Politische Klugschriften Herausgegeben von Ernst Zäckh Oeuische Vertags-Anstatt Giuttgari - Berlin 5^ Der Deutsche Krieg politische Flugschriften.°"'S^Emst Iäckh preis jedes Heftes so Pfennig Aisher sind erschienen: 5. Paul Rohrbach, Warum es der Deutsche Krieg ist! 2. Friedrich Naumann, Deutschland und Frankreich Z. Prof. Dr. C. H. Becker, Deutschland und der Islam 4. Gottfried Traub, Der Krieg und die Seele s.M. Erzverger, M. d.R., Die Mobilmachung 6. Prof. Dr. H. Oncken, Deutschlands Weltkrieg und die Deutschamerikaner ?.Axel Schmidt, Die russische Sphinx s. Geheimrat Prof. Dr. Rudolf Eucktn, Die weltgeschichtliche Bedeutung des deutschen Geistes 9. Prof. Dr. G. Roloff, Deutschland u. Rußland im Widerstreit seit 200 Iahren 50. Oberfinanzrat Prof. Dr. Hermann Losch, Englands Schwäche und Deutschlands Stärke 55.vr.paulNathan, Die Enttäuschungen unserer Gegner 52. Geheimrat Prof. Dr. O. Binswanger, Die seelischen Wirkungen des Krieges 53. Dr. Carl Anton Schäfer, Deutsch-türkische Freundschaft 54. vr. Fritz Wertheimer, Deutschland und Ostasien 55. Dr. Gertrud Räumer, Der Krieg und die Frau 56. Graf Ernst zu Reventlotv, England, der Feind 57. Prof. Friedrich Lienhard, Das deutsche Elsaß 5S. Prof. Dr. Arnold Oskar Meyer, Worin liegt Englands Schuld? 59. Geheimrat Prof. Dr. Erich Marcks, Wo stehen wir? 20. Prof. Dr. Gustav E. pazaurek, Patriotismus, Kunst und Kunsthandwerk 25. Prof. Dr. Georg Kampffmeyer, Nordwestafrika und Deutschland 22. Richard Eharmah, Oesterreich-Ungarns Erwachen 23. Dr. Alfons paquet, Nach Osten! 24. Dr. Ernst Zäckh, Die deutsch-türkische Waffenbrüderschaft 25. Anton Fendrich, Der Krieg und die Sozialdemokratie 26. Dr. Hugo Nötiger, M. d.R., Das Geld im Kriege 2?.Leonore Niessen-Dsiters, Krieg, Auslanddeutschtum und Presse 2s. Prof. Dr. Arthur Binz, Die chemische Industrie und der Krieg 29. Prof. O. Martin Rade, Dieser Krieg und das Ehrisientum 30. /35. Dr. Norbert Stern, Die Wsltpolitik der Weltmode 32. Geheimrat Prof. G. v.Schulze-Gaevernih, M. d.R., Freie Meere! 33. Dr. Eugen Lewicky, Die Ukraine, der Lebensnerv Rußlands 34. Prof. Dr. Raimund Fr. Kaindl, Deutsche Siedlung im Osten 35. Dr. Richard Hennig, Der Kampf um den Suezkanal 36. Dr. G. Stresemann, M. d. R., Englands Wirtschaftskrieg gegen Deutschland 37. Schulrat Karl Muthesius, Das Bildungswesen im neuen Deutschland 3S. Prof. Dr. E.F.Lehmann-Haupt, Von Waterloo bis Antwerpen 39. Staatsanwalt a. D. L. Trampe, Der Kampf um die Dardanellen 40. Dr. Hans Freiherr von Soden, Bismarcks Glaube Fortsetzung auf der 3. llmschlagseite! Deutsche Krieg politische Flugschristen Herausgegeben von Ernst Zackh Neunundsechzigstes Heft Deutsche Verlags.Anstalt Stuttgart und Äerlin ^ s//^ Knegsfinanzen Zweiter Teil^ Mlchstagsreden am 20. August und 14. Dezember 1915 von Dr. Karl Helfferich Staatssekretär des Z^eichsschahamts ') Der erste Teil ist im Heft «/42 enthalten, dessen ergänzende Fortsetzung dieser zweite Teil bildet I. Am 20. August 1915 eine Herren, nach den Ausführungen Ihres Herrn Berichterstatters würde ich auf eine Begründung des Nachtragsetats, der Ihnen vorliegt, verzichten können; denn ich glaube, die Sache, die ich hier zu vertreten habe, bedarf in diesem Äause keiner Verteidigung mehr. (Sehr richtig!) Wenn ich trotzdem um Ihre Erlaubnis bitte, den neuen Kriegs- kredit mit einigen Worten erläutern zu dürfen, so tue ich dies, weil ich — und wohl im Einklang mit Ihnen — das Bedürfnis empfinde, an der Schwelle des zweiten Kriegsjahres vor diesem hohen Äause, vor dem deutschen Volke, vor den Verbündeten, vor der neutralen und auch der feindlichen Welt in kurzen Zügen ein Bild zu geben, wie sich im ersten Kriegsjahr die Finanzlage des Reiches gestaltet hat, und welche Erwartungen wir berechtigterweise aus die Zukunft setzen dürfen. Ich gehe gleich in rneckias res und rekapituliere. Bewilligt sind von Ihnen für den Krieg bisher folgende Beträge: zweimal 5 Milliarden Mark, einmal im August, das zweite Mal im Dezember vorigen Jahres, dann 10 Milliarden Mark im März dieses Jahres, also zusammen 20 Milliarden Mark. Mit dem Ihnen jetzt vorliegenden Nachtragskredit wird die Gesamtsumme der sür den Krieg angeforderten Mittel auf den gewaltigen Betrag von 30 Milliarden Mark gebracht werden. Meine Herren, man hat mitunter den Eindruck, daß in diesem Krieg die Welt die Schätzung für große Zahlen einigermaßen verloren hat. (Sehr richtig!) Wir müssen nach neuen Maßstäben suchen, und um Ihnen einen solchen Maßstab zu geben, darf ich erwähnen, daß die bisher bereits bewilligten 20 Milliarden ungefähr den Wert des gesamten deutschen Eisenbahnsystems mit allen Anlagen und allem rollenden Material darstellen. (Kört! hört!) 5 Trotzdem bedarf dieser gewaltige Kredit heute der Auffüllung. Obwohl wir schon im März mit sehr hohen Summen rechneten, sind unsere Schätzungen durch die tatsächliche Gestaltung der Kriegsausgaben noch übertroffen worden. Die Gründe hierfür liegen auf der Äand. Die ungeheure und sich immer noch steigernde Anspannung aller Kräfte in diesem unerbittlichen Kamps um Leben und Zukunft unseres Volkes muß notwendigerweise auch in den Zahlen der Kriegsausgaben ihren Ausdruck finden. Ich erwähne nur die wichtigsten Punkte. Es kommt in Betracht die Ausstellung immer neuer Formationen und deren Ausrüstung, die Verpflegung und Bekleidung unseres Millionenheeres bei steigernden Preisen sür alle Lebensmittel und für alle Rohstoffe, der alle bisherigen Vorstellungen weit übersteigende Verbrauch an Material und an Munition, die Instandhaltung, die Vermehrung und die Verbesserung unserer Kriegswerkzeuge zu Land, zu Wasser und in der Luft, die Organisation der Verkehrsmittel hinter unseren Fronten, der Bau von Wegen, von Brücken, von Eisenbahnen in den besetzten feindlichen Gebieten. Das alles tritt täglich als Geldbedarf an den Leiter der Neichsfinanzen heran und verdichtet sich zu Monatssummen, die heute den Betrag von ungefähr zwei Milliarden Mark erreicht haben. (Äört! hört!) Dieser Betrag von zwei Milliarden Mark, den wir jetzt in einem Monat für den Krieg aufwenden müssen, ist um ein Drittel höher als die Gesamtkosten des Krieges von 1870/71. (Äört! hört!) Meine Äerren, wir wollen diesen Zahlen und wir wollen der Wahrheit klaren und unerschrockenen Blicks in die Augen sehen; wir wollen uns über die Größe der Leistung, die noch zu verrichten ist, über die Schwere der Opfer, die noch zu bringen sind, keiner Selbsttäuschung hingeben. Es ist eine furchtbar schwere Zeit, die dem deutschen Volke und unserem Erdteil auserlegt ist. Wir wären dieser Zeit nicht würdig, wenn wir uns — rriore QaUico — mit großen Worten über ihren Ernst hinwegzutäuschen versuchten. (Beifall.) Wir wollen uns nüchtern und klar Rechenschaft darüber geben, daß in dem zweiten Kriegsjahr das Durchhalten nicht leichter, sondern vielfach schwerer sein wird als im ersten. (Sehr richtig!) K Wir wollen uns klar darüber sein, daß neue Aufgaben entstehen und daß alte Aufgaben größer werden; wir wollen uns namentlich Rechenschaft darüber geben, daß neue große Anstrengungen erforderlich sein werden, um unserer Bevölkerung im Innern das Durchhalten zu erleichtern, (sehr richtig!) daß noch größere Mittel als bisher aufgewendet werden müssen, um gegenwärtige Not zu lindern, um drohendem Elend vorzubeugen und um Schaden von der Zukunft unseres Volkes abzuwehren. (Bravo!) Ich möchte hier ausdrücklich wiederholen, was der Kerr Berichterstatter aus den Verhandlungen der Budgetkommission bereits mitgeteilt hat, daß nämlich die verbündeten Regierungen sich diesen Ausgaben, so schwer sie sind, nicht entziehen werden. Ich wiederhole insbesondere, daß die Reichsfinanzverwaltung, einer in der Budgetkommission gegebenen Anregung entsprechend, aus dem neuen Kredit einen Betrag von MV Millionen Mark bereitstellen wird, um den Fonds zu verstärken, der im Dezember vorigen Jahres geschaffen worden ist zur Unterstützung von Gemeinden und Gemeindeverbänden auf dem Gebiet der Kriegswohlfahrtspflege, namentlich auf dem Gebiete der Familienunterstützung und der Erwerbslosenfürsorge. Meine Herren, so schwer die materiellen Opfer sind, die das deutsche Volk, neben den noch größeren und schwereren, in diesem Kriege bisher gebracht hat und weiter bringen wird: jeder Deutsche wußte von Anfang an, warum wir diese Opfer bringen, und jeder Deutsche weiß heute, daß diese Opfer nicht umsonst gebracht werden. (Bravo I) Ich brauche deshalb, wie ich schon eingangs sagte, nicht viele Worte zu machen, um die Kreditvorlage, die Ihnen vorliegt, zu begründen. Ihre durchschlagende Begründung ist —der Herr Berichterstatter hat das bereits hervorgehoben — der einmütige Wille des deutschen Volkes, den uns aufgezwungenen Krieg bis zum siegreichen Ende durchzuhalten, bis zu eiuem Frieden, den wir vor uns selbst, den wir vor Kindern und Enkeln verantworten können. (Lebhaftes Bravo.) 7 Aber, meine Herren, so weit sind wir heute noch nicht. Noch wollen unsere Feinde nicht zugestehen, daß ihr Frevelmut sich übernommen hat, als er sich vermaß, uns mit Äberzahl und Waffengewalt niederzuzwingen; noch wiegen sie sich in dem Selbstbetrug, daß es ihnen gelingen könnte, uns durch Ermüdung und Erschöpfung niederzuzwingen; noch sträuben sie sich, obwohl schwer getroffen, gegen den Gedanken, daß ihre Sache verspielt ist, daß die vernünftige Abwägung aller Aussichten sie zwingen muß, den Fehlschlag ihres Unternehmens einzugestehen, sür sich zu retten, was zu retten ist, und uns Sühne und Sicherheit für die Zukunft zu bieten. (Bravo!) Solange die Feinde sich nicht bequemen, aus unserer Anbesieg- barkeit und aus unseren Siegen die Folgerungen zu ziehen, sind die Waffen unser einziges Mittel, ihn zu überzeugen; (sehr richtig!) so lange wollen und müssen wir weiterkämpfen und jedes Opfer bringen, das der Krieg uns auferlegt. (Bravo!) Meine Herren, was nun die Aufbringung der Mittel anlangt, die Sie in dem Nachtragsetat bewilligen werden, so soll auch dieses Mal wieder der Weg der Anleihe beschritten werden. Ich hatte mir bereits im März erlaubt, hier an dieser Stelle auszuführen, welche Gründe die verbündeten Regierungen veranlassen, von der Einbringung von Kriegssteuern, solange es angängig ist, abzusehen. Diese Gründe bestehen heute noch fort. Wir wollen während des Krieges die gewaltigen Lasten, die unser Volk trägt, nicht durch Steuern erhöhen, solange hierfür keine zwingende Notwendigkeit vorliegt. Eine stärkere Besteuerung des Verbrauchs würde bei den ohnedies hohen Preisen wohl ebensowenig hier und im Volk auf Gegenliebe stoßen wie eine stärkere Belastung des Verkehrs. Die direkten Steuern werden, ganz abgesehen von der grundsätzlichen Frage, heute unter dem Zwange des Krieges von den Kommunen und teilweise auch von den Einzelstaaten ohnedies schon in erhöhtem Maße herangezogen. Zu alledem kommt, daß wir im Wege der Besteuerung auch bei der stärksten Anspannung gegenüber den gewaltigen Kriegsausgaben, die ich Ihnen genannt habe, nur wenige Prozente des Kriegsbedarfs flüssig machen könnten. 8 Meine Herren, Sie werden in diesem Zusammenhang wohl ein Wort über die vielbesprochene Kriegsgewinn st euer erwarten. Es ist Ihnen bekannt, daß in dieser Frage bei der Zusammenkunft der Herren Finanzminister der Einzelstaaten, die am 10. Juli hier in Berlin stattfand, ein grundsätzliches Einverständnis erzielt worden ist. Zu einer Gesetzesvorlage ist die Angelegenheit, die genau durchgearbeitet werden muß, noch nicht reif. Wir sind auch der Ansicht, daß die Erhebung einer solchen Steuer erst nach Abschluß des Krieges stattfinden kann. Ich sage ausdrücklich: die Erhebung der Steuer; denn erst nach Abschluß des Krieges wird es für die Betroffenen möglich sein, die finanzielle Wirkung, die der Krieg für sie mit sich gebracht hat, zu übersehen. Aber die Grundsätze, hinsichtlich derer bei den verbündeten Regierungen heute schon Übereinstimmung besteht, kann ich folgendes mitteilen: Die verbündeten Regierungen sind einerseits überzeugt, daß die einwandfreie Feststellung des Begriffs des Kriegsgewinns eine steuertechnische Unmöglichkeit ist. Andererseits sind die verbündeten Regierungen der Ansicht, daß alle diejenigen, die während der Kriegszeit, im Gegensatz zu der großen Masse ihrer Volksgenossen, in der Lage waren, ihr Vermögen in erheblicherem Amfange zu vermehren, auch imstande und verpflichtet sind, in höherem Maße als im Wege der gewöhnlichen Besteuerung zu den Lasten des Krieges beizutragen. (Sehr richtig!) Damit, meine Herren, ist die Anlehnung an die Reichsver- mögenszuwachssteuer gegeben. Wie weit im einzelnen für die Bemessung der Steuersätze die Veränderungen des Einkommens in der Kriegszeit herangezogen werden können, unterliegt ebenso wie eine Reihe anderer Fragen noch der Prüfung. Übereinstimmung besteht darin, daß der Vermögenszuwachs durch Erbgang von der Sondersteuer befreit bleiben soll. Wir sind ferner darüber einig, daß in Rücksicht auf den besonderen Zweck dieser Steuer, zur Entlastung der Kriegsausgaben des Reichs beizutragen, die Steuer nicht nur in barem Gelde, sondern auch in Kriegsanleihen soll entrichtet werden können. Die Erwartung der Kriegsgewinnsteuer darf also niemand abhalten, auf die Kriegsanleihen zu zeichnen. (Heiterkeit.) — Meine Herren, Sie lachen. Aber die Angelegenheit hat ihre sehr ernste Seite. Ich habe eine ganze Anzahl von Briefen von 9 Leuten bekommen, die fragen: wie sollen wir künftig Kriegsanleihen zeichnen, wenn wir nicht wissen, ob wir nicht nach Ablauf des Krieges einer schweren und vielleicht konfiskalorischen Steuer unterliegen? Wir dürfen nicht in die Lage kommen, eventuell mit großem Kursverlust für die Zwecke der Steuerzahlung Papiere verkaufen zu müssen, die wir heute anschaffen. — Aus diesen Erwägungen heraus müssen wir darauf bedacht sein, daß eine Steuer, wie wir sie in Aussicht genommen haben, auch in Kriegsanleihen gezahlt werden kann. (Zuruf: Zum Nennwert?) — Selbstverständlich zum Nennwert! Wenn wir demnach, solange wir hoffen können, daß unser ordentliches Budget balanciert, ohne daß wir neue Einkommenquellen erschließen müssen, auf neue Steuern verzichten, so stehen wir damit nicht allein in der Welt und unter den Kriegführenden da. Sogar England, das sich in dem ersten Monat des Krieges stolz zu der guten alten Tradition bekannte, daß Kriege zu einem erheblichen Teile durch Steuern finanziert werden müßten, hat sich unter dem Zwange der Tatsachen zu einer anderen Ansicht bequemen müssen. Noch im letzten Äerbst lockte den damaligen Schatzkanzler das Vorbild der Napoleonischen Kriege, deren Kosten zu mehr als 40 Prozent durch Steuern und zu weniger als 60 Prozent durch Anleihen gedeckt worden sind; aber es ist bei der damals, im Herbst, in England beschlossenen Erhöhung der Einkommensteuer, der Biersteuer und Teesteuer geblieben, bei Steuererhöhungen, deren Ertrag nach jetzt vorliegenden englischen Schätzungen nur etwa 5 Prozent des Geldbedarfs des ersten Kriegsjahres ausmacht. Ein zweiter Versuch, Steuererhöhungen durchzusetzen, ist im Frühjahr dieses Jahres sang- und klanglos wieder ausgegeben worden. And wenn neuerdings die englische Negierung mit dem Gedanken spielt, im Wege der Besteuerung neue Mittel dadurch zu beschaffen, daß sie auch die bisher freien Arbeitslöhne zur Einkommensteuer heranzieht, so ist sie damit heute schon auf so großen Widerspruch gestoßen, daß das Schicksal dieser neuen Idee heute kaum mehr zweifelhaft sein kann. Meine Äerren, wie die Dinge liegen, bleibt also vorläufig nur der Weg, die endgültige Regelung der Kriegskosten durch das Mittel des Kredits auf die Zukunft zu schieben, auf den Friedensschluß und auf die Friedenszeit. And dabei möchte ich auch heute wieder betonen: Wenn Gott uns den Sieg verleiht und damit die 10 Möglichkeit, den Frieden nach unseren Bedürfnissen und nach unseren Lebensnotwendigkeiten zu gestalten, dann wollen und dürfen wir neben allem anderen auch die Kostenfrage nicht vergessen; (lebhafte Zustimmung) das sind wir der Zukunft unseres Volkes schuldig. (Sehr wahr!) Die künftige Lebenshaltung unseres Volkes muß, soweit es irgend möglich ist, von der ungeheuren Bürde befreit oder wenigstens entlastet werden, die der Krieg anwachsen läßt. (Sehr wahr!) Das Bleigewicht der Milliarden haben die Anstifter dieses Krieges verdient; (sehr richtig!) sie mögen es durch die Jahrzehnte schleppen, nicht wir. (Sehr gut!) Meine Herren, ich verkenne dabei nicht, daß die ungeheure finanzielle Schwächung, die der Krieg in seinem bisherigen Verlaufe bereits über unsere Gegner gebracht hat, die Aufgabe, die ich eben bezeichnete, zu einer ganz besonders schwierigen gestalten wird. (Sehr richtig!) Aber was nach dieser Richtung hin geschehen kann, das wird getan werden. (Bravo!) Die Bewilligung der Kriegskredite hat als Gegenstück die Realisierung dieser Kredite durch die Begebung der Anleihen. Sie wissen, und die Öffentlichkeit weiß, daß die Ausgabe einer neuen, einer dritten Kriegsanleihe bevorsteht. Ansere Vorbereitungen sind zum großen Teil bereits getroffen, sie stehen unmittelbar vor dem Abschluß. Ende dieses Monats, also in wenigen Tagen, werden die Zeichnungseinladungen auf die dritte Kriegsanleihe ausgegeben werden. Wir müssen durch die neue Anleihe die großen Summen hereinbringen, die wir bereits jetzt über die IZi/z Milliarden der ersten beiden Kriegsanleihen hinaus verausgabt haben. Zum Teil sind ja diese Summen durch den Kriegsschatz und durch die bei Kriegsausbruch vorhandenen bereiten Bestände der Reichshauptkasse gedeckt worden. Diese Deckungsmittel haben weiterhin eine Erhöhung erfahren durch den Überschuß der Rechnung des ordentlichen Etats für das abgelaufene Finanzjahr. Ich habe diesen Überschuß hier auf Grund vorläufiger Berechnungen und 11 Schätzungen im März dieses Jahres auf 38 Millionen Mark veranschlagt. Der endgültige Rechnungsabschluß hat ergeben, daß der Überschuß des ordentlichen Etats sür 1914/15 sich auf 219 Millionen beläuft. (Äört! hört!) Zusammen mit den anderen Posten, die ich erwähnte, Kriegsschatz und bereite Bestände, ist das immerhin eine ganz erkleckliche Summe, die aus dem ordentlichen Etat zu dem Fonds für die Kriegskosten hinüberfließt. Aber die Summen, die wir vorläufig auf anderem Wege über den Ertrag der Anleihe hinaus aufbringen mußten, sind doch noch außerordentlich viel größer. Dieser andere Weg ist die Diskontierung von Reichsschatzanweisungen bei der Reichsbank und bei den großen deutschen Banken. Die auf diesem Wege ausgegebenen Schatzanweisungen müssen wir aus dem Erlös der bevorstehenden Anleihe konsolidieren, und die neue Anleihe muß uns darüber hinaus einen recht erheblichen Überschuß an freiem Geld für die Weiterführung des Krieges bringen. Meine Herren, ich bin des Erfolges sicher; denn alle sittlichen und materiellen Kräfte, die unseren ersten beiden Kriegsanleihen einen über alle Erwartungen hinausgehenden Erfolg verschafft haben, stehen heute stark und fest wie je. (Bravo!) Die ungeheuren Summen, die das Reich sür den Krieg verausgabt hat, sind bis auf verhältnismäßig unbedeutende Beträge im Lande geblieben. Sie sind unseren Soldaten, sie sind unserer Landwirtschaft, sie sind unserer Industrie — Arbeitern und Unternehmern — zugute gekommen und zugeflossen. Sie haben als Einzahlung auf die letzte Kriegsanleihe gedient und sich darüber hinaus zu neuem Sparkapital in der Zwischenzeit verdichtet. Sie können den Prozeß an der Entwicklung unserer Dar- lehnskassen verfolgen. Zur Zeit der ersten großen Einzahlung auf die zweite Kriegsanleihe haben die Ausleihungen unserer Darlehnskassen einen Betrag von 1500 000 000 Mark überschritten. Der Betrag ist seither unter 1 Milliarde Mark wieder heruntergegangen. Von den Ausleihungen der Darlehnskassen kamen im Äöchstbetrag 536 Millionen Mark auf Vorschüsse, die zum Zweck der Einzahlung auf die zweite Kriegsanleihe gegeben worden sind. Dieser Betrag hat sich inzwischen auf 292 Millionen Mark vermindert. Das sind nicht viel mehr als 3 Prozent des Betrages 12 von 9 Milliarden Mark, der heute auf die zweite Kriegsanleihe eingezahlt worden ist. (Hört! hört!) — Meine Herren, Sie rufen: „Kört! hört!" Ich wünschte, daß unsere Feinde auch „Kört! hört!" riefen; (Bravo! und Heiterkeit) denn gerade den Punkt, den ich eben erwähnte, wollen sie unter keinen Amständen begreisen. (Sehr richtig!) Sie verbreiten mit einer geradezu unbelehrbaren Hartnäckigkeit die Behauptung, daß unsere Kriegsanleihen überhaupt nur Mache seien, daß sie finanziert seien mit dem Papier der Darlehnskassen. (Heiterkeit.) Gerade heute morgen — ich habe die Zeitung hier — ist mir ein Ausschnitt aus dem „DaU^ ^ele^rapli", der sonst doch ein relativ anständiges Blatt ist, (Heiterkeit) vorgelegt worden. Hier lese ich zu meinem Erstaunen die alte Mär noch einmal. Ich lese sie mit einigen pikanten und interessanten Zutaten. Es wird hier erzählt, daß die Darlehnskassen bei uns geradezu alles beleihen, was ihnen überhaupt gebracht wird, bis zum Zahnstocher (Heiterkeit) und bis zum Kohlenbecken. So ist es hier zu lesen. Das gehört mit in das Thema, das gestern der Herr Reichskanzler berührt hat. (Sehr richtig!) Gewiß, man kann darüber lachen. Aber aus der anderen Seite müssen wir uns darüber klar sein, daß diese systematische und fortgesetzte Herabsetzung unserer Finanzkrast, diese Verdrehung dessen, was in Deutschland geschieht, uns bisher im Laufe dieses Krieges unendlichen Schaden getan hat. Wir haben alles Interesse daran, daß auch dieses Lügengewebe, daß auch die Verleumdung auf dem Gebiete des Finanzwesens ganz energisch zerrissen wird. (Sehr gut!) Meine Herren, von den Darlehnskassen komme ich zu den Sparkassen. Ansere Sparkassen dürfen — das kann ich hier aussprechen — wirklich der Stolz des deutschen Volkes sein. (Sehr richtig!) 13 Sie haben im Jahre 1913, also in dem Jahre vor dem Kriegsausbruch, mit ihren Einlagen um rund eine Milliarde zugenommen, und im Jahre 1914 haben sie trotz der fünf Kriegsmonate eine Zunahme an Einlagen zu verzeichnen, die sich insgesamt auf 900 Millionen Mark belief, obwohl auch im Jahre 1914 schon erhebliche Einzahlungen für die erste Kriegsanleihe aus Sparkassenguthaben geleistet worden sind. In den ersten sechs Monaten des Jahres 1913 hat sich der Zugang bei den Sparkassen aus nahezu 1500000000 Mark belaufen. (Lebhaste Rufe: Äört! hört!) Dieser Zugang ist allerdings vollständig aufgebraucht worden für die gleichzeitigen Einzahlungen auf die Kriegsanleihe, auf die bei den Sparkassen ein Betrag von 1800000000 Mark gezeichnet worden ist. Aber schon heute, und erst recht, wenn noch die drei Monate hinzukommen von Anfang Juli bis zu der ersten Einzahlung auf die neue Kriegsanleihe, kann man sagen, daß unsere Sparkassen wieder vollkommen intakt sind, daß sie mit einem Einlagenbestand von wesentlich mehr als 20 Milliarden Mark stärker sind als jemals vor Kriegsausbruch. (Lebhaftes Bravo.) Ähnlich günstig stehen die Dinge auch bei unseren Banken, soweit meine Informationen reichen. Auch hier haben die Depositen nach der starken Inanspruchnahme durch die Einzahlungen auf die zweite Kriegsanleihe sich wieder auf ihren alten Stand gehoben. Ja, sie haben teilweise die bisherigen höchsten Zahlen überschritten. Die Flüssigkeit des Geldes und das Gefühl der finanziellen Stärke und Gesundheit hat sich stellenweise sogar in spekulatives Treiben an den Börsen umgesetzt. Aber wie Ihnen bekannt ist, hat ein leichter Wink genügt, um hier Einhalt zu gebieten und die Einsicht wieder überall zur Geltung zu bringen, daß es für die Verwendung des freien Geldes jetzt eine bessere Betätigung gibt als die Effektenspekulation. (Sehr wahr! und Heiterkeit.) Äeute gehört alles verfügbare Geld dem Vaterland. Äeute sind die Kriegsanleihen das Anlagepapier. (Bravo!) Der freie Verkehr an den Börsen hat seine gute Berechtigung auch in der Kriegszeit, wenn und soweit er mittelbar und un- 14 mittelbar dazu dient, diese eine große Aufgabe zu erfüllen. Es spricht für die Einsicht und Vaterlandsliebe unseres Bankierstandes, daß der freie Börsenverkehr bisher sich im wesentlichen in diesen Schranken gehalten hat, und daß die erste Warnung sofort auf volles Verständnis und bereitwilligste Unterstützung gestoßen ist. Meine Herren, wir wollen jetzt bei der dritten Kriegs- anleihe unsere finanzielle Kraft, die ich Ihnen eben an Symptomen geschildert habe, voll in Bewegung und Wirksamkeit setzen. Zu diesem Zwecke haben wir die Organisation, die sich bei den ersten beiden Anleihen so gut bewährt hat, noch weiter ausgestaltet. Vor allem werden wir diesmal sämtliche Postanstalten im ganzen Deutschen Reich zur Zeichnung mit heranziehen, um so für jedermann die bequemste Gelegenheit zur Zeichnung zu verschaffen. Wir wollen ferner diesmal auch für die kleinen Zeichnungen unter 1 WO Mark Teileinzahlungen gestatten und wollen dabei bis zu dem Betrag von Ivl) Mark herabgehen. (Sehr gut!) Wir hoffen ferner, nach einigen sehr interessanten und wirksamen Beispielen bei der letzten Kriegsanleihe, die Arbeitgeber dafür zu gewinnen, daß sie ihren Arbeitern und Angestellten durch Vorlagen die Zeichnung von kleinen Beträgen ermöglichen. Für die großen Zeichner werden wir das Einzahlungsgeschäft vereinfachen, indem wir die noch nicht fälligen unverzinslichen Schatzanweisungen des Reichs, die in der Zwischenzeit ausgegeben worden sind, mit einem Abschlag von 5 Prozent in Zahlung hereinnehmen, also zu dem Satze der Kriegsanleihe, um auf diese Weise die Geldbewegung und die Störungen des Geldmarkts nach Möglichkeit einzuschränken. Ferner, meine Äerren, werden wir dieses Mal auf Grund der Erfahrungen bei der letzten Anleihe Zwischenscheine ausgeben, damit der Zeichner der Anleihe sobald wie möglich etwas in die Äand bekommt. (Sehr richtig!) Ich stehe nicht an, anzuerkennen, daß die Anterlassung der Ausgabe von Zwischenscheinen bei der zweiten Kriegsanleihe zu Mißständen geführt und vielfach Mißfallen erregt hat. Wir konnten damals nicht voraussehen, in welchem enormen Amfange gerade kleine Stücke gezeichnet werden würden. Es ist die Ausfertigung von weit über sechs Millionen Stücken notwendig. Dabei möchte ich Sie und möchte ich die Öffentlichkeit bitten, zu berücksichtigen, unter 15 welchen schwierigen Verhältnissen heute die Reichsschuldenverwaltung arbeitet. Ein großer Teil ihres ausgebildeten Personals steht im Feld. Die Arbeit ist dort, obwohl Tag und Nacht mit Ausdauer gearbeitet wird, kaum zu bewältigen; und obenhin getan werden kann sie natürlich auch nicht. Dazu sind die Objekte, um die es sich handelt, zu wertvoll. (Sehr richtig!) Die Werbetätigkeit sür die Kriegsanleihe wollen wir dieses Mal in noch größerem Amfange betreiben als die beiden letzten Male. Allerdings, auf die sensationelle Reklame, die England bei seiner letzten Kriegsanleihe aufgeboten hat — in gleichem Stil übrigens wie für die Werbung zum Kriegsdienst —, glauben wir verzichten zu können und verzichten zu müssen. (Sehr gut!) Es entspricht nicht dein deutschen Geschmack, den Stil der Zirkusreklame auf den Ernst des Krieges in Anwendung zu bringen. (Bravo! — Heiterkeit.) Wir haben auch nicht nötig, nach englischem Vorbild den Zeichnern zu sagen, daß sie ihrem Vaterlande „a, mercz?", eine Gnade, erweisen, wenn sie auf die Anleihe zeichnen. Das Deutsche Reich bettelt nicht, und der Deutsche gibt seinem Vaterlande kein Almosen, er erfüllt seine Pflichr. (Lebhaste Zustimmung.) Aber die lebendige Mitwirkung aller, die durch Amt und Beruf, durch Stellung und Ansehen belehrend und beratend aus die weitesten Volks kreise einwirken können, wollen wir nicht missen. Gemeindevorsteher, Geistliche und Lehrer haben uns das letzte Mal schon wacker geholfen. Ich bin überzeugt, sie werden diesmal ihre Anstrengungen verdoppeln. Vor allem, meine Äerren, rechne ich in dieser Beziehung auch auf Sie, auf Sie als die gewählten Vertreter und Vertrauenspersonen des deutschen Volkes. Wenn Sie jetzt nach Ihrer Äeimat zurückkehren, dann haben Sie Gelegenheit, in Ihren Kreisen durch Belehrung und durch Appell an das patriotische Gewissen für die neue Anleihe zu wirken und zu ihrem Gelingen beizutragen. Soweit die Reichsfinanzverwaltung Ihnen dabei mit Material oder sonst irgendwie zur Verfügung stehen kann, wird das von meiner Seite gerne geschehen. Ich komme nun zu der Ausstattung der neuen Anleihe. Wir wollen in bezug aus die Ausstattung der neuen Anleihe nach 16 reiflicher und genauer Überlegung auf dem geraden und einfachen Wege bleiben, der uns bei den letzten beiden Anleihen den großen Erfolg gebracht hat. Die 5°/„ige Kriegsanleihe ist heute das volkstümlichste Papier, das es in Deutschland jemals gegeben hat. Ohne Not wollen wir von diesen bewährten Bahnen nicht abgehen. Nur den Ausgabekurs werden wir im Gefühl unserer gefestigten Finanzkrast etwas höher setzen. Im übrigen: Probieren und Experimentieren, verschlungene Finanzkunststücke und sensationelle Reizmittel überlassen wir denen, die sich unsicher fühlen. (Bravo! — Heiterkeit.) Der Starke nützt seine Kraft in der Einfachheit. (Bravo!) Meine Herren, wenn etwas in der Welt unsere Zuversicht und Selbstsicherheit zu steigern vermag, dann ist es der Vergleich mit den Finanzverhältnissen und Finanzmaßnahmen unserer Gegner. Ich dars Sie deshalb noch um etwas Geduld bitten, um Ihnen hierüber noch einiges zu sagen. Vorausschicken möchte ich hier eine Schätzung der Gesamt kosten, die dieser ungeheure Krieg verursacht. Nach genauen Untersuchungen auf Grund des Materials, das hier in Deutschland überhaupt zu erreichen ist, belaufen sich jetzt die täglichen Kriegskosten der sämtlichen beteiligten Mächte auf nahezu 300 Millionen Mark. (Hört! hört!) Die monatlichen Kriegskosten übersteigen 8 Milliarden Mark, und für das Jahr kommen wir insgesamt auf rund 100 Milliarden Mark. Diese 100 Milliarden sind ungefähr der dritte Teil des ganzen beweglichen und unbeweglichen, des ganzen öffentlichen und privaten Volksvermögens in Deutschland. Meine Herren, das ist die größte Wertzerstörung und Wertverschiebung, die jemals die Weltgeschichte gesehen hat. (Sehr richtig!) Ich muß dabei sagen, daß von den einzelnen Ländern Deutschland bis vor wenigen Monaten die schwerste Last getragen hat, und auch heute ist wohl die Gesamtsumme der bisher aufgelaufenen Kriegsausgaben in Deutschland größer als in irgendeinem anderen Land. Aber was ich im März bereits kommen sah, ist inzwischen eingetreten: in der Höhe der laufenden Kriegsausgaben hat England uns jetzt überholt. Es scheint, daß dort die Kriegsausgaben Selfferich, Kriegsfinanzen. Zweiter Teil 2 17 pro Tag jetzt den Betrag von 4 Millionen Pfund, d. h. von 80 Millionen Mark, überschritten haben. (Kört! hört!) Meine Herren, wir wollen den Engländern, denen ja der Begriff des „Rekords" so außerordentlich viel sagt, diesen Vorsprung gönnen, (Bravo! und Heiterkeit) zumal die Engländer selbst das Gefühl haben, daß wir mit kleineren Mitteln bedeutend mehr ausrichten als sie selbst. Noch kürzlich hat ein englischer Lord, ein Mitglied des Oberhauses, im Parlament gesagt, er habe den Eindruck, daß in Deutschland mit einem Pfund mehr ausgerichtet werde für den Krieg als in England mit dreien. (Zuruf links: Der Mann hat recht!) — Ob der Mann recht hat, wage ich nicht zu entscheiden; aber ich könnte Ihnen allerdings einzelne Beispiele nennen, bei denen der Lord das Verhältnis noch ganz bedeutend unterschätzt hat. (Heiterkeit.) Auf die Gesamtheit der beiden Gruppen, die sich gegenüberstehen, verteilen sich die Kriegskosten ungefähr so, daß auf die Koalition unserer Feinde nahezu zwei Drittel, auf uns und unsere Verbündeten etwas mehr als ein Drittel der gesamten Kriegskosten entfallen. Von den kriegführenden Ländern haben Deutschland, England und Osterreich-Angarn allein bisher einen nennenswerten Teil ihrer Kriegskosten durch langfristige konsolidierte Anleihen gedeckt. England hat in seinen beiden Kriegsanleihen 18 bis 19 Milliarden Mark aufgebracht, von denen heute etwa 12 bis 13 Milliarden Mark eingezahlt sein dürften. Wir halten heute auf einem eingezahlten Betrag von etwa 13 Milliarden Mark, und mit der bevorstehenden Kriegsanleihe werden wir, wie ich zuversichtlich hoffe, auch hinsichtlich der gezeichneten und damit sür die weitere Kriegführung gesicherten Summe wieder allen anderen voranstehen. Anser Verbündeter Osterreich-Angarn hat durch langfristige Anleihen bisher nahezu 8 Milliarden Kronen aufgebracht, eine Leistung, die angesichts des Standes der Wirtschaft und des Volksreichtums in Osterreich-Angarn die allergrößte Anerkennung verdient. (Sehr gut!) Wenn Ihnen das klar werden soll, brauche ich Ihnen nur als Gegenstück Frankreich zu nennen. Frankreich bleibt hinter den Ziffern, die ich bisher genannt habe, weit zurück. Der Reinertrag seiner langfristigen Anleihe, der „OdUZations äe 1a äetense na- !8 rionale". wie sie stolz genannt wird, erreicht bis heute kaum 2 Milliarden Franken. (Äört! hört!) Das ist etwa der vierte Teil dessen, was Osterreich-Angarn auf dem Gebiet der langfristigen Anleihen geleistet hat. Den ganzen großen Rest seiner Kriegsausgaben hat Frankreich bisher nur im Wege des kurzfristigen Kredits beschaffen können. Es hat rund 8 Milliarden Franken an kurzfristigen Schatzwechseln begeben, es hat 6^/2 Milliarden bei der Bank von Frankreich entnommen und es hat sich von England unter recht drückenden Bedingungen einen Kredit von 1^/2 Milliarden Franken bewilligen lassen. Von Rußland, Italien und den kleinen Ententegenossen will ich nicht reden. Man soll auch gegen Feinde nicht ohne Not grausam sein. (Große Heiterkeit.) Meine Herren, sür die Bewertung der bisher erzielten Erfolge und der weiteren Aussichten der finanziellen Kriegssührung ist nicht nur die Höhe der ausgebrachten Summen entscheidend, sondern auch das Wie der Aufbringung. Ich glaube ohne Äberhebung sagen zu können, daß wir in diesem Punkte die unbestrittene Überlegenheit besitzen. Frankreich, das Land der Rentner, hat es bisher überhaupt nicht zu einer regelrechten Anleihe gebracht; denn die Obligationen, von denen ich vorhin sprach, sind nicht zu einer einheitlichen und ordnungsmäßigen Zeichnung aufgelegt worden, sondern sie werden, ebenso wie die Schatzscheine, Tag für Tag verkauft. Neuerdings wird sogar die Ausgabe von verzinslichen Papierscheinen von 20 Franken und 5 Franken angekündigt, um die Ergiebigkeit der Geldquellen etwas zu steigern. Von Zeit zu Zeit spricht man auch von einer großen Kraft-- anstrengung, von einer konsolidierten Anleihe. Aber zu einer solchen Operation hat man in Frankreich bisher immer noch nicht die Zeit für gekommen gehalten. Ich komme zu England. Das Land der 2Vü°/oMn Konsols hat es zuerst mit einer 3V2°/oigen Anleihe versucht. Das Zeichnungsergebnis war mit nahezu sieben Milliarden Mark äußerlich gut; aber die zu 95 Prozent ausgegebene Anleihe sank alsbald von dem ersten Tage ihrer Notierung unter den Ausgabekurs und hat sich seither unter dem Ausgabekurs gehalten, ein Zeichen dafür, daß die Anleihe schlecht untergebracht war. In lö einer schwachen Stunde hat der Börsenberichterstatter der „Firnes" kürzlich ausgeplaudert, man habe damals vor Schluß der Zeichnung so viel von einem glänzenden Erfolge der Anleihe gesprochen, daß die Herren Kapitalisten es nicht sür nötig gehalten hätten, einen besonderen Eifer an den Tag zu legen; auf diese Weise sei die Situation entstanden, daß unmittelbar vor dem Zeichnungsschluß die großen Banken sich zu einer besonderen Anstrengung hätten verstehen müssen, um den äußeren Erfolg zu retten. Das ist also das Bild der angeblich so stark überzeichneten englischen ersten Kriegsanleihe I Aus dieser falschen Situation hat sich dann die weitere Entwicklung in England ganz natürlich ergeben. Nachdem der Markt mit einer unverdauten Anleihe belastet war, konnte an eine weitere nicht herangegangen werden, und dies auch dann nicht, als sich zeigte, daß diese Anleihe, die eigentlich bis zum Juli dieses Jahres reichen sollte, schon Ende März aufgebraucht war. Man half sich mit der täglichen Begebung von Schatzwechseln, nach französischem Vorbild. Die Summe wurde täglich größer, aber der Andrang der Käufer nahm täglich ab. Schon um Ostern herum war von einer weiteren Anleihe die Rede gewesen. Die Sache war vertagt worden, und erst in der allerletzten Zeit ist man zu der neuen großen Anleiheemission geschritten. Inzwischen war der Mann der „silbernen Kugeln", Lloyd George, doch wohl an der Richtigkeit seiner Zuversicht, daß im Zeichen dieses Metalls er des Sieges sicher sei, einigermaßen irre geworden; denn wie Ihnen bekannt ist, hat er das Schatzamt verlassen und hat sich der Herstellung von Munition aus etwas härterem Metall zugewendet. (Große Heiterkeit.) Sein Nachfolger hat die neue Anleihe aufgelegt. Ich brauche mich hier über die Einzelheiten nicht zu verbreiten. Sie wissen, daß der Zinssatz um 1 Prozent, auf 4^2 Prozent, heraufgesetzt worden ist, daß die Anleihe mit weitgehenden Zinsjouissancen, Konversionsrechten usw. ausgestattet worden ist, die den wirklichen Zinsfuß auf mehr als 5 Prozent bringen. Sie wissen ferner, daß die Anleihe, die nach der von dem britischen Schatzkanzler im Anterhause ausgesprochenen Hoffnung, den englischen Kriegsbedarf bis zum Ende des laufenden Finanzjahres, also bis März 1916, decken sollte, etwas weniger als 600 Millionen Psund gebracht hat — der größere Teil dieser Summe ist vorgegessenes Brot —, 20 so daß der Ertrag dieser Anleihe bereits im September wieder aufgezehrt sein wird. Auch dieses Ergebnis wurde nur dadurch erreicht, daß am Tage vor dem Zeichnungsschluß — ich beziehe mich hier gleichfalls auf das gänzlich unverdächtige Zeugnis der „Limes" — die großen Banken sich entschlossen haben, freiwillig — so freiwillig, wie man im Lande der NsZng, Lliarra lidertatum Kriegsdienst tut und Munition fabriziert — (Heiterkeit) daß sich also die Banken ganz freiwillig entschlossen haben, ihre Zeichnungen aus den doppelten Betrag derjenigen Summe zu bringen, die sie — auch ganz freiwillig — bei der ersten Kriegsanleihe gezeichnet hatten. Von den nicht ganz 600 Millionen Pfund Gesamtergebnis der englischen Kriegsanleihe kommen rund 200 Millionen Pfund auf Bankenzeichnungen, und dies, nachdem der englische Schatzkanzler vorher erklärt hatte, er wolle diesmal keine Bankanleihe, sondern eine Volksanleihe. Das Schicksal dieser Anleihe können Sie jeden Tag in den Zeitungen verfolgen: der Ausgabekurs war pari, die Anleihe notiert heute 98 und etwas darunter — dies wenige Wochen, nachdem sie zur Notierung zugelassen worden ist. Sie können ferner den Erfolg daran beurteilen, daß in den Verlegenheiten der englischen Negierung kaum eine Atempause eingetreten ist, daß die Zeitungen heute schon offen von der Notwendigkeit einer weiteren, großen, diesmal öligen Anleihe sprechen, und daß die „Limes" eine große Anleihe in den Vereinigten Staaten sür „unvermeidlich" erklärt. Meine Äerren, ich stelle diesem Verlaufe der Dinge in Frankreich und England die einfache Tatsache gegenüber: Bei uns sind die beiden Kriegsanleihen keinen Augenblick, an keinem einzigen Tag unter den Ausgabekurs heruntergegangen, ihre Kurse haben sich vielmehr stets über dem Ausgabekurs gehalten; wir konnten unsere zweite Kriegsanleihe um 1 Prozent höher auflegen als die erste, und wir werden bei der dritten Kriegsanleihe mit dem Subskriptionskurs gleichfalls wieder um etwas höher gehen. Wenn also in diesem Weltkrieg das Wort „kacta 1vHuu.n5nr" noch seine Bedeutung hat, dann müßten selbst die verbohrtesten unter unseren Feinden sehen, wie die Dinge auf dem finanziellen Kriegsschauplätze stehen. Das finanzielle Kräfteverhältnis, wie es in den Erfolgen der bisherigen Kriegsanleihen so drastisch zum Ausdruck kommt, spiegelt 21 sich wider in allen anderen Erscheinungen, die mit dem öffentlichen Kredit und dem Geldmarkt im Zusammenhang stehen. Ich will nur die wichtigsten Punkte kurz erwähnen. Wenn Sie die vor dem Kriege maßgebenden Staatspapiere in England, Frankreich und Deutschland nehmen, so werden Sie finden, daß die 3°/gige französische Rente gegenüber dem Kurse von etwa März 1914 um runde 20 Prozent zurückgegangen ist. In England sind ja Mindestkurse vorgeschrieben sür die 2^/2°/o'gen Konsols. Der Mindestkurs ist 65 Prozent; nach dem Arteil der englischen Finanzpresse ist er um mehrere Prozent zu hoch. Aber gleichwohl stellt auch dieser Kurs von 65 Prozent einen Rückgang von 11 Prozent dar. (Hört! hört!) Ansere deutschen Staatspapiere zeigen einen Rückgang von 8 bis 9 Prozent. Also auch hier, so groß die Entwertung ist, schneiden wir am besten ab. Allerdings leistet sich die Londoner Börse von Zeit zu Zeit den Scherz, unsere deutsche 3°/<>ige Neichsanleihe, für die ja vor dem Kriege dort ein Markt bestand, zu notieren. Sie hat sie noch kürzlich notiert mit 49^/z Prozent. 50 Prozent wäre offenbar zu rund gewesen, um glaubhaft zu sein. (Heiterkeit.) Ich habe mich bemüht, auf dem Amwege über neutrale Märkte zu diesem Kurs von 49^ Prozent deutsche Reichsanleihe in London zu kaufen; (große Heiterkeit) abgesehen von meinem Interesse an dem Sachverhalt schon deshalb, weil sich eine solche Gelegenheit zu einer billigen Schuldentilgung sür das Reich wohl nie wieder finden wird. (Große Heiterkeit.) Aber ich muß Ihnen mitteilen, es ist mir nicht gelungen, auch nur ein einziges Stück zu bekommen. (Heiterkeit.) Wir wissen, wie die Dinge stehen. Aber solche Dinge werden ja nicht gemacht für uns und nicht für die Engländer. Die Engländer glauben es ja auch nicht. (Sehr gut! — Heiterkeit.) Sie sind gemacht für die anderen, namentlich für die Herren Franzosen. Dort ist der Kurs von 49^. Prozent sofort mit Heller Begeisterung aufgenommen worden. (Heiterkeit.) 22 Die Zeitungen schreiben — ich zitiere hier wörtlich den „Oauloig" — Auf finanziellem Gebiete hat also, wie auf allen anderen Gebieten, das deutsche Debacle angefangen. (Heiterkeit.) Ein ähnliches Debacle, wie dieser Kurs von 49^ Prozent für unsere Staatspapiere, ist in den Augen unserer Feinde — es ist nicht zu glauben, aber wahr — unsere Reichs bank. Die Neichsbank hat seit Kriegsausbruch ihren Goldbestand um mehr als eine Milliarde erhöht, (hört! hört!) ein Beispiel, dem die Engländer und Franzosen bisher vergeblich annähernd Gleichwertiges zur Seite zu stellen gesucht haben. Die Golddeckung der Reichsbank für ihre sämtlichen Verbindlichkeiten, die vor dem Kriege ungefähr gleich gut war wie die Golddeckung der Bank von England und um 9 Prozent ungünstiger als bei der sehr gut mit Gold ausgepolsterten Bank von Frankreich, ist heute um 5,4 Prozent besser als in Frankreich und um 8 Prozent besser als in England — (hört! hört!) trotz der großen Einzahlungen auf die letzte englische Kriegsanleihe. Die Zahlen der Golddeckung nach den letzten Bankausweisen sind: bei uns 33,7 Prozent, in Frankreich 28,3 Prozent und in England 25,3 Prozent; (hört! hört!) sie war aber dort schon niedriger als 20 Prozent. Aber, meine Herren, auch diese Zahlen nützen nichts. Ein Londoner Finanzblatt erklärte kürzlich schlechtweg unser Gold in der Reichsbank für Papier; (Heiterkeit) und die französische Presse spricht dies gläubig nach. Warum? Weil die Darlehnskassenscheine neben dem Metall bei uns Notendeckung sind. Das genügt für die auswärtige Finanzkritik, unser Gold glattweg für Papier zu erklären! Daß diese Darlehnskassenscheine zusammen mit den Reichskassenscheinen in jedem Ausweis der Reichsbank getrennt von dem Metall und getrennt von dem Golde ausgewiesen werden, daran stößt man sich nicht. Neuerdings hat ein ganz kluger Mann noch eine andere Entdeckung gemacht. — Ich bringe diesen Fall, wie die anderen, nur deshalb hier vor, um Ihnen zu zeigen, wie von unseren Feinden ge- 23 arbeitet wird; nicht wegen des..Verups" oder der „Limes" oder irgendeiner sonstigen Stelle, von der solche Ausstreuungen ausgehen, sondern wegen des Systems. Also ein ganz Kluger, der im,,Lemxs" sein Wesen treibt, hat neulich die Entdeckung gemacht, die Zunahme des Goldbestandes in der Reichsbank komme daher, daß wir uns den Goldbestand der Osterreichisch-Angarischen Bank unter der Äand angeeignet hätten. (Große Heiterkeit.) Kier scheint der brave Franzose von den eigenen Erfahrungen auf andere zu schließen ; er scheint die Reichsbank mit der Bank von England zu verwechseln. (Sehr gut!) Die Bank von England hat ja bekanntlich nicht nur auf die ägyptische Goldreserve und auf die indische Goldreserve die Äand gelegt und fürsorglich den Goldbestand der belgischen Nationalbank an sich genommen, sondern sie hat sich auch von Rußland und von Frankreich mit klingendem Gold für ihre Kreditgewährung bezahlen lassen. (Äört! hört!) Diese neueste Legende, die gegen uns in die Welt gesetzt wird, ist mir gar nicht unwillkommen; denn sie gibt mir Gelegenheit zu einer Feststellung, die mir am Äerzen liegt: Wir stehen allerdings unseren Verbündeten auch finanziell zur Seite, wie dies guter Waffenbrüderschaft entspricht. Unsere deutschen Banken haben mit der österreichisch-ungarischen Monarchie gewisse finanzielle Transaktionen, im Einverständnis mit der Reichsleitung, abgeschlossen. Außerdem haben wir gegenüber den Türken, die sich so ausgezeichnet schlagen, (Bravo!) die Pflichten des finanziell stärkeren Bundesgenossen bisher erfüllt und werden diese Pflichten weiter erfüllen. (Zustimmung.) Geschachert haben wir mit unseren Bundesgenossen nicht; Gold haben wir ihnen nicht abgenommen. (Sehr gut!) Treue Verbündete, die Schulter an Schulter mit uns ihr Blut vergießen, als Objekte geschäftlicher Ausbeutung zu behandeln, das ist nicht deutsche Art, das ist britischer Stil; das überlassen wir den Engländern! (Lebhaftes Bravo.) 24 Nun, meine Herren, zu dem letzten Punkte dieser finanziellen Übersicht, zu dem Punkte, den ich im Monat März hier als den einzigen wunden Punkt in unserer Finanzverfassung bezeichnen mußte: ich meine die Gestaltung der auswärtigen Wechselkurse. Ich habe mich damals bemüht, Ihnen zu zeigen, auf welchen Zusammenhängen der Rückgang unserer auswärtigen Wechselkurse während dieses Krieges beruht. Sie bestehen, kurz zusammengefaßt, in der starken Unterbindung unseres Exports und in der Sperrung unserer Kapitalanlagen im Auslande. Die Dinge haben sich auf diesem Gebiete für uns nicht erheblich gebessert, aber auch nicht verschlechtert. Die Sache ist heute ungefähr auf demselben Stande, auf dem sie im Monat März gewesen ist. Das ist, nachdem man ein weiteres halbes Kriegsjahr hinter sich hat, immerhin schon ein Fortschritt, im Gegensatz zu dem im allgemeinen zutreffenden Sprichwort, daß Stillstand Rückschritt bedeutet. Dagegen ist den Franzosen und den Engländern der Spott über diesen Punkt inzwischen doch vergangen. Das stolze England, dem die Meere offen stehen, das über eigenes und fremdes Vermögen verfügt, kämpft einen verzweifelten Kampf um die Aufrechterhaltung des Sterlingkurses gegen die immer größer werdende Entwertung. Der Sterlingkurs ist in letzter Zeit in Newyork bis 5 Prozent unter die Parität heruntergegangen, ein Zustand, wie er sich seit den Napoleonischen Kriegen nicht ereignet hat. Frankreich, dessen Valuta noch im März die volle Parität hatte, bezahlt heute für 100 Schweizer Franken 110 französische Franken, (hört! hört!) und in Newyork ist die gestern herübergekabelte Notierung des Franken etwa 16 Prozent Disagio. Die französische Valuta steht also in Newyork jetzt schlechter als die deutsche. (Lebhafte Rufe: Hört! hört!) Aber auch hier haben die Franzosen ihren Trost leicht bei der Äand. Äerr Ribot, der französische Finanzminister, hat kürzlich Kammer und Land über den Valutarückgang mit folgenden Worten beruhigt — ich zitiere französisch, damit man nicht sagen kann, die Übersetzung übertreibe —: II n'z? g, Äucune ckepreci^ion cke norre ereckir; il s, simple- rrienr, ckes dWcu1r.es cke paz^er. (Heiterkeit.) Das heißt auf deutsch: Eine Entwertung unseres Kredits liegt in keiner Weise vor; es bestehen einfach nur gewisse Schwierigkeiten im Bezahlen. (Große Heiterkeit.) Meine Herren, mit Ihrer Heiterkeit stellen Sie sich in einen gewissen Gegensatz zur französischen Kammer; denn nach dem Bericht über die Sitzimg sind diese Worte des französischen Finanzministers von der Kammer allseitig mit Rufen: ,,^res bien! 'tres dien!" applaudiert worden. (Erneute Heiterkeit.) Nun, meine Herren, lassen Sie mich von den einzelnen Erscheinungen, die ich mir erlaubt habe Ihnen vorzuführen, auf das Ganze und auf das Wesentliche zurückkommen, auf den Kern, in dem das Geheimnis unseres Erfolges auf dem finanziellen Kriegsschauplatze liegt! Das Geheimnis liegt nicht in dem, was man gemeinhin Reichtum nennt. Darin ist uns das britische Weltreich und ist uns, auf den Kopf der Bevölkerung gerechnet, auch Frankreich unbestreitbar überlegen. Der Reichtum, dem wir den Erfolg verdanken, ist nicht etwa nur die Summe von geldwerten Ersparnissen. Er umfaßt vielmehr unseren gesamten wirtschaftlich-technischen Apparat, er besteht vor allem in der lebendigen Arbeitskraft unseres Volkes, die im Krieg und für den Krieg wirkt und schafft. (Lebhafte Zustimmung.) Was der Krieg verzehrt, das ist nicht etwa unser Stock rollenden Geldes; das ist die Summe von Kriegsmaterial und Anterhalts- mitteln, die unser Volk — Gott sei Dank auf eigenem Boden — in Anspannung aller Energie stets aufs neue gewinnt und erzeugt. Das Geld wird dabei gebraucht, aber nicht verbraucht. Das Geld steht hier ähnlich wie die Eisenbahnen, die unseren Truppen die zum Leben und Kämpfen notwendigen Dinge zuführen. Wie die Eisenbahnwagen wohlgefüllt zu den Fronten hinausrollen und dann ' wieder nach den heimatlichen Arbeitsstätten zurückkehren, so rollt das Geld aus der Reichskasse hinaus bei der Bezahlung der Kriegsausgaben, und so kehrt es zurück, muß es zurückkehren im Wege der Einzahlung auf die Kriegsanleihen. Ein wohlgeordnetes und gut funktionierendes Geld- und Finanzwesen ist für die Durchführung des Krieges ebenso wichtig wie ein leistungsfähiges Eisenbahnsystem. Aber auch das beste Eisenbahnsystem hilft nichts, wenn nichts zum 26 Transportieren da ist, und das beste Geldsystem muß versagen, wenn die Arbeit des Volkes nicht die Dinge schafft, die zum Leben und Kriegführen notwendig sind. Wo das Geld über die Grenzen rollt, um draußen durch Ankauf von Kriegsmaterial und Nahrungsmitteln die mangelnde innere Erzeugung zu ergänzen, da rollt es nicht so leicht zurück, da treten die Stockungen ein, die wir bei unseren Gegnern beobachten. Darum, meine Äerren, mögen unsere Feinde ihre Geldmaschine reparieren (Heiterkeit und sehr gut!) und dabei noch so sehr auf unser Vorbild schauen; nutzen wird ihnen das erst, wenn sie uns die Leistungsfähigkeit unserer Landwirtschaft und unserer Industrie, (Bravo!) wenn sie uns in allen lebenswichtigen Produktionszweigen unsere Unternehmer und unsere Arbeiter nachmachen; (Bravo! und sehr richtig!) und das können sie nicht. Das können sie sowenig wie sie unser Äeer nachmachen können, (sehr richtig!) denn dazu gehört eben doch etwas mehr als die aus der Not des Augenblicks geborene Einsicht. Dazu gehören Generationen langjähriger Schulung und Zusammenarbeit, dazu gehört die eiserne Erziehung zu Pflicht und Disziplin, dazu gehört das in tausendjähriger Geschichte zu Stahl zusammengeschweißte Volkstum. (Lebhaftes Bravo!) Darum mögen sie uns Vernichtung und Zerstückelung ansagen; an diesem stahlharten deutschen Volkstum wird ihre Zahl und Macht, ihr Geld und ihre Tücke zerschellen. (Bravo!) Wir tragen den Sieg in uns. Wir fühlen die Verheißung des Sieges doppelt stark in diesen Tagen, wo unter den Donnerschlägen unserer festungbezwingenden Geschütze Schwankendes Gestalt gewinnt, wo jeder das Herannahen großer Entscheidungen spürt, wo der Flügelschlag der Weltgeschichte, des Weltenschicksals in der kleinsten Kütte hörbar wird. Wir wissen in diesen Tagen Äeer und Volk durchdrungen von dem Bewußtsein, daß es abermals gilt, alle Kraft einzusetzen; wir wissen, daß es in jedem Deutschen zuckt, mit Äand anzulegen bei der großen Entscheidung, draußen in der Feldschlacht und im Festungskrieg, daheim im wirtschaftlichen und im finan- 27 ziellen Ringen. Deshalb, meine Äerren, vertraue ich: der Kredit, den Sie jetzt bewilligen werden, wird vom ganzen Volke durch die Beteiligung an der neuen Kriegsanleihe gutgeheißen. Keiner wird sich ausschließen. Große und Kleine werden ihre Pflicht tun. Die Daheimgebliebenen werden abermals den kämpfenden Brüdern draußen ihren Dank abstatten und sich ihrer würdig erweisen. (Bravo!) Die Daheimgebliebenen werden dazu beitragen, mit einem neuen durchschlagenden Erfolge uns näher zu bringen an Sieg und Frieden, an den deutschen Frieden, der uns die Vollendung des Werkes von 1812 und 1870 sein wird, an den Frieden, der uns und unseren Verbündeten dauernde Sicherheit vor Begehrlichkeit und Äberfall gewährleistet, an einen Frieden, der unsere Gegner aus dem Fluch irregeführter Leidenschaft und künstlich gezüchteter Wahnidee zur Selbstbesinnung zurückleitet, der den blutenden Völkern die Ruhe und Entwicklungsfreiheit bringt, deren unser Erdteil bedarf, um in der Welt seinen Platz zu behalten und seine Mission zu erfüllen. (Stürmisches anhaltendes Bravo und Händeklatschen im Äause und auf den Tribünen.) 2» ZI. Am 14. Dezember 1915 eine Herren, die verbündeten Regierungen beantragen einen weiteren Nachtragskredit von 1V Milliarden Mark für die Zwecke der Kriegführung. Ich lege Wert daraus, auch dieses Mal vor diesem hohen Hause und vor der Öffentlichkeit die Anforderung der neuen Milliarden mit einigen Worten zu begründen. Die Begründung des Nachtragsetats, der Ihnen vorliegt, ist einfach und zwingend: Die Sicherung unseres Bestandes als Volk und Reich muß unseren Feinden noch abgerungen werden, unseren Feinden, die nach mehr als sechzehn Monaten militärischer Fehlschlage und Niederlagen immer noch von einer Zerschmetterung und Verkrüppelung Deutschlands phantasieren. Der Krieg, so hart und grausam er ist, muß und wird weitergeführt werden auf jede Gefahr und um den Preis eines jeden Opfers, bis die Sicherung der Zukunft von Volk und Reich erkämpft sein wird. (Bravo!) Die angeforderten Kredite sollen uns die finanzielle Bewegungsfreiheit geben, die wir für die Weiterführung dieses Daseinskampfes brauchen. Ihre Zustimmung, meine Herren, wird der Welt aufs neue beweisen, daß unser Entschluß zum siegreichen Durchhalten unerschütterlich ist und daß jede Rechnung auf Schwäche und Zwietracht, auf Ermüdung und Hunger eine falsche Rechnung ist und bleibt. (Sehr richtig!) Meine Herren, die bisherigen Bewilligungen für den Krieg belaufen sich, wie Ihnen bekannt ist, auf 30 Milliarden Mark. Davon wurden die letzten 10 Milliarden im August dieses Jahres zur Verfügung gestellt. Ich habe damals im August die monatlichen Kriegsausgaben auf ungefähr zwei Milliarden beziffert. Wir haben inzwischen Monate gehabt, in denen die Ausgaben die Summe von zwei Milliarden Mark noch übertroffen haben. Alles in allem aber ist die Steigerung gegenüber dem Amfange, den unsere Kriegsausgaben schon im Frühjahr dieses Jahres erreicht hatten, eine nicht allzu erhebliche. Schon der März hat eine monatliche Summe 29 von etwa zwei Milliarden Mark erfordert. Sie sehen also, daß trotz der Erweiterung des Kriegsschauplatzes, trotz der Aufstellung neuer Formationen, trotz der Preissteigerung aller Lebensmittel und Rohstoffe, trotz der sich immer noch steigernden Anstrengungen zur Verbesserung und Ergänzung unseres Kriegsmaterials, — daß trotz aller dieser Amstände es uns gelungen ist, die Steigerung unserer monatlichen Kriegsausgaben in verhältnismäßig engen Grenzen zu halten. Sie dürfen daraus entnehmen, wie sich alle an der Kriegführung beteiligten Stellen von der Notwendigkeit der sparsamsten Wirtschaft haben durchdringen lassen. Aber, meine Herren, auch die strengste Sparsamkeit hat ihre Grenze an der Rücksicht auf unsere braven Truppen draußen im Felde. Kaum jemals hat ein Krieg an den Feldsoldaten dauernd so gewaltige und fast über das Menschliche hinausgehende Anforderungen gestellt; und jetzt im Beginn des zweiten Winterfeldzugs steht uns mit doppelter Klarheit vor Augen die elementare Pflicht, die Lage unserer Truppen draußen erträglich zu gestalten. Wir müssen also auch bei der äußersten Sparsamkeit mit dauernd hohen und wahrscheinlich weiterhin steigenden Ausgaben rechnen. Meine Herren, das hieraus sich ergebende Exempel ist einfach. Seit der letzten Kreditbewilligung von 10 Milliarden Mark sind etwa vier Monate verflossen; daraus ergibt sich, daß der größte Teil der bewilligten 10 Milliarden heute bereits verausgabt ist. Eine Auffüllung der Kredite ist erforderlich, wenn wir nicht binnen weniger Wochen in unserer finanziellen Bewegungsfreiheit in unerwünschter und unzweckmäßiger Weise beschränkt sein sollen. Neben der Äöhe der bisher aufgelaufenen Kriegsausgaben haben wir bei der Beurteilung der neuen Kreditvorlage die Art und Weise zu berücksichtigen, in der die Kredite bisher flüssig gemacht worden sind und weiterhin flüssig gemacht werden sollen. Die bisher ausgelegten und gezeichneten drei Kriegsanleihen belaufen sich, wie Ihnen bekannt ist, auf rund 25^4 Milliarden Mark gegenüber einer Kreditbewilligung für Anleihezwecke von 30 Milliarden Mark. Nicht in Anleiheform begeben ist also bisher von den bewilligten Anleihekrediten ein Betrag von etwa 4^. Milliarden. Hiervon ist ein Teil in kurzfristigen Schatzanweisungen flüssig gemacht, der Nest und ebenso Beträge des neu zu bewilligenden Kredits werden aus demselben Wege flüssig gemacht werden bis zu dem Zeitpunkt, wo die Ausgabe einer neuen Anleihe in Betracht kommt. 30 Was diesen letzteren Punkt anlangt, die neue Anleihe, so wissen Sie, daß die Septemberanleihe mit ihrem Ertrag von mehr als 12 Milliarden uns nicht nur die Konsolidierung der bis dahin aufgelaufenen Schatzanweisungen ermöglicht hat, sondern daß uns der Ertrag darüber hinaus noch neues Geld gebracht hat. Wir verdanken es diesem großen Erfolg, daß wir mit der nächsten Anleihe in aller Ruhe bis zum März warten können, und daß wir bis dahin, wie im letzten Frühjahr, ohne Schwierigkeit mit der Begebung von kurzfristigen Schatzanweisungen auskommen werden. Der neue Kredit wird also zunächst in der Weise Verwendung finden, daß Schatzanweisungen verausgabt werden; später tritt dann der für die Anleihebegebung noch offene Restbetrag der alten Kredite von 4^ Milliarden dem neuen Kredit zu. Die Äöhe des neuen Kredits schlagen wir Ihnen vor abermals mit 10 Milliarden zu bemessen, wie im letzten März und wie im letzten August. Die Gesamtsumme der Kriegskredite wird damit den Betrag von 40 Milliarden erreichen. Es ist schwer, einen Maßstab zu finden, um eine solche gewaltige Summe dem allgemeinen Verständnis näher zu bringen. Ich kann nur wiederholen, was ich bereits im August vor Ihre Augen gerückt habe: der Wert des gesamten deutschen Eisenbahnnetzes mit allem rollenden Material und allen Anlagen ist auf kaum mehr als 20 Milliarden Mark zu schätzen; das ist also die Äälfte des Betrags derjenigen Kredite, die mit der neuen Forderung für den Krieg bewilligt sein werden. An der erschütternden Größe dieser Belastung der Allgemeinheit mag der einzelne ermessen, welche Opfer er jetzt und späterhin auf sich zu nehmen hat, um seine Pflicht als Staatsbürger zu erfüllen, um durch die Äergabe von Geld und Gut und, soweit es sein muß, durch Einschränkungen und Entbehrungen für seinen Teil dem Vaterland in dieser schweren, für unsere Zukunft entscheidenden Zeit zu dienen. Aber wenn unserem Volke das Pflichtbewußtsein und der Opferwille erhalten bleiben, die den deutschen Mann und die deutsche Frau in schwerer Zeit stets ausgezeichnet haben, dann haben wir keinen Grund, an dem guten Ende zu zweifeln. Nach dieser Richtung gibt uns gerade auf finanziellem Gebiet das bisher Geleistete die beste Gewähr. Auch unsere Feinde haben sich überzeugen müssen, daß auf dem Felde der Kriegsfinanzen Kraft und Wille nirgends so sehr im Einklang stehen wie bei uns. Daß man Z'. unseren früheren Wohlstand in einer verhängnisvollen Weise unterschätzt hat, davon will ich heute nicht weiter sprechen; das liegt heute klar vor aller Augen. Aber das will ich heute von dieser Stelle noch einmal laut bekunden: Der kategorische Imperativ der Staatsbürgerpflicht und der Vaterlandsliebe ist es, der in unseren Milliarden seine Triumphe feiert. (Sehr richtig! und Bravo!) Die Zahlen der dritten Kriegsanleihe, so nüchtern Zahlen sind, reden nach dieser Richtung hin eine erhebende Sprache. 12 16V VW VVV in wenigen Wochen gezeichnet von mehr als vier Millionen einzelner Personen! (Äört! hört!) Vergegenwärtigen Sie sich, meine Äerren, was das heißt! Erinnern Sie sich, daß es vor dem Krieg in Preußen rund 8 Millionen Kaushaltungsvorstände und selbständige Einzelpersonen mit einem Einkommen von mehr als VVV Mark gegeben hat! Auf das Reich bezogen, wären das etwa 13 Millionen. Davon hat also nahezu jeder dritte Mann gezeichnet. Oder, um Ihnen den Sachverhalt noch anschaulicher zu machen: Zensiten mit einem Einkommen von mehr als 30V0 Mark gab es vor dem Kriege in Preußen zwischen 800 000 und 900 000. Im Reich sind das etwa 1 300 000. Gezeichnet haben auf die dritte Kriegsanleihe mehr als vier Millionen Personen, also sicher nahezu drei Millionen Personen mit einem Einkommen von weniger als 3000 Mark. Dem entspricht die Tatsache, daß von den vier Millionen Zeichnern nicht weniger als zweidreiviertel Millionen Beträge bis zu 1000 Mark gezeichnet haben. Wie viel schwer verdientes Geld, wie viel sauer ersparte Groschen wurden hier in Opferwillen und Vertrauen dem Vaterlande dargebracht! (Sehr richtig!) Ich halte mich für verpflichtet, von dieser Stelle aus allen zu danken, die das Ihrige zu dem großen Erfolge beigetragen haben, (Bravo!) allen, die werbend und gebend sich in den Dienst der großen Sache gestellt und uns zu dem großen Erfolge verholfen haben. Was hier erreicht wurde, das ist in der Tat eine Volksanleihe, wie sie England machen wollte, aber nicht machen konnte. Der englische SchaHkanzler hat kürzlich im englischen Anterhause eingestehen müssen, daß die während vieler Monate offengehaltene Volks - 32 Zeichnung auf die zweite englische Kriegsanleihe ein glatter Fehlschlag gewesen ist. (Äört! hört!) Es wurden nur wenige hundert Millionen Mark gezeichnet in Monaten, gegen die Milliarden bei uns in einigen Wochen. Man ist dabei dort herabgegangen bis zu verzinslichen Scheinen von fünf Schilling, also bis zu verzinslichen Fünfmarknoten, nur um die Absatzbasis zu verbreitern. (Äört! hörtl) Meine Herren, die Art und Weise, wie sich seither die Einzahlungen auf die Kriegsanleihe abgewickelt und wie sich die sonstigen geldlichen Verhältnisse in Deutschland gestaltet haben, berechtigt uns zu der Erwartung, daß auch der nächste Ruf an die deutsche Sparkraft den erwünschten und notwendigen Erfolg haben wird. Ich will Ihnen hierfür einige Zahlen geben. An: ersten Pflicht- zahlungstage, dem 18. Oktober, waren auf die dritte Kriegsanleihe bereits eingezahlt mehr als 8^2 Milliarden Mark, mehr als 70 Prozent des gezeichneten Gesamtbetrages, gegenüber einer Pflichteinzahlung von nur 30 Prozent. Äeute belaufen sich die Einzahlungen auf mehr als 10,6 Milliarden. (Äört! hört!) Sie eilen den fälligen Einzahlungen um mehr als 4^ Milliarden Mark voraus. Das ist der beste Beweis, wie leicht die deutsche Volkswirtschaft diese gewaltige Äergabe von Kapital bewerkstelligt. Verstärkt wird dieser Eindruck durch die Tatsache, daß die Darlehenskassen nur in ganz bescheidenem Amfange für die Zwecke der dritten Kriegsanleihe in Anspruch genommen worden sind; trotz des größeren Betrags der Anleihe um sehr viel weniger als für die erste und zweite Kriegsanleihe. Zur Zeit sind die Darlehenskassen für die dritte Kriegsanleihe beansprucht mit 580 Millionen Mark, das sind ungefähr 5,4 Prozent der eingezahlten Beträge, nicht mehr. Die Sparkassen — gleichfalls ein wichtiger Faktor für die Beurteilung unserer finanziellen Leistungsfähigkeit — zeigen ebenfalls ein sehr erfreuliches Bild. Die Gesamtzeichnungen der Sparkassen selbst und ihrer Einleger auf die drei Kriegsanleihen betragen nicht weniger als 5 Milliarden 890 Millionen Mark. Davon kommen rund 2 Milliarden 875 Millionen auf die dritte Kriegs- Selfferich, Kriegsfinanzen. Zweiler Teil Z zz anleihe allein, und etwas mehr als 3 Milliarden Mark auf die erste und zweite Kriegsanleihe zusammen. Im September dieses Jahres — also vor der Einzahlung auf die dritte Kriegsanleihe, aber nach Abführung der vollen drei Milliarden für die erste und zweite Kriegsanleihe — war der Einlagebestand, den unsere Sparkassen vor Kriegsausbruch gehabt hatten, nicht nur unberührt, sondern die Summe der Einlagen war sogar um rund 1^ Milliarde Mark höher als zu Beginn des Jahres 1914. (Hört! hört!) Ähnlich steht es mit den Einlagen, mit den Depositen bei unseren Banken. Der Depositenbestand bei unseren Banken erreichte im August und September Höchstziffern, wie sie in Friedenszeiten überhaupt niemals erreicht worden sind. And trotz der so stark beschleunigten Einzahlungen aus die dritte Kriegsanleihe sind auch jetzt wieder, soweit ich es übersehen kann, die Einlagen bei unseren Banken höher, als sie es vor Jahresfrist waren. Älber den Stand der Reich sbank brauche ich kein Wort zu verlieren. In dem wesentlichsten Punkte, der Golddeckung der Noten-- und sonstigen täglich fälligen Verbindlichkeiten, steht sie nach wie vor günstiger als die Zentralbank irgendeines der anderen kriegführenden Länder. Meine Herren, ich weiß sehr wohl, daß unsere Feinde all dies nicht gelten lassen wollen. Ihre Presse verurteilt uns täglich mehrfach zum Bankrott, genau wie sie täglich aus den Erfolgen unserer Waffen uns die endgültige Niederlage prophezeit. Seit einiger Zeit scheinen unsere Gegner allerdings einzusehen, daß es ihnen nicht allzuviel nützt, wenn unser Bankrott nur innerhalb ihrer eigenen Grenzen und höchstens in dem oder jenem uns nicht gerade wohlgesinnten neutralen Blatt proklamiert wird. Sie lassen es sich in der letzten Zeit angelegen sein, uns selbst davon zu überzeugen, daß wir am Ende sind. Ich habe hier eine kleine Schrift, betitelt: „Das britische und das deutsche Finanzwesen", versaßt von einem Mr. Davies. Diese Schrift ist in den letzten Wochen von Holland aus ganz massenhaft in Deutschland verbreitet worden; ich selbst habe Dutzende von Exemplaren davon zugesandt bekommen. Sogar die gestrenge Zensur hat bei mir angefragt, ob es sich nicht empfehle, diese Broschüre und ihren Vertrieb zu verbieten. Meine Herren, aus dieser kleinen instruktiven Schrift habe ich unter anderem erfahren, daß wir unsere Bankdirektoren durch Z4 „Drohung mit dem Kriegsrecht" gezwungen haben, uns ihre Depositen zum Zweck der Zeichnung auf die Kriegsanleihe auszuliefern. (Heiterkeit.) Der Verfasser setzt hinzu, er selbst habe die Nachricht anfangs nicht geglaubt, aber die Erkundigungen, die er dann habe einziehen können, hätten diese ganz unglaubliche Geschichte voll und ganz bewahrheitet. Ich habe natürlich verhindert, daß die Zensur dem Vertrieb dieser Schrift irgendwelche Schwierigkeiten in den Weg legt, (Heiterkeit und Zustimmung) obwohl ich eigentlich Grund gehabt hätte, mich gegenüber den Herren Engländern zu revanchieren. Ich habe im Juni einem amerikanischen Journalisten auf seinen Wunsch einige Bemerkungen über die damals gerade bevorstehende englische Kriegsanleihe gemacht. Der Journalist hat meine Bemerkungen nach Newyork gekabelt; aber die englische Kabelzensur hat das Telegramm unterschlagen. (Hört! hört!) Es hat erst späterhin in Amerika brieflich das Licht der Welt erblickt, und in England überhaupt nie. Aber, meine Herren, nicht nur ein unbekannter Mister so und so, wie der Verfasser dieser Schrift, sondern die gesamte feindliche Presse bei unseren Gegnern und bei den Neutralen widmet sich mit einer Beharrlichkeit, die wirklich einer besseren Sache würdig wäre, dem Bestreben, uns finanziell totzusagen; und vor allem wird immer wieder darauf hingewiesen — ich habe das letzte Mal hier schon darauf aufmerksam gemacht —, daß unsere Anleihen nur ein großer Bluff seien, daß sie ausschließlich finanziert seien durch unsere Darlehenskassen. Das ist aus der Welt und aus der feindlichen Presse nicht herauszukriegen! Der Pariser „^emps" hat noch vor wenigen Tagen in einem Artikel, der zum Lobe der neuen französischen Anleihe geschrieben war, behauptet, daß nicht ein einziger Deutscher, der auf die deutschenKriegsanleihen gezeichnet habe, vorhanden sei, der das Geld nicht der Darlehenskasse oder seinem Bankier schulde. (Große Heiterkeit.) Ähnliche Behauptungen sind vor einigen Wochen aufgestellt worden von dem englischen Handelsminister Mr. Runciman. Dies alles angesichts der Tatsache, daß der Gesamtbestand der Darlehenskassen an Ausleihungen für Kriegsanleihe und andere Zwecke nur etwa 16W Millionen beträgt gegenüber 25^4 Milliarden Kriegs- 35 anleihen, und daß die für die Kriegsanleihen gewährten Darlehen insgesamt noch nicht einmal fünf Prozent der Einzahlungen betragen. Meine Herren, wenn ich auf diesen Punkt hier wieder zurück- komme, so geschieht es nicht etwa, um unsere Gegner zu belehren; das ist aussichtslos, das weiß ich. (Sehr gut!) Wen Gott verderben will, den schlägt er mit Blindheit! (Sehr richtig! und Heiterkeit.) Von solchen sachlichen Richtigstellungen nimmt weder die feindliche Presse, noch nehmen davon die feindlichen Staatsmänner Notiz. Ich wiederhole diese Feststellungen hier nur, um Ihnen den Geisteszustand nahezubringen, in dem sich die mit uns im Kriege liegenden Völker befinden, (sehr gut!) dank eines ebenso raffinierten wie gewissenlosen Systems der Täuschung, von Regierungen und Presse im Verein in unverantwortlichster Weise gehandhabt. Ich frage mich jeden Tag, wenn ich die ausländischen Zeitungen lese, ob es denn möglich ist, daß Arteil und Verstand durch die in diesem Kriege aufgewühlten Leidenschaften so furchtbar getrübt werden, und ich nehme daraus Anlaß zu der Selbst- Prüfung, ob wir denn unsererseits bei der Beurteilung der Verhältnisse unserer Gegner ebenso in die Irre gehen wie die Gegner bei der Beurteilung unserer Dinge. Aber ich glaube, der Deutsche ist zu objektiv und zu gewissenhaft. Er neigt mehr nach der anderen Seite; er neigt mehr dazu, die Schwierigkeiten bei sich selbst zu Hause zu überschätzen, (allgemeine Zustimmung) die Schwierigkeiten bei den anderen zu gering zu veranschlagen. (Sehr richtig!) Daß wir damit, meine Herren, nur allzuoft Wasser auf die feindlichen Mühlen leiten, das steht für jeden, der die ausländische Presse verfolgt, außerhalb jeden Zweifels. Nun, meine Herren, möchte ich in dem Geiste strenger, leidenschaftsloser Prüfung hier vor Ihnen darlegen, wie die Kriegs - finanzverhältnisse in ihrer Gesamtheit, also auch bei unseren Feinden, sich gestaltet haben. Ich will auch diesmal zunächst einen Überblick geben über die gesamten Kriegskosten aller kriegführenden Staaten. Zö Ich habe hier im August die gesamten Kriegskosten aus nahezu 300 Millionen Mark pro Tag geschätzt. Das reicht heute nicht mehr aus. Meine Ziffern kommen heute aus 320 bis 330 Mil- "rwnen pro Tag; die monatlichen Kriegskosten kommen damit an die 10 Milliarden Mark heran, die jährlichen Kriegskosten auf nahezu 120 Milliarden Mark. (Äört! hört!) Meine Äerren, 120 Milliarden Mark, das ist die Ää'lste des ganzen öffentlichen und privaten, beweglichen und unbeweglichen französischen Nationalvermögens, wie es vor dem Kriege stand. (Äört! hört!) Von diesen gewaltigen Kriegskosten entfällt auch heute noch etwas weniger als zwei Drittel auf unsere Gegner und etwas mehr als ein Drittel auf uns und unsere Verbündeten. In der Äöhe der laufenden Kriegskosten hat England mit einem Tagesbedarf, der drüben kürzlich erst wieder von Mr. As quith mit 100 Millionen Mark angegeben worden ist, uns wohl endgültig überholt. Ich hoffe nicht, daß wir den Engländern bis zu dieser Äöhe nachkommen werden. Auch was den Gesamtbetrag der bisher aufgelaufenen Kriegskosten anlangt, dürfte England heute dicht vor uns an erster Stelle stehen, und sein Vorsprung wird sich wohl rasch vergrößern. Wenn Sie Aufwand und Erfolg vergleichen, so werden Sie finden, daß nicht nur auf dem Felde der Schlachten, sondern auch auf dem Gebiete des Geldes mächtigere Faktoren entscheiden als bloße Zahlen. Wir geben mit unseren Bundesgenossen nicht viel mehr als halb so viel aus wie der Verband unserer Feinde, und ich glaube, ohne unbescheiden zu sein, sagen zu können, daß wir mit dieser geringeren Summe doch wesentlich mehr erreicht haben. (Lebhafte Zustimmung.) Ich habe aber nicht den Eindruck, als ob das doppelte Gewicht der finanziellen Last unsere Gegner deshalb etwa weniger gedrückt habe. Wir brauchen uns nur ein Bild davon zu machen, wie die verschiedenen Kriegführenden bisher mit der Aufbringung dieser gewaltigen Mittel fertig geworden sind. Wir in Deutschland und unsere österreichisch-ungarischen Bundesgenossen haben den größten Teil unseres Kriegsgeldbedarfs durch langfristige Anleihen decken und konsolidieren können. Von den Gegnern ist dies bisher nur England gelungen, aber nicht ent- 57 fernt in demselben Maße wie etwa uns. Bei ungefähr gleichem Gesamtaufwands für den Krieg hat England bisher 18,5 Milliarden Mark etwa, wir dagegen haben 23,5 Milliarden Mark durch langfristige Anleihen gedeckt. Frankreich, das bisher nur einen geringfügigen Betrag seiner Kriegskosten durch zehnjährige Obligationen, alles übrige durch kurzfristige Kredite beim Publikum und bei der Bank von Frankreich aufgebracht hat, macht erst jetzt eine verzweifelte Anstrengung mit einer zu sehr niedrigem Kurs aufgelegten 5°/„igen Anleihe, auf die ich gleich noch kommen werde. Dieser Anterschied in der Art der Deckung der Kriegskosten ist derjenige, den ich in die erste Reihe rücken möchte. Der zweite Anterschied ist: Wir haben bisher unseren Geldbedarf für uns und für unsere Verbündeten so gut wie ausschließlich im Inlands gedeckt, haben aus dem unversieglichen Brunnen unserer heimischen Arbeitskrast geschöpft. Ansere Feinde waren genötigt, in großem Amfang auf die Geldquellen des Auslandes, insbesondere der Vereinigten Staaten, zurückzugreifen. Dritter Anterschied: Wir haben unsere Geldbeschaffung nach einem einheitlichen und einfachen großen Plan durchgeführt, dabei die Bedingungen für das Reich von Schritt zu Schritt verbessert und den Erfolg von Schritt zu Schritt vergrößert. (Bravo I) Von Anfang an haben wir den 5°/„igen Anleihetyp gewählt. Die Ausgabekurse sind, wie Ihnen bekannt, 97,5, 98,5 und 99 Prozent gewesen, und der Ertrag stieg von 4,5 auf 9 und etwa 12,2 Milliarden Mark. Bei unseren Gegnern dagegen sehen wir ein Suchen und Tasten, sehen Verlegenheitsmaßnahmen und, was das Wichtigste ist, eine fortgesetzte Verschlechterung der Bedingungen der Geldbeschaffung. Ich will nicht zu tief in die Einzelheiten eingehen und deshalb nur von England und Frankreich, den finanziell wichtigsten unserer Gegner, sprechen. Frankreich hat bisher während des Krieges mehr als ^Milliarden Franken aufgenommen. Sie werden die Musterkarte sehen, nach der das geschehen ist. Mehr als 7,5 Milliarden Franken hat es bei der Bank von Frankreich geliehen, 75 Millionen Franken bei der Bank von Algier, 8 Milliarden 350 Millionen in kurzfristigen Lons 6e 1a 6ekense nationale mit verschiedener Laufzeit, 3660 Millionen in Form von zehnjährigen OdliZations cke 1a ckekense nationale, über eine Milliarde im Wege verschiedener kurzfristiger Kredit- 3^ geschäste in England, ein paar hundert Millionen durch kurzfristige Operationen in den Vereinigten Staaten und schließlich 1,25 Milliarden durch die mit England in den Vereinigten Staaten abgeschlossene Anleihe. Meine Herren, als Deutschland bald nach Kriegsausbruch im Monat September mit seiner S°/g igen Kriegsanleihe zum Kurse von 97,5 herauskam, sprachen die französischen Zeitungen von dem bevorstehenden deutschen Staatsbankrott. Die Franzosen sind sehr bald bescheidener geworden. Sie haben zu Beginn des Jahres 1915 ihre 5°/o igen Lons cke 1a äekense nationale nicht zu 96,5, sondern zu 95 herausgebracht, und es war ein Mißerfolg. Sie haben sich jetzt entschlossen, für ihre neue 5°/oige Anleihe sich einen Erfolg unter allen Amständen dadurch zu sichern, daß sie einen Ausgabekurs festsetzten, der nominell 88 ist, sich aber, wenn Sie die verschiedenen Zinsvergütungen usw. abziehen, auf etwa 86,80 Prozent stellt. (Äört! hört!) Also, meine Äerren, eine deutsche 5°/gige Anleihe zu 97^2, das war der deutsche Staatsbankrott, aber eine französische 5°/o'.ge Anleihe zu 86,80 Prozent ist — (Zurufe rechts: Siegesanleihe!) jawohl, das „Vlnprunt 6,e 1a Victnire", die „Siegesanleihe". Äerr Ribot, der französische Finanz minister, hat diesem 5°/c>igen Papier, zu dem sich das Land der 3°/gigen Rente entschließen mußte, sehr zärtliche Worte mit auf den Weg gegeben. Er hat in der Kammer bei der Einführung des Anleihegesetzes unter anderem gesagt: Die 5°/gige Anleihe ist das alte französische Papier, das man in jedem Äaus, ja in jeder Kütte fand, das unsere Väter gekannt und geliebt haben, weil es ein Stück von Frankreich war, (Heiterkeit) ein Andenken an die Tage, die auf die langen Kriege folgten, die Frankreich überdauerte. Auch über den niedrigen Ausgabekurs weiß sich der kluge Akademiker hinwegzutrösten. Er ist bei Till Eulenspiegel in die Schule gegangen (Heiterkeit) und sagt: 39 Der niedrige Kurs schädigt den Kredit Frankreichs in keiner Weise, im Gegenteil; denn gerade ein niedriger Kurs hat die Möglichkeit zu steigen, (große Heiterkeit) und wenn auf diese Weise der Zeichner einen Vorteil hat, so profitiert auch der Staat davon. Meine Herren, diese Siegesanleihe ist, abgesehen von dein niedrigen Ausgabekurs, auch sonst noch mit einer Reihe von allen möglichen Reizmitteln ausgestattet. Die 3 °/„ige französische Rente, die jetzt auf 64^ steht, zeitweise bis 63 heruntergegangen ist, kann bis zu einem Drittel der Zeichnungen auf die neue Anleihe zu 66 in Zahlung gegeben werden. Die sämtlichen bisher ausgegebenen Lons und OdliZations 6s la clekense nationale werden auf die neue Anleihe in Zahlung genommen. Besonders interessant ist aber, daß die Sparkassen, die auf Grund des noch bestehenden Moratoriums alle 14 Tage nur 50 Franken auszuzahlen brauchen, einerlei, wie hoch das Guthaben ist, nunmehr durch das Anleihegesetz angewiesen sind, die Einlagen für die Zwecke der Anleihezeichnung freizugeben, aber nur dann, wenn der Einleger außerdem noch, wie es in dem Motivenbericht heißt, ein „ekkort. perscmnel", eine persönliche Anstrengung, macht und den gleichen Betrag, den er von der Sparkasse abhebt, noch einmal aus anderen Mitteln zeichnet. In der Agitation für die Anleihe hat Frankreich die englische Propaganda, die ich für unübertrefflich gehalten habe, noch übertroffen. Sogar die sämtlichen Kinos sind in den Dienst der guten Sache gestellt worden, (Heiterkeit) und die reich remunerierte Begeisterung der Pariser Presse (Heiterkeit) für die Siegesanleihe kennt keine Grenzen. Meine Herren, morgen soll die Zeichnung geschlossen werden. Wir warten das Ergebnis in Ruhe ab und werden zwischen Geld und Papier wohl zu unterscheiden wissen. (Sehr richtig!) Aber, meine Herren, noch viel wichtiger als die Beurteilung der französischen Verhältnisse ist für uns der Stand der Dinge auf finanziellem Gebiet in England; denn England ist finanziell wie politisch der Eckpfeiler der gegnerischen Kombination. 40 Zunächst möchte ich feststellen, in welchem Maße man sich in England von Anfang an in den Kriegskosten verrechnet hat. Ich erinnere an das leicht hingeworfene Wort von Sir Edward Grey vom 4. August v. I>, der Krieg werde England kaum größere Opfer auferlegen, wenn es sich an ihm beteilige, als wenn es beiseite stehe. Die englischen Staatsmänner haben sich inzwischen eines besseren belehren lassen müssen. Aber noch im Mai hat der damalige englische Schatzkanzler die Kosten des Kriegs bis zum Ende des laufenden Etatsjahres, d.h. bis zum 31. März 1916, auf etwa 1133 Millionen Pfund geschätzt. Vier Monate später dagegen hat sein Nachfolger die Schätzung auf 1590 Millionen Pfund erhöhen müssen, und der vor kurzem von der englischen Regierung verlangte neue Kredit, der bis Mitte Februar reichen soll, also immer noch nicht bis zum 31. März, bringt die Gesamtsumme der bisher angeforderten Mittel auf mehr als 1660 Millionen Pfund. (Äört! hört!) Die Aufbringung dieser Mittel ist sür England fortgesetzt schwerer geworden. Zu Anfang des Krieges spielte Lloyd George noch mit dem Gedanken, es könnte entsprechend der guten alten britischen Tradition ein sehr erheblicher Teil der Kriegskosten durch Steuern aufgebracht werden. Er selbst hat an die Napoleonischen Kriege erinnert, in denen mehr als 40 Prozent der Kriegsausgaben durch Steuern gedeckt worden seien. Aber die damals im November vorigen Jahres beschlossenen Steuern machten von vornherein nur wenige Prozente des Kriegsbedarfs aus. Eine zweite Steuervorlage im Frühjahr 1915 kam überhaupt nicht über die Schwelle des Parlaments. Eine dritte Steuervorlage, die angeblich 100 Millionen Pfund bringen soll, deren Ertrag für das laufende Jahr aber nur auf 30 Millionen veranschlagt wurde, wird seit vielen Wochen im englischen Anterhaus beraten. Die Verhandlungen sind nicht sehr rasch vom Fleck gekommen, und wenn diese Finanzbill jetzt in der Hauptsache Gesetz wird, so wird sie, wie heute schon festzustehen scheint, kaum irgend etwas zu den eigentlichen Kriegskosten beitragen, sondern gerade genügen, vielleicht nicht einmal ganz genügen, um das durch den Krieg verursachte Mehr an Schuldzinsen zu decken. Die Absicht, durch Steuern einen ansehnlichen Teil der Kriegskosten zu decken, ist in England gescheitert. England känrpft heute lediglich um die Erhaltung des Gleichgewichts in seinem ordentlichen Budget. Auch das ist ein sehr schwerer Kampf, ^. ein Kampf, von dem ich sagen muß, daß er uns in Deutschland noch bevorsteht und kommen wird. In seiner Anleihepolitik sieht sich England auf Wege gedrängt, die in den englischen Finanzkreisen die größte Besorgnis seit Monaten erregen. Vor einem Jahr noch glaubte man mit einem 3^°/<>igen Zinsfuß für die Kriegsanleihen auskommen zu können. Die Anleihe war kein Erfolg. Das Gesicht wurde nur dadurch gewahrt, daß die großen englischen Banken veranlaßt wurden, etwa 100 Millionen Pfund zu zeichnen, also nahezu ein Drittel der Anleihe auf sich zu übernehmen. Die Folge dieses Fehl- schlags war, daß der Markt für eine ähnliche Anleihe nicht mehr aufnahmefähig wurde. Die Regierung behalf sich, solange es ging, mit der Ausgabe von kurzfristigen Schatzscheinen und Tresor-- bons. Als dann im Juni die Begebung von weiteren Schatzscheinen wegen der Übersättigung des Marktes und der Banken auf Schwierigkeiten stieß, wurde ein neuer Anleiheversuch nötig. Damals griff England zu dem heroischen Mittel der mit der Äinaufkonventierung der 2^°/„igen Konsols verbundenen 4^/2°/oigen Anleihe, deren Effektivzinssatz in Wirklichkeit höher war als 5 Prozent. Der britische Schatzkanzler erklärte im Parlament im Juni dieses Jahres, daß er hoffe, der Ertrag der Anleihe werde genügen, um den Geldbedarf Englands für den Krieg bis zum 31. März 1916 sicherzustellen. Die Anleihe erbrachte nicht ganz 600 Millionen Pfund. Aus ihr mußten zunächst die aufgelaufenen kurzfristigen Verbindlichkeiten gedeckt werden. Der Überschuß war im September oder spätestens im Oktober vollständig aufgezehrt, statt bis zum 1. April nächsten Jahres zu reichen. Also aufgezehrt in drei bis vier Monaten statt in neun Monaten! Aber nicht nur in ihrem Ertrag war die Anleihe ein Fehlschlag, sondern auch in ihrer Einwirkung auf die Verhältnisse des englischen Kapitalmarktes. Die Anleihe, die angeblich zu pari, in Wirklichkeit aber zu Prozent ausgegeben wurde, ging alsbald nach dem ersten Notierungstage unter den Ausgabekurs herunter und steht heute wenig über 97 Prozent. Gleich nach der Emission gestand die Presse zu, daß eine weitere Anleihe nur zu 5 Prozent in England überhaupt möglich sein werde. England hat bisher einen weiteren Anleiheversuch auf seinem eigenen Markt nicht unternommen. Es hat sich wieder mit der Begebung von Schatzscheinen geholfen, und ich nehme an, daß heute die Schatz- 42 scheine einschließlich der Rxckeczuer-doncks einen Betrag von etwa 350 Millionen Pfund erreichen werden. In welcher Weise diese kurzfristigen Kredite im neuen Jahr konsolidiert und in welcher Weise darüber hinaus neues Geld beschafft werden soll, darüber ergibt sich aus der englischen Fachpresse und aus den Äußerungen der englischen Staatsmänner keine Klarheit. Bezeichnend aber ist das Eingeständnis einer großen englischen Zeitung gerade in diesen Tagen. Es heißt dort: es sei durchaus möglich, daß die Negierung ihre fälligen Zahlungen etwas langsamer bewirke, um mit der neuen großen Anleihe warten zu können, bis sich neues Anlagekapital angesammelt haben werde. Meine Herren, zu der Verschlechterung der Verhältnisse auf dem englischen Kapitalmarkt kamen hinzu die gerade für England ganz besonders empfindlichen Erschwernisse auf dem Gebiete der Valuta. Die Entwertung des Pfund Sterling gegenüber dem Dollar betrug im Monat September nahezu 8 Prozent. England stand vor der Gefahr nicht nur einer schweren Erschütterung seines Prestiges auf dem internationalen Geldmarkt, sondern auch vor einer ernsten Gefährdung seines Kriegsmaterial-- und Lebensmittelbezuges aus den Vereinigten Staaten. Anter dem Druck dieser Sachlage wurde die englisch-französische Kommission im September nach Newyork geschickt mit dem Auftrag, dort eine Anleihe von mindestens einer Milliarde Dollar abzuschließen. England und Frankreich, die Geldgeber der Welt, erschienen kreditsuchend vor ihren bisherigen Kreditnehmern. Die Verhandlungen gestalteten sich schwierig. Das Ergebnis entsprach nicht den Erwartungen. Statt einer Milliarde Dollar erhielten die beiden Großmächte zusammen nur eine halbe Milliarde, und zwar gegen 5°/gige SchaHscheine mit fünfjähriger Laufzeit, die zu 96 Prozent an das amerikanische Konsortium begeben wurden. Das ist eine effektive Verzinsung von mehr als 6 Prozent sür eine kurzfristige Anleihe, die die solidarische Garantie von England und Frankreich trägt. (Äört! hört! links.) Die Schatzscheine sind bekanntlich in den Vereinigten Staaten zur öffentlichen Zeichnung aufgelegt worden. Auch hier ist der Mißerfolg den Verbündeten treu geblieben. (Heiterkeit.) Die verschiedenen Mitteilungen gehen nur darin auseinander, ob 4.^ das Bankenkonsortium auf 150, 250 oder, wie andere behaupten, gar auf 350 Millionen Dollar sitzen geblieben ist. (Äört! Hort!) Natürlich stehen die Schatzscheine unter ihrem Ausgabekurs, sie sollen jetzt auf 94 gesunken sein. Sowohl Frankreich wie England waren von dem Ergebnis dieser amerikanischen Aktion so wenig befriedigt, daß sie alsbald die Ausnahme weiterer Kredite versuchten. Aber selbst das Bankhaus Morgan zeigte jetzt zugeknöpfte Taschen. Nur um den Preis der Bestellung von Sicherheit in anderen Werten, teilweise in englischen Kriegsanleihen, vor allem aber in amerikanischen Eisenbahnobliga- tionen und ähnlichen amerikanischen Werten, ist es den Engländer,: und Franzosen gelungen, in Amerika weitere sogenannte „kommerzielle Kredite" zu erhalten. Der Staatskredit allein hat also nicht mehr genügt, es wurde eine zusätzliche Sicherheit in Form von Papieren, vorwiegend amerikanischen Papieren, verlangt. Meine Äerren, ich stelle hier gerne sest, daß der mangelhafte Erfolg der Alliierten in den Vereinigten Staaten zum großen Teil dem Widerstand zu verdanken ist, den die amerikanischen Staatsbürger deutscher Abstammung dem englisch-französischen Anleiheprojekt entgegengestellt haben. (Allseitiger lebhafter Beifall.) Es hat ja vereinzelte Ausnahmen gegeben, aber in ihrer großen Mehrzahl haben unsere Blutsverwandten jenseits des großen Wassers geglaubt, ebenso gute Bürger eines neutralen Staates zu sein, wenn sie auf die Anleihe nicht zeichneten, wenn sie der Ententeanleihe einen Widerstand entgegensetzten, wie diejenigen, die Amerika mit der Ententeanleihe zu beglücken versuchten. (Erneuter Beifall.) Erfreulicherweise haben sie mit diesem Bestreben auch in breiten Schichten der amerikanischen Bevölkerung angelsächsischer Abstammung Widerhall und Nachfolge gefunden. (Bravo!) Meine Herren, wenn Sie mit einem einzigen Zahlenbild die Entwicklung der Finanzverhältnisse in England, Frankreich und Deutschland während des Krieges überblicken wollen, dann brauchen Sie nur den gegenwärtigen Kursstand der drei wichtigsten Staatspapiere der drei Reiche zu betrachten. Im Durch- 44 schnitt des Jahres 1913 notierte die französische 3°/gige Rente 87 Prozent. Äeute steht sie auf 64^ Prozent. (Äört! hört!) Der Rückgang beträgt also 22^ Prozent. Die 2^/2°/oigen englischen Konsols sind von 73,60 auf 58 gesunken, also um mehr als 15^ Prozent. Die 3°/gige deutsche Reichsanleihe ist von 77,7 auf 70, also um 7,7 Prozent zurückgegangen. Der Kursrückgang der englischen Konsols infolge des Krieges ist doppelt so groß und der Kursrückgang der französischen Rente ist dreimal so groß als der Rückgang unserer Reichsanleihe. (Äört! hört!) Meine Äerren, die Gründe, aus denen sich unsere Finanzen um so viel leistungsfähiger und widerstandsfähiger erwiesen haben als die unserer Gegner, brauche ich Ihnen hier nicht auseinanderzusetzen. Die Gründe liegen teils in unserem staatsbürgerlichen Pflichtgefühl, teils in der Tatsache, daß wir in diesem schweren Kriege stark und fest auf unseren eigenen Füßen stehen, daß unsere eigene Arbeit in Landwirtschaft und Industrie aus heimischem Boden uns alles schafft, was wir zum Leben und zur Kriegführung brauchen. (Bravo!) Wir zahlen so gut wie ausschließlich an uns selbst, während die Gegner gezwungen sind, Milliarden um Milliarden an das Ausland zu entrichten. In diesem Unterschiede liegt eine Gewähr, daß wir weiterhin den Vorsprung behaupten werden, den wir auf dem Felde der Kriegsfinanzen unseren Feinden abgerungen haben. Aber, meine Herren, das ist nicht alles. Geld ist ein anderes Ding für England als für Deutschland. (Sehr richtig!) Für England sind Macht und Geld unzertrennbare Begriffe. Das britische Weltreich ist zum guten Teil auf der britischen Geldmacht aufgebaut und wird von dieser zusammengehalten. (Sehr richtig!) Seine Allianzen hat England zumeist mit Geld gemacht, seine Kriege zumeist mit Geld geführt. Wenn Sie einen klassischen Zeugen wollen: der Mann, der an die Spitze des Foreign Office berufen wurde, als Grey augenleidend wurde, Lord Crewe, hat am 10. November dieses Jahres im britischen Oberhause gesagt — ich führe das in wörtlicher Übersetzung an —: 45 Seit 200 Jahren und länger, so oft wir in auswärtige Kriege verwickelt waren, war es unsere Gewohnheit, die Verbündeten, mit denen wir gerade zusammengingen, in weitestem Maße mit Geldvorschüssen zu unterstützen. Es ist interessant, daran zu erinnern, daß kein Land in der Vergangenheit von dieser Fürsorge — „Provision" ist der englische Ausdruck — mehr profitiert hat als Preußen selbst. (Heiterkeit.) Meine Herren, das ist englische Welt-- und Geschichtsausfassung. In den Augen der Engländer ist Friedrich der Große etwas ganz anderes als für uns. In den Augen der Engländer ist Friedrich der Große nicht der Mann, der das neue Preußen begründet und damit den Kern für das neue Deutsche Reich geschaffen hat, sondern lediglich der Mann, der die Franzosen festgehalten hat, bis ihnen die Engländer Indien und Kanada abgenommen hatten. (Heiterkeit.) Anser Daseinskampf gegen den ersten Napoleon war für England nur die Gelegenheit, seine Herrschaft über das Weltmeer zu befestigen und seinen überseeischen Besitz auf Kosten Frankreichs und Hollands zu erweitern und zu stärken. (Sehr richtig!) Auch in dem jetzigen Kriege hoffte England nach dieser bewährten Methode arbeiten zu können. Von Anfang an hat es sich seine Hauptrolle gedacht als Geldgeber oder, wie ein anderer Engländer gesagt hat, als ,,rnanutactnrinA Partner", als industrieller Teilhaber, eine Rolle, die es nun allerdings zum Teil an die Vereinigten Staaten hat abgeben müssen. (Sehr richtig!) Am den Ring, der uns einkreisen und erdrosseln sollte, zusammenzuschmieden und zusammenzuhalten, hat England seinen Verbündeten und solchen, die es nach seiner Absicht werden sollten, viel größere Mittel zur Verfügung stellen müssen, als jemals die englischen Staatsmänner erwartet hatten. Aber der ursprüngliche englische Kriegsplan hat sich nicht durchführen lassen. Ansere braven Truppen haben England gezwungen, in das wankende Spiel nicht nur Britengeld, sondern auch Britenblut einzusetzen. (Sehr gut!) Der Zwang, eine starke Armee auszustellen, hat wiederum die Wirkung gehabt, die eigenen Kriegskosten Englands nahezu ins An- 4!^ gemessene zu erhöhen und die englischen Finanzen und die englische Wirtschaft in eine Lage zu bringen, die von den britischen Staatsmännern selbst als äußerst ernst bezeichnet wird. Das leichte Wort von der letzten Milliarde, mit der England den Krieg entscheiden werde, ist zu Anfang des Krieges gefallen. Jetzt spricht Mr. As- quith vor englischen Arbeitern von dem letzten Penny, bis zu dem sie kämpfen müßten; (Beifall und Heiterkeit) und Bonar Law hat neulich im Oberhause sogar vom Staatsbankrott gesprochen, den man im äußersten Fall riskieren müsse, um den Krieg zu gewinnen. (Äört! hört!) Meine Äerren, wir wollen uns in aller Ruhe und in aller Nüchternheit Rechenschaft davon geben, daß mit der englischen Finanz- und Wirtschastsmacht die Grundlage des englischen Weltreichs ins Wanken gerät. (Sehr richtig!) Ich möchte das britische Weltreich mit einem großen Sonnensystem vergleichen, in dem der Zentralstern durch die Wucht seiner Masse die Planeten in seine Kreise bannt. So war Englands gewaltige wirtschaftliche und finanzielle Überlegenheit bisher ein wesentliches Stück der Schwerkraft, die das große britische Weltreich zusammenhält. Verliert die Sonne einen wesentlichen Teil ihrer Substanz, dann zerstiebt das ganze Planetensystem im Weltenraum. (Sehr gut!) Deutschland, meine Herren, steht zum Gelde anders. Wir können es vertragen, ärmer zu werden, und wir bleiben doch, was wir sind. (Sehr richtig!) Ein verarmtes England aber heißt: kinis Lritauniae! (Sehr richtig!) Wir Deutsche haben den Dreißigjährigen Krieg, wir haben die Napoleonischen Kriege überstanden, wir sind ausgesogen und ausgeplündert worden, aber wir haben uns immer wieder in unverwüstlicher Lebenskraft und in zähem Schaffen emporgearbeitet. Man hat uns zerschlagen und zerstückelt, aber wir sind wieder zusammengewachsen. Wenn aber das britische Weltreich erst in die Brüche gegangen ist, dann wird es auch in Jahrtausenden nicht wieder auferstehen. (Sehr richtig!) 47 And dieses England, das mit solchem Risiko, mit solcher Gefahr behaftet ist, spricht das frevelhafte Wort vom Erschöpfungskrieg! Dieses England will von den Waffen, mit denen es uns nicht zu überwältigen vermag, mit denen es bis in die jüngste Zeit sich schwere Mißerfolge holte, an den Äunger und Bankrott appellieren! Der Appell wird versagen! (Bravo!) Wir wissen, daß wir das Nötige zum Leben und zum Kämpfen haben und haben werden; wir wissen, daß trotz aller Absperrung das Brot, die Kartoffeln und andere wichtige Dinge bei uns billiger sind als in England und in Frankreich, denen das Meer offensteht. (Sehr richtig!) And der Feind soll wissen, daß wir auf jeden Äberfluß verzichten, daß wir, wenn es sein muß, lieber jede Not ertragen als des Feindes Gebot. (Lebhafter wiederholter Beifall.) Er soll aber auch wissen, daß uns außerdem nach wie vor unser scharfes Schwert zur Verfügung steht, ungebrochener Kampfesmut und ungebrochene Siegeszuversicht. (Lebhafter Beifall.) Die deutsche Eisenfaust, die jetzt mit wuchtigem Schlage das Eiserne Tor gesprengt und über den serbischen Vasallen und Torwächter hinweg eine breite Bahn nach dem Osten geöffnet hat, — diese eiserne Faust holt zu neuen Schlägen aus, wenn unsere Feinde es durchaus so haben wollen. (Erneuter lebhafter Beifall.) Die Verantwortung allerdings für das Blut, das dann weiterhin fließt, für alle die Not, die weiter über die Welt kommt, für die schweren Gefahren, die unserer ganzen europäischen Kultur drohen, diese Verantwortung fällt nicht auf Deutschland; (lebhafte Zustimmung) sie fällt auf jene, die sich nicht entschließen können, aus unseren Erfolgen, die uns die ganze Welt nicht mehr streitig machen kann, die Folgerung zu ziehen: uns das Recht auf die Sicherung unserer Zukunft zuzugestehen. (Zustimmung und Beifall.) Sie fällt auf jene, die in törichtem und verbrecherischem Wahn heute noch von unserer Zerschmetterung und Zerstückelung reden und von dem Erschöpfungskrieg, der sie ans Ziel bringen soll. 48 Erschöpfungskrieg, meine Äerren? — Wir stehen fest wie gewachsener Fels in der heimischen Erde; an den goldenen Pfeilern des britischen Weltreiches aber leuchtet in Flammenschrift, wie an Belsazars Palast, das „inerie tekel npliarsiri!" (Stürmisches Bravo und Händeklatschen im Kaufe und auf den Tribünen.) i > > r' Selfferich, Kriegsfinanzen. Zweiter Teil 4 49 45./42. Staatssekretär des Reichsschahamts Dr. K. Helfferich, Kriegsfinanzen 43. Prof. Carl von Noorden, Hygienische Betrachtungen über Volksernahrung im Kriege 44. Otto Hoehsch, Oesterreich-Ungarn und der Krieg 45. Prof. vr.W. Gerloff, Der wirtschaftliche Imperialismus und die Frage der Zolleinigung zwischen Deutschland und Oesterreich-Ungarn 46. Geheimrat Prof. Dr. Otto von Gierke, Der deutsche Volksgeist im Kriege 47. Prof. Dr. Kurt von Rümker, Mit Schwert und Pflug! 48. Erich Meyer, Deutschland und Aegypten 49. Wilhelm von Massow, Wie steht es mit Polen? so. Geheimrat Dr.-Ing. Hermann Muthesius, Die Zukunft der deutschen Form 55. Dr. Hans Rost, Deutschlands Sieg - Irlands Hoffnung 52. N. Goldmann, Der Geist des Militarismus 53. Levin Q Schücking, Der englische Volkscharakter 54. Geh. Medizinalrat Prof. Dr. Neisser, Der Krieg u. die Geschlechtskrankheiten 55. Theodor von SosnoSky, Irredenta-Politik 56. Prof. vr. Robert Q'efmann, Bringt uns der Krieg dem Sozialismus näher? 57. Richard Kiliani, Der deutsch-englische Wirtschastsgegensah 5S. Theodor Heuß, Kriegssozialismus 59. Moeller van den Brück, Belgier und Balten 60. Prinz Olgierd Czartoryski, Müssen Deutsche u.polen sich immer befehden? 6H.Lakob Schaffner, Die Schweiz im Weltkrieg 62. vr. Franz Bachmann, Der Krieg und die deutsche Musik 63. vr. Hermann von Staden, Indien im Weltkriege 64. Alfred Hettner, Die Ziele unserer Weltpolitik 65. Diplom-Ingenieur Roland Eifenlohr, Flugwesen und Flugzeugindustrie der kriegführenden Staaten 66. vr. M. Llebelhör, Frankreichs finanzielle Oligarchie 67. vr. George von Graevenitz, Die militärische Vorbereitung der Iugend in Gegenwart und Zukunft 63.vr.P.Gast, Deutschland und Südamerika 69. Staatssekretär des Reichsschahamts vr.Karl Helfferich, Kriegsfinanzen. Zweiter Teil Weiter haben folgende Mitarbeiter je eine Flugschrist übernommen: Albert Ballin, Generaldirektor der Hamburg-Amerika-Qnie Fürst Bernhard von Bülow Generalfeldmarschall Freiherr von der Goltz vr. Hanns Heiman, Berlin Geheimrat Prof. vr. Wilhelm Ostwald: Kultur und Organisation Prof. vr. Redlich, Wien: Oesterreich-Ungarns Bestimmung vr.Riezler, Stettin: Die deutsche Kunst nach dem Krieg Geheimrat Prof. vr. Roethe, Bertin: Vaterländische Dichter Prof. vr. Samassa, Wien: Die südslawische Frage Bankdirektor vr. Schacht, Berlin Geheimrat Prof. vr. Schiemann, Berlin Geheimrat Prof. vr. Sering, Berlin prof.Or. LleberSberger, Wien: Rußland und der panflawismus vr. Krih Wichert, Mannheim: Die formenden Kräfte des neuen Deutschlands Bücher zur Politik und Zeitgeschichte Nach dem Urteil Paul Rohrvachs "Größeren Deutschland" gehört unter unseren politischen Gegenwartsschriften in die allererste Reihe: Grundzüge der Weltpolitik in der Gegenwart Von Z. I. Ruedorffer 4. Tausend. Gehestet M 5.—, gebunden M 6.50 ^Zch stieß auf herzerfrischende Gedanken, die nur einem geistvollen Beobachter aus der Erfahrung der praktischen Politik herausgewachsen sein konnten. And endlich stieg ruhig und leuchtkräftig die idealistische Weltanschauung empor, die den geräumigen Bau der weltpolitischen Betrachtungen fest und sicher trägt." l«suitsch« Zeltung.) In Hunderttausenden von Exemplare« in der Nation verbreitet zu werden verdient nach dem Arteil von George Cleinow in den „Erenzboten" Die deutsche innere Politik unter Kaiser Wilhelm «. Von Wilhelm von Massow Gehestet M 5.50, gebunden M 7 — „Das Buch gibt uns eine treffliche Orientierung über die letzten 25 Jahre unserer inneren Geschichte. Der Verfasser hat immer die großen Grund- und Richtlinien, in denen die Entwicklung verlief, aufgefunden und hervorgehoben, aus dem Wirrwarr der hin und her wogenden Kämpfe der Parteien untereinander und mit der Regierung den innersten Kern der Gegensätze und Streitobjekte herauszulösen verstanden." (Die Post, BerNn.) Beide Bände gehören dem Sammelunternehmen Das Weltbild der Gegenwart Serausgegeven von Karl Lamprecht und Hans F. Helmolt an, das in 2V Bänden zum Subskriptionspreis von M 6.— pro Band erscheint. Die Bände sind auch einzeln zu verschiedenen, dem Amfang der Bände entsprechenden Preisen zu beziehen. Ausführlicher Prospekt hierüber kostenlos durch jede Buchhandlung oder auch durch die Dentsche Verlags-Anstalt in Stuttgart