch den das alte Buch noch einen weit grössern Werth erhält, als ihm von der typographischen Seite gebühret. Er führte nehmlich die ersten Zeilen der ersten Fabel daraus an: Einsmals ein Affe kam gerant Da es viel guter wusc fand u. s. w. (°) Nachrichten von Künstlern nnd Kunst-Sachen. Theil il, S. 21. (°°) ^o. Kauie»/i Mkloiia LUilioluecsz liei». Aoribvrxeiilis, Xol'Ni. t643. in tSmo n. tl«. Ueber die Fabeln aus den Zeiten der Minnesinger. 7 Und nun hätte ich die Fabeln aus den Zeiten der Minnesinger viel weniger müssen gelesen haben, als ich sie wirklich gelesen hatte, wenn mir nicht sogleich hätte einfallen sollen, daß diese zwey Zeilen ja wohl auch der Anfang der allerersten Fabel von ihnen wären. Denn daß muse für nusse, es für er, verdruckt sey: das verstand sich von selbst. Was war also natürlicher, als der Gedanke, ob das Bambergische Fabelbuch nicht wohl noch mehrere von jenen Fabeln enthielte? ja, ob es wohl nicht gar im Grunde weiter nichts, als ein früher unbekannter Abdruck derselben sey? Zch hätte gleich damals, durch meine Freunde in Braunschweig, sehr bald und leicht hinter die wahre Beschaffenheit kommen können. Doch, dachte ich, wer will eine jede solcher Spuren selbst verfolgen? Hier ist deutlich genug darauf gewiesen; der Fingerzeig wird mehrern in die Augen fallen: und wir werden bald hören, woran wir sind. Nur als ich selbst nach Wolfcnbüttcl kam, erinnerte ich mich sogleich, daß das, wovon ich ganz gewiß vermuthet hatte, daß es auch ohne mich geschehen würde, dennoch bisher unterblieben sey. Und da wäre es denn ohnstreitig mehr Lässigkeit, als Enthaltung gewesen, wenn ich es nicht mit eines von meinen Ersten seyn lassen, mich auch hierüber durch meine eigene Augen des Gewissem zu belehren. Es geschah: und mit dem ersten Blicke, den ich auf das alte Buch warf, war die Sache entschieden. Zch fand nehmlich, zu meiner nicht geringen Freude, in der That und Wahrheit, daß dieses zu Bamberg schon 1461 gedruckte Fabelbuch, schlechterdings nichts anders als eben die Sammlung alter Fabeln ist, welche erst Scher; und dann die Schweißer herausgegeben; unwissend, daß man ihnen längst damit zuvorgekommen, und daß der alte Dichter, den sie ihres Fleisses für so werth hielten, gleich im Anfange der Vuchdruckcrcy für würdig geachtet worden, durch die ncuerfundcnc Kunst allgemeiner bekannt gemacht zu werden. Oder wenn dieses die Sache nicht war, — wie man denn auch wohl schwerlich behaupten kann, daß alle Bücher, welche zuerst gedruckt wurden, auch zuerst gedruckt zu werden verdienten — so erhellet doch wenigstens aus dem so 8 Zur Geschichte und Litteratur. Erster Beytrag. chleunigcn Abdrucke dieser Fabeln, daß sie damals ein Buch gewesen, welches viel gelesen ward: denn wenn die Wahl der ersten Drucker schon nicht immer auf die besten Bücher fiel, so fiel sie doch sicherlich immer auf die gangbarsten. Eine Anmerkung dringt sich hier mir zu lebhaft auf, als daß ich sie ganz verschweigen sollte. — Wie wenig man sieht, wenn man nur das sieht, was man sehen will! wenn man für mchts Augen hat, als für seinen Kram! Und wie bekannt etwas seyn kann; und zugleich wie unbekannt! — Als erster Druck, war unser Fabclbuch bekannt genug, nur als das, was es eigentlich ist, war es so unbekannt, daß cS, völlig ungcrügr, einmal und zwcymal, als etwas ganz Neues, ans Handschriften konnte und durste gedruckt werden. Das macht: der Littcrator verachtet meistens den Poeten; und der Poet lacht gemeiniglich über den Littcrator. Zeder begnügt sich, um seine Welle zu gehen, wie ein geblendeter Gaul. — Wer sich indeß auf die Seltenheit eines deutschen Druckes von 1461 verstehet, wird leicht begreifst», daß weder Scherzen, noch den Herren Schweißern aus ihrer Unwissenheit ein Vorwurf zu machen. Es wäre sonst eben als ob man von ihnen verlangte, daß sie auch alle Handschriften sollten gekannt haben, die von den nehmlichen Fabeln hin und wieder in Bibliotheken annoch verborgen liegen. Denn wahrlich ist ein so früher Druck an Seltenheit einer Handschrift vollkommen gleich; und der insbesondere, von dem die Rede ist, wohl noch gar ihr weit daran vorzuziehen. Denn Handschriften von diesen Fabeln kenne ich doch wenigstens scchsc; da ich hingegen von der Bambcrgcr gedruckten Ausgabe ein zweytes Exemplar, ausser dem mistigen, nicht nachzuweisen wüßte. Wenigstens macht es mir der Herr von -Heinere ungewiß, ob dasjenige Exemplar, welches Saubertus doch wohl wird gesehen haben, annoch in der Nürnbcrgischcn Bibliothek befindlich ist, oder ob es gar jemals daselbst vorhanden gewesen (°) Nrlimlich in einem ncncn Werke, (lllue »-vi,e>!>l>- ,1'unu l!»lwc>i<»l c«u>i>ieilv il'kNiiwi'v» ckc. » Violine t77l. p, s?5.) in welchem er die in den Nachrichten von Runstiern und Runsisachcn ertheilte Beschiel- bnng, mit einigen Zusätzen wicderhohlt IM. Ueber die Fabeln aus den Zeiten der Minnesinger. V Was aber, wie gesagt, jenen Gelehrten nicht zu verübeln stehet, das wurde cincm Bibliothekar, der eine so einzige Merkwürdigkeit unter seinem Beschlusse hat, sehr zu verdenken seyn. Denn von diesem verlangt man sogar, daß er gelegentlich Meldung davon thue, wenn man ihm anders zutrauen soll, daß er das, was er bewachet, auch kenne. Und daher glaube ich denn mit folgender Nachricht, selbst bey denen keinen Undank zu verdienen, die ihr schriftstellerisches Verdienst um eine Kleinigkeit dadurch geschmälert finden dürften. — Also zuvörderst das Acusscrlichc und Materielle des Buchs zu beschreiben: so setze ich zu dem, was der Herr von -Hcineke bereits von dem Formate und den eingedruckten Holzschnitten desselben gesagt hat, noch dieses hinzu — Das Papier ist von ziemlicher Stärke, aber nicht von besonderer Weisst; und hat zum Zeichen den aus den Maynzischcn alten Drucken so bekannten Ochscnkopf. Ich merke dieses darum an, weil es sonach ein sichtbarer Beweis ist, daß besagtes Zeichen nicht schlechterdings einen Fausiscben Druck beweiset, wie Nandöus behaupten wollen; welcher Behauptung die Kenner zwar ihren Zweifel, aber doch, so viel ich weiß, noch kein wirkliches Beyspiel entgegen gesctzct haben (^). — Die Blätter, deren in allen acht und achtzig sind, haben überhaupt keines von den Merkzeichen, durch welche ihre Folge bestimmt, und die Znsam- menbindung erleichtert wird. Sie sind weder paginirt noch gezählt; ohne Custos und Signatur: daher es um so weniger zu verwundern, daß sie hier und da verbunden worden. — Die Schrift ist eine plumpe stumpfe Fractur, fast so groß als die, welche in den Formatbüchcrn Doppcl-Mittcl-Fractur heißt. Dem ersten Slnschn nach sollte man sie für eben die Schrift halten, aus welcher LonraV Rachcloven seinen Donat gedruckt hat. Doch bey genauer Betrachtung findet man dicsc ctwas stärker, und in den Zügen einiger grossen Buchstaben vcrschicdcn; zwar (°) Nehmlich daß es in klein Folio seh, und über jeder Fabel ein Holzschnitt stehe, dergleichen er einen copirm, nnd ihn sowohl seinen Nachrichten als dem angeführte» französischen Werke bevdrucke» lassen. (") tV»'//!. t,'»///. 8c/tu-«,'-ii NxereN-Ui», rogres ile I'Impriiuerie, l. p. 8K. ' 42 Zur Geschichte und Litteratur. Erster Beytrag. sondern lediglich die Verfertigung der Abschrift des Buchs, welche der Drucker vor sich gehabt, damit gcmeinct seyn. Denn das Buch selbst, die Fabeln selbst, sind ohnstrcitig weit älter; welches so viele Handschriften auf die linwidcrsprcchlichste Art bezeugen. Doch es ist unnöthig, noch itzt diese Erinnerung gegen den Herrn von Heinere zu machen, da er selber, in seinem neueren französischen Werke, auf seinem Argwohne nicht bestehet, sondern es für gar nicht unmöglich erkläret, daß Bambcrg eine von den ersten Städten, nach Maynz, gewesen, in welchen die Druckcrcy getrieben worden ("). Aber auch, dürfte man fragen, in der Vollkommenheit getrieben worden, zu welcher der Herr von Heineke will, daß die Formcnschncidcrcy sogleich übergegangen? Denn wenn unser Fabelbuch nicht von geschnittenen Tafeln abgedruckt ist, so dürfte man doch wenigstens glauben wollen, daß es mit hölzernen beweglichen Buchstaben gcsctzct worden; und diese hölzernen Buchstaben sind cs, welche der Herr von -Heineke gänzlich aus der Geschichte der Druckcrcy will ausgcthan wissen. Es ist schwer, einem Manne, von seiner Erfahrenheit in solchen Dingen, etwas entgegensetzen zu können, was ihm nicht längst bekannt sey. Und dennoch will ich es vielleicht ein andermal wagen, ihm einige Bemerkungen vorzulegen, die gedachter seiner Hypothcs entgegen stchcn, und sich mehr auf eine Art von Zeugnissen als auf mißliche Beurtheilungen des Auges gründen. Vor itzt liegt mir an allem diesen nichts: genug das Buch ist da; mag cs doch entstanden seyn, wie cs will. Ich komme vielmehr auf das Hauptwerk, welches der Text ist. Seinen Zunhalt brauche ich meinen Lcscrn nicht bekannt zu machen: sondern allein das Verhältniß, in welchem er mit dem Texte stehet, den uns die Schweißer gegeben haben. Dieses aber kann nicht besser geschehen als durch Proben, aus deren Wcrglcichung ein jeder selbst urtheilen kann, wie weit er sich, an Sprache und Rechtschreibung, von dem neuen aus sorgfältig verglichenen Manuskripten gelieferten Zürcher Abdrucke entfernet, und um wie viel der eine dem andern, an Nichtigkeit und Noll- (°) lilöo gener-lli-z p> s?7. Ueber die Fabeln ans den Zeiten der Minnesinger. ständigkcit, entweder vorzuziehen oder nachzusetzen. Zch will also, ohne alle Wahl, so wie das Buch auffällt, einige Fabeln, mit möglichster Sorgfalt Buchstabe für Buchstabe copirct, hier mittheilen, und von der ersten den Anfang machen. I. AinsmalS ein äffe kam gcrant Do er viel guter misse vant Der hette er gessen gerne Zm was gesagt von dem kerne 6. Der wer gar lustiglich unde gut Beswert was sein thuiner mnt Do er der pitterkeit cntpfant Der schalen darnach zu hant Begreift' er der schalen hertikcit 4t>. ZZon den missen ist mir gcscit Sprach er das ist mir worden kunt Si haben mir vcrhonet meinen munt Hyn warft' er sie zn derselben fart Der kerne der nussc im nyc wart, tö. Demselben äffen sein gleich Beide jung arme unde reich Die eurch kurze pitterkeit Verschmchen lange snsikeit Wcnne man das fcucr enznntcn will M. So wirk des Rauches dick zu vil Der thut einem in den äugen we Wenn man darzu blcset mcc Biß es enzundct wirt wol Und daü hitz gibt als es sol 26. Das feuer sich kaum crwigt Das es hizc und licht gibt Also ist es umb geistlichs leben Welches mensch sich got will ergeben Der mi'ß haben gros leiden 30. Und viel dinges vermeiden Darnach in viel mancher hertikcit Im ein anfanck ist bereit Zur Geschichte lind Litteratur. Erster Beytrag. Ee das feucr der myne Im cnzulidet sein sine 36. Hieran wag gedenken wol Der mensch der got dienen sol Der sol durch kcüierlcy ablan Er soll am stetem dinst bestan. Zch will, wie gesagt, die Verglcichnng dem Leser selbst überlassen. Wenn er aber finden sollte, daß sie ein wenig sehr zum Nachtheil des alten Bambcrgischen Druckes ausfalle; daß in dem neuen Zürcher verschiedene Zeilen weit geschmeidiger und verständlicher aus den Handschriften geliefert worden: so wird er doch auch nicht in Abrede seyn, daß hinwiederum in jenem eines und das andere vorkömmt, welches offenbar das Bessere ist, und von den letzten Herausgebern hätte gcnutzct werden können. Wenn z. E. die Schweizerische Ausgabe in der 14tcn Zeile liefet, „Die nuß der kerne im nit wart" klingt dieses in unserer nicht weit besser und dem Verstände gcmässcr, „Der kerne der nusse im nye wart?" Denn man sagt doch wohl ohnstrcitig, der Kern der Nuß: und nicht, die Nuß des Kernes. Auch daß bey uns die beiden Zeilen, welche dort auf die 34stc folgen, lind im tröstlich innige wescn Als wir dik hörent lesen gänzlich mangeln, ist zu loben. Denn sie sind so überflüssig, und zeigen von so einer elenden Flickercy, daß sie unmöglich von dem Verfasser herkommen können. — Eine zweyte Probe sey die neunte Fabel der neuesten Ausgabe, welche in unsrer die achte ist. IX. (8.) Licr gesellen komen über ein Das es alles sol sein gemein Was sie der jagten auf der Heide Beide gros unde clcine 6. Das ein was ein lcwe freysam Ein geis ein ochse was zam Ein schaf der vierd geselle was X Ueber die Fabeln aus den Zeiten der Minnesinger, 45 Sie lebten am ersien ane haß Ein hirs bcgegcnt in do 4g, Do wurden sye gar fro Do der von in gefangen wart Do wart nicht lcngcr gespart Er wart zu hawen schir Unde gcteilet in vier 45. Do sprach der lcwe frcißam Den ersten teil den muß ich han Das sol mir durch mein adelkcit Vor euch allen sein bereit Das andre gibt mir mein krafft 20. Und meyn grose meisterschafft Das dritte soll mir nicht engan Wan ich am allermeisten gevochten han. Mir bcleib dann der vierde teil Die ftcuntschafft lies ich anders feil 25. Die wir zusamen haben geschworn Sie vorchten alle des lcwen zorn Die teil musten sie ym alle lan Und musten hungerig von danen gan ES geschicht unde ist auch recht M. Wo sich gleichen wil der knecht Dem Herren durch sein thumcn mut Das schadt ym unde ist nicht gut Mit Herren Weichsel essen Wan sie haben sich des vermessen 36. Der sich nicht davor Huten wil Sie werffen in mit weichseln stil Die Herren sprechen wenn man teilen sol , Ich gan dir deines rechten wol Hab dir das kalb las mir die ku 40. Ich nym dir anders was du hast darju Also wirt der arme betrogen Und von den gewaltigen an gelogen Das mag anders nicht gewesen Vor gcwalt mag nymant genesen tk Zur Geschichte und Litteratur. Erster Beytrag. 46. Wan gewalt gct für recht Und wo sein snlch knechte Die des nit wollen abegan Die knnncn die lenge nicht bestan Auch von dieser Fabel gilt, was ich von der ersten gesagt habe. Auch hier gibt unser alter Druck vcrschicdnc Kleinigkeiten an die Hand, die eher so, als so wie die Schweißer sie lesen, aus der Feder des Dichters werden geflossen seyn. Wer zweifelt z. E. an der 7rm und 8tm Zeile, die bey jenen weit leerer und kahler so lautet: ein schaff der vicrd geselle was Als ich an einem buocke las? Es ist der nehmliche Lückcnbüsscr und Rcimfüllcr, der in der vorigen Fabel bey uns ganz weggeblieben war, und in dieser bey uns mit einem so schönen und passenden Umstände ersetzet ist, daß wenn der Dichter auch nicht wirklich so geschrieben; Ein schaf der vicrd geselle was Sie lebten am ersten ane haß: er doch ohnstrcitig so hätte schreiben sollen. — Ich glaube nicht daß es nöthig seyn wird, noch mehr als eine einzige Probe anzuführen; die ich jedoch mit Rücksicht auf einen anderweitigen Umstand wählen will. Es ist die bekannte Fabel von dem- Vater, dem Sohne, uns ihrem Escl; nach der Ordnung die zwey und fünfzigste in der neuen, und die sechs unO vierzigste in unsrer alten Ausgabe. e wol behüt Erhebt manches mannes mut Nie auff crtrich pesserS wart Denn eine stau von guter art oci. Frumcr stauen leip unde mut Ist vor allen wandet behüt Die sol man unbcsengct la» Der kazcn dieb lest sie wol gau Und aller eren ist sie wert 0. Vil schnelle ging er hin unde sprach Eines dinges mich wunder nymvt Des ich mich nit hab geflisscn sint Das der mon gleich auff gat Dem mono zu pareiß in der siat ZZ. So sere das wundert mich Sy sint an einander ungleich Es muß sein gar ein weiß man Der die zwen unterscheiden kan Do der ritter das ersach KV. Zu seinen freunden er sprach Von sach wegen ist mein herz zorn Kost und crbcit ist gar verlorn Es dünket mich in meinen sinnen wol Das er ist aller narheit vol KZ. Der vater und die freunde sein Musten in ein thorcn laßen sein Wer von natur ist uubcsint Und myner witz hat dan eyn kint Dem mag die schule zu pareiß 7V. An sinnen nymer machen weiß Ist er ein esel und ein gauch Dasselbe ist er zu pareiß auch Wo die natur verirt ist Was schrifft do hoher Pfaffen ist Was hilfst das einer zn schule fert Und groß gut an nutz verzert Er höret hohe meister lesen Ein narre muß er doch ymmer wesen Gute pncher gewinnet er wol Lessings Werk- ix. » 34 Zur Geschichte und Litteratur. Erster Beytrag. Ein guter pfaff er nymmer werden sol Hie heim ein narre ein rint dort Dorcht ire werk tnmp ire wort Süllen sie wesen des gelaß Nye kein Pfaffe furpaß. 85. ' Ein marckt hub sich in einer stat Der marckt vil großer freiheit hat ES waren stauen oder man Wer do wolt zu marckte gan Z, Der het fride syben tage Nu höret was ich euch sage Der marckt was wol behüt Do was feil allerley schlacht gut Was ymanl zu kauffen gert lg. Des wart er auff der stat gewert Ein hoher pfaff an kunsten reich Kam auff den marckt und thet gleich Als er ein Kauffman soll wesen Er sprach wer do wil genesen 1o. Das des er mug haben heil Große weißheit hab ich seil Fnr den kunig die rede kam Sein knecht sandt er hin dan Das die mit nicht vermiden 20. Dan das sie schnelle riden Und ym kaufften die weißheit Er sprach ym were nit lcit Was sie darumb musten geben Die knecht vernumen eben 2Z> Groß silber sie do nomen Do sie zu dem meist» komen Sie sprachen wir sint her gesant Mein herre der kunig hat euch vermant Das ir das silber sult nemen 30. Und sult ym der Weisheit geben Ueber die Fabeln aus den Zeiten der Minnesinger. ZA Er empfing das silber und sazt sich nieder Er schreib ein wort und sank wider Dem kunig pcy den knechten seyn Das wort von deutsch zu latein 26. Sprach du solt das end ansehen Deiner werk wan was dir gescheen Dir darumb mug gescheen künstlich Der weißheit soltu fleissen dich Den kunig brcngt diese gepot 4l). DaS daucht sie gar ein spot Sie hetten alle des geschworn Das gut wer gar verlorn Darumb die weißheit ist gegeben Domit der kunig sein leben 46. Eehut der kauff gcvil ym wol DaS wort was großer knnst vol Er hieß es schreiben an sein thur Mit gülden puchstaben wer do für Ginge der möcht es wol lesen 50. Der kunig wer anders tot gewesen Eins malS als ich euch sagen wil Het er heimlicher veint vil Dy stellten sere auff sein tot Und heimlichen das sie nit in not 66. Komen für die Missetat Nu gingen sie heimlich zu rat Ein ebenteuer die was clein Gemeiniglich komen sie uberein Das sie gelt und gut wollen geben K0. Einem barbirer der dem kunig sein leben Neme so er ym solt scheren Sie wolten ihn des gelts gewercn Als schnelle er es het getan Nu wolt der scherer heimlich gan 66. Zu dem kunig in den Pallas Und wolt von stund enden das Darumb er empfangen het das gut 36 Zur Geschichte und Litteratur. Erster Beytrag. In große forcht kam sein mut Do er dy schlifft sach an 79. Do bcguud er aldo stille stan Das ende deiner werk soltu an scheu Und was dir danimb mag geschehen Vil schnelle er zittern began Ein totlich färb er gewan 76. Do'in der kunig ane sach Schnelle er zu ym sprach Sag an was ist dein not Oder du must leiden den tot Der kunig ließ in schnelle sahen 80. Und vil schwerlichen schlahen Der bekant des mordes den er wolt haben gethan Des er durch der schrift willen must lan Die ym das erwendet hat Das auff der thur geschrieben stat 85. Also behilt der kunig sein leben Sein veind mustcu ym all geben Im das gut das was wol Das gekanfft wort das was nutzes vol Wer das end ansehen kan 90. Seiner werk das ist ein weiß man Wer das end ansehen wil Der kumpt nit auff der reue zil Das ende vertreiben kan Die sunde wer do siehet an 95. Ein gut ende macht das Alles das vor pose was Ein gut ende macht alles das gut Ein gut ende nymer übel thut Der schifman in dem ende stat 100. Und richtet das es wol gat Wer sich do in das ende leit Und gewynet mit ym nymer groß leit. Alle diese sechs Fabeln, (die zwey und achtzigste ausgenommen, welche aber auch eigentlich keine Fabel, sondern die wahre Romulus und RmiiciuS. ^.7 Geschichte des jungen Papirius ist, dessen Name in Papius verstellet worden z) wird man von keinem ältern Dichter erzählet finden. Ob sie aber darum ursprünglich deutsche Erfindungen sind, davon ein Mchrercs in meiner zweyten Entdeckung über diese sogenannten Fabeln aus den Zeiten der Minnesinger, welche den wahren Namen des Verfassers bctrift, und die ich in den zweyten Beytrag vcrsparc. Ich sage itzt nur so viel davon, daß dieser Name, aus einer Handschrift unsrer Bibliothek, von Gottscheden mit einer Oscitanz, — ich weiß kein anderes Wort: Unachtsamkeit sagt viel zu wenig — angegeben worden, die schwerlich ihres gleichen haben dürfte. II. NomuluS und Niiiu'cius. Mit jener Entdeckung hatte ich mich wieder ganz in das Feld der Acsopischcn Fabel verirret. Es war eine Zeit, da ich keinen Dichter mit mehrcrm Flcisse studierte, als den Phöder. Und damals, wie oft wünschte ich mich in die Bibliothek zu Wolfcnbüttcl! Denn nur allzuoft stieß ich, in den Noten des Gudius über meinen Autor, auf Dinge, die ich mir dort, und nur dort, aufklären zu können versprach. Es ist bekannt, daß diese Noten des Gudius über den Phäder, nicht von ihm selbst, sondern vcrschicdne Jahre nach seinem Tode, von dem ältern Peter Durmann herausgegeben worden ("). Und es ist eben so bekannt, daß der größte Theil der hinterlassenen, eignen und fremden Handschriften des Gudius in unsre Bibliothek gekommen. Nun wußte ich zwar, daß die Papiere, aus welchen Durmann seine Ausgabe besorgt, sich nicht mit darunter befinden könnten, als welche längst zuvor von den Erben des Gudius an Graven überlassen worden. Allein Gudius bezog sich in den Noten selbst noch auf so manches, das meine Ncugierdc rcitzte: besonders auf vcrschicdne alte Codices, die er selbst zu Rathe gezogen, selbst in Händen gehabt C) Nchmlich zuerst Ivos. Gudius starb 168S, 28 Zur Geschichte und Litteratur. Erster Beytrag. hatte. Und von diesen durfte ich vermuthen, in Wolfenbüttel einiges wieder zu finden, das, wenn es Vurmann gleichfalls vor sich gehabt hätte, er gewiß naher angezeigt, und in manchen Fällen mehr genutzet haben würde. Alles dieses, wie gesagt, fiel mir itzt wieder ein, und ich sahe, daß ich zu Erfüllung meines alten Wunsches, nichts brauchte, als die Hand auszustrecken, und mir gewisse Ideen wieder klar und deutlich zu machen, die ich mich nur eben noch gehabt zu haben erinnern konnte. Und warum nicht? Ich fing an, und suchte; und das erste, worauf mich unsre Catalogi wiesen, war die eigenhändige Abschrift des Gusius von dem Loclice vlvionenti, auf den er sich verschiedentlich in seinen Noten beruft. Ich ergriff ihn mit Vergnügen; aber schwerlich hätte ich mir in dem ersten Augenblicke auch wohl nur träumen lassen, welchen besondern Aufschluß er mir in einer Sache gewähren würde, über die sich, mit und ohne Verschulden der fleißigsten und scharfsichtigsten Gelehrten, die äusserste Dunkelheit und Verwirrung seit vielen Jahren verbreitet hatten. Diese Sache verhält sich so. — Als Isaac Neveler 1610 die alten Fabeldichter, unter dem Titel AI^tKoloZia ^elopica, alle insgesammt herausgab, bezog er sich zu Wiederherstellung der echten Lesart des Phödrvs, auf einen gewissen Rimicius, welcher die Fabeln desselben in Prosa aufgelöset habe. Und dieser prosaische verstümmelte PhädruS war bereits längst gedruckt, ehe der wirkliche vom Pichöus 1596 an das Licht gezogen wurde. Neveler hatte eine alte Ulmer Ausgabe davon vor sich, die ihm Grurer aus der Heidelbcrgischen Bibliothek geliehen hatte. Gleich bey der zweyten Fabel des ersten Buchs gedenkt er derselben: 8!c vuim Atmie«» yuiclam yul pkazuVi tsbulss toluta orationo reääiäit, tervatis ut plurimum verkis, tise eaävm clo ro lohnen« ait — kimicii Iiu^jus exewplsr miki e?a lat'ma LivIIotkeci» kuppeditavit V. ^. /an?» (k?'?tte?'llL, Vlm-e olim improssum. ?sbulss /^esopi, ^vleui et ^nou^mi uoltri tsbu- Istoris latlna germamesrme orstione vxpoluit. Icl monendum koe loec» cluxi, c^uocl ali^uotivs kujus liimleii siteturus sum mentionem. Zu gutem Glücke mußte ich eben diese Ulmer Aus- RcmuIuS l»id RimiciuS. gäbe auch in unsrer Bibliothek antreffen; und sie ist es, ohne die mir doch wohl die Abschrift des <üo,1ieis viviorieulis so viel als nichts genutzt hätte. Ich mußte beide Stücke zugleich vor Augen haben, wenn ich die Wahrheit erkennen sollte. Doch nur erst weiter. — Auf diese Quelle kritischer Verbesserungen des Phöörus, so verdorben sie auch seyn mochte, hatte sich Gudius von dem Nevclet nicht umsonst verweisen lassen. Ich kann aus seinen Anmerkungen, wie sie Durmann herausgegeben, zwar nicht sehen, ob er die nehmliche Ulmer Ausgabe dieses sogenannten Rimicins vor sich gehabt. Aber ein Manuscript von eben diesem Rimicius führt er an, und nennt es sein eigen ("). Neveletius ex liinueii eujusllsiil lter- tjuilinio Asmmulam, ut purst, eruit, — In »ottro liimiocii ett Eben dieses Manuscript ist es ohne Zweifel, welches er an einem andern Orte Sei-M-mum k.imicii co6ieem nennet. Ich bekenne meine Unwissenheit, warum 8cis5- llsrium. Mir fällt weder ein Ort noch ein Gelehrter ein, nach welchem es diese Benennung führen könnte. Und was läge daran, wenn es weiter nichts wäre? Allein, was dem Gudius noch immer kimieius, höchstens kemiccius, heißt, das nennt er weiter hin komulius. Za damit wir nicht zweifeln können, daß er ein und eben dasselbe Werk meyne: so sagt er ausdrücklich C""), kamulius, live, ut I^eveletio voestur, lkimiccius- Und hier hebt die Verwirrung an. Sie war auch schon ziemlich auf das Acusserste gekommen, als Joh, Fr. Nilant 1709 alte Fabeln heraus gab, in welchen er ebenfalls mißgehandelte Glieder des Phädrus zu erkennen glaubte. Irioroäioilis, sagt er in der Vorrede, viäeostur viio- IUM «loetoium üuetuatio ill multiplicationv uoiuinum et perle- nsrum; ouippo czuum Ko??i«/?tL vel Ao»iit/tU5 live ^oma^UL, live /ötM/coiuL vel Aemt'c«» live ^smik vel A/nunci?» suclist, tum etism itta nomina iiuue uni, »unc äuakus perlouis triduuntur. Denn da er jenen gänzlich anonymen Fabeln eine andere ähnliche Sammlung aus einer i°) »a g. l,tb, i. (°°) sil ?»d. 30. I.ib. I. »a ?ktk. tü. l.id. III. W Zur Geschichte und Litteratur. Erster Beytrag. Handschrift beyfügen wollte, die den Namen des Romulus führte: so konnte ihm nicht lange verborgen bleiben, daß GuSius schon einen solchen geschriebenen Romulus vor sich gehabt habe, den er für den gedruckten Rimicius des Ncvelet gehalten. Und so, indem er diesem nachspürte, um gewiß zu seyn, daß er keine vergebene Arbeit unternommen, geschah es, daß er sich von einer Seite der Wahrheit um einige Schritte näherte, und auf der andern sich um so weiter von ihr entfernte. Nilant war nehmlich so glücklich, zwar nicht völlig eben dasselbe alte zu Ulm gedruckte Fabclbuch, das Nevelet aus der Hcidclbergischcn Bibliothek gehabt hatte, aber doch ein anders ihm sehr ähnliches zu bekommen, in welchem bis auf die deutsche Uebcrsctzung alles enthalten war, was N'evelec in jenem gefunden hatte. Aus diesem nun erkannte cr gar bald, daß Rimicius schlechterdings ein ganz neuer Schriftsteller sey, dem in dem ganzen Werke weiter nichts gehöre, als die Uebcrsctzung von dem Leben des Acsopus, und von nur einigen wenigen Fabeln desselben. Er erkannte zugleich, daß die Fabcln, welche Nevelec dem Rimicius zugeschrieben, auch hier dem Romulus gehörten; und schloß, daß sich Ncvclct blos übereilt habe, wenn cr dem Herausgeber der Sammlung etwas beygelegt, was sich dieser in der Sammlung selbst nicht anmasse. Denn für diesen, für den Herausgeber sowohl seiner, als der Ncvelctschcn alten Ulmcr Ausgabe, glaubte Nilant den Rimicius wenigstens annehmen zu müssen. Er nannte daher die darinn enthaltenen Fabeln des Romulus, m den Anmerkungen zu seinem Romulus, fast immer Rimicii komulum: Theils um ihn dadurch von seinem zu unterscheiden; Theils aber auch, weil cr glaubte, daß Rimicius wohl nicht immer in Herausgebung des Romulus dcn Handschriften treu geblieben seyn dürste, ohne hier und da etwas von dem Seinigen hinzuzusetzen. I^icet, sind seine Worte, er>!m crebils lorclidus olilitus eilet über eum suctoris, tum lortslle eclitoris ir^'urig, tsmeu u. s. w. Und dieser Verdacht, sieht man wohl, wozu cr eigentlich abzwcckcn sollte. Der vermeynte Romulus des Rimicius mußte vermuthlich verfälscht seyn, damit dcr Romu- Romulus und Riiiiicius. 'tl lus des Nilant mir allein für den echten, aus einer Handschrift treulich gezogenen Romulus gelten könne. Zn wie weit die Gelehrten, nach dem Nilanr, sich diese seine Entscheidung gefallen lassen, darum will ich mich itzt nicht bekümmern. Der altere Burmanil schien sich ganz und gar nicht daran zu kehren; denn er fuhr fort, den Romulus jener ältern Ausgabe Rimicius zu nennen, so oft er ihn unter seinen aus ihm mit zum Theil hergestellten Fabeln anzuführen Gelegenheit fand Unserm Christ hingegen, als er einen ähnlichen aber kühnern Versuch wagte, war der Nilantsche Romulus einzig und allein Romulus Und fo, oder so, hielten es mehrere.' Man weiß von dem Knoten schon genug, um nach der völligen Auslösung desselben begierig zu seyn, die sich wie von selbst darbieten wird, wenn ich vorher zweyerlcy werde erwiesen haben. Bors erste, daß der Romulus in der alten Ulmer Ausgabe, welchen Nevelct Rimicius nannte, ein völlig eben so guter Romulus ist, als Nilanr nur immer ans Licht gebracht, orveytens, daß Rimicius nie das allergeringste mit dem Romulus zu schaffen gehabt; daß er weder Romulus ist, noch den Romulus auch nur herausgegeben. I. Jenes erstere mm ist eben das, was mich die obgedachte Abschrift des <üocliois viviovontis gelehrt hat. — Daß dieser Coder ein Romulus sey, konnte ich zwar schon aus den Noten des Gndius schlicsscn. Nur daß er vollkommen der Romulus sey, welchen Ncvclct unter dem Namen Rimicius anführet, konnte ich allein aus ihm selbst lernen. Es ist die nehmliche Sammlung alter Fabeln, auf die nehmliche Art in vier Bücher gctheilct, deren jedes die nehmlichen zwanzig enthält. Mit dem einzigen geringen Unterschiede, daß die Hand- (°) Nehmlich in dcm ^ppLinlic« i'aiiui-liun,, dcr sich bey der zweyten Auflage seines 5phä'drus in 8 befindet. Und in dcr Vorrede zn eben dieser Auslage: — t'iiliul!»» ^elopiils, live Ä Mmioio, Nvv g Uomulo, live » >1>l0Luu>u, Romulus und RiuiiciuS. -I^.i unerheblichen Zusätze der Handschrift anbelangt, so sind eS größtentheils Worte ohne Sinn. Der eine folgt auf die 21ste Fabel des vierten Buchs, und ist als eine besondere Fabel überschrieben : vo Natua lua H.el'opus sä eives. Es ist eine barbarische Abkürzung und Verstümmlung von dem Epilogus des zweyten Buches im Phädcr: ^el'opo illAenteul l'iatusm poluere ^ttiei e/o. Weil sie aber doch noch zu etwas gut ist, will ich sie abschreiben. Lcripta et ingenium ^etopi ut »Fnoveruot mina nulla lo Importuno neZsdlt. Ich mag diese Lehre auch nicht zu der meinen machen. Aber was mcynct man, mit welcher andern Lehre sie der Romulus des Nilant vertauscht? ^mmonet lunlecjuens kaliula, kmock nl>l»ent kominos mortui, ouock timvant pott mortem, et non nuock claloant. Die Fabel von der Matrone zu Ephesus! — Wenn überhaupt die Fabeln des Romulus noch nicht wären gedruckt gewesen, so hätte Nilant mit den scinigcn Dank verdient. Aber da sie längst gedruckt waren, weit vollständiger und unverfälschter gedruckt waren: wäre es nicht besser gewesen, wenn er den alten Druck, mit den Lesarten seines Manuscripts, wieder hätte auflegen lassen? Er scheinet so etwas selbst empfunden zu haben. Denn er bekennt nicht allein in den Noten zu seinem Romulus, daß der alte Romulus sehr oft gedrungener, schicklicher und lateinischer sey: sondern weil sein Romulus auch nur 45 Fabeln hat, der Illmcr Romulus aber 8V, so fügte er aus diesem noch einen Anhang hinzu, mit folgender Vorerinncrung. Locjuontos I'abulaz rovo- rluntur yuo«uo -ivuck vckitum komuliim, cu^us no rjuick ckol'ickvre- tur, et «zmla nonnull.is pn-xclr! pnrstes ckiiorto exnibot, ess in pvttromo agmino colloc-ni. Aber auch so kommen wir nicht 46 Zur Geschichte lind Litteratur. Erster Beytrag. ohne Schaden davon. Denn da, wie gesagt, sein RomuluS nur 46 Fabeln hat> und in diesem Anhange nur noch 45 aus dem alten Romulus nachgehohlct werden: so fehlen zu der vollen Zahl, welche dieser hat, noch ganzer 20. Ich will sie nach unserm Manuscriptc nahmhaft machen, diese 20 Fabeln; und da ich den Unterschied, der sich zwischen diesem und dem alten Drucke findet, genau genug angegeben habe: so wird man sie ohne Mühe auch in diesem finden, wenn er etwa einem meiner Leser zur Hand seyn sollte. Zugleich will ich dabey anmerken, welche davon im Phädrus vorkommen; damit man nicht glaube, daß keine daselbst vorkäme, daß sie der Kriticus folglich doch nicht vermissen würde, weil er den einzigen Gebrauch nicht davon machen könne, der sich von diesen alten armseligen Dingen noch machen lasse. Hier sind sie. I/,b. I. ?ak. 10. «omo vt colubr-t. (/>/i«6. 18.) — 11. ^Uniis irrlclons ^prum. (/Vi«^. /. 29) l/>b. II. — 7. Venator et ^anls. s^. 10.) — 10. Hoväus vt I^upus. — 11. Pauper et Keriieos. - — 13. eslvus et IVIusea. (/>/-«^. ^. 3.) - — 14. Vulpis vt Lieonia. (/^/t«c5./. 26.) — 16. lZraeulus luperdus et?avo. /. 3.) - — 18. kormica et Uusca. 23.) — 19. I^upus et Vulpis, ^udleo 8imio. (/>/i«6. /. 10.)' - - — 20. SluNela et «omo. /. 22.) - — 21. kana rupta et Los. (/>/-««/./. 24-) I/ib. III. — 6. I^upus, Vulpis et Pattor. . — 12. Vipora et I/»»a. (/^/-«c?.7.) - — 18. I^eZotistor et ^lvllus. . — 19. eorvus et Loves. (/'/tKÄ.//. 8.) I^ib. IV. — 13. Lornix titiens. — 14. ?uer et Leorpius. — 18. pulvx et (!amelus. — 21. Ov!s et (!ornlx. Zch sehe wohl, was man zur Entschuldigung des Nilant hier sagen kann. Von diesen 20 Fabeln, kann man sagen, Romulus und Rimicius. 47 sind nur zwey, welche ganz und gar bey ihm vermißt werden, - nehmlich die 13te und 14>e des vierten Buchs. Und dieses sind eben dieselben, welche, wie schon gedacht, selbst in dem alten Drucke mangeln. Die übrigen achtzehn hat er deswegen Übergängen, und aus dem alten gedruckten Romulus nicht mit in den Anhang übergetragen, weil sie alle schon bey seinem Anonymus vorkommen. Aber doch, antworte ich hierauf, nicht völlig so vorkommen, daß sie gänzlich vcrnachläßiget zu werden verdient hätten. Nicht zu gedenken, daß doch auch in seinem Romulus mehr als eine Fabel anzutreffen, die wir gleichfalls schon bey dem Anonymus gelesen hatten. Und was ist dieser Anonymus überhaupt viel anders, als ein schlechter verstümmelter Romulus? Za ich würde sagen, er sey ganz und gar nichts anders, wenn er nicht allerdings noch verschiedene Fabeln enthielte, welche der vollständige aus vier Büchern bestehende Romulus nicht hat. Diese sind die 2, 6, 8, 24, 26, 30, 31, 32, 34, 36, 63, 67, 68 und 07stc; worunter die 2, 31, 32 und 67ste, Fabeln des , Phädrus sind. Was sich aus diesen dem Anonymus eigenen Fabeln schlicssen läßt, will ich ein andermal anzeigen, wenn ich einen sonst wo bemerkten Grund eben derselben Vermuthung beyzubringen Gelegenheit habe. Ztzt bestehe ich nur darauf, daß besagter wenigen Fabeln ungeachtet, die sich in den vier Büchern des Romulus nicht finden, es doch noch immer das Beste gewesen wäre, wenn uns Nilant diesen ganzen Romulus, bloß mit einem Zusätze derselben vermehret, und, wie gesagt, mit den Lesarten seines Manuskripts bereichert, wiedergegeben hätte. Denn auf diese Weise hätten wir doch nun etwas Vollständiges, welches uns itzt fehlet, und um so mehr fehlet, je seltner der alte Ulmer Romulus sich gemacht hat. Schon NAanc mußte ihn mit vieler Mühe auftreiben; und trieb ihn doch nur endlich in einem verstümmelten Ercmplar auf. Er klagt an mehr als einer Stelle, daß ganze Blätter darinn ausgcrissen; und wenn er sonach auch schon den Einsall bekommen hätte, zu thun, was ich für das Bessere halte, so würde er es nicht gekonnt haben. — Dieses bringt mich zu meinem zweyten Punkte, bey welchem die Hauptsache auf der Roimilus und Riliiici'ilS. «>l stcllcr des eisernen Zeitalters, oder die verschmolzenen Trümmer eines Schriftstellers aus dem güldenen Zeitalter, eines Phädrus, oder wie er sonst gehcisscn, sehen nnd finden wollen. Zn dem einen Falle sowohl als in dem andern, ist vor allen Dingen nöthig zu wissen, wo er in seiner möglichsten Lauterkeit noch anzutreffen. Besonders wenn er einmal da ist; wenn ihn die Gelehrten in einer schlechtem Gestalt nicht gleichgültig aufgenommen haben: warum soll man ihn nicht in seiner bessern bekannt machen dürfen? Za, wenn es wahr ist, was Vurmann sagt, daß nach dem Gudius sich niemand um den Phädcr verdienter gemacht habe, als Nilant, eben dnrcl) die Ausgabe seines Romulus, und der übrigen alten Fabeln: wäre es nicht noch Zeit, mit dem Nilant dieses Verdienst wenigstens zu theilen?(°) Sollte es sich nicht noch der Mühe lohnen, was man von dem 57ilant mit so vielem Danke in der Verstümmelung angenommen, in seiner Vollständigkeit aufs neue ans Licht zu bringe»? Die eigentlichen Manuskripte des Phädrus, wenn es deren gegeben, haben sich, wie es scheinet, gänzlich ans der Welt verloren. Denn wenn sie noch irgendwo vorhanden wären, so würden sie sich damals, als Christ ihr Daseyn in Zweifel zog, gewiß gemeldet haben. Ich meyne, in Frankreich, wo sie wahrscheinlicher Weise stecken müßten, und wo Christs Widerspruch genugsam bekannt geworden, würde sich leicht ein Gelehrter gefunden haben, der es mit ein Paar Worten angezeigt hätte, wo die augenscheinliche Widerlegung des deutschen Professors zu finden sey. Zn ihrer bis ißt noch völligen Ermanglung also, können und müssen die alten Fabeln des Romulus allein die Stelle der Handschriften vertreten. Nach ihnen allein kann bis ihr noch jede kühnere Muthmassung über den Text des Phädrus gcprüfet, und zu Folge dieser Prüfung gebilligct oder verworfen werden. Da nun ohnedem der Phädrus von Zeit (°) ^o. F>. M'/anttu-!, eu^jus exo inllutlri-tm et lavorem A»Iiotc>u»m naotenus väitW des Nevclet, muß also nur von dcm Griechischen Texte gelten. Wenn es auch noch von diesem gilt! Doch davon anderswo. Wenn Rimicius nicht der erste war, der die griechischen Fabeln des Aesopus durch seine Ucbcrsctzung in Europa bekannt machte; indem ihm nicht allein, wie schon berührt, L.Knrentins Valla mit einigen, sondern auch Ommbonus (°), (°) Die ich nur noch aus einer Stelle des Kardinal Q.n!rini kenne, k-l vmoiboui verfio, c>u»m in-'mul'erii'I.iin Iisduil lisixlücus lvfle I.iUibco viblwl». novs veluslior uliMv es Ilimicii, lUeiüvIiuli publiosi!» ab Antonio N»- rolo pslineilli nnno »I Zur Geschichte und Litteratur, erster Beytrag. ohne Zweifel mit mchrcrn, darinn zuvorgekommen: so war er doch der erste, wie es scheint, durch den sie nach Deutschland kamen. Nicht daß man in Deutschland von gar keinen Aesovi- schen Fabeln gewußt hätte; man las die mehrgcdachtcn Fabeln des Romulus, unter dessen Namen auch die clegieschcn Fabeln des Anonymus beym Ncvclet im Gange waren; man las die Fabeln des Avianus, des Cyrillus, des Adelfonsus, und anderer. Nur die eigentlichen Aesopischen Fabeln des Aesopus, wie sie, wenn auch nicht von ihm selbst, seinen Zeiten doch um so viel näher, wo nicht in seiner, doch in einer Sprache aufgezeichnet worden, in der er die meisten und glücklichsten Nachahmer gehabt, waren, bis gegen das Ende des fünfzehnten Jahrhunderts unsern Vätern völlig unbekannt, und kamen, so wie aus Griechenland nach Italien, also aus Italien nach Deutschland. Und, wie gesagt, aller Wahrscheinlichkeit nach, zuerst in der Uebcrsctzung des Rimicius; aus welcher auch sofort diejenigen Fabeln, die ganz neu waren, wovon sich nichts ähnliches bey jenen barbarischen Nachcrzählern fand, ihnen beygefügt, und den allgemeinen Fabclbüchern einverleibet wurden. Ein solch allgemeines Fabclbuch war denn auch das, welches Nevelee vor sich hatte, und welches in seiner Hand die Veranlassung zu den nachher so oft, und gleichwohl so ohne Grund, verwechselten Namen des Romulus und Rimicius wurde. Soll ich kurz sagen, wie es das wurde? Weil Neveler ein junger Franzose war, der ganz gewiß kein Wort Deutsch verstand; und viel zu stolz, viel zu voreilig war, als daß er sich hätte lange erklären lassen, was er nicht verstand. Nevelet sagt, wie oben schon angeführt worden, daß dieses alte Fabclbuch zu Ulm gedruckt gewesen, und daß es die Fabeln des Aesopus, des Avianus und seines Anonymus, lateinisch und deutsch enthalten. An einer andern Stelle, nehmlich in den Noten über seinen Anonymus, bey der 21stc» Fabel, wo sich in dem alten Werke ein zweytes Buch anfängt, fügt tituli 8. kllr^saxoni presbxterum vsiMnsIem, U» , aber auch nicht nach 84 gedruckt seyn. Näher ist das Zahr des Druckes schwerlich zu bestimmen: und wozu? — Die Stärke beträgt 270 Blätter: anders kann ich sie nicht angeben, weil Seitenzahlen und Signaturen fehlen. — Bey den übrigen typographischen Kleinigkeiten will ich mich nicht aufhalten; weil sie hier ohne Nutzen sind, und ohnedem sich ähnliche Zeincrsche Drucke noch genug finden. Ich komme auf den Znnhalt, den ich, Stück vor Stück, mit aller Genauigkeit angeben will. Nach dem ersten Blatte, auf welchem ein ziemlich grosser Acsopus in Holzschnitt, mit allerley kleinen Beywcrken zu sehen, hebet das zweyte, ohne alle Aufschrift, die sich auf das Ganze bezöge, sogleich mit den Worten an: Vita Llopi tabuwtons olantlimi e Froeo latina per kimleium laeta »<1 reuervnclil'j'imum piltrvm äum ^ntlionium tituli 1"ancti t!!ii^toAoni prosditoi'um Oarämalmn. Aber anstatt daß nunmehr wirklich dieses Leben folgen sollte, so folget vorher ein Borbcricht des deutschen Übersetzers, wovon dieses der Anfang ist: „Das leben des hochbe- „rümten fabeldichters Asopi, uß krichischcr znngen in latin, „durch Rimicinm gemacht, an den hochroirdigen vattcr, 4« 52 Zur Geschichte und Litteratur. Erster Beytrag. „herrett Anthoninm des titcls sancti Chrysogoni pn'estcrn „cardinaln, und fürbas dassclb leben LLsopi mit s)'nen fa- „beln, Sie etvan romulus vott achenis s^nen sun Thibcrio, „uß krichischer zungen in larin gebracht, hett gesendet, und „mcr ettlich der fabeln Aviani, auch Doligami, Alöefonsy „und schimpfrcden poggy, und andrer, iciliche mitt ieren „titel ob verzaicknet, uß latin, von ZOoctore hainrico siain- „hörvel schlecht und verstentlich getutschet nit rvort uß rvort. „sondern sin riß sin, um merer lütrung wegen deß tertes oft „mit roenig zugelegten oder abgcbrochnen rvortcn gezogen, ze „lob und ere dem Dnrchlüchtigistcn fürsien und Herren Herren „Sigmundcn, herrzogen zu österrich, etliche ergcylir'ait dar „uß zu enpfahcn, die och nützlich ist, rva sie verstentlich „roerdent gelesen u. s. w. Ist es nun wahr oder nicht, was ich gesagt habe, daß Nevelet nur ein wenig Deutsch hätte verstehen dürfen, um uns eine Verwirrung zu ersparen, welcher in den angeführten Worten auf alle Weise vorgebauet ist? Nichts kann deutlicher als der Inhalt; nichts ausdrücklicher als der Ucbersctzcr angegeben seyn. Nicht ein Ztaliäncr, nicht Rimicius ist der Urheber dieser deutschen Ucbcrsctzung: sondern Heinrich Steinhöwel. Nicht vom Rimicius wird gesagt, daß er die Fabeln des Acsopus übersetzt habe: sondern vom Romulus. Dem Rimicius wird lediglich nichts zugeschrieben, als die Ueber- sctzung von dem Leben des Acsopus. Was indeß Ncvelet aus diesem deutschen Vorbcrichtc nicht lernen konnte, wie konnte er es aus dem Buche selbst nicht lernen? Er muß nicht die geringste Neugicrde gehabt haben, es ganz nach der Ordnung durchzublättern. Denn nur weiter. Auch auf jenen Vorbericht folget nicht sogleich das Leben des Acsopus, sondern zuvor noch eine kurze deutsche Anweisung, was und wie viclcrley die Fabel sey. Und sodann das Leben: erst lateinisch; hernach deutsch. Es ist kein anderes, als das, welches man dem Planudcs zuschreibt; nur von vorne herein, und vielleicht auch an andern Stellen, um etwas verkürzt. Der lateinische Text läuft hinter einander fort: der deutsche aber ist, Romullls und RimiciuS. 63 bey den dämm vorkommenden Histörchen nnd Mährchen, durch Holzschnitte reichlich unterbrochen. Beide sind mit dem sechzigsten Blatte zu Ende. Hierauf die Fabeln selbst: und zwar vors erste die vier Bücher der alten vorlängst bekannten Fabeln des Aesopus, vom Romulus übersetzt: die nchmlichcii, wie sie angezcigtcrmaasscn der Oclex vivionentis enthält. Und auch nur hier hätte L?e- velcc in der Vorrede des ersten Buchs lesen dürfen: LZo Romulus tranttuli clo Arveco teruwos in latinum; UM jedem das Seine zuzueignen. Was sonst an diesen vier Bücher Fabeln hier merkwürdig ist, ist dieses: daß ihnen, ausser der deutschen Uebcrsctzung des Stcinhöwel, auch die clcgicschen Fabeln des alten Anonymus, so weit sie reichen, untergeordnet sind. Sie reichen aber nur bis auf das vierte Buch, ob sie schon überhaupt, aus den prosaischen Fabeln des Romulus genommen und entstanden zu seyn, die offenbarsten Spuren haben. Denn es sey nun, daß das vierte Buch von ihnen verloren gegangen, oder daß es nie zur Wirklichkeit gekommen: so ist doch das, daß dieser Anonymus nichts als der vcrsificirtc Romulus ursprünglich sey, nicht allein aus der Folge der Fabeln klar und deutlich, welche bey beiden die nehmliche ist, sondern auch aus der Uebereinstimmung der Fabeln selbst, und besonders aus dem Norbcrichtc der 21stcn. Denn warum hat diese 21ste Fabel bey dem Anonymus anders einen besondern Eingang, von dem Nutzen der Fabel überhaupt, als weil sie die erste des zweyten Buches bey dem Romulus war, und an so eine Stelle dergleichen allgemeine Betrachtungen wohl gehören? Daher ist es denn auch gekommen, daß, wie ich schon erwähnt habe, die Arbeit des Anonymus für die eigene Arbeit des Romulus gegolten, und sowohl in Manuscriptcn, als in gedruckten Büchern des erstem clcgieschc Fabeln, den Namen des letzter» führen. Ich will von gedruckten Büchern voritzt nur die alte Ausgabe zu Dcvemer, unter dem Titel Ntopus moi'-Matus, nennen; wovon ich einen Abdruck, sowohl von 1490 als von 1502, vor mir habe. Bon dieser Ausgabe war Christ ungewiß, ob sie den Avianus oder den Romulus enthalte, weil er sie nicht Z4 ?«r Geschichte und Litteratur, erster Beytrag. gesehen l^). Sie enthält weder den einen, noch den andern: sondern den Anonymus; das ist, wenn man will, einen Ro- mulus zwar, aber den vcrsificirten. Doch damit ich nicht zu weit aus dem Gleise komme. Romains mit seinem Versificator, gehet in unserm alten Buche von dem 60stm Blatte bis auf das 147ste; wo es zu Ende desselben heißt: Willis yuart! libri Mopi v!r! ingenIoH, neo pluros «jus libri invvniuntur, inultv tamon e^us lsbuls ropertv 5ur>t, csuarum plurimv 5oljuuiitur, ut in proeollu villebitur. Ilnd hieraus scheu wir, was man den eigentlichen Aesopus damals nannte: nichts als die vier Bücher des Romulns; höchstens noch den elegieschcn Anonymus, wie aus der Ausgabe von Dc- ventcr erhellet, und wovon wir die Ursache wissen. Was man sonst von Acsopischen Fabeln hier und da zerstreuet fand, fügte man allenfalls dem Aesopus bey; ließ es aber dahin gcstcllct seyn, ob sie dem Aesopus wirklich gehörten, oder nicht. Die ältesten von dieser Art folgen nun, vom 147stc» Blatte bis zum 187sten, an der Zahl siebzehn; ebenfalls lateinisch und deutsch. Nach der 47tm stehen die Worte: Imite lunt vxtrs- vaZaritos sriti^uo, aloripto el'opo, nekeio ti vero vel Lcto. Der Zweifel hat nur allzuviel Grund. Denn unter den siebzehn sind kaum zwey oder drey, die mit sonst bekannten Fabeln des Aesopus etwas ähnliches haben. Die übrigen alle werden nicht allein sonst nirgends dem Aesopus beygelegt, sondern sind auch, welches die Hauptsache ist, so wenig in dem Geschmacke des Aesopus, von so abcnthcucrlichcr gothischer Erfindung, daß sie auch nicht einmal Acsopisch hcissen können; geschweige daß sie von dem Aesopus selbst seyn sollten. Ich will damit nicht sagen, daß ihnen alle Anmuth abgehet: sondern nur, daß sie nicht die Anmuth haben, welche man an alten und griechischen Erfindungen gewohnt ist. Sie stechen daher auch nicht wenig mit denen ab, die nun kommen, und welche wirklich aus dem Griechischen, und zwar vom Rimicius übersetzt sind. (°) ?lvuiwaviÄiiu!> kuerit, sn komuliis, hui vsvenlriiv eüiluz proäUur g, e. n. 14W Iwe elizZinUia: milgikiAliz Mula, mo,-n/i/u?u5 eum irm» c«m»iens Rimicius tranl'tulit; welche hier, angcführtcrmaasscn, ganz anders lauten, und so lauten, daß er sie selbst sicherlich nicht von dem Herausgeber würde verstanden Haben. Aus diesen veränderten Schlußformeln ist aber denn wiederum klar, daß auch der ganz lateinische Druck nicht unmittelbar aus unserer ursprünglichen latcinischdeutschcn Ausgabe durch die blosse Zusammenrückung genommen, sondern nachher aufs neue aus ihr abgesetzet worden. So zerrissen und verstümmelt indeß das Burmannischc Exemplar davon auch gewesen: so eine wichtige Rolle hat es gleichwohl in den Handen der Kritik gespielct. Denn nicht allein hat es Nilant zu seinem Nomulus gebraucht; sondern auch Lannegierer zum Avianus, von dem es ebenfalls viele Jahre später hieß, daß er nun erst im Drucke erscheine, nachdem ein grosser Theil von ihm vorlängst schon dort mit abgedruckt gewesen. Ich schliesst daraus auf den um so viel grössern Werth unseres originalen und so vollständig erhaltenen Exemplars, und darf mich nicht reuen lassen, so viel Worte davon gemacht zu haben. Noch komme ich mit wenigen auf den Nomulus wieder zurück; um mir selbst Rechenschaft zu geben, was denn nun diese ganze Untersuchung eigentlich nütze. Wozu hilft es, ob wir die Kahlmäuscrey wissen, oder ob wir sie nicht wissen, daß NomuluS Romulus gewesen, nud Rimicius nie etwas mit dem Romnlus zu thun gehabt? — Alles wohl überlegt, denke ich doch, daß ich nicht so ganz für die leidige Neubcgicrdc gearbeitet habe. Denn man kann den Romulus in einem doppelten Lichte betrachten; als eine magere Kuh für sich, und als eine magere Kuh, nachdem sie eine fette verschlungen, die man gern wieder aus ihr heraus haben möchte. Ich will sagen, man kann in ihm entweder den blossen Nomulus, einen blossen Schrift- l>2 Zur Geschichte lind Litteratur. Erster Beytrag. zu Zeit, zum Gebrauche der Schulen, wieder gedruckt wird: wie, wenn man eine solche Ausgabe einmal, statt aller Anmerkungen, mit ihnen allein vermehrte? Nehmlich mit ihnen, so wie sie in der Handschrift von Diion, und in dem alten Ulmcr Drucke, weit vollständiger und weit besser als bey dem Miaut, enthalten sind. Folgende Vcrglcichungstafcl, die ich zum Schlüsse noch mittheile, wird es mit Einem Blicke übcrsehn lassen, daß die Sache nichts weniger als übcrflußig, oder wohl gar schon so gut als geschehen sey. Zn der ersten Reihe stehen die Fabeln des Romulus nach dem Manuscriptc; welches, die wenigen angegebenen Verschiedenheiten abgerechnet, auch die Ordnung der alten gedruckten Ausgabe ist. Zn der zweyten Reihe sind die Fabeln des Phädrus angegeben, die in den ihnen entsprechenden Fabeln des Romulus begraben liegen; sowohl die, welche wir noch wirklich haben oder zuhaben glauben, als auch die, welche Zöurmann daraus wieder herzustellen versucht hat. Die Fabel des Romulus, die in dieser Reihe ausfällt, ist für den aufbehalten, der einen ähnlichen Versuch wagen will. Zn der dritten Reihe sieht man, wie sich der Romulus des 5?ilam zu dem alten vollständigen Romulus verhält; welche Fabeln desselben dort vorkommen, und welche nicht. Aus der vierten Reihe endlich erhellet, was in dem Anonymus des Nilant von den Fabeln des Romulus zu finden; und ich wicdcrhohle hier nochmals, daß dieser Anonymus selbst nichts anders als ein Romulus gewesen, indem er nicht bloß größten Theils die nehmlichen Fabeln, sondern auch diese nehmlichen Fabeln, mit den nehmlichen Worten, und nur dann und wann interpolirtcr und unlateinischer als Romulus, crzchlct. Verschiedene von den Fabeln des Romulus, wird man sehen, fallen in allen drey Reihen weg; und das sind denn die, welche das Manuskript, oder der alte Ulmcr Druck ganz eigen hat; in welchen man aber gleichwohl eben so gut noch einen Phädrus wieder finden kann, als man ihn in den andern wiedergefunden zu haben glaubt. Romnliis und Rimicius. K3 Nomuws plüetlruü. Nomul»» änl.n^mu« Ilivinnünfis. 5il»nli. >">Ii»»i. I.Uir. I. I. - . - - 2. - III. 12. - - I. I. - - 1 » ' ' z . . . - - - 3. - ^pp. vur. K. g . . . ... 4. - 4 . . . S - - - .«ü ^«-.y?/.^ ... ?. - I. «... - .- 7- - ,5t --- 8. - I. 8. - - - 8 - - - ... 9. - I. 19. - - g . . . - - - t». - IV. 18- - - — 11. - - - 11. - I. 29. - - — . - - 12. ---IS. - ^pp. vur. 9. 19 - - - - - - 13. - II. «... 12 - - - . - - 14. - I. 13. - - 13 - - - --- IS. - I. 21. - - 14 - - - . - . 1«. - ^pp. IZur. 10. IS - - - - - - 17. - ^pp. Sur. 4. IS - - - - - - 13. - ^pp. vur. 1. — - - - ---19. - ^i>p. viir. IS. 1? - - - »6« I.ibr. II. 1. - I. S. - - - 18 - - - --- S. - I. 31. - - 19 - « - ... g. . I. S3. - - 20 - - - ---4. - 21 - - - ... ü. - IV. SS. - - SS - - - ... «. _ III. IS. - - S3 - - - ... 7. . V. 10. - - — SS --- 8. - l. S8. ' - 11 - - » --- 9. - ^PI>. vur. 2. 24 - - - - - - 10. - ^I>l>. vur. 32. — ... «1 ---II. - .Xpp. Sur. 33. — ... SS --- 12. - I. IS. - - - - - 13. - V. 3. - - — SS - - - 14. - I. SS. - - — ... «3 - - - IS. - I. 7. - - --- 1«. - I. 3. - - — SS ... 47. . III. «. - - --- 18. - IV. 23. - - — ... 27 ---19. - I. 10. - . — ... 28 --- so. - I. SS. - - — ... 29 - - - 21. . I. S4. - - — ... 33 «»« L4 Zur Geschichte und Litteratur, erster Beytrag. Noimiws kliirllvr. Nomnlus ^»0»>MU8 I1iviu»«!»liü. >»!<»>!. »litnii. I.üir. III. 1. - ^I>I>. »ur. IS. SS. - - - ---S. - - - - 26. - - . ---S. - ^I>p. »ur. 17. — . . . 37. - - - 4. - .^pn, »ur. 18. S7. ... ---S. - ^pp. «ur. 19. S8. ... - - - «. - .^I>l>. »ur. S0. — . - . 40. - - - 7.' - I. IS. - - S9. - - - ... 8. - . - »y II — . - . ---9. - - - . 30. - - - ---10. - - - - 31. ... - - - 11. - . - »- . — - - - - ---IS. - IV. 7. - - — . - . 42. - - - 13. - .^pp. »ur. 21. 32. . . . ---t4. - ^I>I>. »ur. S. 33. . - . ---IS. - III. 7. - - 34. - .l-.' ---16. - .... 3S. ... - - - 17. - .4r>p. »ur. SS. 36. . . . ---18. - - — ... 47. ---19. - II. 8. - - — .?uv? 48. ---so. - IV. IS. . - !!7. » » » - »5» IV. 1. - IV. s. - - — - . . - - - S. - IV. 1. - - — . . . ---S. - ^I>I>. »ur. S3. 38. - - - 4. - III. 18. - - 39. - - - - - - S. - III. S. - - ^- . . . - - - 6. - - - 40. ... ... ?. - . . — . . . ---S. - ^Viip. »ur. 84. 41. ... ... S. - IV. 3. - - — - . - - - - 10. - I. 11. - - 4S. - . . ---11. - - -j — - ,. r ---12. - ^pp. »ur. 30. 43. "»""H dAfl --- 13. - . ', . . — .... ---t4. - - - — ... ---IS. - ..... - — - - - ---16. - - - - — - . . - - - 17. - ^pp. lim. SS. 44. - -Ä .-O! ---13. - ^pp. »ur. 31. — - 60. - - - 13. - ävp. »ur. S8. 4S. - .-i! -^is ... so. - -. - - — - .4« -.l! - - - S1. - ^I>I>. »ur. S7. — SS. Von dem Schickard-Marchtalerschen Tarich Bein Adam. 65 Wenn ich nächstens einmal ein anderes Manuskript bekannt mache, ans das Guöius ebenfalls sich in seinen Noten über den Phädrus beziehet, will ich diese nehmliche Tafel auf den Phädrus einrichten, und es vielleicht wagen, eine Vermuthung mitzutheilen, die durch diese Tafeln auf eine besondere Art bestärket wird. Von dem Schickard-Marchtalerschen Tarich Benl Adam. Wie ich fast immer in unsrer Bibliothek fand, was ich suchte: so fand ich auch oft, was ich nicht suchte, und was ich mir nimmermehr hätte einfallen lassen, in ihr zu suchen. Hiervon ein Beyspiel, mit dessen Bekanntmachung ich Dank zu verdienen hoffe. Aus der Aufschrift werden diejenigen meiner Leser, welche die Geschichte des Orients etwas näher kennen, leicht errathen, daß ich von dem Türkischen Manuskripte reden will, aus welchem U)ilhelm SchickarO seine 8er!es keZum porkise »d ^,c//c/tt>- Zaüs/^tti usyuo acl /«^/Aeic/e», g, (^liptils oxpulsmn, herausgegeben. Das Buch des Schickard ist zu Tübingen 1628 in Quart gedruckt, und hat sich schon längst höchst selten gcmacht(°). Die englischen Verfasser der allgemeinen Weltgeschichte preisen es sehr an; und wer es nicht selbst gesehen, wird es vielleicht aus dieser Anpreisung kennen^). Die Quelle nun dieses nützlichen Werkes, aus welcher Schickard noch lange nicht alle das Gute geschöpft, was sich daraus schöpfen läßt, ist sie noch vorhanden? und wo ist sie vorhanden? Wo soll der Gelehrte sie suchen, den der Durst nach ihr triebe? Eben da, wo sie ehedem war? oder wo sonst? Wir wissen aus dem Schickardschcn Buche, daß diese Quelle ein ungeheures Türkisches Stammrcgistcr war, in Form einer Rolle, welches Veit Marckraler, ein Rathsherr zu Ulm, in Ungarn ehedem, nehmlich 1692, als Filleck den Türken wieder abgenommen wurde, bey Plünderung einer Moschee, erbeutet hatte. XNarchraler war lange um einen Mann verlegen gcwe- (°) Diese Sellciikcit bezeugt die «imioii,, «»ui». ». «tS. (°°) Im IX Theile der dciit, Ucbcrs, S> 654. in der Anmctt. Leslmgs Werke ix, 5 66 Zur Geschichte lind Litteratur. Erster Beytrag. scn, der ihm das Verständniß über diese seine Beute näher eröffnen, und wenn es sich der Mühe lohne, einen gemeinnützigen Gebrauch davon machen könne: als er, fünf und dreyßig Zahre darauf, an Schickarden damit kam, welcher Professor der Orientalischen Sprachen zu Tübingen war. ScliickarS konnte Arabisch genug, um ein Türkisches Manuskript von dieser Art so eben zu lese». Er fand, daß es eine Genealogie der Ochmannischcn Kayscr sey, die durch alle die berühmtesten Geschlechter des Orients bis auf den Adam hinaufgeführet worden; und glaubte in dieser ununterbrochenen Folge besonders siebzehn Hauptfamilien zu unterscheiden, die ich hier nöthig finde, mit seinen eignen Worten anzuführen, ^uto- Arapuum illucl mög, llivitione /e/>?enl/ee//tt eontiuet Quorum liuclMmsL m Iioe vestiuulo lummas euarralio. — 1. prima ett, ^lntet^ittvt'anm'u»!, a parente generis Immani ^äamo usc^uo all osus roparatorem ^oam. 2. Alters /^nt?'ttt?'o/t«i'um, a 8omo acl IVIolou usciuv. Ii-v amdoe eum Lidli!« nol'tris (ljuocl in IZtlinico mirerls) von male eonFruunt. 3. lertia kozum ^Zle/- /'tt?^/A«?ltVs> «nii ^kt^riaeam pottea IVIonarcliigm pepererunt, inclo a Xii^omarratlio («^nem parum abott, ut Aimrnclum et'l'v croclam) acl ^gl>um usluie, c>ui omnin» Larllanapalus vicletur: izusmvis intvlmeclia t'orle, anua milii creuro koeroat, ob iuston-e llokoctum, ex taota vetliltate. 4. tjuarta /^LT/a??«/« s^ui vtiam Kriveis innotuvrunt, . k. Quinta L»^Kuos ex Proteste nuao roeenseo, iisr^uv tinlo lilirum piüetentvm. tju-e vero clomceps eoul'oyuuntur, sunt Iiaz lluoclee'im: l'eilieet. 7. 8vptima M«/«a?n?/iee^ et »Anatorum, >ona, pontitieum eatena, ^um in liuro luenatin sol. 132. XXXV artieulis eon- ftare clieitnr, et ididom aä Nnttauximum us^uo Zoclucitur, nodis nie icloo paueiores kauet, yuia poKromi solo titulo Oomini orant, sine tamen ^uriseiiotiono: unilo non cinmo tantunr so eontinviiant, in pudlioo, extra tolennitatom üamalilian nauä viti, teä et ma- nibus ipti snis alin.nicl lakoravant, ex voto tiki voluntarie in- «lieto, vt tolituiiinis ae lonzi teninoris t-eäia falloront; «niocl ü. Lon^'amin clo fui vevi t?sli^>na Alottaxio testatur, fol. 16. to- ciske stoross, et liZillo luo tiznatas, in soro punlieo vencli en- raste, magnatibus aul-v tn-v, aetoo nompe cleAsnerarunt a pristinn splencloro. 10. Deeima ^a,»«?!ui Fukernaeula tonne- runt in rogione Alaor annaliar tivo trans Oxiana: clectuoti a Lamano gonti« autlinro, us<^uo a«1 ^kul-enaritk tilium I>iueni, »juern Llian-IIecli ktox ^urkottanisz, eapta inotropoli Luenara, vxoculavit. 11. Ilncleeima , lzsui v lasäiFeru'is pers-e teris nepotibus vnati, LuAclaclento imperinm arripuerunt, et per annos fvro 13t) oktinuorunt eontinue, astuinptis ^llclolio (^) eoAnomontis et avita reZni gloria, pottliminio cjnati rodueta. 12. Ouocleeima 8oü»iAuIiii8 innlta gofkernnt liolla. 13. tVt0ivtt?-«:«i/o?^nu-selrog-e, ^.nn-mutapliari, ^unl-pliataeni vt tueoet'l'orum. 1-t. K«/A«^vo?'?tt/!, inter r^uos elarioros erant 1'ogrulueli, ^Ii>ar1olan> IVIelieli-senacli et 8nlei- inan, sjnorum notitia vtiam acl I^at!no3 pervenit, te<1 obseura, et nominibns eorrnptitt'imis. 13. M^/«- ?tta?tt'e/>s multo sit iAliotior, t"ol1 et ol« ejus Im^orii maAnitullinom, leitu omiiino cliAnit'kim». in kuno usum ^jam omn!a ^iiüisiaraveram, con- c>uititis uixlicjuo sutliorum tostinivniis, Uelirkvorum ^»rimo, i^ui inoiv prol'ol't'ionis ^»roprii tu«t, lloineops tZrivci pseli) niorii ^01? izrtm'um? K-lm «ZUM mv lzulllom mvlius sporaro ^usl'it nmteriN pvioAriniws, ea iptam kaelt metieulol'am: oum ox^or'imentis cl!- clieorit, rüttle» kslenclgsia voiicli multc» mimeiolius, «juam iptas Lpliemencies, unclo illa äekumuntur. Die weise Frau Ncrlegcrinn! — Aber warum über sie spotten? Hat sie nicht recht gehabt? — So scheinet es wenigstens. Denn sie hat es gar fein bey diesem Versuche gelassen. Es war 1628, als er, wie gesagt, erschien: und Schickard starb erst ganzer sieben Zahr nachher. Was hätte ihn abhalten können, wo nicht alle übrige eilf Abschnitte, wenigstens doch jene zwey nachzusenden, die er schon so gut als völlig ausgearbeitet haben mußte: wenn es nicht die Frau Verlcgcrinn gewesen wäre? die sich ohne Zweifel für die Ehre bedankte, eine großmüthige 70 Zur Geschichte und Litteratur. Erster Beytrag. Befördcrinn der Morgenländischcn Historie zu heissen, lind zu darben. Nicht anders: 5N«rchchalcr und Gchickard hatten den besten Willen vergebens. Durch den Kaltsinn ihrer Zcitverwand- ten ist von des erstem Handschrift, und von des letztcrn Arbeit darüber, nie mehr zum Vorschein gekommen, als jene Serie« lieZum perli-e; worunter sicherlich Deutschlands Ehre noch weit mehr gelitten, als die Geschichtskunde. Denn es sey auch, daß wir das, was uns SchickarV damals nicht anders als noch mit vielerlei) Mängeln geben konnte, nachher von andern vollständiger und besser erhalten haben: so waren doch diese andern lauter Franzosen oder Engländer; und unserm Vaterlande entging der Ruhm, auch hier die Bahn gebrochen zu haben. Nur bey dem einzigen Abschnitte stehen zu bleibe», dessen uns Schickards Freund, durch seinen unzeitigcn Rath, beraubte: wer wußte in Europa damals vom Jenghiz Rhan, und seinen Nachfolgern? Einige alte Rciscbeschrcibcr hatten ihrer kaum erwähnt; und Scbickard war in Europa schlechterdings der erste, der uns aus morgenländischcn Quellen etwas von ihnen melden konnte. Pocok, Herbelor, ve la Lroix, Gaubil hätten alle m seine Fußtapfen treten müssen, die sich so nun nicht träumen liessen, daß dieses ihres Weges schon längst ein Deutscher gegangen wäre. — Wohin die Papiere des Schickard nach seinem Tode gekommen, weiß ich nicht. Eben so wenig weiß ich, ob die Abschrift, welche er, wie ich finde, von dem ganzen Türkischen Stammbaumc genommen, noch irgendwo vorhanden. Aber, wie gesagt, weiß man doch auch nicht einmal, wie es mit dem Originale selbst weiter gegangen, und ob und wo dasselbe annoch anzutreffen? Die das meiste von ihm zu wissen glauben könnten, dürften es gerade da suchen, wo es gewiß nicht anzutreffen. XNarchlalcr nehmlich, welcher für gut fand, das Schickard- sche Werk in seinem Namen dem Kaiser Ferdinand dem I. zuzueignen, versprach in der Zuschrift, das Türkische Original in die Kayserliche Bibliothek zu liefern, so bald als Schickard mit seiner Arbeit vollends zu Stande seyn würde, oder auch noch eher, im Fall es der Kayscr zu sehen begierig seyn sollte. Von dem Schickaro-Marcht.ilcrschc» Tarich Bcni Adam. 71 ^utoArannum iptnm, sagt er, luk .^^ui>N tiAnis ^artnm, aä vjusllom ^«^uilaz »las romittam, in ^uAultali Lililiotlioc» rvno- nenllnm: «juocl vel tune tiet, cum ecvtera ernnt oxpotita I^stine, vel nunc ttatim kseero pgratus sum, H 8a. Alts. Vg. vitoocli 60- tnlerio ita ^iskerit. Wcr sollte also nicht glauben, daß dieses wirklich geschehen? Wcr sollte sich einbilden, daß ein Schatz, welcher der Kayscrlichcn Bibliothek hier so feyerlich angetragen wird, irgendwo anders zu suchen seyn sollte, als in ihr? Und gleichwohl ist er es. Denn mit einem Worte: nicht Wien, sondern Wolfenbüttcl besitzt ihn, dicseu Schatz. Bey uns muß ihn der Gelehrte suchen, welcher Lust und Kräfte hat, Schickards Arbeit zu berichtigen oder fortzusetzen. Zch bin gewiß, daß ich hiermit etwas anzeige, welches der Anzeige um so würdiger ist, je unbekannter es schlechterdings geblieben. Wenn selbst der Geschichtschreiber unsrer Bibliothek, Burckhard, etwas davon gewußt hat, so hat er doch nichts davon gemeldet. Und eben dieses gilt von allen andern, die entweder von den Seltenheiten der berühmtesten Bibliotheken überhaupt, oder der unsrigcn insbesondere, mehr oder weniger ge- flisscndlich, gehandelt haben. Als neuerer Zeit noch Danmgarren den grossen Verlust beklagte, den die Gcschichtskunde darunter gelitten, „daß die in der Aufschrift und Vorrede des Schickard- schen Werks gemachte Hoffnung zur ähnlichen Erläuterung der übrigen Gcschlcchtstafcln unsrer Handschrift, nicht erfüllet worden" (v): würde er wohl anzumerken unterlassen haben, wo allenfalls ein zweyter Schickard die Handschrift selbst gegenwärtig finden könne; wenn er es gewußt hätte? Indeß kann es freylich nicht fehlen, daß gleichwohl einige Gelehrte einmal Wissenschaft davon gehabt haben. Zch selbst kann deren zwey nennen, wovon der eine sogar Gelegenheit gegeben, daß wenigstens ein Verdacht davon in das Publikum kommen können. Dieses ist -Hiob Rudolf, der 1K86 unsere Bibliothek in Augenschein nabm. Wenn Junker, in dessen Leben, das Merkwürdigste, was ibm daselbst vorkam, nahm- (°) Im fünften Vande der Nachrichttn von ciin-r Hallischcn Bibliolhck, S. 305. (") (lommeul, l>v ViNl loki l.uiwlli, p, 1tg> 7'.' Zur Geschichte und Litteratur. Erster Beytrag. hast macht; so heißt es unter andern: pr-eter IiMe sutem aclmi- ratus el't tum tria exempla ^leorani, tum nmximo inZens Volumen ^Vraliicum, in <^uc> eontinelistur KenoaloFia ^6ami usua Nuclmmecli Avnus etke 6etiit; a eu^jus tiunon mkrjvridus, tuccost'ores ojus et collaterales, ^rslium- «juo Principes (>8/«e?//') et Lultani, Aentem t'usm bloß von einem spätern Abschreiber hinzugefüget worden. Das natürlichste, was hieraus folgt, wäre also wohl, daß Schickard selbst kein Türkisch verstanden; und das hat auch Rudolf mit dürren Worten daraus geschlossen. Za er fügt hinzu, daß eben daher sich SchickarV auch in etlichen Namen und Personen gcirrct habe. Dieses will sich nun freylich mit dem so recht nicht reimen, was Brucker, äZon dem Schickard - Marcht.ilcrschcii Tarich Bein Adam. 75 Schickards neuester Lobredncr, in dem Ehrentempel der Deutschen Gelehrsamkeit (°), von ihm versichert; „er sey in den Orientalischen Sprachen, ob er gleich sein eigener Lehrmeister seyn müssen, dennoch so weit gekommen, daß er in dem Rabbi- nischcn, Chaldäischcn, Syrischen, Persischen, Türkischen und Arabischen, seines gleichen nicht gehabt". Doch wie es gemeiniglich zn geschehen pflegt, daß unter den Lobrcdnern der letzte die Saiten immer am höchsten spannet: so ist es auch hier gegangen. Denn ?«ck. Schöffer, den Bruckcr treulicher hätte nachsprechen sollen, sagt bloß, daß Schickard in seinen letzten Zähren sich alles Ernstes bestrebt hätte, ut tat linguis peilicam «juoiiuv, et lurcieam et slias Orient! ului-jistas »llftinAeret (^). Und das wäre denn auch wohl, sollte ich meynen, das glaublichste. — Aber wie, wenn nun eben dieser Umstand, daß Schickard nicht Türkisch genug verstanden, denn auch mit Ursache wäre, warum wir um den Rest seiner Arbeit gekommen ? Der Tod übereilte vielleicht den guten Mann, als er noch erst recht Türkisch lernte. — Unter dieser Möglichkeit, müßte ich denn freylich wohl einen Theil meines obigen Ausfalles, gegen den Kaltsinn seiner Zcitverwandtcn, zurückcnehmen. Aber darum das geringste darinn ändern oder mildern? wozu sollte ich das? Was meinem werthen Vaterlandc hier zu viel gesagt ist, verdienet es in hundert andern Fällen, zehnfach zu hören; und wird es sicherlich einmal hören. Nur einen von diesen hundert Fällen hier im Vorbeygehen zu nennen, weil er mit dem Schickardschcn die nächste Achnlichkcit hat. — Man denke an Abulfcva und Reiske! An diesen einzigen Mann, der allein, bey der kleinsten Unterstützung, in diesem Felde der Gelehrsamkeit, auf einmal Engländer und Franzosen eben so weit würde hinter sich gelassen haben, als diese vor den Deutschen nun noch voraus sind! An diesen einzigen Mann, der nur auch noch aufgemuntert zu werden braucht, um sich von einer eben so undankbaren Anbauung eines andern Feldes, wieder in dieses zu wenden. Rudolf preiset unser Manuscript, nicht allein in jener Stelle (°) Fünftes Zrhend S. 18». (°°) »lenwr. ei LuIoZi. Sc/i,'c/.-«,'. 1636. 4. p> tZ, 76 Zur Geschichte und Litteratur. Erster Beytrag. dcS Junkers, sondern auch in dem Summarischen Berichte un- gemcin an. „Es verdienet, sagt er, von einem der wohl Türkisch könnte, ganz verdolmetschet zu werden." Nun ist es wahr, dieses sagte K.uSolf gegen das Ende des vorigen Jahrhunderts. Was damals seine gute Richtigkeit hatte, bärste leicht, siebzig Zahrc später, wenigstens nicht mehr für voll gelten. Wir wissen von der Geschichte der morgcnländischen Völker ißt unendlich mehr, als Rudolf wissen konnte; und es wäre kein Wunder, wenn bey so vielen Orientalischen Quellen, die neuerer Zeit nach Frankreich und England gekommen, eine einzelne in Deutschland, die so lange kein Mensch mehr besucht hat, völlig unbrauchbar geworden wäre. Unbrauchbarer, will ich zugeben: aber völlig unbrauchbar, sollte ich doch nicht denken. — Schickarö hat, die deutsche Wahrheit zu sagen, nur eben den ungesunden Schaum oben abgeschöpft; nur eben das, was Hr. Reiste in dem Abulfeda mit Verachtung übcrgieng. Denn was cr uns von den ersten sechs Geschlechtern daraus mitgetheilet, ist entweder höchst unstatthaft, oder wir brauchen es nicht erst von einem Türken zu lernen. Was cr uns von dem siebenden, dem Geschlechte des Muhammeds, daraus mittheilen wollte, dürfte itzt wohl auch nicht weiter als zur Bestätigung des dienen, was wir aus eigentlichen Arabischen Quellen, durch Gagnier, Sale, Reiste und andere, seitdem sehr zuverläßig erfahren haben. Eben dieses dürste von dem achten und neunten, den Gcschlechtsfolgen der Kalifen beider Häuser, gelten: desgleichen, wie schon erinnert, von dem sechzehnten; des siebzehnten gar nicht zu gedenken, als von welchem wir aus einem dürren Stammbaumc wohl schwerlich mehr lernen dürsten, als man selbst zu Schickards Zeiten bereits aus dem -L.eunclavms wußte, oder wir ißt, noch richtiger und vollständiger aus dem Ramemir und andern, wissen können. Allein nun sind noch die sechs Geschlechter, vom Mm bis löten übrig; derjenigen kleinern Regenten nehmlich, die sich nach und nach in Persien und Indien von den Kalifen abgerissen hatten, und unabhängige Herren geworden waren. Und deren Gcschlechtsfolgen, glaube ich, würden dem Liebhaber der Geschichte sehr willkommen seyn; ob auch sie schon größten Theils Von dem Schickard-Marchtalcrschen Tarich Beni Adam. 77 beym Hcrbelot zu finden. Denn den Nachrichten des Hcrbelots fehlet vornehmlich der Synchronismus, welcher aus unserer Genealogie sich ohne Zweifel sehr deutlich ergeben würde. Einiges dürfte denn auch wohl, so gut als völlig neu seyn: was wir z. E. von den Selfuken daraus lernen würden. Denn wie ich aus den wenigen Namen urtheile, die Scbickard von diesem Geschlechte anführet, so sind es sowohl die Sel/uken von Iran, als die von Rum. Die Geschichte der letztem aber, welche wegen ihres genauen Zusammenhanges mit der Byzantinischen Geschichte, vornehmlich aufgekläret zu werden verdiente, ist noch in der äussersten Verwirrung, und in dem wenigen, was Herbelot aus Persischen Geschichtschreibern davon anführet, sind eine Menge Widersprüche, die er selbst eingestchct. Abulfeöa aber, wenn ich eine Stelle des Herrn Reiske recht verstehe, hat diese occidcntalischc Seljuken ganz und gar mit Stillschweigen übergangen. Noch dürfte sich auch bey den Regenten von Rhouarezem, in unsrer Genealogie manches finden, das von dem abgehet, was wir bis ißt von ihnen wissen; indem unter den neun Sultanen dieser Dynastie, die Herbelot beybringet, keiner von denen ist, die Schickard nahmhaft macht. Doch von allen diesen kann nur derjenige mit Zuvcrläßigkeit urtheilen, der sich, mit genügsamer Kenntniß der Sprache, an unser Manuscript zu wagen im Stande ist. Daß ich, für mein Theil, eben so wenig Türkisch verstehe, als nur einer von meinen Lesern, wird man mir hoffentlich auf mein Wort glauben. Ich habe blos als Bibliothekar gesprochen, dem es erlaubt ist, von Werken zu sprechen, die er nicht verstehet. Ich schließe mit einer Anmerkung, die ebenfalls blos bibliothekarisch ist. — Wenn -Hottinger, in seiner kittorla Orlent-ili, von der Genealogie des Muhammeds handelt, so sagt er, daß ihm eine dreyfache vorgekommen. Die eine sey genommen ox ZMe. /i«,-c/»L,- die zweyte habe Lhrist. Ravius beygebracht; und die dritte schreibe sich her, ad ^utkors TÄaiv'o/» lle .» festen Hoffnung, meine Neugierdc sofort befriediget zu finden. Aber ich betrog mich: Vogel wiederhohlt die nehmlichen Worte des ^eydenreicks, ohne die geringste nähere Aufklärung. Ein verbranntes Buch ist gemeiniglich ein seltenes Buch. Ich vermuthete demnach, in den bekannten Verzeichnissen solcher Bücher, meine Nachtigall gewiß anzutreffen: und schlug sie nach, eines nach dem andern. Aber wiederum vergebens. Selbst Andreas Wesiphal, der eine eigene Dissertation von den Büchern geschrieben, die aus Befehl der Obrigkeit verbrannt worden; selbst Sckelhorn, der diese Arbeit des U)estphal durch viele Zusätze erweitert hat,(") liessen mich unbelehrt von sich. Sie wissen alle von keiner Nachtigall; von keinem Buche, das zu Leipzig von dem Scharfrichter öffentlich verbrannt worden. Nachdem ich hierauf auch Müllers Anales, und andere Sächsische Geschichtschreiber, nicht ohne Zeitverlust, eben so unnützlich nachgelesen hatte: mußte ich auf den Gedanken gerathen, daß das, was ich so begierig sey zu wissen, am Ende auch wohl nichts weiter, als ein elendes Pasquill irgend einer Privatperson, irgend einen Rechtshandcl betreffend, gewesen sey, an welchem der Rath zu Leipzig eine solche Rache zu nehmen für gut befunden. Selbst die Worte des -Heydenreich „daß die ^ucliola und Gerichte darinnen mit Schmchworten hart angegriffen worden", schienen nichts wichtigeres, nichts was sich mehr auf das Allgemeine bezöge, anzeigen zu sollen. Ich wollte sonach eben wieder eine von den Jagden be- schlicsscn, von denen ich so oft nicht reicher, aber müder zurückgekommen: als ich mich auf einmal besann, wo ich itzt sey. Warum suche ich in Büchern nach einem Buche, das Trotz dem Scharfrichter von Leipzig, hier wohl noch selbst verhandelt ist? Ich will das Buch suchen; nicht blos Nachrichten von dem Buche. Und so sand ich gar bald, was ich suchte. Zwar nicht völlig so, wie ich es suchte, aber doch auch nicht viel schlechter. Ich fand es nehmlich nicht so, wie es verbrannt worden; nicht gedruckt: sondern ich fand unter unsern Manuskripten Abschriften davon, und deren nicht weniger als drcv. (°) ^moenil. Uler. r. VIU> s IX. 80 Zur Geschichte nud Litteratur, erster Beytrag. Auch sah ich nun meine Mühe mehr als belohnt. Denn weit gefehlt, daß ich endlich ein so geringfügiges Werk in Handen hatte, als ich vermuthen zu müssen glaubte: so war es vielmehr eine Schrift, welche sehr wichtige Händel, nicht einer einzeln Stadt, nicht einer blossen Provinz, sondern des gesamm- ten Reiches betrifft. Kurz; die Nachtigall singt nichts geringeres, als ein Lied über die damaligen Grumbachischen Unruhen. — Vielleicht hätte ein andrer dieses sogleich errathen, dem es aufgefallen wäre, daß jene Stelle bey dem Heyoenreich und Vogel unter lauter Nachrichten von diesen Unruhen und von den Anstalten stehet, welche der Churfürst zu Sachsen zur Belagerung der Stadt Gotha, zu Ende des scchsundsechzigsten, und zu Anfange des sicbcnnndsechzigstcn Jahres, eben machte. Doch besser ist wissen, als rathen. Da ich den Inhalt meiner aufgefundenen Schrift nunmehr kannte, so war es natürlich, daß ich ihr auch da nachspürte, wo ihrer, zu Folge desselben, entweder gelegentlich oder ge- flisscndlich hätte Erwähnung geschehen können. Allein ich habe deren zur Zeit noch nicht die allergeringste, weder in den gleichzeitigen Wcchsclschriften beyder Partheyen, noch bey den nach- herigen Geschichtschreibern besagter Unruhen, siudcu können. Wie denn auch Rreysig, welcher in seiner historischen Bibliothek von Gbersachsen ein eignes Kapitel den Schriften gewidmet hat, welche die Grumbachschcn Händel betreffen darunter keiner Nachtigall gedenkt. Dieses alles, meyne ich, beweiset so ziemlich, welch eine Seltenheit unsere Bibliothek an den Abschriften derselben besitzet. Eine Seltenheit, die allein schon werth ist, daß ich es wage, aus einer Nachtigall einen Phönix zu machen, der aus seiner Asche jünger und schöner wieder hervorstcigct. Hoffentlich bin ich der Meynung nicht allein, daß es auf alle Weise erlaubt ist, ein von Obrigkeits wegen, auch aus den triftigsten Gründen, verbranntes Buch wieder herzustellen. Denn ein solches Verbrennen hat die Absicht nicht, das Buch gänzlich zu vernichten: es soll diese Absicht nicht haben; es kann (°) Sect. II. vap. St. Vie Nachtigall. sie nicht haben. Es soll und kann allein ein öffentlicher Beweis der obrigkeitlichen Mißbilligung, eine Art von Strafe gegen den Uhrhcbcr seyn. Was Einmal gedruckt ist, gehört der ganzen Welt auf ewige Zeiten. Niemand hat das Recht, es zu vertilgen. Wenn er es thut, beleidiget er die Welt unendlich mehr, als sie der Verfasser des vertilgten Buches, von welcher Art es auch immer sey, kann beleidiget haben. Er stürzet sie vorsctzlich in Ungewißheit und Zweifel; er beraubt sie des einzigen Mittels, selbst zu sehen, selbst zu urtheilen; er verlangt, auf eine eben so vermessene als lächerliche Art, daß sie ihm blindlings glauben, ihn blindlings für einen eben so ehrlichen als einsichtsvollen Mann halten soll. Die Grnmbachschcn Händel sind vorbey; auch in ihren un- mcrklichstcn Folgen vorbey. Nur dem Gelehrten, der sich lange nachher ein Geschäfte daraus macht, Gründe und Gegengründc gegen einander abzuwägen, wenn beide nichts mehr fruchten, und nichts mehr schaden; nur dem Staatsmann, dem die Geschichte seine Schule ist, sind sie noch dann und wann gegenwärtig. Was dieser daraus lernen kann, weiß ich nicht, mag ich nicht wissen. Aber wie jenem oft dabey zu Muthe seyn muß, kann ich eimgcrmaassen urtheilen. Er wird weit entfernt seyn, sich zum Vertheidiger Grum- bachs und seines Anhanges auszuwerfen. Er ist von dem Verbrechen dieses Mannes überzeugt; er giebt es zu, daß die Strenge, mit der man gegen ihm verfahren, vielleicht damals nothwendig gewesen; er erkennet mit allem Wohlgefallen, daß diese Strenge wenigstens in ihren Wirkungen, zu Festsetzung der allgemeinen Sicherheit, zu gänzlicher Abstellung der gesetzwidrigen Selbsthülfe, sehr ersprießlich gewesen. Aber wenn er dieses alles thut, wird er darum auch mit den Geschichtschreibern zufrieden seyn, die einen Mann, den eine damals sehr gewöhnliche Dcnkungsart zu Unthaten verleitete, die nichts weniger als die einzigen von ihrer Art im Reiche waren, die diesen Mann, sage ich, zu dem abscheulichsten und unsinnigsten Bösewicht macbcn? die ihm alle Schandthaten, deren ihn seine Gegner bczüchtiget, als die erwiescnstcn Wahrheiten nachsagen? denen er Mörder und Straasscnräuber ist? Les«mgs Werke ix, ß 82 Zur Geschichte und Litteratur. Erster Beytrag. denen er eben so zuverläßig Zauberer und Teuffelsbanner seyn müßte, und sicherlich seyn würde, wenn sie es nicht für schimpflicher hielten, Alfanzcreycn nachzuschreiben, als Verleumdungen? Wenn diesen Gelehrten nun gar seine Nachforschungen auf die Spur einer Schrift bringen, die Grumbachs heftigster Feind, eben als er den Garaus mit ihm spielen wollte, verbrennen lassen; die folglich für Grumbachen muß gewesen; die er aber nirgends selbst auffinden kann: (Und eine solche Schrift ist unsere Nachtigall, wie man aus den Umständen schon wird geschlossen haben) was soll er denken? Zst er, bey der Untreue, bey dem Leichtsinn, mit welchem man auf das blosse Wort seiner Feinde, Anklagen auf Anklagen gegen ihn häuft, ohne die geringste Rücksicht auf seine Rechtfertigung zu nehmen, nicht befugt, das ärgste zu denken? zu argwohnen, wer weiß was fü: Dinge darinn enthalten gewesen, auf die man den Scharfrichter antworten lassen, weil sich sonst niemand sie zu beantworten getrauet? Und dieses wäre die nähere, wichtigere Ursache, eine dergleichen Schrift wieder herzustellen. Denn ob sich schon der Gelehrte in seinem Argwohne irren würde; ob schon unsere Nachtigall nichts singt, was nicht damaliger Zeit mehr Vögel auf den Dächern sangen: so ist auch das schon ein Verdienst, wenn der Litterator, der ihm nur Materialien in die Hände liefern soll, durch den Verlust eines leidigen Bogens, einen solchen Argwohn sowohl ihm, als dem, den er trift, ersparet. Denn daß ich die Schrift selbst nun etwas näher beschreibe, so ist sie ein kleines Gedicht von ohngefehr sechshundert Zeilen; und dieses Gedicht ist, seiner Einkleidung nach, die Apostrophe einer Nachtigall an das Haupt und die Glieder des Reiches, nach dem verschiedenen Interesse, das sie an der Grnmbachschcn Sache nahmen, oder hätten nehmen sollen. Der poetische Werth desselben ist klein. Es war die uralte Gewohnheit der Deutschen, ihre Geschichte in Lieder und Reime zu verfassen: und diese Gewohnheit hat sich sehr lange erhalten. Daß sie nunmehr gänzlich abgekommen, mag vielleicht für den Geschmack ganz gut seyn: aber für die historische Wahrheit ist es gewiß nicht gut. Zn diesen Liedern erschallte gemeiniglich die Stimme Die Nachtigall. des Volks; lind wann geschehene Dinge nicht mit dichterischen Fabeln darinn ausgeschmückt waren, so waren sie doch mit Empfindungen durchwebt, die man wirklich dabey gehabt hatte. Für solche Empfindungen giebt uns der heutige Geschichtschreiber kalte, aber wenn Gott will, sehr zuvcrläßige Beläge aus dem bcdächtlichcii Kabinete; und wir finden uns trefflich verbessert. — Der Verfasser sagt auf dem Titel, daß er den wesentlichen Inhalt aus den Schriften Herzog Johann Friedrich des Mittlern gezogen habe. Ich sehe, daß er vornehmlich die Antwort damit gcmeynet, welche dieser Herzog, des Reichs abgesandten Votschaffren, auf ihr Anbringen und Werbung, Wilhelmen von Grnmbachs, Ernst von Mandelöls, und lVil Helmen von Steins halben, gegeben, und die auf 15 Bogen in Quart gedruckt ist, auch von Rudolphi scincx 6otl,a DipInmatieÄ einverleibt worden Da ich nun sowohl diese Antwort, als auch alle andere dahin schlagende Schriften, von beiden Theilen, mit allem Fleisse durchlescn mußte, um von dem wahren Werthe meiner Nachtigall urtheilen zu können: so hatte ich bereits die merkwürdigsten Parallelstcllcn in ihnen ausgezeichnet, und war Willens, sie, wie es kommen würde, zur Erläuterung, oder Bestärkung, oder Widerlegung, der schwachen Stimme des guten Vogels unterzulegen. Doch bey näherer Erwäguug fand ich für gut, demjenigen in nichts vorzugrciffcn, der es einmal wagen dürfte und wollte, die Grumbachschen Händel in allem ihrem Umfange, mit Freymüthgkeit und Einsicht in die damalige deutsche Staatsverfassung, zu beschreiben. Mir genüge, diesem Manne, dem ich den Geist eines Salustius oder St. Real siebenfältig wünsche, eine Kleinigkeit zur Hand geschafft zu haben, die er ungern vermissen würde, und die ich ohne weitere Vorrede hier mittheile. (') Tl'cil II, S. 62 — !>?. 84 Zur Geschichte und Litteratur. Erster Beytrag. N a ch t i g a l: da« ist, Aus Johann Friedrichs des Mittlern, Herzogs zn Sachsscn, publicirtcn Schriften, vom Ursprünge, Anfang und ganzen Proceß der Wirzburgischcn nnd Grumbachi- schcn Handlungen, ein kurzer Bericht und Auszug. Mit einer nutzlichen und christlichen Nermahnung an die Rom. Kays. Mayt. Chur- und Fürsten, auch andere Stände des H. R. Reichs, antreffende die jetzige trübselige Belagerung der gewaltigen Festung Grimmenstein, und weitberühmten Stadt Gotha. Gedruckt im Jahr Christi KIVI.XVII. ihr schlaffet in der Nacht, Und Trübsal euch bekümmert macht, Komm ich, genannt die Nachtigall, O Fürsten gnt, in diesem Thal, Zu singen euch ein schön Gesang, Zu wecken euch mit meinem Klang, Dieweil der Früling kompt herbey. Bitt, wollet meine Mclodey Gütlich in Gnaden hören an, 10. Der Büchssen Knall abschaffen lahn, Gute Freunde mit einander seyn, Und euch wohl bey der Sonnen Schein Vertragen mit einander all, Auf daß verhüt werd großr Unfall, Den Eulen nit mehr hören zn, Die euch gemachet solch Unruh. Poeten solch Gewohnheit ha», Wann sie zu dichten fangen an, Daß sie viel Götter allermeist 20. Anrüsten, umb ein guten Geist, Daß ihre Reym mit Süßigkeit Die Nachtigall. Gezieret seyn, und wol gekleydt. Ich weiß ntt mehr denn einen Gott, Den ruff ich an nach seinem Gcbott, Daß ich euch all vermahnen mag, Anzeigen vieler Herzen Klag, Vom grossen Handel reden wol, Weß jeder sich verhalten soll; Doch daß ich euch nicht lang auffhalt, M. Ist die Sach kürzlich so gestallt: . Grumbach der hat viel Guth und Land, Das behielt ein Stifft gern in seiner Hand, Daher entspringt der erste Neydt, Der gemachet hat so manchen Streitt. Marggraff Albrecht, der streitbar Mann, Den von Wiryburg woll greiffen an- Erumbach Marggräffscher Diener war, Wie ihm vergrimmt der Pfaffen Schaar. Der Bischoff trauet ihm nit im Streit, 4l). Begerte Fried und Einigkeit. Hie thet Erumbach ein große Treuw Dem Stifft Wirtzburg und ganzem Gebeuw, Richtet auff Fried und Einigkeit, Macht daß geschah dem Stifft kein Leydt, Verhindert selbst den Uebcrfall, Lcyhet ihm Geltt in großer Zahl; Viel Treuw hat Erumbach mehr gethan, Am Stifft Wirtzburg, der ehrlich Mann. Denn da der Graff von Beuren bracht Zy. Viel Renter, und ein große Macht, Hat Erumbach Fleiß gewendet an, Daß er dem Stifft kein Schaden gethan. Beym Kayser auch erhalten hat, Daß er viel Reuter schicken that, Welche den. Stifft beschützet han, Daß ihm kein Ueberlast gethan. Nun höret zu mit welchem Loh» Die Pfaffen ihn bezahlet hon. Zur Geschichte und Litteratur. Erster Beytrag. Da Moriy und Albertus beyd 60. Hielten zusammen einen Streitt, Marggraff Albrecht verlor die Schlacht, Tcrhalben ihn der Stifft veracht, Welt sein Zusag nicht halten mehr, Dieweil Albrecht geschwechet sehr, Wil ihm nnnmehr kein Schuld gcsiahn. Grumbach wolt sein Bezahlung hau, Der Bischoff ihm wolt zahlen nicht, Verachtet truzlich all Gericht, Beraubet auch sein Land und Leut, 70. Vermcynct, er hatt ein gute Beutt. Grumbach der ruffet an das Recht, Der Stifft der macht viel Spiegclgefecht, Der Kayser selber redet an Den Bischoff, daß er soll verstahn, Mit Grumbach kommen überein, Sagt, daß die Sach nit war so kleyn. Der Bischoff bleibt auff seiner Bahn, Helt Grumbach vor ein schlechten Mann. Nicht lang hernach der Bischoff ward 80. Mit einer Kugel getroffen hart, Daran Grumbach unschuldig sich Bekennet frey und öffentlich. Mit solcher Protestation, Daß ihm der Schuß mehr Leydt gethan, Denn eim andern in dieser Welt, Wie er solchs auff sein Eyd erhellt. Grumbach zeucht in fremde Land, Sein Tugend machet weit bekandt, Und dienet den drey Lilien schon, 90. Welch führet die französisch Krön. Mit Reuttern stark er wiederkehrt, Die Pfaffen gewißlich hart verfchrt. Man gibt ihm viel der guten Wort, Daß er nit also fehlet fort. Grumbach sich überreden laßt, Die Nachtigall. Folgt ihrem Rath, und thut das best. Er mcynt, sie würdcns machen fein, Sein Land ihm wiedergeben ein, Gütlich die Sach ohn alle Wehr, tOO. Zn Frieden stund auch sein Beger. Da er die Reutter gelassen ab Kein Pfaff ihm gute Wort mehr gab. Ferdinandus doch das beste that, Den Pfaffen gab ein guten Rath, Gütlich Vertrag zu nehmen au. Die Pfaffen wollen nit daran, Des grossen Vogels hätten sie Erwehret sich, sprachen sie fry, Was sie dann mit cim Edelmann 110. Sollten Vertrag jczt nemen an? Mit Gedultt Grumbach so lange harrt, Bis er schier gar zum Bettler ward, Nit treiben kunt ein lang Proceß, Den kayscrlichen Rechten gemeß, Dem Adel zeigt sein Bettelstab Sprach sie an umb ein Reutergab. Wirzburg, die weit vermute Stadt, Er glücklich eingenommen hat, Doch hat er nit gefordert das sein, 120. Verschrcibung genommen nur allein, Die Pfaffen lassen leben all. Kein Burger plündert dazumal Der Pfaffen Kelch und Meßgewand», Damit sie treiben ihren Thandt, Hat er da nit gerühret an, Sondern sie noch bewahren lan. Des Bischoffs Hoff und Canzclcy Für Raub er thet erretten frey: Allein mit Siegel, Briefs und Eydl 130. Nam er auf dißmal sein Beschehdt, Die auch der Bischoff hat hernach Versiegelt, und die ganze Sach 88 Zur Geschichte und Litteratur. Erster Beytrag, Bewilliget, ungezwungen zwar, Wie solches allen offcnbahr. Hett Grumbach sich daselbst bezahlt, Und geübt allda sein Gewalt, Den Pfaffen genommen all ihr Eutt, Gebrochen ihren stolzen Muth, So hett er sie bezahlet frey, 140. War bewahrt für ihrer Buberey. Solchs hat er aber nit gethan, Hat jedem da das sein gelahn, Daß er in Fried die Guter sein Sein Kindern möchte geben ein. Aber gewißlich er war zu gutt. Die Pfaffen trib der Uebermuth, Denn sie hernach ihr Briefs und Eydt Mördlich gebrochen ohn Bescheydt, Sein Weib geplündert Land und Gutt, 160. Dazu ein grossen Uebcrmuth Au seinem Sohn getrieben han, Lonrad Grumbach, wolts recht versiahn, Daß sie ihm han ein kleines Kindt Männlichs Geschlechts, ermordet gcschwindt, Von Mutterleib getrieben zwar Als Mörder, solchs ist offenbar, Getrieben ihn von Land und Gut, Gedurstet sehr nach seinem Blutt, In seinem Namen thun greiffen am 160. Den Apt von Benz und den Kauffman, Daß er zu keiner Gnade mehr Ferner möcht kommen, auch sein Ehr Durch fanioß Bücher sehr geschenkt, Die kommen sind in vieler Hendt. So han sie auch Wilhelm von Stein Sein Häuser abgebrennet reyn, Junker Ernster» von Mandeßloh Sein Früchten auf dem Feld zu Stroh Gemachct frey, nit lcyden wollt, Die Nachtigall. 17V. Daß man dieselb einsammeln soll. Da Grumbach so gccngstigt sehr, Johann Friedrich der mittler Herr Betrachtet sein Ritterliche That, Deren er gar viel erzeiget hat, Auch ehren thun sein Alter schwer. Wie uns gebcutt die Göttlich Lehr, Sein Trübsal auch gesehen an, Wie er verfolgt von jederman, Sich seiner so erbarmen thut, 180. Und nimpt ihn auff in sicher Hut, Verheißt ihm Schutz und frey Geleydt, Daß ihm zufugt niemands kein Seyd, Und that solchs mit des Kaysers Rath, Damit es ihm nicht brächt in Schad Damit nit ferner würd berührt Das Römisch Reich, bis wurde verhört, Zm Römischen Reich vor allen Stendt, Und jedem da sein Recht erkendt. Solchs hat Ferdinand gelassen zu, 190. Doch daß Grumbach in Rast und Ruh Sein Leben führt, und jedermann Auch rasten ließ, wie er denn than. Das merket wohl ihr Cdellcut, Die ihr Grumbach umbringet heut. Ist diß der Lohn und billig Ehr Für Ritterliche Kricgeswehr? Denkt doch ihr Fürsten alle gut, Daurt euch nicht das Sächsisch Blutt? Johann Friedrich der dapfer Heldt 200. Sein Leben also frömmlich stell Umb Gottes Wort in große Gefahr, Der Chur darum beraubet war, Sein Söhnen ließ ein kleines Landt: Denkt ist es nit ein große Schauet, Wenn ihr die nun bekriegen wollt, Die ihr billich erretten sollt! Zur Geschichte und Litteratur. Erster Beytrag, Fürwar der Grase vsn Serein Für Gott wird ewer Kläger sey», Den ihr den Türken jämmerlich 21V. Habt morden lassen all zugleich, Und habt ihm keine Hülff gethan, Habt dennoch das Volk schätzen lahn, Den Türken wollen freßen gar, Ihm ziehen ab sein Haut und Haar, Die Kriegsleut auch bezahlt nit all, Dadurch sie kommen in Unfall, Waßcr getrunken für den Wein, Daß ihrer viel gestorben seyn. Was denkt ihr doch, ihr Fürsten gutt, 220. Bekriegt ihr nicht ewer eigen Blutt, Und wendet für des Reiches Acht, Und schenket ewer eigen Macht, Verlaßt das arme Niederlande Damit der Bapst sein Spott und Schand Zu üben hat in seinem Sinn, BedenktS, was ist doch ewer Gewinn? Sein dieß die Türken, die ihr wollt Erwürgen, durch des Reiches Sold? Muß darum auch der Zoll am Rhein 230. Gestcygert und gemehret seyn? Viel meynen, daß des Türken Steur Soll seyn ein newes Fegefeur. Ist Grumbach nicht ein alter Manu Der für Alter kaum gehen kann: Wenn ihr nun lange führet Krieg, WaS Ehr bringt euch dann solcher Sieg? Er begeret doch nur Rast und Fricdt, Warzu soll denn dieser elend Streit? Soll Grumbach seine Götter lahn 210. Den Pfaffen, und selbst betteln gähn? Weh euch, ihr falschen Zungen zwar, Die ihr jetzt bringet in die Haar Die blutsverwandten Fürsten gut, Die Nachtigall. Und stürzet so unschuldig Blutt! Die armen Bauern müssen dran, In schanzen sich erschicssen lahn, Ihr fteßt und sauffet bey dem Feur, Gedenket nit, daß Christus thcur DaS Menschlich Blut erlöset hat, 2Z0. Weh euch, der großen Missethal! Der Arme seufzt, und spricht Ach, Ach! Und häuffet über euch Gottes Nach. O Rayseu Maximilian, Gott zier dein Kayserliche Krou, Der Bapst stecket voll giftig List, Des Reiches Fried zuwider ist: Durch Cinigkcit der Fürsten Macht Zunimbt, solches der Bapst betracht, Hierauf ist er bcslißen gar, 2Kl). Daß er euch nur bringt in die Haar, Vermalmet so cur Bein und Mark. Daß ihr ihm werdet uit zu stark, Last sich anbettcn, wie ein Gott, Tritt euch mit Füssen, wie ein Krott. Viel Kayser hat er abgesetzt, Die Türken wider sie gehetzt.« Da du empfiengsi die güldene Cron, Hast du das Evangelien Zu schützen vielen zugesagt. 270. Denk ob es Gott auch wohl behagt, Wenn jetzt die Hur von Babylon Befürdert werd durch deine Cron. Der Höchste sitzt in seinem Thron, Und hat vorlängst gezchlct schon Die Tag und Stund des Scepters dein, Die Zeit die ist hier kurz und klein. Erumbach ein treuer Diener war Dem Carolo, wie offenbar: Zur Geschichte und Litteratur, Erster Beytrag. Der von N?iryburg keiner Parthey 28V. In Treuwen ist gestanden bey. Dein Vater auch erlaubet hat Johann Friedrich mit reisten Rath; Den von Grumbach zu geben Schutz: Darum hat er mit keinem Trutz Veracht dein kayserliche Cron, Des merk, o Maximilian. So hast du auch gelassen zu Johan Friedrichen, daß er in Ruh Den von Grumbach behalten hat: 290. ' Wenn du solchs ein Missethat Erkennen wiltt, bin ich zu schlecht, Und kan es prcysen uit für Recht. Ein FuchS hie muß begraben seyn, Des furchten beyde groß und kleyn, Viel sorgen, daß Grumbach allein In diesem Kriege sey ein Schein, O Kayser Maximilian, Niemand Gott widerstreben kan. Die Augspnrgisch Confeßion 300. Gestellet hat der Melanthon, Dcrselbig hat bekennet frey, Im Nachtmal heut welche Parthey Die Wahrheit baß verstanden hat, Eh denn er seinen Geist aufgab. So man jetzt sagt die Wahrheit frey, So ist es eitel Schwermerey. Jetzt unter der Confeßion Viel Lug-en seyn bedecket schon. Das heilig Evangelien 310. Das ist die best Confeßion. Kayser Carolus, der gütig war, Vom Bapst ward verführet gar, Der machet ihm ein groß Ungunst, Dieweil er durch des VapsteS Kunst Zertrennet hat der Christen Buudt, Die Nachtigall. Gott und seinem Worte widerstund, Verhcrt das Teutsche Land sogar, Dem er mit Eyd verbunden war, Da er sich nistet zu der Wehr, 320. Und ihm kein Fürst getrauet mehr. Erstlich der Römisch Bösewicht Auflöset alle EidcSpslicht, Ein Fürst wider den andern ficht, Groß Jammer da ward zugericht, Daß in dem ganzen Teutschen Landt Geschah schrecklicher Mord und Brandt, Die Reichstedt kamen umb groß Eeltt, Die Fürsten fing man in dem Feldt Durch listige Betriegerey, 339. Der Landgraff gut kam auch herbey, Die Festung brach man ab zu Hand, Das Geschütz ward geführet aus dem Land, Das Interim das falsch Gedicht Wollt Magdeburg bewilligen nicht, Der Bapsi erfand ein solchen Rath, Daß Magdeburg die schöne Statt Von ihren Freunden belagert ward, Umbringet und gcengstet hart. Was hat Carolus gewonnen dar, 340. Da er wieder bekrieget war, Da Magdeburg kam in Vertag, Sag, wer war der da unten lag? Da Moriy stolzlich gewinnt die Clauß, Die gefangenen Fürsten bringt zu hauß, Da Carolus thet vassiren lahn Die Angspurgisch Confeßion, WaS gab ihm doch der Bapst für Lohn, Da er lang hett das Best gethan? Sein eigen Reich bekrieget sehr, 3>',g. Dadurch geschenkt sein eigen Ebr, Da er nnglückhaftig von Metz Mit Spott abzogen ist znletz, Zur Geschichte und Litteratur. Erster Beytrag. Gab ihm der Bapst nicht solchen Rath, Daß er den Scepter von ihm that, Hieß ihn ein Kappen ziehen an, Als hette er ganz Uebel gethan, Daß er die Fürsten geben frey, Und nit mit grosser Tyrannen Das Bapstthumb aufgerichtet gar, 360. Durch tausend Mord und manch Gefahr. Solchs wollstu, Maximilian, Bitt ich in Gnaden auch verstahn, Die all zw Gnaden nehmen an, Die deiner Kayserlichen Cron Ein Fußfall thun demüthiglich. Dein Augen zeigen gnädiglich, Gedenk, daß Gott der Höchst allein Dir auch vergibt die Sünde dein. Churfürst Auguste, denk daran, 37t). Ein Beyspiel dich erinnern kan. Albertus das Marggräfisch Blutt, Dazu Moritz dein Bruder gutt. Zusammen waren gehetzet auch, Von Buchsen ward ein großer Rauch, Das Fürstlich und das Adel Blutt, Noch heut das Erdreich ferben thut. Wär dir jetzt treuw dein Prädicant, Sprach er, cS wär ein grosse Schand, Daß du so alt jetzt worden bist, 380. Und nicht merkest der Pfaffen List. Denn Erumbachs unverdiente Acht, Hastu erstlich selber veracht, Dem Grumbach Dienst gcbotten an, Ihn gehalten für ein frommen Man. Auch hat Staupiy, der Diener dein, Grumbach zugeführt zwey Fähnelein Sehr starker wohlgerüster Knecht, Da er mit gutem Fug und Recht Die Nachtigall. Wirtzburg die weilbcrümbte Stadt 39V. On blutig Schwcrd erobert hat. So sagt dir auch dein Conscienj Ohn Zweifel ein sehr gut Sentenz, Daß der alt Churfürst mit seiner That Noch Chur, noch Ehr verwirket hat. Die Rede flihet auch mancherley, Daß Moriy durch Verrätherey Die Chur bekommen, uud mit Fug, Johann Friedrich dieselbig trug- Hat dir Gott güiinet nun die Ehr, 400. So sollt du prangen uit zu sehr, Vertilgen nit dein eignes Blutt, Von dem du hast dein Ehr und Gut. Es ist doch ja der Netter dein, Den du und noch ein Pfaff allein, lim seine Treuw und milde That Umbringest mit denn eignen Schadt. Kein Chronik solches vrcysen wirdt, Darzu kein frommer Seelenhirt. Denk, daß du auch bist Staub und Erd, 419. Dein Leben hie nicht ewig werbt. Wiltu gehalten seyn vor keck, So jihe hin, und gewin Siger, Welches der Türk genommen ein, Dardurch wird auch der Name dein Berühmet seyn und weit bekandt, Im Teutschen und im Welschen Landt. Das Reich zwingt mich, ist deine Sag. Du hast aber eine strenge Klag Zu Augsburg im vergangnen Jahr 42l). Herfür gebracht, ist offenbahr. Der falschen Urgicht Instrument Hast» gesandt in Pergament Dem Kayser, und noch andern mehr, Dein Freund hierdurch geschcndet sehr. 96 Zur Geschichte uud Litteratur. Erster Beytrag. Auch auff eines Menschen Mund allein Muß Grumbach überzeugt seyn. Der von Wiryburg und von Braunschweig Mit dir, seyn nicht das ganze Reich. Ein Pfaff die Acht hat impetrirt, 430. Und wer dieselbig exequirt, Der schenket seine eigen Ehr, Hofirt den Pfaffen allzusehr. Hettstu Grumbach nit klaget an, Wer hingelegt der alte Span, Auch ausgesühnet wer die Acht, Die jctzund bösen Handel macht. Wilhelme/ denk an Bruder dein, Denn wenn der wird verdorben seyn, WaS wird doch endlich seyn dein Lohn? 440. Wirst du nicht haben Spott und Hohn? Dein Herz wird sich bekümmern sehr. Daß du nit solchs betrachtet ehr. Was hat dein Bruder dir gethan, Daß du mit Pfaffen spannest an, Vcrderbst dein eigen Gut und Landt? Bedenk die Brüderische Bandt. Pfalzgraf am Rhein/ die Töchter dein Jetzunder sehr betrübet seyn. Zwo Schwestern, die zween Brüder han, 460. Ach Gott in großer Trauwcr stahn. Der Mutter muß solchs seyn ein Pein, Dem Vater auch gewiß nicht kleyn. Der Teufel hetts auch gern gemacht. Daß man dich in des Reiches Acht Gethan hctt, ist ihm herzlich leydt Daß dir geworden gut Bescheydt. Wie gern wollt er dich fressen gar, Mit Leib, mit Sccl, mit Haut, mit Haar. Die Nachtigall. Joachime, deine Fiirbitt, 460. Von Brandenburg, hat gcholffen nit. O Brandcnburgisch Edelleut, Ewer Frombhcit wird gefordert heut. Des frommen Casimiri Knecht, Welcher doch hat gut Fug und Recht, Der vierzig Jahr sein Diener war. Wird geengstct von der Pfaffen Schaar. Marczgraff Albrecht, den guten Heldt, Da Moritz durch ein Kugel gesellt, Hat Grumbach nit verlasse» thun, 470. Darum wird er gehasset nun. Churfürst von Maynz, ein alt Geschicht Wirt geben dir ein guten Bericht. Als Dieterich auch Bischoff war Zu Maynz, den Bapst strafft offenbahr, Daß er nur sucht der Teutschen Geltt, Wcnd vor, der Turk der leg im Feldt. Drumb Mayntz die weitberühmble Statt, Ein andrer Pfaff anzündet hat, Und da ihm geöffnet war die Pfort,' 48V. Viel Bürger jämmerlich ermordt, Die andern hat er trieben auß. Die Statt plündert von Hauß.zu Hauß. Noch ward da nit erkannt die Acht. Dasselbig, bitt ich, wol betracht. Churfürst zu Maynz, wollst werden gleich Den frommen Bischoff Dietereich. Churfürst von Tollen, denk daran, Wie dein Vetter, Bischoff Herman, Von Pfaffen abgesetzet war, All seiner Ehr beraubet gar: Noch ist ihm solchs ei» grosse Ehr, Welche wird sterben nimmermehr. An dich ist nun mein christlich Bitt, Dein frommen Vetter schcnde nit. LessinaS Werke ix. 7 Zur Geschichte und Litteratur, erster Beytrag. Churfürst von Trier, dich hat dahin Der Todt, welcher dein groß Gewinn, Dein Seele jetzt bewahret Eott, errettet sie aus aller Noth. Dein Lieb zu der Geomctrcy, Dein Landtafel wird melden frey. Gott geb, daß der Nachfolger dein, Ein frommer Bischoff müsse seyn. Landgraf Philip, manchs graues Haar Hat dir gemacht der Pfaffen Schaar. Fürwahr wenn du der Pfaffen Rott Jetzt machen würdest gar zu Spott, Wird preisen dich nach deinem Todt ein jedermann, und loben Eott. ein schelmisch Pfaff verkehret einig Ncrändcrts n und macht ewig Wenn solch ehrlose Nerräthcrcy Soll ungerochen bleiben frey, Wird sich gewiß an fürstlichen Blutt Vcrgrciffen oft der vicreckt Hut. Hcrysg von ^virtenbcrg und Tcck/ Für deine Thür ein Riegel steck. Wenn Eotha wird gcschlciffet seyn, Und PhilippuS gelassen ein, So sieht in Gefahr der Nachpanr dein, Ich meyn den Pfaltzgraff an den Rhein- SolchS laß dir seyn ein treuwen Rath, Merk zeitlich drauf, und nit zu spat. Sibylla, die fromb Herzogin Von Clcv, ja war die Schwester dein, O Prinz von Clev, die hat gcporn Johan Friedrich, der jetzt den Zorn Der Pfaffen tragen muß allein, Die Sach laß dir befohlen seyn. Die Nachtigall. Die Roth ist jetzt vorhanden hart, Nit einer auf den andern wart. Euch Reichstätt, bitt ich, thut gemach, Bedenket vor gar wol die Sach, Des Geldes habt ihr nit zu viel. Verschütt es nit-zu diesem Spiel. Ihr von Vviryburg/ denkt wol daran, Was Spiel ihr habt gefangen an. Ihr habt gebrochen Brief und Eydt, Gcstifftet Jammer und groß Leydt, Geistliche Leute wollt ihr seyn, Darumb folgt auch der Lehre fein Geistlicher Schrift, und merket wol, Wie jedermann vergeben soll Seim Nechsten alle seine Schuld, Daß ihr behaltet Gottes Huld. Grumbach ist cuwer Lehenman, Hat ewern Stifft viel Treuw gethan, Weil er euch trcuwlich dienet hat Mit seiner Ritterlichen That, Ob er gleich irgends Unrecht than, So will er sich doch weisen lahn, Horatio ein Missethat Vergeben ward ohn allen Schad Der Rechten, weil er Ritterlich Wider die Feinde gehalten sich. O Rayser Maximilian, Bitt wollest die Sach recht verstahn. Fürwahr die Festung Grimmenstcin Ist deiner Hoheit viel zu klcyn, Kein Ehr kan bringen dir der Krieg, 669. Ob gleich in deiner Hand der Sieg. Wiltu, daß deine guldne Krön Ein ewig Rhnm und Lob soll han. 400 Zur Geschichte und Litteratur. Erster Beytrag. So rech den Grafen von Serein, Nit unterdrück die Diener dein, Die dir mit Leib und auch mit Blutt Zu dienen geneigt, auch all ihr Eutt Zu streken han gebotten ah» Für deine kayserliche Krön. Verhör gnugsam beyde Parthey, 670. Laß alle Stände richten frey, Churfurstliche Bitte nicht veracht, Von den du hast die hohe Macht. Johann Friedrich, dein Diener gut, Zum Rechten sich erbitten thut. Nichts anders von dem Römschen Hirt In diesem Krieg gesuchet wirbt, Denn daß das Sächsisch Blntt geschenkt, Und er möcht waschen seine Händt Wol in der Niederländer Blutt, Z80. Darnach ihn hefftig dursten thut. Ich bin ein geringes Nögelcin, Mein Gesang ist kurz, mein Zeit ist klein, Nembt diese Mcloocy vor gut, Der liebe Gott euch all behüt. Die drey Abschriften, aus welchen ich dieses mittheile, sind völlig übereinstimmend; ausser den zufälligen Verschiedenheiten der Orthographie, indem jeder Kopist der scinigcn gefolgt, und einigen andern Kleinigkeiten, die den Ban des Verses betreffen. In diesen habe ich mich bald an die eine, bald an die andere gehalten; weil auf genauere Uebereinstimmung hier nichts ankömmt. Hinter der einen Abschrift folgen noch etwa ein Hundert gereimte Zeilen, mit der Ueberschrift: U?ie es mit Gorha ergangen il?. Aber sie enthalten nichts, was nicht schon bekannt wäre: und sind von dem Verfasser der Nachtigall gewiß nicht. Hinter der andern Abschrift stehet noch ein Verzeichnis; des Vorraths, welcher auf dem Schlosse Grimmcnstcin bey der Einnahme gefunden worden; desgleichen ein Lied, von D. Ioh. Masor. Jenes ist noch viel unglaublicher, als das ähnliche Die Nachtigall. 101 welches beym Rudolphi vorkömmt: lind man kaiin leicht crmessen, was man mit diesem vorgeblichen ungeheuren Vorrathe hat sagen wolle». Das Lied von D. Major ist überschrieben, I» o. ?ol. I,oz^erum, und fängt an: O Nachtigall, du und dein Gesang Seit über die Vögel alle: Gott hat dir geben ein hellen Klang, Zu loben ihn mit Schalle u> s. w. Allein man würde sich sehr irren, wenn man diese Nachtigall für die nnsrige halten wollte. Es ist eine ganz andere, und der Abschreiber hätte sie nicht mit in dieses Gcbaucr sperren sollen. Die Händel, die Johann Major mit Polyc. -Geysern zu Wittenberg hatte, sind bekannt; und dahin gehöret dieses Lied. Major verstehet unter seiner Nachtigall vielleicht den Melanchrhcm; wie dieses der Abschreiber durch die am Rande beygefügte Buchstaben k. cp. ^. anzeigen wollen: vielleicht aber auch einen andern von Mclanchthons Geist und Dcnkungsart, weil Mclanchthon selbst längst todt war; vielleicht auch gar sich selbst. Diese Nachtigall preiset er, in Entgegensetzung eines leidigen Guckucks, Der leydige Guckug fleugt umher Und guckt in alle Winkel, womit er den nmherreisenden D. Jacob Andrea ansticht; und in Entgegensetzung eines Finken, Fürwahr der Fink ist Geyers Art, Fromb Boglein wil er fressen, womit er seinen eignen Widersacher und Verfolger, benannten Geyser, mcynct. Diesem Finken prophczcyct er, daß er doch noch endlich werde im ^anff behängen bleiben, und schließt: Und der, der dieses Liedlein sang, Der hat ir mehr gesungen, Er ist ein Schwan, du yo'rsts am Klang, Du hettst in gern vcrdrungen. Noch leit er nicht, er lebt und singt, Er will sein Feder spitzen, Für Freund in im sein Herz auffspringt, An dir sich zu ernützen. 102 Zur Geschichte und Litteratur. Erster Beytrag Er will dir schreiben an dein Grab, Wclchs dann seyn wird ein Dohne: Hie zappelt der vermessne Schwab, Und hat ein Strick zu Lohne, Für sein Blutdurst, Betrug und Tandt, Er hat darnach gerungen, Die Nachtigall hat noch iren Standt, Sie bleibt wohl unverdrungen. Das ganze Lied ist nicht schlecht, und kann zu der Zeit gefallen haben, als man die Personen vor sich hatte, auf die es anspielte. Es muß gegen 1586 gemacht seyn. Zwanzig Zahrc vorher, würde Masor unsrer Nachtigall ein ganz anderes Lied gesungen haben. Denn damals zog er mit seiner lateinischen Poesie gegen Grumbacker» sehr bitter zu Felde; ohne Zweifel, sich bey dem Churfürsten Augustus damit einzuschmeicheln, der eben im Begriff war, mit andern Waffen gegen ihn loszubrechen. Ich habe dieses zuerst aus einem un- gedrucktcn lateinischen Gedichte gclernct, welches sich unter den Manuskripten unserer Bibliothek befindet, und den Titel führet: Lponzia a<1 tollencias viiulontas eiiminatlmivs, «juikus clelor- inaro eonatur nnmon vt tsmam maAuammi Horo!« I^Me/mi « tst'llMÜac'/t, Ma/c,?', I^oeta malellieus; Ineorti eu^usclam. Ich will nicht sagen, daß dieser Schwamm alle Flecken von Grnmbachs gutem Namen abwischt: aber doch gewiß manche; wenn es schon nur diejenigen wären, welche sich auch ohne Schwamm abblasen lassen. Zch füge noch Eines hinzu. Ich darf kühnlich sagen, daß fast alle Geschichtschreiber, in Erzählung der Grumbachschcn Händel, dem -Hubcrms Aangnerns blindlings folgen. Aber -Huberrns L.angaetus war ein vertrauter Diener des Churfürsten Angustus; welcher leider in dieser Sache, Parthey und Richter spielte. Noch mehr: ich weiß, daß die Ursache, warum Augristns den L.ang«etus an den König von Frankreich abschickte, vornehmlich Grumbach war. Die Znstruction, welche der Churfürst seinem Gesandten ertheilte, ist abschriftlich in unsrer Bibliothek; und würde kein unebener Zusatz zu den NiiiNvIis k-cretis lluborti I^nZueti seyn, die L.udervig heraus- Paulus Silenliarius auf die Pythischeii Bader. 103 gegeben. Demi die ersten dieser geheime» Briefe, sind von dieser nehmlichen Gcsandschaft vom Aangucrus an seinen Herrn erlassen. V. Paulus Silentiarkus auf die Pnthlschen Bäder. Ich ward durch einen Freund veranlasset, einen griechischen Codex von Vorübungen und Reden des K.ibamus, in die Hand zu nehmen. Er gehöret unter die Guoischen Manuskripte, und stehet in dem gedruckten Verzeichnisse derselben, welches der übrigen Bibliothek dieses Gelehrten beygefüget worden auf der 538ten Seite, Nummer 59. Er heißt allda Loäex mein- lirkmaeeus, peralltiljuus, optimoo^uo notoe. Allein er ist weder insmbrimseeus noch por-mtiquus; ob schon das dritte ihm beygelegte Prädicat dem ohngcachtct wahr ist, wie es sich hoffentlich einmal anderswo zeigen wird. Nach gedachtem gedruckten Verzeichnisse sowohl, als nach unserm geschriebenen, soll dieser Codex weiter nichts als Vorübungen und Reden des K.ibamns enthalten. Bey dem Umblättern ward ich aber gewahr, daß er noch verschiedene andere Dinge enthält, unter welchen mir die Gemälde des Philo- sirams, Stelleil aus dem Anroninus und eine ziemliche Anzahl Epigramme, sofort in die Augen fielen, die alle von der nehmlichen Hand, welche den Libanius geschrieben hat, zum Theil ohne alle Aufschrift, beygefüget worden. Dieser letztem, der Epigrammen, erinnerte ich mich wieder, als mir vor einiger Zeit die Nachricht ward, daß ein Gelehrter zu Strasburg eine neue Ausgabe der Anthologie besorge; und ich glaubte, eine müßige Stunde nicht besser anwenden zu können, als wenn ich nachsähe, ob ich etwas darunter fände, welches bey dieser Gelegenheit mitgetheilet zu werden verdiene. Ztzt will ich anfangen, von meinen Bemerkungen Rechenschaft zu geben. Denn ich glaube doch, daß meine Neugierdc nicht so ganz vergebens gewesen. Aber ich fange von etwas (°) vidUolkeca Su-/-i, kilonü t?00. 104 Zur Geschichte lind Litteratur. Erster Beytrag. an, welches zur Anthologie gcwissermasscn gehöret, und auch nicht gehöret. — Mitten unter den Epigrammen nehmlich, die ich bis dahin noch alle in der Anthologie des Planades gefunden hatte, aus welcher sie, nicht ohne Ordnung und Wahl, sondern gänzlich nach der Folge der Bücher und Kapitel, ich dürfte wohl sagen, mit Geschmack ausgezogen sind; — mitten unter ihnen, stieß ich auf eines vou den Stücken, welche sich nicht in den sieben Büchern, in welche Planudcs seine Sammlung gcthcilet, sondern in dem Anhange derselben finden, mit welchem Alöus XNanmius die Anthologie zu vermehren angefangen. Nehmlich auf nL.'r^.o^ zi^ni-i^xior Zi? -v 11^5^? 5-?^«, i^l.l«^i.^3c« «j^i-kl^« xw^cx^xT'cx«. Nun ist nicht unbekannt, daß dieses Gedicht des Paulus Silentiarius auf die Mythischen Bäder, ganz sonderbare Schicksale gehabt hat. Dieses, sage ich, ist nicht unbekannt; die Sache überhaupt genommen. Zn seinem völligen Zusammenhange aber dürften es auch wohl Gelehrte nicht wissen, die mit der griechischen Litteratur sonst noch so bekannt sind; indem es sehr schwer ist, alle dazu erforderliche Hülfsmittel bey der Hand zu haben. Und nur weil ich glaube, daß ich gegenwärtig deren mehrere vor mir habe, als vielleicht noch jemand gehabt, halte ich es der Mühe werth, eine umständliche Nachricht davon zu ertheilen. Aldus, wie gesagt, war es, der hinter eine von seinen Ausgaben der Anthologie, das Gedicht des Paulus Silemianus zuerst drucken ließ. In welcher derselben zuerst, kann ich mit Gewißheit nicht angeben. Llericus sagt, in der von 15l!):(*) allein von diesem Jahre giebt es keine. Ich würde geneigt seyn zu glauben, daß es nicht eher, als in der von 1521 geschehen sey; weil auf dem Titel derselben ausdrücklich gemeldet wird, daß dieses Griechische ^ImHoFiuin nun erst cattiMtius, multisyuv sclauvtum aihvctis opiZrammatilius erscheine. Doch ein anderweitiger Umstand (und zwar dieser, daß 1619 das Gedicht des Paulus dem Aldus bereits anderswo nachgedruckt worden) be- (°) vililioll!. edollis, Lom. VIl. x. so?. Paulus Silcntiarius auf die Pythischcu Bcider. 105 weiset, daß es sich wenigstens schon in seiner Ausgabe der Anthologie von 1517 müsse befunden haben; wo es nicht gar bereits in der ersten von 1603 erschienen war. Dem sey indeß, wie ihm wolle: die Hauptsache kömmt auf die Art und Weise an, wie es Aldus zuerst drucken lassen; und diese ist zuverlässig so gewesen, wie ich sie in der Ausgabe von 1621 vor mir sehe. Da nehmlich die Zeilen desselben das Anakreontischc Sylbenmaaß haben, und folglich nur sehr kurz sind: so ließ er es, zu Ersparung des Raumes, in gespaltenen Columncn, zwey Zeilen neben einander, abdrucken; und zwar solchergestalt, daß in der ersten Spalte alle ungerade, in der andern Spalte hingegen alle gerade Zeilen zu stehen kamen, und man daher nicht Spalte nach Spalte, sondern beyde Spalten aueer durch, in jeder eine Zeile um die andere, lesen sollte und mußte. So natürlich nun dieses war, besonders da keine Linie die Spalten trennte; so ganz wenig Griechisch man auch nur wissen durste, um sich in der Ordnung nicht zu irren: so allgemein war dennoch der Anstoß, den man in allen andern Druckcrcyen, welche die Anthologie nach dem Aldus lieferten, daran nahm. Die Erben des Philipp Junta waren die ersten, die in ihrer Ausgabe von 1519, den lächerlichsten Fehler begingen, der nur immer daraus entstehen konnte. Denn da sie sich einbildeten, daß man eine ganze Spalte nach der andern lesen müsse, und wirklich lasen; dabey aber nicht genau eben so viele Zeilen auf eine Seite brachten, als bey dem Aldus waren: so kann man sich leicht vorstellen, welcher vortreffliche Wirrwarr in dem Ganzen daraus entstehen mußte. Ohngcfchr eben derselbe entstand, als hierauf Badius, in seiner Anthologie von 1531, in dem nehmlichen Wahne, das Gedicht auf ungespaltcncn Seiten, es sey nun nach einer Aldinischcn, oder der Zuntaschcn Ausgabe, abdrucken ließ. Ja endlich ging es in der Druckcrcy des Hen- ricus Stephanus selbst nicht besser, dessen Ausgabe der Anthologie von 1566 in diesem Punkte zu keinem geringern Schandflecke versehen war. Daß er gleichwohl, dieser Schandfleck, an allen den drey gedachten Ausgaben, eine geraume Zeit ungcrügct blieb, kam wohl vornehmlich daher, daß das Gedicht selbst, als die Geburt 106 Zur Geschichte und Litteratur. Erster Beytrag. eines spätern Griechen, von den Gelehrten wenig gelesen ward, und die es noch etwa lasen, ohne Zweifel am liebsten eine Aldinische Ausgabe zur Hand nahmen, deren vierte 1551 erschienen war. Dieses muß wenigstens der Fall des Claudius Ancancherus gewesen seyn, welcher 1586 zu Venedig ?auli Lllvlltiarü Hew!amk!a climotra catalscticg, in l'Iiermas tnias, latine kacta üp'ieo carmlne, drucken ließ. Denn ob er schon den Griechischen Text nicht beygefüget: so erhellet doch aus seiner Übersetzung, daß er den richtigen, welches damals noch der einzige Aldinische war, vor sich gehabt, indem er es wohl hätte sollen bleiben lassen, in einem von den versetzten überall den wahren Zusammenhang zu finden. Za diese versetzten Texte müssen ihm gänzlich unbekannt gewesen seyn, weil er ihrer weder in der Vorrede noch in den Anmerkungen, die er seiner Uebersetzung beygefügt, gedenket, welches er wohl sonst schwerlich zu Anpreisung seiner Arbeit dürfte unterlassen haben. Nur erst 1591 bezeigte Bonavemum Vnlcanius. daß er auf das Uebel, wenigstens bey dem Stephanus, geflossen; und half ihm ab. Er ließ nehmlich das ganze Gedicht, nachdem er es in Ordnung gebracht, aufs neue drucken, und eignete es dem Stephanus selbst zu, der ihn eben mit seiner Nut'a piinei^um monitneo beschenkt hatte. Nitto tid! «v?^?ov, schrieb er seinem Freunde, Paul! Lilontisni eannen, yuocl !n ^ntnologia Dpigrammatum lZrseeorum pellimo sb alitnio t^oZrgj>n!R tua; -nio-xviru! nabltum, (rioquo ouim a6uo csrmiais Zoaerv reclclillit. ?si!s. 1398. 8. iolio, ut tolst, tug!- t!vo (°). Die Bibliothek hat verschiedene von solchen flüchtigen Blättern des Morell: aber dieses gerade nicht. Und nun, wird man sagen, war denn auch wohl der Nach- läßigkeit unwissender Corrcctoren genugsam abgeholfen, und allen weitem Irrungen sattsam vorgebauet. So sollte man freylich denken. Doch wie manches arbeiteten die Gelehrten damals schlechterdings vergebens, als ihnen noch eine Gemächlichkeit abging, deren Wohlthat itziger Zeit, wegen einiger zufälligen schlimmen Folgen, von vielen schon wieder verkannt wird. Denn als die N?echelschen Erben 1600 ihre Ausgabe der Anthologie, die brauchbarste unstreitig, die wir noch bis ihr haben, veranstalten liessen, so war es für den Gelehrten, der sie besorgte, gerade als ob niemals ein vulcanius und Morel- lus in der Welt gewesen wären; wenigstens, als ob sie nie in dem Felde gearbeitet hätten, das er sich neu anzubauen gebrauchen ließ. Er gab das Gedicht des Paulus Silentiarius vollkommen in der Unordnung wieder abzudrucken, wie er es bey dem Stcphanus gesunden hatte; ohne sich im geringsten zu bekümmern, ob es einen Verstand gäbe, oder nicht. — Doch, um was bekümmert sich ein Herausgeber, der dem Buchhändler seine Dienste vermiethct, ohne sich zu nennen? Weit befremdender ist das, was nun folgt. Nach fünfzig Zahren ohngcfehr, war das, was Vulcamus und XNorellris für das Gedicht des Paulus Silentiarius gethan hatten, so völlig vergessen; war was Morellus ins besondere dafür gethan hatte, selbst in Frankreich so völlig vergessen: daß zwey der größten französischen Gelehrten das nehmliche Gedicht noch für ein wahres Räthsel ansahen, dessen Auflösung der eine nur eben zu errathen wagte. Äocharr und Huet waren diese Männer; deren letzter die Sache so gar für werth hielt, sie, als keine von den geringsten seiner litterarischen Thaten, der eignen Lebensbeschreibung einzuverleiben. Ich muß die ganze Stelle aus seinem Lommvntario äo rv. (°) LWI. «r. III. c. SS. 3Z7> 108 Zur Geschichte und Litteratur. Erster Beytrag. kus te pertinentivus allführen. per illucl tempus, das ist, gegen 1664, lclietjularn mitit aä ms Loclmrtus, l^ua roZs- Iist, ü mil^i eilet »6 insllum ^ntlioloZim exempl^r sli reperiretur carmen pauli Kilentiarü cls l'liermis pvtliieis, icl scl 5o mitterem, cle^no illo carmiiio «^nicl lentirem, so pr-xter. tim c^ulä ette putarem IIx?o-^v ir^«--^-!/, eu^us illie üt men- tio: l"o l^uiciem pro 7r^«zci-z, huse vox ignorakilis ettet, legen- öum eensero A-Iilii ceitv vits el"t primo conspeetu msxima mello carmini Iinio reruin omnium perturkatio; nec>uo ullum indo excipi polle Ien1"uiu tperavi. Z^eo allter eenluit Lo- cliartus; eui tamvn re sttentius cleincls explorata tignisieavi 6e- prenenäit't'o me, exeeptos fuiftv earminis Iiu^jus verliculos ex voteri coclice, in <^uo propter drevitatem ita el"tent deleripti, ut in ImAulis psAeliis dinas eonÜituerent eolumnas; leä eo oräirie, ut inter leZonclum primo priori» eolumn-e verl"ui primus slterius «olumvN versus ellet sukneetenclus; iecundo prioris teeunclus »Iterius; et sie porro in eonj"e^ueutil)us; at aliter taetum all incauto et imperito I^ilirsrio, r^ul oulla kal^ita lenluum ratione, totam priorem clet'er!ptit columnam, et totam öeinclo alte- ram, at^ue iclom pecestum ekle in lenuentilius pgFollis; uvclo vnata el"l"et iKa versuum et Fonüium eontutio, ^uie 5acile ta- nari pntlot, 11 restituto leAitimo oräinv luas seäes l"uiAuIa repe- terent: in voealiulo »utem «t??«^ ninil mutancluni; nomvi» l^uippe ick el'l'o regionis psittacones, r^uN et?ittaee, et Kitwee, et PMtaeo lZieeustur. Eben dieses, wenn ich nicht irre, oder doch ungefehr eben dieses, wicdcrhohltc Humus in seinen Anmerkungen über die Anthologie, die ich gegenwärtig nicht nachsehen kann. Und was soll man dazu sagen? Ich komme auf meine obige Anmerkung zurück: wären zu der Zeit des Vulca- nius und XNorel/us schon gelehrte Anzeigen und Tagebücher im Gebrauche gewesen, so wären ihre Sachen, so klein sie waren, ohnstreitig bekannter geworden, und länger bekannt geblieben. So aber wurden sie gedruckt, und kamen aus den Läden, um in den Bibliotheken vergraben zu werden; und niemand konnte sie anders, als durch den eignen Gebrauch, kennen lernen. Dergleichen kann itzigcr Zeit schwerlich mehr auch dem mittcl- (°) l.ilir. III. l>. ttt. Paulus Silcntiarius auf die Pythischen Mder. 10S mäßigsten Gelehrten begegnen, was hier einem Bochart und Hnee begegnete. Za eben dieses muß vorher mich dem Grotius begegnet seyn. Auch Grotius muß sich in das verschobene Gedicht nicht zu finden gewußt haben; auch ihm muß die Arbeit des Vulcanius und Morellus nie zu Gesichte gekommen seyn: denn er hatte in seinem Exemplare der Anthologie das mißgchandcltc Gedicht nicht allein unübcrsetzt gelassen, sondern gar, es gänzlich durchstrichen. Dieses lerne ich vom Llericns, der 1703 vorhatte, die Anthologie mit der Übersetzung des Grotius drucken zu lassen, und eben so wenig das Verdienst des Vulcanius und Morellus um das Gedicht des Paulus Silentiarms kannte. Denn er war gänzlich der Meynung, daß man die Entdeckung von Versetzung desselben in des Stcphanus und andern Ausgaben, lediglich dem -Hnetius zu verdanken habe (^). Daß dieses nicht sey, hat nun freylich schon Fabricins angemerkt, dessen unbegreiflichem Flcisse weder die zwey ältern eigentlichen Wiederherstelle? noch die noch ältere Mctaphrasis, wie er sie blos nennet ("^), entgangen waren. Sie waren ihm nicht entgangen, sage ich, nach ihren Titeln nicht: ob sie ihm aber selbst vorgekommen, daran muß ich mit Grunde zweifeln. Doch nehme ich den Morellus aus; von dem ich nicht urtheilen kann, weil ich ihn selbst nicht gesehen. Von den andern beiden sind seine Nachrichten nicht so genau, als er sie sonst wohl zu ertheilen pflegt, so oft er mit seinen eigenen Augen sehen können. Von dem einen sagt er nehmlich: 6« Paul! Larmino 77«^- /^/t/uV» iam aälloro 1!cc. r. vil. p. 2vg. <°°) LWI. or. I/Ili. III. c»i>. 28. p. «S9. ldiö. lüb. V. esp. s. lell Vol. VI. ? .S80. jjg Zur Geschichte und Litteratur. Erster Beytrag. gefügt. Auch dürfte man aus dem blossen Worte Alotapluasis nicht so leicht abnehmen, daß es eine poetische Uebersctzung in Hexametern ist; so getreu und wörtlich, als eine dergleichen Ilcbcrsetzung ohngcfchr seyn kann. Sie bestehet indeß doch nur aus 470 Zeilen, da das Original deren 490 hat, die aber freylich weit kürzer sind. Endlich sollte man aus den Worten des Fabricins schlicssen, daß Ancantherus auch den Griechischen Text mit abdrucken lassen. Doch dieses ist nicht geschehen: wohl aber hat er nicht ganz unnütze Anmerkungen, die mchrcnthcils die Sachen, und nur einigemal die Worte betreffen, hinzugethan; und dann, ausser schon erwähnten Gedichten, noch eine Dissertation «lo Mermls. Won dem andern, dem Vulcanins, sagt Fabricius gleichfalls nicht ganz richtig: 8ilent!llrii poemation nitari 5uo roktitutum kr-eeo siilijoeit KreAnrü (h'pi'ii oneomin msris I^iiAll. Lat. 1391. 8. Es ist zwar wahr, daß beide diese Stücke hinter einander stehen: aber das erste ist kein Anhang von dem zweyten; sondern beide sind Anhänge von einem dritten, nehmlich von dem ^Motolos Alulläo, wie ihn Vulcanius im gedachten Zahre in der Plan- tinschen Ofst'cin drucken lassen. Wenn nun aus diesem allen mehr als zur Gnüge erhellet, daß die Hülfsmittel, deren ein neuer Herausgeber der Anthologie zu dem Gedichte des Paulus Silenti'arius bedürfte, sehr selten und sehr zerstreuet sind; in unserer Bibliothek aber, wie gesagt, mehrere vielleicht davon vorräthig, als sonst irgendwo: so sollte ich meynen, daß es schon daher nicht übcrflüßig seyn dürfte, wenn ich mit Zuziehung derselben, aus dem Eingangs gedachten Manuskripte, das ganze Gedicht hier wieder abdrucken liesse; mit Anhängung der noch nie gedruckten Schollen, die sich dabey befinden, von was für einem Werthe diese nun auch immer seyn mögen. Ich habe aber noch eine andere Ursache hierzu, welche unsere Bibliothek, oder die (Jüdischen Manuscriptc, die man gegenwärtig in unserer Bibliothek sucht, besonders angehet. Nehmlich diese, daß Aabncms an dem obgcdachtcn Orte, wo er den Ancantherus nachhohlet, auch noch diesen Zusatz macht: Ich denke auch, daß es so ziemlich eine volle Schadloshaltung seyn soll. Denn allem Ansehen nach, ist unser Manuskript wenigstens eben so gut, als das zu Florenz, von welchem die Abschrift des Gudius genommen war, und welches wir mm aus dem Zöandinius näher kennen, in dessen cstaloZo ^oä!- «um (Zrivcorum LidliotnecN I^aurontlgni«, lom. II. p. 236. es noch unter eben der vom Fabricius bemerkten Nummer vorkömmt. Es heißt daselbst eoclex kr-eeus cliartaeeus in 4. min. 8aoo. XV. cli-iraetc-ro ur plurimum minuto vt ovanlclo. Hiergegen nun unser Manuskript gehalten, so ist es von dem nehmlichen Formate, aber von durchaus gleicher, nicht allzu kleiner, leserlichen Schrift. Auch ist es zuverlässig älter; denn es ist aus dem vierzehnten Jahrhundertc, wie solches nicht allein der Augenschein glauben läßt, sondern auch die Zahrzahl 13C>4 bezeugt, die eine neuere Hand auf den Schnitt geschrieben, und die sich irgendwo in dem Eodex selbst finden muß, wo ich sie aber noch nicht entdecken können. Etwas besonders ist hicrbey noch dieses, daß in dem Florcntinischcn Manuskripte sich unser Gedicht gleichfalls, nicht allein unter Epigrammen aus der Anthologie des Planudes, sondern auch in Gesellschaft eben derselben Stellen des Antomnus findet, in deren ich es hier erblicke. Vcrschicdne von diesen Stellen hält BanSinius noch für uuedirt, wenigstens hat er sie in seiner Ausgabe des Antomnus nicht gefunden. Ich vcrspare die genauere Anzeige hiervon, auf einandcrmal; und merke von unserm Gedichte nur noch weiter an, daß auch die Scholien desselben, welche das 112 Zur Geschichte und Litteratur. Erster Beytrag. Florentinische Manuscript hat, aus dem Anfange zu urtheilen, den Bandinlus davon anführt, die nehmlichen sind, welche in unserm vorkommen. Sie sind, ein Paar Stellen ausgenommen, von ganz und gar keinem Belange. Da sie indeß auch noch in zwey bis drey andern Florcntinischcn Handschriften anzutreffen (°), woraus man auf ihre Wichtigkeit schliesset, könnte, so würde man mir es vielleicht verdenken, wenn ich sie vernachlässigen wollte. Dergleichen Dinge muß man manchmal mit drucken lassen, um zu zeigen, daß sie ohne Schaden hätten lingcdruckt bleiben können. Es folgen nun also, erst das Gedicht, hierauf die Schollen, lind dann einige Anmerkungen, die sich größtcntheils auf die angenommenen Lesarten des Textes beziehen werden. n^^or zi^n^i^.i'io'r ei^ ?« Tri^Ii-lol? >AUW,U./Zl« ö!,u.6?^« 5c«i'a?>-izxi7lXW» LO^VLl ^«.«K-!-^, Iliü? ««^ zrö^kv voc7oi?<55 Twvxv ir^oxki.'rc» irwovv Z, '^.vce^^i-ov öcüi-^u,«, »lZ0!s>0t ?'00^c7<.v, 1^«^ zcc7>i« cr^>?^ö^x«^ki. 1^ ' i 's ' ^' ^L^ktzAk )^iZ c?^«)>^>ce? D^«^ voo'üo'^v, 1v. ixi?^ev ^v^cv '^.vr^r^k^ov ^^k^o'A'al, (°) Welche Dandinius r. u. p. 390. 46t. und r. ui. i>. ttv. anführt. Paulus SilentiariuS auf die Pythischm Bäder. 113 Ili./^o'u.u.kvov ö^, A^ktz^v Oi) r-^v ^x^""^^ ^«crx^^^» ^!^>,o^ ^cz^o'vcr^ -roTiro' ,>^xo?? Gctz^izs r'ux^^ Kwru o^u« lcr^ov, 2Z. ^L.vi>> i-^xkö ri? ?c>-^(Aki. Ilo^ov ö^xn, °rr-tzlj! o"u^cpizu,i.. Z'«^ o'ö«?, 111. ?VI'uöioo'«, ö^?zc?-ooi?0'«, 1°c> Kx^u.cl^^'u^ov ^k^tzm-, , ^ > «^^x^?? 33. ^O'x^? «v!^ I'ö ^i?^ «vw a>^>c7i?c!'«j IIo>,Xiz ^»i?r» I^o» ^ctzcr^x?z Ik^w«^ Älk?«^X6xtz^>a'ov )>«l«v. Ilotztzw, ^P-vxe »^c?^«. 'Lv «i>z/x H^Kiz-lo'llcr«^ ^.ll«^« ^ ^Hi5l0j '^.Pkzizik? k>^tv «cr^^«, öd. , /uxtz» Il^o? Xtzk^?I0 /u^io. Il^z^ ??>-kb z^atz X^^^' ö' /ZXi^^ki.' ic^ork»-^. l?g. Xa^ ?cc>^, Ltzox«^-,. v«,«,«, > ^' ' Ili-^coi/ vocro^ivrl»!!-. !Vl'c>' ' ' ö X«i «c>v ^kv'ov ^«>,«crc7^? ^ Lil. I^löa- «i'«^c>l/Zö6ii-«^. Xa^ xa<5^wrui/ xx^Vk^^ai. ^»-c>^>/i.k^ ök ^«^c,. 7^. ««^a^r,x^v >Vx l^öug iriv.tzö^ 0?^Zc>? ö6 k<^i^ lri^/iwrc^,- AX«i?k>^. '<)<^ ^^z!)>z) ^L^v ^kzxz'vo'!, k'^ ^ > ' " ? > ^ (Z^ktz /Z«/„^I' kl? «lKtz^ci^oi?, >^^0'v0'lV «>-^o, 'Lä oi> »ik»' !kx^>si«?, ^i?i'ov /Z^k^kl c?k ^>c^o?' Idö. tzoTi?, lo ^«vi,.«, ^V^ov -rk>ik? -rö ^tzwzi^«, ^itktz«l? 01.' -c^k!-^«^?. ^xzxmo'l «iz-^?'^,-, Hit? -ra^öi-^c)? c>x^k>^ ^c^u,«^o? ztoe^ovro? 11(1. ^.v^x/tö? k<^l »«cs«, 1ltzc>X" ^k^o^? ök «vkc7K«l ^c>l?' ^O-^ « ^' » " i ' kl c7^i? «>/>^^? ii>.^?. 120. >^izic>i>cr^i' k^vc« ^H>,-x^iZov - «)>c>^cr«? ?ö x?^>^ll.0tz^?ov x^öo?. ^!i? öaxtzTiciv ^otiüöc?, Likkt?« ök irk^oiIrwi. 5Z ?oi> ä?i'0i> iik?«)^oi>. 8» 11k Zur Geschichte und Litteratur, Erster .Beytrag. ^ki?tzc> r^-ci.c>ii? ^pxtzx^ ^-o'uA^v«^ ' L-;^ rtz-x^'"^^ l'o'ü? «x^^u? rtz^iziiov?«?. Hcrtz«? «aitvo; Ilwvri-i? c>"/Zcc7kt? 10 o»vov. > A'ktzo'u? Hi?^ oic^? wvi.ci'xk»'' lötl, X-^ui^o? TiSlltz Sx. ^I'o'vs kx^^ ^ ^-I-tzov ^^.skrovr«? «ikt ö»Sa?, ? ^^öi ^-ux^^^, X«^ rizv cs>i^k^Atzov /i,^tv O^rl^ Hi'uo'ki? w^k^goTi? O ö-cs-conz? «Zkwvri^v Xitzv«??', sr^kxu?', c>-.ök. Paulus SilcntiariuS auf die Pylhischcii Bäder. 117 163. Iltzoz ^«1?^!,« X«! Xcntzktwv G^ucr-l? o"«<^l?z I'o'urov ««>,3i. A^kov <7oi^, l'o'vrov PctV5«^ov, 7^izri?v zr^öz ktöo?, 17t). ^k^ki-; z)6 zkrcitkiV. ^.^?/70v k-^i. ?ttz«)>^«, ^^x^öv ^«v^«, '^.vvllZX^I'^^^u.'u-^civ, 176. '^.^tz ^ro>--^ö?c^6Tig-ov, 'Lv zr«vcröz?li> x^^^V, 18V. 6' «i5 /Z-!/Z>-c>-, /Zowo-t^, ö' «i? K«^ -r-.-^-.? zccivrio; Hc-A'cliv öc, xa-, <^^<7klg' 130. ZVlk^o^icrt« 7v x^c^Trov. ^ X 0 .V l ^. 2. '^-x^o^ 7v ^ ^I.k7« 7kx^s kVktz)-^«? 7lvo? )>lvou.k,-oi- c> /.^c^ai. -V7w^>^w' ro xvavr/ov 10 7kx^?^o^. «^X^^^ ^ , - , . ^ , - , » .^z kllz^>«crarc> ^xv 7^?, k^7kX^>->?. V ki^«V7i.ov 70 kV7kX">'c>^'» «7^x^o? 76x^i.xc>?. x«! «5kx^6? ?c«tz« 7i-7 ^ko>-c>^-iji I^izz>o!>i,lj! ^ x^?^? 7kx^^^ 0"UVI.<^«^k^->Z. 12. ittzoo'xk? övo crcr wcpkl>,k ^>>z«i^k<7^«l. k^ki. x«xoz>u- ,.' - « ' /,-^^ , r > " vov k)>-.,-67o 0-U7I,)?, «zeo/Z«>-/ikl 70 cr. X 70 ^ticio'x^« oi>» ra'ur« 11« Zur Geschichte und Litteratur. Erster Beytrag. c»«o/Zä/^kt -ro 0°, «5o ^iz? »tzo? ^o^cc7-^s ^oi? c7u^ri^k/<.c vov, «a! ol?« k^t^«Vkt«V. 49. '^.o^^i,« wv«^voiz' c^iz o^vro? w^a^?'6o^ci'. «vk^o? ?to^,^>.!??' xcü a-^tz öl«y>ktzvi.'c>'l "rc? ro 6 i^c>ioi?i/ l^öZov ' k x>« 76. XTi/^ot ^uoi? cu/Zt!lr>? ^«tz' «^^D-r^io^?, x«t ^o^^wöc? «ö^tv ki^o^k 70 ^>cl?x>-köv öi?Xc>?' kvcor6 7/i.« x^tziov, ^Xo^uös? öc 7l!iv icaz^ciov ^tzlüv ««l xc>X>^ri- 83. ^(ZX,x?z o ^-«^ö?' «?cö ^o^u <^«A'/i,o'U /Zatz"U!^«^u.ov ?^xi-!ö^?, o iw c-r^ iizv öo'P'üv ^i-rio?' xa» <7^cri. 10 srkit'uxi-u.u-vov x«i o'^x^crxo? iö kgko'.u.^vov ^Xov, ^. i^uiron «V7llvu,>ll«?, xa^ crcpk^^v kir^ zik^tx^? «o^ri,x!?s wi-ii> 101? cr^)l?2^ 93. X^'u-^a^^o? io -r^^iz^k^ov Ti^ö ^-v^ov?' xtzi^o^ iö -l»^>io, ^it>-<». x^o?crc>? x^tzlc»', o? i!?v X^uö^, oi^Ko^o»'. .a^ i^!u.c!? o 101? «tzöitzon c>?--«^ ö-^o?c>>ii' x«^ o i^? a^w°^? ' cl" ^l?c7cl iä i-i«>i^Vov 10 ü-^u.« x«^ > tiov iizw^'ll ük^öl>uv tzvcc' x«! ^c>7^o » o ^011 ^iitzo? ^ xat j?c>^^izöoi^ /^kiw u?. --^0' o ^xo? «c» ix«- ic»? ^«xo«,' « ' oil rö ^u.«xl>c>KkV !l6^?ri>ii/ il» x«^ kx«ktiziOl,', ?^ kxwiöi' x«^ xxitziou« /?tz6 oVKc,^z>«. 12V Zur Geschichte und Litteratur. Erster Beytrag. «lzi«5o?, öctz^u.« i^? a^aXA-kl«?, ö czp«?^ <7k!wv o ^k^v? opo,?ktzö? v'u H>ktzkz))>'vc>? o «4ioxtzklo?, «»^ ^»x^-uov -rö "u^ö^tzkiov, i^tX«. /i^ovov ziwtz 10 u -ro^uroi.? xu^p«^6l, x«t ^0 kVi«^ «i'wzix^? 70^« zi«^ ^ o'M^Xlw^'i.xov k-^lV o^ov -7^? k/^? «^lor^o?' ?z A'cl'u- ^.a^xöv o^ov > k?k«z,o,u,i»^v. a^a/ZX«g-^crki>!? ?ü>v /Zor«^!?v, «c^ «?co ?o'urc>'u x«! k^' «X>,d>v. «vkX^ X^?^? kTix^? ^-«^ «i'-x'^ /?a<^«^u. Anmcrkllngcii. Da ich in dem Texte des Gedichts vornehmlich unserm Manu« scripte, aber doch nicht in allen und jeden Stücken, gefolgt bin: so muß ich hier anzeigen, wie und warum ich entweder dabey geblieben, oder davon abgegangen. Zugleich wird dieses der Ort seyn, wo ich die Glossen einschieben kann, welche Vulcanius ans seinem Manu- scripte mitgetheilet, und die er, wie wir gesehen, von dem Thrysoloras zu seyn vermuthete. Sie sind zu dem Verständnisse des Gedichts mehr werth, als die ganzen vorstehenden Schotten, Von den Noten des Ancanthevus will ich mir das mitnehmen, was er, zur Erklärung des Wortverstandes, etwa besonders aus seinem Manuscripte beygebracht hat. Wo er sich in die Sache einläßt, und entweder die wunderbaren Eigenschaften der von dem Dichter angeführten Quellen und Gewässer zu erklären sucht, oder die ähnlichen Nachrichten anderer Schriftsteller anführet, will ich ihm nicht folgen. Doch kann ich, in Ansehung des letztern Punkts, nicht unangemcrkt lassen, daß ihm gerade diejenige Schrift, aus welcher Paulus Silenriarius das Meiste entlehnet, nicht beygcfallcn. Ich meyne den Aristoreleö -c-^ /-.«cri^v o-i.o-vci-^wr^; ob er schon auf andere Werke des Aristoteles Paulus Silcntiarins auf die Pythisch-n Bäder. 121 sich häufig beziehet. Ich werde einige Stellen daraus beybringen müssen. Z. Z. '^»^-utzo^ 2tldus liefet «-uL-^z^ov; und vulcanius Stephanus aber, wie unser Mannscript, «v«MTitzov: und dieses ist das erste Merkmahl, woraus erhellet, daß StcphannS einem andern Texte gefolgt ist, als dem Aldinischcn, ans welchem die Versetzung des Gedichts entstanden; und diese Versetzung also, in seiner Truckcrcy vielmehr vorgefunden, als gemacht worden. Daß -«'U6i.v, ^>k)>^xv«^, ro'Ui'oTi ö6 -ro «tz>,u,« o^uic ^crikk^ o^ö^ ^ili. III, H. 97.) F. 7. "Lziuz^ vulcanius hat blos durch einen Druckfehler. Z. 19. 20. u. 21. fehlen in unserm Manuscriptc gänzlich. Ich habe sie aus den gedruckten Texten hinzugefüget, weil sie schlechterdings nothwendig sind, wie aus der 2Ksteu Zeile erhellet, wo der Dichter zweyer Meynungen gedenket, deren letztere er seines Theils vorziehe. Warum aber gerade drey Zeilen in unserm Manuscriptc fehlen, ist dieses die Ursache, weil das ganze Gedicht in drey qneer- uver zn lesenden Columnen geschrieben ist. Z. 26. il->"ov Der Deutlichkeit wegen, mache ich auch hier ein Fragezeichen, ob es schon weder die gedruckten Ausgaben, noch das Manuscript für nöthig geachtet. 122 Zur Geschichte und Litteratur, erster Beytrag. Z. 33. .S-k^o/Z^-u^o^ So lesen Aldus, Vulcanius und das Manuskript. Srephanus aber liefet ^-^o/Z^^ov. Md dieses nicht sowohl, meyne ich, durch einen blossen Schreibfehler, oder Druckfehler, als vieliuehr durch die fehlerhafte Sinschiebnng des welche die gemeine Aussprache in mehr solchen Wörtern machte, und die phrynichus in anstatt »«^«^-..ö?, tadelt. I. 34. «^T1X<-S^ 70 r>ktz/-.ov ^l-rico-h«^? -x^i-llxo?. Vulc. I. 3^. rkX^S «VLTI^ x«t x^?^? I^x-^?' xzrc^ w-l^x»^ " ' ^' - , » " - , r ««l, ct^k^ov i.wci'-i? -coi-i, (^c7-tktz o l-c^o-rtzwi-^?. Vulc^N- Z. ebend. v^o-oe) Zlncantherus verstehet unter dieser Insel vornehmlich und eigentlich, Sicilicn. Z. 4t1. o^ö-v) ^vr-^l, -lu^e. vulc. Für das darauf folgende 9>-tz"v, ljxfxt das Manuscript fälschlich P-^. Z. 41. i'^«^« kl^öl'«?) So lesen, mit unserm Manuskripte, Aldus, Ancanrherus, und Vulcanius. Nur daß der letzlere in seiner Händschrift die Lesart ^ö-/«?, an den Rand geschrieben fand, welcher auch Stephanus, aber ans einer andern Quelle, gefolgt ist. Jenes ist unstreitig das rechte: denn Medea hat hier nichts zu thun; ob ich schon weiß, daß Lolchis, das Vaterland der Medea, bey dem Flaccus V. v. 464.) I'itania tellu8 genennet wird, und auch bey dem Apollonius (I.ib. IV. v. 131.) der Name vorkömmt, den man im Fall der Noth hierherziehcn könnte, wenn es schlechterdings >^s-/«z heissen müßte. Aber unser Dichter meinet Medien, wie aus der Stelle des Aristoteles klar ist, die ich iu der folgenden Anmerkung anführen muß. i^«^'« wird auch gewiß eben der Ort seyn sollen, welchen Aristoteles '^^«v/» nennet, und der an den Apolloniarischen Grenzen lag. Die Gegend Apolloniaris aber rechnet prolemäus zu Assyrien; und weder bey ihm, noch sonst bey einem allen Erdbeschreiber, kömmt dieses i'-,-«,',!«, oder '^li«^« vor, von welchem Aristoteles meldet, daß in dasiger Gegend ein Felsen sey, dessen verborgenes Feuer auSbicche, sobald mau Oel darauf schütte. O«o^ «ou ^r^«?'!,«!/, »lZvz ro?? o^lvl; ^.^oXi^i^cmüo-z ^vai. ^i'« zr!r^«v, ^ -rö /ikv cpv^öv c>"u cp«?-ktzöv kikki- llebersetzer des Buches des Aristoteles -r-^ 5«-». '^>.->^o-. woraus diese Stelle ist, hat für gut befunden, -o?? o>zl'c>^ hier durch juxt» volles .^»Uouiiüiilis zu Überseen. UebrigcnS könnte cS leicht seyn, Paulus Silentiarius auf die Pythischen Bäder. 123 daß unsers Silentiarius richtiger wäre, als des Aristoteles '^-«,/«z indem der Ort vielleicht von den Titanen seinen Namen bekommen, deren Wohnungen man unter dergleichen feuerreichen Gegenden zu seyn geglaubt. N. 42. -r^o--,^ Dieses ist die Stelle, über welche Dochart insbesondere den Huetius zu Rathe zog. Huetius hatte Recht, daß sie nicht geändert zu werden braucht, und daß il-^«-», hier nichts anders ist, als die Gegend ^-----«x^, oder welche PtolemänS gleichfalls noch zu Assyrien rechnet; andere aber zu Persien. Der Beweis hiervon ist der Ort des Aristoteles, welchen Paulus ausgeschrieben: "L<^ x«^ kl-izö-,« x«! ^-.^«x^ Ilk^o^öo? zc^w x«i,o,u,iv«, -V ZVlizä-,«, o>^)>ov, Ä ^t>i7«. x^v?/, -roXv, x«^ x»^«^c>v -rA >z?^o^i. Z. 43. ^öl«1 Auch dieses sagt der Dichter nach dem Aristoteles: ^k^-i«,, öx xc» »6^^ ^V-uöt«v «vctcp-tzkcri^«^ W^^Kx?^ x«^ -5<^«s --rr«. Aber ich bin sehr geneigt zn glauben, daß es dem ohngeachtet falsch ist, und daß für bey dem Aristoteles ^-^«v gelesen werden müsse. Denn in Lydien findet man, so viel ich weiß, keiner feuerspeycnden Berge gedacht: wohl aber in Kycien, wo der Berg Chimära und das Hephästion bekannt ist. I. 44. /lki«>,XoXtz'u<5ov^ ill el^t, ^crcc^o?' x?'^'-'^^ 6X<>'uc7«v. Vulc. In der Aldinischen Ausgabe befindet sich nach -r^o-uro-uo-« xj„ Komma, welches den Verstand sehr verdirbt. Es muß -rXo^. »ermittelst des unterverstandenen x«r«, mit dem folgenden ^«t. verbunden werden: „reich an goldhaltiger Erde". Z. 46. «. 17. x,.^ Ebenfalls nach dem Aristoteles: x«^ r« x^u <^>,i?v ^llzwxXkt^v xou^o'I'a^, ?w ^iki', öi,« irccvroz' 6-, vuxrutz /tä^ov, ^.vvuvo? -cclz^?^^? ^o^67. Namentlich erzählt Hanno jenes von der Gegend der Thvmiamatcn/ und dieses von dem Berge Theon Ochema. Daß wegen dieser nehmlichen Citation des Hanno/ Dodwell dem Aristoteles den Tractat -r-iz^ A--^,«.. «xo^ucr. wo nicht gänzlich, doch zum Theile, abspricht, ist bekannt. Z. 47. il^xo-üo'«^ Aristoteles setzt diese Insel mit Lipara nicht völlig in gleichen Fall, wie hier geschieht. Denn er giebt ihr keine wirklich ausbrechende Flamme. 124 Zur Geschichte und Litteratur. Erster Beytrag. Z. 48. ^-r«tz^1 wie der Insel Lipara. ^ ^.i-r»^«, sagt er, in Fortsetzung der nächst vorhergehenden Stelle, o-ü ök? «a^ ^xroitu?, ««^ö^cvciv. I. 48. -/^Pk^^ki; «cr^i,«^ crxo^6^vöv «^«op'uci'^«. Vulc. ^cr^i.« hcissct hier nicht die Luft, welche anSgcstossen wird, nicht die AuS> stossung derselben; sondern der Schlund, wodurch sie auSgestossen wird. Und sonach, glaube ich, hätte cS der Scholiast auch lieber durch «vc-P-uo^o-l?, als durch «^aP-vo^u,« erklären sollen. Denn auch »v«. z^-r^u,« heißt nicht die Kluft, aus welcher der unterirdische Wind bricht, sondern dieser Wind selbst. '.^«^-vo^u.« <5- z»??, «v--,?^« «vw cs>?tzc>/^6vov i-^v /Z'uF'o'U r^vöi; ?z >?^/t«^o? «vwöoo'i.v, sagt Aristoteles -c-tz! «oo-^o^i. Oder wie es Apuleius ausdrücket: ^na- plizslemaia (Ziseci vocavt eos kniilws, crui äe kuncio vel Inativus lerrae exvloli, tupeiua maris lolellt deveuiie. Z. 61. ökls^ icl ett, sco^^xo^>? /Zlzovra,,- «cpiS?^«?. Vulc. I. 66. X^I^zv^ Zko^k? ^^1^?. Vulc. Z. 67. ^-^"1 Wenn es seyn mußte, so liesse sich dieses ^ -ro^v ^o^xov. r^>ox»'ki^ 7tz^x^^» Vulc, Z. 61. ir^vM «-. zrr?zvov «xo?, Itoe ett, vulc. Doch diese Lesart ist nichts: ob sie gleich auch unser Manuscript hat, indem sowohl der VerS, als der Verstand -r-^w,', das ist ö^-'-ov, crfodern. Der Dichter dachte vielleicht au jenes ^6«- 70? >?i^tzk^l>,ai^ov in Sieilien, ki? c> 56!«>lzi,u,xv« OtzVkiov ««^ iiöv Xo^iüv ^üuv, orav «zto/Zacpii, wva/Zio?; wie Akistotc- lcs sagt. « Paulus SilcntiariuS auf die Pythischcn Bäder. 126 Z. 63. ^o-^tz-»^ ick oK, ^!-?o? -^otvi!iv. Vulc. Eben dicsc Erklärung giebt auch unser Scholiasi, und bestätiget sie aus der Analogie; welche Stelle ohne Zweifel noch das Beste in ihm ist. Denn, allen von ihm angeführten ähnlichen Worten ungeachtet, dürfte mancher Gelehrte das ^'---1^0^ doch mißverstanden haben. Wenigstens sehe ich, daß dieses Grutern widerfahren, welcher in seinem Exemplare der Anthologie für /uo-^ov an den Rand geschrieben hatte ,ll<5z^iöv; cS sey nun aus dem Heidclbergischen Manuscripte, welches cr verglich, oder aus blosser Vermuthung. Ich habe seine sämtlichen Randglossen aus der gütigen Mittheilung des Herrn Reiste. Was Ernter sonst noch unserm Gedichte beygcschriebcn, ist eben so unstatthaft; ohne Zweifel, weil cr eS bey dem Stcphanus, dessen Ausgabe cr brauchte, in der Versetzung nicht verstand, und also auf gutes Glück nur rathen mußte. Z. 64. ^-crov A-«^«---?^ malim ^<5?z?, vulc. Dieses, dünkt mich, ist noch etwas mehr gesagt, als Ancantherus zu verstehen scheint, wenn er cs nur von süssen Quellen, nahe an dem Meere, nimmt, dergleichen er die zu Venedig anführt. VonokÜ8 uemo nelcit, «kluari» iir liltore 8. Nicolai ello vutoum nhuoe ckulois, unclo uanloe vrokeeluri eommeatum parant. Den eigentlichem Sinn druckt plinius auS: Vanorant (ac^use caliclve) et in mari ivto, c^use I^i- eiuü <üia8li 5uorv: weäios^uo iul.gr lluetus exittit »liquid vllledll- ckivi tnlutllrL. (I.ib. XXX, 0. 2.) 5^. 66. «ö«^ «iZ^c>i./Zö^^«!.^ "ro^rk^z »IZZI^ »Vksz^krc», vulc. In unserm Manuscripte ist -ttSc^ ^in Properispomcnon; und so hätte ich cS nur immer mögen drucken lassen, da das -> der ersten Sylbe von Natur lang ist. Z. 67. cktzo^cx^xo?'^ ick -ttzvz-^xöv. Vul. Z. 71. "cho'zM ^«iZ ,oTir«^ nc>n öo>/r-Tlrtt5, ^iiao in», onla Iiseüt Ilsotenus in omnilius imnretks. Auch sogar Vulcanius ließ noch ö-^v'ur«-' drucken, ob cr schon in seinem Manuscripte die Lesart ^o'z^ Z-o^o-vr«-, fand, ^öxv ist falsch; es muß ^oz^u hcissen, wie aus dem entgegengesetzten «lvo-u,-^'^ des folgenden Verses zu schliesscu. Aber ^o>>O^r«-. ist recht, wie aus der nehmlichen Entgegensetzung des erhellet. Indeß dürfte freylich wohl das ganze 426 Zur Geschichte und Litteratur. Erster Beytrag. Wunder nicht anders Statt gefunden haben, als wenn der ^<>?>o? mit ">I>o?>v geschehen. Und so läge in der falschen Lesart wenigstens die Erklärung des Wunders. Z. 76. «ciK«^x?i^ 1(1 ?k«K«Hc?kKiv «o^i-i,--.-^. Vul. F. 77. 78. Diese zwey Zeilen hat unser Manuscript mehr, als alle gedruckte Ausgaben. Nur Vulcanius fand sie ebenfalls in seinem Manuskripte, und theilte sie daraus nicht in dem Texte, sondern unter den Schollen mit. Ich habe mir kein Bedenken gemacht, sie in jene aufzunehmen. Ancantherus muß sie in seinem Manuskripte nicht gefunden haben, weil in seiner Uebersetzung keine Spur davon erscheinet, auch er ihrer in den Anmerkungen nicht gedenkt. (Es ist hier noch eben Zeit, einen Druckerfehler in meinem eigenen Texte zu corrigiren: s^-lzoi?-?^ muß heißen s/^otzo-u^v.) Z, 77. 'o'A'v^äl' ?t0lt?v. Vult- o"vv-5izxori, -ta^ rrw-cr-xi^i^v. Vulc. Aber Vulcanius accentuirt falsch x«-"^. Z. 83 - 86. Den Sinn dieser Zeilen hat man leicht weg. Der Dichter will nehmlich sagen, daß es eine Quelle gebe, in welcher alle leichte Körper zu Boden fallen, und alle schwere oben auf schwimmen. Allein wie ^ «o-u^v, wenn es zu ^ «x^v gehören soll, soweit davon getrennet worden; oder was r^v wenn --^ xo^z-^v zu ip'uo'-.v gehören soll, Hintennach für sich allein sagen könne: das kann ich auf keine Weise absehen. Wenn es der Vers erlaubte, würde ich «x^-zv an die Stelle des cx^mv, und z^?-» an die Stelle des «x^-zv setzen; so daß ^o-iv so viel wäre, als ««r« i^v P-u-r^v; das ist, „eine Quelle, die ihrer Natur nach" u. s. w. Doch da x-üo-iv da nicht wohl stehen kann, wo ich es hinsetzen wollte: so denke ich, ist der Sache nicht anders zu helfen, als wenn man unter 9^-^»- ^ xo-vz^v jeden leichten Körper verstehet, ^ aber in -5? «xv^v verwandelt, und es mit o/^v /z«tzk?«v mit den schweren Körpern verbindet, die in diesem Wuuderbrunncn, wie Spreu, oben auf schwimmen. — Was den Brunnen selbst anbelangt, der besagte doppelte Eigenschaften zugleich habe, so dürfte er wol nirgends, als in der Einbildung des Dichters zu finden gewesen seyn; indem alle die alten Schriftsteller, bey welchen er vorkommen könnte, und die sich doch Paulus Silentiarius auf die Pythischcn Bäder. 127 auch kein Gewissen machen, ein unglaubliches Ding mehr hinzuschreiben, davon schweigen, Eine Quelle, oder sonst ein Wasser, das entweder die eine oder die andere Eigenschaft allein hat, ist etwas anders: und Ancanrherus hat sehr weislich gethan, daß er sich in seinen Erklärungen auch nur hierauf eingelassen, und sich stillschweigend stellt, als ob der Dichter auch nicht im geringsten mehr sagen wollen. Z. tz4. «oi^v) Unser Manuscript liefet «tz^z^z ohne allen Verstand. Z. 86. o^-^v^ o>-xiz, o Vulc. 87. /llx^o? <5oi,^ <5^o,-o?i. Vulc- Z. 94. " v-u^I Vulcanius liefet in seinem Texte vollkommen eben so. Aber in den Scholien liefet er v-v^v, und erkläret es durch ^ö-r-o. Ich verstehe dieses nicht, uud glaube, daß es nicht ^o-ü-^rio sondern c^o---^ ^ö^u, nicht an einem ungesehenen Orte/ sondern an einen» unbedeckten Orte hcissen, und also das «l'Ktzi«^? erklären sollen. Z. ebend. «^^«^0^^ Unser Manuscript lieset falsch «^tz^ci>.oi?. I. 97. »tzczxv^«?^ ^ »tzoz kvrw^A'ce i^v kt? ?ö k,u.^tzo?K'6v 0iZ/i.^v 6->z>o?. 1?ul. Z. 98. ^-6,0" /ZX-k-t-!, So lesen die gedruckten Ausgaben alle, und auch unser Manuscript; deswegen ich nichts ändern wollen. Indeß ist gewiß, daß /Z>.--c--, nicht Statt haben kann. In dem Grurerschen Exemplare war dafür an den Rand geschrieben Doch ich meyne, daß es einer so starken Aenderung nicht einmal bedarf, und daß aller Anstoß gehoben ist, wenn man nur anstatt /ZX-n^ liefet. Der Dichter will nehmlich sagen: wenn du dich nach ihm niederbückest, <5-6vov M-^?, so siehest du daß es sich zurückgezogen, <5- z>ki?),ov z^s .».^tzos -o? i'v xo>.-roi,s und dich gleichsam in den Schoos der Mutter Erde fliehet. ES war natürlich, daß auch Ancanrherus hier anstieß. Aber er suchte sich auf eine andere Art zu helfen, die ich mit seinen eigenen Worten anführen will, um dem Leser die Wahl zu lassen. t!c>äex Zrsoeus improsfns cari-upius, ulii loriptum okt, n^uocl lontentiaiu perfpiouo corrnmvit: moo uorionlo loAatur - iä okt illum, sut 5o; vt nt l'onl'u8: ox cxuo konto csuiscini8 pro- nu8 uilierit skpieiat lo i>I, illn tuli korr.i« kiiAienko cleloii. 128 Zur Geschichte und Litteratur. Erster Beytrag. Z. 104. '-^.^v ^o-vo-l, «. r, Ti.Z Diese Quelle war in Sici- lien, auf dem Wege nach Syracus. ES sind fast die Worte des o'urk o°urc "uSiotz cxo'vo'« c7^>?'«^«^?^<7«vro? kl? löv ?-oitov ox^o^u sro>,>,0Ti, ?c«tzk0'x^^ "uölotz wcp^cz,'c>v. Z. 108. /Z-/Z«lc>T?»?«i. Vulc. Aristoteles sagt das nehmliche von allen Brunnen zu !M'thepc>lis an dem Ascanischcn See. Ilktzö Ä.o'xciVtWV X^I-VIZ»- ^l^.A^zto^t? k-^l, <Ü^U,1Z «It-X^D^ I^ioTi l^' -^«ö/o'u? kx«iov k6>ol7ö' ^ rc>i? ^kl^i-^vo? "r« cp^k«^«, ll-^x /.^ xvSx^ko'A'ccö /Z«^cei> ?o «^^kioV loi!? ^^c>-u? -rXiztzoi?r«ö 7o-u ^-o,^«io?. Diese Stelle des Aristoteles ist in der lateinischen llcbersctzung in der Ausgabe des du Vall ganz übergangen worden. Auch hätte Mvthepolis, ob es schon nur ein Flecken, doch in Ansehung seiner ziemlich bestimmten Lage, und aw geführten physischen Merkwürdigkeit wegen, im Cellarius eine Stelle verdient. Z. 109. A^^>n>z?I M^u.^vo? Vulc, F. 112. ccxo^-i? «. Das nehmliche, vollkommen mit den nehmlichen Worten sagt Aristoteles von dem Ascanischcn See. Z. 117. -c^-o-A-«-, Z Unser Mannscript liest -c-.cc^-c?^cu; aber wider das Metrum, wenn eS auch schon noch einen Sinn hätte. Die Nachricht selbst von diesem warmen'und stinkenden See, ist abermals aus dem Aristoteles. Er soll an dcm iLridanns gelegen haben, an dessen Ausflüsse die Elektrischen Inseln von den Griechen zu seyn vermeynet wurden. Wenn aber der ganze See nicht mehr Grund hat, als diese Elektrischen Inseln in dieser Gegend: so verlohnt es sich nicht der Mühe, sich noch auf dcm Erdboden nach ihm umzusehen. "Lri, 66 >^',u,v?z -MX- ?r>,izo'i,ov -roi? ^0I«^,0T1, 'uökitz Kx^iiv ocr^?z ä' wir' wi^rH? /Za^ii«, x«! A»>-kicöv «ico^k-v «^oK^cr^!6. Z. 120. 'Lx-^j daselbst: nehmlich um besagten See; also nicht einmal auf den Inseln selbst waren die Bäume, welche des Elcktrum fallen liessen. Und eben so war es auch dem Aristoteles gesagt worden : «T^H cu^>k!,tz0'u? ?co>,^«?^ i^v ki-zkiic^ ro ««^o^<.c» l I^K' Paulus SilentiariuS auf die Pythischeu Bäder. 129 vov ?z^k».7tzov. Oi^ ö6 Xk^o'ucriV o^otov «tva^ öi« 70 ä^ocrxXiz» tz"v>-^c7^a^ loo°«v^ XiK'ov. Z. 121. Z?^7I?^ Was dieses Wort hier sagen soll, und was r-?v «l'z'-l'tzov? mehr oder anders bedeuten kann, als das blosse a^-lyo^s, bekenne ich nicht einzusehen. Z. 127. "ii ro^ ^«^o^ „O des sonderbaren Metalles!" Dieses macht einen so guten natürlichen Sinn, daß ich gar nicht begreifen kann, warum in dem Grutcrischen Exemplare für « ro-u bey- gcschricben worden -^xtzoi?. Daß das Beywort blaß dem Bernsteine zukömmt, macht es nicht aus. Vielmehr werde ich dadurch in meiner obigen Vermuthung, was es überhaupt mit diesen Randglossen für eine Bewandtniß gehabt, bestärkt. Z. 129. S-tz" 705o? «. Auch von hier bis zu Z. 38. ist der beste Commentar die Stelle des Aristoteles: H^o-»' -'vc--, « iio- Xi5xtzi7o? o 7« 2i.xk>,^x<» )ik^iz« « , '5 > - » « ziki.o'u, /»l/i-i'lov 71, k^ov 0v «<7zci,oos 70 ^ktzl/i k7tzv»-' 70"U70 o ^ivvo'ao'Aou Xtz^i^ ^X'^, a^^-?^«^ kt? t^v^o?' kwv <5x xa! /^«>,?»c>v scXai'vi'kci'A'«^' 7i; k^? ?kk^7^xov7« «v» <5tzi?v 'uzcoöox^v ^i-kl^ov ^tvo/^kvov öik'vtz'ui'co'K«^, Lzkktöwv öx 70i?7ov 70V «^t^u.ov >,w/?7ii ex /Zw^ov? wvo^öo'vi- kx/Z»>,Xkti- ^k7kll^« 7ll cru'/i,«?« 7i?v >-o^>o^cvuv s^u 70 köaz?o? Z. 132. «k^^cr^xv^v^ ^i^u.-.>V 70 xalov, 70"U76^iz 71ZV ö'UVtt.IUV. Illld diefe Lesart des Vulcanius hat auch Stephanus; zwar nicht aus dem Vulcanius, sondern entweder ans der Ausgabe des BadiuS, oder der Juntaschen. Doch da -x'^ sich nicht anders, als auf ««5-05 beziehen konnte, welches mir nicht so recht schicklich scheinet: so habe ich dafür unser -cr« vorgezogen. Wenn indeß diese Beziehung doch Statt haben konnte, und sich von dem Rauche allerdings sagen liesse, daß er das Feuer verberge, ob es schon eigentlich der Fels ist, der es verbirgt: so konnte eben so gut das ohnedem in das Metrum ^ ?essingS Werke ix. 9 130 Zur Geschichte und Litteratur, erster Beytrag, passendere «^^r-^ beybehalten, und der ganze Vers gelesen werde», Xy-UZttM' k<5U ?0 X«t0V. Z. 141. <5«Z?I?^ i«l elt z-cn^tz,?,'. Vulc. Z. 142. "^>-a^ov So lesen die gedruckten Ausgaben alle; und so liefet auch unser Manuscript: nur daß dieses anstatt hat; welches wegen des vorhergehenden wi^a^iki? nicht so gut ist. Sonst bringt Vulcanius in den Schollen, ans einer alten Abschrift (ich weiß nicht, ob aus der selbst, die er vor sich hatte, oder aus einer andern, die in der scinigen nur angeführt wurde) eine Lesart bey, die wegen ihrer Leichtigkeit den Vorzug verdienen würde, wenn das Metrum sie nicht verweigerte. r°tz«?>. ?k«>,«^oi? «,^^«- . e -, ^?c>^> c^ouov 'v^tzg'a^a?. Z. 144. -g-^a^-l -M^k, vulc. I. 146, ?c«»^n->?^ cx?t«^o?. Vulc. Z. 147. ^->-rc>^ /Zl.?>,ol. Vulc. cbend. ir-i-tz«?'. Vulc. F. 1.??. ^^ovr«? ö«s«?^ Diese Zeile ist weder ganz so, wie sie unser Manuscript liefet, noch ganz so, wie sie die gedruckte» Ausgaben lesen. Ich habe ans beide» eine dritte Lesart zusammengesetzt, die mich die nächste zu seyn bcdünkte. Aldus hat: «-non«? «i-!ö«,,^as; Vulcanius/ «nm^-.? c-^!s«^«?: aber das zweyte Wort, ist kein Wort. Dieser bringt also in den Scholien, als eine Lesart seines Manuscripls, dafür bey: <5«s«?; und diese Lesart fand sich vor ihm, auch schon von dem Stephanus, und wie mir daher wahrscheinlich, auch von andern Ausgabe» angenommen. Daß es mit dem ü«s«? darin» seine Richtigkeit hat, ist wohl unstreitig. Nur möchte ich für «o-^ dem ungeachtet lieber lesen wenn es auch nur wäre, um von der alten Lesart, die auch unser Manuscript hat, noch so viel als möglich zu retten. Dem Sinne nach, dürste beides nicht weit auseinander seyn. Z. 163. I^!I>ö^ 5Ä«7"Ü ö I^IZkHlä,»,kP0V «IVk? 50,' wktz«. Vulc. Z. 166, 7Tio^«,, I 50'urc-5'i,, oy'tzio'ur«,.. vulc. Z. 167- ^^^"I? oir^^ «?rö or^. Vulc. Z. 168. i^Si^ ist die Lesart unsers ManuscnplS, wofür die gedruckten Ausgaben alle ?/>^ö^ lesen. Nur Vulcattius setzt in ^ Paulus Silcnliarins .ins die Pythlschcn Bäder. 13t, den Schollen dabey: -.o--,-?, ^-z^,-. Als ob es so ganz etwas ungewöhnliches wäre. I. 46iü. ?'k^«xriio? rvTirk^,, 11?^ rk?7«tzÄ!/ i^ot- Xki'div />!^v /Zk/Z«io?, Vulc. Z. 464. Xltz'wvl Aldus liefet und Vulcanius «iz^v; beide falsch. Was vollends der musi gedacht haben, der in dem Gru- lcrschcn Exemplare ^ dafür an den Rand geschrieben, kann ich nicht begreifen. vermischend/ welches unser Manuskript und Stephanus haben, ist das wahre, und kann sich hier insbesondere auf die Quelle beziehen, in der gleichsam Feuer und Wasser vermischt waren. Z. 466. -)-kitz--^ Si,«,-,^». Vulc. Z. 467. »a^k^ o?o^«^k. Vulc. F. 168- ^oz^ov. Vulc. I. 174. '^.vatzx^P^c!,^^?'^^^ 'roi.^c^i,, avatzxov cp/i.k- vc>,^. Vulc. lind zwar ein heimliches, unzugängliches Licht, um auch da§ /^>?-ov auszudrücken. I. 476, ^^l-^oX-kü^oicvx^^oi- ^ 70"Ur6^iv, «tztz^ru? xou x^kiri^ I. 476. Kocr,!tov?^ ro'u? «^tZl-iicov? äoxit XikziktV 701)? ir^/i^o'Ui'ra? ^ov xocr/i.ov. Vulc. Z. cbend. cx-gov^ ölk^«z>c)V. Vulc. I. 477. Zka^o'o^ll x^lZl'v^ 7Ul «ocr^di. Vulc. F. 478. ki'ü^-Kjiz' öi.x«^«. Vulc. F. 482. -tt^sl /Zk/Zclluc-'t?. Vulc. I. 487. ^tzicro'öcpl-irov ^s>«i?cr^v^ ro^rk^v az,!«?/ 7lZl«ö«. Vulc. F. 488. 5-wo-"eZ linser Mannscript liefet nicht so gut K-kao-kt?. Z. 49l). ZVl-ro-uo-!?^ ^.^«x^^-t. Vulc. Ohnstrcitig sind beide Worte in dem kirchlichen Sinne hier zu uchmc», und die /^»^j«? -'^x«^?!«s zu verstehen; wovon Beyspiele beym Svicevus. F. cbend. «^-^0^^ ^Vo^, ^x^. Vulc. Eben so, wle die untern Seclcnkräfte, oder der Körper, x"yc>^ -cc^' bey den alten Philosophen heissen. Schollen. Ueber den Werth derselben, habe ich mich bereits erkläret. Sie sind völlig so abgedruckt, wie ich sie gefunden; einige offenbare Schreibfehler ausgenommen. So hieß es z. E. in der Scholle zur 63stcn Zeile: ^-^^ov ?o --/^o^o^ nz-'^iv, anstatt ^^>lv. 9« 132 Zur Geschichte und Litteratur. Erster Beytrag. Was mir sonst zweifelhaft war, (j. E. das o-»« ^ cr^i^^x-^ ^o^> ^!XöLros ^ cr; H-^/oc? K-x^i,«. Das ist: aus die Bäder in der Gegend, welche li^t« hieß. — Wo war diese Gegend? Zn welchem Lande? in welchem Theil der Welt lagen folglich diese Bäder? Man wird sich vergebens in den neuern Schriftstellern von der alten Geographie, darnach umsehen. Der fleißigste und vollständigste derselben, Lellarins, weiß von keiner Gegend p^chia, von keinen darnach benannten Bädern. Es wäre also zu verwundern, wenn im Scrabo, Prolemäus, Stephanus, und den übrigen alten Erdbeschreibcrn etwas von ihnen vorkäme. Eben so wenig findet sich von ihnen die geringste Spur, in den neuerem Compilationcn von Mineralischen Wassern und Bädern; dergleichen das sonst sehr weitläuftige Werk des Andr. Baccius ll« l'Kermis ist. Dem ohngcachtet sollte man aber freylich wohl von den Herausgebern des Gedichts, wenn auch nicht von de- Paulus Sileuluirius auf die Pythischcu Bäder. 133 »c», die es nur beyläufig in den verschicdnc» Ausgaben der Anthologie abdrucken lasse», doch wenigstens von denen, die es gcflisscndlich besonders bekannt gemacht haben, erwarten, daß sie einen so wichtigen Umstand nicht ganz mit Stillschweigen übergehen würden. Wie es nun Morellus gehalten, kann ich aus mchrbcrührtcr Ursache nicht wissen. Vulcanms wenigstens sagt keine Sylbe davon; und so ist es noch der einzige Ancan- thcrns, der sich darüber auslasscn zu müssen geglaubt. Er sagt nehmlich gleich zu Anfange seiner Anmerkungen: Mulus Inijus jwemstü, /^/«'«, ut Mio ^nollini kaora, ut rotoit 8topka»us in IZ^itomv rio uruidus. — Aber so wissen wir es ja auf einmal, was wir wissen wollen; und noch dazu aus eben dem Stcphanus, von dem ich vorher sagte, daß er keiner Mythischen Bäder gedenke. Doch Ancanthcras hat sich die Sache ein wenig zu leicht gemacht, indem er bey der ersten der besten Stadt stehen geblieben, von der sich die Benennung ableiten läßt. Zudem ist es nicht wahr? daß Stephanns das sagt, was er ihn sagen läßt. Stcphanus sagt blos, daß die Stadt p)tho, das ist, mit dem bekanntem Namen, die Stadt Delphi, dem Apollo heilig sey: von Bädern aber in oder um diesem Pylho, sagt er nichts. Folglich ist auch das ganze Vorgeben des Ancamhcrus, auf Nichts gegründet. Es bleibt dabey, daß weder Slephanus, noch vor dem Stephanns sonst ein alter Erdbcschrcibcr, der Pythischcu Bäder erwähnet: und das Natürlichste, was hieraus zu schlicsscn, dürfte wohl dieses seyn, daß diese Bäder erst nach ihnen bekannt geworden, und man daher sich allenfalls bey den spätern Schrift, stcllern der Byzantinischen Geschichte des naher» erkundigen müsse. Und so ist es auch. Procopius ist derjenige, der uns in seinem Buche, worinn er die Gebäude erzählet, welche der Kayser Zustinianus durch sein ganzes Reich theils neu errichte», theils wieder herstellen lassen, eine so ziemlich hinlängliche Nachricht von unsern Bädern ertheilet. Denn dieser Kayser war es eben, der sie durch seinen Bau noch berühmter machte, als sie, wegen ihrer natürlichen Kräfte, seit einiger Zeit bereits waren. Hier ist die ganze Stelle: H^«l >Zx c^o-e-, IZtA-^uot? c«v«j^>^c»vo'tio'lv Ak'j>u>> vi^e^ x?rc>vo- 134 Zur Geschichte und Litteratur. Erster Beytrag. ^o^o^o-t H^A-l«. x^ovio'tv ?r«p« ^>^X>1V ^^-c>t ?L «oX,^,0t ««l t, «X-^cv-; acroi^ vacru)- <5xo't crv^i.^cxtt'et r^vocc. TtoX.'UT'xXxioiv x?rtckx<5rtX7'«t ^«crt^e! ?rpx^o'uc>'«i'. L«o'/Xxt« ?x ^az> (^'xo^^o'«?'o 01^ TrpvT'x^oi.' o^oc, x«t Xo^T'Aivv« xv c5^l.oo'/ui 7!^v exet cs>^io- ^«.xvitiv ^v ^rxTko^i'cxt. H^^«i; Tvo^^cvv ^<5u- Lx«-z-(t> «Tro^X.T.^vi^o'-x^ ^övc^L ^u!>pov o^x?oc- ^ui^I <5l«xo^l^to'«?, -rov ^cpoT'x^ov szrtx^'L^^^oi^« ?rxji^x7Xxv «i_>x^^» '^XX« xoet ?c>i? cx^x^^^^^^ ^ ?x^i.xvc>?, x«t ?ü vocrovvT'^v cx7'«?r«i^^^lo^ ^^t^ ?x x«t x«7°«- ?rc>X,^ L7rtcs>«vx?x^c>v x«7-x^'o'«7'o. ^) Zn Asien also, nicht in Europa lagen unsere Bäder: in Zölthynicn, nicht in phocis lag Pythia; eine Gegend, nicht eine Stadt. Diese Bäder wurden von den Byzantinern häufig besucht; der Gesundheit und des blossen Vergnügens wegen. Sie hatten bereits die nothwendigsten Gebäude, ein Krankenhans und einen Tempel; als Justim'anus diese nicht allein erweitern und verschönern, sondern auch für sich einen eigenen prächtigen Pallast daselbst erbauen ließ. Novum palatium concti-lit, sagt der lateinische Ucbcrsctzcr Malrrems: nicht so recht wohl. Denn ,, einen- neuen Pallast bauen," giebt zu verstehen, daß schon ein Pallast da gewesen, welches aber Procopius ausdrücklich verneinet: fioeo-i^Ll« 0^ ^oT-xpov 50-. Zustinianus war der erste Kay- ser, der um aus längere Zeit die Vorzüge des Ortes gemessen zu können, seinen eigenen Pallast daselbst hatte. Ausser diesem ließ er auch ein öffentliches Badchaus bauen, und trinkbares Wasser aus der Ferne herbey leiten, an welchem die Gegend zcithcr grossen Mangel gehabt hatte. Und nun, da wir diese Verdienste des Zustinianus um diese Bäder kennen: was folget daraus wahrscheinlicher Weise in Ansehung des Verfassers unsers Gedichts? Alle Handschriften nennen ihn Paulus Silenliarius. Man kannte aber bereits einen Mann dieses Namens und dieses Titels, der ebenfalls ein Dichter war, aus verschiedenen in der Anthologie von ihm aufbehaltenen Stücken. Warum also ohne Noth die Wc- (°) I^ib. V. l-ilp. I. p. !>8> Lail. Hf«//i'e<. Paulus Silentuiriiis auf die Pythischc» Bäder. 1!Z6 seil vermehren? Wärmn sott nicht eben der Paulus Silci^ tiarius, der die Epigramme in der Anthologie gemacht hat, auch unser Gedicht gemacht haben? Von diesem aber ist ausgemacht, daß er erster Gchcimschrcibcr bey dem Kayscr Justi- nianus gewesen: und was ist in unserm Gedichte, warum es nicht ein Gchcimschrcibcr dcs nchmlichen Kayscrs könnte gemacht haben? So schloß man; und ließ sich um den eigentlichen Vorwurf dieses Gedichts unbekümmert. Und nun, da wir den genauer kennen; da wir wissen, daß er Bädcr bctrift, wclchc eben der Kayscr so schr verschönert hatte, bey welchem jener Paulus die Stelle eines Silcnliarius bekleidete: sollten wir anders schlicsscn? sollten wir nicht um so viel mehr ein Gedicht auf diese Bädcr, eben demselben Paulus beylegen? Hiezu kömmt noch, daß er einen andern Bau seines Kayscrs ebenfalls besungen: nehmlich der St. Sophie» Kirche in der Hauptstadt, wclchc Justinianus, nach dcm Tode seiner Gemahlin Theodor«, vollenden ließ. Wenn Paulus dieses einer Kirche gethan: warum hatte cr es nicht auch Bädern thun können, die gcwisscrmaasscn das Werk seines Kayscrs noch mehr waren, als jene? Ich frage, warum nicht? Oder, was ist denn nun der mächtige Grund, der uns bewegen soll, den Bcrfasscr unsers Gedichts für cincn ganz andern und weit jünger» Paulus Si- lcnnarius zu halte», als für dc», der uuter dcm Zustiuianus gelebt, und sich durch so ähnliche Arbeiten bekannt gemacht hat? Kein andrer als dieser: weil in einer Handschrift der Herzogliche» Bibliothek zu Florenz, sich dieses unser Gedicht an den Kayscr Constannnus Porphyrogennerus gerichtet findet, der mchr als vierhundert Zahrc nach dem Zustinianus regierte. Hpö^ /Zcxo't^xcx xi.'j>t,ov K.U)i^«i'?'!^ov Hc>jicp>.ij>a)/LV- vr^ov, heißt es da nicht allein j» der Aufschrift: sondcr» eine Anrede an diesen Kayscr ist sogar dcm Gedichte selbst eingeschaltet; indem die drey ersten Zeile», wclchc sonst überall blos hcissen, Lo'uX.xt /H.ocA'xtv, t^v^puiirs, Gx^>.lFv cx?LX,vo^ ^x>?^cx, 13k Zur Geschichte und Litteratur. Erster Beytrag. alldort so lauten, Lo^xi ^cx^xlv, ^^^o^><^x R.ttiv?lxvr?v? xp-XT't^x, i reetv aänwnot, ?sulum Iiune nvktrum longo ciiversum vl'fo al!o Paulo, im!oer!us fuit. Wie gesagt: das giebt Habri- cius nicht für seine Meynung; er erzehlt blos, daß es in der Florcntinischen Handschrift vorgegeben werde. Freylich wundert mich, daß, wenn Fabricius jemals das Gedicht selbst gelesen, er sich einbrechen können, diesem Vorgeben nicht geradezu zu widersprechen. Es ist so ungcgründct, oder gründet sich höchstens auf eine so augenscheinliche Verfälschung, als nur immer ein nichtiges Vorgeben von der Welt. Der Beweise hiervon sind mehrere, als eine solche Kleinigkeit bedarf. Denn vors erste: der Zusatz, worauf es hier ankömmt, findet sich sonst nirgends als in diesem einzigen Manuscripte. Er findet sich nicht in den drey übrigen Manuskripten, welche in eben der Bibliothek von dem nehmlichen Gedichte aufbehalten werden; er hat sich in keinem von den Manuskripten gefunden, welche Aldus, Ancamherus, Stephanus, Vulcanius, Morellus, alle die ungenannten Herausgeber der Anthologie, gebraucht haben; er findet sich eben so wenig in unserm Manuscripte. Was kann nun ein einziges gegen so viele? Denn vors zweyte: jener Zusatz, jene Anrede an den Kayscr Constantinus, sind in allen die-scn Manuskripten nicht blos weggelassen, sondern sie haben anstatt jener Anrede etwas, welches nur allein da stehen kann. Der Ton, auf den das ganze Gedicht gestimmt ist, ist gegen die Anrede an einen Kayscr. „ Du willst lernen, großmäch- Paulus SilcntiariuS auf die Pythischen Bäder. 137 „tigcr Kayser — Nun so gieb Acht — So mcyncst du? aber so „meyne ich. — Thu also das — Unterlaß also jenes." — Wer hat jemals mit einem Kayser so gesprochen? Und mit was für einem Kayser hätte der Dichter so gesprochen? Gerade mit dem gelehrtesten von. allen Griechischen Kayscrn. Gegen ihn, gegen den Kayser Constantinus Porphyrogennctus, hätte ein unbekannter Vcrsmann sich mit solchen Armseligkeiten ein solches Ansehen geben dürfen? Kaum waren sie noch gut genug, dem ersten dem besten guten Freunde vorgcleycrt zu werden, den man so unwissend annehmen kann, als man will. '^vA-?-^- also, sicherlich «vp-^ir- war die Anrede, und nicht ^^o^?- kuiv- ?7-«v?-!vx Denn vors dritte: wie deutlich verräth nicht auch schon das blosse die Interpolation des unwissenden Abschreibers? So viel Freyheiten sich nehmlich auch Paulus, in Ansehung der Prosodie, durch das ganze Gedicht erlaubt hat: so ist ihm doch nirgends ein so barbarischer Vers entfahren, als dieser ^u>v?cx^?v- Die dritte Sylbe ist bey ihm nie lang, wie sie es doch hier seyn würde: und er wußte es zu gut, daß mit dieser keine Licenz gelte, wenn seine Iamben wirklich noch Zambcn bleiben sollten. Er ist also offenbar cin- gcschobcn, dieser Vers, und zu einer Zeit cingcschobcn, als man die sogenannten politischen Verse machte, und die Sylben nicht mehr maaß, sondern blos zählte. Dieser einzige Vers mag aus den Zeiten des Constantinus Porphyrogcnnctus seyn: aber das Ucbrigc ist es gewiß nicht. Soll ich noch ein Viertes hinzusetzen? So wenig, oder so nichts auch, in dem ganzen Gedichte vorkömmt, was eine offenbare Beziehung auf die Zeit hätte, in welcher es geschrieben worden: so finde ich doch ein Paar Zeilen, welche wenigstens anzeigen, daß es nach dem achten Jahrhunderte wohl nicht geschrieben worden. Der Dichter kömmt endlich auf Gott, der alle die angeführten Wunder in der physikalischen Welt schaffe; und sagt: ^oi?7-ov x«)^xt Z-eöv txoi^, l'oi^ov cppx, St-,' n^^t«. Wenn wir Ml» annehmen dürfen, daß Constantinus diese Orte nach ihrer weiteren und weitesten Entfernung von Coiistantinopel angegeben: so folget daraus, daß die Gegend Pychia von dort aus jenseit des Glympns gelegen. Hierhcrum suchte ich also unsere Bäder bey den neuesten und besten Reiscbeschreibcrn, welche Natolien durchzogen. Beym Pocock, und andern, wo ich sie am liebsten gefunden hätte, fand ich sie nicht. Pocock hat zwar den Olympus besucht, und gedenket sehr schöner warmen Bäder, die an dem Fusse desselben, gegen Dursa zu, liegen. (°) Doch dieses sind die s^,,« i-is? Hpo^o-,^, die warmen Bäder zu Prusa, welche an der angezogenen Stelle des Constantinus ausdrücklich von den Pythischen Bädern unterschieden werden. Um den Olympus herum, ist Pocock nicht gekommen; wohl aber Paul L.ucas. So berüchtigt dieser nun sonst, wegen seiner Leichtgläubigkeit, ist: so ziemlich kann man ihm doch trauen, wenn es auf das Terrain ankömmt. Was er also von den warmen Bädern bey lüskicher sagt, welchen Ort er auf seiner letzten Reise besuchte, verdienet allen Glauben Und eben diese Bäder zu Eskicher, glaube ich gewiß, sind unsere Py- thischcn. Denn nicht allein ihre Lage trift mit jener, aus den Worten des Constantinus angegebenen, völlig übcrein; sondern auch was Ä.ucas sonst von ihnen sagt, ist völlig von der Beschaffenheit, daß es mich in meiner Meynung bestärkt. Lsklelier, sagt er, eK ploino cle Keiles I?o»tainvs: toutes fönt 6'esu ckcmclo; et Ion n'en boiroit point cl'sutio, li I on n'avolt lein cl'en tsirs rvlroiclir. Was heißt das anders, als daß sonst kein trinkbares Wasser in dasigcr Gegend zu finden? Ein Fehler, den nach dem Prokopius, wie wir gesehen, auch Pythia vor dem Zustinianus hatte; und der nothwendig wieder eintreten müssen, wenn man die Wasserleitung verfallen lassen, durch welche dieser Kayser ihm abhelfen ließ. U ^ a suM, fährt A.ucas fort, cincj d-uns cle cos eaux, clont un parolt afkos an- ti«me; ooK un fort »elrv ilu Noi. rom. I. p. ji>g. ^wtt. 140 Zur Geschichte und Litteratur, erster Beytrag. schcinlichkcit nach ist dieses das nehmliche öffentliche Bad, welches eben dieser Kayscr, wie Prokopius meldet, erbauen lassen. Die prächtigen Rudcr eines sehr grossen Gebäudes aber, nebst einer Kirche und eines Kirchhofes, welche A.ncas anderthalb Französische Meilen von LLslnchcr sahe, sind ohne Zweifel der kayserliche Pallast selbst, der in einiger Entfernung von den Bädern gestanden, und die vom Prokopius besagte Kirche zum Erztcngcl gewesen. Von den Znscriptioncn, die L.ucas aus den Grabmählern des Kirchhofs fand, hat er sogar sieben abgeschrieben und mitgetheilet. Allein man weiß schon wie unbrauchbar die Znscriptioncn dcs Aucas überhaupt sind; und diese siebe», wenn man sie ja noch etwas kann besagen lassen, besagen wenigstens nichts, was hier zur Sache gehört. VI. Vermeinte ^NLk/xoi-L. des Antonknus in der Herzoge lichen Bibliothek zu Florenz. Ich überlege, daß einige von meine» Lcscrn glauben dürften, nicht zeitig genug erfahren zu könncn, was es mit den obgedachtcn Stellen dcs Antonmus für eine Bcwandtniß habc, von welchen Zdandim vorgiebt, daß sie noch ungcdruckt, und in einigen Handschriften der Herzoglichen Bibliothek zu Florenz zu finden wären. Die Sache läßt sich, an und für sich, gar wohl denken. Denn das Buch dcs Antoninus bestehet aus lauter einzeln, nur wcnig zusammcnhangcndcn Betrachtungen, von welchen sich in den Handschriften, aus denen die bisherigen Ausgaben besorgt worden, gar wohl einige könnten vcrlohrc» haben. Wenn sich diese nun sonst wo wiederfänden; gesetzt auch, nur in einem Auszüge des Ganzen, nach welchem man ihnen ihre angcbohrnen Stellen in diesem Ganzen nicht anweisen könnte: so wären es doch noch immer so viele kostbare Perle», die sich mehr durch ihre» eigne» Werth, als durch die Ordnung, iu welcher sie aufgereihet sind, empfehlen. — Ich will also die versprochne genauere Anzeige, gleich itzt beyfügen. (°) Scite 111. Leriiicmtc ^MX^vi'^ des Antoniniis. 141 Herr Dandini, wie bekannt, ist Vorsteher genannter Bibliothek, die sonst den Namen der XNevicea oder Ä.«nrcntian» führet; nnd hat die Griechischen Handschriften derselben in drey Folianten beschrieben, wovon der erste im Zahrc 64, und der dritte im Zahre 70, ans Licht getreten. Wie viele Mühe ihm dieses Werk müsse gekostet haben; wie vielen Dank ihm die Gelehrten dafür schuldig sind: das alles versteht sich von selbst. Einem Bibliothekar insbesondere, welcher Griechische Handschriften unter seinem Beschlusse hat, und sie nicht blos, wie der Hund das Heu, bewahren will, ist es fast unentbehrlich. Ich wenigstens, für mein Theil, bekenne mit Vergnügen, daß es mir die ersprießlichsten Dienste von der Welt thut. Und nur aus Erkenntlichkeit für diese Dienste, will ich es hier wagen, mich dem Herrn Bandini wiederum durch eine kleine Auskunft gefällig zu machen. Herr Bandini also fand in einer von den Handschriften, welche das Gedicht des Paulus Silentiarins enthalten, auch Auszüge aus den zwölf Büchern des Antoninus xc-s-' r«^?ov. Ebendieselben Auszüge, nur nicht immer in der nehmlichen Vollständigkeit, fand er noch in drey andern Handschriften; und hielt es um so viel mehr der Mühe werth, bey Beschreibung der erster», sie nach allen vieren genau anzuzeigen, da er einige Stücke oder Paragraphen darunter zu bemerken glaubte, welche er in der gedruckten Alisgabe des Gataker, der besten, die wir von dem Antoninus haben, alles Fleisses ohngcachtct, nicht auffinden können. Es ist unumgänglich, die ganze Stelle, aus dem zweyten Tome seines Werks, herzusetzen. — Nehmlich e<,cl. VII. ?Iut. I^V. enthält zum XIV. p. 263. M/i'«/-^?!5o»t'»t W?'» ^k//. ?'eü?c5 A.xce?'^» Hive cum in »zuatuor nuius Likliotnecaz iüoilicibus, huoacl nol>is Iiaetonus innotuit, oceui'i'ant, in aliis plui'a, in aliis vero ^auciorki; nlitcuit Iioie omnium, yuotyuot in inkis kakontur, initi-l pros-zn-e, et yuiclizm vollem oriline, c>uo inil»! ^jacont. lervato. pi^tei-ea lMim ^,ra: maniuus Iiaderomus Iniiu8 opoiis c-ilitionem om»k>. Hin igitur i^forum soiios: l. Ine. '^0,1 «l'^u!iro^. Lx Liliro VII. §. 22. H. La^^itivlo^i^ 7°« x«t X«X,<5«ioi^e, o'ocsio^-; ovj,«i>t«, -i. X,. Z^on invon'imus in llicw vclit. «zuocl icloin yioniliim volumus intolligi, ndi nulla vclitinnis oiwtio fmt. III. chojZxtT-tti Tv? ^<.L?-«/Zo^v; Lilir. VII. ß. 18. IV. I^v ^ ^>,ev «Mxv«. V. "iwiüc»; ^p^i^i^xvo?, o'c^i^xülv ^xv«o'l>; xi^tv. VI. ^l>i cxio'X''-'uc>i^ jZc>^A-oi.^^xvc>?. Lidi'. VII. H. 7. VII. ^U), 07^ 7-c>1?7-0 ^l.0i 0"I^V6^I^; VIII. T'o^i? '^>^>X7'^«? MI'M» />.l,i?x? x^i.Treo'Kxz'ii'. IX. ^l'u!« x^i.?rxo'c>i?o'« Li? iü<5ll)j>. X. I^viov Ä A-«^oc?7-l« T-xxoiZci'oc. XI. cr^?rtoiv o?«v ^l.xX>^ct>o'tv XII. O t)^^>? c5 xxc^>cxX? ?oc? x^xv 6x «p« rrs? uip«? o^'t^izi;. XIV. O /o^i T'ö opveov x^?r«Xiv cpcxo't. XV. O ?co!ov ?ö ^x^-o^.l,xi >ov. Lid. V. §. 7. XVI. "OT'cxv m^oi^öi; ^, x«l -^pzcs>ovr'«t. XVII. 'v^Äv Libi'. V. Z. 7. XVIII. l-o is^ov^ov. Lid. V. tz. 28. XIX. Ot ?nNol x«?^ ^^xcp«9i(s«?. XX. ?roc^F«Xt? ^rxi^x x^xi Fcxx^Xo^?. XXI. vtov cki^ ?c> cp«v7-«c?t«. Lid. VI. H. 13. Desillii. in verui8: T'oT'L ^i,«)»l<^« x«?«^» i^?xi^^t. XXII. '^.vcxv^cpx x«t «n«x«Xc>l? crxw^i^dv. Lid. VI. H. 31. XXIII. '^.^l,<^c>?x^^<; ?^x^-x^ röv 'uiro ^i ^r^^^^^cx. XXIV. Znlvot, <5x «p« crc>oi?^ ?w ewi^i-oi?. Lid. IX. H. 3!). ot 40. XXVI. x.«x,tt?oct /Xto^i-i^Fxi« v/scro?. XXVII. "0?io^> ep^-ov L?rt?xX,xtc>'K-lxc. Lid. VII. H. Z3. XXVIII. Z^x«?? -^x^> P^o-lv. Lid. VII. tz. 63. XXX. O crx«po? Trooc? ^I,xv A-cxXcxT'T'c«!; o'tT'xtT'oce,. XXXI. I'lo^xv io'^i.6V, Lid. VII. §. 66. Veniicinlc ^MK^c»?^ dcS AnloniniiS -c. 143 XXXII. 0i ^7xc.t «A-v ^i-sv )/«^> <5ui^«cr«l, x. Xi. XXXVI. ^IV^(t>?oi?0'tV «X/^^0tc?> 10? cx^A-pui^oi, X. XXXVII. -Äx?. I.ili. VIII. Z. 31. XXXVIII. ^le^>.v^crc>, «x«7-«^^«x,^^oi^. 1^!I). Vlls H, 84. XXXVIIII. M^xxrt ^^ovc>^.. I.ili. VIII. §. 54. Xt^i. T'öv ^U)« ?x?'lX(u. I^ill. VIII. §, 66. xuv. O st^ip^v o x7' ^l.r^tT'T'ciit^ )/tt>o^^vc>?. XI^V. Lic^t <5s i'ive? ?«7? ^i.xX.trT'cxl^. XI.VI. o-(5ixu5v « Ä t^^^ci'tv o ^X,«vxo?. 1^1. "OT'cxv 7tvo? «voetv'^vT'too. I^il). IX. §. 42. I^II. H«v?«<^oi-> ic-xv?«. I^ili. X. 28. I^III. I^cx^« ^i.r^0i; xcp' xx«g-v. Des. vT'. XI. §. 34. et 36. I^VIII. O ^eö? 7r«T^« 7°«, ^x^i^ovtx«. I^ili. XII. 12. UX. Ot xvt?«^l.rvc>t ?r^o'tov?l. I^il). XI. !). I^X. !2t st? xcxt o «^?o? x<^t. I^il^. X. ^. 21. IvXI. Ho^wxi? x^w^i.cxo'«, ?ciu? x«-u5ov, x. ^. I^il). XII. H. 4. Deüuit sutom in verl)i8, ^' ri^v cx^u,,>. 1^X11. ^'IlT'ol «vcx^-x^ xt^i.«x>^i.xvri?, De5. «?rc>o'^>^crx?o!c. XII. tz. 14. et 16. I^XIII. Hpö? ^«v«i7o^ x«7'«cppovkzci'tv. I^it». XII. §. 34. 144 Zur Geschichte und Litteratur. Erster Beytrag. Lx roeonkiti's Igitur lexaginta tiidus cgpitidus, Oo6ex VII. plut. I.V. «^uom moclo rocvntomiis, Iiadot tantummoilo c^mncsua- ginta inteZra, vt xov '^v?uivtvo^> ex T^uiv x-x^' k'inalis vero in primo Loäieo vtt: o^oxv/uoi.> ex, ?-u?v Sicx^' «^50 folget. Damit ich aber auch diese meine Anzeige augenscheinlich bestätige: so will ich sofort, was Danvini unterlassen, nachhohlcn, und scine Anfangswortc der noch ungedrucktcn Paragraphen, aus unserer Handschrift ausfüllen. Ich fange also bey Nummer II. an, und will von da zu allen den übrigen, wenn Gott will, fortgehen, die er in der gedruckten Ausgabe des Antoninus nicht nachgewiesen hat. Leslings Werk^ >x, IN 14K Zur Geschichte lind Litteratur. Scher Beytrag. II. L«sZ^i^uiVt0T^ ?L x«t x«)-6«to^>? crocpoi^? ?cx c>^?p«vt« «öo'vcrl c>! criiz<)>tz«zikt?. /l.'vtz/^xk? öx v'vrk kl? o^tz«?'ov «i «/Z>-k^o?'rk?, ö^izov k>c csi^'crkio; ikcl^wöo^oV ^ ^ag ^ii^ktz« roi? vc«, //cr« ^? 0lxo^tz0"uc7t, vzc^v o^x ^ktz/?«l?'ov- rk?, «^X« tt^iZk^o-llvrk?. IV. I'^v i?«ti)«l.> T'rjT'rcz^ ^lxv «;>j>zv« ^ ^k«cr»,„, r-^v «-ui-^v k'? veio^« oisik-, A^^ui-' ci> ^^"vv vu»/, ^!ra u>!ii- V. ^ , '< - - . ' .-..^ r^-l) » ' ^ » , >« voi^<7l "rk «lv^oolr-^? kx«rkc>«? ^'«Ilv'vcrl ««t Z'cc/^o'ui^al cro? ««v' «/>.kl/?oTic!'«t z>k^oz' oilxo-uv rov «al rov ?k,cik- > » ,»> X»l0T>? «^cüki^k °ro -;i>>ov roi^rc, o"ll-c c-,u?t0i? «^c» rc>l? kciziot? «^irol?. V. "inNo^ ej>j>t^i^xvocz, o'^xl^v '/Li'xo'lc; r^lV 0 /lk,' z,«^z "Uiro- ci'^ki'«!.' ^oi!> ii.nk>ic>'u kxickLvvrcll 05 <^^k? o^viol' »xt^vTi ^l^oi^ VII. '^T^x,^ k)/(-v »rt T'di??'» 0'^Vcj?rz Z o^i.kvo^' k)>lo' ori ?oi?ro ^u,0l o'v/l/Zk/Ziz > oro?, «>^»ro? öiar6>,l?' o^v^ roi? z^cc^ovro? ^lj«^io>^k?'o?, o^v^k 65i0»- <^o/?oi?^^os, cr'»/^?^i«i. /tkv ^>«>z 70 roioi^ro, ?r«?^t kö^^aro, «Xvzco? c>Ti kir^ ro^ur» öte» <^ot, c> ^ zkoitz« ^0 /Zoi»>,?z/i.« r^? ^/uo'kioi; wiirov ^ o'v»' 7^0 /^o'uXiz.ii,« ^k/tc»^x«?' /^rl o^vv ^Z5 ?oi?ro xo^'ük-cre öl- ««lvv l!?-«-,' /ik^,»>o^>iixc>^' <7(ocp^ov«' k/^^oi-tt' «l^kiiü^' «löiz/i-oi'«' - - . ? - . » > „ . , , k>^i>^^^loV ^i»/«/^« ni-zr-i? -iz '<Ä^lo?to'u «^cx^^ VIII. jZti; rc>i_>cz '^»vXT'^cüc; »i'cxv ^>.i?r? ^l.?r^«'ll) «/i.k»'c>5, «^-Xiz^u»- o^izä? ki'ö«xov?-?, k^« !>^k>,xo'uo'i,' öl^urilzo^ 0 !kl>i??o?' ««l 0 <5!'vr6c>c>? i^o^ ^l'rov o^u?» (°) Mr i^k?, so viel als Heuer/ i» diesem Jahre/ hat Bandini »»richtig i-i? i-l? gelcsc». Vermeinte vvnmc^u^ des AnloniinrS. 147 /^kv oi5v «a^ rot? «>/X^ot^ o'^^axätV xat kikixoviztcv ^, , , » , > . > » > , ^0"UI> o'U« a^cz^k^ <5i« I'w'ur« wito«^/kLUö' öc «^>r-^? k^>,oi? ro^ vcxi'öi' ».«^ r«^>^«v ^u.ir«cr«^z xcirw^^cr^i? !V ^!o"U WTI^ITZ, «V«^il!c76l? 1^ Doch wahrlich, der Spaß ist weder des Papiers, noch der Muhe werth, die er mich kostet. Hier will ich einhalten: denn ich hätte schon gleich bey der ersten Probe einhalten können. — Was wären das? Stellen des Antoninus? Ich will Nummer VII. ausnehmen: was ist in allen den andern, was sie dieses Namens nur im geringsten würdig machte? Daß die Ameisen sich auf den ersten Tag eines jeden Monats verstehen, ohne die Tage an den Fingern zählen zu können; daß die Hyäne ein Zahr ums andere, Männchen und Weibchen ist; daß Wespen aus dem Marke eines faulenden Pferdes empor fliegen; daß die Mäuse, wenn sie in den Kessel gefallen, einander an den Schwänzen heraushelfen; daß ertrunkene Fliegen unter Asche wieder lebendig werden: vortrcfliche Siebensachen! Um die sollte sich Antoninus bekümmert haben? die sollte er gcwürdiget haben, niederzuschreiben? Wer kennet seine Betrachtungen auch nur vom Hörensagen, und stehet einen Augenblick an, auf das zuversichtlichste zu entscheiden, daß diese Brocken unmöglich jemals darinn gestanden haben können? Za, wer hat sich in Griechischen Büchern noch so wenig umgesehen, und weiß nicht sogleich, wo sie her sind? oder vermuthet es wenigstens nicht sogleich, wo sie her seyn könnten? Allem Ansehen nach; aus dem Aeliauus, von der Natur Ser Thiere- Und daher sind sie denn auch wirklich: die angeführten fünfc sowohl, als die übrigen alle, die Hr. Bandini sonach freylich nicht in dem Antoninus finden konnte. Hier ist die Nachweisung derselben: II. L«^i^k>v-,o^ x«i X«X,6«/c>^>?. ^je/inn«« l-,ili I. o. 22. IV. i?octv«v T-rsT-x-; «ji^xv«. ^el, I^ill. I. o> 2A. V. "inno.; x;>;!r^i^xuo-; cr^xi^v ^e/. I^ill. l. e. 28. VII. '^.7i^>jt; x).-it!> u?i i'o'UT'o ^i.c>t ^-; ^^XT'is^coz ^ii?x?. ^4e/. 1^. V. o. 2?. IX. Hl^t« ^^?rxo'oi?o'cx ^>Äu>;>. ^4->uiv cZ« ^4e/. I^ill. I. e. 17. XI. ?>^v c/^irt-xv ^i.x^^^o'^v --4e/. I^ili. I. e. 34. XII. o o xx'« ?is<; u^>a? ?>s^ ^7I?. -4e/. I-iili. I. e. 52. XIV. 0 ^901^ ?ö >Ie/. I^ill. I. c. 49. XVI. «XoriT-ö? ^. I^IIi. IV. e. 25. XIX. l)t »riroc 7°«^ x«?ui sj?.rcpoi^/Fc>l?. ^le/. 1^. I. e. 50. XX. ^Il ?r«'j>6«Xl-,? nrrvT-L F«x7-^!Xo^?. ^4e/. !>,!!>. IV. e. 49. XXIII. '^9t<7; ^x^/rt i^P ->?<^>ov. ^4e/. 1^. IV. e. 57. XXIV. ^Tilvot 6x c!j>oc o'ocpuiT'L^ol. ^4c/. IV. o. 60. XXVI. R.olXikiT'tXt /Xto^^Fxl« visc^o?. ^4e/. I^ii». I. o. 4. XXX. O crxcx'po? ^«.xv ^te/. I^!l>. I. o. 2. XXXV. Ovcsxvt, ^^r^i^?r7'xc)i>» ^xv ^cxp <5i^v«a'oct' x. X. XXXVI. l'c^UPo^o't «^i-^o-?, «5? c!-i.-^j>u)7rol. ^4e/. I^il». I. e. 4. XI^. ^.x)'c>i->c>'t ^rcv« ?il>. I. c. 9. XI^V. ^!crt <5x r^^c; x«t ?«?? ^>.x^t?i'«cl;. ^4e/. I^ili. I. c. 40. XI^VII. ^I^^t^^uiv <5e is^tx/«^'. vle/. I-iil). I. e, lll. 1^. H«7'^ Ä ev lx^^^^' ^ ^«>?xo?. ^4e/. 1, I. e. 2<>. Ich bin weit entfernt, die geringste ncichthcilige Anmerkung über ein so sonderbares O-uidvroquo eines so gelehrten ManncS zu machen. Ein Littcrator, der seine Gedanken unter tausend und tausend Scharteken von Büchern und Handschriften vertheilen muß, kann gar leicht, für lauter Gelehrsamkeit, seiner klastischen Lektüre vergessen. Nur zwey Nummern sind in meiner Nachwcisung noch ausgefallen, die, sobald ich sie in der Handschrift gelesen hatte, ich mir gleich nicht einkommen ließ, in dem Aclianus zu suchen. Nehmlich Nummer VII und Nummer XXXV. Diese gehören allerdings dem Antoninus: nur Schade, daß sie aber auch schon Ncrmeiiitc ^NLXäii'i'^ des Aiiloiiiims. 149 gedruckt sind; und zwar in dem Werke des Antoninus selbst. Hr. Nandini hat in der Eil nur immer die Anfangsworte der Paragraphen desselben gelesen; und mehr nicht. Wenn er nur ein wenig weiter gelesen hätte, so würde er Nummer VII. welches sich anfängt: '^.^x^ ^u), 6?--, ?oi?5» o-v,'e/Z»i, im Allsten Paragraphen des vierten Buchs; und Nummer XXXV. o^kVt ^r^n-T-xov, im 17tcn Paragraphen des achten Buches, gar wohl gesunden haben. Ob sonst dieses ganze Mcngscl von so heterogenen Auszügen aus dem Antoninus und Aclianus, in unserm Manuskripte etwas zu Berichtigung des einen oder des andern beytragen könne: mag man aus der angeführten Probe schließen, in der ich mich genau an dasselbe gehalten habe, ohne das geringste nach den gedruckten Lesarten zu ändern. Lcibm'H von den cwigcn Strafen. Ich sehe, daß gegenwärtig bey unsern Theologen der Streit über die Unendlichkeit der Höllcnstrafen wieder rege werden will. Möchte er cS doch so werden, daß er endlich entschieden und beygelegt hcisscn könnte! Denn das ist ohne Zweifel bey dergleichen Streitigkeiten das Traurigste, daß sie gemeiniglich nichts erstreiten, und sich zwanzig oder fünfzig Zahrc später, der erste der beste Zclote oder Vernünstler berechtiget glaubt, die Sache ganz wieder von vorne anzufangen. Einem solchen Schwätzer nicht gleich zu werden, ist es höchst nöthig, vorher die Geschichte der streitigen Lehre in ihrem ganzen Umfange zu studieren. Nur wenn man genau weiß, wo jeder Vorgänger seinen Faden fallen lassen, kann man durch Aufhebung derselben, und durch Ncrglcichung ihrer verschiedenen Züchtungen, den entweder verlassenen oder noch nie betretenen Weg der Wahrheit einzuschlagen hoffen. Wenn gar unter diesen Vorgängern sich Aeibniize befinden: was kann schlechterdings lehrreicher seyn, als sich in die geringsten Fußtapfcn derselben zu stellen, und von da aus um sich zu schauen? 1S0 Zur Geschichte und Litteratur. Erster Beytrag. Mehr, glaube ich, bedarf cs nicht, folgende wenige, aber bisher noch »»gedruckte Zeile» des grosse» Maimcs einzuleiten, der, wenn cs nach mir gimgc, nicht eine Zeile vergebens müßte geschrieben haben. Was es aber damit für Wcwandtniß habe, glaube ich nicht besser, als mit Mosheims Worte» angebe» zu können; besonders da diese Worte selbst, dabey gelegentlich eine litterarische Erläuterung und Bestätigung erhalten könne». Als Mosheim 1725 seine hierhcrgehörige Schrift, hinter dem ersten Theile seiner heiligen Reden, herausgab, schickte cr folgende Erklärung darüber voraus. „Die beygefügten Ecdan- ,,kc» von der Lehre derer, die dc» Strafen der Hölle ein Ziel „setze», sind vo» mir gcfodcrt worden. Andere haben weitläufiger und gelehrter von dieser Sache geschrieben. Und ich kanns „daher wohl leiden, wenn man glaubt, meine Arbeit sey un- „nöthig. Die unschuldige Ucbereilung von einigen mciiicr Freunde, „die gegen mein Wisse» dieselbe wollen drucke» lassen, und zwar „nicht ohne Fehler, hat mich bewogen, da ich ihr Vorhaben „erfahren, ihnen zu versprechen, daß ich selbst den Druck besorgen würde. Ich vollziehe jctzund meine Zusage. Und was „ist denn hierin strafwürdiges? Oder würde ich nicht, wenn ich „meine Zusage nicht gehalten, eben so sehr gcsündigct haben, „als da ich dieselbe vollziehe? Es ist endlich besser, einige Bo- „gen zu viel, als zu wenig, vo» dergleichen Dingen der Welt „zu liefern. Und je mehr Einfluß diese Lehre in gewisse Wahrheiten des Glaubens hat, die den Grund der Seligkeit betreffen, je öfftcrs hat man Ursache, die Bcweisthümcr derselben feste zu setzen. Man pflegt stets auf die Vernunft hierin» „sich zu berufe». Und cs kommt vielen der berühmtesten Mä»- „ncr vor, als wenn die Sache derjenigen, welche die Ewigkeit „der Strafen behaupten, beynahe vcrlohrcn seyn würde, wenn „man diese allein fragen wollte. Zch glaube das Gegentheil, „ohne daß ich andere deswegen verachten will, die anders „denken. .Mir dcucht, daß die Vernunft, wo nicht stärker, „doch eben so stark, vor dicjcnigcn streite, welche die Ewigkeit, ^lls vor die, welche das Ende der göttlichen Rache vertheidigen. Man sieht oft gewisse Mcynungcn der Menschen, „die dc» Beyfall der meiste» erhalten, für klare Gesetze der Lcibmtz von dc» ewigen Strafen. „Vernunft an, die man nicht leugnen darf. Und oft mißt „man die Gerechtigkeit des göttlichen Gerichtes nach der Ge- „wohnhcit der menschlichen Richtcrstühlc ab. Das scharfsinnigste, was vor das Ende der Höllcnstrafcn geschrieben, sind „die Gedanken eines sonst gelehrten Mannes, dem man „Schuld giebt, daß er vor seinem Ende in die giftigen Zrrlhü- „mer der Sociniancr verfallen. Ich habe dieselben nicht obcn- „hin gelesen, und gebe dem Vcrfcrtigcr das Zeugniß eines nicht „übel beschaffenen Verstandes. Aber wenn man einige Zweydeutigkeiten hebt, und die Kraft der Schlüsse von den menschlichen Sachen aus die göttlichen leugnet, so wird der sogenannte Beweis ein Schatten, bey dem man den Zusammenhang „vergebens sucht. Ich bin lange Willens, in einer Lateinischen „Schrift die Geschichte der Lehre, von der hier die Rede, vorzutragen, und nicht nur die Quelle» derselbe» zu entdecken, „sondern auch die unterschiedenen Arten, ihr eine Farbe und „Gewicht zu geben, zu untersuchen. Eine Menge von ander» „Arbeiten, die zum Theile nicht unbekannt, hat bisher die Ausarbeitung derselben aufgehalten. Vielleicht finden sich bald einige „Stunden, in welchen ich den gcsammleten Vorrath von Gc- „danke» und Zeugnissen in Ordnung bringen und der Welt „vorlege» kann." Wer jener gelehrte Man» sey, der noch das Scharfsinnigste für die vernciiicndc Meynung geschrieben, zeigt Moeheim durch den untergesetzten Titel der Schrift selbst an, Z>ne//t S«»«?-« Demonstrativ "ItieolvFiea et pnilosoi^lnca, «zmoll setoriia !m^,!orum tu^Iie'ia, non si-gu-mt vei iustitiam, ko IV. 1'. l, p- »IS. Lcibnitz von den ewigen Strafen. Mosheim drucken lassen wollte, und nicht drucken ließ, ist es, was ich hier aus unserer Bibliothek gemein machen will. Um nicht nnangezcigt zu lassen, wie sie in unsere Bibliothek gekommen, muß ich sagen, daß sie Mosheim selbst, dem Ansehen nach, aus unserer Bibliothek erhalten. Wenigstens war derjenige, dessen Güte, iu Mittheilung derselben, er andcr- werts rühmen wollte, der damalige Bibliothekarius Hertel. Doch da Hcrtcl mit Lcibnitzen selbst viel Umgang gehabt hatte, auch nach allem sehr begierig war, was selten und hetcrodox hieß: so kann es eben so wohl seyn, daß er sie mit sammt der Soncrschen Schrift, Moshcimen aus seinem eignen litterarischen Vorrathe mitgetheilet, als unter welchen sie also, erst nach seinem Tode, unserer Bibliothek einverleibet worden wäre. Dieses wird mir auch daher wahrscheinlicher, weil sich nicht nur eine Abschrift von Moshcims Gedanken, sondern auch dessen eigenhändiger Brief an Hcrreln dabey befindet. Jene stimmt mit dem nachher geschehenen Abdrucke völlig überciu; diesen aber will ich in der Anmerkung (*) ganz vorlegen; und so, ohne weiteres, den Leser zur Hauptsache kommen lassen. (°) „Nebst nochmaliger gehorsamster Danksagung' für die meinetwegen „neulich gcnsmmcnc Mühe, sende ich hier sowohl meine eigene Einfälle, als „Soneri Bedenken von den Strafen der Hollen zurück. So spitzfindig „dieses letztere eingefädelt, so leicht ist mit dem ehrliche» Manne nach seinen „eignen Grundsätzen auszukommen. Er setzt zum Grunde, in Gott sey keine „andere Gerechtigkeit, als diese, daß er seine Zusage halten müsse; in allen „andern sey seine Macht lniumschränkt. Sehr wohl! So wird denn deutlich folgen, daß Gottes Gerechtigkeit gar nicht hindere, daß er den Gottlosen ewige Strafen auflegen könne. Nach seiner Macht kann er dieß thun. „Der ganze Streit wird demnach darauf ankommcn, ob Gott wirklich in der „Schrift den Gottlosen ewige Strafen gcdrohct. Aber köinmts so weit, so „wird der ehrliche Sociniancr verlieren, und man wird ihm auf eins zchc» „antworten können. Ich schriebe mehr, wenn ich mein Meister wäre. Uebcr- „ morgen soll Ich wieder disputiren, und meine andern Cvllcgia sollen auch „vor Ostcrn gecndigct seyn. Daher wird mir fast kein Augenblick frey gelassen, und, die ich frcv habe, muß ich zur Ausfertigung des Haies» anwenden. Meine Betrachtungen über die Conduitc der Dordrechtschcm „Bä'tcr werden eben nicht wohl den Advocatcn dieses Conciiii gefallen. Doch „sie sind auf klare Facta und Sätze der Bcrnuust gegründet. Ich bin ohne „Ausnahme, u. f. w. Mosheim. 464 Zur Geschichte und Litteratur. Erster Beytrag. I.IZIIZNl'I'II pR? ä ? Io. Ame/At Konei'/, piiilotopli! «puonllam apucl ^Itorknos elarls- timi. Demonstrativ, lzuam vocat, ?IiooIoFica ^5e. NAinc>uo convoptam. Ll^uiclvm nvFilii non potvtl, Lonorum tudtiliter et iiiAvmole teriptitse; tvll clemonttratio tan»vn vius maZno Iiiatu lauorat, n^uo«! paueis in- llivarv plaevt, ne yuis ineautus tpeciolitato argumenti clocipiatur, vuius vis Iiue roilit. poveata tinita tunt; inter sinitum et intim- tum nulla vtt prvportio; orZo pcvnav «zuolzuo clvliont ettv tniitoe. porro poecata vtte smita, vttvnllvro tontat rvfutanäo morlos, l^uidus intinita intolliZi postint, «zuos liis vvrdis vnumvrat. „8i „impiorum lleiieta tint intinita, ant ut talia contillerari postint, „vvl Iradont vim ittam inlioitam ex to iptis, vvl a llvlinrsuvnte, „vvl ad eo in tpiem et contra rmem llvlin«zuitur, vvl ad liarum „aliliuikus, vel ad omnidus timnl; toll nullo ittorum mvllorum „poltunt ekle intinita, sut ut talia contilloiaii, et tamon prseter „dos nullus alius tupervtt mollus, l^no intinita lliei vt vttv pos- „tint: ergo omnino non tunt intimta." Huse eommunitor rotpon6vrv tolont 'klieoloZI acl Iroe arFii- nivntum a Proportion« lloliotarum poznaium^uo potitum, apuck iptos utilius logontur. lloe voro looo alium arZiimonti Lono- riam «lotvetum inlliearv plaovt; nvmpv impertoctam enumvra- tionem mollorum, ljuidus al!«zui seine Philosophie allgemein zu machen: so sucht er sie den herrschenden Lehrsätzen „aller Partheyen anzupassen, sie ihnen allen für ihre Meynung Leibiiitz von den ewigen Strafen. 169 „günstig und vorthcilhaft zu zeigen, um sich aller Beyfall zu „verschaffen. Er nahm ihre Lehrsätze als Voraussetzungen an, „und legte ihnen einen erträglichen Sinn bey, nach dem er „sie mit seinem System verglich, ohne ihnen selbst beyzupflichten." — Erscheinet, in diesem Urtheile, der Philosoph nicht ein wenig zu eitel? Werden seine Gesinnungen gegen die Religion überhaupt nicht dadurch verdächtiger gemacht, als es der Religion selbst zuträglich ist? Beides ist ganz gewiß des Herrn Eberhard Absicht nicht gewesen. Aber es ist unleugbar, daß er sich hier nicht durchgängig so glücklich und bestimmt ausgedrückt hat, als er sich sonst auszudrücken pflegt. Denn so eingenommen man sich auch Lcibnitzcn für seine Philosophie denken darf, oder will: so kann man doch wahrlich nicht sagen, daß er sie den herrschenden Lehrsätzen aller Partheyen anzupassen gesucht habe. Wie wäre das auch möglich gewesen? Wie hätte es ihm einkommen können, mit einem alten Sprichworte zu reden, dem Mond ein Kleid zu machen? Alles, was er zum Besten seines Systems dann und wann that, war gerade das Gegentheil: er suchte die herrschenden Lehrsätze aller Partheyen seinem Systeme anzupassen. Ich irre mich sehr, oder beides ist nichts weniger als einerley. Ä.eibniy nahm, bey seiner Untersuchung der Wahrheit, nie Rücksicht auf angenommene Meynungen; aber in der festen Ueberzeugung, daß keine Meynung angenommen seyn könne, die nicht von einer gewissen Seite, in einem gewissen Verstände wahr sey, hatte er wohl oft die Gefälligkeit, diese Meynung so lange zu wenden und zu drehen, bis es ihm gelang, diese gewisse Seite sichtbar, diesen gewissen Verstand begreiflich zu machen. Er schlug aus Kiesel Feuer; aber er verbarg sein Feuer nicht in Kiesel. Doch im Grunde hat Herr Eberhard das nur auch sagen wollen; und ein Theil seiner Worte sagt es wirklich. „Er nahm ihre „Lehrsätze als Voraussetzungen an, und legte ihnen einen erträglichen Sinn bey, nach welchem er sie mit seinem System „verglich." Sehr wohl: nur hätte Herr Eberhard nicht hinzusetzen müssen: „ohne ihnen selbst beyzupflichten." Allerdings pflichtete er ihnen bey; nehmlich nach dem erträglichen Sinne, den er ihnen nicht sowohl beylegte, als in ihnen entdeckte. Zur Geschichte und Litteratur, erster Beytrag. Dieser erträgliche Sinn war Wahrheit; und wie hätte er der Wahrheit nicht beypflichten sollen? Auch ist ihm das, weder als Falschheit noch als Eitelkeit anzurechnen. Er that damit nichts mehr und nichts weniger, als was alle alte Philosophen in ihrem cxotenschen Vortrage zu thun pflegten. Er beobachtete eine Klugheit, für die freylich unsere neuesten Philosophen viel zu weise geworden sind. Er setzte willig sein System bey Seite; und suchte einen jeden auf demjenigen Wege zur Wahrheit zu führen, auf welchem er ihn fand. II. Herr Eberhard fährt fort: „Dieß ist augenscheinlich „der Fall mit dem gegenwärtigen Beweise. Um seiner besten „Welt bey denen, die eine Ewigkeit der Höllenqualen anneh- „mcn, Eingang zu verschaffen, suchte er darzuthun, daß auch „diese sich mit seinen Sätzen von der besten Welt, und mit „seinen Begriffen von der Gerechtigkeit Gottes reimen lasse." Man vergesse nicht, was dieses für ein Beweis ist. Es ist der, welcher die endlose Dauer der Strafen, aus der unaufhörlichen Fortsetzung der Sünde herleitet. Aber in welcher Verbindung stehet dieser Beweis mit der Lehre von der besten Welt? Wie kann er dieser Lehre bey denen Eingang verschaffen, welche die Ewigkeit der Höllenqualen, auch ohne ihm, annehmen? Hören diese ewige Qualen darum auf, ein Einwurf gegen die beste Welt zu seyn, weil sie gerecht sind? Gerecht, oder nicht gerecht: sie geben in beiden Fällen dem Uebel einen unendlichen Ausschlag; und gegen diesen Ausschlag, nicht gegen ihre Ungerechtigkeit, hätte Leibnitz seine beste Welt verwahren müssen. So wie er es auch wirklich gethan: aber nicht durch besagten Beweis; sondern durch eine ganz andere Ausflucht. Denn wenn dieser nehmliche, von den ewigen Qualm hergenommene Einwurf gegen seine beste Welt, auch noch dadurch verstärkt wurde, daß selbst die Zahl der ewig verdammten Menschen unbeschreiblich grösser seyn werde, als die Zahl der Seligen: was antwortete er darauf? Etwa blos, daß gleichwohl diese ungleich mehrere Verdammte, mit Recht verdammt wären? Was hätte ihm dieses für seine beste Welt helfen können, was sich ohnedem schon von selbst verstehet, wenn anders die Sache ihre Nichtigkeit hat? Vielmehr nahm er beides, so- Lcivnitz von den ewigen Strafen, 101 wohl die ewige Ncrdammniß des grössern Theils der Menschen, als auch die Gerechtigkeit dieser Vcrdammniß, für völlig ausgemacht an, und leugnete blos die Folge; indem er zeigte, was für ein unendlich kleiner Theil der Welt die Menschen insgesamt wären, und wie dem ohngeachtet in der allgemeinen Stadt Gottes das Böse, in Vcrglcichung mit dem Guten, fast für nichts zu rechnen seyn werde. (") Und das, meyne ich, hieß der Lehre von der besten Welt auch bey denen Eingang verschaffen, welche die Ewigkeit der Höllenqualen annehmen. Der Gedanke aber, woraus diese Ewigkeit herzuleiten sey, sollte blos die Gerechtigkeit Gottes dabey in ein näheres Licht setzen. Das allein ist in den Worten des Herrn Eberhard wahr. Warum er aber sagt, daß es nur auf seine, d. i. dem Lcibnitz eigenthümliche Begriffe von der Gerechtigkeit, dabey abgesehen gewesen, gestehe ich, nicht einzusehen. Schlimm genug, daß man die Lehre von der besten Welt noch immer seine Lehre nennt: warum sollen nun auch die einzigen wahren Begriffe von der Gerechtigkeit Gottes, seine Begriffe hcisscn? III. Noch fügt Herr Eberhard hinzu: „Er (Lcibnitz) „nimmt die ewigen Qualm nur bedingungsweise an, und zeigt, „daß sie in der Voraussetzung ewiger Vcrschuldigungcn nichts ungerechtes enthalten." Ich kenne die Stelle in der Theodicee,(^) wo sich L.eibnilz vollkommen so ausdrückt. Gleichwohl würde er es schwerlich haben auf sich kommen lassen, wenn man daraus hätte schliesset! wollen, daß er sonach alles, was die Gottesgelehrten sonst für die Ewigkeit der Strafen anzuführen pflegen, schlechterdings verwerfe. Er thut dieses wirklich auch so wenig, daß er vielmehr in dem wichtigsten Punkte, worauf es dabey ankömmt, mit ihnen mehr als einig ist. Ich will sagen, daß er diesen Punkt nicht allein in seinem Werthe oder Unwerthc beruhen läßt, sondern ihn sogar sehr scharfsinnig vertheidiget. Herr Eberhard behauptet, daß GOtt bey seinen Strafen, einzig und allein die Besserung der Bestraften zum Zwecke haben könne und müsse. Aeibnilz hingegen dehnet diese Besserung nicht allein auf die aus, welche die Strafen nur mit ansehen; (°) Thcodicce Th. I. §, 10, (°°) Theil I. H. 133. Leslmgs Wette ix. 11 102 Zur Geschichte und Litteratur. Erster Beytrag. gesetzt auch, daß sie bey den Bestraften selbst nicht Statt fände: sondern er redet auch der blos rächenden Gerechtigkeit Gottes, welche weder die Besserung, noch das Exempel, m inemo I» repsiation msn>>ement, ni I'exemple, ni meme I» reptlr-Uien >U> msl. — llolibes et !en une denn« arcliileolure ooiUenIe les el°nrils Iiiei>5»i«s. ?'/ieoÄ. 8. 73. (") Thcod. III. H. 92. Leibnitz von den ewigen Strafen. 163 man ihn geradezu beschuldigte, er sey in Ansehung der Lehre selbst mit sich nicht einig gewesen; indem er sie öffentlich mit den Worten bekannt, heimlich und im Grunde aber geleugnet habe. Denn das wäre ein wenig zu arg, und liesse sich schlechterdings mit keiner didaktischen Politik, mit keiner Begierde, allen alles zu werden, entschuldigen. Vielmehr bin ich überzeugt, und glaube es erweisen zu können, daß sich Ä.eibnicz nur darum die gemeine Lehre von der Verdammung, nach allen ihren exoterischcn Gründen, gefallen lassen; ja gar sie lieber noch mit neuen bestärkt hätte: weil er erkannte, daß sie mit einer grossen Wahrheit seiner esoterischen Philosophie mehr übereinstimme, als die gegenseitige Lehre. Freylich nahm er sie nicht in dem rohen und wüsten Begriffe, in dem sie so mancher Theologe nimmt. Aber er fand, daß selbst in diesem rohen und wüsten Begriffe noch mehr wahres liege, als in den eben so rohen und wüsten Begriffen der schwärmerischen Vertheidiger der Wie- dcrbringung: und nur das bewog ihn, mit den Orthodoxen lieber der Sache ein wenig zuviel zu thun, als mit den letztern zu wenig. V. Herr Eberhard hat diese Meynung von ihm, und seiner esoterischen Philosophie, gerade nicht. Er glaubt, der vornehmste Grundsatz derselben, von dem beste» Zusammenhange der Dinge, erhalte erst alsdenn seine größte Evidenz, wenn man annimmt, daß alle vernünftige Wesen endlich einmal zur Glückseligkeit gelangen. „Dieses, sagt er, „hat Lcibnitz wohl „gefühlt, und ungeachtet er, wie ich oben bcmcrkt habe, seine „Philosophie auch der entgegengesetzten Meynung anzupassen „suchte: so hat er doch seine eigene Mißbilligung derselben nicht „undeutlich zu verstehen gegeben. Einer seiner geschicktesten „Schüler und Vertheidiger, (valtel) erkennet dieses ohne Bc- „ denken. Das mildere Schicksal der Sünder ist auch seinen „Grundsätzen zu tief cingcgrabcn, als daß man die letzten, annehmen, und das erstere verwerfen könnte; wofern man ihre „ganze Kraft und Ausdehnung kennt, und die innersten Geheimnisse derselben erforscht hat. Er kennet keinen Stillstand, „keine Ruhe in der Welt; alles ist, bis im Kleinsten, in stc- „ter Bewegung, und zwar zu mehrerer Ausdehnung. Diesen „Wachsthum zieht er augenscheinlich der gleichmässigen Voll- 11» 1L4 Zur Geschichte und Litteratur. Erster Beytrag, „kommenhcit vor; man mag ihn übrigens durch die Ordinären „der Hyperbel oder des Dreyecks erklären."^ Zch muß, mit Erlaubniß des Herrn Eberhard, hier anmerke», daß, wenn er sich, in Ansehung dieses letztem aus der Leibnizischen Philosophie gezognen Grundes, nicht überhaupt irret, er sich doch wenigstens, in Betracht der dafür in der Note angeführten Stelle, gewiß ganz vergriffen hat. K.eibnirz sagt daselbst: n!in5/i, I.ellro -t IN. SourAel, Onr,, r. II. o. IIZ. (°°) Hier ist die Stelle, i» ihrem völligen Zusammenhange: vn pem kormer «leux Ii^iolueses, I'une «.ue la »iUure eN Ivu^ours «^»leiuenl n»r- s»Ue, I'sulrs yu'elle croit lou^ours en veifeclivn. 8i eile ett lou^ours exslement i>i>rf»ile, n>si8 vÄrisdleinent, U esl plu« vrs!5emkladls qu'il i>> sit point lle commencemenl. li eile croistuit lou^'ours en perkeelion (tunvvrv qn'il »e seit noint noksilile äe Iiii Sonner loule I» nerseelion loul s I» kois) la cüole ss vourroit encore expliiuer lle lleux savons, 5»voir psr les vrltonnees >Ie ^Ilxoerkole vu par cvlle ilu Lriitn^Ie. 8uivs»t I'uxnoluels ,1s I'II^perliole, il n> »uroU poinl »>e eoniineneemenl, et les inNsns vu ets!» llu monüe seroient crü en vekkvction Ueouis loute I'eler- iille; mais luivunt I'ü>noll>e5e >Iu 'r'liitnxle, U > auroil vu »n coinmen- rement. I-'Ii^vvIIu-se 5sc>ion vsale servil celle >!'un liecliinkle. 5e »e vois vss envore le mo^en ,Ie fgire voir uemonslrsllvemenl cs yu'vn «ioil clioisir psr Ii> »ure rilisv». Leibnitz von den ewigen Strafen. cincn ersten Augenblick amichmell wolle, oder nicht, entweder durch die HyvothcS der Hyperbel oder des Triangels erläutert: so erläutert er die immer gleiche Vollkommenheit, durch das Rcctangulum. Von allen diesen dreyen Hypothesen zusammen sagt er, in einem andern Briefe, als dem, welchen Hr. iLbcr- harv anführt, ausdrücklich: ^inti !I nett pas tt aite cle äeei- cler, eutrv los tro!s Ii^riotlietes, et il laut eneore lieaueeup cle mvcliwtion pour en von!,- ä kout. Ferner in noch einem andern: (juant it la granclo c^ucttion, s'il ett pottible cle clvmontrer psr isifoa quelle Ii^notliele, favoir llu reetanFlo, Äletapli^fisjuv on ri'a pns I'avsa- taZs lies Alatliematiclens cle pouvoir fixer los icleos ^ar cles Lgu- res; il saut cnie la rigueur llu ralfonnement ttinpleo, I-ttzuellv oe ^eut Fuvrv etre vdtenue vn ees matieres, kjii'en odtervant la forme I^o-Aihne. — ^!nfi je vous l'rie, IVIonfieur, cle peokor commo vous pourries roclulre vos r»ifonnomens liV-cleftiis ä une forme cluü; car je neu vois p»s encore le moven. lind, wie gesagt, alles dieses schrieb er im Zahre 1745; also, am Ende seiner Laufbahn, in Briefen, welche die letzten Erläuterungen seines Systems enthalten. Daher sind diese nehmlichen Briefe an Herrn Bourgnet, welche in des Herrn Dutcns Ausgabe der sämmtlichen Werke zuerst erschienen, auch einer der schätzbarsten Vorzüge derselben. VI. Wollte aber Herr Eberhard seine Worte nicht so genau genommen wissen; sollte er blos haben sagen wollen, daß obschon L.eibnirz keine von den gedachten Hypothesen im eigentlichen Verstände demonstrircn können, er gleichwohl für die von dem beständigen Fortgangc zu grösserer Vollkommenheit, einen merklichern Hang gehabt habe: so muß ich gestehen, daß ich ihm auch hicrinn nicht bcyfallcn kann. K.eibniy scheinet mir vielmehr der immer gleichen Vollkommenheit um vieles geneigter gewesen zu seyn, ja seinen Freund einer förmlichen Demonstration derselben sehr nahe gebracht zu haben, welche er vielleicht seine Ursachen hatte, lieber aus ihm hcrauszuhohlen, als ihm vorzusagen. Ich gründe mich besonders auf die Stelle, wo er 166 Zur Geschichte und Litteratur. Erster Beytrag. ihm schreibt: Vous avoi? rsilon, IVIoiitiour, t lour t^ttüwe 6o!t roevvoir ä'itliortl toutv li» ^»ersoetio» clont il ott cs^sblo. (!sr ti cotto contvljuenco otoit donno, I'k^s»o tlivto llu koewnFlo koroit llomontrvo. Mich dtmkt nehmlich, wenn diese Folge auch nicht nothwendig, sondern wenn sie mir möglich ist, daß dadurch die Hypothes des Rcctangels schon einen grosse» Vorzug gewinnt. Denn das Ganze könnte sonach in jedem Augenblicke diejenige Vollkommenheit haben, der es sich, nach der andern Hypothes, nur immer nähert, ohne sie jemals zu erreichen; und ich sehe nicht, warum es nicht eben daher das Wählbarere für die ewige Weisheit sollte gewesen seyn. Die Möglichkeit aber, daß die unendliche Zahl der endlichen Wesen gleich Anfangs in den vollkommensten Zusammenhang, deren sie sähig sind, gebracht werden können, giebt L.eib- niiz nicht allein zu, sondern rettet sie auch gegen den Vorwurf des immer Einerleyen; indem er zeigt, daß wenn der nehmliche Grad der totalen Vollkommenheit schon bliebe, dennoch die einzeln Vollkommenheiten unaushörlich sich ändern würden. VII. Doch gesetzt auch, alles dieses verhielte sich nicht so, wie ich sage; gesetzt, es wäre ganz ohnstrcitig, was Herr Eberhard vorgicbt, daß L.eibnilz den unaufhörlichen Wachsthum der gleichmäßigen Vollkommenheit augenscheinlich vorgezogen habe: würde er nicht sodann wenigstens den Begriff, den Lcibnitz mit diesem Wachsthum? verband, viel zu weit ausdehnen? Lcibnitz hätte ihn zuvcrläßig blos von den allgemeinen Zuständen des Ganzen verstanden: und Herr Eberhard erstreckt ihn auf alle einzelne Wesen. Wenn aber auch diese in beständiger Bewegung zu mehrerer Ausbreitung seyn sollen: so möchte ich wissen, wie bey moralischen Wesen überhaupt Sünde Statt haben könnte? Es wäre denn, daß die Sünde selbst nichts anders als eine Bewegung zu mehrerer Ausdehnung seyn sollte. Nein, so hat Leibnitz gewiß nicht gedacht; sondern was er von einem einzeln Zustande des Ganzen, nach der Hypothes der gleichmäßigen Vollkommenheit, sagt; cotto colloetlon pvut avvir toutv la pvrleetion, H-uo«^«« e/w/e« co»^o/e,it Mt^tmt ttttAmente? et t/«'m»tt«e,- ^ö,/eet«'o?!das ist schlech- Leiblich von den ewigen Strafe», tcrdings auch von jedem Zustande des Ganzen, nach der Hy- pothcs des immerwährenden Wachsthums zu verstehen. Das Ganze mag in dem nehmlichen Grade der Vollkommenheit fortdauern, oder jeden Augenblick an Vollkommenheit wachsen: so hindert das eine eben so wenig, als das andere, daß nicht einzelne Wesen eben so wohl an Vollkommenheit zunehmen als abnehmen könnten. Ohne dieses mögliche Abnehmen ist bey moralischen Wesen die Sünde unerklärlich; und mehr, als eben dieses mögliche Abnehmen, braucht es nicht, auch die Strafe, ja die ewige Strafe der Sunde, selbst in dem System der immer wachsenden Vollkommenheit, zu erklären. VIII. Aber ich muß zuvörderst jene esoterische grosse Wahrheit selbst anzeigen, in deren Rücksicht L.eibmy, der gemeinen Lehre von der ewigen Acrdammniß das Wort zu reden, zuträglich fand. Und, welche kann es anders seyn, als der fruchtbare Satz, daß in der Welt nichts insulirct, nichts ohne Folgen, nichts ohne ewige Folgen ist? Wenn daher auch keine Sünde ohne Folgen seyn kann, und diese Folgen die Strafen der Sünde sind: wie können diese Strafen anders als ewig dauern? wie können diese Folgen jemals Folgen zu haben aufhören? Hr. Eberhard selbst erkennet, in diesem Verstände, die Ewigkeit derselben, und drückt sich mit aller Stärke und Würde darüber aus. „Wenn nichts anders die endlose Hölle „seyn soll, als dieser ewige Schaden, der uns von jeder Versündigung ankleben soll: so wird niemand bereitwilliger seyn, „als ich, dieser Meynung die Hände zu bieten. Ich werde „gern alle Mißdeutungen, denen der Ausdruck könnte unterworfen seyn, um der Sache selbst willen, übersehen. Ich „werde es mit allem Eifer, und mit aller Ucbcrrcdungskraft, „die mir Gott gegeben hat, den Gemüthern einzuprägen suchen, „daß eine jede Unsittlichkcit ihre böse Folgen bis ins Unendliche „habe, daß ein jeglicher Schritt, den man in dem Wege der „Vollkommenheit zurück thut, unser ganzes ewiges Daseyn hindurch, an der ganzen Summe derselben, an der Länge des „durchlaufenen Weges fehlen werde." Schön und wohl! Aber wie kam es, daß ihm nur der einzige Naumgartei» diese Ewigkeit der Strafe zu innuircn schien? Wie kam es, daß er die- 168 Zur Geschichte und Litteratur. Erster Beytrag. scm allein die Ehre gab, einen so wahren und grossen Verstand damit verknüpft zu haben? Folget sie nicht auch aus Leibnitzischcn Grundsätzen? Za beruht sie selbst bey Baumgarten auf andern Grundsätzen, als auf Leibnitzischcn? Der Satz, woraus sie dieser unmittelbar herleitet, daß kein negatives Ding in einem reellen Dinge ein Grund von Realität seyn könne: was ist er weiter, als eine für gewisse Fälle brauchbarere Formel des zureichenden Grundes? Nicht zu gedenken, daß aus diesem Satze nicht sowohl die ewige Fortdauer der Verdammnis;, als die Unmöglichkeit aus der Verdammniß durch die Verdammnis) in die Seligkeit überzugehen, fliestet. IX. Wenn nun aber die Ewigkeit der Strafen in unge- zwcifcltcn Lcibnitzischcn Lehren so offenbar gegründet ist: so muß sie sich auch zu beiden Hypothesen von der Vollkommenheit der Welt, der gleichmäßigen sowohl als der wachsenden, schicken; wenn sich anders das ganze System des Lcibnitz, wie ich gesagt habe, gleichgültig gegen diese Hypothesen verhält. Und das thut sie auch wirklich; unter der Einschräiikung nehmlich, daß sowohl die eine als die andere Art der Vollkommenheit nicht von jedem einzeln Wesen, sondern von den totalen Zuständen aller Wesen zugleich, prcidicirct wird. Unbeschadet der einen und der andern, kann ein moralisches Wesen nicht allein in seinem Fortgang? zur Vollkommenheit stocken, nicht allein einige Schritte zurückgehen: sondern ich sehe nicht, warum es nicht auch in diesem Rückgänge ewig beharren, und sich immer weiter und weiter von seiner Vollkommenheit entfernen könnte? Auf dieser Möglichkeit beruhet der exotcrischc Grund, den Lcibnitz für die unendliche Dauer der Verdammniß, aus der endlosen Fortsetzung der Sünde hernahm. Nur hätte er, um ganz orthodox zu seyn, nicht nur eine ewige Verdammniß, sondern eine ewige in alle Ewigkeit wachsende Verdammniß daraus folgern müssen. X. Allerdings schaudert die Menschheit bey dieser Vorstellung, ob sie schon nur auf die blosse Möglichkeit sich beziehet. Ich möchte aber darum doch nicht fragen: warum mit einer blossen Möglichkeit schrecken? Denn ich müßte mich der Gegenfrage besorgen: warum nicht damit schrecken, wenn sie doch nur eigentlich für den erschrecklich seyn kann, dem es mit seiner Besserung Leibnitz von den ewigen Strafen. 169 ine ein Ernst gewesen? Gesetzt aber auch, daß es selbst mit dieser Möglichkeit noch nicht seine Richtigkeit hätte; daß sie zwar mit der Vollkommenheit des Ganzen bestehen könnte; daß aber der ewige Rückgang eines moralischen Wesen, in sich selbst widersprechend wäre: so bleibt auch so noch die Ewigkeit der Strafen nach den strengsten Lcibnitzischcn Grundsätzen gerettet. Genug, daß jede Verzögerung auf dem Wege zur Vollkommenheit in alle Ewigkeit nicht einzubringen ist, und sich also in alle Ewigkeit durch sich selbst bestrafet. Denn nun auch angenommen, daß das höchste Wesen durchaus nicht anders strafen kann, als zur Besserung des Bestraften; angenommen, daß die Besserung über lang oder kurz die nothwendige Folge der Strafe sey: ist es schon ausgemacht, ob überhaupt die Strafe anders bessern kann, als dadurch, daß sie ewig dauert? Will man sagen? „allerdings; durch die lebhafte Erinnerung, welche sie von sich zurück läßt." Als ob diese lebhafte Erinnerung nicht auch Strafe wäre? Xl. Doch warum bey Dingen verweilen, die niemand leugnet? Nicht die Ewigkeit der natürlichen Strafen wird geleugnet, sondern — was denn? — die Ewigkeit der Hölle. — Also ist beides nicht eines? Also ist die Hölle etwas anders, wenigstens etwas mehr, als der Inbegriff jener Strafen? — Ich weiß wohl, daß es Theologen giebt, die dieser Meynung sind. Allein ich finde, daß wenigstens Herr Eberhard unter diese Theologen nicht gehöret; und er ist darum gewiß nicht weniger orthodox, als sie. Denn in der ganzen Religion ist nichts, was so etwas zu glauben nöthige. Vielmehr kann und darf man mit aller Sicherheit annehmen, daß die in der Schrift gedrohten Strafen keine andere sind, als die natürlichen, welche auch ohne diese Androhung aus die Sünde folgen würden. Wenn aber eine Höhcrc Weisheit eine dergleichen ausscrordcntliche Androhung noch für nöthig gehalten hat: so hat sie für eben so zuträglich erkannt, sich ganz nach unsern gegenwärtigen Empfindungen davon auszudrücken. Und hier, denke ich, stehen wir an der Quelle, woraus alle die Schwierigkeiten geflossen sind, warum man die Ewigkeit der Verdammniß leugnen zu müssen geglaubt. Indem nehmlich die Schrift, um die lebhafteste Vorstellung von jener Unglückscligkcit 170 Zur Geschichte und Litteratur. Erster Beytrag. zu erwecken, die auf die Lasterhaften wartet, fast alle ihre Bilder von dem körperlichem Schmerze hernahm, mit dem alle Menschen ohne Ausnahme am bekanntesten sind: so hat man, wenn auch nicht die körperlichen Schmerzen selbst, wenigstens deren Beschaffenheit und Verhältniß zu unserer Natur, nicht für das Bild, sondern für die Sache selbst genommen, und aus diesem falschen Begriffe etwas bestritten, was auf alle Weise gegründeter ist/ als dieser Begriff. So sind aus Strafen, Qualen; aus Qualen, ein Zustand von Qualen; aus der Empfindung eines solchen Zustandes, eine alles andere ausschlies- sendc, unsers ganzen Wesens sich bemächtigende Empfindung geworden. Kurz, die intensive Unendlichkeit, die man, mehr oder weniger, stillschweigend oder ausdrücklich, den Strafen der Hölle unbcdachtsam beygelegt, oder gar beylegen zu müssen geglaubt; diese weder in der Vernunft noch in der Schrift gegründete intensive Unendlichkeit allein ist es, welche die unendliche Dauer derselben so unbegreiflich, mit der Güte und Gerechtigkeit Gottes so streitend, unsern Verstand und unsere Empfindung so empörend, macht, von jeher gemacht hat, und nothwendig machen muß. XII. Besonders bey denen machen muß, die sich keine göttliche Strafen ohne Absicht der Besserung denken können. Ihr Gefühl ist sehr richtig, aber ihre Verstand macht einen Trugschluß. Nicht durch die unendliche Dauer der Strafen wird die Besserung ausgeschlossen, sondern durch die intensive Unendlichkeit derselben. Denn zu dieser intensiven Unendlichkeit gehöret vornehmlich ihre Stetigkeit; und diese Stetigkeit ist es, welche alle Besserung unmöglich macht. Ich will sagen, und habe zum Theil schon gesagt: wenn die Strafen bessern sollen; so hindert die immerwährende Fortdauer des physischen Uebels derselben, so wenig die Besserung, daß vielmehr die Besserung eine Folge dieser Fortdauer ist. Aber die Empfindung dieses dauernden Uebels muß nicht stetig, muß wenigstens in ihrer Stetigkeit nicht immer herrschend seyn: weil es unbegreiflich ist, wie bey dieser herrschenden Stetigkeit auch nur der erste Entschluß zur Besserung entstehen könnte. Herr Eberhard selbst behauptet die Möglichkeit 5es ersteren mit so ausdrücklichen, als nachdrücklichen Worten. „Das physische der Strafe mag immer bleiben; der Lcibnitz von de» ewigen Strafen. 171 „besser belehrte Sünder wird es kein Uebel mehr nennen, er „wird sich dabey nicht mehr unglücklich dünken, so schmerzhaft „es auch immer seiner Sinnlichkeit seyn mag." Was heißt dieses anders; als daß sich der Sünder bessern kann, ohngeach- tct seine Strafe nie aufhöret? Aber wenn sollte er nur den Gedanken fassen, daß das fortdaurcnde physische Uebel für ihn ein wohlthätiges Uebel sey, wenn sollte er anfangen können, besser belehrt zu seyn, falls die Empfindung dieses Uebels so intensiv und stetig wäre, als man es aus einigen figürlichen Ausdrücken der Schrift folgern zu müssen glaubt? Xlll. Ich sage mit Bedacht, aus einigen figürlichen Ausdrücken. Denn andere, besonders wenn man die Parabeln mit zu den figürlichen Ausdrücken rechnen darf, leiten auf weit richtigere Begriffe, mit welchen sowohl die Endlosigkeit der Strafen, als zugleich die Besserung des Bestraften bestehen kann. Daß aber die eine die andere nicht aufhebt, ist nicht allein unter der Voraussetzung begreiflich, daß die Besserung nicht anders als durch die Fortdauer der Strafen erhalten werden könne: sondern kann auch auf eine andere Weise mehr als wahrscheinlich gemacht werden. Nehmlich, wenn man in Erwägung zieht, daß obschon Strafe und Belohnung etwas positives seyn werden lind seyn müssen, dennoch ein Stand von Strafen und ein Stand von Belohnungen zugleich relative Begriffe sind, welche die nehmlichen bleiben, so lange sie in dem nehmlichen Verhältnisse abnehmen oder wachsen. Der reiche Mann in der Hölle mag sich immer bessern; mag sich immer, von dem ersten Augenblicke der empfundenen Strafe an, seiner Vollkommenheit wieder zugewandt, und mit jedem folgenden Augenblicke sich ihr mehr und mehr genähert haben. Hört er darum auf, in Ansehung des Lazarus, in der Hölle zu bleiben, der von dem ersten Augenblicke seiner empfundenen Seligkeit an, indeß um eben so viele Schritte einer höhcrn und höher» Vollkommenheit zugeeilet ist? — Wer hicrwider im Ernste den Entwurf machen kann, daß auf diese Weise Hölle und Himmel in eines fliesscn, und sich jeder Sünder sonach trösten könne, über lang oder kurz dennoch einmal in Himmel zu kommen: der ist gerade derjenige, mit dem man sich über dergleichen !t72 Zur Geschichte und Litteratur. Erster Beytrag. Dinge in gar keine Erklärung einlassen müßte. Für ihn mag es mir immer bey dem Buchstaben bleiben. Denn auf ihn und seines gleichen, ward gerade bey dem Buchstaben gesehen. XIV. Aber einen Mann, wie Hr. Eberhard, darf ich fragen, ob jene unzcrtrcnntc Fortschreitung, welche beide Stände, Himmel und Hölle, durch unendliche Stufen verbindet, ohne daß jemals weder der eine noch der andere seine relative Benennung verlieret, nicht schon aus dem System der bessernden Strafen folget? Und ob die gänzliche Scheidung, welche die gemeine Dcnkungsart zwischen Himmel und Hölle macht; die nirgends grenzenden Grenzen, die auf einmal abgeschnittenen Schranken derselben, die, ich weiß nicht, durch was für eine Kluft von Nichts, gctrcnncr seyn sollen, dißscits welcher schlechterdings nur lauter solche, und jenseits welcher schlechterdings nur lauter andere Empfindungen statt haben würden: ob alle dergleichen Dinge nicht weit »»philosophischer sind, als der allergröbste Begriff von der ewige» Dauer der Strafen nur immer seyn kann? Bey diesem liegt doch noch wenigstens eine grosse unstreitige Wahrheit zum Grunde: und er wird nur darum so unsinnig grob, weil man jene Ungereimtheiten mit hineinnimmt, die sowohl mit dem Wesen der Seele, als mit der Gerechtigkeit Gottes streiten. XV. Daß sie mit dem Wesen der Seele streiten, ist daher klar, weil die Seele keiner lantcrn Empfi»du»g fähig ist; das ist, keiner solchen Empfindung fähig ist, die bis in ihr kleinstes Moment nichts als angenehm, oder nichts als unangenehm wäre: geschweige, daß sie eines Zustandes fähig seyn sollte, in welchem sie nichts als dergleichen lautere Empfmdungen, entweder von der einen oder von der andern Art, hätte. Daß sie aber auch mit der Gerechtigkeit Gottes streiten, dieses, fürchte ich, dürfte vielleicht weniger erwogen seyn worden, als es verdienet. Was heißt indeß offenbarer damit streiten, als annehmen oder zu verstehen geben, daß selbst die Gerechtigkeit Gottes einer Unvollkommcnheit bey ihren Strafen nicht ausweichen könne, welche der menschlichen Gerechtigkeit in gewissen Fällen unvermeidlich ist? Diese Unvollkommcnheit besteht darin», daß die menschliche Gerechtigkeit, wenn Strafen und Belohnungen col- Lcibnitz von den ewigen Strafen. 173 lndiren, nicht anders als durch die wenigere Bestrafung belohnen, und durch die wenigere Belohnung bestrafen kann: mit einem Worte, daß sie in dergleichen Fallen, wie der Ausdruck ist, in Bausch und Bogen bestrafen und belohnen muß. Aber dieses müßte auch Gott? Nimmermehr. Sondern, wenn es wahr ist, daß der beste Mensch noch viel Böses hat, und der schlimmste nicht ohne alles Gute ist: so müssen die Folgen des Bösen jenem auch in den Himmel nachziehen, und die Folgen des Guten diesen auch bis in die Hölle begleiten; ein jeder muß seine Hölle noch im Himmel, und seinen Himmel noch in der Hölle finden. Die Folgen des Bösen müssen von den meh- rcrn Folgen des Guten, und die Folgen des Guten von den mchrern Folgen des Bösen nicht blos abgezogen werden: sondern jede derselben müssen sich, in ihrer ganzen positiven Natur, für sich selbst äusser». Nichts anders meinet die Schrift selbst, wenn sie von Stufen der Hölle und des Himmels redet. Aber der undcnkendcre Theil ihrer Leser, stellt er sich diese Stufen auch so .vor? Oder giebt er nicht vielmehr einer jeden dieser Stufen, sie sey so niedrig als sie wolle, gleichsam ihre eigene intensive Unendlichkeit? Die niedrigste Stufe des Himmels, ist ihm freylich nur die niedrigste: aber dem ohngcach- tet, nichts als Himmel, nichts als Freude und Wonne, nichts als Seligkeit. XVI. Und nun: warum seine Waffen nicht lieber gegen diese irrigen Begriffe wenden, die noch dazu ungleich leichter aus der Schrift hinweg zu crcgcsircn sind, als die unendliche Dauer der Strafen? Mich wenigstens dünket, daß selbst der scharfsinnigste Ausleger, wenn er gegen diese an will, Dinge als ausgemacht annimmt, gegen welche noch sehr viel einzuwenden wäre. Z. E. Wenn Herr Eberhard darauf dringt, daß das Wort ewig in der hebräischen und griechischen Sprache nur eine unbestimmte, aber kcincswcges unendliche Dauer andeute; so sagt er unter andern: „Uebcrhanpt muß man die Zeitfolgc in der stufenweise» Erhöhung eines solchen abstrakten Begriffs, als der Begriff der „Ewigkeit ist, wohl bemerken. Dieser Begriff ist nicht immer „so transcendental gewesen, als ihn zuletzt die stärkste An- „strengung der erhabensten Philosophie gemacht hat." Die 174 Zur Geschichte und Litteratur, erster Beytrag. Erinnerung, welche hier zum Grunde liegt, kann bey vielen metaphysischen Begriffen ihre gute Anwendung haben, bey dem aber von der Ewigkeit wohl schwerlich. Da er blos negativ ist, so sehe ich nicht, was für eine Gradation darin» möglich ist. Man hat ihn gar nicht gehabt, oder man hat ihn von jeher so vollständig gehabt, als er nur seyn kann. Daß man eine lange unbestimmte Zeit eine Ewigkeit zu nennen gewohnt gewesen: das beweiset im geringsten nicht, daß man sich anfangs auch die Ewigkeit nur als eine lange unbestimmte Zeit gedacht habe. Denn jenes geschieht noch täglich auch von Leuten, die sehr gut wissen, was das Wort Ewigkeit eigentlich sagen will. Noch weniger beweiset die ursprüngliche Armuth der Sprache, die den abstrakten Begriff der Ewigkeit nicht anders, als durch Häuffung der Zeit auf Zeit, auszudrücken wußte, daß dem Begriffe selbst das wesentliche jemals gefehlt habe. Die Geschichte der Weltwcishcit ist auch völlig dagegen. Denn er sey immerhin, dieser Begriff der Ewigkeit, eine besondere Anstrengung der erhabensten Philosophie: wenigstens, ist die Philosophie einer solchen Anstrengung sehr früh fähig gewesen; und diese erhabenste Philosophie ist keine andere, als die allcräl- teste. Selbst das Transcendentalste, dessen er fähig ist, dieser Begriff der Ewigkeit, und wozu sich selbst noch itzt so wenige erheben können; ich meine die Ausschließung aller Folge: selbst dieses war den alten Philosophen schon sehr geläufig, und wie gesagt, fast geläufiger, als unsern. XVII. Eben so wenig möchte ich verschiedene andere Aeusserungen des Herrn Eberhards über diese Materie, zu den meinigen machen, die ohne das Wesentliche der Streitfrage zu betreffen, sie dennoch in einem falschen Lichte zeigen. Ein solches Licht nenne ich, die obschon nicht ausdrückliche Behauptung, aber gleichwohl sehr richtig zu folgernde Andeutung, daß die Lehre von den ewigen Strafen unter den Christen entstanden sey. „Zwar bin ich nicht im Stande, sagt er, den wah- „rcn Zeitpunkt ihres Entstehens und ihrer Ausbreitung unter „den Christen anzugeben. Es sey aber welcher es wolle, so „muß in demselben die Barbarcy schon so viel Land gewonnen „haben, daß die Sophisterei) der Schulgclchrtm in den mensch- ^»«c^>^S^KSÄ»?^zi Leibnitz von den ewigen Strafen. 175 „liehen Gemüthern einen gebahnten Weg vor sich finden konnte. „Denn daß die Verminst diese schreckliche Lehre verkenne, da- „von hoffe ich den Beweis bis zu einer solchen Augcnschcinlich- „keit zu führen, daß Ihnen nichts mehr wird übrig bleiben, „als sie auf die Rechnung unrichtig verstandener Schriftstellen „zu schreiben." Wie gesagt, wenn er es in diesen Worten nicht ausdrücklich leugnet, daß auch andere Religionen, als die Christliche, die ewigen Strafen der Lasterhaften lehren, und gclehret haben: so ist sein Ausdruck doch nicht ganz unschuldig, wenn der Sache Unkundige sich daraus einbilden, daß es allerdings von keiner andern geschehe, oder jemals geschehen sey. Gleichwohl ist dieses so falsch, daß es ihm schwer werden dürfte, auch nur eine zu nennen, welche die endlichen Strafen mit klaren Worten lehre, und sich nicht vielmehr von dem Gegentheil eben so streng ausdrücke, als er zugestehen muß, daß es in der Schrift wenigstens dem Ansehen nach geschieht. Ein jeder neue Christ brachte daher die gcmißbilligte Lehre ans seiner verlassenen Religion in die christliche schon mit hinüber, und die mißverstandenen Stellen der Schrift brauchten ihn nicht daraus zu bringen, sondern konnten ihn höchstens nur darinn bestärken. Vielmehr dürfte sich der Zeitpunkt weit leichter angeben lassen, wenn man eine allen Religionen so gemeine Lehre, in der christlichen Religion zuerst angefangen hat, theils aus vermeinten philosophischen Gründen, theils aus eignen mißverstandenen Voraussetzungen, zu bestreiken. Und auch schon wegen dieser Uebereinstimmung aller Religionen, möchte ich nicht mit dem Herrn Eberhard sagen, „daß die Vernunft diese „schreckliche Lehre verkenne" oder wie er sich an einem andern Orte noch nachdrücklicher ausdrückt, „daß die Vernunft an die- „scm Lehrsätze unschuldig; daß in dem ganzen Umfange ihrer „Wahrheiten sich nicht eine finde, die durch eine richtige Folgerung dahin führe." Was alle Religionen gemein haben, kann ja wohl in der Vernunft nicht ohne Grund seyn; und ohnstrcitig ist die von jeher, obschon mehr dunkel empfundene als klar erkannte Wahrheit von den ewigen Folgen der Sünde, hinlänglich gewesen, darauf zu bringen. Oder vielmehr diese Wahrheit, und die Lehre von den ewigen Strafen ist im Grunde 176 Zur Geschichte lind Litteratur, erster Beytrag. eines; nur in den vcrschicdncn Religionen durch die Bemühung, diese Strafen sinnlich zu machen, mehr oder weniger verstellet. XVIII. Ich schliesst mit der nähern Anzeige der gleich anfangs erwähnten Ursache, warum ich wünschen könnte, daß sich Herr LLberhard gegen die ewigen Strafen der Lasterhaften, wenigstens nicht in einer Apologie des Sokrares möchte erklärt haben. Es ist diese, weil Sokratcs selbst solche ewigen Strafen in allem Ernste geglaubt, wenigstens so weit geglaubt hat, daß er es für zuträglich gehalten, sie mit den unverdächtigsten ausdrücklichsten Worten zu lehren. Man sehe seine Rede zum Schlüsse des Georgias beym Plaro, in welcher folgende Stelle schlechterdings keine Einwendung dagegen erlaubt. H?oo-- Tzxxt 6s ?c«v?t, LV ?i/i.i.u)^« »vrl, I^ir' «Xx,o°u oziA'^i; ^i.U)po^l.xvui, ^Zx^tovl ^-t^'i^o'^cxl, x«!, ovtvcxo A-oct, ^ pocckxl^i.« i'l ?o7^ «^oi? ^'I^-vxo'^«^ tv« «/.^ot ?c«'c>')^c>v?c>c « ^«o'xoc, cpo^Zo^i^e^'o^ ^Zx^/oT)^ ^-^i'UiV7'«t. L'tcr^ ^ (vcs>xXo^i.^xi.'c>l ?x xcxi cs/x^v cstckov^x^ i^irö A^ecAv xoct o^o^ ot tLccrt^« «^^«p^^ii^«?'« «^i.oc^uio'tv. ö^i.lt>? <5x <5t «X,^<5ovcvi.- xoci cicki^vi^v ^i^^'xT'cxc oe^T'ot^ u? olov ?s «X^wi; «cslsct«? 'A'cxt. Ot 6' scrx«^« «<5lX7^o'k>c>'i, sl-x^ <5t« T'oicxi??'« «<5cx^i.«7'« cxvl«?'c)t ^'^i^v?'«!, ro'u^uiv ?c«c>c>cFx^t>.«7'cx ^/^vx^««.' xoet o^oi, cxi^T'o't oi^xxT't ov^vwvT'oct o-i^Äv, w^x «VlcxT'oi cx^X,c>i Ä ov/vavi'«^, sc«t ?c>i^?c>i^^ opl^vT'L? cki« oc^i.ocpT'c««; ^>ti^« sitt!. oFi^vi^poi'cxT'« x«t «po^Zxc^l^T'cx?'« ?roco'^ov7'cxc; räv «xl z^povoi.', aT-x^vc?^ ?rcxpllcckx^i.>.«?'« «viV?s^i.s'voT^ xxx! ^x- vvi? ^x«^«?-« x«t voi^x?^,.«?-«. — Hier ist aller Ausflucht vorgebauet. Das ^povov ist nicht so zweydcutig, als jenes «-«v oder «^v^o?. Und was wäre auch alle Zweydeutigkeit, bey dem ausdrücklichen Gegensatze von Verdammten, die Strafen und Schmerzen leiden, damit sie sich bessern, und von Verdammten, die sich durchaus nicht bessern können, sondern blos andern zum Beyspiele in alle Ewigkeit gemartert und gcpciniget werden? "I^« ^I.x^-tc^« x«t ock^v^pc!?«?-« x«i cpojZz^cv?«?-« ^«o-x.m'z-xe «xt xpovov. Freylich ist es wahr, daß wenig- Lcibnltz von den ewigen Strafen. 177 stcns sonach Sokratcs die Strafen der Hölle nicht überhaupt, ohne Unterschied, ewig machte. Aber wenn blos dadurch seine Lehre erträglicher wird: was ist denn in unserer Religion, das uns hindert diesen Unterschied nicht auch anzunehmen? Was uns hindert? Als ob nicht der grössere Theil unserer Glaubensgenossen ihn wirklich angenommen hätte? Zencr mittlere Zustand, den die ältere Kirche glaubet und lehret, und den unsere Reformators, ohngcachtct des ärgerlichen Mißbrauchs, zu dem er Anlaß gegeben hatte, vielleicht nicht so schlecht weg hätten verwerfen sollen: was ist er im Grunde anders, als die bessernde Soldatische Hölle? Und wenn es denn nur auch blos möglich wäre, ja in alle Ewigkeit blos möglich bliebe, daß es Sünder geben könne, welche auf keine Weise zu besser» stünden; Sünder, welche nie aufhören könnten zu sündigen: warum für diese blos möglichen Ungeheuer, nicht auch blos mögliche, ihnen allein zukommende Strafen annehmen, oder gelten lassen? — — O meine Freunde, warum sollten wir scharfsinniger als A.eibm'cz, und menschenfreundlicher scheinen wollen, als Sokrares? Beantwortete Anfragen. 1 — 3. 1. Unseres Herzogs Durchl. waren von einem Gelehrten in Braunschweig um Mittheilung folgender Manuskripte gebeten worden. 1. Geographische Nachrichten des XNsnchs Zöaco. 2. Pe^erle Reise nach Mlosca«, vom Jahre 1606. bis 1608. Z. Neue Zeitungen aus dem Moscoroiter L.ande, vom Iahre 1610. 4. Briefe, die zwischen R. Sigismund von Polen, und dem falschen Demetrius gcrvechselt worden. Als ich die Erlaubniß erhielt, sie ihm übersenden zu dürfen, hatte ich, bis auf eines, sie aufzufinden wenig Mühe. Dieses eine fand ich aber auch gar nicht, so viel Mühe ich mir immer Leslings Werke IX. 12 178 Zur Geschichte lind Litteratur, erster Beytrag. gab. Ich glaubte daher die Ucbcrscndung mit nachstehenden Zeilen begleiten zu müssen, worinn ich ihm dieses meldete, und wegen der beygchcndcn Stucke einige Erinnerungen machte. Dieselben erhalten anbey die verlangten, und von Sr. Durchlaucht vcrwilligten Manuscriptc. Sie find es alle; bis auf ein einziges. Nehmlich: 1. Die Geographischen Nachrichten des Baco. Ich hoffe, daß ich nicht gefehlt habe, wenn ich darunter die Schrift des Iic>- Leiiu8 Laeo llv rvg!or>ilill8 aä papam Olomouiem verstanden, welche in dem Bande Nummer 41. Nss. Weilsli. Bl. 9t. u. folg. zu finden. (Diese Schrift, meyne ich, ist nichts anders als einer von den einzeln Traktaten, aus welchen das vierte Buch des Operi8 insioris des Baco bestehet. Weil uns die einzige Ausgabe des Iebl, von 1733 davon fehlet, so kann ich es jedoch nicht mit Gewißheit versichern. Wohl aber weiß ich, daß die darinn enthaltenen Geographischen Kenntnisse des Baco, bereits vor der Ausgabe des Iebb aus dem Mauuscriple genutzt worden. Denn in dem keeneil äe divers VovaMs eurioux sgits en lartario et vn ?ert«!, welches 1729. herauskam, finden sich im zweyten Theile bereits Huvlczues Odlervations, llu'un ^Vnglvis a tirves <1o la c^uarrivme partiv Sigismund von Polen und dem Dcmctnus 12" 180 Zur Geschichte und Litteratur, Erster Beytrag, gewechselt worden, hier in unsrer Bibliothek selbst gesehen habe. Ich fing hierauf aufs neue an, zu suchen; und habe seit Zahr und Tag nicht aufgehört, bey allem, was ich in der Bibliothek sonst gesucht, immer mit ein Auge auf diese Briefe zu haben. Aber alles vergebens; und ich weiß mir itzt nicht anders zu rathen, als daß ich den Hrn. Schlozer hiemit öffentlich ersuche, seine Worte auf eine oder die andere Weise gut zu machen. Denn er kann leicht bcgrciffen, daß es mir höchst unangenehm seyn muß, wenn man gegenwärtig in unserer Bibliothek etwas zu vermissen glaubt, was ein Mann wie Er einer Akademie, der sein Vorgeben nicht gleichgültig seyn kann, ohnlängst darinn gefunden zu haben versichert. Aus unsern gcschricbncu Verzeichnissen hat er seinen Rapport nicht gezogen, der den 46 May 4768 ans Braunschweig datiret ist. Er will, und muß alle die Stucke selbst in Händen gehabt haben, die er darinn nahmhaft macht. Gleichwohl wäre es möglich, daß sein Blick ein wenig zu flüchtig gewesen wäre; ja es finden sich sogar noch andere Spuren, die dieses glauben machen. So giebt er z. E. das ekronieum Nvsco- viticum ak anno 4684 sck ,-mnnm 4612, und die Neuen Zeitungen ans dem Nloscoviter -L.and, vom Jahr 4646, durch die Verschiedenheit der Titel hintcrgangcn, als zwey vcrschicdnc Werke an; da sie doch das eine und eben dasselbe Werk, nehmlich die bekannten Vussowschcn Nachrichten sind, wie man in dem Briefe bereits wird bemerkt haben. Ich weiß sonst alles zu finden, was er gesehen haben will, so unbestimmt er auch manches davon augicbt. Ich glaube sogar sehr wohl zu wissen, was alles für Aufsätze er unter der Menge von noch ««gedruckten Acren und Nachrichten, in deutscher und lateinischer Sprache, die merkwürdige Periode des falschen Demetrius betreffend, kann gemeint haben. Zch gestehe auch, daß in eben den Eonvolutcn, worinn sich diese Aufsätze befinden, Abschriften von ungefehr ein Dutzend Briefen des K. Sigismund vorkommen; allein kein einziger ist davon an den Dcmctrius geschrieben; geschweige, daß gar Antworten des Demetrius darunter seyn sollten. Kaum, daß des Demetrius in einem oder zweyen mit Namen gedacht wird, Beantwortete Anfragen. 181 die aber darum nichts weniger als in seinen Angelegenheiten geschrieben sind. Es wäre also doch sehr wunderbar, wenn die einzigen Briefe, auf die allein die Beschreibung des Herrn Schlozers passen könnte, sich so hartnäckig meinen Augen entzögen. Indeß, so lange es nur immer noch eine Möglichkeit ist, will ich die Glaubwürdigkeit seiner Avtopsie nicht so schlechterdings leugnen; sondern seine nähere Aeusserung und Nachwcisung erwarten. Er wird nicht in Abrede seyn, daß die Sache deren würdig ist, indem ein sehr wichtiger Punkt der damit verwandten Geschichte seine endliche Aufklärung daraus müßte erlangen können. Sigismund hat beständig behauptet, daß die Unterstützung des Dcmetrius von Seiten Polen blos das privat Werk einiger Mächtigern des Reichs gewesen; und daß zwischen ihm und dem Dcmetrius nie eher das geringste verhandelt worden, als bis dieser durch seine Gesandten um die Marina bey ihm anhalten lassen. Er hat auch, nach dem Tode desselben, in seinen öffentlichen Schriften ihn ohne Widerspruch den Betrüger seyn lassen, für den ihn die Russen erklärt hatten. Wenn nun gleichwohl zwischen beiden eine Menge Briefe sollten gewechselt seyn worden: so müßte nothwendig daraus erhellen, ob Sigismund wirklich an dem Handel so unschuldig gewesen, als er sich gestellet; ob er mir einem Betriegcr wissentlich bctriegcn wollen, oder selbst von ihm betrogen worden. Kurz; wenn man, wie ich in dem Briefe gesagt habe, nach dem, was wir itzt von dieser Geschichte wissen, an der Existenz solcher Briefe zweifeln darf: so würde, wenn es mit solchen Briefen seine Richtigkeit hätte, diese ganze Geschichte ein ander Ansehen daraus gewinnen können. ^ Anfrage aus Weimar. „Was befindet sich von des Christlichen Dichters Theovull „Ecloga in der Herzoglichen Bibliothek zu Wolfcnbüttcl an „Mspt. und alten Ausgaben? Bey erstem wünschet man eine „kurze Anzeige von dem Acusserlichen des Codicis; inglcichcn, „wenn sich ein Commcntar dabey befinden sollte, den Anfang „und das Ende desselben. Bey der Anzeige der Ausgaben vcr- 482 Zur Geschichte und Litteratur. (5rstcr Beytrag. „langet man den Titel, das Zahr des Druckes, den Namen „des Herausgebers, die Anzahl der Blätter, den Anfang und „das Ende des Eonnncntars zu wissen." Beantwortung. I. An Handschriften sind deren drey vorräthig; alle drey auf Pcrgamcn, und von ziemlichem Alter. Die ich für die älteste halte, und die wohl aus dem zwölften Jahrhunderte seyn könnte, ist in klein Folio, in einem Bande, darinn sich noch verschiedene andere lateinische Poeten aus der spätern Zeit befinden. Sie enthält den blossen Text, ohne alle Glossen und Eommcntar. Das Gedicht selbst heißt darinn weder ^c-IoZa noch lot-AMenum, sondern ist blos mit Inoiplt Ilieorlulus überschrieben. Die zrve^re Handschrift ist der Grösse nach Octav, und befindet sich in demjenigen Misccllanbandc, in welchem L.cibniiz ein Paar kleine Schriften des Mcisscnschcn Bischofs Vcnno fand, die er in der Einleitung zu dem zweyten Bande seiner Braunschwcigischcn Geschichtschreiber S. 34. gelegentlich bekannt machte. Sie hat ebenfalls nur den blossen Text, und die Ausschrift ist, wie dort. Gleich hinter her stehet von der nehmlichen Hand, Ovlclius clo Nuco. Die dritte endlich ist in Quart, in einem kleinen Bande, welcher vorher die clcgicschcn Fabeln des Ncvelctschen Anonymus, und hinterher in Prosa Vel'uaticmes Valerü All kulinum, no cluest vxorem enthält. Sie ist die neueste und schlechteste; hat aber das besondere, daß sie allein am Ende acht Zeilen mehr hat, als die andern, und als alle gedruckte Ausgaben. Ich will sie hier getreulich mittheilen, diese Zeilen; und nur die Abbreviaturen ausschreiben, ^lliio ^litli^a ileo iLllclens pia eurmilia plectrc» Ilokto luo vieto vviiit mc>clul!>rc! Iieuigiio ^Iino clvus ti'ijilex tlmul ouiiiipoteiis pie timiilex t^ui oeliiln torius inurv iurlura ritv Aubernu8 (') Gndius, dem dieser Codex ehedem gehört, hat bey dem lchlcr» Stücke angemerkt! vxiitt iiu^r ol>urs 8> ilwron^mi; als unter dessen Name» da» Ding wohl ehedem mit unlcrgclauffcn. Doch hat es schon Rcatimis ausgemerzt, und es in seiner Ausgabe der Werke des Hicronymus, (i'. IX. p, 176.) unter eben den, Namen drucken lassen, unter dem es in unserer Handschrift vorkömmt. Beantwortete Anfragen. 183 (^uitjiio IPUS euuota proprii» viilutv l'ul^ uua Irrige l'uliiectos cuueto8 tilii ktoinc l'aperlios t>ui lit luu» virtus pax gloiiu pvi^es <^uom cloeet etvl'ouin rvAnum lliiv liiie per ovuiu. Aber wer erkennet hier nicht das Gemacht eines noch spätern und noch barbarischem Mönchs? So schlecht auch die Nerse des Thcodulus sind, so sind sie doch nicht so gar erbärmlich, als dieser abscheuliche Schwanz. Sonst hat auch diese Handschrift keinen Commentar; wohl aber hin und wieder zwischen die Zeilen geschricbne Glossen. — Was nun den innern Werth aller drey anlangt, so habe ich nur die erste, welche mir die ältere geschienen, etwas genauer betrachtet, und gefunden, daß sie nicht nur eben so gut, sondern auch noch besser ist als die Helmstädtische, welche Polyc. -L.eyscr (gilt. poet. mecl. aev. p. 29 5.) verglichen. Denn sie bestätiget nicht allein alle gute und richtige Lesarten derselben, sondern hat auch noch viel eigene, die ganz unstreitig die wahren sind, und durch welche das Gedicht um ein vieles erträglicher und verständlicher wird, als es wenigstens in dem U-mualo Lidlieo des Goldast zu lesen, welcher es zuerst aus der Handschrift ans Licht zu bringen glaubte. Aber Goldast irrcte sich, und es war längst vor ihm mehr als eine Ausgabe davon in der Welt, in denen ich fast alle die bessern Lesarten schon finde, die Geyser aus dem Hclmstädti- schcn Manuscnpte beygebracht hat, und ich aus dem unsrigcn beybringen könnte. II. Von besagten alten Ausgaben sind in der Bibliothek ebenfalls drey verschiedene vorhanden, 1) Die älteste, und soviel ich finden kann, allererste gedruckte Ausgabe, die weder »Nettaire noch Fabricins gekannt hat, von 1489 zu Leipzig bey Lonrad Racheloven. Sie ist in klein Quart auf acht mit einander abwechselnden Ternionen und Quatcrnioncn, die unten von s bis n signirct, aber obcrwcrts weder numcrirt noch paginirt sind. Auf der ersten Seite des Titelblatts steht blos Leloza Ilivocluli; und auf der andern ein Holzschnitt die Scene des Gedichts mit ihren Personen vorstellend. 2) Eine neuere, eben daselbst und bey eben demselben Drucker, von 14l)2, welche beym Fabricins und Mettaire die älteste ist. Sie ist der vo- 184 Zur Geschichte und Litteratur. Erster .Beytrag. rigcn an Format und Schrift gleich, mir etwas wcitläuftigcr gedruckt: denn sie zählt neun dergleichen abwechselnde Tcrnioncn und Quatcrnioncn; und die Blatter sind mit Römischen Zahlen obcrwcrts numeriret und gehen bis XXXXXXII. 3) Eine noch neuere von 1495 zu Lölln bey Heinrich Guemell. Das Titelblatt hat IZgloZa ^Keocluli; aber zum Schlüsse sind aus dieser Einen Ekloge mehrere geworden. Denn da heißt es, IZFloZo ^Koocluli cum natsdili eommonto fslicitvr sinom lisbc-nt. Ilnd eben dieser notable Commcntar ist es, welcher in alten drey Ausgaben den Absätzen den Gedichts stückweise eingedruckt ist. Er fängt an; Lire» initium Iiuius libr! selenclum quocl ^verroes: und endet sich; et !n koe sopitur liber l'iivoclul!, äs «t. „I^uxurii IZpiFranimatum cvclox AIs. luit »piiä Nattj. Kudlum, ut pstot ex Latalago intiAni« eius Lililiotliecs;, «zuam <üc>cl!ei- dus KIss. rofertisl'imsni Iiaduit, 3 33. Lum vero iiliros AIss. Kuciio olini poslollos 5uiv Livlintlieesz adtoruerlt Oux lZuolfut!lnu8, iuter illos vkrotimilo vK etiam aclliuo acltor- vari Kurie I^uxurii eotlieom, c>uem wmc» Lalmst'ian! spvAra- pkum siil'^icc»." Man wollte wissen, ob es mit dieser Vermuthung des Herrn Zdurmann seine Richtigkeit hätte, und wollte in dem bcjaen- dcn Falle das Manuskript näher kennen. Beantwortung. Es ist zwar wahr und bekannt, daß überhaupt die Manu- scripte des Gndius in unsere Bibliothek gekommen sind. Gleichwohl kann man sich betricgen, wenn man schlechterdings ein jedes Stück, wie es in dem gedruckten Verzeichnisse derselben Beantwortete Aufragen. 186 steht, hier suche» wollte. Der öffentliche einzelne Verkauf war bereits angegangen, als von hier aus das Gebot auf die ganze Sammlung geschah. Einige Stücke waren also schon in ander» Händen, und konnte» auf keine Weise wieder erlangt werden. Zch will bey Gelegenheit eine Anzeige von denselben mittheilen, damit die Gelehrten, welche jenes gedruckte Verzeichnis; zu Rathe ziehen, genau wissen können, was sie hier oder andcrwcrts zu suchen haben. Zum Glücke aber ist dieses der Fall hier nicht. Sondern die Handschrift des Aururius, oder, wie er, selbiger zu Folge, richtiger hcifsen würde, L.uxonus, ist wirklich bey uns vorhanden; und auch darinn hat Herr Durmann richtig vermuthet, daß es nichts als eine Abschrift aus den, Codex des Salmasius ist. Sie ist indeß von der eignen Hand des Gndius, welcher mit den beygesetzten Worten, I5x HIs. ^oäico vewktiMmo pnililierti ltv I» Uars Senator!« viviunenris, jene seine Quelle deutlich genug angezeigt hat. Ohne Zweifel würde es Herr Nurmannen auf alle Weise angenehm gewesen seyn, diese Gudische Abschrift brauchen zu können. Sie würde ihn unter andern, so viel ich einsehe, deutlich überzeugt haben, daß jene 8ene6»z vivioaenlos, die er aus einem andern Manuskripte als den: Salmasischc» geflossen zu seyn glaubt, dieses wohl schwerlich sind, sondern zuverlässig ebenfalls jenen Codex des L.acurne, oder des Salmasius, oder des Philibert ve la Mare, welcher gegenwärtig in der Königl. Bibliothek zu Paris ist, für ihre Quelle erkennen. Der Grund wenigstens, auf welchen sich Herr Burmann wegen dieser vermeinten Verschiedenheit stützet, daß nehmlich die 8elie / prllcos I^vxmil cvrtum ot't tv vineore vstes: Larineri namlzue tuum cluplox vietori» AeÜar. Und ihnen zur Seite merkt Gudius an: Hl äuo vorlus in ooclem i^odioo, t'vcl von vo loeo, udi er»nt UznArammata I^uxoii, leAv- I^antur. Also ist es ganz gewiß, daß die Epigrammata des F.urorius in dem Manuskripte des Salmasius nicht unter die andern zerstreut sind, sondern in Einer Reihe auf einander folgen. Wenn aber auch schon das Uebrige darinn die andern drey Abtheilungen nicht haben sollte, welche sich in den 8cno- äis vivionenNdus des Bimard de l« Dasiie finden: so würde daraus doch noch nicht folgen, was Herr Burmann daraus schlicssen zu können glaubt. Noch weniger folgt es daraus, daß in diesen Scueclis ein Epigramm nicht zu finden, von welchem Gudius andcrwerts sagt, daß er es in dem Codex des Salmasius (in vewttiMmo Loclieo Viviolien5i) gelesen habe. Vielmehr erhellet aus diesem Mangel, daß der Schreiber, wer er nun auch gewesen sey, mehr den Salmasischcn Coder erccrpircn als abschreiben wollen, und gedachtes Epigramm um so viel eher übergehen zu können geglaubt, weil es schon gedruckt war. Daß er seiner Auswahl sodann auch eine bessere Ordnung zu geben gesucht hätte, als er in dem Manuskripte fand, wäre wohl nicht zu verwundern. Zch bin es aber noch mehr aus einem andern Umstände versichert, daß die lelivciiL vivlonenles nichts als ein neuerer Auszug aus dem Codex des Salmasius sind. Herr Zöurmann sagt nehmlich, daß der Epigrammen des Ä.uxorms darinn nicht mehr als einige achtzig wären. Es müßten deren aber sechs und neunzig seyn, wenn der Abschreiber alle mitgenommen hätte, die er, nach dem Salmasischcn Manuskripte, in dem Buche des Luxorius begriffen fand. Weil aber dennoch offen- Beantworlelc Anfrage». 187 bar einige darunter, selbst der Aufschrift zu Folge, dem Luxo- rius nicht gehören, andere aber schon längst gedruckt sind: so ließ er es vermuthlich bey der geringern Zahl von einigen achtzig, und begnügte sich, nur das Echteste und Unbekannteste zu haben. Zu wissen ist hicrnächst, daß es nicht der blosse Z.urorins ist, was die Abschrift des Gudius enthält. Es folgen darauf noch einige sechzig Evigrammata verschiedener anderer, theils genannter theils ungenannter Dichter, welche er aus dem nehmlichen Eodicc abgeschrieben hat. Von diesen ist nun aber schon mehr als die Hälfte gedruckt; besonders in der Anthologie des Herrn Durmanns, und es ist kein Zweifel, daß er die übrigen nicht ebenfalls unter seinen vcrschiedlichcn Abschriften finden, und in dem zweyten Theile derselben bekannt machen werde, den die Gelehrten schon so lange sehnlichst erwarten. Daß Gudius seiner Abschrift Vermuthungen werde beygefügt haben, wie diese und jene verdorbene Stelle vielleicht zu lesen, versteht sich wohl von selbst. Doch ist es bey den Epigrammen des Luxorius viel häufiger geschehen, als bey den übrigen. Was sich bey beiden gleich deutlich zeigt, ist die besondere Treue, mit welcher er sich an das Manuskript, und oftmals sogar an die blossen Züge desselben gehalten; so daß er durchaus nichts in den Text genommen, was er nicht mit deutlichen Buchstaben darinn gesehen. Einen Ort habe ich indeß bemerkt, den kein einziger, so wie er, gelesen haben muß; den wenigstens alle, deren Abschriften Herr Durmann vor sich gehabt, anders, und auf die nehmliche Weise anders gelesen zu haben scheinen. Und doch möchte ich es auch hier lieber mit ihm allein halten, als mit jenen allen. Nehmlich, das HZ sie Epigramm des dritten Buchs, auf gewisse neu erbaute Bäder, hat Herr Burmann von vorne herein also abdrucken lassen: ^uukta novum clomilll coiideus ?ortuna lavaci'ui» luvitat lellos liue ^ropviarv viros. I>auckm vitn, noüis clijuclieare intozium iion ett. Das Buch, welches nicht zu Rom, sondern zu Bologna, im besagten Zahre in 8 gedruckt ist, befindet sich in unserer Bibliothek, und enthält nichts von alten Aufschriften. Der eigentliche Titel, in welchem das Wort collecw, das dem Herrn Burmann ohne Zweifel den meisten Verdacht erwecket hat, nicht vorkömmt, heißt: H?«',^,-?«/- Hm»« ^p/A,-«»/,««^.- «julbus Nirantla, Urdis aAnoseuntur, taera vititantur, vova et vetera LloZii« recenfentur; und ist leicht daraus abzunehmen, daß es eigene Epigrammata sind, worinn Marianus die vornehmsten Gebäude und Monumente des alten und neuen Roms beschreibt. Sie sind in drey Bücher getheilt, und haben eine kurze prosaische Erläuterung untcr sich. 189 Zweyter Beytrag. VIII. Marco Polo, auS einer Handschrift ergänzt, nnd aus einer andern sehr zu verbessern. Die Nachrichten, welche Marco Polo, zu Ende des drey- zchntcn Jahrhunderts, von den orientalischen Ländern bekannt machte, die er in Diensten des Rublaikhan selbst zu bereisen, oder sonst näher kennen zu lernen, Gelegenheit gefunden halte, haben das besondere Lob, daß sie mit der Zeit immer mehr und mehr bestätiget worden. Die letzten und neuesten solcher Bestätigungen, welche ich in einem Werke, das sich unmittelbar aus chinesischen und arabischen Quellen hcrschreibct, ich meyne, in der Allgemeinen Geschickte Ver occisenkttliscken Tariern des -Herrn Deguigncs las, dünkten mich besonders merkwürdig; und sie waren es, die mich veranlaßten, die lateinischen Handschriften vorzunehmen, welche unsere Bibliothek von diesen Nachrichten des Polo besitzet. Es ist nicht ganz ausgemacht, von wem und in welcher Sprache, ob italienisch oder lateinisch, diese Nachrichten zuerst ausgesetzt worden. Der Text inzwischen, den die Gelehrten am gewöhnlichsten gebraucht haben, ob er schon für weiter nichts, als für eine Ucbcrsctzung ausgegeben wird, ist der Lateinische, so wie er in dem -Herrvagiscken Nov» Ordo und beym Rei- neccius befindlich. Eben diesen legte auch Andreas Müller bey seiner Ausgabe von 1671 zum Grunde; verglich ihn aber mit einer andern ebenfalls lateinischen Ucbcrsctzung, die ein Franciscus Pipinus, ein Zeitverwandtcr des Marco Polo, verfertiget hatte, nnd von welcher er eine Handschrift in der Chnrfürstlichcn Bibliothek zu Berlin fand. Was nun unsere Handschriften anbelangt, so sind sie um so viel merkwürdiger, da zwey derselben die nehmliche Ucbcrsctzung dcs Pipinus enthalten, die dritte aber sowohl von dieser, als auch von dem andern gewöhnlichen Lateinischen Texte, völlig verschieden ist. 190 Zur Geschichte und Litteratur. Zweyter Beytrag. Ich fange bey jenen an, und bemerke von ihnen überhaupt, daß sie, im Ganzen genommen, sowohl unter sich, als mit der Berlinischen Handschrist, so viel sich nach den von Müllern daraus angeführten Lesarten urtheilen läßt, so ziemlich übereinstimmen. Die eine derselben ist auf Pcrgamcn, und scheinet gegen die Mitte des vierzehnten Jahrhunderts geschrieben zu seyn. Die andere aber ist zwar nur auf Papier, und könnte leicht ein hundert Zahre jünger seyn: gleichwohl aber ist sie sonst auf alle Weise die vorzüglichere. Denn ausser einer Menge einzelner Stellen, die sie am richtigsten und besten liefet, hat sie auch in dem ersten Buche ein ganzes Kapitel mehr, als der gewöhnliche Lateinische Tcrt, und als selbst die Handschrift zu Berlin. Wenigstens hat Müller dieses in allen gedruckten Ausgaben .fehlende Kapitel daraus nicht mitgetheilet, auch im geringsten nicht angezeigt, daß er dergleichen darinn gefunden. Da es nun, auch seinem Jnnhalte nach, nicht verächtlich ist, so glaube ich, verdienet es um so viel mehr, bekannt gemacht zu werden. Es unterrichtet uns nehmlich von der innern Einrichtung jener siegreichen Tartarischen Kricgshccre, die man vielleicht nur allzugencigt ist, sich als einen blossen Schwall von Menschen zu denken, der alles einzig durch seine Menge und Überschwemmung gezwungen. Sie waren nichts weniger als ohne Ordnung, und ihre Ordnung war simpel und natürlich. Hier ist das ganze noch nie gedruckte Kapitel, welches diese Ordnung beschreibt. Es ist in der Folge das sechzigste, und macht der Kapitel des ersten Buchs in der Handschrift sieben und sechzig, da die gedruckten Ausgaben deren nur sechs und sechzig zählen. esp. I.X. /)e oi'tLns e^e»'c«'t«L /'«?'5a?'o?'?tt?t /«A«tÄKte ös^ancL. (Irllo gutem eorum in Aulieroatione exercitu8 et rnoäo proe- lianüi talis ett. l^uanäc» clux sll^uis proelieitur exereitui eentum millium milituin, eligit smos vult olülisrcllss üve triouuos. 5. yui mille eiziütilzus prselunt, eentuiinnes et äeonrioiies. 8ie enim univerlus exereltu8 orüinatur per inille, oentuin et äeeem. (!en- Marco Polo. 191 tuiicme8 aulem eon/iliarii tnnt ^liliuni: Deemüone8 vero eonli- Ilürii tunt (^enlnr!on!8. Ita «Inntaxat, ut nullus pr»?nolilu8 von- iili!>r!c>8 Iialienl ullra «ieeem. Ilune moclurn 5ervant in ml>Ano et jinrvo exeroilu. s^uancio vero c^ui eentum millibus vroeest, mit- lere niille vult, mannst illi, c^ui lleeern milliuus nrsel!t,(°) ut mille itv tuis vliAnt. Ille vero manilat ^riduno, nt eli^gt een» tum; et c^uiliuvt Centurio oliAit üecem; r^uilivet vero Deeurio ilat unuin, et Iwe moüo inille <1e tleeem milüuus eliguntur. Iloo autein tanto Nervatur or>t!ne, ut per sexuales viees mittan- tur llnAuIi, seiat^uv nnu8 cmi8csue, ^uanclo lle iure acl Iioe eli- Avnllus lit. l^nili^et antem äum cliAitur, ttatim oueckit. ?eclientia all äomino8 liio8, lient "tartari sunt. (üum autein äe loeo aä loeum proeeckit exercitu8, l'einper a cmstuor Isteriliu8 eiu8 üueenti vel smnlius euttocles lunt in liiltantia eongrua, ne oeeurrere pokünt imnrovili. W8.(°1 äN0IX?UV8. /»c^/t ^<^e^ ^i^tttttt« /t'tt«e?'K?v-«L Ma» ei /^aitöi, k/,/d, e^' t/o »«tt^ai'UM ^/n» ci /^wu/i O/'/e?!!«/««?» »-eA/oiMm. n? ti^»ö!!naic-? »nt a c^rirviiVM ?°un-/em^ et ce/. 1-IiIIVIVI». 1'emnore c^uo Lalcluinu8 ?ex IVol»i1i8 et üi5eretn8 vir I)m. et pi'ineen8 leontra (üonttantinci- AIarev8 I'aulo äe Venotiis. eirni nolilani Imveiü lzul)vrual>at, anno XXVI anniü eonlinuis in naiti- k. al> iucarnationo Ooinini mit- l>»8 inaioris nermsnüllet, lelimc» clueentekiino ^uinr^uage- «l!vert'a8 et vallle 1onZ!n^ua8 ner- limo, lliio nol>ile8 ae Ironoiadile8 anrliulanäo niovino!a8, tanti be- «rutlentesc^ue Zermaui, inelitse netleii non in^ratus 6iverlos Iio- eivilati8 Vvuetiarum incolse, na- minuin moi es, miranäa^ue inulta, vein nroniüam cliverkis opidus et c^uüe viäit et auäivit, etiain reli- inereiinoniis oneratain, eoinmuni c^uis oommuniesrv äispolnit. I5t eouec» llia in nortir Venetc», (^»0- airtein <^uoe äieenlla sunt orüi- ^,e,o) vento tiairte, cluee I)co, natius piooedant, kaeilioremn^ue Lonttantinonoliir nerrexerunt. Iialieant intellectum, tiantitug Iloi um maior natu voealiatur eiu8 s<1 narte8 ill»8, reclitusfsne acl ^ieolaus, alter vero I>lattl>»eu8, nionria Iriktorialiter nrsenvnetiir. Quorum ni ogenie8 clonru8 pauli „ tjuomnc/o c/e t)vn/tan/i»o/>ot'i -vs- lüeeuatur. Nl1i8csll0 «liscnrilia est exvrta, et enm contra se invicem anmormn exer- eitug eonceriailent, ^/a,r violor exliiit, reg!« autem Lct^e/i« exer- eitu8 ruinse nnn mocliccv patuit. t)l> c^nam eaullam vÜ8 cliserimi- nivus eireumsepti8, remcancii vi8 all propria per viam pristinam a6itu8 rcAictlusciue prveelusu8 juit. Louliiio autem inito, cma- liier pollent Lonslautiuopoliu remeare, oportuit ips«8 regnum ^a^c/ia via8 per oppnlita8 cir- cumire, liccpie (^ei'veiiei'ii?!^ cic^ ^tvi/n/e?» L??«///iaca?l, i?ic/e ^1^0- A"iec?ie,i/e«) tranliverunt ilnvium l'igris, cmi unu8 ett cle cmatuor lluminiim8 l?araclili, pertranlie- runtcme «lesertum per clivet.18 cle- ralm. Zweyter Beytrcig. imperaliat, nol)ilo8 viri I^ieolan8 1'aulo, paivr Domini klare! I^aulo, et AIat>I>!«u8 l^aulo, sraires, enm voium mereimonÜ8 (üonsianiino- polin pervenerunt. I^t clinn ail loea I'ontici mari8, riuotl mare maiv8 clieiinr, ire clisponerent, maxime Incri eaussa, pilirima et pulelierrima et magni valoris ineaiia in (^onslaniinopoli preeio emerunt. I'okt liveo vero mare maius inIran>c8,K>o/o8, iuvenerunt ^?eic/!l! e/in»tt, Dnminum 1"arlarornm omuium oceiiientalium. Huo8 eum nonorisiee reeenillet, ei euneta kpioe nor>averant jaealia lionavorunt. et eum valclo talia nlaouill'ont, in iiunluin valorem eornm i!'il)nen8, ea reeenit. (!um vero nr-rciieti 5ratre8 in terra Lei'c/ia c/ianii per aunum eontinuum perinanlillent, inter Se?'?/,» ciominum veeiclenlalinm, et ^I/a» clominum ^lartarornm orientalium, ciillentio et Auerra maxima orla e5t, c^na cie eaulla iler revertenci! ^o^/nU'innl impe- tiiium erat. 8ie ergo onm eornm mereimonii8 «Ii5no5uerunt, ver5n8 orienlem kmsvrere viam, 5neran- tes aptam eile lanciern reverti polko. De Lecüa?'» ergo reee- clente8, lran8iveru»t llumen ?i- gi!8. Oeincle transivernnt per Marco Polo. 195 eem et lentem, nelmo eivitatem, äekertum s^uocläam longum XVII necme onniitainvenientesomuino, 6!setarum; ul)i null--» acierat ei- äoneo pervvnirent all eivitatem vitss noc^uo cattrum, lecl tolum ontiinaw, l^U!« liieitur I?oe/ia,'« "tariari in tontorÜ8 eum eorum in regione I^erticlis, eui rex c^ui- I^ettÜ8 vaganclo mauont. »lam »i Nlillel^a!, ulii annis triI)U8 Iloe autem nerlranlito cleterto, iminvrati lunt. neivenerunt acl magnam et no- I)!Iem civilaiem Luc/ia-a, et inla elt mvlior eivitsZ ?erti!«. ?ro- vineia etiam, in c^ua Iioee civitas manet, kncliara äieilur, vujus rex ^«»'«c/t ciieebatnr. l!!t kmla noltri nee ante iro nee rvtroee- „ Iuriinum aileetaliat. Lt eum alloeutus vtt: 8i miln ereclere llielius nluiinns enrn ei8 collo- nlacet, Iionorem et uiililatem ssinum et eontorlium Iialiuillet, voui8 maximal^ nroeuralio. lüui eorumknie gratos more8 tuillet eum retnonlüHent, 5v naratos nro exnertv8, nerlualit v!8, ut eum noll'o in omuiI)U8 «veäire, clixit: eo tummum l'artarcnum regem Valto aä !>Iagnum t?Imn, clomi- allirent, nromittens «jumt at» eo num omuium 1'artarorum, et inlv Iionorem maximum ae ^eneticia nuncmam Latinum viitit, euin maxima nereentur! ellent. Hui into8 Maxime viiiere lielitierat; ti villentes, l'o non nolse lme llitil- meeum venlre plaeet, lum eer- 13» 496 Zur Geschichte und Litteratur. Zweyter Beytrag. culiate äiutina lialiere regrellum tus, l^uocl utililatem maximam all propria, tlei l'o pr-ellllio eom- Iial>el)iti8 et Iwnmem, pvteriti8- mittentes parlier arripuerunt Iter ^uv mecum uniliizue al>8<^ue im- cum eo, familiäres eliriktianos peälmento veuire. Iloe plaeuit, !>adente8 eomites, czuos leeum cpiare iptum teeutl tunt. ü t eum tlv VenetÜ8 cluxerant. 8pat!o per annum iverant in lepten- autem anni uniu8 pervenerant trionem ot per groeeum, tan- lle Loc/i»^a a lini lingua eorum - > IVIagnus Kaam clioitur, l^uoä in lingua latina touat maxnus rex regum. iüauka autem tantoe pro- lixitatis temporis in eunäo, Iiiec tuit: r^uia propter («ive«) et inun- llatione8 tluviorum et torrentium, eos expectare in via vportuit, äonee nives lpive exereverant, rivitjue c^ui inunäaverant, <1e- elinarent. l^uit autem via eorum anno ipso, timseciuenllo acpiila- narem ventum, lpLi a Venvlls vulzariter ilieitur ^ramonlana. <^uve autem in via vi«lerunt, kuo loeo in liliro lioe äelcriuentur. „ iZ»omo-/o a^iuc? /»k'ae/a/um ^e^em .,A»'a<>a»i »!«iene» int. c:^l>i?> III. iüum autem klagn! kaam eon- üt oum klaxnus t^üan Zpsos kpeetui tunt vdlati, ipte rex, c^uo- alaeriter et eum lleleelatione lüam summe Iienignus erst, eos maxima recepillet, lle kactis mo- tutcepit alaeriter. In^uilivit vero rivus^uv I^atinorum t!I>riktiano- al» eis per mulla8 viev8 cle eon- rumcrue interrogaro ineepit. I)v llilionilms oceillentaliumpartium, Imperators inaximv et allis re- lle Imperatore liomano, 60 re- gilius priucip!Iiu8^ue, <^ui eorum g!Iiu8 et pr!neipiliu8 clnil'!iaui8, mores, lpiomolla geniein regant, et lzualiter etiam in relms »elli- in -j- mellio etiam lielli c/uomo>lo ci8 le liaverent. Inciuiüvit etiam tuos exereitus orllioant. De Marco Polo. 197 gllilienter äe moribus I^atinorum. ?apa lunililer, ^ a1Ü8 prielalis, Luper omnia autem interrogavit et äe omni conililione Leeleli-e clil!gentiu8 äe k'apa (üiristiano- invetligavit valäv tollieile. Ipli rum, et üe eultu tiäei tünrittia- vero eitlem teeunäum eorum von- norum. ^Urat en!m liapti^atus leientiam talisleeerunt pro pelle, gute alleres annos all inltantiam 6m. IIa!toni8, regls ^rmenise) Ipk autem, ut vii'i pruäentes, kapienter et teriatim aä liugula relponclerunt, propter lmoä kvepe eo8 aä tv introcluei iulieliat, Iia- bueruntc^ue graliam in oculis eius. ^<^«o?no^o ?/z/o »'SAS ac! /!o- „manum ^onti/icem ms^e ^itei'in/. IV. Huaäam iZitur llle proekatu8 Iloee autem oum llltellexisket, Laam, conlilio priu8 cum ba- plaeuerunt valäe, cmare nuncios ronibus liadito, rogavit pr-e5ato8 gä clomin. 8ummum I'outilleem virv8, ut amore tui reäireut all mittere äestinavit. liogavit ergo I>apam, cum uno äe tuis daro- piLeäieto8 kratre8, IXieolaum et nidus, aui äieevatur t7vAa/a?, pro Usttnseum, nuoä in liae lexatione parte ipüu8 lummum (^Iiriltiaiio- nuncii el?e vollent. t?um ergo rumI^ontiticem rogaturi, i^uate- tauc^uam vero äomino in omni- »U8 aä eum eentum tapiente8 Iiu8 paratos le äixeriut, litteras tüiriltianos äirigeret, klui teirent keeit in lingua lurelia, ciuas ottenäerv lapientiliu8 tuis ratio- lummo ?ont!üei äeslinavit, in ualiiliter et pruäenter, regali Iculptam et inÜZni- tam iuxta coiiluetuä'mem keüis tuM, spiam c^ui clelert, cleäuei cte- Iiet 6e loeo aä loeum a eunetis reetorivus tvrrarnm tno imperio talilectarum, cum omni kua eo- mitiva lecurus, et cpiam iliu im- mcirari voluerit in eivitate vel vppnto, clelietur ill! lto expenlis et necellariis vmnibus integral!- ter provilteri. I»5uper etiam im- potuit eis, ut cie oieo lampactis, l^uoe pondeliat aä lepulernm clo- mini in lerusalem, ei clekerrent in retiitu. Lreliedat cnim Lnri- ttum elke unum - rnmlionornm. baxatoribus, rmoä lio oleo lam- pam's, «zuLe in lernuilem ante (ülirilti lepulebrum aräet, omni- mo6o portare ctebeant. I?c>1"t luee vero bis kratribus tignum clari keeit et Privileg!» proeeoptoria, in az/a«, eivilatem super maro, venerunt, in s^uo itinere propter mal» tem- pora, propter nives, acpias et tlumina exerekeentia multoties, ultra tres annos inteZros veen- pavernnt. Marco Polo, 19!) mioum, spias in loois plurinns invenerunt, retarilari liepo apor- tuit iter eorum. I^ain anni« tri- Iius in via kuernnt ante^uain aü portnm eivitatis ^rmenioruin, rp^sc äieitur K'/asa, perveniro pollent. vv k?/»-« vero pro- gretlientes pervenernut üe rnenlv ^prilis anno äom. vieci^xx». „ e>r^ec/ai?c>'ut!< /^ene/iiL „^eat/onem L«mm« /^o?!/i/iciz, V. <ünm illArekli igitlir tuillent ZZt cuin ,Ie />nz/n« pervenill'ent ^l,iI iioe per- tur. Lt euin Venelias pervene- fleieulluiu, oporleuat extpeclar! rnnt, invenit cloni. I^icolaus c^nous^uo novus 1'oulitex erea- u.xoreui luain elto cietunelani, retur. Interim in Iioe vaealiu- s^uiv in reeeü'u sao prveAnans uis temnore al^ ^Verv^ per iiüue oiat, iiiveuitcpiv tilium, Uaieuiiu a>1 IXigroponturii venerunt, et nomiue, c^ui iam aunos cpiilt^uo au iucle per wäre Veiiotü«, ut <1ee!in Iradetiat setatis, cpii polt eorum lamlllam revillerent. I^t öileelluui ipsms de Veuetüs na- tune doiniuus HIareus?auto in 200 Zur Geschichte und Litte tus kuerat lle uxvro prsessta. Ilio ekt Nareus illo, «zui eoinpc,- luit lidrum dune, oui cmalitvr ksee nota kuerunt, inkra natedit. Interim autvm eleetio 8ummi ponliüois aäeo dilata ett, cmoä üuodus onnls manserunt Venetiis, ivtam c^uoticlie pr-Molautos. „ el/iei-imt a into lieeulia relmitil» aximu8 iiinii8 louginn, cniarv emn vottro Iiene nlueitc» reverti nrsetuinlimus, unde evin a vo- l)i8, ti plaeol, euniniu8 imnelrare, miocl viilelieot Iiltera8 vvtliii8 noli!8 in te5timon!uni iacialiü, amuaxiatam clomini nottri nro- euraviinu8 iaoeie iuxta notle, l^ecl vaeationv I^anatus non no- tuit »cliinnleri. tlum In8 ei^a iitteiis de ^tci'z/ reeecleules, ad /^«»/«« eivitalem nerveneruul, et dmu im' nurum temnciris »er. Marco terato8 et prodos, Hin in ^.neon erant, millt eum vls, Quorum unus llievliatur lr. M'co/n«« eenct'««, alter vero lr. t?tvi//ie/- ?>t^o/i/«n?ts. Oumline per- veuislent all 6?cl//ait'«-n,8olllanu8 Lul^lonioe eum exereitn tuo maximo ^rmvnos invallt. I?ra- ir«8 vero illi propter Auerrarnm perieula et viarum lliscrlmiua mvtiieutes, all l'artaroruin tv re- Aem perveniro nou pollv, eum Na^iltro?empli iu /Vrmenia ro- mauleruut. ^am pluries kueruut !n morti8 perieulo conllituli. I^irilvil JUteUI IlZAIS 5e vmni perieulo oxpouente8, eum laliorl- Iiu8 uiaximls porvenerunt all re- gem, ljuem iuvenerunt iueivitate, «^u«: llieitur tAemen/u. k'uerunt autom iu itiuvre a portu k'-l/n- o-'ae U8lme tAeme»/» auuls tri- I)us et llimillio. IVam iter iplo- iliin ^Iii Iiveme, propter uives et anu»8 valilli>8 et lrigora ma- xima, per inoilieum temp»8 po- tvrat protperari. liex autvm t),ti/«z/, aucliens a rvinot!8 cle ipkoruiu reilitu, mllit uune!o8 e!8 oliviani all lpiallraKluIa 6ivc- ta8, smi eos leeoruiit llv lpeeiali iex!8 uiaullato iu omuil)u8 ue- eelt'arÜ8 per vüuu uodilillime proeurari. Pol». 201 manllÜent, uunclatum ekl, I^eza- tunr illum, l^ui in ^Icrz/ erat, iu ?apam eleetuni elle, lpii k?re- Avi ttk« U8 etl. I^t tune ttatim l7uall venit uuu- eiu8 propv a<1 ^«z/ns, cmsereus prccllieto8 uuneio8 Alazni <ülia- n?8. <)uo8 eum iuveniltet, eum gaullio nuneiavit^ clom. I^egatum in ?apam eleetum eile, cpui all eo8 mitteuat, liuoll a<1 eum ve- uireut, pollpolila omui eaula. üt ämn acl reverll es- teilt Iionorlsieecpue reeopli, I^apa retponlionem klagno t^Iiaui luis litterls orllinavit, et iiiler all» huoeredat, <^uo«1 kiaier ^laZni U8 villelicet lartaroruin orieii- talium, «laret tülnüttiauis auxl- IIum et lavorem acl Iioc^ ut ipll pv8kerit kacere pallaAlum ullra mare. AIi5lt etlain klaZno <ÜIia»! pulora llouarla ex er^llallo et aliis, 'j' ali«^uo8 etiain ?ralres ?riLt mit- tere ma^zno t^Iian!. Iul»per ei8 prlvIIeZIa lle«l!t et pleoariam auetoritatem, ut in par>iliu8 il- Ü8 omuia Iil»ere laeere poüleul. Lenelüeliovv ergo Iiadila omiies uiüuiiiuUer reee^lernut, llelp.le 202 Zur Geschichte und Litteratur. Zweyter Beytrag. aartiI)U8 ^rmonioe «um maA'uo veuerat exereitu, erveueiu»t, euni reveieutia ina- tonaüter aclveuilleut, aiaeritoi xima uiociilerunt eoram eo, hui reeeuillet, ei lilteias et ui'ivilv- aiacritei' eos tuseiuiens iul'lit, ut xia pauaiia liaüicleruut, liiui- surgeient, et c^uoiuollo eis in litercuiv oieuiu sanetuui, <^iio«I via suvrat, kjui«i<^ue eum 8uuiinc> «iv lamuaiie leuuleiali tüiritti I?ouI.iliLe cgei'uut, euarrarent. ex lerulaleiu eouüuxeraut, »juoe Marco Polo. 203 Anilins eunetr» uillorentiuiis te- omuia vat^e lietanter reeeplt. liatim et enarrantilms, et exln- I)um aulem e! notilicalum ellet, bentivus litteras I'iinN lZrexorii, iuvvneulum I>ll>re>im ello tilium kex litteios 8ummi j?ontil!eis ^ieolai?aulo, ullia mo!ieolai, insnm tseie locta taseepit. Ipkos vero tres inter familiäres tnos lionorauili- ter eomnntavil, pronler -c,», aulo, kmi in lirevi sulis ei lliverlas, ila cmocl in cmaliliet temnore 'larlarieos moros, I!n- inlarum 5eril)ere teieliat et 1e- guam^ne eornm et litteras lliili- zzvro. Voluit aulem liex exne- eit tam nerleele, k^uocl eunclis i'iri iullus nruclenliam, üirexilcme miral^ile vicleliatur. I)um aulem enm pro yuvitam rexni negotio pr-eeento Nagni tüiauis sä ei- «cl reZiouvm remolam, aä c^uam vitalem «^uanllam, nomine »nie sex meutes perveuire non ,a/am, millus eilet, in vjil» polnil. Inl'e vero le lio pru- reclitn aä euriam äiverlüates llenler xeMl in omn!l»us, c^uoä omnes et novUates, rmss ville- liex plurima eunela, el^ne nluiim» et lliveil'u mira- leeliwatui- audlre novilales, mo- Iiilia iulit l'ecum, c^ueä llominus res et eoul'nelu^iues Iiomiuum, Iialiuit val^Ie gratum. Lt äum 204 Zur Geschichte und Litteratur. Zweyter Beytrag. conllitione8<^ue torraruin, Klareu8 anu!8 XVII eontinu!8 vorman- n^uaeun^ue tranliliat, Ho ltuckeliat lillet in euria klagn! (ülianis, tunor liuju8moil! novitatiuus in» ivtum per divorlas rnuncl! varles kormari, ut nolüt Kegis dene- ut legatum et nuneiunr irv jus- vlaeito coinvlaeere. I^rovter ^notl lit. Ilae ergo eauta, o^uia per- snnls llecem et tevtem, hiüvus inulta neramliulavit loea lliverla, luit tamiliaris i»liu8, Lo illi luit inirancla inulta extraneac^ue, et »oeentu8, nt au eo eontinuv pro novo8 lioiuinuni ritu8 lvivit, yuv3 in.iAnis regni uegotÜ8 nütteretur. iutontv oounlleravit et vitlit. Ila-e igitur ratio elt, c^uare prse- latus lloininu8 Klareu8 lle clicli- eit orientalium nartiurn uovita- tes, hu«: inlra lliligentiu8 äv» leriliontur. „ i^ua/i/e?' ?n?/^a /e»-xo?'a o!» ,z/i/!»e» »?i< a »'eZ'e A»'« ar//>?'o- ^,/?? ia ^emeanA. IX. 1'olt Ilvce clelicierantes nr-ekati ?ottn^uam autem ianto tem- clornini reäire Venetias, lieen- nore nvrinauleraut in euria klagn! tiain a liege nlurie8 netierunt. <ünani8, lioin. Kieolaus et klat- ?ro llilvotione inagna, n^uain Iia- tnNU8, patri«; srnorv eonltricti, lieliat a<1 eos, acl eonleulurn non conli6eraverunt a<1 nrovria re- noterat inclinar!. Interea l>aro- venire. I^ieentiarn ergo .... nes tro8 reg'i8 Inclorum, nomine rel^uililam, c^uia iv5»8 Klagnu8 ^,^on, aä euriain wagn! regi8 Llian!8 inaxiinv cliügevat, lluri- nervenerunt, ciuornrn unus ier voterant imnetrarv. ^eeiäit voeaoatur On^ai'u (t?ukrlatt), tune tcmnor!8, tres nolii!e8 vi- alter ^4^,t/ia (^Vliusca), ter- ro8, ainvaoiatores vl^oil, üo- tiu8 vero t/oi/n, ex parte tu! inini tune ?artarorum Or!enti8, lloiniu! nottulante8, ut ei uxo- aä klagn! LI>an!8 euriain nerve- rein traueret , et nuellam tuain elle, cjuce teltanäo impo- unain - luerat marito suo, c^uoll nullo tulit, annorulli cleeem et tentem, mvllo aliciuam allumeret in uxo- Marco Polo. 206 noinine KoAa/tni. Hui vomine rem, n!li äe iplius äominoe pro- rlomini tui gratanter iptam tus- pria stirpe toret. ()ui«rvl)ant eipientes, aAnoscvntescp2e k^uoä ergo, compelentem 6om!nam eis llom. Meolaus, Nattli-eus et ctari, ciuam aä ^l,Ao?i conduee- Nareus üctioorauant acl propria reut pro uxore, kiuüe eilet cio remeare, pro gratia a kege tun- ctieta linea parentei«. Nagnus plioüer pottularunt, ut pro Iio- ergo (üiairis, c^uoeütum aäimplero norv regis ^Zon iptos tres aä cleliäerans, rrodilem XVII. av- «um transmitteret cum regina, nmum üomiuam eis pra^teutari l^uilius illlle ti velleut, redire teeit, nomiue t?oAa/tm, clieeiis: lioeret aä propria. t)ui vorum Ilane ad ^Ao?! clomiuum vo- inslauti peütione clevietus eo- ttrum kerto, cxuaz ert ex paren- rum preees nesplivit amruere, tela kluvetita, r^uaro tumat iptam lriltem eormri prseliuit conlen- teouriter in uxorem. Interim kum petiiioni. riom. Nareus I?aulo äe luctia re- versus ott, et o^uia extrsneas proviuoias Zivertac^ue maria per- traut! verat, multa re5ereuat am- uaxaturitius. Lrgo proeclicti eo- gnokeentes üom. ^ioolaum, klat- tlioeum et äom. Naroum I^aliuos eile, ill animo tirmaverunt vos, iir Iioo itiuere livi comites I>a- Iiere velle posto. Iloo ergo klagno (!Iiani pro maxima gra- tia c^useliverulit, luithuv licet valäe äuriier impetratum. ,,H»o>noc?» ^ene^'a^ X. <üum autem demierunt iter <üum autem prseäieli clomini arripere, keeit Rex naves XIV. reoeclere cleiierent, klaginis t^Iia- eum neeeilarüs omnilius et viotu niz tatiulaur unam aureain llari pro viennio, proeparari, csuarum keoit, i» cnia eontinedalur, iplos t^uoeübet malos c^uatuor eum to- per omnes ejus provinelas ad liäem vel!« Ilabeuat. euin oinni onvro Iil)eros et exemplos ultimo «litcesterunt a Reze, anis navcs XVIII. proeparari, cpisrum lruselidet liua- tuor Iiaveliat arliores, et in eis pro II. annis vietualia poni ke- oit, lloininain vero cnrn amvaxa- toril)us et eum llecenli locivtate in naves poliiam prsellietis eoin- menciavit, liotlue lieentia Iiauita reeellerunt. Lt eum trilius men- lliins navigailent, tanäem all l^uanclam intulam vertus meri- lliem pervenerunt, ^l-i« llielam, eujus multa miral>!1ia et extra- uea interius clekeriuentur. Lt eum XVIII. mentilms a pr-»!lliela lutula per mare In6ise navigan- tes all loenrn äeliitum pervenit- lent, invenerunt vit« terminos pertranlille. <)uare «lo- minam tÄaxcrii vjus iilius Iialmil^ in uxorem. ?uernnt autem rmi llominam Meiaverunt, o^uum re- ceNt a euria AaAni <ÜIianis, numero plus c>uam t!. marinarns tamen exeeptis, ex «^uil^us llum aä terminatnm veuerunt loeum, XVIII lolummollo permanlorunt. Lt c^uia llum acl morlem pervo- nillet ^rgon, lilius ejus in longiiupiis partil^us permane- uat, ^catit vjus patruus llomi- niam retinel»at. Iplum ergo ro- Marco Polo. 207 Imne8 reäierunt Vonellas, anno Mverunt, ^ cpioä dominani tloinini inilletimo clireentellino reeonnnenclatam lialieret. Lt euin nonaxellnio (pnuto, Aiallas axen- reoedere velleut, dari teeit eis ies deo, «pui eos de tanti8 la- ^4c/ia/u taliulas c^natuor prleec- Iiorilnis et perieuüs liveravit. ptorias ex anro, dua8 videlieet Iloee aulenr oinnia in nujus li- Iisventes evrilallcos, aliain vero Ini principio toripta snnt, ut leonein, cpiartaur vero planani. a^noseat c^ui Iiune lezerit lidrum, In Ins enlin ialiulls erant litler-« »nde et lpioinodo teiro potnerlt intiAnitvc, in huilius prvecipiendo dom. klareus l^auli de Veuotii8 insudal^at, c^uod In nuneii per ea, <^»a: in5eriu8 eontinentur. omne8 ejn8 curia8 Itonorarentur, I?uit en!m proedietus doni. klar- et nt eju8 corpu8 propriuin tvr- cii8 i» vrienla!iI)U8 psrtil>u8 an- varenlur, expensse^ue eis iie- nis viAiuII 5ex, diligenter per rent, et ti neeetsarii ellenl, e^nos enin nniverso lempore evmputalo. et seeurltates'per loca dulim ad plenuin naliere delierent, c^nse oninia kuernnt e!8 plenarie adlin- plela. ^Ii ^u8 per- traetetur. Wer sich die Mühe nchmcn will, dieses mit dem gewöhnlichen gedruckten Texte zu vergleichen, wird finden, was ich gesagt habe. Nicht allein die Ucbcrsetzung dcS Pipinns enthalt noch manchen kleinen Umstand, welchen entweder das Berlinische Manuskript gar nicht hat, oder den doch wenigstens Müller 208 Zur Geschichte und Litteratur. Zweyter Beytrag. in seilten daraus gezogenen Lesarten mitznnehmcn vcrnachläßigte. Sondern es hat auch, welches ich hier vornehmlich anzuzeigen für werth geachtet, der andere ihr beygefügte noch ganz unbc- kanntc Text, so viel Besonderes und Zuvcrläßigcrcs, so viel Namen von Personen und Orten mehr, als sich in der Ucber- sctzung des Pipinus und der gemeinen finden, daß er gewiß sehr verglichen zu werden verdienet, wenn es Marco Polo noch überhaupt einmal verdienen sollte, daß man seine Nachrichten so vollständig und ächt, als möglich, zu haben suchte. Nur einiges hievon anzuführen. So ist es, z. E., dieser unserer Handschrift ganz eigen, daß sie den Weg näher angicbt, welchen die Brüder Poli, von Soldadia aus, weiter genommen, um zu dem Dercha-khan zu gelangen: ussuio acl I?o/- Am» et Km-» euntes. Es läßt sich, so viel ich weiß, noch nicht mit Gewißheit sagen, welches eigentlich das Land dieses Dcrcha-r'han gewesen. Vielleicht also, daß, wenn uns einmal die damalige Geographie von Asien ebenfalls ans Quellen so aufgekläret wird, als uns zum Theil Zvcguignes die damalige Geschichte aufgekläret hat, daß, sage ich, die Nahmen Zöolga und Sara uns sodann das nähere davon zu bestimmen bc- hülflich sind. Ebenfalls nennt diese unsere Handschrift allein den Ort, wohin Rublai-khan dem jungen Marco Polo das erste Geschäfte auftrug: er hieß Lharaca. Auch lernen wir aus ihr allein, daß Rublai-r'hgn einen Bruder gehabt, Namens 2lmb«ga, der über, ich weiß nicht welche, orientalische Tartarn geherrscht; daß der Sultan von Babylon, welcher um 1271 in Armenien eingefallen war, Andoch-bonooe-oays geheißen; so wie der junge König in Indien, welcher die Tochter des Rnblai bekam, Lhazan. Gleichfalls könnte ich zu den Vorzügen dieser Handschrift, in der angeführten Stelle, noch rechnen, daß sie das Zahr, in welchem die Brüder Poli zuerst ausrciscten, allem Ansehen nach, einzig und allein richtig angiebt. Der gewöhnliche Lateinische Text sagt, daß es das Zahr 12K9 gewesen: allein Rcmeccius hat schon angemerkt, daß dieses nicht seyn könne, weil zugleich gesagt werde, daß Balduinus II. zu Constanti- nopcl regieret, daß es also vielleicht 1259 heisscn sollen, wcl- Marco Polo. 209 ches das letzte Zahr der Regierung besagten Kayscrs gewesen. Nun hat zwar hernach Müller aus seiner Berlinschen Handschrift das Zahr 1252 dafür beygebracht: doch dürfte auch dieses wohl noch nicht ganz das wahre, sondern für solches am sichersten 1260 anzunehmen seyn, als welches nicht allein diese unsere Handschrift hat, sondern auch beide unsere Handschriften der Ucbersctzung des Pipinus, sowohl mit Zahlen, als mit ausgeschriebenen Worten haben, und sich noch am besten mit den übrigen angegebnen Zahrzahlen vergleichen läßt. Zwar nun freylich nicht mit der von 1272, in welchem Jahre sowohl der gewöhnliche Text, als die Ucbersctzung des Pipinus, in beiden unsern Handschriften, sagt, daß die Gebrüder Poli von ihrer ersten Reise zurückgekommen, und zu Ancona im April angelangt wären. Allein diese Zahrzahl ist offenbar falsch; und auch das gereicht also unserer dritten Handschrift zum Lobe, daß sie solche gar nicht hat, und blos den Monat April nennt. Denn wenn sie 1269 ausgerciser seyn sollen, so konnten sie unmöglich schon 1272 wieder zurücke seyn; und wenn es wahr ist, daß der junge Marco bey ihrer Zurückkunst 16 Zahr alt war, so müßten sie nothwendig im Zahre 66 oder 67 ausgerciser seyn. Doch unsere dritte Handschrift giebt das Alter dcs jungen Marco gleichfalls nicht an, sondern nennt ihn blos bald puerum bald iuvvnculum, wonach das von ihr angezeigte Datum der ersten Ausreise von 1250, noch immer seine Richtigkeit haben kann. Es ist auch sonst aus der Geschichte der Pabste zu erweisen, daß die Zahrzahl 1272 falsch seyn, und dafür nothwendig 1269 stehen muß. Denn es heißt, daß die Poli, bey ihrer Zurückkunft im April, den Tod des Pabstes, welches Clemens IV. war, erfuhren, und zwey Zahr zu Venedig blieben, ehe ein neuer Pabst gcwählct wurde. Nun starb Clemens IV. im November 1268; und nur erst im September 1271 bestieg Theo- baldus, unter dem Namen Gregorms X., wieder den Stuhl, wodurch sowohl die Zeit der erstem Wiederkunft, als der zweyten Abfahrt unserer Reisenden, ausser allen Zweifel gesetzt wird. Hicrnächst ist bey jener falschen Zahrzahl, sowohl in dem gewöhnlichen Texte, als in der Ucbersctzung des Pipmns, noch Leslmgs Werke ix> 14 210 Zur Geschichte und Litteratur. Zweyter Beytrag, ein andrer grober Fehler, den wiederum einzig lind allein unsere dritte Handschrift nicht allein nicht hat, sondern auch zu verbessern lehret. Nehmlich, daß die Poli ihren Weg, aus dem Hafen von Glaza oder Ä.ayas, wie unsere dritte Handschrift den Ort nennet, gerade nach Ancona genommen hätten, und daß es in Ancona gewesen sey, wo sie den Päbftlichen Legaten Theobalous gefunden. Wer sollte nun hier nicht das Ancona in Italien verstehen? und welcher von allen Übersetzern, die dem gewöhnlichen lateinischen Texte gefolgt sind, hat es auch anders verstanden? Gleichwohl sehen wir ans unserer dritten Handschrift, und die Sache selbst giebt es, daß Acra in Syrien, oder Ptolemais, gemeiner ist, welches freylich von den damaligen Geschichtschreibern auch wohl Acon oder Accor» gc- nennet wird. Denn da war es, wo sich der Zeit Theobaldus aufhielt; es sey nun wirklich, als Päbstlichcr Legat in partibus Orient!«, wozu ihn alle Ausgaben und Handschriften des Polo machen, oder auch nur als ein frommer Pilgrim, oportunum tom^us expectans, ut Hiorotol^inam, orat'ionis erzo cum c-rto- r!s jioi'eZrims proficlsceretur, wie Liaconius sagt, und Gldoi- nus in seinen Zusätzen ausdrücklich behauptet. - So sehr nun aber aus diesem allen der besondere Werth unsrer dritten Handschrift einleuchten dürfte: so muß ich dennoch eine Anmerkung beyfügen, die meine ganze Anzeige davon vielleicht sehr unwichtig machen würde, wenn nicht diese Anmerkung selbst so viel nützlicher wäre. Ich will sagen: die Nothwendigkeit diese Handschrist zu vergleichen ist bey alle dem so groß nicht; weil sie, oder eine ähnliche, bereits von einem Manne gebraucht ist, dessen Verdienste um das Werk des Polo man entweder nie recht erkannt, oder vielleicht schon längst wieder vergessen hat. Dieser Mann ist Ramusio, welcher bereits 4553 dem zweyten Bande seiner Sammlung voll«? Navigation! et VisM, eine italienische Übersetzung desselben einverleibte, welche er nicht nach dem gewöhnlichen lateinischen Texte, sondern nach den ältesten und besten Handschriften gemacht hatte, die er auf das sorgfältigste durch einander zu berichtigen, und ans einander zu ergänzen, Marco Polo. 2ll sich die Mühe genommen. Nach dieser Arbeit, hätte schlechterdings an den elenden lateinischen Text gar nicht mehr gedacht werden müssen. Aber ich weiß nicht, wie es gekommen, daß die Gelehrten überall noch immer fortgefahren haben, ihn zn brauchen und anzuziehen, ja ihn bey ihren Ucbcrsctzungcn und Ausgaben, die sie lange nach dem Ramusio veranstalteten, zum Grunde zu legen. Es verlohnt sich der Mühe, deren einige anzuführen; unter welchen es dem Reincrus Reineccius vielleicht am ersten zu verzeihen ist, daß er 4685 in seinem <ülircmicc> llivrotol^m. den Polo noch wieder in seiner alten armseligen Gestalt auftreten ließ. Er hatte mitten in Deutschland vielleicht nie etwas von der Italienischen Ausgabe des Ramusio gehört, von der es sich sofort der Mühe verlohnt hätte, eine Lateinische Übersetzung zu machen, um den alten barbarischen Tcrt mit eins zu vcrdrengcn. Zn gleichem Falle mochte sich ohne Zweifel auch Haklnyt in England befinden, welcher in seine Sammlung von Reisen annoch 1589 eine englische Ucbcrsetzung dieses Textes brachte. Nur -Hakluyts Nachfolger, Purchas, war glücklicher oder aufmerksamer. Ihm cntgicng Ramusio nicht, und er ist, so viel ich gefunden, in der ganzen Folgezeit der einzige, welcher diesem Italiener Gerechtigkeit wicdcrfahrcn lassen. Er verfertigte nach dessen Ausgabe eine neue englische Ucbcrsctzung, mit der er den dritten Theil seiner pilgiimes bereicherte, und erklärte sich in dem Vorbcrichtc derselben so stark zum Vortheil des Ramusio, und zum Nachtheil des alten lateinischen Tcrts, daß er einem alle Begierde vergehen macht, nur noch einen Blick in den letzter» zu thun (°) Hier sind seine Worte: I lounS iiü« üooke trimsl-ueil kv Mittler //a/c/»>,< »ut ok Nie /.attne. vut vvllere Nie Iilincl lesue Nie »Uixt uolli lÄU: »» >>ero Nie corruvt ^u//»e eouia not out ^eelcl !» vorruptioll ok IruUi in Lnglisu. /i«M!//?o^ Secrelürie lo >I>e /leceniv/?-! in j^em'ce, kauinl it netter Kopie, an«! vulilisiiea Nie k-tine, (purchaö hätte sagen sollen, bessere Lateinische Handschriften, aus welchen Ramusio seine Ucbcr- setzung machte, wie dieser ausdrücklich selbst meldet: nicht aber, eine bessere Italienische Abschrift, die er blos herausgegeben! durch welche falsche Bc- 14" 212 Zur Geschichte und Litteratur. Zweyter Beytrag. Um so mehr aber ist es zu verwundern, daß man dem ohngeachtet selbst in Italien fortfuhr, gleichsam gar nicht zu wissen, was für einen Schatz man an dem Ramnsio, in Ansehung des Polo, habe. Ach. Rircher, z. E., als er sein einna illustiata herausgab, bediente sich, bey Erzählung der Reisen des Polo, noch immer des elenden lateinischen Textes, und schrieb daraus, wie im Traume, die handgreiflichsten Ungereimtheiten ab(*). Ihm zu Folge läßt er die Brüder Poli 1269 abreisen, nnd 1272 das erstemal wiederkommen; gleichwohl aber den Nicolo seinen Sohn Marco bereits fünfzehn Zahr alt finden, mit dem die Mlltter, bey der Abreise des Vaters, doch erst schwanger gewesen war. Ihm zu Folge läßt er die Brüder, bey ihrer ersten Wiederkunft, in dem Hafen von Ancona landen, und macht zum Behuf dieses Fehlers, den ich bereits gerügt habe, die seltsamsten Vermuthungen, was das (Zaka oder Lalxra in Armenien wol für ein Hafen möge gewesen sevn, ans welchem sie in so kurzer Zeit nach Ancona gelangen können. Ein einziger Blick in den Ramasio, den er entweder noch nicht kannte, oder nicht kennen wollte würde ihn bewahrt haben, solch albernes Zeug weiter auszubreiten. Doch Rircher gedachte der Reisen des Polo nur gelegentlich: aber Anör. Müller gab sie gar 1672 auss neue heraus und wollte sich, ich weiß nicht wie sehr, um sie vcr- schrcibniig des purchas sich uiiftr Müller, wie wir sehen werden, irre machen lassen) vlienve >on Iiave »>e vvuik in manner nevv. — riis is I,nne», comnsrod lo /?aui>//o nliiell Uslll Nie /.atme, niUu Init H/n?'co Oarkitsse, vr not so mucli, out » kovv »vnez, ^ea, toinetiines stones islker tlien vones; lliings «livers, itverse, sckverse, per- verteS i» münner, ctisio^nleit in insnner üe^onü Iieliek. I Iisve seene some ^VuIIiors witvmeil, kut nevsr »nv ko msnxleä »,»> so minßleü, so xretent snil so ilusenl, ss IIus vulxsr /.a/in vk Ma?»co I^o/o; not s« like Iiimtelf, äs »>e lUree /^o/os vere »t llleir relurne lo l'enice^, kliere »one knev lliom. c/««//i. ^nno lim. Nl^LIvXI ( ) inter ^l/«??, clominnm l'art-rrorum Orient!«, et inter ^ei'o/!« regem et clominum ^artnrorum Oeci- llentis, neeslione provineiiv unius, ulÄtIs tli-etis in plsnicio pulers, inter partas forroas et maro äe -8«?'« posits, Avntem luam or^inste latuit. Ilii vnim orant conlinia utriuscjue. Le^o/iK autem koe soiens impigre Fvntem l'usm uncii«iuo congro- Firvit. <^!um vxercitu ergo t!L<^"'- 1^,^' ecjuitnm, et iiilo in cli- eta plsnieie to loeavit, ita ut non plus ljusm X. milliarilius ciittarent exereitus. IZt eum ex utr-i(zue parto milites a I'uis 60- minis »lanllis verm's sclerltti fuerunt, cliesyue uelli Kstuta esket, erm'ites tue« in XXX. clivit'it uartes, in un»sjuacjuo X"'' ei^uites oräinate ciisiionens. Lei'e/ttt autem Monteur tuam in XXV. partes similiter »rclinavit, et (lum sml^o exereitus ingreclerentur scriter^ue puZnatuni fnret, wnäern eum gente im- patons t'uttinero kvllum, kugam irrripuit, vero vietor per- mantit. Hi tamen reges erant proximi pareotos, et amdo ex l^inenin Imperiali proZenie liotcon6entes. So wie nun aber Ramuslo, bis ans Müllern und von Müllern selbst, meist vcrnachläßigct worden: so hat er dieses Schicksal, nach dessen Ausgabe des Polo, nur noch mehr erfahren. Zn der Meynung, daß Müller alles geleistet habe, was sich nur immer an dem Tcrtc des Polo leisten lasse, hat man den ehrlichen Italiener fast gänzlich vergessen: besonders seit dem Pierre Dergeron 1724, als er seiner Sammlung von Persischen und Tartarischen Reisen, auch eine neue Ucbcrsczung (°) Ich darf, ohngcachtct aller der Uebereinstimmung unserer Handschriften, welche mich oben bewogen, das Jahr 12-Z0 als das wahrscheinlichste für die erste Ausreise der Brüder poli anzunehmen, dennoch nicht unterlassen, bey dieser Jahrzahl 126t anzumerken, daß wenn man von ihrer Richtigkeit ganz gcwisz seyn könnte, Reineccius wohl am glücklichsten gerathen habe» möchte, wenn er jene Ausreise lieber in 125,9 setzen wollen. Denn unstreitig ist es, daß, da sie sich nicht länger als ei» Jahr an dem Hofe des ZZercha aufgehalten, wohl schwerlich mehr als drey Jahre nach selbiger konnten verstrichen sey, als dieser Krieg zwischen Äcrcha und Alan ausbrach. 216 Zur Geschichte und Litteratur. Zweyter Beytrag. des Polo einverleiben wollte, solche nach der Müllerschen Ausgabe machte, wodurch diese in dem Ruhme, daß sie die einzig brauchbare sey, gleichsam bestätiget wurde. Denn wo ich neuerer Zeit nur immer den Polo angezogen finde, so geschieht es sicherlich entweder nach Müllers Ausgabe, oder nach Ber- gerons Uebcrsctzung. Der gute Ramusio liegt unter der Bank. Selbst die englischen Verfasser der allgemeinen Reisen, die vermittelst ihres Purcbas den Ramusio zwar allerdings genutzt haben, l/) sind verleitet worden, auch noch nebenher dem Der- geron zu folgen, wodurch nicht allein ihre Nachricht von dem Werke des Polo sehr verwirret und widersprechend geworden, sondern auch mancher seltsame Fehler mit untcrgclaufen ist. Wenn sie z. E. erzählen, daß Rublai-Rhan, als er die Zurückkunft der Poli erfahren, ihnen „durch einen weiten Weg vierzigtau- „scnd Mann entgegen geschickt habe, die ihnen bis an den Ort „seines Aufenthalts zur Bedeckung dienen sollten:" so können sie sich selbst nicht enthalten, in einer Anmerkung hinzuzusetzen, gewiß eine grosse sahl! Za freylich, und zugleich eine grosse Lügen. Denn wo hat das Polo jemals gesagt? Es findet sich weder in dem alten Lateinischen Texte; noch beym Ramusio; noch beym Müller, als in der Übersetzung des Pipinus; noch irgendwo. Es ist weiter nichts, als der lächerliche Fehler des fiüchtigen Franzosen Vergcron, welcher aus vierzig Tagereisen vicrzigtausend Mann machte, und die Worte: kox eublai au- «liens eos aävonwutks yui ak c/e ^«m'Kttto e/e a?t ^evant c^'e?«^, zu übersetzen. Hätten sich die Engländer doch nur fein in allem an ihren alten Pnrchas gehalten, ohne sich um einen Zbergeron zu bekümmern! Ich habe gleich Anfangs gesagt, daß es nicht so ganz ausgemacht sey, von wem und in welcher Sprache die Nachrichten des Polo zuerst verfaßt worden. Aber Ramusio, den wir mm als einen genauen und glaubwürdigen Mann kennen, versichert, daß ein Genueser sie aus dem Munde des Marco (°) Deutsche Uebers. Vll. Band Seite 423. u, f. Die Flandrische Chronike beym Martene und Durand. 217 Polo zuerst lateinisch aufgesetzt habe. Wie also, wenn unsere dritte Handschrift, eine Copic dieses nehmlichen ersten Aufsatzes wäre? Sie verdienet wenigstens, wegen ihrer zuvcrläßigen Kürze, dafür zu gelten; welchem die äusserlichc Einrichtung, da sie noch nicht einmal in Bücher eingetheilt ist, nichts weniger als wiedersprcchcn würde. Was ist hiernächst natürlicher, als anzunehmen, das Polo, nachdem er seiner Gefangenschaft zu Genua entlediget, und wieder zu Venedig war, diesen Auf- saz von Zeit zu Zeit kann erweitert, und vielleicht auch selbst ins Italienische übersetzt haben. Und so liesse sich denn die mannigfaltige Verschiedenheit der Abschriften, und die Ungewißheit über die Grundsprache, gar wohl begrciffen. IX. Die Flandrische Chronike beym Martene und Durand, (^Itetauio novo ^neoäot. 1'. III. p. 177.) aus einer Handschrift ergänzt. Zn einer von den papicrnen Handschriften, welche die Reisen des Marco Polo enthalten, findet sich unter andern auch, ein Olironicoi, ?Iai,6riN, von welchem ich beym Nachschlagen erkannte, daß es das nehmliche sey, welches Martene und Durand, aus einem Manuskripte des Klosters Llairvaux, in dem dritten Tome ihres Invtauri novi ^necäotoruw, unter dem Titel (ZonosIoAia Ooiniwm ?Ianclri-x, herausgegeben haben. Ohne nun hier lange zu wicdcrhohlcn, was diese Männer von dem vorzüglichen Werthe und den verschiedenen Verfassern desselben beybringen, will ich nur kurz anzeigen, daß es bey ihnen nach dem Jahre 1330, eine Lücke hat, von der ich sogleich nachsähe, ob sie aus unserer Handschrift zu ergänzen sey, und ob es sich der Mühe verlohne, sie zu ergänzen. Sie ist es, und sie verdient es. Denn nicht zu gedenken, daß sie weit grösser ist, als Martene und Durand sie ausgeben, die sie unius laltem lolü zu seyn versichern: so ist sie auch ihrem Inhalt nach sehr merkwürdig, indem dieser nicht blos , kleine Händel Flämischer Tuchmacher und Walker, sondern größ- tcntheils den wichtigen Krieg bctrift, welcher gegen 1338 zwi- 218 Zur Geschichte und Litteratur. Zweyter Beytrag. scheu den Königen von England und Frankreich, iLduaro dem III. und Philipp von valois, ausbrach. Diesen nehmlich erzählt die fehlende Stelle, bis auf dcu Waffenstillstand, der vor Van- nes 1344 geschlossen ward; uud erzählt ihn in einem Touc, und mit Umstäudcn, welche vermuthen lassen könnten, daß das Manuscript von Llkirvaux in den Händen eines Franzosen, nicht von ungefehr gerade hier mangelhaft geworden wäre. Ich will, ohne weitere Norredc, den Leser selbst urtheilen lassen. Hier ist sie, diese ganze Stelle, die nach der Einthci- lung des XNartcne und Durand zwischen dem 73 lind 74 Paragraphen einzuschalten. Die ersten Worte, welche mit italienischer Schrift gedruckt sind, stehen noch in dem Gedruckten; aber ich muß sie wegen des Zusammcuhangcs wicdcrhohlcu. - s //i e^'e VSZ'o Att?'t/tt>/omcet »^«M t/e ?«e»tt'n//???«s, ^i«!?tt'uit> in>mn Aiierram valiclam eontrn Die Flandrische Lhronike beym Mcirtcnc und Tnrand. 21!) Ilueem Lrabantise, czuam kex k'rancilL eompel'cuit et keilavit, nee etian» peeuniam exliiuitam U8«pie ack prsel'ons potuit rolra- Iiero, tiecpio fuit ntrob!c>uo lleceptus. §. H»ot^ ^Ke>x ^?!A^'cs ctt/ee/?»!««^^ F'icttie/«//^. polt nsee inter reZem I?ranei»z vt regem ^riFliaz äisten tionis matoria eK luborta. kox enim ^nglii« ealumniatus vkt totum reAnurn j?raaelgz, clieenclo, uam acl Iiirreclom proximnm immecuatnm maleulnm, et von ack ptiilippum lle Valero, «zui nun« regit in- cledito et iniukts, eum ipte üox ^nglise tan^uam sororis üliu« propin«zu!or tit nseres regn! I^ranci-e, pnilippo äe Valeti», ülio patru! roZis ^raneise ultimo clekuneti oxittento. Hx dov ker^uun- tur cnssiäentim, clauäuntur paktus, mercnancnse clelieiunt per ter- ram et per maria, 6epauperantur viciniaz et ?Ianclria prseeipue, >m»z UNrel>»t et proeurabat, «^uoä li'Ianärvnl'os tibi aMttorent eon- tra regem ^ngliaz !n irae guorra. 8ocl ünalitor (Zornes I^uclovi- eus vineere non potnlt contra eommunitates, lpii magis elegerunt pr^Kare auxilium et tavorem ^nglieis, pro liabencus lanis et mercaturis aliis ab .4.nFlia et ^nglornm auxilio, «zuam kallieis ante clietis. Lt lie solus cum paueis nobilibns t'avovat reg! pranei-e, et tota patria rosidua reg! ^nAlii« aclliRrokat. Köge- Kantine tun« et orciinabant patriam tres villiv prineipalos, uoä pro suis imperiis niliil aut mollioum sa- eiovant, ultimate traxit te in l^raneiam, et idiäem in t'avorv Pin- lippi, regis clicti lle Valesio, ko tenekat, cum uxoio sua et silio I^uäovieo, «^uare ex tuno ^laeolius clo.^rtevolllo eum (Zanclenl'i- bus ineopit contra eomitom redellare, «^n! kannitos introcluxit, et til»! in drev! t'ub unlbra reUs .^ngÜN totam l^lanclriam l'ul)!uZavit> 220 Zur Geschichte und Litteratur. Zweyter Beytrag. Papa ^okannos XXII. anno NeeeXXXIIII. moritur et Le neoüetus XII. ljui antea voeadatur ^aeolius äs Lardona, (!i5ter- eienlis oro'inis, iutlironil'atur, ljui VIII. annis prsekiclens et regi ^nFli-v magis, ut clieeliatur, kavens obiit. Lt liuio kueeestit in ^pottolatu Clemens VI, hui antea monaclius niger exiktens cle ?eeamp in Z^ormannia, Petrus lioAorü voeadatur. Hie in prineipio lilieralem omnibus I'e exliiliuit, et nullum a so vaeuum aut trittom adire permilit. Lrat sutem tavens regi I?rane!ie, ut apparnit, plus c^usm cloin Ii^vmavit. kvx vvro I^raneiiv au- cliens, «zuoä liox ^nzU!v to retraxit, inteeutus ett eum, «zuom non invvnions acl propria remeavit. Licc^ue illa n^einv c^uievvrunt ad inlultibus dollieis anilio reZes prveclieti, non tamen oiniterunt ki»i proviävro clv acl^utorio dvllatornm contra ivktatem vvnturam. Rex namrpiok'raneise proviäit tiui äo magna multituclino navium vt Falearum, «eo/a?c»i /??«e/«e^ Oominum //»A-one»? ^'o» et et ^o/ttt?!ne??! //e//e ^/?«/«, et Iii cum naviuus et galvis armatorum multituclinv onuttis, rezis ttii pa- rvntes imperio, tomporis opportunitatv eaptata vola lloclerunt ventis, et intra ^nZIiam vt k'Ianclriam kv tonucrunt alilpianto tem- pore, ut üvZis .^nzliiv tranlitum impoäiront, vt ünalitor in portu cle 8Iufa applicuerunt «lictaz navcs et galviv univertse, anno ks- c^uenti, viclelieot ÄKÜLiüXI^. clv <^uo proplivtavit lluclum Hiläe- garclis propnvtitta, «zuoä eiecles et incenclia multa tierent. Ipso anno kvx I^raneiüe mitit ante cattrum c!e aä obtinenllum vt äettruenclum eum, rjuocl ol»tvllornnt vt tlottruxvrunt Dominus .sonannes Oux IXormannise, vt iple üvx, lzui timilitor supervonlt. Z^inilominus (^omvs Hannonim eum I^IaminFiuus, ^/acok>o teilievt ^teve/t^e vt aliis, venit antv caftrum acl livorationvm inclu- torum vt acl Iiadvnäum dollum cum kvZv, led deNum Iiadvrv non valvns, libvratis inelukis, sdeelkit. Oum nme igitur aZeren- tur, vux ZVormanni-L eueurrit per Hannoniam, udi relittentiam non inveniens, äoprseclavit vam vt ignv ttlceonäit; rovvrtvnsn,uv per antv villam uo«I in mari vt in terra timiliter inveniret rvHttvntiam, vt eum «zuinus poltet virvs virivus vxperiri, ttatim eum trecontis circitvr navibus reevrilt a» ^nZIia, in vigilia I). ^oüannis Laptittiv eius- 6em anni Nt!(!OXI^. et eockem die aä portum äe 8Iula äevenit. t!um<^ue intuvretur (Zallieos ibickem cum clatt'e 5ua paulantes, ttatim irruit in vos kello navali, udi maZna cseäes utrimczue taeta 222 Zur Geschichte und Litteratur. Zweyter Beytrag. eK. Lostit tamon vietoria invietil'simo lioZ! ^nZIi-e, czui adeo 1'tronue ididom to daduit, «zuod uni do Naeead'!«!» potuit non immorito eomparari. 8!e cecidorunt ididem prtvdiet! (Zallicurum oapitanei et vmnis eorum multitudo pariter, paueis exceptis na- vidus, omni excommunieationis vinculo, et ab omniuus kudmitt'ionibus dudum kaetis, ad omnidus pecuniarum tummis lieg! I^rane-W deditis et arreraFÜs varundvm, ektont «zuiti et libori et adtoluti; oriA'inaIia«zuo odliZationum et sudmiMonum ae dullarum, per nuas excommunicar! potvrant, et Die Flandrische Chronike beym Martcnc und Turand, 2?^j per «juas ab eis oxiZi potvrat in tuturum, eis suerunt inl>a cjuin- cloiiam reclcuta et clelata: et ti ciuicl usczue acl b-xe tempora korfe- cerant enntra kegem vel eontra Lomitem, totum fciit eis in- clultum, clum tantum in clictis tronAls eum aliis eonlentirent. IZt tune iuit intvrclietum amotum clo pra:cepto liegis per eommis- kariös et orclinarios. li'Ianclrenl'es autem abtoluti retumksrunt, clo manclat» prseclictorum, organa tua, kiec^uv cliseekkerunt lliezes ab invicem «zuilibot acl loeum l'cium, et 1?Ianclrelltes aeeepto eo- mito tuo acl ^lanclriam lunt roverti. Lomes tamen non reman- sit 6iu eum eis, lecl acl k'raneiam, ut clictum eK, remvavit. üt boe plerumczue iaeiebat. Dein anno clm. I^ILLLXI^VI. Papa Clemens mil'it cluos legatos acl kraneiam et acl ^nZliam, ut clictum ett, pro eoneorclia taeiencla, ljui in prineipio moclieum proteeerunt, eo izuocl üegis ^nglise proetentiam babore von po- tuerunt. 8ecl tlnalitor intelligentes, c^uocl acl parvam Lritanniam so transtnlerat iclom üex ^ngliiv, Dueilta; Lritannia: auxilium privl'titurus eontra livgem I^rancia;, lju! eam exliazreclaro volebat, alteric^ue cankorre clueatum, illuo l'v transtulerunt Larclinalos pra:- clieti, et invonto Köge ^nglise in obkiclionv eivitatis Veneeeotis, eollocpiium kabuerunt eum eo ex parte 8anetiU'. pontilieis tuper paev babencla, vel kaltem kupor trougis ineunäis. kex au- tem krane!«?, eum armata manu, extra eivitatem I^annetenkem ab altera parte lluvii I^igoris, ke tonebat. ?antum proloeerunt et proeiiravvrnnt clieti Larclinales logati inter utrumcjuo üegem, c^uoä lub ceitis eonclitionibus treuza: fuerunt inter clietos liogvs et kuos colligatos eonceklio et coneorclativ, per terram et per maria, usczuv acl lecpiens kottum b. Nicbavlis, et ab bie usc^ue acl tres annos immocliato ke^uentc-s. Itac^ue Interim eomparero clobebant partos coram Papa, per 1'v vel per proeuratum kni genoris, 1'ulücioiitor inktrUetce pro paee reformancla. Inter c^uas ennclitiones t'uit kie eonclietum, cjuocl Lomes planärise rocliret acl plancliiam luam, keilieot enm suus populus in boo eonsontirot. 8ecl c^uia »on traetaverunt eum 1?lanclrentos icixta luum libitum, nee pvrmittebant, «zuocl ipso 1'olus regerot, exkulatos introciueo- ret, vel «juocl eal'tra kua rebaberet, icleirco recottit a ?lanclria itcrato iclvm Lomes, et ut ciietum vst tuperius, eum tota clomo s»a intra limites li'raneiix ie tenebat. I 224 Zur Geschichte und Litteratur. Zweyter Beytrag. Interim Comite lo tenente extra ^Ian6riam, contrarietates et «liscorcli« varia: inter I'Ianclrenl'es acl invicom evenerunt. Z^am ^nrenses anno AILLLXXXXIII. in principio Aa^ji inva^e- runt Iiostiliter illos 6e /^o^e?'iNA/ien, oeeakione pannorum, czuos ipsi laeiedant acl timilituclinem pannnrum Vprenlrum et in lletri- mentum eoruoclcm. üorum cluctor eiat /o^a?»eeL e/o //o?et^s»/.e. Illi vero clo poporinAnen exiorunt armata manu in oecurtum eorum intropicle, «zuorum cluctor extitit /acoc>?» /?e?L. Ilic in primo impotu eum l'ini a^kociatis petiit clictum cluetorem ^pren- tium et in iptum irruit furiote, cjui cluctor Vvrenl'ium, vir animo- tus, fortis et aullax, et cum suis viZorose rettitit, fuitijuo iki dellum latis «lurum. 8ecl textoriuus clo popeiinzlien in prinio oecursu retro tuZientiuus, ceskit ^prenlrlius victoria, et manl'it ibiäom clietus cluctor cle poperioglien eum t'ibi al^kociatis, omni- bus animolis, post intultum clurii'timum, intorteetis. Leteri recl- cliclerunt 1°« Vprontilms et eorum imnerio so totaliter sudmiterunt. ^nno serjuenti ^ILLl'XI^V. teeuncla äie men^is Na^ji, (Zan- clontes puFnaverunt acl invieein, textores contra tullones et omnvs alios artiiices supra ma^num sorum, et pr-evaluerunt tox- tores contra alios, et tero twinZeutos iuiclem oceiclerunt. Du celiat autem textores ^e?//«?'?/?» eui tv lociavit /»cc>- ö«5 ^teve/c/e, et /»/ttt?i?is^ ^«/^o, cloeanus lullonum, alios tune regvdat, c^ui romantit iuiclem oecil'us cum siliis Iuis et aliis ante äictis. Voleliant enim fullones Iiauere, 6e uam clominum luum vellent in terr-tm intro- «lucvro, tidisjuv in omnilius tanrjuam kuo legitime, kalvis eorum legidus et lilioi'wtilnis, odociire. ^.ä c^uam laeionllam vux Lia- Iianti«: voeavit eos ack susm provineiam in Lruxella, ibihue tummsvit eos et monuit, «juou° 6ominum suum (üomitem, ut clietum ett, reeiperent, in terr^m kuam introcluceient, et munl- tionvs tuas ae rvllitus tuos kilii rottituerent in integrum.. per- mitterent«zsue cl Iioe ^uocl äv- centius tidi pottent occurrero, et eos prout tua rorum ^venviiwiisium 1'. I. i>. tz» in einem fort. §. 72. Ilt iterum exeiwret pus, lunclirtmilms !VIon»tttlvI^IiiiiAsnki«, »»d da ich einiges darin» lese, erregt folgende Stelle, gegen das Ende, meine ganze Aufmerksamkeit, „e^toium tieut ipsum Mf-mULe 'l'om^llim intra lviv Ivuconluris im.iAi»i>>us Vvtoris et I^vvi 'l'ostimionti, liomanoiumijuo In>j>or!rtl>run>, p'ietuni ctt, itil vtiim» (°) S. 117. bis 166. Oder auch in sciner iilve K! a'uiw levlwn comiiietto a'Lsl.n»i,es, und zwar in der derselbe» eingeschalte««! vissvililliv» lur l ori^iile llt! l!l vinvnlv et lur NILUÜOI» I.ivro« >rlmn- Lc«, von Seite 242 bis 334, 23t) Zur Geschichte und Litteratur. Zweyter Beytrag. Alonattcrü poritt^Iium ieon'idus -lrtitleic» in XI^. t'enet'tris oncuu- t'tti oxornatum vl't, iis<^uo ternis (llcut vt ^ulelieiiimu 1'slivii- tium syuaium tollte) torois, inczuam, imsFinidus eleganter äe- eoratum vK: nowno ita, ut in irioäio cuius^uo tenettriu corniitur IiiKoria ali^ua ^ovi lot'tnmonti nuto minist», per paktionem eins, us«i>ue sä iuäieinm extiomum vt vitam üvter- nam) atyuo in utroizue laterv illins meäiiv fenvt'triL, ex ve- teil lettamonto t^zius szznsreat, aut li'it'toiii» t) pica, cum ^>roll- äietionibus proplietsrum äs Ltirlkto." Auf einmal schoß mir die Gleichheit zu Sinne, die sich, nach dieser Beschreibung, zwischen jenen Fenstergemäldcn in dem Kreuzgange des Klosters -Hirscban, und den Holzschnitten der kiülia ?-tupeiuiu findet. Sie ist so groß, daß sie kaum grösser seyn könnte. Auch diese Holzschnitte enthalten typische und antitypische Vorstellungen von Christo; auch sie sind in drey Felder gcthcilct, wovon die beiden äussersten die Tyvi, und auf das mitreiste den Antitvpum enthalten; auch sie sind mit den Prophczcyungen von Christo verbrämt. Und was das sonderbarste ist; auch ihrer sind gerade nicht mehr und nicht weniger als vierzig: so viel dort Fenster, so viel hier Blätter. Was war nun natürlicher, als aus dieser Gleichheit auf die Identität zu schließen? Doch, dachte ich, dergleichen typischer und antitypischcr Vorstellungen können so unzählige und und so verschiedene erfunden werden; der MönchSwitz hat hier so reichen Stoff, so gutes Spiel gehabt: daß mehr dazu gehört, ehe man mit Zuverläßigkcit behaupten kann, daß beides für eins zu halten, und entweder die Holzschnitte nach den Fenstergemäldcn gezeichnet, oder die Fenster nach den Holzschnitten bemalt worden. Zch dachte also herum, wo ich wohl mehrere und nähere Auskunft von diese» merkwürdigen Fenstern finden möchte: und man kann sich leicht einbilden, daß ^'ritliemü ^.nnulvs tjirsiui- gienles das erste Buch waren, welches ich in dieser Absicht fleißig durchsuchte. Aber vergebens. Hierauf ließ ich die ^nnales 8u'- ^ ^va cun» pe»^ in» » 8e?^en/>' N,'5U5 to^»e»^, c!>- et » r»»llio?«- io?'« eo- t»6 ^e^»c/t s >ne ^?v. 7. ^NFe/l» eum ^/ce/)tio, ^/atutn»» et en»>- />e//an5 ^'iV^inen, .Va?i»m/ .te. I. ^//-ecie t»ae ^ »,'etts ?"»a VIi'Ao talutawr innu^w mane propdeta. /'a/'ta /iaec e/a«/a e?kt, et no» a^)e» ?ict»^. ^-ee/«> 44. Vineia Vim pvräit tino Vi paneiüe ^uvlla. Tafel I. Seite 231. I^exilur Leu. 3. <)uo«1 Oominus ülxit lerventi: 8uper ve- etu8 tnum Ai'ülllei-lL. Lt imitiern äe serpente et nuiliere: I«5» conteret eavut taum, et inliäladvris ealcaneo eius. Nam ittuä in annunoiatione veat«: Aloriolue VirAÜii8 aäimvleturn ekt, «juse augelo allnuneialltv eonoevit saluatorem mimä!. /?e»5 I» «lioie ie- ^/il/enz. Z I?va cu»i 8e?^ ^?5oi' /°?ient-ae ioni et ninü: cui Ke^- ^zenz in- nicrus ^/e» ci>» enm^o/n- /,» ^ea'neit ^?vnm. provtlets. I^ece VIrgo conei- niet et pariet ti- IIum. ül-,. 7. ^NA»e/uz ^«ii-ie? euni ^ee/it>o, ^/a/ntan^ et e«»>- ^?e//anz ^',>^!nen, .Vaiiain.' .itu! 8a»e/«L ^ecie co/um- t)ae ^i^oei've- »iens in ^/a- k'i>Fo ^/ania /«A>e«L ^/eu o- »a»z, vk/o an Ae/u Fie,'/ui'- /)ota, >^e. VirAo kalutatur innunta manens Frav!6atur. propneta. /^ai-ta /iaec e/au/a eilt, et no» a^)e- /?iee/«. 44. prouliots. »m. /e?°. 31. I^egitur lll lib. luäiollm cgp. k. yuock Leäeon petüt li. Anum vietorise in vellere. per mailekaelionem rori8 iriigan- äum: yiioil beue iixurabat VirZinem klarigm Atoriolam line cor- runtione VirZinitstis imvrexnanäam ex 8viritu8 8»nvti inkulione, in iiottram salutem et reäem- ti'onem voternnm. ^/nFe^n» ^a/utanz t?ea'e»nem.' /^omini/z tecnn» i>i>i>i-»»i /»,t//7?nis. an/i<>». 8e«t»in K^e-teo- niz in tei'i'a iaeen». köre maäet Vellus, permsnkit ariäa tollus. vhcmalige Fcnsicr^emäldc im Kloster Hirsch.ui> 231 mit so vielen fremde» Sachen angefüllten Werke, das wenige auch nur wiedcrhohlt hätte, was er dort in seine Nachricht clv Oomitibus Olven/IIms cinfliessen lassen. Endlich erinnerte ich mich glücklicher Weise, daß unsere Bibliothek verschiedene Handschriften von einem der Luthcrschcn siebte verwahre, der dem Kloster Hirschau in der letzten Hälfte des sechszehnten Jahrhunderts vorgestanden: nehmlich von dem T>- Johann Parsimom'us, oder, wie er mit seinem Deutschen Namen hieß, Rarg. Zu diesen nun verfügte ich mich; und wie groß war meine Freude, als ich darunter einen Band antraf, der nicht allein mancherley Dinge zur Geschichte des Klosters -Hirschau enthält, sondern unter diesen Dingen auch sogar etwas fand, das mir mit eins so vollkommene Gnüge leistete, als ob ich es mir, wie man sagt, bestellt hätte; als ob es der ehrliche Rarg, vor zweyhundert Jahren, in einem prophetischen Geiste, ausdrücklich für mich zu meinem gegenwärtigen Behufe geschrieben hätte. Er hat nehmlich in besagtem Bande, im Jahre 1674, I^ieturas et t'eripturiis »umis Fenei'is in I>Iolmttee!<> HirtÄuFienll !iin<- inäo oxttantes gesammelt und aufbehalten, worunter den größten Platz die Hittoriie Novi l'ol'tamontl äv LI-Mo, vei et Ilomi»!« lilic», una cum et pioplietii« Veteris "I'eKgmenti, in lenettii« cireuitus IVIoiiatterii llirkuuFlentis cle^ietie einnehmen. Und diese entscheiden alles; und entscheiden es auf eine Weise, daß schlechterdings auch nicht der geringste Zweifel mehr übrig bleiben kann; indem die Gemälde nicht sowohl beschrieben, als vielmehr gänzlich gezeichnet sind, nur so, daß man die Figuren nicht allein sehen, sondern auch hören kann. Um meinem Lcser von diesen wörtlichen Handrisscn den vollständigsten Begriff zu machen, will ich ihm ein Paar Proben vorlegen, die er selbst mit den alten Holzschnitten vergleichen mag. Weil aber den wenigsten eine so äusserste Seltenheit zur Hand seyn dürfte: so wähle ich dazu zwey Blätter, wovon sich in bekannten Büchern Copien finden. Auf beygefügter iLafel l. also, zeiget sich daS erste Fenstcr- gemäldc, so wie es uns parsimomus aufbehalten wollen. Zn der sogenannten Liblia pauverum ist es daher auch daS erste S32 Zur Geschichte und Litteratur. Zweyter Beytrag. Vlat, dessen Copic beym Schcll)orn(°) ich meinen Leser bitte dagegen zn halten. Wozu er seine Augen brauchen kann, dazu habe ich nicht nöthig, ihm die mcinigen zu leihen. Der erste flüchtige Blick, so wie der letzte und genaueste, wird ihn überzeugen, daß beides, der Holzschnitt und die Beschreibung, offenbar von dem nehmlichen Urbilde genommen sind, und daß folglich dieses Urbild nirgends anders als in dem Kloster zu Hirsch«» ehedem zu suchen gewesen. Daß es nun, und zwar seit 1692, als die Franzosen dieses Kloster einäscherten, nicht mehr in der Welt ist, das versteht sich. Daß aber nicht auch zugleich das Andenken davon auf ewig verloschen ist; daß wir sie, so zu reden, noch sehe», und in ihnen den Aufschluß über eine alte Seltenheit erkennen, deren Ursprung und Bestimmung ohne sie nie anfgchörct hätte, ein Räthsel bleiben: wem haben wir dieses alles anders zu danken, als der glücklichen Mikrologie eines Mannes, der wohl auch etwas besscrs hätte thun können? Die zrveyre beygefügte Tafel enthält das vierzigste und letzte Fcnstcrgcmälde, welches denn auch das letzte und vierzigste Blat unter den alten Holzschnitten ist. Eine Copie dieses Wlats giebt der Herr von Heineke; (°°) aus der man die vollkommene Uebereinstimmung desselben mit der Beschreibung des Parsimonius, nicht weniger als bey dem vorhergehenden, erkennen wird. Die einzige Kleinigkeit, in welcher man einige Verschiedenheit zwischen beiden zu bemerken glauben könnte, wäre höchstens diese, daß bey den kleinern Feldern, über und unter dem mittclstcn Hauptfelde, wo bey dem Parsimonius blos das Wort pronnota mit der prophetischen Schriftstclle stehet, in den Holzschnitten, der eigentliche Name des jedesmaligen Propheten und Urhebers dieser Schriftstelle zu stehen scheinet. Doch wenn man genau zusieht, ist dieser Name nichts als die Citation der Schriftstelle, die beym parsimonins hintcnnach folget. Er selbst füget über besagte kleinere Fächer, zum Schlüsse seiner Beschreibung, folgende Anmerkung bey. Aol». Dbicun- hu. 29k. (°°) Im angezogenen deutschen Werke, bcv Seite 110. I^oAilur in (!imlica (.'anUcoium ^1. enn. ()iio<1 8non5us allo- »^natur 8j>oii5am, eam^ue l'umonäo lllxerit: nulolira es ami- ou mea, et mneulit uon eK iu to. Veui amlea moa, otenim co- lonalierls. 8nöiitns verv8 okt <ÜI>iMus, c^ui alkumenäc» animain coionat eam. 8nor>ta ikla anima Uno maenla omuis peceati, et huiim eilueit in le^ulein seternam, et coionak eorona immoi^alitalis. I'roplieta. lule lanc^uam snontus »loeLllens cle tlia- lamo tno. 18. xxxx. >'/?»I^U5 >>o»/», n i8/i;> ?une Fauilont anim-x libi «i»Aiil1o 1^ plonlivta. O?o»» t»a c//cu»>- /iH-»/« //i,', et e/i/n /»a >« >^c. ^-t> I^aus anlm-e vorm, fpnntum üoiiv fentit I,li>,eic> Tafel II. Seite 232. I^eAilur iu Cantieo ^'»nticoi'nm 4. cnp. <)>ioü 8nonsu8 allo- >ji>!>Iiir 8j>oi>s!>n>, eam^ue sumencio «llxerit: ?ola pulelir!» es ami- inea, et mnoulit uon ekt iu te. Veui amloa mvs, etenim oc>- i'onaliei'Is. 8n6usus verus ctt (!Ini5lus, hui assnmenilo animain eoianat eam. 8vonta isla est anima /luv macula vmnis peeeal!, ei l^u!>m eüucit in rec^uiem oeternani, et eoionat eorona immmtalitatis. X/)»»^«« »^/iOIi/I,, i/i/oe » proplieta. I^te tsn^uam knontus nioceileus cie tlm- I-uno sno. ?sal. 18. xxxx. I^»us animi« ver-v, Konsum t»env lentit l,!tl»ele. '»»»«! ,,». /inncnz. I^ro^Iieta. lanc^unm snonlus üeooravit mo eoiona. 8i>v. 6. ./»<,»« ^>/«e « t7/,///i!o cn- //oc e/?. //omn ^/?/o co?°o- »»/»i^ ^une Faullent animl? liu! ^usiilZo üoinim d.itur onuie. proplieta. t^NI'0«N ?»« tlic«»!- //Ant« // et /?:ec/i. 24. piaplivta. 8/>o?i/aoo stenm tivi s»on. sam Dxorein sgni. Engeln« loiznitur sä omnes in generv, ut veniant auseultanlluin in spiritn gAnum, inno- centem Llnistum snimain inuooentein coronantem. ^/»^ cos- ^»i ?/> »an/» "F«-> en-//?-. ^»H°e/»s ?non- ^/^ on^ /o/ianni /ec«m -n nio»- »?uc/a t7//^i/?i. 8pvlikus klwat Kpoiitam Oluiltus nimis et kpeeiosam. ^» ehemalige Fcnstcrgemäldc im Kloster HirsclM. 233 nomon pro^Iieta IkFitur, idi tomper in kenettr'is elreuitus Alona- fteiii IlilsnuFionsis ^>ro i^>su nomino propIiotiL, ^ietus propkew, Iioo ott, iiZura tou imkiZo gravis et ta^ic-ntis viri, intvidum ilitegrü, intordum, et l^uiclom ut ^Innmuin, iisi^uo umdilieum tantum- moclo ^icta eonsjüe'itur, cui sdiunota aut c'ireumvoluta ett telivllk», in en5. ^i/ie^a »»» ./ins l-i /ia?i'e»/e /<»e//u. Lxomplum. L. ^cce i)i,Ao co»c//>!et. ^»Ae/us /^i>A» c«i» ^-.'e/i/^o. ^ui i». ^-»'H'o ^a/ue//«s.' /ic?'»!«,-/^ a< /c//u«. Und dieses geschieht mit diesen unmittelbar darauf folgenden Worten: pieta, 5unt IjlLC l'tulliu et o^xzia XXXXIl. tUrl'iniAivttl'is ^liliatis loanoi^ ^>atria l^Iuoiil'is: »iiiio j°ulu. eireitvi- iUDXVII. tvm^oro Inee^tiL Lcololiaruitt ^>vr I). I^utlierum rosonn-ition'is. Das war ärgerlich! Wenn ich es denn nur gleich beym U)egelin gelesen, nnd mir weiter keine Grillen in den Kopf gesetzt hätte. Nun aber hatte ich in meinen Gedanken schon den Fenstern, ich weiß nicht welches Alter gegeben; ich hatte gcmcynet, daß sie wohl gar aus dem cilften Jahrhunderte seyn könnten, als gegen dessen Ende das Kloster selbst, von dem zwölften Abte desselben, dem heil. IVilhelmns, erbauet worden. Und nun zu sehen, daß ich mich so gcirret! Aber wenn es denn also wahr ist, daß die Fenster nicht älter gewesen; daß sie erst zu Anfange des sechzehnten Jahrhunderts gemalt worden: wie steht es mit der so zuversichtlichen « 2Z6 Zur Geschichte und Litteratur. Zweyter Beytrag. Entscheidung, daß die Holzschnitte nicht anders als nach ihnen können gemacht seyn? Läßt-sich dieses noch sagen? Es scheinet nicht. Denn daß die Holzschnitte nicht offenbar älter wären, dürfte sich wohl niemand überreden lassen, der sich erinnert, daß es Exemplare mit deutschem Texte davon giebt, welche die Zahrzahlcn 1470 lind 1476 haben. Beide diese Exemplare, welche vielleicht nirgends weiter beysammen zu finden, als in unserer Bibliothek, sind dem vermeinten Originale von 40 Blättern mit lateinischem Texte auch viel zu ähnlich, und das eine hat auch selbst gerade 49 Blatter, daß sie schlechterdings die Urbilder von ihnen so ähnlichen Gemälden müssen gewesen seyn, die erst 1517 sollen seyn gemacht worden. Zn diese Enge sahe ich mich ungern getrieben, und sicng also an, an dem Vorgeben selbst zu zweifeln. Vielleicht, dachte ich, hat Lrusius die Sache nicht recht gewußt; vielleicht auch will er die angegebne Zahrzahl von 1517 kcincswcgcs von allen vorhcrgcdachtcn Gemälden, sondern nur von einigen verstanden wissen, unter welchen wohl die Fenstergcmäldc gerade nicht gehören. Ich schlug also weiter nach, und fand das letztere, vollkommen wie ich es vermuthet hatte. Es ist zuverläßig falsch, daß es der Abt Johann von Lalrv gewesen, welcher die Fenster in dem Krcuzgangc malen lassen; wie Lrusins an dem angczognen Orte zu sagen scheinet. Denn erstlich sagt Lrusius selbst, in seinem weitläuftigcn spätern Werke, den ^nrmlilnis Sueviei«, nichts davon: sondern schränkt sogar zroeyrens, was er dort überhaupt und unbestimmt gesagt hatte, hier auf ein einzelnes und besonderes Stücke ein, mit welchem die Gemälde im Krcuzgangc nichts zu thun habcn. Unter dem Zahrc 1603 nehmlich, wo er des Johann von Ealw, als des Nachfolgers des Abt Blasius, gedenkt, schreibt cr:(«) 14 snno rvAiminis 1ui, ^otontilnis iratridus Ims, picturaz vjnis yuocl in iLttuali ktoloctorio cons^ivitui', ^ottoiitaii lacion llum euravit. Konnte Lrnsius nun dieses geringern Werks hier zu seinem Lobe gedenken: so würde er ganz gewiß eines weit grösser» nicht vergessen habcn, wenn er wirklich geglaubt hätte, daß cS ihm glcichfalls zuzuscyrcibcn wäre. C) I.ÜI. IX. I'arlis III. ci>l>. IS. I>. SSI. ehemalige Fcnstergciiuildc im Kloster Hirsch.iu. 237 Eben diese genauere Nachricht finde ich auch in Jacob Frischlins nngcdrncktcn Sammlungen zur Wirtcnbcrgischcn Geschichte bestätiget, welche unsere Bibliothek von des Verfassers eigner Hand bewahret. Es heißt da, unter besagtem Abt Johann- dieser Abt hat, im vierzehnten Jare seiner Regierung, die schönen Gcmahld in der Sommer Stuben, ^e/ee/o»v?tt,i genannt, angefangen, allda alle Prälaten in ihrer Statur und Form abcontraphet seyn. Und unter dem folgenden Abt, Johann d.em dritten dieses Namens, fügt er kurz darauf hinzu: Unter diesem Abt ist die Rirch im Llostcr mit biblischen Figuren, rvie noch zu sehen, zu mahlen angefangen worden, und unter seiner Regierung vollendet. Ich konnte hiervon beym Trichcim nichts suchen, als welcher, wie bekannt, mit dem Jahre 4613 aufhöret. Ich nahm aber doch daher Gelegenheit, genauer bey ihm nachzusehen, welcher von den Aebten sich etwa um die Gebäude des Klosters, und derselben Auszicrung, vorzüglich verdient gemacht habe; um so vielleicht, im Vorbeygehen, einen kleinen Fingerzeig aus meine Fcnstergcmäldc zu entdecken. Endlich fand ich denn auch einen dergleichen; aber ebenfalls zu einer Zeit, wo er mich in nicht viel geringere Verlegenheit setzt, als mich die falsch befundene Nachricht des Lrusins anfangs setzte: unter dem Abt Zblasius nehmlich, dem unmittelbaren Vorgänger jenes Johann von Calw, welcher von 1484 bis 1603 regierte. Wie dieser Abt die Einkünfte des Klosters ansehnlich vermehrte, so verwandte er auch wiederum einen grossen Theil derselben auf die Ausbesserung, Erweiterung und Verschönerung ihrer Gebäude. Wenn nun Trirheim das vornehmste hicvon anführt, so sagt er, einmal unter dem Zahre 1489: Locunclum yuoyuv latus äv ^mbitu cum konto in annls yumyuo pvileeit, pro yuo inillo eIia paupormn hat einen solchen Glauben ohne Zweifel bestärkt. Aber von wem ist er den», dieser Titel? wo schreibt er sich her? Er findet 240 Zur Geschichte mid Litteratur. Zweyter Beytrag. sich bey keiner von den vcrschicdncn Sammlungen der Holzschnitte, und alle, welche vor dem Herrn von -Heineke ihrer erwähnen, geben ihnen nach Gutdünken ganz verschiedene Benennungen. Der Namen, sagt dieser um sie so verdiente Mann, welchen wir ihnen im Deutschen geben, nehmlich /ZM/a /^»^o,-um, schickt sich am besten. Denn diese Bilder sind sicher gemacht worden, damit diesenigen, die nicht im Stande waren, ein damals sehr kostbares Manuscript von der heil. Bibel ;u bezahlen, dennoch mit wenigen Rosten einen Begriff von der Bibel und deren Innhalce bekamen. Daß sie zu dieser Absicht gelegentlich haben dienen können, will ich nicht leugnen: ob sie aber in jenen Zeiten zu dieser Absicht ausdrücklich gemacht worden, dürfte wohl eine andere Frage seyn. Denn damals sollte der gemeine Mann die Bibel nicht lesen: wem hätte also einfallen können, einer anderweits dazukommenden Ursache, warum er sie auch nicht so leicht lesen konnte, als itzt, auf irgend eine Weise abzuhelfen? Was damals daher auch etwa den Titel LiKIIa pauporum führte, war nichts wcni-- ger als ein Werk für den gemeinen Mann, dem man dadurch einen kleinen Begriff von dem Znnhaltc der Bibel machen wollte; sondern vielmehr ein Werk für die Prädicanten, deren Armuth oder Unwissenheit man damit zu Hülfe zu kommen suchte. Dieses beweiset die Biblia pauperum des Bonaventnra, wovon ein alter Druck ohne Zahrzahl und Ort sich in der Bibliothek findet. Es ist nichts, als eine homiletische Schwarte, die nicht die geringste Achnlichkeit mit den alten Holzschnitten hat. Zwar ist es wahr, daß es auch sonst noch eine Ursache ha- (°) Der Titel heißt: Lililis, pauperum » «lomiiio vonovenw» ediia omniliiis vre>lics,>or!lius vsruliiis. Die nähere Beschaffenheit derselbe» erklären die am Ende befindlichen Worte: ^xpiiciunt exewpia lscre scripiur» vrilinst» keclinlliilll »IxliskeNim ut nvMnt s>ne lunt »ücossüriü, in iniiwi'iis kermvnum et vretlieslionuin k»ciliu» a pretliciUorilnis inveniri. !11)n: noch wie alt diese alte Hand ist. Allein so viel weiß ich gewiß, daß die neuere Hand, welche diesem alten Zusätze durch das Citat des Grnh,alms zu Hülfe kommen wollen, sich sehr betrogen hat; und gröblicher betrogen hat, als es dem Hrn. von Heineke in der Geschwindigkeit einleuchten konnte. Die Sache ist werth, daß ich mich noch einen Augenblick dabey verweile. Nehmlich, um jenem Vorgeben von dem heil. Anscharius mehr Wahrscheinlichkeit zu verschaffen, wird daselbst, Oi'?Me/»» K»svo?tt«tt 6?o^o»'?t?»^?«e eec/e- /ttt/Aoa L-'S. /. c. 21. 70. angeführt; und diese Stelle, wie sie der Herr von -Heineke beybringt, lautet so; InZonü monu- mvnta süqua reliPiillo viäowr (^n/o/im-«»), kor! quorum nulla potteroium cuia sä uns pervenennt. IZt quklom «zuos per nu- ?ne,'o« et conlcriplirlo eum libros kambvitus mvmoral, Klimas Wevke IX. 16 242 Zur Geschichte und Litteratur. Zweyter Beytrag. inillAlwtos F,tAi«e»ko»'?«»i vnealiulc», vos eontinuists palam vkt cjuastlam aut o üiv'inarum littorarum, sut ziiv lloetorum pirtrum teriptis, poncopas et tontentiss, ipti !n ljuoticlianum ulum tlele- etss exeerptascjuo, ao numoris librarum cnzi!tum«z>uc! vnotstis, ut eum ukus roMirorotz acl msnum ottoot, vxeitanclaz piotsti kre rot'i- pij'evoti-L> noo non fre^ueiit! niecliwt'ioni mort'is et extrvmi illius liZicliMmi iuckieii. Aber so lautet sie nicht völlig auch beym Grn- hjölm selbst. Denn bey diesem selbst hat sie, nach den Worten iliäiUtatos /liAMKntm'i«» vooadulo, noch ein Einschiebsel, von welchem ich nicht weiß, warum es der Herr von Heineke ausgelassen hat. Grnhialm merkt nehmlich im Vorbeygehen mit an, wie der Schwedische Ucbcrsctzcr der Lebensbeschreibung des h. Anscharius vom l). Rembertus, das Wort piZmenta hier gegeben, und was er darunter verstanden habe. />«A»-en- ton«» vooabulo, schreibt er, rjuoä integres 8ueeus reäclit per Sökkcrkakur, ljusti cliceros psnes euplllignos ll. s. W. Der Schwedische Ucbcrsctzcr hat hier sehr wohl gewußt, was er schreibt; welches nicht immer der Fall der Ucbersetzcr ist: und wäre der Herr von -Heinere nur seiner Spur nachgegangen, so würde er auf einmal den ganzen Ungrund eines Vergebens entdeckt haben, welches er seines Theils zwar nicht behaupten will, das er aber doch auch so schlechthin nicht zu verwerfen wagt. Es gehört, sagt er, allerdings eine starke Einbildungskraft dazu, aus jener Stelle, die vom Anscharins crtrahirtcn Biblischen Texte und Sprüche für eben dieselben zu halten, welche den Holzschnitten in der IMIia pauporum beygefügt sind: „indessen /,smd die lvorte, daß Anscharius Bücher mit Zahlen und „Zeichen geschrieben, welche er Malereien betitelt, allemal „bedenklich." Allerdings würden sie es seyn, und würden es sehr seyn, wenn es wahr wäre, daß er sie wirklich TNalereyen betitelt hätte. Allein der h. Mann war weit entfernt, seinen erbaulichen Auszügen eine Benennung zu geben, von der es sicherlich auch dem abcntheuerlichsten Mönchswitze schwer werden sollte, das ähnliche Tertiom zu finden. Der Nordische Apostel hatte, in dem eigentlichen Verstände, zu so etwas viel zu viel Geschmack; denn kurz, pIZmonta heisscn in seiner Sprache nichts weniger, als Gemälde; er verstand unter diesen plAmentis, wie ehemalige Fcnstergemälde im Kloster Hirschaii, 2!3 es der Schwede in seine Seele übersetzt hat, Zuckerkuchen, nichts als Zuckerkuchen. Die Sache ist klar, sobald man auf die Quelle des lvrn- hsalm zurück geht, welche das Leben des h. Anscharius ist, so wie es sein Nachfolger der h. Rembcrms beschrieben. Sie ist, diese Quelle, beym Grnhiölm, ein wenig sehr getrübt, porra, sagt Rembertus, (°) acl clovoticmom übi in Ooi amore aeuenclam uolnio boat«: et -etei-nse vitse ot torrorem Foliennse, et ljuiecjuiä acl eompunotionem ^ieitinot et lamentum. Ilnd bald daraus: Oomljue vx iptls com- punctivis rolius vx kaera teriptura sumzitis, per omnos ptalmos, unicuicjuo viäoliovt ^talmo, ^ro^riam aptavit oiatiunculam, czuoll ipso voeitare taloliat, ttt ei ^i/a/mk t/e cke/cL/6^e,^. Der h. Mann nannte seine Stoßgcbetchcn, die cr einem jeden Psalmen beyfügte, piZmonta, weil sie den Psalmen einen lieblichen Geschmack geben sollten: ut ei plalmi Kao cle cauta llulcekoorent. Wie können das nun Gemälde heifsen sollen? Doch es ist auch sonst schon zur Gnüge bekannt, daß in der spätern Latinität, piZmentum nicht allein söffen Wein, potionvm ex mollv ot vino et lüveisis snoeiodus confeetam, sondern auch irgend eine stark schmeckende Spcccrcy, irgend ein aus lieblichen Gewürzen verfertigtes Leckerbischcn, bedeutet. Man sehe die Beyspiele davon beym du Lange, wovon ich nur das einzige, welches aus dem Leben des h. Gerardus genommen ist, hierher setzen will: Favorit uti^uo tormonem cliviiium aptitliine Sj>pe1Iaii piZmentum, . St». (") Ich kann mich nicht enthalten, eine Bermuthung hier zu äusser», welcher ans den Ernnd zu gehen, sich vielleicht ein andermal Gelegenheit finden wird. In der oben angczogncn Stelle des Rembertus heißt es nicht allcin überhaupt, daß drr h, Anscharins verschiedene grosse Bande voll heiliger Betrachtungen, geschrieben habe- sondern es ist offenbar, dasi Remverrus dieses auch von den ?i°ime»l!s zu den Psalmen verstanden wissen will. Denn er sagt, weiter hin, ausdrücklich von ihnen: vncv, aliis c»m eo ptülmos csnenlllius, kinilo ps^Imo ixte kolus t.icils ruminsie kole- ditt, «cc «-»»i/e/^a^e io?e^n^ Um sie desto eher vor andern geheim halten zu können, hatte der heil. Mann auch diese seine Scufzcrlcin per ncUüs geschrieben. Nun finden sich sowohl in der königlichen Bibliothek zu Paris, in der Abtcv von St, Germain des pres, und zu Reims in der Abtcv von St. Remi, als auch in unserer Bibliothek, ganze mit Tironian- schcu Noten geschriebene Psalter; ohne des zu Strasburg zu gedenken, den Tvitheim zuerst bekannt machte. Wie nun, wenn diese Psalter, oder wenigstens einer derselben, nicht blos die Psalmen, sondern auch zugleich jene pismeni» des h Anscharius enthielte? Oder wenn sie wohl gar überhaupt nicht die Psalmen, sonder» nur jene fromme Stoßgebetchen zu den Psalmen, blos unter der Rubrik der Psalmen, enthielten? Es könnte leicht scvn, daß sich in neuern Zeiten noch niemand die Mühe genommen hätte, sie zu entziffern, und sie also, blos auf Treue und Glaube» der Aufschrist, für die wirklichen Psalmen angenommen würde», vo» welche» fich doch kaum eine Wahrscheinlichkeit denken läßt, warum sie, die aller Welt bekannt sind, in geheimen Noten sollten seyn geschrieben worden. Es wäre denn, daß sich die Schreiber selbst die Noten dadurch hätten wollen geläufiger machen, indem sie fleißig ihnen bereits geläufige Dinge darin» läse». Ich würde nicht säumen, uuscru Codex hierüber ans die Probe zu stellen, wenn er sich nicht seit einiger Zeit in den Händen eines auswärtige» Gelehrten befände, der uns vielleicht mehr davon sagen wird. Ehemalige Fensiergemälde im Kiosier Hirsch.ui. 24g Ein einziger Fall liesse sich denken, wie es doch noch wohl wahr seyn könnte, daß sich die Vorstellungen der alten Holzschnitte von dem Anscharius hcrschrieben. Nehmlich, wenn er es wäre, der nicht sowohl ein Buch daraus gemacht, sondern sie einzig und allein angegeben hätte, um sie in den Fenstern einer seiner Kirchen, es sey zu Bremen, oder zu Hamburg, oder sonst wo, ausführen zu lassen. Und so könnte jene alte Hand auf dem Hannövcrschcn Exemplare noch gcwisscrmaaßcn Recht haben; so könnte auch Seelen nicht ganz ohne Grund vorgegeben haben, daß Anscharius der Autor von etlichen in Holz geschnittenen Büchern sey. Aber freylich müßte, wenn man dieses für so gut als gewiß annehmen sollte, sich noch ein ganz anderer Beweis finden, als die so mißverstandene Stelle des Grnhiölm abgeben kann. Daß der Herr von -Heineb'e, in dem Dome zu Bremen, einige von den Vorstellungen unserer Holzschnitte von erhabner Bildhaucrarbcit in Stein gefunden, ist schon etwas. Und wer weiß, was sich mit der Zeit sonst noch findet. Ich begnüge mich vor itzt, die Liebhaber auf eine neue, und wie ich mir schmeichle, auf die einzig wahre Spur gebracht zu haben, völlig hinter die Sache zu kommen. Zweifel und Bcdcnklichkeiten von Männern, wie der Herr von Hei- ncke, werden mir sehr willkommen seyn: freylich aber noch mehr, ihr Beyfall. Xk. Des Klosters Hirschau Gebäude, übrige Gemälde, Bibliothek, und älteste Schriftsteller. Hier folgen vcrschicdne aus Handschriften genommene Nachrichten von dem Kloster -Hirschau, die theils zur Erläuterung und Bestätigung des Vorhergehenden dienen, theils sonst ihren Nutzen haben können. I. Von den Gebäuden des KlosierS. Um mir von dem Krcuzgangc des Klosters, in welchem sich jene Fenstcrgemälde fanden, keine falsche Vorstellung zu ma- 246 Zur Geschichte und Litteratur. Zweyter Beytrag. chcn, lag mir daran, von dem Gebäude desselben überhaupt einigen Begriff zu haben. Wo man so etwas zur erst zu suchen Pflegt, z. E. beim Zeiler, fand ich nichts. Ob Ge. Gard- ner in seiner Vv5cri^t!o Oueatus WirtomdorFiei, <^ua eins Op- pitla, AlonsKena Ae. maZna cum cura oxprimit, etwas davon hat, weiß ich nicht; sein Buch fehlt in der Bibliothek. Noch ungcrncr aber habe ich die Schrift des Ic>. Rudolph Bitscbe vermißt, die er clo IZxelclio Ilrliis eÄlvoalis, a . 1692 cum celeberrimo Nonsttorlo Hii-laugienti comliulta?, als damaliger Diaconus zu Calw, soll haben drucken lassen. Ich kenne sie blos aus Pregizers Suevia et ^Virtombergia raci-i, und urtheile, daß sie sehr selten seyn muß, weil weder er, noch Moser nach ihm, in seiner IZililiotlieca Seriptoium äe kedus 8u Wilhelm Gmcylii», gcsam- 260 Zur Geschichte und Litteratur. Zweyter Beytrag. Zn der Kirche waren, ausser den vornehmsten Geschichten des alten und neuen Testaments, jene in 63, und diese in 134 besondern Gemälden, alle Regenten der vier Hauptmo- narchicen, bis auf Kayser Rarl den V. zu sehen, als bey dessen Regierung, wie ich aus den geschriebenen Nachrichten Jacob Frischling bereits beygebracht habe, die ganze Kirche, unter dem Abte Johann dem dritten, welcher von 1624 bis 166K gesessen, gemalt worden. Die drey folgenden Kayser waren hernach von anderer Hand hinzugekommen. Auch hatte man, wie billig, der Sibyllen da'nicht vergessen, deren nicht zehn sondern eilfe gemalt waren, wovon die eilstc beym Parsimonius SiliMa eiumlea heißt, mit der ich hier die erste Bekanntschaft gemacht habe. Zn dem innern Chöre der Kirche war das Himmelreich und ewige Leben gemalt. Ganz schlecht müssen diese Gemälde nicht gewesen seyn; wenigstens haben sie zu den damaligen Zeiten vielen Ruhm gehabt. Denn in den Frischlinschcn Nachrichten lese ich, daß Marggrasf Albrecht von Brandenburg, -Herzog in Preussen, sie abconterfehcn lassen, Vorhabens zu Ronigsberg eine gleichförmige Rirche aufzurichten. Ob so etwas wirklich geschehen, kann ich nicht sagen. Zn dem Klostergcbäudc selbst, und zwar in dem nehmlichen Kreuzgange, in welchem die 4V Fenstcrgcmälde waren, sagt Parsimonius, hätten sich ausser diesen auch noch andere Fenstcrgcmälde befunden. Allein dieses ist von den Fenstern des Erkers zu verstehen, in welchem der Springbrunnen lag, und der, wie wir gesehen haben, zu dem Krcuzgange gehörte und auch nicht gehörte. Um diesen waren in fünf kleinern und grösser» Fenstern, die ebenfalls in drey oder zwey Felder vertheilt waren, zwölf aus der Schrift genommene Historien gemalt, die sich zu „niclt und geschrieben find.— Ich habe es nachmahls in die Wolfcnbuttclschc „Bibliothek, wo parsimonii übrige Mannscriplc vorhanden sind, gcschickct, „und will hoffen, es soll allda angelangt seyn." Richtig und wohl. Auch ich will hoffen, daß Moseu nachher ein dankbarlichcs Rcecpisse darüber wird cmpsangcn haben. Gesegnet sey das Andenke» aller der Männer, die der bessern und schicklichern Erhaltung alter Schriften, das Recht ihres Eigenthums aufopfern! Des Klosters Hirschau Gebäude, :c. 251 dem Brunnen paßten, und die Parsimonms auf seine Weise unter folgendem Titel beschrieben: ^Injuot j?igurN ex Veteri vt I^ovo 1'olwrnonto cleknmptW, lzuss etiam in keneKris t^ireuitus Nonattorii HirtiruFiontis eontpiciuutur, verurn acl kuperiores tigu- ras non pertinont, nee eiusclom eum illis, knnt srZunienti sut eol- lationis; keck propter kontem, 25!j I^ivri ^ivdatissimorum IZeelotii« ilutlwrum liirl-lUFleiisis Ijililiolliecse /ei^?«t//oto /^nt? e Williolmn t?/t)?t.s^?tt! ////„>> /»«cce^«?/^?», Lrunono, Volmkiro et ÄIaneAaI<1n «»^ien//L /c> /^i, HittoiiciZr.inIii Iiulgici. I^ibri OiiZinis. I^idri ^citulliimi. I^ibri L^nriani, IZ^ikcn^i et kl-irivris. I^idri H'iwrii, IZpiteo;,!. I^!l»n ^mdrotii, IZpifco^i. I^iljii ^uFiittiiii, IZ^itcn^i. I^idri Hiornnz im, prosl))to>i. I^ilii! Orotii, prosli)tvri. I^ilii-i loannis (Ün^sostuini. I^il'ii ^VtIi!U>usii, Li/ite«>>>!> I^'ilxi tZroAniii, t^n^N. Lüttinni ^liliatis. I^iliii lüiikkiocl»«, Konutt'ri»-. IViIiri Isiilori, IZ^,!lonpi. Lecl-v, presd^teii. I^il^ri /Vlouini. I^ilzri ^nd-lni, I^IoFuntmi ^icliieuite^pi- I^idii Hiliinonis. I^ibii ^nsliolmi, Lnntunriontis IZnisconi. I^iüri potii Onmiuni. I^ibii D»mi»i llormanni. I^ilzri Oamliii IZornallli. I^ivri Dom!»! XVillic-Imi, Hiif-uiFiontis ^>>I)!>tis. I^ilin cuiustliiw klon.ielii HiikuiAleiisi,«, eoAnomvntn peioZrlni. Itom. Vkriiv Zlotsiv 5u^er libros Lidlicos. 264 Zur Geschichte und Litteratur. Zweyter Beytrag. Hugo 8»eramentis in lluodus Volumiuiüus. Lpittoliv lZrvFoiii papse toeun6i, et lZrogoiii «juarti. Ono Volumina Lanonum. I^il>ri llo iüimanikus vt clvciotls pontifieum. proper llo oontemplativa vita. Oill^mus äo 8piritu ^ncto. I^atekatius clo cornoro et tanZuine Oomini. Vnrii liliii clironioi ot Iiittoriei. in summa Vküclo multi libri, Quorum titulos vt auetorc« nolui nuc tciibeilz. And doch wäre uns das Letztere, was der Vcrfcrtigcr dieses Catalogi unterlassen, itzt vielleicht das liebste. Denn in Ansehung der vermeinten Hauptwerke, sehen sich die Klostcrbiblio- thckcn des zwölften und drcyzehntcn Jahrhunderts sehr ähnlich; und diese Hauptwerke selbst sind zur Gnügc bekannt. Was indeß hier für Bücher unter den I/ibns CaMani ^»datis verstanden werden, gestehe ich, nicht zu wissen. Ohne Zweifel die Bücher eines Abts zu Monte Cassino: aber welches? Die I^ibri vom'mi L ermann!, sind ohnstreitig die Schriften des -Her- mannus Lomraclus: und die I^ilni vomini IZeinolcli verdienen deßwegen hier Aufmerksamkeit, weil Trichcim se/e ^e- e/e/?«/?. o iV/»/>t?'t'u»i H/ontto/«o?'?tt» tt^ue Doeto»'«?» /^«oe^oT'ttm <ü»znoliii kjirlsuAienkis vaivtt /c?'^i/ei'«nt O/itt/ctt/n. I./^///>/e?«» M. 2. vt cetera multa. 2. primus t'enolaz Alonaoliorum anucl 8. ^urolium prsece^tor, vir in omni varietate t°crinturarum cloetiklunus, ful» euius maAil'terio ^irima tam teeularium lzuani laerarum ^aeta kunt funclamonta, ae i'ratrvs multi Iiaucl modiociiter in omni Fvnoio cioetrinarum ^roseeciunt. I?u!t enim lia »ani?ulilen5is.^dliatis lmonclam an6itor et clitei^iulus, et umis clo primis «zuinclecim monacliis, «zui enm I^utlidorto ex k'ulclenl'i monaslerio vonoraut in kjirtauZIani. 8eriutit , 1. ^6 ennclom kalianum opus intigne cie /)^t>^ttu,n ,«/??//^e>/o^ //. /te?-/» t?a°/e/^/?tt,l et?«tM«ts /'«»'«/'ti tttttt, //ü. //. «t? t/t'vLk'/oL M. //. «niivcmm alia. 3. K?«t///tt?i't5?tt-, 8. ^Vurvlii monaelius et j'olioluz proaee^tor lecun- clus, l^ui et inke unus ex primis rsuinclvcim Monaco!« ex- titit, tit nonnulla in- Fvnii tui pr-evlara volumina: 1^/ttt?tt c^. /?o?«/aott ^r- eliivnikeopi, Iieroieo carmino, //k. 2. /?» ^. »ek/Vot«, I. Oe Nutica huocniv, clo t!eomotria, cio ^Vritkimotiea, et »Ins Iiuman.-v littoraturie faeultativus elo- gantissima s)ntlien>ata com^IIavit. Oliiit gutem anno Om. 863. 24. die t>ctnl»ris. 4. /^/c/t^oc/o, 8. ^nrelii nwnaeluis, vt tvrtius tcliol-e modera- tor, tu» clitei^Iina liutliarcli littviis an^iime cruciitns, vir unclocunsjuo lloetus extitit. tjui non minus oxomplo taneti- tatis, ssnam clootrina oruclitianis, mnnacliis kilii cammil'si« iunioril^us ^ra-suit, ann'is 24. 8erintit auteni inter reliinui inAvnii tu! nionumenta, earmino ^/»//«oi»«« 3. ^cl Hiclulsum monavlium t/e ittt/o?«'ü?«L ?« proloZo mominit, d»?/»tte?^»?'t» »z ?'o^i»m, W. 1. I^/?t'to?/!o vete?» et ?'e/ta??ie?^«' sck trstres pudlieoe suckienti-v, /i'ö. 7. >Ks«?c/e?'ttÄ?», 8. ^urolii monselins, tiusrtus Incki littorsrii mockerstor, kielibockon! tucceckens, vir in utrs«zuo teientis nodiliter ckoetus et »onus. Verum vix vionnio ckocencki msAiKorio prscluit, c>uonism nott retiAnstionem kvFin- »otlioois in ^bbstem Uonstterii Iiuius 8. ^urelii sttum- ptus tuit. 8. /i?«t/te?/nttL, 8. ^urelii monsedus et auintus l'clioiaz msZitter, in omni teientis porfectil'llmus, nstione 8uevus, oumilibus quickem nstsliüus ortus, seck eruckitione keriutursrum cuncti« tune srstrivus merito vvnersnckus, vir inAenio clsrus, et in omni Aenere 5eientisrum ckoetitllmus, l^ui mults et vsris conleriullt ountculs, prseei- pue in kluties, et varios in konorem 8snctorum esntus or- L-siings Werke >x. 17 268 Zur Geschichte und Litteratur. Zweyter Beytrag. 6!n!n!t. Karmin» (ino«ino ciiverla vt mult» oniZrammgia eom^osmt. II. 12. 13. (>>!>rüorunt I>is ii>k!s nnonno tom^oril^us intvr <ül.iü- stillos Iiuins Lvenouii I1!itauFio«sis et i>Iii com^ilures mo- naeni, t:tM in clivinis terinturis sinam in toeulkirilius lilleiis omnil-niam lloctissimi, Quorum multi multa teii^tvrunt, uo Lvenouiis IVIonaelii mittvvmitur HirkauZiam, »lii ut lsnctis inftituvrontur morikus, alii vero ut clivinr»n»n Iiumangrum^uo toivnt'mm all ontimis mnAittiis lisuiiivnt teripturarum. 14. //«/s//>e?'c>, 8. ^urelii monaclius I^utliolmi clifeliniliis, cum et5et keiintursrum v»riotato roli^uis cnetanvis lui« ^luii- mum commvnllatus, IVIoFimti-v manaeliorum teliol>r! .ill 8. ^Ilianum prnzcoiitnr ästus ett> ul»i monaelios in omni seientis «zloriote inttituons, niliAnam ernclitionis kuM lautem odtinuit, r>ui non multos ^ott nnnos, iuNono Hvligeii IVIoFuntini ^rcliiepiteoni, ^Iioas Nonattoii! 8. ?errucii in IZIitlonttat oräinatus ett. 13. 8. ^.urvlii monaeknis et tcnoliv ^rseeeptor l'vxtus, Iiomo et inte cloetus tam in Iltvris tooul-iriüus <^uam in 6ivinis terinturis, metro vxereitatus et prola. Ov «jni tamon iiiiorum neFligontia xmtium all aliis Iiouie ,10- huount «lil'eerni. 17. D/e^/ttt?t/?^» iiüus, 8. ^Vurelii monaelius et septimus in jiriv- t'vetura telrolastiei mnneris, Heriliorili fueeosj'or, vir nun inlimo cloetus, «zui magittorio l'eliolarum tutcopto magnum eruclitionis l'uuz siuctum ^rotulit, et monaenos in omni keientia VintiI?^o «juem mliil lateat cioctrinarum. 8cri^,lit siuoljuo t7o«^«^ti , //ü. 1. Oo»/»«?»/«- i'tttm üi /^/»/»wL, I. Oüüt autem anno Om. 963. die 1k lauuarii, «tat!« luve anno 63. > 9. />?LAt'tt/l«i'^tt>5, monaelius, maxister l'cliolarum 8. ^urelii nonus ^io5t kleizinrailum eonttilntus v5t, et tlocentli mu- nerv l'uiiAitur annis 12. Vir lmiclem katis cloctus, t?/«t u»,, //^>. 2. /)« ?^o/?«?^a? i'o ?tto?i«e/ia? um it«zuo vd esm rem lud! modciatcir litersrii ad 8. ^>t»anum IVIoAllntikL datu«, <^ui ^in^tvr elosjnontise ae ^ariter doetrince pikettantiam all inko IVIciFimtiiio ^rclii- epikenpn, magnus >Vuuit>aIdus vvcari ae in preeio natieii diAnns luit. 8er!»lit ad enndem /^«'»e/Mt» /?tt/^/eo »pus olkFantiltimum, 3. et alia nonnulla. 22. /?e,'?w//?t5, 8. ^urelii monaelnis, No^Iiiradi «^uondam audi- tor. Vir magnaium virtutum et seienlioe, ae zironterva in preeio ab omnibus liaditus, c>ui od seri^turarum aliundan- tism et morum Aravitatun» Gildas 8. I^errucii in Lüden- l'tadt cenktitutus l'uit. 23. ?'/t«o^n/c/uL, 8. ^urelii Nonaelnis et 1'ekolR prazee^tor doeimus. Ijie docendi munus tuuiens, auditores tuos li- tvris limul ae morilius ktudiotius erudivit. I?uit enim vir literis tam divinis huam seeulaiilius vArezie doetus, lzui intor eetera InFenii tui opukeula keriniit nvroieo earmino 1^tttt??i et /«««/es Otto?!» /'öottii^/ /,«^ie?'ttto?'«L, ot rvlinua. 24. ^l,no/^»^ 8. ^urelii monacnus-, Vir in omni Aenero kennt»- rarum doetikliinns. klie pottulanto Herliinolvnli Lziiteono IIuAone, pr-ecentor keliol-e ad 8. Lureltkardum datus ett, ubi docendo magnam eruditionis su-v Alorism aerjuisivit. 8cri^tit /^«ve»'^/» Ktt/omon» opus metricum, 1. (?on/uö?'»//i 2. /)e in/Atttttton« c/«?«- /t^. 1. /?/?/A>'tt?»»iat« et 2L. duedoeiinus ^»bss 8. ^urelii. Vir in omni Aenerv teientiarum doetiklimus, «lui^nv ^ui in Huadruvio Tes Klosters Hirsch.ni Erblinde, :c. 261 imiem Iisüult neminem. 8crip5it autem M,/?ett et eo/?^)oMtt»io /«ttt^t,«/«« et t«^tV ne ^tttt. 3. ^o?i/'tit?«t/o?ieL ?«o?itt«?/to?'«?tt ^«'ö. 2. et plurs sli» ^use prketervv. 26. monaenus HirtilUFielilis, Prior elauttrslis, tsm ili cliviiiis yuam teculsribns litvris eAregie 6oetus. 8eriplit «ovi T'e/'tttmentt, et «jineclitm »lii». 27. ck«», hui et/^ei eAZ i'n?^, cloetor eFregius, toriplit plurir per küslogrim vputeula. ^ck ^üeollorgm laiictimonmlem //?ee«?»»i 1l^»At?z?«»i t«^^. 8. //o/?tt'/t'a?'tt?tt ^ie»' e«>- /«'^» ttm 1. ^/tei-enttoneM /^a?«/« et eti«L et 7'o/'tK?ne?it?«?/i 2. M??t?-«e?«/n»'«t//t r^o Vita /^tt'tt?» et />?«et« ea?i!», //^»'. 2. /)«'«ta/eK^>?t /«'üz'oL 2. /)« Mu/?e« et to»/« 1. 5?t»», ,8. /^tt?i//?ii Wz'?«»» 1. daiv/ittie üt /oü. //ü. I. /^/'tt/moL I. ?Vt^e,w» W. 2. /?» ^.i>tt?iAe//« /«'t,. I. ^»«^»»»/»ttttt »i /^/tt/nic>L et /H'c^i/tetas W. I. ^'t«m ^. AeneetVett ^i/t'et /tteti o M. 1. /?! A? ac^«L /tttt«Wat«L /tü?'?«»» I. ^t- t«?/i <8. ^Vt'eo/«« vt sli-r multa. 28. //e/??i'/c?«L, HirliruAienlis mooaenus, in facris et kumao!« literis atl'irtim eru6itus, ab Alberto AloZuntino ^retii- epiteopo Lreitennaxv orllinatus. Lciipsit per ciialoZum kte co»ts«^?t!« /ee?t?«tu«i et iii'ti'o?'?«« 2. /1e t«^i/?« ^i»'///»' ttV/. 1. etv/tttte eui?«L nomen /«'ü. I. /)e » o/'«? i'oet«o»ie /a?!«,to?'?«M /t'ö. I. /)e MSMoiv« ?no? t» /i^. I. /)e ?n^- /'t/eo evZ^ioi'e t?/» ?/tt 1. //^/«»o»'!«» vtti-io ,penliv!m nrrtus, »t«jue ex relormatorikus Ilnionis LursseltliiiN unus. V!r ctivln-r- rmn seri^turarmri nll'atim vrullitus, eu^u« j'eionti.'l: m^Fni tuclo corporls mnlem exevklit. Vits, moritius et religione proliutus, ciuippv l^ui per annos 30 verlio et exompl» Hun'wrilius msAisterio kuo utiliter pr!vl'ult. Ich habe gesagt, daß Fabricins durch diese Nachrichten nicht micrhcblichc Zusätze erhalte. Denn wenn ich den Ruthar- dus lmd -Haymo auSiichinc, die bey ihm vorkommen, so sind 262 Fnr Geschichte und Litteratur, Zweyter Beytrag. die übrigen alle, mit sammt ihren Schriften, ihm gänzlich unbekannt geblieben. Auch selbst seine Artikel von diesen zweyen, können hier ergänzt und berichtiget werden. Denn vom Rur- harSris giebt er das Zahr seines Todes nicht an, und macht nur die zwey vornehmsten seiner Schriften nahmhaft; nicht zu gedenken, daß er, in Ansehung der einen, den nehmlichen Fehler begeht, den die Verfasser der Listoiiv litter-m-v ilo la ^i-aneo so falsch bestreiken, und der zwar nicht hieraus, aber aus einer anderweitigen Stelle des Tritheim zu verbessern ist.(") Und von dem -Haymo führt er nur eine einzige Schrift an, die gerade hier nicht besonders angezeigt worden. Gleichwohl habe ich zu verstehen gegeben, daß diese unsere Nachrichten grossen Theils aus dem Tritheim genommen, und mit dessen eigenen Worten abgefaßt sind. Sollte Fabricius nicht den Tritheim genau und vollkommen genug erccrpirt haben? Dahin bezicht sich nun eben meine versprochene Anmerkung. Nehmlich, Fabricius hat zwar den Trilheim ckv teriptmllnis LeelLlmtticis in sein Werk eingetragen: allein die beyläufigen Nachrichten, welche dieser in sein <ülirc>nieon Ulrk- .-uiZionlo, sowohl von Hirschauschen als andern berühmten Schriftstellern der mittlern Zeit, verstreuet, hat er nicht gennzt; ohne Zweifel, weil er der Mcynung war, daß Tritheim sie ja wohl selbst in jenes sein Werk werde eingetragen haben. Dieses aber ist nicht geschehen; und das emonlcon Hirlimizieiit« also ist es, aus welchem eine gute Nachlese zu dem Aabricius zu machen wäre. (°) Er sagt nehmlich- s?, /?enec?-'c/- ^!'c/ un commeiitnire sur I» Nuglo «le K. IZenvit, le preinivr, «lit-il, lle tous ceux, que ^'->i i>ü liro ^»LM'ici. Und hierauf erweisen sie, daß dieses Vorgeben des Tritheim falsch sey, und daß die Ehre, die Regeln des h. Beucdictus zuerst commcntirct zu haben, dem Französischen Mönch Hildemar zukomme. Das kann wohl seyn: aber mit wem streiten sie denn dcßfalls? Mit Trithcimcn doch gewiß nicht. Denn dieser behauptet im geringsten nicht, daß Ruthard überhaupt der erste solche Kommentator sey; sonder» nur, daß er der erste unter den Deutschen sey. Er sagt unter dem Jahre 85ö ausdrücklich: veni-mo, des Lonradus, bey weitem nicht alle benannt, die ihnen hier bct)gclcgt werden; und von dem Rickbo- Sus, Concigo, ^Vcrnhcrns und ^Vunibalöus hat er ganz und gar keine beygebracht; welches, wie andere Umstände mehr, man aus der nähern Vergleich»»«, seiner einzeln Stellen von ihnen, erkennen wird. N»r Lrusius, dem, wie ich finde, (°) Parsimonius seine Collcctanca mitgetheilt hatte, und der a»s denselben auch wirklich illustre« IliiiÄiigiiL klonselios ot luüeoeptlires IVI> II. c. ö. (°°) I.idru l>!>ritleit>. p. Ü3. 264 Zur Geschichte und Litteratur. Zweyter Beytrag. Ich will zuvörderst die Geschichte von der Entstehung dieses Aufsatzes, mit den Worten des Chevalier de Iaucourt, ^) erzählen. „Zn diesem nehmlichen Zahre (1671) zeigte sich unser „Philosoph öffentlich als einen Theologen; und das bey einer „von den Gelegenheiten, die der blosse Zufall an die Hand „giebt. Der Baron von Zöoincburg, welcher eben zur katholischen Religion übergetreten war, hatte an den Andreas „Mlssorvktlns, mit dem er in grosser Verbindung stand, einen „langen Brief geschrieben, nicht allein um sich bey ihm wegen „seiner Veränderung der Religion zu rechtfertigen, sondern auch „nm ihn zu vermögen, einen gleichen Schritt zu thun. Aber „ der Brief des VaronS machte auf den Geist des wissorvatius „wenig Eindruck. Dieser Pohlnischc von Adel, der unter den „Unitariern sehr berühmt war, ist den Gottcsgelehrtcn durch „verschiedene Schriften bekannt, die man in der sogenannten „Bibliothek der Pohlnischen Brüder gesammelt hat, wo sie „unter den Anfangsbuchstaben seines Namens ^. VV. vorkommen. Er war übrigens ein Enkel des Faustus Socinns, „und damals bereits in hohem Alter. Er hatte Zeit seines „Lebens nichts gethan, als die Grundsätze seiner Sekte vertheidiget, für die cr das Elend bauen mußte, welches er „muthjg ertrug. Er flüchtete zuletzt nach Amsterdam, wo er „im Jahre 1678 starb. Daß nun so ein Mann bey seinen „Gesinnungen werde fest geblieben seyn, kann man sich leicht „vorstellen. Er antwortete dem Herrn von Noineburg, daß „cr eben so wenig die Lehre von der Transsubstanliation, als „die von der Dreyeinigkeit zugeben könne; daß cr also, ehe cr „sich auf jene einlasse, ihn vorläufig nur auffodern rvollc, „diese fest zu setzen, oder auch nur in syllogiftischcr Form auf „die Gründe zu antworten, die er ihm dagegen zuschicke; er „sey gewiß, daß so etwas auf keine Weise zu leisten stehe. „Der Baron von Doineburg konnte Ehren halber nun nicht „zurück; cr mußte die Ausfodcrung annchmcn. Weil cr aber „durch allzuviele Geschäfte zerstreut war, so wandte cr sich an (°) I» seiner Lebensbeschreibung des Herrn vonLcibniy, die gewöhnlich den Franzo'sischc» Ausgaben der Thcodiccc vorgesetzt ist. Seite 1L. der Amstcrdamnicr Ausgabe von 1747. Des Andreas Wissowatius einwürfe wider die Dreyeinigkeit. 265 „L.eibnirzen. Er gab ihm das Schreiben des lVissowatins, „und beschwor ihn, eine Antwort darauf abzufassen; welches „dieser denn auch in einem kleinen Lateinischen Werke that, „das den Titel führet: Die heil. Dreyeinigkeit, vertheidiget „durch neue logische Schlüsse (rail'cmnomens.) Und da zeigte „nun unser Gelehrter, daß es blos eine sehr mangelhafte Logik „sey, vermittelst welcher sich lVissowalius bey dieser Streitigkeit den Sieg zuschreiben könne; daß hingegen eine genauere „Logik den Glauben der Orthodoxen begünstige. Uebrigcns „war er nichts weniger, als der Meynung, daß man die Dreyeinigkeit aus philosophischen Gründen erweisen müsse: er bauete „einzig dieses Geheimniß auf die göttliche Schrift, und glaubte „sehr weislich, das Beste in Ansehung desselben sey, wenn man „sich blos und allein an die geoffenbarten Worte und Ausdrücke hielte, ohne sich in wcilcre Auslegungen einzulassen; „weil sich doch in der Natur kein Exempel finde, welches dem „Begriffe der göttlichen Personen genau genug entspreche. Er „trug sogar kein Bedenken zu sagen, daß man sehr unrecht „handle, wenn man weiter gehe, und das Wort Person, und „andere dergleichen, auslegen wolle; als welches um so weniger „gelingen können, da dergleichen Auslegungen von den Erklärungen abhingcn. Das ist es denn mit kurzem, worauf seine „Zdccn über diese Materie hinauslaufen." Zu dieser Stelle des Jaucourt ist nicht alles so, wie es seyn soll. Man erlaube mir also, ehe ich weiter gehe, einige Anmerkungen darüber. 4. Das Chronologische darinn ist ganz falsch. Denn ob schon auch Fontenelle, vor dem Iaucourr, die Lcibnitzischc Schrift von welcher die Rede ist, in ebendasselbe Zahr gesetzt hat; ob schon selbst Fomenellen die ^.cw IZrnclilorum hierin» vorgegangen; obschon Ä.udovici und Zdrucker beide das nehmliche nachgeschrieben: so kann es doch unmöglich seine Nichtigkeit haben. (*) Denn L.eibnicz sagt in seiner Anrede an Boinebnrgen: Il/it tveum in poloniam, l'i pateris, yuock (°) Lloxe Ile I.«iliiu>2 psr I<'o>», — ^el» krmiu. Nlous. lul. t7t?. Dios'io i.eii»i. v. 3Z«. — Ludovici Historie der Lcit'iiitz. Philos. Th. I. I>. 8. 61. WWZMVU^.^»S»«M»iM«^^ 2Ltt Zur Geschichte und Litteratur, Zweyter Beytrag. a Polono »6 to vc-nlt. Nun aber that dieser seine Reise nach Pohleu, in der bewußten Angelegenheit des Pfalzgrafcn von Ncnbnrg, Philipp Wilhelm, im Februar oder März 1669. Folglich muß Lcibnitz seinen Aufsatz wenigstens zu Anfange dieses, wo nicht gar schon im vorigen Zahre, verfertiget haben, als in welchem er bereits die Bekanntschaft des Barons gemacht hatte. 2. Der unbestimmte Ausdruck des Iaucourt, „der Baron „von Boineburg, welcher eben zu der katholischen Religion „übergetreten war" (vonant ä'omkral'l'Lr la kelizlon ^atlioliljuo) hat den ^.udovici zu einem noch gröbcrn chronologischen Irrthume verleitet. Denn er sagt: „Zu eben der Zeit (das ist, „im Zahre 1674.) geschah es, daß der Baron von Soineburg „zur Römisch Katholischen Kirche übcrgicng." Aber dieses war bereits beynahe vor zwanzig Jahren geschehen, nehmlich 1053. wie aus einem Briefe des Lonrings an Dluhmen crhellct(^). 3. Daß nun schon bereits damals Boineburg mit dem IVissowatiris im Briefwechsel gestanden, und in so genauem, daß er sich für verbunden erachtet, sich gegen ihn wegen seiner Rcligionsveränderung zu rechtfertigen: ist im geringsten nicht glaublich, ob es gleich auch in den ^otis IZruclit. vorgegeben wird. Ich weiß wenigstens gewiß, daß der Brief, mit welchem lVissorvamis dem Boineburg seine Einwürfe übcrschicktc, aus Mannheim vom Octobcr 1665 datirct ist; woraus ich schliesst, daß Doinebnrg wohl überhaupt mit dem IVissorvatius nicht eher in Verbindung gekommen, als seit 1663, da dieser mit seinen aus Pohlcn Vertriebnen Brüdern in der Pfalz aufgenommen, und einige Zahre zu Mannheim geduldet wurde. Ich ersehe diesen Umstand ans dem Leben des Mssorvatius und hätte vermeint, in Strnvens Pfälzischer Rirchenhistoric mehr davon zu finden. 4. Was Iaucourt sonst sagt, daß Zöoincburg dem Mijjo- warius nicht selbst antworten können, daß er Ä.cibniczcn beschworen es an seiner Stelle zu thun, sind nichts als Franzö- l°) k>u!e?'i ^lieca. Uoiuvli, ?, l, l>. tSZ7. Ibid. i>, 70. (°°°) vilil. ^iiU-1'lwil. l>. SS7. DcS Andreas WissowatinS Sinwiirfe widcr die Dreyeinigkeit. S67 fische Auszierungcn und Verbrämungen des Lateinischen Tcrts in den ^,ct!s, der freylich zn solchen falschen Borstcllungcn Gelegenheit giebt. Denn da Zöoincbnrg die Einwürfe des So- cinianers bereits 4665 erhalten hatte; S.eibnilz aber seine Antwort frühstcns 1668 aufsetzte: so hatte jener gewiß längst selbst darauf geantwortet, so gut als er konnte, und communi- cirtc sie einige Zahre darauf blos K.eibnirzen, damit auch dieser seine Kräfte daran versuche. Daß aber S.eibniy gar, wie die ^et» sagen, (") in Doineburgs Namen seine Antwort abgefaßt habe, widerlegt der Augenschein; indem sie nicht in einen Brief von ihm, sondern in einen an ihn, eingekleidet ist. 6. Wenn Janconrt den Titel der Leibnitzischen Schrift in seiner Sprache angiebt, so setzt er in einer Note noch hinzu, daß sie in ihrer Grundsprache unter dem Titel, 8aerolanct.i, ?r'miw8 per nova Arguments I^oAiea tletonla, noch in dem nehmlichen 1671 Zahre, in Duodez gedruckt worden. Aber dieser Druck ist sicherlich von seiner Erfindung. Ich habe nirgends die geringste Spur davon gefunden, und von Lcibnitzcn selbst konnte er unmöglich seyn veranstaltet worden. Denn L,eibnir; hätte gewiß nicht gesagt, daß er die Dreyeinigkeit pvr nova ^Fumentn I^oZica vertheidiget habe. Seine Aufschrift war per nova /?^,e,'i» I^ozica; lind beides ist von einander eben so weit unterschieden, als directe Beweise für eine Sache, von blossen Prüfungen vorgeblicher Beweise wiver diese Sache. Daß Aeibnirz sonst, wie Iaucourr sagt, es für das Beste erkläret habe, in Ansehung des streitigen Puncts, clo tonn- Umplomont aux tormes rövolos: das ist wenigstens nicht in dieser Schrift gegen den Vvissorvatius geschehen; und da, wo es geschehen, setzt L.cibnirz hinzu, autant cju'il lo pc-ut. Er sahe zu wohl ein, daß es mit den blossen biblischen Worten nicht überall gethan sey; und daß es eine schr seltsame Art, theologische Streitigkeiten beyzulegen oder ihnen vorzubauen, seyn würde, wenn man es genug seyn lassen wollte, daß jeder nur die nehmlichen Worte brauchte, möchte er doch dabcy denken, was ihm beliebe. (°) c. livllmiliii« lud vins uomiiiL exgi'üvlt, cui Mulus' Kac^o/cinl^u ?,'?niVtts ckc. 268 Zur Geschichte und Litteratur. Zweyter Beytrag. 6. Noch ist es so richtig nicht, wenn Jaucourt vorgicbt, daß man die Schriften des N)issou?atius in der Lililiotlic-ca I?iÄtru!r polonciruiv gesammelt habe. Zn dieser hat man blos, zur Ergänzung der Eonnncntarc des Molzogen über das N. Testament, seine Auslegung über die Apostelgeschichte, und über die Briefe Jacobi und Zudä eingeschaltet. Was er sonst drucken lassen, oder geschrieben, ist da nicht zu finden; geschweige, daß man etwa gar auch die Einwürfe da suchen dürfte, deren Mittheilung ich hierdurch vorbereiten wollen. Denn diese, so viel ich weiß, sind noch nirgends gedruckt. Wenigstens fehlen sie da, wo sie schlechterdings nicht fehlen müßten. Zch meyne, in den gcsammten Werken des Keibniiz, in deren erstem Theile dessen Antwort darauf zu finden. Diese Antwort ist da völlig unverständlich, völlig unbrauchbar, weil ihr Verfasser, ohne die Einwürfe seines Gegners zu wiederholten, sich mit blossen Buchstaben darauf bezogen. Herr Dutens sagt, daß er sie aus dem ^clsi-natu litorarlo des Poly- carp Geysers, der zu Wittenbcrg !l7t8 herausgekommen, abdrucken lassen. Zch habe dieses Buch nicht bey der Hand; aber ganz gewiß müssen auch da die Einwürfe des Vvissowalius fehlen: denn unmöglich könnte sonst Herr Dutens seine Ausgabe eines solchen Ucbclstandcs schuldig gemacht, und von freyen Stücken einen Aufsatz seines Verfassers in ein Räthsel verwandelt haben. Und, wie gesagt, blos darum, blos um einer so wohlge- mcynten und scharfsinnigen Arbeit unsers Philosophen alle den Nutzen wicderzugcbcu, den sie haben kann, und den sie, ich weiß nicht aus welcher Nachläßigkcit, oder aus welchen Absichten und Bcdcnklichkeitcn, zu haben verhindert worden: will ich hier etwas drucken lassen, wclchcs sonst, seinem eignen Werthe und Nutzen nach, gar wohl ungcdruckt hatte bleibe» können. Denn ob es gleich das Stärkste enthält, was die So- ciniancr jemals auf die Bahn gebracht haben; ob dieses Stärkste gleich darinn in seiner unüberwindlichsten Form erscheinet: so dürfte doch schwerlich einer, der mit diesen Streitigkeiten sonst bekannt ist, das geringste Neue dabey finden. Wohl aber verdienet die Logische Bemerkung, wodurch Aeibnirz den sürchtcr- Des Andreas Wissowatins Einwürfe wider die Dreyeinigkeit. 269 liehen Schlüssen der Gegner ihre schwache Seite abzugewinnen wußte, noch immer neu genannt zu werden. Wenigstens habe ich nicht gefunden, daß Drucker sie unter die logikalischen Erfindungen des Ä.cibniy rechnet, wohin sie doch wirklich gehöret; auch nicht, daß Wolf in seiner Lateinischen Logik von ihr Gebrauch gemacht hätte, anderer zu geschweige». Wir werden gleich sehen, worauf sie hinausläuft. Denn da die Handschrift der Bibliothek, aus welcher ich die Einwürfe des Missorvarius nehme, auch die Antwort des L.eibnilz enthält; und ich, bey Vcrglcichung derselben mit dem Gedruckten, bemerke, daß dieses sehr verstümmelt und verfälscht, daher an vielen Stellen gar nicht zu verstehen ist: so glaube ich Dank zn verdienen, wenn ich auch sie hier wiederum mit abdrucken lasse; damit man doch irgendwo das Ganze beysammen finden möge, und den gehörigen Gebrauch davon machen könne. Ich will unter dem Texte des S.eibnirz die vornehmsten verstümmelten und verfälschten Stellen näher anzeigen; damit man um so weniger an der Nützlichkeit und Nothwendigkeit meines Verfahrens zweifle. Zu mehrerer Bequemlichkeit der Leser habe ich auch für gut gehalten, Einwürfe und Antwort nicht ein jedes besonders in einem fortlaufen zu lassen, sondern so zu zertheilen und in einander zu schlingen, als es die einzelnen Stücke derselben crfodcrn. rnini'i'ä.'ris per nova Hepertli I^o^iea contra üniktolam ^i'irmi non incelvvris !l>I Illullrilk. Lsronem koineliurzium ^.uclois 6. I.. Iliit leeurn in I'oloniam, 5i paleris, illultrijl. Domino, «luocl a Polono ven!t. Nomini eins parceie et kerintui^ n>l- val-e iui-a ludent, et Inaelet inaAna, lod ut nos ci'eci!mu8, iulelix viri iloetrina, euius non neitonve 5eä tententise uoeere volo. (°) Ist es nicht sonderbar, daß es scheint, als ob die Herausgeber dieser Lcibnitzischcn Schrift mit Fleiß gerade das Gegentheil hiervon hätten thun 270 Zur Geschichte und Litteratur. Zweyter Beytrag. Ig erxo n pro ea, e^na erxa omne8 literarum amantes volun- lalo es, inler alia eru^ilioni8 oominereil», anvell!>tu8 clv äenoneneZa t'enlenlia exosa et nerieulos-», et a oonkeutu ecelelive eatlrolicoe, i>1 etl, tomnoro nernetusc, loeo univerl'ali8, adliorrente; aiAumento ^niilern, c^uo tu notitlimum nitedari8, in coulenln OlrrillianoruM nolilo, non resnonäit, iel eniin leve i1I>8 vicletur, c^ui sllueti l'unt in eeeletia et renulilicir tnnnnam iuclieancli uoteltatem libi l'umere; al vero in le tuo8c^ue verl'u8, ex lerintis eorurn Iiune velut sne- eum eontunäenüo exnre5lil, «^uo exo llitenter 6ieo roliur ornnv sonlnsmatum contra Irinilalem eontineri. Lt nroteeto lic aü- strinzit uoilo8, llo cIWouIIM«Z8 exaAgerat, tie nroke^uitur nuAnam, lie iotu8 iclivu8 ingeminal, ut csui ins reoellonelis nar kuerii, re- lil^ua v nliarelra Koeini tela notlit sortalli8 auelaeler eontemnere. Lgo, illuKrill. Oowine, cum nrimum ea et Iivnelloio 1'uo vieli, et ituclorilato acl tentanelam retnonlionem impullu3 l'uw, tum clemum cepi et krnetnln et volunlatem waxiinam ex nro5unmore illa nlnlosonlna, cui ego ine meontv ingenio a vuero iwmerü. IIüvv milri, nili amore vvrilali8 tallor, in laeris metlilal!au!vn8, in civiliuu8 nvgotiis, in natura lernni ea öoenrnonta l'uMetlil, «suilins ad vilam traucsuillo aAenelarn niliil in we tentio e5licac!u8: ssunäam eliam tune euriosa inaA!8 cluam utilia, sccl lMvo nune in tollenili8 ^ntilrinilarloruni clisl1eu1ialiliu8 eam lucvin atlule- runl, ut iain non ünnitem, c^uie^uiil verum ett, iäeiu ulilv eile. I^riillula ^Vn6. Willowatii ail Lar. /?o/»e5?t?^tu?n, Ülanliewio, w. 0el. olz Iz ei.XV. „8utcenla »I^jeotlonv et miHa neo, „lecl iiunen nuie nroxiino et tunorclinato, ae proinilo «te eins „allnralinne «livinlt non lunrema, 5el1 tunremve nroxim.i, et tun- „orllinaln, l'ententiam non imniieare eonti!>iliellanem(!>), euiu8 ?.'n .,nos arguerv voluikt!: nune vieWni ?ilii al!^ua8 eirea iilern tuuje- .,etuln contra vnIZarem opinioueni, c^uain et 1'u tove8, odjectio- „nes, Iargiu8 klnam "t'n äeäiKi acläero volens, mitto." wollen? Sie haben den Name» des Irrgläubigen genannt, und mit großen Buchstaben drucken lasse», liesiionlia -ul oHeeliou«« ^Vislow-tlli; und die Einwürfe selbst haben sie unterdrückt. Des Andreas WissowallnS Einwiirfe widcr die Dreyeinigkeit. 271 „vt^//)tco »litnl »nwA'e ^ ?to/7^tt»» ^ene/»«it/e ^6) (^uo«I „ll ij>te olijeeliones >tl.i5 examlnare nvAÜAes, tollem alieui a ve- ,,,!talis ex^Iointioue neu averto, examlnnullas ^oiilAlio." I^elbnitius. ^5>) l)um olijeeliones et les^oulioues ^ilklin.is non viol?um, nu coutradlolinnem leiUeiitioe ^nlililnli-irl«! jii'oliavovlrit vel tlilueilut. t^t») Dieis ex Virgiiio: ^«eo ,t«?n m«Ae «^c. I^gs» ex eo<1em resiionlleo: - - - I>o/!>/«n»l nk'm« Dei ^,t?c»N!» ^»i/n/t« »iitc»'o, ZVttcte« csu ic/u W!ssc»vl>tii ^r^umonUim I. „ l/nit« He«« tt////Am«K e/! ^n/ei' «//e, e.v .ian!s lia- „Iiendus Lt Deus ille unus, iivnipe nou tnli8, ^uctles 5u»t inulli „i- „litum 8. cuius mvtterii 6ieeii
  • Iiuor proiiütui' ^ir?cter alii» iucle, c^unll ilildem vox Ivtus .,(?Initt»8 llisllu^ualui' nli illo pntie, ex c^uo omnin, et peeuliiuiler ilekciüxltur alio m»i'emu8, r^ui ett l'vlus ?!»Ier, ex huo omiüa, ..ked is, yuem Deus ille keeit Dominuin (s) et ii5tum live un- .,ctum tuum, ut ait 8. I^eliu8 ^lol'talus; allei', ^lci. //, ZK. ^er .,l^uem, ut teeuultam et inecliluii eitusam, omuia teeit Deu« ille ..i'u^remus. ex l^u» omuia. Oe cxuo viäe etiam /Hi/i. 9. „//cS»-. 2. X///. 21. ^e,. //. 22. 3. 4. Z. 6 2 t^o.-. „ ^, 18. 1 eo--. .r^, 57. 2 11. ^o,n. //, 16. 272 Zur Geschichte und Litteratur. Zweyter Beytrag. „Iloe uutem insum, lluo<1 Oeiig illv unus allilnmus per leluir» „<ÜI>ritlnm saciut tulia, nalelt «He aigumenlum neouliaro, , vii^iis /a5sii/t« ^tA?ii, u?ttve^/a/eL, ljuvit et au ituetore clillerlalionis <1e ^rle <üoml)iuatoria, est an- „olntum (°°). V. irseo nronolilio ,,?etrus ^poftolu8 kuit primus Lvitevnus liornanus", lignls et Copula recle poütis iia ioriuaiii- tur. Oinnis, c^ui elt I^elrus ^.poftolns, kuit üpileonus lio- NütNUS." (°) So, und nicht mehr, liefet unsere Handschrift, von den Worten v»igo N0II reele cu»ci,>i, bis hierher. Dafür aber hat das Gedruckte in der Ausgabe der sämtlichen Werke, nach cvnciiii, cincn eignen Zusatz, und lautet überhaupt so: (Ucve olilerviilw eliam prockett lliMnxneiilliUn iiiünl- lam » »eMlivit. V. x. veruni sil; yui» »U>e>Ia ImmanUmi inuueiliiNs »011 callNret, teü lliceiiclum, omius, i^ui etl Iiomo, etl »Ibus. guss eliam tt. s. w. Was in Haken eingeschlossen ist, kann allenfalls von Leibniyen seyn: vielleicht, daß er es in irgend einer Abschrift au den Rand geschrieben hatte, ohne damit sagen zu wolle», daß diese Anmerkung ihm zngehore. Allein das Ucbrige kann unmöglich so von ihm kommen, wie es da gelesen wird: indem es wahrer Unsinn ist. (°°) Das ist, von ihm selbst. Wo er jedoch ebenfalls tz. 24. Johann Raucir anfuhrt. Ebendaselbst H. K3 gab er den Rath, die Oopuia der Bejahung/ welche in etl liegt, noch besonders durch das beyzufügende revoi-, auszudrücken. Des Andreas WissowatinS Einwürfe wider die Dreyeinigkeit. 273 luxla Iivee Izilur sormad!mu8 primum argumentum: t)nl,ii«, >/»t ?«i?t« Deus n/Zi^tmu«, e/! ^a/e»' ,'//e ea^ ^uo onint'az ^t/iit« /)et e/! />a/e»' t//e, e.v ^ito oM»ta; 15. /^t/tu« ^)ei, /e/«« tVt^i/!u« non e/! ,'«, ^»i e/! Den« a//t^tniu«. Ila 8^IIoF!l'mu8 erit in (^ametlre8. lielponäeo tlistinguenclo: per omnia intelÜAUntur vel erealuroe, vet etiam limul ?iliu8. 8i ereaturoe eeteroe tantum, eoneeelo klaiorem, quoä ownis ille, n^ui ett unus Veu8 a!tWmu8, lit pater ille ex o^uo omnia, l'eilieet omnL8 eroaturie; c^uia vo8 ipl! coneeäitis, omnes ereatura8 per lilium ereat»8 eile. 8i vero l'ul» omnrum voee intelliAitur etiam iple ?iliu8, taue eoneella Ninore, «zuoel ?ilius Dei non lit Pater illo ex c^no omnia, nempe iple etiam ?iliu8, negaditur Uajor, <^uock ownl8 ille, c^ui e5t un»8 Deu8 altislimu8, Iit Pater ille ex yuo omnia, etiam ?iliu8, oriuntur. IXos enim cloneo contrarinm we- Iiu8 prodotur, manemu8 in liae tententia, c^uoä Piliu8 et 8piritv8 8. l'unt ille, cpii ett nnu8 I)ev8 altil'limu8, et tarne» non tuiit Pater ille, ex o^uo omnia, et in Ü8 iple ?iliu8 et 8piritv8 8, kmon^ne, oriuntur. ^ll) IVon ett teriptoril»u8 -»>-ic>«v-^^o^ (°) ea neceMas impo- nencla, ut euius äicenlli etiam maxima oeealio ett, iä ltatim 6ivant. (e) O. Paulu8 l. e. per patrem s^r iam et?aulu8 aliui äe uno eoiiem- n^ue Oeo altislimo, 6ua8 I>»8 paitieula8 una eum tertia timnl enunoiat, eum inn^uit: ex «pro, per ksuem, et in smo tunt omnia. ()uam pliralin i^uiciani acl a<1umiirationem l'iinitatis werito tra- Irunt; verum non elt meum aigumentari, tecl respanäere. M ^on necello ett, ut ?a»Iu8 1 t?o^. k^///, k. et ?etrv8 ^-tct. //, 36. voeem Domini äe LlrrlKo eollem rvlpeetu uturpent, (°) Dieses Griechische Wort fehlt in dem Gedruckten, und ist doch scl'r nothwendig. Denn ich glaube nicht, das; Leiblich eine solche Freyheit allen und jede» Schriftstellern hätte zuschreiben wollen. Lesimgs Werke ix. lg '/74 Zur Geschichte und Liltcrcitiir. Zweyter Beytrag. swtei'l ille ile l^Inisln i>»!>le»u8 Delis est, Ine «runtenus Iiomc» «>t, In«s»i. ^) IX<»> v-ieni inine Ine.i eiiiit» omn!» vvolveie, et ex i^iiix exleui>>ei'e; li c^u» i» illis iiisi!e»I>.i8 lulvi, nttenitnlui'. <^I>) ^r^umenlum <^us>nn!s, ne «lislimulemu^ <'l1» tüle: <1n»ii« /ic»' >^?t^>n >/?ti o/i! /le?«« kr/i/Ai»»««, nm»/n. ».>- ?io?l o/il n/t»//?,»u«; ^lee e/i k//e. ^>k??' i//e, Hui e/i! ie?t?l« H<-«^ «/ /ac-V oniiiin.- I?. Dee /leit« l» Iine !»Aumo»ln neg.ilur »liijnr. l'nlel't eulm I)e«8 nltisiimu«, nemne I^atei'. nerDeum .iliittimum, nemuo lilium, nmni.i knevio, et tnmen uon nor ke isitmn, lieet nev eum, <^ui ellnm ett icl eju8 imitlttinnein snliricnliiiuus. ?',i/»leunl /tlliet /iio a^/i,nc/o ,,nniet?in/o /^t/ttie/Za/em/ I'i tazigit/u?» i^o?t/i»ie/ ^»o n^/?i »c /o »«»isk/itt/o /» i/tttei/a/e»!.- (Iravet enlui tilanguleiiatem uc»tiu8; /«oc/ e/! /, tV»ieu,it ^o. et lie neKittur klajoi'. ^aru et ii'iiMAuIum ett trilineum, et tamen non Iialiet nio itiikti^eto im- metli-llu tiiliiieltatem. Iloo viineiuio acllüliito, Leliolnkticorum tvccliolis ciic!» tu^^oiitlones pi'»!ce»ii8, eareio poilumus. V. A. ^.nimal v5t genus; l'eirus ckt animill: erAo ?etiu8 ekt Aenv8. kelponlleo, Najol-em non eile uuivertulem; neyue cuiui 18, yui est animal, ett Avnu8. >Viss,iwgt!i ^rAUmentum II. „ H«t »te/civt'< c/ie?!t /itc/ic«, ?s ilv?t e/! Oeu« a//l/^?»ttt6; „k't/ttis ne/ctvi< c/iem ^'uc/ieii.' „k!. /Ät'u« iloii oo eontracliolionem. ' ,,Ninor natet ex verliis inlius i^ö, ita elke inler^retaiulum, non c^uocl vere neteiverit, ,,tecl c^uocl te lcire clillimulaverit, c^uocl revelare noluerit, huoä „koeerit ut nos neteiremus, ^nml eum cliem nanclum exneitus „kuei'it. lales tunt Doctorum live ?atrum Leelelioe in itta dliritti verlia eommentaliones, vel uotlus eorum eontoi'liones ,,ineutse, ut »Anovit i^te AlaI6onatus ^letuita, easciue 1'ojeeit. ?>am ,,primo eitlem non illem ett neteire, c^uocl clillimulare le teire, ,,vel nolle llioers. Oeincle lüs aämiNs tecilleretur, nolke cliei ,,etiam Oeum ?atrem clieiu itlum ne5cire, r^uo<1 ekt adluiclum. „8ecl ipte Naläonatus alias inzeniotus, aliam resuonlionem cluvi- .,tanter alleren«, vineta tua cueclit. VulZata resnonüo, (I) nroe- „kerlim l^etormatorum (nam alii eam rekuAere kolent) v5t in „«liltinelione partium in Lliritto, neteiville eum Imne äiem cmoacl „Immanilatem, et teiville tiuoaä clivinitatem. ,,8ecl 1. cli5liuetio itta vana ekt, yuanäo nonit unum tupno- „litum l^ilii Del elle Doum altitlimum et Iiominem limul, at^ne „Veum luni'emum elle Iiominem, cmoil ett iwl'ui'o'um et imnlieims „contiiulietionem. (m°) I^tenim Deus et Iromo knnt äisnaialli, et „llisiiai'ata non noltunt et cte alic, teitio et cle le invieem pisoclieai! „nioprie, «^nocl vmnes ratione sana uteutes uoo eam ounuliilantes „NAnoseunt; ut lerrnm elle lignum, animam elke voipus, alitnrclum „ekl. 8i iclvm ellet Den« et Iiomo, kecruereivv limul, Deum „tummum limul elle non Deum l'ummum, o^uoll ett oontrailicto- „rium. ?^ee una nais lle toto eomnoüto potest nrseclieari nro- ,,niie, univoce. Oeincle a/e?'/e/» tVi^i/ti; /Ai'u«, e/ian« c/iv»ii/a/e?» eo?l/!c/e?'atll«, non e/! xate?' /. '8 tüirW, c^uidus uixit, kolum ?a- „trem 5uum äiera iktum seivitle. IXum ti I'o1v8 pster t.or!üi sei- „vit, ergo ^uieuncxoe 5eivit, >8 ett Pater I. et ylüeun^ue non „ett pzter I. <ü. i8 neteivit, live exelulu8 elt ad itta seientia. „Wrior llegsri noa potelt, yuis ett in eootello apuä omaes. „ürgo evvelulio ekt tirms. 8imilv argumeritum peti potett ex „eo, (t) lzuock üeuti kic ownikoientigm, ita »üb! omnipvtentiam ..tslem, ut omnia s se ipko kacerv potlet, ?iliu8 vei libi ueiie- Des Andreas WiffowatiuS Einwürfe wider die Dreyeinigkeit. 277 „KSvit! 5ok. ^, 19. 30. 28. lum ex eo, cxuoä ?!Iius ^omnia Imlieat iiou s te, leck a Oeo ?gtie livi «lats: (u) ^/att/,. „X/, 27. X^^///, 18. /«,. 35. X///, 3 27. I^eiknilii lietpontio. (i) ^i'Aumontum tecunällw, ut torinsle lil, lie torinanlluni ett: ^jui e/! i//e, ^ui ile/ctliit c^t'em ^'uc/teii, iraii e/! t//e, ^ui e/! /)eu« a^i//?mu«; F't/tU« Vei ?ie/eivt< c/iem ^'uc/t'eit: ü. FÄt«« »lo?t e/Ü i//e, ^Ut e/ik Oe»s I^t tie negatur IVIajor. ?Vam potett e^uis, ex nottra It^votlteti, timul eile ille, <^ui neteit 6!em juäieii, nemve Ilowo, et iUe, c^ui ett Dvlls »ltitlinius. <)riLe Ii^votlielis nottra, c^noll iclem timul potlit eile Dvus et liomu, c^uam lliu non evertitur, taru äiu con- tiarium ar^umentum netit prineivium. <)uii!1iliet autem vottibile uru.tuwitur, clonee eontrsrium prolietur. (Ic) luterpretes textum eontor^uenteg uiuil au8; nee vicleo, cur noii pars äo toto provi'io vi«üican posllt, lluwmoäo recku- plicatio aääatur, vel kuliintelligatur. I'rovrio em'm totuin nilül el't sliull cjusn» linAuloc nartes cle eoüvm vroeclicatve cum unioue, v. A. Iwmo el't snima et coi nus. Huiäni lieeat retolvere eonu- lationem in cluas lirnvliees: liomo ett aniina, et nomo est eor- pus? Igitur llmiliter, L, ex noltra n^votlieli, (üliriktus ett unum ex Oeo et tiomine, licevit öicere, Lliiiltus ett Deus et lwmo, et ita, Olirittus ett Deus, et (üirittus ett Iwmo. 278 Zur Geschichte und Litteratur. Zweyter Beytrag. (rrt°°) <)uo6 objieitur ineonveniens etle, ut (ükrii'tus ümpliei- ter intelÜMtur cüxille, 5c neteire, icleo c^uia par8 tui inferior nekeivit, id enr ineonvenien8 tit, non vicleo. Inprimi8 eo tempore, huo kunetio parti inseriori orciinario inetls tolita ei snliiraeta ekt. 8eienäurn enim, orcliuariurn o,uiäem eile, ut ciivinitss teientiani Iiunisnitatis eonjunet« perlieiat, ll non per comrnunicationen! e!u8 numero icliomalis, laltiin per exeitationem »ceiäentis novi. lä tsmen cxuocl oräinariuiu ett in ttatu iiuniilitatis iülniüi, ante- c^uanr Inimsnitg8 eiu8 reeiporelur in gloriam luam,, ei sulztr!>l>o- »atur. t^uce res multnm ventilata ekt inter ^Iieolo^ns cpio8ll!>m liUtlieianos, c^ui et liuros seriösere -c-g^ ^«ir-i., »?-^?. ?otelt ea Inl)trgetio intvlligi e^rem^/o (°°) ^ektateos, (Mo tem» pore anima sunetione8, c^uas sli^ui (°°°) eorpus peragit, nemne ratiocinari. eoAÜare^ exec^uitur c^uitli separutas line eornoris von- eursu. üo i^ilnr tenipore cluiiinlis üektaleos non inerte dicitur, Iioininern non ratioeinsr!, vt!»nzl> pk>r8 eins iZnodilior, neinps eorpu8. tantum, a ratioeingtione eellet; c^uia sunctio illa, c^uani snirna oillinsrie »er eorprrs por.iAit, et ^u»m Iiomo ortlinarie ekücit, ^natenus ex aniina et corpore unitus ekt, uune sd eo iion c^u»tenu8 anima et eorpus ekt, et ita non ciuatenus Iiomo eÜ, secl tsntuni ^uatenus onima elt, peraZilur. 8in>iliter igitur (Üliriltus reete äieitur, alicjuiil nel'eire, c^usnclo snnotionein seienüi non per üeitatenr eurn Iiumanitate ut ali»8. et ita non l^natenus Deus üomo ekt, et ita nee ^uateini8 Llirit'tu8 ett, exereet. (n) i^/i co»8 leeretuin cle tempore extremre äiei iron eoinmunieaverit Iinmanitati kki tanr arete junetse? Iclea, inn^nam, c^uia enm nonäum glorilleatam Iiumiliari etpati oportuit. (°) In dem Gedruckte» steht blos, qui et Uliros lvripsvre, ohne zu sagen wovon. Unsere Handschrift hat -c-^ -r««-,^? ^gazu.'«?; welches ich aber nicht verstehe, und das ohne Zweifel heisscn muß, wie ich es verändert habe. (°°) Auch dieses Wort fehlt in dem Gedruckten. (°°°) Für dieses sU1o. <)>i»Mtici« orA» neleivit? 8eiv!t Deus, neteivit norno. (n) tiepetitnr c^noit supra «Iijieivlias: u!Üt->tvm unn inonte cliei l^ilium Dei, rzilinnvis ei no» o^u.o->i5^ov; <>»i!t et vos, c^ui o/^oo^o-^ov 1>i>tii neUttis, tinnen t^iliiiin Dei clieilis. (5) In argurnenta iiio neMtur- klinor: ^norr I'ilius Dei eliani 1ee>u>cluin cleitateni irou kit I'ater I. t.,. Iinino Iota I'rinitas reeto «lieetnr- j^aler- I. <ü. Ironnnis. Illeo iniror, eui' oononeu8 liieal. nnnorenr ellv auuli oinues i>r eoulello. (l) ^rAuinenluin illud elVet t,ale: i^»tt'!t»^ue »tv?t /cicit omiittl w ^e ^^/o, t//e »iv» e/! o»i»i/^e. ^ieZatur' ^lajor. I^erinde ae 1^ ar^uineulari vellein: lauter non kseit vinuia »er tv iplum, teil ner lü onnri!» all alio I>a- liet, i^nanilo ninilririn in alierins noletlate non ett, ipsi llenegare. l5t non ininus I'ilius I'atri, <^nan» I'ilio 1'ator eil. neeelluriu«. t^unr eniln proptüe ?!>ler l'it iuiulleelivum, I^iliuki iuielliAiuile, et 8iiir!>us 8. iutelleetlo, et in !«Iei'uis at^ue llivini-z ickem tit ell's et jiolle, iiuu eiit iulelleetivum iir Deo, lsuoll iwn uetir intelli- A»t; inlelieetio gutem t'ine ilitelli^iliili eile »oii ^alett. iüolltra uullnm erit iiitelliAiliilv in Deo, nnocl non inlelli^stui', et ita non Iialieat eurrcl'noiniens 1'ilii inlelteelivuin: iAitur ut teenncl^ nerlcina tino prima eile non »«Mt. »illovvatii /VrAumontui» ttl. -,,l/?t«k »«i iiu«ici o et ^/»lAn?ni e »ivit ^» «cui!l Iwc osl >>v twlinUiuiii! si»xiulini!>, Nvo iiulividui, itlius iw» vslül „sin8«>ilrü, k> eonli:» univoisül«) /leits e/! ,i?t«ie»t>, et^/»Ait/nie e»«. Heus n^i/^lUttts ,io?l ^i«eu8 vortoni8, Quorum nnac^useciue, c^unm tit „ckittinota luvttaniia, ett illis ckittineto Deu8 altittimv8. V^t ut .,ter unum tunt tria, sie ter unu8 tnnt tres. nl>i ett ter ..unus Veus, ibi tnnt tre8 ckii. t)uickani eo ckevenerunt, 11t ckieant, ,,ello quickem nnmoro unuin Denin ellentialilor, teck von olle „unurn Denin, ti ickein eoutickeretur pertonaliter. Ita non all- „tolnte ot timnlieiter ttriotittima unilate sv) unu8 vrit Deu8 al- „titlinin8, teck alio^uo mocko. I^eivnitii ket^nntio. (x) ^ck arAumentuni tertium retnonckeo conoockencko totum. Dous altittiinu8 ett tingulare, noe nrseckicatur cko multis. soll liov niltil ottielt Irinitali. 1»ain is <7vi ett I)eu8 altitt!nni8 (ten «er- tona Oei altittimi) votott nilnloininn8 cke inulti8 vrseckieari, c^nia 18, c^ui ett Oou8 altittimu8, ton ?ortona ckivinitati8, ett univertalo non tingulare. Lx Iioe eiiain annaret, l^nock otti tre8 tint, Quorum lsuiliiiet ett ick, yuock el't I)eu8, tamon von tnnt tre8 I)ü. IXou ott enim ter unn8 I)ou8 all allero ckittinelu8, teck ett ter unn8, c^uarum c^nilibet ett ick o^uock ett I)ou8, ton tor una nor- tona. Igitur nee tro8 sl>et tunckamentnni in re, orunt igitur in Deo tria innckarnenta realiter ckittinota. Vellem Iiuio arAuinento retuonckeri. IVecsuo doo imnerteelioneni in Doo inkort, c^nia rnultitucko ot coinnotitio per te imnerteota non ett, uiti l^uatonu8 oontinot tenaraliilitatoin ot ita eorruntllii litatein totiu8, tock tonaral)ilita8 liine non intortnr. <)uin notius tunra (/ttt. u.) ckomontlratum ott, imnottil^ilo cllo ot iinnlioaro eontrackietionem, ut una Oeitati8 pertona tlnv alia exitlat. I^ve nmltivlicatur Veu8. ^uomackmockum onim, ti ckilternnt realiter Des Andreas Wissowatius Einwürfe wider die Dreyeinigkeit. 281 in eorvore msZnituäo, liZura et inotu8, oov lequitur iäeo etism necekl'ario tria olle eorvora, umiin c^uaiituin, alteriim Lxuratuiu, tertiura motum; eum iclem lapis eul^itali8, rotui>clu8 et Aravis eile pollit. Ita li llillerant realiter in ivente juäieiuiri, iclea et intellectio, noa teir tres eile inente8; eum una lit meii8, r>uoe c^liiluito relleetitnr in le intam, elt icl c^ueü intelliZit. iä k^uoä intolli^itur, et iü «zuock intelligit et intelligitiir. IXeleio au c^nicl^uaiu elariu8 6ioi pm»ti „Oeus i-Ve a//i//?m?ts, ^nicu«. iiMvie/uus, e/! FAtu« T>ei, i)oNI»i! /. <Ä?'. „D. I^t/t»« Hei, ^1om»i!t« /. tÄi'. s/i! ^>aie»' F'i/ti Hei, Do»»ni /. ^) „.^tlzni Iioe implieat eontralliotionvm et elt palam kalsum. Lrgo ..alic^ua pr-rmillaruiii elt kslts. I^on insjor, lznam onuies Ltiri- ,, stiani agnotellrit: miuor. I^eibnilii liesponfio. (üe) ?ormalic> hlloZilmum, ut 5it kormali8, ex prxekuppotili8. Huiciul^Zte e/! /leu« ii/e a//»/?»!iu«, ?t?l!cit«, inlt'tvitiitu«, e/i ^icrt'e?' FÄtt Dei, /)o?n»lt /. t//i,'. Den« itVe a//t^/?nnt«, ,t?i tl.it«, iitc-'ti'tc/ttu«, e/ik ^//t»« Oee Oominu« /. (A,'. ^t'/tu« Hei, Dominit« /. I prinoi^alum. (!>!>) 8i ^x,5leriu8 ,,vl!Z»tur, tuue l'e^iiotur, ?ilium »011 vl?e Oeum altMwum. IViun „liniv revuAiiat, elle al» glio, et Iialiero ullo inoäo ^riiieijiium „ exiltenlti. 8in priu8, turiv ke^uelur, l^iliuni Dei, li non al» alio „vkl, non elle k'ilium. IVklm Iioo implicat contralliotiollem; eerle (°) Diese ganze Antwort fehlt in dem Gedruckten. 282 Zur Geschichte und Litteratur. Zweyter Beytrag. „cmalomi8 okt lilius, a nalio ott. 8ml liio argululi kmiclum oumui- ,,lur Iiujus tlilommalis vim evil.ivo uiktiuoliono: ajuiil. I^ilium „Doi olle l^uitiem ul» iplo, nou al> alio, «^uoakl ollouliam, sjualo- ,,uu8 o5t Deu8, locl oumiom non oliv a to, vorum ad alio, «^uoaä „norlouam, c^uateuus ott I'ilius. ^.t Iioee (I!5liuolic> non lollit lülliouliatom. I^am Ino tlo ?il!o ol't ^useltic», ^ualvuus i« vl't ,,?iliu8 Doi, livo ?ei'1ona loouulia; uou autom cnialonus okt ellou- tlivina, l^uoo punitur ollo communis 1'ati'i ok tilio, r^uir ,,ollon>.!a iion oü I'ilius, c^ula au ittls vogalui-, olloutiam Doi Av- ,,uoi'ari. üi'M tamon Imo mauouit, 1?!1ium Doi, smatouu» eil Filius Doi, live toeuinia poi^oua, uon oliv Doum allMmum. I^eilznitii üeksionlio. (aa) ? Doo altittimo, aut pc>l!u8 oi, r>ui ott Dou8 allilü- iuu8, iouuA»aio, otlo au alio. V. kuma <^u) Wissawatii /Vi-Aumentum VI. ,,Lx Aouoiatioiio I'ilii Doi toeuuilum 6oilatom nru^tvrua, „r^u,»: vul^o ttatuitue, ur»e>oi' alia Iicoo 1'oczuuutui' iuconvouioulia. „I". <)uo,I avturcluni tit, oum, c^ui Zonoratui' toouiulum uoil-i- ,,tom, 1'Iatuoio ollo Doum altitlimum. ^i>u) 8omuitorna t'utislautia „von Aenoratur, ?Vam Zonoraii nocoll'uriu iuloit urviiuoi au aliu, ,,ot Iiatieio pi'iuoinium ali^uotl, tultom oii^inis, et iiei'i, ao muiinlo „äovouuoro at» alio, a l^uo l'uum Iiavot cllo. ^uoe omnia noii „eouvouiunt Doo altittimo somuitoruo, <^uo uullus utlo modo ,,pi!oi' olle notett. ^t oinnis Aoiioivins uatoi' ott pi'ioe Ao»itc> ,,?ilio, c^iioll ncm timtuiil in Immmus, l'oil otiam in diviuis, vo- „runi vl?o uiiivoi'l'ulilor ox ooinmiiu! iiotiouv inkuin vulMis ^lo- ,,uiouüoruin noviscuui aAiiol'oil. II". llicitui- Ilous Ao»o- „riuo Doum, <^ui osl Dous ox Doo, (co) aut ^onoiÄt euiuloni „numoio Douin, l^ui inso okt, aul alium. ^>on ouutiom, Ioin: livv sutom »lium Doum Aenor-it, tol^uilur nou uuum „numero oi?o Doum altlslimum. tx>»!>»Iur «uiillum ox Iioo tli- „lommsle üo olaui: liari intor iKn liuo mouium; izouorari ouim „portonam. 8ocl imii ootlal tüsiioullas: nam, uum itta noisoua „ I)ei, km«: Aviioratui', non o5t Dous? III". I! 1ic»i tialu»' meciium iulor oon- Des Andreas Wissowatius Einwürfe wider die Dreyeinigkeit. 283 „ trailietoriv onuolita. 8i «leliit, lialiet linem temnoris itta gene- „ratio: orZo etiam snparet, eam navuillv nriueinlum temuori8, „iulvocluo non tuille prseoeternam. I^am kmocl nunrmam ineeuit, „ick nee ckellnero notett. 8in gutem non ckeliit, tecmitur, li'ilium „Dei, ciuoack ckeitatem, et!»m nune generari, et porro genergn- „ckum ei?« in omnia treeula toeeulorum, ut cmickam eonceckuut, „kmock elt alilurckum. ?^i>m b) I^on elt ablurckum, Deum altillimum, ant votiu8 eum, cmi elt Deu8 altillimu8, xenerciri. 8emniternam lul)lt!>nl!am iu temnore generari gvlurckum elt: von vero elt alilurckum, eum else generatum gute ckgtum smocklil^et iemnu8, iä elt, gt> «terno. Leo gltl8limo, gut votiu8 eo, <^ui elt Deu8 oltillimus. polest cmis prior eile naturg, non temnore, aliu8 nemne, vet tinem temnori8, nam et ineosnit et äeliit Fene- rari ante c^uolllivet temvus. 8imul enim Aenerari ineosvit et ueliit. VVislowstii /VrAurnenlum VII. „()uum aä^eritur I)eu8 !>Iti1'l!mu8 vtle iuearnatu8, nut tot» „1"riuitk>8, live cmülsmill ett Veu8 altistimus, est inoai'nal!», aut „non to>!>. 8i illud, non tantum 1^iliu8 Dei, teil etiam Deus „?atvr, et 8v!ritus 8. tunt inearnati, et ex Nari» Virgine »ali, „c^uoll eliam »licmi iullerere non eruvuerunl, cmia lunt um>8 in- „üivilidilis Deu8. cmum etiam non lola Perlon» l'eeuiuln lit in- 284 Zur Geschichte und Litteratur. Zweyter Beytrag. „earnata, teä cuni ea c^uo^ne ellentla illa tlivina, yuse a Perlon» „clivina tevaiaii nec^uit. Itta autem ettentia ett eowinuni8 tri- „»N8 pkitc>nl8, c^uoe in ea continentur. prsetvitirn cnium lisve „aetio alltumenä»: liui IinmangL naturve, lit aotio aä extra, lzua- „Ie8 aetione8 lliountnr eile totius 1'rinitati8 inäivitse. 8in autem „non tota äivina ?rinit»8 ett inearnata (ee), teü tola vertona „?ilü, tum teizuetur, Lenin alia8 Inäivillbilein, elle ^noüainnioilu „a te ivko äiuituin, itac^ue non oninino unum, se timvlicitlimuni, „li voll oinne, cxnocl ett Den» altittimu8, ett ineainatum; nncle „tale arxumentum ex tinAuIarilm8, (tk) t/ei/as, Huas e/i! i» Ueo /^aii'e, non «/e/cenc/it c/e „voe/o e< e/! i?ica^naiaZ „^saeo c/eie üactenu8 ^ßg). 8i l^uis inilii I108 noclo8 Iiene ,,6ittolveiit, tnin ego miiioreill. I^on I)elta8, te<1 nertonalita8 potiu8 kllii Lei ineai'nata ett, i. e. ?iliii8 Dei iueaiiiatll8 ett non <^ua Deus, tecl «zua ?iliu8. (ZA) IVoäo8 te vrovotuille non nego, et lM^em <^uanla8 inaximos hui8»iam "tui limilis noNt. lienertc» lomvl vrinvivio lili, icl ett ualura eonulne nrottlililioni8 in kvllogitinn, vi8, smu» tan- llem kentiamus. » « ^ Zch kaiin cs sehr überhoben seyn, über die Streitigkeit selbst, welche dieser Lcibnitzischc Aufsatz bctrift, etwas zn sagen. Was ist nicht alles vorlängst darüber gesagt worden? und was wäre es, was man itzt gern darüber hören möchte? Nur ein Paar Anmerkungen über die Art, wie sich L.eibnilz damals, und ferner, sein ganzes Leben hindurch, dabey genommen, vergönne man mir beyzufügen. 1. L-eibnilz hatte nicht im geringsten die Absicht, die Lehre der Dreyeinigkeit mit neuen ihm eignen philosophischen Gründen zu unterstützen. Er wollte sie blos gegen den Vorwurf des Widerspruchs, mit sich selbst, und mit unleugbaren Wahrheiten der Vernunft, retten. Er wollte blos zeigen, daß ein solches Geheimniß gegen alle Anfälle der Sophisterei) bestehen könne, so lange man sich damit in den Schranken eines Geheimnisses halte. Einer übernatürlich geoffenbarten Wahrheit, die wir nicht verstehen sollen, gereicht diese Unvcrständlichkcit selbst zu dem undurchdringlichsten Schilde; und man braucht die dialektische Stärke und Behändigkcit eines Aeibnirz lange nicht zu haben, um mit diesem Schilde alle Pfeile der Gegner aufzufassen. Die Gegner sind es, welchen das Schwerste bey so einem Streite obliegt, nicht die Vertheidiger, welche ihren Posten nur nicht muthwillig verlassen dürfen, um ihn zu behaupten. Ehe also noch K.eibnilz die vorgegebnen unwiderlcglichen Einwürfe des Antitrinitaricrs gesehen hatte, konnte er schon voraus wissen^ daß sie nichts weniger als unwiderlegbar seyn würden. Auch erschreckte ihn die Syllogistische Form, in der sie erschienen, nicht. Er war, von Kindheit auf, in diesen Waffen geübt; und man weiß, daß er nie aufgehörct hat, sie zu schätzen, zu. empfehlen, und bey aller Gelegenheit zu brauchen. Noch in seiner Theodicee, wo er sich gegen die unauflöslichen Einwürfe erklärt, die sich, nach Baylen, wider die Geheimnisse der Religion, wenigstens in Ansehung unserer gegenwärtigen Erkenntniß, machen liessen; gesetzt auch, daß man hoffen könne, cs 286 Zur Geschichte und Litteratur. Zweyter Beytrag. werde noch einst mit der Zeit jemand eine bisher unbekannte Auflösung finden, — noch an jener Stelle seiner Theodicce sagt er: „Ich bin hierüber einer Meynung, die vielleicht man- „chcn sehr sremd vorkommen wird: ich halte nehmlich dafür, „diese Auflösung sey schon völlig gefunden, sey auch nicht eben „die schwerste; und ein Mensch von mittelmäßigem Verstände, „der nur genügsame Aufmerksamkeit haben kann, und sich der „Regeln der gemeinen Logik genau zu bedienen weiß, sey im „Stande, auf die vcrwirrendstcn Einwürfe wider die Wahrheit „zu antworten, wofern solche einzig und allein aus der Acr- „nuiift genommen sind, und für Demonstrationen ausgegeben „werden. So sehr auch heut zu Tage der gemeine Haufe der „Neuern, die Logik des Aristoteles verachtet: so muß man doch „bekennen, daß sie untrügliche Mittel und Wege zeigt, den „Irrthümern in dergleichen Fallen zu widerstehen. Denn man „darf nur den Wernunftschluß nach den gewöhnlichen Regeln „untersuchen: so wird man allezeit ein Mittel finden, zu entdecken, ob entweder in der Form gefehlt, oder ob die Vordersätze noch nicht gehörig erwiesen worden." 2. Es kam also auch damals nur darauf an, eine solche Untersuchung anzustellen: und es ist sonderbar, wie in einem philosophischen Kopfe sich alles zur rechten Zeit zusammen findet. Schon einige Zahre vorher hatte A.elbniiz, als er, in seinem Werke äv ^rto eomdinstana, die vcrschicdncn Arten des kategorischen Schlusses näher berechnen wollte, vcrschicdne neue, und ihm theils ganz eigene Anmerkungen über die genauere Bezeichnung derselben gemacht: und itzt erkannte er auf einmal, daß durch eine derselben den Einwürfen seines Gegners am besten bcyzukommcn sey. Er selbst sagt, in seiner Antwort, daß diese Anmerkung die sey, welche imtiirgm eoniilN nrapolitioms i» svIIoZIsmo betreffe: aus den Exempeln aber erhellet, daß es vielmehr eine andere ist, und zwar die, welche nicht die O-ua- lität, sondern die Quantität der Prämissen betrifft; nehmlich, um sie mit seinen eignen Worten zu sagen, omnes pronoütiones tingulares etto, virtnte latontis fi^ni, 'universales. Doch er wird, ohne Zweifel, seinen Grund gehabt haben, warum er sich so und nicht anders darüber erklärte, welchen ich denen zu finden VcS Andreas Wissowatins Einwürfe widcr die Srcycinigkeit. 287 überlasse, welchen dergleichen dialektische Subtilitätcn geläufiger sind, als mir. Genug, daß er durch den einzigen Kunstgriff, das Einzelne, von welchem in den Vordersätzen des Schlusses etwas bcjact oder verneinet wird, allgemein auszudrücken, klar zu Zage legte, daß sein Gegner, was er erweisen wolle, fast immer schon voraussetze: die kürzeste und kräftigste Art, ans sonst verfängliche Syllogismos zu antworten. 3. Ich bin daher gewiß, daß, wenn man diese seine Antwort, so wie sie bisher gedruckt gewesen, für sich, ohne die Einwürfe des IVisiorvatius hätte verstehen, und also brauchen können, sie sicherlich Lan; in seinem bekannten Buche äv Mu plnlotoiili. Leidnit. k ^Voll. in 2'Iism, stter sll its prvtences to koston, is ons of tne mo5t Ki^niä l'ooslel's Heret'ies) die jemals die Kirche zerrüttet: so verdenke ich es eben keinem, der auf diese Beschuldigung nicht achtet. Sie wird eben so zuversichtlich zurückgeschoben: und was ist natürlicher, als daß jeder seine eigne Meynung für die vernünftigere hält? Aber wenn der uneingenommcne kalte Philosoph ungefehr das nehmliche sagt: so hat es ohne Zweifel etwas mehr zu bedeuten; und alle öffentliche oder heimliche Freunde einer von ihm so gennß- billigtcn hetcrodoxcn Meynung müßten sich, meyne ich, auf etwas mehr gegen ihn gefaßt halten, als auf Recrimination. Wenn Ullssoromius sich in dem Briefe an Boincburgcn rühmte, seinen Lchrbcgriff äs ^elu Lln-Itto no» Fupremo veo, lock tarnen Iiuie proximo et luborcllnato, ao proinde cle ejus aäora- tioi,oinio»s, sagt er irgendwo, ^outt'ont lour auc>-reo j»Iu« loin czuo los klakomotaris clsns los Points ilo cloetrlno: cktr non ocmtons clo oomliattro lo mMöro <1o la?nnito, et delulZor llos pcitkiiFos tros-t'ni'ts, ils kUl'oidlistont jus«zu!t la l'IiooloFio n-iturcllo, lors szu'ils rosut'ont :>, Die» I» z,roscionco dos clinlos oont!»Fo»tos, et Inrs ^u'ils o.nniliattont limmortitlito Iasti,^ios, ils ronvoiloiit tout co czuo l-i, l'kooloAio a clo Fmncl et clv t'uliliniv, jusczu^ lonclro Oiou I^nrno. ^u Ilou czuon s-iit ^n'il ^ a clos voetours Naliomotans, sjui nnt clo I)!ou clos icloos «IlFiios clo Aranclour. An einer andern Stelle sagt er von ^.ocke, den er auch mit ein wenig andern Augen ansähe, als noch itzt gewöhnlich: I»oliuavit -n! 8oeinisnos, Quorum paiisioitinic l'em^or fuit llo Doc> ot monto ^.Iiilornplii-l. War es der seichtere Philosoph welcher den Sociniancr? oder war es der Sociniancr, welcher den seichtem Philosophen gemacht hatte«! Oder ist es die nehmliche Seichtig- tigkcit des Geistes, welche macht, daß man eben so leicht in der Theologie, als in der Philosophie auf halbem Wege stehen bleibt? 10. Und nun, auf das Obige zurück zu kommen; auf den Glauben. Mag denn also auch Leibnitz, sagt mau, den Soci- 19° 292 Zur Geschichte lind Litteratur. Zweyter Beytrag. nianern so aufrichtig entgegen gewesen seyn, als er will: genug, daß er von der orthodoxen Meynung im Grunde sicherlich gleich weit entfernt war. Er glaubte das eine, eben so wenig als das andere: kurz, er glaubte, von der ganzen Sache nichts.— Er glaubte! Wenn ich doch nur wüßte, was man mit diesem Worte sagen wollte. Zn dem Munde so mancher neuern Theologen, muß ich bekennen, ist es mir wenigstens ein wahres Räthsel. Diese Männer haben seit zwanzig, dreyßig Zahren in der Erkenntniß der Religion so grosse Schritte gethan, daß, wenn ich einen ältern Dogmatikcr gegen sie aufschlage, ich mich in einem ganz fremden Lande zu seyn vcrmcyne. Sie haben so viel dringende Gründe des Glaubens, so viel unumstößliche Beweise für die Wahrheit der christlichen Religion an der Hand, daß ich mich nicht genug wundern kann, wie man jemals so kurzsichtig seyn können, den Glauben an diese Wahrheit für eine übernatürliche Gnadcnwirknng zu halten. Alles, was ich in jenen ältern Dogmatikern blos als wahrscheinliche Vermuthungen, als proeluäiela, als pr-eloniitioiies, angeführt finde, welche einen Nichtchristen bewegen können, die christliche Religion nicht so schlechtweg zu verwerfen, sondern sich einer ernstlichen Prüfung derselben zu unterziehen; alles, womit man ehedem blos die Einwürfe der Ungläubigen und Abgötter ablausen lassen; kurz, alles, wovon aufrichtig allda bekannt wird, daß es, weder einzeln noch zusammengenommen, eine beruhigende Ueberzeugung wirken könne: alles dieses haben so viele unserer Neuerern Gottcsgelchrten, zusammen so in einander gekettet, und einzeln so ausgefeilt und zugespitzt, daß nur die muthwilligste Blindheit, nur die vorsetzlichste Hartnäckigkeit sich nicht überführt bekennen kann. Was der Heilige Geist nun noch dabey thun will, oder kann, das steht freylich bey ihm: aber wahrlich, wenn er auch nichts dabey thun will, so ist es eben das- Sie haben bewiesen, und so scharf bewiesen, daß kein billiges Gemüth an der Gründlichkeit ihrer Beweise etwas wird auszusetzen finden. 4t. Sie also freylich, die in diesen letzten Tagen ganz anders gelernt haben, die Vernunft zum Glauben zu zwingen, werden schon S.eibnirzen mit der Zeit, in welcher er lebte, ent- Des Andreas Wissowatius einwürfe wider die Dreyeinigkeit. 293 schuldigen müssen, wenn ich von ihm versichere, daß er freylich nicht, weder die Dreyeinigkeit, noch sonst eine geoffenbarte Lehre der Religion geglaubt hat; wenn glauben so viel heißt, als aus natürlichen Gründen für roahr halten. Es erhub sich, nur eben erst bey seinen Lebzeiten, unter einigen Reformisten der Streit über die vorläufige Frage, ob es möglich sey, und wenn es möglich, ob es dienlich sey, die christliche Religion auf blos natürliche Beweise zu gründen, der Vernunft allein die Ueberzeugung von ihrer Wahrheit anheimzustellen. Aber es sey nun, daß -L.eibniy von diesem Streite entweder nichts in Erfahrung brachte, oder ihn für die bisher gewöhnliche Meynung entschieden zu seyn glaubte: genug, er fuhr fort, hierüber zu denken, wie er es in seiner Zugend war gclchrct worden. Nehmlich, daß es zwcyerlcy Gründe für die Wahrheit unserer Religion gebe: menschliche und gottliche, wie es die Com- pendia ausdrücken; das ist, wie er es hernach gegen einen Franzosen ausdrückte, der unsere theologischen Compcndia ohne Zweifel nicht viel gelesen hatte, erklärbare und »»erklärbare; deren erstere, die erklärbaren oder menschlichen, auf alle Weise unter der Ueberzeugung bleiben, welche Ueberzeugung, oder derselben Complcment, einzig und allein durch die andern, die uncrklär- baren und göttlichen, könne und müsse bewirkt werden. Diese seine altvätcrscyc Meynung, wie gesagt, müssen sie ihm verzeihen. Denn wie konnte er voraussehen, daß sie nun bald am längsten wahr gewesen seyn werde, und Männer aufstehen würden, die, ohne sich viel bey jener vorläufigen Streitfrage aufzuhalten, sogleich Hand an das Werk legen, und alle erklärbare, aber bisher unzulängliche Gründe, zu einer Bündigkeit lind Stärke erheben würden, wovon er gar keinen Begriff hatte? Er mußte, leider, aus Vorurthcilcn seiner Jugend sogar dafür halten, daß die christliche Religion, blos vermöge eines, oder mehrerer, oder auch aller erklärbaren Gründe, glauben, sie eigentlich nicht glauben hcisse; und daß das einzige Buch, welches, im eigentlichen Verstände, für die Wahrheit der Bibel, jemals geschrieben worden, und geschrieben werden könne, kein anderes als die Bibel selbst sey. '.>i)4 Zur Geschichte und Litteratur. Zweyter Beytrag, 12. Aber was cr den» nun sonach, aus menschlichen oder erklärbaren Gründen, nicht glaubte, hat cr das darum ganz nnd gar nicht geglaubt? Wovon ihn seine Acrnunft nicht überzeugt hatte, wovon cr sogar nicht einmal verlangte, daß ihn seine Vernunft überzeugen sollte, hat ihn davon sonst nichts überzeugen können? Die von unsern GottcSgclehrten, die hierauf mit AllerOings antworten, die sich nicht schämen, von un- crklärbaren Wahrheiten auf eine uncrklärbarc Art überführt zu sey», diese frage ich weiter: und woher weiß man es also, daß ^.cibnilz die orthodoxen Lehrsätze, die cr sowohl zu vertheidigen wußte, selbst nicht geglaubt hat? Etwa daher, weil man vor- gicbt, daß er sich nach dem Acusscrlichen der Religion nicht sehr bequemt habe? — Aber man sehe, was du Aue (°) und andere hierauf antworten. Ich meines Theils will nichts hinzusetzen, als folgende kleine Bemerkung. 13. Fonrcnellc ist derjenige, der es zuerst in die Welt geschrieben, daß es mit dem Lhristcnthume des K.eibniy nicht weit her gewesen: On luecul'o cko n'avvli- 6t6 ul»Ii»I(!8. » ve»uvl.u>!^. I)u»trivm« ?»rli«?. >>> SßS. TcS Andreas WissowatiuS Einwürfe wider die ?rcyeiiii.,kcit. 2i)6 i»,!prl8 iionr lo <ükir!ktianism»e loc» oluxüiiUiMm» »liquvd vpixir»i»M!U!> prokvrre, n»>i iniuLUNtlgz >em >! nuiliüe iirvIiiUil'luu» ?A>!Uiiw >:xcori»» liüüUIil nvkiü vir ^»luIiliMmujj eüiuulius i^itlmilsiu« — (°°) I/ipl. t?4S. 4> pü^StS. 296 Zur Geschichte und Litteratur. Zweyter Beytrag. hätte ohne Zweifel nicht übel gethan, wenn er auch das sechs und vierzigste Epigramm dieser Art mitgenommen hätte; nehmlich das bey dem ZOiophantus selbst, welches dem Wachet eben Gelegenheit gab, die übrigen daselbst einzuschalten. Denn so würden wir bey ihm die Arithmetische Muse der Griechen ganz beysammen haben, die ich nun hier mit dem sieben und vierzigsten Stücke vermehre. Ich glaube nicht, daß mir schon jemand damit zuvor gekommen. Wenigstens habe ich es an keiner Mühe fehlen lassen, mich überall auf das genaueste darnach zu erkundigen: so, daß wenn es dennoch geschehen wäre, es nur an einem Orte könnte geschehen seyn, wo es so gut als nicht geschehen wäre. Und auch in diesem Falle, würde etwas aus einer andern Handschrift wiederholet zu werden verdienen, was keinen geringern Namen, als den Namen des Archimedes, an der Stirne führet, und gleichwohl sich so unbekannt erhalten hätte. Denn, wie gesagt, das Problem soll, wenn es nicht von dem Archimeves selbst abgefaßt worden, doch von ihm für werth erkannt seyn, daß er es an den LSrarosthencs gcschicket hätte, um es den Meßkünstlern zu Alexandria zur Auflösung vorzulegen. Dieses besagt die Aufschrift; und nun urtheile man von dem Problem selbst. l. H?0L^.llI^, öikxn '^?XI^M/^kII xv L7ct^«^>^i,«o'tV xi^ocov rot? '^.?>,^«vö^!« ictz«)i,>l,(vv, U) l^Lt'VL, ^^xT-p^o'ov, Z'oovz'tck' xn^-^o'«^, ^i-x^x^? o-ocpii^-.', Hocro'^ «o' nevtot,; Ztxe^'is^ nD^' x^ZocrstN'o v^crov Gotv«Xi^, 7x50«)^ i^tcpxoe ooeo'o'oe^i.xvi'i Z. Xxo^v «^^«cro'ov?'«' ?ö ^x^xoto ^-«^«xroe, L.'u«vsk> c5' e?!pov x?^^^^ ^.«^^o^i^xi/ov, '^XlX,o^L ^i^zv ^«vA-öv^ ?ö ?rcicxi^ov. 'Lv cke Zrlcpet rcrwv 7«i?oot ir^'^xo'i ^t^o^xvoi, Z^^i^x^o^i; 7-oi,Hc.'os T'xT'e^x^k?» '^?^o^oix«? /«-kV Zur Griechischen Anthologie. 297 40. ^.'ucxvxdvv 5«^PUIV ^'c5L T'ptT'cu, K.«!, ^«vA'o?^ cr^l.Troco'tv t ^^xpxü ZVIczcT'oxpciUiv, x«^ «x^l.TiT'io, ^«^^o?rvoi^^ ^llix^o^po«^ «A-px^ ^5>^-'«vi'wv ^«'upctiv xx?co ^^x^el, x^c5o^«?u> ^«2>^o?c; ai^7'c>^>; ^«criv lcroc^o^l^voTi?. G >^^xt«l ? , I ui ir^ti'cxT'ui ?x ^r^Zt, x«^ T'e-'pcxT'ui tx?ol^>v orx^.l.irrui ci^i^oi? lcrcx^ovT'o, ^.i / ^ > , ' ?«i^poi^ 7r«cr^^ el^ i'o^i.c>v xpx^^^^?- Lcxv^ol'plX^^' «^xXi^? ?rx^i.?r7'ct> i^6x x«l xx?u> Ho^^X,«t !tA/i.L'i?v?'o ^l.xpoi^c; ^p^o'u ^i.co'xt tv'lXl '^.p^xwisi; cx^x?^c? xj?iso^l.cx?'u> ?e ^i.xz>xi. ck' ^x/.loi0 jZox? iroj>c^ ^>.xv T'w'upuiv «plA'^i.ov, Xitipt? <5' «-u A^X>xtoci o'croct xwT'« xpc>i«v xx«<^«t. 30. vvx «ücspti; Xx^/oi', ci^cs' «j>t^i.l^v cxcs«^'^ O^i ^.i-^v ?ctt)^L voipolc: «ptA-^o??. kp^>«^si^ ?«<5x 7c«v?« jZottii' ^x^/toto m!.xv Lir^t ^i.^^«t«7'o X,i^«vxoi>z "^«v/ e^?rx(sov tv'o^i.xz'poc ZZ, Ut? /3«^o^ -i^ L^zio? <5' «'u ^xpt^^xecx Hl^«^«v?o ?r^/v^o^ Gpivocxl^? ?tx>5ccx. Lwv^ot F' cx^u L?c? x«t 7roiXtX,c>i a^0ltXp«o'2rx6'ov ?rz>oo'c)i'?cvi> 40. '^^-^o^polov c>i5V x7üt^xi?i:o^i.cvu)V. '0'tv «^^o^c/oil,', U.«!, «TcoFo'u^, u5 <^xi^, '^j>)^xo x^iFtouiv vtx^cjiopo?' tv^i ^«vi'uie, » » ,/ , » IVxxpl^l.x^>o? ?^>,?rvt0i; crcxpt^. Ich liefere diesen Text vollkommen, wie ich ihn in dem Manuscriptc finde: bis auf einige Kleinigkeiten. Ich habe 298 Zur Geschichte und Litteratur. Zweyter Beytrag. nehmlich die Ziitcrpunction mehr berichtiget, und einige Schreibfehler gebessert: z. E. Zeile 12, 19 und 29, wo jedesmal anstatt welches die Poeten brauchen, das gemeine -r-> ?«(>7-u) stehet, welches dem Verse zuwider ist. Auch hat es die nehmliche prosodischc Ursache, warum ich Z. 14 für not?«^»xpk>' gesetzt habe Tro^-Xv'xpooc^. Die einzige eigentliche Veränderung, die ich mir erlaubt habe, ist mit Zeile 22 geschehen, welche in dem Manuscripte heißt: Zi^v -rwi^oi-; Trcxcroet^ xl-; vo^l,ov xp^o^i-xv«^ Allein es ist unwidcrsprcchlich, daß für ?r«cr«^ rp^o^-v«^ der Gcnitivus des Singularis stehen, und sich auf das folgende beziehen muß. Eine völlige Ucbcrsctzung beyzufügen, würde eine sehr undankbare Arbeit seyn. Es ist genug, wenn ich für diejenigen meiner Leser, denen entweder zwar die Sprache, aber nicht das Arithmetische, oder denen zwar das Arithmetische, aber nicht die Sprache geläufig seyn möchte, nur mit wenigen sage, worauf es ankömmt. Diejenigen Leser aber, die beides vollkommen verstehen, oder auch nur von beiden zusammen gerade so viel als ich, (welches wahrlich nicht gar viel ist) mögen dieses wenige zu überschlagen belieben. Ein Autor, der nur einzig für ihres gleichen schreiben wollte, das ist, nur für die gelehrten! und gelehrtesten Leser, dürste ohnstreitig ein sehr gutes, gründliches Buch machen: ob aber auch ein sehr brauchbares, daran zweifle ich. Die Aufgabe wäre also diese; und bctrift sie überhaupt jene in der Mythologie bekannte armonta Solls, die in den Fluren Siciliens weideten. Dieser heiligen Hecrden waren, nach ihren Farben, viere: eine wcissc, eine blaue, eine gelbe und eine scheckigte; Ochsen und Kühe untereinander. Die Ochsen standen unter sich in diesem Verhältnisse: daß die Anzahl der rveis- sen gleich war der Hälfte und einem Drittheil der blauen, nebst allen gelben zusammen; die blauen, gleich einem Vicrthcil und einem Fünftheil der schcckigtcn, nebst allen gelben zusammen, und die scheckigren, gleich einem Scchsthcil und einem Sicbcn- thcil der wcisscn, nebst alle» gelben zusammen. Die Anzahl der Rühe hingegen verhielt sich so: daß die weissen gleich waren, Zur Griechische» Anthologie. einem Drittheil und einen, Vicrtheil der ganzen blauen Hccrden (Ochsen und Kühe zusammen); die blauen gleich, einem Vicr- lhcil und einem Fünftheil der ganzen scheckigtcn Hecrdc; die scheckigten gleich, einem Fünflhcil und einem Scchstheil der ganzen gelben Hecrdc; und die gelben gleich, einem Scchstheil und einem Siebcntheil der ganzen wcisscn Herde. Hierzu kam noch, daß die wcisscn Ochsen, mit den blauen Ochsen zusammen, ein Viereck machen konnten; das ist, daß die Summe beider eine O-uadratzahl war: so wie die scheckigtcn Ochsen, mit den gelben Ochsen zusammen, ein Dreyeck bilden konnten, und ihre Summe sonach eine Trigonalzahl seyn mußte. Und nun fragt sich: wie viel waren also der Ochsen, von jeder Farbe insbesondere? Und wie viel waren der Kühe, von jeder Farbe insbesondere? um zu wissen, wie stark jede besondere Hecrdc, und alle vier Hccrden zusammen waren. Daß in den Datis nichts versehen ist, und daß das Problem nicht anders verstanden werden kann noch soll, will ich mit dem alten Scbolion bclcgcn, welches sich in unserer Handschrift gleich hinter dem Epigramm befindet, und folgendes ist: ZXO^ION. 1^0 ouv TiPo^X,^!.« 6t« T'oi? iroti^l.«7'c>^ » '^5>x^^- 6,>^ x<5i^U)<5L <^«.xi>c>i>, »z-l ?xv'cxi; tt^x^oc-,' !»>ul 65! sjou?v ^xvxo^itxuii' ,t>^^^ ?c/.^!j>itiv xcxt ^?r^xlu)i>' 5» ?r^^c»; c^vcx^/xt ^i-^iptucs«^ 6c- ir^llic,- t<5, xcxt llcir^llc^ ?>^, ^cx^ ^vv«6«^ sii->«voX9vlv>> 6' »^cii? ?«vpuiv x«l ^^?lü> t-, cuv T'ö ?rX>>s^c>i; x-^t ^i_>5>ccx6ui^ 6tir/,u>^> xvi^e«, x«t ,^it>^^ ^>.t>^>«6<^v u)° ^lt^o^lx^^ <5'<^^v ^«i_>j>it>v x«t ^^xicuv, ?o ?r^is- ^o>; ^^-i_i^tix6c^v <5lir^(«)i> ^, x«c «7rX.u)v ,^7i)^«, x«! ^i^o- i^>ll<5^v i^' 6x ^ot^-; ^«l^vxpclcv^- o'vi'cx^x, T'ö ^rXli'sA'o^, 6t7r/.«i^ ^>.-v^c«6«^ ^, x«t c,'^-xv'^«t i'ö n^i^oq 6 «z/x^( ^^j>l«6cx« 6>?rX,cxi; ^tl., x«t cxzr^cxi; ,^t^ x«i ^i^c>^^6«i; ,?cs>^. X^-xc ^ llc^/x^,^ ?u?v ^x^xo^i/'^wv ?;>ui^' k^kt ^^^ii>6«^ ; xcxt «ir^uc? ,^ir^X,«> x«t ^^r>>.>oc6cic^ ,?jczi^' 6x ^l.^>tlx6cx^ 6t?r^u^, x«t uir^uc ^X'l^- ^^oT'«6c>c^ ,i^ui' 300 Zur Geschichte und Litteratur. Zweyter Beytrag. ^ <5e «^-x^/rz X'UKXvox^^^^ ?«i^puiv «X^^ /^^cv ^l.T^«6«c,' i5l7rX.c?^ x«l «?r^u<; /tl.ovock5«^ ,«px- <5e ^>.^l«(5«^ ^TlX-«^ «7r^.«^, ,^?/t>^^ ^ovcx.i->- (stTr^öci; x, x«l ce?r^«^ xcx'i ^ov«» Ä ^>.-ujiiw<5«^ <5t?rX,«^ jZ, x«t «?r^«^ x«t ^i^ov«- lv^«?uiv x^kt ^i.'upccxis«^ cslirX,«^ x«5 ^i.c>v«cs«^ ir>^' ^X,xiwv c5x ^i-^lLcck«? cktir^occ? x«t «?r^«^ ,^-- -v«i5cxi; ,^1.. x<^c ?r^A>o? ^.x^xo'rplX^v ?«vpuiv, ^/ ^ ? » ' < ' »> i ^ tcrov 2°!^ ^i.lo'Ll x«^ ?j>t?ui ^l^xpei 501^ ir/^A-oi^ ?cov xi^«vo» Xpo'l^v ?cxi^pu)v, x«5 oXiz <^«vA-ox?k>^l.cc?K>v ^^?x^. ?o <5s irX'rsA'o? xi^«voxp<-v^^«?!ov ccrov ?L?'c>cp7'u> x«t ?rx^l.?r?'ui ^.l^xpxi 'rcvv «otXtX>o?z>lxu>v ?cx^puiv x«ö oXui ?rX>^- K-xi ^cxv^ox?^>-«2-U)v ?ö 6x irX.TsK'o^ ?wv «olXiX,o?^t^lt>v T'oi^uiv t.xpxö ?cvv ^xi^xo^ix^^ 7«i^pu>v, xcxl xT't T'U) ?r^^et oXu> 5Ü)v <^«v^c>x?^^^^iv T'cx'u- pi^v x«t ?rcxXltv ?ö nlX/HA'o^ X^x^x(uv tcrov ?c» T-pIrui x«l ?x?ocpi'u> /.i-xpxl öÄ/i-^ cx^-x^^ ?ü?v xi^«vc»x?o<-vv' 50 6s X'ucxvoxpo^vv, tcrov 7'x?«j>^ui xcxt ^x^.^T'lj» ^».x- pxt «^/c^ch 5lvv ?rotXtX,o?j>txuiv ckx ?cviXi- ^orpt^wv tcrov 5lj) Tle^i-^lti x«l xx?u> -rrsi; <>^rj? ?!-vv <^«v^ü?v ^Zoüiv ircxX>tv Ä ?ö <^oi2.^u?v ^r^^o?, ^'v tcrov ?L x«t xjZ6o^i.ui ^.1.^x5 77^>; oX?z? 7U?v ^xi^xuiv ^c>ll)'v. ?j ^.ixu «^x^/rz Xx^xorpl^^v > , ? „ , » . ^ ^ ?«i^l/iv x«i XTi«vc>x?o^^ 'roii^puiv ci'wrL^xiv'«, irotxt ^x?p«^-lt>'vov «pt^l^ov ^ ck' «^X.^ 7u?v >^«v^o?z>txu>v ?«i^pu)v ^.i^x?« «^xXi^? ?ücitXtX,ox,5>ouiv cri^vi'x^xlo'c« ?cc)tx! ?z>t- ^/c^ivov. ^5!^ «X^^ i^iroxxt^^LVwv xcxvovuiv x«^' xx«- ?ov x?^^^- Dieses Scholion giebt nicht nur, wie gesagt, die nehmliche» Verhältnisse an, sondern fügt auch die Zahlen selbst bey, die daraus gefunden werden sollen. Die Verhältnisse nehmlich sind, nach der itzt gewöhnlichen Bezeichnung, (wenn wir die weissen Ochsen >V, die blauen X, die schcckigtcn ^, und die gelben 2, so wie die ihnen ähnlichen Kühe, mit den ähnlichen kleineren Buchstaben, >v, x, ^, 2, nennen) diese: Zur griechischen Anthologie. 301 XV--z x-i-z x-j-?-^-b x-1-2 x^-v-l-^ ^x-j-21 V -j-^v^-x ^-^-x .v^^-^-^X-^x^^X-j-x x--^5 V-j-^ ^ ? 4- ?^4- ^ ^ ^ ^ 4- ^ ^v-j-X —in v -j- 2 — /I Wie nun hicmit der Scholiast zu Werke gegangen, um das Gesuchte zu finden, verschweigt er gänzlich. Genug er theilt uns das Gefundene mit, und bestimmt >V — 829318360 's >v ^ 576508800 j ^ ^^827360 X —596841120) x--391459680/988300800 ^ — 588644800 1 ^281265600^' ^^ 869910400 2 — 331950960 1 . ^ - ^ 435137040 j - ^ ^ 767088000 Folglich, die Summe allcrOchscn undKühc zusammen 1405827560. Wahrlich, eine ziemliche Hccrdc für Sicilicn. Zwar die Sonne, der sie gehörte, wird Rath gewußt haben. Ich wundere mich weniger über ihre Menge, als darüber, daß der Scholiast, oder wer es sonst gewesen ist, bey den wenigen und beschwerlichen Hülfsmitteln, welche die Alten zu dergleichen Berechnungen hatten, die verlangten Zahlen wirklich finden können. Denn gewiß ist es, daß in dem ganzen Dio- vhantus keine Aufgabe vorkömmt, die dieser an Schwierigkeit gleich sey. Die in den übrigen Epigrammen enthaltenen aber, sind wahre Kinderspiele dagegen. Doch ehe wir uns noch mehr über die Auflösung wundern, die noch itzt auch wohl einem geübten Analysten zu schaffen machen soll: ist es denn auch die wahre Auflösung? Thun die (°) ^l'vtzlwö«? Sö«Xw? /Z, «,v seyn soll, wirklich .5 X -j- x 329433600 ^_ .j. X -j- x ^ 247075200 570508800. Und so passen weiter die angegebnen Werthe für X, V, X, und x, /. vollkommen zn den Verhältnissen, welche diese haben sollen. Aber nun ist noch eines zurück, und ohne Zweifel das Wichtigste; weil es wahrscheinlicher Weise das ist, was die Ausgabe zu ihrer völligen Bestimmung bringt. Nehmlich >V-s-X soll eine Quadratzahl, und eine Trigonalzahl seyn; dem zu Folge sich nicht nur aus 829318560 590841120 ^1426159680, sondern auch aus 588644800-s-331950960 — 920595760, multiplicirt durch 8 und mit 1 vermehrt, das ist, aus 7364766081, die Quadratwurzel müßte ziehen lassen. Doch das eine laßt sich eben so wenig thun, als das andere: und kurz, die ganze Auflösung des Scholiastcn ist also falsch. Umsonst sagt er, mit ausdrücklichen Worten: >>s «^xX/r, ?uw X/SI.'XoT'^lAUIV ?c«t, ^ T^v x^on'oApolov ?«'u!j>UIV o^v- ?^«<5^ (s'«^x^ ^«,^0- T'ptX^v ?cx^ui^' T'Tsi,' cx^e^rz? T'ivv TrotXlXoxpvcvv o'Wü'e- ^ülcr«, «o-x! ^i)/uivni.'. Nach seinen Zahlen ist dieses gewiß nicht: und er muß sie entweder gar nicht probirt haben, in der Meynung, daß, da sie allen den andern Erfordernissen entsprächen, sie auch nothwendig diesem Genüge thun mußten; oder er hat sich auch in der Probe gcirrct, welches gar wohl zu denken stünde, da die Enrahirung der Wurzel in Griechischen Zahlen kein leichtes Geschäft muß gewesen seyn. Zur Griechischen Anthologie. 303 Was nun der Scholiast so unvollkommen geleistet, (unvollkommen aber ist in der Mathematik so gut, als gar nicht) wünschte ich recht sehr, besser, das ist, eigentlich leisten zu können. Doch ich habe mein Unvermögen bereits gestanden; welches mir tun so weniger schwer ankommen dürfen, als es ganz das Ansetzn hat, daß kein geringerer als ein Analyst von Profession erforderlich ist, entweder die wahre Auflösung zu finden, oder zu zeigen, daß eine solche Auflösung nicht möglich ist. Dieses letztere sollte ich indeß kaum vermuthen. Den Alten ist es zwar mehrmalcn begegnet, und hat ihnen wohl bey dem Mangel unserer Analysis begegnen müssen, daß ihre arithmetischen Aufgaben unbestimmt sind, und sich auf mehr als eine Art beantworte» lassen; oder daß sie auch wohl mehr Bestimmungen habe», als zu ihrer Auflösung nöthig ist: daß sich aber auch ganz unmögliche darunter befinden sollten, davon wüßte ich doch kein Exempel. Ich eile zu den übrigen ungcdrucktcn Stücken, die ich in unserm Codicc gefunden habe. Es sind deren drey, und ebenfalls Aufgaben. Nur aber von der allcrschlechtcsten Art; wenn man will. Es sind Räthsel. Ob wenigstens so gute, als sie nach ihrer Art seyn können; urtheile man selbst. Hier sind sie. II. Zxxzr^xo ^l.r?^c>v L,i>.x?o, c>v ^ «cs>«voi?l; cx^/opx >.>lv - L.«!, noA'xci^o'l 6Ä-^ov ^>.ijv oc^xucjx« ^o^xp^i.-. IZ! crocs?^ <^lX,xi, xcxi crol ^«X,cu xirxoio't.i', Olo'tv i^cp "i^x^.i.ovxo'o'tv »Foiiro^xk) ?cx ?cpocrA-xv xirt ^>«-^rj>cx ^«^lt>' ^ i^zco^«^^ ^.xvxo'xpoo^ , otXT'rz ?s x^xt^ij 'O^^^«?« ck' ?rcxpc>^ o^xc/i o^Fs ürcic^x^i; ^L^^xvov, euti^ ^xi^x»^ xoti^/^ xvFov Ltir?<^tt' '^^?occi r?rx^ xopscro'«^xv^ cp«»>^i'«i, 'Ocp^«//^i.o?c>'tv «pi?r^x7rx? x/6c>^ e^o^icr«, ?o^' ?/F>^ /XxpxxT'czli u^i-^l^«?, Lirri^o^^xi6? ^ti.vu!o^i) oFo7c)' '^fp^x^-x?ov <5x ? xov^x, ?roX,'i^^cic>c>v x^xcpcxoci^^. «l? vxiro-; e^xcp««vK"?z - Zi.«!, csiu)v^? /tl^xv »6' ^'v xzrt,66Vi^ x^X,ci?rt t'n> «ir^on. IV. 'Ilv öV x^'t' ^oT'cu xtxxX,c><; «^ix« ^c5e i>ci^,«.«' R,«!, vo'o? L^^xx lx^vopli^i.'' '^.I^llii? Lirxll'' L(5«I^V crocpl^v x«t ?^!«, i>vov, ^i^xX-x«. /Xoc^T'i.'^ov xxTrcx^^ui-; ?rc><5« x«l ?koF« ck-xx^^ov !cr^u>. 'O^i/i^TN ^i^oi ?roi^^ x«t cscxxT'^vo^' «tHx^xl^v Ho^>i," ^^i.7r«v?« ^i^x^ 7rc>^?' «'vT'«;) o ?ro>ü?, ^l.c>l ?coi?^' xxcpcx^^v cpopxiv, Fcxx^X-ui «VT'/A-M'ov. Ich sage: man urtheile selbst. Ich für mein Theil getraue mich nicht zu urtheilen. Denn, leider, ich verstehe sie nicht; ob schon die Worte an und für sich eben keine Schwierigkeit haben. Das erstere scheinet mir eine Schnecke seyn zu sollen: aber was die andern bedeuten können, davon will mir auch nicht einmal eine Möglichkeit beyfallen. Ich halte sie für ungcdruckt, weil sie mir weder in den Anchologieen des Planuvcs und Rephalas, noch beym Athenaus, noch beym GyralSus, noch beym Rittershus s"), noch irgendwo sonst, wo man dergleichen Kostbarkeiten zu suchen Pflegt, zu Gesicht gekommen. Zn den Anthologiecn finden sich überhaupt, so viel ich mich erinnere, keine eigentliche Räthsel; man wollte denn das Epigramm auf die Niobe, und andere ähnliche dahin ziehen. Nur Henr. Ste- phanns hat ihrer fünfe, ex veterc- ooäieo Lplgrümrnatum, sjiiem I^ovanii kadeliat lo. Olemvns ^n^Ius, cloleripta, seiner Ausgabe der Anthologie, unter der Aufschrift ^ir^o-^i/,.«?« ^ccpuiF^, mit beygefügt. Schwerlich aber wohl sind die gegenwärtigen drey von dem nehmlichen unbekannten Verfasser, von welchem sich die fünf Stephanischcn herschreibcn. Denn diese sind in (°) Hinter seiner Ausgabe des Phädrus von 1598, oder hinter des Meursms seiner, von 1610. Zur Griechischen Anthologie. , 395 Hexametern und Pentametern abgefaßt: unsere hingegen in lauter Hexametern. Eubulus, wie Gyralvns aus dem Athcnäus sagt, hatte die Gewohnheit, ut MniAmsta Hoxamotris sei-iuoiot, interprotationvs vero lambieis oxponeret: doch nichts destowcnigcr ist iLnbulns ganz gewiß an den gegenwärtigen unschuldig. Ich wollte hierzu noch ein viertes, als bisher ungcdruckt, fügen, weil es sich wirklich ebenfalls in keinem von den angc- zogncn Büchern findet. Doch da mir die Deutung davon sogleich einleuchtete: so konnte ich nicht anders glauben, als daß ich es gleichwohl schon irgendwo möchte gelesen haben. Endlich erinnerte ich mich auch, daß es das nehmliche sey, welches Hnc- rius ehedem dem jungen Vossius auflösete, der es ebenfalls in einer Handschrift gefunden hatte. ^o?rxt,« )/^v>^ sc^L^voi^ 'Ois^crrso^ "L<^ itocrtv ?^>^«?c^^o^ x^xcsioccx'vA'^. I^a huettion etoit clo t°avo!r cv «pio e'est «juo cotto ponvlopo, «un msrclio avee six piecls, et hui n a «juv trois rlmFts. lün.i- cun clvmeura clans le sileneo, elivreliant clans sa töte la tolut'ion clu prodlemv, lans trouver, sjuoi^uelle temdlv le protontor lVvllomemv, et tauter aux ^oux. II faut prenclre lo Premier vers plus materiolleinent nu'on ne le prencl, et eommv na^ant aucune relstion ü. Is, poikonnv cle I'anoionne Iieroine ponolopo, mais lignikant limploment ce vers kexamvtro maieliant -V llx piocls, commo tous les autres vors Iiexametres; et rlnns lo nomvre äo oos üx pivcls, svant trois llaetvlos. Wie gesagt, eben dieses Epigramm findet sich auch in unserm Mannscriptc: nur daß der erste Vers ganz anders lautet. Nehmlich: R.o^>^ 'ixocpiiZto TcxAicp^wv H>^v^o?rxt«. Lcssings Werke ix. ' 2V 306 Zur Geschichte und Litteratur. Zweyter Beytrag. Inzwischen ändert dieses in dem Räthsel selbst nichts. Denn auch hier hat Pcnclope sechs Füsse, und drey Finger. » s s Dieser Aufsatz, so weit der vorhergehende Bogen ihn faßt, war bereits abgedruckt, als zwey hiesige Gelehrte, die Herren Hensingcr und leiste, nicht vergebens einen Blick daruuf warfen. Herr -Hcnslnger, zu dessen längst bekannten Einsichten in dem ganzen Felde der alten Litteratur und Kritik ich öfterer meine Zuflucht nehme, und selten umsonst genommen habe, glaubte zu bemerken, daß Num. IV. wohl ein doppeltes Epigramm seyn dürfte, indem die vier letztem Zeilen eines Aufschlusses fähig wären, der auf die crstcrn viere nicht passe. Er entdeckte nehmlich in jenen ein ähnliches grammatisches Spiclwerk, als sich in dem kleinen Epigramm auf die Penelope findet; dem zu Folge die Worte nicht nach ihrer Bedeutung, sondern nach ihrem metrischen Werthe müssen genommen werden. Der Vers ist cS also selbst, der von sich sagt: ^«x^X,ov xx^«^^? !,o-xk>: Denn das Wort 6«x?^->l; ist nicht allein der Name eines metrischen Fusses, sondern füllet diesen Fuß auch selbst. ?ro<5« FocxT-^Xm- tv-xl"! Die Worte scocl üroF« geben einen Daktylus. 'o^^«7'oc ^lot N50^<; X«!, c5.x^ einen Amocbäus machen. ^5«c> o ?ro^?, 01? ^o-, ^01?^: eben, weil die Prosodic keine cinsylbichtc Füsse erkennet. xxcpocX/Hv cpopxu), ckolXT'i^cti «VT'tA-xi'ov. Das Wort xscp«^ giebct einen verkehrten Daktylus; einen Anapäst. — Herr leiste, eben der würdige Schulmann, der sich nur noch neulich, durch eine vortreffliche Angabe einer vollkommncrn Luftpumpe, so vielen Beyfall erworben, hatte sich indeß bey dem arithmetischen Problem verweilet, und war meiner Meynung, daß es wenigstens in der Geschichte der Arithmetik aller Aufmerksamkeit werth sey; wenn es anders keine unmögliche Foderung enthalte, welches sich sogleich nicht übersehen lasse. Auf mein Ersuchen, mir seine nähern Gedanken darüber mitzu- Zur Griechischen Anthologie. 307 theilen, hatte er einige Tage darauf die Güte, mir eine Art von Berechnung zuzustellen, welche, wenn sie schon die gesuchten Zahlen nicht selbst liefert, doch derselben Möglichkeit zu Tage legt, und den Weg zeigt, auf welchem sie gefunden werden können und müssen. Was sonst daraus zu folgern seyn dürfte; ich meyne, -ob man sonach den Alten weit mehr Vortheile und Methoden in der Arithmetik zutrauen müsse, als man bisher geglaubt; oder ob es vielmehr wahrscheinlich, daß der Aufgeber selbst nicht gewußt, was er aufgicbt, besonders, da er so ungeheure Zahlen in Rinder ausdrücken wollen, und eine Hccrde auf Sicilien weiden lassen, wofür die Erde zu klein ist: das alles mögen kundige Leser beurtheilen, denen ich gedachte Berechnung selbst hiermit vorzulegen, die Erlaubniß habe. Zur Auflösung des Problems, Seite 290. von Herrn Lhr. leiste- „Die Buchstaben ^V, X, V, ? und >v, x, 5, 7. haben die Bedeutung, welche ihnen auf der 30M» Seite gegeben ist, und n^x-^-zx^-?^ -zx^-? V-^ V-I- V — -z >v -j- 2 — ^ 4 -j- ? ferner n (X -i- x) (X x)^ (X -j- x) x ^ >) -^5 (V -i^) >) V ^5 (2 -^-2) -i-^ (2 ^ ^ (2 4- 5) 2 ^ 5 -j- >v) -j- l> -j- >v) ^ ^ 5 >v) Man sucht aus diesen Gleichungen die Werthe für >V, X> V, ? und x, v, in ganzen Fahlen so zu bestimmen, daß >V -j- X eine viereckigre und ^ -j- 2 eine dreyeckigte Zahl ist. I. Da für die vier grossen Zahlen nur drey Gleichungen gegeben sind: so kann nur das Verhältniß derselben gegen einander bestimmt werden. Dieß aber findet man leicht, wenn man Sie unbekannten Zahlen in den Gliedern, wo sie als Brüche vorkommen, Sie entweder zu einer andern ganzen Zahl addirt, oder für sich eine ganze Zahl geben sollen, so zerlegt, daß ihr Nenner ein Factor derselben wird. Nach dieser Regel ist 4. Das Verhältniß der Ochsen vv > x -j- 2. Man zerlege die unbekannte Zahl X, 2a» Z08 Zur Geschichte »nd Litteratur. Zweyter Beytrag. welche hier als ein Bruch vorkommt, welcher zu der ganzen Zahl 2 addirt die ganze Zahl >V geben soll, in 2 Factors, davon der eine — 6 ist. Also man setze X — 6 6) so ist — 6 ci -j- 2! X ^ ^ ^-^(X-^)^H-°c,-^^^ i /SS I 20> „ _" ^ ^ ^) ^ _. ? - 2^ ^ ^ W- ^ Man setze cl — 89 k; so ist 2 — 297 k (6.89 - 297) k---^r^^k k — 3 m und V — 20 . 79 m — 1580 m 2 — 3.11.27 m — 891 m VV— 5.89.3 m 3.11.27 m2226 m X— 6.89.3 m — 1602 m N-l-X—(6-^-6) 89.3m-j-3.11.27m —(89-s-27)11.3m — 4.29.11.3 m — 3828 m 2. Das Verhältniß der Kühe: 7 v I i 7.1K02 ^^'267 .,, > » V ^- X -j- ^ X — —- m -5- ^ X — — m -j- -'l j 2 X also m — 2 und x — 12 « >v 7.267 p -j- 7 « x^12 «^ ^«^-l-^ v^9.158? 4 3.158 ^ —^ « — 20.158 p Man setze « ^ 3 fi; so ist ^ — 20.4 — 20.158 p ferner ist^z-z^^^^p-^^^^P^. wenn also p — 5 und ? — 30?/; so ist? —11.297.z so „ > IWS7 11^1 55B»MLAAMÄ^II Zur Griechische» Anthologie. 309 13,222V,10 > I3,7.2ö7.S 21^ ^ -j- oder 30 ^! ^ ^ ^ .^30^^>V^^>v^^^^!^^^ 2,7,- ? Es sey also c, — 2 r und jZ — 2 ^. i,^ _ IS0S.13 , 13 » 301,13 so ,st — -^-1- - F — vorher war ^ 80.2 I90L7.2 80.2 r 1S0S7.2 ^ ^--1^ ' 301.13 . I I» r 10 ^ 30 4067 -5 ^ 1359236 r r I3ZS23Z o -r v, x, V, ? mit 93140 u — m multivlicirt: so bekommt mau ^ 2226.93140 u ^ 207329640 u X ^ 1602.93140 u ^ 149210280 u V ^ 1680.93140 u ^ 147161200 u 2 ^- 891.93140 » ^ 82987740 u Hier kann u unter den ganzen Zahlen alle mögliche positive Werthe, unter den Brüchen aber nur diejenigen bekommen, welche gemeinschaftliche Theiler der acht gefundenen Zahlen sind. Also u ^; oder, weil 20 — 2.10 — 4.6; so kann anstatt u auch ^5 gesetzt werden, wenn da- 310 Zur Geschichte und Litteratur, Zweyter Beytrag, durch anders den beyden übrigen Forderungen in dieser Auf- gabc ein Genüge geschehen könnte. In allen Fallen aber kann man u —^ v setzen, und die Werthe sind: N ^ 19366482 v X ^- 746964t v -j- X — 17826996 v ^ 4.!>57.4657 v 7358969v ^ ^ 4149387v V -j- ? ^ 11597447 v >v ^ 7296399 v x --^ 4893246 v V-^ 35l5829 v x ^ 5439231 v Setzt man u — 4: so bekommt man die Zahlen, welche der Scholiast angegeben hat, und >v ^ 297329649.4 829318560) >v ^ 144127209.4 ^ 576598899 s X 149219289.4 596841129^ X ^ 97864929.4 ^ 391459689s V ^ 147161299.4 ^ 588644899 i V ^ 79316499.4 ^ 281265699 / / ^ 82987749.4 3319599691 2 ^ 198784269.4 4351379^9 s tc Hecrde II. Weil >V X eine viereckigte Zahl seyn soll: so muß die Summe der Zahlen von und X sich in solche Factorcs zerlegen lassen, die sämtlich Quadrat-Zahlen sind. Finden sich unter diesen einige, womit alle acht Werthe dividirt werden können: so schaffet man diese durch die würkliche Division weg, weil die Zahlen doch noch ungemein groß bleiben werden. Aus diesem Grunde können die Zahlen des Scholiastcn mit 16, und die hier zuerst aus den Gleichungen gefundenen mit 4 dividirt werden. Finden sich aber unter den Factorcn einige, daraus die Quadrat-Wurzel in ganzen Zahlen nicht angegeben werden kann: so ver suche man ebenfalls, ob alle achtWerthe dadurch Zur Vricchischcn Anthologie, 311 thcilbar sind. Ist dieß: so hebt man auch diese durch die würk- lichc Division auf. So sind alle acht Werthe noch durch 6 «heilbar, und eben deßhalb konnte u — v gesetzt werden. Hicdurch bekommt man nun >V-s-X — 4.957.4657 v, darunter 967 und 4057 noch keine Quadrat-Zahlen sind. Sollen sie es werden: so muß man v ^ 967.4657 4456749 setzen, womit alle acht Werthe zu multiplicircn sind. Also geben des Scholiastcn Zahlen vv -j- X keine vicrcckigtc Zahl, und seine Auflösung ist in Ansehung dieser Forderung falsch. Der geringste Werth von >V -s- X, für n — 1, ist — 17826996.4456719 79456446596074, davon die Wurzel ^ 2.957.4657^ 8913498 ist. So viel Ochsen also ständen in jeder Reihe des Vierecks, darinn sie gcstcllct werden sollen. Hat nun der Dichter die Ochsen der Sonne sich so groß gedacht, als die Ochsen der Erde: so hat er, wenn sie auch dicht hinter einander gestellt werden sollten, der Länge nach nicht mehr als zwey auf die Länge einer Rcinlandischcn Ruthe rechnen dürfen. 1969 solcher Ruthen gehen auf eine geographische Meile. Also hat er einen Platz für sie gedenken müssen, der wenigstens 4456749 Rhcinländischc Ruthen, oder 2262 geographische Meilen lang, und, weil die Ochsen nach der Figur eines Wierecks gestellt werden sollen, eben so breit ist. So groß aber wird er sich doch wohl Sicilien nicht gedacht haben ? Doch man nehme diese Geschöpfe der Sonne so groß oder so klein an, als mau will; soll >V -s- X eine vicrcckigtc Zahl scyn: so ist dic Zahl aller Hccrdcn, für u — 1, nicht geringer als 50389082.4456749 — 224571490814418; und sollen diese auf unserer Erde stehen, deren Oberfläche nicht 3090000 geographische Quadrat-Meilen eigentlich festes Land enthält: so kamen, wenn wir auch diese Zahl annähmen, dennoch über 72644495 Stück auf jede Quadrat-Meile, und an 19 Stück auf jcdc Quadrat Ruthe. 111. Man kann aber u nicht —.1 setzen, wenn V -s- 2 eine dreycckigtc Zahl scyn soll. Denn fände dieß statt: so wäre V -s- 2 — 11507447.4456749 — 51285802909803 —. t? -I- t —m—, wo t dic Seitcn-Zahl dcs Dreyecks ausdruckt. 312 Zur Geschichte und Litteratur, Zweyter Beytrag. Also 2 (V -^2) -j- ^ (8 (V -s- /) 1) ^ 4102 86 423278425 ^ ^ -j- ^ ; also ^ 4102 80423278425 — 2t-/-1; folglich die Zahl unter dem Wurzel-Zeichen ein vollkommenes Quadrat. Aber diß ist es nicht. Also darf n wegen der letzten Forderung nicht — 1 seyn; sondern dieser Werth muß erst gesucht werden. Man nenne zu dem Ende 410286423278424 — 8.51285802009803 um der Kürze willen a: so ist -j- 1) — 2 t -j- 1 — m. Also muß für n- eine solche Zahl gesucht werden, wodurch der Ausdruck (ai^ -j-1) rational, oder -j- 1 ein vollkommenes Quadrat in ganzen Zahlen wird. Man sieht leicht, daß der Factor, womit a multiplicirct werden soll, wegen >V -j- X ein Gnadrar seyn müsse, lind zwar ein solches Quadrat, wodurch (m^ -t. ^) cine ungraSe ganze ?ahl ^ 2 t -s- 1 wird. Denn wäre (»»' -j- 1) eine grade Zahl: so würde t keine ganze Zahl seyn können, welches der Forderung entgegen ist. Ohnstrcitig sind dieß zwey schwere Bedingungen, die die weitlauftigste Rechnung erfordern; indeß sind sie doch möglich. Denn da a weder negativ, noch für sich ein Quadrat ist: so ist es möglich, nach pells Regel, die Herr LLuler im 7tm Capitel des 2tt» Abschnitts im 2ten Theil seiner vollständigen Anleitung zur Algebra ausführlich erklärt, den Ausdruck au^ 1 zu einem Quadrat in ganzen Zahl — zu machen. Hier ist es nun zwar noch möglich, ob gleich nicht wahrscheinlich, daß man für m eine grade Zahl finden könne. Allein in diesem Fall setzt man den Ausdruck — ux^ -t- 1 — und sucht aus den gefundenen Werthen m und n nach dem vorigen 6tc» Capitel 86 und 88, mit Zuziehung der Gleichung alr-j- 1 — (wo k zuerst — o gesetzt wird) alle mögliche Werthe für x und ^, worunter gewiß einer seyn wird, der ^ — m in einer ungrade» Zahl angicbt. Der kleinste darunter ist der verlangte, den man — 2 t -t- 1 ---- m setzt; woraus sich t "I ^ so gleich crgicbt. 313 XIV. Erasmus Stella und dessen nun erst ans Licht tretende (üommentari! vü «LIZ. I>oi>. on^L mrüii ^»»1 s^r.^»!. Der Vorsatz, mich von allen Werken und Schriften zu unterrichten, um welche unsere Bibliothek besondere Verdienste hat, führte mir auch Andr. Alchammers Leben in die Hände, welches 1740 der damalige Conrector zu Wolfcnbüttcl und itzigc Rcctor in Schöningcn, Herr M. DallensteSt, herausgegeben ("). Denn der Verfasser hat demselben einige nicht unwichtige Dinge beygefügt, die er aus Papieren unserer Bibliothek genommen zu haben bekennet; besonders XXX Briefe von verschicdnen gleichzeitigen Gelehrten an Althammern. Unter diesen Briefen nun fand ich den einen, von Erasmus Stella, besonders merkwürdig, weil er Nachrichten enthalt, die Rrevsing, als er das Leben dieses mehr berüchtigten als berühmten Geschichtschreibers abfaßte,^) sehr wohl hätte brauchen können. Man lernt daraus nicht allein des Stell« ^nliyultaws Loiulkcas näher kennen: sondern sieht auch, wie es gekommen, daß er sein Werk von den Meißnischen Alterthümern nicht drucken lassen, von welchem er doch so viel Wunders sagt. Man höre nur: IZgo noltris coolulore cupiens, iiom^uv tum p^tnN tum provilielalibus Aratiücarv vollZlis, oi'N mtia 8alam A ^Ibim, (yuoe knäio sdutii, eeu plera<^uo »lia, klisiila voeatur) Änti«iuitstos nl> orizino multo meo tuüorv incla- Aktvi, primusc^uo not°tratil>us parentes, avos prosvosczuo pro viril! vKencli^ vivikus vrliium eonclitorvs inclieav!, IvFum latoros!i> meclium procluxi, proeeridus sroium turriturum auetoros attuli, et alia icl gvnus inult», lZsuN Iiactonus z 8u«viW I.i»uililnis Lpistolil. II. Io> Iloriilnirg >w Nlu Vun>WIIi»g!e. III> Lpilloliv XXX. äUUsmme- mm. vmiua cui» uc MMo /o. ^- n. La^e/i/^» S. 500. 314 Zur Geschichte und Litteratur, Zweyter Beytrag. Werk auch nach seinem Tode nicht an das Licht gekommen? ja, daß es nunmehr vielleicht so gut als gänzlich verloren ist? Denn Rrc>-sing selbst wußte weiter nichts davon zu sagen, als: „Pctcr Albinus hat es mit seinen Anmerkungen heraus geben „wollen, so aber nicht geschehen. Ein Stück davon, auf 1^ „Bogen, soll nach dem Zeugnisse Casp. Sagittarii auf der „Zwickaucr Bibliothek liegen." Mit Gedanken über diesen Verlust, und ich weiß nicht in welcher glücklichen Ahndung, suchte ich die Papiere selbst auf, welche Herr Dallenstedr gebraucht hat. Und was mcynet man, daß ich bey dem ersten Aufschlage darunter erblickte ? Eben dieses, für so gut als verloren geschätzte, Werk des Stell«. Ich lege es hiermit so fort meinen Lesern vor, und lasse das Mehrere, was ich davon zu sagen habe, hinlcnnach folgen. 015 ä<ü P0PVI.I8 OK^L M^kk Ll' «LiikläNläiZ ri,ii»li«^ LK^8NI I.IL^N01'lI^NI « o IUIU k 5! r ^ II I l. v IS u I v r Id. Illuktrikllmo piiueiui .10 Domino, vom 1^0 I? 151) 15 li I e o, IlowiMl lmneiii I1^,erli!p>i!irclio, LlectlN'i, 8!>jlu,ii!o 1)u(-i, I^lÄleliixlii Uilsiiia: ^c. RN^smvs i>ii!^?«oru. s. ?. I?Iatc>, illv Oeus plülot'ciiiliorllw, 5i>cer>Zotvm ^eNjitiui» 8ul>i»i «liville I'cril)it: O 8olon, 8ololl, vos Lrlccl sewsier ^>ul!ii eüi8, »ee ijiiis^u-uu e Lr«:e!a teiivx. Our istuil meervt, 8uloi>e ^l'ouiitimte, si><: ^^iteaium rerum ootiti», null« vvtult»ti8 eoioillvmorstio, vt <^ui »e« tlunt-ixat ouper gestss^ ae receoter monumevlls tr^ilitüs, cel«-l)r«!ti8; <^uc> iit, ut voliis leunie^ iuvenis lit »uimus, et null« reruiu imteaet-u'uiu cognitloue iiuliu- tus, rud«!-- et iguari privteritorum lltis. Il-iue 1'lutoois, livv ^Vl'N>,tü vrasmuS Slclla. 315 sen!8, Illustrisliine?r!nce>,s, 1'enteiitiiiin iiisl-ir or.ieuli Ii->Iieii>i.i>» I'ein^ier exi- ltiinsvi miixiiue, riuuil null» reruin ignorunt!» t-uu luz-ientl» lit, ^uüi» >>eculi.iiiui»^ <^u.im ^ii>lr!») ^srentumriue ortv8 nekeire. l^uiir enii» !AN>Ienu!i- «lius, t^uam le ijiluiu, inuiorescjuv Iuo8, et re8 jüitr!»! egregie ciillere? >>r!5e.i veluti jirwlenti.i cernere? Iireviter roi. ^<.ki>atzoicrl ««xo^r «. zi«Ao>-rk r-r'ux^a-. nnn iAiiorsro/' l'roiluie, li itl luceräos ille ^eAvritius ,ie Kr««!« proloizu! .lUlielist, >jui czu.imvis reruw lusruin miworciis sli ulju.irum inun6ntic>ne, et I)eueuliun!8 cliluvio rvpetere noverantz lju! ei- vit.ituin kuarum iaot.i tuo
  • lnenta »o iiopulorum llueuini^ue egrezis taetii »I e^>ul»s «ieorum decsntureutur; ,jui Iiil'toriiirum tusrum lerieni lonAiI'liiue clecluctiim, »on solum Iiteii8 et ^ovni»tiliU8, leä etiaiu picturis vxrirellerunt, Ü8 tamen t.im wulli8 nan si«ti8leeeri>nt keoi, czuin inlo8 ruäe8 oe pene inkaute8 ceoleret, nempe ^uoä minv8, «^llsm nsr ellet, vetutt»Ie8 r/stria: tenerent, iiuicl put»8, IIIu- llrisliine ?r!neer>8, liie k.ieer6o8 »6 nostrate8 6ioeret? c^ui re8 ^entiles von i»c»6n non a Oeucaleone et ?vrrlis rer>etere, verum ne al» Ü8 ijuiäem, czua: llurn! nata su»t, äeäucere norunt, c^uin etiam et genu8 et pstr!»m koire vec^ueunt? <)uotnsn,u!8>me oenine erlt, «zu! a 'Ilniiscone, l'Iieutonieorurn oninium jisrente, ->ut »li eius tilio Ugnno, :mt inlius nenote Herwione orizinei» Aenti8 lu«, »ut veterum reli^ionein et stuäi» mon5tr-ire noverit? et, izuoä w->Ai8 pnäet, li ciwntur vel (ü.ilii- eo»e8 vel Vaoil)gnti vel t^supta: et i6 zeinl8 -»lins vetust»8 8, «zuotll8 el't c^ui lisse !>Anoke»t? >>ui Ii»s nllncuvstione8 aä le nee peitinere ->rl>itr»liitur. verum jiot!»8 »ä illa ip5i> vomio», eeu vltin Inllni» et (ilsngem vopulo8 inäleziitl», vxstusiescet? 8! 6sni^ue (ut recentloi:» sttinA-im) vel Horaliorum^ vel ^Zneorum, vel I^ilisnotnsnorum Ie6e8 intrs 8sl»m ^Vlliiin kuille, »li- cjuis 6iIlAev8 rerum monstrsbit inilagstor, newo ex IÜ8, ljui et doeti vicleri volunt, s ri^u sc exliliilütiooe temoersliit. Huiä Iiorum omnium esukii llt, äicsm; kola nemne et vnica vetuststi8 rerum ^atriiv nezliAentia. 8eä Iiss nuncupatiooes t!»nr>ue ol>solet!>8 niilla8 tlle!smu8> <)uotu8 erit iotvr tot milis, «zui riarsntuin .ie msinium luorum ltemnint«, et !>!> In8 rilivelare eäita kacinor», »iierre «zuest, uoiZe tonien libi vvÜ8 ao ic praitereo, ijuoä ^.illcisli^ euriv kuit, tot urliium, o^piclorum, .ic »reium isct.i sulläameut»; «juos conäitores vel Ivzuml.itores lislzue" 316 Zur Geschichte uud Litteratur. Zweyter Beytrag. rint, >juilin8 instilutis crvverint, cn,il>u8 äeiouiu ltu^i!« »ucts illuktrstssjue lint, periznirere. Lt, ti !>»:<: omnis, veluti pronlisns, inutilis et sä I'e minu8 pertinentis renuäient, ssltvin inäicent veliw, Quorum ernäitione tsnäew sä melioris vitro lruZvni, Iioe elt, Onristi cultum (ljllN vera et unics pista8 eü) perclncti, insoizne Isvacro Izsnti8msti8 reust! lint; e^uo- rum kuäoribu8 kpina: et tribuli ex vines Dowivi excit°» lint; et cui ke- men evsngelic«! äaetrina: seceptam lersnt. <^llaz iAoorsrv et civcitstem ?Iiinei msiorem »rzuit, et inzrstituliini8 notsm msximsm inurit. <^uoä li mszns inzrstituäo censenäs tit, Iic»8 cnntemtui Iisoere, v^ui noli!8 Iiss leu!e8 nrsznarsrunt, c>ui prims sunäswenta omni pokteritsti iecerunt, «zui kucceilenlilill8 nobis äomicilis, onniäs, urlie8 üstuerunt, ^ imnuäentisliw.1 erit mzrstituäo, eo8 neAlizere, et ceu i»noto8 äespicere, r^ui nos s mslorum 6a:mnllum culta sävcri clei cngnitionem, s psAsnismo sä Lnristianilinuw, -l tsrtsrei8 vincvli8 sä ecclelia? neräuxerunt LIvlium. O coecitstew plus quam lslnesm! o iznorsotisra omnium erslMlimsm! o äeliäism omniou8 Iioni8 inzenÜ8 execrsnäsm! »juiv nsctenu8 omnem Iisnv orsm, all ^Vllii sä 8s- Ism U8k^ue Istisliroe pstentero, tenedri8, vt sinnt, <üimmerÜ8 obrui pslls ekt. O inselicits8 pstriss («jusmczusm in ceteri8 Iiests) tznse inter tot eruclito8, rs8 sl>izen- üs8, wults ex eruditorum, tum veteru>n, tuin reecntiornm penu, seere- tior» Iinuä incliAns keitn, et iä non slisijue periculo, <^uoll s protrits et vulzsri opinione !ongiu8 liiilentiiiiu8< Husm od rem vnumIiäi es, ^u-e noltro KIsrte con'juilits sunt, »e Inlsri fronte potms sccinisut, i^uam moräsei lleote stterere velint. t^uoä li c^ui Erasmus Stella. 317 enint, k^ui liss vewkt.ites, nostrls coni'ectnns llteumc^rie erntss, ke mellus nasse »utument, me eis necju^lznnm ol)l!stsre scisot, leä in eornm sen- tentisnn (moöo melior» clicant, et e.i, rm-e s 8, invuIZuri iligiium ilux!; cum, «jllvä tui nomiriis s^>Iel»lore iII-,8 ir>s->8 illustrlores suturss suziiior, tum, tri,iin tiism exeoluerls, orn-iris se illustraris. itsizue, princeps illustritsiine, li me.i Ii^e slulli-i beni- gn!us savere, eleiueiüins tueri, et, Zum leriatus kueris, legere non tleöi- gnnlieris^, c!,Ic.ir milii .16 m«iora, tai nominis csut-l conaturo, ollliitieliis^ loterea vslo, IIIustriMme prlnceris, unicum nntri-e äecus et prieliäillm. Lx L^Zoes, urbe ws. coiMIüVI'.^MVS ?kl»IV8. ?oitio Lermani«, <^UN inti'a ^.Idim et 8alani latMme palet, all ^ustro ^ullolis taltit»u8, «rui Iioäle Loernieale8 äicnntur, oliäueia, a Koreali partv 8axonnin iinil)n8 nroeelnsa, pri8ci8 temvoriu»8 inult!8 novnlis inliavitata ad autoriliu8 leriditur: r^ul, co«>xi.?c> r^ciro, s?ii-ti!0«x et vioi.Wi.vxo attetlantilius, //e-'/anae, t?aiucc»,ie^ Da,ic/u/t, t?crmaniit, ^/vKe//an!, t?o/tü«i, ^?«t/o/es, ^nit«t, ^i/»e, Kuai'c^oneL^ ^«t//o«es, ^tvioiie«, Keu<Ä»it nnneu- »ati snere. et Iivee loea, per paZos et vicos latitlime älikuli, iueoln- orunt, aliorlKraescrue ittius loei optimo jure eeulentui', tiilll, k^uvll iiulll priore8 illie tedes llaliuille comperiiintiir, tuiu, cruo>1 non all- un6e aclvenlitii, verum all Ilermiorie, ?Iruil'eolli8 ex lilio klanno nv- pote, (eui perntioi-a loea Kermariioe paterua lliltiiliutione vlitiAeraiit) lletcvii6illent, euiu8 nati et natornrn natr vnlli^uacrue loea vaeua, huanlumeunslue aspvia et inculta, invakerunt. ()ni ex lüs piimi Iiaue oram oeeuparunt, llelmionem teeuti keruntui', s s^uo in uvi- veilum Ilelmiones, pottliae Ilelmantiei clieti, iplan^ue vra Ilelmo- nia ljuanlumllliet all ei8 culta. 1ä pilmiun et votuktiklimum istius oroe noinen kuille, lagax iiulaFalor ex t?orli. ?aeili iratli- 318 Zur Geschichte und Litteratur. Zweyter Pcytrcig. tinne denreiiendet. 8uperkunt vlcme nodie laea, vettiAia iltiu« adpellatian!» proc se kerenti.i; verum lul>lcsmenti vetate, pokteri^ propemodum anelis, vtiam 1edc8 prokorre liliuit. prout aulem vet kamilia, vel eorona Iiominum earum, tocum Iiauitare eoperat; Mi ipli adplaudendo, a cavitibus ineolarum, nova nomina rc- Zioni indiderunt. Ilinc illa varieta8 nuncunationum lueerevit, nrilcac^uo ac Aenuina Nomenklatura antirmata ekt. Do Iiis au- lern nonulis veeuliare cmod prockari pollnn, Iiaveo niliil, nili, ticut Coi'nellns de (üonstantino ae ^'Iieodolio militaverunt; poktliae ^rea- dio auxilio contra magnitu- üinein eoeleltium. Verum lueos ae neinora eoinpararunt, et 6eo- rmn nonn'niuus avnellarunt, leerelum illinl puiantes, c^uocl l'ola revvrentia ceruerent. ?oKera vero vevo Iioe nonulornni nuueu- pationes evllavvre, et in 8oraoorum trausiernnt aänellalionein, Quorum tarnen pais lete Dalmaticos, nars I^ilianicos nuncunavit, vel a nrineioivus ineolaruin, vel a loei ratione, vel c^uavis i>I!a oeealione all Iiane noininum inuovationein allcluel!. enim «lo Kornlioi'um nomine el oriAlno nenlio^uain nnu» lerino, aliis enim euin genle aävenliliurn vituin ett, ntvote a (üiniliris, vel a Van- llalis exoituin. Liant autein Vanäali, ut Vilnius autor ett, po- nuli Lei'inanioe, Quorum vars acl ?anaim us^uv ilillutas seües Ilaliuill'L teiilntni'; lias. melioris fol! giatia naneiseenä!, inlos eKiellos, et in Illvrlvinn in'imum «lelatos, nlii -nl temnus eonle- «leranl. Ileium inlle miAranlet!, Kerinanimn irrunere, cniam lange t.itoc^ue llenonularunl; lanclem, 8oral^o llnce, tecles in liao or.i lilii usuroarunt, a s>no 8oral)os «lielos volunl. ()u! tame» ex 320 Zur Geschichte und Litteratur. Zweyter Beytrag. lüs regionem acl ^Iliim tenuerunt, I)almatiec>8 nuncupatos (ni ineiulum tul)lil !>vr>nlii)u8) comperio, alii I^ibauieos, al> iplorum proekeeto, vel c^uock tvrrain I^iliantieorum oeeuparunt. <)ni vero acl Limliros 8oial»ormn oriKiiiem rekorunt, (nairi, c^ui tupererant, mnAuam orliis partem pervagati narrantur,) tau6em alihuamcliu all Lo5vliorum, c^ui all iplis (ümmeriu8, c^uali Liml»rieu8, 8lral>o ait, ll!etu8 ett, coo5eäerullt. Dnile iterum cxrelli Lerma- niam, arltiquam patriam, repetente8, et lote non a, eornm cluee, voeitaliaut. ^lAumentuin iltiu8 allerunt urlieiir <üimliricam, c^uve koclie (üiliica vulgo ailpellatur, c^uam all ipli8 eonclitallr eominemorant. »lea aiitem clo 8oral)i8 tenleniia ett, neo Zentem, oeo iioinen lran8lalit!uin olle, leil a priloo 8uarclorum, euiu8 ?aeitu8 meminit, in liane iiomenclatu- rain, pav.ci8 oommutaiis literis, eoneellille. ^t etto, populum aäveuam all iiicolis in partem l'oli, hualicuncille conllitiono aä- milkum (ceu icl pluiima reruin monumenta tettantur,) malmt ta- irilZll 18 ip5e populu8 vetv8 mutare nomeri, c^uaiu novum inkerie, ut eiu8 proetextu, incliAellariiM Llii kavorem eoneiliaret: Allein- ailwolliirll gen8 convena Loemivi l'oli, ssuoe linAua vernaoula Aer>8 Xetelllül äieta ost, vet»8 Lermanieum nomerl reiiliet. IVam a ?tolem«:o Loemi (Zermamve populi inclieanlur, priu8l^uam 8elav!^ (ex Quorum ttirpe ev8 elle, c^ui Iroclie Loliemi iiuneupautur, nemo iiilleia8 it,) intraveravt. Nauvt enlm loepenuinero regiovis nomoii, mocla eultorilin8 eliain mutal!8. 8ell ssuo ile 8oral>o- rum nwrillii8, live aclvontioü, live iniligele8 5ueriiit, attiiiAamu8, kuit xeu8 lioeo belllLolitliina, 5ecl im^ia, iclolalri«: cultrix su^iei-- ktiliotaczue. De yua in ar>nalil>u8 l'eriplum ec»mperimu8, ij>l!>m lzuotanni8 laeum, per «luollecim inilia palkuum al) ^llii cli5tan- lern, srec^uentare tolitam, 8 eollluela8 maetanclo olleiencloc^ue, et a laeu, smali all oraeulo, kutuii annl eommoila perclikeenclo. ^ani, ll >innu8 serlili8 kutiiius erst, glanile, iioilleo ae omni trumeati genere exumla- liat; lln della kutura, eruore ruliei» manabat; ü vero peltilen- tlam ingruituram cerlui» ciat, einerv eonl'pei^u8 I.ieu8 eonspieie- tiatur. Ilio geuti8 mo8, mire tuperl'tiliokll8, tam «liii lluravil, äonee per («larein Ilenrieam, <^ui veroe pietgti8 eullum Imio terroe invexit, exploclerelur. De Ins eliam populi8 in IMorÜ8 e-rasums Stclla. 321 Lianemum in liane lententiam leAitui', i leniivnies, acl k^uielem leäiere, soeiluscjue euni Liancis innovaveiunt, e»m 8axonil>us aulem ex leeenti peniKere. Vernm no5tl>ae, ieninai'ilius llleolloues iliatis, cpioklnm venere; tpn t'aiolns csuatnnr ni-ofeetos ex «nienlali I'ianeia eum auxiiiarilius coniis inilit. t^ni ilum intomne- >an!ei' uiinis vei'lati, i es 801 auoi uin loeilius, kpiam Iiolte«, nioclentes <1etiivnanles^ue, al> eis acl unum omnes neeati tunt. Ia»cl lon^e nokt aggrellns ell, imneiüo liomano, et natri t-avolo ml»iee!> ; «cssiiigS W«> ke >x. 21 322 Zur Geschichte und Litteratur. Zweyter Beytrag. I^eenono, eoruiu ünee, oeeito. ?onuit alic^uam cliu ttativa in erntem rexiono (üarolus, teäom^uo eo loco, c^ui Iwitie LelAoia llioitur, nokuil, »In et uiiiom inu^Iitliniam oroxil, eni nomon Iwo, ljnoct Lallienm mngis, c^nani Leimanieuni lonat, inäiltit, ut !><1- vortus omno8 motv8, «^ui in Laxonia, Ion Lollomia, a Loinlils excitarenlui, naratior etlot. nvimum Iiveo oi-a in nrovin- ciain ivclaela kuitlo a innliis oxikiimatuiaic^ue euni novis oolo- nis i^ova nomina aeeovilke, ut nortic», c^uoe veteiani8, (i- «^uitus Laluoono8 vel LauciIIone8, l^uatl a Laueis illue mikti, k^ui sti omnom teie ^Iviui colonias deäuxoinnt, Danlluli, Lolllui, Nagellani, IoII»io a<1 l^liliin ulVsue imnoiante, «^uve a <üveno, Iloi'culi8 oo- mite, vel, ut alü, ülio, oiiAinom tiaxorat, Laiolol^ue iunioi-i Iiuncl paiuni »llinmenti in ei!ektitit, (ü^gnoa voeala eK. ^)uüo «leiuum par8 IoAiouaiii8 atti-iliuta, I^ibauotiia äiela ett, vel a votukta gonto I^iiionica, all LIiei'u1ei8 oita, «1o ci>ia sn- nvi'iu8, vet a prineino rexionum, ulc^uo a«t Ilenrici <)uinti tom- j>oia, ut annales Iiauont, peiinanlit. I5iu8 reg!oni8 I^inlis c!>j>nt ett, huse in linu nemoii8 sui iita eonclitoioni iukc» uoniino loko- ivu8, I^il^anosg^v natiio ncnuine llicts, Ia vt kloltiio vlanelitur, k'liti^no et ülittro nor meiliuiu iriiMtnr. In va i-exiono pivotei' 8ul>llwne8, c^ui tians ülistrnrn aä Lalam ulk^uo piotenllebautui', Ilerlitanoe, Launtoe, (r^ui vottliae et Llmuoi et (ünorau!, vtiam Lliauntani äicti kueie, cxuocl uomvn uoelio »rx Srasmiis Stella. 223 lmoedam resert,) Luäoles item, l/ui loea, ulii nuno I^iolis elt, ineoluere, Vaiini, ad rivulum eius nomini8, Iiaud louAe al» oppido, l^uod Iiodie Lormum dieitur (mazi's pioprio vooaliulo Vai-mum nunoupandum,) populi vetutti eontederant. ^li liis po- pulis olim Vurmatiam in agro Vangionum eonditam tuille, ex annalillu8 deprelleud!mu8, elll vuIZarium con5enms teiu8 lit. 8uut tameu aonales, kpui liane rerum iuuovalionem von ad tüaroli au5p!o!a, nelme ad ^raneos, kell 8uevos, et m ^nperti, i'egis kraneorum tempora, dum modo AIauriliu8 in Oriente im- peraiet, reieeerunt, Aitilioiiliumlme uome» ad illis primum Iiuie vi!« eo paeto induetum reterunt, yuod leilicet Lueuorum duo- deeim pi-ocei'es, polt commillam eum Laxooillus, pio tolo patrio, puxaam, tempore reZis 8iZiIlerti, eum ingenli liomiuum mulli- tudiae in liivc loea deveneie, et kele nou 8uevv8, led I>I!5üiien- te8, l>oe ekt, klii-illeos, ut ipll iiiterpretaii sunt, vooitavere. Ili «zuamvis piimo aZgret?u all moolis repulü kuerant, raudem tamen al> ipli8, pott miituas eonklietiones, iu partem toli, c^ualieuncpie conditioue, admikli tunt, tum eam iegioni8 portionem, r^uam pri- mum oeeupavei'uut, Klik/Inam nuneupalle. 8ed dum latius post- Iiae per regiouis liues lede8 promovilleut, eum iplis etiam uo- men evaxatum et't. ^ozulum enim uon luperkluille ad ^Iliim dicunt, o^uem 8uevus non oeoupallet. Oll id, s^uo tutioies, tum a tiiiitiml8, tum all mdiAem8 koreut, oondeudi8 oppidi8 ae eaktel- Ii8 autore8 tuere, tpiiliu8 plei'umcme nomiua ex latiapaium no- mlmllu8 indita tuere, c^use us<^ue Iiodie reserunt; veluti llllur- xum all Illlouv, (c^uamc^uam ceteri eommeutautur, Iwe oppidum »lulii tüöetavis elko monumentum, c^uod mliM8 eontoiiat) Dui'Au- vum a I)urA8lleitIic), a I^illanotlu, liipllm, l^xitieam a l^iiltone; iusuper 1'rellanoum, et I^illaneum, Oicmotllum, et OrutiAmium, et plura alia, cmoe liuAiila l'uos eonditore8 nomme ipso adlmo reprseseutarit. IIuiu8 omnioni8 nou leve ai'Aumentum alleiuul, «^uod ill iure municipal! Latlonum, piincep8 I>li8uel>lium, et al!i ieZiom5 8atranoe, migiue 8uevi eile leguutui'. <)ui autem ie8 8al1oyum Iiteii8 commeudaruut, totum Iioe ad Ileinieum, 8al1o- iiioe vrineipem. c^ui primu8 inter Lermall08 imvei'avit, letulere. 18 namcsue Ilelluni eonti'a gentem il'tiu8 leizloui» a patie liin Otlione, veluti »er maims, aeeepit, et tandem, polt variam wr- 2>.» 324 Zur Geschichte und Litteratur. Zweyter Beytrag. tunam ae mullam luoruin olaclvm, viotoria potitu8, re^ionem luoe sul)iliuevi, cleinlle ?ranei, clemum 8axon«8 colono8 iniluxillent: vel nt unam poriionem terroe liuin8 8uevi, aliam 8axone8, tertiam k'ranei tenueiint. ^uocleuncruv enim in nae rerum vbleuritate Erasnilis Slella. 325 et nominum varietate vero propius lit, ne in teuelirls palpilure viclear, uon clecerno; leü prout ex eruclitorum, eirm veterum, tum reeentlorum teriptis, veluti per nel»ull>in, eonieeturari potui, »Ic^ue ox aniinlilius eolli^ere, ailleripti, huo polterorum irixenia exeltarem: relelli lloeeric^ue, moclo c^uis meliora llicst, lioe eon- tumaela promptiltimus. cWwlLx'r^mvs secimovs. ^»Iverla ism ora, et yulchuiil ia ea vetultatis vomperitur, ex- polita, latis llciuet, IVIillilienliuin uomen, uteuuspiv introcluctum, non eam reclolere vetultatem, c^uam ali^ul priuolpum uarilius olitrullere ultiirltur, iplam lvilieet a ^l'rolauis temporil»u8 lleclu- eemlo; veruin receus eile, et peno nuper populo, ol» latilliiunm prlueipls tlltioiiem, inclitum; euius lloreutlllimum iruperluni eum toll orve, tum iueolitlum »liarum nomluilius, teueliras, lua elari- täte, oliluilit. l)uoclll populus lüe orixuils luse raiionem lialiuit- tet, nek^ua^uam Aentilllia nomiua, vetuttate iptu veiivraucla, s maiorluus, vel a rerum exordio, vel vl> vlrtntein iiillieta, pro- pter inproperantlum tum tplevilorem, tum impoteutium, reiecit- tet; k^uum pari vitio llaudum lil, pgtrios mores et uoms», priorilius xettum, iutervillit, tamcpiam reeoutia uouiina Iloe peeuliare Ii!»l>ea»t, c^uvcl proetor- itorum taeinorum i^iiorantiam iudieaiit, et viroruui clarillimoruiu Kvtla odliteraut, omnemc^ne tplenclorein, tum lauclis, tum A>orioe vetattatis, extinAiruut. 8eil, c^uo lueiillus relicpnuui vetutlatis iimoieteat, operoe pretlum erlt, re^ionum limitez pro virili cle- teriliere, ^uema6moüuni r> llumiilum 1 ut lectius üal, »Mlllum, uiontluni et taltuum, cpiilius tum amttttui', tum irriga- tiir, iletiAnatiouein piizolil)al)o, c^uoll all ZÜ8 uou paiva nouiiriuui vaiietas iueolis »ecita est. ^tlnitui' autein tot» Itvee teiia <^uu- tuor piieeipuis tlumiuilius, ^Ilii et 8»l!>, s^ul latera olus ueclu- clliut; lüv a tolis exortu, all oecatu oller: klaüiio vero al^iro Lliltro per uieclilim lere iuterleeatur et irriAalur. <üeteri vero omnes, eeu uünores, in Iios elü^mrtiir. (^uic^iie ex lüs perpetui tuut, ae nonieu Ii»uent, Ci»meuus, Leopls, I?Ieus, ülulilaviu«, 326 Zur Geschichte und Litteratur. Zweyter Beytrag. 8, et tonte et ab eo, «^uem Alolliium 6iximus, ciuamc^uam vulgo uno nomine nuncunentur. Inkuver et !VIeIImAU8, a I^alinis toriptori- Iius eelel)ratu8. 8uma Imne 8enrnieu8, niger, a nigrore uinta- inm, in8 in kaltiuus ^ustio, veluti nativo nnno, It!^o ora eiiiAi- tur. I« nei'netui'8 iu^is !>l» lleievn!» in livee loea n»rl'!K!tu>', uvi t'el'e et I»tiu8 extenclil, et altiu8 oxtollil, a ouius 6»rsa multi lÄini, inklar Invielnaruin prc» leAionuni Ial!tuil!ne llilkuiilluntur, in <^ul- l»u8, ecnnlenll!8 eastollis et onuiclis, anlislima loea »ata sunt, par- iiin ineolis uomina tril>uenl!a, nariim uli i»ti8 iee!n!eulia. I'aite antein, hua /^ll)i approninc^iat, altius alkurgit, eu'ius pi>is scl Breton nrocunil)on8, et Willis ilpam ainulvcien8, roltui^uv kein- jiitei'nuni alvea vslieit, llouee lele in Iiuinilos volles tulimittit, linosciuo 8axonuin attinAit. (^uic^iiitl auteni montiuni, »Ii ^llii utc^ue !>ll klolvii llueuti» eiigitui', et inlle g<1 l^Iistium ae 8alain, oumis genei'is motalli clives eK, ulnote m-Aenti, aeiÜ8, t'Iann!^, et foiii. liivuli, c^ui ex Ü8 iugis z>roi'uninuut, auri i.imenla »llerunt. Illii autein sluniiuis lünas inler^uitui', ul)oriori8 glevüe tulum livi loeiat, ao omuiuni tegetum kruguinc^ue nioventuni taeit; viui prseelnue eopium. landein in 8evteutric>neu> vergens, Ileievnii iugi noi'li»uiuu8 so iungit, k^uoe a ptolonioeo I^Ielivoei montes clieuntur, ivir^ue 8nxonum terii8 tinv8 nrnekeridit. ^ll Iiauo lln- ininuui et montiuni Aeimauaiu interktinetionem, alii nluies, alii paueioi-es in Iiao cna keceve iegio»e8, noliis tamen nou plures, tulteni ni!ne!»i>Ie8, lern!« elle villentur, c^uas et teiuo8 nonulos niioii oelatv inlialiitullv eomneriinus. ()ui>ntum enim sli ^Ilii, leeunllum laugituciinem circuli, !>lt Alolbium zirotonäitnl-, ui) llel- i»!>ntie!8, Quorum pai'8 Daiienniei, pars Llmn.iei llieevantur, in- Iiauitata tuit. Iloruni ultinium vetus uomen altullit iüulueo- nuin. O»ue»n!eo8 vero eos eile nutaveriui, s^uos 1'toIemRU8 1)anduto8 nuncu^aveiit. I^ra Ilelniantu:!8 slik^ui I)elm!t»t!co8 le- Allni. Lgo vel Helmantico8, vel t^elmantioos leAenduui cenleo, ljuoil t'to1c»inoeu8 (?eln>»utieo8 vie!no8 IZoI»em!8 lletignavit, etü in alia Ia>!tuni8, (nam utrum^uo leneiitur) nowino tuel)!mui'. <^uocl li s^ui8 I)ellnanlioo8 llekentleie conatui', eos !»ut ex lllviieo, enius Delmanlia nai'8 ekt, illae conimißl'glle, !>ut in Illv^ico llineullla tecilte, kateri neeell'ulu lial)el>it; lle ^uo 328 Zur Geschichte und Litteratur, Zweyter Beytrag. lamen parum Iiu,uüle in anualil>u8 exlat. I^aeile autvm ekt ereilere. per Lvlmautieo8, vel IIvlmanlicc>8, uuiv8 litersc immulationo. 1)elmantiec»8 exaratum olle. Ultra kloldium, acl Llistrnm ukc^ue, keounlla regio exlat, a I^idouiois lial^itala, c^ui uoktl»ao I^!I)c»n»tri üicti lunl, ae eam parlem, ^u« all I^ullokis et Var!m8 eulla etl, oecuparunt. Ilis vieini kuere Llraurilaui, vel (ülioritani; a Lau- plis, prileig ineolis, nowen tralienies. 8uper Iios »lelliaci, Lv- Fnei, Lroljellli, et l^ui in univerl'um Noluiani al? iueolis llieti kuere, ulii ^luliaiili, Vinltone8, ^wones^ue, nri^oi populi, leaul!na, prileorum incola- rum in ea reZione nowen relereus. Ltl c^uo^ue ^mouum oppi- clulum, veleies ^mone8 nomine kuo reprsesenlans. Inter üliltrum et 8alam tertia ineluclitur rezio. Iu ea Loraliorum uomen, a 08 iuäiAenas, uon ailvvntitios elle, lermoueciuv lliuiseo persunotos, tatis tleuionl'travi. ^u! autem Iiowinuin tint, c^ui se 8olavos llixvre, et unü'e 01!^!» nem traxerint, iu eoutroverl» elt. IXam, l^ui as, et eamnos intra ?aua!m et Lvkpliarum iiilial^itatle, retuleruut; partiui vero Limvros et ex iutuls glaeialis oeeaui, 8eau6avia a ptolerrueo vooata, ortc»8 alle- ruerc. Iltrum verius lit, uon 5aeilv leitn est, ciuacl alicjuanlc» recenliora lunt, nee al) ullo vcteruw, l'eu eolnioAranIio8 leu 111^01^08 tcrntemur, lle ipli8 menlio 5aeta llt. Illucl lamen plu- rimorum caleul!8 comnrolialur, liuguam, lpiam noltra sela8 8ela- vicain voeal, vaullem aulisjuilas 8arwuli8 et 8evtli!s alläixil, ErasiuuS Stella. 32!) l^näv neituieaeiklimum elle grAumentalur, iulain a 8arin!>tis ae 8evtlna in Oormaniaw, ali«8tlue orliis narte8 einanitH'e: oum uise- einuu8 üt aHenI'u8 eruöitorum, 8evlin>8 oolouiss per orueu» wi- till'e m»Ais, c^uam aceeville. llteunc^ue suerit, uou e5t vra.I'enti8 nezotii lleeiüore, ne res 8e1avoium per^e^ui viäear. lä autein ino eomnerto alleiere aullin, 8elavoium nomen nu8siuam anlea eogmtum, crusm in liomanoruin xrovinoüs lit auältum. Drille lslis licjuet, Iioe intum nomen uon Zenti8, vel nstioms, oriAinem lekeire, 1'eii ma^is eventnm, vel oeealionew, tum nopulc» itti neeu- liaiom, exniimere: utnote vel vivenäi rationein, vel rnilitanni i'itum, er icl zenus aliinl; et c^uvll non in univorl'um rionulo lit inäituw, teä Iiis -luntaxat eouiis, cruoe Illvricum, 1?Inaeiam, Mee- ilonisin latioeiuiis inkektaveie; ulii, huml line lege, üne cluee, lei'vitiorum more, »ella Aerebsnt, 8olsvinilitante8 liaduere, liuoä, re^e Luniwuuclo eum in- Aenti Quorum inultitnilino a I^onZouai llis ccelo, intorum iel!«7uiis tu- neriIi8 ie1iera8 tecle8 oeeupallent, iuicrne in tanlcnu inultitu- hinein evalulllent, ut univert'a loca. cluvc snariolltlilua tuut iutei' 330 Zur Geschichte u»d Litteratur. Zweyter Beytrag 8eutenti!oul»Iein ocoanum et ^IInin tluvium, imnlevillvut; ^Vlvi tlenic^ue lunerato onineui eisnlvinam regionein, tum eolouis va- euain, ant inalv naliitatain (c^uuin incle migratum etket) silii nluinaiunt. I^iun, iuxta Orolii luttoriam, 8tilieo, tut» ^rca6ln Iiuneratoro, coniiN'um cilietor, nroetor Vi»n(1i»Io8 tuo8 (oiat enin» geueie Vancialus) et 8uev<>8, cnii tun» ^luini iiceolebant, et illis vieino8 Ilelinannv8, (<^uv8 luvrr» Ilelm!»itico8 ae Ilelmiones 6!eto8 vl'tenunnu8) exeitavit. <)ui eoniuueti8 viriuu8 klieno t»!»»8inillo, 8 invalere, c^uorinn treeeuta inilii» minatoiuin k>t> .ili- ,^ui»u8, c^uaclraginla all »Ins, kuitle l'eiiuuntui'. Ili I'ecnin uxoies tilio8i^ue, non ininoiein morlatiuni vin», tiaxvio. Iloee »nigratio, eeu Vauuuloi'uin Ieäe8 llel'ert.'>8 keeit; ila et 8uevoru»n et Ilvlinanuoruin loea a iuvenlule plurimuin ovaeuavit. Ilao oecatione kroti 8elavi sücile eomnote8 voll evauzrnnt, et cniiecniid ggioruin nll ^Iliim kueist, non loluin oeeunaiunt, veiuin etian», 1etnvu8 illie Ioc!»ti8, ner vico8 et u.igo8 navitarv eeneruut. I^ee vero tsntuin eamvektria rura, teü et I'»Itu8 et vertier monlium iuZaciuo »utellerunt, c^uit>u8 ex veruseula genti8 lingu?» noinina intiiuv»unt, et, cuiocl vriteis illiu8 terroe nuneun.'»t!oni^u8 neue exillotum iuit, e:>8 nartiin tleleveiunt, narlin» in l'u-nn lingu-un tralluxerunt. Dncle tanta iuveitiu noiniuum, into»uin^»»e eonnnii- t»tio tueorovit, ut, r^uos vetvre8 IIv!man>ieo8, Danciuto8, l^alu- eones, <üaunll>8, 8uar,1one8 annvllarunt, » nol'teri8 Lnt Velinan- tici, (ütoinaei, (?!>ur!ei, et (!k»ui'ill»ni 8orau! uoiniunti; et nlel.isniv icl A0iiu8 nomina, uts^uo al^eo ti8 lit, ex alioruin teiileatia iiiäicasle, 1!einAein8, iinnonunt." <)uoe au- lein liugua oxotica, in (zleimania, nlia uncmgin aü illa autlita lll, lle k^ua '1'i>eiti keutentia iul'tiu8 iutelliizeuua köret, uullam erasmlis Stella. J31 prokeeto llabimus. proiuäe, ut mea tert opiuio, illam iptam linFuam reetv putaverim, cpnam ?aeitus ?anr>ouieain clixit, et ^uaoüs vieinain kuilke 5uo leeulo, leribit; c^uam kaoile kuerit, pokteriori sevo, latillime per Lermaniam äilatare, veeallonv ^u- perius expolita eis proeltita. Hi cluin acl ^Ibim, et eirouui vieinas reAiones, leäes protenäitleut, alia atc^ue aüa eognomiiia, vel a äncibus, vel a loeis, iu c^uibus oouleäeraut, alkuiupl'eruut. Iltius eonieetiiroe non leve aiAumentum elt, li uomen Olorum lixis, ut aiunt, oeulis, iutuebinuir; eui aämoclum (Ilelaucli no- menelatura alluäit, et tamcpnam ab eo clecluetum lit, aurium in- ilicium luiniiue äilleutit; lpngz nunoupatio populis iltius oroe lem- per peeuliaris babita elt, et ulc^ne boäie perleverat. 8utl'raZatur liauä parum niese settimationi, tum urbs Olltia, tum inons Oli- tius, eiiiiis utriulc^ue nomenelatura ab Olis äel'ceullill'e, nou erit ineptum eonüeere, lioat utriuln^ue eoZnomina ineolis uotiMma babentur, ila pro noltra leutentia couliriuaulla, maximopore tektilieautur. ^oneiet nou moclieum roboris, eoiunuiuis et oou- cors iulliAenaraiu eousensus, nu! ita per ora omniuin volmtur, ut ^llioc^uick ingeutis molis opus ulc^ue eoulpieiatur, iä, leu pou- tiuiu, leu turriuiu kuerit, totuin Hunnoruiu mauibus exoelliliea- tum vulgo alleritur, ^uo«! iäem äe monticulis et tumulis per regioues äilperlis, auäitur. ^äeoc^uv reeepta ekt Iluuniea eoguo- minatio, ut c^uos viueoe Franäiuloulos botros, vuas pro^eueraut, Ilunuieas voeiteut iueolse, lieut miuoros t>aneonicas, uuali ab Ilunnis vel eonlitas, vel illatas. ?uille autem Iluunos populos, cmi I'anuouiam et ineoluerunt et exivruut, nemiui, bittorias Icrutanti, iAuotriiu eile arbritror. <)uibus arAuiueutis laltem te- ueltram aperuilke volui, ^uo leetor ^ilizens tuo iuclieio, c^ui«! probau6um kuerit, iulta trutina exnminot. klibi mouuitlv lat vrit. Huoä i! nieeurn lenkurus c^uitpiam elt, ism baue linguaiu Iionekius ?auuouieam, c^uam 8elavioam äixerint. I>lolo tameu cie bov äigladiari; o^uocl eui^uv probabilius vituin tuerit, pro luo eaptu aiupleetatur. .lam lalis lit, eatenus lioZuaiu pereArinam iu baue nuArationem traetatlv. 8ed ante^uam aä interinitta recl- eamus, aämoneuäi lunt, nm8, Alains, perperam 5ul)llitum ett. I^'ain ü nentienlatiore oxamine 1'ernlavimur populorum iuter l'v longitlimam cliltantiam, revuZnare teriori8 Lermanioe populis, eominilitium kacerent. ^uimailvertit illutt in vriwis totiu8 votul'tlttis jiclilümu8 iinIllAator ?omn. Lse^u8, c^ui in Iul8 (üoelÄriv^ ^Iomguuo8, non ^Ia»o8, po»ulc>8 iI1c»8 nunen- pavit: körte usuiu obtinuiliie ratv8, eo86em «He 1Ie1maunv8 et Alemanne«. Luins saeile kuulcriliam lententioe, uomiiiis erlAine sec^ua I»nee pernenla. 8eä Iwe lal^^rintne Ilteratis relieto, sci iioltroe rolat!oni8 lerieiu revertamur. ^ntec^uain antem Iiaue terrse partitionem me« setati aeeoinmollemu8, paueis prvelari par erit, ^iio tempere, c^uivu8 »ul'nieii8, Quorum Inliorivus, veri I)ei eultus Iiis reAlouivus til^ illatu8, et c^nanti conttet varliarorrim rituuin expullio, aä mgntuetiorem^ue vitam traänetio, kmoä to- tum <üllrit"lianse religion! »eeentum kerre äedemus. Ilaliet enim uoe OiirMalla pietas, ut iion Ivlum iuertale8 aü vitoe l'uiietits- tem illieiat, leä oliaiu mt mitiora ktuclia inAenia, c^nantumeun^ue t'eroeiora, eoiivertat. lä, Quantum ex itti»!>Iit»us rgere coepit, i>e multos I^ipl.isiui litvscrc» sclmovit, primu8 kuiltlainellta ecolelioe ortliuclox!« ieeil. Vvriim, eum invclio praMeaUoms eurl'n, »tiltluuem iri l^ltrillam, (eeu »vottoüeo lleerel.» in inanda^is aeceuer!»!.,) mellilurvl^ur; uv inell'vm, c^uam eopiolam agnovit, line vner!»rÜ8 relincmeret, 1'emi- narium onerariormii procuravil, cnü ttominum wel'ti8 roZarent, Srasmus Stella. 333 nt onerar!o8 mitteiet, et !nli tempore onnortuno onorarcntur, <üongregat!onem itasmv religiöse viventium ni re^ione I^il)auot1>ana,^ ai lonAe alikunt I^inliaoa moonia, ul)i et seclem taeram clivo ^aeolio anoKolo erexit. Verum barnari, po5t natrissamilias avitionem omnia lieva5taiunt, ineeniterunt, ao tolo secpiarnnt; l^Iirittianis, smi inerant, nartim trueidatis, parlim tugatis. üa valiliea ulc^uv Iioäie IVIoßuntinenli eniteono tuliett. 8eeutu8 vK Ime oosntum, interiveto iemvore, I^uciiAeru8, vir Lltrittian« reliAionis 1'tuliio- Iitllmu8, c^ui vol'tliae in evil'eovllm Verclunenkvm electu8 eK, lecl niliil ex tententia oonieoit. Verum 1)ei uen!Anita8, o^uo verliis piorum lseerclotum minus olllec^uente8 comnvrit, verlieriuug et tlkiZiis all enulum 8 voealionem, in Lallias uroiioitoente, populus, reÜAlone eontemta, (!I>r!t'tiano8 et exnulit, ae fvecle laeeravit, ritu8 I°uo8 vano8 nertinaoiter obt'ervancko. klanlit ita<^ue vinea Oomini in- eulta, «t nullo cloAmatv tülirittiano pakinata, cmoack re8 Lerma- ^ioo aerli ita l'criptum eomnerio: „Ileni-ieus rex <^anam, urdom Oelmatii«, cepit, et „Delinatis trivutum imvotuit" (ul)i urvem Lvlmantievo, vel Ilel- mautica?, le^enäum eeuteo, uti supeiius tlemon5tratum ekt.) Oe- Iiine I^idonieos invaclit, ooniäumc^ue illorum I^intim eveitit, et, cmiec^uill onum in eo kuorat, exliautit, clemum kolo »kmavit. 16 pottliae aä multos annos inliauitatore caruit. 8elavos, c^ui vieatim per oram pene totam inooleliant, ne novos inotus eon- oitarent, traos ^Il)im lulmrovii. Intuner reli^ionis (üliristianse curam fuleiniens, lueos, c^uos linAua vernacula kariös voearunt, imviotati varliarorum saoros, uliicnie sueeilüt, aras tubveitit, onl- tum vanum unüit^ue violtivuit. ^eäes inl'uper saeras per rezio- nes inttituit, saeeillotes ae monacnos introüuxit, cmi populum Llirittianum in ilcle inKrnerent, plantationemc^ue noveilam ri- gaient, lloneo Oominus increinentnm prvektaret. <)ua pia i»kti. tutione eikveit, ut populariter »mnes iiäem Lnrikti ampleeteren- tur. <)uo autem populirm Iiartiarirm, Iiellis et rapiuis acltuotum, aü mitiorem vitam, numanaini^ue taeietatem trallueeret, eonclen- 6is ae munien6i8 eivitativus auclor extitit, r^uas optimis legilms ae prodatMnüs morivus vivere äoeuit. l^no eiiam urves sre- erasimis Stclla. 335 ^uen>!ore8 eiviliu8 rellileientur, ex SAio et vie!8 nonum l^uemc^ue evoeavit, ae ruuro8 inenlere iulllt; aliisc^uv oel^o, cnram lei in- tl^icoe «leleZiNiilo, r^ui terti.im oinn!8 annon«: uono lecllleienl; tj»o«I vero inl>8 ulka vietuin i-eli^nuin 5n!t, in uit>e8 convenen- clum tlikvokuil, et ^>io eontiiuuliuu8 eonclenilum, ut same, vel bell! neeeNlate inKi-uente, illi8 iZeniVmerctui'. ()ua re iaeile Iiokli illutlt, ciuoll, in aAi!8 »iliil oilei>tlon8, avitionem matuinre eoZe- letui'. I5g!t inkunvi' VMNV8 eonvenUi8 in ui'Iiit»u8, s^iio nouilila- tem a 5>!>A!tii8, cive8 a vc,lnuiatiliu8 coeieeiet. üx ni8 oivilius inulliü et illutl.i'08 kamilive temnoii8 l'nceell'u nioeell'ei'unt, c^uoe ncttlie laiisuinlia ner omnein tei'e Lormiiui.iin inliauilant. ^uo si>eil!u8 etiain latiocinia ex Leima»!!» tulimovoiet, c^uie^iiitl Iwe A0NU8 Iiominuin utl^uain in j>i'ovinoÜ8 luit, imnuuila^e cinieellÄ, inililive tu»; acltciinlit, e cjuivu8 integvo-m legionem, omn!I)U8 c?c>- uali8 ai'mis, i»1vei'tu8 Vngitl<>8 clnctitalle tvitui', c^naium ovei.1^ anull ÜI»r8ourgum, eAiezialli puAnain ellidit^ Iic>ktil)u8 !>ir«8 kiaelie lueie, ut nunHUlinl noktuse in ieg!one8 i1I»8 ieä!ient, omnemc^ue nioe- 6am, cxna ex ei8 potitu8 erst, in utum sueiarum -eclinin conveitit. ?uit cliteinlin!« inilitai!8 seivnti5linni8 ot>1'ei'V!>nl!1'liinu8^lle. ?^i>m naei8 teniuoie tiiones ita cincliovat, ut in dello ontimi iniliti8 muuia oviient. IÜ8 neiaeti8, nüiil Iialiuit an^!cMU8, c^uum ut veligioneni (üln'ikt! non tolurn tirinaret, soll etisin auelaiu sulen- äil?iolein^ue io8 Ialil'limo8 all ^Ilii, Inne Oüeiam, Inuo Uolliiurn, üelignavit. Ilüvuit an- tein in animo 1'anientisliuin8 lex, oninv8 trant!»1vina8 oLeleiias, «um Loemi8, c^no8 ot luve suulii(lib «Ziiioni, klislinenli oeolelioe, con inetropoli, tuliiieere, teä, !>IÜ8 ievu8 im^)I!<:i^u8, iä pioeslare nvcniivit. 1?i>»tlom inoilo ^roeveutu8, dtltoni, ülic» tuc», t^ui ei in imnei'io el^ lliiiono suceetlit, negotinm oonüeienu'um teoit. ^uo«I dillo, nateinoe piot»ti8 Leinuln8, niliil Aiavatu8, non toluin iinnlevit, 5eä et cnm »ngmentc» piretlitit. ^ain nioeter ^lislinen- kein eoeleliain, et I>Ioi^eIiuiAentem et (Axiearn, a primi8 kunlia- rnenti8, erexit. De ^nitius mox Iatiu8. (üinxit autem mc»niI)U8 IIenrieu8 Noi'8vuigum, c^unll a temnoie .^ttiloc, 6!iutum iaeuerat; ^^xnesm. inuntlatione acjuai'uiu eollavtam, leltltuit; ^läendui-- 3Z6 Zur Geschichte und Litteratur. Zweyter Beytrag. xum, Inm ?Ii5linam lllolnm, in loeum at!»m tr.instnlit, Eliten- liur^nm nnncunsvit! Nistinom a ninllsmento conktruxit; (?ieta- nam (cmam et Lanam «tlcnnt) a te oxeiitio «leclitsm, in lignum Iinj>I>!nnale8 Xietam nuneuuant.) Ij.irin«8, vicstim Iiauitantes, moenilms inclutit, » cmit>U8 opnictum nnmen kiium iinrni8 ei^im pro Lorina, vel reetius Varino,) nnneupatur. Iloe naoto amnia tloricliora reclctictit. ^anctem in (ülirislo ltekeeil. IÜ8 iaitiis cunr imnerio eliriktisna p!otg8 per trss roZiones eepit, stcpie line plsntalione pullulsvit. IXune, ksuitiu« 5tmti!s tial^Iila tirmatacrue lit vor» reÜAia, cpioruin eultura rallices tam alt.i« egerit, ut nnllis ventorum proceIÜ8 kpiatksri potlit, psue!« per- Itringemu8. Ilenrico, uti öietum est, lato suncto, Otlionerrue, eius tilio, ail imperii sgkliAium tl'ublimsto, niliil niagis ciipivil, c^usm paterni8 votis lstistscere; et, eeu tpuoü in truneo toeeun- tlum exittit, kertilitate rsmorum cxprimitur, lie Otlio larAillus msnu prsettitit, c^uoct Ilenrious snimo intenclerat. In Krimis i>u- tem operarn impenclit, ut pontiücsli8 5e^es in IVIikting, eui pa- ter iam 6uäum kunctsments ieeerat, eompleretur. (^usm etl! non metropolitana ctiAnitste, eeu pater teeuin üeereverat, in- liZnivit, Ismen ingenuam et lilieram iplsm, nultiepio pontiticum, po5t ?gp»m, tuvieetam eile voluit, tancto ^nanni evanAeliklve esnllem eonteersvit. Liu8 1!mit«8 citra ^Ibim, I>IoII)ium lteliZna- vit; trsu8 ^Idim, ^ulecmill ante» IXiticenli8 eeelell«: tuit, usssue aä Oclersm, ei anüoeit. In ea üureliaritum, virum tunctum, et omnidus virtutit)U8 inliAnem, priinum antistitem introcluxit, s^ui Ministerium tlctei purg covseientia, et Immili eonvorlatione exe- lsvens, nonulum, in reÜAiane tllnU'ti rullem, exemnlo et lloetrina evsnAeliea ita eruclivit, ut niliil Iioium, ^uve in evitenpo 6eti- ltevsntur, proetermitteret. NaZngm nartem ponuli tran8 ^Il^im, hui »ctnue in maneinic» malorum lliemonum «rat, intr» tenta liltei trglluxit, ecotellsm nncli^ngc^ue suxit ae illuKravit. ?sec roligio- tiktimus ^>rineen8, ittius eecleLa! eonttitutionv eontummata, c^uie- vit, teü pro reZionum lliterimino k>Iig8 din!>8 superadctiäit. Ilnam in Klor8ourßio, uln I^iusnotlisnis seclem eonttituit, in ssua IZoso primu8 te6it, vir tülirittigni nomiui8 t'tu origine ert repelituru8. 1u, Uggnanime prineeps, »!cmi nouio^ue kseito es, cm« in l'uam ^ratiam suut emilig. 8i «^uiä in potteruw limstius ollenaoro, auribus ?ui8 liauä sulitraliam. ?im8 I^ipliss, ^noo VirZiiiei psrtus 1320. LK^8N1 8ILI.I^x I.IL^I^0Ill^^I c»k»i.i^nlvi>i i^kicrvnk:»!. ^Zi In8 eommeutarioli8, I^ector canäiäikümo, pro populi Zerms- vioi toli, inter v^Iuim et 8alam, prilois nomene1ationibll8 retti- tuenm'8, c^uoe Imctenus s pstris kugatve, extorre8csue tactoe, säeo lonZum exilium perpelloe lunt, ut non uill iure poitliminn pollotiio- vem vinöieare potuerint. <)uoä ll non äeu8 (ut in proverdio äioitur) prsevertit snolioriie iactum, iam iam non portum woäo, verum et Universum oram olitinuerunt, ut etigm linAuIse sinZu- Lessmgs Wett- ix. 22 338 Zur Geschichte lind Litteratur. Zweyter Beytrag. lis, turn uopulis, tuw rogionilius, Lot rektitutve. Sukceni »utem Iioe lauoris genus, uietatem mazis kmam lauilem seeutus; nemnv ssuo natriam e ealigine tam nrokun8 line eortice (ut aiunt) nataro inlimularer, lotius antiliuitittis contultillimos autores patronos milii aäteivi; innri- mis antem, et ex vetoriuus, pomnonium klelam, Ltralionem, (üornelium l'aeitum, ptolemoeum c^uoc^lle, in iis notitumum, o^uoe tZeoArannioc, vel mazis Lnorogrannioc rationem attinent, no- nulio^ue vetutlatem laniuut: ex reeentioriuus autem, llui canclein tsriniim nintuerunt, Llouilum korlivienlem, 5oaunem kartonein Lononienkem, c>n1'ore8^ue iili!l'limo8 Iiuio eauloe aiilüliuimn?. 8i s^uill tamen vel ol>te»riu8, vel amIiiAiium i>I^ iilis i^liü tlaiü- l»in com^en, mein'nm ^aitium cluxi, icl iptum vel iutcrpi'etntiaiio iilnstraie, vel penlienlatiori examiuv ex^eriii, li ^ottim, s^inil lelnienäiim sorel, elieere. Huocl tumen ila ^i-olialiilil^iis aign- meiU!« iiininvi, ut ünv eontiaäietionv vilieri nottlt eanioe nal'tr!« ,icoe6ere. In lu's nlil^ioties (ceu ingenuo tateor) eon!eotuvi8 vei'!ümiiiim8, 1^Iatorii8 monitis elioctu8, rom inii.iAM'e c»>>ort»!l, oum null» alia via elaiiomii ex iam !>iÜ8 tenvtn'is, ne Lee^Iilii «^niiiem, pnlei'et. In iIÜ8 tainen non 1'tatuonclo, lecl ^otius exci- lanclo kemner pi'onuneiav!, et ut oestimatic) loiet, non iuciicium. kMtl Iieentiu8 piocinotuin lit, eo kaetum eile eieci.is. cuioli lil^eitns clilleroncii in onmmvnIarÜ8 ai^ c>mnivu8 ^>eim!l1'» lll. t)u!osiuici autem ex Iiittorla repetenilum kuorat, üäem unn.iiium nio^iie 1eeutn8 tum; et c^uocl ex iIÜ8 ve nee nominalem auloie« e!>!»e pntui. I^tli rei'un» Aet'iarum in iis u>^>Illiüm»m siilimem exnolitionem «lolllloravim, ^>i!«l'enti!iu8 tamen uleixlum snit. Loci Iiveo uicuiic^uo iAnalecncia orani. Vornm, k^iii8 -rcsiic» animo fvi!>> , c^uoli nomin.i itloium nan e8, noiket ^eiiülom, Vüxcm, /^^amemnonom, et niio8 in rv iniiiiari koi'- l!tlimo8 viio8, ti ial.!» suillet, Ilomerum cecinilke: diseeo8 .iti Iieilalko, et Ilinm l'unverUll'e? ()ni8 ilem liomulum. IXu- mam pomniiium, et ali.18 innumeio8, tum uibinm eonllitoies, tum leZum lulore«, ü in literas uillitle j'ati8 kuillet: /c«i^o?-e /koiittl conc^'itt e/!!.- //oc aevo /itoni» /e^cs ^itti« acoe^ii'/: «^nem- ailmolium nuriaie annalium mnIl!>Ini'i>)U8 ntni knit? Lei! ilem»8 22' 310 Zur Geschichte und Litteratur. Zweyter Beytrag. Iwo leonlo tarn ruäi et inkeliei, io8 tarnen varenturn loco veneranclo8, con1entu8 gen- tinm cllotitat. 8ecl c^uoil'um no8 üolor atniouit? rem, uncke eveeti I°umu8, reäeamu8. ?iinoinio antem illu<1 axamu8, ut leetoii, vetu!lati8 avicko innotekeat, unäe nse nuneunatione8 ori- ginew traxerint, kontem inliu8 (ut aiunt) inüicatuii, et <^uo paoto tam lange a naterno ictiomate recellerint; csua illitu8 inäuttiia, ex tam adclito tilu, et longit'tiwo vetul'tati8 reeetlu vei^uiüta Lnt, ut iterum lolem nerseiro von üeliiZnentur. Oeinäe, (ruilt cIiAllitati8 atlrue autoritat!8 vetuttati inlit, euiu8 Aratia longe re- eentioris sevi nominibu8 notllt so oeveat proekerii. <)use äum linAuIatirn in univerla enarravero, ut te, lector ovtime, nili izec^uiorew, tamen inäulAentiorem exniliea8, moneo. Hui8 enim in taut» rerum caliFine non coeeueiat? <)ui8, in ro tam lum-iea, uon alic^uanclo laptus elt? ?io viribu8 tamen eonaturu8, ne tota via aderrem. ^une, n^uo lueiäiora tinZuIa tiant, piatonem, ownium pniloloniiorum numen, overoe nretium ett auäire, Hui ir> (üritia, t'ub nomine 8oerati8, in Iiane lententiam Iocutv8 ett: „<^uoä 6ii n^uonäam univertum terroe orliem ünZuIatim toititi „tunt, et pro «tittributione regionum, in unac^ua^ue viros incti- „xeng8 et aämoclum generoto8 ereaverv atc^ue niuäente8, et, „nrout redus ouinkvls loe! exneäiedat, aecommo<1o8^ Quorum „ment!bu8 etisrn keivunlicoe orciinem inknäeruut; a Quorum uo- „m!n!bu8, et ipsaruln nrimoxenitis, nornins nrovineÜ8 et leZio- „nibu8 imnotuernnt, c^use etiain s poKe^, ob gmori8 aileetuni „in niogenitore8, eontervata lunt." Lx c^ua ?Iatoni8 tententia vroliadili aiAumento sllecnii noterimv8, Iniinloeinocki vetustatis voinenolstionv8 a ?uiloon!8 niole, et c^ni ex illi8 prirnoAeniti kuerint, inckiti»8 eile. IXemno, Lerolo sutore, anno XXV ^ein- »roti, regi8 Lab^loniei, Mem ivle 8sturnum Lsii^Iouiuni svvellat, yui reZngre eenit, iinno a oeltatione acsasium LXXXl; c^u!bu8 II IVinergäclulltllr XXV suni, eontnigunt LI^VI poK acnig8; Huo tempaie ^uileo terram, a lilieno aci ?snaim ut^ne, et in pon- tum, oceupavit. In ea reßnum ^nuileonum et 8armatsium erasimis Stella. 341 tuinlavit, eolonias ciuoliue ex lilüs et lannliis tuis in illis vot'uit, crni uoinina I'ua Ins loeis inäitlvrunt, et relisjuerunt; ut monu- insntunr voller!» ellent, o^uis eonäitor eoruin luillet. ^nno in- Inner VIII Nini, regis Lab^Ionia;, liiuileo legilius pouulos luos sormavit. üi luceetlit Uanuus Illius, ex terra inatre, 1'acito au- tore, eclitus. Is anno VI 8einiramiuis illis ponulis nrocluit. Iluie IVIanno tres ülios iclern ^aoitus aclliAnat; InAevonein, Itte- vonein, et Ilermionenr. Ili, inter ls c^nio^uill naterni I'oli kuerat, nartiti; Ittevoni, klienus, ultra eitrac^nv rivain, ad deeanurn usc^ue, obtiAit: InAevo einn luis ack Oeeaunnr leeetllt, iinverium av lecles usc^ue aä rnare eollgelatum, at> iucke acl I'anaim lluviurn, protnlit, a csuo InZevonum montes illis inoolis coAnoininati 5unt: Ilernnon, vir kerox arinis, interiora loea Lermauive oeeuuavitz euius vroles in tantam inultituäinenr eoaluit, ut a klieno, Da- nnlnuin et ^lliiin attinAerent; pars etiain trans Mbinr, us^ne 8uevuin llnviurn, (eui noinen 8uevi inäiäerunt,) loea ceueruut. ^ui ex illis ^Iliiin oeeunarunt, narlirn Ilernninäuri, ut nlls. Hos elle creuiäerirn a ?tolew!ro Ilertlianos voeitatos, ciuorum leäes intra ^llnm et 8alain kuilse, iuäieat, ita ut at» Ilertlia, iä eü, /lerra, crui« nronria voee Ilertlnim uivitur, ut ^avitus allerit, matre avita cognowinationern eligente», «ruo etiarn oriAinein rua- ternam rekerrent. I'uit eniiu Iris temporibus niulieriuus par so viris Iionos, Platane allerente; ut, nuewaclinoäuiri virorum, ita et mulierum nomiua eelelirarentur, reAiouilius^ue ae nopulis im- nonereutur. Ut äe I'allaAe et klinerva, ^uLe cle uomiuo ^tluvnis IZ42 Zur Geschichte und Litteratur. Zweyter Beytrag. imnonencio, inier ke eertarunt, 1ati8 lil^uet. t!um ini°uner In po- nuii ^live unuw, live geinino8 ctixeris, nsrum re5ert) ruuiiinliea- rentur, etiam amnlius terr-e kvatium incolere cenerunt. In va- i'igz i^uo^uv colonias lele ciiil'lritiuerunt, c^uas lewver a w»ior!Ini8 natu, rltllrn vatriuni i'eeuti, nuneupaverunt. IXain in lumma veneratione viimoAeniti uudi^ue terrsruin lemner nsin'ti tunt, et veluti nrinoiues rvFionum, et caniia ineolsruin reouisti. Iline iiia varie^s uominuni emsusvit, ut et povulus, c^ui antea nnicus kuit, et uniea avveilatione ec>Ac>onnnstn8, exinlie in plnrimas Hin nomenelationes unnvavit. ut toiiioet alii Danlinti, aiü Lalu- eones, aiü Lu6otes, i>I!i IZuriui, aiü t^auntoe, »lii 8uailione8, alii l'llvanti, aiii ^inonos, aiii lieciuni nuneunarentur, primis novui! noininiiius Ins, veluti reeentioritiu8, antic^uatis. (^uilius eiiain novulis, ^iiio^uiä Ipatii inter 8a1am et ^.IInin latitliinv naiet, iinpletnin ett, een 6e Iioe in eoininentarÜ8 lullus lerivli- inus. ZXilnI eniin, »ut narnin, nrvoter toia nomina veiul'tutis re- ruin Zet'tarum, »u antc>riiin8 reiciium eK, l^uoä inonia literaruin eveuit. Huiintum vero vel per aeeeptionein (^uoä genus äiici- vliuoe etiain avuä i?iatonem et a ?vtiil>Ac»riei8 ulu Iialntuin vkt) et taincsuam per i»5un> res vrileoruin noKerc>8 inanarunt, eomnrol^atur, (^uautumeun^ue vero exiAiiuin ett, c^noci ex an- ioruin iraclitione lienreiieinlorv lieuii;) in eonnnenlaria rvtniiinus. Ilsee vriteorurn nonulornin nomina, eili nitlii aiincl, c^uam Ler- inaiiieum, vel reetius 'Inileonieinn 5onant, tum a Lei'inauis acu'n- venia, tum iinnoilia, tainen onin -ut ineuciom Oroeeornin relaia luilient, a jironria et gerinana ciuriiie ali^uantil'ner reinoilila lunt, nt liiltom in ultima I'vll»!)» inlloxionein »ämiUervnt; tsuocl l!c elegantins iplis l'onrire vil'a tunt: suvincle et laiiua inaneta nereuilc», n^uc» longius r>I> geim-inioa et Aorm-ina voee Mere. ?>ee inirinn viäeii lieliet. li uarliaroruin nomina Frseeo auäinn- tur, euin loli Lra.-ei Iicme til)i Aloriam !>ueu»aveiint, c^nod oinuiuin uoniinnin ner orl)em soimatoies extitere; et uti vox, «Quantum- eun^iie lll'per.'», in ülerlis mitteinla toret, ltoeuere. Leteiuiu temnoris currieulo, «juainlo nrvAenitorinn inemoria e mentiuus luecellcn'uiu cleliUa eil; tiinililer et iutu uomina nartim imnnitari, nariini aiioleri kuut cenia, (s^uoii eniin tiue litvris, c^uivus tune l^erluaui ein-uere, vviivwni non i!t oiiuoxiurn?) nartini et in Erasimis Stella. 3-13 i>Iik>8 iegioue8, cum Mute t^ua, trauueta, tmare ioloi-um nerfiuam teuuc8 uotse remankeruut, c^uivu8 a nolter!8 ueurolieuäi noslint. ^eeetllt au iioc, exotieoe et pereAriuse IInKuse, (live oam 8olavi- eau,, live Ilunuicam u!xeri8,) intiocluetio, o^use von moüo uonaui maAuamliuv uartem Loimauise interio»8 oceuuavit, ted et totuiu lere, tiuoä ex piikels nom!niuu8 reli^uum erst, uovis tui8 uomou- elatiouious, iu>a- Als, oojiiilis, et aveiI)U8, tuueruuit, et ui'üeter Ilrve ctiAuisliiuoruul teilotoium luouuiueuta, tot i'vAum, priueioum, uoutitieum et latrauuiu llivlomata, ex csuilius oitorari laltem liest, (I! l^uis ve- tuttatls aviilus, uaves adlillnivrit,) kjuoä Iiaeteuu8 alikeouliituiu latuit. ^äuo et Iu8 ierrls illul'tliuiu uuuiliaruiu uuueui»at!ouv8, et, lluou oiuuluiu luaxiuuuu uuto, vulgails l'eriuonis allulioiiem, in «uia uiaizuaiu uaitem urisov,: uoiueuclatui!« oltaeerv uotei'is, et ea leleil'eere, c^uu: leiulcloetuui vul^us, illolis, ut aiuut, po- üilu>8, uiüetereuullo, »eAliAit. Ilis ego ve^Aiis iuü5teu8, et to lis, ut aiuut, nervis iuluere»8, sre<^ueuli verkatiouo, uuue 5ui^uu>, nuue «ioort'uiu, et iiov, et »Itei'uin volvoiis, llnAiiIa lingulis eoMoeuliU!8, ita uei^nilivi, ut aeum iuvenitloui, li aeuiu o^uoe- tiillem. t)uautniu i^itur uer Iia8 ueuula8 ^>el^»il!ere Ileuit, ut 1'emet ruoue», «null t^oiii. t aeitüiu eeleore« uonulo8, Iu 801 a- koi'uiu uoiuvu tiiuilllle uive^vin. ()u!« nuueuuatia a!«>i8 t'ulueo- ue8 tlixeiit elke, i^uos Ctomaeo« anuales uomiiuuunt; Diuututos, l^uo8 Düveunieos; Ilelmioues luios Ilelu>:>uti,!08, (pro «ui^a, tnu- ila voce, iu auiu>lil)u8 Deliuaotieo« Ivgiuuis) cuii I,o6iv i» uui vevtum uuo uoiuiuv Mluuense» tliei leueiluutiu-. 8ut»iulte ean- uem 1'euütaiu iuamuuluus, ^uos I'to1ew!iuu8 t^Iiautos, 'lucltus 344 Zur Geschichte und Litteratur. Zweyter Beytrag. vero eonieetnris loens ett) <üatto8 uuneunavit, vartim tüveneos, ^>artim tümuros, vel (!Iioro8, «7nv8 Iwllie ?Iimenle8, immo, 1i c^uiä innovanllum korer, (!Iianttone8, Iionettiori voeavulo, üieen- Ü08 iuclico. Larunos, vel Lnuiuno8, a ptolemseo etlaeito nun- euvatos, c^use Iioüie loca kunt eirea Liarum llnvium, a cmit>u8, commutatione vnin8 liier«: taeta, Lurinum vel Lurnis eoZnomi. natum ekt: ineolunt In vonuli, aäliue Iioclie, Imne traetnm, a<1 Alolliinrn nlcme, ulii tran8 amnem Luurtzenle onviclum, a tnc» nomine lliotnm, ennltituerunt, 8evtenirionem verku8 Loarclum attinAente8. Ultra Imne I^uüoles avncl (üornelinm, csuo8 nostliae I^ilianotlianos, lwclio I^ivliaco8, icl naZo e!u8 nominis eommon- bravere. ^nl)ante8 ?tolemoeo «lieti, lioclie l'nlianentes; in c^no- rum a^ris ?Ialwnium onviclnm, et arx Inlianeeliia vituntur, ta- milia^ne ^uvaneoliia, in I>ae regione tui8 natalilnis inliAnis. ^mones Ins vioini: cino<1 noinen et Iioclie retinuerv. Winllmne8 a l'aeito, iu8 Vittone8, ant a iln- mine vulgo >ViIarunA<)s a ptolemoeo, eos putave- lim, Quorum AIarnf8liuK, arx notillima, cannt elt, penv nriscam nomenelationem relexen8. ^Vl> In8 c^uocme eo8 ortos ereüiclerim, <^ni vnviclulnm, eui Nerano noinen vulgo indiäernnt, in reAione (üliauttornm eonllillerunt. AIvAeIano8, (^ol!luo8 a 8tralic>ne ll!oto8; item x!mi>m im- pietatis notam kulni-ein, li <ü^eneorum ae I^ilianotrlorum niec»- iiim cautam indesenkain relinc^uerem, utriulc>ne vickeüeet nouuli vetuttam oriAinem retieenäo; eum a pia-oipuis ittorum nonulo- ivm oivitatilius maximis »enetici!8 lim ornatus; eum in alter» earum Avvilus, altu8 et ern6itu8, sl> gltera in eiveni !>lI5e!tu8, lilioialilor kotu8, in natrioioiuin oruiuem coopt!>tu8, oonsul «levln- riiius, satoilius inliAnitus. Inliumanum itac^ue köret, ne llienm iinnium, li tot in wo eongeltorum deneiielorum ita auieeillem inemoriam, ut illos pernetuis tenet>r!8 waneinatos velim, c^uos vii« Inois^ue, ao tot ornsmentorum autore8 naliuiuom. 1u» iZilur in6ulAgnl!i> kretv8, lector onlime, illorum antiknütate8 al- tiu8 renetere, et <7U«: Iiaetenu8 in aliu!l>8 inelusa latuere. in punlieum nrouucere »Agre^iar. Ltt autem utriutc^lle nonuli (Lvenes et I^il>snotliani>) nomenclatur!» uttiue^us^ue leeentislima, ut äe vol7e5lionv nuniine azen^um, mininiec^ue llnliitannuin lit. Narn vroeter I>oc, <^uoü in ore litoratornm ud!<^ue xentium vor- latur, virum eruuitisnuimn, et onun8 gnticjnitalis promum et eon- äum, loannem Lailkonem Lononientem, aävoeatum Iialieut, c^uoe nee graviorem, nee äitertiorem ueiillerars c^uiuem nollenl; l^uiune uniu8 tanta e5t tum eloquent!», tum eiuuitio, ut in omniuus pritei oevi Aravi1'kimi8, kimulf^ue ci!ter>iilim!8 viri8 ovliiuo iure eonkerri voterit; i8, in^usin, in liliello 5no lle Iiello 8nevorum et Ulllinentum, Ü8 nc>nuÜ8 nolle8klonem bonse ii6ei (ut aiunt) »lkeruit. ()uem tettem kortiorem, natronum xraviorem, aclvoca- tuni taeuncliorein, vroüucere cuiirem, c^uo ittis nomeucl!>l!oniuu8 iu8 1'u.um pollellorinm allererein? Iloe uno nlu8 comvrovaium elle äueo, yumn k civeem tüonraäo8, di8 oecem <üelte8, ae omnem uroletarioiuin tui'Iiam in te5t!lnouimn sll'errein. I^am ov rein, nv aetum iZMiu, non vel'iiuin s^aiilem vrc> leltituencla uollollione viokun6sm. 8i l^nill lle ni8 vopul!8 vel l)»teiiriu8, vel luuttri- etiu8 toitsn, in eommentarüs i'elstum vK, inearum psrtium eril, iä intmn exnlanare, et drevilius explicsie, (<^uoä a1!a8 neroiea vueeina, llam Uollni tovogianliieo ktilo uvcurtum vinximus, niulta äe In8 cecineram.) nv eauclem eantilenam iteruin canlaie viäerer. lü^onornm ita ijitoruinhuv noininivu8 nuneunauantur. Ilae lÄtione livLe iL^io, » tü^onc», (ü^cnoa uieta suit. ?io r^na voev t^omAva in anualiliu8 ronotituni o5t, hno«I vulgo Luanselclium inteiuietati sunl. Ill nomen eivit»8, eiu8 rvAionis oanut, Iiolliv lohnet, antic^uve avpoilationi »ttinulanllo. In^uiliui t^uosnn: ie- A!oui8 a Nolliic», ul^uo ?I!Iiin, ultia tlnviuni, alienl)! ad LliKruni, L^onoi; c^uo uoiniiio oi^ Inzlliv Aloiilintui'. Isiin8 uo- nuli iinn voiuttani oiiginom, vt vx Iiviouiu tXirue llenueiam, rnulta inouiinouw vvtornin tetiantui; inüxiinoueio enitr>»Iiii in- leriptio, nrinei»sli8 nnollse, in luuula nluinvea, anno aulnno XVIII, per loiianuom I^unum, ox IIein>ant8Alüu, viiuin luni eruuilum, luin !>nli^n!tu>.!8 (iiÜAeuiil'l'imum inciaMtoivin iiuins nalria?, ec^no- tlii8 oi'uini8 nvoeeiem, in agro villoe noliosse tuoe ll!tioni8, loeo, iniin eoi'ain ol'tonäit, i'onerta, cluin lnuoi' ingen8 ol. vetutta ^pinus toi'to erst, c^llve genti1iiat!8 toin^ttnc! vuiXi8 nviueiuuin ol. latianuin imnoui tvlita erst) vx ilatn vontornin ni'oeillvi'ul. I/ncio. torra c>It!ll8 i-eteola, olla onm Ime iaunla, nni1ti8 toeulis illio tenultii, oculis Iwininum natuvi'uut. t!uill8 tüvulu: voiua tautexeie volui, ut antic^nitati8 cau<1iiii»>i neitnieuo .ii'Ainnonto eolÜA^nt, nilnl Iwium, c^ua: clo L^enei8 liiota tuut, 1'tnnuiuin ni'N to iorio. 80^^1111.1)18. 8v^kknil.l>i8) CiFNlii, Ilerculi^ (>il>ii ultiini»! louuÜL uI!->. ex ^Ivki matro Aenila, cui svus r,-itcr»»s suit ti'-ilc«; 8>Ii>!> (vei Ililcl.i) gvis; pro.ivu8 ^elilter; ^ro-ivii, V'iinl?>; i>ti!>vuü, Dlicnes l^vel Duliclies;) ou-ivia 8!cnn!<>; stgvu-, (-I.iucu«; stgvig, Aleise, <^ui omnes k> L)zn<», Ilerculis iiliu, et ^Iiv-n«', ^ubgnl^i lllia, uelcenclerun^, Iis-i terrss, .1 soiile Illzo Iluini- ins, cum (ü?.one, us^ue »6 Lliitiuin, roxi; cjU!e ^gnoruin terr.i äicts elt a maioriuu« nul'tnL. Dl^rs I^liltruni Ilild.i, lorui, 8orgb',8 imperavit. Vixi puäiee, sulc^ue msrilo, volcinivus tatiäicls pgreliiikus. Lum tgnren a llliu (^'ri^Iwnis Erasiiius >Qlcll.i, 347 illul-i, nuncjuam wmen I^lc,. I'oltc^uaiii t^il tju!»^u!e8 lle- cic«, et lunra Iioe lentie8, curtuin tuum eircumcgillet, vir^» oceuliui. Ilie senulta tum. 8tella iulgente, umlirsm meam vi6et>!ti8 l^^znoi. I'une tun! cornuti in1i(jia8 csvete. (^snut dovis s6 petram religstum lolvetur: vc>8 renellite. k'orcum, laete et lgNAuine ks^instum, maetste; eum poreello suo; l>1i>8 i^lius cliseernite. ^Vtavi leclem occu^gre Itu^ete. ^In» tri« sngust!g8 vitale. Limites vektro8 pertiei8 tleliAnste. 8errs triclenti, c^uo6 c?urum e5t, llivillite. IVIorgii t'rgnllite rvliorü. Lüentium amate. Vslu tellsees e eorsna proiieite. Vulture8, c^ui even>8 inimiel sunt, tu^ste. l)uocl luteum suit, lanilleum tseite. I^ni noctem sceenclite. ^rcientein vcstem 6eo extinzuite. ?srenti8 amictum nun eontemnite. I^eAL8 p!>tr!a8 non trgnsteen6ite. Ovcnvrum ineorum can- llorem sol^iciti servsle. ^r^ent! tonte8 venenum Iiglicre, memeutute. 'I'u6icuÜ8 matrem n»n I^edite. I^vee v«Iz'>8, jllii mei o tüvcni, uti a ^)»rentilzu8 sgtiliil.!8 geee^ii, reclciidi. 1^eliee8 1i tel^ugmini! //«e /nei'ttnt »ttt^e?' «! NA?'«) /^e?ik!8 ex UermunsAriiii. Imnlicalltui' Iiis litevis uvu 1'otum ittius nonuli antic^uitates, seä et verlioi-um iuvoluens tatoium orilo üeliAiiatui^ e c^uitius tüveneorum kata ^>otonc1a 5oront, c^uemaclnioilum ^>opuli liomaui ex lilivllims liliris, c^ui in inaximis 5olum necetlltatiuus a oollegio auAurum scliri koliti viant. (^uissuiis rom insam toto necioie nenlllaverit, l^vtligAoriosm dooliinam ülie iriolutaiu porlvlitiel, ljuoll et l'vmtiolieag t"enter»t!as eoutiuet. ot irliiuine aä litvigm, ^uic«^u!i1 in Iiis eoutiaetur, iutelllgi potLt. ^clekt noliis i5t!us vniiiioms aliull argumentum, kaue ivgximum, <^uo Druiclarum toclalitium (c^ui niiveinue uauo llilcinliuaw niotiM tuiit) in loeo 348 Zur Geschichte und Litteratur. Zweyter Beytrag. ittius l'LAioii!» lu!ll'e eoni!eimu8, lemula^uo et gras illie IialnM'e, l^use liockiv »Ii iplis I)ru!cki8 nomen retiueut. In c^uo, eiul'ckeru laligums I^upi ckiÜAentia, Iloee inteiivtio Arseoanicis elenient!8: /^tz^Sd-v kl-^i-^os, Iap!ckil>u8 inteulnta, leuerta kuit. oc>8 antein tuillo in Germania, vel ckoAmst!l'ante8, vel laerorulu i'ituni inl'tituente8, vulgsiium ickeoma, tot Lioeci» letertun» voca- dulis, anerte inckieat, «^use lerulknü volent! tete lua snonte ollerunt. tüorn. c^uo^ue "Iseitus Ilereulsm anuck Leimanos l'uille tei'ilnt, <^ucm in piselia ituros, primurn omninm viroiurn tortiur» ceei- nille, aklirmat. ^»nc> c^uo^ue XII Uacalei, isgis Lalivlanise, Hereulem in t^erniania i-eAnalle, Lerotus lerintum lelic^nit. ^n is sl!u8 oli !Ilc> utnote LiLeeus, Lermanu8 glter, an uteiMe (!ralu8, nenlitent alii. t»eck ckv I»i8 1ati8; ack ick, yuock l'uneiest, eontencksmu8, I^ibauotliriarum vetuktatem i'enetencko. (ülieiuleo- lum ponulum Leimanioe «juonckam potentisliwum, liwulc^uv bei- licolil'limum l'uille, (^orn. ?ac!tu8 so 8tralic> retuleie, 1ecle8ciue ampliMmas ack ^.II)!m vevunslle <ÜIauckianu8 tel^tatur cum leiiplit: — ingentes ^Iliiin liniiere Llieilll'ci. lltiu8 eoAnon>!natioii!8 inckieium kaeit urli8 (ülerul'ea, tran8 ^lbim, l'uli ckitiono ni'iuoinum ^lesn!-r. Ili populi cum linitini!8, proeei- pue <üatt!8, c^ui e?8 in latere oouleckeiant, 8alam^uv, lluvium kertilitlimum, altixerant; pai'8 et!am amnem traulieiat, in loea, ulii Iiockie lecke8 ett: par8 Lliorulooi'urn, ckuce I^i- oanoilie, imniZro iuvene, natiium tolum exieus, loea ack 8alam, n^uo ^Ivini inlluit, pi'imuin oeeupaveie. 8, partim 1uliget!8; in In8 Iecke8 1tadile8 1ocsnte8, c^ug8 cum a ack Nolliium ulc^ue, protulillent, legionem totam sl» i5tiu8 genti8 Principe I^ilisnotlte, I^idanotristn eoAnaminarunt; popu1u8c^ue ipto I^!oanc>tr!u8, vel I^ilianc>tllsuu8. Oeinum ner legionem illani tuio ounicks, tum sice8, eonktituerunt, c^u!l>U8 ex kel'e utnlurimnm nuneupatione8 ek coAnowins inckickerunt; een tunt I^ililau, ack 8glsm; I^ilinnoum, gck klolin! lipsm, ^licet lwckie sli eo sli^uantnui ckit'tet, »l» llumi- ui8 ckecuil'um immutstum.) In meckio suleiu ieg!oui8, ack eon- ErasimiS Slella. 349 lluentes tliivios IMtrum, I^Iillm et Losrclum, Livllm eonäillit, c^uam, s nomine natr?8 lui, t^ui I^!ue8 nuueunaliatur, eognomi- navil; oavutc^ue totius nonuli I^idanotdani elle voluit; t^uoä in eollimini»u8 Luclolorum et Larunorum lltum, colloeata luillet, «le notter Lononien- l!8, in liello 8uevieo sä vrineinem ?r!6er!cnm, llucem Laxonioe, Iic>8 vouulos I>il>anotnan<>8 et I^!lianotlüeo8 voeavit: eur nou temere s nodis in nolletsione lua tueantur? s c^ua nee interclietn nroetorio, kaltem oe^uo iuüice attittente, noterint turvari. ^ätti- pulantur Imie evAnominationi eruäitorum virorum tum evigram- wata, tum enitanlua, in c^uil>u8 lllzi nolket/lonem, eommuni iure, venclieant. ^1°t I^ivll in seile clivi?auli, vrincini Hieoclorieo evitsnliium Mu8 Zeneri8, scl yuocl inllagatore8 lnllioltos relego. 8sti8 miln llt, notas et llgna irnlieslle. ^)ui ollam «lsllclerat, ut terram kocliat, necel'l'e erit. Verum Iioc nonuli nomen Iiou8 lange nrsekerenäsm, ut c^uoe non moclo oum vene- ratione, teil et cum aämirations Ilvminum animo8 sck tele per- trslist. lä vnilatovni srguti« rationiI)U8 eomnrobsrnnt, ntnote, gntic^uitatem nou lolum elle originem omni« vol'teritati8, veium etiam, line regum so nrincinum («zuoä unieum iuliar comwuni Iiomi- 360 Zur Geschichte »nd Litteratur. Zweyter Beytrag. num eonlenln in terr!« reluoet) linv vetuttate oliteura lit. Omnis orseterea nroeerum noiiilitas, nili cliaturnitateln recioleat, eon- lomtitiliis Iialietur, et pro niliil« lernerunt. Odmitlo ciieere, Quantum Iionoiis votuttsti, c^uocl aI reruin recentiori8 oevi eoAnitio, niti anti^uitatis tale aloer- gatur, conüitacsuv 11t, cito evaueleit, et, velut inlinictum nulna- mentuin, a gultn retpuatur. Verum no8 antic^uitatis eltiAiem, lsuve maxiwis nriteorum nominilius gAnoteitur, ailiorem, lauctioremc/uo eile, orastiori, ut sinnt, Minerva nerle^uainur, arAUmentnm a veteri8 nionetve l'ueetatoriuu8 t'llmeirtos, <^ui nu- mitniata antic^uata, ei ruIiiZine nnlli^nac^ue ot>6uota longv nluris, k^nam reeenler nereullos nummos seltimant et rnercantur; nilnl in Ü8, nr-zeter vetuttatem, et aclmirante8 et allorante8. Quantum inluper onerse euni limancio, tum exnolienclo imnvnclant, ut t'orcie et tcrusmis «letulis, ali^uantulnm act genuinam t'neeiern reüeanl, tat!« eognitum ett. In c^uibus uarum ant nilnl, lzuocl tantonvre elalioratum ouniunt, nrseter anti<7uitatem invoniunt; et c^uanto msgis icl genus antic^num, eo aviäiu8 anootitnr, 1ollieit!u88 et PIir^Ags, Ilercillotus luciäe lali8 exnliearunt, c^ui omnes^ nl uno verlio tlicam, ex sulic^uitste lil>i clarilullinem aueunaro ttuiluerunt; tanto Asnerolioies, c^uanto anti«iuite8 rite tntatu8 luin; ü nritois noinenelalionilius, in c^uiuns patrioe ekligies eontervatur, siniHain pollotlionem, ontimo iure allterui; li illis ipli8 palriain oruatio- rem illutlrioremhue recltlilli; li arguinenli8, ^nvec^ne olileuriora tuernnt, nertnieacMma teci; li allaiini ealumniancli anlain nroe- eicki; li ner omnia reete nlsuklrum nrotuli: tnuin, o leetor ean- cliäe, eKo iu6!eium. 8ln, teeus ae tueisdaw, tors eeeiäerit et slisjnaleuus a rvAula . e. (°°) Ungezognen Orts, S. Zto. Wie denn Rrevsig selbst von diesem ganzen coroiwrio eine Abschrift gehabt zn haben scheinet, indem er H. 12. S. 6!5. Worte daraus anführet, die sich in dem Menekischcn Fragmente nicht finden. Erasmus Stella. 363 cher es hier aus unsrer Bibliothek erscheinet; und vielleicht aus ihr nur einzig und allein annoch erscheinen konnte. 3. DaS Manuskript, woraus es genommen, ist von Althammers eigner Hand, und allem Ansehen nach unmittelbar von dem Originale des Verfassers copirct. Denn als in dem angczognen Briefe Stell« Alkhammern gemeldet hatte, warum er seine übrigen historischen Arbeiten zurückhalte, zugleich aber doch auch hatte merken lassen, daß er sie der Welt nicht schlechterdings versagen wolle, wenn er und einige andere gelehrte Freunde die Besorgung davon übernehmen wollten: so bat Alchammer sie darauf ohne Zweifel sich aus, und erhielt sie. Dieses geschah in dem Zahre 1Z2V, in welchem Alchammer annoch die Abschrift des ersten Commentars zu Leipzig vollendete; wie aus der, am Ende desselben befindlichen Unterschrift zu sehen, die keineswcges von der Ausarbeitung des Verfassers zu verstehen ist. Das Uebrige hat Althammer das Zahr darauf zu -Halle abgeschrieben, welches er selbst am Schlüsse seiner Handschrift durch die Worte, ?kX,ocz ?^v ?ks? ^»s^ Hllo-vi«x>^. UM« Liaxonum. ^»no a lalutilero partu Acccccxxi. bezeiget. Es hatte ihm aber Stell« nicht allein die gegenwärtigen commonwrü zugeschicket, sondern auch seinen N-Mius, eine Beschreibung der Mulde in lateinischen heroischen Versen; und beides war es, was Alchammer unter dem Titel ^.ntlrjm- tatos tvrr-e Ailmenlis ^uet. Lr. 8t. herausgeben wollte, wie die ganze Abschrift zeiget, die schon so völlig zum Drucke fertig gewesen zu seyn scheinet, daß sogar auch die poetischen Elogia nicht dabey fehlen, welche die Freunde des Srella vorsetzen wollen, und die von denen ganz verschieden sind, die sich beym XNencke vor besagtem Gedichte befinden. Das eine ist von dem berühmten Johann Lornarius, und fängt sich an: lundem, Ltella, tuoe inviilerc: ksmaz Lolla, ac psnlls tuos liliellos — zum Beweise, daß es mit der endlichen Ausgabe, unter Bewilligung des Verfassers seine Richtigkeit hatte. Ohne Zweifel aber unterblieb sie, weil dieser, noch in eben demselben 1521 Zahre, mit Tode abging. Leslmgs W-tte IX. 23 354 Zur Geschichte und Litteratur. Zweyter Beytrag. 4. Bey dem Alallilus habe ich mich nicht lange aufzuhalten nöthig geachtet, weil ihn XNencke mit jenen pai^Iipowonis bereits drucken lassen. Wenn jedoch Rreysig davon sagt, daß cr alldort, „aus 323 (soll hcissen 325) Versen bestehe, die, was „die Syllben anbetrift, mit so vielen poetischen Fehlern behaftet „wären, daß sie beynahe der Anzahl der Verse gleich kämen:" so muß ich von unsrer Abschrift anmerken, daß sie nicht allein einige Zeilen mehr hat, sondern auch viele von den prosodischcn Fehlern darin wegfallen; wovon ich jedoch Proben anzuführen, nicht der Mühe werth halte. Genug, daß man es hier angezeigt findet, wo man das Ding richtiger haben kann, wenn es irgend einmal wieder sollte gedruckt werden. Z. Selbst die eommenwrii hier zuerst drucken zu lassen, würde ich mich wohl bedacht haben, wenn es allein ihr innerer wahrer Werth, ihre eigentliche Brauchbarkeit wäre, was mich dazu hätte bewegen sollen. Denn wahrlich ist diese nur sehr gering; falls sie nicht anders als nach den neuen historischen Wahrheiten müßte geschätzt werden, die wir nun endlich aus ihnen lernen. Allein sie sind ohnstrcitig von einer andern Seite desto wichtiger. Da sie nehmlich das allererste sind, was von den Meißnischen Alterthümern zu einer Zeit geschrieben worden, als das Studium der vaterländischen Geschichte in Deutschland nur eben seinen Anfang nahm; da ihr Verfasser der ist, dem Bcrtuff, Wilhelm!, Schmidt, Krause, Fiedler, und so viele andere Sammler und Schmierer dieses Schlages, in seinen Fabeln von den ältesten Zeiten blindlings gefolgt sind; da er eben der ist, welchen die bessern Geschichtschreiber, Albi- nus, Fabricius, Rcincccius, der Ncurern nicht zu gedenken, so oft widerlegen, ob sie schon nicht selten an die Stelle seiner Erdichtungen eben so grundlose Dinge setzen: so ist es um so viel besser, daß man nunmehr die Schrift selbst vor sich hat, auf welche sich sowohl die einen als die andern beziehen; besonders da man, zu einiger Rettung des Stell«, noch wohl annehmen konnte, und wirklich angenommen hat, daß cr vielleicht alte Nachrichten und Chroniken aus der mittlern Zeit gebraucht habe, die in den nachfolgenden Kriegslasten verloren gegangen. Zwey von dergleichen Quellen auf die cr sich auch wirklich beruft, erasimiS Stella. 366 waren bereits bekannt; nehmlich kut,vinus oder Ii.^6ovicus 8ax und Oitm-vi c-ltalnZus epifcopornm lUvrioliiii-Fenlinm: lind nun wird man finden, daß er jenem auch einen Ilei-m.innns (S. 339.) bcygcscllct. Hermann der Rrüppel, oder sonst ein bekannter Hermann, kann dieses nicht seyn, als bey welchen sich schwerlich etwas findet, womit sich die Grillen des Stell« beschönigen liessen. Wer wäre es also denn? Gehört er wohl auch in die Classe der andern zwey, die noch niemand gesehen hat, und die wohl schwerlich jemals in der Welt gewesen sind? 6. Denn leider ist es nur zu gewiß, daß Stell« nicht allein seine wahren Quellen so wundcrscltsam gebraucht, daß es ihm nicht schwer werden können, aus allem alles zu machen: sondern daß er, ohne Bedenken und Scham, auch deren mehr als eine gänzlich erdichtet hat. Er lernte diese schöne Kunst ohne Zweifel in Italien. Wenigstens scheint mir des Annius eherne Tafel von vitcrbo, ganz das Vorbild zu seinem Epi- taphio der SchrvanhilSe gewesen zu seyn. Und wie, wenn er auch noch ein anders Epitaphium erdichtet hätte, weswegen man ihn zwar bisher noch nicht im Verdachte gehabt? Ich meyne das Epitaphium des Markgrafen Ticizcmann, j„ der Paulincr Kirche zu Leipzig. Meine Gründe, solches zu glauben, sind diese. 1. Das Monument ist schon an sich selbst verdächtig, wie N?ild'e in dem Leben des Markgrafen gezeigt hat. 2. ES ist nicht allein unwahrscheinlich, daß Dantes, dem es zugeschrieben wird, sich damaliger Zeit in Deutschland aufgehalten: sondern es ist auch schlechterdings nicht wahr, wie aus des Ma- ncttns Lebensbeschreibung des Dantes zu beweisen. 3. Die Verse selbst sind des Dantes unwürdig. 4. Wenn Dantes sie also nicht gemacht hat: wer hätte sie ihm, zu Ende des fünfzehnten Jahrhunderts, wahrscheinlicher unterschieben können, als Stell»? Konnte Stclla einem andern Italiener ein ganzes Werk unterschieben: warum nicht auch dem Dantes einige Verse? Beide, jenes Werk und diese Verse, betreffen noch dazu zwey Brüder. 5. Srella selbst beruft sich (S. 249.) auf dieses Epitaphium, um eine Sache damit zu beweisen, von der es ausgemacht ist, daß er sie lediglich erfunden. Nehmlich, den alten 23 * 36k Zur Geschichte und Litteratur. Zweyter Beytrag. Namen der Gegend um Leipzig und ihrer Bewohner. Denn eines von beiden kann mir wahr seyn. Entweder Dantes hat die Verse wirklich gemacht: und so ist der Name I^ili-motliani und I.ik-motria allerdings älter als Stell«. Oder Stell« hat den Namen erdichtet: und so kann Dantes die Verse nicht gemacht haben, in welchen er vorkömmt. K. Stell« beruft sich nicht allein auf das Epitaphium, sondern unter den Papieren des Althammers findet sich auch eine Abschrift davon, die dieser von dem Stell« selbst erhalten zu haben scheinet, und in welcher verschiedenes mit einer Veränderung vorkömmt, die nur der Verfasser selbst hernach hat machen können. Die Unterschrift heißt daselbst blos: ^nno vomini NeeOVIII. Dantes l^lorontinus oxul. Doch ist noch die Jahrzahl 149k beygefügt; vielleicht um anzuzeigen, wenn Stclla die Abschrift genommen haben wolle. Als nun die Kirche 1618 wieder erneuert ward; was war leichter, als daß Stell« vorgab, das Epitaphium in ihrem ehemaligen Zustande abgeschrieben zu haben, und daß er Glauben damit erhielt? — Ich werfe alles dieses so hin, und überlasse die Ausführung einem, den die Mcisscnschc Geschichte näher angeht, als mich. K. Denjenigen, welcher dem Stella seinen Betrug mit der Grabschrift der Schwanhilde spielen helffen, nennen Wilhelm und Schmidt, Johann S.upas von -Hcrm«nsgrün, einen Voigtlanvischcn von Adel. Zn den paralinm»«-«!«, beym Mencke heißt er loliannes I^n^u« vx HormsnsArun, auch Oo- minus dv HormünsFrnn; und in einer Anmerkung wird hinzuge- gcfügt, daß Qupus hier so viel sey, als U?olfgang oder N?olf. Kreysig hat hieraus „einen Johann A.apus, Besitzer Ves Guts -Hermansgrun" gemacbt, und es scheinet, als ob er geglaubt, daß die Grabschrift auf diesem Gute selbst solle'seyn gefunden worden. Allein hier in unserm dorollar!» nennt sich der Finder Ivliannvs I^unus vx Uvi-mimsZrun, und datirct seine Bescheinigung vx arcv Selioznioldenli, woraus mir wahrscheinlicher ist, daß Herm«nsgrun sein Geschlcchtsnamc gewesen. Zugleich sagt er ausdrücklich, daß die Grabschrifl nicht in Her- mansgrün, sondern in azro paz! petroll gefunden worden, über welche Worte in unsrer Handschrift Steinvorf, von der nehm- Erasiuus Stella. 367 lichen Hand geschrieben, steht; anstatt daß Wilhelmi und Schmidt dafür sagen, bey Vem Dorfe Stein. — Alle diese Kleinigkeiten aber würden nicht verdienen, berührt zu werden, wenn der Mann selbst, den sie betreffen, nicht auch noch anderweit sich einen Namen gemacht hätte. Nehmlich, ausser der Grabschrift der Schwanhilde, wird Johann Wolf von Hcrmane- grün auch noch als der Finder eines andern alten Denkmahls hin und wieder angeführt; und zwar eben desselben, dessen Stella (in dem eorollsrlo S. 348.) gleichfalls gedenkt. Der Ort, wo es soll seyn gefunden worden, und von welchem Stell« blos sagt, daß er noch itzt seinen Namen von den DrniSen führe, ist das Städtchen Dreuen zwischen Arvickau und Reichenbach. Wer wird aber nicht sogleich vermuthen, daß diese Achnlichkeit der Namen allein, der einzige Anlaß gewesen, das ganze Denkmahl zu erdichten? Die Widersprüche, mit welchen Stella und andere davon sprechen, die ihre Nachricht doch auch von dem Finder selbst haben wollen, verrathen es deutlich. Wenn man z. E. beym Schurzfleisch s") liefet: Huoä lezos Oruiäuiri attlaot, lo. I^upus, HermansFruAeriüs, Quetore ^liclr. ^ngolo, comm oder wie er gelesen ^^Z«^?, (welches in unsrer Handschrist deutlich ^uipjZ«^!,' heißt) gar wohl der eigenthümliche Name des Druiden könne gewesen seyn, so scheine ihm doch glaublicher, daß das Wort entweder H^v^T-i^, oder ^x^ojZ«^?, d. i. der Eichensteiger oder Wchenschnciver dürsfc gchcissen haben, um denjenigen Priester anzuzeigen, welcher die hohen Eichen bestieg, und den darauf gewachsenen Mistel mit einer goldncn Sichel abschnitt. Wie oder warum aber eben dieser Aiedler, aus uu- scrm I- IV. von Hermansgrün einen berühmten Bischoff gemacht habe, kann ich itzt nicht wissen, da ich sein Buch nicht bey der Hand habe, sondern solches nur aus der Anführung des von Falkenstein ersehe. 7. Zu diesen, und dergleichen Untersuchungen mehr, wird also die Schrift des Stell« noch immer gut und brauchbar seyn, wenn sie auch, ihres Hauptinnhalts wegen, noch so entbehrlich seyn sollte. Und vielleicht dürfte sie auch in Dingen, die diesen naher angehen, noch manches haben, das so ganz verwerflich nicht ist. Dahin möchte ich z. E. des Verfassers Meynung von der Wendischen Sprache (S. 33t>.) rechnen, die mir wenigstens eben so wahrscheinlich klingt, als irgend eine andere. — Doch ich breche ab; und zeige nur noch an, daß es mein Freund, der Herr Prof. SchmiO in Braunschwcig ist, der mich der Mühe, die Althammcrsche Handschrift zu gegenwärtigem Drucke zu kopieren, überheben wollen. Um so mehr kann ich daher meinen Leser versichern, daß alle Treue dabey angewendet worden; so daß er in Stellen, wo er vielleicht anstossen dürfte, die Schuld nur sicherlich auf das Original werfen mag, dem man, auch nicht einmal in Kleinigkeiten, nachzuhelfen, sich die Freyheit nehmen wollen. (°) NordMlischc Mcrllmmcr, Th. l. S, 1V9. 369 Dritter Beytrag. 17 7 1. Vorrede. Da ich für gegenwärtigen dritten Beytrag, an zwey hiesigen würdigen Gelehrten Mitarbeiter zu erhalten, das Glück gehabt: so glaube ich, desto getroster vor meinen Lesern damit erscheinen zu können. Was sie aber sonst, hier bey Eröfnung des zweyten Bandes, vielleicht erwarten dürften, werden sie am Schlüsse desselben, zu Ende des vierten Beytrages, in einer Revision aller in dem ersten Bande enthaltenen Aufsätze, hoffentlich finde». XVII. Don Adam Neusern, einige authentische Nachrichten. Besagte Nachrichten sind in einem Briefe enthalten, welchen dieser unglückliche Unitarier aus Constaiitinopcl an einen seiner Freunde geschrieben, und von dein sich, unter den ncurern Handschriften unserer Bibliothek, eine, allem Ansehen nach, gleichzeitige Abschrift befindet. Da ich nuil nicht wüßte, daß er bereits gedruckt wäre, dieser Brief; oder, wenn er es ja irgendwo seyn sollte, wo er sich meinen Nachforschungen so hartnäckig entziehen können, da ich behaupten darf, daß er wenigstens so gut als nicht gedruckt ist, indem man unterlassen, den gehörigen Gebrauch davon zu machen, und die nehmlichen Falschheiten, welchen er auf die glaubwürdigste Art widerspricht, «eurer Zeit noch immer aus einem Buche in das andere übergetragen worden: so hoffe ich, weder etwas überflüssiges noch unnützes zu thun, wenn ich ihn hier ganz mittheile. Aoam Neuscrs Geschichte überhaupt darf ich hier als bekannt voraussetzen. Damit aber der Leser doch sofort etwas habe, sein Gedächtniß aufzufrischen, und während dem Lesen des Briefes die Ncrglcichung selbst anstcllcn zu können, so sey es mir erlaubt, ihm das erste das beste von den tausend Handbüchern 360 Zur Geschichte und Litteratur. Dritter Beytrag. aufzuschlagen, welche sich vermessen, auch die sonderbarsten Männer, auch die seltsamsten Erscheinungen in der moralischen Welt, mir ein Paar Worten abzufertigen, und auf immer entweder zu brandmarken oder zu verklären. So schreibt Isckcr. „Avam Ncuser, ein merkwürdiger „Apostata, war aus Schwaben gebohrcn, wurde in der Lutherischen Religion aufcrzogcn, bekannte sich aber nachgehcnds „zu der reformirten, und ging in die Pfalz, wo man ihn zu „Heidelberg bey der Petcrskirchc zum Prediger machte. Ungeachtet er viel Fehler an sich hatte, und sonderlich dem Trunke „sehr ergeben war, so brachte er sich doch durch den äusscrlichen „Schein eines gottseligen Eisers, und durch seine Beredsamkeit „bey dem Volke ein ziemliches Anschn zuwege. Als er aber „bey dem Churfürsten von der Pfalz, Friedrich III. in Un- „ gnade verfiel, ließ ihn selbiger von dieser Kirche wegnehmen „und an die Kirche zum heil. Geist in Heidelberg setzen, allwo „man ihm keine andere Amtsverrichtung verstattete, als die „Frühbetstundcn zu halten. Diese Degradation verursachte bey „ihm einen ungcmeincn Verdruß, deswegen er sich vornahm, „den Socinianismum, dem er schon viel Zahrc heimlich zugethan gewesen, zu befördern. Er brachte zu solchem Ende „etliche Pfälzische Prediger auf seine Seite, und bemühte sich „nicht allein mit dem berühmten Socinianer, Georgio Dlan- „dram, welcher damals bey dem Woywoden von Siebenbürgen „Mcdicus war, eine schriftliche Eorrcspondenz aufzurichten, son- „dcrn auch sich, nebst den Seinigen, in des Türkischen Kay- „scrs, Sclim II, Schutz zu ergeben. Sein Hauptabschen lief „auf einen Syncrctismum zwischen der Mahomctanischcn und „Photinianischen Lehre hinaus. Er ging endlich gar so weit, „daß er an den Sultan Selim einen Brief schrieb, welcher „aber in des Churfürsten Hände kam, weswegen er gefangen „genommen und nach Ambcrg gcführet wurde. Doch sieben „Wochen hernach salvirte er sich zum andernmalc, begab sich „nach Constantinopel, und trat öffentlich zu der Mahomctani- „schen Religion, wurde aber zu nichts andern als zu einem „Chiaus gemacht. Er war ein wollüstiger Mensch, ein Trunkenbold und ein rechter Atheist, deswegen er auch von den Adam Neuser. 3«1 „Türken nicht weniger verachtet, als von den Christen gehaßt „wurde. Seine lüdcrliche Lebensart stürzte ihn in eine schändliche Krankheit, da er von Würmern gleichsam gefressen ward, „und einen so abscheulichen Gestank von sich gab, daß ihm „kein Mensch nahe kommen wollte, bis er endlich niit erschrecklicher Verfluchung Gottes und aller Religionen, den iZtcn „Oktober 1676 zu Constantinopel starb. Die Siebcnbürgischcn „Socinianer haben seine Manuskripte vor hundert Gulden an „sich gekauft, von welchen aber niemals etwas ans Tageslicht „gekommen." — Doch Iöcher ist ein gar zu elender Eompilator. Die Umstände seiner Erzählung, welche sich aus dem nachfolgenden Briefe als falsch ergeben werden, könnten also leicht mehr für eigenthümliche Unrichtigkeiten des nachlässigen Zusammcnschrci- bcrs, als für allgemein angenommene Behauptungen gehalten werden; wenn man nicht sähe, daß auch andere damit übereinstimmen, welche mit mehr Ueberlcgung geschrieben und die Quellen unmittelbarer gebraucht haben, und aus denen wenigstens Einen für alle zu hören, sich wohl noch der Mühe verlohnet. Dieser Eine sey Heineccins, welcher in seiner Abbildung der alten und neuen Griechischen Rirche^) sich gelegentlich über Nensern also ausdrückt. „Es war dieser Aoamns Neu- „scrus anfangs Prediger zu Hcydclbcrg, nachgchcnds aber wc- „gcn eines Zankes mit seinem Collegcn D. Gleviano abgesetzt. „Hierüber wurde der Mensch dcrmasscn ergrimmet, daß er sich „heimlich mit den Sociniancrn in Siebenbürgen bekannt machte, „und ihre gotteslästerliche Lehre annahm, wozu er auch Job. „Sylvanum, Inspektoren: zu Ladenburg, Jacob. Snlernm, „Pastorem zu Wcidcnheim, und TNatthiam Vebe, Diaconum „zu Lutrc, verführte, unter dem Vorwandc, daß der Fürst in „Siebenbürgen einen eigenen District Landes von den Türken „erhalten, aus dessen Einkünften die Socinianischcn Prediger „reichlich unterhalten würden. Als hierauf Anno 1570 ein „Abgesandter aus Siebenbürgen auf den Reichstag nach Spcycr (°) Anhang S. 27. Amiicrk. 362 Zur Geschichte und Litteratur. Dritter Beytrag. „kam, wollten sich diese heimliche Socinicmcr solcher Gclcgcn- „heit bedienen, und besuchten nicht nur denselben zu Speyer, „sondern es schrieb auch Sylvanus an Georg. Dlandratgm, „den Hauptsociniancr und Lcibmcdicum des Fürsten in Siebenbürgen; Ncuscrus aber gar an den Türkischen Kayscr, in wcl- „chem Briefe dieser letztere denselben wider das Deutsche Reich „aufhetzet, und Anschläge giebt, wie er sich dessen bemächtigen „könne. Gott aber fügte es so wunderlich, daß der Abgewandte diese Briefe dem Kayscr Maximilians selbst in die „Hände liefern mußte, welcher sie dem Churfürsten in der „Pfalz Lneden'co III. alsofort zustellte. Darauf ließ man diese „Leute insgesammt in Verwahrung bringen, und ihre Sachen, „worunter man greuliche und gotteslästerliche Schriften fand, „hinwcgnchmcn. Nach langer Ucberlcgung wurde Sslvanus „enthauptet, Smerus und Vehe des Landes verwiesen, Neu- „scrns aber entkam zwcymal aus dcni Arrest, und entflöhe „nach Eonstantinopel, allwo er sich beschneiden ließ, und öffentlich zu den Mahomctancrn bekannte. Er verfiel bald darauf „in den Athcismum und führte ein so greuliches Epicurischcs „Leben in aller Unzucht, daß ihn die Türken selbst 8-üwn> „0gl!, oder ein Rind des Teufels nannten, wie dieses alles in „des Hvmiei ^Itingii ////Aoiv« Aec/e/'. , in den F/c>- ^/s5«5t>5 et //ttL?'«?vV>k /^«^tttttttL ^i. 20l>./'e^. wie auch „aus den ^.etis, welche zum Theil ^i. 318. /'ex. angeführet „werden, ausführlicher zu ersehen ist." Wahr ist es, alles was -Heineccius hier sagt, ist getreulich aus dem Alting gezogen, dessen llittoria lLeolotiao piU-ttm-ro- so wie in der Pfälzischen Kirchengeschichte überhaupt, also auch in diesem besondern Vorfalle, allerdings ein Hauptbuch ist. Al- ting schrieb sie um 4618; zu einer Zeit also, als sich noch ganz zuverlässige Erkundigungen einziehen liessen. Sie kam aber nicht eher in öffentliche» Druck, als 1701, in welchem Zahre sie Micge und Nebel ihren AIonumc-»t!s 1>ivwtis einverleibten. Zn eben diesen Älovumoutis ist es auch, wo zuerst die ^.et-i Sylva^ »um und Neusern betreffend erschienen: die jedoch nichts weniger als vollständige juridische ^cw sind, sondern weiter nichts als das Bedenken der Hcidelbergischcn Theologen und Prediger Adam Neuscr. 363 über das Verbrechen der Jnquisiten, nebst Ncuscrs Briefe an den Türkischen Kayscr enthalten. Struve in seiner Pfälzischen Kirchcnhistoric hat sie wiederum abdrucken lassen; jedoch nur mit einem einzigen, nicht eben sehr beträchtlichen Stücke vermehrter, nehmlich einem Schreiben des Churfürsten Fricderichs an den Churfürsten Augustus zu Sachsen, um auch das Bedenken der Sächsischen Theologen einzuziehen. Dem ohngcachtct hat freylich, was aus diesen beiden Quellen, dem Alting und den so genannten ^ct!s geschöpft ist, seine gute Richtigkeit: aber doch nur in so weit, will ich hoffen, als diese Quellen selbst ihre Richtigkeit haben? — Und nun bitte ich meine Leser, vorläufig besonders auf zwey Punkte aufmerksam zu seyn, welche beide nicht allein von Jschern und vom Heineccius, so wie von allen Neuerern Compilatorcn, vorgegeben worden, sondern sich anch beym Alring mit ausdrücklichen Worten behauptet finden. Der erste dieser Punkte bctrift den Brief, welchen Ncuser an den Türkischen Kayscr nicht blos geschrieben, sondern wirklich abgeschickt haben soll: und zwar durch den Bevollmächtigten abgeschickt haben soll, welchen der Fürst von Siebenbürgen 1570 auf den Reichstag nach Speycr sandte, um mit dem Kayscr und den Ständen ein Bündniß wider den Türken zu schlicsscn. vum il'tie voi-tatur, nehmlich der Kayscr zu Spcyer, schreibt Alting, appulit iliickem ^Vonvoclae "Iranhluani I^ogstus, vt cum Imperator« et Orclinibus Imperü aZeret cle invunäc» koeclere, mu- tuae tecuriwtls ae äetentivois ergo. Huno talutstum 8piram ex- currunt Z^euterus, K^lusnus et Velio, eic^ue litterss tuas in 1'ran- hluaniam norferenclas commenäant, <^uus 8^Iuanus scl KeorZinnl LIauckrittam, ^Vol^voclae IVIeoücum; ^euterus acl iptnm Iniporst»- rem?ureieum oxariiuorsnt, in iis ls«!'!, nlures esse in ai» ^'urosruiu Nonarolille viani Kernoro in Imnerio, et <^u»i iplo eoniunF!. Der zweyte Punkt betrifft Ncuscrs zrveymalige Gcfaiigen- iichmung und zweym«ligcs Entkommen aus seiner Gefangenschaft, worinn ebenfalls Iocher u„d -Heincccius nichts anders thun, als daß sie dem Alring folgen. Denn, nachdem dieser 364 Zur Geschichte und Litteratur. Dritter Beytrag. erzählt, daß die Theologen und weltlichen Räthe des Churfürsten über das Verbrechen und die Bestrafung der Gefangenen lange nicht einig werden können, fährt er fort: vmn ita res traliitur, Reulorus luA-i, elabitur, feck ^mlierzam retraetus clie 8. 8eptvml>r. elusclein ^niu, et LÄreori mimei^tus pott tex Fv^tiina- nas cutto«!um Fvu neAlizentii» leu persitlikt, ex turre areis pasties sunv j'o clemitit, et /er LoNemiÄni et 8ile- tiam i» polonisin ao tsnciem in Irant^luaniam ^»rosugit. — — Dieser zwey Punkte, sage ich, beliebe man besonders eingedenk zu seyn, wenn man sich nunmehr die Mühe nehmen will, den vcrsprochncn Brief selbst zu lesen. Zch theile ihn ganz so mit, wie er in unserer Abschrift erscheinet; sogar ein Paar Stellen, in welchen etwas zu mangeln scheinet, habe ich lieber durch einen Stern bemerken, als nach Gutdünken ergänze», oder den Verdacht erwecken wollen, daß sie wohl nur in dem Drucke diese Verstümmelung erlitten. Wer der Caspar und Landsman» gewesen, an welchen Neuscr seinen Brief gestcllet, kann ich nicht sagen. Doch hänget seine Glaubwürdigkeit auch im geringsten nicht hiervon ab. Die Gnade Gsrtes sey mit Euch, und allen den Euern, zu ewigen Zeiten! Lieber Herr Casper und Landsmann, Eure Briefe, die Ihr mir geschickt habt, sind mir sehr angenehm gewesen; sonderlich dieweil ich verstehe, daß ihr Euer Gemüth und Herz noch nicht von mir abgewendet habt. Daß Ihr Euch aber verwundert, warum ich in diß Ort (nehmlich gen Constantinopel) kommen bin, konnt Ihr wohl erachten, daß es nicht kleine, sondern große, wichtige Ursachen müssen gewesen seyn. Ihr wißt ohne allem Zweifel wohl, wie ich aus des Herrn Friedrichen, Pfalzgrafen Churfürsten am Rhein, Gefängniß bin erlediget worden, wie mir Gott von wegen meiner Unschuld so wunderbarlich geholfen hat, und wie ich in England, auch in Frankreich keinen sichern Ort habe möge finden. Dann in England, in der Hauptstadt London, kam ich zu den Flammischen, oder Flandrischen, oder Niederländischen Prädicanten, die daselbst ein Volk oder Kirche haben, bot ihnen meine Adam Ncuser. 365, Dienste an, doch mit meinem unbekannten Namen: dieweil ich aber keinen Abschied nicht hatte, wer ich wäre, wo ich her käme, konnte ich nichts bey ihnen erhalten, mußte dcrohalben eine solche lange Schiffarth über Meer, vollends bis gen London, umsonst zugebracht haben. In Frankreich zu Paris (wie der Hochgelehrte HivovZüIus val^poäius, zur selbigen Zeit des Grafen von Solms Präceptor in Paris, wohl weiß) durfte ich nicht bleiben von wegen der bekannten Studenten, sonderlich des Toctors Bicm, des jungen Pfalzgrafen Herzog Christophori Präceptoris zu Genf, bey welchem ich ausgetragcn bin worden, als der ich ein Feind der rechte» neuen Lehre und seines lieben Vaterlands sey; welche wenn sie mich gewußt hätten, bald würden auf die Fleischbank geopfert haben. In Pohlen habe ich viel frommer Leute gefunden, zu Cracau und sonst, die mich gern bey sich hätten behalten, wenn es wäre müglich gewesen: aber von wegen der Widersacher, sonderlich des li-olii, welchem ich bin offenbar worden, und am meisten von wegen des Königs Gebolt, welcher vornehmlich keinen neuen Arriancr, wie sies nennen, so aus Deutschland, oder andern Landen, kommen wäre, forthin wollte leiden, wurde ich aus großer Noth und Furcht meines Lebens gezwungen, mit dem hochgelehrten Herrn Johann Stiiner, Rector zu Clausenburg, oder Coloßwar in Siebenbürgen,^ als er von meiner Zukunft höret, wer ich sey, schreibt er zu dem Rath gen Clausenburg, welche mich zu ihrem Prediger hatten aufgenommen, sie sollten mich nicht aufhalten, sondern ziehen lassen. Aber der Rath erlanget bey dem Fürsten, daß ich bleiben möchte, daß ich keine neue Lehre einführen sollte. Mittlcrzeit wurde ich von des Fürsten in Siebenbürgen Hofprcdiger vivnilto auSgeschrien, wie daß ich aus meinem Vater- landc habe müssen entlaufen, von deßwegen, daß ich zu Heydelberg eine Jungfrau geschwächt, und einen Ehebruch sollte begangen haben; wie es dann pfleget zu gehen, wie man sagt, wenn der Wagen fällt, so hat er fünf Räder, das ist, jedermann schändet und schmähet einen solchen, der in das Elend um Unschuld verjaget ist. Darzu trugen sich etliche Sachen zu zwischen mir und andern MmKris zu Clausenburg, dieweil ich ihrer Confession nicht in allen Dingen zufiel, als nehmlich äe Oitkerentia vovi A veteris leltarnenti, ilv lultiü- estione eorarn 6eo, item äo Interpretation» prirni espitis snuck losimein LvangoliKam. Ueber diß alles, so schrieb rluicliim notiilis Zur Geschichte und Litteratur. Dritter Beytrag. A in.iFn!üeu5 und hochgelehrter Mann aus Pohlen zu mir auf diese Weise: ttatim polt tuum cllsoeslum a noliis Iparl'us eK inmoi', tuum ?rmcipem, l°e. ?alatmnm, l'vripllll'e ad ool'trum liebem nt te eapiat, <^ vmetum Uvicleltieizam mittat, kmem rumoiom a ?retic> et all aliis vei'itatis Iiol'tll>us ecmllatnm elile arliitror, lieut et al!a nmlta; jam ut tlvi oaveas vt Nomen tuum ns ape- rias veitemoriter rogo. Solche und dergleichen Sachen machten mich also furchtsam, daß ich eine Zeitlang krank lag, und meinen Schlaf verlor, und nicht anders gedachte, oder gedenken konnte, denn ich wäre schon wieder gefangen: und das war mir der größte Stoß, daß ein gemein Geschrey war, der Fürst in Siebenbürgen wäre vom Türkischen Kayser abgefallen und hätte sich zu dem Römischen Kayser geschlagen, sich und das ganze Land an dem Kayser ergeben, und solches wurde nicht von Schlechten, sondern von den Vornehmsten im Lande gewiß gehalten, und alle Arrianische im Lande würde man verbrennen: diß. sprich ich, that mir den größten Stoß. Denn ich gedachte an die Worte, die mir ein Schreiber, mit Namen M. Stephan, in dem Gefängniß zu Heydelberg gesagt hatte. „Wann ich „zum ersten, da ich bis Ungarn kommen, nicht hätte wieder umgc- „wendet, sondern wäre in Siebenbürgen gezogen, so wäre ich gefangen, und in des KayscrS Hand gen Wien überantwortet worden", gedachte derohalbcn bey mir: Siehe, in dem Gefängniß zu Heydelberg wurde dir allezeit vorgcworffen, was man mit dir handelte und thäte, das müßte man des KayserS halben thun; bist du denn nun in Siebenbürgen, in des KayserS eigenem Lande, wle wird denn der Kayser allda mit dir umgehen lassen? Solches und dergleichen hielt ich dem Supcrindenten, dem Francisco Dauidrs zu Clausenburg vor, der bcschlagte sich im Rathe, wohin ich doch mit andern etwa zween Monate ziehen möchte, da ich sicher und ohne alle Sorge wäre, bis daß man eigentlich möchte inne werden, ob mir eine Gefährlichkeit in Siebenbürgen würde zustehen oder nicht; wurde derohalbcn für gut angesehen, daß ich mit einem öffentlichen Druck diese Calumnien, so mir von den Heydelbergischen aufgelegt, einschüttet und meine Unschuld an Tag gäbe. Denn in Siebenbürgen wußten sie alle gleichwohl, daß mich etliche von einer gefundenen Schrift halben, die ich sollte ge> schrieben haben, für einen Feind des Vaterlanos hielten. Dieweil aber der Fürst in Siebenbürgen uns etwas zu drucken gänzlich ver- Adam Nenser. ZK7 holten hatte, damit die Arrianischc Lehr (wie maiis nennt) nicht mehr über Hand nähme, und er bey andern christlichen Fürsten solches Drucks halben keine Ungunst überkäme, ward von dem Superindcntcn beschlossen, daß ich aus zween Monat in Ungarn, ausserhalb des Fürsten in Siebenbürgen Gebiete, in eine Stadt, mit Namen Sochiman (dem Bascha zu Temitschwar unterworffcn) zu einer Druckerey ziehen sollte, und daselbst mit einem offnen Druck meiner Widersacher Schmähworte widerlegen, und auch was ich sonst bey mir Nützliches hätte, drucken laßen; wurde derohalbeu mit einer öffentlichen Commendation oder Schreiben des Superindcntcn Francisco Davidrs abgefertiget zu dem Buchdrucker gen Schimau, welcher unter vorgemeldten Snper- indentcn Gebiete, und ein Prediger daselbst zu Schiman war, mit Namen Paulus; und solche gemeldte Commendation die lautete an alle Prediger in Ungarn, die unter dieser Superintendcntz waren, und sonderlich an den Herrn Dcnedict/ den Prediger zu Temitschwar. Ehe ich aber aus des Wcyda oder Fürsten in Siebenbürgen Landen kommen, und zog in den Flecken mit Namen Lugusch, da finde ick) in selbem Flecken vorgemeldten Buchdrucker Herrn Paulum. Nachdem er die Briefe las, so ihm der Superintendent geschrieben, zeigt er mir an, wie er ans der Stadt Schiman vertrieben wäre von denen, so den Wallachischcn Glauben. Dieselben hätten mit Geschenk und Ncr- klagniß bey dem Bascha soviel zuwege gebracht, daß er hätte weichen müssen, und wohne itzund mit seinem Hausgesinde zu Lugusch, zeigte mir auch seiner Druckerey etliche Buchstaben, die mir sehr wohl gefielen, spricht zu mir, allhicr dürffen wir noch nichts drucken, dann dieser Flecken ist noch des Fürsten aus Siebenbürgen, aber morgen, wills Gott, wollen wir zu dem Herrn Bencdict gen Temitschwar, nnd ohne allen Zweifel bey ihm, dieweil er ein schön weit HauS hätte, die Druckerey anrichten. Wie wir gen Temitschwar zum Prediger kamen, funden wir ihn sehr schwach, denn er hatte Colicam; eS gefiel ihm aber unser Vornehmen sehr wohl, und verhieß allen guten Willen. Sobald die Gemein der Ungarischen Christen, sammt dem Ungarischen Richter (wie sie ihn nennen) von meiner Zukunft hören, erzeigen sie mir große Ehre; aber der Druckerey halben, antwortet der Richter, könne noch möge nichts angerichtet werden, ohne des Baschas Norwissen, dieweil ich aus Deutschland sey; dazu habe ihm der Bascha bey seinem Eid und seinem Kopf befohlen, kürzlich vor .?s>8 Zur Geschichte nnd Litteratur. Dritter Beytrag. acht Tagen, daß er keinem fremden Christen wollte gestatten etliche Tage hier zu bleiben, er habe dann solches dem Bascha zuvor angezeigt. Derohalben so wolle er dem Bascha solches vorbringen. Sobald der Bascha höret, daß ich ein Deutscher sey, und Bücher drucken wolle zu Tcmitschwar, schickt er alsobald nach mir, redet mich ernstlich an, spricht, ich sey ein Welscher und von ihren Feinden den Venedigcrn ausgesandt, das Land zu verrathen. „Denn warum sprichst du, daß kein Welscher nicht seyest? hast du doch mit der Christen Schreiber Welsch geredet." Wir hatten mit einander Lateinisch geredet, welches dem Bascha ist vorgetragen worden, als wenn es Welsch gewesen wäre. Darnach spricht er wieder zu mir, warum willst du Bücher bey uns drucken? hat es doch eigene Druckereyen in Siebenbürgen. Antwortete ich, wie daß der itzige Fürst oder Weyda nicht gestatten wolle, daß man etwas in der Religion Sachen druckte, auf die Weis wie es bey dem Könige ist gehalten worden. Darauf spricht der Bascha: wenn dem also ist, wie du sagst, so hat der Weyda schon wider seinen Eid gethan, den er Gott und unserm Kayser gethan hat; denn er hat geschworen, daß er, sonderlich in ReligionSsachcn, wie es bey dem König ist gehalten worden, nichts hindern wolle, so er aber die Druckerey verhindert, so thut er wider seinen Eid; welches ich nicht glaube. Darum will ich, spricht der Bascha, dem Weyda von dir schreiben, was du in seinem Lande gethan hast, und wie du allhier ausgäbest, daß er seinen Eid weder an Gott noch an dem Kayser gehalten habe, dieweil du sprichst, daß er die Druckerey verbotten habe; mittler Zeit sollst du mein Gefangner seyn; so ich denn von dem Weyda verstehen würde, daß du auf ihn gelogen hast, so bist du gewißlich ein Bcrräther; derohalben will ich dich nachmals dem Kayser gen Constantinopcl schickcu, der wird wohl aus dir bringen, wer du seyst, und ich will dich itzund bald auf solche Weis fragen lassen.^ Und obgleich der Christen Richter, und andere Christen dazu redeten, und mich vertheidigten, wie ich von wegen des Wortes Gottes aus meinem Naterlande vertrieben wäre, wie ich 36 Wochen wär gefangen gelegen, und wie ich dieser Sachen halben schriftliche Zeugniß mit mir aus Siebenbürgen gebracht hätte, so half es doch nichts, ich mußte sein Gefangner seyn, und hieß die andern Christen abtreten. Da sahe ich in was Nöthen ich war; denn der Fürst in Siebenbürgen würd dem Bascha nicht geschrieben haben, daß er die Druckerey verbotten Adam Neiiscr, 369 hätte, sonst hätte er sich selbst schuldig gegeben, er würd auch solches aufgenommen haben als eine Vertagung vor dem Bascha, und würd mir gewißlich keine gute Promotion geschrieben haben; sprach, Ach lieber Gott, in Deutschland bin ich für einen Feind der Deutschen und für einen Freund der Türken gehalten worden, hier unter den Türken werd ich für einen Feind der Türken und für einen Feind meines Vaterlandes geachtet, darum daß ich, so viel die Dreyfaltigkeit belangt, nur Einen Gott geglaubt hatt, als wie die Türken, und haben mich darum wollen ertödtcn. Darauf spricht der Bascha, wenn dem also ist, daß du allein an den einigen Gott glaubst, der Himmel und Erden erschaffen hat, als wie wir, und bist darum von den Deinen für einen Türken gehalten worden, so beweis itzl solches mit dem Werk; werd zu einem Türken, so sollst du nachmals zu drucken Macht haben wider deine Feinde alles, was dir gefällt; thust du aber solches nicht, so hast du diese Gefährlichkeit zu erwarten, wie dir angezeigt ist. Darauf antwortet ich, daß ich auch den Alkoran gelesen hätt, und einen Gefallen daran gehabt hätt, darum ich denn für einen Türken wäre gehalten worden. Sobald der Bascha diese Wort höret, spricht er, er wolle mich gen Coustantinopel dem Kayser schicken, da ich noch ans den heutigen Tag bin, bey des Kaysers oberstem Dolmetsch, welcher ein Deutscher ist. Daß aber diesem also sey, habe ich auch des von Alba Julia Predigers in Siebenbürgen Brief Euch hier- bcy gelegt. Dieses hab ich Euch auf Eure erste Frag sollen antworten, da Ihr begehret zu wissen, wie oder warum ich an dieses Ort kommen sey. Aus diesem allen tonnet Ihr leichtlich sehen, daß ich kein blci^ bcnde Statt in so viel Königreichen hab können finden, und derohal- den aus Noth gezwungen worden, durch einen öffentlichen Druck meine Unschuld zu offenbaren. Wie es mir aber ob solcher Druckercy ergangen sey, habt Ihr genugsam verstanden. Ihr thut mich auch fleißig ermähnen, daß ich wieder umwenden und mich wieder in mein Vaterland begeben sollt, welches meines Erachtcns nichts anders wäre, dann sich .eben in den Tod hinein stüitzcn. Dann ich bin von glaubwürdigen Leuten mündlich und schriftlich berichtet, daß der Churfürst zu Heydelberg dem loanni L^Iuano habe den Kopf lassen abhauen, von wegen einer Schrift, die ich solte geschrieben haben. Denn also schreibt mir ein guter Freund zu: lZauäebaut ko, euilalo cru<1ei Lessings Werke ix, 24 370 Zur Geschichte und Litteratur. Triller Beytrag. illo 8z?Iii!m> jull!c!o («zuem tuce literoe ack luroarum Imperatoren» poteotikliwum tcriplse priilie vativitatis /^o. 72 jngularuol) ja tuto eile. Ein anderer guter Freund schreibt mir auf diese Weise zu: L^Iusnus kuperiorls anni wenle Oecembri oapile plexus el?t, eiurata prlus religiooe; crimini öatum elt, ^uoä eor>5eius kuerit tuarum, «zuag sä 'kurcas teripteris literaium: ille Oeuin et lio- mioes teltatus ett, übi iuiurlgln Leri. kielponlum tsncZem, ?rin- «ipem noa sliter velle; slü äiwill! tunk. Hieraus möcht ihr wohl abnehmen, was ich zu erwarten hätt, so ich hinaus sollt kommen. Aber auf daß ihr verstehet, wie es eine Gestalt habe mit obgemeldtem Briefe, darum dem 8z?Iuano ist das Leben genommen, habe ich ein wenig allhier Euch wollen aufzeichnen, auf daß Ihr sehet und erkennet, daß solches Ausgeben von meinen Widersachern lauter Erdicht und Lügen sey, welches ich so hell und klar darthnn will, als die Sonne scheint. Möcht aber jemand gedenken, „Ey was schreibst du „von solchen, es ist itzuiidcr zu spat, du wirst dem 8^1uanc» doch das „Leben nicht können wieder zustellen; du bedarfst keiner Entschuldigung, „sie können dir doch nicht mehr schaden, und ist dir solches Ausgeben „deiner Widersacher vielmehr eine grosse Ehr, denn eine Schand bey „diesen Leuten, da du itzt bist; sag du auch also, und rede nicht wi- „dcr deine eigene Ehre" u. s. w. Aber ich suche meine eigene Ehre nicht, sondern die Wahrheit, und auf solche Weis, wie ichs am jüngsten Tag soll und muß vor dem lebendigen Gott bekennen, will ich itzt von vbgemcldter Schrift reden. Erstlich ist es bey den alten Verständigen bräuchlich, so man etwas redet oder schreibt, c^uo giümo, yuo propolllo et Lue, mit was Gemüth oder Fürnehmen dieß geschrieben oder gercdt sey, man bedenk, wie Syrach auch lehret, Kapt. 19. Denn bedenkt man des Autoris Fürnehmen nicht, so er es nicht gcof- fenbaret hat, so ist es nicht möglich, daß man die Sache recht verstehen kann. Darum gcschicht mir Gewalt und Unrecht von meinen Widersachern, daß sie mir solche meine Briefe (darinn ich mein ?rc>- poütulu nicht geoffcnbaret hab) auslegen nach ihrem Sinn und Wohlgefallen. Hält sich nun die Sache also: dieweil ich, soviel die Drey- faltigkeit belangt, irrig war, beschloß ich bey mir alles zu versuchen, bis ich mein bekümmert und verirret Gewissen zufrieden gestellt hätt. Wie hat nun dieses sollen geschehen? auf was Weise? ES ist der Brauch, wenn man an einem Dinge zweifelt, daß man hinzeucht und Adam Ncnscr, schickt an diese Ortt, da etwas sich zugetragen hat, und dascibst die Wahrheit erforscht, will man anders der Sachen gewiß seyn. Tann wir wisse», wie uns der Pabst immerdar Lugen und falsche Historien, anstatt der Wahrheit vorgelegt hat, und wie fast er die rechte Wahrheit verboten habe mit Feuer und mit Schwerd. Wie sollte man aber besser können die Wahrheit erfahren von der Dreyfaltigkcit, weder allein an diesem Ort, da sich am allerersten der Hadder und Zwietracht hat zugetragen? Nun hat solche Zwietracht am allererste» allhicr zu Constantinovel angefangen, wie alle Historien bezeugen; so hat sich ^rrius also gehalten, wie die Historien melden, daß er den Kayser Lonttantinum, sammt vielen seiner Nachkommen auf seine Meinung gebracht hat, und sind alle Lrseei von dem Pabst zu Rom der Drey« faltig halben in Bann gethan worden, und bleiben auf den heutigen Tag in des PabstcS Bann. Dann sie bekennen nicht, daß der heilige Geist von dem Sohne ausgehe, sondern allein von dem Later. Denn also lautet die Historia: Oioeoi vor, olieckiurit Lccleliso kiomsnaz el Iialieot errores multos, yui lunt oonckemosti per Leelellam kc. komanam, yuia ckiennr «zuock 8lnrilus tsnotus voll prooeckit a ?i lio, keck a?strl! tolnm; eliam ckicunt, c^uock rivri e5t purgatorium. Iloeo kuat verba llittorioe. Wenn nun, nach der Griechen Meinung, der heilige Geist nicht von dem Sohne, sondern von dem Vater ausgeht, so folgt, daß Christus nicht gleicher Gott mit dem Natcr ist, denn der heil. Geist geht ja allein aus von dem lebendigen einigen Gott. Nun geht aber der heil. Geist (wie die Griechen sagen) nicht von dem Sohn aus, sondern von dem einigen lebendigen Gott. Es wollen auch etliche Gelehrte, als nehmlich der sl) ij>lo ^tügngLoj leck potius a raoeicko yuockam klormolio eowpolilum llt. Solche und andere dergleichen Ursachen bewegten mich also sehr, daß ich gedacht- Siehe, die Griechen halten nicht also von der Dreyfaltigkcit wie der Pabst; nun sind aber die Griechen daselbst daheim, wissen um alle Historien, der Dreyfaltigkcit halber, mehr dann der Pabst, und glauben doch nicht wie der Pabst. Derohalbe», gedacht ich, must es ein Betrug des Pabstcs seyn, beschloß dcrohalben bey mir von wegen meines Gewissens, und von wegen der Wahrheit alles zu versuchen, bis ich bey solchen Griechen (dieweil die wahre Historie bey niemand anders sonst zu finden) die rechte Wahrheit erfahren hätte. Nachdem aber an sol- 24" IZ72 Zur Geschichte und Litteratur, Dritter Beytrag, che» Ortt nn»iüglich zu kommen, es geschehe dann durch grosse Geschenk und Gaben, oder durch die Sprach, oder sonst durch Gunst uud Pro niovirung grosser Potentaten, welcher Dinge keines, als nehmlich Gaben, die Sprache oder Promvvirung ich zu hoffen hatte: nahm dcro- halbcu nach lange» hin und her Denken zum Crcmpcl den Apostel Paulum, der in gleichen Sachen, nehmlich auf daß die Wahrheit gcoffcnbarct werde, ist allen alles worden, den Juden ei» Jude, den Heiden ei» Heide, uud befichlet, man soll ihm in solche» Sache» nachfolge». Auf solches ?rc>>»c>lillim Pauli, uud »jemand auf keinerlei) Seiten, weder Juden, noch Heiden, noch Christen, »och Türke» zu verletzen, Gott ist mein Zeuge, habe ich solche» Brief geschrieben, Ja so begierig die Wahrheit zu erforschen bin ich gcwcst, daß ich auch auf solche Weise, als wie Paulus, zu einem Juden oder z» cincm Heiden wollte geworden seyn; solch mein gut 1'inpolllum ist mir also übel ausgelegt worde». Nun, mein lieber LandSmann, urtheil itznndcr, wie man mit mir sey umgaugcn; vb diß auch göttlich und billig sey. Wenn jemand Panlo hatt fürgcworffen: Ey, Paule, du hast in deiner Schrift uud Predigten Jude» uud Heiden dem Teufel gegeben, und bist nun selbst zu einem Jude» und Heiden worden. Hätt auch ein solcher Paulo Recht gethan? Nein gewißlich. Von solche» meinem pi^wlilo habe ich aus Pohleu zwcymal gen Heydelbcrg geschrieben an den Churfürsten selbst; aber ich kann nicht glauben, daß solche Briefe überantwortet seyn worde». Ma» würde sonst ohn allen Zweifel über den 8>1- u-muin kein solch Urtheil gefällt haben. Solches, was ich itzt schreib, ist vor vier Jahren mein ?i'o^olitum gewesen, da ich diesen Brief schrieb, den der Pfaltzgraf in meiner Schreibstuben unter meinen Bü chcrn gefunden hat: aber itzund, da ich sonst keinen Platz, in der ganzen weiten Welt gehabt habe, und wunderlich durch Gottes Schickung, wie Ihr droben gehört habt, gen Constantinopcl bin kommen, und der großmüthigste Kayser mich beschützet und beschirmet, ist dieß mein ?roi>ro laoto renutori, als wenn einer im Willen hätt zu sichlcn, man erwischt ihn in solchem Vornehmen, so sey es gleich so viel, als' wenn er schon gestohlen hätte; also sey cS auch mit diesen meinen Briefen: ich hab einmal in Willen gehabt, mich zu ihre» Feinden zn thu», und daselbst viel Böses anznstiftcn, in solchem Vornehmen scu ich gefangen worden. Derohalbcn so wäre mir solches Schreiben zugerechnet, als wenn ich das Werk schon vollbracht hätte. Was dünkt einen? Hier mußt du bleibe», Adam, du kannst dich nicht verantworten. Ich sage, daß ich mit solchen Worten gar nichts gehindert, sondern vielmehr guit, srcy, lcdig und los gesprochen wurde, dieweil er spricht, ich habe mich zu ihre» Feinden wollen schlagen, und in solchem Vornehmen seh ich gefangen worden. Tcnn da ich höre, daß Svlvanus gefangen sey, dann» daß wir bey des Wcyda Legaten zu Speycr gewesen waren, lansfc ich davon, komme bis gen PrcSbnrg, und weiter geselle mich zu Kaufleuten von Debreizen, dieweil ich aber sehe, daß ich in Siebenbürgen nicht kann kommen, bedenk ich und bcschlieffc bet) mir, daß ich wiederum wolle umkehren, wieder gen Hcydclbcrg ziehen, mein Lebelang dcS GlanbcnS oder aller andern Sachen halben nichts anzuheben, sondern alles fallen und bcruhcu lasse»; kehre in solchem Vor- 374 Zur Geschichte und Litteratur. Tritt» Beytrag. »ehmeii wieder um, reise fast auf die hundert Meilen wieder zurück, und schlage wich nicht zu des Pfalzgrafcn Feinden, sondern Freunden, zu seinem Canzler gen Amberg, zeige mich daselbst an, er ladet mich ins Kloster zu Gast, ich komme, versehe mich nichts BöseS, so läßt er mich dieselbige Nacht gefangen legen. Wie dürfen sie denn sagen, ich sey nach dem Vornehmen des Briefes gefangen worden, indem ich habe wollen zu ihren Feinden lausten. Also sollten sie ihre Rede nach der Wahrheit gesetzt haben, ob man nehmlich einem solchen sein Vornehmen oder seinen Willen für das Werk solle rechnen, der ihm vorgenommen hat, seinen Nächsten zn todten, indem er hingeht, so besinnt er sich, bedenkt daß Unrecht ist, kehrt wieder um, ist ihm leid, daß er solches Vornehmen gehabt hat; solle man solchem den Willen für das Werk zurechnen? Nein gewißlich. Nun hatte es ja eine solche Gestalt und Meinung mit mir gehabt, das weiß Gott der Herr; daß ich selbst wieder umgekehret habe, selbst zu des Churfürsten Prä- dicanten zu Ncuburg, Melchior pottern, kommen, mit ihm gen Amberg gezogen, und daselbst dem Pfalzgräfischen Canzler anzeigen lassen: das heißt nicht, nach dem Vornehmen des Briefes seyn gefangen worden. Der König David hatte einmal im Willen, er wolle seinen Herrn den Saul umbringen, aber er geht in sich selbst, spricht, da sey Gott vor, (1 Samuel. 24.) daß ich meinen Herrn den König umbringen sollte: Solch Vornehmen des Davids wird Saul innen, er hält den David darum, von solches Vornehmen wegen, für keinen Mörder. Hat der vorgeregte Saul ein solches können merken, der doch dem David Tag und Nacht nach dem Leben stellte, solltenS denn nicht vielmehr solche weise Leute, wie sie sind, gemerkct haben, wo nicht die Affecten sie gehindert hätten? Zudem, wenn sie mich gleich zu demmal, da ich bin auf Siebenbürgen gezogen, im hinwegziehen und nicht im widcrkchrcn, gefangen hätten, so hätten sie mir doch nichts in der Wahrheit können schaden. Dann ich zog deßhalben auf Siebenbürgen zu, dieweil ich bey des Weyda Legalen zu Speyer gewesen war, und verheissen, ich wollte ihm dienen, und zog nicht von dieses obgemeldten geschriebeneu Briefes aus, sondern daß ich zu dem Fürsten in Siebenbürgen wollte. Ob derselbige zu dcmsclbenmale als ein Feind, oder als ein Freund des Vaterlandes sey gehalten worden, ist männiglich wohl bekannt, wie der SecrctariuS zu Speyer in des HaffucrS HauS, da wir wa- Adam Ncuser. 376 rcn, uns angezeigt, daß der Weyda ein Freund des Deutschen Landes wär worden, und alle alte Feindschaft abgestellet sey. Daraus ist abzunehmen, was ich von diesem vielgemeldten obgeschriebencn Briefe habe gehalten, wie daß ich re ipta solches ?roi>oliwin selbst imimi- Uret habe. Nichts desto weniger wird mir solche Schmach und Unbilligkeit von meinen Widersachern aufgelegt. Es geht mir gleich als einem, der ein Testament oder Schuldbrief wiederruft, abgestellet und vernichtet hat; man findet aber solchen Brief und will ihn für kräftig anziehen. Jedermann wird sprechen, ein solcher Brief hat keine Kraft mehr, dieweil der Autor solchen Brief für unkräftig erkennet hat. Was darf es viel Worte? Man lasse diese» geschriebenen oder gefundenen Brief selbst reden, so wird solcher Brief, von welches wegen sie mir das Leben habe» nehmen wollen, mich los und lcdig zählen. Wenn, sprich ich, der Buchstab dieses Briefes demnach,'^ dem ich ihn geschrieb hatte, und überlas ihn, gefiel mir nicht, gedachte bey mir selbst, „wenn vielleicht aus sonderm Unglück deine Mißgönner diesen Brief sollten überkommen, so mochten sie dich in groß Unglücke bringen; es wird dirs keiner glauben, daß du in prouolito et üiio, nehmlich die Wahrheit zu erfahre», geschrieben hattest; was willst du anfangen, gedacht ich, so viel dich bemühen der Religion halben, in weite unbekannte Lande dich zu begeben? beschloß diese ganze Sache ruhen zu lassen, nichts anzuheben, und zu einem Zeugniß deß schrieb ich neben an den Brief an die Seite, Iloo potell omiM i. o. Iwc nexotiuw, Iioe moum proiiolitum polett oroUti; das ist, diß mein Vornehmen, dieser Brief, dieses Geschäft mag wohl unterlassen werden: und diß sind die letzten gewesen, die ich an diese» Brief geschrieben habe, nachdem ich ihn überlesen habe. Wollen nun meine Widersacher auf dem Buchstaben beruhe» dieses vielgemeldten Briefes, so sollen sie ihn ganz lesen, so sollen sie nichts außen lassen. Wenn jemand die Zehngebotte schrieb, als nehmlich, „Ich bin der Herr dein Gott, der dich ans Acgyptcn gcführct hat; „du sollst dir kein Bildniß machen; du sollst nicht stehlen, nicht töd- „ten, nicht ehebrechen" wenn er es alles geschrieben hätt, unten an den Brief, oder auf die Seite wolle er schreiben, so er es überlese» hätt, „die Gebotte mögen untcrlassc» werde», ma» darf dieß Gebott „nicht halten, man darf andere Götter haben, man mag stehlen" was 378 Zur Geschichte und Litteratur. Dritter Beytrag. an diesen Orten, da ich jetzt bin, solches nicht schämen dörffcn; jetzund könnt ich meiner Widersacher spotten. Aber Gott im Himmel ist mein Zeug, daß mir in solcher Sache von meinen Widersachern Gewalt und Unrecht gcschicht. Habe ich ein falsches Sigill des Churfürsten gehabt, so hat er mirs selbst geschickt, denn ich von keinen andern versiegelten Briefs weiß noch schreib, weder allein von diesem den er mir des Banns halben geschrieben hatt. Lieber Gott, wie ist das iniyua in- torpiewilo. Denn wäre das nit unfreundlich ausgelegt, wenn ein Burgermeister einem ein Brief hätt geschrieben, und mit seinem Sigill versiegelt; dieser aber, so der Brief geschrieben ist, schicket solchen des Burgermeisters Brief einem andern, und schrieb darneben also, Mlto tivi 11tera8 tlgiUo coululis mimitg8: wenn man einen solchen sei» Schreiben also wollt auslegen, als spräch er, ich habe des Lon- lulis Sigill, sein Pittschirung bekommen, und siegelt damit, oder, ich schicke dir des Lvnlulis Pittschirring; wär das nit, sprich ich, unfreundlich gehandelt und ausgelegt? Aber Gott, der solches siehet und weiß, wird solches wohl an ihnen straffen. Weiter, mein lieber Landsmann, vermahnet Ihr mich auch, daß ich mich trösten soll der Gnaden und Barmherzigkeit Gottes, wo ich der Lehr halben wäre irr gegangen. Darauf sollt ihr wissen, daß ich an solchem gar keine» Mangel (Gott sey Lob!) leide. Denn ich kenne meinen Gott, und weiß, daß er mich aus so viel Trübsal errettet hatt, wird es auch hinfort thun. Mich erfreuet nichts höheres, denn daß ich gegen meinen Gott ein rein Herz und gewissen Geist hab behalten, und bin vergewissert, daß ich ein Freund und kein Feind Gottes sey. Dann mein Gewissen, wie Johannes lehrt I. 3. ist mir stärker und grösser, denn der ganjcn Welt Zeugniß, und was ich zu Heydclbcrg begehrt habe, der Lehr und sonderlich der Drcyfaltigkcit halben von von solchem ist mir Gott Lob ein Genüge geschehen. Ich hab auch vetuskWrna Lxemplaria iiovi 1'ektamenl.l vor dieser Zeit in Siebenbürgen geschickt uianulerisita, welche ich wollt, daß ihr sie sehen solltet. Ich glaub, daß solche Lxemplaria nicht sehr lang nach Christi Geburtt seyn geschrieben worden. Soviel natürliche Lieb belangt, darum Ihr mir schreibt, sollt Ihr und könnet wissen, daß ich ein Mensch und kein Holj oder Stein bin. Dcrhalbcn solches, (daß ich die Meinen hab müssen verlassen) nie- mands mehr bekümmert, denn mich. Aber was wär den Meinen da- Zldaui Ncuser. 379 mit geholfen gewest, daß ich zu Hcydelberg bey ihnen wär geblieben, und mich hätt lassen ertödten. Denn hätten sie je gar keine Hoffnung mehr können haben. Bitt ich euch auch von der alten Kundschaft wegen, Ihr wollt helffcn und rathen, daß mein Sohn aus dem Gefängniß erlediget werde, und wollt ihm sagen, daß er sich forthin in keinen Weg unterstehe, zu mir zu kommen. Dann solches ist ihm uumüglich; er würd gefangen und verkaufst, und könnt nit mehr lcdig werden. Denn es ist nit also hierinncn ein Land zu wandern, als wie in Teutschland. Thue mich auch fleißig gegen Euch bedanken, daß Ihr mir, wie ich aus eurem Briefs verstehe, begehret Lieb und Freund- schaft zu erzeigen. So ihr wißt und erfahren könnt, wie es um die Meinen zu Hcydelberg ein Gestalt hat, thut mirs zu wissen. Hiermit befiehl ich Euch, sampt allen den Euren, dem lieben Gott. Datum zu Constanlinopel am Mittewochc vor Ostern ^uno Ooiuilil 1674. Euer Landsmann Grüßt mir den Herrn D. Oalto, welcher, wie ich verstehe, Eure Briefs überantwortet hat. Adam Ncuser. Vor unserer Abschrift stehet von einer jungem Hand geschrieben: Intvlieisllmi toryuo «niatoryuo ^postatav et lUamvIucso /tc?a»tt /Ve»/o?v kcriptum, in sjuo postima liclo ot conl'eientiit lo- prota luam Iiittoriam narrat. Ich wüßte so nicht zu urtheilen. Apostat und Mameluke so viclmal, als man will! Aber der Brief ist doch wahrlich mit einer Kaltblütigkeit lind Ruhe geschrieben, die nichts weniger als ein wundes und peinigendes Gewissen verrath; und was die poskimam liclvm anbelangt, so möchte ich gerade das Gegentheil behaupten. Kleine Beschönigungen seines gethanen Schritts erlaubt sich Neuser allerdings: und wer kann ihm diese verdenken? Allein die Fakta, welche er erzählet, haben doch alle das so vollkommene Ansehen der Glaubwürdigkeit; stimmen alle mit dem, was man von den damaligen öffentlichen politischen Angelegenheiten aus andern Quellen weiß, so gänzlich übcrcin; finden sich zum Theil selbst durch das Vorgeben seiner Gegner, unvermerkt und wider ihren Willen, so deutlich bestärkt: daß die iic^lnua lklos vielmehr auf diese zurückfallen würde, wenn unrichtige Erzählungen eben nothwendig Z80 Zur Geschichte und Litteratur, Dritter Beytrag. alle pesil'imam fidom zum Grunde habe» müßten, und der Mensch nicht öfters, auch mit dem festesten Vorsätze, die lautere Wahrheit zu sagen, oder zu schreiben, sich und die Welt belügen könnte. Um dieses nicht in den Wind gesagt zu haben, komme ich auf die zwey Punkte zurück, auf die ich, besonders zu achten, meinen Lesern vorläufig empfohlen habe. Ich rede von dem zweyten zuerst; weil er der unbeträchtlichere, aber auch zugleich der unstreitigere ist, den man dem Briefsteller also wohl am erste«? einräumen dürfte. Wie viclmal nehmlich Neuser gefangen genommen worden: kann doch wohl niemand besser wissen, als Nenser selbst? Also auch niemand besser, als er selbst, wie viclmal er aus der Gefangenschaft entronnen ? Wenn er nun also erzählt, daß er nur einmal gefangen genommen worden, oder vielmehr auch dieß eincmal nicht sowohl gefangen genommen worden, als vielmehr sich selbst der Gefangenschaft überliefert habe; wenn er sagt, daß er, auf erhaltene Nachricht von der Einziehung seiner Mit- gcnosscn, davon gclauffen, und bis Prcsburg gekommen sey; wenn er die Ursachen und Umstände angicbt, die ihn bewogen, wieder umzukehren; wenn er die noch lebenden Personen namhaft macht, an die er sich bey seiner Zurückkunst vor andern zu wenden, für gut befunden: (") was für Bedenken kann man haben, ihm in allen diesen Dingen völligen Glaube» bcyzu- messe», die am Ende in der Hauptsache nichts ändern, bey denen es sich also auch gar nicht absehen laßt, warum er sie anders erzählen sollte, als sie in der That vorgefallen waren ? Und wem erzählt er sie ? Etwa einem, der im geringsten nichts davon wußte, oder wissen konnte? Etwa auf gutes Glück der Nachwelt, der dergleichen Kleinigkeiten selten wichtig genug sind, um sie in genaue Untersuchung zu ziehe»? Nichts weniger; er erzählt sie einem Landsmanne, der Theil an seinen Zufällen nahm, und dem er das, was er ihm als in der Ferne geschehen erzählt, sehr verdächtig machen würde, wenn er ihn in dem belügen wollte, was in seiner eigenen Heimat vorgefallen l°) Ol-c» Seite 374. Adam Ncuser. 381 war, und von dessen Grund oder Ungrund er sich auf dem Platze selbst sofort unterrichten konnte. Wenn wir genau zusehen, so findet sich auch sogar in obgcdachtcn ^et!s eine Stelle, die dem Ncuscrschcn Vorgeben in diesem Stücke sehr günstig ist. In dein Bedenken der Hcidclbcrgischcn Theologen nehmlich, und zwar in dem Absätze, welcher den Matthias Vehe besonders angeht, l^) wird nehmlich aus einem andern eigenhändigen Briefe des Ncnsers angeführt, daß ihn S>-lvanns und Vehc, auf dem Wege nach ihrem Gefängnisse, durch einen Studenten, Namens Mader, warnen lassen. Ncnscr war also damals noch nicht in Verhaft; und was ist glaublicher, als daß er sich die Warnung werde zu Nutze gemacht haben? Doch, wie gesagt, es kommt so wenig auf diesen Punkt an, daß man Ncusers Erzählung davon für die wahrhaftere zu halten, keinen Anstand nehmen wird. So wenig! — gleichwohl aber auch, nicht so gar wenig! Denn kann man in Abrede seyn, daß die frcywilligc Wiederkunft, zu der sich Ncuser entschloß, ob er schon seine Mitgcnosscn gefangen wußte, zum mindesten von keinem so bösen Gewissen zeuget, als er bey seinem angeblichen Verbrechen hätte haben müssen? Und dann, der Argwohn, welchen ein offenbar erlogener Umstand auf jeden andern Umstand der nehmlichen Geschichte nicht anders als werfen kann! Wer den einen nicht wußte, kann auch den andern nicht gewußt haben. Wer den einen nach seinen Absichten zu drehen und zu verfälschen für gut fand, kann sich das nehmliche auch mit jedem andern erlaubt haben. Und nun mit diesem Mißtrauen zu dem Hauptpunkte, zu dem Briefe an den Türkischen Kayscr. Ein solcher Brief, wie ich. bereits angemerkt, ist wirklich unter den ^etis vorhanden, und der Znnhalt desselben ist äusserst verfänglich: auch gesteht Ncuser selbst, einen solchen Brief geschrieben zu haben. Sogar, was er zu seiner Entschuldigung dcsfalls beybringt, scheinet zum Theil nichts als kahle Beschönigung zu seyn: das nehmlich, was er von der Absicht sagt, in welcher er den Brief geschrieben. Das Exempel des h. Paulus ist offenbar gemißbraucht. (°) Bcpin Stnwc S. 227. 382 Zur Geschichte i»id Litteratur, Driter Beytrag, Allein, diese zweydcutigc Absicht auch bey Seite gesetzt; zugegeben sogar, daß seine Absicht augenscheinlich gewesen, nicht die Wahrheit zu erforschen, sondern in Ueberzeugung der schon erforschten und gefundenen Wahrheit, wider die Gegner derselben den grausamsten Feind zu verhetzen, und gemeinschaftliche Sache mit ihm zu machen: Eine Verantwortung bleibt ihm dennoch übrig, die auf einmal den Ausschlag so völlig auf seine Seite giebt, daß ich nicht absehe, was daraus zu antworten stehet. Zch habe ihn geschrieben, sagt Neuser, diesen unglücklichen, so mißverstandenen Brief: aber ich habe ihn nie abgeschickt; ich habe ihn keinem Menschen zu lesen gegeben; ich habe ihn durch eine eigenhändig beygefügte Clanscl, so gut als vernichtet; ich habe von dem, was ich darinn zu thun vorhatte, wirklich das Gegentheil gethan. Dieses sagt Neuser; und allem Ansehen nach, sagt er auch hiermit nichts als die lautere Wahrheit: oder es wäre doch ein sonderbares Unglück für seine Gegner, wenn er die Wahrheit nicht gesagt hätte, und gleichwohl ihr eigenes Vorgeben seine Aussage, itzt in den Augen der unvartheyischcn und kaltblütigen Nachwelt, so wahrscheinlich machte und bestärkte! Denn man überlege doch nur. Wem soll Neuser seinen verräthcrischen Brief an den Türkischen Kayscr, in °) Beym Struve S. 218. Adam Neuscr, 383 chen, einen Brief zu vertrauen, in welchem der Türke aufgemuntert wird, je eher je lieber los zu schlagen! in welchem den Türkischen Waffen die beste Hoffnung gemacht wird! in welchem der Verfasser mit ausdrücklichen Worten dem Türkischen Kayscr schreibt, „Ich meines Theils will nach allem vermögen mit „Schreiben uns Vermahnen nichts unterlassen, damit sie, „die abgöttischen Christen, zum rechten Glauben bekehret, „Gottes Ehre gefördert, und Ewr. rNasestär Reich (das Türkische Reich) erweitert werde!" Einen solchen Brief einem Feinde des Türken zur Bestellung anvertrauen! Noch einmal: Ncuser müßte toll, er müßte rasend gewesen seyn. Oder will man etwa sagen, ohne dieses gewesen zu seyn, habe Gott einen Mann, der ihn einmal verleugnet, allerdings so weit verblenden, und in seiner Verblendung so unsinnig handeln lassen können? Das wäre wahrlich ein schönes Blümchen — aber nur für die Kanzel. Der Geschichtschreiber verlangt Wahrheit, oder doch wenigstens Wahrscheinlichkeit. Eher würde es sich noch hören lassen, wenn man sagen wollte, Neuscr habe die wahren Gesinnungen des Siebenbürgischen Gesandten auch wohl nicht gewußt. Da der Fürst von Siebenbürgen es zeither so lange mit den Türken gehalten, so habe Neuscr nicht vermuthen können, daß cr nun auf einmal von ihm abfallen wolle. Doch dem widerspricht Neuscr selbst, wenn er in seinem Briefe schreibt, daß es männiglich wohl bekannt gewesen sey, was der Sic- benbürgische Gesandte wolle; und wenn er Ort und Personen namhaft macht, (") wo und von wem er das nähere davon erfahren habe. Wie konnte auch der Auftrag des Gesandten, überhaupt genommen, noch jemanden ein Geheimniß seyn, da er bereits zuvor in Prag dem Kayscr Eröffnung davon gemacht hatte, und wie Istbuanfius schreibt, vbique a eaelsriams lumma laotitiiw tiAmLeationv, huacunhuk itor seoerit, v.x«zuit>'tisyuv lionorllius aufgenommen worden. Wenn also auch gleich ebenderselbe hinzusetzt: Ittlile . öt7. 384 Zur Geschichte und Litteratur. Dritter Beytrag. vlluin alim» iiraotoi «juklm lonnnom 'tiÄutfoniui», mililv l'nao viiio- loctum, ac Icisnnein Lsptistain ^Verui» luriseoniultum ot I!o niani Impoiü Vieeekmcollmiuiii, ox Vngsris vorn Inliannom I^i ttliinm IZpifcanuin Losniiniiensoi» vt Vn^arieum LanevIIluiiun vonliliis üllliideret, iisczuo leiio intoiciieeret, no es vllo molio z>->!>clorentur: so ist diese gchcimnißvollc Verhandlung unstreitig blos von den Bedingungen des Bündnisses, und nicht von dem Bündnisse selbst zu verstehen. Aber weiter: wie soll denn hierauf der Churfürst von der Pfalz zu dem Briefe gekommen seyn, den Ncuscr so unsichcrn Händen so thöricht anvertrauet hatte? Dieses erzählet Alling, im Verfolg der oben angeführten Stelle, so: (Znuin igitur klaxi- »liliainis Imporatnr telo vxeuturet Orstoii ?>anl)'Iuano clv lovliorv, nvAgrvt^uv euin iis naeitei t'v nosl'e, «Zsui cleit^tem t^Iiristi, et cliui- nani peisonaruin ?rin!taton> non NZnoscervnt: gtcz>ui, rosponclit illv, nvn vst <^uocl tantovvrv aliliorroag sli illa üde, l^nani vna noliiseu», tonvnt ae tuentur ins^n! in Impvrio Principes, ooruin^uo ^IivoloZi. IZt euin äieto, vt ilst'crtion! t'uao ticleni saesret, clvnrnintit litteras Nouteri ae L^Iuani, et L-retgli in »i-mns tra6idit. Is porro rotiZna- tas vt lectas I?ri- «Aiv ooininotui» rvi insolitao inäiZnitlltv, nv niniim» turdaretur mo- nuit; cum ivtv in suis (ütionibus, huancjuam ignarus kouvrvt ici Avnus nomimim; in fsuvs tanivn 6oteetos feeunclum IvFvs anini-Tll- noiti AlaZiltrstus e«5vt. Was für Armseligkeiten! Welch ein pedantischer Kayser! Welch ein verlegener, treuherziger Gesandte! Daran sollte sich der Kayser geflossen haben? Der lieben Orthodoxie wegen, sollte er sich mit einem Fürsten nicht haben einlassen wollen, der ihm ein Königreich abzutreten, wenigstens des Titels und der Ansprüche auf dieses Königreich für ihn zu entsagen, und sich wider seinen fürchterlichsten Feind so genau mit ihm zu verbinden, bereit war? Oder wenn gleichwohl Maximilian diese fromme Schwachheit wirklich gehabt hätte, warum äusserte er sie denn nicht sogleich in Prag? Warum verspätte cr eine solche Bcdcnklichkcit denn bis nach Speycr? bis der Gesandte eben Ncuscrs Briefe in der Tasche hatte? Endlich, als cr von dem Gesandten erfuhr, daß es auch in Deutschland, selbst unter den Fürsten des Reichs und ihren Theologen, Aria- Adam Neuscr. 386 ner gebe: was wurden denn die Arianer in Siebenbürgen in seinen Augen dadurch besser? Und wie konnten sie auf einmal um so viel besser werden, daß er nun nicht allein das Bündnis; mit Freuden cingicng, sondern dem ketzerischen Fürsten sogar eine seiner Nichten zur Ehe versprach? ihn in seinen eigenen Landen aufzunehmen versprach, falls ihn der Türke aus Siebenbürgen vertreiben möchte? (") Sollte beides etwa mit der Bedingung geschehen, wenn dieser vorher seinem Arianischen Irrthume entsagt hätte? Davon weiß die Geschichte nichts. Auch würde man es schwerlich gewagt haben, dem Gesandten eine so lächerliche Federung nur merken zu lassen. Denn wer war denn dieser Gesandte? ES war, wie wir wissen, Caspar Deckest, des Fürsten Johan:» SigismunS vertrautester Freund, und selbst ein Arianer. Dieses bezeugt Sandius; (") wenn es nicht aus dem Vertrauen des Fürsten schon genugsam abzunehmen wäre. Ihm also, einem Arianer selbst, hätte man unter die Augen gesagt, daß die Arianer keine Leute wären, mit welchen ein ehrlicher Christ Bündniß machen könne? Er, ein Arianer selbst, hätte nichts darauf zu antworten gewußt, als dieses, daß unter den Fürsten deß Reichs und ihren Gottesge- lehrtcn doch gleichwohl auch Arianer wären? Er, ein Arianer selbst, hätte diese seine verborgenen Glaubensbrüder in Deutschland, dem Kayscr so ohne Bedenken verrathen können? Wer zwar unter den Fürsten des Reichs ein Arianer sey, mochte er wohl selbst nicht wissen: aber das konnte und mußte er doch wissen, daß er die Gottcsgelehrten, die ihm dafür bekannt waren, durch seine Anzeige der unvermeidlichsten Verfolgung aussetzte, der auf allen Fall zu entgehen, sich die guten Leute eben an ihn gewandt hatten. Und dem vhngcachtct hätte er sie ohne Noth, ohne allen abzusehenden Vortheil aufgeopfert? — Wem alles das begreiflich ist, nun, dem sey nichts unbegreiflich, was ihm Theologen, zu Rechtfertigung ihrer verübten Grausamkeiten, in der Geschichte nur immer vorschwatzen können und wollen! Bisher habe ich den Brief, welchen Neuser an den Türkischen Kayscr entworfen zu haben selbst bekennet, für eben den- (") V///i!/an/?u8 c. />, 517. (") knu«I, UM. kcvlcl', I.ik. lll. p. 430. Leslmgs Werke ix. 2S 38l> Zur Geschichte lind Litteratur, dritter Beytrag, selben gelte» lassen, welcher sich angezeigrermassen bey den sogenannten ^et!s befindet. Daß er es im Grunde auch wohl ist, will ich nun zwar nicht leugnen. Ich kann aber doch auch nicht anzumerken unterlassen, daß man, den letztem nicht für so ganz unverfälscht zu halten, Grund habe. Gewiß ist es wenigstens, daß er nicht in der Sprache erscheinet, in welcher ihn Ncuser aufgesetzt hatte. Neuscr hatte ihn lateinisch geschrieben, wie aus der Stelle erhellet, die er selbst daraus anführet: und hier ist cr nur deutsch zu lesen; in einer Ucbcrsctzimg nur also, die sich wohl schwerlich von dem Verfasser selbst hcr- schrcibcn dürfte. Za aus der angeführten Stelle, wenn man sie gegen das Deutsche hält, ist klar, daß sich der Ucbcrsctzcr, wer es nun auch gewesen, nicht so gar genau an das Original müsse gebunden haben. Und doch ist dieses nur der kleinste Skrupel, den ich mir gegen die Glaubwürdigkeit des noch vorhandenen Deutschen Briefes mache. Ein weit größerer bezicht sich auf eine ausdrückliche Stelle desselben, die ich mit andern historischen Umständen, wie sie sowohl von Ncuscrn als von seinen Feinden angegeben werden, auf keine Weise zusammen reimen kann. Es sagt nehmlich Ncnscr selbst, in seinem Schreiben, welches um Ostern 1674 datirct ist, daß cr den Brief an den Türkischen Kayscr vor vier Jahren aufgesetzt habe; also um Ostern 1570, vor dem Reichstage zu Spcyer, als ihn noch niemand wegen des Arianismus in Verdacht hatte, als ihn noch kcinc deswegen drohende Gefahr aus dem Lande zu fliehen nöthigen konnte. Auch seine Feinde wollen besagten Brief erst auf dem Reichstage zu Spcyer in die Hände bekommen haben; auch seine Feinde sagen, daß erst auf diesen Brief, den 16"» Julius 1570, der Verhaft wider ihn und seine Genossen verhangen worden, dem cr sür seine Person zu entkommen das Glück hatte. Und gleichwohl wird in eben dem Briefe, so wie cr itzt bey den ^ctis vorhanden, mit ausdrücklichen Worten dieser seiner ersten Flucht bereits gedacht. Wie, in aller Welt, kann das seyn? Wie kann Ncuser durch einen Brief zur Flucht gcnöthigct werden, in welchem cr von (°) Oben, S, 372. Adam Renscr. 387 dieser Flucht selbst meldet? Wie kann die Wirkung eher als ihre Ursache gewesen sey»? Oder soll es nicht von seiner ersten Flucht zu verstehen seyn, wenn er gleich anfangs an den Türkischen Kayscr schreibt? (°) „Zufordcrst aber soll Ew. Majestät gänzlich dafür halten, daß ich zu derselben meine Zusticht suche, nicht wie etliche Christen zu thun Pflegen, welche „um ihrer Mißhandlung willen, als Dicbstahl, Mord, Ehebruch, „bey den Ihrigen nicht bleiben mögen. Dann für einem Zahr „war ich Fürhabens zu Euch zu fliehen, käme bis gen Prcsburg, „aber dieweil ich der Ungarischen Sprache unerfahren, nicht wci- „ter vermochte, bin ich derhalbcn wieder zu den Meinen gekehrt, „und fast noch ein ganz Zahr bey ihnen gewesen, welches gar „nicht seyn mögen, wenn ich etwa einer Missethat halben flüchtig „worden u. s. w." Non welcher Flucht ist es dcnli zu verstehen? Wir wissen ja weder von ihm, noch von seinen Feinden, daß er schon vorher einmal, ehe er wegen des Briefes an den Türkischen Kayscr gefangen werden sollen, nach Ungarn entflohen sey. Diese Flucht hingegen, deren er hier gegen den Kayscr gedenkt, und die, von welcher er oben in seinem Briefe S. 373 redet, sind einander so völlig gleich, daß sie schlechterdings beide für die nchmlichc zu achten. Sonach aber läßt sich hicrbcy nur zwcycrlcy denken. Entweder Ncuscr hat den Brief an den Türkischen Kayscr nach seiner sreywilligcn Zurückkunft, in der Gefangenschaft zu Ambcrg geschrieben: und alsdann ist es schon aus diesem Grunde nicht wahr, daß er des nehmlichen Briefes wegen gleich Anfangs mit den Ucbrigcn eingezogen werden sollen; schon aus diesem Grunde nicht wahr, daß der Churfürst den nehmlichen Brief durch den Römischen Kayscr aus dcn Handen des Sicbcnbürgischcn Gesandten bekommen können. Oder Ncuscr hat ihn vor seiner Reise nach Spcycr geschrieben, er mag ihn nun dem Gesandten anvertrauet haben, oder nicht: und alsdann ist die Copic, wie sie annoch bey den ^Vetis befindlich, verfälscht; intcrpolirt wenigstens in dieser Stelle die sich so offenbar auf eine spätere Zeit beziehet. Jenes kann ich darum nicht für das wahrscheinlichere halten, weil Neuscrs (°) BW» Strure, S> 230. 25* 388 Zur Geschichte und Litteratur, dritter Beytrag. Angabe, den Brief vor vier Jahren geschrieben zn haben, dar- widcr ist; weil er ausdrücklich sagt, daß man das Concept desselben in seiner Schreibstube unter seinen Ducken, gefunden habe, da man es in dem Gefängnisse mußte gefunden haben, wen» er es in dem Gefängnisse geschrieben hätte. Folglich muß man natürlicher Weise auf das andere fallen; und das ist es, was ich sagen wollen. Freylich enthält sonst der Brief eben nichts, was Neuser nicht gar wohl wirklich konnte geschrieben haben. Allein in untergeschobenen Schriften läßt sich auch immer die Denkungsart eines andern eher nachahmen, als aller Verstoß gegen historische Umstände verhüten. Auch behaupte ich nicht, daß der ganze Brief erdichtet sey. Ich behaupte nur, daß die angeführte Stelle ihre Richtigkeit nicht haben könne, so weit Ncuscrn selbst zu glauben, und sich sciiic Gegner doch wohl nicht mit ihren eignen Waffen schlagen wollen. Strnve scheinet dieses schon zum Theil empfunden zu haben, wenn er schreibt: „Neuser wurde auch in Siebenbürgen, als wohin er sich retiriret hatte, von dem Kayscr „und Churfürsten von der Pfalz verfolget; und als er sich „weder daselbst noch sonsten in der Christenheit sicher achtete, „addressirte er sich in folgendem Schreiben an den Türkischen „Kayser." Also aus Siebenbürgen erst hat Neuser, nach ihm, an den Türkischen Kayscr das Schreiben erlassen, aus welchem man seine feindselige Gesinnung gegen Deutschland und die ganze Christenheit, schon als er sich noch in dem Schoosse derselbe» befand, zu erweisen Pflegt? So ist es, nach ihm, nicht das nehmliche Schreiben, welches der Sicbenbürgischc Gesandte an den Kayscr auslieferte? So ist es nicht das nehmliche, welches den Churfürsten zu der Verfolgung veranlaßte! Nicht das nehmliche, auf welches er selbst, in seiner vorhergehenden Erzählung, als auf Ncuscrs Hauptvcrbrcchcn weiset? Nicht das nchmlichc, welches alle andere Scribcntcn, die Ncuscrs Händel berühren, für das nehmliche halten? — Und so viel von den vorläufigen zwey Punkten bis hierher! Alles, was ich nun noch zur Erläuterung derselben, und des mitgetheilten Briefes überhaupt, beyzubringen hätte, vergönne man mir, ohne Ordnung und Schmuck in eine Folge cinzclncr Adam Rcuser. 389 Anmerkungen zu fassen. Geniacht sind sie einmal, diese Anmerkungen; und wenn sie schon an und für sich selbst nicht sehr wichtig seyn sollten, so werden sie doch immer dem, der irgend einmal in diesem Winkel des Feldes zu arbeiten hätte, bald eine kleine Mühe, bald einen kleinen Fehlgriff ersparen können. Wie viel Schlechtes muß in dem historischen Fache geschrieben werden, ehe sich etwas Gutes schreiben läßt! 4. Daß Neuser zu den Türken geflohen, und unter den Türken gestorben, ist so unstreitig, als unbestritten es geblieben. Ob er aber darum auch selbst ein Türke geworden, ob er den Türkischen Glauben in aller erforderlichen Form angenommen: das ist es, woran einige, wie bekannt, noch zweifeln wollen; als SanSius, Arnold, Gerber und andere. Wenn indeß Gerber Arnolden, so wie Arnold dem Sandius gefolgt ist, und dieser sich einzig auf den Marr. Ruarus beziehet, so muß ich in Ansehung des letztem etwas bemerken, welches G. x> Gsye, (°) der diese Zweifler geflissentlich zu widerlegen der Mühe werth gehalten, vor allen Dingen hätte bemerken sollen. Nehmlich dieses, daß es nicht wahr ist, daß Ruarus, auf den sie endlich alle hinauskommen, an Neuscrs förmlichem Ucbcrgange zur Türkischen Religion gezweifelt; sondern daß Sandius seine Worte nur unrecht verstanden. Ruarus nehmlich schreibt an Lalo- ven: iZnotev, Vir eliN'islimv, rjuocl iure tni mo»ei,6i vliii-, tNiocl ipto niilü 6vllikti, i» tilttorieo prsvclpue Fviioie. I5o per- tinot et ülucl, c>uotl paulm» ^Icmtum pei-'uxlo »tcuiv Deuterinn acl 1'iiross le proripuiskv, et eiursta reli^Ione i^kriktiana ^lcora- nu»i prolesl'uin, nimium aliorum relationi crellvns, gllieiuss; Quorum noiuina tütius sulsket illlez-uo, ne silles tui» sceutari posket. Was heißt nun dieses? Will Ruarus sagen, daß Calov beiden, dem Alciatus und Ncusern Unrecht gethan? Kcineswegcs; er tadelt ihn blos des einzigen Alciatus wegen, von dem er vorgegeben, daß er eben so wie Neuser, perinäe stn.,10 Nenterus, zur Türkischen Religion getreten sey. Hätte er dieses von einem, wie von dem andern leugnen wollen: so würde er sicherlichcr beider Namen mit dem blossen et verbunden haben. Da er (°) pr-ck. AleluIl-miUs, A,n»seIii:ri?eilNit> (°°) KM. ceul. l. 87. ^« ^ZW Zur (Lcschichlc und Litteratur. Triller Veytnig. aber pc-iiuelr- atcmv braucht: so giebt er es von Ncuscrii vielmehr zu, und verbittet sich blos, den Alciatus mit ihm hierum in eine Klasse zu stellen. Daß dieses die wahre Auslegung sey, ergicbt sich auch daraus, daß Ruarus in der Folge sich blos die Ehrenrettung des Alciatus angelegen seyn läßt, von Neusern aber weiter kein Wort verlieret. Von jenem versichert er aus glaubwürdigen Familiennachrichtcn, daß er in Danzig gestorben: von diesem aber mußte er wenigstens doch cingcstehen, daß er in Constantinopel gestorben, und was für einen Beweis hätte er führen können, daß er allda nicht als ein Türke gestorben? Wenn man ja hicrwidcr etwas einwenden wollte und müßte: so würde sich dieses noch am ersten hören lassen, daß Neuser selbst in seinem Briefe nichts davon sagt. Er sagt blos: (°) „Sobald der Bascha diese „Worte höret, (nehmlich, sein Bekenntniß von dem Alkoran) „spricht er, er wolle mich gen Constantinopel zu dem Kayser „schicken, da ich noch auf den heutigen Tag bin, bey des Kay- „sers oberstem Dollmctsch, welcher ein Deutscher ist." Doch was sollte er auch mcbr sagen? Wer erzählt gern eine Komödie, die er mit sich müssen spielen lassen? Einem Manne, der nicht ganz ohne Gefühl und Schämn ist, kostet es die äusserste Ueberwindung, sich ihr zu unterziehen: was Wunder, daß er jeder Gelegenheit ausbcugt, sich ihrer wiederum zu erinnern? Recht wohl, daß sich die Religionen unter einander den Ucbcr- tritt selbst so erschweret haben, daß nicht leicht ein ehrlicher Mann zu einer von der andern laufen wird! Was also Ncu- scr von sich hier blos verschweigt, hat man kein Recht darum in Zweifel zu ziehen, wenn es von andern glaubwürdigen Leuten, die an Ort und Stelle davon Nachricht einziehen können, bestätiget wird. — 2. Ein Wort jedoch von diesen glaubwürdigen Leuten selbst. Kaum kann ich Michael Heberern^") dazu rechnen, als welcher erst 1588, und also zwölf Zahr nach Ncuscrs Tode, nach Eonstantinopel kam, und seine Nachrichten wahrlich nicht von sehr zuverlässigen Personen hatte. Eher noch muß man den (°) Oben, S. 309, (°°) Ju seiner ^egvMac» lvrviius, gedruckt zu Hrydclbcrg tvto, in 4. , Adam Ncuscr. Böhmischen Varon Mcnccslaus Duvowc; von Zdudowa gelten lassen, der sich um 1579 bey der Römisch Kayscrlichen Gesandtschaft zu Constantinopcl befand; also aber doch auch nicht Ncuscrn von Person gekannt hatte, und gleichwohl einige dreyßig Zahrc darauf die abscheulichsten Dinge von ihm in die Welt schrieb von welchen einige offenbar erlogen sind. Der tinvcrwcrflichste bleibt also einzig und allein Stephanus Gerlach, welcher in den Jahren 1573-78 kayscrlichcr Ecsandt- schaftspredigcr in Constantinopcl war, und vielfältigen Umgang mit Ncuscrn gehabt hat. Was dieser von ihm, theils gelegentlich in seinen nachher in Deutschland herausgegebenen polemischen Schriften, theils in seinem Tagebuche, von ihm erzählt, ist die Hauptaucllc, gegen welche jede andere Nachrichten geprü- fct werden müssen: nicht zu vergessen, daß man diese Haupt- qucllc auch gcgcn sich selbst prüfe. Denn die Züge sind nicht immer gleich lauter, die man aus ihr thut; und besonders scheint in dem Tagcbuchc, welches uns nicht einmal im Originale mitgetheilet worden, (") die jedesmalige Laune des Verfassers vielen Einfluß auf das gehabt zu haben, was er von dem Manne einzutragen für gut befand. — 3. Ob nun aber auch schon, um wieder auf das Vorige zu kommen, in diesem Tagcbuche nirgends mit ausdrücklichen Worten gesagt wird, daß sich Ncuscr bcschncidcn lassen; obschon vielmehr verschiedene Stellen darinn vorkommen, wo Ncuscr versichert, daß cr des Türkischen Glaubens nicht sey; obschon Gcrlach selbst von einem Welschen sagt, daß cr ein Türk, (°) V. Lirculus IlorvlaxiU luitiuis et Iowri» >!7x. Ilnnnviii«! I6IK ill 4. Und zwar in der diesem Werte beygefügten , 23t. (°°) Erst 1l!74 stellte es ei» Enkel des Verfassers aus dessen eigenhändigen hiulcrlassencn Papiere» ans Licht; und ob cr schon nicht anzeigte, daß diese Papiere lateinisch abgefaßt gewesen, und cr also »ur eine Uebersetzung liefere: so finden sich doch genügsame Spuren davon in dem Wcrlc selbst; und leider Spuren, welche nicht allein beweisen, daß es eine Uebersetzung, sondern noch dazu eine sehr elende Uebersetzung ist. Eine Abschrift von dem lateinischen Originale besaß Iol). pct. Ludcwig, welche Hcineccius gebraucht hat. (S. Anhang zur Abbildung der griechischen Rirche, S. I"».-»'^ 392 Zur Geschichte und Litteratur. Dritter Beytrag. aber nicht beschnitten rvorden: (°) so ist doch aus andern Umständen unstreitig, daß Neuscr so nicht abgekommen. Die Türken vertrauten ihm, z. E., aufgefangene Briefe des kayser- lichcn Gesandten, um sie zu verdolmetschen und zu entziffern, welches sie wohl schwerlich würden gethan haben, wenn sie ihn nicht für einen von den Ihrigen zu halten, alle Ursache gehabt hätten. Daß auch Gerlach im geringsten nicht an Neusers Beschneidung gezweifelt habe, kann ich aus einem seiner noch ungedruckten Briefe beweisen, welche sich in unserer Bibliothek befinden. Dieser Brief ist an D- Hcerbranden in Tübingen den 44tm October 1673 aus Constantinopel geschrieben; und ich will die Stelle daraus, die Neusern betrifft, in mehr als einer Absicht, hier einschalten. — ,Memim ackkuo, uaäam potat; profana et »dteona, nonnununiam cle „matoulorum (kalua k. V.) canculiitu, («iu! in lurcla vlitatislimus „ett,) traetat: a kuis tcvleratus /^/a^'»L et transkuZa «zuouis „tunplleio «llgnus au«!it, l^uocl alizlurata rellglono nostra a»1 1'ur- „cas tponto transierlt; re^erlt Ille eonultla, üenue tenipus kallunt. „8ecl nee Intnm Interim terrores et puFoav (illae forls et a eon- „terraneis) äekktunt. Kam a kamlliarilius lulius IntelllFo, 1 „peslima contelontla vtatur: attonltus et meclitabundus aslicleat: „tublndo Ingemikeat voeesrjuv clesveratinnis plenas luterdum „edat, «^uvll nimlrum maiettatem Oel terutans In Iiuno errorom „et toneurarum Furgitem demerkus lit. Alex rurkum l'e colllgens, „klasnnemils et menclaclis »oKram religlonem Ineestit. Kun- „<^uam tamen manlfektis verkis lurcleam prodare vilus ett. „cum Iiiü a toelis (nam tue rollZIo omnls lidera vkt) ^Vnoftalia „ouileltur, ncin te sulem mutaste, teä prlttlnam adliue In eorclo „alere, rotponäet. t)Ireunic!üon> vero exemiilo nvtelo Quorum „populorum, a Oluo Alattliaeo eonuertlirum, patroeinatur, «zul „anticmitus et kaptitmum et elreumellionem retlnvrent Omnvin „pecuniam, uam tecum ex tZermania et?rant^Iuania auttulit, „Lonttantlnonoll amllit, eam^uo nerNaFos reeuporare truttra ten- „tauit. Ita unter Iiomo a 8atana vdio„lI eommorantem proteetus est^em, Laslae l'lieiiiel'vv-lrent! procli- tus sui, Mi nie Lontwntinopolim mitit niliil reluetantoiu, 5oä potius llv oo Zratulantvin inini ipli: csiiocl ^.Icaraniim a ve- ritato non slionum esto, et in omnilnis capitilins reü^ionis ineeum l'entiro eoZnomsl'oin li. s. w. Nur von dem Schreiben an den Türkischen Kayser, von welchem er hier so umständlich ist, sagt er dort nichts; ohne Zweifel, weil ihm die daher genommene Anklage noch nicht zu Ohren gekommen, und während seinem Gefängnisse nie die Rede davon gewesen war. War aber das: so war cs ohnstrcitig auch erst nach seiner Flucht von Ambcrg, unter seinen Papieren zu Heidelberg, gefunden worden; woraus wiederum die Falschheit des Vorgcbcns erhellet, daß cs der Kayser von dem Sicbcnbürgischcn Gesandten erhalten habe. Zwar läßt Neuscr dort selbst den Kayser nicht ganz aus dcm Spiele, wenn er sagt: Hoc, seine Arianischc Gesinnung nehmlich, «um in eomitüs Knironüdus clo nie et 8^Inano Imperator! Naximiliano, et per eum mvo prineipi innotmsl'et, tuF» miki eonlului. Allein muß der Kayser darum, durch den Sicbcnbürgischcn Gesandten selbst, dahintergekommen seyn? Muß er cs aus dcm Schreiben an den Türkischen Kayser ersehen haben, wcß Geistes Kind Neuscr sey? Neuscr gesteht ja selbst, den Sicbcnbürgischcn Gesandten in Spcycr 3SK Zur Geschichte und Litteratur. Dritter Beytrag. mit seinen Freunden besucht zu haben. Wie, wenn der Kay- scr, als ihm dieses zu Ohren gekommen, aus blossem Verdachte, den man gegen alle fremde Gesandten hat, nur wissen wollen, was es für einen Zusammenhang mit diesem Besuche habe? Wenn er also die Briefe auffangen lassen, die an den Gesandten gekommen? Wenn es also aufgefangene Briefe von Neu- scrn an den Gesandten blos gewesen wären, die dem Kayscr das Geheimniß verrathen? Diese Vermuthung ist so wahrscheinlich, daß man sich gar nicht wundern darf, sie vom Gan- dius für die Wahrheit selbst angenommen zu finden; (") wenn er Neuscrs Brief, aä illustrem vn. Lelieliiim, losnn'is SiAit- muvtli ^rant^luaniao Princip!« I^egatum scl Nax!ni!Iianu»l II. Imperatorem, als noch im Manuskripte vorhanden anführt, und hinzusetzt: «nia vpittola tüaolar inlereepta, procurauit, vt Reutcrus eum 8)Iuano In vinoula coniieeretur. Daß das Datum dieses Briefes 1571, welches Sandius angicbt, ein Druckfehler sey, versteht sich. Aber eben so versteht sich/ daß wo ein Druckfehler ist, darum nicht eben auch eine Lüge seyn müsse. Ein aufgefangener Brief von Neuscr» an Vekeß muß wenigstens wohl da gewesen seyn: nur ob eben der Kayser ihn aufgefangen habe, das ist freylich eine andere Frage. Denn wie leicht könnte ihn blos der Churfürst von der Pfalz haben auffangen lassen? Zhm konnte doch Neuscrs Reise am wenigsten verborgen geblieben seyn. Bey ihm war Neuscr ohnedem schon nicht wohl angeschrieben. Bey ihm hatte Neuscr schon zu mchrmalen um seinen Abschied angehalten. Was Wunder also, wenn er gleich das Schlimmste von ihm argwohnte^ und an seine Briefe zu kommen suchte? Und als er sie hatte, warum hätte er sie nicht von dem Kayser erhalten zu haben vorgeben können, um die Lebhaftigkeit und Schärfe seiner Untersuchung damit zu vcrlarvcn? Neuscr sagt es ja, daß er im Gefängnisse immer hörcn müssen, was man mit ihm handle und thäte, das müßte man des Raysers halben thun. Hätte er es nun auch am Ende selbst geglaubt: war es darum wahr? Bleibt es darum dennoch nicht höchst unwahrscheinlich, daß sich der Kayscr eines so widersprechenden Betragens schuldig (°) »ililiolli. äulilrinU. x. St. Adam Ncuscr. 397 gemacht; indem cr auf der cincn Seite ein Paar arme Geistliche, hinter deren Arianismus er nicht auf die beste Weise gekommen war, so strenge verfolgen, lind auf der andern Seite sich mit einem offenbar erklärten Ariancr in Bündnis? und Schwägcrschaft einlassen wollen? Warum ich aber vielmehr den Churfürsten eines Winkclzugcs für fähig halte, davon wird weiter hin die Ursache vorkommen. 5. Als die mchrgedachten ^cra und Neuscrs Schreiben an den Türkischen Kayser, in den lVIonumentis p.-llulmis 1701 zuerst erschienen, konnten^ sich die reformirtcn Herausgeber nicht enthalten, in der Vorrede auf diejenigen Lutherischen Gottcs- gclehrtcn zu sticheln, welche, freylich unrecht genug, Neuscrs Abfall dem Calvinismus zur Last legen wollen, und die Bestrafung des Sylvanus für zu strenge gehalten hatten. IZeno ett, fügen sie hinzu, ynock s-lltem nil in Fr-tti-uu Neuleii scri^Ioiiiit, yui ebims ttkiit in loeum t"uum, et cuius üni- ktula, «juiim piil^lic»m»s, et nowe, cznas ^leornni fui inar- gini allomt, «niascjuo pvnes nos aslvru-imus, «juitlis suerit incllc.Tnt. 8eä nee in L^Inani j'unnlicio /z«?'«),' e»'Atk e^T-n^/sL (Wüterey gegen die IrrenOen) vxercebatur, li>I:i- s^Iiomiae eins tam norrenilae fncr'int, vt nriores esse iwn ^»tuo- rint. Gleichwohl, sieht man, lasse ich mich nicht abschrecken, es noch zu thun, was diese Herren meinten, daß es bisher so wohl unterblieben sey. Lene ett, mw-I 5altem n!I!a Fi-üti-nn Kouseri rcrlntennt! Lene? Ich sage, schlimm ist es, daß es nicht geschehen! Schlimm, daß nach zweyhundert Jahren ich der erste seyn muß, der einem unglücklichen Manne bey der Nachwelt Gehör verschafft! Einem unglücklichen Manne, den man aus der Christenheit hinaus verfolget hat! Oder, wenn cr Unrecht hatte, daß cr sich hinaus verfolgen ließ: hat cr darum in nichts Recht? Hatten seine Verfolger darum — ich will nicht sagen, gewonnen Spiel — denn das haben sie, leider! — sondern in allen gutes aufrichtiges Spiel gegen ihn, wcil sie ihn endlich zu einem Schritte brachten, den freylich niemand vertheidigen kann? Wenn der Ausgang die Seele der Geschichte seyn soll, wenn man nach diesem alles Vorhergegangene beurtheilen 398 Zur Geschichte und Litteratur. Srittcr Beytrag. soll: so wäre es cbcn so gut, wir hätten gar keine Geschichte. Ist es genug, ein blutdürstiges Bedenken gehässiger Theologen, nebst ein ein cassirtcn Schreiben, unter dem viel versprechenden Titel ^cta, gegen einen Vcrurlhciltcn drucken zu lassen, um seine Vertheidiger auf immer zu präcludircn? Das Beste, was an diesen Yeti's fehlet, das Verhör, die eigene Aussage der Beschuldigten, wird durch Neuscrs Brief einigermassen ersetzt: und nun bitte ich um Revision des Processes. Zcnes Schreiben an den Türken sey noch so richtig, sey in jedem Worte noch so authentisch; sey von seinem Verfasser selbst nicht durchstrichen, nicht verworffcn worden; sey von ihm wirklich abgeschickt worden; enthalte so viel bürgerliches Verbrechen, als man nur will: was gieng eines andern Schreiben den Sylvanus an? Hatte er es mit unterschrieben? Kcincswcgcs. Er betheuert, daß er nicht das geringste davon wisse; er stirbt darauf. Auch Ncuscr versichert, daß es Sylvanus eben so wenig, als sonst ein Mensch in der Welt, gelesen habe; er unterläßt nicht, dieses zweymal an den Churfürsten aus Pohlcn nach Heidelberg zu schreiben. Man findet nicht angezeigt, wodurch man den Sylvanus des Gegentheils überführen können. Und gleichwohl! Und gleichwohl sollen wir nicht sagen dürfen, daß die Hinrichtung desselben nichts als lVürerey gegen IrrenSe gewesen? K. Einen andern unumstößlichen Beweis, daß diese Hinrichtung nichts anders gewesen, hat jedoch auch bereits längst ein Mann angegeben, den man wohl nicht im Verdachte haben wird, daß er einen Antitrinitaricr begünstigen wollen; und in einer Schrift angegeben, die nichts weniger als zu Ehren dieser Rcligionsparthcy geschrieben ist: E- S- Lyprian nehmlich, in seiner Dissertation «Iv kloitilius Lnclmimm'u», (°). Zm neunten Capitel, welches vom Sylvanus besonders handelt, sagt er von ihm: et nvi'cluizllilims cminictus lit, rjunll vo- lunt parous, ^ItinAius, Uom'likoekius, Knimlienuus et Ke soimuti comimimtvr, v.-üclv clndium vtt. Niln oli lol-un cko- ctiinam et in l^kriktum clicteiia interomtus viclotur. Halioo llutom Iiuius moao tontontliuz innFv lii'mislimum aiguinontum, (°) Unter seinen oisfi-r>»lio»i>ius vsiii -irgumüiili, die Fischer hercins- gegeben, befindlich. Adam Ncuscr, 399 H«,»! n«IIa .iito vllisui» !ri oxistlmo. I>iimiium mawr, sorto vt melinr cniililiniiniuni >>ais unluit eu>n esnita!! siiji^Iicln »f- foetuin, lzuaio i^soinot vloetor tontontlain lorro cciaotus ost, vt tuma vx ^Itinzio pcico^Inius. li L^Iuanns criminis lavl'av inilioswtis ccmvictus t'uissot, contiliani mvrtls tonten- tiain li»o ninni clicuitiono in oum tulistont. Voinclo »cloo iinn ctt ^inli.itiim, Lvlunno oum /kuicls üterarum coi»i»o>-- oiinn tuisto, vt icl no clicoiv «zuitlom aucloant ücl'oi-mali. Die Sache hat ihre Richtigkeit. Nur darum ist L)-prian, oder vielmehr Alling, dem er folgt, nicht genau genug, daß er nicht hcstimmtcr angicbt, zwischen wem die Uneinigkeit über die Bestrafung des Sylvanus eigentlich obgewaltet. Sie war nicht sowohl unter den Rathen des Churfürsten, ob sie schon auch unter diesen war, als vielmehr unter den Theologen und Rathen. Die Theologen verlangten Blut, durchaus Blut: die politischen Räthe hingegen stimmten größtcnthcils auf eine gelindere Bestrafung. Das würde einer Verleumdung der Theologen sehr ähnlich sehen, wenn es nicht der Churfürst, in seinem Schreiben an den Churfürst Augustus von Sachsen, selbst sagte. „Demnach denn ich, schreibt er, (") mich sowohl bey meinen „Tliool"^« und politischen Räthen Raths befragt, was vor „Straff gegen einen solchen Gotteslästerer vorzunehmen, und „aber der eine Theil, ncmlich die ^KovIoFi, ihr Bedenken da- „hin gestellt, daß nicht allein solche Gotteslästerungen mit dem „Ernst cam'talitor zu straffen, sondern daß er sich auch politischer Weise so weit vergessen, daß er wohl eine ernste Lci- „bcsstrafc verwirkt habe. Meine politische Räthe aber ihr Bedenken mehrcnthcils dahin gestellt, daß die kayscrlichcn Rechte „dergleichen Straff mildern, et quoci IZcoloua noa elauilat gio- ,,»>ium recteunlidus ko." — Zum Unglück ist auch das Bedenken der Theologen noch selbst vorhanden; und ist eben dasselbe, welches, wie schon bemerkt, die sogenannten ^ow fast einzig und allein ausmacht. Welch ein Bedenken! Wem müs' sei, die Haare nicht zu Berge stehen, bey diesem Bedenken! Nein, so lange als Ketzergerichte in der Welt sind, ist nie (°) Vcvm Striive, S. 228. 400 Zur Geschichte und Litteratur. Dritter Beytrag. ans einem eine sophistischere grausamere Schrift ergangen! Denn, was kann sophistischer seyn, als daß sie durchgängig, nur aus dem Grunde der Gotteslästerung entscheiden? Als ob die Beklagten die Gotteslästerung eingestanden! Als ob die Beklagten ihnen die Gotteslästerung nicht vielmehr zurückgeschoben! Als ob die Beklagten, wenn sie Macht gehabt hätten, nicht völlig aus eben dem Grunde, ihnen selbst den Kopf hätten absprechen können! Und was kann grausamer seyn, als sich durch keine Reue, durch keine versprochene Besserung wollen erweichen lassen ? Waren es Menschen, welche schreiben konnten: (*) „Denn daß sie (die abscheulichen Bckcnncr nur des einigen, „nicht drcycinigen Gottes) mit ihrer Bekenntniß Besserung verreisten, wäre ihnen wohl zu wünschen, daß ihnen Gott eine „ernstliche Bekehrung verleihen wolle; aber wie dieses bey Gott „allein stehet, daß er sich erbarmet, deß er sich erbarmen will, „also gebühret es dem Menschen, daß er seine Gerichte, die „er ihnen mit ausdrücklichen Worten vorgeschrieben und befohlen hat, standhaftig erequire?" Also: nur erst den Kopf ab; mit der Besserung wird es sich schon finden, so Gott will! Welch ein Glück, daß die Zeiten vorbey sind, in welchen solche Gesinnungen Religion und Frömmigkeit hiessen! daß sie wenigstens unter dem Himmel vorbey sind, unter welchem wir leben! Aber welch ein demüthigender Gedanke, wenn es möglich wäre, daß sie auch unter diesem Himmel einmal wiederkommen könnten! — 7. Wenn aber der Churfürst Friedrich, in dem angezogenen Schreiben, den Churfürsten zu Sachsen nur um das Bedenken seiner politischen Räthe ersucht, das Bedenken seiner Theologen aber sich aus dem Grunde verbittet, „weil sie Zweifels ohne „mit den Seinen auf Sie göttlichen Reckte wurden scklies- „sen": so kann man sicher behaupten, daß dieses Zweifels ohne ohne Zweifel ganz anders ausgefallen seyn würde, und der Churfürst nur darum etwas als ausgemacht annimt, was nichts weniger als ausgemacht war, weil er sich auch von dieser Seite iu einer Sache nicht neuen Widersprüchen aussetzen wollte, in (°) Btt'm Struve S. 223. Adam Nenscr, der er, allem Ansehen nach, seinen Entschluß längst gefaßt hatte. Denn unmöglich wurden Lutherische Theologen, den Gcnstschen Grundsatz, daß alles mit dem Tode zu strafen, was das Gesetz Mosis mit dem Tode zu strafen befiehlt, worauf das ganze Hei- dclbergische Bedenken gcbauct ist, gcbilligct haben. Wohin nun aber das Bedenken der Sächsischen Räthe gegangen, läßt sich nicht mit vollkommner Gewißheit sagen, da es nie bekannt geworden. Vermuthlich aber muß es mit dem Bedenken des größern Theils der Pfälzischen Räthe wohl übereingekommen seyn, weil sich sonst der Churfürst wahrscheinlicher Weise darauf bezogen hätte, und nicht genöthiget gewesen wäre, sich zu stellen, als ob er einen Ausspruch nach eigenem Gutdünken thue, mit dem sonderbaren Zusätze, er glaube, er habe auch den h. Geist, rvclcher in dieser Sache ein Meister und Lehrer der Wahrheit sey. Lleetor autem, schreibt Alting, eunetantilius et kae- rentil»us Lvlll'ilisriis, ng iretur in inimitum, et üia wsnu Renten- tiain conleriptit (cui nee eniplivnoi»» kuliiunxerst, putsrs le, cjuocl et ipts Lvirituiu 8itnctmu Iisdeat, kao in ^arts nmAistrum et äoctoreni veritatis;) esni(z>ue clie 11. ^^zrilis 1372 ooto ineii- t'ibus avto csusm exeeutioni iuan eertsin ^c?«M ^Ve?«/«??', lM äo IVIirMro ketormv tvtoit rencku lure, avoit nutli eu la ponlvs ä«z csdalor clans la LIir6tiontec. Lpill. l.»>:>o2iiliii ?> I. p. ttl. 406 Zur Geschichte und Litteratur. Dritter Beytrag. tantmn, verum vtiam Iii Lnristia»! Älaliomotitmo nbnoxii kori poslint. 1?ateor, illa Vnit.i- riorum monttrs, Plllo t^nriktum invocsnckum inlieisntur, aut tantum pro pronlreta sero in roAno a?ic//c?«L en!m vo srlliue tomporo, «zuo cuin ^em'Ato 6?eo?'A«tt/t Maic>?'«?/i prole«1'oron» Witte- derAoni'om rekutsbat, clominum lekum inuockmdum esto Kstuo- bst, vt ex iÜo vporo non vno inclicio constat. ^Ve?bi äoAmatis liuius iaüentionem säscribit, i»6eo- sjue otism F>«nce/onno eins cloetiina Iioclio, a ,, cut tu es, vptamus Lon- „ttantinopoli dabitare, vt cuioaä libros il'tos praeäietos, vtilitas „cjuaeciam IZcclesiae acee6at. ^tkerto etiam tecum, li potes inue- „nire, libellum porvk^ni cle autnritatv t. teripturae, eontra lius „tcriptis, r>uae in i?c»Ioiiia relttjuoiit, motos esse, vt ^edivus !n „iplius sentontiam irent. Oeincle inter cetera üe teribit: tjuseto, „nü ^clamv, und wie es dort aus dem ^nticlanaeus weiter lautet; nur daß nicht alles in der nehmlichen Ordnung folget, und nach den Worten a^o^ttto Folgendes ausgelassen ist: ^ruktra enim non taeies, et annuum Kipenclium clabimus tibi Iionektum. ^cl kaee tua teripta, «jnae cle omnibus ^eli^Ionis ca- ^iltious eolleFikti, tecum for. IXam im^rimis cural»imus, vt ad- uerlarii puäoro tull'unilantur. — Also, diese Polnische Gemeinde wenigstens, war durch Ncusers Schriften so weit gebracht, als nur immereine Umtausche Gemeinde gehen kann; das ist, weiter, als eine solche Gemeinde gehen müßte, wenn sie noch mit einigem Rechte den Namen einer Christlichen Gemeinde führen wollte. Denn wahrlich giengcn auch selbst Zranc- Davidis und alle diejenigen nicht so weit, welche Christo mit der Gottheit auch die Anbetung streitig machten; indem sie das alte und neue Testament doch noch immer allein für göttliche Bücher erkannten, und selbst ihre Beweise daraus führten; so daß sie durch diese göttlich eingegebene Bücher zum mindesten die Christliche Moral bestätiget und ausser allem Zweifel gesetzt glaubten. Jene Polnische Unitarier hingegen, die auch den Alkoran für göttlich hielten, waren entweder nichts als unbeschnittcne Tür- 412 Zur Geschichte und Litteratur, Dritter Beytrag. kcn, oder wenn göttlich hier blos gut und erbaulich bedeuten sollte, nichts als Dcisicn, in welchen, wenn alle Polnische Umtausche Gemeinden mit ihnen übereinstimmten, man wohl nicht sagen kann, daß 1668 und 1660 Christen aus Polen vertrieben worden. 16. Bon den Handschriften, welche Ncuscr in Polen zurückgelassen hatte, oder von denen, welche nach seinem Tode in andere Hände kamen, muß Lrcll einiges besessen oder gelesen haben, weil er oben sagen darf: I^euterus non odl'eure Mi rnatis Iiuius (e/e no» a^oi'Kn^o et »i?eoctt?z^ ter- moniüus colliAvro (^°). 16. Ehe ich schliesst, muß ich noch ein Wort von Nenscrs moralischen Charakter sagen, den man ohne Zweifel nur darum so abscheulich und schwarz zu schildern und zu glauben geneigt gewesen, weil man zweycrlcy für ganz unstreitig und nothwendig gehalten. Einmal, daß schlechterdings nur ein höchst lasterhafter Mensch den Schritt thun könne, welchen Ncuscr gethan. Zum andern, daß dem, welcher die Christliche Religion mit der Türkischen vertauscht habe, wenn er nun auch bey dieser keine Beruhigung finde, nichts übrig bleibe, als in den äussersten Unglauben zu stürzen, welcher zu dem lüdcrlichstcn Leben berechtige, und am Ende unvcrmcidlichc Verzweiflung nach sich ziehe. Daß das Exempel vieler, ja der meisten Renc- (°) KM, lili. II. o?. r> VIII. I>. 402, 414 Zur Geschichte »nd Litteratur, dritter Beytrag. gatcn zu diesen Voraussetzungen berechtige, will ich nicht in Abrede seyn: wenn man nur hinwiederum zugestehen will, das; es Ausnahmen geben könne, zu welchen auch wohl Ncuser könnte gehöret haben; und zn welchen er wirklich gehöret hat, wenn man anders dem Zeugnisse mehr glauben muß, als der Nachrede. Zeugniß nenne ich, wenn der Kayserlichc Gesandte an seinen Hof von ihm schrieb; „Gegen Gott hat er die Verantwortung seines Gewissens halben allein auszustehen, sonst „ist er nicht ein arger Mensch, noch Christcnseind." Zeugniß nenne ich, wenn eine glaubwürdige Person Gerlachcn versicherte: „Ncuser sey still und flcissig, habe ein besonderes Lo- „samcnt, daß sonst kein Deutscher wisse, wo er anzutreffen." Aber Nachrede nenne ich, was man von dem ersten dem besten höret, auch wohl von einem, der seine eigene Schande bekannt hat, wenn das alles wahr seyn soll, was er von dem andern erzählt. Nachrede nenne ich, womit man sich viele Zahrc hernach trägt, und Leute sich tragen, denen man die Ursache all- zudcutlich anmerkt, warum sie sich damit tragen. Dergleichen war, was oben Gerlach von Neuscrn nach Deutschland schrieb, ehe er ihn noch selbst gesehn und gesprochen hatte. Dergleichen war, was Hebercr und DuSowez lange nach seinem Tode von ihm zu hören bekamen, und so zu hören bekamen, als der Erzähler wohl merken konnte, daß sie es erwarteten nnd wünschten. Gerlach, bey dessen Anwesenheit zn Constantinopcl Ncuser starb, sagt, daß cr an der rothen Ruhr gestorben scy, nnd daß er mitten unter seinen Freunden gestorben scy, obschon freylich nicht in der besten Beschäftigung; im Trunke nehmlich, ohne von Glaubenssachen im geringsten zu reden. Diese Nachricht ist nicht geschmeichelt: aber, so zuverlässig ist sie doch wohl, als sie ein Gcrlach nur immer an dem nehmlichen Tage einziehen konnte und wollte. Gleichwohl finden die Iöcher und Heineccius noch immer ihr Vergnügen daran, es nicht bey ihr bewenden zu lassen, sondern lieber das Gesage des Zöudowe; und Heberer nachzuschreiben, welches man durch Verlachen offenbar der Lüge überführen kann. Die rothe Ruhr wird bey Heberern zur Pest, und beym Budowez, mit einem Worte, zu Adam Neuser. 415 den Franzosen, wobey niemand vor Gestank um den Kranken bleiben können, den man doch gleichwohl in der größten Verzweiflung dahin fahren sehen: nun urtheile man von dem Ucbrigen! Mich cckclt, gegen alte Weiber zu streiten. 17. Wem es scheinen möchte, daß ich mich bey einer alten verlegnen Geschichte viel zu viel aufgehalten habe: den bitte ich zu bedenken, wie vieles über den Servetus geschrieben worden; und von Deutschen geschrieben worden! Oder muß man schlechterdings ein Ausländer seyn, um unsere Aufmerksamkeit zu verdienen? Lcibnitz schrieb irgendwo: ä'autsnt plus äo com- pgkkion 6u müllivur 6tmi.i der Tcisic»! Zr.i.n»c>n. mich alle dicsc Umstände zustimmen an einen Mann erinnert, welcher um besagte Zeit hier in Wolfcnbüttcl lebte, und hier, unter dem Schutze eines einsichtsvollen und gütigen Fürsten, die Duldung fand, welche ihn die wilde Orthodoxie lieber in ganz Europa nicht hätte finden lassen; an Scbmid, den Wcrt- hcimschcn Ucbersctzcr der Bibel. Doch, ohne mich bey Vermuthungen über den Verfasser aufzuhalten, hier ist die Stelle, in welcher sich meine Leser mit seinem Geiste näher bekannt machen können. Sie ist aus einer Art von Einleitung genommen, in welcher er von der Vor- trefflichkcit und Hinlänglichkeit der natürlichen Religion überhaupt handelt.*) » » » Und so weiter! Zu einer Probe ist dieses mehr als hinreichend. Nun erlaube man mir noch, meinen Unbekannten nicht so ganz ohne Geleite abtreten zu lassen. 1. Ich habe gesagt, daß Neusere Schicksale mich an diese Stelle erinnert. Denn als Ncuscr so weit gekommen war, daß er sich kein Bedenken machte, zur Mahomctanischcn Religion überzutreten, war er doch vermuthlich kein Phantast, der sich von der Wahrheit der Mahomctanischcn Religion, als geoffenbarter Religion, vorzüglich vor der Christlichen, überzeugt fühlte: sondern er war ein Deist, der Eine geoffenbarte Religion für so erdichtet hielt, als die andere, und den nur die äusserste Verfolgung zu einem Tausche brachte, an den er nie würde gedacht haben, wenn er irgendwo in der Christenheit die Duldung zu finden gewußt hätte, auf welche unscr Unbekannte für solcher Art Leute dringet. Er hatte sie bey den Unitaricrn anfangs zn finden geglaubt. Aber der Streit, in welchen er auch mit ihnen sofort verwickelt wurde, mochte ihn wohl abnehmen lassen, was er sich mit der Zeit selbst von denen zu versehen habe, welche anderswo eben so vogclfrcy waren, als er. Za es scheinet, daß diese seine Vcsorgniß durch Aranc. Daviois nachhc- rigc Schicksale hinlänglich gcrechtfcrtigct worden. Indeß kann es doch gar wohl seyn, daß Ncuser auch eine Art von Prädi- °) Hier folgt das Fragment, welches hier nebst den übrigen wegbleibt, weil sie nachher ziis.immc» gedruckt sind. Les>1m,S Werke ix, 27 1l8 Zur Geschichte und Litteratur. Dritter Beytrag. lection für die Mahomctanischc Religion gehabt, und daß er ihr bereits alle die Gerechtigkeit wiedcrfahren lassen, die weit neurcr Zeit frcymüthige und unverdächtige Gelehrte ihr erzeigen zu müssen geglaubt haben. „Des Mahomets Alkoran, sagt auch unser Unbekannte kurz vor der mitgetheilten Stelle, „und „der Türkische Glaube hat zwar einen bösen Ruf bey uns „nicht allein, weil der Stifter dieser Religion Betrügerei) und „Gewalt gebraucht, sondern auch weil viele Thorheiten und „Irrthümer, nebst manchen unnöthigen äusscrlichen hergebrachten „Gebräuchen, sich eingemischet finden. Ich will ihm auch gar „nicht das Wort reden, vielwenigcr denselben der christlichen „Religion zum Nachtheil erheben. Doch bin ich versichert, daß „unter denen, die der Türkischen Religion dies und jenes Schuld „geben, die wenigsten den Alkoran gelesen haben, und daß auch „unter denen, die ihn gelesen, die wenigsten den Vorsatz gc- „habt, den Worten einen gesunden Verstand, dessen sie fähig „sind, zu geben. Ich getraute mir, wenn dieses mein Haupt- „ absehen wäre, das vornehmste der natürlichen Religion aus „dem Alkoran gar deutlich, und zum Theile gar schön ausgedruckt darzuthun, und glaube, daß ich bey Verständigen leicht „darum Beyfall finden werde, daß fast alles wesentliche in „Mahomets Lehre auf natürliche Religion hinauslaufe. Der „gelehrte Thomas -Hyöe, (") den man sowohl der Sachen kun- „dig als unpartheyisch halten muß, lobt den Mahomct als „verao koliZionis ^kiakami roktauriltorsm, der die wahre Religion Abrahams wieder hergestellt habe: und der getreuste Ueber- „setzer und Ausleger des Alkorans George Säle zeigt in „seiner Einleitung zum Alkoran, daß der Grundsatz der Lehre „Mahomets auf der Einheit Gottes beruhe, oder auf der Wahrheit, daß nur Ein Gott sey, und seyn könne: daß der Vor- „satz, die heidnischen Araber von der Abgötterei) zum Erkenntniß dieses einigen Gottes zu bringen, edel und höchlich zu „loben gewesen, und daß Herr Prideaux nicht mit Grund vorgebe, ob habe Mahomet bey den Arabern statt der Abgötterei) „eine Religion eingeführt, welche eben so schlimm sey als die (°) M. //e-,^e >>s relig. vei. perlar. p. 33. (") SI»e Koran p. 36. st «3. Von Duldung der Teifun: Fragment. 419 „Abgötterey. Herr Sale sagt, daß die Ermahnungen zu guten „Sitten und Tugenden, welche im Alkoran enthalten sind, und „sonderlich die Ermahnungen zur Verehrung eines wahren Got- „tes zum Theil so vortrefflich sind, daß ein Christ sie wol „beobachten möchte." — Wie weit nun dieses auch Ncuser zu seiner Zeit bereits erkannt, würden wir mit Gewißheit sagen können, wenn es den Herausgebern der Nonumentmum pals- tinorum beliebt hätte, uns seine Anmerkungen über den Alkoran mitzutheilen, die sie vor sich gehabt zu haben versichern. 2. Dennoch, muß ich hinzufügen, würde mich diese Beziehung auf Neiisern blos und allein nicht haben bewegen können, die mitgetheilte Stelle vor allen andern zu wählen, wenn ich nicht, in ihr auch einen besondern Punkt der Gelehrsamkeit auf eine ganz besondere Art berührt zu finden, geglaubt hätte. Zch meine hiermit, was der Verfasser von den piotol^tis portse in der alten Jüdischen Kirche behauptet. Nicht als ob die Sache selbst nicht längst bekannt wäre: es ist blos die Anwendung auf unsere heutige Deistcn, die mir neu und ihm völlig eigen zu seyn scheinet. Sie hat etwas sehr blendendes, diese Anwendung; und ich wünschte um so mehr, sie aus den Quellen geprüft zu sehen, je weniger ich meinem eigenen Urtheile in mir so fremden Dingen trauen darf. Indeß dünket mich doch, daß, wenn man schon zugeben müßte, daß diese protohti porwo nichts als Deistcn gewesen, damit gleichwol noch nicht erwiesen sey, daß sie auch alle die Freyheit unter den Juden genossen, auf welche die heutigen Deistcn unter den Christen Anspruch machen. Wenn wenigstens der Verfasser selbst zugicbt, daß das Siebente der Noachischcn Gebote sie kcineswcges als ein Naturgesetz verbunden habe, sondern nur hinzugefügt worden, um den Jüden kein Aergerniß zu geben: so dürften sie leicht mehrcrn solchen Einschränkungen in Beziehung auf die herrschende Religion, der sie nicht zugethan seyn wollten, unterworfen gewesen seyn. Falls sich nun dergleichen fänden: sollten wohl nicht aus ihnen Bedingungen herzuleiten seyn, unter welchen sich auch die Christen könnten und möchten gefallen lassen, Deisten in ihren Pfälen zu dulden? Aber unsere Deisten wollen ohne alle Bedingung geduldet seyn. Sie wollen die Freyheit haben, die christliche 27" 420 Zur Geschichte und Litteratur. Dritter Beytrag. Religion zu bestreiken; und doch geduldet seyn. Sie wollen die Freyheit haben, den Gott der Christen zu verlachen; und doch geduldet seyn. Das ist freylich ein wenig viel: und ganz gewiß mehr, als ihren vermeinten Vorgängern in der alten jüdischen Kirche erlaubt war. Denn wenn deren einer des Herrn Namen lästerte, (Levit. XXIV. 12.) so ward er ohne Barmherzigkeit gcstcinigct, und die Entschuldigung half ihm nichts, daß er nicht den wahren Gott, den die Vernunft den Menschen lehre, sondern den Aftcrgott gelästert habe, wie die Juden sich ihn bildeten. Und schon hieraus, meine ich, ist zu schlicsscn, daß auch die alte jüdische Religion es in diesem Stücke nicht anders werde gehalten haben, als sie es alle halten. 3. Was von dem übrigen Znnhaltc der Stelle zu denken und zu sagen, brauchen meine Leser nicht von mir zu lernen. Aber wie sehr merkt man es ihr an, daß sie vor drcyssig Zähren geschrieben worden! Wie? noch itzt wären der gesunden Vernunft alle Wege versperret, Gott nach ihrer Einsicht, unter einem angenommenen Christcnnamen, zu verehren? Freylich, ein dergleichen angenommener Ehristenname, als Ariancr, Soci- niancr, ist vielleicht noch eben so verhaßt, als er es jemals war. Allein, was braucht es auch dieser Namen? Ist der bloße Name Christ nicht wcitläuftig, nicht bezeichnend genug? Sind die Namen Calvinist und Lutheraner nicht eben so verwerflich geworden? Weg mit allen diesen Namen, die uns der Einsicht eines Einzigen unterwerfen! Wir sind Christen, biblische Christen, vernünftige Christen. Den wollen wir sehen, der unser Christenthum des geringsten Widerspruchs mit der gesunden Vernunft überführen kann! Was braucht es noch, die Schriften der Freygeister zu unterdrücken? Heraus damit! Sie können nichts als den Triumph unserer Religion vermehren. — Daß dieses die Sprache mancher heutigen Theologen ist, wer weiß das nicht? Und allerdings hat diese Sprache das Gute hervorgebracht, daß neurer Zeit, wenigstens in dem protestantischen Deutschlande, alle bürgerliche Verfolgung gegen Schriften und Schriftsteller unterblieben ist. Eine merkwürdige Erscheinung, von welcher ich wohl wissen mochte, aus welchem Gesichtspunkte sie unser Unbekannte betrachtet haben dürste.' Er scheinet der- Neu Duldung der Deisic»? Fnigmeiit. 421 gleichen Theologen in Verdacht zn haben, daß sie von dein ganzen Christcnthume nichts übrig lassen, und nichts übrig lassen wollen, als den Namen. Daß dieses bey einigen auch wohl der Fall seyn möchte, daran ist kein Zweifel. Aber bey vielen ist er es auch gewiß nicht; bey denen gewiß nicht, die sich gegen die Vertheidiger einer blos natürlichen Religion mit so vielem Stolze, mit so vieler Bitterkeit ausdrücken, daß sie mit jedem Worte verrathen, was man sich von ihnen zu versehen hätte, wenn die Macht in ihren Händen wäre, gegen welche sie itzt noch selbst protcstircn müssen. Dieser ihr vernünftiges Christenchum ist allerdings noch weit mehr, als natürliche Religion: Schade nur, daß man so eigentlich nicht weiß, weder wo ihm die Vernunft, noch wo ihm das Christenthum sitzt. XIX. Ergänzungen des Julius Firmicus. Das astrologische Werk des Julius Firmicus, (denn von diesem wird hier allein die Rede seyn) oder wie er es selbst gcncnnct hat, dessen I^ilin VIII Nirtlioleos, sind zuerst zu Venedig bey Simon Bevilaaua im Druck erschienen, und zwar unter Besorgung des Pesccnnius Franciscns Niger, welcher in seiner Zucignungsschrift an den Kardinal Hippolytus von Este sagt, daß er die Handschrift, ich weiß nicht aus welchem barbarischen Lande, hergeholet habe. Dein Stern, schreibt er, war es, der mv daidaros szioliaturum acl oxtremam tli.ii'um t'ocvm clouoxit, vlii äotrutus in eareerom gottioa feriwto 1'ii'mieus liMadar. Voni, vicli et viel, moenm^uo tam praoola rum eomitem, tuis i'scküs tutus in patl'iiun clocluxi. FabriciuS und andere verstehen dieses von Constantinopcl: ob mit Recht, kann ich nicht sagen; fast sollte mich die gottiea keritas daran zweifeln lassen. Denn daß den Türken der Name Scythen noch wohl zukommen könne, will ich nicht in Abrede seyn. Ob aber auch der Name Gothen? Wäre es hierzu genug, daß vielleicht auch die Gothen Scythen gewesen?--Selbst habe ich diese erste Allsgabe nie gesehen. Doch weiß ich, daß sie höchst man- 422 Zur Geschichte und Litteratur. Dritter Beytrag. gelhaft seyn muß; wie denn auch der Titel mir sieben Bücher, anstatt achte, verspricht. Denn wenige Zahre nachher (1499) stellte Alvus Mauritius, in seiner Sammlung alter Astronomen, eine neue Ausgabe an das Licht, vor welcher er von jener ersten sagte: Mkke,'- NZ», riui vagsdatur prius, vsläo ciepruriutus erst, so mutilus et kerv llim'-älus. Dem Aldus war so etwas zu glauben, was ich itziger Zeit einem Buchdrucker oder Ncrlegcr so blindlings zu glauben, eben niemanden rathen mochte. Mit dieser Aldinischen Ausgabe (°) behalf man sich, bis L7icolaus Pracknerus 1533 eine dritte ox osüclns I. Horusgli lieferte, und zwar ebenfalls in einer Sammlung astronomischer oder vielmehr astrologischer, aber neuerer und größtenthcils Arabischer Schriftsteller. Prucknerus war ein Arzt, und hatte vor- nemlich zum Behufe der Arzneygelehrten diese Sammlung unternommen, in welcher er besonders den Zirmicns nicht blos omenelstum Hiioai! lieuit, sondern gar perinllo so rwuum tuoizuo rottitutum nitori ans Licht zu bringen versichert. Von einer so ausdrücklichen und kräftigen Versicherung sollte man kaum glauben, daß sie ganz ohne Grund seyn könne. Gleichwohl muß ich gestehen, daß wo ich noch den Pruckncrschen Text mit dem Aldinischen verglichen, ich nicht die geringste Verschiedenheit bemerkt; und man kann doch leicht glauben, daß ich die Ncrglci- chung besonders in solchen Stellen werde vorgenommen haben, in welchen die Lesarten des Aldus offenbar einer Verbesserung bedürfen. Pruckner ließ seine Sammlung gpu!wi- et Vvnus i» oaclom pai-tv vel liZ'w u. f. w. ist falsch, und muß folgender Gestalt gelesen werden; wie denn auch besagtes Schema selbst 426 Zur Geschichte und Litteratur. Dritter Beytrag. nicht an diesen Ort, sondern zum Schlüsse der zweyten zu ergänzenden Stelle gehöret. luvniter et Venus in eauem parte vel ligno 6 variier tue- vint eouttituti, nouoriz inLgnis enrn in»x!nia äeeernunt FNttia venuttatis, bouorum etiam et inaZnoruni viroi'um liltelilius umi- eitiis teinver altoeiant; iacinnt etism Iionetta nioium eonuei'la- tione temnei' ornatos et inteKra title oinniuin ivIiAionnin iui!» tei'usntes: Lrunt etiam cmi lie loueni Iiaduerint eum Veueie, munäs nulcln'ltnuinis Ilonektatv lul^entes, iu6ieilius et regibus iuuet! kemner ainavili vinoulo csi'itatis: 8ed 1>os omues ^loria bonve kamse tettimoniuni temner inlinuat. üt a notviitllius te- minis et iionoris inliAina et maxiina illis reteruntur nrellcl!» sa- eultatum: 8elt üe lialientes Veneiein et lauem etiam telix et motnerunl mati'imonlum toitiuntur: Ilaliebunt etigm silios, ti non illos inaleuolinuui stellsrum innu^nauei'it isclius: 8ell lü ad venereos eouatus nrona nientis eupiclitatv llucuntur, «lesvlleriuin tuuin per varios eoitus tenius transserentes: Ilee esüein in kenn- nsruin genitnris lunviter et Venus simul noliti vspialilli i'atioue lieeeinunt: 81 vero louein et Venei'oui in toliu ilt acl lines ci'ebi'a Isma et Araui remelientlune nulküiuntur insinnioe. II. Die zrvcyte Stelle gehöret zu dem Z'lstc» Kapitel des nehmlichen sechsten Buchs, welches eatlinüea svclorum piomil'euv pontm'um «tecreta enthält, und ist der Anfang desselben, auf welchen in unserm Manuskripte der in dem Gedruckten itzt befindliche Allfang I^una n in IVIereuri! linibus fueiit innenta, gefolgt ist. Sie lautet so: 8i I^nns et luppiter norlili tuerint i-acllatione eoniuneli et eos limul nsi'tiliter colleeatos in clexlro c^uaurgto nvütus 8utnr- nus vartili rauiallone retnexvrit, et Aars tiiuil! lins eosuem ner ^naüratum minsei rauistione nereutiat: 8oi verc> li in kW vel in 12»>o loco ex ilts coniunctionv neroutiat toeietate, leruilis Aenitura äeeernitur. k>lee exnugnatus ex utrohue latere luvniter Ergänzungen des Julius Firmicus. 427 leruililius noterit neeeklitalil^us liberare. 8i in kll) I^uua luerint inuonta et in eouern looo fuerit luuniter eonttitutus et Nai-8 von- iunctiouem I^unve currentis exoonorit, et ooniuuotionoin klartis et I-unve 8aturnu8 ininaoi racliatione resnexerit, dono8 <^u!ane eainlein nartium i. I^oroteonuin, 8ol et I^una snialibet racliationv viclerinl, Nar8 vero 8aturni al> Iioro8. narte malignos poteltati8 tuoe raäio8 tunerarit, nrolnere natus nrotneru8 nutrietur. 8i vero line prelictio vel teltirnonio ueniuolarum ltellaruni Il«ro8. nartern 8aturnu8 et »lars inioaei racliationo resuexerint, aut vno üe rnaliunl!8 in lioros. oonlliluto, al!»8 in oocatu onnlti- tut»8 liaroteo. rlvarnetra railiat!o»e neroullerit, ant in nrim» moriuntur vitoc vestibulo conttituti, aut vrima vettiZia Iuei8 in- Ai'esll8 vüalo naliulum äenegatur, ant oliltinato matr!8 animo nata lol>ole8 exvonitur. ()uoä li lio nialiuali8, llout llixiinus, oonttituli8, Iiorol'eovo Venus ant lunniter testimoniuin ooinnüaue- rinl, exnolitus oolliFetur et alionse nnkerieoräi-« prelnlio nutrietur. 8i lunniter in lioros. nartiliter I'uerit eonstitutu8 et in clva- metro klars notltus lioroloo. et louem nartili rnclialione resnexe- rit^eoteri8 tteI1!8 nullum i8 teltirnoniuni oomoilauerit, medioeris tudslnnt!»? kaeultatein äecernit isil> ooniunotio, kecl Iii8 inLs inullu iuinncarum nrolrilia Zeueg-iri. 8e<1 II loue et klarte liont iliximus oonktiluti«. louv loilieel in Iiorolc. et klarte in oecalu polito, li 8»turnus vel Klercuriu5 428 Zur Geschichte und Litteratur, dritter Beytrag. Klariern c/ualivet racliatione ret'oexerint, ant lunatieos iaciunt ant eaclue«i8 nirore rneuiis onmellcis. 8i vvro loue in narte Iimos. eoultitutc», in oeeaku ei in ci^a- invtro 8atnrnu8 eonstitutu8 lonenr !roi'08eonnrnHue resnieiat in cliurua Aenitura et I^nna nlena leratur aci Ivnem, 6!vit!a8, setici- Iate8 et tnrmnoe Iieatituciini» inerenrenta cleeernunt. 8i verc» loue in noios. oonttituto, Venus in oeealu teu in cl^anretro kuerit inueota, et ki-atre8 «teneZant, patreni et tllios. 8ecl n!lnloininu8 cliuitiarnnr et 5elieitaii8 inerementa cleeernunt. 8i 8aturnll8 in Iioios. nariter knerit constitutus et klarteni Iialreat in occatn i. in ct^ametio narliliter eouKIIuturn, ant im» initls »artiÜ8 lllii et Iroise loeietatis eoniunetum, et I^una ant nlena aä Alartem gut imminuta acl 8atnrnum keratur: iKa eou- runetio Araue !>e wileruni moiti8 cieeernit exitinnr, ant eniin keraruin rnorlu contnmnti artu8 uri1"eris Iacerationivu8 ciislivantui', ant saeient per nreeinitia iaetari, ant eoinu8 eacientium eulmi- nunr niluls onnrimilur; ant eerte crui lie 8aturnuni Iiaduerit et Nartenr, aeerua: ciettinatu8 neei cruenii« latronnnr traclitnr mani- Iru8, ant aevrlils temve1'tatidu8 cniati l'nvmeitus inauclito genere inoi tls onnrinritur. 8ecl pro lrgnorunr Aenere mortis inuenletur euentus. In lerinis eninr et in agret'tiliu8 ecnrttituti liF»l8 acl necem nrvnaratc>8 lerarunr aälerunt nrerlus. In loliclis vero li- Anis eonltituti uutantiurn teeto eulnnua inninAuut. In acsnolis lignis ant in nuAna laeiunt interiro ant iugnluin eornur t'eruu8 latronum uiuvrc» nrolec^uitur, ant eerte noteltste alic^ua auiinacl- uertente pleetitur. 01^ nelarium eniin 8aturnum in Iioro8. eou- 1'titutum et in ocealu Alai'8 nrvrint inuentns nrilei'Lv mortis cieeernit exitiuni, lecl tune iucl!eanti8 animaäuerlioue nleetuntur, enin I>!8 omniuu8 Klereuriu8 cle cjuacli'ato aeceslerit. 8i KIar8 in Iioros. nartillter knerit eoultitntus et vuin cle cie- eal'n vlclen8 cl^ametro louis ltella losnieiat, nvrieuia et tolieitu- cliues et cic>1c)re8 itta raciialio in ineclia cieeernit -etato; nerie^ila autein ex teclltiunivus et ex tui'tn8 sect ex eauta et cluinna I'nniti Latiune nerütiet: 8ecl Ini8 nc>tt rnulla vitiv uauIraAla lolieia cle- evrnuntur ternnora ^»«^»118: Vxorvs vero ant aneillas ant nro- ueete clatiit etatis, ant nunlicu« ant alieuiu8 artls tiaetantis otti- eia. 8ecl nee Ir'alrurn in eacleui eivrtato integer numerus rel'er- Ergänzungen dcs Julius Firmicus. 429 vatur, teil omne8 sratres au Inis ant nerexrina^ione tenaianlur aut rnorle. 81 I^una in alil^uo cailline enntlituta Uar8 in Diainetro noli- tu8 et act 8alurnum vel in eallein nartv tuerit inuentns vel ini nenalio (arllino en^uata nartis raltiaUone i-etuiciat, lunniter verc» in texta au mi nuloto vel in oetavo, vel in 42mo eum I^nna suerit inuentus. ?am llin vivit liui natv8 suit l^uam I^una eum loue kuerit inventa. »lox I^una eum Ioui8 tranlierit naitem tla- t!in e! l^ui nalus snerit klors nronerata lleeernitur. 8i I^una et 8ol l'vno6!ea 5lieriut ralliatione eoniuneti, et in ooäein llgna inler 8c>Iem et I^unam klsrs melliu8 taeiit inuentll8, et cos «lo c^uaärato 8aturnu8 resuieiat ec^uata narlium lacliatione coninnotus: l^ui üe Iialmerint ktellas vitiolis onnresl! moril>us in- tvribunt. ^ut inkanias kuioribus eapiantur amari Itvlli8 innnlla- tic>nivn8 milerae Iialieunnt inortis exitium. 8i vero Inis licul! cl!ximu8 i. 8ole. I^una, klarte et 8atllinv in oetano all Iinios. loeo kuorint inuenti, eeterae vero vlnnes stellae in 6to vel in 7mo all liorosc. loeo kuerint eonttitutae, kaeient Iunatieo8, eni- lepticos et lzuormn mentem miiatum vel inaÜANum numen tem- per exagitet, vt omni meniis ratione turliata ineonllllta line ra- lione revento vorlia nroieient. 8i in Virgine Aenitnra in 12mc> loeo au Iinios. I^una vxor?8 kuerit inuenta, i. 11 nae ÜAinim in c^uo elt vxaris I^una nolila in eaeoilomono ant klars merit inuentu8, laeiet vxoiem omnilm8 marüi iniurüs tndiacorc; et iali eain ineutis inoilerallone comna- nit, vt vshue all vl^imuln äiem vitae vi» iniurias patientoi' ox- oiviat. 8i rui^us iwe ÜAnnin in cino viii elt I^una uoüta in eaeolleinone maier vxoii8 j^uerit eontrituia allultermn ex uoe vronunl!ii>ui8 vxoi'ein et talein l^uae iinunllenter oonlra inaritum omninin iuiuiiaium feuere gra8tatur: iullitio t'eeleiatae inulieii8 marito allulterii omni Aenvre nrokerantur. 8ell et mariti Iia8 iuill- ii»8 suktinente8 totum ciuilllmicl vxore8 ieeeiint uatientei' seinnt. 8i vero vxor et inaritu8 in Aenituri8 1u>8 in eoilein liAna I^nnam Iiaonerint colloeatam, mutier ll I^unam viri lunuiter mu- Iieri8 nrotnera ractiatione rotvioiat, ant iurt'li8 mulieri8 I>una vi- ri8 lupniter timili ra«Iiat!ono i'elpexerit, vel ti vtiiu8ls»e Aeuiturae I^una a trigonioa i'aäialione iunAatui', amor ivto8 pari oariialis 430 Zur Geschichte und Litteratur. Dritter Beytrag. vel eum loeo eopulatos ec^ualiili kemner llelz^clerln cunillitate lustenlat. 8i Venus in terrvno tiZno kuerit inuenta et in l>oe ligno eonktituta 7 an Iioros. loeo vel nnne nostvclvrit aut in 12mo nli Iioros. loeo conktituta et in ll^-imetra 8-tturni poilt-» partiliter raäios exeeverit, longse ae üiuturnse vicluitatis inkortunia ex ikla racliatione lleeernit. 8eä lio nokta Venus in inatutino ortu no- sita kuerit inuenta in urirna »etate eouktituti inkortunia vicluitatls inclieit. 8i vero in vekoertino ortu kuerit inuenta aetstis viilui- tatis clecernuntur incominocla. 8ecl et c^uosäsin incekto euniili- tat!« arclore noskeskns illieitos iiliiirum eoneuliitus aäire eoinnellunt. 8i Ivuna et Venus nsrtiliier eollocatse in noeturna genitura et in kvmininis Lznis nokitoe oecakuio vel poskeäerint: et easäom ävainetro Nars 8aturnusyue reknieisnt, kaeiunt ineekto kuroris arclore et nekariae cuniclilatis inktinetu iilias natiiuus illi- eitis matrimoniorum vinoulis oopulare. 8i nuptislis ÜAni üoininus in kerninino kiAno conktitutus oe- eatum vel NL. voskecierit, virgines latenter ktunri eupiäitato eomnellit. 8eck Itunrurn Kenerare pro ktellarura variotatilius inue- nimus. IXam L 8uturnus nuntialis ligni clominus kuerit inuentus- gut s natre, aut patruo, aut a vitrieo ktunrum virgini nraepu- ratur, aut a tene, aut a leruo. 8i vero nnntialis llAui üoininus ülars kuerit etloctus, et lic et ioke kuerit üout cliximus pokitus eum «lugäam violentia llos virginitatis erinitur. 8i vero Venus nuntialis liZni clomina kuerit eikeota, et lio et i»la lieut lliximus nolitl», in noeturna kaerorum vigiliis toontaneurn ktunri orimen acimittur. 8i vero Alercurius nuntialis kigni 6ominus kuerit ante colloeatus, proinistionuin osvtse verkuakionitius nuellae virginita- tem kuam clekvclerio eorruptoris aäciieunt. 8eä ex occslione et eriwina coucitgntur et tuniultus lellitiolse voeis inkertur. Lt iluut maiora periculorum clisorimina li eum Nereurio klars kuerit inuentus. 8i in 8aturni liZno lupviter et Venus limul poüti easäem noslezrnu8 in pilciuus, lu^uitvr et Venu8 in a^uario, I>Iar8 in lilira, Imna in nel»ula eaneii, Kler<:uriu8 vero oum 8o1e. Die Vritte Stelle endlich enthält verschiedne ganze Kapitel, welche sich in unserm Manuskripte zwischen dem Men und 20ste» Kapitel des siebenden Buches befunden. Sie ist die größte lind beträchtlichste, und lautet, wie folget. Nin'8, Venv8 et Innviter in occ.itu kuerint inuenti, i. in 7mo »Ii Iwiotc. loeo, et 6owinu8 iktiu8 tigni, in c^ur» iuli knnt eolloeati in kuerit inuentn8, maiitu8 perimit vxorem. 8eä III. /«>» v.^o?o^ /z«a« e^eittnt. 432 Zur Geschichte und Litteratur, dritter Beytrag. et, li klar« l'olus in oceasu 5uerit inucntus et Venus in !>!('. I^una vero aut in Irnroscono nlena lurninüius ant minuta, manilius ma riti vxor interkecta morietur. 8i in Avnitura viri in riuolilie! loeo louo et IVlarte eonttitutis et 6oinini Irorum liZnoruln in kiuilius tunt I^lars et lunniter eonltituti, lie lint loeati, vt vnus in oecaku Kenrturae lit, alter in IAl<ü. limiliter mors vxoris cleoer- nitur. 8eut in oecalu, cum inlis nartiliter lit eon5l!tutus mors vxoris «leoernilur: 8i vero Ins lie ortlinatis 8ol, 8aturnus et klars aut in lexto aut in 80 lint al> Iioroleono loeo conklituti, interleeta vxor mariti manilros interlliit. /)« /«/^ ?»tt«o?'eL ttttnk?«?' ».niT'SL. 81 8aturuus et Venus e^uas Iiauuerint nartes rliuerlis tiAnis noliti aut li in vxoris liZno l'uerint oonktituti in ea«lein tarnen narte, aut li Venus in 8aturni linilrus suerit, et 8aturnus in Veneris, tecl et li non te vicleant et luas linvs inuieein teneant: Viris liulclenr nroueciae aetatls lleeeruit vxores, inulierilrus vero nroneetae aetatis inariti äeeernuntur. De /t» »ltttei'nc» ^a^e? no Ae«ere /oi'itttt! t«r «^01°«^. 8i lunniter, Venus et l^una in c/uoeun^ue ligno liinul lue- rint eonttituti, aut ilvametra le aut ciuaclrata railiationv relineiant, vrekertinr li lunniter in Veneris linilius suerit inuentus, et Ve- nus in louis, aut arnlio, aut vnus eorum lunnaiu llvanrvtra ra rliatione retniciant, tle inaterno genere clecornit vxorem: 8i vero ant ourn Venere aut ouin loue eonllitutus 80I lie suerit licut äixirnus ile I^una, tle naterno genere vxor äeevrnitur. /)e /o?oroL /oritt«i/?tt' ?«.??c»»'eL. 8i 80I et I^una liinu! l'uerint inuenti, aut eum iulis Venus aut lunniter, aut li c^uaclrala lllii tuerint raäiationv eoniuncti, ita tarnen vt in linilius louis Venus, lunniter vero in lirn'I)U5 Veneris, lratres linrul oailiunt. Ergänzungen des Julius Firmicus. 433 /«'s ^»i Mtttis coe?M5. 8i in vno liAiic» 8aturnus et Venus in eallem narte kuerint, aut li in cüamelro vel c^ua eollocati, easllem IiauuerlnI. var- tes: et I^una aut illis tektimonium nerliilieat gut «zum ivlis lit eollocala, lunniler vero in linibus Veneris conliitutus yuaouniciat, taeiet iilios a patridus muliemis lidiäinis maeulam mstiuere. He a«/?«^s! ». 8i klar« et Venus Lmul tuerint inuonti, aut ll Mars in sini- dus Veneris conktilutus, et Venus in inndus Uartis polita, c^ua- Udek lv racilalione relmelanl, a>Iu1teros taoiunt. 8i vero klercu- Ü-Mngs Werke ix. 28 434 Zur Geschichte und Litteratur. Driller Beytrag. i-I»8 ljuallrata eo8 vel 6vamelra ralliatione resvieiat, aen^uaias illis nosliilens zartes, taeiet illos in In8 laeinorivus 6evre1»enll!. 8e«1 tle Iroe titulo in vrseeeäentious Ilbiis kreknientisliwe äiximu8. De /?e?°tV/ö?u8 lit eolloeatus, lilii non lleeernuntur: leil et luppiter et I^una limul politi in 7>no al» Iroroleopo loeo lint vel in liUt!. et eo8 8aturnu8 in alio ear- lline politus l^uaclrata vel «lvarnelra ralliatione relpieiat, lillos taeiet non lleeerni. /)e H-ut »o?i coe?«it e?u8 nolila, len in m!>scul!no liKno, aut in nnctnrua Avnitura in velnertino ortu nolita, nun<^uam lortienlur vxores: 8i vei°o lie omn!l>u8 lieut au liorolo. loeo lit politu8, ant eerte 8aturnu8 in iplo lit loeo, ktomaeos eklieiet: 8ecl et li 8ol, Ivnna, klars et Uereurin8 in lexto lint all Iiorosc. loeo eonltituti et eos 8»^ turnu8 czuaclrata racliatione relpieiat, ant in 7mo loeo eonktitnti, 8atnrnu8 lit in Iiorole. co»ktitutu8, kaeiet Iunatico8 peruerla saeie et impeclila lin^ua. 8ecl et 8aturno in 7mc> loeo eonttituta Klai8 per cpiaclratum iunZetur, inlano8 elliviet. Is ti vero et Vieren- riu8 in uoroto. eonttituti, Nar8 in oeeaku tuerit inuentu8, et 8aturnu8 ant in oecalu ant in U<ü lacivt in5ano8, teil i^uiuus alic^uanclo lioinieicln erimen aeeeäat. 8i in eaprieorno, ant in pis«ibn8, ant in arcete, aut in tanro, Alars et 8atnrnll8 limul kuerint inuenti, pro c^ualitate liAni parlem corvoris amputadunt. 8aturnu8 et Nars in csnoliliet liAno pariter eonktituti, latentiurn et av8eontorum loeoruin clolore8 ellieiunt. 8i vero in loliclis liAnis politi, clvametra 1s raäiatione relpieiant, aut vnv8 in Iio- rok. lit, alius in oecasu, aut vnu8 in lUtü. alius in UL. epilepti- eo8 saoiunt. 8i vero in tropiei8 ÜAni8 eonltitnti liae te raclia- tionv relpexerint, ea6ueos ellieiunt, tecl czui nulla po8tunt ratione tanari. 8i vero in cluplieidus liAnis politi le liae racliatione relpexerint, eurn Iiis vitüs czuikns cliximus irrelixiolos, erucleles, eapliuos kaviunt. 8i vero Ims lie polito8 veniuola ltella relpexe- rit, eaptiui reuertentur all patriam: <)uocl li in Iiis in csuiuus ^iximus ratione inaliualae in ttatione kuerint inuentae, lorlius noceliuut: 8i vero »eninolae kort!u8 proclerunt. 8i 8aturnns et HIsrs in earclinilins politi ckvametra 1v racliatione rekpieiant et I^unam in alio caräinv eanltitnlam aut per cmaclratum aut per övametrum viclerint, prvtertim in nouislimis lilirao partibus, et caprieorni et arieti8, llevilitaliuntur pecle8. 8i Uars in al!eni8 lignis eonktitutu8 in Iioroko. lit partiliter polilu8, aut in natura noeebit aut in auril»u8. klars et 8aturnu8 in tropieis politi et I-nnain c^uailrata racliatione pullante8 nvclropico8 iaeiunt. 8eil et li Uar8 et 8aturnu8 clvametra le racliatione relpieiaut, tanZui- Ergänzungen dcS Julius Firmicus. 437 uern re!eetante8 ellieinnt. Nar8 in canero ant in teorpione aut in caprieorno aut in p!5c!l>u8, li I^unani 6vametrg rslliatione re- lpieiat, iopetiAinern, mauri'Ainem lepramc^ue perlieiet. 8i 8alur- nus I^unam nec^ue in I^unae äomo nec^ne iu 8aturni llonnl>u8 eolloeatarn ävarnetra racliatione relpexerit, emoeariv8 kseiunt vel yui valitnclineiu littnlae ineurrunt. lloe illem et klar« in ear- 6in!Iiu8 polltus li Venerein ävsmelra rsäiatione relpexerit, limi- liler eklleiet. 8i Uars et Venus et I.una in tropieis liZnis pollti, cliametra so raäiatioue relpexerint et eos 8alurnu8 ant in leone gut in tauro aut in lggittario ant in pileiiius eollocstus per noelem viäerit, poägAr!oo8 oklieiet, li vero per äiern elevliantioos. 8ecl et ü 1-una in tauro luerit iuuenta et 8aturnu8 in leor- pione: ant I^una in loorpione et 8sturnu8 in tauro, nee I^unsm beniuola ltella slii^na raäiationv relp!e!at, elepliantiaei naleentur, 8i Nereurius in virginv aut in nikeilins conttitutis in lioroto. üt partiliter politu8 et eum 8aturnus et I>l:us l^uilärata rsäistione retpieiant, inlano8 ellleient. 8i I>Iars et 8aturnus in »nspuora Itorol^eopi lit vel in 8c> all Iiorole. loeo, saelent per nare sut per os aut per anum languinein initti. 8! klars et 8aturnu8 ita lint eolloeati, vt vn»8 iptorum in l>I<ü üt, »Iiu8 in INL. ex prauis Iinmoriuus vitiota vZriluäiue kaeiunt. 8eturni, et lint in In8 in h>iiliu8 6iximu8 locis a vitüs inlaniae conttituti liberavuntur pokt<^uam Uarti8 1Z. anni ant 8aturni 30. anni completi kuerint. 8eä et li luppiter et klars ümili le ra- lliatione respexerint epi1eptiec>8 kseiunt. 8i vero tie lieut äixi- mu8 politi in tnis part!liu8 kuvrint colloeati, aut luppiter in lini- liu8 ^larti8 et Nar8 in llnibu8 Ioui8 lit, in initÜ8 vius valitudinis liverantur: 8e<1 cpiancko prirna ktellae tempora transierint, i. aut KIi»r^i8 1o anni, ant louis 12. 8i vero Nvrenriu8 aut ävametra aut (juallrata luerit raäiatione eonuentus et in lüsllvni partil>us polllus, taeiet Iwminem in ternplis retpoukn reclclvre. 438 Zur Geschichte und Litteratur. Dritter Beytrag. t?ak«iL. Liim I^una in car«I!n!I)U8 polita in e!8«Iein Lt liZnvrum par- tliius «jvae llno pilo I'unt, aut in sagittario I^una Lt eonltitula, inalae ttellav aut in toli>1i8, aut in tropie!8 Lnt Iignis, in huilius partiliter vitiorum loous et valetum'n!8 inuenitur, ealuo8 e5Iieieni: Iioe ickem inaliuolarum ttellarum raäiatione puilatu8. 8eä et Venus in äomo kua eonltituta partem partiliter teneat, eal- uv8 eNciet. 8aturuv8 vero inter 8olem et I^unain pvlitus, ca» nos kaciet prima aetate nalei. /)e vi'tttL co»'/»o?vL et vt^eu<:gl!8 epileptialis, glüs in5gn!g8, aIÜ8 Ieprg8, a1Ü8 iinpeliginem, »liis nvüropeu, aIÜ8 plitnitin, alii» elepiiantiarn cleeernit ikt» eoniunetio. <)uo<1 li oo8 ko orciingto8 Iivniuola ttella prosperg racliationv re- kpexerit, Iiso vitia mitigantur. 8i vero nullum tuerit tieniuola- rinn iettimonium, et loeum vitii in lolicto loeo eolloeatum ma- liuolüe Iteliso kort! rallialiono relpexerint, äeereta vitia kortlu8 conualeteunt. 8i vero oenuis potettatilius Iiune eunäem loeum Ergäiijmigen des Julius Firmicus. 439 Iieniuoloe maliuolse^ue respieiant, et «Ivlinuut vitia pariter et vrescunt. 8i vero impuFnante malvuola stella sortiora veniuola- rum ttellarum tettimoula kuerint, et l! coniunctionenr I^unav iie- uiolao ttellae suseipiant, a l^uiiiusclam numinibu8 ab ittis pvrieu- lorum cl!8er!m!u!»n8 liuerauiur. 8! vero boniuola ttella exeipientv eoniunetionenr I^unao vitiorum loeum maliuolao 5lellae kortiori raciiatione retpieiant, uuminis alieuius preililüo temporalem vilio- rum reo^uiem vonte^uuntur. 8i vero beniuolis ttellis tortiorilius vxistontiuu8 klereurius eouiunvtionem I^uuae venientis exeeperit, aut ineanlatiouiuus, aut remeäii8, aut ülaterüs ex itlis äisorimi- r>iliu8 Ilverantur. 8i vero lieniuoüs stell!« lortiorivus ex!ttentiliu8 Usrs illis al!5. 8i 8ol et I^una in inateulinis liAnis oonktituti In »rimis sint earilinilzus eolloeati, ueniuolis ttellis ita nolitis, vt 8olein ^uiclein in äiurua genitura In inatutino ortn contlituta nrote^ant, in noeturna vero genitura I^unarn in vet^ertino ortn nrotexanl, liexes kaeivnt notenies terriuiles rexiones vel eiuitates maxiinas tuulugantes. 8i vero in UL. sie kuerint sieut llixinlus eolloeati, et exlraneas gentvs et eeteras re^iones insiuita virtutis nolvntia sudluZaunnt. 8i vero Ins tieut lliximus orüniatis in anauliora eoruin klar« suerit inuentus, alio vero earlline 8aturnus sit con- stitutus, iil)us luerit inuentus, elaros, noliiles estieiunt et notvutes, et ciuilius ciuila- tuni tuitio ereclatur. 8i vero Ins sie orclinatis louis tektimonium aceelterit, exereitus illi imneratoris iudieio eommittitur. /)e 8i I^una iu earllinilius nlena kuerit inuenta, aut in ananliori» gut in enicllatavlioi is earclinuni, klars vero in ananliori« aut in vnieliatanlioris eonktitutus, aut cum iul» kuerlt inuentus, aut ciua- «Ii'ati» aut 6^ametra railiationv retuexvriut sie licut liixinius eollo- eatani kell minutain; 8aturnus siinilitvr in an!>ul»or!s vel in eui- eliat»»ltoris eouttitutus vldvat aut Uartvm, aut I^unam, sie lieut äixlnius eolloeatos, li 8aturnus solein ciuailrata aut üvainetia railiatiouv respexerit, üiotanati nateuntur. 8e«I vt in ksuoeuii^uo alio loco I^unam, 8aturuus et Klars liuaclrata aut ävainetra ra- ErjciiiMgcn dc§ Julius Firmicus. 4^1 lüatione reluieiant llne tetliinnnio Iivniuolarum llellarurn, Iiiotlia- nato8 ellieinnt. 8eä ei ll klars in earälnidus luerit inuentus ei I^una in anavlwrls earllinuin pollta, loue alieuo exillvutv aut railiis tolis adl'eonlo et 8aturno in cardiuilius conltitnto aut in ananlioris earilluuin nolito aut sniaeunc^ue railiatioue l'olern vl- llente, diotlianati naseentur. 8eil ei li klais in earcllnidus cun- Kitutu8 vel in ananliori8 earäinnin politu8 ver c^uaäratuin Lunain ere8eentein a raälatione respexerit, I^uua ant in earlüne eonltituta, ant in ananliora aut in enielialanIiorlÄ pollla, kaelunt laltarios, inalelieos, neeuniaruin ailnlteratores, vt ex iltis er!nnnil)us leuera iuclieant!« anilnailuertione nleeUn^ur. 8eil et li 8aturnus in ll^mo vel in Ilmo loeo suerit inuentu8 et eam eo lit KIereuriu8 aut c^uallrata illi aut cl^amotra raclialione iunAatur, Alar8 vero aut euin iul>8 luerit, aut cuuulrata aut li)-»- inelra eos rauiationv rel'uiciat, aut li lie politos in 8aturni domo NIars colloeatus I^uuani in caräinil)us nolitain imaärata vel llva- 442 Zur Geschichte und Litteratur. Dritter Beytrag. inetra lacliatione resnieiat, ni'eeeüvntiurn laeinoinm «Zeeernit exitia. 8i vero lunniter lie Ins omnilius or eorum in I»oro8. nollto, ü alii» maliuola stell» in Kit! kuerit inuenta, Liotlianat! nstcuntur. 8eä in ^uoeunc^ue alic» car- clioe I.una kuerit inuents et eurn es in inko ligno aut Nars sut 8aturnv8 lit nsrliliter oc»IIocatu8, aut ti 6vametia earn vel «z^ua. 6iata unu8 ex eis ratlistionv lesnexeiit, slter vero IVIereuiiuiu llo tuneriore loco Huanrata i-aäiatione villeat, aut ll llvametia illi nartiuni loeietate iungstur in caräinivus gut in anavlioiis vel in evielistonlioris earclinuin eonktitutus, IZiotlianatos eklieivt: 8eü Iioe inaluin koitius eonnalescit, ll 8c>!em AIsi8 ant 8aturnus .) in nar! cari- tstis vineulo zu verändern? Allein was hätte es geholfen, einige dergleichen Schäden zu heilen: wenn so viele andere, die ich würde haben lassen müssen, gleichwohl noch einen andern Arzt erfordert hätten? Vom Alter der Oelmalerey aus dem Theophtlus Presbyter. 17 7 4. Vorberlcht. Ach theile nachfolgende Merkwürdigkeit, aus einem noch unge- druckten Werke des Thcophilus Presbyter, in der Herzoglichen Bibliothek zu Wolfcnbüttcl, so vorläufig besonders darum mit, um zu erfahren, ob und wo sich etwa noch mehr Nachrichten von diesem Thcophilus, oder Abschriften von diesem seinem Werke, finden möchten, als mir bisher bekannt werden wollen. Ich irre mich sehr, oder es ist von der äussersten Schätzbar- kcit. Denn es enthalt nicht allein, zu Aufklärung der Geschichte der verschiedenen darum abgehandelten und berührten Künste, so viel wichtige, und in ihrer Gattung einzige Dinge: sondern es dürfte vielleicht auch auf die Art lind Weise selbst, wie diese Künste gegenwärtig geübt und betrieben werden, einen vorthcilhaften Einfluß haben. Nehmlich diesen, daß es Methoden und Handgriffe beschreibt, die entweder itzt für verloren gehalten, und als solche bctaurct werden; oder von denen es wohl noch zu untersuchen seyn möchte, ob sie wirklich alle durch offenbar bessere nur verdrängt, und solchergestalt gleichsam mit Wissen und Willen vergessen worden. Etwas ähnliches ist uns, aus den ältern Zeiten, ganz und gar nicht übrig geblieben; und das Einzige dahin einschlagende aus den mittlern Zeiten, welches XNuratori (^ntilzmtat. Italic. 1. II. p. 366.) gerettet und bekannt gemacht hat, ist eine wahre Armseligkeit, die weder in Ansehung des Umfanges, noch in Betracht der Deutlichkeit und Zuvcrläßigkeit, mit der Schrift des Thcophilus zu vergleichen stehet. Mehr sage ich über diesen Punkt hier nicht: sondern komme zu meinem Vorhaben. Messing. 444 Vom Alter der Oelm.ücrci), I. belehrte und Künstler geben cinmüthig vor, hl) daß die Oel- malcrey eine nettere Erfindung sey, welche nicht eher, als in der ersten Hälfte des fnnfzehnten Jahrhunderts, in Ausübung gebracht worden. Auch geben sie, fast eben so cinmüthig, vor, (I,) daß man diese nenerc Erfindung einem Niederländischen Maler, Namens Johann von LLyck, oder wie er nach dem Orte, wo er meistens lebte und arbeitete, genannt wird, Johann von Brügge, zu danken habe. Und worauf gründet sich dieses Vorgeben? Was hat es für historische Beweise? Finden sich Zeugnisse zeitvcrwandtcr Schriftsteller? Oder hat der Erfinder selbst, auf seinen ersten Werken dieser Art, der Nachkommenschaft die Versicherung davon überliefert; so wie es die Erfinder der Druckcrey zu thun, die Vorsicht gehabt? Und wo sind diese Werke, diese unwidcr- svrcchlichcn Beläge? Auf alle diese Fragen weiß ich mir nichts zu antworten; so angelegen ich mir es auch seit geraumer Zeit seyn lassen, darauf antworten zu können. So viele der neuesten und gründlichsten Schriftsteller das nehmliche versichern, so viele weisen mich alle, von einem Gewährsmanne zu dem andern, auf den einzigen Vasari zurück. Aber Vasari schrieb andcrthall'hundcrt Zahre nach Zohann von Eyckcnsv); und unter die vielen und mancherley Dinge, die er, aus einer blossen unsichern mündlichen Ueberlieferung, mit solcher Zuversicht hinschrieb, als ob er selbst bey der Verhandlung derselben gegenwärtig gewesen wäre, könnte auch wohl dieses, von Erfindung der Oclsarbcn, mit gehören. Wenigstens ist es gewiß, daß man dem Vasari lediglich auf sein Wort glauben muß; ja, ob er schon die Gemälde namhaft macht, welche die ersten in Oel gewesen seyn sollen, so sagt er doch weder, woran diese Gemälde für das, wofür er sie ausgiebt, zu erkennen gewesen, noch auch, daß er sie selbst gesehen und untersucht, und ältere Gemälde gegen sie geprüft habe. Freylich ist es kaum glaublich, daß Vasari schlechterdings der erste seyn solle, welcher das, wovon die Ncdc ist, gcschric- Vom Alter der Oclmalercy. 445 bm oder drucken lassen. Es mag wohl ältere Nuctoritätcn geben, oder gegeben haben. Ich sage nur, daß er sie nicht anführet; daß ich sie auch sonst nirgends angeführet finde. Sogar Rarl van Mander, der erste, welcher sich nach dem Vasari, um die Geschichte der Malcrey verdient gemacht hat, sagt, was er von der Sache sagt, fast alles nur dem Vasari nach. Denn ob er schon, als ein Niederländer, den Quellen viel näher müßte gewesen seyn, so hat er doch, ausser der Nachweisung einiger mchrcrn Eyckschcn Gemälde, nichts eignes als eine einzige Kleinigkeit, die noch dazu so wenig geschickt ist, eine nähere Bestätigung abzugeben, daß sie vielmehr einen sehr gegründeten Argwohn erwecket. Er bringt nehmlich die Grabschrift des Johann von Eyck bey, welche sich in einer Kirche zu Brügge befinden soll: und so sehr in dieser Grabschrift Johann als ein grosser und ausscrorocntlichcr Maler gerühmt wird, so gänzlich wird gleichwohl darinn von dem eigentlichen Verdienste geschwiegen, welches er um die neuere Malcrey haben soll (cy. Dem Antonello von Messing, welcher das Geheimniß der Oclfarbcn von ihm soll gelernt, und zuerst nach Italien gebracht haben, hat man in seiner Grabschrift dieses kleinere Verdienst nicht vergessen, sehr hoch anzurechnen. Und man sollte in der Grabschrift des wahren Erfinders von dem weit grösseren geschwiegen haben se)? Hierzu kömmt, daß in der Erzählung selbst, welche Vasari und van Manocr von den Umständen machen, wie Johann von Eyck auf seine Erfindung gekommen sey, und wie und wenn sie sich weiter verbreitet habe, sehr unwahrscheinliche Dinge mit untcrlauffen. Zum Exempel: aus Verdruß, weil ihm eines von seinen Gemälden, das er in Wasserfarben und auf Hol; ausgeführet hatte, als er es an der Sonne trocknen wollen, von der allzugrossen Hitze geborsten sey; aus bitterm Verdruß hierüber, sey er auf Mittel bedacht gewesen, die Sonne inskünfligc zum Trocknen zu entbehren, und so habe er die Oclfarbcn erfunden (k). Dieses lautet ohngcfehr, als ob ich erzählte: „jemand vcrsengte „sich am Ofen ein schönes Klcid, und um nicht wieder so un- 446 Vom Alter der Oelmalercy. „vorsichtig zu seyn, entschloß cr sich, den Ofen aus der Stube „zu schaffen, und erfand den Kamin." Das natürlichere wäre ja wohl gewesen, wenn Johann von Eyck ein andermal die Stücke seiner hölzern Tafel besser zusammengefügt, lind sie weniger unmittelbar einer allzustarkcn Sonnenhitze ausgesetzet hätte. Auch weiß ich zuvcrlaßig, daß man längst vor ihm sehr wohl verstand, die hölzern Tafeln der Gemälde vor aller solcher Gefahr des Wcrffcns und Berstens auf das unfehlbarste zu sichern. Das Unglück also, welches ihm wiedcrfahrcn seyn soll, hat ihm nicht leicht wicderfahrcn können; und wenn es ihm aus Nachlässigkeit einmal wicdcrfahren wäre: war das eine von den Gelegenheiten, in welchen sich der Verstand zu neuen Erfindungen anstrenget? Ferner: das Geheimniß der Oclfarben soll lange Zeit bey dem Erfinder und seinen Freunden ganz allein geblieben seyn, ohne daß auswärtige Künstler hätten dahinter kommen können; bis endlich Antoncllo von Mcssina aus Italien nach Flandern zu reisen sich entschlossen, und es dem Johann von Eyck freundschaftlich abzulocken gewußt habe. Wer Augen und Nase hat, wird sich das schwerlich bereden lassen. Denn beide überzeugen ihn, daß die Oclfarben zu denjenigen Erfindungen gehört haben müssen, welche gemacht zu haben, und sie bey der ersten Ausübung der ganzen Welt mitzutheilen, einerley gewesen (x). Besonders in erst vollendeten Werken verräth sich das Oel, auch unter der Glasur eines van der Werft, so deutlich, daß kunst- vcrwandte Betrachter gewiß nicht viel vergebliche Versuche darum würden verloren haben. Und wollte man auch dieses in Abrede seyn; wollte man annehmen, daß Johann von Eyck, um sein Geheimniß zu verbergen, wohl ein zweytes Geheimniß könne gehabt haben: so entstehet daraus eine Frage, auf die noch weit schwerer zu antworten seyn dürfte. Nehmlich; konnte man es seinen Gemälden, als sie neu waren, schlechterdings nicht ansehen, daß sie mit Oel gemalt seyn müßten: wie konnte man es denn eben diesen Gemälden hundert Jahre später ansehen? Gewiß mußte man es ihnen auch dann nicht ansehen können; und es war blosse Sage, auf welche Nasari sie für die ersten Oclgcmälde ausgab. Vom Alter der Oelmalerey. 447 Doch ich bin weit entfernt, auf diese Bedcnklichkcitcn allein, oder wohl gar ans dem leidigen Vorurtheile, daß es sich schwer bcgrciffcn lasse, wie die Alten, die in den Künsten so viele besondere Erfahrungen angestellt, nicht auch auf die so leichte Mischung der Farben mit Oel sollten gefallen seyn: ich bin, sage ich, weit entfernt, aus dergleichen Vernünftelcycn den Neuern eine Erfindung abstreiten zu wollen, die ihre Malcrcy so weit über alles erhoben hat, was wir uns von den Werken der alten Maler zu denken belieben. Denn ich weiß sehr wohl, daß alle neuere Erfindungen auf diese Art verdächtig zu machen sind. Auf viele gcräth man auf einem Wege, auf welchem man gerade nicht darauf gerathen sollte; und vielleicht von allen läßt sich mehr oder weniger zeigen, daß irgend einmal irgend jemand sehr nahe dabey gewesen seyn müsse. Von einer, sie sey welche es wolle, beweisen, daß sie vorlängst hätte gemacht seyn können oder sollen, ist nichts als Chicane; man muß unwidcrsprcchlich beweisen, daß sie wirklich gemacht gewesen, oder schweigen. Und hieraus wird man leicht abnehmen, was ich mir selbst zu thun auferlege, und zu thun getraue, indem ich dem Johann von Eyck die Erfindung, weswegen sein Name länger als zwcy- himdcrt Jahre mit so vielem Ruhme genennet worden, gänzlich abspreche, und behaupte, daß die Oelmalerey nichts weniger, als eine so neue Erfindung ist, sondern so manche Jahrhunderte zuvor schon bekannt gewesen, daß mich die Vermuthung sehr erlaubt dünket, sie werde auch noch früher bekannt gewesen seyn. Meine Beweise sind klare, deutliche, unverdächtige, unwider- sprcchliche Stellen aus einem noch ungcdrucktcn Werke des Thcophilus Presbyter. II. Aber wer ist dieser Thcophilns? Und was ist dieses für ein noch ungcdrucktes Werk von ihm? Es ist eben derselbe Mönch, oder wie er sich selbst nennt, Presbyter, dieses Namens, aus der mittlern Zeit; es ist dessen nehmliches lateinisches Werk, welches Heller unter den Hand- 448 Vom Alter der Oelmalcrcy. schriftcn der Paulincr Bibliothek zu Leipzig fand, und als cinc der ersten Kostbarkeiten dieser Bibliothek, in seinem Verzeichnisse von 4tZ86, nntcr dem Titel, äv eolor'idus et <1o luto eolorancli vltra, anzeigte (>,). Es ist das nehmliche Werk, welches einer von den Verfassern der ^etor. IZiuäit. einige Zahre darauf, bey Gelegenheit des Liampini, etwas näher bekannt machte, um damit zu beweisen, daß Antonio Neri nicht der erste sey, welcher von der Glasmachcrkunst geschrieben habe (i). Es wird vermuthlich eben der Schriftsteller, und eben das Werk seyn, welches, aus der Bibliothek des Abts Bigot, in die königliche Bibliothek zu Paris gekommen, wo es gegenwärtig die 6741ste Handschrift ist, und den Titel führet: Ilioopliili iider <1o owni l'elontlit pieturoe artis (Ic). Bey den Neuerern Littcratorcn finde ich dieses Thcophilus und seines Werks nicht gedacht; selbst beym Fabricius nicht. Wohl aber bey den älterem. Gesncr brachte bey, daß einer, Namens Thcophilus, ein sehr schönes Werk von der Glasmachcrkunst, erc>). f>sp. XVIII. Oua. voindo mitte in inmtarium et eontuncle illucl pila clonec tenuislimus puluis tist, rursusc>uo mittens illinl in sgitaZioom, et insunilens moclieum kl^uao, sie e»Iefae!os sortiter. postv» inuoluo illucl in pannum nouum, et ponv in prossatorium, in «^110 seiet oleum vlivse, vvl nucum, vvl papsueris exprimi, vt eoclom moclo etiam istuil expriingtur. Lum Iioe oleo tere Minium siue eonol»rium tuper lapiclom sine arjus, vt eum pineollo linies super ottis v el ti»l»ulss, «^uas rubriesro volueris, et acl seien» ilecauis. Oeinde iterum linies et rnrtum sicesbis. Aber, wird man vielleicht sagen, ist anstreichen denn malen? Wenn man in ältern Zeiten auch verstand, einige gröbere Farben mit Leinöl aufzulösen und abzureiben, um Thüren und ander Holzwerk damit zu überziehen: wußte man es darum auch mit allen Farben zu thun? Pflegte man darum auch dergleichen in Ocl aufgelösete und abgeriebene Farben, zu eigentlichen Gemälden anzuwenden? — Sehr wohl! Wenn dieses wirklich ein Einwurf seyn soll: so wird er doch wohl durch folgendes Kapitel wegfallen? Lap. XXIII. /)« co/o?-/5z» o/^o «5 Omnis Feuer» eolornm eoclem genere olei teri et poni pnssunt in opere lizneo, in Iiis tsntum rebus, cmss kole siecari poskunt, ipiia n,uotionseuno,uo unum colorem impokuoris, »Iterum ei super- ponere non potes, nill prior exiieeotur, n,uod in imaginilius cliu- turnum et tüecliosum nimis ett. Li »utom volueris opus tuum iottiniiro, tume Aummi, «piocl exit clv siliere cerako siuo pruno, et eoncitlens illutl minutatini^ pono in vas sictile, et »rpik»m sbun- llanter infunäe, et pone »6 solvm, s>ue super cgrbones in Iiiome, ) die W Vom Alter der Oeluialerey. 463 den durchscheinenden Grund gab, keine andere als Oclfarben annahm: so hatten sie ja wol selbst bey ihren Wasscrgcmälden noch Gelegenheit, der Oclfarben nicht ganz zu vergessen. IV. As würde sehr übcrflüßig seyn, mehrere Zeugnisse für das Alter der Oclfarben aus unsrer Handschrift anzuführen. Ein einziges, in welchem die Oclfarben auch nur beyläufig genannt wärm, würde meine Behauptung hinlänglich erhärten: und zwanzig, wenn sie auch noch ausdrücklicher wären, als die drey angeführten, würden nicht mehr Kraft haben, als das einzige. Anstatt dessen erlaube man mir vielmehr, ein zweytes Exempel daraus hier einzuschalten, wie geneigt man gewesen, Neuerern Malern, nach dem Limabue, Erfindungen beyzulegen, die längst vor ihnen gemacht waren. Vaskri sagt vom N7arg«ri'tonc: IZzl! tu il primo, die eori- iilloiül'l'v ljuvll», vliv Iiil'oAna tarv yiiimllo ti I.iuoikt iri tivunle lli loAno, perolio Mmo forme nelle vlimmettituro, e non mostriiw, sproiilloli poi, clio l'ono llopiiite, ivsture n l'lzuarti, li-tvenllo vgli ukilt» lli mvttore 1'einprv topra le tuuole, per tutto >ui!t tvl» lli panno lino, iippic-lta cou fortv eollu, istta eoo ritiiZIi lli ciirtil pvvora, vt livllit-i sl funee: v poi topra llott-l tvla llato lli Fels«, cvmv in moltv tue tauolo, et cl'illtri ti volle, I^auorv »noma, Iv pra il Zosto ttvmpvrato eo» la »lvllotinia eoll^, tro^I, et lli-lllemv lli liliouo, vt altii vrnamonti toulli. 12 lu e^li inuentoro llel mcxlo lli llare lli Köln, e mottvrui tepra Z'oru i» kvAlio e liru- liilln. il^e » efteuclo null prima ttato vellute, ti voF^iono i» moltv »poro luv. — (s) Wer? Margarirone, der gegen das Ende des dreyzehntcn Jahrhunderts lebte, sollte zuerst diese Vorsicht ausgeklügelt haben? Er sollte es erdacht haben, über die hölzern Tafeln, auf welche gemalt wurde, um sie vor allem Werffcn und Bersten zu versichern, eine Lcincwand zu leimen, und diese mit Gips zu gründen? Kaum würde das glaublich seyn, wenn die Malcrcy überhaupt erst im drcyzchnten Jahrhunderte wäre erfunden worden. Ich habe auch schon oben (S. 446.) zu verstehen gegeben, daß ich das Gegentheil zuverlässig wisse: und man wird leicht errathe», woher? Ebenfalls aus unserm Thcophilus, in . -.'7-s---S»^K«KMz-7»^V^ 464 Aom Alter der Oelmalercy. dessen folgendem Kapitel das ganze Verfahren des Margaritonc, aber gewiß nicht nach dem Margaritonc, auf das deutlichste und umständlichste beschrieben wird. <Äp. XVII. He taku/ts et o/IttVii'um et «Fe A/tttt'no ca/ei. I^abulse sltiirium siüo ostiorum primum partieulstim äiliAenter eoniunAantur iunctorio instrumento, «zuo utuntur ciolisrii liuv tonnarii; 6einäe componsntur glutine cale!, czuoc! Iioc niaclo üt. Laleus mollis minutatim ioei mittatur in friAiäam aua, tloinäe mitte in vk>s teKcum et in5un«Zvns zluten eorii ponv tuper carliones, Aom Alter der Oclmalcrey. itil vt Alutv» üijuvliiil. licyuv linies euni siincvll» l'ii^xzr ij-I'um vuriui» tt!»uislii»o; uv ilviiiclc. »um licvuin lueiit, linios «lisjuiii'. tiilum f^ilViUÄ; vt ii ,»/>u« l'uoi'it. Ilriiv!? tvitin. t^inujlio «muino livvmu suo^it, tlillo Iivili-li», l^uu) i>z»^olli>tui .il^eivllg. czui« violvit in iimilitucliiiom iunvi ot ott nn<1okii, ijiinm cum i» ivststv «:»>Iv!;eli-!, liec<»l)is in tolo, vt vx v!« i^tiuii (Ivi>IIintur!>m, tlonev omnino >>Ian» vt l>ieicl:l iiilt. Offenbar ist hier schon alles, was Basari dein Margaritonc, in Ansehung des versicherten Grundes, als Erfindung anrechnet; und alles schon weit besser. Denn die Erfindung des Margaritonc soll doch wohl nicht darin» bestanden haben, daß er bloße Leinewand nahm, wozu die ältern Künstler Häute brauchten? (t) Auch doch wohl nicht darinn, daß er seine Leinewand mit einem bloßen Leime, aus Pcrgamcnschnitzen, aufklebte; anstatt daß jene ihre Häute mit einer Masse befestigten, welche sich weder durch Wärme, noch durch Feuchtigkeit wieder auflöscte? (u) Und daß man ja nicht glaube, daß also Margaritonc doch wenigstens werde erfunden haben, das Gold in Blättern aufzutragen, und zu brünieren. Auch das hat er nicht erfunden; wie ich aus einem andern Kapitel des Thcophilus zeigen konnte, wenn ich mich gegenwärtig dabey aufhalten wollte. V. Ach schliesst, und kehre zu dem Manne zurück, der nunmchr nothwendig von seinem bisherigen Ruhme so vieles verlieret. Aber auch alles? Wenn Johann von Eyck die Oclmalcrcu nicht erfunden hat, sollte er sich nicht wenigstens etwa so besonders darum verdient gemacht haben, daß man dieses Verdienst der ersten Erfindung gleich schätzen, und endlich gar damit vermengen können? Ich bin sehr geneigt, dergleichen zu glauben. Denn selten ist ein besonderer Ruhm ganz ohne Grund; und unsere Handschrift selbst giebt mir Anlaß, die strenge Gerechtigkeit mit dieser Billigkeit zu mildern. Die Oclsarbcn der alten Künstler, habe» wir oben aus dem 2M» Kapitel gesehen, trockneten sehr schwer; welches ih- 456 Lom Alter der Oclmalercy. mn die Arbeit damit langweilig und ekelhaft machte. Alls den zusammengenommenen Stellen des Thcophilus scheinet auch zu erhellen, daß sie sich nur des Leinöls bedienten: wenigstens nennet Thcophilus überall nur das Leinöl; und ob er schon das Nußöl und Mohnöl kannte, so sagt er doch nirgends, daß man sich der letzter» eben so wohl als des erster« bedienen könne. Nun aber ist unter allen diesen Oclcn das Leinöl nicht allein das schmutzigste und schlechteste, sondern auch gerade das, welches am schwersten trocknet; so daß man dasselbe itzt noch kaum zum Gründen gebrauchet. Wie also, wenn Johann von Eyck das reinlichere und leichter trocknende Nußöl oder Mohnöl, anstatt des Leinöls, zuerst gebraucht hätte? Wie wenn er erfunden und gelehrt hätte, cs mit irgend etwas zu versetzen, welches das Trocknen noch mchr beförderte? Mit Vitriol, oder Spicköl, oder Firniß, oder was sonst zu dieser Absicht dienliches jemals erdacht worden. Sonach hatte er zwar nur gelehrt, mit den Oclfarbcn geschwinder zu arbeiten: aber das allein fehlte auch nur, um die Oelmalerey in Aufnehmen zu bringen. Da man mit den Oclfarbcn nun geschwinder malen konnte: so malte man auch öftrer damit; und je öftrer man damit malte, desto deutlicher erkannte man die mancherley Vorzüge derselben, um welche man in der Folge die Wassermalercy eben so sehr vernachlässigte, als man, vor dieser Verbesserung, bey der geläufigern Wasscr- malerey, die Oclmalcrey nur immcr vcrnachlaßigct haben konnte. Dieses angenommen, würde cs dcnn begreiflich, wie, nach der Erzählung des Vasari, Johann von Eyck auf seine Erfindung, bey Gelegenheit eines ihm in der Sonnenhitze verunglückten Gemäldes, habe fallen können. Weder ein blosses, noch ein mit Firniß überzogenes Wasscrgcmälde hatte er nöthig, einer starken Sonnenhitze lange auszustcllen. Oder wenn er cs nöthig hatte: so hatte er es nur wegen des Oclcs nöthig, woraus der Firniß zum Theil bestand, (x) Und hatte er es nur dcsscnwegen nöthig: so konnte er unmöglich auf den Einfall gerathen, sogar die Farben mit Oel abzureiben. Wahrscheinlich trocknete er also schon dergleichen Farben an der Sonne, und der Unfall, der ihm begegnete, brachte ihn nur » Vom Alter der Oeluuücrey. 457 darauf, seine Oelfarbcn mit etwas zu versetzen, um der gefährlichen Sonne weniger zu bcdürffcn. Dieses angenommen, könnte es denn auch gar wohl möglich seyn, daß Johann von Eyck an seiner Erfindung verschiedene Zahrc ein ihm eigenes Geheimniß gehabt hätte. Denn seine Erfindung bestand nicht in dem Gebrauche des Oels, welchen man ihm sogleich würde abgesehen haben: sondern sie bestand in dem Gebrauche eines Mittels, das man ihm so leicht nicht absehen konnte. Dieses angenommen, würden sich endlich auch die Ansprüche vergleichen lassen, welche auf die Ehre, die Oelfarbcn, wo nicht erfunden, doch eben so früh, oder wohl noch früher, als Johann von Eyck, gebraucht zu haben, für andere neuere Künstler gemacht werden. (5) Sie alle können, ungefehr um eben dieselbe Zeit, gar wohl in Oel gemalt haben. Aber von ihnen allen hat keiner die Oclmalercy erfunden/ Anmerkungen. Um den Leser weder durch Anführungen, noch durch Nebendinge zu unterbrechen, habe ich diese Anmerkungen hinten nach folgen zu lassen, für gut befunden. Sie dienen auch überhaupt weniger für den, der sich blos von der Sache unterrichten will, als für den, der sich einer eigenen Prüfung derselben unterziehen wollte. (->) — — geben cinmülhig vor^ Denn ich kenne nur zwey Männer, die sich von dieser Einmüthigkcit einigermassen aus- schlicsscn, indem sie, das Alterthum der Oclmalercy zwar nicht ausdrücklich behaupten, die Neuheit derselben zwar nicht ausdrücklich leugnen, aber doch auch jenes eben so wenig schlechterdings leugnen, als diese schlechterdings behaupten möchten. Sie stehen nur an; sie halten ihre Stimme nur zurück. Und diese zwey Männer sind — ich zweifle, ob sie beide noch jemals zusammen genannt worden; ich zweifle, ob man sie bey einem andern Anlasse sobald wieder zusammen nennen dürfte — unser Littcraror I«c- Zr. Reimmann, und der Graf von LaMs. 468 Vom Aller der Ocliiitilercy, Reimmann, bereits im Zahre 1709, in seiner Litterär Historie der Deutschen, einem Werke, das wenigstens aus sehr gelehrten Fragen bestehet, wenn auch schon die Antworten nicht immer sehr gelehrt seyn sollten, (Theil II. S. 287.) ertheilte auf die Frage, U?er hat die Runs? die Gelfarben zu bereiten, und mit denselben aufL-cinwand zu mahlen zuerst erfunden? in dem ihm eigenen pedantisch galanten Stile, folgende Ant- wort: „Das sollen nach dem Bericht des ^utmis der Baumci- „srer-^eeackkmie in der Durch!. Welt esp. I. Meurt'u 3. p. KS „der loliannes und Hudertus vsn IZ^clc, Gebrüder aus Flandern, „um das Zahr Christi, 1410 zum erstenmal erfunden haben, „welches ich aber dem geneigten Leser zur reifen Untersuchung, „und dem Urheber dieser Meynung zu seiner Verantwortung „und deutlichen Erklärung überlassen will. Denn ich vor mein „partlculier gestehe ganz gern, daß ich hierbei) noch ein Haufen „8crupel habe, darinn ich mich bis clato noch nicht finden kann. „Und will ich wündschcn, daß entweder der Herr ^utor oder „sonst ein curloul'er Kopf sich an diese partieulaiu nitto«,ie gru- „pliiees machen, und dieselbe etwas deutlich und gründlich untersuchen möchte." Nun will ich dem guten Manne hier nicht aufmutzen, daß er zwey ganz verschiedene Fragen, „wer zuerst „die Oelfarben gebraucht? und wer zuerst auf Lcinewand ge- „malt habe? in eine geworfen, und geglaubt, daß er auf diese doppelte Frage mit einer und eben derselben Antwort abkommen könne. Auch will ich ihm nicht einmal aufrücken, daß er als ein gründlicher Littcrator, der er seyn wollte, und zum Theil auch wirklich war, doch wohl aus einer bessern Quelle müßte geschöpft haben, als aus der Eröffneten Rirrerakademie. Denn diese, auf deren erster Ausgabe von 1700 etwas von Durchlauchtiger Welt stehet, meinet er; und ob er schon, in einer Note, auch noch den K.ansius, in seiner Rede pro (Zermania, und aus dieser den Atlas des TNercators anführet: so sind auch dieses doch nur sehr armselige Büchlein. Zch will ihm, sage ich, selbst dieses nicht aufrücken, weil wirklich der Schriftsteller, der in dieser Sache Quelle ist, doch ebenfalls nur kaum den Namen O-uelle verdient. Aber vergeben kaun ich es ihm nicht, daß er von dem Haussen Skrupel, den er dabey noch Nom Slltcr dcr Oclm.Ucrey. 45!) zu haben versichert, auch nicht einen einzigen mittheilet. Er war allerdings ein Mann von vieler Belcscnhcit, und konnte leicht in dieser oder jener alten Schwarte etwas von Erheblichkeit gesunden haben. Nur will ich doch nicht glauben, daß er sich unter andern auch auf eine Stelle des Seneca werde haben berufen wollen, mit welcher er mich eine Stunde so zum Besten gehabt hat, daß ich nicht umhin kann, es hier anzumerken, weil er leicht auch andere damit irren könnte. Zn dem ersten Theile seines angeführten Werkes nehmlich, (S. 136.) wo er von dem Zustande der Malercy in dcr mittlern Zeit redet, sagt er: „Die „Münche hatten damals in ihren Klöstern eine gewisse srteiu „Ai'avvicÄm, die itzo zu unsrer Zeit verloren gegangen. Ncmlich ,,sic nahmen dünne Gold-Blech (vielleicht vt vommonttrai-viit 8e- ^nevN non tkmtmu vx olvo vt luto ennttarv nsne 5oisntism) und „machten dieselbe auf das Pcrgamcn fest." Der Ort, wo Seneca dieses von dcr Malercy soll gesagt haben, wird nicht angeführet; aber es schien mir gar wohl in dem Geiste des Seneca zu » seyn. Und dieser Ort sollte noch von sonst niemanden seyn bemerkt worden? sollte noch von niemanden auf die Oelmalercy seyn angewendet worden? die doch so offenbar darin» liegt? Denn wenn Seneca sagt, daß die Malercy oleo t-mtum vt luto bestehe, was kann cr unter lutui» anders als die Erdfarben mcyncn, deren sie sich größtentheils bedienet? und unter oleum anders, als das Oel, womit diese Erdfarben zu ihrem Gebrauche tüchtig gemacht werden? Dieses bewog mich, die Stelle bey dem Seneca selbst zu lesen, die ich auch gar bald, in dem bekamen 88ste» Briefe von dem Werthe dcr frcyen Künste, fand: fand, und die Täuschung mit Lachen und Unwillen erkannte. Nicht von der Malercy, sondern von dcr Ringckunst, aus Ursachen, die jedermann weiß, sagt Seneca, daß sie aus nichts, als Staub und Oel bestehe. Hier sind seine Worte: Non enim Auclucor, ut in uumvrum liueralium artium pioturvs rvcipiiuu, non maUS yuam ttatuarios, uut marmorsrios, aut coteros luxuriav mmiktros. ^vouv luvwtorvs, et totam olvo av luto eorittantem teientlsm vxpello vx Iiis ktucliis MoraliNus: sut vt unZuviitaiio« reeipiam vt vocos u. s. w. Auch dicscs ist ein Exempel, daß man sich dcr Worte eines Alten nicht anders als von cbcnder- ^60 Vom Alter der Oelmalcrcl). selben Sache bedienen sollte, von welcher sie der Alte gebraucht hat. Mit den Alten «nwendungsroeise reden, giebt zu lauter Verwirrungen Anlaß. Es mögen denn aber auch Reimmanns Skrupel bestanden haben, worinn sie wollen, so werden sie doch schwerlich aus eben den Gründen geflossen seyn, aus welchen der Graf von Laylus das Alterthum der Oclfarbcn vermuthen zu können glaubte. Denn ohne auf den geringsten historischen Umstand, so viel ich weiß, zu fusscn, waren es eines Theils blos günstiges Norurthcil für die Einsichten der Alten überhaupt, und andern Theils Geringschätzung der Oelmalcrcy selbst, die aus diesem, wenn Gott will, Wiederherstelle!- einer weit bessern Malcrcy sprachen. Man sehe den zweyten Abschnitt seiner kellexions tur nuelnuos cliapitros llu XXXV. I^ivi-e cle ?Iine, welchen er der Akademie der Znnschriftcn 4762 vorlas (Nemoir. cle Litterat. XXV. p. 173) und wo er sich gegen das Ende folgcndergc- stalt ausdrücket. Nous k>.vons, il ett vrai, la laeon tlo IN,:- ler nos couleurs avoe l nulle, et cl'on laire la liui'e pro1'lion uv I'air. ll^os tvintos poultont i^ouvont avoo inoAillite, los omnres nolreill'ont; vnsm nos euulours et nos improl'tmns 1'oeail- lont, et les pvintures iwoionnos etoiont, oe me temlilo, ti, lami llo tous ees inoonveoivns: nous pvatissuons lliulle llopuis un tomps sl'to^ eoiiliäorllvlv pour en eonnoitre les olkets, et pour avaneor c^ue Ion ne vorra aueune ü volr ovllos ljui suIMtolent clrtns le« rninvs ä^rcl>?t>, vt eammo vons vo^ons vueorv .'m^uur c^Inii lies rektos ll'nno livaueou^ ^>I»s Ar.inlio Anoionnot«' clans «uiolsjues onclrolts clv I ltalio, vt momo ^jusrjuo äans I'IZMj>tz l^oiiiture, ^j« ermns czuolles nmovt v»ni,v6. Freylich gehörten diese Betrachtungen eher vor eine Akademie von Malern, als vor eine Akademie von Gelehrten. Aber doch that der Graf sehr klug daran, sie lieber Gelehrten vorzulesen, als Malern, die in diesem Sie war sauer vielleicht nichts als einen pedantischen Fuchs zu hören, dürften geglaubt haben. Und vermuthlich gicng er damals schon mit seiner eigenen Erfindung schwanger, welcher im voraus Platz zu machen, cr allerdings die Oclmalcrcy herabzusetzen und zu verleiden suchen mußte. Schade nur, daß es ihm so schlecht gelungen! Denn weder seine Enkaustik, noch alle ihr zum Trotz erfundene Enkaustikcn, haben der Oclmalc- rey noch viel Abbruch gethan, die sich vermuthlich auf immer selbst bey denen erhalten wird, welchen cs eben so angelegen ist, als den Alten, mehr für die Nachkommenschaft als für den gegenwärtigen Augenblick zu malen. Was hindert sie nehmlich, auf die Veränderungen, welche Luft und Zeit in den Oelfarben hervorbringen, sofort Rücksicht zu nehmen, und so zu malen, daß ihr Eolorit durch diese Veränderungen von Tag zu Tag mehr gewinnet, als verlieret? Ich kenne wenigstens einen grossen Maler, der diese stolze Verleugnung wirklich übet. (b) --fast eben so eimnülhlg.j Auch würde es sehr zu verwundern seyn, wenn ein Niederländer in dem ruhigen Besitze der Ehre einer solchen Erfindung ganz ohne Widerspruch geblieben wäre. Zcnscit den Bergen wohnen auch Leute; und man kann leicht denken, daß man da nicht stille geschwiegen haben werde. Außer den Siciliancrn, von welchen ich in der Anmerkung (>-) rede, sind cs aber unter den Ztaliäncrn vornehmlich die Neapolitaner und die Bologncscr, welche, wo nicht die Oclmalcrcy erfunden, doch wcnigstcns eben so früh 462 Vom Alter der Oelmalercy. und früher mit Ocl gemalt zu haben behaupten, als in Flandern damit gcmalet worden. Die Sache der Neapolitaner, führet am geflissentlichsten Tafurl in seinem zweyten Briefe, Intorno acl »lenno Invonxicni „leite clel kvAnc, lli !>>2poli, welcher in dem 6ten Theile der k-reeolta cloputeoli teient. e Mol. von 1732 zu finden. Ein Lol'Amonio Vi Fiori ist es, welcher zu Neapolis eher mit Oel gemalt haben soll, als Antonello Sa Messina die Erfindung nach Italien bringen können. So viel ich sehe, hat Carlo Ce- lano in seinem Kollo e (^uriolo «li Ngnoli, welches Werk 1692 herauskam, dieses zuerst behauptet; und da Tafuri keine nähere oder mehrere Beweise davon beybringet, so brauche ich nur die Stelle des Lelano mitzutheilen, um meinen Lesern zu zeigen, worauf sich ein solches Vorgeben gründet. Vi N voclo, in einer Kapelle zu Amalfi nehmlich, sagt Lelano, sneoi» „na pieeiol-» lavols, nella nuslo Ka clopinto 8. Kirolamo in atlo cli Itulliaro: opera vvramonto ammirabilo lli lüol' Antonio cli klorv ^suolo- tana, elio tu il urimo a llipinZoro acl oglio nvll' ^nno 143k eontra luiella, elio li lerive clal Valaii, ckv clico, eke 5u manciatc» un (Zuaclro acl ^It'onlo primo lio cli Z^aiioli : Lellini koppo oon nttu^ia !I secreto, terivenclo ancora, elio vor prima I'avokto Antonello eomu- nieato acl un tat Naeltro Domonieo; or li eonoorclino i tvmui. <^oi' Antonio nell'»nno 1436 cliuinAova acl o^lio, ^I5on1o all! 2. lli I^uZIio cloll'snno 1433 vrolo Nanoli por l'^Veljueclntto, ocl e cla tunpcmorki, ene non in «zuotto tomvo gli kotto 1'tato prosontato il (juaäro clel LruFZia, ma in czualelio teinuo llopo prota ^anol!^ ocl Antonello nvll kinclaio o tornaro vi poto anco tomuo; tal elio eniaramontv 1! laeco^lio per «zuol, cno clico il Valari, elio piü cli clioei anni prima t!ol' Antonio clirunAova acl vFÜo. 8i prava p!n ckiaramentv: l'ultimo (juaclro, elio loee Kio: Lollini, elio lafeiö imnorletto, 5u nell'unno 1314. Vitte riuest ^rtelicv Lom Alter der Oelmalerey. 463 90. anni; <1a> elie ki rieklvs, vlio n!>e«zuo nellannn 1424. ljuanlln oZIi vl^iio il secrotn tla ^ntonellc», ilieo I Autors äell» siia vita^ cl» e^Ii Alio, kot5pe illi I^itillias et celloro cloiiet Helles: ^rte illi iukevioi' se pol^eletus erst, (üiulleles igitui-, cruclelos «lieite ?gie!>8, <)ui ialem voliis oripuoi'e viium. eum tit laolii'^rms ineommutsdilt: 5stuin, Vivat ut iri ccvlis inlio preosre Oeuni. Schwerlich wohl ist diese Grabschrift gleich nach dem Tode des Künstlers gemacht worden; denn die Verse sind doch schon um ein gutes besser, als sie in der ersten Hälfte des fünfzehnten Jahrhunderts, dasiger Gegend gewöhnlich ausfielen. Sie würde also kaum sehr glaubwürdig seyn, wenn sie auch mit ausdrücklichen Worten der Erfindung des Johann von Eyck erwähnte. Wohl aber ist sie, da sie solches unterläßt, ein starker Beweis darwider. Denn man sieht leicht, daß dieses keiner von den Fällen ist, wo der Beweis vom Stillschweigen hergenommen, nichts beweiset. Hier beweiset er alles; und es ist schlechterdings unglaublich, daß man zu der Zeit, da diese Grabschrift verfertiget worden, bereits die große Meynung von dem Verstorbenen gehabt hätte, und dennoch in seinem Chrcngcdächtnisse auch nicht mit einem Worte darauf angespielet haben sollte. Zn der alten Flämischen Grabschrift auf den -Hubertus von iLyck, welcher in der Zohannis Kirche zu Gent begraben liegt, und die van Mander gleichfalls beybringt, ist eben so wenig einige Spur davon zu finden; so vielen Antheil er an der Erfindung seines Bruders auch immer soll gehabt haben. Was ich sonst überhaupt von der Erzählung des van Mander sage, wird aus der Zusam'mcnhaltung mit der Nachricht des Vasari, einem jeden einleuchten. Mander schrieb einige dreyßig Zahre nach dem Vasari, und doch ist er nichts als der Nach- schrcibcr des Vasari; einige Kleinigkeiten ausgenommen. Denn selbst dieses, daß er die Nachlässigkeit des Vasari, in Bemerkung der Zeit verbessert, ist eine Kleinigkeit; weil er sie wirklich blos nach Gutdünken verbessert, ohne den geringsten historischen Grund darzu anzuführen, oder zu haben. Denn er mag immer sagen; Der t^clt ivanneer ^osnnes clOI^-voi-vvo Zevon- lion iioest, !s glioneoK al 6at ick vinclon er, ovvrloMlivn Vom Alter der Oelmalerey. -167 can, ^o. 1410: so hat er doch dieses Datum nur ungefehr aus der Lebenszeit des Grafen von Flandern geschlossen, dessen Gehcimerrath Johannes von Eyck soll gewesen seyn. Wenigstens hat er es gewiß nicht aus der Prüfung aller damals in den Niederlanden noch vorhandenen alten Gemälde: und dennoch ist es, auf sein blosses Ansehen, die allgemein angenommene Epoche der Oelmalerey geworden. Denn ich wüßte nicht, daß ein einziger «eurer Geschichtschreiber der Malcrey, eine Anmerkung genutzt oder auch nur wiedcrhohlct hätte, die ich bey dem Anbcrrus Miröus gemacht finde. In dieses einoni. LelZ. nehmlich, unter dem Zahre 1410, lese ich folgende merkwürdige Stelle. Cannes IZiekius et krater Hus Huliertus, pietv-res oximii, LruZis tlm Liit. Hol um slter ^/o«?»iss, oloa ex lini seminilius extulo, pieturse eolores ^rlmus mitenisl'o, atcsuv ?etorno8. ut sie cliesm, aclverj'us oevi in^urlam rec1llic?isso creclitur. pi'Re'arllni kioe invontum pleiilzno a mixtis clenietse, stcsue in Ins uns, c^use In tomiilo j^ranciseannrum I^ovanii sneeta- tur, eu^us s>uil1em auctor live pietor an. 1400 rwwtur ol)i!tte. Ob 'Houbraken, in der neuen Ausgabe des van Mandcr, zu Berichtigung seines Autors, dieses angeführt habe, weiß ich nicht; weil ich dieselbe Ausgabe nicht in Händen habe. Eben so wenig weiß ich, ob er oder ein anderer etwas zum Besten des Johann von Eyck darauf erwiedert habe. Ich gestehe vielmehr, daß ich auch nicht einmal absehe, was man darauf erwiedern könne. Denn wenn es mit diesem Oclgcmäldc zu Lö- ven seine Richtigkeit hatte; wenn der Urheber desselben bereits 1400 gestorben war: ist Johann von Eyck mit seinen Anwäl- den nicht hierdurch allein schon sachfällig ? (e) Grabschnft ves Antonello von Messings Diese Grabschrift, wie sie Basari in dem Leben des Antoncllo beybringet, dessen Reise nach Flandern, um das Geheimniß des Johann von Eyck zu erforschen, sich ebenfalls nur auf das Zeugniß des Vasari gründet, ist folgende. 3V* 468 Vom Alter der Oclmalerey. v. 0. ÄI. ^tiitoin«^ ^i/etoi', ^i'«c«/i?tt«,tt Vl/e^«i/fe /tt« et ^/e/^'c? t»t/»L o?vitt?Ae?it«/», /'ö tt»^//?»««t et «e- nu/tt/s /»«'t, /ee/ et eoto?-//>tt»' o/e« ?tti/ce??t/iL //i^ei!c/»?e»i et /lei'/ietttt'tate/tt ^»'«'»ntL /t«//c. 28.) Und wahr ist es, daß er besonders durch die unbestimmte Anzeige, wenn Antonello gelebt und gestorben, die ganze Erzählung von dessen Reise nach Flandern, und von der Erfindung des Johann von Eyck, in so sern sie mit dieser Reise in Verbindung stehet, schwankend und verdächtig gemacht hat. Denn wenn Lel«no, in der oben angeführten Stelle (Anmcrk, d.) behauptet, daß die Reise des Antoncllo, nach Angabe des Vasari, nicht vor 4434 könne geschehen seyn: so behauptet Malvasia gar, daß sie nicht vor 4444 könne Statt gefunden haben. Was aber Cclano von dcm Giov. Bellini sagt, der das Geheimniß vom Antoncllo gelernt, und doch erst um 449l) angefangen haben soll, in Ocl zu malen, kann auf den Vasari nicht gehen, sondern muß den andern Lebcnsbescbreibcr des Bcllini, den Ri- Solfi, gcltcn. Vasari sagt so etwas nirgends; und eben so wenig kann ich den Ort finden, auf welchen van Mander zielet, wenn er sagt: vaor V-rlar, oft 2^nen Drucker in mitt, clie ckitv vinilInFno oon Iionclert ^sar ^ori^Iror IielvluM tvelolvereli too von tcnoon blinelionde Alans kaddo. I^ae cl!t tecreet kaädon in Italien veelo veiAlivvfs Aliotocnt: vvant 5/ cle reelrtv nianierv niet vn vondon. liet is vens gnebenrt, dat ^oannes nadde Femaeelit eeo I'asel, daer Frooten tvdt, vi^t en arvovdt in nadde Fliedruvvlit (Felveli kv altvts met Aioote nettiekevt en tuvveriievt ?vn dinAnen dede.) Oelv ?sfvl on godaen betende, Iiektto nae 2vn nieu inventio, vn Anolvek nv nu gnvvvoon was, vernist, en ttoldeto to droognon in de Könne, maer vf 60 ponneelen nivt wol »kevoeAnt vo »nelvml en wavren, oft 60 Iiitte der Kennen tlio gneweldien, cle ?asel is in 60 verAadoiiiiFiion Fnedorttvn, en van eon Fiiewvlien. ^oannos was leer t'onvreden, dat ?vnen aruevdt door do Könne to verloren, en to niete was, en nam vor dem to maeclco», dat tulcliv tcliadv door dv Könne Iiem niot meer en toudo ober- vomon: dos Iiz^ d'IZv-vonve vn t vernitten v^anckt mordende, evndelvcl! Zingli ondertoeckon en overloFAlion ein eenigli ver- nis te malcen, dat in lruvs en uz't do Könne drogon moent. I)oo n^ nu veel Ol^en, vn ancler dinAnen in 6er natuvro naddo vatt ondoitoelit, vont li^ do I^^ntaot en ^Xootolv do droo- Fliontto van allen to >veten : deke dan siedende met eoniglio an- 6er ttollon clie li^ claarliv dede, maeclito den netten vernis van der ^Voorelt. I?n also tnlliv >voreliendo >vael»or Alrootten, verdor en vorder loeckendo, nao volcomonnevdt traeliton, Iievont n^ met vvol ondortooelcons, clat do vorwe gnomongliolt met tuloliv Oh'en naer teer wol liet temneren, on >vel kaidt drooglido, on drooFno wotonde, liet wator wel vvrdrgAnen moclit, dat dOI^ oooli clo venven veel levender maecliton, en van telss von ldinckonliovt deden nokdon, toncler clat monto vernitto u. s. w. Eines zwar ist bey dem Holländer etwas mehr, als eine blosse kleine Verbrämung seines Originals. Es ist Uebertreibung, Verfälschung. Nehmlich, wenn Wasari blos sagt, daß Johann von Eyck Anfangs nur den Firniß aus Leinöl oder Nußöl erfunden habe: so läßt ihn Mandcr nicht allein diesen, sondern auch den Firniß überhaupt erfinden. Vasari nennet mehr als einen ältern Italienischen Maler, die sich des Fir- .'(72 Vom Alter der Oeluialerey. nisscs bedienet; lind bekannt ist, aus dem Plinius, daß schon Apelles einen Firniß brauchte, mit welchem es ihm niemand gleich thun konnte. Aber das alles vergißt oder verschweigt Mandcr, um seinen Erfinder dcstomchr erheben zu können. Nasari sagt hienächst gar nicht, woraus der allererste Firniß bestanden: aber Mandcr sagt es ausdrücklich, daß er ebenfalls mot vomAv VIvon Fem-leekt gewesen. Nun möchte ich doch diese Ocle wissen, deren sich Johann von Eyck vor dem Leinöle oder Nußöle dazu hätte bedienen können, und welche zugleich weit schwerer trockneten als Leinöl oder Nnßöl. Doch wozu diese langweilige Bestreitung? Zch will in der Anmerkung (x) der Sache auf einmal ein Ende machen, und durch eine Stelle aus unserm Thcophilus zeigen, , daß auch der Firniß aus Leinöl schon längst erfunden gewesen. Aber freylich mußte Nasari weislich den Johann von Eyck erst zum Erfinder dieses Firnisses machen, ehe er ihn zum Erfinder der Oelfarben selbst machte. Denn wenn er hätte zugeben oder auch nur vermuthen lassen sollen, daß jener Firniß schon längst erfunden und im Gebrauche gewesen: so empfand er wohl, daß man schwerlich begreiffen würde, wie man nicht auch sofort den kleinen Schritt zu den Oelfarben sollte gethan haben. Und so sieht man auch hier, daß sich keine Unwahrheit behaupten läßt, ohne ihr zu Liebe noch andere Unwahrheiten zu erdichten. (e) Geheimniß--mitzutheilen einerley gewesen,^ Ba- sari selbst hat sich bey Erzählung dieses Umstandes nicht enthalten können, den nehmlichen Einwurf zu haben, und zu äussern. 8nÄi-sa, fährt er fort, non molto clopo la kam» cloll' inventionv lli tzüousnm, von lolo per la I'isnllia, m» per I'Italia o molto altro parti clel monclo, mite in äeliclerio granpori>5l"i »Itri cle lmali ll pari», vel kovoelclen een ttareliaclitiAne rolco, llio 6 01^ mot clen verton gnemenglit van tiaer gilt, to l^Ieek nun clit teeret ovenvvvl verdoiglien. (»-) --welches Feller anzeigtet In seinem ^atslozo ()o- llicum IVI88etorum LibliotneeR paulinse in ^eaclemia I^inlienli (I.int. 1086. 12) und zwar nicht blos in dem Verzeichnisse der Handschriften selbst, S. 256. sondern vornehmlich in der Vorrede, wo er die vorzüglichsten derselben, welche als die eigenthümlichen Seltenheiten dieser Bibliothek zu betrachten, anführet. Intor mkllieos, sagt er, non tino Faudjo invenied-mi ?'/te^?/t«Vt ?ny»«o/ii lilirum 7'tt?!^t v/^n, Wi vt intor libros IVIocücos n. 21. recvnlit»s okt a clarikf. I^eNoro Vom Alter der Oelmalerei). 475 nollro in Otalozo t!ml!c»m ZVI88etarulN p-mlinorum 23!,. oun«Iem eociieem vt int<-r rariora paulini« IVI88L!ta, in znoe- fütiono »ll I^vetorom retulit. L5t autvm ittlioe libri initinm: 7V,eo/i/i//?«» ^?o.«ü^te?', /e?v?» /ei'iio?'»?» Ds«, et ^iro/e//?»»« ?no?ine/tt', o?»»tt't»?«L Me??t» t/e/«Äe>an- t/t)»^ vKeat«o??s?tt ?«t//t oec!^)ttt/ci?ie et tteteetnö//,' »«v/tattt»! »tec^tattviis c^ee/tti«»'e H-e. i'otit'öztt/o?!«?« cK^e/'t/'« ^?>tx??itt 6^0. I^ibli ku^us ^rtis Vitriaiii« tunt tres, I. c/e eo/o ?«V>?» et eai'Utti »tt'.vt?«?'«, XXXVIII vontwns cspitulis; II. >^e e»?i/?»'?«etttttie nct o/?e?'n>ttk'?tt» ??it?'«»!, et tt?/t>'?«me»t/.? /,ane M ,e»i liece//«?«^, kjni XXXIV o-lpitrills alisoluitui. ljunium XIX vtt k/e (ita enim kem^er in noe likro IvAimus, non IVIuilvum) ,/eco?at; III. ^e /«««'^ t/e vK/'ett//5 ac/ t/^-?«e/tte/e?i^„? et cts »?eAe//o ??n^c>- ?ie?!t/o et ^o/«'e»c/o, tocl in «^uo rvlif^ua cüpitul» pott svptiniuin lloliclerantur, czuvmaclmodum et in libro II. es^ltuls czuin«zuc:, XII nemne, XIII. XIV. XV. ot XVI, lleotto «leprelioncluntur. 8omis. o l'zpl' ZianI,. ivA. lol. 1744) allwo die Handschrist, in welcher ich nnsern Theophilus vermuthe, folgendcrmasscn angegeben wird. viNvcexi.1. t^oclox elii>rt»evus, „liiu k!Lxotianus. Il»i «:ontino»tur. 1° I^xpor!i»o»t» 118 ilo colorilius: privmittitur t-iliulk» vr llinv -il^Iiskoticn «liAetta, clo vaoaliulis s^nonvmis et sequiva- Vom Alter der Oclnmlcrey. 3° >!^- mimorum. I^ibellus 60 eompolitione eolorum: autlioro ^om??/e ^/iri ^«tttt /e Krollier clo la Alonno^o 6v Paris. Is co6ox ktnno 1431. vx.iratus ost. Es sollte mich sehr freuen, wcnn es mit meiner Vermuthung seine Richtigkeit hätte, und das zweyte Stuck dieser Handschrift das nehmliche Werk wäre, worauf sich meine gegenwärtige Erörterung gründet. Denn so würden neugierige Liebhaber auch in dieser Entfernung Gelegenheit haben, sich mit ihren eigenen Augen zu überzeugen. Noch mehr aber würde mich freuen, wcnn ich hierdurch veranlaßte, daß ein Gelehrter welchem die Künste nicht gleichgültig sind, oder ein Künstler dem die geringe dazu erforderliche Gelehrsamkeit nicht fehlet, (und wo müssen Männer dieser Art häufsigcr anzutreffen seyn, als in Paris?) daß, sage ich, ein solcher Mann sich gefallen liesse, nicht blos den Theophilus, sondern auch die übrigen Stücke dieser Handschrift genauer anzusehen, und der Welt das nähere davon mitzutheilen. Es könnte leicht kommen, daß er unter andern das vierte Stück eben so wichtig und interessant fände, als ich den Theophilus gefunden habe. Mir scheint wenigstens der Titel ich weis nicht was zu versprechen: cls artibus komanmum. Und wenn auch dieser ^Hcraclius nur so alt wäre als Theophilus: auch dann könnten sehr viel Nachrichten darinn stehen, nach welchen wir uns itzt vergebens umsehen. Die Jahrzahl 1431 scheint die Zeit anzudeuten, in welcher Ican le Begue alle diese Schriften zusammenschrieb. Gesetzt also auch, daß sie sich insbesondere mit auf die Abschrift des Theophilus beziehet: so wird man gleichwohl sie noch immer alt genug finden, um das, was ich aus diesem Verfasser wider die vermeinte neuere Erfindung anführe, selbst alsdcnn gelten zu lassen, wcnn wir hier in Deutschland auch keine weit ältere Abschriften aufzuweisen hätten. Vom Aller der Oclmalercy. i77 (>) --Gesner — — auf den Agrippa,^ ^»,»-. ^^,^-7-/ k7»wer/'tt^ ^1. VI4. inxtti'NU.vs «juidaiu ^ulclieiilmum clo vitiiiiestorm lil^mm eont'eiinlit. Horn, l^orn. ^Fr!ppg. Die Stelle, wo Agrippa des Thcophiius erwähnet, hat Gesner nicht genauer angegeben. Sie findet sich aber in dessen Buche clo Vsnitste kcienti-unm, und zwar gegen das Ende des 96stc» Kapitels clo ^leumil'tic.i, wo er, nachdem er alles mögliche Böse von der Alchymie gesagt, doch endlich hinzusügt: I^on inllcior, ex Iiac srto mnlta »ilmoclum vgregi» srtisieia ortuin Iialiore trsxif5o«nie originell!. IZine neien, cinna- drii, minii, purnur-v, et «juocl surum niulicum vocant, aliorumrsue colorum tempersturse z>ro«Iieiurit; vuie surielialeum et metallo- rum omnium inixtiones, Alutimina et vxsminn et te^ueltiationes t^ebomus; bomdsicigz foriniäsnilis tormenti inventum illius ekt; vx ipts iiro6iit vitrisicatorm nouiliklimum grtilieium, <1e 6ueitur, in lidro lzni inseribitur I^umen anima?. Ich wäre sehr begierig zu wissen, woher Simler diese Nachricht genommen. Die natürlichste Bcrmuthung ist, daß er sie aus dem G- Agricola habe, der in seinen Werken mehr als eine Gelegenheit finden können, des Thcophilus und seiner Handschrift zu gedenken. So wird es auch wohl seyn; ob ich gleich bekennen muß, daß ich die Stelle, alles angewandten Fleisses ohngcachtet, noch nicht finden können. Daß sie da nicht ist, wo er von dem Glasmachcn gelegentlich handelt, glaube ich versichern zu können. (") --S«ß es ihn anführte ^ Dieses Ruinen ^nim-e ist ein höchst seltenes Buch, ob es gleich nach dem Mettaire 475 Vom Alter der Oelmalerey. zwcymal soll gedruckt seyn: nehmlich 1477 nnd 1479. Allein ich zweifle an der letztern Ausgabe. Keiner von denen, die geflissentlich von raren Büchern geschrieben haben, gedenkt seiner. Auch Fabricius scheinet es nur aus einer Anführung des Lolomcsius zu kennen, wenn er es mit demselben zu einem Werke des Matthias Farinator macht, welcher um 432V blühte. Würde also unsers Theovhilus in diesem Werke gedacht, so müßte er, nach besagter Angabc von dem Alter seines Verfassers, wenigstens im dreyzehnten Jahrhunderte gelebt haben. Allein, wie gesagt, der Thcophilus, dessen Lroviarium 6ivorls- rum aitium verschiedentlich darinn angeführet wird, da dieses Lroviarium gewiß nicht unser Werk ist, wie aus den angezogenen Stellen erhellet, muß daher auch nicht nothwendig unser Theophilus seyn. Ware er es aber inzwischen doch: nun so würde er schon hieraus vielleicht für noch älter angenommen werden müssen. Denn kurz, ich weiß gewiß, daß Colomcsius und Fabricius sich irren, daß sich alle irren, welche das I^umon animse für ein Werk des Aarinators halten. Es ist älter als Farinator, der es blos in eine bequemere Ordnung gebracht zu haben selbst bekennet. Den Beweis hiervon und Proben, welchen eigenen Werth dieses alte Werk selbst hat, gebe ich anderwärts. (°) --die längere der Panliner Bibliothek.) Ich habe sie durch die gütige Vermittelung des Hrn. D. Lürnesti selbst vor mir. Daß es die nehmliche sey, welche ehedem, nach Simlern, in der Bibliothek des Klosters Alten Zelle gewesen, daran ist wohl kein Zweifel. Welche grosse Lücken sie habe, wird in den H,<-t!s IZr. angezeigt; und diese Lücken sind Schuld, daß daselbst, besonders von dem dritten Buche, nur ein sehr unvollständiger Begriff hat gegeben werden können. Za sie sind ohne Zweifel auch Ursache, daß das ganze Werk darüber vernachlässiget worden. Bey denen, welche sich mitten in dem zweyten Buche finden, sehe ich von einer alten doch jüngern Hand, als von der das Manuskript selbst ist, folgende Worte hinzugeschrieben: klic äekcit tubtil'ior pars et melior et vtilior tot'ius llbri, pro yua li yuiäom ksboront äsront milk ilorenos. Wenn NUN also ein Vom Alter der Oelmalerey. 47!) Gelehrter zu Leipzig den Thcophilus auch noch so wohl kannte: wie konnte er Lust haben, ihn aus einer Handschrift an das Licht zu bringen, in welcher gerade das Beste und Nützlichste fehlet? (p) --die unsrige und öltere — l So wie die Leipziger Handschrift die nehmliche aus Alten Zelle ist: so vermuthe ich, daß die unsrige keine andere seyn werde, als die, nach Simlern, George Agricola ehedem besessen. Sie gehöret zu den Handschriften des Marquarvus Gudius. Warum man aber nie gehöret, weder daß sie Gudius gehabt, noch daß sie gegenwärtig in unsrer Bibliothek sich befinde, ist ohnstreitig dieses die Ursache, weil man in den gedruckten Verzeichnissen der Mannscripte des Gudius sie mit anzumerken vergessen hatte. Sie macht nehmlich keinen eigenen Band aus, sondern ist mit der Handschrift des vitruvius zusammengebunden, welche in dem gedruckten Verzeichnisse in Quart, unter den Lateinischen die 249ste, in dem in Octav aber die 2Z8ste ist. Zch sage hier von ihr nichts weiter, als daß sie die Lücken nicht hat, welche den Werth der Leipziger Handschrift so sehr verringern. s?) --Tutilo, Theophilus roöre-l Welch ein grosser Maler welch ein allgemeiner Künstler (Lmilo gewesen, ist bekannt. Man sehe von ihm die Geschichtschreiber des Klosters St. Gallen, die man in dem ersten Bande der Script. ker. ^.lam. des Goldast beysammen findet. Nun lese ich zwar nirgends, daß er von einer der verschiedenen Künste, welche er übte, etwas schriftlich hinterlassen: warum könnte es aber dem ohngeachtct nicht seyn? Der Name Tutilo, jst deutsch. Er kömmt in dem eswlozo nomlnum propriorum, ymbus ^lamanni yuolillam appellsti, vor, den Goldast, aus einer alten Handschrift zu St. Gallen, abdrucken lassen; (I. II. 80. k.. ^.) und zwar in dem ersten Kapitel, welches diejenigen Namen enthält, die in ^lamannia 1'üvu- toniea üblich gewesen. Und hieraus, denke ich, erhellet allein schon genugsam, mit welchem Rechte die Benediktiner den Tutilo in ihre Hitto'iro littorairs äv la Kranes gezogen haben. Die Ableitung des Namens aber, auf die ich mich bey der angegebnen Bedeutung gründe, wird man leicht errathen. Nur 480 Vom Alter der Oelumlcrcy. hätte ich mich ohne Zweifel weniger positiv darüber ausdrücke» sollen. (>') --potula ttanni.^ petuwm ucnnct linscr Verfasser durch- gehends, was bey andern Schriftstellern der mittlern Zeit petulum heißt: vermuthlich von ^cx^ov. petuloe suii sind ihm also Goldblätter, die er in dem 21>cn Kapitel des ersten BuchS umständlich zu schlagen und aufzutragen lehret, petuliv tt-mm aber dergleichen Blätter aus dem feinsten Zinn, die er, in Ermanglung des Goldes, in dem folgenden Kapitel zu machen und mit einer Goldfarbc zu überziehen anweiset. Eigene Goldschläger gab es zu der Zeit des Thcophilus noch nicht. Sondern der Maler oder Künstler, welcher Goldblätter brauchte, mußte sie sich selbst verfertigen. Die Weise, wie er dabey zu Werke ging, war im Grunde eben die, welche noch itzt im Gebrauche ist: nur beschwerlicher vermuthlich, indem er kein Zichwerk hatte, sondern alles, vom Anfange an, mit dem Hammer zwingen mußte. Hier ist die ganze Stelle aus dem 21 sie» Kapitel, in welcher mir besonders die Materie, die er zu seinen O-uctschformen nahm, und die Art, wie er diese zu der Ausdehnung des Goldes dicnsamcr machte, anmcrkungswürdig scheinet. I'olle pergsmenam Froecam, nuve lit ex 1,-ms liZm, et kricabis e-rm ex utranue paito cum rulioo coloro,

    comknr!- tur ex oAra, minutislime trito et lieeo, et Zolles «am clente <:!>.- Koris live urli, vel spri, äiliAentiflimv, 6onoe Ineicls. siat, et illem oolor !pti>. siieationo aclnieroat. Deinllo inciclv forpiee iptam per- gsmensm per partes Piaclras scl latitmlinem t^uatuor cliFitorum, W^ualitor Istas et longas. poktmollum freies eailom mvntura ex perAameno vituli, lpiali marlupium et foititor eonsues, ita am- plum, ut mnltas psrtos rubriestse porZamon!« potlis imponere. , laeies cloneo imploatnr m-u- üipium, et auruni lomper üt in mocliu commixtum. Oolune Iia- Vom Alter der Oelmalcrey. 481 doas mallouin kulilem ex auiiclialco, iuxta manudrium graellem et in plan» latum, unäo percut'ies iplum Mirrlupium lufler lapi- j er blosse Z-emewand nahm — ) Und auch dieses, daß man sich, in Ermanglung der Häute, der Leinewand bedienen könne, sagt Thcophilus (c. 19. lib. I) mit ausdrücklichen Worten: 8i voro «lesnerit corium scl cooperien6as tadulas, eoclvin moclo et ^lutinv cooperiantur cum psanc» »leäioeri novo. Und daß er pannum linteum verstehe, ist wobl kein Zweifel. (u) --mir einer Masse, welche sich u-s. rv.Z Diese Masse, welche Thcophilus glutsn cakei, Käscleiin nennet, und zu machen lehret, kömmt auch unter den alten Compositionen beym Muratori (p. 382) vor, als besonders dienlich, Holz und Knochen zusammen zu leimen. Sie ist auch wirklich nicht allein hierzu gut, sondern überhaupt einer der besten allgemeinen Leimen, der nur zu finden, und aus dem noch heut zu Tage verschiedene Künstler ein Geheimniß machen. So erinnere ich mich, daß vor einigen Jahren ein Franzose, Namens Renard, in Hainburg herum ging, und zerbrochnes Porcellan sehr wohl und behende flickte. Der Leim, den er dazu brauchte, war kein anderer, als dieser Käscleiin, den er in Ostindien wollte gelernt haben. Runr'el (Kunst und Werk Schule, Th. II. B. V. Kap. 4) 482 Vom Alter der Oelmalerey. scheinet ihn nicht gekannt zu haben, ob er schon verschiedne andere Ncrbindungsmittel aus Eyweiß und Kalk anführet. Wohl aber muß Decher von ihm gehöret haben, der in seiner Närrischen Weisheit 27) schreibt: „daß aus Kalck und neuem „Käse ein Stein oder Kieß kann werden, welcher an Härte „dem Demant nicht viel weicht, ist mir bekannt." Man sehe auch: Locrets eonLerriaots los ^rts et les Netiers I. p. 30, die ZU Berlin 1717 herausgekommen. (x) ---Firniß — ;um Theil bestand, z Denn derjenige Firniß, womit man Gemälde überziehet, ist nichts als ein mit Gummi gesottenes Leinöl, oder anderes Oel, welches durch das Sieden den größten Theil seiner wässerigen Feuchtigkeit verloren hat. Wenn also auch schon Johann von Eyck diesen Firniß erfunden Hätte: so würde doch nicht zu begreiffen seyn, wie er von dieser Erfindung auf den Einfall kommen können, die Farben selbst mit ungesottnem Oel abzureiben, indem dieses Verfahren der Absicht, die er damit soll gehabt haben, gerade entgegen gewesen wäre. Doch er hat ihn, wie gesagt, nicht erfunden; und hier ist die versprochene Stelle aus der Handschrist, wo Thcophilus den Firniß eben so zu machen lehret, als er noch itzt gemacht wird. (I.ib. I. cap. XIX t?s ^ut/ne veniiAon.) ?ono vloum lilli i» ollidm vovam parvulam, et aädo Zummi, yuock voestur I?orms, in!nut!tüms tritum, «zuo. und e. gesehen haben, für den Neapolitaner Col' Antonio, für den Bologneser L.ippo Dalmasio, und für den ungenannten Künstler zu Löwen, dessen Miräus gedenket. Denn ich kann doch nicht glauben, daß Miräus blos sagen wollen, daß Johann von Eyck seine Erfindung ^her als 1410 müsse gemacht haben, weil sie ein Künstler, der bereits 4400 gestorben, schon von ihm überkommen und geübt habe. Denn dieses würde dem, was man von der Lebenszeit des Johann von Eyck gewöhnlich annimmt, und dem Sterbejahre des ältern Bruders, welches gewiß ist, gänzlich widersprechen. Und wer weiß, wie viel man noch itzt Gemälde in alten Kirchen finden möchte, die erweislich älter sind als 4400, und die man doch als wahre Oelgcmälde würde erkennen müssen, wenn mau nur zuverlässige Prüfungen damit anstellen könnte lind dürfte! .5.