1, a > 0 et p un entier positif choisi suffisamment grand. En substituant pour la fonction L k (z) son développement
L k (z)=2¡S w (n)e
n—i
k
-n z
il faut montrer avant tout que
lim B„ — lim ——
1 '¿ni
q— oo q—cc
1
Je
n y 1
a— i X.
e \
' V+1+ lê «=S+1
dz — 0,
en mettant, pour abréger
1+4" ±rr*(2v + l)
y = (2 ti) k e 2k
y = 0... T -l.
Considérons, d'une manière générale, la somme £ S (n)Ç n , où 0 < £ < 1.
n=q+ 1
Pour n > 1 on a
il i
(n-1) k
et, en posant T n = S Uc) (v) ,
i_ J. il.
2 (n)i nle = - T J 1 " + I 1
n=ï+l n=î+l
Or, on trouve sans peine
T n — n k log n-\- 0 [n k ) < n' ,
(n>g)
pourvu que ß soit > , et par là
ÍS«(n)^<(l-f) jjn'f"*
n=q + 1
n=q
D'autre part 5 )
6 ) On a en effet pour t > 0, 1 >¿> 0: ( 1 -f t)'* < 1 + A t, (1 +t) 1 ~ > ~ < 1 + ( 1 — A) t , \l-il , i, /1 , ■ * t
1 + f>(l+í) 1 ~' l + -U > (1 + í) >1
(1 + 0
i-;. •
28*
428 S. Wigert.
r ■>'
Icq
1 1
111 T T
/ i N~* ¥ * " 1 - "
(g + y) —q >q
donc
1 1 t» — ~
¿V r T = / í 4 " J 7 (i +-/ ¿ (?+r) * -» *
n=7+l r =l ^
1
~k
V
\ - o Hi *£' ¿, 7 (l + — )f* ,?+1>
v=l ®
Nous avons de plus pour X > 0
j >J e~ lvk < f e~ Aí k dt = ~ , Max [í e — *) = (^) , y=l J ^
O
è ve ~ iv k c ( uf- + J ue ~ u k dt = {us *+ S& •
V = 1 V
O
Iog C
En posant / = on obtient ainsi")
1
? 2*-3
1-1
y ,, , ßA t k(q+i) * r pa rce que 2k — 3^> Je — 1 pour k^.2, et enfin — f <
V ^(n)f» l < ^ gT C_y •
«=ï + 2 ( l0g j)
Ceci posé, nous pouvons écrire 7 )
") Je suppose ici log i < 1. Il n'y a pas là d'inconvénient, comme nous verrons tout de suite.
i+i l
_(2^)_ft (co8e) l + T
le 1 (2jt) k+1
') On voit que f = e ka ' > , pour peu qu'on prenne g> .
e lc k
Sur une nouvelle fonction entière.
429
Rq+l i <
: (cose) î ' +1+ "k
v+i + T a «
i+— 1 l
(äll) — (cos ö ) 1+ "* » T
.^, T 2. En effet,
™S w (n) 1
la série V converge absolument pour R (s ) > -r- et nous avons
n= 1
•>k
nx =
0
1
Tep+1| ,h(lc + iy
il suffit donc que p soit > 1. En vertu de l'équation (2.) la différentiation ne produit dans la formule (B) autre changement que de remplacer p par p — 1. L'égalité (B) reste donc valable pour p^L 2.
Le cas où p = 1 semble difficile. On peut montrer qu'en remplaçant S u '\n) par sa valeur moyenne on obtient une série absolu-
n'-T
ment convergente, mais on ne parvient pas à une démonstration de con-
n i 1
vergence en employant la formule S ik) (v) — n k \ogn 0 (n k ) et la
V— 1
sommation partielle.
(Eingegangen am 9. 10. 1925.)
Über die Entwicklung einer analytischen Funktion nach Polynomen.
Von
J. L. Walsh 1 ) in München.
Viele Resultate über die Entwicklung einer analytischen Funktion nach Polynomen sind wohlbekannt 2 ), darunter das Theorem von Runge:
Es sei die Funktion f (z) eine analytische Funktion von z in einem einfach zusammenhängenden Bereiche R der z- Ebene. Dann läßt sich f(z) in eine Reihe nach Polynomen von z entwickeln, welche in jedem ganz innerhalb R gelegenen abgeschlossenen Bereiche gleichmäßig konvergiert.
Der Zweck dieses Artikels ist, ein Resultat anzugeben, das in bezug auf bestimmte Funktionen noch allgemeiner ist, als das Theorem von Runge, und das außerdem erlaubt, das Theorem von Runge sehr leicht zu beweisen:
Satz. Es sei f(z) eine analytische Funktion von z im Inneren einer Jordanschen Kurve G, und es sei f(z) stetig im abgeschlossenen Bereiche, welcher aus der Kurve G und ihrem Inneren besteht. Dann läßt sich f(z) im ganzen abgeschlossenen Bereiche in eine Reihe nach Polynomen von z entwickeln; diese Reihe konvergiert gleichmäßig in demselben abgeschlossenen Bereiche.
Dieser Satz kann, wenn die Kurve analytisch ist, leicht durch den Gebrauch konformer Abbildung bewiesen werden 3 ). Auch im allgemeineren Falle werden die gewünschten Resultate durch einen Courantschen Satz 4 )
1 ) Fellow, International Education Board.
•) Siehe z. B. Montel, „Leçons sur les Séries à une Variable Complexe" (Paris 1910), wo die Literatur zitiert ist.
3 ) Walsh, „On the Expansion of Analytic Functions in terms of Polynomials", Trans. Amer. Math. Soc. 26 (1924), S. 155 — 170, Theorem III.
4 ) „Über eine Eigenschaft der Abbildungsfunktionen bei konformer Abbildung", Göttinger Nachrichten, Math.-phys. Klasse, 1914, S. 101 — 109; 1922, S. 69 — 70.
J. L. Walsh. Entwicklung nach Polynomen.
431
über konforme Abbildung erreicht. Prof. Carathéodory hat mich angeregt, die Möglichkeit einer Anwendung dieses Courantschen Satzes auf das vorliegende Problem nachzuprüfen.
Der Einfachheit halber nehmen wir an, daß der Punkt z = 0 im Inneren von C liegt; diese Annahme schränkt die Allgemeinheit nicht ein. Wir betrachten eine Folge {C n } von ineinander eingeschachtelten Jordan- schen Kurven in der z- Ebene, die im Äußern von G liegen, und so, daß die Bedingungen des Satzes von Courant erfüllt sind 5 ). Wir bilden das Innere von C, C n , resp. auf das Innere des Einheitskreises r in der w-Ebene ab, so daß die Punkte z = 0 und u = 0, und in diesen Punkten auch die positiven Richtungen der Achsen des Reellen einander entsprechen. Wir bezeichnen mit u = n {u) resp. die Umkehrfunktionen. Durch die Abbildung u = cp n (z ) wird die Kurve C in die im Inneren von r liegende Jordansche Kurve y n transformiert.
Die Funktionen f[y>(u)\ und f{y [(/>„(z)]} sind im Inneren von /' und C resp. analytisch und in den entsprechenden abgeschlossenen Bereichen stetig. Um unseren Satz zu beweisen, genügt es zu zeigen, daß es zu jedem e > 0 ein n gibt, so daß für irgendeinen Punkt z auf oder im Inneren von G die Ungleichung
(1) \f{y J [ ( Pn ( Z )]}-f ( Z )\[9»(*)]} ~P( Z )\<^'
Hieraus erfolgt unmittelbar die Schlußfolgerung unseres Satzes:
\f(s) — p(z) |<«
für alle betreffenden Punkte, da gleichmäßige Entwicklung und Annäherung mit beliebiger Genauigkeit vollständig äquivalent sind.
Wir beweisen die Ungleichung (1) durch die Transformation z = W n (u) auf die u- Ebene, d. h. wir wollen zeigen, daß für jedes u auf oder im Inneren von y n die Ungleichung
(2) ir[v(«)l—/"[>„(«)] I r 0 analytisch 9 ), und deshalb läßt sich dieselbe auf die beschriebene Weise entwickeln. Trotzdem ist der Bereich G nicht durch eine Jordansche Kurve begrenzt.
Ein Bereich, der die besagte Eigenschaft hat, braucht nicht einfach zusammenhängend zu sein; das Beispiel
C': l>r>0 ist dem soeben angegebenen Beispiel ähnlich.
3. Wir nennen einen Randpunkt Q eines Bereiches hebbar, wenn eine Umgebung von Q existiert, in der kein Punkt liegt, der sich nicht im abgeschlossenen Bereiche befindet. Wenn wir hebbare Randpunkte ausschließen, so gilt der folgende Satz, dessen Beweis wir skizzieren:
Es sei ein zusammenhängender Bereich C in der z-Ebene gegeben. Eine notwendige und hinreichende Bedingung dafür, daß jede im Bereiche G mit Einschluß des Randes reguläre analytische Funktion in eine im abgeschlossenen Bereiche G gleichmäßig konvergente Reihe von Polynomen entwickelbar sei, ist, daß G entiveder mit der ganzen Ebene mit Einschluß des Punktes z = oo zusammenfalle oder mit einem endlichen einfach zu-
9 ) Siehe z. B. Osgood, a. a. 0. S. 315.
434
J. L. Walsh.
sammenhängenden Bereich, dessen Rand die Ebene in genau zwei zusammenhängende Bereiche zerteile l0 ).
Wenn der Bereich die ganze Ebene ist, so muß die betreffende Funktion eine Konstante sein, die natürlich entwickelbar ist. Sonst muß der Bereich C beschränkt sein, weil jedes nicht konstante Polynom im Punkte oo den Wert oo hat und eine Reihe von solchen Polynomen in der Umgebung des Punktes oo nicht gleichmäßig gegen eine stetige Funktion konvergieren kann. Von nun an betrachten wir nur endliche Bereiche. Wir nennen C den C entsprechenden abgeschlossenen Bereich.
Die besagte Bedingung ist notwendig. Sonst existiert ein in G nicht enthaltener Punkt P: z — z y , der sich nicht mit dem Punkt oo durch einen Streckenzug, welcher keinen Punkt von C enthält, verbinden läßt. Sämtliche Punkte, die sich mit P durch einen Streckenzug verbinden lassen, der keinen Punkt von C enthält, bilden einen einfach zusammenhängenden Bereich B, dessen Rand aus lauter Punkten von C besteht. Die Funktion
f(z) = - 1 —
v ' z — z t
ist in jedem Punkt von C regulär; wäre sie in C entwickelbar, so wäre die Summe S (z) der Reihe im Inneren von B regulär analytisch, was nach Voraussetzung ausgeschlossen ist.
Wir benutzen hier nämlich den folgenden Satz: Stimmen die Werte von zwei in einem einfach zusammenhängenden Bereiche B definierten monogenen analytischen Funktionen f¡ (2) und f „(z) auf dem Rande von B überein, und sind die Funktionen in der in B liegenden Umgebung des Randes von B regulär, dann sind die Funktionen identisch. Wenn nämlich die Funktion z — tf(u ) den Einheitskreis der w-Ebene auf den Bereich B abbildet, so ist die Funktion
\u\ = l,
\u\ < 1,
I u\ > 1,
für [ u I = 1 regulär und Null, und daher identisch Null.
10 ) Diese Bedingung lautet auch so, daß C entweder mit der ganzen Ebene zusammenfalle oder ein endlicher Bereich sei, dessen Komplementärmenge (d. h. Komplementärmenge des abgeschlossenen Bereiches, in bezug auf die ganze Ebene) zusammenhänge.
Diese Bereiche finden sich in einer Klasse von Bereichen, deren schöne Eigenschaften Prof. Carathéodory studiert hat, Math. Annalen 72 (1912), S. 107 — 144, Kap. III.
F(u) =
0,
fi[v( u )\ — /à [>(«)]>
ikSl-ftki)].
Entwicklung nach Polynomen.
435
Die Bedingung ist hinreichend. Denn nach der Regularitäfc von f(z) im abgeschlossenen Bereiche gibt es eine von z 0 unabhängige positive Größe e, so daß f(z) im Kreise \z — z 0 | z 2 auf G,
so wäre die Funktion I (z) = z nicht entwickelbar, denn die Reihen für z = z 1 und z — z„ wären dieselben, mit F(z 1 ) 4= F(z„).
Liegt zweitens der Punkt u = 0 auf K, so ist llf(z) in einem Punkt unendlich und es können nur endlich viele Glieder der Entwicklung von F(z) negative Potenzen von /'(z) enthalten; also ist jede Funktion F(z) nur nach Polynomen von f{z) gleichmäßig entwickelbar. D. h. jede auf K stetige Funktion F[ f[z(i.,)] ergibt. Wenn die Kurve C' ein Intervall der reellen Axe ist, so ist diese Bedingung, daß f(z) streng monoton sei 12 ).
Es gibt also keine stetige reelle oder komplexe Funktion f(z) von Periode p, derartig, daß eine beliebige stetige Funktion F(z) der reellen Veränderlichen z von Periode p nach Polynomen von f(z) gleichmäßig approximierbar ist. Nach Bemerkung 2° gibt es auch keine reelle stetige Funktion f(z) von Periode p, so daß eine beliebige stetige Funktion F(z) der reellen Veränderlichen z von Periode p nach Polynomen von f(z) und 1 jf(z) gleichmäßig entwickelbar ist. Eine notwendige und hinreichende Bedingung für eine solche komplexe Funktion f(z ) ist natürlich in Bemerkung 2° enthalten.
7°. Wenn man eine stetige Funktion einer reellen Veränderlichen x durch Polynome von f(x) gleichmäßig approximieren will, so ist es keines-
nur endlich viele Häufungspunkte besitzt, stetig, dann ist F (z) auf M nach Polynomen in z gleichmaßig entuiickelbar. Man konstruiert in der Tat ein Jordansches Kurvenstück C , welches die Menge M enthält, und man erweitert die Definition der Funktion F(z), so daß sie überall auf C definiert und stetig ist. Die Funktion F (z) ist auf G nach Polynomen gleichmäßig entwickelbar, also auch auf M. Diese Aussage wurde von Herrn Szegö und mir zusammen formuliert.
la ) Eine solche Transformation u- f (z) wird oft von Lebesgue, S.Bernstein, Jackson, de la Vallée-Poussin und anderen in der Theorie der Approximation durch Polynome einer reellen Veränderlichen gebraucht, um Resultate über rationale Polynome bei der Annäherung durch trigonometrische Polynome anzuwenden, und umgekehrt. Vgl. de la Vallée-Poussin, Approximation des fonctions d'une variable réelle (Paris 1919).
Entwicklung nach Polynomen. 445
wegs notwendig, daß f(x) selbst stetig sei 13 ). Wir beweisen in der Tat das folgende für reelle Funktionen:
Es sei die reelle Funktion f(x) definiert auf der beschränkten Punktmenge C der reellen Achse. Eine notwendige und hinreichende Bedingung dafür, daß eine willkürliche auf G im engeren Sinne stetige Funktion F (x) nach Polynomen von fix) gleichmäßig entwickelbar sei, besteht darin, daß f{x) eine beschränkte Funktion sei, deren Umkehrfunktion eindeutig und im engeren Sinne stetig ist.
Die Funktion g(z) heißt im engeren Sinne stetig, wenn limz n = z 0
n-> co
nur dann in sich schließt, daß lim¡7(2,,) existiert, wenn g(z n ) definiert
n-> co
ist, und daß diese Grenze gleich g (2,,) ist, wenn auch g(z 0 ) definiert ist.
Diese Bedingungen sind notwendig. Die Funktion f(x) muß beschränkt sein, sonst ist keine beschränkte Funktion F(z) gleichmäßig entwickelbar, außer einer Konstanten. Die Umkehrfunktion x = cp{u ) von u = f(x) muß eine eindeutige Funktion von u sein. Sonst hätten wir
t( X l)=f( X *)> X 1 + X -2 •
In diesem Falle wäre die Funktion F(x) = x nicht gleichmäßig entwickelbar, weil die Reihen für x — x 1 und x = x í¡ dieselben wären, mit F( Xl ) + F(x 2 ).
Die Funktion cp (u) muß im engeren Sinne stetig sein, sonst hätten wir lim u n = u 0 , lim cp{u n ) = cp 0 ,
n-> 00 7&->co
lim u¿ = u 0 , lim 93«) = cpó H= co n-> co
wo die Werte uñ alle gleich u 0 sein dürfen. Wir hätten auch anderseits für F(x) = x die Reihen
(6) F(x)= 2Jc in [f(x)] n , c in konstant,
i= 0 71=0
0,\z\ o, |z| < l,
/aOO» 2/ < °» l z l <
co (z), 0 < a; < 1,
/*!(z), — 1 <1 X < 0, X rational, y = 0, fa (z), — 1 < ® < 0, a; irrational, .
/s (z) j I Z I = 1, z 2 + 1,
1492, z — 0,
1776, z = l,
die im ganzen abgeschlossenen Bereich G : | z | <[ 1 definiert ist. Wir behaupten: 1st F{z) im Inneren von G analytisch, im entsprechenden abgeschlossenen Bereich stetig, so läßt sich F(z) nach Polynomen von f(z) im abgeschlossenen Bereich gleichmäßig entwickeln.
Es sei z = cp(u ) die Umkehrfunktion von u = f(z). Die Funktion F[(p{u)] ist, wenn die Definition passend erweitert wird, im Inneren von G t , 0 2 , C 3 analytisch, im entsprechenden abgeschlossenen Bereich stetig. Nach Bemerkung 6° läßt sich F[cp («)] auf C 4 durch Polynome von u gleichmäßig approximieren. Wir setzen noch
F[cp(u)]
\F{ 0), I u — 1492 |^1,
\F( 1), I u — 1776 I ¿ 1.
Die in solcher Weise erweiterte Funktion F[cp(u)] ist also nach Polynomen von u gleichmäßig entwickelbar 14 ), und es bleibt nur u durch f(z) zu ersetzen, um die Behauptung zu erweisen.
Eine solche Funktion f(z), die die Eigenschaft hat, daß jede Funktion F(.z ), die für | z | < 1 analytisch und im abgeschlossenen Bereich G : | z | ^ 1 stetig ist, sich nach Polynomen von f(z) gleichmäßig entwickeln läßt, braucht aber in keinem Punkt stetig zu sein. Die Funktion
{z, X und y rational,
f s (z), in jedem anderen Punkte,
wo f 3 (z) die obige Bedeutung hat, besitzt die besagte Eigenschaft.
9°. Wir fügen noch einen Satz über den Grad der Approximation hinzu :
Es sei die Funktion F(z) auf einer Jordanschen Kurve G definiert. Eine notwendige und hinreichende Bedingung dafür, daß Polynome n-ten
14 ) Walsh, Math. Annalen, loc. cit.
448
J. L. Walsh.
Grades F„(z) existieren, n— 0,1,2,..., derartig, daß die Ungleichheit
(7) \F{z)-V n (z)\
B, R > 1, konstant und von n, z unabhängig,
für sämtliche z auj G befriedigt sei, besteht darin, daß eine auf und im Inneren von C regulär-analytische Funktion F{z) existiere, die auf G mit der gegebenen Funktion F(z) übereinstimmt.
Wenn die Ungleichheit (7) für sämtliche z auf G befriedigt ist, so existiert natürlich eine im Inneren von C reguläre, im entsprechenden abgeschlossenen Bereiche stetige Funktion f(z), die auf G mit der gegebenen Funktion F(z) übereinstimmt, so daß (7) für alle z im abgeschlossenen Bereiche befriedigt ist; die Funktion F(z) ist bloß die Grenzfunktion der Folge F„(z).
Das Wesentliche dieses Satzes findet sich schon bei Szegö 15 ), obgleich nicht ausdrücklich betont, aber nur für den Fall, daß die Kurve G analytisch ist.
Wir geben den Beweis dieses Satzes, wenn die Kurve C der Einheitskreis ist. Einerseits ist, wenn die Funktion F(z) auf und im Inneren von G regulär-analytisch ist, F(z) regulär-analytisch in einem mit G konzentrischen, aber größeren Kreis, und die Abschnitte F n (z) der Taylor- schen Entwicklung um den Nullpunkt von -F(z) befriedigen die Bedingung ( 7 ). Anderseits bekommt man für die Taylorschen Koeffizienten c von F(z), wenn F{z) auf C gegeben ist, so daß (7) befriedigt ist,
C » = ¿/^ Z ) Z ~"~ ldZ== 2¿í / t F ( Z )~ V n-l (Z)]z~ n -*dz, c
(8) kl^
c B R 1l ~
Aus (8) folgt unmittelbar, daß die Taylorsche Entwicklung der vorher beschriebenen Funktion f(z ) in einem Kreis vom Radius q (1 < g < R) gleichmäßig konvergiert. Die Funktion F(z) ist daher auf C reguläranalytisch.
16 ) Math. Zeitschr. 9 (1921), S. 218—270, insbesondere S. 263—267; der Beweis dafür, daß die besagte Bedingung hinreichend ist, stammt im wesentlichen von Fejér her.
Dieses Resultat wurde, wenn C eine Ellipse ist, von S. Bernstein schon früher bewiesen: Mémoires Acad. Roy. de Belgique, Cl. des Sc. (2) 4 (1912), Sätze 24, 61.
Für den Kreis vgl. auch de la Vallée-Poussin, loe. cit. Ch. VIII, IX.
(Bemerkung bei der Korrektur.) Siehe auch eine Arbeit von Walsh, Münchner Berichte, 1926.
Entwicklung nach Polynomen.
449
Dieser soeben gegebene Beweis stammt im wesentlichen von Szegö; er g ilt fast unverändert für irgendeine analytische Jordansche Kurve C, wenn man nicht mehr die Taylorsche Entwicklung, sondern die Entwicklung nach den zur Kurve C gehörenden Polynomen P n (z) (von Szegö) gebraucht.
Der Satz erstreckt sich aber bis zur allgemeinsten Jordanschen Kurve C. Die besagte Bedingung ist hinreichend. Die Funktion F{z) ist auf und im Inneren von G regulär-analytisch, darum in einem größeren abgeschlossenen Bereiche regulär-analytisch, der aus einer außerhalb G liegenden analytischen Jordanschen Kurve G 1 und ihrem Inneren besteht. Eine Folge von Polynomen existiert mit der Eigenschaft (7) für jedes z auf und im Inneren von C lt infolgedessen für jedes z auf und im Inneren von G.
Die Bedingung ist notwendig. Es gibt nach einem Satz von Carathéodory 16 ) außerhalb bzw. innerhalb G liegende analytische Jordansche Kurven G 1 und C 2 , so daß das Äußere von G t bzw. C 3 auf das Äußere des Kreises | u | = q bzw. \u\ = l (1 < q < R) abgebildet wird durch eine und dieselbe Transformation u = cp(z), wobei b angegeben werden kann, so heißt a m Grenzelement der steigenden Fundamentalreihe a 1 , a. 2 , ... . Wenn aber zu jedem beliebigen Elemente b von F ein a v > b angegeben werden kann, so heißt a 1 ,a a> ... eine abschließende Fundamentalreihe von F.
Eine durch eine endliche Anzahl oder durch eine abschließende Fundamentalreihe von verschiedenen Elementen von F zustande gebrachte ordnungsgemäße Teilung von F in eine endliche Anzahl bzw. in eine Fundamentalreihe von Ausschnitten 1 F, „F,..., m F bzw. t F, „F, 3 F, ... heißt eine reguläre Zerlegung von F, und wir schreiben F ^ ± F~{- 2 F + ...
Intuitionietische Mathematik. III.
455
+ m F oder 1 i 1 + ^F + ... + m F ~ F bzw. F ^ + „F + 3 F + ... oder l F+,F + s F+...~F. 1 )
Sei FÍ, F-Í , ... eine Fundamentalreihe, in welcher jedes F r entweder in Fortfall kommt oder eine wohlgeordnete Spezies vorstellt, wobei indes entweder eine steigende Fundamentalreihe v 1 ,v i ,v a> ... definiert ist, so daß jedes Fl eine wohlgeordnete Spezies vorstellt, oder ein m bekannt
ist, so daß Fy für v > m in Fortfall kommt. Wenn dann F v = Fl + F¿ + ... + jFr auf Grund der ersten erzeugenden Operation, und F = F' F-2 + Fi + ... auf Grund der ersten oder auf Grund der zweiten erzeugenden Operation, so wird die wohlgeordnete Spezies F auch als lim F r bezeichnet.
V
Mittels der induktiven Methode beweisen wir leicht folgende Sätze:
1. Ein Gesetz, welches in einer wohlgeordneten Spezies F eine konstruktive Unterspezies F' bestimmt und jeder schon bestimmten konstruktiven Unterspezies F {y) entweder die Hemmung des Prozesses oder eine in F vor F {v) liegende konstruktive Unterspezies F {v+1) zuordnet, bestimmt sicher eine natürliche Zahl n und eine zugehörige konstruktive Unterspezies F (n) , der es die Hemmung des Prozesses zuordnet. Insbesondere gilt diese Eigenschaft, wenn jedes F (v) ein Element von F ist, und hieraus folgern wir unmittelbar die Unmöglichkeit der Ähnlichkeit und insbesondere der Gleichwertigkeit von F und einer Teilspezies eines eigentlichen Abschnittes von F.
2. Eine wohlgeordnete Spezies F ist entweder endlich oder abzählbar unendlich, und die Spezies ihrer Vollelemente ist zählbar. Mithin ist die Spezies derjenigen Nummernreihen, welche als Indizesreihe eines Voll- elementes von F auftreten können, eine Menge, so daß in dieser Weise zu jeder wohlgeordneten Spezies eine zählbare vollständig geordnete Menge von endlichen Nummernreihen gehört, welche die Eigenschaft besitzt, daß jedes Gesetz, welches in ihr eine Nummernreihe z' bestimmt, und jeder schon bestimmten Nummernreihe z w entweder die Hemmung des Prozesses oder eine vor 2 (v) liegende Nummernreihe z {v+1) zuordnet, sicher eine natürliche Zahl n und eine zugehörige Nummernreihe z in \ der die Hemmung des Prozesses zugeordnet ist, bestimmt.
1 ) Offenbar ist auf Grund dieser Gleichungen F nicht eindeutig durch die V F bestimmt. Weiter ist zu bemerken, daß jedes Element von F in t F+ m F bzw. in t F+ ç.F+ 3 F +... eine um 1 höhere Anzahl Indizes besitzt als in F. In Übereinstimmung hiermit schreiben wir insbesondere F G oder G ~ F, wenn F—>G oder G+—F, d. h. wenn G aus F hervorgeht, indem wir auf F die erste erzeugende Operation mit nur einem einzigen Summanden anwenden, also der Indizesreihe eines jeden Elementes von F den Index 1 als ersten Index hinzufügen.
456
L. E. J. Brouwer.
3. In der wohlgeordneten Spezies F existiert erstens ein erstes Element, zweitens entiveder ein letztes Element oder eine abschließende Fundamentalreihe von Elementen. Weiter existiert entweder keine letzte konstruktive Unterspezies nichtverschivindender Ordnung oder eine nicht verschwindende endliche Anzahl m von solchen, nämlich von den Ordnungen 1,2 m je eine.
4. In der ivohlgeordneten Spezies F besitzt jedes Element e, mit Ausnahme des ersten, entiveder ein ihm unmittelbar vorangehendes Element, oder es ist Grenzelement einer steigenden Fundamentalreihe von Elementen von F. Schreiben wir nämlich F ~ F e + e F, so ist dieser Satz eine unmittelbare Folge des auf F c angewandten Satzes 3.
5. In der wohlgeordneten Spezies F besitzt jedes Element, mit Ausnahme des letzten, falls ein solches existiert, ein nächstfolgendes Element.
Wenn die wohlgeordnete Spezies F' einem wenigstens ein Vollelement auslassenden Abschnitt der wohlgeordneten Spezies F gleichwertig ist, so schreiben wir F' < F" oder F" > F', und sagen, daß F größer ist als F', und daß F' kleiner ist als F". Schreiben wir noch F'^~F oder F'^iF', wenn entweder F' ~ F" gilt oder F' einem Abschnitte von F gleichwertig ist, so gelangen wir, indem wir die Folgerung des obigen Satzes 1 berücksichtigen, sofort zu den folgenden Eigenschaften:
1. Die Relationen F' < F" und F'^_F" schließen einander aus.
2. Aus F' < F" und F" ^ F " sowie aus F'^F" und F" < F' folgt F'F"+G" aus.
6. Die Relationen F'^~F und G'^G schließen zusammen die Relation F' + G' > F" + G ' aus.
Eine wohlgeordnete Spezies, welche ausschließlich Vollelemente enthält, nennen wir vollständig. Die Ordinalzahlen der vollständigen wohlgeordneten Spezies nennen wir Ordnungszahlen.
Die Spezies derjenigen Ordnungszahlen, welche kleiner sind als eine gegebene Ordnungszahl ß, besitzt (wenn sie nach der Größe ihrer Elemente geordnet und 0 mit hinzugerechnet wird) die Ordinalzahl ß. Zwischen den vom ersten verschiedenen Elementen und den eigentlichen Abschnitten einer vollständigen wohlgeordneten Spezies F der Ordnungszahl ß besteht nämlich eine solche eineindeutige Beziehung, daß, wenn das Element e 2 nach dem Elemente e x liegt, der Abschnitt V e .. größer als der Abschnitt V e¡ ist.
Intuitionistische Mathematik. III.
457
Wir nennen eine wohlgeordnete Spezies quasi-vollständig, wenn zu einem beliebigen Nullelement e 0 entweder ein erstes auf e 0 folgendes Vollelement angegeben werden kann oder feststeht, daß keine auf e 0 folgenden Vollelemente existieren; zu einem beliebigen Vollelement e i entweder ein erstes e 1 vorangehendes und durch kein Vollelement von e 1 getrenntes Nullelement angegeben werden kann, oder feststeht, daß keine e 1 vorangehenden und durch kein Vollelement von e 1 getrennten Nullelemente existieren; und entweder ein erstes Nullelement, auf welches nur noch Nullelemente folgen, angegeben werden kann, oder feststeht, daß keine Nullelemente, auf welche nur noch Nullelemente folgen, existieren.
Die Ausschnitte und Reste einer quasi-vollständigen wohlgeordneten Spezies sind offenbar ebenfalls quasi-vollständig.
Die notwendige und hinreichende Bedingung für die Quasi-Vollständig- keit einer wohlgeordneten Spezies besteht darin, daß während ihrer Erzeugung bei jeder durch eine Formel F' = F[ + F> -|- F¡ + ... ausgedrückten Anwendung der zweiten erzeugenden Operation die betreffende Fundamentalreihe elementar induziert ist, d. h. entweder eine Fundamentalreihe von unbeschränkt wachsenden natürlichen Zahlen m 1 , m„, m 3 , ... bestimmt ist, so daß in jedem Fm p ein Vollelement angegeben werden kann, oder eine natürliche Zahl m besteht, so daß F', für v > m lauter Nullelemente enthält. Hieraus folgern wir mittels der induktiven Methode weiter, daß zu einem beliebigen Elemente e einer quasi-vollständigen wohlgeordneten Spezies, mit Ausnahme des ersten, entweder ein erstes e vorangehendes und durch kein Vollelement von e getrenntes Nullelement, oder eine e als Grenzelement besitzende steigende Fundamentalreihe von Vollelementen, oder aber ein e unmittelbar vorangehendes Vollelement angegeben werden kann, während entweder ein erstes Nullelement, auf welches nur noch Nullelemente folgen, oder eine abschließende Fundamentalreihe von Vollelementen, oder aber ein letztes Element, das ein Vollelement ist, existiert.
Mittels der induktiven Methode ersieht man leicht, daß die Spezies der Vollelemente einer quasi-vollständigen wohlgeordneten Spezies F' entweder elementlos ist oder ein angebbares Element besitzt, während im letzteren Falle eindeutig eine n F' entsprechende" oder „mit F ' korrespondierende", mit F' inhaltsgleiche vollständige wohlgeordnete Spezies F" bestimmt ist. Sei nämlich F = Fl + F-¿ + . .. auf Grund der ersten oder auf Grund der zweiten erzeugenden Operation, und seien im Falle, daß F' ein angebbares Vollelement besitzt, F v¡ , F^, .. . diejenigen (endlich- oder abzählbarunendlichvielen) unter den F v , welche je ein angebbares Vollelement und im Anschluß daran eine entsprechende vollständige wohl-
Mathematische Annalen. 96. 30
458
L. E. J. Brouwer.
geordnete Spezies F" a besitzen. Alsdann ist F" — F,'.'-\- F"„ + ... auf Grund der ersten oder auf Grund der zweiten erzeugenden Operation.
Dagegen ist nicht jede mit einer vollständigen inhaltsgleiche wohlgeordneten Spezies F auch quasi-vollständig, und zwar schon deshalb nicht, weil ihre konstruktiven Unterspezies nicht mit vollständigen wohlgeordneten Spezies inhaltsgleich zu sein brauchen, wie aus folgendem Beispiel hervorgeht: es werde k 1 in üblicher Weise (vgl. z. B. Math. Ann. 93, S. 255) definiert und es sei F 1 = a 1 -\- a 2 + « 3 + •.., wo a,. für v^>k 1 ein Nullelement, sonst ein Vollelement ist; F. 2 — b x + & 9 + b a + ..wo b v für V = k 1 ein Vollelement, sonst ein Nullelement ist; F 3 = c x -f- c 3 -f- c 3 + .. wo c r für V > Jc 1 ein Vollelement, sonst ein Nullelement ist; F = F 1 + F s + Fg.
Einer quasi-vollständigen wohlgeordneten Spezies sprechen wir die gleiche Ordnungszahl zu, wie den vollständigen wohlgeordneten Spezies, mit denen sie inhaltsgleich ist. Den ausschließlich Nullelemente enthaltenden wohlgeordneten Spezies sprechen wir die Ordnungszahl Null zu. Die ordnungsgemäße Summe einer „der ersten erzeugenden Operation unterzogenen" endlichen Folge von Ordnungszahlen wird mittels der ordnungsgemäßen Summe entsprechender vollständiger bzw. (im Falle der Ordnungszahl Null) nur ein einziges Nullelement enthaltender wohlgeordneter Spezies wiederum als Ordnungszahl definiert. (Das gleiche Resultat wird erhalten, wenn im Falle, daß alle Summanden gleich Null sind, auch die Summe gleich Null gesetzt wird, und im entgegengesetzten Falle nur die von Null verschiedenen Summanden beibehalten werden).
Eine wohlgeordnete Spezies heißt basiert, wenn ihr erstes Element ein Vollelement ist.
Eine wohlgeordnete Spezies F heißt kondensiert , wenn sie einen (eigentlichen oder uneigentlichen) Abschnitt der Ordnungszahl 1 besitzt. Der vom auf das erste Vollelement von F folgenden Elemente bestimmte Rest von F heißt Hauptrest von F und wird mit h ( F ) bezeichnet. Selbstverständlich kann h (F) auch in Fortfall kommen.
Bei der Multiplikation von endlichvielen elementefremden wohlgeordneten Spezies erteilen wir das Prädikat eines Vollelementes nur denjenigen Elementen des Produktes, welche aus lauter Vollelementen der Faktoren bestehen; alle anderen Elemente des Produktes erhalten das Prädikat eines Nullelementes. Mittels der induktiven Methode an der Hand der Erzeugung des rechtsseitigen Faktors ersehen wir, daß das Produkt zweier elementefremder wohlgeordneter Spezies in auf der Hand liegender Weise wiederum eine wohlgeordnete Spezies liefert, welche auch kurz als das Produkt der von den Faktoren dargestellten wohlgeordneten Spezies bezeichnet wird. Diese Erweiterung des Produktbegriffes läßt sich
Intuitionistische Mathematik. III.
459
unmittelbar auf das Produkt endlichvieler elementefremder wohlgeordneter Spezies ausdehnen. Erzeugungsgleiche bzw. gleichwertige bzw. inhaltsgleiche Faktoren liefern dabei erzeugungsgleiche bzw. gleichwertige bzw. inhaltsgleiche Produkte. Das Produkt endlichvieler Ordnungszahlen wird mittels des Produktes entsprechender vollständiger bzw. (im Falle der Ordnungszahl Null) nur ein einziges Nullelement enthaltender wohlgeordneter Spezies wiederum als Ordnungszahl definiert.
Man beweist ohne Schwierigkeit, daß das Produkt zweier quasi-voll- ständiger Faktoren wiederum quasi-vollständig ist und inhaltsgleich mit dem Produkte der vollständigen bzw. nur ein einziges Nullelement enthaltenden wohlgeordneten Spezies, mit denen seine Faktoren inhaltsgleich sind, so daß die Ordnungszahl des Produktes gleich dem Produkte der Ordnungszahlen der Faktoren ist. Mithin gilt dasselbe für das Produkt endlichvieler quasi-vollständiger Faktoren.
§ 2. Unter den Ordnungszahlen des ersten Bereichs verstehen wir die endlichen Ordnungszahlen, mit Einschluß der Ordnungszahl Null.
Unter einer Spezies des ersten Bereichs verstehen wir eine (vollständige oder quasi-vollständige) wohlgeordnete Spezies, welche eine Ordnungszahl des ersten Bereichs besitzt.
Offenbar ist jede Spezies des ersten Bereichs, deren Ordnungszahl von Null verschieden ist, kondensiert.
Zwei beliebige Ordnungszahlen des ersten Bereichs sind vergleichbar, d. h. wenn die Relationen > , =, ^ zwischen zwei nicht verschwindenden Ordnungszahlen dann gelten sollen, wenn sie für die entsprechenden vollständigen wohlgeordneten Spezies gelten, und die Ordnungszahl Null als kleiner als die Ordnungszahl einer beliebigen vollständigen Spezies des ersten Bereichs gelten soll, dann sind zwei beliebige Ordnungszahlen des ersten Bereichs entweder einander gleich oder eine von ihnen ist größer als die andere. Überdies besitzen sie, wenn sie voneinander und von Null verschieden sind, eine gleichfalls zum ersten Bereich gehörende Differenz.
Die ordnungsgemäße Summe und das Produkt endlichvieler Ordnungszahlen des ersten Bereichs sind wiederum Ordnungszahlen des ersten Bereichs.
Eine Fundamentalreihe ß ± , ß 2 , ... von Ordnungszahlen des ersten Bereichs heißt induziert in bezug auf den ersten Bereich, wenn entweder eine Fundamentalreihe von unbeschränkt wachsenden natürlichen Zahlen m v m.,, m 3 , ... bestimmt ist, so daß jedes ß my von Null verschieden ist, oder eine natürliche Zahl m besteht, so daß ß r für r > m gleich Null ist.
Wenn wir die ordnungsgemäße Summe einer „der zweiten erzeugenden Operation unterzogenen" in bezug auf den ersten Bereich induzierten Fun-
30*
460
L. E. J. Brouwer.
damentalreihe von Ordnungszahlen des ersten Bereichs mittels der ordnungsgemäßen Summe entsprechender vollständiger bzw. aus nur einem einzigen Nullelement bestehender wohlgeordneter Spezies definieren (das gleiche — auf eine beliebige elementar induzierte Fundamentalreihe von Ordnungszahlen erweiterbare — Resultat wird erhalten, wenn wir im Falle, daß alle Summanden gleich Null sind, auch die Summe gleich Null setzen und im entgegengesetzten Falle nur die von Null verschiedenen Summanden beibehalten), dann erweist sich diese Summe wiederum als eine Ordnungszahl, und zwar ist dieselbe entweder gleich co oder gehört wiederum dem ersten Bereiche an.
Wir formulieren folgende vier evidente Eigenschaften:
1. Zu einer beliebigen von Null verschiedenen Ordnungszahl des ersten Bereichs gehört sicher ein vollständiger Erzeugungswert, der vollständig induziert in bezug auf den ersten Bereich ist, d. h. dessen konstruktive Unterwerte alle Ordnungszahlen des ersten Bereichs besitzen und für den bei jeder Anwendung der zweiten erzeugenden Operation die betreffende Fundamentalreihe von Ordnungszahlen in bezug auf den ersten Bereich induziert ist.
2. Jeder beliebige Abschnitt einer Ordnungszahl des ersten Bereichs gehört ebenfalls dem ersten Bereiche an, was wir kurz folgendermaßen ausdrücken:
Der erste Bereich der Ordnungszahlen ist ununterbrochen.
3. Eine Fundamentalreihe , a 3 , ... von Ordnungszahlen des ersten Bereichs, deren (in der im vorigen schon mehrfach angegebenen Weise definierte) ordnungsgemäße Summe entweder die Ordnungszahl co oder eine Ordnungszahl des ersten Bereichs ist, ist induziert in bezug auf den ersten Bereich.
4. Ein beliebiger, zu einer Ordnungszahl des ersten Bereichs gehöriger Erzeugungswert ist vollständig induziert in bezug auf den ersten Bereich (um dies für einen quasi-vollständigen Erzeugungswert zu zeigen, setzen wir denselben zum entsprechenden vollständigen Erzeugungswert in Beziehung).
Eine wohlgeordnete Spezies F heißt unbestimmt zerlegt in bezug auf den ersten Bereich, wenn sie in solcher Weise in einen (evtl. fortfallenden) Abschnitt F' und einen (evtl. fortfallenden) Rest F" regulär zerlegt werden kann, daß jeder Rest von F' entweder aus lauter Nullelementen besteht oder einen mit co inhaltsgleichen Anfangsteil besitzt, und F mit einer Spezies des ersten Bereichs inhaltsgleich ist ( mithin eine endliche Ordnungszahl besitzt).
Intuitionistische Mathematik. III.
461
Eine wohlgeordnete Spezies F heißt scharf zerlegt in bezug auf den ersten Bereich , wenn sie in solcher Weise in einen (evtl. fortfallenden) Abschnitt F' und einen (evtl. fortfallenden) Rest F regulär zerlegt werden kann, daß jeder Rest von F' entweder aus lauter Nullelementen besteht oder die Ordnungszahl co oder einen Abschnitt der Ordnungszahl co besitzt und F eine Ordnungszahl des ersten Bereichs besitzt (hierbei können wir, ohne der wohlgeordneten Spezies F eine weitere Einschränkung aufzuerlegen, überdies fordern, daß F' entweder in Fortfall kommt oder wenigstens ein Vollelement enthält).
Eine quasi-vollständige wohlgeordnete Spezies F ist, wie man unter Verwendung des S. 457, Z. 13 bis 21 erwähnten Satzes mittels der induktiven Methode einsieht, unbestimmt zerlegt in bezug auf den ersten Bereich, dagegen nicht notwendig scharf zerlegt in bezug auf den ersten Bereich, wie aus folgendem Beispiel hervorgeht: Es bestehe F v für v = yfc x aus einer Fundamentalreihe von Vollelementen, sonst aus einem einzigen Vollelement, und es sei F = F 1 + + -^s + • • • •
Ebensowenig ist eine in bezug auf den ersten Bereich scharf zerlegte wohlgeordnete Spezies F notwendig quasi-vollständig, sogar nicht mit einer vollständigen inhaltsgleich, wie folgendes Beispiel zeigt: Es bestehe G v für v k 1 aus einer Fundamentalreihe von Vollelementen, für v = k 1 + 1 und für v = k 1 + 2 aus einem einzigen Vollelement, für v > k 1 -f- 2 aus einem einzigen Nullelement, es sei G = G 1 + 6r 2 + G s + • • • > es bestehe H aus einer Fundamentalreihe von Vollelementen, und es sei F = G + H (aus diesem Beispiel geht gleichzeitig hervor, daß die konstruktiven Unterspezies einer in bezug auf den ersten Bereich scharf zerlegten wohlgeordneten Spezies in bezug auf den ersten Bereich nicht einmal unbestimmt zerlegt zu sein brauchen).
Eine mit einer vollständigen inhaltsgleiche wohlgeordnete Spezies F ist nicht notwendig unbestimmt zerlegt in bezug auf den ersten Bereich, wie man aus folgendem Beispiel ersieht: Es bestehe F r für v 1) für v = k 1 + aus einem Vollelement, sonst aus einem Nullelement, es sei F w {p = 1, 2, 3, ...) = *i a) + Ff + Fa' ] + • • • und es sei F = F' + F" + + F'" + ... (vom Reste F" F' + . .. von F läßt sich hier weder behaupten, daß er aus lauter Nullelementen bestehe, noch daß er einen mit co inhaltsgleichen Anfangsteil besitze).
Wir fügen noch ein Beispiel einer wohlgeordneten Spezies F hinzu, welche einerseits mit einer vollständigen inhaltsgleich, aber nicht quasivollständig, andererseits in bezug auf den ersten Bereich unbestimmt, aber nicht scharf zerlegt ist: Es bestehe I* r fí) (¡u < k^ für v — ¡i aus einem Vollelement, sonst aus einem Nullelement, Fy' } (ju = k l ) für v'^tk 1 aus
462
L. E. J. Brouwer.
einem Yollelement, sonst aus einem Nullelement, Fl!' ] ( i a>i 1 ) aus einem Nullelement, es sei F w — F^ + F^ + F-¡¡ 1) + • • • un( l es sei F = F' + F" -\-
Eine wohlgeordnete Spezies F heißt vollständig induziert in bezug auf den ersten Bereich, wenn während ihrer Erzeugung bei jeder durch eine Formel F 0 = F t + F<¡ -f- F a + ... ausgedrückten Anwendung der zweiten erzeugenden Operation, wo jedes F v nach der Formel F v ^ Fl -j- F" in bezug auf den ersten Bereich scharf zerlegt ist, die betreffende Fundamentalreihe F lt F„, F 3 , ... in bezug auf den ersten Bereich induziert ist, d. h. erstens entweder eine unbeschränkt wachsende Fundamentalreihe v v v v v s> • • • existiert, so daß jedes F v Vollelemente besitzt, oder ein solches m angegeben werden kann, daß F v für v > m aus lauter Nullelementen besteht bzw. fortfällt, zweitens im letzteren Falle die Fundamentalreihe der Ordnungszahlen von F", F¡ , F',' , ... (wobei wir einem fortfallenden F v die Ordnungszahl Null zusprechen) in bezug auf den ersten Bereich induziert ist. Demzufolge ist dann jedesmal auch F 0 in bezug auf den ersten Bereich scharf zerlegt.
Sei Fi l ,• i m ein Element der in bezug auf den ersten Bereich vollständig
induzierten wohlgeordneten Spezies F. Der Reihe nach ergibt sich, daß dieses Element in F t¡ in > iiÍ2 ..., in F i± in F {l und in F je einen
Abschnitt und einen Rest bestimmt, die in bezug auf den ersten Bereich gleichfalls vollständig induziert sind. Mithin haben wir den Satz, daß jeder Ausschnitt sowie jeder Rest einer in bezug auf den ersten Bereich vollständig induzierten wohlgeordneten Spezies F gleichfalls in bezug auf den ersten Bereich vollständig induziert ist.
Eine in bezug auf den ersten Bereich vollständig induzierte wohlgeordnete Spezies F ist offenbar erstens quasi-vollständig, zweitens scharf zerlegt in bezug auf den ersten Bereich 2 ). Schreiben wir, der scharfen Zerlegbarkeit von F in bezug auf den ersten Bereich entsprechend, F ^ F' ~ f- F", so besitzt die wohlgeordnete Spezies F\ wenn sie nicht fortfällt, entweder einen Rest der Ordnungszahl m, oder alle nichtverschwindenden Ordnungszahlen von Resten von F' sind größer als co. 3 )
3 ) Dagegen ist sogar eine sowohl vollständige wie in bezug auf den ersten Bereich scharf zerlegte wohlgeordnete Spezies nicht notwendig vollständig induziert in
bezug auf den ersten Bereich, wie folgendes Beispiel zeigt: Es bestehe F v für v • aus einem einzigen Vollelement, und es sei F = F l J t -F. 1 J rF ;i J r ....
3 ) Die Aussage, daß eine in bezug auf den ersten Bereich vollständig induzierte wohlgeordnete Spezies F in bezug auf den ersten Bereich scharf zerlegt ist, bleibt auch dann richtig, wenn die Bedingungen für die scharfe Zerlegung dahin verschärft werden, daß im entsprechenden F' kein Nullelement, auf welches nur Nullelemente folgen, enthalten sein darf.
Intuitionistische Mathematik. III.
463
Sei F eine in bezug auf den ersten Bereich vollständig induzierte wohlgeordnete Spezies, welche mit der ordnungsgemäßen Summe einer Fundamentalreihe F x , F„, ... von in bezug auf den ersten Bereich scharf zerlegten wohlgeordneten Spezies gleichwertig ist. Wir wollen beweisen, daß die Fundamentalreihe F v F 2 , ... in bezug auf den ersten Bereich induziert ist und bemerken dazu zunächst, daß für die wohlgeordnete Spezies F, eben weil sie in bezug auf den ersten Bereich vollständig induziert ist, eine der drei folgenden Eigenschaften bestehen muß: Entweder F besitzt einen Rest mit einer Ordnungszahl des ersten Bereichs (die auch Null sein kann), oder von einem gewissen Rest von F besitzt jeder Rest ■die Ordnungszahl co, oder aber jeder Rest von F besitzt eine Ordnungszahl > co. Diese drei Fälle behandeln wir der Reihe nach.
Erster Fall. F besitzt einen Rest F° mit einer Ordnungszahl des ersten Bereichs. Für ein bestimmtes m besitzt dann F m einen derartigen Rest F 2 , daß die ordnungsgemäße Summe der Fundamentalreihe
F m +i> ■ • • mit F " gleichwertig ist, so daß jedes Glied der
letzteren Fundamentalreihe eine Ordnungszahl des ersten Bereichs besitzt und die Fundamentalreihe dieser Ordnungszahlen (eben weil ihre ordnungsgemäße Summe eine Ordnungszahl des ersten Bereichs ist) in bezug auf den ersten Bereich induziert ist. Dann aber gilt dasselbe für die Fundamentalreihe der Ordnungszahlen von F m+1 , F m + a ,... bzw. für die Fundamentalreihe der Ordnungszahlen von F^+i, F„+2> •••> mithin auch für die Fundamentalreihe der wohlgeordneten Spezies F m+1 , F m+ mithin auch für die Fundamentalreihe der wohlgeordneten Spezies F v F 3, F s ,....
Zweiter Fall. Vom Reste F° von F besitzt jeder Rest die Ordnungszahl co. Für ein bestimmtes m besitzt dann F m einen derartigen Rest F mi , daß die ordnungsgemäße Summe der Fundamentalreihe F m% , F m+1 ,F m + i , ... mit F° gleichwertig ist, so daß jedes Glied der letzteren Fundamentalreihe eine Ordnungszahl des ersten Bereichs besitzt und die Fundamentalreihe dieser Ordnungszahlen (eben weil ihre ordnungsgemäße Summe gleich co ist) in bezug auf den ersten Bereich induziert ist. Dann aber gilt dasselbe für die Fundamentalreihe der Ordnungszahlen von F m + 1 , F m+i , .. . bzw. für die Fundamentalreihe der Ordnungszahlen von F m+1 , F m+S , . .., mithin auch für die Fundamentalreihe der wohlgeordneten Spezies F m+1 , F m+a , .. mithin auch für die Fundamentalreihe der wohlgeordneten Spezies F 1 , F„, F
_l 3 , ... .
Dritter Fall. Jeder Rest von F besitzt eine Ordnungszahl > co. Zu jedem m gibt es dann ein derartiges v m , daß für einen bestimmten (eigentlichen oder uneigentlichen) Abschnitt F,° m von F,. m die ordnungsgemäße Summe F m -f- F m+1 + • • • + F Vm -i -f Fy m die Ordnungszahl co besitzt, so
464
L. E. J. Brouwer.
daß wenigstens eine der wohlgeordneten Spezies F,' a , Fm+i, ■ ■ -, FÍ m - i, F,'. m existiert und Vollelemente besitzt. Das heißt aber, daß es zu jedem m ein derartiges Q m ¿im gibt, daß F Sm existiert und Vollelemente besitzt, so daß die Fundamentalreihe der wohlgeordneten Spezies F 1 , F 2 , F s , ... in bezug auf den ersten Bereich induziert ist.
Kombinieren wir den hiermit bewiesenen Satz mit der Eigenschaft, daß jeder Ausschnitt sowie jeder Rest einer in bezug auf den ersten Bereich vollständig induzierten wohlgeordneten Spezies gleichfalls in bezug auf den ersten Bereich vollständig induziert ist, so ergibt sich, daß jede mit einer in bezug auf den ersten Bereich vollständig induzierten wohlgeordneten Spezies F gleichwertige wohlgeordnete Spezies G ebenfalls in bezug auf den ersten Bereich vollständig induziert ist (und zwar mittels der induktiven Methode an der Hand der Erzeugung von G ). Auf Grund dieser Eigenschaft bezeichnen wir eine Ordnungszahl als in bezug auf den ersten Bereich vollständig induziert, wenn jeder zu ihr gehörige vollständige Erzeugungswert in bezug auf den ersten Bereich vollständig induziert ist.
Dann aber ist auch jeder zu ihr gehörige quasi-vollständige Erzeugungswert in bezug auf den ersten Bereich vollständig induziert. Sei nämlich ß ein solcher quasi-vollständiger Erzeugungswert, daß der entsprechende vollständige Erzeugungswert a in bezug auf den ersten Bereich vollständig induziert ist. Jeder durch eine Formel cc r a' T -f- a" ausgedrückten scharfen Zerlegung in bezug auf den ersten Bereich eines konstruktiven Unterwertes a T von K entspricht dann eine durch eine Formel ß z ~ ß[ -f- ß" ausgedrückte scharfe Zerlegung in bezug auf den ersten Bereich des entsprechenden konstruktiven Unterwertes ß x von ß (welche leicht eindeutig festgelegt werden kann, z. B. durch die Forderung, daß, wenn ß[ nicht fortfällt, jeder Rest von ß T Vollelemente aufweisen soll). Auf Grund dieser scharfen Zerlegungen seiner konstruktiven Unterwerte aber stellt sich ß an der Hand seiner mit a parallelen Erzeugung unmittelbar als in bezug auf den ersten Bereich vollständig induziert heraus.
§ 3. Sei a ein basierter Erzeugungswert, ß ein quasi-vollständiger Erzeugungswert. Alsdann wird die Potenz aß, in welcher a das Argument, ß der Exponent heißt, auf Grund der folgenden Festsetzungen definiert:
Wenn ß einer Null-Urspezies entspricht, so ist ccß = 1, d.h. gleich dem Erzeugungswerte einer Voll-Urspezies.
Wenn ß einer Voll-Urspezies entspricht, so ist ccß — u.
Wenn ß=ß 1 -\~ß« J r ...~\-ß m auf Grund der ersten erzeugenden Operation,
so ist aß = cc A -j- ußi-h^aß*) -(- h (a^ 3 ) -J- ... -f- ccß !+&+••• +A»-i. h {a^ m )
cc^ 1 ■ ccß- • aß' ... ccß ,n .
Intuitionistische Mathematik. III. 465
CO
Wenn ß = ^ ß v auf Grund der zweiten erzeugenden Operation, so ist
V = 1
aß = -)- K^-h(cc^) -f- aß* + ß*-h (a^ s ) lim aßi+ßt+ •••+ßv
~ lim a ßl+ +ßei) + Cßei+1 + "' + ßeß
CC-" + mß t
CO
2. Wenn ß ~ ^ v ß (in diesem Falle existiert wegen der Quasivoll-
r= 1
ständigkeit von ß entweder eine steigende Fundamentalreihe v x , v a , .. ., so daß v ß für jedes a Vollelemente enthaltenden wohlgeordneten Spezies entspricht, oder ein m, so daß v ß für v > m immer ausschließlich Nullelemente enthaltenden wohlgeordneten Spezies entspricht), so ist aß ^ + iß + = lim (Xiß + iß + ■■■ + v ß.
V
Beide Sätze sind offenbar erfüllt, wenn ß den Erzeugungswert einer Urspezies darstellt. Bei ihrem (ja gleichzeitig für die Ausschnitte und Reste von ß gültigen) Beweise dürfen wir mithin ihre Gültigkeit für die konstruktiven Unter werte erster Ordnung von ß, sowie für deren Ausschnitte und Reste voraussetzen.
Sei also erstens ß = ß 1 + /? 2 + ... + ß n auf Grund der ersten erzeugenden Operation und sei ß ~ ß + ß + ... + m ß ■ Wir können es nun so einrichten, daß
ß v ~ß {r *-i +1) + ß^-i + 2) + ...+ß^ (*=1,2 r 0 — 0; r v+1 >r v ); r ß = ß lh *-i + 1) + ... + ß {h * ) bzw. *-ß lK)
(v = 1, 2, .. m\ ä 0 = 0; Ti r > h v - 1 + 1 bzw. = A,,_i + 1).
Alsdann ist aß ~ aß'-aß*... aß» ~ aß' -aß" ... ~ a>ß -a*ß ... a m ß. Sei zweitens ß = ß 1 -f- ß 2 + ... + ß n auf Grund der ersten erzeugenden Operation und sei ß ~ ß -f- ß + s ß + ... . Wir können es nun so einrichten, daß
ß r ~ß< r '-i +1 > + ß<'-i+V+ ...i +ßW (»== 1, 2,— 1; ro = 0; r v+1 >r v )-,
466 L- E. J. Brouwer.
ß n <, ß (r n-l +l) + j g"'»-l + 2 > + . . . ; r ß = ß A„_i + 1 bzw. = h r - i + 1).
Alsdann ist aft+Ai+-+/'»-i ^aß'-aß" . . . ~ aß' + ß" + ••• +/? r„); r ß = ß">v-i +1) + . . . + 0 ( *»> bzw. (*=1, 2, ..., m - 1; & o = 0;
Ä„>A,-i + 1 bzw. =^_ 1 + 1); m/ 5 = j 8 (A "- 1 + 1) + / 5 (ÄM - 1+2> +.
Alsdann ist = lim «A + & + ■■•+&. ~ (wie oben unter erstens be-
V
wiesen wurde)
lim a £' + £" + ••• + / ?(r » ,) lim aß' + ß" + ---+ß {fl) ^ K /S' +/S" +... +/3' Äm - 1 '.
V fl
■Hm ß/ j(Ä '"- 1 + 1) + --+^ (A " , - 1 + r) ~ß^.o;^ ... . U mß.
X
CO
Sei viertens ß = J>¡ ß r auf Grund der zweiten erzeugenden Operation
V = 1
und sei ß ~ t ß -f- 2 /? + s ß + ... . Wir können es nun so einrichten, daß /? r ~y3 (r - 1+1) +/? (r "- 1+2) +... + j ß (r " ) (»=1,2,...; r 0 = 0; r y+1 >r„); ,yS = _j_ . . t _j_ ß»r) bzw. — ß (K) (» = 1,2,3,...; h 0 = 0;
h,. > hy-i + 1 bzw. == h v -t + 1).
Alsdann ist aß = lim aA + & + + ßv <-w (wie oben unter erstens be-
V
wiesen wurde)
lim aß' +ß"+ ■■■ +ß^ v) lim aß' + ß" + ••• +
V fl
~ lim «?'+••• +/? (,i ' ) ) + ( í 8 ( ^+ 1 ' + ... + ß Ul *h +... + (^< A r-i+ 1 > +... + p(Kh
r
= lim «1^ + ^+ +iß .
z
Nachdem hiermit die Sätze 1 und 2 hergeleitet sind, sind wir in der Lage, das nachstehende Theorem auszusprechen:
Wenn ß und ß° gleichwertig sind, dann sind auch aß und aß 0 gleichwertig.
Diese Eigenschaft ergibt sich leicht mittels der induktiven Methode an der Hand der Erzeugung von ß. Nehmen wir nämlich an, daß sie für jeden konstruktiven Unterwert ß v von ß bewiesen ist, und sei ß,, ein mit ß v gleichwertiger Ausschnitt bzw. Eest von ß°, so daß also a Pv und c¿ /; °
Intuifcionistische Mathematik. III. 467
für jedes v gleichwertig sind. Ist nun ß = ß 1 + -f ... -f- ß m auf Grund der ersten erzeugenden Operation, dann ist (nach dem obigen Satz 1) aß" ~ aß" -aß°... • aß™ ~ aß' • a ß*... • aß»' ~ aß. Und ist ß = ß 1 -f- /S 9 -\-ß s + ... auf Grund der zweiten erzeugenden Operation, dann ist (nach dem obigen Satz 2) aß" ~ lim aß° + ߣ+ + ß° ~ lim aA+& + ■■■ + ßv = aß.
V V
Sind ß und ß nur inhaltsgleich, so sind die mit ß und ß° korrespondierenden vollständigen bzw. einer Null-Urspezies entsprechenden Erzeugungswerte # und 0° gleichwertig, so daß wir haben : aß" = a®° ~ a a = aß, d. h. wenn ß und ß° inhaltsgleich sind, dann sind aß und aß" gleichwertig.
Noch einfacher ergibt sich (wiederum mittels der induktiven Methode an der Hand der Erzeugung von ß) folgende Eigenschaft:
Wenn a und a 1 inhaltsgleich {bzw. gleichwertig) sind, dann sind auch aß und aß inhaltsgleich {bzw. gleichwertig).
Mittels der induktiven Methode beweisen wir noch den Satz:
/ ß\ y ßy ( a ) ~ er .
Es sei nämlich y = -f- -f- ... -j- y m auf Grund der ersten erz euge nden Operation, und es seien die Formeln {a^) rv w a ßr " {v — 1, 2,..., m) bewiesen. Alsdann ist
m
y ßv
ßy v—\ v ßvi ßy2 ß y m ( ß \^ 3 ( ß \^ 2 í ß \Y ,n
a' = a'- 1 ^ a' " -a n . . . er r ~ {a ) • {a) ... {a )
, ß.7i + y^+ ■■■+Ym , ß.y
~(a") = 0 ) •
Es sei weiter y — y 1 -j- -|- y 3 + ... auf Grund der zweiten erzeugenden
Operation, und es seien die Formeln («^)" ~ cc ßr " {v = 1, 2, 3, ...), mitra n
. ß , 2 v v ß 2 y v
hin auch die Formeln ( a p ) v ~ 1 ~ a v=1 (»=1,2,...) bewiesen. Alsdann ist
00 n n n
ßy 2ßy r . 2ßy v . ß2y r , 2 y v
a = a v ~ 1 =lim« r - 1 =lima v - 1 ~ lim (er J*- 1
n n n
00
= («^»=i rv =(u ß y.
Im Falle, daß der basierte Erzeugungswert a ebenfalls quasi-vollständig ist, ersehen wir unter Anwendung der Eigenschaft, daß das Produkt zweier quasi-vollständiger Erzeugungswerte wiederum quasi-vollständig ist, sowie des S. 457, Zeilen 13 bis 21 erwähnten Satzes, mittels der induktiven Methode an der Hand der Erzeugung von ß, daß auch aß quasi-vollständig ist. Wenn dann a i bzw. ß 1 ein mit a bzw. ß inhaltsgleicher vollständiger bzw.
468
L. E. J. Brouwer.
zu Null-Urspezies gehöriger Erzeugungswert ist, haben wir nach dem Obigen, daß aP mit inhaltsgleich ist, was wir auch wie folgt ausdrücken können:
Ist a ein basierter quasi-vollständiger Erzeugungswert der Ordnungszahl a und ß ein quasi-vollständiger Erzeugungswert der Ordnungszahl b, dann ist aP ein basierter quasi-vollständiger Erzeugungswert der Ordnungszahl a b .
§ 4. Unter den Ordnungszahlen des zweiten Bereichs vom Grade Null verstehen wir die Ordnungszahlen des ersten Bereichs. Unter den Ordnungszahlen des zweiten Bereichs vom Grade p (p eine nicht verschwindende natürliche Zahl) verstehen wir die Ordnungszahlen
œ Vi -a 1 oj p =-a 2 + • • • + co p »-a n >
wo n und die a,, nichtverschwindende natürliche Zahlen sind und die p v natürliche Zahlen (unter denen auch 0 vorkommen kann, in welchem Fall co° = 1 ist), deren größte gleich p ist. Offenbar dürfen wir annehmen, daß p v+1 > p v (v — 1, 2, .n — 1).
Unter einer Spezies des zweiten Bereichs vom Grade p verstehen wir eine (vollständige oder quasi-vollständige) wohlgeordnete Spezies, welche eine Ordnungszahl des zweiten Bereichs vom Grade p besitzt 4 ).
Offenbar ist jede Spezies des zweiten Bereichs, deren Ordnungszahl von Null verschieden ist, kondensiert.
Wie man leicht einsieht, sind zwei beliebige Ordnungszahlen des zweiten Bereichs vergleichbar und besitzen, wenn sie voneinander und von Null verschieden sind, eine gleichfalls zum zweiten Bereich gehörende Differenz.
Die ordnungsgemäße Summe endlichvieler Ordnungszahlen des zweiten Bereichs ist wiederum eine Ordnungszahl des zweiten Bereichs.
Aus der Formel
((o Vi -a 1 -f- co P2 -a 3 + co Pn -a n ) co - œ Vi -a i -co = œ Vi -(a 1 -œ) — co Pi+1
4 ) Eine wohlgeordnete Spezies der Ordnungszahl w Vi -a 1 + w v -- a 2 + ... -\-co Vn -a n können wir erzeugen durch Addition einer — vollständigen oder quasi-vollständigen — wohlgeordneten Spezies der Ordnungszahl co Pl -a 1 (welche wir ihrerseits herstellen können durch Multiplikation von + 1 elementefremden — vollständigen oder quasivollständigen — wohlgeoidneten Spezies, von denen die ersten p x die Ordnungszahl«« und die letzte die Ordnungszahl a L besitzt), einer — vollständigen oder quasi-vollständigen — wohlgeordneten Spezies der Ordnungszahl co P2 -a 2 , . .., und einer — vollständigen oder quasi-vollständigen — wohlgeordneten Spezies der Ordnungszahl c o v "-a n . Diese Erzeugungsweise von Spezies des zweiten Bereichs ist indes keineswegs die einzige, wie man schon für die Ordnungszahl co 2 durch einfache Beispiele belegen kann.
Intuitionistische Mathematik. III.
469
geht hervor, daß die Multiplikation einer Ordnungszahl des zweiten Bereichs mit einem rechtsseitigen Multiplikator m , mithin auch mit einem rechtsseitigen Multiplikator œ p , mithin auch mit einem beliebigen, eine Ordnungszahl des zweiten Bereichs darstellenden rechtsseitigen Multiplikator, wiederum eine Ordnungszahl des zweiten Bereichs ist. Hieraus folgt, daß allgemein das Produkt endlichvieler Ordnungszahlen des zweiten Bereichs wiederum eine Ordnungszahl des zweiten Bereichs ist.
Eine Fundamentalreihe von Ordnungszahlen des zweiten
Bereichs heißt induziert in bezug auf den zweiten Bereich, wenn eine solche steigende Fundamentalreihe v^v^, ... existiert, daß die Grade von ß Vi , ... entweder beständig wachsen oder einander gleich sind, während für m zwischen v n und v n + 1 der Grad von ß m kleiner ist als der Grad von ß Vn+1 , und, falls die ß Vn vom Grade Null sind, die Fundamentalreihe ß r t ß Vl +i, ßv>+2, ... in bezug auf den ersten Bereich induziert ist.
Wenn wir die ordnungsgemäße Summe einer in bezug auf den zweiten Bereich induzierten Fundamentalreihe von Ordnungszahlen des zweiten Bereichs mittels der ordnungsgemäßen Summe entsprechender vollständiger bzw. aus nur einem einzigen Nullelement bestehender wohlgeordneter Spezies definieren, dann erweist sich diese Summe wiederum als eine Ordnungszahl, und zwar ist dieselbe entweder gleich co m oder gehört wiederum •dem zweiten Bereich an.
Wir formulieren jetzt eine Reihe von sechs Eigenschaften:
1. Zu einer beliebigen von Null verschiedenen Ordnungszahl des zweiten Bereichs gehört sicher ein vollständiger Erzeugungswert, der vollständig induziert in bezug auf den zweiten Bereich ist, d. h. dessen konstruktive Unterwerte alle Ordnungszahlen des zweiten Bereichs besitzen, und für den bei jeder Anwendung der zweiten erzeugenden Operation die betreffende Fundamentalreihe von Ordnungszahlen in bezug auf den zweiten Bereich induziert ist.
2. Eine beliebige von Null verschiedene Ordnungszahl des zweiten Bereichs, deren letzter Exponent von Null verschieden ist, ist gleich der ordnungsgemäßen Summe einer in bezug auf den zweiten Bereich induzierten Fundamentalreihe von nichtverschwindenden Ordnungszahlen des zweiten Bereichs.
3. Jeder Abschnitt (also auch jeder Rest und jeder Ausschnitt) einer Ordnungszahl des zweiten Bereichs ist wiederum eine Ordnungszahl des zweiten Bereichs (so daß der zweite, ebenso wie der erste Bereich der Ordnungszahlen ununterbrochen ist).
Diese Eigenschaft braucht nur für eine beliebige von Null verschiedene Ordnungszahl des zweiten Bereichs ß bewiesen zu werden. Sie ergibt
470
L. E. J. Brouwer.
sich mittels der induktiven Methode an der Hand der Erzeugung eines (auf Grund der Eigenschaft 1 existierenden) zu ß gehörigen vollständigen und in bezug auf den zweiten Bereich vollständig induzierten Erzeugungswertes.
4. Eine Fundamentalreihe a v a 2 , ... von Ordnungszahlen des zweiten Bereichs, deren (in der im vorigen schon mehrfach angegebenen Weise definierte) ordnungsgemäße Summe entweder eine Ordnungszahl des zweiten Bereichs oder die Ordnungszahl abzählbarunendlichviele nichtverschwindende a r existieren, annehmen, daß> das letztere der Fall ist. Weiter dürfen wir den Beweis beschränken auf den Fall a = co p , wo p = q -f- 1 und q nicht verschwindet, mithin a = lim co q -n ( n eine unbeschränkt wachsende natürliche Zahl). Alsdann gibt es ein kleinstes q 1 , zu dem ein solches v 1 > 0 bestimmt werden kann, daß m 1 -(v 1 + 1) > + S + • • • + ^ W-v ¡ ; ein kleinstes g^ y zu dem ein solches v 2 > v 1 bestimmt werden kann, daß -f- 1) > a 1 +
+ a a + ... + a et ^ co Q 'V^; ein kleinstes g 3 , zu dem ein solches v 3 > v 2 bestimmt werden kann, daß œ q -(v s -f 1) > a 1 -f- a 2 -f- ... -)- a e¡ ^ u> q -v 3 - y usw. Die Exponenten der Anfangsglieder von a 8l , a ... müssen alle gleich q sein, während für m zwischen g n und £> n + 1 die Exponenten von a m kleiner als q sind. Mithin ist die Fundamentalreihe cc 1 , « 2 , a s , .. . induziert in bezug auf den zweiten Bereich.
Im zweiten Falle ist die Ordnungszahl a 1 + « 2 + cc 3 + • • • gleich der Ordnungszahl co + co 2 -)-cü 3 -)-... und gibt es ein kleinstes g x , zu dem ein solches > 0 bestimmt werden kann, daß ri+ ' i > a x + k 3 + ... + tt ei ^ a>v '' e ^ n kleinstes g 2 , zu dem ein solches r 3 > r 1 bestimmt werden kann, daß co r * +1 > a x -f- « 2 -|- ... + ein kleinstes g 3 , zu dem
ein solches v 3 > v a bestimmt werden kann, daß co v * +1 > + a 2 + ... + ß es = cw ' s » usvv - Die Grade von a ej , a et , ... müssen beständig wachsen,, während für m zwischen g n und g n + 1 der Grad von a m kleiner ist als der Grad von a en+l . Mithin ist die Fundamentalreihe cc v a 8 , ... induziert in bezug auf den zweiten Bereich.
5. Wenn ß v ß 2 , ß 3 , .. . eine Fundamentalreihe von Ordnungszahlen ist, welche mit der in bezug auf den zweiten Bereich induzierten Fundamentalreihe etj, a ä , ... von Ordnungszahlen des zweiten Bereichs additiv-zusammengehörig ist (d. h. daß zu jedem v ein solches /u gefunden werden kann,, daß -f- ß 0 -)- ... -)- ßp > «i + -)- ... -f- a,., und zu jedem g ein solches a y daß a x -(- ß 2 -j- ... -f- ci a > ß x -f- /? 2 + • • • + ß e ), so gehört auch jedes ß v zum
Intuitionistische Mathematik. III.
471
zweiten Bereich und ist die Fundamentalreihe ß v ß„, ß 3 , .. . in bezug auf den zweiten Bereich induziert.
Diese Eigenschaft ist eine unmittelbare Folge der Eigenschaften 3 und 4'.
6. Ein beliebiger zu einer Ordnungszahl des zweiten Bereichs gehöriger Erzeugungswert ist vollständig induziert in bezug auf den zweiten Bereich.
Für einen vollständigen Erzeugungswert folgt diese Eigenschaft unmittelbar aus den Eigenschaften 3 und 4. Um sie für einen quasi-vollständigen Erzeugungswert (dessen Ordnungszahl wir als nichtverschwin- dend voraussetzen dürfen) herzuleiten, genügt es, denselben zum entsprechenden vollständigen Erzeugungswert in Beziehung zu setzen.
Eine wohlgeordnete Spezies F heißt unbestimmt zerlegt in bezug auf den zweiten Bereich, wenn sie in solcher Weise in einen (evtl. fortfallenden) Abschnitt F' und einen (evtl. fortfallenden) Rest F regulär zerlegt werden kann, daß jeder Rest von F' entweder aus lauter Nullelementen besteht oder einen mit co m inhaltsgleichen Anfangsteil besitzt, und F" mit einer Spezies des zweiten Bereichs inhaltsgleich ist (ohne deshalb notwendigerweise eine Ordnungszahl des zweiten Bereichs besitzen zu müssen).
Eine in bezug auf den zweiten Bereich unbestimmt zerlegte wohlgeordnete Spezies F braucht — schon im Falle, daß F" mit F identisch und mit der Ordnungszahl co inhaltsgleich ist — nicht notwendig unbestimmt zerlegt in bezug auf den ersten Bereich zu sein, wie aus folgendem Beispiel hervorgeht: Es sei F r für v < k 1 und G v für v ¡> k x eine Voll-Urspezies; F r für v^.k 1 und G v für v < k 1 eine Null-Urspezies; F— (F 1 + -F 2 + • • •) + (®i + ö 9 +•• • •)•
Ebensowenig ist eine in bezug auf den ersten Bereich unbestimmt zerlegte wohlgeordnete Spezies G notwendigerweise unbestimmt zerlegt in bezug auf den zweiten Bereich, wie folgendes Beispiel zeigt: Es sei G v eine vollständige wohlgeordnete Spezies, welche für v < k 1 die Ordnungszahl co v , für v ^ k 1 die Ordnungszahl co k ' besitzt, und es sei G = G í + + ö 8 + - •. •
Eine wohlgeordnete Spezies F heißt scharf zerlegt in bezug auf den zweiten Bereich , wenn sie in solcher Weise in einen (evtl. fortfallenden) Abschnitt F' und einen (evtl. fortfallenden) Rest ^"regulär zerlegt werden kann, daß jeder Rest von F' entweder aus lauter Nullelementen besteht, oder die Ordnungszahl co™ oder einen Abschnitt der Ordnungszahl co co besitzt, und F" eine Ordnungszahl des zweiten Bereichs besitzt (hierbei können wir, ohne der wohlgeordneten Spezies F eine weitere Einschränkung aufzuerlegen, überdies fordern, daß F' entweder in Fortfall kommt, oder wenigstens ein Vollelement enthält).
472
L. E. J. Brouwer.
Eine in bezug auf den zweiten Bereich, scharf zerlegte wohlgeordnete Spezies ist ebenfalls scharf zerlegt in bezug auf den ersten Bereich. Nach dem obigen Beispiel G = G t -f- G. 2 + G 3 + • • -, wo G r eine vollständige wohlgeordnete Spezies der Ordnungszahl co v bzw. m ki vorstellt, ist aber eine in bezug auf den ersten Bereich scharf zerlegte wohlgeordnete Spezies nicht notwendig scharf zerlegt in bezug auf den zweiten Bereich.
Von einer in bezug auf den zweiten Bereich scharf zerlegten wohlgeordneten Spezies ist nicht notwendig auch jede konstruktive Unterspezies in bezug auf den zweiten Bereich scharf zerlegt, wie wir aus folgendem Beispiel ersehen: Es besitze G v für v k 1 die Ordnungszahl co®, für v > lc 1 die Ordnungszahl eo; H v für jedes v die Ordnungszahl co r ; und es sei G = G 1 + G 2 -j- ... ; H — H 1 + + ... ; F — G + H. Alsdann ist F scharf zerlegt in bezug auf den zweiten Bereich; die konstruktive Unterspezies G von F dagegen ist weder scharf, noch unbestimmt zerlegt in bezug auf den zweiten Bereich.
Eine wohlgeordnete Spezies F heißt vollständig induziert in bezug auf den zweiten Bereich , wenn während ihrer Erzeugung bei jeder durch eine Formel F 0 = F^ -j- F^ -|- F s + ... ausgedrückten Anwendung der zweiten erzeugenden Operation, wo jedes F v nach der Formel F v <<_, F v -f- F r in bezug auf den zweiten Bereich scharf zerlegt ist, die betreffende Fundamentalreihe F t , F„, F s ,... in bezug auf den zweiten Bereich induziert ist, d. h. erstens entweder eine unbeschränkt wachsende Fundamentalreihe v i> > v a ' • • • existiert, so daß jedes F Va Vollelemente besitzt, oder ein solches m angegeben werden kann, daß F' v für v > m aus lauter Nullelementen besteht bzw. fortfällt, zweitens im letzteren Falle die Fundamentalreihe der Ordnungszahlen von F 1 , J2, F3, ... ( wobei wir einem fortfallenden Fr die Ordnungszahl Null zusprechen) in bezug auf den zweiten Bereich induziert ist. Demzufolge ist dann jedesmal auch F 0 in bezug auf den zweiten Bereich scharf zerlegt.
Sei ein Element der in bezug auf den zweiten Bereich vollständig induzierten wohlgeordneten Spezies F. Der Keihe nach ergibt sich, daß dieses Element in F^... im _ 1} in ..., in F i¡Í2 , in F u und
in F je einen Abschnitt und einen Rest bestimmt, die in bezug auf den zweiten Bereich gleichfalls vollständig induziert sind. Mithin haben wir den Satz, daß jeder Ausschnitt sowie jeder Rest einer in bezug auf den zweiten Bereich vollständig induzierten wohlgeordneten Spezies F gleichfalls in bezug auf den zweiten Bereich vollständig induziert ist.
Eine in bezug auf den zweiten Bereich vollständig induzierte wohlgeordnete Spezies F ist offenbar scharf zerlegt in bezug auf den zweiten Bereich, weiter quasi-vollständig und, wie wir mittels der induktiven Methode ersehen, auch in bezug auf den ersten Bereich vollständig induziert.
Intuitionistische Mathematik. III.
473
Schreiben wir, der scharfen Zerlegbarkeit von F in bezug auf den zweiten Bereich entsprechend, F ^ F' -\- F", so besitzt die wohlgeordnete Spezies F', wenn sie nicht fortfällt, entweder einen Rest der Ordnungszahl cd m , oder alle nichtverschwindenden Ordnungszahlen von Resten von F' sind größer
als co a> .
Sei F eine in bezug auf den zweiten Bereich vollständig induzierte wohlgeordnete Spezies, welche mit der ordnungsgemäßen Summe einer Fundamentalreihe F 1 , F 2 , ... von in bezug auf den zweiten Bereich scharf zerlegten wohlgeordneten Spezies gleichwertig ist. Wir wollen beweisen, daß die Fundamentalreihe F x , F„, ... in bezug auf den zweiten Bereich induziert ist, und bemerken dazu zunächst, daß für die wohlgeordnete Spezies F, eben weil sie in bezug auf den zweiten Bereich vollständig induziert ist, eine der drei folgenden Eigenschaften bestehen muß: entweder F besitzt einen Rest mit einer Ordnungszahl des zweiten Bereichs (die auch Null sein kann), oder von einem gewissen Reste von F besitzt jeder Rest die Ordnungszahl œ w , oder aber jeder Rest von F besitzt eine Ordnungszahl >co to . Diese drei Fälle behandeln wir der Reihe nach.
Erster Fall. F besitzt einen Rest F° mit- einer Ordnungszahl des zweiten Bereichs. Für ein bestimmtes m besitzt dann F m einen derartigen Rest F mi , daß die ordnungsgemäße Summe der Fundamentalreihe F m + is F m +2, ••• mit F u gleichwertig ist, so daß jedes Glied der letzteren Fundamentalreihe eine Ordnungszahl des zweiten Bereichs besitzt, und die Fundamentalreihe dieser Ordnungszahlen (eben weil ihre ordnungsgemäße Summe eine Ordnungszahl des zweiten Bereichs ist) in bezug auf den zweiten Bereich induziert ist. Dann aber gilt dasselbe für die Fundamentalreihe der Ordnungszahlen von F m+i , F m+2 , ... bzw. für die Fundamentalreihe der Ordnungszahlen von F m '+1, F^+ 2, • • mithin auch für die Fundamentalreihe der wohlgeordneten Spezies F m+1 , F m+2 , ..., mithin auch für die Fundamentalreihe der wohlgeordneten Spezies F F F
1 ' 2' ^3? ••• •
Zweiter Fall. Vom Reste F° von F besitzt jeder Rest die Ordnungszahl Co"'. Für ein bestimmtes m besitzt dann F m einen derartigen Rest F m „, daß die ordnungsgemäße Summe der Fundamentalreihe F m o, F m+ x, F m+2 , ... mit F° gleichwertig ist, so daß jedes Glied der letzteren Fundamentalreihe eine Ordnungszahl des zweiten Bereichs besitzt und die Fundamentalreihe dieser Ordnungszahlen (eben weil ihre ordnungsgemäße Summe gleich co' ü ist) in bezug auf den zweiten Bereich induziert ist. Dann aber gilt dasselbe für die Fundamentalreihe der Ordnungszahlen von F m+1 , F m+ 2, ... bzw. für die Fundamentalreihe der Ordnungszahlen von Fm+i, -?C+s, ■ • mithin auch für die Fundamentalreihe der wohlgeordneten Spezies
Mathematische Annalen. 96. 31
474
L. E. J. Brouwer.
F m + 1; Fm+2, mithin auch für die Fundamentalreihe der wohlgeordneten Spezies F t , 1%, F 3 , ... .
Dritter Fall. Jeder Rest von F besitzt eine Ordnungszahl > w"'. Zu jedem m gibt es dann ein derartiges v m , daß für einen bestimmten (eigentlichen oder uneigentlichen) Abschnitt F,? m von F,. m die ordnungsgemäße Summe F m + F m+1 + ... + F Vm - x J r'Fy m die Ordnungszahl œ co besitzt, so daß wenigstens eine der wohlgeordneten Spezies F m , F m+1 , ..., Fy m - 1, Fy m existiert und Vollelemente besitzt. Das heißt aber, daß es zu jedem m ein derartiges Q m ^ m, gibt, daß F e ' m existiert und Vollelemente besitzt, so daß die Fundamentalreihe der wohlgeordneten Spezies F 1} F<¡, F a , ... in bezug auf den zweiten Bereich induziert ist.
Kombinieren wir den hiermit bewiesenen Satz mit der Eigenschaft, daß jeder Ausschnitt sowie jeder Rest einer in bezug auf den zweiten Bereich vollständig induzierten wohlgeordneten Spezies gleichfalls in bezug auf den zweiten Bereich vollständig induziert ist, so ergibt sich, daß jede mit einer in bezug auf den zweiten Bereich vollständig induzierten wohlgeordneten Spezies F gleichwertige wohlgeordnete Spezies G ebenfalls in bezug auf den zweiten Bereich vollständig induziert ist (und zwar mittels der induktiven Methode an der Hand der Erzeugung von G ). Auf Grund dieser Eigenschaft bezeichnen wir eine Ordnungszahl als in bezug auf den ziveiten Bereich vollständig induziert, wenn jeder zu ihr gehörige vollständige Erzeugungswert in bezug auf den zweiten Bereich vollständig induziert ist.
Dann aber ist auch jeder zu ihr gehörige quasi-vollständige Erzeugungswert in bezug auf den zweiten Bereich vollständig induziert. Sei nämlich ß ein solcher quasi-vollständiger Erzeugungswert, daß der entsprechende vollständige Erzeugungswert a in bezug auf den zweiten Bereich vollständig induziert ist. Jeder durch eine Formel a T « r ' -j- a" ausgedrückten scharfen Zerlegung in bezug auf den zweiten Bereich eines konstruktiven Unterwertes a T von a entspricht dann eine durch eine Formel ßz ~ ßz + ßz ausgedrückte scharfe Zerlegung in bezug auf den zweiten Bereich des entsprechenden konstruktiven Unterwertes ß T von ß (welche leicht eindeutig festgelegt werden kann, z. B. durch die Forderung, daß, wenn ß[ nicht fortfällt, jeder Rest von ß[ Vollelemente aufweisen soll). Auf Grund dieser scharfen Zerlegungen seiner konstruktiven Unterwerte aber stellt sich ß an der Hand seiner mit a parallelen Erzeugung unmittelbar als in bezug auf den zweiten Bereich vollständig induziert heraus.
§ 5. Unter den Ordnungszahlen des dritten Bereichs vom Range Null verstehen wir die Ordnungszahlen des zweiten Bereichs. Unter den Ord-
Intuitionistische Mathematik. III.
475
nungszahlen des dritten Bereichs vom Range 1 verstehen wir die Ordnungszahlen
m Vl - a y + ... -fco v "-a n ,
wo n und die a r nichtverschwindende natürliche Zahlen sind und die p v Ordnungszahlen des zweiten Bereichs, deren Maximalgrad nicht verschwindet. Unter den Ordnungszahlen des dritten Bereichs vom Range p + 1 verstehen wir die Ordnungszahlen
co Pl - ctx + • •• +
wo n und die a v nichtverschwindende natürliche Zahlen sind und die p v Ordnungszahlen des dritten Bereichs vom Maximalrange p.
Unter einer Spezies des dritten Bereichs vom Range p verstehen wir eine (vollständige oder quasi-vollständige) wohlgeordnete Spezies, welche eine Ordnungszahl des dritten Bereichs vom Range p besitzt.
Offenbar ist jede Spezies des dritten Bereichs, deren Ordnungszahl von Null verschieden ist, kondensiert.
Es gelten folgende zwei Eigenschaften:
1. Je zwei Ordnungszahlen des dritten Bereichs sind vergleichbar und besitzen, wenn sie voneinander und von Null verschieden sind, eine gleichfalls zum dritten Bereich gehörende Differenz.
2. Bei der Ordnungszahl co Vl - a 1 + ... co Vn - a n darf man annehmen, daß jedes p v+1 < p v ist.
Diese Sätze begründen wir, indem wir den ersten für Zahlen, deren Rang < p ist, mithin den zweiten für Zahlen, deren Rang ^ p ist, als bewiesen annehmen, und hieraus die Gültigkeit des ersten für Zahlen, deren Rang ^ p ist, folgern. Hierzu bemerken wir zunächst, daß wir für zwei Zahlen q und a, deren Rang < p ist, aus q < o die Formel cü" = co e + co a folgern dürfen, und nennen sodann für eine Zahl des dritten Bereichs co Vl • a 1 + ... -|- w Vn -a n den Exponenten p h das (2 h — l)-te Bestimmungselement und den Koeffizienten a h das 2h -te Bestimmungselement. Unter diesen Voraussetzungen wird von zwei Zahlen, deren Rang p ist, diejenige als die größere erkannt, von der das erste Bestimmungselement, das nicht für beide Zahlen gleich ist, das größere ist, während als Differenz der beiden Zahlen wiederum eine Zahl des Ranges p auftritt.
Die ordnungsgemäße Summe endlichvieler Ordnungszahlen des dritten Bereichs ist wiederum eine Ordnungszahl des dritten Bereichs.
n
Es seien yjco Pv -a v und co p , wo weder a 1 noch p verschwindet, zwei
V— l
Zahlen des dritten Bereichs. Indem wir p=\-\-q, mithin (o p — co-a> q
31*
476 L. E. J. Brouwer.
setzen, ersehen wir, daß co p sich mittels der beiden erzeugenden Operationen aus Urzahlen a> herstellen läßt. An der Hand dieser Konstruktion von co p können wir nun die Formel
I y, m p '-a r ! • w v = co v¡ -co p ur=l J
mittels der induktiven Methode beweisen, und zwar auf Grund der Tatsachen, daß
r n -i
w Vr •dyl-co — co p '■ co ;
L r _i J
daß für ß = + /? 2 + ... + ß m auf Grund der ersten erzeugenden Operation, aus
2¡co p "-a v ] •ß l = a!>«•»•&; [ j> Pv -ed -ß % = co^-ß^;
V=l - 1 V — 1 J
folgt
\2Jw p "-a v \ .ß m = co p >-ß„
L V=1
[j> p "-a„] -ß= co p '-ß;
und daß für ß = JJ ß fl auf Grund der zweiten erzeugenden Operation, aus
/'=i
folgt
[ 2 m Pr -a,.} -ß u = w p *-ß fi für jedes ) : 1 J
\¿co Pv -a„] .ß = m p >-ß. L r _i J
Es seien nun und ¿ oj^-b^ + b m+í , wo a 1 , b m+ 1 und
V = 1 fX — 1
die q, t nicht verschwinden, zwei Zahlen des dritten Bereichs. Alsdann ist das Produkt
gleich
r n -i r 7Yb
\2co p *-a v • E^'b fi + b m+ !
V—1 J 1 u=1
on r n -i r 71 i
2 \ 2œ v *-a r \(o q > i -b tl + \ 2m Vr -a r \-b„^ =
(i = l *-v=l ^ ^-v = l
m +1
n
= 2 v mittels der beiden erzeugenden Operationen aus Ur- zahlen co, die Formel
v= 1
mittels der induktiven Methode herleiten, und zwar unter Benutzung der Tatsachen, daß für ß = ß 1 -[- ß 2 ... -f- ß m auf Grund der ersten erzeugenden Operation, aus
\ßx
r 11 « i r n i '
[fleo v *a»J = coPi'ß'; co'' v ■ a,,J
(yiWa;
folgt
r 71 -\ ßm
\ 2<» Vv -a v \ =co^-ß,n
2 co Pr -a v \ = co Pi 'ß,
y= 1 J
und daß für ß = lim ß ft auf Grund der zweiten erzeugenden Operation, aus
/ 1
= co Pl '^ für jedes ^
folgt
lim 2>| >ß.
5] œ Pv -a v I = lim I JJ w Pr -a,. I ' = lim co Vl '^ l = co '' = co^'
r=l
Sei nun 2 co^-bp + b m+i , wo die ,« und b m+1 nicht verschwinden,
/"=i
eine weitere Zahl des dritten Bereichs, so ist
iib Q nv n
„ 2 -% + trt.i r » -, Syv.b n
\Zo> p *-a r " =1 =f2co p *-a r ]" =1 - Í
l v=i J U=i J U=i
1 b m+1
m a
Pi- 2 o> P. b w
,"=1 v-i p., m-t I
CO • 2J W
L, — i
478
L. E. J. Brouwer.
welcher Ausdruck als Produkt zweier Zahlen des dritten Bereichs wiederum eine Zahl des dritten Bereichs ist.
Mithin ist eine Potenz, deren Argument und Exponent Zahlen des dritten Bereichs sind, wiederum eine Zahl des dritten Bereichs.
Eine Fundamentalreihe ß l , ß^, ... von Ordnungszahlen des dritten Bereichs vom Range Null heißt induziert in bezug auf den dritten Bereich, wenn sie induziert in bezug auf den zweiten Bereich ist. Eine Fundamentalreihe a ls .. tt m , ß 1 , ß%, ... von Ordnungszahlen des dritten Bereichs, bei welcher ß 1 , ß.,, ... alle vom Range Null sind, heißt induziert in bezug auf den dritten Bereich, wenn die Fundamentalreihe ß 1 ,ß 2 ,... induziert in bezug auf den dritten Bereich ist.
Eine Fundamentalreihe ß 1 , ß. 2 , ... von Ordnungszahlen des dritten Bereichs, bei welcher eine solche steigende Fundamentalreihe v 1 , v„, ... existiert, daß ß Vl . alle vom Range p (> 0) sind, während für m
zwischen v und v n + x der Rang von ß m kleiner als p ist, heißt induziert in bezug auf den dritten Bereich, wenn erstens eine solche steigende Fundamentalreihe Q l ,Q i ,... existiert, daß die Exponenten ß Sl ,ß B , i ,... der Anfangsglieder von ß e ,, ß e ,, . ■. entweder beständig wachsen oder einander gleich sind, während für m zwischen g n und ç> n + 1 die Exponenten von ß m kleiner sind als ß' e , M , zweitens im ersteren Falle bei der Fundamentalreihe ß 'i , ß", •wo ß"= ß' 0l und jedes /C+i = ßL»~ ßL> eine steigende Fundamentalreihe o i; a 9 ,... auftritt, so daß ß a [, ß„ n , . .. alle vom Range h (< p) sind, während für m zwischen a n und a n + 1 der Rang von ß m kleiner als h ist, und die Fundamentalreihe ß", ß 2 , ... in bezug auf den dritten Bereich induziert ist.
Wir wollen jetzt beweisen, daß die (in üblicher Weise definierte) ordnungsgemäße Summe einer in bezug auf den dritten Bereich induzierten Fundamentalreihe ß lt ß^, ... von Ordnungszahlen des dritten Bereichs, bei welcher eine solche steigende Fundamentalreihe ^, r 3 , ... existiert, daß ß Vi , ... alle vom Range p sind, während für m zwischen v n und v n + 1 der Rang von ß m kleiner als p ist, wiederum eine Ordnungszahl des dritten Bereichs ist. Weil der Satz offenbar für p— 0 erfüllt ist, so dürfen wir beim Beweise des Satzes für den Rang p die Gültigkeit des Satzes für Ränge < p voraussetzen. Überdies dürfen wir bei der Beweisführung annehmen, daß g 1 = 1 ist und uns auf den ersten Fall des vorigen Absatzes beschränken, weil für den letzten Fall der Satz ohne weiteres einleuchtet. Für eine derartige im ersten Falle befindliche Fundamentalreihe ß 1 ,ß i ,... aber haben wir unter der Voraussetzung q 1 = 1 :
m ft' lim fil ,
lim ß r = lim ß Bn = lim aA« = m n = «r™ = ß w , wo ß cü auf Grund
m r= i n n
Intuitionistische Mathematik. III.
479
der Gültigkeit des Satzes für Ränge < p eine Zahl des dritten Bereichs vorstellt, so daß sich auch ß m als eine Zahl des dritten Bereichs ergibt.
Eine Fundamentalreihe ß x , /? 9 , ... von Ordnungszahlen des dritten Bereichs heißt induziert in bezug auf den dritten Bereich, wenn erstens eine solche steigende Fundamentalreihe existiert, daß die Ränge
von ß Vj , ß Vi , ... entweder beständig wachsen oder einander gleich sind, während für m zwischen v n und v n + 1 der Rang von ß m kleiner ist als der Rang von ß Vn „, zweitens im letzteren Falle die Fundamentalreihe ß lt ß„, ... in bezug auf den dritten Bereich induziert ist.
CO
Schreiben wir cd"' = œ l , co M¡ — a> 2 , m"'* = co 3 , ..., co n — e , so ist
n= i
die (in üblicher Weise definierte) ordnungsgemäße Summe einer in bezug auf den dritten Bereich induzierten Fundamentalreihe von Ordnungszahlen des dritten Bereichs entweder gleich der Ordnungszahl e oder wiederum eine Ordnungszahl des dritten Bereichs.
Wir leiten jetzt eine Reihe von sechs Eigenschaften her:
1. Zu einer beliebigen von Null verschiedenen Ordnungszahl des dritten Bereichs gehört sicher ein vollständiger Erzeugungswert, der vollständig induziert in bezug auf den dritten Bereich ist, d. h. dessen konstruktive Unterwerte alle Ordnungszahlen des dritten Bereichs besitzen, und für den bei jeder Anwendung der zweiten erzeugenden Operation die betreffende Fundamentalreihe von Ordnungszahlen in bezug auf den dritten Bereich induziert ist.
Für eine Ordnungszahl vom Range Null ist die Eigenschaft evident. Beim Beweise für eine Ordnungszahl vom Range p dürfen wir also voraussetzen, daß die Gültigkeit der Eigenschaft für Ordnungszahlen von Rängen < p schon feststeht. Weiter dürfen wir den Beweis beschränken auf eine Ordnungszahl der Form co k , wo k eine Ordnungszahl des dritten Bereichs vom Range q -J- co Tl ■ h (co T =) = ft> Ti+T % sowie für ä. (co ri ) + fo ri - A (co T ') = h (co ri+I =); .. mithin auch für co T ^ ++ w T,+ --- + Tm - i -h(co Tm ) = co z , sowie für
h (co T ' + -- -+ T »'-i) -j- co T i+- .Ji(a> r '") = h (co z ) •
Sei % = x t r a -f- r 3 + ... eine bei der Erzeugung des betreffenden
480
L. E. J. Brouwer.
zu Je gehörigen Erzeugungswertes auftretende Anwendung der zweiten erzeugenden Operation. Alsdann gilt unsere Eigenschaft, wenn sie für jedes co Ty , sowie für jedes h (co ) gilt, nach dem vorhergehenden ebenfalls für jedes C0 T ' +Ii+ --- +7 V ) un( J somit (weil die Fundamentalreihe r 13 r 9 ,..., also auch die Fundamentalreihe œ z ', cu Ti+I % œ Zi+r * +z \ ... bzw. die Fundamen- talreihe m T >, co z >-h (co z *), (o Zi+T *-h(co z '),... in bezug auf den dritten Bereich induziert ist) auch für lim a> Ti+T ' + -- +T v — co T , sowie für lim h (eo T i+ r =+- ••+ r v)
7 V V
■■= h (co 1 ).
Also gilt unsere Eigenschaft für co 1 '.
2. Eine beliebige von Null verschiedene Ordnungszahl des dritten Bereichs, deren letzter Exponent von Null verschieden ist, ist gleich der ordnungsgemäßen Summe einer in bezug auf den dritten Bereich induzierten Fundamentalreihe von nichtverschwindenden Ordnungszahlen des dritten Bereichs.
Diese Eigenschaft ergibt sich unmittelbar mittels der induktiven Methode unter Benutzung der Eigenschaft 1.
3. Jeder Abschnitt (also auch jeder Rest und jeder Ausschnitt) einer Ordnungszahl des dritten Bereichs ist wiederum eine Ordnungszahl des dritten Bereichs (so daß der dritte ebenso wie der erste und der zweite Bereich der Ordnungszahlen ununterbrochen ist).
Die Eigenschaft braucht nur für eine beliebige von Null verschiedene Ordnungszahl des dritten Bereichs ß bewiesen zu werden. Sie ergibt sich mittels der induktiven Methode an der Hand der Erzeugung eines (auf Grund von Eigenschaft 1 existierenden) zu ß gehörigen vollständigen und in bezug auf den dritten Bereich vollständig induzierten Erzeugungswertes.
4. Eine Fundamentalreihe a 13 a„,... von Ordnungszahlen des dritten Bereichs, deren (in üblicher Weise definierte) ordnungsgemäße Summe entweder eine Ordnungszahl des dritten Bereichs oder die Ordnungszahl e ist, ist induziert in bezug auf den dritten Bereich.
Im ersten Falle dürfen wir, weil die ordnungsgemäße Summe von « 1 ,ß 2 ,... voraussetzungsgemäß quasi-vollständigen wohlgeordneten Spezies entspricht und mithin feststeht, entweder daß nur eine endliche Anzahl, oder daß eine Fundamentalreihe von nichtverschwindenden a,, existiert, annehmen, daß das letztere der Fall ist. Auch dürfen wir annehmen, daß cc 1 + «a + • •. eine Ordnungszahl des dritten Bereichs a vom Range k ist, während die Gültigkeit der zu beweisenden Eigenschaft für Ränge der ordnungsgemäßen Summe < 1c schon feststeht. Weiter dürfen wir den Beweis beschränken auf den Fall a = co", wo p eine Ordnungszahl des dritten Bereichs vorstellt, deren Rang < lc ist.
Nehmen wir als ersten Unterfall an, daß der letzte Exponent von p
Intuitionistische Mathematik. III.
481
verschwindet, mithin p = q - |- 1 (wo q ebenfalls eine Ordnungszahl des dritten Bereichs, deren Rang < k ist, vorstellt) und a = lim co q -n ( n eine unbeschränkt wachsende natürliche Zahl). Alsdann gibt es ein kleinstes ^, zu dem ein solches v x >0 bestimmt werden kann, daß eo«-(r 1 +l)> ßj-pitj-f ... + a Bl oo q ■ v 1 ; ein kleinstes , zu dem ein solches r 2 > v 1 bestimmt werden kann, daß co q -(v., + 1) > cc x + + ••• + a "~ ein kleinstes q . ¿ , zu dem ein solches > v„ bestimmt werden kann, daß c ° a '(. v a + 1) > a i + ß 2 + • • • ~r a ez ^ 0)9 ' v sl usw - Die Exponenten der Anfangsglieder von a ßl , a e „, ... müssen alle gleich q sein, während für m zwischen o n und g n+1 die Exponenten von a m kleiner als q sind. Mithin ist die Fundamentalreihe a x , cc 2 , cc s , ... induziert in bezug auf den dritten Bereich.
Bleibt als zweiter Unterfall, daß der letzte Exponent von p nicht verschwindet. Alsdann ist (nach Eigenschaft 2) p = lim p v , wo jedes p,.
V
eine Ordnungszahl des dritten Bereichs vorstellt, und p r+1 > p r für jedes v. Mithin ist auch die Ordnungszahl cc = co p gleich der Ordnungszahl lim co Py und
V
gibt es ein kleinstes g i; zu dem ein solches > 0 bestimmt werden kann, daß co 1Pri + 1 > «j + + ... + a gi co Pr ' ; ein kleinstes o._,, zu dem ein solches v„ > v x bestimmt werden kann, daß œ Pr - +1 > a x + a„ - - ... + ^ ! e ^ n kleinstes q s , zu dem ein solches v 3 > r 3 bestimmt werden kann, daß co Pr * +1 > a x + -(- ... + a e , ^ c ° 1 ' r ' '> usw - Bezeichnen wir den Exponenten des Anfangsgliedes von mit er,', so müssen u ßl , a'„ n _, ... eine beständig wachsende Fundamentalreihe bilden, während für m zwischen p n und£) n + 1 die Exponenten von ec m kleiner als u ßn+1 sind. Weiter ist die Ordnungszahl lim u ßy = p. Schreiben wir also a ßl — a ßj und a¿' n+i = — a' Cn
für jedes 1, so ist (eben weil die zu beweisende Eigenschaft für Ränge der ordnungsgemäßen Summe < Je schon feststeht) die Fundamentalreihe a ßi , a ß [, ... in bezug auf den dritten Bereich induziert. Mit-
t f
hin sind auch zunächst die Fundamentalreihe oj a e>, co " ei , ..., sodann die Fundamentalreihe co" 1 ', co" 3 , . . . und schließlich die Fundamentalreihe ß x , , ... in bezug auf den dritten Bereich induziert.
Im zweiten Falle ist die Ordnungszahl a 1 +a 3 +-.. gleich der Ordnungszahl œ + m 1 + co„ -j- ... und gibt es ein kleinstes o 1 , zu dem ein solches ^>0 bestimmt werden kann, daß co Vl+i > cc x + + • • • + a Bi ^ o),., ; ein kleinstes o 2 , zu dem ein solches v„ > v x bestimmt werden kann, daß co v ,+i > «i + a 2 + ... + a ßi ^ co„ 2 ; ein kleinstes o :1 , zu dem ein solches v 3 > v 2 bestimmt werden kann, daß w V3+1 >«i + «2+ •• • + ^! usw. Die Ränge von a e¡ , a e „, .. . müssen beständig wachsen, während für m zwischen q n und Q n+1 der Rang von a m kleiner ist als der Rang von ß e „ + 1 .
482
L. E. J. Brouwer.
Mithin ist die Fundamentalreihe ß 1 ,ß 2 ,a 3 , ... induziert in bezug auf den dritten Bereich.
5. Wenn ß 1 ,ß a ,... eine Fundamentalreihe von Ordnungszahlen ist, welche mit der in bezug auf den dritten Bereich induzierten Fundamentalreihe u y von Ordnungszahlen des dritten Bereichs additiv- zusammengehörig ist, so gehört auch jedes ß v zum dritten Bereich und ist die Fundamentalreihe in bezug auf den dritten Bereich induziert.
Diese Eigenschaft ist eine unmittelbare Folge der Eigenschaften 3 und 4.
6. Ein beliebiger zu einer Ordnungszahl des dritten Bereichs gehöriger Erzeugungswert ist vollständig induziert in bezug auf den dritten Bereich.
Für einen vollständigen Erzeugungswert folgt diese Eigenschaft unmittelbar aus den Eigenschaften 3 und 4. Um sie für einen quasi-voll- ständigen Erzeugungswert (dessen Ordnungszahl wir als nichtverschwindend voraussetzen dürfen) herzuleiten, genügt es, denselben zum entsprechenden vollständigen Erzeugungswert in Beziehung zu setzen.
Eine wohlgeordnete Spezies F heißt unbestimmt zerlegt in bezug auf den dritten Bereich , wenn sie in solcher Weise in einen (evtl. fortfallenden) Abschnitt F' und einen (evtl. fortfallenden) Rest F" regulär zerlegt werden kann, daß jeder Rest von F entweder aus lauter Nullelementen besteht oder einen mit e inhaltsgleichen Anfangsteil besitzt und F" mit einer Spezies des dritten Bereichs inhaltsgleich ist (ohne deshalb notwendigerweise eine Ordnungszahl des dritten Bereichs besitzen zu müssen).
Eine in bezug auf den dritten Bereich unbestimmt zerlegte wohlgeordnete Spezies F braucht — schon im Falle, daß F" mit F identisch und mit der Ordnungszahl co 1 inhaltsgleich ist — nicht notwendig unbestimmt zerlegt in bezug auf den zweiten Bereich zu sein, wie aus folgendem Beispiel hervorgeht: Es sei F v für v < lc 1 und G v für v^t.k 1 eine vollständige wohlgeordnete Spezies der Ordnungszahl co''; es bestehe F,, für v'^.k 1 und G r für v < k 1 aus einem einzigen Nullelement; und es sei F — ( F x ~t- F. 2 -f- F s + ... ) -p ( G 1 + G<¡ + G s + • • • ) •
Ebensowenig ist eine in bezug auf den zweiten Bereich unbestimmt zerlegte wohlgeordnete Spezies G notwendigerweise unbestimmt zerlegt in bezug auf den dritten Bereich, wie folgendes Beispiel zeigt: Es sei G,. eine vollständige wohlgeordnete Spezies, welche für v < k 1 die Ordnungszahl co r , für v ^ die Ordnungszahl cú¡ c¡ besitzt, und es sei G — G 1 + G a -f- G s + ... .
Eine wohlgeordnete Spezies F heißt scharf zerlegt in bezug auf den dritten Bereich, wenn sie in solcher Weise in einen (evtl. fortfallenden) Abschnitt F' und einen (evtl. fortfallenden) Rest F" regulär zerlegt
Intuitionistische Mathematik. III.
483
werden kann, daß jeder Rest von F' entweder aus lauter Nullelementen besteht oder die Ordnungszahl e oder einen Abschnitt der Ordnungszahl e besitzt, und F" eine Ordnungszahl des dritten Bereichs besitzt (hierbei können wir, ohne der wohlgeordneten Spezies F eine weitere Einschränkung aufzuerlegen, überdies fordern, daß F' entweder in Fortfall kommt oder wenigstens ein Vollelement enthält).
Eine in bezug auf den dritten Bereich scharf zerlegte wohlgeordnete Spezies ist ebenfalls scharf zerlegt in bezug auf den zweiten (mithin auch in bezug auf den ersten) Bereich. Nach dem obigen Beispiel G = G 1 + G., + G 3 + ..., wo G v eine vollständige wohlgeordnete Spezies der Ordnungszahl co,, bzw. m ki vorstellt, ist aber eine in bezug auf den zweiten Bereich scharf zerlegte wohlgeordnete Spezies nicht notwendig scharf zerlegt in bezug auf den dritten Bereich.
Eine wohlgeordnete Spezies F heißt vollständig induziert in bezug auf den dritten Bereich, wenn während ihrer Erzeugung bei jeder durch eine Formel F 0 = F x + F^ + • • • ausgedrückten Anwendung der zweiten erzeugenden Operation, wo jedes F v nach der Formel F v ~ F v + F v in bezug auf den dritten Bereich scharf zerlegt ist, die betreffende Fundamentalreihe F x , F„. ... in bezug auf den dritten Bereich induziert ist, d.h. erstens entweder eine unbeschränkt wachsende Fundamentalreihe v x , r 3 ,... existiert, so daß jedes F r Vollelemente besitzt, oder ein solches m angegeben werden kann, daß F,'. für v > m aus lauter Nullelementen besteht bzw. fortfällt, zweitens im letzteren Falle die Fundamentalreihe der Ordnungszahlen von FÍ' , Fi , ... (wobei wir einem fortfallenden F r die Ordnungszahl Null zusprechen) in bezug auf den dritten Bereich induziert ist. Demzufolge ist dann jedesmal auch F 0 in bezug auf den dritten Bereich scharf zerlegt.
Sei F^4... im ein Element der in bezug auf den dritten Bereich vollständig induzierten wohlgeordneten Spezies F. Der Reihe nach ergibt sich, daß dieses Element in F^...^,, in F ilin _.._ im _^ .. in F it ia , in F i¡ und in F je einen Abschnitt und einen Rest bestimmt, die in bezug auf den dritten Bereich gleichfalls vollständig induziert sind. Mithin haben wir den Satz, daß jeder Ausschnitt sowie jeder Rest einer in bezug auf den dritten Bereich vollständig induzierten wohlgeordneten Spezies F gleichfalls in bezug auf den dritten Bereich vollständig induziert ist.
Eine in bezug auf den dritten Bereich vollständig induzierte wohlgeordnete Spezies F ist offenbar scharf zerlegt in bezug auf den dritten Bereich, weiter quasi-vollständig und, wie wir mittels der induktiven Methode ersehen, auch in bezug auf den zweiten (mithin ebenfalls in bezug auf den ersten) Bereich vollständig induziert. Schreiben wir, der scharfen
484
L. E. J. Brouwer.
Zerlegbarkeit von F in bezug auf den dritten Bereich entsprechend, F ^ F '^ F ', so besitzt die wohlgeordnete Spezies F', wenn sie nicht fortfällt, entweder einen Rest der Ordnungszahl e, oder alle nichtver- schwindenden Ordnungszahlen von Resten von F' sind größer als e.
Sei F eine in bezug auf den dritten Bereich vollständig induzierte wohlgeordnete Spezies, welche mit der ordnungsgemäßen Summe einer Fundamentalreihe F i , F 2 , ... von in bezug auf den dritten Bereich scharf zerlegten wohlgeordneten Spezies gleichwertig ist. Wir wollen beweisen, daß die Fundamentalreihe F x , _F a , ... in bezug auf den dritten Bereich induziert ist, und bemerken dazu zunächst, daß für die wohlgeordnete Spezies F, eben weil sie in bezug auf den dritten Bereich vollständig induziert ist, eine der drei folgenden Eigenschaften bestehen muß: entweder F besitzt einen Rest mit einer Ordnungszahl des dritten Bereichs (die auch Null sein kann), oder von einem gewissen Reste von F besitzt jeder Rest die Ordnungszahl e, oder aber jeder Rest von F besitzt eine Ordnungszahl > e. Diese drei Fälle behandeln wir der Reihe nach.
Erster Fall. F besitzt einen Rest F° mit einer Ordnungszahl des dritten Bereichs. Für ein bestimmtes m besitzt dann F m einen derartigen Rest F hl „ , daß die ordnungsgemäße Summe der Fundamentalreihe F a» + F m + i , • • • F" gleichwertig ist, so daß jedes Glied der
letzteren Fundamentalreihe eine Ordnungszahl des dritten Bereichs besitzt, und die Fundamentalreihe dieser Ordnungszahlen (eben weil ihre ordnungsgemäße Summe eine Ordnungszahl des dritten Bereichs ist) in bezug auf den dritten Bereich induziert ist. Dann aber gilt dasselbe für die Fundamentalreihe der Ordnungszahlen von F m + 1 , F m+2 , ... bzw. für die Fundamentalreihe der Ordnungszahlen von Fm+i, Fm+%> • • •> mithin auch für die Fundamentalreihe der wohlgeordneten Spezies F m+1 , F m + „, ..., mithin auch für die Fundamentalreihe der wohlgeordneten Spezies F i; _F 2 , F 3 , ... .
Zweiter Fall. Vom Reste F° von F besitzt jeder Rest die Ordnungszahl e. Für ein bestimmtes m besitzt dann F m einen derartigen Rest F m „, daß die ordnungsgemäße Summe der Fundamentalreihe F m „, F m + 1 , F m + 2 , .. . mit F° gleichwertig ist, so daß jedes Glied der letzteren Fundamentalreihe eine Ordnungszahl des dritten Bereichs besitzt und die Fundamentalreihe dieser Ordnungszahlen (eben weil ihre ordnungsgemäße Summe gleich e ist) in bezug auf den dritten Bereich induziert ist. Dann aber gilt dasselbe für die Fundamentalreihe der Ordnungszahlen von F m+1 , F m + 2 , ... bzw. für die Fundamentalreihe der Ordnungszahlen von F," +1 , F 7 " + «, ... , mithin auch für die Fundamentalreihe der wohlgeordneten Spezies F m + 1 , F m + 2 , . .., mithin auch für die Fundamentalreihe der wohlgeordneten Spezies Fi, F«, F 3 ,
Intuitionistische Mathematik. III.
485
Dritter Fall. Jeder Rest von F besitzt eine Ordnungszahl > s. Zu jedem m gibt es dann ein derartiges v m , daß für einen bestimmten (eigentlichen oder uneigentlichen) Abschnitt F°„, von F,. m die ordnungsgemäße Summe F m + F m + 1 ... + F Vm -± + Fy m die Ordnungszahl e besitzt, so daß wenigstens eine der wohlgeordneten Spezies F' m , F' m+X , ..rf v „ existiert und Vollelemente besitzt. Das heißt aber, daß es zu jedem m ein derartiges Q m ^ m gibt, daß F ßm existiert und Vollelemente besitzt, so daß die Fundamentalreihe der wohlgeordneten Spezies F lt F. v F s , ... in bezug auf den dritten Bereich induziert ist.
Kombinieren wir den hiermit bewiesenen Satz mit der Eigenschaft, daß jeder Ausschnitt sowie jeder Rest einer in bezug auf den dritten Bereich vollständig induzierten wohlgeordneten Spezies gleichfalls in bezug auf den dritten Bereich vollständig induziert ist, so ergibt sich, daß jede mit einer in bezug auf den dritten Bereich vollständig induzierten wohlgeordneten Spezies F gleichwertige wohlgeordnete Spezies G ebenfalls in bezug auf den dritten Bereich vollständig induziert ist (und zwar mittels der induktiven Methode an der Hand der Erzeugung von G ). Auf Grund dieser Eigenschaft bezeichnen wir eine Ordnungszahl als in bezug auf den dritten Bereich vollständig induziert, wenn jeder zu ihr gehörige vollständige Erzeugungswert in bezug auf den dritten Bereich vollständig induziert ist.
Dann aber ist auch jeder zu ihr gehörige quasi-vollständige Erzeugungswert in bezug auf den dritten Bereich vollständig induziert. Sei nämlich ß ein solcher quasi-vollständiger Erzeugungswert, daß der entsprechende vollständige Erzeugungswert a in bezug auf den dritten Bereich vollständig induziert ist. Jeder durch eine Formel a z ^ a' T -f- ß r " ausgedrückten scharfen Zerlegung in bezug auf den dritten Bereich eines konstruktiven Unter wertes a T von a entspricht dann eine durch eine Formel ß r ß' T + ß" ausgedrückte scharfe Zerlegung in bezug auf den dritten Bereich des entsprechenden konstruktiven Unterwertes ß T von ß (welche leicht eindeutig festgelegt werden kann, z. B. durch die Forderung, daß, wenn ß z nicht fortfällt, jeder Rest von ß' z Vollelemente aufweisen soll). Auf Grund dieser scharfen Zerlegungen seiner konstruktiven Unterwerte aber stellt sich ß an der Hand seiner mit cc parallelen Erzeugung unmittelbar als in bezug auf den dritten Bereich vollständig induziert heraus.
§ 6. Im vorigen haben wir gesehen, wie zur endlichen Bezeichnung von Ordnungszahlen zweierlei Elementarsymbole benutzt werden, nämlich Zahlsymbole, welche je eine bestimmte Ordnungszahl, und Verknüpfungssymbole, welche je ein aus gewissen geordneten endlichen Mengen von vorgegebenen Ordnungszahlen jedesmal eine Ordnungszahl erzeugendes Ge-
486 L. E. J. Brouwer.
setz repräsentieren. Zur Bezeichnung der Ordnungszahlen des ersten Bereichs genügten dabei das Zahlsymbol 1 und das Verknüpfungssymbol der Addition; zur Bezeichnung der Ordnungszahlen des zweiten Bereichs kam das Zahlsymbol co und das Verknüpfungssymbol der Multiplikation hinzu, während die weitere Hinzunahme des Verknüpfungssymbols der Potenzierung die Bezeichnung der Ordnungszahlen des dritten Bereichs erlaubte. Indem wir auf den Aufbau systematischer Theorien von Bereichen von Ordnungszahlen, welche über den dritten Bereich hinausgehen, verzichten, beschränken wir uns darauf, ein Beispiel eines Verknüpfungssymbols anzugeben, das, in Vereinigung mit den Zahlsymbolen 1 und co und den Verknüpfungssymbolen der Addition, Multiplikation und Potenzierung, die Bezeichnung von Ordnungszahlen erlaubt, welche nicht nur größer sind als die Ordnungszahlen des dritten Bereichs, sondern auch größer als die
Co
Ordnungszahlen e, s 1 = e c , e 2 = e El , e 3 == e r =, ..., e' e n .
n=l
Es sei a ein beliebiger basierter quasi-vollständiger Erzeugungswert, ß ein beliebiger quasi-vollständiger Erzeugungswert. Alsdann definieren wir den symbolischen Ausdruck {«, ß} mittels der induktiven Methode an der Hand der Erzeugung von ß durch folgende Festsetzungen:
Wenn ß einer aus einem einzigen Nullelemente bestehenden Spezies entspricht, so ist { u, ß } = u.
Wenn ß einer aus einem einzigen Vollelemente bestehenden Spezies entspricht, so ist {cc,ß} = cc".
Wenn ß = ß 1 -f- /? 2 + ... + ß m au f Grund der ersten erzeugenden Operation und der symbolische Ausdruck {«,/?,,} für v = 1, 2, .. m für jeden basierten quasi-vollständigen Erzeugungswert a als basierter quasi-vollständiger Erzeugungswert definiert ist, während überdies ein beliebiger basierter quasi-vollständiger Erzeugungswert u für v = 1, 2, .. m einen Abschnitt von {cc,ß„} darstellt, so ist { a, ß} = { a,ß 1 } -)-[{{ a, ß 1 }, ß„ } — {«, ß 1 }]
+ [{{(ßi + ßz)}, ß 3 } — {«> (ßi + /V}] + • • • + [{("> (ßi+ ßi~\- ••• +/ö,„_i)}, ß m } — {«, (ß 1 -j- /S 2 -j- • • • + ß m - 1)}]> so daß auch {«, ß } für jeden basierten quasivollständigen Erzeugungswert a als basierter quasi-vollständiger Erzeugungswert definiert ist, während überdies ein beliebiger basierter quasi-vollständiger Erzeugungswert a einen Abschnitt von {a, ß} darstellt.
CO
Wenn ß—JEßv auf Grund der zweiten erzeugenden Operation und
v= 1
{a, ß r } für jeden basierten quasi-vollständigen Erzeugungswert a und jedes v als basierter quasi-vollständiger Erzeugungswert definiert ist, während überdies ein beliebiger basierter quasi-vollständiger Erzeugungswert a für jedes v einen Abschnitt von { u, ß t , } darstellt, so ist { a, ß } = { a, ß 1 } + [{ ß > (ßl'T ßi)}~ i a ' ßl }] + [{ CC >(ßl + & + Ai)} ~ { a '(ßl + ßi)}} + • ••
Intuitionistische Mathematik. III.
487
= lim { a, (ß 1 -|- ... + ß r )}, so daß auch { k , ß} für jeden basierten quasi-
V
vollständigen Erzeugungswert a als basierter quasi-vollständiger Erzeugungswert definiert ist, während überdies ein beliebiger basierter quasi-voll- ständiger Erzeugungswert a einen Abschnitt von { «, ß} darstellt.
Auf Grund dieser Definition beweist man, in derselben Weise wie die analoge Eigenschaft der Potenz daß die Gleichwertigkeit bzw. Inhalts- gleichheit von ß und ß° einerseits und von a und a° andererseits, die Gleichwertigkeit bzw. Inhaltsgleichheit von {ci,/?} und {cc°,ß°} nach sich zieht. Der symbolische Ausdruck {a, ß} ist mithin nicht nur für einen beliebigen basierten quasi-vollständigen Erzeugungswert a und einen beliebigen quasi-vollständigen Erzeugungswert ß als basierter quasi-vollständiger Erzeugungswert, sondern auch für eine beliebige nichtverschwin- dende Ordnungszahl a und eine beliebige Ordnungszahl ß als nichtver- schwindende Ordnungszahl definiert.
Wie weit man indessen zur Bezeichnung von Ordnungszahlen mit der Einführung neuer Zahlsymbole und Verknüpfungssymbole auch fortfährt, so läßt sich dabei doch die Spezies der eingeführten Symbole in jedem Stadium als endlich betrachten, weil jede Definition einer Fundamentalreihe von Symbolen r lt r„, ... auf die Definition eines einzigen, auf ein beliebiges Element von A, mithin auf eine beliebige endliche Gruppe von Symbolen 1 bezüglichen Symboles r hinauskommt. Wenn wir nun nur solche Verknüpfungssymbole zulassen, welche je aus einer beliebig vorgegebenen endlichen geordneten Menge von Ordnungszahlen entweder eine Ordnungszahl erzeugen oder unmöglich eine Ordnungszahl erzeugen können, so bilden in jedem Stadium der Symboleinführung diejenigen Zusammensetzungen der schon eingeführten Elementarsymbole, welche Ordnungszahlen repräsentieren, eine zählbare (und selbstverständlich auch abzählbar unendliche) Spezies, von der übrigens mehrere Elemente dieselbe Ordnungszahl repräsentieren können.
Hieraus folgern wir die Unmöglichkeit, ein System a von Zahlsymbolen und Verknüpfungssymbolen der angegebenen Art einzuführen, das die Darstellung aller Ordnungszahlen erlaubt. Nehmen wir nämlich einen Augenblick die Existenz eines diese Eigenschaft besitzenden Systems a an, zählen wir diejenigen durch a gelieferten endlichen Zusammensetzungen von Elementarsymbolen, welche nichtverschwindende Ordnungszahlen repräsentieren, als eine Fundamentalreihe ab und sei ß v die dabei der natürlichen Zahl v
CO
entsprechende Ordnungszahl. Alsdann kann die Ordnungszahl ßa, d. h. O ist von größerem Gewicht als A.
(Eingegangen am 28. 11. 1925.)
Berichtigung
zu dem Aufsatz von L. E. J. Brouwer: „Zur Begründung der intuitionistischen Mathematik. II" in Band 95, S. 453—472.
S. 470, Z. 4 v. u. statt „2 (z* — 1)" lies „2z v —1" (der Fehler ist nach der Druckfertigerklärung infolge eines Versehens der Geschäftsführung entstanden).
Simpliziale Approximationen in der allgemeinen
Topologie.
Von
Paul Alexandrofï in Moskau.
In dieser Arbeit will ich zeigen, daß kompakte metrisierbare topo- logische Räume sich auf eine bestimmte Weise durch aus endlich-vielen Simplexen zusammengesetzte Gebilde (71-dimensionale Komplexe) approximieren lassen; daß, umgekehrt, jeder auf diese Weise approximierte Raum kompakt und metrisierbar ist; daß dabei ein ji-dimensionaler Raum 1 ) sich durch (im klassischen Sinne) n-dimensionale Komplexe approximieren läßt, und w- dimensional e Komplexe höchstens w-dimensionale Räume approximieren.
Die Kenntnis der Grundbegriffe der Dimensionstheorie 2 ) wird im folgenden vorausgesetzt.
I. it-dimension ale Komplexe.
1. Wir verstehen unter einem höchstens n-dimensionalen Komplexe ein (abstrakt gegebenes) endliches System von höchstens n - dimensionalen Simplexen, von denen je zwei entweder zueinander fremd sind, oder einen
') S. zur Orientierung in der allgemeinen Dimensionstheorie (außer der 1913 im Journ. f. Math. 142 erschienenen kurzen Brouwersehen Note, welche dieses Untersuchungsgebiet zuerst eröffnet hat):
Paul Urysohn, Les multiplicités Cantoriennes, Comptes Rendus de l'Ac. des Sc. de Paris 175 (septembre 1922); Mémoire sur les multiplicités Cantoriennes, Fund. Math. 7 und 8, sowie den Auszug aus der letzteren Arbeit, die demnächst in den Math. Annalen erscheint;
Karl Menger, Über die Dimension von Punktmengen, Monatshefte f. Math. u. Phys. 33 u. 34.
2 ) Siehe die Fußnote l ). Im folgenden werden insbesondere die Urysohnschen Arbeiten zitiert. Vor allem ist das Kapitel V des Urysohnschen „Mémoire ..für das Folgende von grundlegender Bedeutung.
Mathematische Annalen. 9ß. 32
490
P. Alexandroff.
aus einer gemeinsamen Seite 3 ) der beiden Simplexe bestehenden Durchschnitt besitzen. Falls dabei der eine Simplex p- und der andere q -dimensional ist (p < q), so kann der g-dimensionale Simplex den p- dimensional en als eine seiner Seiten enthalten.
Ein höchstens n-dimensionaler Komplex heißt n- dimensional, wenn unter seinen Simplexen wenigstens ein n-dimensionaler vorkommt.
Wir werden immer zu den den Komplex bildenden Simplexen auch alle ihre Seiten zählen, so daß, wenn ein Komplex
(1) $ = {S lt S 9 ,...,Sx}
vorliegt (wobei S 1} S<¡, ... , Si die den Komplex $ bildenden Simplexe sind), sich unter den Sj_, S 2 , • • Sx auch alle Seiten dieser Simplexe befinden. Diese Eigenschaft eines Komplexes dürfte als seine Vollständigkeit bezeichnet werden und wird im folgenden stets vorausgesetzt.
2. Es soll von Anfang an folgende Bemerkung gemacht werden. In der Topologie, ebenso wie in der elementaren Geometrie, ist ein n- dimensional er Simplex immer durch seine n -f- 1 Eckpunkte vollständig bestimmt, so daß zwei dieselben Eckpunkte besitzende Simplexe untereinander identisch sind.
Daraus folgt, daß der topologische Simplex nichts anderes als das System seiner n + 1 Eckpunkte ist, also eigentlich eine endliche Menge von Elementen feines bestimmten Elementenvorrates), die „Eckpunkte" heißen. Die Dimension des Simplexes ist einfach die um eine Einheit verminderte Kardinalzahl dieser Menge; die Seiten des Simplexes sind Teilmengen derselben endlichen Menge.
Wir können also folgende Definition aufstellen:
Es sei eine unendliche Menge W gegeben, deren Elemente Eckpunkte heißen sollen, und von der weiter nichts vorausgesetzt wird.
Eine aus n -j- 1 verschiedenen Elementen der Menge W bestehende Menge S heißt ein n-dimensionaler Simplex (n = 0,1,2,...); die echten Teilmengen der Menge S (die also r-dimensionale Simplexe sind, 0<¡?"<^?i— 1) heißen (die r-dimensionalen) Seiten des Simplexes S. Der Simplex S selbst kann auch als seine uneigentliche (n-dimensionale) Seite betrachtet werden.
Der Simplex S heißt größer als T , falls T eine Seite von S ist.
Zwei Simplexe heißen benachbart, falls sie (als endliche Mengen betrachtet) einen nichtleeren Durchschnitt haben. Dieser Durchschnitt ist dann stets eine gemeinsame Seite der beiden Simplexe.
Eine endliche Menge von höchstens w-dimensionalen Simplexen, unter
3 ) Dabei ist unter einer 0-dimensionalen Seite ein Eckpunkt zu verstehen.
Simpliziale Approximationen in der allgemeinen Topologie. 491
denen wenigstens ein n-dimensionaler vorkommt, heißt ein n-dimensionaler Komplex; diese Simplexe selbst und ihre Seiten heißen Elemente des Komplexes 4 ).
II. Ein einleitendes elementares Beispiel.
3. Es sei R eine Kreislinie. Wir teilen R in 2 m+1 (gleiche) Bögen und nennen den, aus diesen Bögen (und ihren Endpunkten) gebildeten, geometrisch vorliegenden, eindimensionalen Komplex. Jeder Punkt xcR ist entweder nur in einem Bogen aus enthalten, oder es ist x der gemeinsame Endpunkt zweier Bögen.
Indem wir durch $î m den zu ÍI,* dualen Komplex 5 ) bezeichnen, entspricht jedem Punkte x<=R entweder ein einziges 0- dimensionales Element von $ m , oder zwei zu einem und demselben 1-dimensionalen Elemente gehörende 0-dimensionale Elemente, und dann dieses 1 - dimensionale Element selbst.
Jedem Punkte xcR entspricht jedenfalls ein einziges Maximalelement von ( d. h. ein in keinem größeren, dem Punkte x entsprechenden Elemente enthaltenes Element), und dann entsprechen dem Punkte x auch alle (höchstens 2) Seiten dieses Maximalelementes.
Da dies für jedes m gilt, so enspricht jedem Punkte xcR eindeutig eine Kette
,if' ^2,»*' • • •>
wobei S .x das einzige, dem Punkte x entsprechende Maximalelement ans ist.
4. Nun müssen wir genauer einsehen, was eigentlich eine Kette ist.
Verschiedene Komplexe (m = 1, 2, 3, ...) werden untereinander
dadurch verbunden, daß gewisse Systeme von Simplexen, die zu verschiedenen gehören, wenigstens einem Punkte xa R gleichzeitig entsprechen (dabei jedoch nicht notwendig als Maximalelemente). Falls wir durch S m , im irgendein Element des Komplexes Îï m und durch das be-
4 ) Es sei an dieser Stelle bemerkt, daß die ganze kombinatorische Topologie sich auf diesen Boden übertragen läßt. Der Ansatz dazu ist in meiner Arbeit „ Zur Begründung der n-dimensionalen mengentheoretischen Topologie (Math. Ann. 94, S. 296) gegeben.
Ich möchte noch besonders betonen, daß dieser Standpunkt überhaupt erst dadurch ermöglicht ist, daß Brouwer zum ersten Male die Mannigfaltigkeitstopologie auf den Begriff des Simplexes gestützt hatte (Math. Ann. 70, 71, 72).
5 ) Der aus S } * dadurch entsteht, daß man jedes 0- dimensionale Element von S'm durch ein 1 - dimensionales ersetzt und umgekehrt.
32*
492
P. Alexandroff.
treffende Element von £* ( bezeichnen, nennen wir ein System von (0-oder
1 - dimensionalen) Elementen
(3 0 ) [Äi t<1 , S$ t ¿ u , ..i m ]
ausgezeichnet, falls alle diese Elemente gleichzeitig einem Punkte x<=R entsprechen (d. h. einfach, falls der Durchschnitt aller Simplexe S* io S*i■■■, S*, im nicht leer ist).
Eine Folge von der Gestalt
(4Q) $2,¿ 2 I • • •> • • •
soll dann ausgezeichnet heißen, wenn jeder ihrer Abschnitte [iS^, $2,i 25 • • •, S m , i,„ ] ausgezeichnet ist.
Eine Kette ist dann nichts anderes als eine ausgezeichnete Folge, die ihre Eigenschaft, ausgezeichnet zu sein, verliert, wenn man irgendeins ihrer Elemente durch ein größeres ( also ein 0 - dimensionales Element durch ein eindimensionales) ersetzt.
Wir haben gesehen, daß zu jedem Punkte xczR eine einzige Kette (4 0 ) gehört, und dann ist x der einzige, in allen Simplexen S* iim enthaltene Punkt.
Aber auch umgekehrt bestimmt vermöge letzterer Vorschrift jede Kette einen einzigen (zu allen S*, im gehörenden) Punkt x<= R.
Zwei Ketten, ( 4 0 ) und
(5 0 ) $1,7!) • • •» ■ ■ •
sind verschieden, falls wenigstens für ein m S m j m von S m , ,- m verschieden ist. Dann sind aber auch die entsprechenden Punkte x und y verschieden, und folglich sind von einem bestimmten m an die beiden Simplexe und Sm : j m nicht nur verschieden, sondern auch zueinander fremd.
Zwei verschiedene Ketten (4 0 ) und (5 0 ) können also nicht unendlich viele benachbarte Elemente und S m j,„ enthalten, d. h. die Bedingung 4° des § 7 ist erfüllt.
Offenbar sind auch die Bedingungen I o , 2°, 3° des § 6 erfüllt. 5. Wir betrachten jetzt folgendes, die Kreislinie als topologischen Raum definierendes Umgebungssystem.
Falls x ein gemeinsamer Endpunkt zweier Bögen des Komplexes $,* ist, so erklären wir als die m-te Umgebung U m (x ) des Punktes x die Menge aller Punkte der beiden in x anstoßenden Bögen von S',*, mit Ausnahme der beiden von x verschiedenen Endpunkte dieser Bögen.
Falls aber x nur zu einem Bogen des Komplexes gehört, so soll TJ m {x) aus allen inneren Punkten dieses Bogens bestehen.
Auf diese (übrigens einzig denkbare) Weise wird für jeden Punkt x und jedes m eine U m {x) bestimmt.
Simpliziale Approximationen in der allgemeinen Topologie.
493
Es sei nun
17!, i,,, > • •
die dem Punkte x entsprechende Kette und y irgendein anderer Punkt der Kreislinie R. Wenn man durch
die dem Punkte y entsprechende Kette bezeichnet, sieht man sofort ein, daß y dann und nur dann zu U m (x) gehört, wenn S 1 j i , S %J ^, ..., S m .j„, bzw. in S lt i„ /Si.i,, ..., S m ,i m enthalten sind.
Es gilt also folgende Regel:
Die m-te Umgebung des Punktes x besteht aus denjenigen Punkten, deren entsprechende Ketten als ihre ersten m- Elemente (echte oder unechte) Teilelemente der betreffenden Elemente der zu x gehörigen Kette haben.
Auf diese Weise wird unsere Kreislinie wirklich durch die Folge (2 0 ) als topologischer Raum definiert. Die „topologische Approximation" der Kreislinie durch die Komplexe (2 0 ) erhält dadurch einen ganz präzisen und mit unsrer Anschauung vollkommen übereinstimmenden Sinn. Wir wollen nun zeigen, daß dieser Sinn auch für beliebige kompakte metrisier- bare Räume derselbe bleibt.
III. Der allgemeine Begriff der topologischen Approximation.
6. Definition I. Eine abzählbare Folge von Komplexen
wird zu einem Spektrum, sobald ein Gesetz gegeben ist, welches gewisse, zu verschiedenen gehörige Elemente zu ausgezeichneten Systemen, die auch Gruppen heißen sollen, derart zuordnet, daß dabei folgende Bedingungen zur Geltung gebracht werden:
I o . Jede Gruppe 6 ) hat die Gestalt (3) S m , (,„]•
2°. Jeder Abschnitt einer Gruppe (3) (d. h. jedes System [Ä aiil ,..., wo m' < m ist) ist wiederum eine Gruppe, und umgekehrt ist jedes Element S m ,i„, wenigstens in einer Gruppe, und jede Gruppe als Abschnitt in einer anderen Gruppe enthalten.
3°. Jedes ausgezeichnete System bleibt ausgezeichnet, falls man in ihm irgendein Element durch ein Teilelement (= eine Seite) ersetzt.
Definition II. Ein Spektrum heißt endlich- und zwar n-dimen- sional, wenn alle Komplexe aus denen es besteht, n- dimensional sind.
m,im > ■ •
(2)
e ) E b sei nochmals bemerkt, daß in dieser Arbeit die Ausdrücke „Gruppe" und „ausgezeichnetes System" gleichbedeutend sind.
494 P. Alexandroff.
Ein Spektrum heißt unendlich dimensional, falls die Dimension von mit m unbegrenzt wächst.
7. Es sei ein Spektrum (2) gegeben.
Definition III. Eine unendliche Folge von Elementen
(^0 ,¿i> ^2,i 2 > • • •' • • •
soll ausgezeichnet heißen, falls jeder ihrer Abschnitte [, So;,,..., ausgezeichnet ist.
Definition IV. Eine ausgezeichnete Folge heißt eine Kette, wenn ihre Eigenschaft, ausgezeichnet zu sein, verloren geht, sobald man irgend- eins ihrer Elemente durch ein größeres Element ersetzt.
Definition V. Ein Spektrum soll ein approximierendes Spektrum heißen, wenn es folgende weitere Bedingung erfüllt:
4°. Zwei verschiedene Ketten
(4) ^liii ' ,ii> • • •; • ■ •
und
( "- 1 ) S hjl , . . ., $m,j m , • • •
können höchstens endlichviele benachbarte Elemente S m¡im und S m j m enthalten.
(Zwei Ketten heißen dabei verschieden, falls wenigstens ein Element S m ,i m der einen von dem entsprechenden Elemente 8 m j m der anderen Kette verschieden ist.)
8. Unter den Voraussetzungen I o bis 4° soll ein approximierendes Spektrum den („durch dieses Spektrum approximierten ") Raum R in eindeutiger Weise folgendermaßen bestimmen:
Jede Kette (4) des Spektrums soll „Punkt des Raumes R" heißen,
) X — , $2, j • • • , S m , i m ; • • •) '
der Simplex S m , i m soll die m-te Koordinate des Punktes x heißen, und die m-te Umgebung des Punktes x soll aus allen denjenigen Punkten
( 7 ) y =(s ii, St.jt» ■■■, s m , jm ,...)
bestehen, deren sämtliche ersten m Koordinaten in den entsprechenden Koordinaten des Punktes x enthalten 0 a ) sind:
(8) Sjc,j k Sjc.ib, für alle k <^m .
"*) Der Leser sei nochmals darauf aufmerksam gemacht, daß eine Koordinate ein Simplex, und ein Simplex eine endliche Menge ist. — Es sei noch endlich die selbstverständliche Bemerkung gemacht, daß zwei verschiedene Ketten als verschiedene Punkte des Raumes R betrachtet werden.
Simpliziale Approximationen in der allgemeinen Topologie.
495
9. Es besteht
IV. Der Hauptsatz.
Jeder durch ein (approximierendes) Spektrum definierte Raum ist ein kompakter metrisierbarer topologischer Raum. Umgekehrt kann jeder kompakte metrisierbare Raum durch ein Spektrum approximiert werden ; dabei ist die Dimension des Raumes der kleinsten Zahl (n oder oo) gleich, die als Dimensionszahl eines diesen Raum definierenden Spektrums vorkommt.
Beweis. Vorbemerkung. Wir machen zuerst noch einen rein terminologischen Schritt in der Definition des Simplexes weiter: Im § 2 haben wir betont, daß wir keine Voraussetzung über die Natur der Elemente der Menge W machen; da aber für unsere Zwecke genügt diese Menge als eine abzählbare Menge vorauszusetzen, so treffen wir von jetzt an die Verabredung, W sei die Menge aller natürlichen Zahlen. Ein w-dimen- sionaler Simplex wird dadurch zu einer, aus n -|- 1 verschiedenen natürlichen Zahlen bestehenden, Menge ').
10. Zuerst beweisen wir, daß unser durch das Spektrum (2) definierter Raum R ein topologischer Raum ist.
A 8 ). Jeder Punkt x hat wenigstens eine Umgebung (in unserem Falle sogar abzählbar viele Umgebungen) und ist in jeder seiner Umgebungen enthalten.
B. Es sei U p (x) die p- te und U q (x) die q- te (p <^g) Umgebung des Punktes x. Dann ist offenbar U p (x)-U J (x) = U q (x).
C. Es sei der Punkt
(^ ) y = [ß uil , s«,j 2 ,..., S m j m ,... i
in U m (x ) enthalten, wobei
( ^ ) X = (S± , , S 2 , in ) ' S-fll, i ln , . . . )
ist. Dann gelten die Inklusionen (8) Sjc,j k C : S]e ,i k , für alle k S m • • • ) )
so ist
Sic,h/c c: (k = 1 ,2,..., m),
7 ) Es braucht kaum erwähnt zu werden, daß diese Verabredung nur aus Bequemlichkeitsgründen getroffen und keineswegs wesentlich ist; übrigens berührt sie auch gar nicht die Allgemeinheit unserer Überlegungen.
8 ) A, B, C, D sind die bekannten vier Hausdorffschen Axiome des topologischen Raumes bzw. die Beweise ihrer Geltung im Räume B.
496 P. Alexandroff.
also zufolge (8)
^k,hk £>k,ik (^ = 1j 2, Wl),
was nichts anderes als zczJJ m (x) bedeutet. Da z ein beliebiger Punkt von u m (y) war = so ist u m (y)^ u m (x).
D. Es seien x und y ((6) und (7)) zwei beliebige (verschiedene) Punkte von R. Dann sind die Ketten (6) und (7) verschieden. Es gibt also (zufolge der Voraussetzung 4° des § 7) ein erstes derartiges m, daß S/c,i k ur| d S¡c,j k nicht benachbart sind, sobald 1c7>m ist.
Ich behaupte nun, daß U m (x)'U m {y) = 0 ist. Es sei, entgegen der Annahme, z ein (durch (9) gegebener) Punkt von U m (x)-U m (y). Dann ist, u. a.,
£>m,h m 'S«,»,,, Und c S mt j m ,
was der Definition der Zahl m widerspricht.
Die Umgebungen U m (x) genügen also den vier Hausdorffschen Axiomen A, B, C, D, was beweist, daß R ein topologischer Raum ist.
Bemerkung. Um dieses letztere Ergebnis zu erhalten, würde es genügen, die Voraussetzung 4° des § 7 durch eine viel schwächere zu ersetzen, nämlich:
Falls für jedes m S m ,• S m ,/„,=)= 0, so sind die Ketten (3) und (5) identisch.
Die Notwendigkeit der Voraussetzung 4° in der ursprünglichen Gestalt wird sich aber bald erweisen.
11. R ist kompakt. Es sei in der Tat
(10) M — {x,.} (v = 1, 2, ... in infinitum) eine abzählbare, in R gelegene Menge, wobei für jedes v
(11) x, = {8 lt ¡ m , s 2t < ,..., s mi .m ,
ist.
Da ¿i 1 À 1 ist (vgl. (2)), so gibt es wenigstens eine natürliche Zahl ^ a 1 von der Beschaffenheit, daß für unendlich viele Werte von v
(is,)
ist, und dann ist [S 1;i o] eine Gruppe. ([i 0, ..., S m¡i O
sind. Da nun die (ra-(-l)-te Koordinate nur endlich viele Werte annehmen kann, so existiert ein bestimmtes ¿,° + 1 von der Art, daß es (unter denjenigen x v , deren erste m Koordinaten der Reihe nach die Werte ( 13 )j; )
haben) unendlich viele Punkte gibt, die den Simplex S m + 1 o als ihre
~ l m+i
(»i + l)-te Koordinate haben. In dieser Weise erhalten wir eine Folge ' 4<>) ^1, ¿° > $2, t? ' • • • > i° . • "i
1 2 771
die u. a. die Eigenschaft hat, daß für beliebiges m die Menge der ersten m Elemente von (4 0 ) eine Gruppe ist. (4 0 ) ist also eine ausgezeichnete Folge. Falls überdies (4 0 ) eine Kette ist, so ist unsere Konstruktion beendigt. Falls nicht, unterziehen wir (4 0 ) folgender Transformation. Wir ersetzen, wenn dies möglich ist, ohne daß die Eigenschaft der Folge (4 0 ), ausgezeichnet zu sein dabei leide, >S 1-( o durch ein größeres Element 8 l möglichst hoher Dimension und lassen alle anderen Elemente von (4 0 ) ruhig auf ihren Plätzen stehen. Dadurch wird (4 0 ) in eine Folge (4 X ) verwandelt, deren Elemente S m i i heißen sollen (ra = 1,2,..., in inf.). (4j) ist dann wieder eine ausgezeichnete Folge.
Es sei die ausgezeichnete, aus den Elementen S m ,r bestehende
m
Folge (4 r ) bereits konstruiert. Wir untersuchen das Element $ r+1 { r und ersetzen, falls dabei der ausgezeichnete Charakter von (4 ) nicht zerstört wird, dieses Element durch ein größeres, möglichst hoher Dimension. Falls letzteres aber unmöglich ist, lassen wir $ r+] unver-
' T-\-1
ändert. Alle übrigen Elemente von (4 ; .) lassen wir jedenfalls unverändert. Die durch dieses Verfahren entstandene Folge ist ausgezeichnet und soll (4 r+t ) heißen; ihre Elemente werden dementsprechend durch „•'■+1 bezeichnet.
m ' m
In dieser Weise entsteht für jedes r die ausgezeichnete Folge (4.), wobei
(14) S r i r = Ä r i r+i = S r i r+-i = ... in inf.
ist.
Wir setzen jetzt für jedes m
• m
Im — ^rti
und erhalten so die (auf Grund der Identitäten ( 14)) ausgezeichnete Folge
( ^ ) , ii J $2, i» 3 • • • 5 , im J • • • •
498
P. Alexandroff.
Ich behaupte nun, daß letztere Folge eine Kette ist.
In der Tat, wenn dies nicht der Fall wäre, so könnte man in (4) ein bestimmtes Element S m „• durch ein größeres Element /SL . ' ersetzen,
' m m
so daß dadurch die ausgezeichnete Folge
(4) ,¿ a ' S 3Í S mí ...
entsteht. Dann wäre aber auch die Folge ( 4 m) S l,i™> S 2 •••> S m,i4»
ausgezeichnet, und das Element S m i m wäre falsch gewählt.
Die Ketteneigenschaft der Folge (4) und die Existenz des Punktes
(^) ^ = (Äl.iji $2,i 2 i • • • 9 ' ' *)
ist hiermit bewiesen.
Nun haben wir bereits gesehen, daß es für jedes to unendlich viele Punkte a; v (siehe (11)) gibt, die gleichzeitig den Inklusionen
i= iS 2ji n
genügen.
Das bedeutet aber, daß a; ein Häufungspunkt der Menge (11) ist.
Die Kompaktheit des Raumes i? ist hiermit bewiesen.
Um jetzt zu zeigen, daß i? nicht nur kompakt, sondern auch metri- sierbar ist, genügt es, einem bekannten Urysohnschen Metrisationssatze gemäß, die Geltung des II. Abzählbarkeitsaxioms in R zu beweisen. Zu diesem Zwecke betrachten wir einen beliebigen, durch (6) gegebenen Punkt X des Raumes R und eine beliebige Umgebung U m (x) dieses Punktes.
U m (x) ist die Menge derjenigen Punkte von R , deren erste m Koordinaten der Reihe nach in S it S miim enthalten sind. Jede U m ( X) ist folglich durch die Kenntnis der natürlichen Zahlen i 1 , i„, ..., i m in der hier gegebenen Reihenfolge vollständig bestimmt. Da es aber nur abzählbar viele endliche Folgen natürlicher Zahlen gibt, so ist auch die Menge aller verschiedenen U m (x) abzählbar, womit die Metrisierbarkeit des Raumes R bewiesen ist.
Von jetzt an sei R als ein kompakter metrischer Raum gedacht.
12. Wir untersuchen zuerst den Fall, wo das Spektrum (2) endlich — und zwar n- dimensional ist, und beweisen, daß dann auch R höchstens
Simpliziale Approximationen in der allgemeinen Topologie. 499
von der Dimension n ist. Der Beweis stützt sich auf einen von Urysohn herrührenden dimensionstheoretischen Fundamentalsatz.
Um diesen Satz bequem formulieren zu können, führen wir folgende Hilfsdefinition ein.
Es sei e eine beliebige positive und p eine natürliche Zahl. Ein endliches System von in einem metrischen Räume R gelegenen, abgeschlossenen Mengen
FF F
1 ' 2 ' ' x s
soll eine (e, p) - Überdeckung des Raumes R heißen, falls folgende Bedingungen erfüllt sind:
S
a) Die Vereinigungsmenge F i ist mit dem ganzen Räume R identisch;
i= 1
b) die Durchmesser ô (F { ) der Mengen F { (¿ = 1,2,...,«) sind sämtlich < e ;
c) es gibt keinen Punkt des Raumes R, der mehr als p unter den Mengen F i angehört.
Dann lautet der Urysohnsche Fundamentalsatz 9 ) folgendermaßen :
Damit ein kompakter metrischer Raum R die endliche Dimension n hat, ist notwendig und hinreichend, daß es für jedes e > 0 eine (e,« + l)- Überdeckung des Raumes R gibt, für ein hinreichend kleines e dagegen keine (e, n) - Überdeckung.
Wir müssen also jetzt beweisen, daß es für unseren, durch das ti - dimensionale Spektrum (2) definierten kompakten metrischen Raum R stets eine (e. n + 1)-Überdeckung gibt und zwar für jedes noch so kleine
•e > 0.
Wir bezeichnen zu diesem Zwecke durch F m ¿ die Menge aller Punkte von R, deren m-te Koordinate den Simplex 8 mi enthält, und beweisen zuerst, daß F m i stets eine abgeschlossene Menge ist. Es sei in der Tat
(6) X = t i 1 , $2 ,i 2 , . . .. S m , i, n , • • •)
ein Häufungspunkt der Menge F m i . Die Umgebung U m (x) enthält Punkte von F tni , was u.a. bedeutet, daß S m t im die m-te Koordinate wenigstens eines, der Menge F m i angehörenden Punktes enthält, woraus, vermöge der Definition von F mti , die Inklusion S m , im => S m ,i folgt, die eben aussagt, daß X ein Punkt von F m ¿ ist.
9 ) Urysohn, „Mémoire . . ." Kap. V (Fund. Math. 8, S. 301).
500
P. Alexandroff.
Jetzt beweisen wir weiter, daß für jedes e > 0 eine derartige natürliche Zahl m r existiert, daß die Ungleichung
( 15 ) HF m ,ù 0 und unendlich viele Mengen
(16) Fm,, j>] ) •••; F mkt p k , . . .
für die sämtlich <5 a ausfällt.
Es seien nun für jedes k x k und y k zwei zu F m/t¡Pl . gehörende Punkte, deren Entfernung u ist. Indem man, wenn nötig, die Folge (16) durch eine Teilfolge ersetzt, darf man voraussetzen, daß die x k bzw. y k gegen x bzw. y konvergieren, wobei
( 6 ) x = (Si )il , S 2 , ü _, ...)
und
y = j'i' • • ') 8m,jm> • • •)
zwei Punkte des Raumes R sind, deren Entfernung mindestens a beträgt, die also sicher verschieden sind.
Nun wollen wir zeigen, daß im Widerspruche mit der Voraussetzung 4° des § 7 die beiden Inklusionen
O 7) ^mk, Vk t= ^vik , i mk > Vk c $mk, j m/ .
für jedes k gelten.
Es sei in der Tat k beliebig gewählt.
Indem wir die m-te Koordinate von x bzw. « durch S .r bzw. S m .r bezeichnen, wählen wir r so groß, daß
(18) x r <= U mk (x ) und y r c TJ mk (y) ist und also die Inklusionen
(19) S .r C 8 . , S .r cz s .
K ' m k ' l m k m k-hnk m k'1m k m h^m k gelten.
Da nach der Definition von x r und y r
(20) S .r => S und S .r => S ,
K ' m k> x mk mk,Pk m k')m k mktPit'
so ist a fortiori die Inklusion (17) richtig.
Die Relation (15) ist hiermit bewiesen.
Wir bezeichnen jetzt durch
(21) 0?,
Simpliziale Approximationen in der allgemeinen Topologie.
501
diejenigen unter den Mengen F m i# welche O-dimensionalen Elementen S ,• des Komplexes entsprechen, und beweisen, daß sie (für m ^ m t ) eine (e, n + 1)-Uberdeckung des Raumes R bilden. Dazu zeigen wir erstens, daß (für jedes m, ) der Raum in der Vereinigungsmenge der Mengen (21) enthalten ist, zweitens, daß es keinen Punkt xcz R gibt, der zu mehr als Ti+l Mengen des Systems (21) gehört.
Wir fangen mit dem Beweise der letzten Behauptung an. Falls der Punkt
( t> ) X ( S 1 ¡ S-2, • . ■ , Sm,im> • • • )
zu mindestens n + 2 verschiedenen Mengen " 1 gehörte, so würde die m-te Koordinate von x, d. h. der Simplex S m¡ím , die entsprechenden null- dimensionalen Elemente S Mi i, also mindestens n- (-2 verschiedene Eckpunkte enthalten, d. h. von der Dimension n + 1 sein. Das widerspricht aber unserer Voraussetzung.
Die erste Behauptung, d. h. die Identität
v m
(22) R = 2<-K>
1= 1
folgt einfach daraus, daß jeder Punkt (6) des Raumes R in der entsprechenden Menge und also a fortiori in jeder einem Eckpunkte von S m¡ i m entsprechenden Menge 'P™ enthalten ist.
Der Beweis der Tatsache dim R <^n ist hiermit erbracht.
13. Es sei jetzt G ein w-dimensionaler kompakter metrischer Raum. Um zu zeigen, daß G sich durch ein n- dimensionales Spektrum approximieren läßt, betrachten wir eine gegen Null konvergierende Folge positiver Zahlen s m , die alle klein genug sind um die Existenz einer (e m , w)-Über- deckung des Raumes G auszuschließen. Wir wählen alsdann für jedes m eine bestimmte (e m , n + 1)-Überdeckung
(23) <5f, &Z ,
und konstruieren einen n-dimensionalen Komplex folgendermaßen:
Ein Simplex S = (s v s 2 ,.. .,«,.), wo s 1 , s 2 ,.. ,,s r beliebige (verschiedene) natürliche Zahlen sind, soll dann und nur dann dem Komplex angehören, falls die Menge
(24) z- .... = $? S]
nicht leer ist (dabei wird für s > v m definitionsgemäß C P™ leer vorausgesetzt). Es ist unmittelbar klar, daß mit dem Simplex S auch jeder Teilsimplex von S dem Komplex angehört, daß also die in § 1 ausgesprochene Vollständigkeitsbedingung erfüllt.
502
P. Alexandroff.
14. Die Folge der in dieser Weise definierten, offenbar n-dimensionalen, Komplexe wird zu einem w-dimensionalen Spektrum, indem man folgende Verabredung trifft.
Es seien
( 25 ) $m,l j ^m, 2 ! ■ • • ? $m, A„,
die Elemente von (m = 1,2,... in inf.). Wir sagen dann, daß das Elementensystem
(26) [S hil , S 2 ,
eine Gruppe ist, falls
(27) + 0 ist.
Zuerst ist, zufolge (24), <= > sobald S=>S* ist, woraus folgt, daß die Bedingung (27) erfüllt bleibt, falls man irgendeins der Elemente S k< i k (/c ■ • - gegeben. Zuerst behaupte ich, daß die Durchschnittsmenge
(29) I[$ IS ,
m, l m - m—i
einen und nur einen Punkt Xi ít j mj ... enthält.
In der Tat, da (28) eine ausgezeichnete Folge ist, so ist keine von
m
den abgeschlossenen Mengen F m = // ( i\s k ik ] leer, also ist, da F m => F m +1
der Durchschnitt aller F m , der ja mit (29) übereinstimmt, nach dem in jedem kompakten Räume gültigen Cantorschen Durchnittsatze ebenfalls nicht leer. Die Menge (29) kann aber unmöglich mehr als einen Punkt enthalten, da <5(0"'), also a fortiori ô ( ¿j), a l so a fortiori d[F m )
mit — unendlich klein wird.
m
Es seien jetzt (28) und (30) S% t j 1 , So, jzj • • •> S m< j m , ...
zwei „benachbarte" ausgezeichnete Folgen (d. h. es seien unendlich viele Elemente S mk ,i k und S m j k (¿=1,2,3,...) benachbart).
Simpliziale Approximationen in der allgemeinen Topologie. 503
Falls
ik ' & m/¡ , jk = £*mki l>k
ist, so ist, nach (24)
( 3I ) = r/j ['V, ú- ] + 0iS m k , «1
Da aber ô(& [Sm/ 7¡/ i) mit ~ gegen Null strebt, so ist zufolge (31)
auch
lim ô ( (Pis • i "l - • j) = 0 .
7 v l °Wfc> %k* ?A J/
K->CO
Die beiden Punkte und ... gehören aber zu
jeder der Mengen
.!+[« .i (¿=1 ,2,... in inf.).
1,5 »ía, ¿A j 1 i/.- \ » > /»
sie sind also notwendig identisch:
(31*) x = x ii, h im, •
Nachdem dies bewiesen ist, setzen wir voraus, daß die benachbarten ausgezeichneten Folgen (28) und (30) Ketten sind, und zeigen, daß sie dann notwendig identisch sind.
Im entgegengesetzten Falle würde es in der Tat wenigstens ein Paar verschiedener Elemente S miim und 8 m j,„ geben. Da die Elemente S m , und S m .j m verschieden sind, so gehört wenigstens ein Eckpunkt des einen dieser Elemente nicht dem andern an, und also ist die Kardinalzahl der Menge S m ,i m + S m ,j, n größer als die Kardinalzahl jeder von den Mengen S m , im und S m . jm .
Wir bezeichnen nun die natürlichen Zahlen, aus denen S m ,i m bzw. 8 m ,j m be st eht, du rch r 1 , r 2 , ..., r p bzw. ^ , i 2 ,..., t q ; es seien außerdem s 1 , s 2 ,..., s r alle verschiedenen unter den Zahlen r 1 , r 2 , ..., r , t t , i 2 , ..., t q .
Dann ist zufolge (24) und (29)
x = x- ■ • <=cp m .cß m . .0 1 ' 1
^ »t 2 » •••» t*> •••— T 1 ••• Tp
und
xz=x . <= çp™ .
^ X Jl> Ii, ■■■, 1k, ■■■ ^¡1 t q'>
also
(32) *= K-K- ••• -K-
Die Menge der natürlichen Zahlen s 1 ,s 2 ,...,s r ist also ein zum Komplex gehörender Simplex S m , hm , und zwar enthält S m , die beiden Simplexe S m , ¿ m und S m j m als echte Teilmengen.
Die Folge
( 33) Sl : , S 2, i 2 , ■ ■ • ) Sm— 1, im- j ' I I'm ' im + i> ' ' •
504
P. Alexandroff.
ist also, zufolge den Relationen
* = <*.- = •• •
(k=l, 2,...) und der mit (32) identischen Inklusion
X <= 0rg ]
'°m, fi/H '
eine ausgezeichnete Folge, was mit der Ketteneigenschaft von (28) im Widerspruch steht.
15. Das im § 14 konstruierte Spektrum definiert also einen Raumiü, und es bleibt uns nur übrig die topologische Identität zwischen R und C zu beweisen.
Dies geschieht wie folgt.
Wir haben im § 14 bewiesen, daß jeder ausgezeichneten Folge (28)
in eindeutiger Weise ein Punkt x iuii i k ,... von G entspricht. Das gilt
also insbesondere für jede Kette. Letzteres heißt aber, daß jedem Punkte des Raumes R ein einziger Punkt von G entspricht. Wir beweisen nun zuerst, daß diese Beziehimg zwischen R und G eine eineindeutige ist.
Es sei in der Tat x ein beliebiger Punkt von G. Wir betrachten alle diejenigen unter den Mengen ( I> m , es seien & m x , 0 m x , ..., 0 m x > die den
* 4 1 \ x
Punkt# enthalten; der Simplex {i'f ; ^ ¿ * } ist dann ein bestimmter Simplex S m .i m des Komplexes Sï m . Man sieht leicht ein, daß
( ) ^1. ¿1 3 $2 , i 2 > • • ■ 5 im 5 • • •
eine Kette ist, und daß der Punkt x mit dem durch die Kette (28) nach
der Vorschrift des §14 definierten Punkte x^ _ i k ,... (=dem einzigen
Punkte der Menge (29)) identisch ist.
Daß ein Punkt x in dieser Weise unmöglich zwei verschiedenen Ketten (28) und (30) entsprechen kann, beweist man leicht, indem man das von der Relation (31*) zur Folge (33) führende Raisonnement des vorigen Paragraphen wörtlich wiederholt. (Die Relation (31*) ergibt sich
daraus, daß der Punkt x selbst als ein mit ... und iti ...
gleichzeitig identischer Punkt vorausgesetzt war).
16. Nachdem die eineindeutige Beziehung zwischen den Punkten von R und G festgestellt ist, kann man einfach die Punkte von R mit den entsprechenden Punkten von G identifizieren; dann haben also die beiden Räume R und C denselben Punktvorrat. Um jetzt die Homöomorphie der beiden Räume R und C zu beweisen bleibt nur übrig zu zeigen, daß das (durch das Spektrum definierte) Umgebungssystem von R mit dem System aller sphärischen Umgebungen von G gleichwertig ist.
Simpliziale Approximationen in der allgemeinen Topologie. 505
Um letzteres Ziel zu erreichen genügt es die folgenden zwei Tatsachen zu verifizieren:
I. Jede Umgebung U m {x) (siehe §§ 8 u. 10) ist ein Gebiet (=eine offene Menge) rel C.
II. Für ein beliebiges e > 0 und einen beliebigen Punkt x gibt es eine U m (x ) von einem Durchmesser < e („Durchmesser" ist selbstverständlich in der Metrik von G zu verstehen.)
Ad I. Es sei
( 6 ) X = ($1 > , $2, ij , . . . , S m¡ i m , . . . )
ein beliebiger Punkt von ü! ~ G. Wir bezeichnen durch V m (x) die Menge aller Punkte, deren m-te Koordinate in S m¡im enthalten ist. Dann ist
m
u m( x ) = HV k (x), und es genügt zu zeigen, daß jedes V m (x) ein Gebiet
(rel G ) ist.
Es seien nun
(34) <5», <¡>1
alle diejenigen unter den Mengen (¿ ~ 1, 2, ..., v m , siehe § 13), die den Punkt x nicht enthalten, und W m (x) die Vereinigungsmenge aller Mengen (34). W m (x) ist eine abgeschlossene, den Punkt x nicht enthaltende Teilmenge von G. Die Behauptung I wird also bewiesen, wenn wir zeigen, daß
(35) V m {x) = C- W m (x) ist.
Es sei y ein Punkt von V m (x),
(7) y = l,fi> &2,h> •••> J •••)>
und es bestehe der Simplex S m ,j m aus den Zahlen si'", sl' n , s}'". Dann ist, da (7) eine Kette ist, y unter allen Mengen <5™ nur in den Mengen
(36) 0%, &4„, ..., 0 beliebig, x dabei durch seine „Koordinatenentwicklung" (6) gegeben. Wir wählen m genügend groß um ô ( í>¿") < E für jedes i zu haben.
Nach den Entwicklungen des vorigen Paragraphen ist U m (») ^V m (x) = C- W m {x),
d. h. jeder Punkt y <= U m (x) gehört zu einer den Punkt x enthaltenden Menge Da ô(&™)0 eine natürliche Zahl n^ e) und eine (e, n (£ )j- Überdeckung folgendermaßen bestimmen. Man nimmt für jeden Punkt x des Raumes C eine Umgebung U(x ) vom Durchmesser < e und wählt zufolge dem Borel-Lebesgueschen Satze eine endliche Zahl v f: dieser Umgebungen aus, so daß ihre Vereinigungsmenge mit C identisch ist.
Es seien üx\ U^\ ■ ■ ., diese Umgebungen. Dann bilden die
Mengen
, <=w (i£ *<.>)
eine (e, » (£) )-Überdeckung, wobei n (f ) die Ordnung") des Systems aller
Simpliziale Approximationen in der allgemeinen Topologie. 507
<£¿ £) , t ^ V( C ), d. h. die größte Anzahl einen und denselben Punkt enthaltender £ 0! • • • )
annehmen und wählen für jedes e eine Überdeckung
(23) {&?, '&?, ■ $Z} (wo v m = v Um) gesetzt ist)
von der soeben beschriebenen Art. Da C unendlich dimensional ist, so konvergiert n m = n Cm mit m notwendig gegen oo .
Von diesem Augenblick an geschieht die Konstruktion des, den Raum C approximierenden, Spektrums durch wörtliche Wiederholung der Uber- legungen der §§ 13 — 17. Das Spektrum ist unendlich dimensional, da
von der Dimension n m ist.
Der Hauptsatz ist bewiesen.
V. Schluß.
19. Jede topologische Eigenschaft eines kompakten metrischen Raumes läßt sich also immer in einer der folgenden Formen ausdrücken.
1. Der Raum kann durch wenigstens ein, gewissen Nebenbedingungen (die eben die in Frage stehende Eigenschaft charakterisieren) genügendes Spektrum approximiert werden.
2. Jedes den gegebenen Raum approximierende Spektrum genügt gewissen (soeben besprochenen) Nebenbedingungen.
Dabei ist aber zu bemerken, daß jede Nebenbedingung, der ein Spektrum genügen kann, nichts anderes ist, als eine Eigenschaft gewisser Anordnungen von Simplexen (also im letzten Grunde gewisser Anordnungen natürlicher Zahlen).
Die Anordnungen, die den Aufbau des Spektrums bestimmen und auf die es also allein ankommt, lassen sich in folgende drei Klassen teilen:
Anordnungen erster Art sind Anordnungen je endlich vieler „Eckpunkte" (= natürlicher Zahlen) zu einem Simplex. Sie besitzen nur eine Eigenschaft und das ist die Anzahl der natürlichen Zahlen (= der Eckpunkte), die notwendigerweise in jedem den gegebenen Raum definierenden Spektrum zu einem Simplex vereinigt werden müssen. Diese Eigenschaft ist nichts anderes als die Dimension des Raumes.
Anordnungen zweiter Art sind Anordnungen der Simplexe zu einem Komplex Die entsprechenden Eigenschaften des Raumes sind nichts anderes als Eigenschaften (rein kombinatorischer Natur), die möglicher-
33*
508
P. Alexandroff.
oder notwendigerweise den das Spektrum bildenden Komplexen zugeschrieben werden. Diese Eigenschaften des Raumes werden wir kombinatorische Eigenschaften nennen 10 ).
Anordnungen dritter Art sind Anordnungen endlich vieler, in verschiedenen Komplexen enthaltener Simplexe zu einem ^ausgezeichneten System.
Die diesen Anordnungen entsprechenden Eigenschaften des Raumes sind natürlich die kompliziertesten vom logischen Standpunkt aus: sie lassen sich nämlich nur selten in einer „reinen", d. h. von den Eigenschaften erster und zweiter Art unabhängigen Form darstellen. Übrigens scheint es, daß die Anordnungen dritter Art den Aufbau des Raumes im kleinen bestimmen, soweit das ohne Hinzunahme der Dimensionseigenschaft geschehen kann.
Wir wollen nun elementare Beispiele „reiner" Eigenschaften zweiter und dritter Art geben.
20. Ein Komplex ft heißt zusammenhängend, wenn er sich nicht in zwei zueinander fremde Komplexe zerlegen läßt. (Dabei heißt ein Komplex $ in zwei Komplexe ftj und ft„ zerlegt, falls jedes Element von ft ein Element von ft, oder ft 2 , und jedes Element von ft f (¿=1,2) ein Element von ft ist.)
Man beweist leicht, daß ein Komplex ft dann und nur dann zusammenhängend ist, falls je zwei Elemente von ft, S 0 und S p+1 durch eine (endliche) Folge der Reihe nach benachbarter Elemente von ft, etwa So, S 1} .S p , S p + 1 , verbunden werden können.
Es gelten folgende zwei Sätze:
I. Falls ein kompakter metrisierbarer topologischer Raum R zusammenhängend ist, so besteht jedes, diesen Raum approximierende Spektrum aus lauter zusammenhängenden Komplexen.
Es sei ein den Raum R approximierendes Spektrum:
(2) ft^ft,,...,®,,,, ...
gegeben und z. B. ft m nicht zusammenhängend, also
(24) ftm = ftm + ftm,
wobei ft¿, und ft„ zueinander fremd sind.
Es seien x (l>™ bzw. die den nulldimensionalen Elementen von
ftm bzw. ft^ entsprechenden abgeschlossenen Mengen (s. §12, (21)),
10 ) Die auf diese Arbeit unmittelbar folgende Abhandlung beschäftigt sich mit kombinatorischen Eigenschaften allgemeiner Kurven, d.h. eindimensionaler Kontinua.
Simpliziale Approximationen in der allgemeinen Topologie.
500
und bzw. die Vereinigungsmenge aller Mengen , (fr™ bzw. ■//>/'" ■ Dann ist
(25) R = T? + TT .
Ich behaupte nun, daß die abgeschlossenen Mengen und 1 J T zueinander fremd sind. Falls in der Tat ein zu X I'™- X I J ™ gehörender Punkte- vorhanden wäre, so würde seine m-te Koordinate S m ,i m ein Element des Komplexes und gleichzeitig auch ein Element des Komplexes ^ enthalten. S m ,i m könnte also weder zu noch zu Sf,« gehören.
II. Wenn ein kompakter metrisierbarer Raum sich mittels eines aus lauter zusammenhängenden Komplexen bestehenden Spektrums approximieren läßt, so ist er zusammenhängend.
Der Beweis dieses Satzes ergibt sich sofort (unter Berücksichtigung der am Anfang dieses Paragraphen erwähnten notwendigen und hinreichenden Bedingung für den Zusammenhang eines Komplexes und der elementaren Eigenschaften der kompakten metrischen Bäume) aus einer Anwendung der Ungleichung ( 15) (und des diese Ungleichung enthaltenden Absatzes) des § 12.
Wir sehen also, daß die Eigenschaft eines kompakten metrisierbaren Raumes, zusammenhängend zu sein, eine kombinatorische Eigenschaft des Raumes ist, die sich dabei in jeder der Formen 1., 2. (§19) ausdrücken läßt.
21. Dagegen ist durch den Zusammenhang im Kleinen ein Beispiel einer Eigenschaft gegeben, die sich ausschließlich auf die Anordnungen dritter Art zurückführen läßt.
Um dies einzusehen, führen wir zuerst folgende Bezeichnung ein:
Es seien beliebig gegeben:
1. Ein approximierendes Spektrum (2),
2. ein nulldimensionales Element S m , im eines beliebigen, aber bestimmten Komplexes des Spektrums (2),
3. eine natürliche Zahl s > m.
Dann bezeichnen wir durch s den Komplex, der aus allen denjenigen Elementen von besteht, die zu wenigstens einer, das Element enthaltenden Gruppe gehören.
22. Man beweist jetzt leicht den folgenden Satz:
III. Damit der kompakte metrische Raum R im Kleinen zusammenhängend sei, ist notwendig und hinreichend, daß es ein den Raum R approximierendes Spektrum gibt, für welches alle Komplexe Q m ,i„, )S zusammenhängend sind.
510
P. Alexandroff.
Der Beweis läßt sich folgendermaßen skizzieren:
Zuerst beweist man, daß der Zusammenhang aller Q m ,i m ,s (m,i m fest, s > ra variabel) notwendig und hinreichend ist, damit die betreffende Menge (§12 (21)) zusammenhängend sei. Wenn aber alle Kon- tinua sind, so folgt der Zusammenhang im Kleinen des Raumes R sofort aus der Ungleichung (15) (§ 12) und einem bekannten Sierpiñskischen Satze 11 ).
Die Bedingung des Satzes III ist also hinreichend.
Um ihre Notwendigkeit einzusehen, beachte man zuerst, daß man für jeden im Kleinen zusammenhängenden n-dimensionalen kompakten metrischen Raum R und für jedes e > 0 eine (e,n - j- 1) Überdeckung finden kann, die aus lauter Kontinuen besteht 12 ). Daraus folgt aber leicht, daß man R durch ein Spektrum 13 ) approximieren kann, zu dem zusammenhängende Mengen und folglich zusammenhängende Komplexe Q m ,i,„, s gehören.
23. Aus dem letzteren Beispiele kann man die Wichtigkeit der Anordnungen dritter Art erkennen.
Übrigens kann man auch sehr leicht Räume angeben, die gleiche Dimension und dieselben kombinatorischen Eigenschaften haben (die sich nämlich durch aus denselben Komplexen bestehende Spektra approximieren lassen), trotzdem aber topologisch verschieden sind. Es genügt für den einen Raum eine abgeschlossene geradlinige Strecke, für den andern die bekannte, in Cartesischen Koordinaten folgendermaßen erklärte Kurve zu wählen :
y = sin —, für 0 < x < -
X — n
— 1 <¡ ?/ <¡ 1, für x = 0 .
Beide Kurven lassen sich durch Spektra approximieren, deren sämtliche Komplexe z. B. aus ra linear aneinander schließenden 1-dimensionalen Simplexen bestehen (man erhält also indem man einfach eine Strecke in ra Teilstrecken teilt).
2i. Ich hoffe mit dieser ganzen Untersuchung gezeigt zu haben, daß zwischen der Topologie der klassischen Gebilde und der modernen mengentheoretischen Topologie gar nicht eine so tiefe Kluft liegt, wie man es sich oft vorstellt. Vielmehr dürfte man eigentlich sagen, daß die topo- logischen Eigenschaften in beiden Fällen Eigenschaften kombinatorischen Ursprungs sind, weil sie sich als Anordnungseigenschaften gewisser end-
11 ) Fund. Math. I.
10 ) Urysohn, „Mémoire ..Kap. V (Fund. Math. 8, S. 301).
13 ) Und zwar derselben Dimension wie R selbst.
Simpliziale Approximationen in der allgemeinen Topologie. 511
licher Schemata deuten lassen 14 ). Es besteht aber doch ein wesentlicher Unterschied zwischen unserem allgemeinen Falle und dem Falle klassischer Gebilde. Hier wie dort hat man eine Folge von „beliebig fein" werdenden Schemata, deren Gesamtheit den Raum definiert. Der Unterschied liegt aber darin, daß im klassischen Falle die Eigenschaften der Schemata und ihre sukzessive Zuordnung stationär bleiben, so daß sich der Raum mit seinem Schema einfach identifizieren läßt. Im allgemeinen Falle variieren dagegen diese Eigenschaften, indem man zu immer feineren Schemata übergeht und die Verfeinerung selbst („Anordnungen dritter Art") läßt sich nicht einmal als ein sukzessiver Prozeß darstellen.
Der Raum läßt sich demgemäß nur durch einen Grenzübergang erzeugen.
Le Batz (Loire Inférieure), August 1925.
14 ) Falls der Raum R, der durch ein Spektrum approximiert wird, etwa eine geschlossene Mannigfaltigkeit ist, so entsprechen die Anordnungen dritter Art in einer bestimmten, aber indirekten Weise denjenigen Anordnungen, die durch Verfeinerung der betreffenden Zellengebäude hervorgerufen werden. (Vgl. die §§ 3 — 5.) Nur müssen diese Zellengebäude in einer von der üblichen abweichenden Weise aufgerichtet werden (man vergleiche z. B. die Lebesgueechen Würfeleinteiluugen der euklidischen Räume in seiner Arbeit „Sur les correspondances entre les points de deux espaces", Fund. Math. 2).
(Eingegangen am 10. 9. 1925.)
Berichtigung.
In den in Bd. 92 der Mathematischen Annalen erschienenen Arbeiten:
P. Alexandroff und P. Urysohn f, „Zur Theorie der topologischen Räume",
P. Alexandroff, „Über die Struktur der bikompakten topologischen Räume",
P. Alexandroff, „Über die Metrisation der im kleinen kompakten topologischen Räume",
wird S. 258, S. 264, S. 269 und S. 299 hingewiesen auf die noch nicht erschienenen Abhandlungen: P. Alexandroff und P. Urysohn f, „Mémoire sur les espaces topologiques compacts" und P. Alexandroff, „Sur les espaces localement compacts", und mitgeteilt, daß diese Abhandlungen in den Fundamenta Mathematicae zur Veröffentlichung gelangen werden. Diese Veröffentlichung ist indes wegen technischer Schwierigkeiten nicht zu Stande gekommen, und die beiden Abhandlungen werden im Laufe des Jahres 1927, vereinigt unter dem gemeinsamen Titel: P. Alexandroff und P. Urysohn j, „Memoire sur les espaces topologiques compacts", in den Verhandelingen der Amsterdamer Akademie zum Abdruck gebracht werden.
Über kombinatorische Eigenschaften allgemeiner Kurven.
Von
Paul AlexandrofE in Moskau.
Zweck vorliegender Arbeit ist in einer mehr oder weniger systematischen Weise diejenigen Eigenschaften der allgemeinen Kurven (d. h. der eindimensionalen kompakten metrisierbaren topologischen Räume) 1 ) darzustellen, die ich in meinem vorstehenden Aufsätze 1 ") als kombinatorische Eigenschaften bezeichnet habe.
Eine ausführliche Kenntnis der soeben zitierten Arbeit wird im folgenden nicht vorausgesetzt.
Inhaltsübersicht.
I. Zusammenhängende eindimensionale Komplexe §§ 1 — 12 II. Die Zusammenhangszahl der allgemeinen Kurven §§13 — 21 Verschiedene Formen der Definition .... §§13 — 18 Additionssatz §§19 — 21
III. Der Brouwersche Invarianzsatz §§22 — 34
IV. Geschlossene Kurven §§35 — 41
Innere (invariante) Definition der regelmäßig und unregelmäßig geschlossenen Kurven.
Der Fall ebener Cantorscher Kurven als
Spezialfall §§35 — 36
Eigenschaften geschlossener Kurven (regelmäßige und unregelmäßige Geschlossenheit, Irreduzibilität, Unzerlegbarkeit) . . §§37 — 41
') Vgl. Urysohn, C. R. 175 (1922), p. 481; „Mémoire sur les multiplicités Canto- riennes", II. Teil (erscheint demnächst in den Verhandelingen der Kgl. Akademie der Wissenschaften zu Amsterdam); Menger, Monatshefte f. Math. u. Phys. 33 (1923), S. 148, Grundzüge einer Theorie der Kurven", Amsterdamer Proceedings 28, S. 67 und Math. Ann. 95, S. 277.
' a ) „Simpliziale Approximationen in der allgemeinen Topologie", §19.
P. Alexandroff. Kombinatorische Eigenschaften von Kurven.
513
V. Stetige Kurven
§§42-64
Begriff des offenen Bogenkomplexes . . . §§45 — 46 Struktur der endlich hoch zusammenhängenden stetigen Kurven §§42 — 44, 47 — 60
Weitere Eigenschaften dieser Kurven. Ein invariantes Analogon dec Schoenfliessehen Umkehrung des Jordanschen Kurvensatzes §§60 — 62
Unendlich hoch zusammenhängende stetige
1. Wir denken uns zuerst eine aus endlich vielen Bögen gebildete, im gewöhnlichen dreidimensionalen Räume R 3 liegende Kurve L. Zwei Bögen haben dabei natürlich keinen von ihren Endpunkten verschiedenen gemeinsamen Punkt und jeder von ihnen ist etwa als ein einfacher Streckenzug zu denken. Vom Standpunkte der kombinatorischen Topo- logie aus kann L offenbar als ein zusammenhängender Streckenkomplex aufgefaßt werden. Aber auch umgekehrt kann bekanntlich jeder abstrakt gegebene zusammenhängende Streckenkomplex als eine in R 3 liegende Kurve L von der soeben beschriebenen Art interpretiert werden.
Um sprachliche Mißverständnisse zu vermeiden werden wir von Bogen - komplexen (statt 5¿ra;&e?ikomplexen) sprechen: das Wort „Strecke" soll nämlich nur für geometrisch gegebene im Euklidischen Räume liegende geradlinige Strecken gebraucht werden. Falls wir also im dreidimensionalen Räume eine geometrische Realisation eines gegebenen (eindimensionalen) Komplexes vor uns haben, so besteht jeder Bogen dieses (geometrisch realisierten) Komplexes aus endlich vielen Strecken.
2. Die Kurven der soeben erwähnten Art und die ihnen homöomorphen Kontinua sind Linien im elementaren, nicht einmal mathematischen Sinne des Wortes und können etwa mit Hilfe eines Fadens mit endlich vielen Zusammenheftungen materiell dargestellt werden. Nun scheint eine der wichtigsten und gleichzeitig anschaulichsten topologischen Invarianten dieser Linien diejenige zu sein, die die Zahl der eventuell auftretenden „Schlingen", das heißt z. B. die Zahl der verschiedenen Möglichkeiten, den Faden auf einen Haken zu hängen, angibt.
Mathematisch ausgedrückt handelt es sich um die größte Zahl s = s (L) von der Art, daß es ein System von s einjachen geschlossenen, in L enthaltenen Polygonen
Kurven
§§ 63-64
I. Zusammenhängende eindimensionale Komplexe.
(1)
P P P
L i ? *■ 2> • • • > s
514
P. Alexandroff.
gibt, zu dem sich ein ebenfalls aus s zu L fremden Polygonen (2) i7 1 , 77 3 , .. IJ S
bestehendes System so bestimmen läßt, daß für jedes m (1 s = s r _ 1 , s'=s r _ 1 , und also s' — p = s .
b) Beide Endpunkte von S r gehören zu L r _ 1 . In diesem Falle ist p = p r - 1 - t"l> un d wir müssen nur beweisen, daß s'=s r -i + 1 = s ist.
Zuerst beweisen wir, daß
(7) s'^s^ + l
ist. Im entgegengesetzten Falle würde es sicher s r _ 1 -(-2 = i verschiedene (im allgemeinen nicht singularitätenfreie) Polygone
(B)
geben, zu denen die die Verschlingungsvorschriften des § 2 erfüllenden Polygone
(9) n x ,n„...,n t
angebbar sind.
516
P. Alexandroff.
Wenigstens zwei der Polygone (8), es seien P t und P t _ lt enthalten den Bogen S r (weil sonst wenigstens t — 1 = sf-i + 1 Polygone (8) im Widerspruch mit der Definition der Zahl s r '_ l5 in L r ^ 1 enthalten wären).
Zufolge unserer Voraussetzungen kann man zwei bzw. durch P t _ 1 und P f begrenzte (im allgemeinen sowohl Selbstdurchdringungen, als durch eventuelle mehrfache Elemente ihrer Begrenzungen hervorgerufene Singularitäten besitzende) Flächenstücke D t _ x bzw. D t derart wählen, daß die algebraische Anzahl ihrer Schnittpunkte mit IJ t _ 1 bzw. ü ( gleich 1, mit TI t bzw. IT t _ 1 dagegen gleich Null ist. Daraus folgt, daß jedes der Polygone H i _ 1 und Il t , von denen wir das eine durch II 0 bezeichnen, mit dem D t + D % begrenzenden, aus P l _ 1 -\- P t durch Fortlassung des Bogens S r entstandenen Polygon P 0 verschlungen ist.
P 0 ist sicher von jedem der Polygone P^, P„, .... P t _ 9 verschieden (weil sonst z. B. II t gleichzeitig mit zwei verschiedenen Polygonen (8) verschlungen wäre); das Polygonsystem
genügt also allen Bedingungen des § 2 (insbesondere sind alle P m , 0<[m<¡¿ — 2, in L r _ 1 enthalten), so daß die Zahl s'(L r _ 1 ) mindestens gleich t — 1 sein sollte, was unmöglich ist, weil sie gleich t — 2 ist. Durch diesen Widerspruch ist die Ungleichung (7) bewiesen.
6. Unser Ziel wird erreicht sein, sobald wir beweisen, daß
ist. Vorausgesetzt, es wären P i bzw. 77 i; l¿¿^s r _i, P í <= L r _ 1 , die zufolge der Identität s(L r _ 1 ) = s r _ i vorhandenen, den üblichen Bedingungen genügenden einjachen Polygone. Da beide Endpunkte von S r zum zusammenhängenden Komplex L r _ 1 gehören, kann man sie durch einen einfachen Weg W innerhalb L r _ 1 verbinden und
ist dann ein einfaches, in L r enthaltenes Polygon. Um das entsprechende TI 0 zu erhalten braucht man nur durch den Mittelpunkt c einer der den Bogen S r bildenden Strecken die zu dieser Strecke senkrecht stehende Ebene zu legen und in dieser Ebene ein hinreichend kleines den Punkt c als Mittelpunkt besitzendes Quadrat zu konstruieren. Das System aller P. bzw. TI i (0?— 1 ist. Andrerseits kann aber v(L') unmöglich größer als v — 1 sein, weil im letzteren Falle ein aus v Polygonen
P* p* p*
1 1 5 M) •" J r y
bestehendes, in L' enthaltenes irreduzibles System vorhanden wäre, das durch Hinzufügung des Polygones P 0 in ein in L enthaltenes, aus v -)- 1 Polygonen bestehendes, der Definition der Zahl v widersprechendes, irreduzibles System übergehen würde. Da aber v(L') = p(L') und p(L')= p(L) — 1 ist, so folgt die Identität (12) ohne weiteres aus (14), w. z. b. w.
9. Wir geben endlich noch eine Interpretation von p(L), die, obwohl im folgenden nicht gebraucht, in mancher Untersuchung als nützlich erscheinen dürfte.
10. Ein Paar von identischen, aber verschieden orientierten Bögen eines Komplexes werden wir ein Nullpaar nennen.
Wir wollen jetzt eine Einschiebung eines Nullpaares zwischen zwei aufeinanderfolgenden Bögen eines beliebigen Polygons P und ebenso eine Fortlassung aus P eines eventuell daselbst enthaltenen Nullpaares als erlaubte Abänderungen des Polygons P bezeichnen.
Wir sagen nun, daß das Polygon P sich auf ein gegebenes System © von in L enthaltenen Polygonen zurückführen läßt, falls durch sukzessive
Kombinatorische Eigenschaften von Kurven.
519
Anwendung erlaubter Abänderungen man P in ein Polygon P* verwandeln kann, welches durch Durchlaufung gewisser Polygone
p (l) p(2) pW
1 j 1 ; ... * 1 ,
unter denen es beliebig viele identische geben darf, die aber alle zu © gehören, konstruierbar ist.
Wir bezeichnen endlich durch /i(L) die kleinste so beschaffene Zahl, daß es ein aus ¡u,(L) in L enthaltenen Polygonen bestehendes System © gibt, auf welches sich alle in L vorhandenen Polygone zurückführen lassen 5 ).
Wir überlassen dem Leser den leichten (mittels des wiederholt angewandten Induktionsverfahrens durchzuführenden) Beweis der Identität
Es sei endlich bemerkt, daß, falls L eine ebene, einen Bogenkomplex realisierende Kurve ist, die Anzahl der zusammenhängenden Gebiete, in die L die Ebene zerlegt, gleich der Zahl p(L)~ (-1 ist. (Der Beweis ist unmittelbar einleuchtend: man bediene sich der Identität p (L) = s (L)).
11. Die Zahl x(L) = p(L)-\- 1, wobei also
p(L) = s(L) = s'(L) = V (L) = v'(L) = fi(L) = a, (L) - a 0 (L) + 1 «)
ist, wollen wir die Zusammenhangszahl des Bogenkomplexes L nennen.
12. Wir schreiten jetzt zum Beweise folgenden Satzes.
Additionssatz für Bogenkomplexe. Es seien L 0 und L i zwei gemeinsame Elemente besitzende einfach zusammenhängende ' ) Bogenkomplexe und q die Komponentenzahl des (im allgemeinen nicht zusammenhängenden) Bogenkomplexes L x ■ L 0 . Indem wir durch L den (zusammenhängenden) Bogenkomplex L 1 + L 0 bezeichnen, gilt die Identität:
*(£)§?■
Beweis. Man kann den Komplex L in der Weise aufbauen, daß man mit L 1 anfängt und dann der Beihe nach sämtliche in L 1 nicht vorhandene Bögen des Komplexes L 0 anheftet, dabei jedoch dafür sorgt, daß alle sukzessiv entstehenden Komplexe
^1 > -^2 > • • • > -^m ' • • • > = L == 1 ~"f~ 1 (^ = 2 , . . . , r)
zusammenhängend seien. Wir bezeichnen durch q m die Komponentenzahl
5 ) DieZahl /t (L) dürfte als ein kombinatorisches Äquivalent der Brouwerschen Zyklosis betrachtet werden.
e ) a ± (L) bzw. cc 0 (L ) bezeichnet die Anzahl der in L vorkommenden 1- bzw. O-dimensionalen Elemente.
') Ein Bogenkomplex L soll einfach zusammenhängend heißen, falls x(L)= 1 ist.
520
P. Alexandroff.
von L m -L 0 (m = 1, 2, ..., r). Unser Satz wird bewiesen, sobald wir zeigen werden, daß für jedes m (1
( 15 ) P(LJ + q m = q
ist (da letztere Gleichung für m — r in p(L) + 1 = q übergeht).
Für m, = 1 ist p[L m ) — 0 und q m = q, also (15) richtig.
Vorausgesetzt, die Gleichung (15) wäre für m bewiesen; wir wollen sie für m + 1 beweisen.
Wir betrachten zwei Fälle:
1. S m hat mit L m beide Endpunkte a und b gemeinsam. Dann ist V (An+i ) = V ( An) + 1 • Die Funkte a und b können aber unmöglich zu einer Komponente Q von L m - L 0 gehören, weil man sie in diesem Falle innerhalb Q <= L 0 durch einen einfachen Weg W verbinden könnte, der zusammen mit S m ein in L 0 enthaltenes geschlossenes Polygon liefern würde, was zufolge dem einfachen Zusammenhange des Komplexes L Q unmöglich ist.
Da also S m zwei Komponenten von L m ■ L 0 verbindet, so ist die Komponentenzahl q m + 1 von L m + 1 -L 0 = L m -L 0 + S m gleich q m — 1, so daß V(L m + 1 ) + q m+1 = p (LJ + q m = q ist.
2. S m hat mit L m nur einen Endpunkt gemeinsam. Dann hat S m nur mit einer Komponente von L m - L 0 einen Endpunkt gemeinsam, und es ist p{L m + 1 ) = p{L m ); q m + 1 = q m , also auch p(L m + 1 ) + q m + 1 = q, w. z. b. w.
Bemerkung. Eine auf der Hand liegende Modifikation 8 ) der soeben angewandten Methode zeigt daß, falls man auf den einfachen Zusammenhang von L 0 und L 1 verzichtet, man jedenfalls die Ungleichung
(15 bis) x(L)^q
beweisen kann. Man könnte auch in diesem Falle einen genauen Wert für y. (L) angeben, für unsere weiteren Zwecke aber wird die Abschätzung (2) im Falle einer höheren Zusammenhangszahl von L 0 oder L x vollkommen genügen.
II. Die Zusammenhangszahl der allgemeinen Kurven.
Nachdem wir den Begriff der Zusammenhangszahl für Bogenkomplexe eingehend untersucht haben, ist der Weg zur Übertragung dieses Begriffes
9 ) Man ersetzt die Gleichung (15) durch die Ungleichung
und bemerkt, daß im Falle 1., wie früher, p (L m + l ) = p (£„,) +1, dabei aber + — 1 ist (weil S m jedenfalls höchstens zwei verschiedene Komponenten von
L m -L 0 verbinden kann).
Kombinatorische Eigenschaften von Kurven.
521
auf allgemeine Kurven durch die Betrachtungen der unter la ) zitierten Arbeit von selbst und gewissermaßen eindeutig bestimmt.
13. Es sei C eine allgemeine Kurve, d. h. ein zusammenhängender kompakter eindimensionaler metrischer Raum. Zwei Fälle sind möglich:
1 °. Für jedes das Kontinuum C definierende eindimensionale Spektrum")
(16) Li, L„, ..L m , ...
wächst x(L m ) mit m ins Unendliche; in diesem Falle soll C unendlich hoch zusammenhängend heißen, und x(C) — oo gesetzt sein.
2°. Es gibt wenigstens ein das Kontinuum C definierendes Spektrum ( 16) und eine natürliche Zahl h 0 von der Beschaffenheit, daß für unendlich viele L m
* (An) ^ K
ist. Dann gibt es eine Zahl h <^h 0 derart, daß für unendlich viele L m
*( L m) = h
ist. Indem man nur dieser Gleichung genügende L m behält, erhält man ein Spektrum, für dessen sämtliche Komplexe die Zusammenhangszahl denselben endlichen Wert h annimmt.
Im Falle 2 soll C endlich hoch zusammenhängend heißen und zwar soll die Zusammenhangszahl x{G) als die kleinste derjenigen Zahlend definiert werden, für die es ein das Kontinuum C definierendes Spektrum gibt, dessen sämtliche Komplexe die Zusammenhangszahl h besitzen.
14. Aus Betrachtungen der unter la ) zitierten Abhandlung ergibt sich sofo rt, daß die Zahl x(G) eine kombinatorische Eigenschaft der Kurve C ausdrückt, die auch folgendermaßen definiert werden kann.
Es sei *ß (t) irgendeine (e, 2)-Uberdeckung der Kurve C, d. h. es sei ein System von abgeschlossenen Mengen
(17) ^,^,...,2^,
die den Bedingungen
ZF m -=C, à(F m )0 ein mit x(Ly) = k gibt.
15. Bemerkung. Falls G in einem mindestens 3 dimensionalen Euklidischen Räume R liegt, kann man für jedes den Komplex Ly geometrisch realisieren, indem man für a { wirkliche, voneinander verschiedene Punkte a { <= F { wählt, und diese Punkte in R durch von den geradlinigen Strecken a¿a ; - sich beliebig wenig entfernende Streckenzüge dann und nur dann verbindet, falls F { • Fi¡ =}= 0. Dabei ist natürlich dafür zu sorgen, daß die auf diese Weise gewonnenen Bögen keine weiteren gemeinsamen Punkte haben.
Die soeben erhaltene .elementare Kurve approximiert G mit einer gleichzeitig mit ^ unendlich wachsenden Genauigkeit.
16. Man kann endlich bei der Definition der Zusammenhangszahl den Gebrauch der Bogenkomplexe wenigstens formal vermeiden, wenn man direkt mit Uberdeckungen und zwar folgendermaßen operiert.
Definition. Ein Mengensystem© heißt ein Zyklus, falls jede Menge des Systems genau mit zwei anderen Mengen desselben Systems gemeinsame Punkte hat.
Def. I' (vgl. Def. I des § 7). Ein System von Zyklen heißt ein Nullsystem, falls jedes Paar gemeinsame Punkte besitzender Mengen, die in einem Zyklus vorkommen, wenigstens noch zu einem anderen Zyklus desselben Systems gehört.
Def. Ii' (vgl. Def. II des § 7). Ein System von Zyklen heißt irredu- zibel, falls es kein Nullsystem enthält.
Es sei jetzt eine beliebige e-Uberdeckung von C. Wir nennen v (^ß £ ) die größte Zahl v, die als Zyklenanzahl eines irreduziblen Zyklensystems,
10 ) Im folgenden soll unter einer Übrrdeckung immer eine solche von der Ordnung 2 verstanden werden, und wir werden eine (s, 2)-Überdeckung auch kurz als eine c- Überdeckung bezeichnen.
Kombinatorische Eigenschaften von Kurven.
523
dessen sämtliche Zyklen aus Elementen von gebildet sind, vorkommt, und definieren weiter:
v. (C) soll alsdann (falls endlich) gleich der kleinsten Zahl gesetzt werden, die so beschaffen ist, daß es für jedes e ein mit
*(r) = »(c)
gibt.
17. Diese Betrachtungsweise, die unserer früheren unmittelbar äquivalent ist, gestattet, den Begriff des mehrfachen (%(C)> 1) bzw. einfachen {x (C) = 1) Zusammenhanges einer Kurve besonders einfach zu formulieren.
Eine Kurve heißt mehrfach zusammenhängend, falls für ein genügend kleines e jede e -"Überdeckung wenigstens einen Zyklus enthält.
Im entgegengesetzten Falle (d. h. wenn für jedes e wenigstens eine, keinen Zyklus enthaltende Überdeckung vorhanden ist) heißt die Kurve einfach zusammenhängend.
Dabei braucht man gar nichts über die Ordnung der Uberdeckungen vorauszusetzen, weil drei beliebige, einen und denselben Punkt enthaltende Mengen einen Zyklus bilden.
18. Eine unmittelbare Folge der Definition der Zahl^(C) ist folgender wichtiger Satz: Falls die Kurve C 0 in der Kurve G enthalten ist> so ist
(18) *{C 0 )£x(C).
In der Tat „induziert" jede (aus den Mengen (17) bestehende) Überdeckung der Kurve C die aus den Mengen C 0 -F m (1 ^m<^n) gebildete Uberdeckung der Kurve C 0 . Man erhält , indem man diejenigen „Punkte" a t bzw. „Bögen" in markiert, die nicht leeren Mengen C 0 -F i bzw. C n • j F¡ • Fi entsprechen.
Da also L^eciL% £ und folglich x (¿sp £ ) x (Lys e ) ist, so ist auch *(C 0 ) ^x(C), w. z . b. w.
19. Wir wollen jetzt einen Satz beweisen, der, wie es sich im nächsten Abschnitte zeigen wird, eine direkte Verallgemeinerung eines bekannten ebenen Zerlegungssatzes von Janiszewski 11 ) darstelltt.
Additionssatz. Falls C 1 und Czwei einfach zusammenhängende Kurven sind und die Menge C 0 = C 1 - C„ aus k^>l Komponenten besteht
") S. Janiszewski, Sur les coupures du plan faîtes par les continus, Prace mat.. fiz. 1913.
34*
524
P. Alexandroff.
(wo k eine natürliche Zahl oder oc ist), so ist C 1 + C„ = C eine k-fach zusammenhängende Kurve.
Beweis. Zuerst beweisen wir, daß x(C)^k ist. Dabei kann man selbstverständlich sich auf den Fall, wo k eine natürliche Zahl ist, beschränken.
20. Es sei e eine positive Zahl, die kleiner als die Hälfte der kleinsten Entfernung zwischen je zwei Komponenten von C 0 — C 1 - G„ und sonst beliebig ist. Wir wollen eine e -Überdeckung der Kurve C konstruieren, für die der Komplex L = L<$ ¿-fach zusammenhängend ist.
Dazu wählen wir zuerst eine keinen Zyklus enthaltende ^-Überdeckung
(19) =
der abgeschlossenen Menge C 0 und bestimmen eine positive Zahl ô, die folgenden Bedingungen genügt:
I o . (5 ist kleiner als jede positive unter den Zahlen ~ g (F? , F¡¡ ) und
als ~.
4
2°. Die Mengen S (Fm, <5) (m = 1, 2, ...,n 0 ) bilden ein System von der Ordnung 2 (dabei bedeutet S(Fm,ô) die Menge aller Punkte, deren Entfernung von F° n höchstens gleich <5 ist).
Wir wählen weiter für 1 = 1 bzw. X = 2 eine keinen Zyklus enthaltende ô- Überdeckung
(20) % = {fí,F!¡,...,F^}
von C>., und bezeichnen durch Fm, ¿ (1 <±m.), die mit keiner Menge F° (1 <¡ h ," ein Mengensystem *ß° von der Ordnung 2.
Wir bezeichnen endlich durch
(22J $1 < • • - , K
bzw.
(22 a ) 4»i,
n ° o ;
alle „übrigen" (d. h. zu £ F m — C 0 fremden) Mengen F m , und merken uns,
daß stets " i_1
(23) — 0 (1 ^ nj ; 1 k <1 n 2 )
Kombinatorische Eigenschaften von Kurven.
525
ist. Daraus, aus der Definition der und aus der Bemerkung über die Ordnung des Systems " folgt, daß das System aller Mengen , 1, ( l>f
die sämtlich einen Durchmesser < e haben) die
Ordnung 2 besitzt und also eine e - Überdeckung l0 ) der Kurve G bildet.
Wir wollen nun zeigen, daß der dieser Uberdeckung entsprechende Bogen- komplex L = L$ k- fach zusammenhängend ist. Dazu betrachten wir den zufolge unserer Voraussetzung über e und ó aus k Komponenten bestehenden Komplex L 0 = L ^o und die beiden Komplexe L l = Im* (A= 1; 2), wobei das aus sämtlichen Mengen ( 1 m <1 n 0 ) und (1 ^rri^hx) gebildete System ist. Dann ist L = L 1 + L", L 0 = L 1 • L" . Zufolge dem Additionssatz für Komplexe (§12) brauchen wir nur zu zeigen, daß x(L>.) = 1 ist (A = 1; 2), d. h. daß L l kein geschlossenes Polygon enthalten kann.
Es sei in der Tat P ein in L' enthaltenes einfaches geschlossenes Polygon. Da P weder in L° noch in L'' — L° enthalten sein kann, so besteht P-L° aus einem oder mehreren Wegen, von denen jeder sich übrigens in einen einzigen Eckpunkt von P ausarten kann, und die die Komponenten von P-L ° bilden.
Indem wir allgemein den Mengen (p' n bzw. F n die „Punkte" u' n bzw. ah (A— 1;2) der betreffenden Komplexen zuordnen, bezeichnen wir durch
W
einen beliebigen der soeben erwähnten Wege, und es sei
X i , I I
a„ — a s , bzw. a T — a t
der in P dem Punkt dg, vorangehende bzw. auf u^ p folgende Eckpunkt.
Da = Fg bzw. — Fl" mit bzw. f PÜ p gemeinsame Punkte hat, zu Fo¡ bzw. F„ p dagegen fremd ist, so gibt es eine Menge F¡„ = FÍ' ui c. bzw. Fg p+1 = F'' pt jcz l p derart, daß
bzw.
< +1 -^4=0 + < +1 -<
ist. Es folgt daraus insbesondere, daß die beiden Bögen bzw. a Sv + ~a,
im Komplex L>. = Ly vorhanden sind.
v o
Infolge der getroffenen Wahl von e und ô gehört die Menge G 0 - 2J ( I } n¡ zu
1= 1
einer Komponente Q von C 0 . Der der Gesamtheit aller zu Q nicht fremden Mengen F' n entsprechende Teilkomplex L;_, Q des Komplexes L,. ist
526
P. Alexandroff.
zusammenhängend und enthält die beiden Punkte a So und a Sp+1 , woraus folgt, daß diese Punkte innerhalb L>., q durch einen Weg
0 ®«l ■ ■ ■ a *p +1
verbunden werden können.
Den in L> . enthaltenen Weg
®S®S 0 • • • + 1 (®» = ' @1 — M t)
bezeichnen wir durch W* und ersetzen in P den Weg W durch W*. Nachdem wir dies für jede Komponente W von PL 0 tun, verwandelt sich P in ein geschlossenes (im allgemeinen nicht singularitätenfreies), in L¡¡. auf eine widerspruchsvolle Weise enthaltenes Polygon P* 12 ). Die Ungleichung *(C)<1¿ ist hiermit bewiesen.
21. Um jetzt die Ungleichung x(C)~¡^.k zu beweisen [k ist dabei gleich k, falls letztere Zahl endlich ist; falls dagegen k — oo, so nimmt man für k eine beliebig große Zahl), womit offenbar auch der ganzeSatz bestätigt sein wird, genügt es zu zeigen, daß, falls e > 0 hinreichend klein gewählt ist und eine beliebige e- Überdeckung der Kurve G ist, der Komplex L — Ly mindestens fc-fach zusammenhängend ist.
Da die Komponentenzahl für C 0 mindestens gleich k ist, so kann man C 0 in die Summe Q von k paarweise zueinander fremden abgeschlossenen Mengen Q,, Q>, ..., Qj¿ so einschließen, daß
2y = p(C 1 — Q, C a — Q)
positiv ist. Wir wählen nun e kleiner als jede der Zahlen y, I Q(QpiQ q )> und bezeichnen durch % = {F^ F„, ..F n )
eine beliebige e-Uberdeckung der Kurve G und durch bzw. bzw. das System derjenigen unter den Mengen F 1 , F„, F n , die zu Q bzw. G 1 bzw. C. 2 nicht fremd sind. Zufolge der Wahl der Zahl e besteht der Komplex L n = jLsp o mindestens aus k Komponenten, und da
L = L 1 -J- L„
L 0 * ¿o
ist (wo L>. = L<£ } gesetzt ist), so folgt aus dem Resultat des § 12 (Ungl. 15 bis), daß x(L)^.k ist, w. z. b.w.
18 ) Das Polygon P* ist sicher kein „Nullpolygon" (d. h. es läßt sich nicht durch Aufheben von je zweimal in verschiedener Richtung zu durchlaufenden Seiten auf einen Punkt reduzieren). In der Tat: alle Punkte vom Typus a' r des Polygons P bleiben einfache Punkte des Polygons P*, weil die Eckpunkte der neu hinzukommenden Wege W* denjenigen entsprechen, die mit C 0 gemeinsame Punkte haben und also von den a'; = a'' gewiß verschieden sind.
Kombinatorische Eigenschaften von Kurven.
527
III. Der Brouwersche Invarianzsatz.
22. Es sei F eine in der Ebene E liegende, beschränkte abgeschlossene Menge. Wir werden stets durch k(F) die Anzahl der durch F in E bestimmten, zusammenhängenden Gebiete (= Komponenten der Menge E — F) bezeichnen.
Der Zweck dieses Abschnittes ist die Identität (24) k{C) = x(C)
für jede ebene Cantorsche Kurve G zu beweisen, womit insbesondere der Brouwersche Satz 13 ) über die Invarianz der Zahl k ( C) für alle Cantorschen Kurven aufs neue bewiesen wird. Da dadurch auch der Jordansche Kurvensatz und folglich auch die Invarianz des ebenen Gebietes bewiesen werden und da jedes ebene Kontinuum sich in eine Cantorsche Kurve C und eine höchstens abzählbare Menge zueinander fremder, sich unter den Komponenten der Menge E — G befindender Gebiete eindeutig zerlegen läßt, so folgt aus unserer Behauptung (24) der Brouwersche Invarianzsatz in seiner vollen Allgemeinheit. Das Hauptziel dieses Abschnittes ist aber nicht einen zweiten Beweis des Brouwerschen Satzes zu geben, sondern die Identität (24) selbst zu beweisen: dadurch wird nämlich u. a. gezeigt, daß die Anzahl der durch eine ebene Kurve bestimmten komplementären Gebiete eine im Sinne des § 19 der vorstehenden Abhandlung kombinatorische Eigenschaft der Kurve ist.
A. Beweis der Ungleichung y. (C) fe (C).
23. Es sei G eine in der Ebene E des dreidimensionalen Raumes R liegende Cantorsche Kurve und k eine natürliche Zahl, die gleich k(C), falls k{G) endlich ist, und beliebig groß, im Falle k(G) = oo, zu wählen ist.
Wir bezeichnen durch Gy, G 2 , ■■■, G k ^y alle (bzw. irgendwelche unter den) beschränkten Komponenten der Menge E — C. Es seien weiter G*,G*,-.-,G*- 1 bzw. in Gy, Go, ..., Gt-y liegende, durch einfache geschlossene Polygone P*, P*, ■■., P*~ y begrenzte Bereiche; Cy, c 2 , .c k - 1 bzw. im Inneren dieser Bereiche liegende Punkte; d y , d„, .. ., d k _ 1 außerhalb eines die Kurve G im Innern enthaltenden Kreises K liegende, voneinander verschiedene Punkte; II 1 , IJ 2 , ..., II k _ 1 zu einander fremde, einfache, geschlossene Polygone, die folgendermaßen definiert sind:
U m besteht aus einer, den Punkt c f als Mittelpunkt besitzenden, zu der Ebene E senkrecht stehenden Strecke c' m c'm ; aus zwei einfachen Streckenzügen c' m d' m bzw. c^dZ, die in den durch c' m bzw. c¡,[ gezogenen
13 ) Brouwer, Beweis der Invarianz der geschlossenen Kurve, Math. Ann. 72 (1912), S. 422-425.
528
P. Alexandrofí.
zu E parallelen Ebenen liegen und in den sich orthogonal in d m projizierenden Punkten d' m bzw. d'' t endigen; endlich aus der geradlinigen Strecke d' m dd'„[.
Es wird außerdem vorausgesetzt, daß die ganze Konstruktion so eingerichtet ist, daß für jeden innerhalb K gelegenen Punkt der Ebene E der nächste Punkt des Polygones 77 m eben der Punkt c m ist.
Das Polygon ll m ist mit P m , dagegen mit keinem der übrigen Polygone P x , . .., P m+i , ..Pt-i verschlungen und zwar ist die betreffende Verschlingungsordnung gleich 1.
24. Die Verschlingungsverhältnisse zwischen den Polygonen JJ m und P*, bleiben dieselben, falls man ein beliebiges der Polygone P* durch ein in G m enthaltenes, den Bereich G* im Innern enthaltendes Polygon P ,** ersetzt.
25. Es sei nun o die kleinste unter allen Zahlen | q(P*, C) und 2 Q (P m , n h ) = | ß (P*, c h ) (wobei m und h unabhängig voneinander alle W er te 1, 2 1 durchlaufen ). Dann ist die Entfernung q ( P* *, II,,) 2 a, wie auch das den Bedingungen des § 24 genügende Polygon P** gewählt sei. In der Tat ist für m =f= h
q (PT, n h ) = g (P**, c,,)¿q( C , c h ) > q (C,P *)>2 o und außerdem
q (P**, n m ) = q (P**, c m ) e (p*, c m ) > 2 o.
Falls wir also irgendein P*,'" durch ein Polygon P m ersetzen, dessen sämtliche Punkte durch weniger als g betragende Verrückungen entsprechender Punkte von P' m entstanden sind, so bleiben die Verschlingungsverhältnisse zwischen allen P m und TI h dieselben wie zwischen (P*, und II h , also wie zwischen) P* und P h 14 ).
26. Wir wählen jetzt eine positive Zahl s < -, a und irgendeine e- Überdeckung
(25) ^={F[,F„.....,F n }
der Kurve C. ;i. . r :ioi : í «&:«.;< • ¡v: -x. . i, ■ ..
Wir bezeichn®n : 'i?eitffïs duTöhr'Sr eine positiveVZahl, ïïie kleinen als e und sämtliche positive unter den Zahlen \(}(F i , F ■) ist. Es seien endlich
") In der Tat hat Brouwer in der unter ") zitierten Arbeit, § 3, bewiesen, daß es für jedes Paar zueinander fremder geschlossener Polygone P und 77 (im dreidimensionalen Räume) eine positive Zahl j; gibt, die so beschaffen ist, daß, falls wir durch eine weniger als i¡ betragende Verrückung jedes Punktes von P bzw. 77 diese Polyeone in Polygone P bzw. II verwandeln, die Verschlingungszahl (P, II) dieselbe wie (P, 77) bleibt.. Es ist dabei leicht 'einzusehen, daß man für r¡ die Hälfte von g(P, II) nehmen kann (Antoine, Thèse, p. 37).
Kombinatorische Eigenschaften von Kurven.
529
a i i= F { (1 ^ i ^ n) durchweg verschiedene Punkte der Mengen F { und a¿ aj die in R liegenden, gemäß der Vorschrift des § 15 konstruierten, die Punkte a¡ und a-, dann und nur dann, falls F i ■ F- =j= 0 ist, verbindenden Streckenzüge. Auf diese Weise erhalten wir einen im Räume R realisierten Bogenkomplex L = J . Wir setzen noch voraus, daß die Bögen ä^äj dieses Komplexes sich von den entsprechenden geradlinigen Strecken a¿ aj um weniger als e entfernen.
Die Ungleichung *(c)¡>&(c) wird jetzt bewiesen, sobald gezeigt wird, daß s' ( L ) k — 1 ist.
27. Es sei zu diesem Zwecke für jedes m <^Jc — 1 P*' 1 " ein nach der Vorschrift des § 24 gebildetes Polygon, das so beschaffen ist, daß es zu jedem Punkte von P** einen um weniger als ô entfernten Punkt von C gibt.
Nach eventueller Unterteilung der Seiten von P„V' kann man erreichen, daß die Eckpunkte 6 1; b 2 , ..., b h ,... (modr) 15 ) von P** der Bedingung
(26) e(h,h+i)<ô
genügen.
Es sei nun b h einer derjenigen Punkte von C, die am nächsten bei b h liegen. Ich behaupte, daß, falls b h bzw. ö 7l+1 zu F { bzw. zu Fj gehören, notwendig F i • -?} + 0 ist.
In der Tat, falls
b h c - F i} b h+1 <= Fj und dabei F i • F¿ = 0 wäre, so würde man die unmögliche Ungleichung
3 à identisch sind.
530
P. Alexandroff.
von P m und das ganze Polygon P** in P m eindeutig und stetig abgebildet, . wobei folgende Ungleichung gilt:
(26) g(x, y ) ^ g(x, b h ) + q (b h , b h ) + q (b h , aj
+ QÍ a i h > y) < ö + <5 + e + 3e < 6e < a
(es wird hier vorausgesetzt, daß x zur Strecke b h b h+1 gehört).
Der Bemerkung des § 25 zufolge ist, auf Grund von (26), P m mit II m und mit keinem der Polygone IT¡, ..II m - i, n m + i> • • •> ^4- 1 verschlungen; da dies für beliebiges m <^k — 1 gilt, so ist s' (L) ^ k — 1 und also x(L)^>k, wodurch unsere Behauptung bewiesen ist 16 ).
B. Beweis der Ungleichung y.(C) y.(Lv) ist.
30. Beweis. Es sei für jedes Paar B¿- B- 4= 0 [i 4= j ) eine bestimmte Komponente T¡¡ der Menge B i ■ B- gewählt. Also ist T tj entweder ein gleichzeitig auf den Begrenzungen von B¡ und B- liegender Punkt d ij oder ein Streckenzug t't", auf dem wir dann einen bestimmten, von seinen Eckpunkten verschiedenen Punkt d if markieren.
In dieser Weise wird auf der Begrenzung jedes Bereiches B¡ eine gewisse Anzahl lauter verschiedener Punkte d--, d-d i{ bestimmt,
ü l J i J i l Jk
und zwar unter der Bedingung, daß stets und d j ; denselben Punkt bedeuten.
Es sei nun c i ein bestimmter im Innern von B { liegender Punkt.
Indem man (für jedes i ) c i innerhalb B { mit allen Punkten d { - durch
1B ) Der soeben dargestellte Beweis hat manchen Berührungspunkt mit einem Teile des Brouwerschen Invarianzbeweises.
l7 ) Unter einem (zusammenhängenden) Polygonbereich verstehen wir immer die abgeschlossene Hülle eines durch einen oder mehrere zueinander fremde einfache geschlossene Polygone begrenzten ebenen Gebietes.
Kombinatorische Eigenschaften von Kurven.
531
einfache Wege W¡- verbindet und dafür sorgt, daß zwei Wege und W ik keinen von c,- verschiedenen gemeinsamen Punkt haben, erhält man, indem man W {j -j- W- ¡ als einen Bogen cïc} betrachtet, eine, als Bogenkomplex betrachtet, mit L® identische, in B liegende Kurve L.
Die Kurve L bestimmt also 18 ) in der Ebene E genau x — v, [L) — x(L^) zusammenhängende Gebiete
(28) G%, Go, ..G x .
Da jede Komponente der Menge E — B in einem der Gebiete (28) enthalten ist, so wird unser Hilfssatz bewiesen, sobald wir zeigen, daß für kein m (1 ^m^x) die Menge G m — B leer ist.
31. Es sei zu diesem Zwecke L m das das Gebiet G m begrenzende (im allgemeinen nicht singularitätenfreie) Polygon und a¡aj = Wij + Wji ein in L m enthaltener Bogen. Wir betrachten die beiden Bereiche B i und B- und das entsprechende T i -. Wir setzen zuerst voraus, daß T { - ein Streckenzug t' t" ist. Da t' t" im Punkte d { - den Bogen a^äj durchkreuzt, so kann man auf wenigstens einem der beiden Streckenzüge d i -t' bzw. d i -t", z. B. auf d {j t' einen Punkt g derart finden, daß die ganze Strecke d¡ - g, abgesehen von ihrem Endpunkte d ij -, in G m enthalten ist. Da aber d {j der einzige Punkt der Menge T i --L ist, so ist der ganze Bogen d i - i' bis auf den Punkt d,-, insbesondere also der Punkt t' in G m enthalten. Da der Punkt t' einerseits nur zu B { und B- gehört, andrerseits aber kein innerer Punkt der Menge B { + B- ist, so ist t' auch kein innerer Punkt von B. Jede Umgebung des Punktes t' (also insbesondere auch jede in G m enthaltene Umgebung dieses Punktes) enthält also Punkte von E — B, woraus folgt, daß [E — B)-G m ~ G m — B 0 ist.
Im Falle, wo T { - mehr als einen Punkt enthält, ist hiermit unsere Behauptung bewiesen.
Es sei jetzt T { - mit dem Punkte d { - identisch. Hier ist wieder d {¡ der einzige Durchkreuzungspunkt von didj und eines gewissen, auf der Begrenzung von B¡ liegenden, aus zwei in d {j zusammenhängenden, geradlinigen Strecken d { - e', d { -e" bestehenden Bogens e'e", den man so klein nehmen kann, daß z.B. d { - e' bis auf d { - erstens in G m enthalten ist, zweitens (mit Ausnahme desselben Punktes d tj ) mit keinem der Bereiche B h ( h i) gemeinsame Punkte hat. Es sei nun x ein beliebiger, von d {j verschiedener Punkt von d i -e'. Eine hinreichend kleine Umgebung von x ist einerseits in G m enthalten, andrerseits enthält sie aber Punkte der
18 ) Da für ebene Bogenkomplexe k (L) = x (L) ist (vgl. die am Ende des § 10 gemachte Bemerkung).
532 P. Alexandroff.
Menge E—B. Also ist wieder G m —B =%= 0, womit unser Hilfssatz vollständig bewiesen ist.
32. Es sei jetzt C eine in der Ebene E liegende Cantorsche Kurve. Wir bezeichnen durch k eine natürliche Zahl, die beliebig groß ist, falls x ( C ) = oo ist, und die gleich x (G) ist, falls letztere Zahl endlich ist.
Wir bezeichnen durch e eine positive Zahl, die genügend klein ist, damit für jede 3 e- Überdeckung ^ß 3>t(L%) ist.
Indem wir jetzt & m =C B m setzen und das System ^ aller betrachten, erhalten wir eine 3e-Überdeckung der Kurve C. Also ist x(Lyj)7>k, und da c L s ist, so ist
k£x(L^)£x (L%) £ k(B) £k(C),
w. z. b. w.
IV. Geschlossene Kurven.
35. Aus dem soeben Bewiesenen folgt unmittelbar folgender Satz. Damit eine ebene Kurve C die gemeinsame Grenze aller durch sie in der Ebene bestimmten Gebiete sei, ist notwendig und hinreichend, daß jedes echte Teilkontinuum von C einfach zusammenhängend, die Kurve C selbst aber mehrfach zusammenhängend sei.
Kombinatorische Eigenschaften von Kurven.
535
Folgende Definition erscheint also als berechtigt:
Eine mehrfach zusammenhängende Kurve heißt geschlossen, falls ihre sämtlichen echten Teilkontinua einfach zusammenhängend sind.
Insbesondere heißt eine geschlossene Kurve regelmäßig oder unregelmäßig geschlossen, je nachdem ihre Zusammenhangszahl gleich oder größer als 2 ist.
Nach dem bis jetzt Bewiesenen sind die ebenen, in unserem Sinne regelmäßig geschlossenen Kurven mit den im Schoenfliesschen Sinne geschlossenen Kurven identisch.
Dagegen sind die unregelmäßig geschlossenen ebenen Kurven nichts anderes als gemeinsame Grenzen von mindestens 3 ebenen Gebieten.
36. Eine regelmäßig — ebensogut wie unregelmäßig — geschlossene Kurve G kann bekanntlich unzerlegbar 21 ) (d. h. als Vereinigungsmenge keiner zweier ihrer echten Teilkontinua darstellbar), also u. a. irreduzibel sein. Falls aber die geschlossene Kurve C kein unzerlegbares Kontinuum ist, so ist C = Cj + G„, wobei G 1 und C 2 notwendig einfach zusammenhängend sind und also (zufolge des Satzes des § 19) eine genau aus x(C) Komponenten bestehende Durchschnittsmenge C ± ■ C 3 = K i + /C¡ +... -f- K x (c) haben. Indem wir z. B. die Punkte a <= K x und b a K 2 wählen und sie innerhalb C 1 bzw. C 2 durch irreduzible Kontinuen C* bzw. Co* verbinden, erhalten wir eine wenigstens zweifach zusammenhängende Kurve 0* + G*, die also, mit G identisch ist; C*-C* besteht wieder aus x (C) Komponenten.
Wir können also für allgemeine geschlossene Kurven einen bekannten Satz über die ebenen geschlossenen Kurven folgendermaßen aussprechen:
Jede geschlossene Kurve G ist entweder unzerlegbar, oder sie läßt sich in zwei zwischen demselben Punktepaare a, b irreduzible, einfach zusammenhängende Kurven C 1 , C 2 derart zerlegen, daß C 1 -C 2 genau aus y-(C) Komponenten besteht.
37. Falls eine geschlossene Kurve imzerlegbar ist, so ist sie natürlich ein (sogar gleichzeitig zwischen unendlich vielen ihrer Punktepaare) irredu- zibles Kontinuum. Eine geschlossene Kurve kann aber ein zwischen gewissen Punktepaaren irreduzibles Kontinuum sein, ohne dabei notwendig ein unzerlegbares Kontinuum zu bilden.
21 ) Beispiele von unzerlegbaren Kontinuen waren zuerst von Brouwer („Zur Analysis Situs", Math. Ann. 68) gegeben. Ihre Theorie war später von Janiszewski und Kuratowski in ihrer Arbeit „Sur les continus indécomposables", Fund. Math. 1, entwickelt worden. Letztere Arbeit wird in diesem Abschnitt als bekannt vorausgesetzt.
536
P. Alexandroff.
Um das einfachste Beispiel einer solchen Kurve zu haben, braucht man nur
c = c*+c*
Fig. l.
zu setzen, wo C* das in der xoy -Ebene gelegene, durch eine Modifikation des bekannten Brouwerschen Kontinuums entstandene, auf der Fig. 1 dargestellte unzerlegbare Kontinuum ist und C',¡, sein Spiegelbild in bezug auf die x- Achse. Offenbar ist C*-C% in einer einzigen Menge ißc«, c» bzw. 5ßc„c, enthalten 22 ).
3ä ) Es dürfte vielleicht von Interesse sein, an dieser Stelle zu bemerken, daß, falls C = jF ± + F. 2 eine Zerlegung irgendeines unzerlegbaren Kontinuums .0 in zivei echte abgeschlossene Teilmengen ist, F, ■ F„ notwendig aus unäbzählbar vielen Komponenten besteht. Es sei in der Tat î|5 c die Menge aller derartigen Punkte x von C, daß C zwischen a und x reduzibel ist. Bekanntlich ist in unserem Falle jede iß a Menge ein in C dichtes Semikontinuum, das in bezug auf C eine Menge von der ersten Kategorie (im Baireschen Sinne) darstellt. C wird in dieser Weise in un- abzählbar viele zusammenhängende, zueinander fremde Teilmengen zerlegt, die die Eigenschaft haben, daß jedes echte Teilkontinuum von C in einer dieser Teilmengen enthalten ist. Da kein ß (als in C dichte Menge) in einer der Mengen F,, F 2 enthalten sein kann, und da c zusammenhängend ist, so enthält jedes c Punkte von F t -F s . Da andrerseits keine Komponente der Menge F 1 ■ F., mit mehr als einem iß o ß gemeinsame Punkte haben kann, so ist die Mächtigkeit der Menge aller Komponenten von F 1 ■ F. 2 mindestens gleich der Mächtigkeit der Menge aller s $a.C' s ' e unabzählbar und folglieh (da es sich um Komponenten abgeschlossener Mengen handelt) von der Mächtigkeit des Kontinuums.
Kombinatorische Eigenschaften von Kurven.
537
Falls a'" und b * zwei in untereinander und von c , verschiedenen c* und enthaltene Punkte sind und b* das Spiegelbild von b*
ist, so ist G zwischen a* und b * irreduzibel.
C ist eine regelmäßig geschlossene Kurve. Man könnte aber leicht auch eine unregelmäßig geschlossene Kurve von derselben Art konstruieren.
38. Die soeben betrachtete Kurve G ist zwar zerlegbar, wohl aber als Vereinigungsmenge zweier unzerlegbarer Kontinuen definiert worden. Wir wollen zeigen, daß dies kein Zufall ist. Es besteht in der Tat folgender Satz. Jede (regelmäßig oder unregelmäßig) geschlossene Kurve C, für die es wenigstens ein Paar von Punkten a, b gibt, zwischen denen sie irreduzibel ist, ist entiveder unzerlegbar oder Vereinigungsmenge ziveier unzerlegbarer Kurven.
Beweis. Da G kein unzerlegbares Kontinuum ist, so gibt es zwei echte Teilkontinua G i , 0 2 von G, deren Vereinigungsmenge die ganze Kurve C ist. Da die beiden Punkte a und b gleichzeitig weder zu C 1 noch zu C„ gehören können, so ist z. B. a <= G 1 — C 2 und b <= C 2 — C 1 . Wir werden zeigen, daß man außerdem voraussetzen darf, daß C 1 — C 2 bzw. Co — C 1 in C x bzw. in G„ dicht sind, d. h. daß C 1 = C 1 — C 2 bzw. C 2 = C 2 — C 1 ist.
In der Tat, falls dies nicht der. Fall wäre, so würden wir setzen:
(35) G* = Gomp b (0,-CJ,
(86) C* — Gomj^ {Gy — G* ),
wobei wie üblich Comp x M die Komponente des Punktes x in bezug auf die Menge M bedeutet.
Bekanntlich 23 ) folgt aus (35) (da G 1 -G„ sicher nicht leer ist), daß C*-C t , und also zufolge (36) auch C*■ C* nicht leer ist. Daraus ergibt sich aber, daß C* + ein beide Punkte a und b enthaltendes, folglich mit G identisches Kontinuum ist.
Weiter ist (da z.B. Comp b (C a — C 1 ) <= G* und also mit C* ■ Comp b (C 2 — CJ identisch ist):
G* = Comp b (C 2 - G x ) e C*- Comp b (C 2 - CJ <=
/~t* r\ r- r\* r\*
*_y o 1 2 1 '
P* = Com^iG, - G*) = C*- Comp a (Ç x - G*) ¿
= c*~c*.
- 3 ) Auf Grund eines (von Janiszewski in Journ. Ec. Polytechnique, (2) 16 (1912) bewiesenen) allgemeinen Satzes, der besagt, daß, wenn F und <1> abgeschloß sen sind, und sowohl F- als l' 1 — nicht leer sind, jede Komponente von F— zu ® gehörende Häufungspunkte hat.
Mathematische Annalen. 96. 35
538
P. Alexandroff.
Die beiden Kontinuen C* und C* genügen allen unseren Voraussetzungen und können G ± und G„ ersetzen.
39. Wir setzen also voraus, daß G = G í -{- C 2 und
(37) ac= C i — Cjc C^C,; b^G^-G^G^ C¡- G,
ist, und beweisen jetzt, daß G 1 und G„ unzerlegbar sind.
Zufolge dem Additionssatze besteht C x ■ C 2 mindestens aus zwei Komponenten. Es seien also c und d zwei zu verschiedenen Komponenten der Menge G^^-G^ gehörende Punkte.
I o . G i ist irreduzibel zwischen c und d. In der Tat, falls ein echtes, beide Punkte c und d enthaltendes Teilkontinuum K 1 von G 1 vorhanden wäre, so wäre G 1 — K 1 ein Relativgebiet von G 1 und, da G 1 — G„ in G 1 dicht ist, so würde man einen Punkt
p<=C 1 — (K i + 4| ) finden können. Das Kontinuum K ± + C 2 ist also sicher von G verschieden, was unmöglich ist, weil (da c und d zu K x -C<¿ und zu verschiedenen Komponenten von G x ■ C 2 also a fortiori zu verschiedenen Komponenten von K t ■ G„ gehören, und folglich K 1 ■ C 2 nicht zusammenhängend ist) K x + C„ zufolge dem Additionssatze kein einfach zusammenhängendes Kontinuum ist.
2° Cj ist zwischen a und d irreduzibel. Falls in der Tat Q 1 ein den Bedingungen
a + d<= Q, c= G 1 — p, pc-G 1 — C^
genügendes Kontinuum wäre, so würde Q x + C 2 von C verschieden sein, was unmöglich ist, da
a + b cz Q 1 + C 2 1= C,
und d <= Q x • C 2 , also Q 1 -f- C 2 ein der Irreduzibilität von G zwischen a und b widersprechendes Kontinuum ist.
3° G i ist zwischen a und c irreduzibel. Der Beweis ist demjenigen von der Behauptung 2° ganz analog.
Da C 1 zwischen jeden zwei unter den Punkten a, c, d irreduzibel ist, so ist C x ein unzerlegbares Kontinuum" 4 ).
In derselben Weise würde man auch die Unzerlegbarkeit von C. 2 zeigen können, womit unser Satz bewiesen wird.
40. Der soeben bewiesene Satz läßt sich — wenigstens teilweise — umkehren: wir wollen nämlich folgendes beweisen:
-') Letztere Behauptung ist bei Janiszewski und Kuratowski, loe. cit. bewiesen.
Kombinatorische Eigenschaften von Kurven.
539
Jede endlich hoch zusammenhängende (also insbesondere jede regelmäßig) geschlossene Kurve, die die Vereinigungsmenge zweier unzerlegbarer Kontinuen ist, ist (und zwar zwischen unabzählbar vielen ihrer Punktepaare) irreduzibel.
Es sei
G = Cj -f- C 3
eine geschlossene Kurve mit endlicher Zusammenhangszahl k = y.(C), die als Vereinigungsmenge zweier unzerlegbarer Kontinuen C 1 und 0 2 dargestellt ist. Da G 1 und C 2 einfach zusammenhängend sind, so besteht G 1 -C ¡1 aus k Komponenten und ist also in höchstens Ic verschiedenen er bzw. c 2 - Mengen enthalten. Diese endlich vielen Mengen wollen wir für einen Augenblick ausgezeichnete Mengen nennen.
Es sei nun ^ c¡ bzw. c .. eine nicht ausgezeichnete Menge (deren es unabzählbar viele gibt) und p bzw. q ein Punkt von Cj bzw. Sßg.c,. Es sei weiter K irgendein zwischen p und q irreduzibles Teilkontinuum von C. Wir wollen zeigen, daß K notwendig jedes der Kontinuen C 1 und C. j enthält und folglich mit C identisch ist. Es genügt zu zeigen, daß ist (weil die Inklusion K => G 2 in genau derselben Weise
verifizierbar ist).
Wir bemerken zuerst, daß p im Relativgebiete K — C 2 enthalten ist. Es existiert also 25 ) ein Teilkontinuum P von K, das der Bedingung
p a Pez K — C„ciC L ,
P-C. + 0
genügt. Es sei p' irgendein Punkt von P- C„ cz C\ ■ G„. Da p' notwendig zu einer ausgezeichneten (also von c, sicher verschiedenen) Menge gehört, so ist C 1 irreduzibel zwischen p und p' und, da p -¡- p'<=. Pc C ist, so ist P = C 1 und folglich C 1 czK, w. z. b. w.
Die Frage, ob es eine unendlich hoch zusammenhängende geschlossene Kurve gibt, die zwischen keinem Punktpaare irreduzibel ist, bleibt offen (obwohl wir gleich sehen werden, daß jede derartige Kurve entweder unzerlegbar ist oder durch Vereinigung zweier unzerlegbarer Kontinuen entsteht).
Dagegen ist es leicht (nicht geschlossene) Kurven zu konstruieren, die Vereinigungsmengen zweier unzerlegbarer Kontinuen sind und die zwischen keinen zwei ihrer Punkte irreduzibel sind: um dies zu erreichen genügt es, wie leicht ersichtlich, zwei derartige unzerlegbare Kontinua C\ und C.¡ zu konstruieren, daß jedes c¡ mit jedem ^<7, gemeinsame Punkte hat. Es sei nun C 1 das im Einheitsquadrate [1] der xoy- Ebene
25 ) Siehe Fußnote 2S ).
35*
540 P- Alexandroff.
konstruierte Brouwersche Kontinuum der Fig. 2 und C„ das (dem Konti- nuum C 1 kongruente) Kontinuum, das aus C 1 durch eine Drehung von der Amplitude ^ entsteht um den Mittelpunkt des Quadrates [1]. C=C 1 -j- C„
¿t "
ist zwischen je zwei seiner Punkte reduzibel.
Fig. 2.
41. Wir erwähnen noch folgenden wichtigen
Satz. Jede unregelmäßig geschlossene Kurve ist entiveder unzerlegbar oder die Vereinigungsmenge zweier unzerlegbarer Kontinua.
Der Beweis ergibt sich durch wörtliche Wiederholung des Gedankenganges, mit Hilfe dessen Herr Kuratowski auf dem Janiszewskischen Zerlegungssatz fußend einen analogen Satz für ebene unregelmäßig geschlossene Kurven (die bei ihm als gemeinsame Grenzen von mindestens 3 Gebieten erscheinen) beweist'- 6 ). Nur ist im vorliegenden allgemeinen Falle der Janiszewskische Zerlegungssatz durch unsern Additionssatz zu ersetzen.
Ko rol lar. Jede endlich hoch zusammenhängende, unregelmäßig geschlossene Kurve ist (zwischen unabzählbar vielen ihrer Punktepaare) irreduzibel.
26 ) Kuratowski, Sur les coupures irréductibles du plan. Fund. Math, (i (1924), S. 136 bis 139.
Kombinatorische Eigenschaften von Kurven.
541
V.Stetige Kurven.
42. Unter einer stetigen Kurve verstehen wir (unter Aufgabe des Schoenflies-Hahnschen gleichlautenden Begriffes, der sich nach den neuesten Entwicklungen der Kurventheorie, durch welche der Kurvenbegriff endgültig festgelegt sein dürfte, nicht länger aufrecht erhalten läßt) eine allgemeine Kurve, die im Kleinen zusammenhängend ist. Diesen stetigen Kurven soll der vorliegende letzte Abschnitt gewidmet sein. Insbesondere erlauben die stetigen Kurven endlicher Zusammenhangszahl eine, wie es scheint, erschöpfende Charakterisierung ihrer topologischen Struktur.
Die einfachsten unter allen stetigen Kurven sind natürlich der einfache Bogen (d. h. das topologische Bild einer geradlinigen Strecke) und die einfache geschlossene (Jordansche) Linie, die wir kurz Kreis nennen werden, weil sie topologisch mit der Kreislinie identisch ist.
43. Die stetigen Kurven erlauben, die abstrakten Definitionen der §§ 13, 14 auf einen geometrischen Boden zu übertragen. So sagen wir, daß ein System von Kreisen ein Nullsystem ist, falls jeder Punkt, der einem Kreise des Systems gehört, wenigstens noch in einem Kreise desselben Systems enthalten ist. Ebenso nennen wir ein System von Kreisen irreduzibel, wenn unter seinen sämtlichen Teilsystemen kein Nullsystem vorkommt.
44. Der Beweis des Satzes, daß jede als ein Bogenkomplex darstellbare stetige Kurve eine Zusammenhangszahl ^ k hat, sobald sie ein irreduzibles aus k — 1 Kreisen bestehendes System enthält, läßt sich leicht (z. B. mittels eines elementaren Induktionsverfahrens) darstellen. Daraus folgt aber, daß jede stetige Kurve, die ein irreduzibles (k — 1 )- Kreissystem 27 ) enthält, mindestens k-fach zusammenhängend ist. Man könnte die Umkehrung dieses Satzes direkt beweisen, wir werden sie aber bald als Teil eines genauer gefaßten Satzes erhalten.
45. Bevor wir zur Formulierung dieses Satzes schreiten, führen wir folgende Definition ein. Wir sagen, daß eine (im allgemeinen nicht abgeschlossene) zusammenhängende Menge M ein offener ¿-fach zusammenhängender Bogenkomplex ist, falls M die Darstellung
M = (1 4- Y 1 Ñ- ■
k,% lt i>'¿ » • i •) Z/Í
zuläßt, wobei folgendes erfüllt ist:
I o C 0 ist eine i -fach zusammenhängende, als ein Bogenkomplex darstellbare Kurve.
2 ') Wir werden im folgenden stets statt „ein irreduzibles, aus k Kreisen bestehendes System" einfach „ein irreduzibles k-Kreießystem", oder sogar ein Kreissystem" sagen.
542
P. Alexandroff.
2° k , »j, ¿ a , ..nehmen unabhängig voneinander alle positiven ganzzahligen Werte an.
3° ist entweder die leere Menge oder ein einfacher Bogen
a ij ¿2• • • i /c bilí*. ..»a- (einen einfachen Bogen mit den Endpunkten a und b werden wir oft durch ab bezeichnen).
4° £<,<„. ..i* ist für A>1 zu C 0 fremd; falls aber k — 1 ist, so besteht C 0 ■ Sit aus dem einzigen Punkte a (¡ .
5° Zwei Bögen 8^...^ und ( k > h) sind zueinander fremd,
es sei denn, daß k — h + 1 und j 1 — i 1 , = i„, ..., j h = i k _ 1 ist, in welchem Falle
£>i, i..... ik ' "», il ... ik—, = a i¡ i?... ik
ist.
6° Zwei Punkte a i¡ und 6,^sind immer verschieden, ebenso wie zwei Punkte b i¡in ... ik und • Dagegen können zwei Punkte
«¿i Í2 ik und djj j zusammenfallen, aber nur im Falle, wenn k — h
und i 1 = j t , .. ., 4_! = jic-i ist.
7° Zwei Bögen S i¡Í2 ... ik und S¡ 1 j„...j h sind zueinander fremd, es sei denn, daß i i = j 1 , i 2 — j a , ..., H-i = jt-i und a i¡Í2 ... ik _ iik = a ilÍ2 ...i k -iik> in welchem Falle
St, i.. ■ ■. ik — 1 ik ' Si, ú...ik-, Ik 1 a iii? ...ik-lik
ist.
8° Jede unendliche Punktfolge von der Art a i¡ , a i¡Í2 , ..., a i¡ . ik , ... ist (in M) divergent.
9° ô(Si 1 t.,...i k ) strebt gegen Null, d. h. daß für jedes e > 0 es höchstens endlich viele, der Ungleichung ô (S it ^ e genügende Bögen gibt.
46. Aus dieser Definition folgt, daß jeder in M enthaltene Kreis notwendigerweise in C 0 enthalten ist; letztere Behauptung liefert den auf der Hand liegenden Beweis, daß die Zusammenhangszahl k = y.(M ) alle Interpretationen der für gewöhnliche Komplexe L definierten Zahl y. ( L ) zuläßt.
47. Wir formulieren nun folgenden
Satz. Jede endlich hoch und zwar k-fach zusammenhängende stetige Kurve C ist die Vereinigungsmenge eines (offenen) k-fach zusammenhängenden Bogenkomplexes M und einer zu M fremden, höchstens 0-di- mensionalen, aus lauter Endpunkten"*) von C bestehenden Gs-Menge J. Dabei konvergieren zwei verschiedene Folgen vom Typus 8 0 zu verschiedenen Punkten von C.
98 ) d. h. Punkten von Verzweigungßordnung 1 (vgl. die zu Anfang dieses Aufsatzes zitierten Arbeiten von Urysohn und Menger).
Kombinatorische Eigenschaften von Kurven. 543
Zufolge dem Ergebnisse des § 44 wird unser Satz bewiesen sein, sobald wir gezeigt haben werden, daß jede stetige Kurve C, die ein (k — 1)- aber kein Kreissystem enthält (¿^1), die soeben behauptete Zerlegung C = M -f- J zuläßt und höchstens ¿-fach zusammenhängend ist 2 ").
48. Um diese Behauptung zu beweisen, fangen wir mit folgendem Hilfssatz an:
Es sei G eine stetige Kurve, die ein (1c — 1 )-Kreissystem (1 ) Qii Q%> ■ • ■? Qu- 1»
aber kein ¿-Kreissystem enthält. Wir bezeichnen durch e eine beliebige positive Zahl. Dann ist jede Menge zueinander fremder Teilbögen von G, deren Durchmesser sämtlich ^ e sind, notwendigerweise endlich.
Es sei in der Tat
(2) 8 lt S s , ..., 8 n , ...
eine unendliche Folge von Teilbögen der Kurve G, die sämtlich vom Durchmesser e sind. Offenbar kann man voraussetzen 30 ), daß für jedes n
ô (S n - Q) < ~ ist, wobei Q die Vereinigungsmenge aller Kreise (1) bedeutet.
Es seien nun a n und b n zwei Punkte von S n , deren Entfernung > ~ ist. Indem man, wenn nötig, die Folge (2) durch eine Teilfolge ersetzt, kann man voraussetzen, daß die beiden Folgen aller a n (n = 1,2, ... in inf.) und aller b n konvergent sind.
Wir bezeichnen durch ô eine so kleine positive Zahl, daß jede zwei Punkte a und b der Kurve C, deren Entfernung kleiner als (5 ist, innerhalb G durch einen einfachen Bogen von einem Durchmesser < ~ verbindbar sind. Es sei nun n so groß, daß gleichzeitig
Q( a n> a n+i)< ô ' Q (b n ,K + i)< ô sind; es seien weiter a n a n+ 1 bzw. b n b n+1 die die Punkte a n und a n + 1 bzw. b n und b n + 1 verbindenden Bögen vom Durchmesser < ^ • Zufolge der Wahl der Punkte a n und b n sind a n a n+1 und b n b n+1 zueinander fremd. Es seien nun a„ bzw. b * der letzte bzw. der erste in a n a n+1 bzw. b n b n+1
-") Auch die Umkehrung des soeben formulierten Satzes ist richtig, d. h. daß jede die Zerlegung C = M-\- J zulassende Kurve eine k-fach zusammenhängende stetige Kurve ist, sobald keine zwei verschiedene Folgen vom Typus 8° zum selben Punkt konvergieren.
30 ) Indem man, wenn nötig, endlich viele Glieder der Folge (2) streicht.
544
P. Alexandroff.
enthaltene Punkt, dem man auf dem Wege a n b n a S n in der Richtung von a n nach b n begegnet. Der Teilbogen a* b* von S n ist, bis auf seine Endpunkte, zu der Menge a n a n+1 b n b n + 1 fremd und hat einen Durch-
\ / * 7 * \ ^ E Ct S 8
messer g> p(a n , b n ) > j - 2-g = j.
Auf dieselbe Weise definieren wir die Punkte a*+\ und b*+\ ■ Wenn man unter bzw. On+i b* +l den entsprechenden Teilbogen von a n b n
bzw. a n + 1 b n+1 versteht, sieht man leicht ein, daß a* +i a* + a* b*
+ K K+i + b*i+1 «»*+ 1 ein Kreis K, dessen Durchschnitt K ■ S m mit S m von einem Durchmesser > ~ ist. Unserer Voraussetzung gemäß kann also K unmöglich in Q enthalten sein, woraus folgt, daß
Qi> Q.• - •>
ein irreduzibles ¿-Kreissystem ist. Dies bedeutet aber einen Widerspruch mit den Eigenschaften der Kurve C, w. z. b. w.
49. Um unsern Beweis bequem weiter entwickeln zu können, führen wir folgende Modifikation eines bekannten Brouwerschen Begriffes ein: Wir sagen, daß eine Eigenschaft, die gewissen abgeschlossenen Mengen (eines kompakten metrischen Eaumes) zukommen kann, induktiv nach oben ist, falls aus ihrer Geltung für sämtliche abgeschlossene Mengen einer wachsenden Folge
(3)' F,c: F 2 <= . .. a F n Œ . . .
die Existenz einer gleichzeitig alle Mengen der Folge (3) enthaltenden abgeschlossenen Menge F co folgt, für die die erwähnte Eigenschaft ebenfalls gilt.
Man beweist nun leicht, daß jede eine nach oben induktive Eigenschaft besitzende Menge in einer größten, dieselbe Eigenschaft besitzenden Menge enthalten ist.
50. Wir bezeichnen jetzt durch C* irgendein das gegebene (1c —- 1)- Kreissystem der den Bedingungen der Behauptung 1 (§47) genügenden stetigen Kurve C enthaltendes, in der genannten Kurve G enthaltenes Kontinuum. Wir sagen, daß der einfache Bogen S = a b a C ein ( G*, G )- Bogen ist, falls C* -S = a ist; a soll dann der Mündungspunkt des Bogens S heißen. Aus der Tatsache, daß jeder zu G gehörende Kreis bereits in G* enthalten ist und aus dem Hilfssatze des § 48 folgt dann leicht, daß die Eigenschaft eines einfachen Bogens ein (C*, C)-Bogen zu sein eine nach oben induktive Eigenschaft ist; also ist jeder (C*, C)-Bogen in wenigstens einem Maximalbogen derselben Natur — wir sagen kurz: in einem (C*, C)-Aste — enthalten. Der Mündungspunkt dieses Astes ist derselbe Punkt a, der als Mündungspunkt des ursprünglichen (C*, C)-Bogens S galt.
Kombinatorische Eigenschaften von Kurven.
545
Jeder Punkt von C*, der als Mündungspunkt wenigstens eines ( C *, C)- Bogens vorkommt, soll ein erreichbarer Punkt von C heißen. Wir beweisen jetzt, daß die Menge aller erreichbaren Punkte von C* höchstens abzählbar ist. In der Tat, wir bemerken zuerst, daß, falls a und a 1 zwei verschiedene erreichbare Punkte von C* sind und S bzw. S 1 zwei in diesen Punkten mündende, sonst ganz beliebige (C ', C)- Bögen sind, S und 8 1 unmöglich gemeinsame Punkte haben können (weil dies die Existenz eines in C* nicht enthaltenen Kreises zur Folge haben würde). Falls also unabzählbar viele erreichbare Punkte vorhanden wären, würde man unabzählbar viele paarweise zueinander fremde Teilbögen von C haben, was in einem evidenten Widerspruch mit unserm Hilfssatze steht.
51. Falls andererseits S = ab und S t = ab i zwei in demselben Punkte aczC"' mündende ( C*, G)- Bögen sind, so folgt aus den schon mehrere Male erwähnten Gründen, daß S-8 1 entweder aus dem einzigen Punkte a oder aus einem Bogen ad besteht. Letztere Bemerkung gibt Anlaß zur folgenden Konstruktion. Wir betrachten die Menge äJij aller im Punkte a mündenden Äste und wählen einen bestimmten, es sei ab 1 , unter denjenigen Ästen des Systems 9K 1 , für die /li ( a b) seinen größtmöglichen Wert annimmt; dabei bedeutet ju (ab) den Maximalwert g (a,c) von q[o,x), x<=-ab 31 ).
Vorausgesetzt,
(4) ab i ,a\,...,ab n
wären schon konstruiert. Wir betrachten dann die Menge + 1 aller mit keinem der Äste (4) einen gemeinsamen Bogen besitzender, in a mündender Äste und wählen einen bestimmten, es sei ab m + 1 , unter denjenigen Ästen des Systems 9D? m + 1 , für die /u(ab) den größtmöglichen Wert annimmt 31 ).
Auf diese Weise werden die endlich oder abzählbar vielen Äste
(5) ab 1 ,ab. 2 , ...,ab m , ...
konstruiert, wobei n{ab m )^> fi(ab m + 1 ) ist und die Folge ô(ab m ) konvergiert (falls (5) unendlich viele Elemente enthält), auf Grund des Hilfssatzes, notwendig gegen Null. Das gleiche gilt dann a fortiori für n(ab m ).
Es sei jetzt ax ein beliebiger, in a mündender Ast und m die erste natürliche Zahl, für die entweder kein ab m mehr existiert (im Falle, wenn
31 ) Ein solcher Ast ist immer vorhanden. Es sei in der Tat a die obere Grenze aller in Frage kommender /i ( a b), und es seien ferner a n b„ (n = 1, 2, ...) so gewählt, daß lim fi (a„ b„) = lim g (a n , c n ) = a ist, und gleichzeitig c = lim c n existiert. Es genügt dann (für ein hinreichend großes n), c mit c„ durch einen kleinen Bogen c^c zu verbinden, einen ( C *, C)- Bogen a~c aac n + c n c zu wählen und einen letzteren Bogen enthaltenden Ast zu betrachten.
546
P. Alexandroff.
(3) endlich ist) oder ju(ab m ) co
Ein den Bedingungen I o , 2°, 3°, 4° genügendes System (6) werden wir eine (G*,C)-Basis oder kurz eine 33 (C*, C) nennen.
52. Es sei Q die Vereinigungsmenge aller Je — 1-Kreise, die ein irre- duzibles, in G enthaltenes, System bilden. Falls Q zusammenhängend ist, setzen wir G 0 = Q . Falls aber Q aus mehreren Komponenten besteht, erhalten wir eine Q enthaltende Kurve C 0 aC, indem wir die verschiedenen Komponenten von Q innerhalb C durch eine gewisse Anzahl einfacher Bögen verbinden. Im Falle k = 1 setzen wir dabei C 0 einem beliebigen in C enthaltenen Bogen gleich. C 0 kann evidentermaßen als ein ¿-fach zusammenhängender Komplex betrachtet werden. Wir konstruieren jetzt eine aus den einfachen Bögen
( 1 1 , S 2,..., S{ 1 ,... 5 S ix = o\, b j i
bestehende 93 (C 0 , G ). Der Bedingung 4° zufolge ist C 0 + S {l = C 1 eine
<»i>
abgeschlossene Menge, also ein Kontinuum, und jeder erreichbare Punkt von C x gehört zu einem einzigen der Bögen S^.
Es sei jetzt das Kontinuum
Ci = Gk-i + JE ^ii ii ■■■ ik c C
(¿1 ,¿2 *k)
unter der Bedingung, daß jeder erreichbare Punkt von C k zu einem und
Kombinatorische Eigenschaften von Kurven. 547
nur einem der Bögen ,- 2 . it gehört, bereits konstruiert. Wir konstruieren dann eine 93 (C k ,C) und bezeichnen diejenigen Bögen der letzteren Basis, die in Punkten von $ ¿li ik münden, der Reihe nach durch
Ù ■ ■ . i/i 1 ) ^ii iz ... ik 2 5 • • • ) 8 il .. . ik ik + 1 ' • ' *
'S»! ¿2 . ..ik ik + 1 = ( a il h ■■ ■ «A-W + l ^<1 ¿S • • . »A i k + 1 ) •
Eine leichte, auf wiederholter Benutzung der Bedingung 4° des §51 beruhende Überlegung zeigt, daß C A . +1 = C k • + Si,i,...i k ik + i e ' n
(il tj . ■ . ik ik + l)
Kontinuum ist; jeder erreichbare Punkt dieses Kontinuums gehört dabei zu einem einzigen i 2 ...i k i k hl .
Das Verfahren kann nur dann im Endlichen abbrechen, falls für ein bestimmtes m C m = C ist.
53. Es sei jetzt M = y, C k , also M = C 0 ¿ Si, . Aus
Ä — 0 jfc, î'i t 2 . . . ijf
unserer Konstruktion ergeben sich die Eigenschaften I o bis 7° des § 45 unmittelbar.
Der Beweis der Eigenschaft 9° läßt sich leicht auf den Hilfssatz (§48) zurückführen (auf Grund der Bedingungen 5° und 7° 32 )).
Was die Voraussetzung 8° betrifft, so ergibt sie sich folgendermaßen: Aus 5° und 9° folgt, daß, falls ein Punkt bczM, also b c= C k (für ein bestimmtes k) ein Häufungspunkt der Menge
O.X > ^i ] Î 9 "i, i 2 ... ik S * • •
wäre, so würde diese Menge notwendigerweise nach b konvergieren. Daraus
CO
und aus unserem Hilfssatz folgt, daß die Menge a ¡i ú T k «¡, ú i k it + ■ +
i 2 ' _
(wobei a¡, ik a h ¿ 2 ...¿ A . ÍA+1 als Teilbogen von ¡s ... ¡ k = a,-, fl ...,•* ó,-,, A . eindeutig bestimmt ist) ein einfacher Bogen W 1 ist.
Indem man und b innerhalb C k verbindet, erhält man einen zweiten einfachen Bogen W„ und dann enthält W x + W„ einen zu Q nicht gehörenden Kreis. Durch diesen Widerspruch ist bewiesen, daß auch 8° stimmt und daß also M ein offener Komplex ist.
Außerdem ist aber in der letzten Überlegung auch der Beweis dafür enthalten, daß jede Folge
(8) S il ,S ilii ,...,S il i,... ik> ... in eineindeutiger Weise einen Punkt
(9) lim S h ik = b it ... c zG — M
1: -> co
bestimmt.
32 ) Man vgl. evtl. mit § 56.
548
P. Alexandrofï.
Wir werden jetzt zeigen, daß umgekehrt jeder Punkt feC— M ein Punkt b¡ 1 ,- 2 ... i k .. . von der Art ( 9 ) ist.
Es sei £ ein beliebiger Punkt von C — M und a £ irgendein einfacher Bogen, der £ mit einem Punkte aaC 0 verbindet. Indem wir evtl. a£ durch einen Teilbogen ersetzen, können wir voraussetzen, daß a der einzige zu C 0 gehörende Punkt des Bogens a£ ist, so daß a£ ein (C 0 , 0)-Bogen und a = a- H sein Mündungspunkt ist. Es folgt also aus dem bis jetzt bewiesenen, daß a £ mit einem bestimmten Bogen a¡ 1 6 tl = einen Bogen a tl • a t¡ gemeinsam hat (wobei der Teilbogen a¡ lt -„f ein in a tl ,- 2 mündender (Cj, C)-Bogen ist). In dieser Weise fortfahrend, erhalten wir auf a£ eine Reihe aneinander anschließender Bögen.
(10) a o», ¿J = o», ßi l i, , a il i, », » . • • i Oij ;j... t' A - ®<, ¿a ... i'a û + 1 »
Diese Bögen konvergieren gegen einen Punkt b¡ r ¡ , k ..., der auf dem
Bogen ci£ liegt. Ich behaupte, daß = £ ist. In der Tat, falls
dies nicht der Fall wäre, würden wir durch k die erste Zahl bezeichnen, für die Ô ( a h ik <,...<*)< 6 ( «¡3 «... - <*> f ) ist - Da der Teilbogen a i± ,- 2 ... £ von a£ ein in o,-, , 2 ... ik mündender C)- Bogen ist, der mit S il , A .
den gemeinsamen Bogen a fl , 2 ... a ix , 2 .. . ¡A . ¡ /í+i hat, so widerspricht die letzte Ungleichung der Bedingung 3° des §51.
Ein analoger Widerspruch würde uns den Beweis dafür erbringen, daß a £ = «¿J bi L , /; ... ein Ast ist.
54. Wir bezeichnen durch J die Menge aller Punkte 6,-^
durch J ili% ...i k die Menge aller Punkte ^ ..., wobei
fest gedacht sind, die h dagegen alle Werte annehmen. Wir haben bewi esen, daß C = .M + J ist, uns bleibt jetzt noch übrig zu zeigen, daß J eine (falls nicht leere!) nulldimensionale, nur aus Endpunkten der Kurve C bestehende Gs- Menge ist. Daß J eine G¿- Menge ist, folgt einfach daraus, daß M eine F a - Menge ist. Um zu beweisen, daß J nulldimensional ist, genügt es zu zeigen, daß J aus lauter Endpunkten besteht (weil die Menge aller Endpunkte jeder Kurve höchstens null-dimensional ist 33 )).
55. Bevor wir für jeden Punkt 6$,^...^ ... die Gleichung
ind G =1
b. .
ï\ lo ... Vi • ••
beweisen, bezeichnen wir durch ... ik den offenen Komplex
£»,»,...«+ 2 Si,i,...i k ,h 1 h 2 ...hi, und bemerken, daß ein Punkt &< f i,h, h,
niemals Häufungspunkt eines Mj 1 j 1 ...j k sein kann, es sei denn, daß
33 ) Urysohn, a.a.O. *); Menger, Math. Ann. 95, S. 283.
Kombinatorische Eigenschaften von Kurven. 549
j 1 = ¿1, j 2 = j k = i k ist. In der Tat, falls ein Punkt b ¡¡ ¿ 2 ... ¿ A . ...
der Menge J ein Häufungspunkt von wäre, so würde eine Punktfolge von der Art
zu 6»,t,...i k konvergieren; dann wäre aber
i¡¡ » 2 ... ik ... "t - O-h3i ■■■ik+h 3i ■ ■ • 3 k + h + 1 ' h=0
(zufolge unserem Hilfssatze) ein den Punkt 6^4...^... als Endpunkt besitzender einfacher Bogen, also wären die Punkte 6,-und bj 1 j,...j k ...
identisch, was nur dann möglich ist, wenn für jedes k i k — j k ist.
Aus dem soeben Bewiesenen folgt, daß dieKontinuen ,- 2 ... i k = Mi, ¿ 2 ... ¿ A . folgenden Bedingungen geniigen:
1Z; ^ j 2 ... ij. — -Mi, ï 2 ...i Ä -(- Ji¡ i„... ik )
-Ktj t'j... i'a ' Ci— 1 == ®ij i 2 ... ú- )
3i- -Ktj ij... ¿i ' ; 2 ... ja- — $»1 i'í ... ik ' ii ■ ■ ■ jk >
4 1- Ki, i,...i k und h^tk, sind zueinander fremd, abgesehen
von dem Falle i 1 =j 1 , ..., i k = j k , in welchem ¿ 2 ... í /; = -Kt, ¿ 2 ... i k ... < A ist.
CO
5 i- H K tl ¡ 2 ... = ôij t 2 .,. i k ... fc=l
56. Es seien jetzt
(11) K.l .1 .1, iL 2.3 .2,..., K.m m .m ...
l l *2 ■ " l ki l l *2 • * * l &2 1 2 ' • • Arn
alle untereinander verschieden. Wir wollen zeigen, daß unmöglich für alle m die Ungleichung
(12) ô(K.m.m ,m)^>e
'1 '! 'k,„ —
gelten kann. Falls sie in der Tat erfüllt wäre, so würde man zwei Fälle betrachten müssen:
a) Alle k m sind kleiner als eine bestimmte Zahl N. Dann könnte man voraussetzen (indem man (11), wenn nötig, durch eine Teilfolge ersetzt), daß alle k m = k sind, was zufolge 3 1 zu einem Widerspruche mit unserem Hilfssatze führen würde.
b) Es gibt unter den k m beliebig große. Dann kann man voraussetzen, daß k m < k m + 1 — 1 ist, womit auf Grund von 2| derselbe Widerspruch erreicht wird.
Wir können also zu den Bedingungen 1°. bis 5¿, denen die Kontinuen
Ki l i i k genügen, noch die folgende hinzufügen:
6 1 Für keine positive Zahl e gibt es unendlich viele der Ungleichung ^{K il ú...i k )^s genügende K i¡h ... ik .
550 P. AlexandroS.
57. Wir ziehen aus 6£ eine wichtige Folgerung.
Es sei k, i 1 , i„, ..., i k beliebig gegeben. Dann bezeichnen wir durch
ik
y Kjdie Vereinigungsmenge aller K jl mit Ausnahme
von
Falls x' und x" zwei von allen Punkten o»,»,...»*»*,., verschiedene Punkte des Bogens Si, !jt sind, so bezeichnen wir ferner durch
x' x"
2 K h k ... ikik+1 die Vereinigungsmenge aller derjenigen K ijh ,,. ik i k+1 (¿j , i k fest, i k + 1 variabel), für die die entsprechenden a il ù... ik i k ^
zu dem Teilbogen x' x" von Ä tj ¡2 ... t/i . gehören 34 ). Dann folgt leicht aus 6£ ; daß die Mengen
(13) \ h ... ik
(14) A it. .h = + *¿Ki,i,...i kik »
(15) 35 ) 4C..i k ={Cic-i+ l 2 , "K uk ... jk ) +
Ct/ í i, X ^4 V I;
+ ar—. ik x' + x"b ilk .,. ik + V + 2" abgeschlossen sind, daß außerdem
»i • •. ik -f - i-2 - ■ ■ >k ~ @ d il ¿2 ... ik ' K-ii = a h k ■ ■ ■ ik '
Ax'x" I ax' x" /-ï a x' x" a X ' x " t I //
¿i »2...>/,• ~r ij... ú ^ > "i, íj ... ¿* " tj ... 4- — ® r ® is t und daß, falls -i- bzw. q(x',x") genügend klein sind, ô (k^ ú...i k )
bzw. ô (A* i*... i k ) beliebig-klein, wird^
Es sei £>0 und ein Punkt 6^^...^.... beliebig gegeben. Wir bestimmen k unter der Bedingung ô < e. Dann liefert die Zerlegung
^ = -4«! 12 . . . i¡- ~f" ^ i'l int., i k ~"f~ -ö«, » 2 . . . 1/. )
wobei A^ ®í 1 ¿2...¿t und
gesetzt ist, eine e-Aussonderung des Punktes ¿ Ä ... mittels des einzigen
Punktes a tj ,- 2 ...,- A . Da e beliebig ist, bedeutet dieses Ergebnis, daß 6, xA .... ein Endpunkt ist.
3J ) Man könnte auch voraussetzen, daß x' x" ein keinen Verzweigungspunkt von C 0 enthaltender Teilbogen von C 0 ist, wobei x' und x" von allen a¿, verschieden sind. Indem man Q * = C 0 — (x' x") + x' + x" setzt und in 2* Ki 1 die Summierung über alle Ki ¡ mit Q* versteht, würde man in (14) k= 0 bringen und (15) durch
A x ' *" = Q* + 2* Ki,
ersetzen.
35) Wj r setzen voraus, daß die Punkte i k , x',x", hi L i^ ...i k in der hier gegebenen Ordnung aufeinander folgen.
Kombinatorische Eigenschaften von Kurven.
551
Es sei jetzt x irgendein von a¡ ¡ i.,...i,. , & tl ¡,. ... i k und allen Punkten aí 1 « I ...i/tt A+ j verschiedener Punkt von S it bzw. von allen Verzweigungspunkten der Kurve C 0 verschiedener Punkt dieser letzten Kurve. Wir nehmen einen den Punkt x enthaltenden Teilbogen x'x" von S¡ ¡ ¡,, ... bzw. G 0 und sorgen dabei nur dafür, daß x und x" in keinen Punkt a» 1 » 2 ...t A »A +J fallen und daß ô (A*£...»>)< e ist 38 ) (wobei e eine beliebige feste positive Zahl ist).
Indem man
a x = A,r¿u - (»'+«") d * =- (*'+®")
setzt, erhält man die e- Aussonderung des Punktes a;:
C = A x + (x' + x") + D x .
Also ist ind^ G = 2, falls x von allen Punkten a¡ ¡ ik , b¡ ¡ ,- 2 ... i(t ., 6,-, ..., und von allen (endlich vielen!) Verzweigungspunkten der Kurve C 0 verschieden ist. In analoger Weise würde man beweisen, daß jeder Punkt 6,-, ...i k ein Endpunkt ist.
58. An die Mengen ÜT,^ und schließen sich in natürlicher
Weise folgende Mengen an. Es sei ein ^... ljt beliebig gegeben. Wir betrachten alle diejenigen ¿ ; ... , j k , die einen Durchmesser ^ e haben und für die außerdem = a,ist. Auf jedem dieser (notwendig
endlich vielen) K il ^,..j k (es seien K m r e ) wählen wir einen Punkt x m unter der Bedingung, daß
«„«= H- «(.<,...<*/»„ ( wie auch h+ 1 gewählt sei!)
und
S ( A a<) ''=■■■ ® m ) < e
sei. (Der Bogen .,i k x m gehört selbstverständlich zu $ 4i .. .¿™).
Wir nehmen endlich einen den Punkt x i¡ i ¿ /t enthaltenden Bogen
a;' x" <= S í ^ ú .. der so beschaffen ist, daß erstens a;' und a;" von allen A verschieden sind und zweitens der Durchmesser der Menge
, ,, ÍC'
. A.® * • . y r f - • . i
a — iu Z j ^t x to ... i/,-_ i , Jk ^
íc ' x"
(wobei ik Z auf alle diejenigen G ¡ l i t ...i k _ Il j k erstreckt ist, für die
in x'x" enthalten, jedoch von verschieden ist) kleiner als e ist.
Wir definieren jetzt
»V , „
A f . . y A a *'j H '••ik X M -1- . A?
m=l
36 ) Falls a ;c= (7 0 , sollen die Bedingungen der Fußnote 34 ) erfüllt sein.
552
P. Alexandroff.
59. Die Konstruktion läßt sich auch für jeden Verzweigungspunkt v i der Kurve C 0 ausführen, nur muß man die Punkte x m auf den endlich vielen sich an v { anschließenden Bögen von C 0 wählen und auf x' und x" gänzlich verzichten. Wir erhalten dann insbesondere (falls v i von allen a¿, verschieden ist):
K = i t\ ViX ' n ,
m=1
wobei r die Anzahl der sich an v i anschließenden in C 0 enthaltenen Bögen (d. h. ind„ ( C 0 ) bedeutet.
60. Nun läßt sich aus den abgeschlossenen Mengen f,...»*, A
A/, i k , für jedes s eine e- Uberdeckung $ß (£) der Kurve G konstruieren, deren sämtliche Zyklen in ein-eindeutiger Weise den in G 0 enthaltenen Kreisen entsprechen. Daraus folgt aber, daß x = x (C 0 ) ist; da dies für beliebiges e gilt, ist x (C) <1 x (C 0 ), folglich x(C) = x(C 0 ), w. z. b. w.
Korollar 1. Damit eine stetige Kurve lc-fach zusammenhängend sei, ist notwendig und hinreichend, daß sie ein irreduzibles (Je—1 ) - Kreissystem und kein k-Kreissystem enthält.
Korollar 2. Es gibt keine unregelmäßig geschlossene stetige Kurve. Korollar 3. Die einzige geschlossene stetige Kurve ist der Kreis. (M. a. W. in derselben Weise, wie die Irreduzibilität und die Stetigkeit den einfachen Bogen charakterisiert 37 ), so charakterisiert die Geschlossenheit und die Stetigkeit den (topologischen) Kreis.)
Dieses Ergebnis kann auch folgendermaßen formuliert werden:
Satz. Damit ein kompakter metrischer Raum G einer Kreislinie homöomorph sei, ist notivendig und hinreichend, daß für jedes s > 0, G als Vereinigungsmenge eines Systems endlich vieler Kontinuen darstellbar sei, deren Durchmesser sämtlich < e sind und von denen jedes genau mit zwei anderen Kontinuen desselben Systems gemeinsame Punkte hat. Ein entsprechender Satz gilt auch für den einfachen Bogen.
Weitere Korollare des Hauptsatzes dieses Kapitels sind folgende: Korollar 4. Eine endlich hoch zusammenhängende stetige Kurve enthält höchstens abzählbar viele Verzweigungspunkte, die alle eine (begrenzt oder unbegrenzt 3S )) endliche Ordnung haben.
Daraus ergibt sich:
3 ') Mazurkiewicz, Fund. Math. 1.
38 ) ein Punkt v von C heißt Punkt von „unbegrenzt endlicher Ordnung" (nach Urysohn ind„ C= a>, nach Menger Oi'dnung„ C= w), falls man für jedes £ > Ou mit
einer endlichen Punktmenge e — aussondern kann, deren Kardinalzahl mit i not-
e
wendig gegen oo strebt.
Kombinatorische Eigenschaften von Kurven.
553
Korollar 5. Eine endlich hoch zusammenhängende stetige Kurve enthält kein Urysohnsches Verdichtungskontinuum 3B ).
Letzteres Ergebnis kann auch folgendermaßen formuliert werden 38 ):
Korollar 6. Jedes Teilkontinuum einer endlich hoch zusammenhängenden stetigen Kurve ist eine stetige Kurve 39 ).
Da jeder Verzweigungspunkt der Kurve C entweder unter den (endlich vielen) Verzweigungspunkten der Kurve C 0 oder unter den Punkten a ¿] enthalten ist, so gilt der
Korollar 7. Für jeden Verztveigungspunkt v der Kurve C gibt es zueinander bis auf den Punkt v fremde, v als Endpunkt besitzende Bögen, und zwar ist die Anzahl dieser Bögen gleich der Verzweigungsordnung ind t; C des Punktes v, falls letztere Zahl endlich ist. Falls aber ind^ A = co ist, so gibt es unendlich viele zueinander bis auf v fremde Bögen vc l} vc 3 , ..., vc m , ... (deren Durchmesser selbstverständlich gegen Null konvergieren 40 )).
61. Indem wir die Kurve C 0 in endlich viele Bögen
TT T
1 ' 2' • * * 5 Wo
zerlegen, dann alle ... i k in eine einfache Folge
^m 0 +l> Tm 0+ 2, • • -i • • •
m
umordnen und dafür sorgen, daß L m = 2J für jedes m zusammen-
i= i
hängend ist, können wir folgenden Satz aussprechen:
Korollar 8. Jede endlich hoch zusammenhängende stetige Kurve G kann bis auf eine aus lauter Endpunkten von G bestehende, höchstens nulldimensionale Gs-Menge J auf die Weise erbaut werden, daß man mit einem einzigen Bogen S i = L 1 anfängt und neue Bogen S m in endlich — oder abzählbar — vielen Schritten der Reihe nach anheftet, so daß dadurch gewöhnlichen Bogenkomplexen homöomorphe Kurven
j L^, L,2, ..., L vl , .. ., L m + 1 L m S m + 1 ( m = 1, 2, ... )
entstehen und jeder Bogen S m+1 bis auf seine Endpunkte zu L m fremd ist. Dabei ist x(C) — 1 der Zahl derjenigen Schritte m gleich, bei denen beide Endpunkte von S m + 1 zu L m gehören; außerdem ist lim à (ß m ) = 0.
m-> co
62. Durch diesen Satz wird eine weitgehende Analogie unter den endlich hoch zusammenhängenden stetigen Kurven und den gewöhnlichen Bogenkomplexen zutage gebracht.
30 ) Dieser Satz ist zum erstenmal von Frau Rózañska bewiesen worden. (S. eine demnächst in den Amsterdamer Berichten erscheinende Arbeit.)
40 ) Durch Korollar 7 wird von dem von Menger (1. c. S. 302) gestellten Problem eine Teillösung geliefert.
Mathematische Annalen. 96. 36
554 P. Alexandroff. Kombinatorische Eigenschaften von Kurven.
Trotzdem können aber die erwähnten Kurven viele Singularitäten nicht allzu elementarer Natur besitzen. So folgt aus Beispielen von Urysohn und Menger 41 ), daß jeder Punkt einer sogar einfach zusammenhängenden stetigen Kurve zu einem Häufungskontinuum gehören kann, daß die Endpunkte gleichzeitig mit den Verzweigungspunkten eine überall dichte Menge bilden können u. dgl.
Insbesondere ist folgendes zu beachten. Nennen wir für einen Augenblick Gewicht einer ( zu einer Kurve G gehörenden ) Menge M die endliche oder unendliche Kardinalzahl 5] ind^ G (wobei die Summation über alle
¡teil/
xcM zu verstehen ist), so ist bekanntlich für jeden mehr als einen Bogen enthaltenden Bogenkomplex das Gewicht der Menge A aller Endpunkte höchstens gleich dem Gewichte der Menge V aller Verzweigungspunkte. Dagegen folgt aus unsern Sätzen und den erwähnten Urysonschen Beispielen 41 ), daß im allgemeinen Falle einer endlich hoch zusammenhängenden stetigen Kurve das Gewicht der Menge A den Wert c erreichen kann, obwohl die Menge V höchstens vom Gewicht n 0 ist.
63. Falls G eine stetige Kurve unendlich hohen Zusammenhanges ist, so enthält C ein aus beliebig vielen Kreisen bestehendes irreduzibles System. Nun ist es leicht, eine Folge
© 3 , ..., © fc , ...
von Kreissystemen derart zu konstruieren, daß @ k ein k- Kreissystem ist, dessen sämtliche Kreise in © fc + 1 vorkommen (k — 1,2,... in inf.).
Das ergibt aber das folgende Resultat:
Jede unendlich hoch zusammenhängende stetige Kurve enthält ein unendliches Kreissystem, in dem kein Nullsystem als Teilsystem vorkommt.
64. Es ist kaum zu hoffen, daß im allgemeinen Falle der unendlich hoch zusammenhängenden stetigen Kurven etwas Genaueres sich aussagen läßt: vor allem schon deshalb nicht,, weil eine stetige Kurve eine beliebig komplizierte allgemeine Kurve enthalten kann.
Collioure (Pyrénées Orientales), Oktober 1925.
41 ) Urysohn, Verh. Akad. Amsterdam; Menger, 1. c. S. 285.
(Eingegangen am 1. 11. 1925.)
Über stetige Abbildungen kompakter Räume*).
Von
Paul Alexandroff in Moskau.
1. Ein abstrakter Raum oder kurz ein Raum entsteht, wenn eine (aus irgendwelchen Elementen bestehende) Menge E und ein Gesetz vorliegt, so daß für jede (echte oder unechte) Teilmenge M von E die abgeschlossene Hülle M (die ebenfalls eine Teilmenge von E ist) eindeutig bestimmt wird, und dabei folgende Bedingungen 1 ) erfüllt werden:
I o Jede, höchstens aus einem Elemente von E bestehende Teilmenge M ist mit ihrer abgeschlossenen Hülle identisch.
2° (M) = M für eine beliebige Menge MaE.
3° {M + N) = M + Ñ.
Die Elemente von E werden auf diese Weise zu Punkten des Raumes R .
Eine Teilmenge von R heißt abgeschlossen, falls sie mit ihrer abgeschlossenen Hülle identisch ist. Eine zu einer abgeschlossenen Menge F komplementäre Menge R — F heißt eine offene Menge (= ein Gebiet).
Nun ist es wesentlich, daß derselbe Raum R (d. h. dieselben Beziehungen M^M) sich aufstellen lassen, indem man als Umgebungen U(x) eines beliebigen Punktes xaR alle diesen Punkt enthaltenden offenen Mengen betrachtet, und dann wie gewöhnlich (z. B. bei Hausdorff) den Begriff des Häufungspunktes einführt. Die so definierten Umgebungen genügen den ersten drei Hausdorff sehen Axiomen 2 ), das vierte soll aber durch das folgende, schwächere, Axiom ersetzt werden:
*) Der erste, abstrakte, Teil der vorliegenden Arbeit ist mit den neueren Untersuchungen von Frl. E. Noether aus dem Gebiete der allgemeinen Gruppentheorie nahe verwandt und zum Teile durch diese Untersuchungen angeregt.
J ) Diese Bedingungen rühren von Fréchet und Fr. Riesz her. Siehe wegen der betreffenden Literatur z. B. Fréchet, Sur les ensembles abstraits , Ann. Ec. Norm. (3), 38 (1921), und insbesondere die daselbst zitierte, leider schwer zugängliche Arbeit von Fréchet „Esquisse d'une théorie d'ensembles abstraits 11 , Sir Asutosh Mookerjee commemoration volumes, t. 2; the Baptist Mission Press, Calcutta, 1921. Eine zusammenfassende Darstellung aller zum Fréchetschen Ideenkreise gehörenden Resultate erscheint demnächst als Buch in der Collection Borel.
2 ) Hausdorff, Grundzüge der Mengenlehre, Leipzig 1914, S. 213 u. ff.
36*
556
P. Alexandrofï.
Falls X und y zwei verschiedene Punkte des Raumes R sind, so gibt es eine zu y fremde U(x) und eine zu x fremde U(y).
2. Es seien jetzt zwei Räume R undiü*so einander zugeordnet, daß jeder Punkt x* des Raumes R* in eindeutiger Weise wenigstens einem Punkte x des Raumes R entspricht, m. a. W. daß eine Funktion
(1) x*=f(x), xczR, x*<=R" oder einfach
R* = f(R)
entsteht. Dann soll die Bildmenge einer in R gelegenen Menge M durch M* oder durch f(M) bezeichnet werden. Falls aber M * irgendeine in R * gelegene Menge ist, so soll durch *M oder durch f~ 1 (M v ) die Urmenge von M*, d. h. die Menge aller Punkte von R, deren Bildpunkt x* zu M* gehört, bezeichnet werden.
Die Abbildung (1) heißt stetig"), falls für jede Menge M <= R die Bedingung
(2)
erfüllt ist. Indem man jeden Punkt der Menge M Berührungspunkt von M nennt, heißt die Bedingung (2), daß das Bild eines Berührungspunktes (irgendeiner in R gelegenen Menge) immer ein Berührungspunkt der Bildmenge ist. Letztere Bedingung sagt aber genau so viel aus wie die folgende 3 ):
Falls x*=f(x) Bildpunkt von x ist, so gibt es zu jeder U(x*) eine U(x) von der Beschaffenheit, daß
(3) f(U(x))cz U(x*) ist.
3. Jede Abbildung R* = f(R) bestimmt eine Zerlegung des Raumes R in zueinander fremde Mengen X= f~ x (te*), wobei x* ein beliebiger Punkt des Bildraumes R* ist. Falls dabei die gegebene Abbildung stetig war, so sind sämtliche Mengen X abgeschlossen.
Es liegt daher nahe, Zerlegungen
(4) R = £X
eines Raumes R in zueinander fremde abgeschlossene Mengen X a priori zu betrachten.
Definition 1. Die Zerlegung (4) eines Raumes R in zueinander jremde abgeschlossene Mengen bestimmt folgendermaßen einen neuen Raum R*:
3 ) Vgl. Hausdorff, op. oit. S. 360, II. Die daselbst befindlichen Betrachtungen gelten auch für den Fall eines abstrakten (nicht topologischen) Raumes.
Abbildungen kompakter Räume.
557
Punkte X* des Raumes R * sind Mengen X der Zerlegung (4), x* ~ X.
Umgebungen V(x*) entstehen folgendermaßen: es sei xq ein beliebiger Punkt des Raumes R*. Jedem die Menge X 0 ^x* enthaltenden Gebiete G<=R entspricht dann eine bestimmte V (x*), die aus allen denjenigen x* besteht, derjen in G enthaltene X entsprechen.
Man sieht leicht ein, daß R"~ wirklich ein Raum ist (d. h. daß die V(x*) allen im § 1 aufgestellten Umgebungsaxiomen geniigen).
Jede Zerlegung (4) eines Raumes induziert eine Abbildung des Raumes R auf den durch diese Zerlegung bestimmten Raum R"": man erhält diese induzierte Abbildung, indem man einfach
x*—f(x) für alle x<=X
setzt. Im allgemeinen braucht natürlich diese Abbildung nicht stetig zu sein.
4. Definition 2. Die Zerlegung (4) des Raumes R in zueinander fremde abgeschlossene Mengen heißt stetig, falls zu einem beliebigen, irgendeine Menge X 0 der Zerlegung (4) enthaltenden Gebiete G 1 aR ein Gebiet G 0 ^ X 0 sich derart bestimmen läßt, daß jede zu G n nicht fremde Menge X der Zerlegung (4) in G 1 enthalten ist.
5. Folgender Satz ist beinahe selbstverständlich.
I. Die durch eine Zerlegung (4) induzierte Abbildung R* = f(R) ist dann und nur dann stetig, falls die Zerlegung (4) stetig ist.
Es sei zuerst (4) eine stetige Zerlegung des Raumes R, R* der durch diese Zerlegung bestimmte Raum, R* = f (JE) die durch diese Zerlegung induzierte Abbildung, a 0 * ein beliebiger Punkt von R*, F(a;¡f) eine beliebige Umgebung von x*, X 0 ein dieser Umgebung vermöge der Definition 1 entsprechendes
Gebiet in R, G 0 zj X 0 ein diesem Gebiete vermöge der Definition 2 entsprechendes Teilgebiet, x 0 irgendein zu A'„ gehöriger Punkt, und U (x a ) irgendeine in G () enthaltene Umgebung dieses Punktes. Dann ist jede zu U ( x 0 ) nicht fremde Menge X der Zerlegung (4) in Ctj enthalten, und also
f(U(x 0 ))cV(x 0 *),
d. h. die Abbildung R*=f(R) stetig.
Es sei umgekehrt die durch die Zerlegung (4) induzierte Abbildung R* — f(R) stetig. Es sei weiter A' 0 eine beliebige Menge X der Zerlegung (4), G x ein beliebiges, diese Menge enthaltendes Gebiet in R, V(x*) die zugehörige Umgebung des Punktes . t „* ~ X 0 , x 0 ein beliebiger Punkt vonl 0) U(x 0 ) eine der Inklusion f(U{x 0 )) c V(x$ ) genügende Umgebung dieses Punktes, G 0 das durch Vereinigung der für alle Punkte x n c: X 0 konstruierten, soeben erwähnten ü(x 0 ) gebildete Gebiet. Dann ist f(G 0 )cz V(x^); letztere Inklusion sagt aber nichts anderes aus, als daß jede mit G 0 gemeinsame Punkte besitzende Menge X der Zerlegung (4) in 6\ enthalten ist.
Der Satz I ist hierdurch bewiesen.
6. Falls uns zwei Räume R und R mit allen ihren Eigenschaften gegeben sind, so können wir entscheiden, ob der Raum R * ein stetiges Bild
558
P. Alexandroff.
des Raumes R ist oder nicht. Daraus folgt aber durchaus nicht, daß durch eine auch noch so vollständige Kenntnis des Raumes R eine Möglichkeit gegeben ist, alle Bäume, die sich stetig auf R abbilden lassen, in irgendwelchem Sinne zu konstruieren.
Wir wollen das auf diese Weise entstehende Problem für sehr allgemeine Raumkategorien lösen; zuerst aber werden wir zeigen, warum die Lösung dieses Problems in seiner vollen Allgemeinheit ziemlich aussichtslos erscheint.
Wir haben gesehen, daß jeder durch eine stetige Zerlegung eines Raumes R bestimmte Raum R J " ein stetiges Bild von R ist. Nun aber braucht gar nicht eine stetige Abbildung R* — f{R) eines sogar kompakten topologisehen Raumes durch die Zerlegung des Raumes R in die Mengen X=f~* i (x*) induziert zu sein 4 ).
Um dies einzusehen, betrachten wir folgendes Beispiel.
Es bestehe der Raum R aus allen Ordnungszahlen der I. und II. Zahlklasse, d. h. aus allen Zahlen
(5) 1)2,.,co,...,ß, ... (o; 1, übergeht 5 ").
10. Wir beweisen jetzt den eigentlich selbstverständlichen
8 *) Vgl. Fußnote 10 a ).
Abbildungen kompakter Räume.
5(J1
Satz III. Ein stetiges Bild eines bikompakten bzw. kompakten abstrakten Raumes 6 ) ist wiederum ein bikompakter bzw. kompakter Raum.
Es sei R*—f{R ) und R bikompakt bzw. kompakt. Es sei weiter {(?*} ein beliebiges bzw. abzählbares System von den Raum R* überdeckenden offenen Mengen. Um den Satz III zu beweisen, brauchen wir nur zu zeigen, daß aus {G*} sich ein endliches, den Raum R* noch immer überdeckendes Teilsystem wählen läßt. Letztere Behauptung folgt aber einfach daraus, daß die *G den Raum R überdecken und daselbst offen sind, also lassen sich") endlich viele dieser Mengen, es seien
*G 1} *G 2 , ..., *G S
derart wählen, daß y,*G¡=R, und also J>¡ G* — R* ist, w. z. b. w.
i— 1 1=1
11. Folgendes Beispiel zeigt, daß stetige Abbildungen selbst der einfachsten bikompakten 73 ) Räume nicht doppelstetig zu sein brauchen.
Es bestehe in der Tat R aus der abgeschlossenen Einheitsstrecke der reellen Zahlengeraden und dem Punkte 2 derselben Geraden; die Umgebungen seien dabei die üblichen (d. h. man betrachte R als in der gewöhnlichen Geraden enthaltenen Relativraum).
R* soll aus denselben Punkten wie R bestehen (wodurch eine eineindeutige Beziehung zwischen R * und R von vornherein festgestellt wird). Die Umgebungen aller Punkte bleiben auch dieselben, mit einziger Ausnahme des Punktes 2; letzterer Punkt bekommt nämlich als Umgebung jede, aus dem ganzen Räume durch Weglassung endlich vieler, vom Punkt 2 verschiedener, sonst aber beliebiger Punkte, entstehende Menge. Man überzeugt sich leicht, daß der abstrakte (nicht topologische!) Raum R* ein stetiges, wohl aber kein doppelstetiges Bild des Raumes R ist.
12. Dagegen bestehen folgende Sätze:
IV s ). Falls der topologische Raum R * stetiges Bild des bikompakten topo- logischen Raumes R ist, ist die betreffende stetige Abbildung auch doppelstetig.
") Die Definition der bikompakten topologischen Räume ist in der Arbeit
P. Alexandrofl und P. Urysohn, Zur Theorie der topologischen Räume, Math. Ann. 92,
gegeben. Diese Definition und der dazu gehörige Satz I (loc. cit. S. 259) läßt sich
unmittelbar auf den Fall allgemeiner abstrakter Räume übertragen.
') Da R bikompakt bzw. kompakt ist.
7a ) (abstrakten (also, im allgemeinen, nicht topologischen)).
8 ) Zuerst habe ich diesen Satz nur für die dem I. Abzählbarkeitsaxiome genügenden bikompakten topologischen Räume bewiesen, was für das folgende (§§ 13 bis 23) genügte. Herr N. Wedenissoff (stud. math, in Moskau) hat mich aber in liebenswürdiger Weise darauf aufmerksam gemacht, daß der Satz IV in voller Allgemeinheit unmittelbar aus dem Satz III und einem von Paul Urysohn und mir früher bewiesenen 9 ) Satze folgt, wodurch der Satz IV viel allgemeiner und sein Beweis viel einfacher geworden ist.
502
P. Alexandroff.
Es sei in der Tat F eine beliebige in R gelegene und daselbst abgeschlossene Menge. F ist, als Relativraum betrachtet, bikompakt, folglich ist auch F* bikompakt, also 9 ) in jedem größeren topologischen Raum, insbesondere auch in R*', abgeschlossen, w. z. b. w.
V. Jeder durch eine stetige Zerlegung eines bikompakten topologischen Raumes R bestimmte Raum R" ist ein topologischer Raum und folglich ein doppelstetiges Bild des Raumes R.
Dieser Satz folgt sofort aus der Normalität 10 ) aller bikompakten topologischen Räume. Aus den Sätzen I bis V folgt das zusammenfassende Ergebnis :
Diejenigen topologischen Räume, die stetige Bilder eines gegebenen bikompakten topologischen Raumes R sind, entsprechen eineindeutig den stetigen Zerlegungen des Raumes R und werden durch diese Zerlegungen, also allein durch Kenntnis des Raumes R selbst, vollkommen bestimmt 1X ).
Da jeder kompakte metrische Raum bekanntlich bikompakt ist 10 ), so gelten letztere Resultate insbesondere für alle kompakten metrischen Räume R, deren Untersuchung wir uns jetzt zuwenden.
VI. Ein topologischer Raum, der stetiges Bild eines kompakten metrischen Raumes ist, ist auch selbst kompakt und metrisierbar 1 ' 2 ).
13. Es sei, um VI zu beweisen, R* = f(R), und R ein kompakter metrischer Raum. Da wir R* als topologischen Raum voraussetzen, brauchen wir zufolge des bekannten Urysohnschen-Metrisationssatzes nur zu beweisen, daß in R * das zweite Abzählbarkeitsaxiom gilt.
Da R dem II. Abzählbarkeitsaxiom sicher genügt 13 ), so gibt es für R ein abzählbares Umgebungssystem
(8) ü lt U 9 ,...,U n ,...
und zufolge des Borel-Lebesgueschen Satzes ein abzählbares System von offenen Mengen
(9) öj, G a , .. G n , ....,
°) „Jeder bikompakte topologisclie Raum ist absolut abgeschlossen." (P. Alexandroff und P. Urysohn, Zur Theorie der topologischen-. Räume, Math. Ann. 92, S. 263.)
10 ) Siehe die unter 9 ) zitierte Arbeit. Ein topologischer Raum heißt normal, falls in ihm jede zwei abgeschlossene, zueinander fremde Mengen F l und F„ durch ebenfalls fremde Gebiete G 1 =>F 1 , Gr., zd F« voneinander trennbar sind.
11 ) Es sei nochmals betont, daß ich die Möglichkeit, letzteres Ergebnis in seiner vollen Allgemeinheit auszusprechen, der unter 8 ) zitierten Bemerkung von Herrn Wedenissoff verdanke.
la ) Dagegen zeigt das Beispiel des § 11, daß ein allgemeiner abstrakter, nicht metrisierbarer Raum stetiges Bild eines kompakten metrischen Raumes sein kann.
1S ) Hausdorff, S. 274.
Abbildungen kompakter Räume.
563
die so beschaffen sind, daß es zu jedem Paare F <= G , wo F eine abgeschlossene und G eine offene Teilmenge des Raumes R ist, wenigstens ein der Inklusion
genügendes Gebiet (9) gibt 14 ).
Wir betrachten unter den Umgebungen V(x*), die im Beweise des Satzes II (§8) vorkommen, nur diejenigen, die, der Vorschrift des § 3 gemäß, den Mengen (9) entsprechen. Es sollen diese V(x*) bzw.
heißen. Um zu beweisen, daß die V n dem ursprünglichen Umgebungssystem {U(x*)} des Raumes R' 1 ' (vgl. § 8) gleichwertig sind, braucht man nur wörtlich die Überlegungen des entsprechenden (End-) Teiles des § 8 zu wiederholen und dabei unter U(x) eine in (8) vorkommende Umgebung U n des Punktes x zu verstehen. Da die V n nur in abzählbarer Menge vorhanden sind, so wird damit die Geltung des II. Abzählbarkeits- axioms im Räume R*, und folglich der ganze Satz VI bewiesen. 14. Wir schreiten jetzt zum Beweise des folgenden Satzes: VII. Jeder kompakte metrisierbare topologische Raum ist stetiges Bild einer beschränkten, nirgends dichten, abgeschlossenen Menge reeller Zahlen.
Beweis. Es sei R ein den Voraussetzungen unseres Satzes genügender Raum, in dem wir uns eine feste Metrik eingeführt denken.
Es existiert dann (zufolge des Borel-Lebesgueschen Überdeckungssatzes) für jede natürliche Zahl m ein endliches System von Gebieten:
(10)
F <= G n <= G
(11)
FF F
1 ) '2' * ' *' r « >
(12)
% m ={ur,ur,...,iiz)
die so beschaffen sind, daß
I
(13) R = Ui l und für jedes i £ 1 à ( 17") < -
i= i m
ist.
(14)
Wir sagen nun, daß das endliche System natürlicher Zahlen
[¿i, ..., i n J
ausgezeichnet ist, falls für jedes k m
I ,
nicht leer ist.
") Die G„ sind einfach die Vereinigungsmengen ^je endlich vieler unter den Mengen (8).
564
P. Alexandroff.
N ub bezeichnen wir durch die Menge aller Irrationalzahlen déren Kettenbruchentwicklung
ein ausgezeichnetes System ist.
Ich behaupte:
I o . ist eine beschränkte abgeschlossene Menge reeller Zahlen (da außerdem nur aus Irrationalzahlen besteht, so wird aus I o folgen, daß nirgends dicht ist).
2°. R ist ein stetiges Bild von 0.
15. Da 0 eine Menge reeller Zahlen ist, so wird die Beschränktheit und Abgeschlossenheit von 0 gleichzeitig bewiesen, sobald wir zeigen, daß 0 in sich kompakt ist. Es genügt also zu konstatieren, daß jede abzählbare Teilmenge M von 0 wenigstens einen zu 0 gehörenden Häufungspunkt hat.
Es sei M eine solche Menge und
ihre sämtlichen Elemente.
Da die Anzahl der verschiedenen Werte, die il annehmen kann, die feste Schranke l x zufolge (15) nicht überschreiten kann, so gibt es eine solche natürliche Zahl i x , daß für unendlich viele s — i x ist, d.h. daß die Kettenbruchentwicklung (18) für unendlich viele Zahlen Í 1 mit i x beginnt. Da jede dieser £ s zu 0 gehört, so ist [¿J ein (aus einem Elemente) bestehendes ausgezeichnetes System.
Es seien jetzt die natürlichen Zahlen bereits in der
Weise ausgewählt, daß es unter den Zahlen g s unendlich viele gibt, deren Kettenbruchentwicklung (18) die i x , i„, ..i m als die ersten m Teilnenner der Reihe nach besitzt; die Menge der soeben ausgewählten werden wir durch M m bezeichnen. Da M m <= M <= 0 ist, so ist i 1 , i 2 , ..., i m ein ausgezeichnetes System.
Da die Anzahl der verschiedenen Werte, die i s m+1 annehmen kann, endlich ist, so gibt es ein i m+1 , das mit im+i für unendlich viele | s c; M m
(17)
hn "I - ' .
die Eigenschaft hat, daß für jedes m
[î' j , « 2 , ..., ¿ m ]
(18)
(s — 1, 2, ... in infinitum)
Abbildungen kompakter Räume.
565
identisch ist, so daß wir eine unendliche Menge M m + 1 <= M m von Irrationalzahlen | s haben, deren Kettenbruchentwicklung (18) mit
• + 5*7*-
h)i + 1
beginnt. In dieser Weise fortfahrend, definieren wir für jedes m ein i m unter der Bedingung, daß (14) ausgezeichnet ist und daß unendlich viele Í s mit
¿1 H —— ,
h + ' • I 1 im
beginnen. Dann ist aber die Irrationalzahl |, die durch ( 17 ) definiert ist, erstens ein Element der Menge 0, zweitens ein Häufungspunkt der Menge M, womit die Behauptung I o bewiesen ist.
16. Es bleibt uns übrig, 2° zu beweisen.
Es sei f ein beliebiges, durch (17) gegebenes Element von ( P. Dann ist (14) ausgezeichnet und also (16) nicht leer. Da
-^¿1 il ... im iz • ■ • im+l
ist, so ist nach dem Cantorschen Durchschnittssatze die Menge
(19) EFi^...i,n
m= 1
nicht leer. Sie kann aber nicht mehr als einen Punkt enthalten, weil für jedes m
ö £ à (ÍU...Ü ^ à{VZ) < i
ist. Wir bezeichnen also den Punkt (19) des Raumes R durch x und setzen
(20) * = /•(!)
(wo Í durch (17) gegeben ist).
In dieser W ß i se entspricht jedem Punkte f c: $> ein einziger Punkt x c= Ii. Umgekehrt aber entspricht zufolge (20) jedem Punkte xczR wenigstens ein Punkt |<=-:à
m= 1 un— 1 m= 1
gelten.
566
P. Alexandroff.
Die Menge (16) ist also nicht leer, also ist (14) ausgezeichnet und der durch (17) definierte Punkt £ gehört zu . Aus (21) folgt alsdann, daß
* = /"(£)
ist.
Wir erhalten also die eindeutige Abbildung
(22) R = /"(>),
und es bleibt uns nur übrig zu beweisen, daß diese Abbildung eine stetige ist. Es sei zu diesem Zwecke e eine beliebige positive Zahl und x ein beliebiger Punkt von R. Es sei weiter f ein der Gleichung (20) genügender Punkt von 0 angeben, daß
(23) q(X, Z)< E ist, sobald
(24) z = f(C) und |f — Ç\<ô.
Es sei ra > und die Menge aller Irrationalzahlen, deren Ketten-
bruchentwicklung mit
-f — !
I i im
anfängt, f gehört zu und es gibt bekanntlich ein <5 > 0 von der
Art, daß jede Irrationalzahl f, die sich von £ weniger als um ô unterscheidet, zu gehört. Wir wählen dieses (5 und betrachten einen beliebigen, den Relationen (24) genügenden Punkt zaR.
Dann ist zufolge der Definition der Abbildung R = z in der
Menge F i¡ ia ... im , also a fortiori in V™ n enthalten, und folglich (da auch xczVZ ist) ist
e(x, z)£ô(V£) = ô(V£)<± 0 ein ô > 0 finden, so daß aus
|£ — í|<<5,
14 *) Hausdorff, Kap. IX.
Abbildungen kompakter Räume.
567
die Ungleichung
£ (/"(£), f(O) < B folgt 15 )
17. Bekanntlich ist jede beschränkte abgeschlossene nirgendsdichte Menge reeller Zahlen ein stetiges Bild einer 1B ), und folglich jeder beschränkten nirgendsdichten perfekten linearen Menge (also z. B. der Cantor- schen „Dreiteilungsmenge"), man kann also die Sätze VI und VII folgendermaßen zusammenfassen :
Die Klasse der kompakten metrischen Räume ist topologisch mit der Klasse derjenigen topologisehen Räume identisch, die eindeutige und stetige Bilder der Cantorschen perfekten Menge sind.
18. Für den Fall kompakter metrischer Räume li!a ) läßt sich der Be-
15 ) An den Satz VII knüpft sich noch folgende Bemerkung an. Indem man durch r™ die Menge aller Irrationalzahlen f bezeichnet, deren m 'er Teilnenner (in der Kettenbruchentwicklung (17)) gleich s ist, sieht man leicht ein, daß die, durch den Beweis des Satzes VII gelieferte, Abbildung (22) der Bedingung
(25) lim á(/ , (^-rf)) = 0
m~> oo
genügt (d. h. für jedes e >0 gibt es ein genügend großes m, : , so daß für beliebiges s und m>m s
ist). Eine der soeben ausgesprochenen Bedingung genügende Abbildung wollen wir absolut stetig nennen. Wir führen noch folgende Bezeichnung ein. Falls E irgendwelche, aus Irrationalzahlen bestehende, Menge ist, so soll N m ( E) die Menge aller derjenigen natürlichen Zahlen bedeuten, die als m te Teilnenner der Kettenbruchent- wicklung sämtlicher Elemente der Menge E vorkommen.
Dann bildet folgender Satz eine leichte Umformung eines Urysohnschen "Überdeckungssatzes. (Siehe in diesem Bande den § 12 meiner Arbeit „Simpliziale Approximationen usw."):
Jeder höchstens n-dimensionale kompakte metrische Raum R läßt sich als absolut stetiges Bild einer aus Irrationalzahlen bestehenden beschränkten abgeschlossenen Menge derart darstellen, daß, falls man durch X irgendeine, sich in einen Punkt x von B abbildende Teilmenge von bezeichnet, die Menge N m (X) für jedes m höchstens aus n + 1 verschiedenen natürlichen Zahlen besteht.
Falls umgekehrt ein kompakter metrischer Raum R vorliegt, der sich unter Geltung der soeben ausgesprochenen Bedingung als absolut stetiges Bild einer, aus Irrationalzahlen bestehenden, beschränkten abgeschlossenen Menge darstellen läßt, so ist er höchstens n- dimensional.
Den Beweis dieses Satzes überlassen wir dem Leser.
10 ) am einfachsten folgendermaßen entstehenden perfekten Menge: Man umgibt jeden isolierten Punkt x n der gegebenen abgeschlossenen Menge F mit einem kleinen, keinen andern Punkt der Menge F enthaltenden Intervalle A n und setzt dahin eine, x n enthaltende, perfekte Menge P n . Man definiert alsdann P F = F + 2 P n und setzt a; = f(f) = f, falls fc- P F gleichzeitig ein nicht isolierter Punkt von F ist, sonst aber: x = f {£) = x n (falls f c P n ist). Dann ist F— f (P F ) ein stetiges Bild vonPp.
16 ■) und nur für diesen Fall: vgl. § 9.
568
P. Alexandroff.
griff der stetigen Zerlegung in eine andere Form bringen, die oft bequemer ist.
Wir erinnern uns zuerst an den Hausdorffschen Begriff der topologi- schen Konvergenz einer Mengenfolge: eine Mengenfolge heißt konvergent, wenn ihr oberer und unterer abgeschlossener Limes 10 bis ) zusammenfallen (und dann den topologischen Limes der Mengenfolge bilden).
Wir können jetzt den Begriff der Stetigkeit der Zerlegung
(26) R= J]X
eines kompakten metrischen Raumes in zueinander fremde abgeschlossene Mengen X folgendermaßen formulieren:
Es sei
(27) Ipl,
irgendeine konvergente Folge der Mengen X (der Zerlegung (26)), und nur mit einer Menge X (der Zerlegung (26)) gemeinsame Punkte haben (und also in ihr enthalten sein).
19. Um die Äquivalenz der beiden Stetigkeitsbegriffe zu beweisen, setzen wir 'zuerst voraus, daß (26) eine im Sinne des § 4 stetige Zerlegung ist, und es habe mit der Menge X 0 gemeinsame Punkte. Wir wollen zeigen, daß zu jeder, von X 0 verschiedenen Menge X der Zerlegung (26) fremd ist. Es sei in der Tat X% eine solche Menge. Da X 0 und X * zueinander fremd sind, so gibt es ein X 0 enthaltendes, zu X¡. fremdes Gebiet G 1 .
Wir dürfen voraussetzen (Normalität!), daß auch (r 1 zu fremd ist. Es habe nun G 0 die im § 4 erwähnte Bedeutung. Fast alle X n haben mit G 0 gemeinsame Punkte, sind also in G 1 und a fortiori in G 1 enthalten; daraus folgt aber, daß auch ( I> in G 1 enthalten, d. h. zu X* fremd ist.
20. Jetzt setzen wir umgekehrt voraus, daß die Zerlegung (26) im Sinne von § 18 stetig ist, und es sei die Stetigkeitsbedingung des § 4 nicht erfüllt.
Dann gibt es eine bestimmte Menge X 0 der Zerlegung (26) und ein diese Menge enthaltendes Gebiet G 1 derart, daß jedes in G t enthaltene, die Menge X 0 enthaltende Gebiet G n (n > 1) mit einer aus G 1 herausragenden Menge X in) wenigstens einen Punkt x n gemeinsam hat.
íebis) Hausdorff, S. 236. Ein Punkt x gehört zum oberen abgeschlossenen Limes der Mengenfolge
-MjL, il/o t • ' • J , . . i
falls jede U(x ) Punkte unendlich vieler Mengen M„ enthält; x gehört zum unteren * abgeschlossenen Limes, wenn jede U (x) Punkte fast aller M„ enthält.
Abbildungen kompakter Räume.
569
Es sei jetzt . .
G n = S[X 0 ,-^j (» = 2, 3,..., in inf.),
wobei e — Q(X 0 , R — G t ) gesetzt ist.
Die Folge aller X M enthält eine konvergente Teilfolge
(26) X M , X M ,...,X in "\ ...,
deren topologischer Limes , zufolge der Relation
X [nk) -G nh = X nk -S(x 0 , —— r) =» x n , + 0
\ n k — i/ sicher mit X 0 gemeinsame Punkte hat.
Andrerseits ist aber
X {nk) • (R — G t ) =j= 0 (für jedes k),
also auch
(P.(Ä-G a ) + 0,
so-daß unmöglich in X 0 enthalten sein kann, und folglich, im Widerspruche mit der Bedingung des § 18, wenigstens mit zwei verschiedenen Mengen X der Zerlegung (26) gemeinsame Punkte hat.
Die Äquivalenz der beiden Stetigkeitsdefinitionen ist hiermit für jede Zerlegung eines kompakten metrischen Raumes bewiesen.
Wir werden in einem Augenblicke von der zweiten Form des Stetigkeitsbegriffes Gebrauch machen.
21. Das Hauptresultat dieser Arbeit läßt sich folgendermaßen formulieren:
Jeder kompakte metrisierbare topologische Raum ivird durch eine stetige Zerlegung der Cantor sehen perfekten Menge induziert-, auch umgekehrt induziert jede stetige Zerlegung der Cantorschen perfekten Menge (iallgemeiner : eines beliebigen kompakten metrischen Raumes) stets einen kompakten metrisierbaren Raum.
Mit anderen Worten: „einen kompakten metrisierbaren Raum angeben" heißt dasselbe wie „eine stetige Zerlegung der Cantorschen Menge bestimmen". Dadurch wird aber der wesentlichste Teil der mengentheoretischen Topologie 17 ) wieder auf den alten Boden des elementaren
3 ') der ja eben in der Untersuchung der kompakten und in kleinen kompakten Räumen bestellt. Vgl. hierzu Paul Urysohn, Mémoire sur les multiplicités cantorien- nes, I, Introduction, n° 6—9 (Fund. Math. 7, S. 38—42, insbes. Fußnote °) auf der Seite 41).
Es sei noch bemerkt, daß jeder im kleinen kompakte metrisierbare Raum R aus einem einzigen, durch R vollständig bestimmten, bikompakten Räume R durch Weglassung eines einzigen Punktes topologisch entsteht. Ê ist dabei dann und nur dann metrisierbar, falls in R eine abzählbare Menge dicht ist (was ja bei dieser ganzen Fragestellung auch immer vorausgesetzt werden darf). (Siehe über alle diese Fragen meine Arbeit „ Über Metrisation der im kleinen kompakten top. Räume", Math. Ann. 92, S. 294-301).
Mathematische Annalen. 9G. 37
570
P. Alexandroff.
Diskontinuums zurückgeführt, was insbesondere für Grundlagenprobleme von einer prinzipiellen Bedeutung sein dürfte.
22. Die in dieser Arbeit gewonnenen Gesichtspunkte erlauben das allgemeine Problem über die topologischen Eigenschaften stetiger Zerlegungen kompakter metrischer Räume zu stellen, oder, was dasselbe ist, das Problem über topologische Eigenschaften derjenigen (in einem kompakten metrischen Räume gelegenen) Systeme von abgeschlossenen Mengen, deren Vereinigungsmengen wieder abgeschlossen sind. Wie man sofort sieht, lassen sich manche klassische, sowie moderne topologische Fragen in diese allgemeine Problemstellung einordnen.
Um sich auf das einfachste Beispiel zu beschränken, nennen wir eine stetige Zerlegung
(29) R=T;X
eines kompakten metrischen Raumes n- dimensional, falls der durch diese Zerlegung induzierte Raum R" re-dimensional ist 18 ).
Folgende Frage scheint mir von grundlegender Bedeutung zu sein:
Was läßt sich über die Dimension eines kompakten metrischen Raumes R aussagen, für den eine n- dimensionale Zerlegung in lauter m-dimensionale abgeschlossene Mengen X vorliegt" 1 . (Die plausible Antwort wäre, daß dim R ^ m + n ist.)
23. Schon die Lösung dieses Problems für den Fall n = 0 19 ) dürfte ein selbständiges Interesse darbieten, wie man z. B. aus folgendem Satze erkennt:
VIII. Die Zerlegung eines kompakten metrischen Raumes in seine sämtlichen Komponenten ist eine stetige nulldimensionale Zerlegung.
Es sei in der Tat R ein kompakter metrischer Raum, und es seien die X sämtliche Komponenten des Raumes R . Zuerst beweisen wir, daß die Zerlegung (29) stetig ist, und wenden zu diesem Zweck die zweite Form (§18) der Stetigkeitsdefinition an.
Es sei
eine konvergente Folge von Komponenten des Raumes R und 0 der topologische Limes dieser Folge. Falls die Menge die abgeschlossen und zusammenhängend ist, mit der Komponente X 0 gemeinsame Punkte hat, so ist notwendigerweise @czX 0 (weil sonst X 0 + eine von X 0 verschiedene,
18 ) So ist z. B. die Zerlegung der Kugelfläche in Parallelkreise -f Nordpol + Südpol, oder die Zerlegung der Torusfläehe in Parallelkreise eine stetige 1-dimensionale Zerlegung.
10 ) die soeben von Herrn Tamarkin in Moskau erbracht ist (Proceed. Ak. Amsterdam 28 (Nr. 10), S. 1000 u. f.), wodurch meine Vermutung sich für den Fall n = 0 als richtig erwiesen hat.
Abbildungen kompakter Räume.
571
letztere Menge enthaltende, zusammenhängende Menge wäre, was der Eigenschaft von X 0 , eine Komponente zu sein, widerspricht).
Die Zerlegung (29) ist also stetig, folglich ist der durch die Zerlegung bestimmte Raum R ' ein stetiges Bild von R,
R* = f(R).
Da R* ein kompakter Raum ist, so bleibt uns nur noch übrig zu zeigen, daß R* kein Kontinuum enthält, d. h. daß jede, mehr als einen Punkt enthaltende, abgeschlossene Teilmenge F* von R* sich in zwei zueinander fremde abgeschlossene Mengen F* und F* zerlegen läßt.
Es sei F die Menge f~ 1 (F*) (vgl. § 2). F ist eine abgeschlossene, mehr als aus einer Komponente bestehende Teilmenge von R und zerfällt daher in zwei zueinander fremde abgeschlossene Mengen F 1 und F.,.
Dann sind aber in unserem Falle F* = f(F 1 ) und F.* = f(F z ) ebenfalls zueinander fremd und abgeschlossen, und da außerdem
F * = F* + F*
ist, so ist unser Satz bewiesen.
Es sei hierzu noch bemerkt, daß aus dem soeben bewiesenen Satze die bekannten Brouwerschen Sätze über die Struktur der abgeschlossenen Mengen 20 ) ohne weiteres folgen. Derselbe Satz steht auch zu einem Satze von Hausdorff 21 ) in enger Beziehung.
Blaricum bei Amsterdam, November 1925.
20 ) Nämlich die Sätze 1, 2, 3, 4 der ersten und der Satz 8 der zweiten Mitteilung „Over de struktuur der perfekte puntverzamelingen (Koninklijke Akademie van Wetenschappen te Amsterdam 1910, S. 833—842 und 1911, S. 1416—1426, beides holländische Ausgabe).
21 ) op. cit. S. 304, Satz XI.
(Eingegangen am 11. 12. 1925.)
Zusatz bei der Korrektur: Wie ich soeben ersehe, behandelt Herr R. L. Moore in seiner Arbeit: ,, Concerning upper semicontinuous collections of continua (Amer. Trans. 27 (1925), S. 416—428) einen Begriff, der sich mit dem obigen Begriff der stetigen Zerlegungen für den Fall metrischer Räume mit Kontinuen als Zerlegungseinheiten im wesentlichen deckt. Da sich aber Herr Moore a. a. 0. auf ebene Kontinua beschränkt, so kommen seine Resultate mit den meinigen nicht weiter in Berührung.
Über reguläre Baumknrven.
Von
Karl Menger in Amsterdam.
1. Die kurventlieoretischen Grundlagen. Wir bezeichnen als reguläre Baumkurve oder kurz als Baum (in Verallgemeinerung einer Ausdrucksweise der kombinatorischen Topologie) ein kompaktes stetig durchlaufbares Kontinuum („ligne de Jordan"), welches keine einfache geschlossene Kurve (d.h. kein topologisches Bild einer Kreislinie) als Teil enthält 1 ). Die Untersuchung der Bäume ist aus zwei Gründen von einem gewissen Interesse: erstens nehmen die Bäume unter den Kurven eine Stellung ein analog jener der Kurven unter den allgemeinen Kontinua 2 ) und besitzen daher einige an sich bemerkenswerte Eigenschaften; zweitens können hinsichtlich der Bäume einige allgemeine kurventheoretische Fragen beantwortet werden, deren Lösung für andere Kurven eigenartige, bisher unüberwundene Schwierigkeiten entgegenstehen.
Als Kurve wird in der allgemeinen Kurventheorie 3 ) ein Kontinuum bezeichnet, zu dessen sämtlichen Punkten beliebig kleine Umgebungen
') Auf diese Klasse von Kontinua wurde wohl zuerst von Mazurkiewiez, Fund. Math. 2 (1921), S. 119 hingewiesen. — W. Soherrer, Math. Zeitschrift 24 (1925), S. 125, behandelt sie unter dem Namen „ungeBchlossene stetige Kurve" und beweist insbesondere, daß jede topologische Abbildung eines Baumes auf sich selbst oder auf ein Teilkontinuum mindestens einen Fixpunkt hat. — Einige Sätze über Bäume, die sich mit denen des § 5 der vorliegenden Arbeit teilweise berühren, fand ich nach Abschluß dieser Arbeit bei R. L. Wilder, Fund. Math. 7 (1925), S. 358 ff.
3 ) Vgl. meinen Bericht über die Dimensionstheorie, (Kap. IV) Jahresber. d. deutsch. Math. Ver. 1926.
3 ) Vgl. meine Grundzüge einer Theorie der Kurven, Proc. Ac. Amsterdam 28 (1925), S. 67 und Math. Annalen 95 (1925), S. 277 (im folgenden zitiert als „Kurven") und Urysohn, Mémoire sur les multiplicités Cantoriennes, II. Teil, weloher demnächst in den Verh. d. Ak. Amsterdam erscheint im Anschluß an eine Note in den C. R. 175 (1922), S. 481. — Der Kurvenbegriff, die Begriffe des End- und Verzweigungspunktes, sowie einige kurventheoretische Sätze finden sich auch in einer in den Proc. Ac. Amsterdam 29 (1926) abgedruckten Note von mir aus dem Jahre 1921.
K. Menger. Reguläre Baumkurven.
573
mit diskontinuierlichen Begrenzungen existieren. Der Punkt p eines Kon- tinuums wird regulär genannt, wenn beliebig kleine Umgebungen von p mit endlichen Begrenzungen existieren, p heißt insbesondere von höchstens n-ter Ordnung, wenn beliebig kleine Umgebungen von p existieren, deren Begrenzungen höchstens n Punkte enthalten, während reguläre Punkte, die von keiner bestimmten endlichen Ordnung sind, von der Ordnung w oder von ivachsender Ordnung heißen. Ein kompaktes Kontinuum, welches nur reguläre Punkte enthält, heißt reguläre Kurve. Die Punkte zweiter Ordnung einer regulären Kurve nennen wir geivöhnliche Punkte, die Punkte erster Ordnung Endpunkte , die Punkte von höherer als zweiter Ordnung Verzweigungspunkte.
Zunächst sieht man, daß jede reguläre Baumkurve, d. h. jedes kompakte stetig durchlaufbare Kontinuum ohne geschlossene Teilkurve, auch wirklich eine reguläre Kurve im eben angeführten Sinn der Kurventheorie ist. Man bestätigt nämlich leicht 4 ), daß jedes Teilkontinuum eines Baumes stetig durchlauf bar ist, woraus sich ( da bekanntlich in einem stetig durchlaufbaren Kontinuum je zwei Punkte durch einen Bogen verbunden werden können) ergibt, daß je zwei Teilkontinua eines Baumes einen leeren oder einen zusammenhängenden Durchschnitt haben 4a ). Daraus folgt vor allem, daß jeder reguläre Baum B eine Kurve ist. Sonst gäbe es ja einen Punkt p von B und eine Umgebung V von p, so daß die Begrenzung jeder kleineren Umgebung von p Kontinua enthält. Sei dann V eine zusammenhängende Umgebung von p innerhalb von U (eine solche existiert, weil B stetig durchlauf bar ist) und seien a und b zwei Punkte eines Teilkonti- nuums (a, b ) der Begrenzung von V. Wir könnten dann innerhalb von V zwei Punkte a' und b' so nahe an a bzw. b wählen, daß zwei zueinander fremde Teilkontinua von V, (a, a') und (b, b') existieren. Verbinden wir sodann die Punkte a und b' durch ein Kontinuum (a', b'), das ganz im Innern von V liegt, — dann hätten die beiden Kontinua (a, a') +(a, ô) + (b, b') und (a', b") einen nichtzusammenhängenden Durchschnitt, was unmöglich ist, weil B ein Baum ist. B ist also eine Kurve und zwar eine stetig durchlaufbare; B zerfällt daher nach einem Satz der Kurventheorie 0 ) für jedes e > 0 in endlich viele Teilkontinua < e, die zu je zweien dis-
4 ) Vgl. Mazurkiewicz, a. a. 0. S. 123.
,la ) Angenommen nämlich, zwei Teilkontinua 1( 1 und E„ hätten einen nicht zusammenhängenden Durchschnitt, dann könnte man zwei Punkte p und q in verschiedenen Komponenten von K t -K 2 wählen und durch zwei Teilbögen verbinden, von denen der eine in K t , der andere in K„ liegt. Der Durchschnitt dieser zwei Bögen wäre nicht zusammenhängend, also enthielte ihre Summe einen topologischen Kreis, was unmöglich ist.
6 ) Vgl. Kurven S. 296 ff.
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K. Menger.
kontinuierliche Durchschnitte haben. Da aber diese Durchschnitte nach dem oben Bewiesenen leer oder zusammenhängend sind, so enthalten sie höchstens je einen Punkt. Als Summe beliebig kleiner Teilkontinua mit endlichen Durchschnitten, ist also B nach einem kurventheoretischen Satz ,r,a ) eine reguläre Kurve, wie behauptet. — Da ferner in der allgemeinen Kurventheorie gezeigt wird, daß jede reguläre Kurve stetig durchlaufbar ist 5b ), so sehen wir, daß es auf dasselbe hinauskommt, ob wir die regulären Bäume definieren als die stetig durchlaufbaren Kontinua ohne geschlossene Teilkurve oder als die regulären Kurven ohne geschlossene Teilkurve.
2. Die Bedeutung der Ordnungszahl für Punkte eines Baumes geht aus folgendem Satz hervor : Ist der Punkt p des Baumes B von der Ordnung n, so ist n die Anzahl der Teilbögen von B, die in p zusammenstoßen, d. h. es lassen sich n und nicht mehr als n in p endende und sonst fremde Teilbögen aus B herausgreifen. Zugleich ist n die Anzahl der Stücke, in die B nach Tilgung von p zerfällt, oder, wie wir dies auch ausdrücken können, die Komponentenzahl von B — p. In den Punkten van der Ordnung w stoßen abzählbar viele Bögen mit gegen Null konvergierenden Durchmessern zusammen ; nach Tilgung eines Punktes der Ordnung w zerfällt der Baum in abzählbar viele Komponenten mit gegen Null konvergierenden Durchmessern 5c ).
Sei zum Beweise p ein Punkt n - ter Ordnung eines Baumes B . Mehr als n Teilbögen, die in p enden und sonst fremd sind, kann B offenbar nicht enthalten. Wir haben zu zeigen, daß sich aus B wirklich n in p zusammenstoßende Bögen herausgreifen lassen. Dazu betrachten wir eine Umgebung U von p , deren Begrenzung genau n Punkte q t , q t , ..., q n enthält und die so klein ist, daß die Begrenzung jeder Teilumgebung von p mindestens n Punkte enthält. Wegen der letzteren Voraussetzung ist die abgeschlossene Hülle U von U offenbar ein Kontinuum und daher als
f ' ft ) Vgl. Kurven S. 300.
f,b ) Vgl. Kurven S. 300.
6c ) (Zusatz bei der Korrektur.) Über die erste Hälfte dieses Satzes, welche von dem Zusammenstoßen von Bögen in Baumpunkten handelt, vgl. bereits Kurven S. 302 f. Die Aussage betrifft das Verhalten von Bäumen in der Nachbarschaft ihrer Punkte und gilt daher selbstverständlich von jedem Baum im kleinen, d. h. von jeder Menge, die zu jedem ihrer Punkte eine Umgebung enthält, deren abgeschlossene Hülle ein Baum ist. In der Form einer Aussage über Bäume im kleinen findet sich dieser Satz, sowie der Satz von § 4 der vorliegenden Arbeit, wie ich während der Drucklegung ersehe, auch bei P. Alexandroff (Über kombinatorische Eigenschaften allgemeiner Kurven, V. Abschnitt, in diesen Annalen), wo reguläre Kurven, die Bäume im kleinen sind, als „endlich hoch zusammenhängende stetige Kurven" bezeichnet werden.
Reguläre Baumkurven.
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Teil eines Baumes stetig durchlaufbar. U enthält also je einen einfachen Bogen zwischen p und jedem der Punkte q i . Wir haben nur noch nachzuweisen, daß diese Bögen zu je zweien bloß den Punkt p gemein haben. Hätten nun aber etwa die Bögen, welche p mit q 1 und q. 2 verbinden, einen Punkt q =^=,p gemein, so betrachten wir das Komplement der n — 1 Punkte q, q a , g 4 , ..q n . Die p enthaltende Komponente desselben wäre mit Rücksicht auf die Baumnatur von B eine Umgebung von p < U, was unserer Voraussetzung widersprechen würde. Ganz analog läßt sich die Behauptung für die Punkte der Ordnung w beweisen 8 ). — Tilgen wir nun einen Punkt n- ter Ordnung von B, so zerfällt der Rest offenbar in mindestens n Komponenten ; denn B — p enthält ja, wie eben nachgewiesen, n Bögen ohne ihren einen gemeinsamen Endpunkt, und gehörten zwei von diesen Bögen zu derselben Komponente, so ließe sich sofort eine geschlossene Teilkurve von B angeben. Andererseits enthält B — p auch nur n Komponenten. Denn B — p ist eine in B offene Menge; die Komponenten von B — p sind daher ') offene zusammenhängende Mengen ; die abgeschlossenen Hüllen dieser Komponenten sind Kontinua; jedes dieser Kontinua enthält einen in p endenden Bogen, und da es nicht mehr als n solcher Bögen geben kann, so kann B — p nicht mehr als n Komponenten enthalten.
3. Einige Charakterisierungen (1er Bäume. Damit eine reguläre Kurve B ein Baum sei, ist jede einzelne der folgenden Eigenschaften notwendig und hinreichend:
a) Je zwei nicht fremde Teilkontinua von B haben einen zusammenhängenden Durchschnitt ;
b) je zwei fremde Teilkontinua von B können durch einen Punkt getrennt werden;
c) jeder Punkt von höherer als erster Ordnung zerlegt B;
d) zu je zwei Punkten von B existiert ein einziger Teilbogen von B mit den beiden Punkten als Endpunkten;
e) jedes Teilkontinuum von B enthält mindestens zivei Endpunkte.
Daß je zwei nicht fremde Teilkontinua eines Baumes einen zusammenhängenden Durchschnitt haben, wurde bereits erwähnt, und daß dies für eine Kurve, welche einen topologischen Kreis als Teil enthält, nicht zutrifft, ist klar. — Daß jeder Punkt von höherer als erster Ordnung einen
ß ) Das entsprechende Problem, ob in jedem Punkt m-ter Ordnung einer beliebigen regulären Kurve n Teilbögen zusammenstoßen (vgl. Kurven S. 302), ist für n = 2 von Kuratowski in positivem Sinn entschieden worden, im allgemeinen aber noch unerledigt.
7 ) Vgl. Kuratowski, Fund. Math. 1, S. 43; Hahn, Fund. Math. 2, S. 189.
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K. Menger.
Baum zerlegt, wurde oben unter 2. bewiesen; enthält andererseits eine Kurve G einen topologischen Kreis, so liegen auf demselben höchstens abzählbar viele C zerlegende Punkte 8 ), also sicher ein C nicht zerlegender Punkt, der offenbar von mindestens zweiter Ordnung ist. — Seien nun K x und K 2 zwei fremde Teilkontinua von B . Wir verbinden K 1 und K„ durch einen Bogen und betrachten sodann einen K t und K„ verbindenden Teilbogen dieses Bogens, welcher, abgesehen von seinen Endpunkten, zu K 1 -j- K 2 fremd ist. Tilgen wir irgendeinen Punkt p dieses Bogens, so zerfällt B , und zwar so, daß K 1 und K„ nicht zu derselben Komponente gehören. K x und K tJ sind also durch den Punkt p getrennt. Enthält andererseits eine Kurve einen topologischen Kreis, so enthält sie offenbar auch zwei zueinander fremde Teilkontinua (nämlich irgend zwei zueinander fremde Teilbögen des topologischen Kreises), die nicht durch einen Punkt getrennt werden können. — Der Beweis von d) liegt auf der Hand. — Zum Beweise von e) verwenden wir den Satz von Mazurkiewicz 8 ), daß jedes stetig durchlaufbare Kontinuum mindestens zwei Punkte enthält, durch die das Kontinuum nicht zerlegt wird. Auch jedes Teilkontinuum eines Baumes muß also mindestens zwei solche Punkte enthalten, besitzt folglich, da ein Baum durch jeden Punkt von höherer als erster Ordnung zerlegt wird, (in bezug auf sich selbst) zwei Endpunkte. Enthält andererseits ein Kontinuum einen topologischen Kreis, so ist das eine Teilkurve ohne Endpunkt. Damit ist unser Satz bewiesen.
4. Über die Struktur der Bäume. Jeder Baum B setzt sich zusammen aus einer abzählbaren Menge von Ver zweigungspunkten ~B, aus der Menge B~ aller gewöhnlichen Punkte, die von der Mächtigkeit des Konti- nuums und in B dicht ist, und aus einer diskontinuierlichen Menge B von Endpunkten, die abzählbar oder von der Mächtigkeit des Kontinuums ist.
Wir stützen den Beweis auf zwei Hilfssätze. H 1 ': Jeder Teilbogen eines Baumes B enthält höchstens abzählbar viele Verzweigungspunkte von B. Sei nämlich C ein Teilbogen von B, p ein Punkt von C-"B. Die Menge B — p enthält mindestens drei Komponenten, von denen mindestens eine zu G fremd ist. Die abgeschlossene Hülle dieser Komponente enthält, als Teilkurve eines Baumes, mindestens zwei Endpunkte, also mindestens einen Endpunkt 4= V ■ Einen dieser Endpunkte ordnen wir unter dem Namen e(p) dem Punkt p zu 10 ). Für p 4= q ist dann
8 ) Vgl. Mazurkiewicz, a. a. O. S. 119.
°) a. a. 0.
10 ) Von hier ab verläuft der Beweis des Hilfssatzes B 1 analog dem Mazurkiewicz- schen Beweis des Satzes, daß auf jedem topologischen Teilkreis eines stetig durch- laufbaren Kontinuums höchstens abzählbar viele Punkte liegen, die das Kontinuum zerlegen. (A. a. 0. S. 120.)
Reguläre Baumkurven.
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stets e (p) 4= e(q), also ist die Mächtigkeit von C 'B nicht größer als die Mächtigkeit der Menge aller e (p). Um zu zeigen, daß diese letztere Menge abzählbar ist, weisen wir nach, daß sie keinen ihrer Häufungspunkte enthält. Wir leiten zu diesem Zweck aus der Annahme, daß der Punkt e(p) Häufungspunkt von den Punkten e(p n ) ist, einen Widerspruch her, und zwar in folgender Weise: Jeder der Punkte e(p n ) ist nur durch einen einzigen Teilbogen von B mit e(p) verbunden, und jeder dieser Bögen muß den Punkt p enthalten. Also sind, wenn r den Abstand der Punkte p und e(p) bezeichnet, alle Punkte e(p u ) mit e(p) bloß durch ein Teilkontinuum von B verbunden, dessen Durchmesser > r ist. Dies aber widerspricht, da e(p) Häufungspunkt der e(p n ) ist, dem Zusammenhang im kleinen von B. Damit ist Hilfssatz Hj bewiesen.
Sei nun E eine in 5 1 dichte Teilmenge von B 1 , p ein Punkt von höherer als erster Ordnung, oder, wie wir auch sagen, ein Punkt von 1 B. Wenn M eine Komponente von B — p ist, so enthält die abgeschlossene Hülle M = M-\-p von M, als Teilkurve des Baumes B, mindestens zwei Endpunkte, also mindestens einen Endpunkt <4= P> der auch Endpunkt von B sein muß, — und folglich auch mindestens einen Punkt von E, da diese Menge in ß 1 dicht ist. Es enthält daher die abgeschlossene Hülle jeder Komponente von B — p auch einen Bogen, welcher p mit einem Punkt von E verbindet. Berücksichtigen wir, daß B — p mindestens zwei Komponenten enthält, so haben wir bewiesen Hilfssatz H., : Ist B ein Baum, E eine im Endkern B l von B dichte Teilmenge von B 1 , dann liegt jeder Punkt von 1 B auf mindestens einem Teilbogen von B, der zwei Punkte von E verbindet.
Da für E eine abzählbare Menge gewählt werden kann, folgt aus //, die Existenz abzählbar vieler Teilbögen von B , in deren Summe 1 B, also a fortiori B enthalten ist. Nach H x enthält jeder dieser Bögen höchstens abzählbar viele Verzweigungspunkte von B , also ist die Menge 'B abzählbar.
Die Menge der gewöhnlichen Punkte eines Baumes liegt im Baum dicht und hat die Mächtigkeit des Kontinuums. Denn je zwei Baumpunkte sind ja durch einen Bogen verbunden, der eine Menge der Mächtigkeit des Kontinuums von gewöhnlichen Punkten enthalten muß, da er nur abzählbar viele Verzweigungspunkte des Baumes enthält 11 ). — Daß schließlich der Endkern eines Baumes die Mächtigkeit des Kontinuums besitzen kann, geht aus dem Urysohnschen Beispiel einer Kurve hervor, die in den Punkten einer linearen perfekten, nirgends dichten Cantorschen
11 ) Reguläre Kurven, die nicht Bäume sind, enthalten bekanntlich bisweilen überhaupt keine gewöhnlichen Punkte, vgl. das in Kurven S. 302 angeführte Beispiel von Sierpiñski, Comptes Rendus 160 (1915), S. 302.
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K. Menger.
Menge Endpunkte und sonst nur Punkte von zweiter und dritter Ordnung enthält und, wie man unmittelbar sieht, ein Baum ist Ua ).
5. Bäume und Bogensummen. Jeder Baum B ist Summe eines Semikontinuums S, bestehend aus abzählbar vielen Bögen, deren jeder zwei Endpunkte des Baumes verbindet, und einer zu S fremden Menge T, die ausschließlich Endpunkte des Baumes enthält. Die Menge T kann leer angenommen werden, wenn B 1 abzählbar ist, und ist von der Mächtigkeit des Kontinuums, wenn B ' unabzählbar ist. Ein Baum 11 b ) ist Summe abzählbar vieler Bögen dann und nur dann, wenn er bloß abzählbar viele Endpunkte enthält; er ist Summe endlich vieler Bögen dann und nur dann, wenn er endlich viele Endpunkte enthält.
Zum Beweise betrachten wir eine abzählbare, in B 1 dichte Teilmenge E von B 1 . Wir wählen irgendeinen Punkt von B ' und verbinden ihn mit jedem Punkt der (auf Grund des oben Bewiesenen abzählbaren) Menge E~\~ ¿ B durch jé einen Bogen. Die Summe dieser abzählbar vielen Bögen bildet ein Semikontinuum S. Wir zeigen, daß B — S < B ist, und leiten zu diesem Zweck einen Widerspruch her aus der Annahme, es existiere ein Punkt p von 1 B-(B — S). In der Tat, als Punkt von 1 B müßte ein solcher Punkt auf einem Bogen G zwischen zwei Punkten e i und e 3 von E liegen. Als Punkte des Semikontinuums S wären aber e 1 und e., auch durch einen Teilbogen von S verbunden, der von G verschieden ist, da er den Punkt p nicht enthält. Das aber widerspricht der Baumnatur von i?. — Wenn B 1 abzählbar ist, können wir E — B 1 setzen und haben eine Zerlegung von B in abzählbar viele Bögen. Ist B ' von der Mächtigkeit des Kontinuums, so kann B offenbar nicht als Summe abzählbar vieler Bögen dargestellt werden, denn jeder Endpunkt von B müßte Endpunkt eines der abzählbar vielen Bögen sein und jeder Bogen enthält nur zwei Endpunkte 12 ). Ist B l endlich, dann ist, wie man leicht einsieht,
11 a ) Diese Kurve ist in der Cartesischen Ebene die abgeschlossene Hülle der Summe aller Strecken, von denen der eine Endpunkt die Koordinaten hat
il _ } .
S = 2J • 2 ■ 3 , i] = 3 ' und deren anderer Endpunkt die Koordinaten hat k— 0
£' = f + Sj+i-2-3 k 1 und)?' = 3 k 1 , wo k = 0,1,2,..., f 0 = 0, und für k> 0 entweder + 1 oder — 1 ist.
llb ) (Zusatz bei der Korrektur.) und daher natürlich auch ein kompakter Baum im kleinen (vgl. oben 6c )).
la ) Das allgemeine Problem der Charakterisierung jener regulären Kurven, die Summe vom abzählbar vielen einfachen Bögen sind, ist noch ungelöst. Abzählbarkeit des Endkernes ist eine notwendige, aber keine hinreichende Bedingung. Abzählbarkeit der Menge aller nicht- gewöhnlichen Punkte ist, wie ich hier erwähnen möchte, für die Zerspaltbarkeit der Kurve in Bögen weder notwendig noch hinreichend.
Reguläre Baumkurven.
579
auch ~B endlich und B ist nach Sätzen der allgemeinen Kurventheorie 13a ) darstellbar als Summe von endlich vielen Bögen.
6. Über die Plättbarkeit der Bäume. Es gilt der Satz 13 ): Jeder reguläre Baum ist mit einem ebenen Kontinuum homöomorph.
Wir schicken dem Beweis einige Hilfsüberlegungen voraus. Seien b l , 6 a , . .b n n feste Punkte des Baumes B; (b¡, b k ) bezeichne den einzigen Teilbogen von B, der in b¡ und b k endet. Ist P ein einfaches Polygon ( = ein ebenes Polygon, welches topologisches Bild einer Kreislinie ist),
dann nennen wir n Punkte p„, ..., p n von P zu den b¡ hinsichtlich
n
B isomorph, wenn eine, zur Bogensumme S — 5}(b { , b k ) homöomorphe
i,k= 1
n
Menge A(S) = 5] (p¡, p k ) existiert, die, abgesehen von den Punkten
i, k=l
p { = A{b¡), ganz im Inneren des Bereiches (P) von Fliegt. Daß zu jedem B,b i ,\, .. .,b H auf jedem vorgelegten einfachen Polygon n zu den b i hinsichtlich B isomorphe Punkte angebbar sind, wobei noch die Bögen (p., p k ) als Streckenzüge angenommen werden können, — das ergibt sich unmittelbar durch Induktion nach n.
Nun gilt folgender Hilfssatz: Seien b 1 ,b„,...,b n n feste Punkte des Baumes B; sei ferner P, p 1 , p^, ..., p n ein zu B, 6 1 , & 2 ,..., b u isomorphes einfaches Polygon und sei e > 0 vorgegeben. Dann kann B als Summe endlich vieler Kontinua < e, B¡, B„, .... B m , dargestellt werden, die zu je zweien höchstens einen Punkt gemein haben und zu denen in P ein isologes System P t , P 3 , ..., P m von Polygonen < e existiert. Dabei sagen wir von einem System P i , es sei zu den B i isolog , wenn folgende Bedingungen erfüllt sind: „Je zwei von den P { haben höchstens einen Punkt gemein, und zwar haben P { und P k dann und nur dann einen Punkt, p ik , gemein, wenn B i und B k einen Punkt, b ik , gemein haben. P i hat mit P den Punkt p k dann und nur dann gemein, wenn B i den Punkt b k enthält. Abgesehen von den Punkten p 1 , p 2 , ..p n liegen alle P i im Inneren von (P); je zwei Bereiche (P t .) und (P ( .) sind zueinander fremd. Die auf P i gelegenen Punkte p ik und p k liegen hinsichtlich B i zu den entsprechenden Punkten b ik und b k isomorph".
Für n < 2 kann zu jeder Zerlegung von B ein isologes System von Polygonen < e sehr einfach konstruiert werden durch entsprechendes Aneinanderheften von zu den B i isomorphen und nach Bedarf verkleinerten
i2») Vgl. Kurven S. 304.
la ) Er wird in der Arbeit von Mazurkiewicz als wahrscheinlich bezeichnet. Herrn P. Alexandroff verdanke ich wertvolle Anregungen zur Beschäftigung mit diesem Problem.
580
K. Menger.
Polygonen. Nähere Angaben sind erforderlich, wie man für n ^ 2 zugleich den beiden Forderungen genügen könne, daß die Polynome einerseits < e sind und anderseits gewisse „Randbedingungen" erfüllen, nämlich durch die n vorgegebenen Punkte p i in der beschriebenen Weise hindurchgehen. Wir deuten die Konstruktion zunächst für den Fall n = 2 an. Dem einfachen Bogen (b 1 , 6 a ) von B lassen wir einen abgesehen von seinen Endpunkten in (P) verlaufenden Streckenzug (p lt p 2 ) entsprechen. Die Länge von (p lt p a ) sei <&•£, wo k eine ganze Zahl ist. Wir zerlegen sodann B in endlich viele Kontinua < e, B 1 , B. 2 , ..., B m , die zu je zweien höchstens einen Punkt gemein haben und die überdies so klein bestimmt sind, daß mindestens k von ihnen, etwa die Kontinua B 1 , B. 2 , .. ., B t mit
dem Bogen (b 17 ö 2 ) Teilkontinua gemein haben (wobei einzelne Punkte nicht als Kontinua aufgefaßt werden). Die Kette B 1 ,B$,...,B l von Kontinua überdeckt (b 1 , b„) vollständig und wir nehmen an, daß sie in der angeschriebenen Reihenfolge so geordnet sei, daß ein von b 1 nach b„ sich bewegender Punkt von B der Reihe nach Punkte von B 1 , B. 2 , .. ., B x durchläuft. Auf (b ¡ , 6 a ) liegen l -|- 1 Punkte
C 0 5 3 ' » • ) s + 1 ^2 '
so daß jeder der l — 1 mittleren Punkte dieser Reihe zwei aufeinanderfolgenden Kontinua der Kette gemein ist. Diesen Punkten ordnen wir auf dem Bogen (p 1 , p 2 ) 11 Punkte in entsprechender Reihenfolge zu:
~ Pl ' ^1 ' ^2 ' • • •> _|_ 1 = Py , so daß (p 1 , p. 2 ) durch dieselben in Stücke < e zerfällt. Kommen unter den B i (i > l) auch Kontinua vor, die mit (b 1 , b. 2 ) genau einen Punkt gemein haben, so lassen wir jedem von ihnen ein den Bogen (p lt p 2 ) nicht durchsetzendes Polygon P i < e entsprechen, das wir an (p x , p„) in einem Punkt ansetzen und das wir so klein wählen, daß sein Innenbereich innerhalb von (P) liegt, und daß je zwei der angesetzten Polygone zueinander fremde Innenbereiche besitzen; gilt für den Punkt c, welcher den Durchschnitt von B i (i > l) mit (b 1 , b. 2 ) ausmacht, Cj < c < c j+1 , bzw. c = Cj, so heften wir das entsprechende Polygon P i in einem Punkt d an, für den dj < d Vi) die Punkte d[, iL', ..., d' r , d¿ und nur diese Punkte gemein hat. Und da in jedem Punkt dj bloß auf einer Seite des Bogens
Reguläre Baumkurven.
581
(Pi'Pz) Polygone angeheftet worden sind, kann P i als einfaches Polygon dieser Art bestimmt werden. Die Zuordnung von Polygonen zu den etwaigen übrigen B i bietet keine Schwierigkeiten mehr. Auf jedem der bereits vorhandenen Polygone P t können Punkte angegeben werden, die zu den Begrenzungspunkten des entsprechenden Kontinuums B¿ isomorph liegen. In jedem solchen Begrenzungspunkt eines ist an ein System von gewissen B■ angeheftet; zu diesem System kann ein isologes System von Polygonen konstruiert und an den entsprechenden Punkt von P { angeheftet werden. Damit ist der Hilfssatz für n = 2 bewiesen.
n
Ist n > 2, dann ist S — 2 (b¡, 6,.) ein gewöhnlicher Baum, d. h. S läßt
i,Jc=1
sich darstellen als Summe endlich vieler Bögen G 1 , C 2 , ..., C m , die zu je zweien höchstens Endpunkte miteinander gemein haben und deren Endpunkte mit singulären Punkten von S übereinstimmen. Diesen Bögen ent-
71
sprechen gewisse Teilbögen C[,Gí,...,Gm von 2J(Pi, p k ). Tilgt man
i,h= i
beide Endpunkte von C { , so zerfällt B; die abgeschlossene Hülle derjenigen Komponente, welche C { enthält, nennen wir B¿. B ist Summe der
solcherart entstehenden Kontinua B 1 , _B.,, ..., B m und endlich vieler Rest-
m
kontinua B m+1 ,...,B , deren jedes mit B i bloß einen Punkt gemein
i=i
hat, der entweder zu den n ausgezeichneten Punkten b 1 , b.,, ..b n von B gehört oder mehreren von den B t gemein ist. Indem man nun die in Polygone einschließt, deren Innenbereiche in (P) liegen und zu je zweien fremd sind, und die mit jedem B i höchstens die zwei Endpunkte von C { gemein haben, und indem man ferner Polygone P { (i > m), welche den B i (i > m) entsprechen, in geeigneter Weise anheftet, erhält man ein zu den Kontinua B 1 , ..., B m , ..B p isologes System von Polygonen, von denen jedes mit den übrigen höchstens zwei Punkte gemein hat. Und auf jedes dieser Kontinua B t und dieser Polygone P { kann die für n — 2 durchgeführte Konstruktion des Hilfssatzes angewendet werden, wodurch auch die Fälle n > 2 erledigt sind.
Sei nun ein Baum B vorgelegt. Wir definieren durch Induktion ein Umgebungssystem von B und ein isologes System von Polygonen. Zunächst zerlegen wir B in endlich viele Kontinua B x , B^, ..., B n < e < 1, die zu je zweien höchstens einen Punkt gemein haben, und lassen ihnen ein isologes System P ± , P„, ..., P n von Polygonen < e entsprechen. Wir nehmen sodann an, es seien bereits definiert die Kontinua < und
das entsprechende System von Polygonen < e" -1 Dann zerlegen
wir jede der Mengen Bin endlich viele Kontinua -ß»,< e n , die zu je zweien höchstens einen Punkt gemein haben und so, daß ihnen in P ío • -• in —i ein isologes System von Polygonen P ilÍ2 . < e n entspricht.
582
K. Menger. Reguläre Baumkurven.
Hieraus ergibt sich folgende Abbildung von B auf ein ebenes Kon- tinuum: Gehört der Punkt b von B bei jedem Schritt der eben definierten Zerlegung bloß einem einzigen Kontinuum an, dann ordnen wir ihm den Durchschnitt der entsprechenden Polygone zu; da dieselben ineinandergeschachtelt sind und ihre Durchmesser gegen Null konvergieren, so enthält ihr Durchschnitt genau einen Punkt. — Gehört dagegen der Punkt b von B bei einem gewissen Schritt der Zerlegung zum erstenmal mehreren Kontinua an, dann ordnen wir ihm jenen Punkt zu, welcher den entsprechenden Polygonen gemein ist. Mit Rücksicht auf die Isologie zwischen dem Kontinua- und dem Polygonensystem zeigt man nun in einfacher Weise, daß die so definierte Abbildung umkehrbar eindeutig und stetig ist. Es ist damit ein topologisches Bild des Baumes B in der Ebene angegeben.
(Eingegangen am 2. 12. 1925.)
/
Über konvexe Flächen und einschließende Kugeln.
Von
N. Kritikos in Athen.
Herr T. Bonnesen hat in seiner Arbeit über das isoperimetrische Defizit ebener Figuren, Math. Annalen 91, S. 257, den Satz bewiesen:
Jedes Oval O kann in einen von zwei konzentrischen Kreisen C und c begrenzten Kreisring in der Weise einbeschrieben werden, daß es zwischen den Kreisen liegt, jedoch mit jedem Kreis zumindest zwei Punkte gemein hat und zwar so, daß es auf G ein Punktpaar gibt, welches auj O von einem Punktpaar auf c getrennt ist. Für ein vorgelegtes Oval ist der Kreisring eindeutig bestimmt.
Von diesem Satz wollen wir im folgenden einen Beweis geben, der vor demjenigen von Herrn Bonnesen den Vorzug hat, weitere Eigenschaften des Kreisrings hervortreten zu lassen und eine Verallgemeinerung auf den Raum zu gestatten. Wir führen den Beweis für den verallgemeinerten Satz im Raum; in der Ebene gelten vollständig entsprechende Schlüsse.
1. Es sei K ein konvexer Körper (das ist eine beschränkte, abgeschlossene, nicht-ebene Punktmenge, die mit zwei Punkten auch die Punkte ihrer Verbindungsstrecke enthält), F sei die Begrenzung. Ist M ein Punkt von K, so gibt es eine kleinste Kugel C (M) mit M als Mittelpunkt und einem Radius R (M), die K enthält, und eine größte c (M) mit demselben Mittelpunkt und einem Radius r(M), die in K enthalten ist und sich auf einen Punkt reduziert, wenn M auf F liegt.
Die Differenz D (M) = R (M) — r (M) ist eine nicht-negative, stetige Funktion von M in K. Nach einem Satz von Weierstraß erreicht sie also darin ihr Minimum, das offenbar dann und nur dann gleich Null ist, wenn K eine Kugel ist. Wir werden zeigen, daß es nur eine Minimumstelle gibt und daß der zugehörige Kugelring durch geometrische Bedingungen festgelegt werden kann, die eine Verallgemeinerung derjenigen des zitierten Satzes sind.
584
N. Kritikos.
2. Wir behaupten zunächst folgendes:
Ein Punkt M von F ist keine Minimumstelle.
Man lege nämlich eine Stützebene des Körpers durch M derart, daß ihre Normale MN ins Innere von K dringt. Sei N ein innerer Punkt von K, und es sei a der Radius einer Kugel mit N als Mittelpunkt, die ganz in K liegt. Für die Punkte M 1 der Strecke MN gilt
rW^^-MM,.
Andererseits haben wir, unter A einen Schnittpunkt der Stützebene mit der Oberfläche von C(M) verstanden,
R{M 1 )^M 1 A.
Nun ist R (M) — M X A = MA — M 1 A unendlich klein von der 2. Ordnung in MM 1 . Also gilt für M 1 hinreichend nahe bei M:
D (M x ) < R (M) = D {M), w. z. b. w.
3. Wir beschränken uns jetzt auf Punkte M im Innern von K. Es ist klar, daß sowohl C(M) als auch c(M) mindestens einen Punkt mit F gemeinsam haben. Die Punkte, weichet und C(M ) oder c(M) gemeinsam sind, wollen wir äußere bzw. innere Berührungspunkte des Kugelrings nennen. Sie besitzen folgende Eigenschaft: Die Tangentialebene an die betreffende Kugel in einem Berührungspunkt ist eine Stützebene von K.
Das ist für die äußeren Berührungspunkte evident. Für die inneren wird es so bewiesen: Sei I ein innerer Berührungspunkt, E die Tangentialebene an c{M) in I. Gäbe es Punkte von K auch auf der Seite von E , die von c(M) frei ist, z. B. den Punkt P, so wäre PI, als Sekante von c(M), im Innern des Tangentenkegels an c(M) durch P enthalten, welcher, von P bis zum Berührungskreis, ein Teil von K ist. Demnach wäre I ein innerer Punkt von K, was einen Widerspruch ergibt.
4. Aus der letzten Eigenschaft folgt u. a., daß die Projektionen a der äußeren Berührungspunkte von denjenigen i der inneren auf eine mit dem Kugelring konzentrische Kugel, vom Zentrum aus, verschieden sind. Wir behaupten jetzt folgendes:
Kann man die Punkte a von den Punkten i durch eine Ebene trennen, d. Ti. eine Ebene finden, die keinen dieser Punkte enthält und welche die a auf der einen, die i auf der anderen Seite läßt, so ist M keine Minimumstelle.
Beweis. Da die Trennung entweder für alle konzentrischen Kugeln zugleich oder für keine möglich ist, gilt unsere Voraussetzung auch für
Konvexe Flächen und einschließende Kugeln.
585
c(M) und G (M) als Projektionskugeln (Fig. 1). Seien e und E zwei zugehörige parallele Trennungsebenen, die c(M ) bzw. G(M) in zwei bezüglich M ähnlich gelegenen Kreisen schneiden. Die äußeren Berührungspunkte bilden eine abgeschlossene Punktmenge, also kann man zwischen sie und E eine weitere parallele Trennungsebene einschalten, die C(M) in einem Kreise AB schneidet. Ebenso schalte man zwischen die inneren Berührungspunkte und e eine parallele Trennungsebene, die c(M) in einem Kreise CD schneidet.
Betrachten wir noch die Normale zu diesen Ebenen durch M und nennen wir S ihren Schnitt- Fig ' 1 '
punkt mit C(M ) auf der Seite der i relativ zu E, T denjenigen in it c ( M) auf der Seite der a relativ zu e. Die abgeschlossene Kugelkalotte A8B liegt ganz im Äußeren, die abgeschlossene Kugelkalotte G TD dagegen ganz im Innern von K. Wenn wir also auf der Strecke MT Punkte M 1 hinreichend nahe bei M nehmen, so werden die Kugeln, die M x als Mittelpunkt und den Radius M X A haben, K enthalten, während die Kugeln mit demselben Mittelpunkt und dem Radius M 1 G in K liegen werden. Folglich ist
D £ M X A - M X C.
Da aber bis auf höhere Potenzen des unendlich kleinen M M i
/\
R (M) = MA — M x A-\- MM 1 cos TMA + ..., r(M) = MC — M 1 C + MM 1 cos TMG + ...
ist, haben wir
D (M x ) <: MA - MG - MM, (cos TMA — cos TMG) -f ... .
Also gilt, wegen
/\ /\
TMA < TMG <7i,
für M j hinreichend nahe bei M
D (M t ) < MA - MG = D (M), was unsere Behauptung beweist.
5. Aus dem Vorhergehenden folgt, daß der oder die Kugelringe, für die D ( M) ihr Minimum in K erreicht, solche äußeren und inneren Berührungspunkte aufweisen, daß ihre respektiven Projektionen auf eine konzentrische Kugel, vom Zentrum aus, durch keine Ebene getrennt werden können; insbesondere also gibt es mindestens zwei Berührungspunkte jeder Art.
Mathematische Annalen. 96. 38
586 N. KritikoB. Konvexe Flächen und einschließende Kugeln.
Wir werden jetzt nach Herrn Bonnesen zeigen, daß es nur einen Kugelring geben kann mit äußeren und inneren Berührungspunkten, deren respektive Projektionen sich nicht trennen lassen.
Beweis. Nehmen wir an, es gäbe zwei solche Kugelringe mit den Mittelpunkten M x und M„ (Fig. 2). C{M 1 ) und C ( M. 2 ) haben dann einen Bereich gemein, der K enthält, und weil sie beide F mindestens zweimal berühren, müssen sie einander in einem Kreise PQ schneiden. Die zwei Kugelkalotten von C(M 1 ) und C(M 2 ), die den Bereich g begrenzen, seien ß i und genannt.
Die inneren Kugeln c{M 1 ) und c( M„ ) haben ebenfalls zumindest zwei Punkte mit F gemein, also können sie nicht ineinander liegen und haben einen äußeren gemeinsamen Tangentenkegel. Zwei Kalotten b 1 und von c(M 1 ) und c{M i ) umgrenzen zusammen mit dem berührenden Mantelstück des Kegels einen konvexen Teil von K.
Nun muß F auf den Kugelkalotten B x und ö 1 Punkte haben, deren respektive Projektionen auf c^M^, von aus, keine Trennung gestatten. Dafür ist notwendig, daß die Raumwinkel M 1 (B 1 ) und M 1 (b 1 ) einen gemeinsamen Strahl haben, daß also M X P innerhalb M t ( b t ) oder auf dessen Begrenzung liegt. Entsprechend darf M.,P nicht außerhalb des Raumwinkels M. 2 (b. 2 ) liegen. Das ist aber unmöglich, denn die Raumwinkel M 1 (b x ) und M„ (b 2 ) haben ersichtlich keinen gemeinsamen Punkt.
Es gibt also nur einen Kugelring, bei welchem die äußeren und inneren Berührungspunkte Projektionen haben, die keine Trennung gestatten. Diese negative Bedingung kann nun leicht durch Betrachtung der konvexen Hüllen der gleichartigen Projektionen in eine äquivalente positive umgewandelt werden, und so bekommen wir schließlich den Satz:
Jede Begrenzung eines konvexen Körpers kann in einen aus zwei konzentrischen Kugeln bestehenden Kugelring in der Weise eingeschlossen iverden, daß sie mit jeder der zivei Kugeln zumindest zwei oder drei Berührungspunkte hat, deren respektive Projektionen auf eine konzentrische Kugel, vom Zentrum aus, zwei Strecken oder Dreiecke mit gemeinsamem Punkt bilden. Für eine vorgelegte Begrenzung ist der Kugelring eindeutig bestimmt und besitzt die kleinste Dicke unter allen Kugelringen aus konzentrischen Kugeln, in icelche die Begrenzung eingeschlossen werden kann.
(Eingegangen am 1. 11. 1925.)
Bemerkungen zur Arbeit von Herrn Cli. K. Müntz über das Plateausehe Problem (Math. Annalen 94, S. 53—96).*)
Von
Tibor Radó in Szeged (Ungarn).
Im ersten, flächentheoretischen Teile der im Titel genannten Arbeit 1 ) führt Herr Müntz gewisse Abschätzungen durch (seine Formeln 13, 17**, 19**, 19), welche für den im zweiten Teile entwickelten Existenzbeweis grundlegend sind. Das Verfahren von Herrn Müntz stellt die Verallgemeinerung einer äußerst geistreichen Methode von Herrn S. Bernstein dar und läuft dementsprechend letzten Endes auf gewisse geometrische Konvergenzsätze hinaus. In dem von Herrn S. Bernstein ursprünglich betrachteten Falle tritt als letztes Glied der Schlußkette die bekannte Tatsache auf: werden auf einer Raumkurve drei Punkte angenommen, wird durch diese drei Punkte eine Ebene gelegt, und läßt man hierauf die drei Punkte gegen einen und denselben Punkt der Kurve konvergieren, so konvergiert die entsprechende Ebene gegen die Schmiegebene in diesem Kurvenpunkte. Analoge geometrische Konvergenzsätze bilden auch bei Herrn Müntz das Endglied der Schlußketten; es treten dabei an die Stelle der Ebenen besondere Minimalflächen, welche gewissen mehrparametrigen algebraischen Flächenfamilien angehören.
Diese geometrischen Konvergenzsätze beweist aber Herr Müntz nicht, er deutet auch die Richtung nicht an, in welcher der Beweis zu suchen wäre; ja er spricht diese Sätze gar nicht aus, er wendet dieselben stillschweigend an 3 ).
*) Anmerkung der Redaktion. Die Redaktion der Annalen ist zwar grundsätzlich der Aufnahme von Beiträgen mit polemischer Tendenz oder Form abgeneigt; gleichwohl glaubt sie die nachfolgenden Ausführungen von Herrn Radó und die folgende Antwort von Herrn Müntz abdrucken zu sollen, da diese Erörterung in der Tat zu einer sachlichen Klärung von Fragen dienen kann, denen man vielfach nicht genügend Beachtung geschenkt zu haben scheint.
Im folgenden mit M zitiert.
s ) Es handelt sich um M, S. 72—75, insbesondere S. 72.
38*
588
T. Radó.
Es werde nun daran erinnert, daß bereits der von Herrn S. Bernstein herangezogene einfache Konvergenzsatz über die Schmiegebene, wenn man denselben vollkommen streng beweisen will, zu ganz hübschen analytischen Betrachtungen Anlaß gibt; H.A.Schwarz und T. J. Stieltjes haben diesen Betrachtungen je eine kleine Arbeit gewidmet 3 ). Sie haben gleichzeitig auf Verallgemeinerungen hingewiesen; beispielsweise kann man statt der dreiparametrigen Familie aller Ebenen die vierparametrige Familie aller Kugeln ins Auge fassen.
Will man nun diese Sätze auf allgemeinere algebraische Flächenfamilien verallgemeinern, so werden die Dinge wesentlich komplizierter. Die Tatsache, daß eine Kurve und eine Ebene eine n-punktige Berührung haben, wird bekanntlich durch das Bestehen gewisser rein analytischer Beziehungen zwischen den Bestimmungsstücken der Kurve und der Ebene ausgedrückt. Bei den in Rede stehenden Sätzen handelt es sich nun darum, das Bestehen dieser analytischen Relationen aus dem Umstände zu erschließen, daß die betrachtete Ebene durch gewisse algebraische Flächen approximiert werden kann, welche mit der Kurve je n getrennte Punkte gemein haben, wobei diese n Punkte gegen den betrachteten Kurvenpunkt konvergieren. Eine einfache Betrachtung lehrt aber, daß die Möglichkeit eines derartigen Schlusses wesentlich von der besonderen Struktur der herangezogenen Flächen abhängt, indem nämlich die fraglichen geometrischen Konvergenzsätze im allgemeinen überhaupt nicht mehr gültig bleiben.
Demnach erscheint es notwendig, die jeweilige Gültigkeit der fraglichen Sätze durch eine Diskussion der verwendeten Flächenfamilien sicherzustellen; auf eine derartige Diskussion geht Herr Müntz gar nicht ein. Ich habe nun die von Herrn Müntz herangezogenen Flächenfamilien etwas genauer betrachtet und zunächst gefunden, daß diejenigen Eigenschaften dieser Familien, die durch Herrn Müntz im Laufe seiner Darstellung in Betracht gezogen werden, weder für die Gültigkeit der geometrischen Konvergenzsätze noch für die Gültigkeit der aus denselben gezogenen Schlüsse hinreichend sind. Eine weitere einfache Betrachtung ließ dann solche Besonderheiten dieser Flächenfamilien erkennen, die an sich geeignet sein könnten, die Gültigkeit der geometrischen Konvergenzsätze in Frage zu stellen. Und so gelangte ich zur Ansicht, die ich im folgenden begründen möchte, daß durch das Stillschweigen, welches Herr Müntz über diese Sätze beobachtet hatte, eine wesentliche Lücke in seinem Existenzbeweise entstanden ist.
3 ) H. A. Schwarz, Abhandlungen 2, S. 296—302; T. J. Stieltjes, Oeuvres 2, S. 110 —123. Von Lehrbüchern vgl. W. Blaschke, Vorlesungen über Differentialgeometrie 1. 5 4.
Plateausches Problem.
580
1. Herr Müntz betrachtet eine einfache geschlossene Raumkurve K und setzt voraus, daß dieselbe analytisch ist, eine einfache konvexe xy- Projektion hat und keine vertikale Schmiegebene besitzt. Dann führt er, in Verallgemeinerung eines S. Bernsteinschen Verfahrens, eine gewisse fünfparametrige algebraische Flächenfamilie ein; wir wollen die Parameter mit x, Â 1 , À 2 , Â s , und die entsprechende Fläche mit S(x, A 1} / 2 , /1 3 , /l 4 ) bezeichnen. Die Flächenfamilie weist dann die Besonderheit auf, daß für x = 0 die Fläche S(x, X s , / 4 ) in eine Vertikal ebene ausartet.
Für die Zwecke von Herrn Müntz ist nun der folgende „ Satz über den Parameter x" von entscheidender Bedeutung.
Satz über den Parameter x. Es werde die Gesamtheit derjenigen Fl äche n S (x, X 1 , , À s , A 4 ), die mit der vorgelegten Raumkurve fünf getrennte Punkte gemein haben, ins Auge gefaßt ■und mit 2 bezeichnet. Dann bleibt für diese Flächen der absolute Betrag des Parameters x oberhalb einer positiven Schranke.
Der Deutlichkeit wegen möchte ich hier schildern, wie man diesen Satz auf gewisse geometrische Konvergenzsätze reduziert. Für x — 0 artet die Fläche S (x, Â 2 , À s , Â 4 ) nach Voraussetzung in eine Vertikalebene aus; da die Kurve K eine konvexe xy- Projektion hat, so kann diese Vertikalebene keine fünf getrennten Punkte mit der Kurve gemein haben. Für keine Fläche von 2 kann also \x\ gleich Null sein; es wird aber darüber hinaus behauptet, daß | x | auch nicht beliebig klein werden kann. Zum Beweise wird im Gegensatz zur Behauptung angenommen, daß aus 2 eine Flächenfolge S 1 , $ 2 , ..., S n , ... ausgewählt werden kann, für welche \x\ gegen Null geht 4 ). Die Fläche S n hat mit der Kurve K fünf getrennte Punte P{ n) , ..., P¿ n) gemein; ohne Beschränkung der Allgemeinheit kann man annehmen, daß jeder dieser fünf Punkte einer Grenzlage zustrebt. Seien P 1 , P 2 , ..., P 5 diese Grenzpunkte, Da beim Grenzübergange die Flächenfolge S n , wegen x->-0, in eine gewisse Vertikalebene E* ausartet, so liegen diese Punkte augenscheinlich auf E*. Da nun die Vertikalebene E* mit der Kurve K, infolge der konvexen xy- Projektion dieser Kurve, nicht mehr als zwei getrennte Punkte gemein haben kann, so müssen entweder alle fünf Punkte zusammenfallen, oder aber es muß zwei getrennte Punkte A und B auf der Kurve K geben, so daß gewisse mit A, gewisse mit B zusammenfallen.
Es gibt also gewiß einen Punkt auf der Kurve, wir wollen diesen Punkt mit P Q bezeichnen, so daß beim Grenzübergange von den fünf Schnittpunkten P[ n \ PÍ n) , ..., P$ l) wenigstens drei gegen P 0 konvergieren. Da aber, wegen X—+0, die Flächen S n in eine durch den Punkt P 0
4 ) Vgl. hierzu Nr. 6, a) der vorliegenden Note.
590
T. Radó.
gehende Vertikalebene E* ausarten, so müßte diese Vertikalebene mit der Kurve K im Punkte P 0 eine wenigstens dreipunktige Berührung haben. Dies widerspricht aber der Voraussetzung, daß die Kurve K keine vertikale Schmiegebene besitzt, und damit ist die Annahme, daß der Parameter 3i für die Flächen von 2 beliebig kleine Werte annehmen könnte, ad absurdum geführt 5 ).
2. Den springenden Punkt dieses indirekten Beweises bildet, wie man sieht, ein recht allgemeiner geometrischer Konvergenzsatz ; wir wollen einen besonderen Fall desselben genau formulieren.
Spezieller geometrischer Konvergenzsatz. Auf der Kurve K wird ein fester Punkt P 0 vorgegeben. In der Nähe von P 0 luerden auf K fünf getrennte Punkte angenommen, und durch diese fünf Punkte wird eine Fläche der oben erwähnten fünfparametrigen Flächenfamilie gelegt. Es wird noch vorausgesetzt: läßt man die fünf Punkte gegen den festen Punkt P 0 konvergieren, so artet die entsprechende Fläche in eine durch P 0 gehende Vertikalebene E* aus.
Dann wird behauptet, daß die Grenzebene E* mit der Kurve K im Punkte P 0 eine fünfpunktige Berührung hat.
Es werde aber ausdrücklich darauf hingewiesen, daß für die Zwecke von Herrn Müntz noch allgemeinere Sätze erforderlich sind. Während bei diesem speziellen Satze, kurz gesagt, mit Hilfe einer fünfparametrigen Familie eine fünfpunktige Berührung zu erweisen ist, handelt es sich bei den allgemeineren Sätzen darum, mit Hilfe einer n-parametrigen Familie eine k -punktige Berührung festzustellen, wobei n— h, 7, 9 und k im allgemeinen kleiner als n ist.
Ob der Umstand k < n wesentlich ist, kann erst beim Beweise erkannt werden. Eine eingehende Besprechung dieser Sätze wäre aber auch aus folgendem Grunde notwendig. Uber die Randkurve K wurde insbesondere vorausgesetzt, daß sie analytisch ist. Diese Voraussetzung ist aber nicht notwendig, wie Herr Müntz gelegentlich bemerkt; es genügt, wenn die Kurve hinreichend oft derivierbar ist. Wenn man die in Nr. 1 dieser Note geschilderte Überlegung durchgeht, so erkennt man, daß die höhere Derivierbarkeit der Kurve explizite gar nicht verwendet wird; die Regularitätseigenschaften der Kurve würden eben erst beim Beweise der geometrischen Konvergenzsätze eingreifen. Erst beim Beweise dieser Sätze würde man also über den wichtigen Punkt Aufschluß erhalten, welche Regularitätseigenschaften der Kurve K für die Schlüsse von Herrn Müntz notwendig sind.
5 ) Siehe M, S. 72 unten und S. 75 Mitte.
Plateausches Problem.
591
3. Ich will nun meine Ansicht begründen, daß die fraglichen geometrischen Konvergenzsätze einen sorgfältigen Beweis erfordern; um aber mit abstrakten Erörterungen keine Zeit zu verlieren, betrachte ich zunächst ein Beispiel, welches den Sachverhalt beleuchten soll.
In der xy- Ebene sei die algebraische Kurvenschar
(1) (y — 1 + x)(y — 1 + 2x)(y — 1 + 3x) + XÂ 1 A 2 ¿3 (x- + y 2 ) = 0
vorgelegt. Sei 0 < x < |; dann kann man, wie wir zeigen wollen, für die übrigen Parameter solche von Null verschiedene Werte einsetzen, daß die entsprechende Kurve mit dem Einheitskreise x 2 + y 2 — 1 sechs getrennte Punkte gemein hat. In der Tat, setzen wir » a + y 2 = 1 in (1), so erhalten wir für y eine Gleichung dritten Grades; wenn wir noch K = ¿3 = ¿ 4 = 1 wählen, so lautet diese Gleichung
(y i + y ')(y — i + 2«)(y — i Sx) X 1 x = o .
Für À 1 = 0 hat man die drei verschiedenen Wurzeln 1 — x, 1 — 2x, 1 — 3x; wenn l x hinreichend klein, aber von Null verschieden gewählt wird, so wird man ebenfalls drei getrennte Wurzeln haben, die wenig von 1 — x j 1 — 2x, 1 — 3x abweichen. Wir können und wollen also A, =(= 0 so wählen, daß die Gleichung drei getrennte Wurzeln r¡', r¡", ?/"' hat, die zwischen 1 und 1 — 4* liegen; wegen 0 < x < | haben wir dann
(2) 0<1 -ix , ..., x , ... wiederholen, und erhalten eine Folge von Kurven, y a) ,y (2> , ..., y in) , ..., die mit dem Einheitskreise je sechs getrennte Schnittpunkte haben; wie aus (2) ersichtlich, konvergieren diese sechs Schnittpunkte gegen den Punkt (0,1) des Einheitskreises.
Wir gehen nun zu drei Dimensionen über und bezeichnen mit S (x, A 1} A a , A 3 , A4) diejenige Zylinderfläche mit vertikalen Erzeugenden, welche die Leitkurve (1) hat; wir können die Gleichung dieser Flächenfamilie in der Form schreiben
(3) y - 1 -Ly= *«(»* + y î)__
und wollen die Gleichung der Familie gerade in dieser Form verwenden. Mit K bezeichnen wir den Einheitskreis der xy- Ebene; dann sind die Müntzschen Voraussetzungen über K gewiß erfüllt.
592
T. Radó.
Setzen wir in (3) für « den Wert Null ein, so ergibt sich y — 1 = 0; für * = 0 artet also die Fläche S(x, l x , A g , A 4 ) in eine Vertikalebene aus. Bezeichnen wir mit S lf &¡, ..S n ,... diejenigen Zylinderflächen unserer Familie, welche die oben erklärten Kurven yW, y (2> , .. ...
zu Leitkurven haben, so hat S sechs getrennte Punkte mit dem Einheits-
' no
kreise K gemein, und der zugehörige Parameterwert yJ n) konvergiert dabei gegen Null. Alle die Momente, auf welche sich Herr Müntz beim Beweise des Satzes über den Parameter v. beruft, sind also vorhanden, der Satz selbst gilt aber nicht.
Aus diesem Sachverhalte ersehen wir bereits, daß für die Gültigkeit des Satzes über den Parameter *. gerade solche Momente entscheidend sein müssen, die Herr Müntz gar nicht in Betracht gezogen hatte.
4. Wenden wir die in Nr. 1 geschilderte indirekte Schlußweise auf unser Beispiel an, so bleiben wir erst bei den geometrischen Konvergenzsätzen stecken; diesen Punkt wollen wir nun genauer ins Auge fassen.
Sind wieder S 1} S 2 , ..S n , ... die in Nr. 3 eingeführten Zylinderflächen, so hat S n sechs, also um so mehr fünf getrennte Punkte mit dem Einheitskreise gemein. Beim Grenzübergange konvergieren diese Schnittpunkte gegen denselben Punkt (0, 1) des Einheitskreises, und die Fläche artet dabei in die Vertikalebene y — 1 = 0 aus. Alle Voraussetzungen des speziellen geometrischen Konvergenzsatzes sind also erfüllt, es ist aber ganz klar, daß die Grenzebene y — 1 = 0 mit dem Einheitskreise keine fünfpunktige Berührung hat — der geometrische Konvergenzsatz ist also nicht erfüllt.
Dieses negative Ergebnis wird wohl niemanden überraschen. Ganz trivial sind nämlich die folgenden Feststellungen.
Feststellung I. Für den speziellen geometrischen Konvergenzsatz genügt es nicht, wenn die Flächen beim Grenzübergange irgendwie in eine Ebene ausarten. Das wesentliche ist, in welcher Weise diese Ausartung erfolgt.
Feststellung II. Insbesondere muß unbedingt verlangt werden, daß die Ausartung die hinreichend glatte Konvergenz gegen die Grenzebene involviert; beispielsweise muß in der Umgebung des Punktes P 0 auch die Normalenrichtung der Flächen gleichmäßig gegen die Normalenrichtung der Grenzebene konvergieren (was aber an sich natürlich nicht hinreicht).
Die Ausartung in unserem Beispiel bedeutet hingegen weiter nichts als eine willkürliche Festsetzung ; man erkennt dies am besten, wenn man die Gleichung der Flächenfamilie in ganzer rationaler Form zugrunde legt, also Gleichung (1) verwendet. Setzt man in Gleichung (1) für k den Wert Null ein, so ergibt sich (y — 1 ) 3 = 0, also die dreifach zu zählende
Plateausches Problem.
593
Ebene y — 1 — 0. Dreifach gezählt, liefert diese Ebene tatsächlich sechs zusammenfallende Schnittpunkte mit dem Einheitskreise, der spezielle geometrische Konvergenzsatz ist also eigentlich auch jetzt richtig, nur muß derselbe richtig, nämlich algebraisch, interpretiert werden. Dann aber drückt derselbe eine Trivialität aus und stellt keinen Widerspruch mit der differentialgeometrischen Tatsache dar, daß der Einheitskreis keine vertikale Schmiegebene besitzt.
Feststellung III. Wenn für x = 0 die Fläche 8 (x, Â lt A a , A g , ¿ 4 ) in eine mehrfach zu zählende Vertikalebene ausartet, so artet der spezielle geometrische Konvergenzsatz im allgemeinen in eine Trivialität aus, und der Satz über den Parameter x verliert im allgemeinen seine Gültigkeit.
5. Mit diesen Erfahrungen wenden wir uns nun den von Herrn Müntz verwendeten Flächen zu. Mit SDL werde die Minimalfläche
3 ( , U a „\
X = X a yu-\- - g — UV J , (4) y = 2 X s uv,
3 [ . V a 0 \
z = x yv -\— g U V j
bezeichnet, die in der durch Herrn Müntz betrachteten fünfparametrigen Familie enthalten ist 6 ). Wir führen mit Herrn Müntz neue Variablen u*,v* durch xu=u*, xv = v* ein, wodurch (4) übergeht in
-i» * 3
X = x' 2 U* 4 g u* V * 2 ,
y = 2xu* V*, z — x 2 V* + V* u* 2 .
O
Setzen wir hier x — 0, so ergibt sich y = 0, z^O; dieser Sachverhalt wird durch Herrn Müntz durch die Aussage charakterisiert, daß die Fläche 50 l x für x = 0 in die Vertikalebene y = 0 ausartet 7 ). In analogem Sinne ist die Ausartung beim Satze über den Parameter x und beim geometrischen Konvergenzsatze zu verstehen.
Mit Rücksicht auf Feststellung II wollen wir nun zusehen, wie die Ausartung der Fläche in die Ebene y = 0 in der Umgebung des Punktes (0, 0, 0) aussieht. Der Punkt (0, 0, 0) liegt auf und entspricht dem Wertsystem u = 0, v = 0. Aus (4) erhält man, daß für
d(x z)
u = 0 , v = 0 die Funktionaldeterminante „ v , ' - von Null verschieden ist.
d(u,v) '
in der Umgebung des Punktes (0, 0, 0) kann also die Fläche in der
°) M, S. 71, Formel 17*. 'J M, S. 72 unten.
594
T. Radó.
Form y — analytische Funktion von x und z dargestellt werden, dieser Punkt ist also, in differentialgeometrischer Beziehung, ein absolut regulärer Flächenpunkt. Außerdem wird dort die Fläche gerade durch die Grenzebene y — 0 berührt. Wir setzen nun in (4)
u = 1, V — 0
und erhalten einen Punkt von 9J?*, der mit P y _ bezeichnet werden möge. Dieser Punkt P H hat die Koordinaten (| y, 3 , 0, 0), konvergiert also für y.—- 0 gegen (0, 0, 0). Man stellt fest, daß im Punkte P y _ die Fläche 9JL eine horizontale Berührungsebene hat. Wird also eine beliebig kleine Umgebung des Punktes (0, 0, 0) betrachtet, so liegt dort, wenn y. hinreichend klein ist, sowohl ein Punkt von 9}?,, mit vertikaler, wie auch ein Punkt mit horizontaler Tangentialebene, nämlich (0, 0, 0) bzw. P x . In der Umgebung des Punktes (0, 0, 0) ist also die Konvergenz der Fläche 50ï x gegen die Grenzebene y = 0 nicht glatt. Die Ausartung im Müntzschen Sinne involviert also die glatte Konvergenz gegen die Grenzebene nicht.
Mit Rücksicht auf Feststellung III wollen wir noch über die algebraische Gleichung der Fläche ÛDZ* eine Bemerkung einschalten. Bekanntlich ist diese Fläche von der neunten 8 ) Ordnung. Drücken wir aus der zweiten Gleichung (4) v durch u aus und gehen wir damit in die erste und dritte Gleichung ein, so erhalten wir zwei Gleichungen vierten Grades für u. Wenn wir die Resultante gleich Null setzen, so ergibt sich eine Gleichung zwischen x, y und z, die aber noch höheren als neunten Grades ist; durch einfache, aber etwas weitläufige Rechnungen erhalten wir dann, nach Abspaltung leicht erkennbarer fremder Faktoren, eine Gleichung mit dem richtigen Grade 9 und mit folgenden Eigenschaften.
A. Die Gleichung hat die Form
(5) y 9 -\-Q(x,y,z,x) = 0,
wobei Q ein Polynom, mit rein numerischen Koeffizienten, von x, y, z, y. bedeutet, welches in bezug auf x, y, z vom achten Grade ist.
B. Das Polynom Q verschwindet für * == 0 identisch.
Mit Rücksicht darauf, daß die Fläche von neunter Ordnung ist, stellt also (5) die Gleichung der Fläche in ganzer rationaler Form dar. Setzen wir in dieser Gleichung y. = 0, so erhalten wir nach B:
y* = 0 .
Für x = 0 artet hiernach die Fläche 9DÎ,, in die neunfach zu zählende Vertikalebene y — 0 aus.
8 ) Vgl. Darboux, Théorie générale des surfaces, í, p. 217 und p. 369.
Plateausohes Problem.
595
Es liegt also eine weitgehende Analogie mit unserem Beispiele vor. Die Müntzsche Erklärung der Ausartung ist eine an sich willkürliche Festsetzung ; diese Festsetzung entspricht dein algebraischen Sachverhalte nicht und involviert die glatte Konvergenz nicht. Mit Rücksicht auf die Bemerkungen in Nr. 4 dürfen wir also sagen: wenn trotzdem der Satz über den Parameter y. und der geometrische Konvergenzsatz in dem von Herrn Müntz benötigten Umfange bestehen bleiben, so kann man sich hiervon nur durch eine sorgfältige Diskussion der Besonderheiten der jeweiligen Sachlage überzeugen.
Da eine derartige Diskussion in der Arbeit von Herrn Müntz vollkommen fehlt, so scheint mir dort eine Lücke vorzuliegen.
6. Ich möchte zur Ergänzung folgendes hinzufügen.
a) Die positive untere Schranke, deren Existenz im Satze über den Parameter x behauptet wird, muß noch eine für die weiteren Entwicklungen von Herrn Müntz wesentliche Eigenschaft besitzen; diese Schranke darf nämlich nur von der Kurve Ii selbst abhängen, sie muß eine dieser Kurve eigentümliche Konstante sein. Da zum Nachweis der Existenz dieser Konstante nur ein indirekter Beweis angedeutet wird, so muß man streng darauf achten, daß dabei nur solche Momente in Betracht gezogen werden, welche nur die Kenntnis der Kurve K involvieren.
Nun aber verwendet Herr Müntz im Laufe seines Beweises den Ausdruck Oskulationsfläche (M, S. 72, Zeile 4 von unten); darunter ist eine Fläche zu verstehen, welche der von uns mit 2 bezeichneten Gesamtheit angehört (s. den Wortlaut des Satzes über den Parameter * in Nr. 1), und überdies in einer gewissen Beziehung steht zu derjenigen Minimalfläche, welche durch K begrenzt wird. An der erwähnten Stelle wird nicht angegeben, in welcher Weise diese Oskulationsflächen die Schlüsse beeinflussen sollen; es werde aber ausdrücklich darauf hingewiesen, daß diese Heranziehung der Oskulationsflächen zunächst einer früheren Bemerkung von Herrn Müntz widerspricht [M, S. 72, Zeile 10 — 11 von oben), und überdies geeignet ist, den wichtigen Umstand zweifelhaft zu machen, daß die fragliche untere Schranke tatsächlich nur von der Kurve K abhängt.
b) Dem Beweise des Satzes über den Parameter y. fügt Herr Müntz eine algebraische Bemerkung hinzu.
Da die betrachtete Familie von fünf Parametern abhängt, so wird, wenn (x 1} y 1 , z a ), (x 5 , y b , z s ) die fünf Schnittpunkte einer Fläche von 2 mit K bezeichnen, eine algebraische Gleichung für v. bestehen, deren Koeffizienten nur von den Koordinaten dieser fünf Schnittpunkte abhängen. Da nun, schließt Herr Müntz (vgl. M, S. 73 oben), die Existenz einer positiven unteren Schranke für ! * | bereits feststeht ( gemeint ist der
596
T. Radó. Plateausches Problem.
in Nr. 1 geschilderte indirekte Beweis), so wird auch diese Gleichung notwendig eine positive untere Schranke für | % [ liefern, welche Schranke mit rein algebraischen Mitteln bestimmbar ist.
Ohne das hiermit ausgesprochene allgemeine Prinzip näher zu betrachten, will ich nur feststellen, daß Herr Müntz über die Beschaffenheit und die Handhabung dieser rein algebraischen Mittel keine Angaben macht. Die erwähnte algebraische Bemerkung kann also meine Schlußfolgerung auf das Vorhandensein einer wesentlichen Lücke nicht beeinflussen.
c) Herr Müntz führt der Reihe nach fünf-, sieben-, neunparametrige Flächenfamilien ein, und beruft sich dabei auf seine Entwicklungen im fünfparametrigen Falle (M, S. 75). Diejenigen Momente, die er im fünf- parametrigen Falle in Betracht zieht, reichen aber nach den Bemerkungen dieser Note an sich nicht hin, um die Gültigkeit seiner Schlüsse zu sichern. Es erscheint hiernach notwendig, diejenigen gemeinsamen Eigenschaften dieser Flächenfamilien aufzudecken, welche eine gleichmäßige Behandlung der geometrischen Konvergenzsätze ermöglichen.
Szeged, den 22. November 1925.
(Eingegangen am 27. 11. 1925.)
Zum Plateauschen Problem.
Erwiderung auf (lie vorstellende Note des Herrn Radó.
Von
Ch. H. Müntz in Berlin-Nikolassee.
Die kurze Fassung einiger Punkte meiner zitierten Arbeit ( M ) hat zu Mißverständnissen Anlaß gegeben, die im folgenden behoben werden sollen.
I.
1. Herr Radó nimmt an (221 ), ich hätte stillschweigend einen von ihm formulierten „Satz über den Parameter x" benutzt. Diese Annahme trifft nicht zu, und der betreffende Satz ist in unserem Falle evident falsch: man braucht nur die Schnitte einer geschlossenen xy-Kurve mit den X y- Spuren der benutzten Flächen zu betrachten.
Es kommen eben nicht alle Flächen der Familie 2 in Frage, sondern nur solche (212 § 9), die im Sinne meiner Arbeit Oskulations- flächen sind oder zumindest es sein könnten, worüber die Kriterien (vgl. u. II) a. a. 0. implizite gegeben worden sind.
2. Der mir des weiteren zugeschriebene „spezielle geometrische Konvergenzsatz" ist ebenfalls falsch (vgl. u. II) und ebenfalls von mir nicht benutzt worden 1 ).
3. Der a. a. 0. mehrfach gegebene Hinweis auf die Oskulationsflächen (u. a. S. 72, Z. 4 v. u.), als Stütze der Beweisführung gedacht, wird von Herrn Radó (22 6a) als „Widerspruch zu einer früheren Bemerkung" (S. 72, Z. 10 —11) meiner Arbeit bezeichnet. Es ist mir leider nicht verständlich, worin dieser Widerspruch bestehen könnte: Es wird ibd., Z. 10 — 11 nur gesagt, daß die fraglichen Oskulationsflächen í>* einer dort angegebenen Gesamtheit [2) angehören, und dies ist richtig.
Übrigens hängen die Flächen 22* implizite nur von K ab; wie ihre Heranziehung zu handhaben ist, sei jetzt auseinandergesetzt.
*) Zur Literatur wäre noch H. A. Schwarz, Werke II, 309—311 zu nennen.
598
Ch. H. Müntz.
II.
1. In einem inneren Punkte 0 eines regulären Minimalflächenstiickes 0 ist nach vollzogener Drehung zu p = 0 (M § 9) der Parameter co reell und überdies, zugleich mit co~ 1 , gleichmäßig beschränkt 3 ). Entsprechend der Zweideutigkeit der Gaußschen Abbildung durch parallele Normalen ist co ebenfalls zweideutig, ebenso allgemeiner (ohne Drehung zu p = 0) die Weierstraßschen Parameter
i • — 2 +J 1+P 2 + ? 2 — <7 + 11 + + <7 2
W = U + I V = — . * , U— '
■pi ' 1 + P 2
[.M(14)]., wobei hier \w\, |w _1 ¡, \u\, \u~ í \, v gleichmäßig beschränkt sind; die Punkte mit u = 0 bilden auf den benutzten Hilfsflächen Í> H " an sich eine vertikale Gerade [Z- Achse), für die Berührung aber kommen nur zwei getrennte endliche Stücke von Ö>* in Frage, wobei auf dem einen stets u > 0, auf dem andern stets u < 0 ist und die Wahl des Vorzeichens uns freisteht.
2. Für jede Oskulationsfläche sind die reellen Parameter x, und x = tgyi in endlichvieldeutiger Weise bestimmt aus ii(16)—(16); man kann dabei nach Belieben und unabhängig voneinander über die Vorzeichen von cosip, sin y» und * verfügen (das Vorzeichen von y. entscheidet übrigens über den somit wählbaren Sinn der Schraubung von co hätte man x. —>- 0 in allen Fällen zu gewärtigen; es genügt daher, den erwünschten Widerspruch bei einer einzigen passenden Wahl aufzuzeigen.
3. Setzt man in O an $ eine zugehörige ( I>* etwa mit u > 0, so besi tzt die (analytische) Schnittkurve S auf 0 mindestens sechs von O äquiangular ausgehende reelle Halbzweige, von denen höchstens nur einer die Z-Achse treffen kann, während auf allen anderen, auch beim jeweiligen (sicher existenten) Schnitt mit der Randkurve K stets u > 0 bleibt 3 );
wird dort von 0* mindestens von der zweiten Ordnung berührt; es gelten daher in O nicht nur die Gleichungen M (17*), sondern auch diejenigen, die daraus durch zweimalige Differentiation nach der Bogenlänge s* von S* entstehen.
") In ii 4 wird gerade der Punkt (0, 0, 0), mit co = 0, herangezogen, der für die zu betrachtenden Berührungen nicht in Frage kommt.
3 ) Nur so ist M, S. 71, Z. 8—5 v. u. überhaupt erst zu verstehen; sonst liefert schon z = z a geschlossene Kurvenstücke.
Zum Plateauschen Problem.
599
4. Die betrachteten Minimal Aachens triche 0 entspringen jeweiligen gefundenen Lösungen mit einer Randkurve K(s), die aus if(l) durch Abflachung der Randwerte z*(fi) = ez*(l) entsteht (M, Sätze G — H der Einleitung); auf den heute allein gangbaren Wegen ist dabei auch für die z- Ableitungen der ersten zwei Ordnungen die Stetigkeit auch nach dem Rande hin gesichert, und es handelt sich nachträglich nur um gleichmäßige Abschätzung derselben; >-0 besagt, daß diese Möglichkeit für e—+t a besteht, wenn 0* —»P* ist, wobei 0'"' die xy-Projektion eines inneren Punktes O bedeutet.
Nach dem Vorhergehenden genügt es zu zeigen, daß wenigstens für eine Möglichkeit der Vorzeichenwahl eine von 0 verschiedene untere Schranke für \x\ entsteht, wenn man für K(e 0 ) neben M (17*) die daraus durch zweimalige Differentiation nach der Bogenlänge s = s(e) entstehenden Gleichungen hinzunimmt, wozu dann noch diejenigen des Durchgangs durch drei weitere Punkte von K(e 0 ) hinzukommen, wobei für die zugehörigen u das gleiche Vorzeichen wie bei P 0 verlangt werden darf.
Wenn nun neben P 0 für *. —>- 0 ein zweiter Grenzpunkt Q q 4? P 0 entstehen könnte, so läßt sich jetzt die Wahl des Vorzeichens von cosy so treffen, daß P* Q* die Richtung der positiven x- Achse für
0, zweimal aber u < 0 entsteht (für « > 0), oder umgekehrt: denn die Substitution M S. 72, Z. 12 v. u. zeigt, daß für x = 0 die Grenzebene im Reellen dreifach (nicht neunfach' 4 )), im Positiven aber die zu betrachtende offene Halbebene sogar nur einfach ist; nach Q 0 wird daher höchstens nur einer der fünf betrachteten Schnittpunkte gehen, nach P 0 mindestens vier, von denen drei bereits als regulär zusammenfallend vorausgesetzt worden sind (vgl. o.).
Die derart in P 0 entstehenden Gleichungen ergeben (nach einer elementaren Durchrechnung) für pí — >-0 die Bedingungen:
(X' + V Y') (Z' + !if)-i-0 (Asymptotenlinien); v(X' + vJ'Y + u(z' + u y') 3 —* 0, wegen der Beschränktheit auch von | u\ _1 also auf alle Fälle
z' + uy' = 0 5 );
Wenn aber hier nicht von vornherein y' = z' — 0 ist, so würde sich nun
4 ) Ebenso wie etwa für y" = x, x — y. y , z —* 0, der entstehende Punkt im Reellen nur dreifach zu gelten hat.
5 ) Es darf nicht wundernehmen, daß bei einer Frage über höhere Berührung schon die ersten Ableitungen entscheiden: so hat z. B. auch ein vertikales Bogen- element eine vertikale Schmiegebene zur Folge.
600
Ch. H. Müntz. Zum Plateauschen Problem.
ein bestimmtes Vorzeichen für u ergeben, das abzulehnen uns noch freisteht; y' — 0 ist also von vornherein notwendig, alle sechs Schnittpunkte sind um P 0 zu gruppieren, und die nächsterhaltene Bedingung lautet dann:
z" + uy" = 0,
was aus den gleichen Gründen zu y" = z" = 0 Ö ), d. h. zu einer vertikalen Schmiegebene führt, gegen die Voraussetzung.
Die zur Abschätzung von | x | benötigten algebraischen Operationen sind damit vorgezeichnet 7 ). Bei den höheren Ableitungen hat man zunächst nicht ohne weiteres die Möglichkeit höherer Differentiationen nach s, dafür aber von vornherein das Hinzutreten weiterer Punkte für x->-Q zu den drei in P 0 regulär vereinigten.
5. Der kaum verallgemeinerungsfähige Charakter der obigen Uber- legungen ließ die Angabe aller Details nicht als zweckmäßig erscheinen, solange die Möglichkeit gegeben war, daß Herr S. Bernstein, dessen Theorie bekanntlich die allgemeinste elliptische Differentialgleichung betrifft, auf meine Fragen hin (M §11) die auch sonst in der Literatur 8 ) gewünschte Ergänzung seiner Darstellung geben würde. Dies ist jetzt erfreulicherweise tatsächlich geschehen (Math. Ann. 95, S. 585 —594); danach wären in meiner eigenen Arbeit nachträglich als neu nur die Hilfssätze sowie die Ausdehnung der Lösung auf nichtanalytische Fälle zu bezeichnen.
°) In meiner Arbeit bin ich (S. 72, Z. 4 v. u.; S. 75, Z. 21) auch nicht weiter
als zu y' — y" = 0 gegangen.
') Bei den m -ten z-Ableitungen sind hierbei auf der Randkurve beschränkte
(2m + l)-te Ableitungen nach der Bogenlänge vorauszusetzen.
8 ) Vgl. Enzyklopädie II C 12, S. 1326.
(Eingegangen am 20.4. 1926.)
Berichtigung
zu dem Aufsatz von L. Mandelstam und J. Tamm: „Elektrodynamik der anisotropen Medien in der speziellen Relativitätstheorie", Math. Ann. 95. S. 154—160. S. 157, Z. 14, Z. 16, Z. 17 v. o. und Z. 3 v. u., ebenso S. 158, Gl. (10) und Gl. (12) ist an Stelle von d (mit Indizes) überall s (mit den gleichen Indizes) zu setzen. S. 158, Gl. (11) rechte obere Ecke
lies — i statt — i .
£ "
S. 158, Fußnote, im Nenner der linken Seite der unteren Formel
lies &PPPP statt Spppp.
S. 159, Z. 2 v. o. lies s a ß hk statt s a ^ hJe .
Koeffizientenabschätzungen bei ebenen und räumlichen harmonischen Entwicklungen.
Von
G. Szegö in Königsberg.
Eine im Einheitskreise ce 3 + y" < 1 reguläre harmonische Funktion u[x,y) läßt sich bekanntlich daselbst in eine nach Kreisfunktionen fortschreitende Reihe
(k) u(x,y) = k Q (x,y) + k 1 (x,y) + k i (x,y) + ... +Jc m {x,y)+ .. .
entwickeln; hierbei ist k m (x,y) ein homogenes harmonisches Polynom m -ten Grades, das in Polarkoordinaten r,cp (x — rcoscp, y = 7-sin cp) geschrieben die besonders einfache Gestalt
(1) rm fm{v) — r m (a m cosm(p + b m smm
y>z)+ ■■■
entwickeln; hierbei ist K m (x,y,z ) ein homogenes harmonisches Polynom m -ten Grades, das in Polarkoordinaten r, Q,
sin0sin¡p, p cosí)'
4» jJJ
(3')
l ~ r " A
da,
(1—2 r cos y + »" 2 ) T
wobei y die sphärische Distanz der Punkte mit den Polarkoordinaten (1,0,
r sin 95) = r m ^ lim J* u [ q cos (p, gsin cp) cos m(q — cp)dy
( f Q 1 , € j • ■ • 2 ) ,
K m (r sin0 cos 99, r sin0 sin cp, r cos0)
(5') ■ 4
„ 2 m
Y VI
1 lim [/(£>sin0cos >, £>sin0sin cp, g cosÖ) P m (cos y) da n 0-+1 ¿J
E
(cosy = COS0 COS0 + sin0 sin0 cos(
sin
») + ••• + y )»
während u(x,y ) die Gesamtheit aller harmonischen Funktionen der er-
608 G. Szegö.
wähnten Art durchläuft und (x, y ) im Einheitskreise x 2 + y - 1 beliebig beweglich ist.
Diese Aufgabe ist auf Grund der Integralformel (5) bekanntlich leicht zu lösen. Die Extrema eines festen Polynoms werden im Einheitskreise am Rande erreicht. Man kann sich also auf derartige Werte beschränken. Es gilt nun
m
À v k v ( cos
iA=i h= i
Ähnlich wird gezeigt, daß auch bei der oberen Abschätzung (13) das Gleichheitszeichen eintreten kann.
2. Etwas tiefer liegt die Tatsache, daß der eben angegebene Fall der einzige ist, in dem in der unteren Abschätzung (13) das Gleichheitszeichen eintreten kann 18 ). (Ähnlich bei der oberen Abschätzung.)
le ) Vgl. die Andeutungen bei G. Pick, a.a.O. 3 ), S. 331 —332.
Koeffizientenabschätzungen bei harmonischen Entwicklungen. 609
Es sei nämlich u (x, y) eine solche Funktion, daß für ein gewisses cp 0
m
(15) yjh &„(cos (p 0 , sin cp 0 ) = fi
r=0
ausfällt. Es muß dann
2.1
lim s— f u(q cosy, ßsin
sin(ip +
-►1
0
sein.
Wir wollen zunächst der Einfachheit halber cp 0 = 0 setzen. Es seien, wie oben, cp 1 ,
) [t ( 1 , ~cp) — ¡u] dTp = 0 s-y 1 y
hervorgeht. Für genügend kleine Werte von 1 — q ist aber auf 1
— /x> u,
wo « eine feste (von I abhängige) positive Zahl bezeichnet. Hieraus folgt die Behauptung.
B. Es seien nun I 1 , I., , ..., I t beliebige abgeschlossene Intervalle, welche keine gemeinsamen oder mod 2 n kongruenten Punkte haben und bzw. cp 1 , cp 2 , ..., (p l enthalten. Wir zeigen, daß für h = 1, 2, ..., I
(18) lim J* w (ç> cos
-►1 i h
ist, wo die g h selbstverständlich ^ 0 sind und die Summe 1 haben. (Sie sind wegen (16) unabhängig von der speziellen Wahl der Intervalle I h .) Es sei t(cp) ein beliebiges trigonometrisches Polynom. Dann ist
2ît
lim f u( g cos
1 0
610 G. Szegö.
vorhanden. Hieraus folgt mit Beachtung von (17) auch die Existenz von
1 r - ■ - - -
(19) lim £ I u(gcos
-> 1 A=1 I h
Es sei nämlich s > 0 und I h ein
-1 gegen 0, das erste ist
2 71
< ef u(g cos ip, g sin (p) dip = 2 ne. o
Setzt man nun in (20) der Reihe nach
t(
->1 h— 1 I fr
da die Determinante
von Null verschieden ist, folgen hieraus die behaupteten Gleichungen (18).
4. Wir schließen aus (17) und (18) auf eine aus der Theorie der singulären Integrale geläufige Weise, daß unter f{cp) eine beliebige, für alle Werte von cp stetige, nach 2 n periodische Funktion verstanden,
. V* — — — — 1
lim J u (g cos cp, g sin cp) f{
•1 O li—X
17 ) Die Benutzung von imaginären Größen ist offenbar unwesentlich: sie kann ohne weiteres vermieden werden, indem man etwa t (95) = cos (it — 1 ) (
h — 9 0). e->-i 0 h- 1
Dies heißt aber, daß die Entwicklung der Funktion u(x, y ) mit der von
i
c P- 1) gegebene reelle Konstanten, die nicht sämtlich verschwinden. Wir fragen nach dem Minimum und Maximum des harmonischen Polynoms
(10) /„Q K 0 ( x , y , 2) -f- K 1 ( x, y , 2) — Ä m K m (x, y , 2),
während U(x,y,z ) die Gesamtheit der harmonischen Funktionen der erwähnten Art durchläuft und (x, y , 2) in der Einheitskugel x~ + y" + 2 2 1 beliebig beweglich ist.
Die Extrema eines festen Polynoms werden in der Einheitskugel am Rande erreicht. Man kann sich also auf derartige Werte beschränken- Es gilt
612
G. Szegö.
m
(11') 5j h v K v (sin 0cos 99, sin0 sin 99, cosd)
v—0
1 r I" — — - m
= - lim I f U (g sin 0 cos i E >'=0
wobei y die sphärische Distanz der Punkte mit den Polarkoordinaten (1,0,
Vo) do = t (q> Vh)
E
gezeigt, wobei y h die sphärische Distanz der Punkte (1,0 ,99), ( 1, 6 h , cp h ) und y 0 die von (1,0, 99), (1, 0 O , cp 0 ) bedeutet.
Die Kreise G h können sich auch auf Punkte reduzieren, nämlich dann und nur dann, wenn r¡ h = 0 oder n ist; es handelt sich dann um den Punkt (1,0 O ,99 O ) selbst bzw. um seinen Gegenpol.
2. In dem Falle, wo die Zahlen nicht sämtlich gleich 0 oder n sind , gibt es außer (14') offenbar noch andere Funktionen U(x,y, z ) dergleichen Eigenschaft. In der Tat, es sei f h eine beliebige, auf C h definierte monotone Funktion. Dann tritt in der unteren Abschätzung (13')
Koeffizientenabschätzungen bei harmonischen Entwicklungen. (513
das Gleichheitszeichen, wie leicht ersichtlich, auch für die harmonische Funktion
(14") ¿I f S£(r, y h )df h =2J ( -^— L i d fh
h= i J A=i J (1 —2rcosy Ä + r-) s
ein; hierbei seien die einzelnen Integrale im Stieltjesschen Sinne gemeint und es sei
1 fdf h = 1. h=ic h
(Für den Fall »?,, = 0 oder n sei unter C h der Punkt ( 1, 0 O , cp 0 ) bzw. sein Gegenpol verstanden; das h- te Integral ist dann durch ein einziges Glied von der Form des A-ten Gliedes in (14') zu ersetzen, an Stelle von f df } in der letzten Summe tritt dann einfach g h .)
C H
3. Wir kommen nun auf die Aufgabe zu zeigen, daß die eben erwähnten Funktionen (14") die einzigen sind, für welche in der unteren Abschätzung (13') das Gleichheitszeichen gilt. (Ähnlich bei der oberen Abschätzung. )
Es sei hier z. B. für 0 = 0 O , (p =
-i 4îr E
wobei y 0 die obige Bedeutung hat.
Wir wollen zunächst annehmen, daß — nur die beiden
Nullstellen 0 und n hat. Dann gelten die Überlegungen von § 1 fast ohne Änderung.
Es sei 1 ein beliebiger (zusammenhängender und Jordanschen Inhalt besi tzender) Bereich auf der Einheitskugel, der den Punkt (1, 0 O , cp 0 ) und seinen Gegenpol nicht enthält. Man zeigt wie in §1,2, daß
( 17') lim J J U( q sin 6 cos cp, g sin Ö sin 9?, q cos 0) da = 0 .
1 I
Es seien ferner l l und / 2 zwei Kalotten um (1,0 O ,9> O ) bzw. um seinen Gegenpol. Es ist wegen (9'), (17')
lim (ff -f- ff) U( q sinö cos ¡p, q sin 0 sin ïp, g cos 0) do = 4 n .
£->■1 I X In
Ferner existiert (vgl. §1,3)
lim J f U(q sin 0 cos ~ip, q sin 0 sin Up, g cos 0) cos y 0 do
Q —> 1 E
== lim ( fj + J/ )î7(psin0 cos 7p, g sin 0 sin cp, g cos0) cos y 0 do e-> 1 /,
- lim ( ff — fj ) U(g sind cos ~cp, g sin 0sin
i i„
. (/¿=1,2).
Hieraus folgt (vgl. § 1, 4) für eine beliebige, auf der Einheitskugel stetige Funktion F(0, cp)
lim fj U(g sin B cos 7p, g sin B sin 7p, g cosÖ) F (B, 7p) da
Q — ► 1 E
~ 4 \ ç 1 F (0 O ,
0 so klein, daß die Bereiche l h keine gemeinsamen Punkte aufweisen 18 ). Dann existiert
(19') lim 5J ff U (q sinÖcosip, g sin 0 sin 9?, gcosÖ)P(cos y)do,
O —> 1 Jl — 1 I h
wo P (f ) ein beliebiges Polynom ist und y die sphärische Distanz von (1,0, 95) von einem beliebigen Punkte (1,0,9?) bezeichnet. Setzt man hier an Stelle von P(cos y) der Reihe nach
P 0 (cosÖ), P x (cosÖ), ..., P l _ 1 (cosÖ) ls ) Für r¡h = 0 oder jt fehlt die eine Hälfte von I h \ es ist dann eine Kalotte.
Koeffizientenabschätzungen bei harmonischen Entwicklungen. (315
ein, so ergibt sich, wie in §1,3, daß auch
(18') lim ff Î7(gsin0cos^, gsin0sin
i h
existiert;
1-
A=1
Aus (19') folgt ferner, indem man P(|) = P n (|) setzt und das Additionstheorem der Kugelfunktionen beachtet, die Existenz von
lim f J U (q smQcoscp, g sind sin cp, Q cosd) Pn(cosQ) e lv ^ de,
e~> i h= i i h
oder von
lim Pn (cos ^ Ä ) ff U (q sin 0 cos cp, g sin 0 sin y, g cos 0) e lv * do;
e->ií=i
hierbei ist v positiv ganz, n^>v. Wegen (2) treten hier tatsächlich nur diejenigen Glieder auf, welche den Nullstellen i] h 4= 0, n entsprechen. Wenn ihre Anzahl V ist, so führt das letzte Ergebnis für n = v, v + V — 1 auf die Existenz von
(21) lim ff U(g sin 0 cos ~cp , g sin 0 sin
0. Der Punkt
(22) (" = 1.2
3h 9h
des 2 iV-dimensionalen Raumes fällt wegen (18') in die kleinste konvexe Hülle der Kurve
f y =cosv
das Intervall [0, 2ji ~\ durchläuft, und dies für alle N. Ähnliches gilt für den Punkt des ( 2 N -f- 1 ) - dimensionalen Raumes, den man erhält,
wenn zu den Koordinaten (22) noch —- 9Î g^ rl) hinzutritt, N=1 , 2, 3, ... .
3'h
Nach einem allgemeinen Satz von F. Riesz 19 ) gibt es also eine monotone Funktion f h (q>), die man sich auf dem Kreise G h "°) gegeben denken kann, derart, daß
f e iv *df h = g { ? (r = 0, 1, 2, 3, ...)
c.
" 4
19 ) F. Riesz, a. a. 0. "), S. 56.
20 ) C h ist der Breitenkreis, dessen Punkte die konstante Poldistanz haben; er liegt offenbar in I h .
616 G. Szegö.
ist. D. h. unter y dasselbe wie in (19') verstanden,
JP (cos y)df,— lim £7(gsin0cos(p, £>sin0sin
sin0sin
h=l J h
d. h. die Behauptung.
§3.
Über einen Satz von G. Pick.
1. Bevor wir auf den wichtigsten Spezialfall von § 2, nämlich auf den in der Einleitung erwähnten Pickschen Satz und auf eine naheliegende Erweiterung desselben kommen, empfiehlt es sich das Analoge in der Ebene vorauszuschicken.
Aus der Carathéodoryschen Theorie ist der folgende, I verallgemeinernde Satz bekannt.
I'. Es sei u(x,y) regulär harmonisch und positiv für x' 2 + y"' < 1 ; in ihrer Entwicklung (k) nach Kreisfunktionen sei ferner
K( x > y) = i-
Dann ist für œ 2 + î/ 2 <[ 1
(23) |* m («,y)|^2 (m = l,2,3,...).
Schreibt man diese Ungleichung in der Form
— 2£ k m (x, y) ¿2,
so kann sie (für x 2 + y 2 = 1) als ein Spezialfall von (13) aufgefaßt werden. Es ist hier
t ({?, (p) — cos mcp, ju = — 2, M = 2. Das Gleichheitszeichen tritt nur für die Funktionen
m
V f( . 2ich\
2j 9 h t{r, 0),
m-> oo " m x
wo Jj (x) die Besseische Funktion erster Ordnung bezeichnet.
2. Es ist bekanntlich
lim P m (cos~) = J 0 (ü),
co x m/
und zwar gleichmäßig in jedem endlichen Intervalle 0 0 ^ 0 O . Wenn also e>0 vorgeschrieben wird, dann kann ein v 0 (e) so gefunden werden, daß für V > v 0 (e)
P r (cos~) - J 0 (d) < e
gilt; 0 <[ 0 ^0 O . Es sei nun m>v 0 (e) und v 0 (e) <¡¡v man hat
P v (cos —) = P v ("cos — —) ,
\ m 1 \ m V / '
°"( C0S ^)- J oQ'-0)|< e -
Hieraus schließt man, daß der Grenzwert
m + _L
(25) lim Ju (2^+1) P v (cos —) = lim — V J (— 0)
rn->* 2m ' V m > m ° '
1
= J x J a (Ox) dx = —fi-
existiert, und zwar gleichmäßig im Intervall 0 <^0<¡0 O .
müssen eigentlich noch etwas modifiziert werden, damit die Oszillation der Partial- summen zwischen — oo und + oo erfolge. Man nehme etwa die Funktion
OD
f(d,(p)= JE (— l) r V 4 " (P V 3 (COS 0) — Pv 3 + 2 (cos 6)).
V = 1
m
'-' 3 ) Das Minimum ji m von £ (2v + 1 ) P v (f) im Intervall — 1<£<1 wird
v=0
wahrscheinlich nur einmal erreicht, und zwar wohl an der größten relativen Minimumstelle. Im Besitze dieses Theorems und auf Grund der Ergebnisse von § 2 wäre es nicht schwer, sämtliche Funktionen zu bestimmen, bei denen /i m erreicht wird.
Koeffizientenabschätzungen bei harmonischen Entwicklungen. 019
3. Anderseits gilt nach Stieltjes
(26) |P m (cos0)|< ; =4_ (to = 1, 2, 3, ... ; 0 < 0 < n),
I m sin o
wobei A eine absolute Konstante ist 34 ). Man hat also bei festem 0 O > 0
für ^ <0<£, v^l, m — — 2 —
1 P r (cos ti) I < Û < Ä —
1/2,4 »»-l
f m I TI m } m
wo B ebenfalls eine absolute Konstante ist. Folglich haben wir für die genannten Werte von 0
m tri
I J^(2r + 1) P v (cos0)| < 1+ ^ J^j/™(2r + l) <1 + A m 2 ;
V—0 l U Oy = l )Vo
wo C eine absolute Konstante ist. Es ist somit
m
limsu P¿ Max i^ T (2" + 1 )P.( cos 0)|
m-**. ¿m eo Seá ft' r=0 |öo
2
d. h. beliebig klein, wenn 0 O groß genug ist. Beachtet man schließlich, daß
¿'(2v + l)P r (£) = (m + l)
i -f
r=0
im Intervall [—1,0] dem Betrage nach kleiner als 2(m + l) so folgt, daß
m
lim sup Max I (2 v + 1) P r (cos 0) !
m->- — <0O auch negative Werte annimmt, folgt hieraus die Behauptung 25 ).
24 ) Einen besonders einfachen Beweis für diesen Satz gab neuerdings L. Fejér, Abschätzungen für die Legendreschen und verwandte Polynome [Mathematische Zeitschrift 24 (1925), S. 285-298],
26 ) Anstatt der Stieltjesschen Ungleichung (26) könnte auch die folgende benutzt werden :
m
i;(2»' + l)Pv(f)|<| , 2(»w + l) (-l^"f0, weil ja
2 "+ 1 \ 1 _ „
2r + 3 —3 e '
Die Betrachtung des ersten Abschnittes der Funktion £(£>,»?) lehrt, daß I durch keine kleinere Zahl ersetzt werden kann.
a6 ) L. Fejér, Über die Laplaoesche Reihe [Mathematische Annalen 67 (1909), S. 76-109], S. 83-84.
Koeffizientenabschätzungen bei harmonischen Entwicklungen.
621
II. Teil. Abbrechende harmonische Entwicklungen.
§ 6.
Verschärfung des Satzes I.
In der Einleitung ist der folgende Fejérsche Satz erwähnt worden, den man als eine Verschärfung von Satz I auffassen kann.
Es sei
q, (0) = 1 -j- Aj cos 0 + [a. 1 sin 0 -j- ... -)- l n cos nd + sin tid ein nichtnegatives trigonometrisches Polynom n-ter Ordnung. Dann ist (27) i + /¿i 2 cos .
Die Zahl 2 cos kann hier durch keine kleinere ersetzt werden.
n + 2
Herr Fejér gelangte auf diese Ungleichung durch die a. a. 0. 13 ) benutzte (zuerst von F. Riesz bewiesene) Pararneterdarstellung der nichtnegativen trigonometrischen Polynome. Während es ihm schon früher 2 ') gelungen ist, die sonstigen, a. a. 0. 13 ) bewiesenen Abschätzungssätze auch elementar (d. h. ohne die erwähnte Parameterstellung) zu begründen, war ein derartiger Beweis für den oben formulierten Satz bisher nicht bekannt. Dies soll im folgenden nachgeholt werden.
1. Für n = 1 ist die Behauptung klar. Für n^>2 liegt es nahe, zunächst die folgende Aufgabe zu stellen :
Es ist eine Lösung des Gleichungssystems
(28 ) r, 6i + r -2 e t + • • • 4~ r n e n —
2 cos für k = 0 ,
n + ¿
1 für k — 1,
0 für k = 2, 3, . ..
zu ermitteln, für ivelche
r v ^> O, I £ v í = 1 (r = 1, 2, ..., n)
gilt.
Die Existenz einer derartigen Lösung folgt unmittelbar aus der Carathéodoryschen Theorie, indem man zunächst durch eine ähnliche Rechnung wie bei L. Fejér, a. a. O. 13 ), S. 77—79, zeigt, daß das Maximum der Hermiteschen Form
11 -1
^ X y X V J —}— X V
V- 0
Vgl. die unter 14 ) zitierten Comptes-Rendus -Noten.
622
G. Szegö.
unter der Nebenbedingung ¡ x 0 \ 2 -j- j x 1 \ ' -j- • • • + ! ¡ 15 = 1 gleich 2 cos ~rr ¿
ist. Wir wollen hier die Heranziehung der Carathéodoryschen Theorie vermeiden und gleich etwas genauer zeigen, daß
(29 ) r *=dh( cos vrh~ cosn )' ^ = (» = i,2,...,»)
eine Lösung von der gewünschten Art ist.
Dies kann ohne weiteres verifiziert werden. Man kann jedoch auf dem folgenden natürlicheren Wege zu diesem Resultate kommen. Das Gleichungssystem (28) besagt, daß
m l^ z =cos ~ ¿ - z 4 ((z n+i ))
V — î
ist, wobei (( z n+ 1 )) eine Potenzreihe bezeichnet, die keine niedrigeren Potenzen von z als die ( » + 1 ) - te enthält 28 ). Wir gehen nun aus von der Entwicklung
1 -2 cos ~i 9 z + z 2
—j— = , n „, „ =1 — 2 cos—^z-j-z' 2 + ((z"+ 2 )). a>(2) 1 +z" + - n + 2 1 1 "
Hierbei ist w (a) ein Polynom »-ten Grades und man hat
n
« (z) = 7/ (1 — e r z),
r=1
wenn
. 2v+l
e v = e n+¿ (v = 1, 2, ..., »)
gesetzt wird. Folglich gilt
1 —
f(*) = ~ cos = cos ¿2 - 2 + ((z" +1 )).
Die rationale Funktion f (2) hat m (z) zum Nenner und ein Polynom « -ten Grades zum Zähler; wir zeigen, daß sie die Form der linken Seite von ( 30 ) besitzt, wobei r„ > 0 .
Es ist zunächst mit geeigneten komplexen Konstanten c 0 , c 1 , c 2 , ..., c n ,
f(z) = c o + ^ \ ~~T r z
-*) Vgl. die erste unter u ) angeführte Comptes-Rendus -Note von L. Fejér, wo ein auf ähnlichen Prinzipien beruhender Beweis für die Ungleichung (8) gegeben wird.
Koeffizientenabschätzungen bei harmonischen Entwicklungen. 623
SO
Hierbei ist f(oo) — c 0 = — cos unc ^ fW ~ c o + —' c >' = cos n + 2 : 1 "
daß c 0 = — -5- £c r . Es ist also
¿ r=l
n -,
, 1 VT 1' + «,*
^) = ä2 c W
V=1 v
Die Konstanten c,. = r v können hieraus ohne Schwierigkeit bestimmt werden. Es ist
r„ = lim ( 1 - z) f(z) = — «, lim = ^f l ~ ) .
z^>-e v Z-> e y \ ' v V
Nun gilt
( Jl + 2)?»+ 1 (« + 2)F v »
co (f,.) = —-—- = - —
^ 2008 ^^ 4 ""^ £ ." 2cos ^ + 2 + ? .'
(n + 2)F v "
2 ^cos -
so daß
o( 2 "+ i * y
2 cos — jr — cos —-TT
\ n + 2 n + 2/
/ 2 r +1 Ti \
n+ 2 V° 0S w + 2 " T ° 0S 11 + 2/ 2 / 3t 2v+l ^
rv = e , = _ (cos — -g- cos n - 2 .)
(v= 1, 2, .n),
woraus r v > 0 hervorgeht.
2. Wir kommen jetzt auf den Beweis des eingangs ausgesprochenen Satzes. Es ist
n
V (6) = 2 r r V ( 0 + n ) = 2 C0S ^2 ~ ( A 1 C0S 9 + SÍn 0 )
V=1
ein trigonometrisches Polynom erster Ordnung, das für alle Werte von ö nichtnegativ ist. Folglich gilt
1 ¿i + fií (0 o ) = 0
wird. Dann hat man aber
V ( 0 ° + liTT n ) = 0 (" = 1,2
d. h.
(p (0) — c j co (e i(0_e °>) j 2 ,
624 G - Szegö.
wo c eine passend zu wählende Konstante ist. Sie wird durch die Bedingung
¿0) "dd = 1
O
bestimmt. Nun ist bekanntlich
« sin(»- + l)—
1
n 11
1 — 2 cos -z + z" v=o sin—-—-
n+2 n+2
also
, N 1 +z" + s ' * y w + 2 co (z) — = A —
V ' ."TT ■ ' i ' .7JT
Es ist somit
i J|cü(e i e)! 2 á0=¿ 7
. sin (" + 1 )irr\ i
- ® . —
1 — 2 COS ;i + 2- r=0 sin
11 + 2 11 + 2
• /sin (" + 1 ),T2
71
sin
n 4-
weil ja
ist. Wir haben folglich
n 1 — COS (v-f l ) -
yr v w + 2 _ M + 2
. 2 n In '
»■=0 1 — cos —— 1 — cos ■=.
n+2 n+2
»+i r=0
. 2 71
1 - cos ——
n+ 2 2 .„ = —r-s Sin •
n +2 n + 2 m + 2
und
( 31 ) çp (0 ) = - -1. - ! ^ sin (| + 1 ) - 2 " I
v=0
z=e i(0-d o)
.2v+l
n ii
1 — cos — n ! ,• 2>,+1
"±1/711 -e n+s '\,
n + 2 -t-i 1 I z=e i(6-e„) ■
r=l
Das sind die einzigen trigonometrischen Polynome der zugelassenen Art, für die in (27) das Gleichheitszeichen eintreten kann.
3. Mit Hilfe der vorhin abgeleiteten Ungleichung (27) kann auch die folgende allgemeinere Aufgabe gelöst werden:
Welches ist das Maximum von -j- fiq, wenn
f (0) = 1 -f- X 1 cos 0 -(- fi ± sin 0 —... —j— cos n 0 -j- fi n sin n 0
Koeffizientenabschiitzungen bei harmonischen Entwicklungen.
G25
die Gesamtheit aller niclitnegativen trigonometrischen Polynome der festen Ordnung n mit dem Absolutglied 1 durchläuft? (q = 1,2, .... n.)
Für q = 1 wird diese Frage durch (27) beantwortet. Der allgemeine Fall kann leicht auf diesen Spezialiall zurückgeführt werden. Es ist nämlich
Q
\ 2 c p {® + T") = 1+;i î cosgö + Aising0 + ^ a cos2g0+ i u aa sin2gr0- ...
1 v=l 1
ein nichtnegatives trigonometrisches Polynom von der Ordnung \~\ in qO. Wendet man darauf (27) an, so ergibt sich sofort
(27') + [x] <¡ 2 cos-F-f (q = 1,2,..., n) 29 ).
[f]+ 2
Man sieht, daß hier das Zeichen = tatsächlich eintreten kann. Bezeichnet nämlich (p n (6 — 0 O ) das trigonometrische Polynom n - ter Ordnung (31) (0 O beliebig), so ist dies sicher der Fall, wenn 0 für x*~ + y " + z 2 1,
ferner
K 0 (x, y, z) = £7(0, 0, 0) = ¿ JJ£7(sin0cos
, sin0sin cp, cos0) dtp =£ f a v P v (cos0) = P(cos0)
wo
.
Hierbei sind A (£ ),..., C(£) Polynome, deren Grade so beschaffen sind, daß kein Glied in P(£) von höherem als n-ten Grade ist. Der Grad von
3l ) Œuvres de P. L. Tchebychef 2 [St.-Pétersbourg 1907], Sur le rapport de deux intégrales étendues aux mêmes valeurs de la variable. S. 374—402, insb. S. 399.
3a ) Vgl. G. Pólya und G. Szegö, Aufgaben und Lehrsätze aus der Analysis 2 [Berlin, Julius Springer 1925], vgl. Abschnitt VI, Aufgabe 47, S. 82, 276.
628 G ■ Szegö.
A(ë) ist also [|j, der von B x und £ 3 (!) gleich [~^] und der von 0(!) gleich [-|j — 1. (Umgekehrt stellt ein derartiger Ausdruck offenbar ein im Intervall — 1 ^ ^ 1 nichtnegatives Polynom n-ten Grades dar.) Es genügt also, die Quotienten
f(A(£)ftd£ f(J3(£)f(l ±í)fdf f (C(£)f(
(37) —, ^ —, ^
f(B(£)f(l ±£)d( f(C(£))'( l-f a )á?
-1 »1 "I
für die Gesamtheit aller Polynome -4(1), 5(f), (7(f) bzw. vom Grade
' ¥ J ' [~Í~~ I ' L"|] — a b zu schätzen.
Nun ist bekannt, daß das Maximum von
i
J (t 0 + t 1 Ç+ ...+ im P (?) f d£
(38) —,
f (í 0 + ¿1 ? + • • • -r im £ m ) 2 p(£)d£
-1
wobei p (f ) eine gegebene nichtnegative (nicht überall in [ — 1, 1] verschwindende) stetige Funktion bezeichnet, gleich der größten Nullstelle desjenigen Polynoms Q m+1 (f ) vom Grade m + 1 ist, das die Orthogonalitäts- bedingungen
(39) f p (i )Q m+1 (£)rd£ = 0 (v = 0, \ , 2, m)
-1
erfüllt 83 ). Für p(!) = l ist bekanntlich
(40) Q m+1 (!) = konst. P m+1 (f); für p ( ! ) = 1 ± f ist
(41) Q m+ A£) = konst. W|)±|ü±iíÍ) ;
für p(£) = 1 — ! 3 ist
(42) Q m+1 (!) = konst.
1-5
Die Nullstellen dieser Polynome sind sämtlich reell und liegen im Intervall — 1 < ! < 1.
Das gesuchte Maximum g n ist somit gleich der größten unter den größten (von 1 verschiedenen) Nullstellen der Polynome
l3 ) Dieses Polynom ist bis auf einen konstanten Faktor eindeutig bestimmt.
gfcïL.
ii TíT¡rir /yBageBsaHBMB
g-A-ag. ™ m- at*r-+ .**+>
Koeffizientenabschätzungen bei harmonischen Entwicklungen. 629
Für 71 —2 q handelt es sich um die Polynome
p a+ i(f). w-w«.
während für n — 2q -j- 1 um die folgenden :
^ a+ i(f)» P g+1 (t)±P q+ *W> P t W-P t+ *W-
Es sei nun | m die größte Nullstelle von P m (f); man hat bekanntlich
0 < < i, < ... P m+ i(f).
weil ja P m+1 (l) zwischen und £ m + 1 negativ ist. Es ist also für
£ 3 + i0, P g (.S) - P a + 1 (f) > 0,
Bei geradem w, n — 2q, ist folglich
Qn — £q + l-
Bei ungeradem n, n=2q-\-l, ist £ q + l mit der größten Nullstelle von P q + 1 (i) ± P q+ »(S) za vergleichen. Es ist für | a + 1 < | < 1
p q+ i(e)-P i+ Ät)>o,
so daß P q+1 (Ç) — P q + 2 (f) nicht in Frage kommt. Dagegen hat das Polynom P q + X (I) + P q +2 (i) sicher eine Nullstelle im Intervall | J + 1 < | < 1, weil es doch für £ = f +1 negativ, für £ = 1 positiv ist. Für n = 2 q -j- 1 ist somit Q n gleich der größten Nullstelle von P q+1 {£) + P q+2 (£). S4 ) 3. Die Gültigkeit des Gleichheitszeichens in (32) kann leicht diskutiert werden. Zunächst erreicht der Ausdruck (35) sein Maximum Q n für ein einziges Polynom P(£) = P(f) der zugelassenen Art. Es ist
a) bei geradem n, n = 2q,
P({)-konBt.(^©) ! ;
b) bei ungeradem n, n= 2q + 1,
P({) - körnt. ( 1 + {) .
wobei die konstanten Faktoren gemäß (34) zu bestimmen sind.
I4 ) Vgl. Tchebychef, a. a. 0. 31 ), § 10.
630 G- Szegö.
Es sei nun U(x, y, z ) ein harmonisches Polynom der oben betrachteten Art, für das KJO, 0, 1 ) = g n ist. Wegen (33) muß dann
2,-t
—- üYsinöcosip, sin0sin
0, so daß wegen (1 )
[/(0 ,0, l) = Ífl,P,(l) = P(l)
r=()
gilt, wenn P(£) das in § 7 eingeführte Polynom bedeutet. Hieraus folgt, wie dort, daß die kleinste Zahl M n , welche in (43) auf der rechten Seite stehen kann, die Lösung der folgenden Maximumaufgabe ist:
Welches ist das Maximum M n von P( l ) für die Gesamtheit aller im Intervalle — 1 1 nichtnegativen Polynome n-ten Grades, welche der
Bedingung
i
i Jp(f)df = 1
-i
genügen ?
Diese Aufgabe ist von F. Lukács gelöst worden 35 ) mit dem Ergebnis womit unsere Behauptung bewiesen ist.
35 ) F. Lukács, Verschärfung des ersten Mittelwertsatzes der Integralrechnung für rationale Polynome [Mathematische Zeitschrift 2 (1918), S. 295—305].
632 G- Szegö. Koeffizientenabschätzungen bei harmonischen Entwicklungen.
Lukács hat auch gezeigt, daß unter den erwähnten Polynomen P(£) ein einziges P (f) existiert, für welches P (l)t= M n gilt. Es ist
a) bei geradem n, n = 2q,
p~(n) =— j-5(p¿(f) +p; + 1(^)) 2 = (mg*®)'
(3 + 1) v ç
-(,4t Éi^+vr-d))';
1 v=0
b) bei ungeradem n, n=2q-\-l,
2(g+l)(g + 2) /i ,,/ P,(g)-f g+3 ^) V 3 ( 2 g + 3 ) 3 ^ 1 -f- '
- (g+1) 2 (g + 2) (i + f) ((2? 11)^(1) + (2 ? - 3) p (/ _ 2 (f) + .. .) 2 ;
Die Kugelflächenfunktionen P (cos y ), wobei y die sphärische Distanz des variablen Punktes (1,0,9 o) von einem beliebigen festen Punkte (l,0 o , (p 0 ) ist, sind die Eandwerte der einzigen zulässigen harmonischen Polynome, für welche in (43) das Gleichheitszeichen eintreten kann. (Es tritt nur in dem Punkte (1, 0 O , cp 0 ) ein, wenn n ¡> 1 ist.)
Berlin, März 1926.
(Eingegangen am 23. 3. 1926.)
Sur l'intégration des équations aux dérivées partielles du type elliptique. II. Note.
Von
S. Bernstein in Charkow (Ukraine).
1. Je crois, qu'après les quelques explications que j'ai données dans une Note 1 ) récente au sujet des inégalités fondamentales (23) de mon Mémoire 2 ) »Sur la généralisation du problème de Dirichlet«, je n'ai plus besoin de revenir sur la démonstration de la proposition suivante que j'appellerai, pour abréger, théorème A:
Si z est une solution finie et continue ainsi que ses dérivées des deux premiers ordres de l'équation linéaire
(1) A Ü+ 2B £$hC^ + 2D£ + 2E%+F Z = M
(AC — B* > % > 0, AF£ 0)
qui s'annule sur la circonférence C de rayon B; si les coefficients du premier membre sont des fonctions analytiques de x, y à l'intérieur de C; si de plus les modules des dérivées des 7 premiers ordres de A, B, G et les modules des dérivées des 2 premiers ordres de D,E, F sont bornés supérieurement sur la circonférence C et à son intérieur par un nombre donné P: on a les inégalités" a )
r n (01 > , r
[z],, , r , ri '° " OZ
■ s. .. .<'■[»]„•
r\ V' r,'
d" z
?y-
(01) 01,
où / est entièrement déterminé par P et y.\ (les modules trigonométriqués normalisés qui figurent dans ces inégalités se rapportent aux nouvelles variables x 1 ,y 1 qui transforment l'équation (1) à la forme réduite en
1 ) Math. Ann. 95 (pp. 585—594).
3 ) Ibid. 69 (pp. 82—136).
3a ) loc. cit. p. 109.
Mathematische Annalen. 96. 41
634
S. Bernstein.
faisant correspondre au cercle G un cercle C' de rayon 1 avec correspondance des centres, ces nouvelles variables ainsi que R\ et r{ dépendent donc uniquement de A, B , C).
2. C'est de ce théorème A que découle le lemme du § 14 du Mémoire cité qui domine toute la théorie des équations du type elliptique. La démonstration un peu trop concise de cette proposition que j'appellerai théorème B n'étant pas bien comprise par certains de mes lecteurs, je tiens à la reproduire avec plus de développements. Voici textuellement son énoncé 3 ):
Théorème B. « Si z 0 est une solution de Véquation analytique du type elliptique
(3) F {r,s,t,p,q,z,x,y,a) = 0 {F' r F' z ^ 0)
correspondant à a = a 0 qui s'annule 4 ) sur la circonférence G et admet des dérivées bornées des neuf premiers ordres sur cette circonférence aussi bien qu'à son intérieur, il existe un nombre e tel que, pour toutes les valeurs du paramètre a ( réelles ou complexes ) satisfaisant à Vinégalité \a — a n \<£, l'équation admet une solution jouissant des mêmes propriétés que la solution z 0 et se confondant avec cette dernière sur le contour C».
Avant de passer à la démonstration, je voudrais préciser quelques points de cet énoncé et expliquer la portée du théorème. Je suppose, bien entendu, en disant que l'équation est du type elliptique (pour les solutions considérées z) qu'il existe pour toutes les valeurs effectivement prises par z un nombre k > 0 tel que 4 F r F t — (F s ) > y. . he nombre e qui est une borne supérieure du rayon de convergence du développement de z suivant les puissances de [a — a Q ) est entièrement déterminé par la borne supérieure P des dérivées considérées des neuf premiers ordres (du moment que x est fixé). Enfin, quand je dis que la solution z (pour | a — a 0 | < e) jouit des mêmes propriétés que z 0 , cela signifie que z admet également des dérivées bornées des neuf premiers ordres; mais naturellement la borne supérieure des modules de ces dérivées pourra, en général, être différente de P. C'est pour cette dernière raison que du théorème B à lui seul on ne saurait aucunement conclure
8 ) On trouvera une généralisation de ce théorème pour le cas, où la condition
Fr Fz < 0 n'est pas remplie, dans mon Mémoire »Sur les équations du calcul des
variations«, Ann. de l'Ec. Normale 1912, page 481.
4 ) Il n'y aurait rien à changer, si la solution se réduisait à une fonction (0) = O, o'est uniquement pour simplifier l'écriture que cette hypothèse avait été introduite dans l'énoncé.
Équations aux dérivées partielles.
635
(ce qui d'ailleurs, en général, serait inexact) que, en l'appliquant de proche en proche, on aura une solution de l'équation (3) quel que soit«. Cette conclusion ne sera légitime que four toutes les classes £ équations, où en partant de l'hypothèse que la solution admet des dérivées finies des neuf premiers ordres, le nombre P peut être fixé a priori indépendamment de a, car dans ce cas la valeur e sera déterminée une fois pour toutes, et on arrivera à n'importe quelle valeur donnée de a en appliquant le théorème B un nombre limité de fois. Voici pourquoi je maintiens intégralement mon affirmation qui termine le § 14: «Le lemme (théorème B ) ainsi démontré nous montre que la question de la possibilité du problème de Dirichlet se ramène à la question de la possibilité de fixer a priori des limites supérieures des modules de la solution et de ses dérivées des neuf premiers ordres, si on admet seulement l'existence de cette solution et de ses dérivées de tous les ordres. Ce résultat assez compliqué devient extrêmement simple grâce à l'application de la méthode des fonctions auxiliaires».
3. Passons donc à la démonstration. Pour simplifier l'écriture je poserai « 0 = 0; de plus, pour plus de netteté, je supposerai la fonction F entière par rapport à toutes les variables dont elle dépend. Remarquons d'abord que la série
(4) Z = Z 0 + a Z 1 + ■ • • + „T z n i
qui vérifiera formellement l'équation (3), la vérifiera effectivement pour toutes les valeurs de cc pour lesquelles cette série converge uniformément, ainsi que ses dérivées des deux premiers ordres par rapport à x et y. Il s'agit donc en premier lieu de former la série (4) et d'assigner une borne supérieure à son rayon de convergence, ainsi qu'à celui de ses dérivées des deux premiers ordres. A cet . effet, nous prenons pour z x — (J~-j la solution, qui s'annule sur C, de l'équation linéaire
ri' c _^i i p' d i i 9 dZi i jp' BZi . p' ,
' ' r ° Sx i "' So Bx By ' ~By* ' v °Bx By r z ° 1 a=0 1
qu'on obtient en différentiant (3) par rapport à « et en remplaçant a par 0 et z, p, q, r, s, t par z 0 , p 0 , q 0 , r n , s 0 , t 0 , respectivement. En différentiant encore une fois, nous avons
Í T?'* ^ _1_ T?' — ?. 2 1 H 1 ' ^ Z 2 _L W f -— 2 _1_ 7 ï 1 ' _!_ 7p' v - A
r ° 0a: 2 s °BxB~y to By- ^~ Pa ~Bx ' îo By ~r 0 2 2 '
ou
—
Fr, (-M + 2 F" (Ö) l~~ ¡ ) + 2 F': (8 ' Zl
0
Bx-J '< - 1 roSo \Bx 2 ) \Bx By J 1 " T ° l ° \ Sx- ) \ By
f:¡zi + 2F;:J^+... + F:,
41*
636
S. Bernstein.
et 2, = (— \ I est la solution de (6) qui s'annule sur C. En diffé-
9 V?« 7 a= o
rentiant successivement nous déterminons de proche en proche z n comme la solution qui s'annule sur C de l'équation linéaire
/7^1 ï ?' d z " i -T}' à z n i W 8 z„ , p' cz„ . d z n i et ' a
r ° Sx* "f" '°8xdy dy* r v ° dp 1 dy ^ z ° „ n
dont le premier membre reste invariable et le second dépend des fonctions z 0> z 1 , .. z n _ 1 et de leurs dérivées des deux premiers ordres par rapport h X et y déjà déterminées.
Dans ces conditions les équations (5), (6), (7) satisfont aux conditions 5 ) du théorème A, avec les mêmes valeurs de P et x et les mêmes variables de transformation x x , y x , de sorte qu'on pourra fixer une valeur de l indépendante de n , telle que
r .(0,1) . r . ,(0,1) r3z 1 ,l (0,1) ita n' 0 ! 11 P z »l <0,1) ir/ii (0ll)
(Q\ r5 2 2„l (0ll) . - r A n^ 1 » Í 5'"' *» 1 ^ ^ , r A 1 <0) "
\.dx*\ R [r[ A ^nWx' IdxdyiRÍrl ^ "W"
i dy 2 \ß[ r'i ^ "-Wn' les modules trigonométriques normalisés ayant toujours les mêmes significations.
Nous allons fixer à présent une valeur de e x telle que, pour a | < e x , non seulement la serie (4) converge uniformément avec ses dérivées des deux premiers ordres, mais qu'il en soit de même des séries
qu'il suffit de considérer pour a > 0.
A cet effet, remarquons que, si dans les expressions A n qui figurent dans les seconds membres des équations (5), (6), (7) on remplace chacune
5 ) L'existence des solutions des équations linéaires a été démontrée préalablement dans le § 13 du Mémoire cité; il fallait, en effet, pour éviter l'apparence d'un
cercle vicieux, démontrer d'abord le théorème B pour l'équation linéaire et constater
que pour les équations linéaires les conditions de ce théorème se trouvent toujours
remplies, le nombre e pouvant être fixé indépendamment de œ (pp. 112—114), de sorte
que la solution de l'équation linéaire correspondante existe effectivement. Il est
essentiel surtout que si, pour une valeur de a, l'éxistence est établie, les inégalités (8) (théorème .4) les accompagnent.
Équations aux dérivées partielles.
637
des dérivées partielles de F par son module trigonométrique normalisé
, , . , » . d"z¡ d'z¡ d"z¡ dz¡ dz¡
et les fonctions de meme indice — ¡r, , 5—5-, , r— , z, par un meme
dx 2 drdy dy~ dx dy » r
nombre b¡ (pour i < n ) qui est supérieur aux modules trigonométriques normalisés de celles-ci, on obtiendra un nombre B > [A u ] . De plus,
Ri r 1
ce nombre B n s'obtiendra de la façon suivante: soit
(10) b(a) = ab 1 -(- ... + — b n ..
une série (formelle) majorante des séries (9).
Considérons la série de Taylor suivant les puissances de q , a, t ., g, r¡, Ç, a
(11) 0{q, a, r , i, r], Ç, a)
•= F(r 0 + Q, s o + 0, t 0 + r, p 0 + i, q 0 + v, V> u )
— F {r 0 ,s 0 , t 0 ,p 0 , q 0 ,z 0 , .r, y, 0) - [eK +o F', 0 + t F¿+ %K» + V^i + ^F Z ' 0 ]
= uF' - ' V T 9 " ir ( r o' s o'^o'J ) o'go' ;S; o> x >y>°)
"~° ' >1=2 Br" 1 ds K * 8t"' dp"' dq x * dz x> 8 a" ! * s ! x 3 ! * 4 ! x 5 ! *„! x ! qui aura, en général, des rayons de convergence bornés inférieurement par rapport à toutes les variables; mais, comme je l'ai dit au début de la démonstration, je fais ici, pour ne pas entrer dans des détails d'ordre secondaire, l'hypothèse simplificatrice (nullement essentielle) que ce développement est convergent dans tout le plan de q , a, t, ç , r¡, f, a; si, à présent, nous posons Q = a = x= t; = r] — £ = b et remplaçons en même temps tous les coefficients de la série C I> (qui sont des fonctions de x et y) par leurs modules trigonométriques normalisés respectifs, nous obtenons une série formelle suivant les puissances de & et « (à coefficients constants)
( 12 )
nous aurons
"• i r i -Ii i ri R L r i R \ r \ R i r i
(13)
F (r 0 , 8 0 , t 0 ,p 0 ,q 0 ,z 0 ,x,y.Q) dr" 1 d s"'dt"' 8 p"' 8q"'°8 z"' 8 ce"
(0,1) ,n +
iifi
< Q, Q, Q, Q, Q, Q,Q,0 )
= 8r8 s" 2 8 t"' dp" 1 8q" ¡ 8 z"'8 a*'
où F(r,s,t,p,q,z,x,y,a ) est la série majorante (partout convergente) du développement de F(r,s,t,p,q,z,x,y,cc) suivant les puisances de r, s, t,p,q,z,x,y,a. Donc la série (11) reste partout convergente, quand on y remplace tous les coefficients par leurs modules trigonométriques normalisés, et par conséquent la série (12) représente également une fonction entière par rapport à b et a.
Cela étant, pour obtenir la série (10) qui est majorante des séries (9 ), il suffira de prendre la solution b de l'équation
(14) b = Xcp(b,u)
qui s'annule avec a, pour le développement de laquelle suivant les puissances de a on peut trouver une borne inférieure e 1 du rayon convergence par la méthode classique de Cauchy. En effet, de (12) nous tirons
7 i r n' l' 0 ' 11 1 r 4 n* 0 ' 1 '
b i — X [ a J jß i ri ~ A
donc, en vertu de (8) pour n — 1, ôj est bien supérieur aux coefficients de a dans les séries (9). Or, en admettant que pour toutes les valeurs de i <7i on sait que
(0,1)
&,>
g Zj d X-
Sifi Ri r i
on aura, d'après ce qui précède,
K -i£¡ V (».«+£«■+...+ jír;,,
R i ri
par conséquent, en vertu de (8), on aura aussi
(15) b n >
8 ~ z n
8 X-
(0,1)
n '' Riri
R i ri
Donc de la convergence de la série (10) il résulte que toutes les séries (9) sont également convergentes, d'où, enfin, résulte a fortiori la convergence absolue et uniforme de la série (4) ainsi que celle de ses dérivées des deux premiers ordres pour | a \ < ; ainsi Vexistence de la solution z pour les valeurs considérées de a est établie.
- Jflü*-'« ■ w
Équations aux dérivées partielles.
639
4. Je passe à présent à la démonstration du fait que la solution z (pour a < s) admet des dérivées finies et continues des 9 premiers ordres, en suivant la méthode indiquée aux pages 117—118 que je développe, conformément au procédé de démonstration du théorème 11 employé à la page 113 pour le cas particulier de l'équation linéaire. A cet effet, en différentiant terme à terme par rapport à l'angle polaire 6 la série (4), je pose
(16)
8 z SU
= Z = z,
o I
az 1 + ...
*< + -•
en remarquant que, si les dérivées secondes par rapport à x et y de cette série sont uniformément convergentes, z' satisfera à l'équation linéaire
(17)
i/dV , j/ilfL i jf'tÄ. — A' fi ~dx- t -*• ê^cTy + ay* — *
obtenue en différentiant (3) par rapport à 0 (en tenant compte des identités:
se
S" z_
S x 2
8 , x S" z
8x8 y
8_ z 8y-
2 s), OÚFr,F¡
F t , A' sont des fonctions entières par rapport à r, s, t, p , q, z, x, y , a. Par conséquent, en faisant dans (17)ß = 0,r = r 0 , .. z = z 0 , on obtient l'équation à laquelle satisfait z' 0
(18)
w S' z' {< p/ s 2 z' 0 . p 'S'
r ° S x s *' dxdy S j/ B ° '
et en différentiant successivement par rapport à a l'équation (17) on a successivement les équations pour déterminer z/, ... z,' qui sont nulles sur C
Jl' d Z !
r " 8 X-
F'
s ° dxcy
d . ,. S 2;
8 y*
F ta
s- Zl
8y-
, d d a
^ ( t?' \ d g o i ( -p' \ £n
da" S x 2 d a c x 8y
UÓ) = K
I 3" z'
/ \ 77*
( 19 ) r ° TaT 2 " 1 ~"°8x8y
,8'2' , S " s ' xi « ri' n __
F'- + A ipr -
S" z'
n
d / \ à 2^_ t
ci c
«)
8 x"
...+ (tf)
fia" ° d V
n{n- 1) d- / \
2 da- r °>
+^Uo')=4;,
da' 1
où les symboles tels que ' . ( ) représentent la dérivée complète par
d a 1
rapport à a d'ordre i de F' r > où, après differentiation, on fait a = 0, r =r 0 , ..., z = z 0 .
640
S. Bernstein.
Puisque les équations linéaires (18) et (19) ont leurs premiers membres identiques et satisfaisant aux conditions du théorème A, que l'existence de leurs solutions est assurée, quand les modules trigonométriques normalisés des seconds membres sont finis, et que, d'autre part, leur réduction à la forme canonique se fait par l'introduction des mêmes variables x 1 et y 1 que celle des équations (5), (6), (7), on a, en conservant les mêmes modules trigonométriques normalisés que précédemment (8), les inégalités
<0,1) / Î rjn (0,1>
(20)
d" z>
d X' 1
[ 5 '"' < L sy°
Ri r i (0,1)
ô° zL
„a- ¡ < L [ A
> 1(0,1) Jäi ri'
- i r a ' i f 0 ' 1 '
, , K\ An\ R \ r ;
R i ri
où À 1 est déterminé par le même nombre P (qui limite supérieurement les dérivées des 9 premiers ordres de z 0 ) que X dans les inégalités (8). Or, pom a ^ 0, on a, d'après ce qui précède,
£<*€!. < +»• [■•£+» «'«■•))■
où b est la série majorante (10) suivant les puissances de a qui est la solution de l'équation (14) considérée plus haut; donc, le rayon de convergence e 1 de cette série étant fixé, on pourra fixer un nombre g, tel que
K— (#•„) 0. Prenons ensuite, en supposant g>\, un nombre N assez grand pour que
(22)
[*o'Ç> , < N, Ri ri
dz 0 d X
(O.l)
K> 0, iM^O)
admettant à Vintérieur de C des dérivées finies et continues des deux premiers
ordres est identiquement nulle, si elle est nulle sur C. En effet, en supposant
d'abord FA < 0 (soit A > 0, pour fixer les idées), on voit que u ne peut
avoir à l'intérieur de C de maximum positif (ou minimum négatif), car en
, , -, ..du du _ , 3 2 m 0 2 m ( d 2 u \ 2 \ A
un tel point on aurait — = — = 0 et — „ • —— ; — -—— > 0 avec
r Sx 8 y dx 1 dy* \dxdyJ —
d ^ u • • •
u ® ' ce es ^ incompatible avec (27). Dans le cas général posons
u = b [1 — e-ais+iï,)] 5
où R x > R et a est un nombre positif assez grand. On aura 6 = 0 sur C et de plus b satisfait à l'équation
[ 1 - e-« »+*•>] \aÇ\ + 2B~- + CÇ-]
L J L dx 2 dxdy dy J
—(— 2 r C 1 — e~ a <»+*)) D + A a ~
L\ /I J ? X
— |— 2 [( 1 — e~ al - x+R ' ) ) E -f- B ae~ ai - x+Ri) ] ^ [ F(1 — e~ a(x+Ji,i ) + 2 Da — a" A e-«( :c + iî i>] 5 = 0;
6 ) Annales de Toulouse 1892. Voir aussi ma lettre à M. Radó publiée dans Math. Zeitschr. 1926.
644
S. Bernstein.
cette équation est de la même forme que (27) et il suffit de prendre
2D
a > — j~ pour que le coefficient de b soit certainement négatif pour toute valeur de x , y à l'intérieur de C . Donc b est identiquement nul , et u de même.
Ainsi, si la solution z 0 pour a — 0 qu'on a pris pour point de départ admet des dérivées bornées des 9 premiers ordres, on est certain d'abord que ses dérivées de tous les ordres existent sur le bord également (nous allons plus loin préciser ce résultat) et, de plus, pour toutes les autres valeurs de a il n'est nullement nécessaire, pour legitimer l'application de la méthode des fonctions auxiliaires qui suppose l'existence des dérivées, d'appliquer des considérations nouvelles pour prouver cette existence, — celle-ci résulte du théorème B et du procédé de détermination des dérivées successives par le procédé indiqué plus haut moyennant l'équation (24 bis ). C'est pour cela que, grâce à la méthode des fonctions auxiliaires qui borne supérieurement ( uniformément T ), quel que soit a, les dérivées successives, si on connaît une limite supérieure des modules des dérivées des 2 premiers ordres seulement , on a le théorème général suivant*).
Théorème G. L'équation (3) admet toujours une solution analytique pour a — 1, se réduisant à une fonction analytique donnée
- 2 (y.) d Z { 1
d X -
(0,1)
M,>
8~ ¿
dx 8 y
(0,1)
etc. ,
d y ' z / /
où z (x) — satisfait à l'équation linéaire obtenue en différentiant (28)
y. fois par rapport à 6 que nous pouvons mettre sous la forme
F[ + F'
,oi , sV*' , p 'dz <*> , w dz^
( 31) r +
* dxoy ' 1 dy 2
+ F'z {x) = A ,
1 7 y. 7
+ F f
V dx 1 Q dy
ou
1
V
de"
JJ
. r
II
.*
1
1
de*
r
+ [W—
L r \dd y -
a 3 .r<*>
(«)
dx' f 3" r
de * a* z (x)
+ .. . + -F 2
F' d " S + . 4 -F'
s de" z se*
d z "
+ F
1 ä
d y i
3 -(*)
d'z
de"
dxdy
- +
d"q
dz
<*>
On vérifie d'abord par un calcul facile l'identité
(32)
8 r dd"
d'zl" 1 -, d*z<"~ l) s 2 pî
Sx"
dxdy
*(x-l)(x- 2) o3 d'z (x ~ 3) 3! dxdy
+
x{x — 1) (x — 2) (j< — 3) 4!
2!
3 s z ( * _4)
r _(x-2)
3 a;"
*«<*-4)
dy
d'z { "~ 2) ays' z
dx"
dy
9 ) De plus, à cause de l'existence d'inégalités analogues aux inégalités fondamentales (2) dans le cas d'un anneau limité par deux circonférences concentriques (voir ma Note précédente, p. 593), les dérivées de z pourraient n'être bornées que dans le voisinage de C. Le cercle C peut être évidemment remplacé ici par une* courbe analytique fermée quelconque; mais l'étude du cas, où z ne serait analytique que sur un arc de courbe analytique seulement, présente des difficultés spéciales
046
S. Bernstein.
et des identités analogues pour les autres dérivées; donc, les inégalités (30) étant supposées remplies jusqu'à l'ordre y. inclusivement, on a
(30 biB )
8"r
86*
(0,1)
j est aussi supérieur à [%\ R ' / > \_y\ R ' r '> nous aurons
""l r \ 1 1 / J 1 11
aussi pour toute valeur de y.
8" x'
(34)
M 0 >
se"-
(0,1)
, .. M o>
Iî r r r i
8 y L ?6"
(0,1)
puisque toutes ces dérivées sont égales à + x et + y .
Par conséquent, en admettant que les inégalités (30), donc les inégalités (30 b,s ) également, sont remplies pour toutes les valeurs i < y,, nous
pouvons les utiliser pour limiter supérieurement [^]' 0 ; 1 ', , car A x est un
1 r \
polynome par rapport à ' ~ , ... (J < *)> a Y an t pour coefficients les
dérivées partielles de F prises pour les valeurs de r, s, ..., z, x, y . Donc, en tenant compte des inégalités pareilles aux inégalités (13) (nous supposons toujours que F est entière) et en supposant que [F' r ] { ^ 1.... %
Équations aux dérivées partielles. 647
sont inférieurs à un nombre positif H, on aura (grâce à (30 bl9 ), (33) et (84))
B, > [A,}^\ ,
i i
22
où est le coefficient de 0" dans le développement suivant les puissances de 0 de
(35) (0, 0) = 0. (D'ailleurs
t 0 . Mit x 2 , y 2 , als Spitze errichten wir einen Halbkegel f 0 , dessen Punkte durch die Gleichung (x — x„) 2 + (y — y 2 ) 2 — [t — i 3 ) 2 = 0 gegeben sein mögen, also einen gewöhnlichen Kegel mit einem Öffnungswinkel von 90°, dessen Achse parallel zur t- Achse verläuft. Der Kegel F 0 wird nun im allgemeinen irgendwelche Verzweigungsgerade des Raumes R n schneiden. Denken wir uns dann die durch die betreffende Verzweigungsgerade gehende Erzeugende des Kegels aufgezeichnet, so möge die Kegeloberfläche längs jenes Teiles
°) A. Rubinowicz, Monatshefte für Math. u. Phys. 30 (1920), S. 65.
42*
652
A. Rubinowicz.
dieser Erzeugenden aufgeschnitten werden, der auf der Verzweigungsgeraden beginnt und nicht durch die Kegelspitze geht. Diese Kegelfläche r o soll nun in der Weise ergänzt werden, daß wir den eben erwähnten Teil der Erzeugenden des Kegels, längs dessen wir F 0 aufgeschnitten haben, um die Verzweigungsgerade rotieren lassen. Wir beginnen dabei mit der Rotation dieser Geraden bei dem einen Ufer des aufgeschnittenen Kegels r o und rotieren unsere Gerade entsprechend der Vielfachheit des betreffenden Verzweigungspunktes so lange, bis wir in dem Riemannschen Räume R n zum anderen Ufer von F 0 gelangen. Der so erhaltene Halbkegel möge mit r* bezeichnet werden. Trifft nun F* auf eine weitere Verzweigungsgerade, so möge der Kegel, der um diese neue Verzweigungsgerade aus F* in der gleichen Weise entsteht wie r* aus r o , mit r* bezeichnet werden. JT* sei dann ein aus I '* entstehender Kegel usf. Analog wird bei allen anderen Verzeigungsgeraden, die F () schneiden, vorgegangen. Die Gesamtheit aller dieser Kegel r*, F*, ... möge dann im folgenden kurz mit r* bezeichnet werden. Die aus dem Kegel F 0 und der Gesamtheit aller Kegelflächen r* bestehende Fläche bildet, wie man aus dem folgenden erkennt, den zur Wellengleichung und zum Räume R n gehörigen charakteristischen Kegel. Als den Kegelraum K wollen wir nun alle Punkte X, y , t bezeichnen, die innerhalb von j T 0 oder eines Halbkegels F v gelegen sind und deren ¿-Koordinaten der Ungleichung t 2 1t 0 genügen. sei dann jener Teil der Riemannschen Fläche F n , den die dem Zeitmomente t — t 0 entsprechenden Punkte von K bilden, fñ ist also sozusagen die Grundfläche von K.
Eindeutigkeitstheorem: Durch die Anfangsbedingungen auf fn ist eine den im Abschnitte I unter 1. bis 4. formulierten Bedingungen genügende Funktion u(x, y , t) in dem Räume K eindeutig bestimmt.
Den Beweis führen wir nach den bekannten Greenschen Methoden").
Zunächst definieren wir einen Raum R : Aus dem „Kegel" K bilden wir einen „Kegelstumpf", indem wir Ii durch die Fläche t = t 1 (t 2 >t i > t 0 ) schneiden und außerdem die Verzweigungsgeraden von K durch Zylinderflächen vom Radius q aus dem Räume R ausschließen. Dabei sollen mit fn die Schnittflächen von K und t = t x und mit Z r die (der Vielfachheit der Verzweigungsgeraden entsprechend vielfach gewundenen) Zylinderflächen um die Verzweigungsgeraden bezeichnet werden. Die Begrenzung (R) von R besteht also aus den Flächen f„, fn, F 0 und der entsprechenden Anzahl von Flächen F* und Z r .
Auf den Raum R und seine Begrenzung (R) wenden wir nun zu-
') Vgl. A. Rubinowicz, 1. c.
Wellengleichung auf Riemannschen Flächen.
653
'i:
nächst eine schon von Volterra 8 ) benutzte Integralrelation an (Fundamental- formel) :
J/J ~ uUv } dx d V dt = jS{ u °dT- ~ V ¥v} df -
R n 0
wir s die Entfernung von der Kegelspitze x„, y„, t„ längs der Erzeugenden auf F 0 und a die Entfernung von der Spitze eines Kegels r* längs einer Erzeugenden auf diesem Kegel. Ferner führen wir in jeder Fläche t = konst. Polarkoordinaten r,cp (bzw. q , y> ) ein, deren Ursprung in dem Durchschnittspunkte der Kegelachse F 0 (bzw. r*) mit der Fläche t = konst. liegt. Für die auf F 0 bzw. F* liegenden Punkte
ist dann r = und g = . Die Ableitungen (3) nach der Konormalen v sind dann auf den einzelnen Begrenzungsflächen von (i?) gegeben:
") Vito Volterra, 1. c.
°) Im allgemeinen Falle wird die Konormale in einem bestimmten Punkte P einer Fläche S durch die Richtung definiert, die zur Tangentialebene an S in P in bezug auf den charakteristischen Kegel, dessen Spitze durch P geht, konjugiert ist. Die Konormale fällt also in die Richtung der Tangentialebene, falls in dem betreffenden Punkte P der charakteristische Kegel die Fläche S berührt. In dem Spezialfälle der Wellengleichung wird die Richtung der Konormalen einfach durch Spiegelung der Normalenrichtung an der x, «/-Ebene erhalten.
654 A. Rubinowicz.
(4)
fn
durch :
d
dt '
fn
«
+— ' dt '
z,
d
dQ '
r 0
» I
U-
f+
or
A )
dt'
d
~~ Js
r*
»?
l(-
~ + de
d y
dt >
\=-± da
Es wird somit:
I^ít
h r
Ir.. =
f°
' »
//{-&+(£)>■ f,"
t I f d fdu\ du du 1 j .
JJ
•2-..
f f / m / d~ u . d~ u\ . du 1 /Su Ijz -
JJ IflT V drdt dt*) dt \l\dr dt ' i
T Iii«/' S m , g"it\ . 0M 1 /cht du \ i , „
= 11 ! ï? (- ¿íií + w) + T, W ~ « •' 1
Auf den gleichen Raum ñ wenden wir nun eine zweite aus dem Gaußschen Satze
(5) - fffdivadt =ff a n df
R m
folgende Integralrelation an. Wir setzen
a = curl [f. w-gradw] so daß div a = 0 und daher
I* = ff curl )( [f, u • grad u]df = 0
(R)
wird. Sämtliche Vektoroperationen sind dabei in dem x, y , t- Räume auszuführen. í bedeutet den Einheitsvektor in der Richtung der t- Achse und ti die nach innen gerichtete Normale. Nun ist:
curl [!, u • grad u\ = — • grad u — u- grad ^ + f {u à u + (grad u ) 2 }
Wellengleichung auf Riemannschen Flächen. 655
und da die Normalenrichtungen bestimmt sind: auf der Fläche f,¡ durch: + f,
» » » fn " : — Ï»
„ ,1 » Z r » die Richtung von q ,
„ „ ,, r„ » den Einheitsvektor: : Leos m i L sin rot — -= :
0 \2 \2 ^2
=1= 1 . 1 . . 1
« » » r,.' » « n : ■= cos w t — — sin if j -=
\2 \2 \2
so sind die Beiträge, die die einzelnen Teile von (R) zu I* liefern, gegeben durch:
I*
f
*- J.fMS+&) +(£)'+ G ï) V
C
JJ{«(îl?+îF)+(5î) , + (Îï)> ft
fn
t * f C I du du d " it \ j ,
^' = JJ {-aTS5—
z v
r * f f í 1 3 m 0M . u d'u 1 f /3"w . 5"w\ , (dxi\~ .
- J.J {fï 8Ï är + ff - ff L »te + ,ir) + U + U J)« i* ff/4 d - u d Ji + JL-^-±\ u (pt + + ( 3 -^f + (^) 8 ] \ df.
>■ JJ l|2 dt dg \2dgdt \2 L \dx 2 dy 2 ' ^dx' --dyJ I r*
Nach dem Obigen ist nun I-\-I*=0 und daraus folgt unmittelbar unser Eindeutigkeitstheorem. Um diese Summe zu bilden, bemerken wir, daß mit Rücksicht auf □ u = 0 :
7 '»° + z í = JJ{(£) + (S) + (IT) } du
f 0 '«
;+4 = -JJ{(S) S +(^) 5 +(S)>^
Ferner ist:
fn
7* o f Í 8u J r
h ' - - 2 JJ ^ - i( -
Z„
dt de
Mit Rücksicht auf □« = (), (|5) + gj) = (g) + r V (^) wird weiter
656 A. Rubinowicz.
und schließlich analog:
r*
Lassen wir nun das q des Z v gegen Null gehen, so wird mit Rücksicht
darauf, daß lim^ endlich ist, limg^ = 0 wird und df=gdyjdt ist: e=o 61 e=o e
lim ( l Zy -j- Iz v ) — 0 . e=o
Somit entsteht im Grenzfalle g = 0 aus I-¡-l* = 0 die Relation:
SS {& + ®)'+ (£)>-JJ{(£)»+ (£)'+ («)*}
0 f l
' n ' n
- ffi{— (—) 3 +(— VW
J J C2 l r- \d\
F i
SSMÉd'+k-W}«-*-
df
V
X /
wobei die Summe über alle in Betracht kommenden Kegel F* zu erstrecken ist ,Ja ). Mit Hilfe dieser Beziehung können wir jetzt sofort unser Eindeutigkeitstheorem beweisen.
Nehmen wir nämlich an, es gäbe zwei Funktionen u x und u„, die beide in R die im Eindeutigkeitstheorem angeführten Eigenschaften besitzen, so müßte ihre Differenz U =u x — u. 2 mit Rücksicht darauf, daß beide Funktionen auf f„ die gleichen Anfangsbedingungen erfüllen, der Gleichung
- SS ®+ 0+ (%)>-SSM ¿0+ (£ - f )*} "
l'n H"
Jj]2\o°\dw/ \d g dt ' )
' »i* K
1 V
genügen. Da alle Integrale das gleiche Vorzeichen besitzen, so muß aber
, .i SU SU SU A auf f n — = — = — = 0,
Sx 8y dt '
9a ) Anrn. b. d. Korrektur. Einfacher ergibt Bich die letzte Beziehung aus dem Gaußschen Satze und der in Hinblick auf Ow = 0 identisch erfüllten Relation:
S t Su Su\ Si S u du \ d 1 f^ u \ 3 , (Su \ 2 ; / Su Sx l St Sx) ' Sy \ St Sy) 1 St '2 \SxJ 1 \SyJ 1 \3t
= 0.
Wellengleichung auf Riemannschen Flächen.
657
, „ dU dU A auf F r — = —z— = 0,
0 dtp cLs '
, „* SU du n und » 1 v = -j— = 0
oip da
sein. Es ist also auf den genannten Flächen w, — u„ — konst.. Da aber u x und u 2 auf die gleichen Anfangsbedingungen erfüllen, so muß auf der Schnittlinie von f n ° mit j T 0 und mit den F v u 1 =u 2 sein. Wegen der Stetigkeit dieser beiden Funktionen muß aber dann auch auf allen anderen hier in Betracht kommenden Flächen u x — u., sein. Daraus folgt zunächst, daß u insbesondere auch auf der Fläche fn eindeutig bestimmt ist.
Da aber die Lage der Fläche f], d. h. des Schnittes von t = t 1 mit K, nur der Bedingung t„>t 1 > t 0 unterworfen ist, so wird die Funktion m(x, y, t ) durch die auf f n ° vorgegebenen Anfangswerte im ganzen Räume K eindeutig festgelegt. Damit ist also unser Eindeutigkeitstheorem vollständig bewiesen.
Mit Hilfe unseres Eindeutigkeitstheorems läßt sich nun das im Abschnitt I durch die Bedingungen 1. bis 4. bestimmte Problem auf ein viel einfacheres reduzieren. Wir behaupten nämlich: wir können das in Rede stehende Problem für den Fall einer beliebig vorgegebenen Riemannschen Fläche F n bewältigen, wenn wir es für Riemannsche Flächen t - t 0 ^ 0 genügen.
Ist nun t' ein die obige Ungleichung befriedigender i-Wert, so können wir u und ~ für t' auf der ganzen Fläche F n berechnen. Benützen wir diese Werte als Anfangswerte, so können wir die Funktion u für alle ¿-Werte berechnen, die die Ungleichung — erfüllen,
ein Verfahren, das wir offenbar beliebig oft fortsetzen können. Wir erhalten so durch ein Verfahren, das wir als die Zusammenstückelung der zu F n gehörigen Lösung u(x,y,t) aus den zu n gehörigen Lösungen bezeichnen können, die Funktion u(x,y,t) in dem ganzen der Riemann- schen Fläche F n entsprechenden Räume R n für alle Zeiten, die der Ungleichung t^ît 0 genügen.
III. Anwendung des Spiegelungsverfahrens auf das gemischte Problem.
Wir wollen nun zeigen, wie wir durch Anwendung des Spiegelungsverfahrens unser gemischtes Problem l'. bis 4'. auf ein einfacheres zurückführen können. Um dies zu erreichen, stellen wir die Lösung u(x,y,t) = u[r,cp,t) unseres gemischten Problems, je nachdem sie die Randbedingungen a) oder ß) erfüllen soll, als Summe bzw. als Differenz zweier Funktionen u l und u., dar, die auf einer, einen einzigen Verzweigungspunkt im Endlichen enthaltenden unendlichvielblättrigen Riemannschen Fläche definiert sind. Die Punkte auf legen wir durch Polarkoordinaten r, rp fest, deren Ursprung in dem Verzweigungspunkt von 0^ liegt. Die Funktionen ííj und u., bestimmen wir durch die Anfangsbedingungen:
jy , \ d W-t / \
( r >(P)> ~df =g
u 2 = f 2 (r,cp), d ^ = g 2 (r,
—
x unter Zugrundelegung der Funktion g(r, cp) die Anfangswerte <7j und g 2 .
Wir können nun, wie dies sofort gezeigt werden soll, eine allen Bedingungen 1'. bis 4'. unseres gemischten Problems entsprechende Funktion u herstellen, wenn es uns gelingt, zwei den nachstehenden Bedingungen 1 ". bis 4 . genügende Funktionen u i und v 2 anzugeben:
l". m, und u„ sind in dem durch die Ungleichungen 0 r, — co < cp < -j- oo, t 0 ^ t
bestimmten Bereiche des zur Fläche X gehörigen Riemannschen Raumes eindeutig definiert.
2". u 1 und u„ erfüllen für t — t 0 die Anfangsbedingungen:
. du.
= -3T = 9I>
« ÖUo
^ 9 t -2> fj f 9'1 ■
3". u i und u„ sind samt ihren Ableitungen der beiden ersten Ordnungen, abgesehen von der Verzweigungsgeraden und abgesehen von den singulären Stellen, die durch die Anfangsbedingungen zur Zeit / = t 0 verursacht werden, überall in dem in 1 . genannten Räume R x endlich und stetig. In der Verzweigungsgeraden sind und sowie ihre Ableitungen
™ und ~ endlich, ihre Ableitungen und werden hier aber dt 01 0 dr dr
d w r
höchstens in einer solchen Weise unendlich, daß lim r —— = 0 ( v— 1, 2) ist.
r=o cr
4". u x und u 2 entsprechen im allgemeinen, d. h. mit Ausnahme der unter 3". genannten singulären Stellen, der Differentialgleichung:
,2 ,2 3 2
^ du 01 1 0 u p
dx" dy~ dt*
Wir behaupten nun: Die beiden Funktionen
u' = u 1 + u„ und u" = u i — ?/.,
stellen für den Fall der Randbedingungen «) bzw. ß) die Lösung unseres gemischten Randwertproblems dar. In der Tat ist ja sofort zu sehen, daß u' und u" sämtlichen für u vorgeschriebenen Bedingungen 1'. bis 4'. genügen. Nur das Erfülltsein der Randbedingungen an den Ebenen cp = 0 und cp = X erfordert eine kleine Betrachtung.
660
A. Rubinowicz.
Mit Hilfe unseres Eindeutigkeitstheorems erkennt man zunächst leicht, daß auch die Funktionen. u i und u„ die nachstehenden, ihren Anfangsbedingungen auferlegten Eigenschaften besitzen : Sie gehen bei einer Spiegelung an (p = 0 wechselweise ineinander über und sind in bezug auf die Veränderliche cp periodisch mit der Periode 2 %.
Daher ist
u^r, 0, t) = m 9 (r, 0, t),
- e ~u,(r,0,t),
was aber nichts anderes bedeutet, als daß die Funktionen u' und u" die Randbedingungen 2'. an der Ebene cp = 0 erfüllen.
Um noch zu zeigen, daß sie auch den Randbedingungen an der Ebene cp — X genügen, bemerken wir, daß nach den jetzt angeführten Eigenschaften von u 1 und u 3 :
(r, X, *) ■= M r > — = !■> l ) >
= ^u,{r,x,t)
ist.
Nun sieht man ohne weiteres, daß unser durch 1". bis 4". definiertes Problem, das durch 1. bis 4. bestimmte als Spezialfall in sich schließt, falls die Riemannsche Fläche F n nur einen einzigen im Endlichen gelegenen Verzweigungspunkt hat. Setzen wir nämlich in unserem jetzigen Problem % = mn [m — 1, 2, 3, ...), so ist die in diesem Falle auf definierte Funktion schon auf einer m -blättrigen Riemannschen Fläche ( J> m eindeutig darstellbar. Nach den Überlegungen im Abschnitt II genügt es also, das jetzige Problem zu lösen.
Dies kann jedoch erst im Abschnitt VI geschehen, da wir in dem nun folgenden Abschnitt IV an ein zur Bewältigung unserer Aufgabe erforderliches Hadamardsches Operationssymbol erinnern und im Abschnitt V zunächst die Fundamentallösung für unser Problem herstellen müssen.
IV. Ein von Hadamard eingeführtes Operationssymbol 10 ).
Wir betrachten das Integral
r (*)= f — dx,
J (b-x)P +a
wo p eine ganze Zahl bedeutet und a zwischen 0 und 1 gelegen ist, ohne jedoch diesen beiden Grenzen jemals gleich zu werden. Von der Funktion A(x) setzen wir voraus, daß sie mindestens (p— l)-mal ableitbar ist
10 ) J. Hadamard, 1. c.
■EH Pi
J? —
Wellengleichung auf Riemannsohen Flächen.
661
und daß ihre (p — l)-te Ableitung A [ '' V (x) die Bedingung von Lipscliitz (! A {v ~^ (b) — A (v ~ x) (x) I < K- 1 b — x I) erfüllt.
Ist p > 0, so ist im allgemeinen der lim l(x ) nicht vorhanden. Es
x—b
läßt sich aber leicht zeigen, daß in diesem Falle zu l{x) eine Funktion der Form
B(x)
(b-x)P- 1+a
addiert werden kann, so daß der Grenzwert
I(x)
B(x)
(7) lim _ ,
v ; x =b 1_ (b — x)V~ 1 + a
existiert. Setzen wir voraus, daß B(x) ebenfalls p— 1 Ableitungen besitzt und daß seine (p — l)-te Ableitung die Bedingung von Lipschitz erfüllt, so ist der Grenzwert (7) von der sonstigen Wahl der Funktion B \x) unabhängig, wird von Hadamard mit
(8)
f
J (b - x)P +a
dx
bezeichnet und heißt der endliche Teil des unendlichen Integrals:
b
j i
dx.
J
A(x)
(b - x) v + a
Es ist nicht schwer, für den Wert der durch den Hadamardschen Operator angedeuteten Operation (8) einen Ausdruck in den gebräuchlichen Operationssymbolen zu geben. So ist z. B. in dem für uns in dem folgenden allein in Betracht kommenden Falle p = 1 :
u
l
A{x)
(6 - x)
1 + u
dx =
J (b-x) 1+a
A(b)
a{b- a )"
Es ist nun für das weitere sehr wichtig zu bemerken, daß der Ausdruck (8) im Falle, wo b und A(x) von einem Parameter t abhängen:
b = b(t), A(x) = A(x,t)
in der Weise nach t abgeleitet werden kann, daß man einfach unter dem Integralzeichen den Integranden nach t differenziert. Es ist also:
d_ dt
U
J
A (x, t) (b(t) -x) p+a
dx =
Í
dA dt
,(b — x) p+
i~(P + «)£
A
dt (b-x) p+1+a
dx.
662
A. Rubinowicz.
Die Definition des Hadamardschen Operationssymbols läßt sich auch leicht auf den Fall mehrfacher Integrale erweitern: Es sei Teine n-dimensio- nale Mannigfaltigkeit, deren Punkte durch die rechtwinkligen, kartesischen Koordinaten x 1 ,x 2 ,...,x n bezeichnet werden mögen und die abgesehen von anderen auch durch die Fläche
r (x 1 , x. 3 , ..xj = 0 begrenzt wird. Unter dem endlichen Teile
(9)
jj ix% dXt ... ix¡
T
des über das Gebiet T erstreckten Integrals
JJ JA (r 11 _^__, dx ^ dx ^
T
wird dann folgendes verstanden: Sind A, , A.,, ..X n _ 1 , r krummlinige Koordinaten und
dx 1 dx 2 ... dx n = K-dk 1 dl.... dA n _ 1 dF, so ist der Ausdruck (9) gleich
JJ
11-1
Es läßt sich somit, wie dies ja aus ( 7) unmittelbar folgt, der Ausdruck (9) als der Grenzwert der Differenz eines w-fachen und eines (n — l)-fachen Integrals auffassen.
V. Die zu unserem Randwertproblem gehörige Fundamentallösung.
Hadamard 11 ) gewinnt die Lösung des Cauchyschen Problems mit Hilfe der Fundamentallösung der partiellen Differentialgleichung, die zur gegebenen adjungiert ist. Unsere Differentialgleichung (Wellengleichung) □ u = 0 ist nun mit der zu ihr adjungierten Differentialgleichung identisch. Um hier das Cauchysche Problem zu lösen, wird man also die zur ursprünglich gegebenen Wellengleichung □ u — 0 gehörige Fundamentallösung zu bilden haben. Diese wird nun, falls x, y , t die Spitze und x , y, t einen Punkt im Innern des charakteristischen Kegels
r o= — (z — #) 2 — {y— y)"" + {t — t)"" — 0
") J. Hadamard, 1. c.
Wellengleichung auf Riemannschen Flächen.
663
bezeichnet liür solche Punkte x,y,t ist F 0 > 0), dargestellt durch die Funktion:
1 _ . 1
\r 0 \-(x-x)*-(y-yf + (t-t) 3
Um die Funktion w(r,cp,t; r, 0 und — n y — oder b) r* 0
genügen, d. h. in allen Punkten von R x , die innerhalb eines Kegels r v oder innerhalb des Kegels F* gelegen sind. Dieser Raum soll R* heißen.
2*. In R* ist w überall endlich. In den Kegelflächen JT,. = 0 wird w wie —}== unendlich. Ferner ist w, abgesehen von den charakteristischen
Kegeln r v und r*, überall stetig und besitzt außerhalb der genannten Stellen und der Verzweigungsgeraden r = 0 stetige partielle Ableitungen beliebiger Ordnung nach r,cp,t. In der Verzweigungsgeraden sind w und
endlich und wird hier höchstens so unendlich, daß lim r ~ = 0
St dr r—0 8r
wird.
3*. Abgesehen von diesen singulären Stellen genügt ferner die Funktion w in allen Punkten von R* der Differentialgleichung:
8'w 8~w . d'w _
□ ^eee — 2 = 0.
dx 2 dy* g t 2
4*. w ist schließlich in bezug auf die Veränderliche 9? periodisch mit der Periode 2%.
Zur Herstellung der Funktion w könnte man sich nun vollständig analoger Betrachtungen bedienen, wie sie etwa Sommerfeld 13 ) in der Theorie der Beugung benützt. Auf einem solchen Wege gelangt man zum folgenden Resultat: Wir behaupten: w ist der Realteil der durch das nachstehende Integral dargestellten Funktion:
(13) W(r,
i — ¿00 läuft. In den obigen Integrationsgrenzen ist dabei für die reellen Konstanten co v eine der Ungleichung 0 co v entsprechende Wahl zu treffen. (Vgl. Fig. 2, in der alle œ v = co einander gleich
12 ) A. Sommerfeld, Math. Ann. 47 (1896), S. 317. Eine Übersicht über die Sommerfeldsche Theorie der Beugung gibt P. S. Epstein in der Enzykl. d. math. Wiss. Bd. V 3 , S. 488. (Anmerkung bei der Korrektur.) Vgl. auch Sommerfelds Beitrag zur neuen Riemann-Weber-Ausgabe, 2, Kap. XIII (im Erscheinen). Mathematische Annal en. 96. 43 .
666
A. Rubinowicz.
angenommen sind und die dem Falle entspricht, daß r > 0 ist, der Punkt r, cp, t also innerhalb des Kegels T* liegt.)
Von den Integrationswegen (Oj) und ( K¡ ) wird weiter vorausgesetzt, daß sie über die im Endlichen gelegenen singu- lären Stellen des Integranden der Funktion W nicht hinübergezogen werden dürfen. Dabei sollen die von der Funk-
(p-Zjr-tßi
(ü
y.
(p-t2
reellen Achse der «-Ebene befindlichen einfachen Pole
(14J
0 und infolgedessen
cos ß x = - - 1 < - 1 .
Setzen wir
ß 1 =ia 1 +n,
so wird
(18) cos ia í — ^—1. + 1,
a x also reell sein. Die Punkte (17) liegen daher unter dieser Voraussetzung in der «-Ebene in
0 ab, so wird a 1 kleiner, und wenn der Punkt r, cp, t in die Kegelfläche r* = 0 zu liegen kommt, verschwindet a x und die beiden auf jeder Geraden 9Î («) = 99 + 71 bzw. 9î(a) =
0), so ist
p* T->* *
— 1 < — H —=" — 1 = COS ß 1 = Ö —— 1 < ~f~ 1 •
2 rr 11 Irr
ß 1 hat jetzt also einen reellen Wert und die uns interessierenden, auf der Strecke <9 o — n, cpn) befindlichen Verzweigungspunkte liegen nun auf der reellen Ache der a -Ebene und zwar in den Punkten
cp -!- ß 1 und
-\-2v% a uf d er Strecke cp — n, cp + n liegt, d.h. sobald g ? — <
—
>&y((p)-==
-00 ) 1 r
C*J
1
(F +2rr — 2r r cob i a)
X
sin ~— ((p —
■ X
ist.
■ cp + jt) — X
COS ~—(w — œ
X
-3l) — X
wo X = cos i ~ arccsh (yz 2 + 1
Nunmehr wollen wir zur Diskussion der Eigenschaften der Funktion «? = 9Î(IF) übergehen und wollen vor allem zeigen, daß sie die unter 1*. bis 4*. genannten Eigenschaften besitzt. Zunächst stellen wir für den Fall, daß r 4= 0 ist, die Lage der singulären Punkte der Funktion w in ihrem Definitionsbereiche R* in zusammen:
I. r = 0: die Punkte in der Verzweigungsgeraden. Denn setzen wir voraus, daß nicht gleichzeitig r* verschwindet, wir uns also nicht der Spitze des Kegels T* nähern, so wird für r = 0 nach (18) a x = +00.
II. r* = 0: die Punkte auf dem Mantel des charakteristischen Kegels r*. Wird nämlich angenommen, daß nicht gleichzeitig r gegen Null geht, wir uns also wieder nicht der Spitze von r* nähern, so wird für r* = 0 nach (18) 0^ = 0 und der Integrationsweg muß, wie wir gesehen haben, durch einen singulären Punkt hindurchgehen.
III. r v = 0, — — 9? + 2î'^^ + tï: die Punkte auf den Kegel-
672
A. Rubinowicz.
mänteln der charakteristischen Kegel r v . Dieser Fall entspricht dem Zusammentreffen eines Verzweigungspunktes cp ± ß i mit einem Pole des Integranden von W, wobei der zwischen den beiden singulären Punkten eingepflockte Integrationsweg (vgl. Fig. 4) gezwungen wird, durch den singulären Punkt hindurchzugehen, der durch das Zusammentreffen der beiden genannten Punkte entsteht. Die Ungleichung läßt sich nämlich auch in der Form cp — 7i^(p-\-2v%^ 0 ist, weil nur in diesem Falle für kleine r- Werte der Punkt r,cp,t in dem Definitionsbereiche der Funktion w liegt. Da die Wurzel in (13) bei einem Umlaufe um die Verzweigungspunkte cp + ß x nur ihr (u¿)
Vorzeichen ändert, so sind die beiden längs einer Geraden 9 \{a) = cp + n verlaufenden Integrale einander gleich. Führen wir nun durch die Relation:
cc — -ßi
tp-ßi+ZX
Fig.
w=
X (2 rr)''*f
dC
X
(cos i C — cos i a,) 1 '- 1
t
i -(cp- P. Z
-it)
i -(>/.' 1-e «
• f + .-I + i t)
674
A. Rubinowicz.
Ersetzen wir nun hier mittels z-cosî «j = cos¿ C die Integrations- variable f durch z, so erhalten wir:
dz
m w _
( Z ' cos"' i Oj — 1 )
1
X
r I 1
. n - V . n \
l-(fp-tp-Tt) . %~{cp - rp + 71)
Li — e * -Z" 1 1 — e * -ZJ
i • „ --arccsh (zcoaioi) , . , ,—z =— : —
wobei Z = e * = (z- cos -f- \z~ cos - í a 2 — 1 ) *.
Jetzt ist der lim JF leicht zu berechnen. Es ist lim cos i a 1 = + oo
r=0 V— 0
und daher lim Z=0. Da schließlich lim 2rf-cosia l = — r" + (i — t)~
f=0 r=o
wird, so erhalten wir:
(23) lim W= ——==== f ~r == - .'= • 1 ;
r=0 ^ l/-r= 2 -h(i-i) 2 J ^(^-1)'= * V_ F «+ (*_*)?
1
Mit Hilfe von (22) läßt sich ferner noch unschwer zeigen, daß
d W dW-
lim — endlich und lim r —- = 0 ist. Damit ist nachgewiesen, daß W und
r = 0 dt r= 0 8r
somit auch w in r = 0 das durch 2*. geforderte Verhalten besitzen.
II. r* = 0. Da der von der Summe /S in (20) herrührende Beitrag zu der Funktion w , falls er nur nicht verschwindet, sich auf dem Kegel F* vollkommen regulär verhält, so müssen wir lediglich noch das Verhalten von I auf r* untersuchen. Zunächst sehen wir, daß, wenn der Punkt r,
0 gleich wird -I — , für e < 0 aber verschwindet, so
l/r v
sehen wir endlich, daß sich die ganze Funktion w in P 0 + wie -| \=
2 ]r v
verhält.
Die beiden weiteren Kombinationen je zweier Fälle, nämlich des Falles I und II und des Falles I und III, oder die Kombination aller drei Fälle I, II und III führen zur Untersuchung des Verhaltens von w in dem Punkte P 1 mit den Koordinaten r = 0 , t = t —f. Dieser Punkt liegt auf der Verzweigungsgeraden dort, wo sich die Spitze des gegen abnehmende t-Werte geöffneten Halbkegels F* und zugleich der Schnittpunkt aller Halbkegel F,, mit der Verzweigungsgeraden befindet. Nähert sich nun ein Punkt P dem Punkte P x längs einer Geraden, die mit der Verzweigungsgeraden (und zwar mit der negativen t- Achse) den Winkel a bildet, so besteht zwischen r und t die Relation: r = tga-(t — t — r). Da 1 außerhalb des Kegels r ' verschwindet, so interessieren uns dabei nur die
«-Werte, die zwischen 0 und liegen. Für den Fall, daß tgß=}=0 ist,
wir also nicht längs der Verzweigungsgeraden gehen, ist nun:
lim y = lim = — 1 + -i- .
r=0 r=0 2rr 'S«
Setzen wir dann noch weiter voraus, daß wir uns P 1 nicht längs einer in dem Kegel T* liegenden Geraden nähern (denn dann wäre ja tga=l), so ist lim y endlich und von Null verschieden und wir entnehmen dann
r=0
unmittelbar aus (21), daß für r— 0 dann I wie — l .- unendlich wird.
\ r
Nähern wir uns dem Punkte P 1 längs einer Erzeugenden des Kegels r so geht 7, wie aus (24) zu ersehen ist, ebenso stark ins Unendliche. Im Falle schließlich, daß wir zur Spitze von F* längs der Verzweigungsgeraden gehen, folgt aus (23), daß die gesamte Funktion w = S + I ebenfalls wie unendlich wird. jr
Wir wollen noch auf eine wichtige Eigenschaft der Funktion w aufmerksam machen. Es ist:
w(r,
)
der Grenzübergang (Si"') —>■ (Z¡; u) ) auszuführen. Dabei stößt man aber auf ein über r* erstrecktes Integral, das zwecks Lösung unseres Problems durch eine partielle Integration umgeformt werden müßte. Außerdem entstünden Komplikationen wegen des Verhaltens von 7 in den Schnittgeraden von (26) mit den entsprechenden F v . Das wird vermieden, wenn wir zu (28) die etwa aus dem Gaußschen Satze (5) folgende Relation:
(30) 4¡ = // curl„([ír]tí/) df= 0
(sW)
addieren, in der ! den Einheitsvektor in der Richtung der positiven ¿-Achse und r den Einheitsvektor in der Richtung des Radiusvektors r bezeichnet. Da nun:
j \ í/rt — i t \ d u I . du 1 ■ . « ( d u I . il I\ £
(31) curl ([!r]«/)= - -^-cos = 2 %.
Die Verzweigungsgerade, die Schnittgeraden der Kegel F v mit den Halbebenen (26) und die Spitze des Kegels r* sind bei diesem Grenzübergang mit entsprechenden Flächen zu umgeben. Die Summe der beiden auf diese Flächen bezogenen Flächenintegrale (29) und (30) verschwindet.
Addieren wir nun die Integrale (32) über sämtliche Zellen Z[^, so erhalten wir als Resultat:
2 * R
roo\ ffM« dl , 1 d(ulr)\\ , ,
(33) J )VTt- u Tt+T^Fr-)\ rdrd( P'
0 0 t=t Q
wobei hier die Integration über cp von 0 bis 2% zu erstrecken ist. Zunächst bemerken wir, daß dieses Integral konvergent ist. Das Verhalten des Integranden im Punkte r = 0 ist wohl vollständig klar. In den Punkten
Pf, mit den Koordinaten R,œ-\-2vy+ji verhält sich I wie ± —= und,
2 yr v
wie man sich leicht mit Hilfe von (21) überzeugt, wird hier die im Inte-
d 1 dl
granden auftretende Kombination der Ableitungen von 1 nämlich — — — auch nicht stärker unendlich. Sodann erkennt man aber, -daß (33) sich in der Form
2 X R 2/ R
(34) r dt-dcp j j Iii r dr dcp
0 ü t ~ t 0 ' ^ 00 t=t a
darstellen läßt.
Mathematische Annalen. 96.
44
682
A. Rubinowicz.
Um uns davon zu überzeugen, bemerken wir, daß der Ausdruck (33), wenn wir zunächst die Punkte P 0 ausschließen, durch partielle Integration
dl dl
des letzten Gliedes mit Rücksicht auf die Relation — = unmittelbar
St 8t
in den Ausdruck (34) übergeht, falls in diesem letzteren die Differentiation nach t ausgeführt wird. Die Punkte P n , wo sich 1 wie ± —=. verhält,
2 yr*
verursachen dabei keinerlei Schwierigkeiten, da beim Grenzübergange die beiden letzten Terme in (33) in den endlichen Teil des zweiten Integrales in (34) übergehen.
Nunmehr ist leicht zu erkennen: Da der ganze Beitrag, den I für die Zelle Z i im Grenzfalle zum Integral (28) liefert, durch (34) gegeben wird, so erhalten wir offenbar, wenn für Z 1 in (28) der Grenzübergang für die gesamte Funktion w = S + / vollzogen wird, außer (34) nur noch endliche Teile der mit S gebildeten Flächenintegrale (28):
If
d S n d tv \ 7 n
Uj Sj-)df
a V a V J
und zwar über den Kegel F*=0 und die Riemannsche Fläche t = t 0 , soweit diese Flächen zu Z x gehören.
Die übrigen Zellen des Raumes R y werden von der Fläche t— t 0 , von F 0 , den übrigen Kegeln jT,, und von F* begrenzt und liegen alle außerhalb des Kegels F*. In diesen Zellen wird also w schon allein durch die Summe S dargestellt. Vollziehen wir nun in den einzelnen Zellen Z fl den Grenzübergang (8„) —► ( Z„ ), so erhalten wir wieder richtige Relationen, wenn wir beim Grenzübergang auf jeden Kegel r v (soweit er zur Begrenzung der betreffenden Zelle Z^ gehört) in dem Flächenintegral das dem betreffenden Kegel T v in der Summe S entsprechende Glied V fortlassen, sonst aber die endlichen Teile aller Integrale behalten.
Es ist nun leicht zu überblicken, zu welchem Resultate wir durch Addition der sämtlichen auf die einzelnen Zellen Z fl bezüglichen Relationen gelangen. Die beiden von der Summe S herrührenden endlichen Teile der Flächenintegrale über die beiden Seiten einer Begrenzungsfläche, die zwei Zellen Z f , gemeinsam ist, sind einander entgegengesetzt gleich, da die Richtungen der Konormalen zu beiden Seiten dieser Begrenzungsfläche einander entgegengesetzt gleich sind. Besteht diese Begrenzungsfläche aus einem Kegel r y , so tritt zwar in der Zelle, die im Innern von r v liegt,
ein Glied mit -L= mehr auf als in der Zelle, die außerhalb F,, gelegen ist ; F ^ ' v
nach dem früher Gesagten ist es aber fortzulassen. Ebenso sind die über
Wellengleichung auf Riemannschen Flächen.
683
die Halbebenen n eintreten), werden an F* keine weiteren Zeilen grenzen.
Man erkennt daher, daß bei der Addition aller Beziehungen (28) alle Integrale, soweit sie sich nicht auf die Fläche t = t 0 beziehen, schließlich fortfallen, wenn wir nur das auf Z x und 1 bezügliche Integral durch die über die Fläche t = t 0 erstreckten Integrale (33) oder (34) ausdrücken.
Da endlich in der Fläche t = t n : -f = — v- ist, so erhalten wir durch
u av dt
Summation all unserer, auf die einzelnen Zellen Z u bezüglichen Relationen für u den Ausdruck:
(35) 2„ » (F. f. t) -2~ I JJ », (,)• (-^ fï - A (^)
+
,\r r st
2 y.R 2 ¿R
\l B - u rdrdcp~\~~ ( [lu J J dt t= to dt J J
0 0 0 0 0
u
df
t=t„
rdrdcp,
t — to
der, wenn wir die endlichen Teile der unendlichen Integrale nach den im Abschnitt IV angeführten Regeln in gewöhnliche Integrale umformen, auch in der Form:
44*
684
A. Rubinowicz.
(36) 2jT.u(r, y, t)
,1
= y,
{ii ê ' M ïh'^L df+ á/J" *- L";
2 Z 7i 2 Z 7i
+1 J 7 « L rdr ^ + wJJ /M L r 1 dr d( p
=<° oo ií=í °
geschrieben werden kann. Dabei sind die in diesen beiden Ausdrücken unter dem Summenzeichen stehenden Flächenintegrale über alle Gebiete zu erstrecken, die innerhalb des Bereiches 0,2/ der Veränderlichen cp und zugleich innerhalb der Kreise gelegen sind, die durch den Schnitt der t = t 0 - Fläche mit den Kegeln F v entstehen.
Berücksichtigen wir, daß w = S + I ist, so können wir (36) auch in der Gestalt:
(37) 2nu(r, y , t) = [\w — df + -4= f \ wu \ df
JJ dt t=t 0 dtJ-J h=t 0
ausdrücken, wobei die Integration über den ganzen, innerhalb des Bereiches 0,2 1 der Veränderlichen cp liegenden Definitionsbereich der Funktion w zu erstrecken ist.
Durch (35), (36) oder (37) ist die Funktion u nur für einen Bereich 0,2% der Veränderlichen cp definiert, entspricht also noch nicht der Forderung l". Wir können ihren Definitionsbereich aber auf den Variabilitätsbereich — oo, + oo der Veränderlichen cp durch die Festsetzung erweitern, daß u, als Funktion von cp betrachtet, periodisch mit der Periode 2% sein soll.
Nunmehr können wir zeigen, daß u allen Bedingungen 1 . bis 4 . genügt.
Die Bedingung 1 ist sicherlich erfüllt, falls sich die Funktion u in den Ebenen cp = 0 und cp — 2% und auch in den übrigen Ebenen cp — 2v% im allgemeinen ebenso verhält, wie in den übrigen Punkten ihres Definitionsbereiches. Um uns davon zu überzeugen, bemerken wir nur, daß man (wie dies leicht aus der Periodizität der Funktion w und der Anfangswerte der Funktion u folgt) die gleiche Funktion u erhält, wenn man zu ihrer Herstellung auf der Fläche t = t 0 statt der zwischen den Ebenen cp — 0 und cp = 2% gelegenen Punkte des Definitionsbereiches der Funktion w, den durch irgendwelche zwei Ebenen cp = cp* und 99 == 99* —|— 2^ (0 (A) usw. seien Funktionen von beliebigen Elementen aus Q und A bezeichnet; co bedeute ein beliebiges Element aus ß, cp (0) die Größe, die entsteht, wenn man in cp{Q) alle Elemente aus Û null setzt. Ist eine Variantenfunktion cp (Q) vorgelegt, so können wir in ihr alle co ausdrücken durch A und dadurch 93 (¿2) in die Form (p 0 (A) bringen. cp 0 [ 0) ist dann eine Invariante, die wir den mit A gebildeten Kern von rp (Q) nennen. Die Zerlegung (-4) liefert den zugehörigen Rest cp r [A). Die Kernbildung wird im allgemeinen von der Wahl der A abhängig sein. Zur Kernbildung ausgezeichnet werden solche Varianten heißen, aus denen die A (durch gewisse Prozesse wie rationale Komposition, Differentiation usw.) gebildet sind.
Wenn nun
(fí). J ist also ein System von Fundamentalinvarianten. Jede Variantenfunktion hat demnach die Darstellung f(J, A) und bei Invarianz die reduzierte Form F(J) = f(J, 0).
2. Charakteristische Differentialvarianten als Fundamentalvarianten.
Der allgemeine Begriff der Fundamentalvarianten und der zugehörigen Kernbildung wird im Verlauf der Untersuchung in drei Schritten spezialisiert. Die erste Spezialisierung beruht darauf, daß das betrachtete Variantensystem Q aus Differentialvananten besteht d. h. aus solchen Größen, die aus gegebenen Feldgrößen von einer gewissen Transformationsweise und deren Differentialquotienten nach den Punktkoordinaten des Feldgebietes gebildet sind. Jede Differentialvariante ist in einer gewissen Transformationsordnung vom Koordinatensystem abhängig. Ist £, = f, (... f x ... ) ein beliebiges System der zugelassenen Transformationsfunktionen, so ist diese Ordnung dadurch gegeben, daß der Wert der Differentialvarianten beim Koordinatensystem der durch eine Transformationsgleichung dargestellt werden kann, in der außer zum Koordinatensystem der f„ ge-
g(r) ï
hörigen Werten die „Transformationsableitungen" ^ ^ pl" '~ zu e ' ner
gewissen p-ten Höchstordnung vorkommen (s. u. (1)). Sind zwei Koordinatensysteme durch eine Transformation verbunden, bei welcher die Transformationsableitungen (in einem gewissen beliebigen Punkte P) bis zur p- ten Ordnung gleich sind denen der identischen Transformation, so heißen solche Koordinatensysteme in p-ter Ordnung äquivalent im Punkte P. Differentialvarianten von nicht höherer als p- ter Transformationsordnung haben in solchen in p-ter Ordnung äquivalenten Koordinatensystemen
692
F. Krauß.
invariante Werte. Wir nennen nun ein System von Größen, die bei einem zugelassenen System von Transformationen T frei variant sind, charakteristisch in p-ter Ordnung bei T, wenn zwei Koordinatensysteme aus T in P dann und nur dann äquivalent in- p-ter Ordnung sind, ivenn sie in P in diesen Größen übereinstimmen.
Das Wesentliche im invariantentheoretischen Begriff der charakteristischen Differentialvarianten beruht darauf, daß sie das veränderliche („neue") Koordinatensystem jeweils festlegen nicht relativ zu einem andern („alten") Koordinatensystem, sondern durch die Werte, welche geeignete variante Feldgrößen in dem zu charakterisierenden Koordinatensystem annehmen. Jene Bestimmung des Koordinatensystems relativ zu einem anderen wird durch die Transformationsableitungen gegeben und die Transformationsgleichungen sind es, welche die Werte der Differentialvarianten durch die Werte von Varianten im alten Koordinatensystem und die Transformationsableitungen darstellen, nicht aber durch variante Feldgrößen und Invarianten, wie es durch die Einführung der Fundamentalvarianten geschieht. Dies ist der Grund, weshalb die Transformationsgleichung zwar das Invarianzkriterium liefert (in Gestalt der Unabhängigkeit dieser Darstellung von den in sie eingehenden Transformationsableitungen), nicht aber eine Reduktion der Differentialinvarianten. Die charakteristischen Differentialvarianten leisten nun beides gleichzeitig, da sie Fundamentalvarianten sind für das System aller Differentialvarianten von nicht höherer als p-ter Ordnung. Denn die Werte der letzteren hängen bloß bis zur p-ten Ordnung vom Koordinatensystem ab, sie müssen also Funktionen sein derjenigen Größen, welche das Koordinatensystem (innerhalb T) bis zur p - ten Ordnung vollständig charakterisieren, d. h. es muß für sie Darstellungen geben, in denen die charakteristischen Differentialvarianten die einzigen Varianten Elemente sind.
Wir wollen diese Verhältnisse, so einfach sie sein mögen, genauer ausführen. Uberstrichene Größen sollen Werte varianter Größen in einem beliebigen alten Koordinatensystem bedeuten, das zunächst festgehalten wird, f, seien die durch Transformation veränderlichen neuen
Koordinaten. Das System aller Transformationsableitungen „ „ ,. — bis
8 h . 8 S /i ...
zur p-ten Ordnung einschließlich bezeichnen wir mit t' v) ; mit t ip) —t {q) die Transformationsableitungen von der (q -f-1)- ten bis zur p -ten Ordnung. Die allgemeine reguläre Gruppe der Transformationen sei T 0 ; diejenige, bei welcher die i (l) die Einheitsmatrix bilden (im betrachteten Punkte P), sei mit T x bezeichnet. Bei T x sind alle Differentialgrößen von erster Transformationsordnung invariant. Die Differentialinvariantentheorie hat zu ihrem wesentlichen Grunde die Tatsache, daß bei T 0 die t
,C 0> ).
Ist ein von T 0 verschiedenes Transformationssystem T zugelassen, so sind in ihm die t (v) i. a. nicht mehr frei variant, vielmehr sind ihnen Bedingungen auferlegt. Diese Bedingungen symbolisieren wir mit:
(2) B T (t m ) = 0.
A ' t bedeute ein System in p-ter Ordnung charakteristischer Differentialvarianten bei T. Das System der zugehörigen Transformationsgleichungen sei :
(3) Ä^=F{t w ,C A w).
Die A?" müssen sich dadurch als frei variant zu erkennen geben, daß sie durch die Gleichungen (2), (3) als voneinander unabhängige Funktionen der t {v) definiert sind. Ferner aber, und nur hierdurch sind die Af charakteristisch, muß das System (2), (3) die t lv) als eindeutige Funktionen der Alj! ] , CjW bestimmen, so daß Darstellungen existieren der Form:
t lp) =
).
Demgemäß können wir oben in der Transformationsgleichung (1) die t' p) durch die A^, C a ^ ausdrücken, so daß co die Gestalt annimmt:
(4) co = v{A% ) ,C A $),C m ).
Der Unterschied dieser letzteren Form von co gegenüber der in ( 1 ) besteht darin, daß in yj die A y ' nur von dem neuen Koordinatensystem, nicht aber auch von dem alten abhängen, wie es die i (p) tun. Nun ist nach unserer Voraussetzung das alte Koordinatensystem beliebig gewählt; die Darstellung gilt also sowohl bei Veränderungen des alten wie des neuen Koordinatensystems. Die Veränderung des neuen ändert A y." und co, und
694
F. Krauß.
zwar können dadurch den Ay' beliebige Werte erteilt werden; die Änderung des alten Koordinatensystems läßt aber m und die A^ ] in Ruhe und macht nur die C a (p) und C a zu Varianten. Nun ist xp eine Funktion
<7>(/ly'), in deren Konstante die C' a und C a so eingehen, daß bei beliebigen Transformationen der C a 5" und C m und für jeden beliebigen
festen Wertkomplex der A^\ y> ungeändert bleibt. Das ist aber nur möglich, wenn diese Konstanten aus den CjW, C w gebildete Invarianten
sind 9b ). Also sind die A t ] Fundamentalvarianten des Systems aller Differentialvarianten nicht höherer als p-ter Transformationsordnung.
Solche Feldgrößen, aus denen die C a ^ und die yly 1 gebildet sind (durch Differentiation und Komposition), heißen zur Charakteristik des Koordinatensystems ausgezeichnet. Jedes Größensystem, das von den A { rf ] umkehrbar eindeutig abhängt, ist offenbar wieder ein charakteristisches Größensystem, und dasselbe gilt für die C a {p) ■ Verschiedene Arten der Charakteristik des Koordinatensystems loerden i. a. verschiedene Kernbildungen der Differentialvarianten erzeugen; liegt aber Invarianz des Differentialausdrucks vor, so ist sein Kern unabhängig von der Wahl der C a (p> und A t ] ■
T 1
3. Grundvarianten als charakteristische Differentialvarianten.
Die bisher besprochene Charakterisierung des Koordinatensystems durch irgendivelche zur Kernbildung ausgezeichnete Feldgrößen ist an sich noch keine differential<7eoraeinscAe. So können wir uns z. B. ein physikalisches Kontinuum denken, in dem eine formale Geometrie überhaupt nicht festgelegt ist (wie z. B. in der Thermodynamik), in der aber Zustands- funktionen, die von der Wahl der Zustandskoordinaten abhängig sind, existieren, so daß diese Koordinaten und ihre Verteilung bis zu einer gewissen Differentiationsordnung charakterisiert sind durch die jeweiligen Werte der Zustandsfunktionen und ihrer Ableitungen nach den Koordinaten. Läßt sich überhaupt das Koordinatensystem durch irgendwelche frei variante Feldgrößen bis zu einer gewissen Differentiationsordnung vollständig charakterisieren, so ist es möglich, an irgendwelchen Differentialausdrücken Kernbildungen vorzunehmen und sie, bei Invarianz, zu reduzieren. Hiermit sind sehr allgemeine Bedingungen bezeichnet, unter denen eine Feldtheorie invariantentheoretisch formuliert werden kann.
3b ) Zusatz bei der Korrektur. Hierbei ist natürlich die, im Folgendan stets erfüllte, Voraussetzung zu maohen, daß die Konstanten in der Darstellung '/>(A^ } ) eindeutig durch den Funktionsverlauf von 0 bestimmt sind; denn nur dann wird jede Änderung dieser Konstanten eine Änderung von y nach sich ziehen.
Differentialinvarianten und Vektorübertragung.
695
Differentialj/eome/nscAe Bedeutung — und darin besteht die weitere Spezialisierung des allgemeinen Begriffs der Fundamentalvarianten — erhalten die charakteristischen Differentialvarianten erst dann, wenn zwei Arten der Auszeichnung von Feldgrößen zusammenfallen; nämlich, wenn die zur Kernbildung ausgezeichneten Feldgrößen gleichzeitig zur geometrischen Grundbestimmung des Raumes ausgezeichnet sind. Unter Grundbestimmung ist dabei die Eintragung und Auszeichnung solcher Feldgrößen zu verstehen, mit denen die fundamentalen geometrischen Relationen und Operationen definiert werden. Die ursprünglichen, in diese Definitionen unmittelbar eingehenden Größen, wie z. B. die g itt , oder, bei fehlender Maßbestimmung und gegebener Vektorübertragung, die verallgemeinerten Dreizeigergrößen (gewöhnlich mit p/* bezeichnet), mögen fundamentale Grundgrößen heißen. Die aus ihnen durch Differentiation und beliebige Komposition gebildeten Ausdrücke aber Grundgrößen überhaupt. Diese letzteren zerfallen in Grundvarianten und Grundinvarianten. Eine Grundinvariante in diesem Sinne ist z. B. das Krümmungsmaß des Riemann- schen Raumes. Ist in dem Räume ein Gebilde gegeben, worunter wir ein beliebiges Teilkontinuum niedrigerer Dimension, das sich durch reguläre Parametergleichungen bestimmen läßt, verstehen wollen (Kurven, Flächen, Hyperflächen usw.), so nennen wir diejenigen Größen, die nur durch die Grundbestimmung des Raumes und die Eigengestalt des Gebildes definiert sind, Eigeninvarianten des letzteren. Alle übrigen Feldgrößen, die, etwa im Hinblick auf physikalische Anwendungen, überdies noch im Räume ursprünglich angenommen werden, seien als Stammgrößen bezeichnet.
Da die Grandvarianten lediglich von der geometrischen Grundbestimmung des Raumes und dem Koordinatensystem abhängen, so müssen sie geometrische Eigenschaften an den Koordinatenlinien, welche diesen durch die Grundbestimmung aufgeprägt sind, zum Ausdruck bringen. So geben z. B. die gewöhnlichen g, k , als Grundvarianten aufgefaßt, die Winkel zwischen den Koordinatenlinien und die auf ihnen durch die Koordinatenverteilung bewirkte Parameterdichte an. In p-ter Ordnung charakteristische Grundvarianten A? sind deshalb solche differentialgeometrische Größen an den Koordinatenlinien, welche diese und die Parameterverteilung auf ihnen bis zu einer gewissen Ordnung vollständig bestimmen und überdies durch die zugelassenen Transformationen T unabhängig voneinander variiert werden können. Alle Grundvarianten müssen sich dann durch solche und Grundinvarianten darstellen lassen. Hierin kommt der Zwang zum Ausdruck, durch den die invariante Struktur des Raumes die gegenseitige Veränderlichkeit der Grundvarianten einschränkt. Irgendwelche den A?' auferlegte Bedingungen spezialisieren das Koordinatensystem innerhalb T. Wegen der freien Varianz der A? muß es stets Koordinatensysteme
696
F. Krauß.
geben, welche (in irgendeinem Punkte P) den A™ beliebige Werte verleihen; umgekehrt muß jede differentialgeometrische Spezialisierung des Koordinatensystems innerhalb T sich durch Bedingungen, die den A^ auferlegt werden, angeben lassen. Die einfachste Spezialisierungsmöglichkeit ist offenbar die, bei welcher das Koordinatensystem die Ay 1 annulliert. Ein Koordinatensystem heißt in p-ter Ordnung innerhalb T invariant spezialisiert , wenn die Ay' mit Grundinvarianten in Beziehung gesetzt werden, und diese Spezialisierung wird eine vollständige sein, wenn in dem betreffenden Koordinatensystem die Werte der A y' mit Differential- invarianten identisch werden. Wählen wir z. B. auf einer euklidischen Kurve als Parameter die wahre Länge, so fallen in diesem invariant spezialisierten Koordinatensystem die Differentialquotienten des Ortsvektors beliebig hoher Ordnung mit Eigeninvarianten der Kurve (Richtungs- und Krümmungsvektoren) zusammen. Ähnliches findet auf einer Fläche statt, wenn wir invariant ausgezeichnete Kurven (z. B. Krümmungs- oder Asymptotenlinien) als Koordinatenlinien wählen und auf ihnen nach ihren wahren Längen differenzieren. In allen Anwendungen des Koordinatenbegriffs auf die geometrische und physikalische Wirklichkeit ist die invariante Struktur des Gebildes, an welchem die Koordinaten zu definieren sind, das primär aufgefaßte, und jede wirkliche Festlegung der Koordinaten erfolgt dadurch, daß sie zu dieser invarianten Struktur, d. h. zu den Eigeninvarianten des Gebildes, in Beziehung gesetzt werden. Charakteristische Grundvarianten haben also eine doppelte Funktion, eine invariantentheoretische, in der sie von den Differentialausdrücken invariante Kerne abspalten und Differentialinvarianten reduzieren, und eine geometrische, in der sie die Eigengestalt des Koordinatensystems durch beliebig variierbare Bestimmungsmomente festlegen.
Als geometrische Grundbestimmung betrachten wir nun in dieser Arbeit — und hierin besteht die dritte und letzte Spezialisierung des Begriffs der Fundamental Varianten — die allgemeine lineare Vektorübertragung, auf die sich der tensorielle Ableitungs- und Gradientprozeß gründet, und die durch die verallgemeinerten Dreizeigergrößen definiert ist. Aus diesen und ihren Ableitungen werden die charakteristischen Grundvarianten gebildet.
Auf Gebilden genügt die analoge Charakteristik des Koordinatensystems nicht; die diese Charakteristik liefernden vektoriellen Eigenkrümmungen der Koordinatenlinien springen nämlich i. a. aus dem Gebilde heraus infolge der Eigenkrümmung des letzteren; aber diese Krümmungsvektoren sind frei variant nur in tangentialer Richtung. Infolgedessen bedarf es, um bestimmte tangentiale frei variante Komponenten zu bilden, der Definition einer invarianten Projektionsrichtung, mit der nichttangentiale Vektoren eindeutig in tangentiale und quergerichtete Komponenten zerlegt werden können („Querrichtung"). Solche Projektionsrichtungen sind in der gewöhnlichen Maßgeometrie durch die Orthogonalität, in der affinen Geometrie durch affinnormale Richtungen definiert (s. u. Teil III).
Differentialinvarianten und Vektorübertragung.
697
Als Stammgrößen treten hierzu die Bestimmungszahlen beliebiger Tensoren und deren Ableitungen. Die fundamentalen Grundgrößen der Vektorübertragung (Dreizeigergrößen) sind selbst schon von der zweiten Transformationsordnung; infolgedessen ist es nicht möglich, durch sie und ihre Ableitungen die Eigenschaften erster Ordnung des Koordinatensystems (Richtungsverhältnisse und Parameterdichte der Koordinatenlinien) zu charakterisieren. Dies ist der Grund, weshalb wir als Invarianzgruppe T 1 wählen müssen; denn da bei 7\ die t m die Einheitsmatrix bilden, so bedarf es bei dieser Gruppe einer Charakteristik in erster Ordnung nicht. Nun sind aber die Bestimmungszahlen der Tensoren von erster Transformationsordnung und infolgedessen invariant bei T x . Ein Difieren tial- ausdruck ist daher nur dann Tensorkomponente, wenn er bei T 1 invariant ist. Die Aufgabe also, einen beliebigen Difierentialausdruck, dessen variante Elemente nicht alle Tensorkomponenten sind, durch Tensorkomponenten darzustellen, erscheint als Reduktionsproblem bei der Invarianzgruppe l x . Auf diese Weise führt die Bildung der charakteristischen Grundvarianten bei T x und der zugehörigen Kerne auf Reduktionssätze d. h. auf Theoreme, welche diejenigen Tensoren angeben, aus denen man Differentialausdrücke, die invariant sind oder Tensorcharakter haben, rein algebraisch (projektiv) und ohne weiteren Differentiationsprozeß zusammensetzen kann.
Für die tensorielle und vektorielle Symbolik waren folgende Forderungen maßgebend. Die direkt geschriebenen vektoriellen und tensoriellen Operationen müssen selbst einfach sein und nach einfachen Regeln vollzogen werden können, die möglichst analog sind dem gewöhnlichen skalaren Rechnen und den bekannten Operationen der elementaren Vektoranalysis. Demgemäß schreiben wir mit tensoriellen Zeichen die Addition, die Multiplikation, die Überschiebung eines Tensors mit einem Vektor (inneres Produkt) und die invariante Differentiation. Ebenso wichtig wie die Invarianz und invariante Schreibart der Formeln ist aber die Spezialisierung des Koordinatensystems. Dieses erscheint in den Formeln durch Zerlegung der tensoriellen und vektoriellen Größen in ihre Komponenten, wodurch die Grundvarianten explizit hervortreten. Ein brauchbarer tensorieller Kalkül muß daher eine einfache mechanische Weise enthalten, die tensoriellen und vektoriellen Formeln in die Komponentform (vollständig zerlegte Form) überzuführen und insbesondere die Grundvarianten so schreiben, daß ihre geometrische Bedeutung und ihr Verhalten bei der Transformation übersichtlich hervortreten. Das ist zumal für unsere invariantentheoretischen Untersuchungen erforderlich, die es mit Grundvarianten in erster Linie zu tun haben.
Diese verschiedenen Forderungen lassen sich erfüllen, wenn man eine möglichst einfache Schreibweise für die Grundvektoren wählt. Wir bezeichnen sie, wie schon bemerkt, mit den auf die Zeile gesetzten Indexbuchstaben. Die Grundvarianten sind in der Hauptsache nichts anderes als die Grundvektorableitungen, welche in unserer Symbolik auch bei höherer Differentiationsordnung in einfacher Form erscheinen, während sie in der gewöhnlichen skalaren Schreibweise verhältnismäßig unübersichtliche vielgliedrige Ausdrücke werden, deren Transformationsweise und geometrische Bedeutung nicht un- Mathcmatische Annalen. 96. 45
698
F. Krauß.
mittelbar zu erkennen Bind (s. z. B. u. S. 16 (19)). Die Verwendung idealer (invarianter) Vektorfaktoren und die formale Darstellung invarianter Differentiationsprozesse mittels derselben scheint mir durch die hier gewählte Symbolik überflüssig zu werden. Die Schreib- und Rechenweise mit den (realen) Grundvektoren ist nicht unhandlicher als die mit jenen idealen Elementen, ja durchweg einfacher. Ferner aber, und dies scheint mir das wesentlichste Moment zu sein, tritt nicht nur bei allgemeinen invariantentheoretischen Überlegungen, sondern auch bei allen praktischen Anwendungen des Kalküls auf geometrische und physikalische Probleme die Notwendigkeit ein, Komplexe von Grundvarianten zu betrachten, zu spezialisieren und zu berechnen, so daß die formale Elimination derselben durch die idealen Faktoren dann sowieso rückgängig gemacht werden muß 4 ).
Charakteristische Feldgrößen und Kernbildung können, außer daß sie als Invarianzkriterium und zur Reduktion dienen, noch eine dritte Funktion übernehmen, nämlich die, einen vorgelegten Differentialausdruck
(Q) identisch und ist überdies invariant bei T. Neben dieser Art, invariant zu machen, gibt es jedoch noch andere Weisen. Die Klärung der methodischen Bedeutung des Invarianzgedankens in der modernen Physik setzt zunächst voraus, daß man diese verschiedenen Formen unterscheidet; denn darauf gründen sich die verschiedenen physikalischen Bedeutungen, welche das Relativitätsprinzip als Prinzip invarianter Formulierung in seinen einzelnen Anwendungen annimmt.
II. Teil. Tensorfelder im vollen Raum und allgemeine Vektorübertragung.
4. Operations- und Zeichensystem der Tensoranalysis.
In diesem Abschnitt sollen bekannte Elemente der Tensoranalysis in einer für unsere Zwecke geeigneten Fassung kurz zusammengestellt werden 6 ).
Das grundlegende Konstruktionselement ist der difïerentialgeometrische Verschiebungsvektor ( Vektor erster Art) d. h. die auf eine zugehörige Parameteränderung (dt) bezogene kleine Punktverschiebung (d£,-). ^ sind dann die Bestimmungszahlen des Verschiebungsvektors. Vektoren können
*) Eine derartige Anwendung auf die Elastizitätstheorie der Schalen, sowie einen
Versuch, die nachstehend angedeuteten Unterscheidungen in den Prinzipienfragen der
Relativitätstheorie durchzuführen, hoffe ich demnächst vo rlegen zu können.
6 ) Zu dieser Nr. und Nr. 8 und 10 darf wohl bemerkt werden, daß die Grundbegriffe dieser Arbeit bereits 1921/22 im Anschluß an meine Bonner Dissertation (Über die Parallelverschiebung im Riemannschen Räume) von 1921 entstanden sind. Literaturhinweise auf inzwischen erschienene Publikationen bedeuten daher nicht die subjektive Abhängigkeit von ilmen.
Differentialinvarianten und Vektorübertragung.
699
als solche variant sein d. h. mit dem Koordinatensystem andere vektorielle Werte annehmen. Die Bestimmungszahlen invarianter Verschiebungsvektoren transformieren sich kogredient mit den (kontravariant). Der Tensor erster Art und s-ter Stufe ist symbolischer Träger einer skalaren Linearform von s Argumentvektoren erster Art. Er ist invariant, wenn er invarianten Argumenten invariante Formwerte zuordnet 8 ). Der Tensor erster Art und erster Stufe heißt auch Vektor zweiter Art. Tensoren zweiter und gemischter Art haben Vektoren der zweiten Art und Vektoren beider Arten zu Argumenten. Für sie gelten die analogen Definitionen der Invarianz. Die algebraischen Tensoroperationen können nach Einführung der invarianten homogen-linearen Kompositionen für Verschiebungsvektoren (Addition, Subtraktion, Multiplikation mit einem Skalar) ohne Kekurs auf Bestimmungszahlen definiert werden. Wir benutzen drei direkt geschriebene algebraische Operationen:
1. Die „Uberschiebung" eines Tensors mit Vektoren.
2. Die Addition und Subtraktion zweier gleichartiger Tensoren.
3. Die Multiplikation zweier Tensoren beliebiger Art und Stufe.
1. ist dadurch definiert, daß in der Vektorform ein unbestimmtes Argument durch ein bestimmtes ersetzt und die Form nur noch in Abhängigkeit von den übrigen Argumenten betrachtet wird, so daß Stufenerniedrigung eintritt. Wir schreiben den nicht-vektoriellen Tensor mit großen gotischen Buchstaben, z. B. 2Í, 93, ..., die Vektoren beider Arten mit kleinen. Die Uberschiebung wird durch einfaches Danebensetzen ausgedrückt. SI b ist also Überschiebung des Tensors 21 mit dem Vektor 6. Müssen, was selten vorkommt, in 21 die Argumentstellen, an denen die Überschiebung stattfindet, unterschieden werden, so kann dies durch aussparende Punktierungen geschehen: 21 f>, 2t-b, 21-6 usw. wären demnach Uberschiebungen an erster, zweiter, dritter usw. Argumentstelle. Bei Symmetrie von 2Í fällt eine solche Notwendigkeit eo ipso fort; die skalare Vektorform des Tensors dritter Stufe mit den vektoriellen Argumenten £, t), g wird demnach geschrieben : 2Í £ t)
2. und 3. sind definiert durch die entsprechenden skalaren Verknüpfungen der Vektorformen:
(5) (2I±93)íi)...=2íjD...±93 £ D;L.,
(6) (21 X S3) ... ut) ... = (2íub ...) (58 j t) ...).
Die (übrigens willkürliche) Ordnung der überschiebenden Argumente
8 ) Variante Vektoren und Tensoren scheinen mir bei dieser Auffassung die ( Hessenbergsche) Bezeichnung Pseudovektoren (-tensoren) ebensowenig zu verdienen wie mit dem Koordinatensystem veränderliche Zahlen die Bezeichnung Pseudozahlen.
45*
700
F. Krauß.
in (6) ergibt für die Überschiebung von 91 x ... x 58 x £ die „Uberschiebungsregel" in dem Sinne, daß zuerst der rechtshändige Faktor £ bis zum Skalar durchüberschoben wird, hierauf der links anschließende 58 usw. Diese Multiplikation enthält die Multiplikation eines Tensors mit einem Skalar als denjenigen Spezialfall, bei dem ein Faktor von nullter Stufe ist. Das Zeichen x kann daher auch für Multiplikation mit Skalaren benutzt werden.
1. und 3. haben allgemeine Produkteigenschaft und sind daher mit 2. distributiv verknüpft. 2. und 3. sind assoziativ. Damit sind die wesentlichen Rechenregeln gegeben. Sie sind einfach und dem skalaren Rechnen sowie der elementaren Vektoralgebra analog. Die Klammersetzung ist gegeben durch die bei fehlenden Klammern geltende Ausführungsfolge (wobei wir die erst unten einzuführende Differentiation vorwegnehmen): 1. Differentiation, 2. Uberschiebung, 3. Multiplikation, 4. Addition.
Die n- reihige Einheitsmatrix, aufgefaßt als System von Bestimmungs- zahlen von n Varianten Verschiebungsvektoren, definiert die Grundvektoren erster Art. Variante Elemente werden stets mit griechischen Buchstaben bezeichnet. Da die Grundvektoren die fundamentalen Grundvarianten sind, aus denen sich alle übrigen durch Differentiation und algebraische Komposition ableiten lassen, so bedürfen wir einer möglichst einfachen Bezeichnung für sie. Wir schreiben daher den zur Koordinatenlinie der Si, f y., I;., £», ■■■ gehörigen Grundvektor erster Art mit den auf die Zeile gesetzten Indexbuchstaben l,x,X,q,... . Bei numerischer Bestimmtheit
der Indizes schreibt man zweckmäßig 1,2 Die (unterpunktierten)
Grundvektoren zweiter Art sind (vormetrisch) definiert durch die Reziprozitätsbedingungen :
und können auch bestimmt werden als diejenigen Varianten Vektoren zweiter Art, welche jedem Vektor erster Art durch Uberschiebung seine Bestimmungszahlen zuordnen.
Die Bestimmungszahlen eines Tensors s-ter Stufe 21 lassen sich niui- mehr definieren als Überschiebungsprodukte von 31 mit s Grundvektoren, wobei je nach der Art von 2Í Grundvektoren nur erster oder nur zweiter Art oder aus beiden Arten gemischte zu nehmen sind, so daß die Bestimmungszahlen von 2t sich schreiben : 21c* ... oder 21 ix ... oder 21 ix ... nsw. Überschiebungen von 21 mit p (np s) Grundvektoren ergeben Koordinaten p-ten Ranges und (s — p)- ter Stufe von 2t, so daß die Bestimmungszahlen als Koordinaten 5- ten Ranges und skalarer (nullter) Stufe erscheinen. Für die tensorielle Rechnung und invariantentheoretische Überlegung besteht
(7)
Differentialinvarianten und Vektorübertragung.
701
zwischen Koordinaten gleichen Ranges und gleicher Art von Tensoren verschiedener Stufe kein Unterschied. Aus ihnen können deshalb gleichartige Invarianten gebildet werden, so daß die Erzeugung derselben von der Stufe der Tensoren unabhängig wird. Grundlage der algebraischen Invariantenbildung ist natürlich die Kontragredienz der Vektorkomplexe i. und «. Die ersteren transformieren sich gemäß :
(8) '-2w*-
wo die iiberstrichenen Zeichen sich auf das alte Koordinatensystem beziehen. Algebraische Invarianten sind Summen aus Produkten, in denen die L und i. als einzige variante Faktoren stehen und über die kontra- gredienten i und i paarweise summiert wird 7 ). Dabei ist es für die Invarianz gleichgültig, mittels welcher der beiden Produktoperationen 1. und 3. (s. o. S. 699) die Produke gebildet sind. Die einfachsten Invarianten sind die Dimension und der (gemischte) Einheitstensor
(9)
Ist 2hx .. .V Koordinate p-ten Ranges des Tensors 21, so hat der Tensor die Zerlegung p-ten Ranges:
(10) 2Í = Y, 2D ?... V X V X ... X X ¿ .
Skalare Koordinaten ergeben die vollständige Zerlegung des Tensors. Die mit 2Í gleichstufigen Glieder dieser Zerlegung sind die Komponenten p-ten Ranges. Die drei algebraischen Grundoperationen sind gerade diejenigen, welche hinreichen, um mittels der Grundvektoren einerseits den Tensor in seine Bestimmungszahlen abzubauen, andererseits ihn wiederum daraus zusammenzusetzen. Die Koordinaten invarianter Tensoren sind kogredient mit den Produktkomplexen der sie erzeugenden Grundvektoren, daher ebenso wie diese, von erster Transformationsordnung und invariant bei Transformationen der Gruppe T 1 . Die Darstellung eines bei T 1 invarianten Differentialausdrucks durch Koordinaten invarianter Tensoren bedeutet daher die Reduktion desselben bei T 1 .
Ist a ein beliebiger Vektor, so ist bekanntlich die allgemeine (lineare) Vektorübertragung 8 ) durch da = 0 definiert, wo das invariante Differential d einer unendlich kleinen Verschiebung im Felde entspricht und folgende Beziehungen gefordert werden:
(H) =
Q
') Daß Summierungszeichen bezieht sich stets auf paarweise gleiche Zeiger,
diese mögen nun Grundvektorzeiger oder Ableitungszeiger (hochgeschriebene) sein.
8 ) Siehe z. B. Schouten, a.a.O. S. 62ff.
702
F. Krauß.
d (a ± b) = da ± db,
d(pa) = (dp) a -\-p(da) .
Hier ist p ein beliebiger Feldskalar und í> ein Vektor derselben Art wie a.
Wegen der Zerlegbarkeit aller Vektoren nach den Grundvektoren ist eine solche Vektordifferentiation bekanntlich allgemein definiert, wenn die Ableitungen der Grundvektoren t und i in irgendeinem Koordinatensystem
durch beliebige Feldfunktionen festgelegt sind. Wir schreiben im folgenden
d ( )
an Stelle des Ableitungszeichens —p einfach ( ) e . Die Größenkomplexe
e
i« x und i e X sind also die fundamentalen Grundgrößen der allgemeinen Vektorübertragung (gewöhnlich mit r," e und F 0 ¡, bezeichnet). Sie sind Differentialvarianten von zweiter Transformationsordnung-, ihre Transformationsweise ist durch die Kovarianz der i, die Kontravarianz der i und die allgemeinen Differentiationsregeln (11) bestimmt. Beliebig fortsetzbare Vektordifferentiationen höherer Ordnung sind nunmehr ebenfalls definiert. Die Koordinaten der Grundvektorableitungen höherer Ordnung t«° ■■■ und is°- - sind ganze rationale Kompositionen aus den Fundamentalgrößen und ihren Ableitungen (s. u. S. 703, (19)). i e x + xe i ist Koordinate eines invarianten Tensors dritter Stufe (des Einheitsgradienten): (£', fl ) so daß
(12) X s L = &' qix — is X .
Wir können daher auch i- x und ©' qix als fundamentale Grundgrößen ansehen.
Auf Grund der Vektordifferentiation kann in verschiedener Weise eine invariante Differentiation von Tensoren höherer Stufe definiert werden. Ist Sí ein solcher Tensor und sind 31 l x ... y seine Bestimmungszahlen, so erhält man bekanntlich eine kovariante Ableitung 2-1 5 durch Erweiterung in folgender Weise:
(13) 9i e i x ... V — (21 í x ... v) e — ie x ... V — tyine ...V — ... — 'üix . ,.v e .
Eine andere kovariante Ableitung erhält man durch reguläres Durch- dift'erenzieren des vollständig zerlegten Tensors:
(14) 2 (21 < ... v) e x V x ... x i
+ 2 2t Í . . . )' X VB X . . . X i ; . . . -)- 21 1 . . . V X V X . . . X l S .
Die derart entstehenden Gradienten (erster Ordnung) 9 ®) sind Tensoren mit um eins erhöhter Stufe. Der Gradient von 21 wird mit 2t' bezeichnet und es ist also:
(15) %' = 2Wxq, 2I' i? = 2I £? .
°) Scliouten, a. a. O. S. 66.
"") Eine Terminologie, welche den Tensor 2Í' von seinen Koordinaten 21 2 , den ko variant en) Ableitungen, unterscheidet, ist um so mehr geboten, als auf Gebilden (s.u. S. 712) der Gradientprozeß die Querrichtung voraussetzt, die Ableitung aber nicht.
Differentialinvarianten und Vektoriibertragung.
703
Die durch die beiden verschiedenen Definitionen gewonnenen Einheitsgradienten ($' sind entgegengesetzt gleich. Das Verschwinden von ©' oder die äquivalenten Beziehungen
(IG) i&y. — — x e t
haben die Äquivalenz beider Gradientprozesse zur Folge. In beiden Fällen ergibt die Differentiation von Produkten beider Arten zunächst ein Hauptglied, das durch gewöhnliches Durchdifferenzieren der Faktoren entsteht; hinzu treten Zusatzglieder, in die außer den ursprünglichen Faktoren der Einheitsgradient eingeht. Wird letzerer Null, so gilt demnach für die Differentiation allgemein die gewöhnliche Produktregel. Es ist für unsere Überlegungen gleichgültig, welche Art von Gradientbildung gewählt wird. Der Einfachheit halber legen wir im folgenden die zweite Art zugrunde. Bei dieser gilt:
CS'o = 6 ! '=2'i s x¡+2'íXí s , (9Ib) e = 2I e b+2Ib e - Web).
Aus der ersten dieser Formeln kann man (s. o. (12)) alle Ableitungen «••• durch die i e ■ ■ und Gradienten von (£ ausdrücken.
Ist ein beliebiger Ausdruck aus irgendwelchen Tensoren und den Grundvektoren mittels der definierten tensoriellen Zeichen und Operationen erzeugt, so verstehen wir unter seiner vollständigen Zerlegung die Darstellung seiner Bestimmungszahlen durch die Bestimmungszahlen jener Tensoren, die fundamentalen Grundgrößen, sowie die Ableitungen dieser beiden Größenarten nach den Punktkoordinaten. Das Verfahren zur Zerlegung in Koordinaten ist natürlich folgendes: Man überschiebt den direkt, geschriebenen Ausdruck s-ter Stufe mit s Grundvektoren, so daß seine Bestimmungszahlen entstehen. Hierauf zerlegt man jede nicht-skalare Größe (außer den Grund- vektoren), z. B. 9t, in dem Ausdruck vollständig d. h. in ihre Bestimmungszahlen und die Grundvektoren (s. o. S. 701 (10)). An diesem Zerlegungsaggregat werden die Operationen, welche 9t mit anderen Elementen des Ausdrucks verknüpfen, nach den Regeln des Kalküls ausgeführt. Bei Differentiationen von 9t ergeben sich dann Ableitungen der Grundvektoren und der Bestimmungszahlen von 9t. Die ersteren zerlegt man analog unter Einführung der fundamentalen Grundgrößen i e x und i e x. Beispiele:
(18) (div9t);.=2?9te ? A=2;(9t iX x ¥X£ ) e ? A=^(9t ? A) e +2?%xx ¥ e;.+2;9t,Ax I e ? ,
í ear r=2Xi^y. X y.y r ^(cS r )"+2](^}.x,. a 9 + («e p )')x«*r
-f2^i G fx(;.°r) r + 2J(i e i-) z x>. a \ . Die drei invarianten Grundtensoren zweiter, dritter und vierter Stufe:
(S
(20) %iq = i e — Q' j
§ g oi = <" —
704
P. Krauß.
sind Fundamentaltensoren, da, wie die folgenden Betrachtungen zeigen, auf sie alle Invarianten mittels des Gradientprozeßes und algebraischer Komposition reduziert werden 10 ). § ist der verallgemeinerte Riemannsche Tensor. Ç liefert bekanntlich den Seitenexzeß im kleinen Dreick 11 ).
Es ist nunmehr unsere Aufgabe, aus den fundamentalen Grundgrößen charakteristische Grund Varianten (s. o. S. 696) zu bilden und mit ihnen die Zerlegung aller Varianten Elemente in Kern und Rest zu bewerkstelligen.
5. Die charakteristischen Grundvarianten der allgemeinen
Vektor Übertragung.
Wir betrachten die fundamentalen Grundgrößen x, deren Ableitungen sowie Größen der Form i sa "'y. Letztere sind ganze rationale Kompositionen aus jenen, in der vereinfachenden unzerlegten vektoriellen Form geschrieben (s. o. S. 703, (19)). Ein System von Größen (i 8 ?)"'" oder von Größen ie a ---K heiße permutationsfrei (bezüglich der i, o, a, ... ; y. kommt nicht in Betracht), wenn nicht zwei Elemente darin vorkommen, von denen das eine durch Permutation der aus dem anderen
hervorgeht. Ein permutationsfreies System wird vollständig heißen, wenn bei einer festen Höchstordnung der zugelassenen Ableitungen alle Index- kombinationen der t, q, o, ... einmal vertreten sind. Die Transformationsordnung einer Größe (i c x)""' oder i ea "y. ist, da i von erster, r also von. zweiter Ordnung ist usw., gleich der Anzahl der Zeiger i, q , o ,... .
Eine einfache Überlegung zeigt nun, daß ein vollständiges permutat ionsfreies System von der Höchstordnung p sowohl aus Größen (i-y. )"'" wie aus Größen i s "'"y. ein System A^l ist. Wir wählen das letztere System, weil es wegen der vektoriellen unzerlegten Schreibweise die zugehörige Kernbildung vereinfacht.
Das Bedingungssystem B Ti (t ) (s. o. S. 693) ist:
(21) (t y- d A-l °» i + "
(21) ^ "»ft -\ 1, i-*'
10 ) Unter Fundamentaltensoren des Raumes oder eines Gebildes im Räume verstehen wir unabhängige Tensoren von der Art, daß sich aus den Bestimmungszahlen dieser Tensoren und ihrer Gradienten beliebiger Ordnung alle skalaren Differentialinvarianten und Bestimmungszahlen aller invarianten Differentialformen, die durch die Grundbestimmung des Raumes und die Eigengestalt des Gebildes gegeben sind, rein algebraisch d. h. ohne weitere Differentiation komponieren lassen. Auf Gebilden werden dabei sowohl die mit den inneren wie die mit den äußeren Grundvektoren gebildeten Bestimmungszahten zugelassen (s. u. S. 712).
") Siehe Schouten a. a. O., S. 67, wo g mit 2 S j ,' t '' bezeichnet ist.
Differentialinvarianten und Vektorübertragung.
705
Berücksichtigen wir, daß hierdurch
wird, so erhalten wir für Größen ie a ~-x von q -ter Transformationsordnung durch Einsetzen von (8), S. 701, Ausführung der Differentiationen und Transformieren derselben auf die alten (überstrichenen) Koordinaten Transformationsgleichungen der Form:
/ r* r* \ go ... jipa... , ip (J ... j i pes ... / Z \ip es ...
(22) r x = K -fz/ , K: =(£*)
Das z-Glied enthält nur Transformationsableitungen von niedrigerer Ordnung als das A -Glied, außerdem alte Grundvektorableitungen, die den zu co = gehörigen Komplex G m bilden (s. o. S. 693). Infolgedessen ist
auf der rechten Seite das h- Glied durch Transformationen aus T 1 unabhängig vom z- Glied zu variieren. Sind nun die is a --x permutationsfrei, so sind die zugehörigen h- Glieder es auch und daher willkürlich und unabhängig voneinander zu transformieren, da unter ihnen nicht zwei vor- , kommen, die sich bloß durch Vertauschung der Ableitungsindizes i, g, o, ... unterscheiden und somit identisch wären. Hieraus folgt: Ein permuta- tionsfreies System von Größen iß"---x ist frei variant und annullierbar bei T x .
Ist das permutationsfreie System der i" ■■■ k vollständig (von der höchsten Transformationsordnung p), so hat man eine Folge von Trans- formationsgleichungssystemen der Form:
=(ir +^ s
(22') =(L)ie °
^ ' OOT /P \IQGZ i LOGT
r ? = (§*) + z*
Den Indizes sind alle mit der Permutationsfreiheit verträglichen Werte zu erteilen. Wegen der Vollständigkeit des permutationsfreien Systems sind alle Transformationsableitungen als erste Glieder (h- Glieder) der rechten Seiten vertreten. Alle im z- Glied einer beliebigen Gleichung vorkommenden Transformationsableitungen stehen in den voraufgehenden Gleichungen als A -Glieder. Die im ersten System vorkommenden z - Glieder sind wegen (21) Zx e = ï c 'x. Indem man, mit diesem ersten Gleichungssystem beginnend, aus jeder Gleichung das h-Glied ausdrückt und in die folgenden Gleichungen substituiert, erhält man sukzessive alle h -Glieder, d. h. alle Transformationsableitungen bis zur p-ten Ordnung rational und ganz dargestellt durch die ie- x und alte (feste) Grundvektorableitungen. Da überdies permutationsfreie is-x frei variant sind, so folgt:
706
F. Krauß.
Das System der Bestimmungszahlen eines vollständigen permutations- freien Systems aus Ableitungen von Grundvektoren erster Art bis zur (p — l )-ten Ordnung ist ein System A$l d. h. ein in p-ter Ordnung charakteristisches System von Grundvarianten bei der Gruppe T x . Es setzt sich rational und ganz zusammen aus den fundamentalen Grundgrößen der allgemeinen Vektorübertragung und deren Ableitungen von nicht höherer als (p — 2) -ter Ordnung.
Mit diesen A^l können wir nunmehr alle Difïerentialvarianten bis zur p-ten Ordnung und Funktionen aus ihnen in Kern und Rest zerlegen. Dabei brauchen wir, wie wir sehen werden, in unserem speziellen Falle, wo die Stammgrößen Tensoren sind, nicht den allgemeinen Eliminationsprozeß der t { " ] (s. o. S. 693) durchzufuhren, sondern können durch den Gradientprozeß und direkte Einführung der (S, g-, § unmittelbar die Kernbildung vornehmen.
6. Kernbildung mit den Grundvarianten der allgemeinen Vektorübertragung.
Wir betrachten eine beliebige Funktion cp von skalaren Größen der Form 21 IX...V, i e x, x und Ableitungen derselben nach den £,. Die 21 sind bei T 1 invariant, ihre Ableitungen indessen nicht. Diese werden unter Auffassung der 2 lix .. .v als Uberschiebungsprodukte von 2t mit den Grundvektoren nach den Regeln (17), S. 703, ausgeführt. Dadurch drücken sich alle (21 ix ... V y" aus als Aggregate von Uberschiebungsprodukten aus den invarianten 2Í, 2t', 2t", . .., den Einheitsgradienten ..., den bei T x
invarianten Grundvektoren t, i und den ¿e -- und i"---. Die (¿e*)"'" und (i e x)"'" werden in analoger Weise durch die Grundvektoren und die iß" — und iß"--- dargestellt. In dieser Form enthält cp als einzige bei T x variante Elemente, die ¡e" — und iß"-. Die letzteren drücken sich durch die ersteren und die ©", ... aus, so daß die iß a ••• die einzigen Varianten Elemente in cp sind. Die Kernbildung von cp wird dadurch bewirkt, daß man in cp die iß"— durch ihre Kerne ersetzt (s. o. S. 690), so daß auf die Bildung der letzteren alles hinausläuft.
Wir wählen A ( $\ so, daß p der Transformationsordnung der höchsten in cp vorkommenden Ableitung gleich ist. Es seien nun i'ß' a ' T '--x
die Koordinaten einer beliebigen in cp vorkommenden Grundvektorableitung. Dann gibt es in A t ] Elemente i" az ---x, welche Koordinaten eines Vektors ie oz... sind, der sich von i'ß' a ' T ' — nur durch Permutation der Zeiger unterscheidet. Dann ist:
(23) j'e'ffV... = t eai... — w iqot... w tear... _ j'e'ffV...
w lqoX... igt e j ne wirbelartige Bildung, welche sich in Teilwirbel zerlegt,
Differentialinvarianten und Vektorübertragung.
707
die durch Transposition benachbarter Indizes sich ergeben. Unter diesen sind drei Formen zu unterscheiden:
(24) 1. ie az - — 2. — i°er- } 3. _■ t —
Bei 3. stehen die Transpositionen nicht an erster oder zweiter Stelle wie bei 1. und 2. Wesentlich ist nun, daß infolge der Grundforderung en (11), S. 701 f., für die Vektordifferentiation sich 3. auf 2. zurückführen läßt gemäß :
(25) X — jie«"--).
In die Wirbel der Formen 1. und 2. kann man aber g". und § (s. o. S. 703) unmittelbar einführen :
(26) ie az -~ — Q lar ■■■ — LQ) nr , iQOr... _ ¿(Tgr... _ (¡QgOt)*"'.
Die Ausführung der Differentiationen an diesen vektoriellen Überschiebungen von g und § mit den Grundvektoren ergibt Aggregate aus ÜQ;
($", ¡£>"; usw. und Grundvektorableitungen von niedrigerer Ordnung als die ursprüngliche von '•••. Somit drückt sich diese letztere Größe durch ein Element aus A?], Grundvektorableitungen niedrigerer Ordnung und die Fundamentaltensoren (£, § und deren Gradienten aus. Mit den noch vorkommenden Grundvektorableitungen niedrigerer Ordnung verfährt man ebenso, bis alle nicht in A^l enthaltenen i'e'—x durch die A á? und die (£, sowie deren Gradienten eliminiert sind.
Die sich so ergebende Komposition für i'e' (bzw. für die Bestimmungszahlen i'e'°' r '■■■x) ist ein Aggregat von Produkten aus A t], § und Gradienten von ©, sowie den bei T 1 invarianten Grundvektoren.
Diejenigen Produkte, welche keinen Faktor aus A?] enthalten, sind daher bei T 1 invariant, die übrigen aber verschwinden mit den A?]. Also bilden diese letzteren den Rest, die ersteren den invarianten Kern.
Somit gilt der Reduktionssatz der allgemeinen Vektorübertragung: Ist
)'. Die Zerlegung ergibt als Rest:
91 — 91 g' = .¿"91* X (« s * — Q 1 *) = — Jb"9í* X (* e i — * l q ),
wo *' und k " permutationsfrei sind. Dieser Rest verschwindet nicht identisch in den *' und *e. Also hat (9Í«) S — (9íp)' nicht Tensoreigenschaft 12 ).
Nach dem Bisherigen können nach Adjunktion der § zu den
Stammtensoren alle Differentialinvarianten gebildet werden durch Gradientprozeß und rein algebraische Komposition (worunter hier jede Komposition einer Größe aus Koordinaten von Tensoren ohne Differentiationsprozeß verstanden werden soll). Die algebraische Komposition enthält als variante
12 ) Ist der vorgelegte Differentialausdruck
— 31"e*e)x ?
\ /
2 (31 y.ee — 9t' e) £ mit den Vektoren £,ty: 9Í (p)(>") (*)?') (?'*)> so ^aß:
die äußeren Koordinaten des durch 2(/, x bestimmten Tensors sind. Die Vek- ; toren t sind als Vektoren im Vollraum R n erst dann definiert, wenn ein, (n — ra)-dimensionales Kontinuum nicht-tangentialer Verschiebungsvektoren invariant ausgezeichnet ist. Bilden nämlich q 1; q 2 , ..., q„_ m eine Basis dieses pseudonormalen oder, wie wir lieber sagen wollen, quergerichteten Kontinuums, so sind die i als Vektoren zweiter Art im Vollraum definierbar durch:
Jetzt erst definieren auch Koeffizientensysteme mit nicht punktierten, griechischen Zeigern n- dimensional e Tensoren gemäß:
9Í = J^SÍíjíX^xí.
Den durch die (n — ra)-dimensionale Querrichtung definierten Tensor
nennen wir Richtungstensor von R m . Die kovariante Ableitung 91"' eines, (n- dimensionalen) Tensors 9Í ist von der Querrichtung unabhängig und
9Inj — y^h.KXKX i)„j = J}91 {?('»)(»/)
(31)
= y, i X i
13 ) S. z. B. Schouten, a. a. O. S. 136 ff., 173 ff., 183 ff.
712
F. Krauß.
lediglich durch die Übertragung im Vollraum definiert auf Grund der vollständigen Zerlegung von 21:
Dagegen setzt der zugehörige Gradient längs R m , den wir mit 31' bezeichnen, die Querrichtung voraus; denn er ist definiert durch:
(32) 2l' = i;2l e x ? .
Alle Formen, ganz gleich durch welche Art von Bestimmungszahlen sie ursprünglich definiert' sind, können nunmehr als Tensoren im Vollraum, die auf R m verteilt sind, angesehen werden; sie haben äußere Koordinaten und gestatten die soeben angegebene (äußere) Gradientbildung längs R rn , welche wiederum auf Vollraumtensoren führt. Formen, die durch innere Bestimmungszahlen (griechische Zeiger) gegeben sind, lassen, wenn eine innere Maßbestimmung Gix existiert, einen inneren Ableitungs- und Gradientprozeß zu mit Hilfe der aus den (Gix) e gebildeten ChristofEelschen Symbole. Diesen inneren Gradient- und Ableitungsprozeß machen wir dadurch kenntlich, daß wir seine Zeiger in Klammern einschließen: () (,) , () Î -f- + Dí'ot-' +
Kern von i e ° = $R"c0í + (St'cr í) + 9î'o(9î'£>î).
Liegt ein Ausdruck vor, in dem außer bei T 1 invarianten Elementen nur noch frei variante Elemente (z. B. permutationsfreie Tangentialkomponenten 9Î is ...) enthalten sind, so kann man diese alle null setzen, falls der Gesamtausdruck selbst bei T 1 invariant ist. Hierin liegt analog wie oben S. 709 eine Regel der reduzierten Differentiation, wonach man bei der ko Varianten Ableitung algebraischer Invarianten die entstehenden i" ersetzt durch ihre Querkomponenten, die Tensorkoordinaten sind, die i,'~ aber durch diese und (£' ausdrückt.
Hat man die reduzierten Formen, so kommt es im wesentlichen auf die algebraischen Eigenschaften der Gradienten an. Dabei ist zu beachten : Jeder längs R m gebildete Gradient ist, da er die Form x g hat,
tangential an erster Argumentsstelle. Er verschwindet also, wenn er dort mit einem quergerichteten Vektor überschoben wird (s. o. (35)). Die Symmetrie- und Antisymmetrieeigenschaften eines Tensors 3t übertragen sich natürlich auf seine kovariante Ableitung 2l e , so daß 21' an (p-f-l)-ter und (g-(-l)-ter Stelle symmetrisch oder antisymmetrisch ist, wenn 21 es an p-ter und g-ter Stelle war. Ist z. B. & von zweiter Stufe und symmetrisch, so ist &' symmetrisch an zweiter und dritter Argumentstelle, d.h. (ä'hki = %'hik. Unter Berücksichtigung dieser und ähnlicher algebraischer Verhältnisse macht sich das tensorielle Rechnen, verglichen mit dem Rechnen in ska- larer Form, recht einfach. Wir betrachten zum Schlüsse noch näher die wichtigste Spezialisierung: (S' = ^ = £) = 0.
46*
71(3
F. Krauß.
10. Wirbelfreie Vektorübertragung. Taylorkerne. Fundamentaltensoren und Grundformen. Affine Flächengeometrie.
Die Wirbelfreiheit (g = Sp = 0) ist die Bedingung für die Existenz eines Ortsvektors £ mit beliebiger Nullstelle, welcher definiert ist durch:
(36) {dl)H=dt; h .
Dann existiert in R n ein überall affines Koordinatensystem und ist gegeben durch :
(37) 3»° = ^
wo h" die Grundvektoren zweiter Art in der Nullstelle des Ortsvektors bedeuten. Konstante Tensoren haben natürlich in einem solchen Koordinatensystem, welches alle Grundvektorableitungen annulliert, konstante Koordinaten.
Die Grundvektoren i sind nunmehr als Ableitungen £' des Ortsvektors darstellbar. Die Differentiationsfolge ist auch an nicht-skalaren Argumenten vertauschbar. Legen wir die Nullstelle des Ortsvektors in den betrachteten Gebildepunkt, so nimmt die Taylorentwickelung von g (deren Existenz und Konvergenz vorausgesetzt wird) folgende Form an:
(38) £ = 2;^+^^ + ^^^+... .
Wegen der Wirbelfreiheit ist die Permutationsfreiheit der belanglos, und es stellen die Tangentialkomponenten 9Ï«-" das charakteristische System A t ] dar. Sie sind bis zu einer beliebigen Ordnung p in einem beliebigen Punkte P des Gebildes annullierbar. Ein Koordinatensystem von R , in dem dies Verschwinden stattfindet, heiße ein in p-tex Ord-
m ' ' L
nung (in P) tangential-affines, da seine Projektion in den Tangentialraum von R m in p- ter Ordnung äquivalent ist mit einem in diesem gezogenen affinen Koordinatensystem. Da j der von dem betrachteten Punkte P zu einem beliebigen anderen Gebildepunkt gezogene Ortsvektor ist, so ist ein (in P) vollständig tangential-affines Koordinatensystem analog wie im Vollraum gegeben durch:
(39) ïi°=£.
Jede bis zu einer gewissen Ordnung vollständig invariante Spezialisierung des Koordinatensystems auf R m (s. o. S. 696) erzeugt vektorielle Koeffizienten <••• der Taylorentwicklung des Ortsvektors, die mit Eigeninvarianten von R m zusammenfallen. Das tangential-affine Koordinatensystem ist diejenige einfachste Spezialisierung, bei welcher die mit den Taylorkoeffizienten «£••• der Ortsvektorentwicklung zusammenfallenden Eigen- invarianten des Gebildes die Kerne der t®— selber sind.
Differentialinvarianten und Vektorübertragung.
717
Der Taylorentwicklung entspricht die geometrische Vorstellung der Zerlegung des Ortsvektors in einen unendlich vielgliedrigen Streckenzug mit nach Null konvergierenden Gliedern. Jeder Spezialisierung des Koordinatensystems ist dann eine bestimmte Zerlegung zugeordnet, die als eine vektorielle Charakteristik des Koordinatensystems aufgefaßt werden kann. Die einzelnen Glieder des Streckenzuges haben also bei invarianter Spezialisierung invariante Bedeutung, d. h. ihnen entsprechen invariant bei ï\ definierte Längen und Richtungen am Gebilde im Entwicklungspunkt.
Da im tangential-affinen Koordinatensystem die Tangentialkomponenten der ¿e--- verschwinden, so müssen die Kerne der iß — auf R m quer stehen und überdies, wegen 2í = Í£> = 0, symmetrisch sein. Die Kerne der sind also quer gerichtete symmetrische Vektorsysteme, welche als Vektorkoordinaten invarianter Tensoren aufzufassen sind, die wir mit X' 11 , j£ |21 , ... bezeichnen und „Taylorkerne (des Ortsvektors) " nennen. Nach den oben S. 714 f. auseinandergesetzten Regeln erhält man die ersten zwei Taylorkerne ausgedrückt durch den Richtungstensor und seine Gradienten:
$ 12i <^ = 3î";t* t + 3l';L(3r*0 + 9ï'* (Counter der invarianten Entwicklung des Ortsvektors verstehen wir seine Darstellung in der Form:
(41) ? = 9î ? + i f.k + i % [î] lxà
wobei f t = £ t 0 . Das Wesentliche dieser Entwicklung sind die Taylorkerne, welche invariante, für jedes beliebige Koordinatensystem definierte Tensoren sind.
Von dem Begriff der Fundamentaltensoren (s. oben S. 704 Fußnote), der sich auf die reduzierte Darstellung mittels der äußeren Ableitung bezieht, wohl zu unterscheiden ist der übliche Begriff der Grundformen eines Gebildes (nach Art der beiden Gaußschen Grundformen der gewöhnlichen Flächentheorie). Unter diesen versteht man bekanntlich ein System von Formen (mit griechischen Zeigern), deren Koeffizienten, als Funktionen der bekannt, das Gebilde vollständig bestimmen, so daß alle Eigeninvarianten sich aus diesen Koeffizienten und ihren Ableitungen erzeugen lassen. Die Inte- grabilitätsbedingungen, denen die Grundformen genügen müssen, sind nichts anderes, als die Symmetriebedingungen für die durch die Grundformen dargestellten Koordinaten der ¿e--- bzw. für deren Kerne. Sind q i; q„, ... q invariant definierte unabhängige Quervektoren erster Art und q i; q 3 , . .. q n _ m
zugehörige reziproke zweiter Art mit q r q g = (?' '. _ S , so reduzieren sich
( i , r — s
diese Symmetriebedingungen (genau so wie oben S. 707 alle Wirbel sich auf Wirbel der Form 1) und 2) zurückführten) aüf die folgenden:
718
F. Krauß. Differentialinvarianten und Vektorübertragung.
[í e y]i ,e — 0, ||£q r ]i,e—0,
(42) [i ea x]o,a = 0, [i sa q r ]e,o = 0,
[q r 9«x ] e ,„ = 0, [q r ^qj e>(1 = 0.
[ ]., e bedeute hierbei den Wirbel, der entsteht, wenn man von dem Ausdruck in der Klammer den durch Vertauschung der Indizes ,, e hervorgehenden abzieht.
Ist eine innere Maßform © i x definiert, so kann man mittels ihrer die Integrabilitätsbedingungen reduzieren, d. h. die Ableitungen der Formkoeffizienten, die in ihnen vorkommen, durch ihre Kerne, die mit den aus den © i X erzeugten Christoffeischen Symbolen gebildet sind, ersetzen. Setzt man 21 i y. — i ( *> — i" (s. o. S. 712), so sind die durch Zerlegung der und qe entstehenden Formen, welche mit ihren Ableitungen in die Koordinaten der Taylorkerne und die Integrabilitätsbedingungen eingehen :
(43) 1) &ix, 2) 3) < e q,., 4) qfx, 5) qeq s .
Jedes unabhängige Formensystem, aus dem sich dieses Formensystem erzeugen läßt, ist ein Grundformensystem.
Die Spezialisierung dieser allgemeinen Verhältnisse für die gewöhnliche und volumtreu-affine Kurven- und Flächengeometrie 15 ) ist leicht und soll nicht im einzelnen ausgeführt werden. Wir bemerken hier nur, daß die affine Flächentheorie lediglich einen einzigen Fundamentaltensor (s. oben S. 704 Fußnote und S. 712 Fußnote), nämlich einen n-dimensionalen Maßtensor © besitzt, weil infolge der Herkunft dieser Maßbestimmung aus der Krümmung der Fläche die Tensoren 23 (s. o. S. 714), 9Î und die 9Î- Gradienten sich durch © und die ©-Gradienten ausdrücken lassen. Unter den fünf Formen (43) wird 5) Null, 1) und 3) werden identisch; 2) wird -©'<«/ und 4) drückt sich aus den Integrabilitätsbedingungen (42) durch © i y und ($' i y. À aus. Somit bleiben zwei durch den Fundamentaltensor © dargestellte Grundformen übrig:
(44) ©ípí, ©'«*:/.
Die Taylorkerne % u \y., % [i] i.x"/, werden @«^xq und ©'izlx q, wo q der Affinnormalvektor. Die sogen. Apolaritätsbeziehung kann auf Grund dieser Form der Taylorkerne als die Aussage aufgefaßt werden, daß infolge der Tangenti alitât von qe der Kern der Ableitung des von den / gebildeten (affinmetrischen) Parallelogramminhalts verschwindet, oder daß dieser Inhalt im tangential-affinen Koordinatensystem stationär ist, eine Eigenschaft, die für die gewöhnliche Maßbestimmung ebenfalls gilt.
16 ) Vgl. z. B. Blaschke, Vorlesungen über Differentialgeometrie I. u. II., Springer 1923/24, und Schouten a. a. O.
(Eingegangen am 16. 5. 1926.)
Zur Theorie der primären Ringe*).
Von
Rudolf Hölzer f.
Unter einem primären Ring verstellt man einen Ring derart, daß eine Potenz jedes Nullteilers verschwindet. Im Sinne des Übergangs zu Bereichen mit Nullteilern stellt der primäre Ring also den ersten Schritt vom Körper aus dar, insofern dort jeder Nullteiler verschwindet und insofern alle Ringe ohne Nullteiler durch Quotientenbildung auf Körper führen. Entsprechend wie in der Körpertheorie führt die Frage des Aufbaues der primären Ringe auf die Idealtheorie im Polynombereich mit Elementen eines primären Ringes als Koeffizienten. Während aber im Polynombereich mit Koeffizienten aus einem Körper der Teilerkettensatz erfüllt ist und man daher diese Idealtheorie vollständig beherrscht, fehlt hier eine solche Endlichkeitsbedingung.
W. Krall hat in seinen Arbeiten über primäre Ringe 1 ) — die an A. Fraenkel anschließen — eine gewisse allerdings viel schwächere Endlichkeitsbedingung dadurch erreicht, daß er endlichen Exponenten voraussetzte, d. h. indem er annahm, daß eine Potenz des aus allen Nullteilern bestehenden Ideals verschwindet; außerdem setzte er den Ring als speziellen primären voraus, d. h. als einen solchen, der nur Nullteiler und Einheiten enthält. Hier kann er 2 ) durch formal-rechnerische Hilfsmittel, nämlich durch Übertragung des Euklidischeu Algorithmus — der im Spezialfall sich schon bei Fraenkel findet —, im Fall des Polynombereichs einer Unbestimmten eine eindeutige Zerlegung der Polynome in paarweise teilerfremde primäre erreichen; und damit eine eindeutige Zerlegung der Ideale in paarweise teilerfremde Primärideale. Gestützt auf dieses Resul-
*) Rudolf Hölzer, geboren am 30. September 1903, erlag am 2. Juli 1926 der Tuberkulose. Die vorliegende, noch ganz von ihm selbst redigierte Arbeit war als Dissertation gedacht; zum Examen ist es nicht mehr gekommen.
*) W. Krull, Algebraische Theorie der Ringe, I., Math. Ann. 88 (1923), S. 80 bis 122; II., Math. Ann. !)1 (1924), S. 1-46; III., Math. Ann. 92 (1924), S. 183-213.
-) W. Krull, Algebraische Theorie der Ringe, I., Math. Ann. 88 (1923), S. 96.
720
R. Hölzer.
tat, gelingt ihm — wenigstens für „vollkommene"' Ringe — eine weitgehende Typisierung.
Im folgenden wird eine Idealtheorie im Polynombereich von n Unbestimmten eines primären Ringes ohne Voraussetzung einer Endlichkeitsbedingung und mit rein begrifflichen Methoden gegeben. Im Mittelpunkt stehen die Begriffe der Isomorphie und Homomorphie (d. h. der nur in einem Sinne eindeutigen Zuordnung von Ringen zueinander), die es erlauben, aus der bekannten Zerlegung im Polynombereich mit Körperkoeffizienten auf eine solche im Ring-Polynombereich zu schließen. Diese Zuordnung zwischen Ring und Körper tritt bei Krull erst an viel späterer Stelle auf 3 ).
Man gewinnt so als Hauptsatz, wenn man sich vorerst auf spezielle primäre Ringe als Koeffizientenbereich beschränkt, für alle Ideale der Dimension Null eine eindeutige Zerlegung als Produkte von paariveise teilerfremden Primäridealen — was im Spezialfall auf das Krullsche Resultat zurückkommt. Im Fall einer Unbestimmten folgt daraus die Zerlegung der Funktionen.
Geht man zu allgemeinen primären Ringen über, so ergibt hier — unter Benutzung der Resultate von H. Grell 4 ) — der Zerlegungssatz noch für die „ausgezeichneten" Ideale der Dimension Null eine eindeutige Zerlegung in „ausgezeichnete" Primärideale.
Daß für Ideale höherer Dimension die Methode sich nicht direkt übertragen läßt, zeigen zwei von W. Krull herrührende Beispiele.
Die von W. Krull in seinen beiden ersten Arbeiten zur Ringtheorie aufgestellte Theorie der Erweiterungen bezieht sich — abgesehen von der Beschränkung auf „vollkommene" Ringe — nur auf eine ganz besondere Art von Erweiterungen, auf solche nämlich, die sich idealtheoretisch durch Hauptideale beschreiben lassen. Durch diese absichtliche Beschränkung wird es möglich, die Struktur des Ringes weitgehend auf die des zugeordneten Körpers zurückzuführen. Ich mache in § 3, 1 einen Vorschlag, wie man durch Untersuchung eines anderen Idealtyps zur Erfassung der allgemeinen Erweiterung eines primären Ringes gelangen könnte. Ich zeige, wie eine beliebige Erweiterung sich immer in drei charakteristischen Stufen vornehmen läßt, die etwa den Begriffen Nullteiler, transzendent, algebraisch entsprechen. In § 3, 2 zeige ich kurz, wie im Fall rein tran-
3 ) Neuerdings ist Krull einen ähnlichen Weg gegangen, auch teilweise in der Theorie der Erweiterungen, aber immer unter Festhaltung an der Bedingung des endlichen Exponenten. Vgl. seine, im übrigen andere Zwecke verfolgende Note: Algebraische Erweiterungen kommutativer hyperkomplexer Systeme, die in Math. Annalen 97 (1927), Heft 3 erscheinen wird. Die hier gegebenen Entwicklungen sind unabhängig und zeitlich früher entstanden.
4 ) H. Grell, Beziehungen zwischen den Idealen verschiedener Ringe, die in Math. Annalen 97 (1927), Heft 3 erscheinen wird. Vgl. § 6 über den Quotientenring.
Primäre Ringe.
721
szendenter Erweiterungen sich die Begriffe der Körpertheorie direkt übertragen, insbesondere der Begriff des Transzendenzgrades, so daß gleiche Mächtigkeit des Transzendenzgrades die notwendige und hinreichende Bedingung für äquivalente Erweiterungen abgibt. In dem von Krull betrachteten Fall folgt dies direkt aus dessen allgemeinen Sätzen.
§1.
Definitionen und vorbereitende Begriffe.
Definition 1. Ein Ideal q aus 9t ( kommutativer Ring) heißt schwach primär, wenn im Restklassensystem 9t | q eine Potenz jedes Nullteilers verschwindet, stark primär, wenn in 9Î | q eine Potenz jedes Idealteilers der Null verschwindet.
In beiden Fällen heißt q primär; die Gesamtheit p der Elemente aus 9t, die Nullteiler in 9t | q erzeugen, ist ein Primideal, das in q aufgeht und das zugehörige Primideal heißt 8 ).
Jedes starke Primärideal ist zugleich schwaches Primärideal. Im allgemeinen gilt aber nicht die Umkehrung, wie folgendes Beispiel zeigt: sei 9t der Polynombereich von abzählbar vielen Unbestimmten x¡ mit Koeffizienten aus einem Körper; sei ferner
q (^i ? ^'2 î • ■ ■ 5 5 X i Xjç ,.. . ) ( i =|= Je ).
Nullteiler im Restklassenring sind alle und nur die durchp = ,x 2 ,...,x v ...) teilbarem Polynome, und es wird jeweils eine Potenz dieser Nullteiler durch q teilbar; q ist also schwaches Primärideal mit p als zugehörigem Primideal. Dagegen ist q nicht starkes Primärideal, wie man durch Betrachtung von a = (x x , x s , x 5 , ..., X-2V + 1,...) und b == (x s , x¿, x„, ..., x 2v , • • •) erkennt. Es ist a • b see 0 (q), aber a*^0(q), f> K ^0(q) für jedes x.
Ein schwaches Primärideal ist jedoch stets stark primär, wenn es endlichen Exponenten hat, d. h. eine Potenz des zugehörigen Primideals durch q teilbar wird (was z. B. immer der Fall ist, wenn in 9t der Teilerkettensatz gilt 8 )).
Ein Element eines Ringes, das nicht Nullteiler ist, heißt regulär.
Definition 2. Ein Ring 9t heiße allgemeiner primärer Ring, wenn sein Nullideal schwach primär ist und er mindestens ein reguläres Element besitzt; er heiße spezieller primärer Ring, wenn außerdem ein Einheitselement der Multiplikation existiert und jedes reguläre Element Einheit ist — d. h. Teiler des Einheitselementes.
6 ) Vgl. hierzu E. Noether, Abstrakter Aufbau der Idealtheorie in algebraischen Zahl- und Funktionenkörpern, Math. Ann. 96 (1926), S. 26—61, § 5.
6 ) Vgl. etwa E. Noether, Idealtheorie in Ringbereichen, Math. Ann. 83 (1921), S. 24-66.
722
R. Hölzer.
Das zum Nullideal gehörige Primideal eines primären Ringes 9Í sei stets mit p* bezeichnet; p* ist also das System aller Nullteiler von 9Í . Man kann von einem allgemeinen primären Ring immer zu einem speziellen auf eindeutige Weise gelangen vermittelst einer gewissen Quotienten- bildung. Ist allgemein 9Î ein beliebiger Ring, & ein System von regulären Elementen aus 9î, so daß neben a und b auch a-b zu & gehört, so versteht man unter dem durch & erzeugten Quotientenring von 9ï denjenigen Erweiterungsring von 5R, der durch Bildung aller „Quotienten" — wo a
beliebig, b aus @ — entsteht, indem man die Festsetzungen trifft: ~ gleich ^
dann und nur dann, wenn ab' — a' b — 0 und -Ï-- + 7, = a h ,^7 , a b ,
b — 0' ob' '
'¡-■y, = yf/ 7 )- a beliebiges Ideal in 9Î, so bildet offenbar die
Gesamtheit der regulären Elemente a^O(a), für die kein reguläres Element b^ 0(a) existiert, so daß a-6 = 0(a), ein System 05; den hierdurch bestimmtan Quotientenrig 9î„ wollen wir den Quotientenring von 9v nach a nennen. Ist a insbesondere ein Primideal p, das alle Nullteiler enthält, so besteht 9Î,, aus allen Quotienten ~ , wo a beliebig, 0 (p). Ist nun 9Î
allgemein primär, so ist offenbar speziell primärer Ring; diese letzteren sind durch 9î p . — 3Î charakterisiert.
Sind 9Î und 3i' beliebige Ringe, so heißt 9Í 'ho?nomorph zu 3ï', 9i ~ Dî', wenn jedem Element aus 9Ï ein und nur ein Element aus 9ï' entspricht, so daß dabei erschöpft wird und außerdem diese Zuordnung derart beschaffen ist, daß Differenz und Produkt sich entsprechen. Ist das Entsprechen der Elemente umkehrbar eindeutig, so heißen die Ringe isomorph, 9ï ~ Oí'. Ist 9i homomorph zu 9ï', so entspricht jedem Ideal nt aus 9Î ein und nur ein Ideal m' in 9Ï', das entsteht, indem man jedes Element von m durch das ihm in 9Î' entsprechende ersetzt; m ' heiße das zugehörige Ideal von m oder das ihm in 9Î' zugeordnete. Ist umgekehrt m' ein beliebiges Ideal aus 9t', so gibt es im allgemeinen mehrere Ideale n in 9Í, für die n' = nt'; wir nennen sie die zugehörigen von nt', ihren größten gemeinsamen Teiler das größte zugehörige Ideal von nt'. Es gilt der für das Folgende wichtige
Isomorphiesatz. Bedeutet a das größte dem Nullideal von 9î' zugeordnete Ideal von 9Î, und ist in irgendein Teiler von a, so ist ïftj m~9î'|nt' 8 ).
') Der Begriff und die Konstruktion ist vollständig analog der Bildung des Quotientenkörpers bei Steinitz, Algebr. Theorie der Körper, Journ. f. Math. 137; vgl. auch Grell, a. a. 0.
8 ) Vgl. E. Noether, Abstrakter Aufbau . .., g 4, 3, erster Isomorphiesatz.
Primäre Ringe.
723
Sind T 1 und T„ zwei Erweiterungen eines Ringes 3Î, so heißen sie bezüglich 3t äquivalent, wenn sie so isomorph aufeinander bezogen werden können, daß dabei jedes Element von 3Î sich selbst entspricht.
Jedem speziell primären Ring 3t ist eindeutig ein Körper zugeordnet zu dem er homomorph ist, nämlich das Restklassensystem 3î|p*. Im folgenden wird das einem Element a von 31 zugeordnete Element von also die Klasse, die es repräsentiert, stets mit ä bezeichnet, a ~ ä. Ist © ein Erweiterungsring von 3Î, der ebenfalls speziell primär ist, so enthält sein zugehöriger Körper £ einen zu S 1 isomorphen Teilkörper ®', der aus allen Restklassen von £ besteht, die durch Elemente von 3Î repräsentiert werden können ; ersetzt man ft' in 2 durch ® und definiert in naheliegender Weise die Verknüpfungen, so entsteht eindeutig ein Erweiterungskörper £' von wobei @~£'; wir dürfen deshalb der Einfachheit halber £ stets schon in unmißverständlicher Weise als Erweiterungskörper von ¡Tí annehmen. Bedeutet weiter 3i^ den Polynombereich in beliebig viel Unbestimmten mit Koeffizienten aus 3Ï, so ist er dem Polynombereich in der gleichen Anzahl von Unbestimmten mit Koeffizienten aus Sí homomorph, wobei die Homomorphie von 3Î zu Sí umfaßt wird; man braucht offenbar nur jedem Polynom aus 3Î^ mit den Koeffizienten a¡ dasjenige Polynom von zuzuordnen, welches die Koeffizienten ä i besitzt.
Sei 3t ein allgemeiner primärer Ring, 31' der ihm, wie oben erklärt, durch Quotientenbildung zugeordnete speziell primäre und S) dessen zugehöriger Körper. Dann entsteht, wenn man jedes Element von 3t durch das ihm vermöge 3i'~® entsprechende in .fï ersetzt, ein Unterring P von dessen Quotientenkörper £ ist; es ist 3Î~P. Ist ferner © ein allgemein primärer Erweiterungsring von 31, so ist, in analoger Bezeichnungsweise, © <-v, 2 und £ der Quotientenkörper von 2. Schließlich ist auch hier
Satz. 1st 3t primär, so ist auch der Polynomring primär, der aus 31 durch Adjunktion einer Unbestimmtenmenge beliebiger Mächtigkeit hervorgeht 9 ).
Wir führen noch folgende Bezeichnungsweise ein : Das dem Element f{ x) von 3^ zugeordnete in P ; sei mit f(x) bezeichnet, das dem Ideal a zugehörige mit ä, das 3 zugehörige größte Ideal in 3^ mit a* ; es ist o* = (a, pf). Schließlich nennen wir a regulär, wenn a vom Nullideal verschieden,
9 ) E. Noether, Eliminationstheorie und allgemeine Idealtheorie, Math. Ann. 90 (1923), S. 229—261, Hilfssatz I, § 2. Daß dieser Hilfssatz tatsächlich mit dem obigen Satz identisch ist, wird im Fall des Primideals ausdrücklich gesagt und gilt wörtlich so bei Primäridealen. Daß damit auch der Fall einer Unbestimmtenmenge beliebiger Mächtigkeit erledigt ist, folgt direkt daraus, daß jedes einzelne Polynom nur endlich viele Unbestimmten enthält.
724
R. Hölzer.
a =)= (Ö). a heiße voll-regulär, wenn außerdem = 0 (a). Die nicht-regulären Ideale heißen Nullteilerideale; diese brauchen nicht Idealteiler der Null zu sein, wie aus dem Beispiel in § 1 unmittelbar folgt. Jedoch muß von jedem Nullteilerideal mit endlicher Basis eine Potenz verschwinden. Es gilt: Aus a = 0(b) folgt S = 0(b), aber nicht umgekehrt; ebenso folgt aus a-b = c stets a - b = c. Jedem a ist eindeutig ein vollreguläres zugeordnet, nämlich a*; die Zuordnung zwischen den a* und ä ist umkehrbar eindeutig.
§ 2.
Idealtheorie im Polynombereich primärer Ringe.
1. Von jetzt ab sei 9Î ein s-pezieller primärer Ring, in dem also jedes reguläre Element Einheit ist, 9t ^ der Bereich aller Polynome in x 1 ,..x n mit Koeffizienten aus 91.
Eine Funktion aus 9^ heißt regulär, wenn sie mindestens einen regulären Koeffizienten besitzt, sonst Nullteilerfunktion ; die größte vorkommende Exponentensumme mit von Null verschiedenen Koeffizienten heißt die Ordnung der Funktion, die größte vorkommende Exponentensumme mit regulären Koeffizienten ihr Grad. Der Grad einer Funktion ist gleich dem Grad der zugeordneten Funktion in ifty ; aus der Homomorphie zu St^ folgt sofort, daß sich die Gradzahlen bei Multiplikation addieren, insbesondere also, daß die Funktionen positiven Grades keine Einheiten sein können.
I. Die Einheiten von 9^ sind die regulären Funktionen vom Grade
Null.
Eine solche Funktion hat die Form e(x 1 , ..., x n ) — a -f- q{%t, #„)> wo a ein reguläres Element aus 9..., x n ) eine Nullteilerfunktion; e(x 1 , ..., x n ) ist zu dem Hauptideal (q(x 1 , ..., x n )) teilerfremd, also auch zu jeder Potenz von (q(x 1 , ..x n )), mithin zu (0). Zusammen damit, daß Funktionen positiven Grades keine Einheiten sein können, drückt dies die Behauptung von I aus.
Die Gesamtheit der Nullteilerfunktionen von a bildet ein Nullteilerideal u, das Vielfaches von a ist. Ist b echter Teiler von a und bildet u ebenfalls die Gesamtheit der Nullteiler von b, so muß offenbar b echter Teiler von ä sein. Auf dieser Bemerkung beruht
II. In 9^ gilt der Teilerkettensatz modulo pf. D. h. die Kette a ls Ojj, a 8 , ... , wo a¿ echter Teiler von a i _ 1 ist, bricht nach endlich viel Schritten ab, wenn dies für die Kette u x , U 2 , u 3 , ... gilt.
Da nämlich in der Teilerkettensatz gilt, so muß die Kette ttj, ö 3 , a 3 , . .. im Endlichen abbrechen. Sei  eine natürliche Zahl, so daß
Primäre Ringe.
725
Û;. == CU + 1 = ... und U;. = lU-H = ... ; dann ist auch eu = Q;. + i = ..., wie unmittelbar aus der obigen Bemerkung folgt.
III. Jedes Ideal in 9^ besitzt modulo eine endliche Basis ; d. h. es ist a = (f, {x v ..x n ), ..f r {x lt ..x n ), u). III folgt aus II nach bekannten Schlüssen der Idealtheorie 10 ).
Ein Ideal in Sy heiße von der Dimension Null, wenn alle seine zugehörigen Primideale die Dimension Null haben 11 ); a in 9^ heiße von der Dimension Null, wenn a die Dimension Null hat. Ein Ideal der Dimension Null ist sicher regulär.
Satz 1. p ist dann und nur dann Primideal, wenn es vollregulär und p Primideal ist.
Beweis. Daß p voll-regulär ist, ist offenbar notwendig, da sonst ein Element ^O(p) wäre, von dem eine Potenz teilbar wird. Ferner ist nach dem Isomorphiesatz o | p ~ | p, unter o das Einheitsideal von Vftf verstanden. Enthält also ! p keine Nullteiler, so gilt das gleiche für o p und umgekehrt, woraus Satz 1 folgt.
Satz 2. Ein Ideal q von der Dimension Null ist dann und mir dann Primärideal, wenn q primär ist.
Beweis. Man erkennt dies zunächst für das zu q gehörige vollreguläre Ideal q * wie eben aus der Beziehung o ; q * ~ ®^ | q. Zu zeigen ist also: q ist dann und nur dann primär, wenn q* es ist. Sei q* primär. Zunächst ist von jedem Element aus q* eine Potenz durch q teilbar (was allgemein für a* und a gilt). Ist nämlich a ein beliebiges Element aus q*, so enthält q ein Element für das a' = a (¡p*), und es ist mithin für eine natürliche Zahl X: ( a — a')'' = 0, a ; -=0(q). Die Elemente des Primideals p von q * erzeugen also Elemente von 0 | q, von denen eine Potenz verschwindet; somit genügt es zu zeigen, daß die Elemente ^ 0 (p) keine Nullteiler in o | q ergeben.
Dazu bemerkt man, daß p von der Dimension Null ist und die Primideale von der Dimension Null keinen echten Teiler 4= 0 haben. Beides folgt aus der Homomorphie und Satz 1, wenn man beachtet, daß p das zugehörige Primideal von q ist. Sei nun a^0(p), dann ist (a, p) = o. Folglich gibt es ein Hauptideal (ß)=0(p), so daß (a, ß) — o. Ist etwa (/?)"= 0(q), so folgt ( cc,ß") = o , («,q) = o. Das bedeutet aber, daß« eine Einheit in 0 |q erzeugt.
10 ) Vgl. E. Noether, Idealtheorie in Ringbereichen, § 1.
11 ) Zum Dimensionsbegrifi der Primideale — Transzendenzgrad des Restklassen- körpers — vgl. E. Noether, Eliminationstheorie, § 4, Satz 5. Dimension Null heißt also, daß jedes Element des Restklassenkörpers algebraisch in bezug auf den Grundbereich ist.
726
R. Hölzer.
Sei umgekehrt q primär, p das zugehörige Primideal. Die Homo- morphie ergibt q = 0(Ç). Weiter folgt aus der Homomorphie, daß für eine natürliche Zahl q : pe = 0(q) sein muß; ist nämlich eine
Basis von p modulo und etwa /i e ' = 0 (q), ..., f r er = 0 ( q), so braucht man nur Q 2J Qi zu wählen. Da q die Dimension Null hat, folgt aus pe==0(q) bekanntlich, daß q primär ist; also ist nach dem zu Anfang Bewiesenen auch q* primär.
Hilfssatz. Aus (a,£)) = o folgt (3,b) = o und umgekehrt. Aus a , , ... , a k voll-regulär und (a ; , a,.) — o (i =H &) folgt ctj a„.. . a k vollregulär.
Beweis. Daß aus (fl,b) = o folgt (ä,b) = ö, ist evident. Ist umgekehrt (a, b) = ö, so sei etwa f -f- g = ë (ë Einheitselement von f bzw. g aus a bzw. b); dann ist, wenn /', g irgendwelche Polynome aus a bzw. b sind, die f, g vermöge der Homomorphie entsprechen, f-\- g = e'. wo e' eine Einheitsfunktion bedeutet. Hieraus folgt aber e ,_1 • f e' _1 • g = e. Ist ferner (ct¡, a ft ) = o, so ist das Produkt gleich dem Durchschnitt, und da in allen enthalten ist, so gilt dies auch für das Produkt.
Satz 3. In 9Î, läßt sich jedes Ideal von der Dimension Null eindeutig darstellen als Produkt paarweise t eilerfremder Primärideale (von der Dimension Null).
Beweis. Sei a das vorgelegte Ideal und a = q } ... q r die bekannte Zerlegung von a in als Produkt paarweise teilerfremder Primärideale.
Ist q ; * das zu q ¿ gehörige voll-reguläre Ideal, so ist a* = q* ... q* die Zerlegung von a* nach Satz 3. Die Homomorphie ergibt nämlich q* .. . q* = 0 (a*); außerdem folgt aus dem Hilfssatz, daß q*... q r * vollregulär ist, also a* = 0 (q* ... q*). Nach Satz 2 sind überdies die q* Primärideale von der Dimension Null.
Ist das zugehörige Primideal von q*, so sei etwa
J>i = 4, p f *), p r =(h L ,...,h t ,p*);
wir betrachten x 1 = (/j,\ .., f k ), ..., V r ={h } , ...,Ji t ). r t - ist zu p { gehöriges Primärideal von der Dimension Null (r i = p i ). Die Homomorphie ergibt, daß ein Potenzprodukt der r durch ft* teilbar wird. Da, wie beim Beweise von Satz 2 gezeigt wurde, eine Potenz eines jeden Elementes von a* zu a gehört, folgt hieraus, daß auch ein Potenzprodukt der r durch a teilbar ist: r/' 1 ...r/ r = 0 (a) (endliche Basis der r¿!). Sei gesetzt q i =(a,ri li ). Da q t . ein Teiler von p-', so ist q¿ und somit auch q j Primärideal von der Dimension Null. Ferner folgt aus dem Hilfssatz (q¡, q ; .) =o. Es ist a = qj. .. q r die behauptete Zerlegung von a. Nach
Primäre Ringe.
727
Definition von q ; und wegen (q fc ) = o ist nämlich a == 0(qj... q r ). Andererseits ist (a r , a r_1 r* r , ..., r* 1 ... r f Ar ) e = 0(a).
Hiermit ist die Existenz der Zerlegung bewiesen; die Eindeutigkeit folgt nach bekannten Rechenregeln für Teilerfremdheit ia ), aus denen sich wegen der Dimension Null zuerst das Übereinstimmen der Primideale und dann das der Primärkomponenten ergibt. Denn zu verschiedenen Primidealen gehörige Primärkomponenten sind nach dem Hilfssatz teilerfremd, da dies in ® f wegen der Dimension Null erfüllt ist.
Um eine Folgerung aus Satz 3 zu ziehen, beschränken wir uns auf den Fall n — 1.
Im Polynombereich Ül [ x ] einer Unbestimmten x heißen zwei Funktionen fj (x) und f 2 (x) teilerfremd, wenn die aus ihnen abgeleiteten Hauptideale es sind. Der Hilfssatz ergibt, daß f 1 und f„ dann und nur dann teilerfremd sind, wenn dies für f ± und / a gilt. -te Potenz, so enthält a o die reguläre Funktion ( g{x)) e .
Definition 2. a aus © heißt regulär algebraisch in bezug auf 9t, wenn a a reguläres Ideal erster Art ist.
Einen Oberring © nennen wir regulär algebraische Erweiterung von 9t, wenn es ein wohlgeordnetes System von Ringen gibt : 9t, 9t 2 , 9t„,..., 9t„,..., © derart, daß jeder Ring durch Adjunktion eines regulär algebraischen Elementes aus dem vorangehenden hervorgeht oder (falls ein unmittelbar vorangehender nicht existiert) die Vereinigungsmenge der vorangehenden Ringe ist.
II. Der Oberring © ist dann und nur dann regulär algebraische Erweiterung von 9Î, wenn er algebraisch ist und keine neuen Nullteiler enthält, d. h. alle seine Nullteiler schon in 9Î liegen.
Ist zunächst a regulär algebraisch in bezug auf 9t, so ist 9t (a) ~ 9t / .| a a und die Nullteiler von 9t(a) sind diejenigen Elemente, die den aus dem zugehörigen Primideal p 0 hervorgehenden Restldassen entsprechen; diese können aber, da a a Ideal erster Art ist, durch Elemente aus 9t repräsentiert werden, so daß also 9t(a) keine neuen Nullteiler enthält. Ist © eine
47*
J
732
R. Hölzer.
beliebige regulär algebraische Erweiterung von 9Î, so ergibt sich diese Tatsache leicht durch transfinite Induktion.
Ist umgekehrt © eine algebraische Erweiterung von 9t, die keine neuen Nullteiler enthält, so sei a ein Element aus ©, ©' ein beliebiger Zwischenring zwischen 9Î und ©. Dann ist a regulär algebraisch in bezug auf ©'; denn da alle Nullteiler von ©'(a) bereits in 9Ï liegen, so müssen die Restklassen, in die das zum Nullstellenideal gehörige Primideal zerfällt, durch Elemente aus 3i repräsentierbar sein. Hiernach kann man mit Hilfe des Wohlordnungssatzes eine verlangte Kette von Ringen leicht konstruieren.
Jede algebraische Erweiterung © von 9Ï zerfällt eindeutig in eine Nullteilererweiterung (durch Adjunktion von Nullteilern entstehende) und eine darauf folgende regulär algebraische Erweiterung. In der Tat braucht man offenbar nur alle Nullteiler von © zu 9v zu adjungieren, um eine solche Zerlegung zu erhalten; daß es keine andere derartige Zerlegung gibt, ist ebenfalls evident.
Definition 3. Ein transzendentes Element a aus © heiße regulär transzendent in bezug auf 9Î, wenn n„ Ideal erster Art ist.
Entsprechend heiße ein Oberring © regulär transzendente Erweiterung von SR, wenn es ein wohlgeordnetes System von Ringen gibt: 9Î, 9îj, 9Î 2 , ..., 9î a , ..., © derart, daß jeder Ring durch Adjunktion eines regulär transzendenten Elementes aus dem vorangehenden hervorgeht oder (falls ein unmittelbar vorangehender nicht existiert) die Vereinigungsmenge der vorangehenden Ringe ist.
III. Der Oberring © ist dann und nur dann regulär transzendente Erweiterung von 9Ï, ivenn er transzendent ist und keine neuen Nullteiler enthält.
Die Richtigkeit ergibt sich genau wie bei II. Ebenso zerfällt, wenn S rein transzendente Erweiterung von Sí ist, © eindeutig in eine Nullteilererweiterung und eine darauf folgende regulär transzendente.
Ein beliebiger Oberring © von 9Î zerfällt der Reihe nach in 1. eine Nullteilererweiterung, 2. eine darauf folgende regulär transzendente, 3. eine darauf folgende regulär algebraische Erweiterung. Man braucht eben nur alle Nullteiler von © zu 9Î zu adjungieren und dann I zu benutzen, indem man beachtet, daß jede Erweiterung eines Körpers in eine rein transzendente und eine darauf folgende algebraische zerfällt. Lassen sich diese drei Stufen jeweils durch Adjunktion endlich vieler Elemente erreichen, so wollen wir © einen endlichen Oberring nennen. Dann gilt nach dem V orangegangenen:
Ein beliebiger endlicher Oberring © des primären Ringes 9Ï entsteht,
Primäre Ringe.
733
indem man 1. in 9t^ ein Ideal q x zweiter Art Null setzt, 9t' = 9t / jq 1 ; 2. in 9t/ ein nicht reguläres Ideal erster Art q 2 , 3i" = 9^' | q 3 ; 3. in îft" ein reguläres Ideal erster Art q 3 , @ = ©^"|q 3 .
Da man jeden beliebigen Oberring von 9t aus endlichen Oberringen aufbauen kann, so reichen also die beiden angegebenen Typen von Idealen zur Beschreibung dieser allgemeinsten Erweiterung aus. Hiermit ist die wesentliche Frage aufgeworfen, wann zwei reguläre Erweiterungen bezüglich 9t äquivalent sind, d. h. wie weit man aus der Definition der Ideale erster Art auf Isomorphie ihrer Restklassenringe schließen kann.
Diese Betrachtungen bleiben gültig, wenn man als Grundbereich 9Î einen speziellen primären Ring wählt. Unter einem Oberring © von 9t verstehen wir dann einen solchen Erweiterungsring von 9Ï , der ebenfalls speziell primär ist. Ist S ein System von Elementen aus ©, so bedeutet 9 l(S) den Durchschnitt aller in © gelegenen Oberringe von 9t, die alle Elemente von S enthalten; 9t ( /S ) ist wieder Oberring. Ein reguläres Ideal a in 9^ ist dann und nur dann Nullstellenideal, wenn es primär ist, kein Element aus 9t enthält und die Dimension Null hat; denn dann hat das zugehörige Primideal keinen von o verschiedenen echten Teiler und im Restklassenring nach a werden alle regulären Elemente Einheiten. Definition 1 und 2, sowie I und II und die Zerfällung der algebraischen Erweiterungen gelten auch hier. Die Definition der regulär transzendenten Erweiterungen gestaltet sich etwas anders. Man betrachtet hier zweckmäßig nicht Nullstellenideale in 9^, sondern Nullteilerideale u im Quotientenring SR* von 9t ; - nach p*; u heiße dann ganz analog Ideal erster Art, wenn jeder Nullteiler von 9L* modulo u einem Element aus 9t kongruent ist. Modifiziert man Definition 3 in diesem Sinne, so bleibt III und das obige Schlußresultat bestehen.
2. Ich zeige noch kurz, wie sich im Falle rein transzendenter Erweiterungen die Begriffe der Körpertheorie direkt übertragen.
a aus © heiße total transzendent, wenn ct a = (0); © heiße rein transzendente Erweiterung von 9t, wenn es ein wohlgeordnetes System von Oberringen gibt: 9t, 9t 15 9t 3 , .. ., 9t„, ..., ©, derart, daß jeder Ring durch Adjunktion eines total transzendenten Elementes aus dem vorangehenden hervorgeht oder (falls ein unmittelbar vorangehender nicht existiert) die Vereinigungsmenge der vorangehenden Ringe ist. Analog der Körpertheorie gilt:
IV. Ist © rein transzendente Erweiterung von 9t, so ist jedes Element von © total transzendent ; ausgenommen sind nur die Nullteiler und diejenigen Elemente, die sich als Summe eines regulären Elementes aus 9t und eines Nullteilers darstellen lassen.
734
R. Hölzer.
Daß diese letzteren Elemente ausgeschlossen sind, ist natürlich klar, denn sie genügen Gleichungen der Form xe = 0 bzw. (x — a) c ' — 0. Ist a ein von diesen verschiedenes Element und 9î, 9R 1} .. 9î a , ..© ein System von Ringen nach Definition, ferner 9t r der erste Ring, in dem a vorkommt, so existiert offenbar ein vorangehender Ring 9t r -i- Für. durch Adjunktion eines total transzendenten Elementes entstehende Erweiterungen. d. h. für den Polynombereich einer Unbestimmten, ergibt sich die Behauptung aber wie folgt. Ist f{x) eine Funktion positiven Grades, so sei etwa a 0 -f- a x f(x) + ... + a n (f(x)) = 0 eine Gleichung niedrigsten Grades, der f(x) genügt (a { aus 9t, a o 4=0); hieraus würde folgen: f(x) (a 1 -f- a 3 f(x) + ... -f a n {f(x)) n ^ 1 = a„. Da f(x) in einem geeigneten Erweiterungsring eine Nullstelle besitzt (man braucht nur zum Restklassenring nach dem Hauptideal (f{x)) überzugehen), ist diese Beziehung unmöglich.
V. Ist { ... a„ ... } ein wohlgeordnetes System von Elementen aus einem Oberring ©, und a„ total transzendent in bezug auf den durch Adjunktion seines Abschnittes zu 9t hervorgehenden Ring, so ist a„ auch total transzendent in bezug auf den Ring, der aus 9t durch Adjunktion aller übrigen a T entsteht. Der Beweis kann wörtlich wie in der Körpertheorie geführt werden 15 ).
Ein System S von Elementen aus © heiße irreduzibel, wenn jedes seiner Elemente total transzendent ist in bezug auf den durch Adjunktion der übrigen Elemente entstehenden Ring. Wegen V ist ein Oberring dann und nur dann rein transzendent, wenn er durch Adjunktion eines irredu- ziblen Systems erhalten werden kann. Ist nämlich © rein transzendent und 9Î, 9t i; ..., 9t ,r, ..., © ein System von Ringen nach Definition, bedeutet ferner S das System der primitiven Elemente derjenigen Ringe 9t„, die unmittelbar vorangehende besitzen, so ist 9t(/S)=© und S nach V irreduzibel; ist umgekehrt S irreduzibel, so kann man vermittelst des Wohlordnungssatzes leicht ein definitionsgemäßes System von Ringen für 9 i(S) aufstellen.
Zwei verschiedene Elemente des irreduziblen Systems S können offenbar nicht nach dem Ideal aller Nullteiler von © kongruent sein; daher haben S nnd S stets gleiche Mächtigkeit, wenn S das homomorphe System in Z bedeutet. Ist ferner S irreduzibel in bezug auf 9Î, so ist, wie man sich leicht überzeugt, S irreduzibel in bezug auf St, und ist S erzeugendes irreduzibles System von ©, d.h. 9t($) = ©, so ist auch $($) = £. Bei Körpererweiterungen haben nach Steinitz alle erzeugenden irreduziblen Systeme gleiche Mächtigkeit; aus dem eben Bemerkten folgt, daß sich dies
") Vgl. etwa Steinitz.
Primäre Ringe.
735
vermittelst der Homomorphie ohne weiteres auf primäre Ringe überträgt. Wir können also auch hier einen „Transzendenzgrad" als die gemeinsame Mächtigkeit aller erzeugenden irreduziblen Systeme definieren; der Transzendenzgrad von © in bezug auf ist gleich dem von £ in bezug auf
Haben © x und ©., gleichen Transzendenzgrad r, so sind sie bezüglich 9î äquivalent; für r = 1 ist dies unmittelbar klar, allgemein folgt es durch transfinite Induktion. Sind umgekehrt n liât. Jede 7i-dimensionale separable Menge enthält eine in ihr abgeschlossene Menge, deren jeder relativ offene Teil n- dimensional ist.
I. Teil.
Über die nulldimensionalen Mengen.
Einige Eigenschaften der nulldimensionalen Mengen.
Die nicht leere Menge M eines metrischen Raumes heißt nulldimensio- nal, wenn auf jeden Punkt von M eine Folge von Teilmengen von M sich zusammenzieht :s ), deren Begrenzungen in M 4 ) leer sind. Desgleichen kann man zur Definition der nulldimensionalen Mengen die Forderung benützen, daß zu jedem Punkt p von M und zu jeder Umgebung U von p eine Zerlegung von M in zwei zueinander fremde und in M abgeschlossene Mengen
3 ) Man sagt, eine Mengenfolge { M n } zieht sich auf den Punkt p (auf die Menge M) zusammen, wenn p ( M ) in allen M n enthalten ist und wenn in jeder Umgebung von p ( M) fast alle M n enthalten sind.
4 ) Mit M bezeichnet man die abgeschlossene Hülle von M . Ist M Teilmenge der Menge A, dann bezeichnet man als Begrenzung von M in A die Menge M- ( A — AI) 4- (A-M)-M.
738
W. Hurewicz.
existiert, so daß eine der beiden Mengen den Punkt p enthält und in U enthalten ist.
Aus diesen Definitionen folgt unmittelbar, daß jeder Teil einer null- dimensionalen Menge nulldimensional ist. Wir charakterisieren ferner die nulldimensionalen Mengen durch eine Zerlegungseigenschaft, die wir mehrmals verwenden werden. Dabei beschränken wir uns, wie im folgenden überhaupt, auf separable Mengen, d. h. auf Mengen, in denen eine abzählbare Teilmenge dicht liegt.
Satz I. Damit eine separable Menge M nulldimensional sei, ist notwendig und hinreichend, daß M für jede positive Zahl e in abzählbar viele paarweise fremde, in M offene Mengen mit Durchmessern < e zerlegt werden könne.
Die Bedingung ist notwendig. Sei nämlich M eine nulldimensionale separable Menge und sei e > 0 gegeben. Zu jedem Punkt p von M existiert eine p enthaltende Teilmenge V(p) von M, deren Begrenzung im M leer und deren Durchmesser < e ist. Die Mengen V(p) und M — F(p) sind in M offen. Es gibt nach dem verallgemeinerten Boreischen Theorem unter den Mengen V(p) abzählbar viele, etwa die Mengen V x , V. 2 , ..., V n , ..., deren Summe M ist. Setzen wir dann TJ 1 = V 1 und für n > 1 U n — V n • (Ii—T^)- (M — 7 a )... (M — dann sind die Mengen U n , als
Durchschnitte endlich vieler in M offener Mengen, in M offen; sie sind ferner paarweise fremd und ihre Durchmesser sind < e und ihre Summe ist M.
Die Bedingung ist hinreichend. Angenommen nämlich, M könne für jedes s > 0 in eine Folge { U n } von in M offenen Mengen mit Durchmessern < e gespalten werden; dann sind auch die Mengen M— U n , als Summen von in M offenen Mengen, in M offen. Daher sind die Begrenzungen der U n in M leer, und es existiert mithin zu jedem Punkt p von M und zu jedem e > 0 eine Teilmenge < e von M, die p enthält und deren Begrenzung in M leer ist. Also ist M nulldimensional.
Per definitionem wird für eine nulldimensionale Menge bloß gefordert, daß sich auf jeden ihrer Punkte eine Folge von Relativumgebungen mit leeren Relativbegrenzungen zusammenziehe, oder, was, wie man leicht einsieht, auf dasselbe hinauskommt, daß sich auf jeden ihrer Punkte eine Folge von Umgebungen mit zur Menge fremden Begrenzungen zusammenziehe. Daß dasselbe für jeden beliebigen Punkt des Raumes gilt, wollen wir nunmehr beweisen. Wir nennen dabei in üblicher Weise zwei Mengen il/j und il£, getrennt, wenn die Beziehung besteht M 1 ■M^-\-M 1 -M„ = 0, und stützen uns, wie auch mehrmals im folgenden, auf den Tietzeschen Satz 4a ) :
* a ) Vgl. Tietze, Math. Annalen 88, S. 310. — Als Menge U des Satzes kann beispielsweise die Menge aller Punkte genommen werden, deren Abstand von M L kleiner ist als von Mo ■
Normalbereiche und Dimensionstheorie.
739
Sind die Mengen M 1 und M„ getrennt, dann gibt es eine offene Menge U derart, daß M i 0 vorgegeben. Wir bezeichnen mit U(p;e) die Menge aller Punkte, die von p einen Abstand 0 eine Umgebung von N U(N)< U(N, e ), deren Begrenzung zu M fremd ist. Ist die Menge N in N + M abgeschlossen, dann gibt es zu jeder Umgebung U von N eine Umgebung V < U von N, deren Begrenzung zu M fremd ist.
Zum Beweis der ersten Hälfte von Satz III hat man bloß im Beweis von Satz II den Punkt p durch die Menge N zu ersetzen.
740
W. Hurewicz.
Zum Beweis der zweiten Hälfte bezeichnen wir für jede natürliche
Zahl k mit N k die Menge aller Punkte von N, deren Abstand vom Kom-
1 °°
plement CU der Menge V > -r ist. Es ist dann N = £ N k . Zu jeder
. * =1
Menge N k existiert nach dem bereits bewiesenen Teil von Satz III eine
Umgebung V k mit zu M fremder Begrenzung, so daß N k < F, c < U [N]
CO
gilt. Setzen wir V = JS V k , dann ist F eine Umgebung von N und es
k= 1
gilt V < U. Die Begrenzung von F ist zu M fremd. Denn angenommen, p wäre ein Punkt von M auf der Begrenzung von F. Da N in N + M abgeschlossen ist und p außerhalb N liegt, gibt es eine natürliche Zahl m
1 . 33
derart, daß der Abstand zwischen p und N > — ist. Setzen wir Vm = 5] V i ;
/ i\ m . _
dann gehört wegen F,*< U [N ; — J der Punkt p nicht zu V 7 *. Mit Rücksicht auf V— V 1 + F 2 + • • • + müßte daher p auf der Begrenzung einer der Mengen V t , F 2 ,.. V m _ 1 liegen, was der Voraussetzung widerspricht, daß die Begrenzungen dieser Mengen zu M fremd sind. Damit ist auch der zweite Teil von Satz III bewiesen.
Wir können nunmehr die nulldimensionalen Mengen durch das Verhalten der relativ abgeschlossenen Mengen charakterisieren.
Satz IV. Damit die separable Menge M nulldimensional sei, ist notwendig und hinreichend, daß es zu je zwei zueinander fremden, in M abgeschlossenen Mengen N 1 und A 7 „ zwei ebensolche Mengen gebe, so daß
N ± < M t , N„ < M„ M 1 + M i = M
gilt.
Die Bedingung ist notwendig. Seien nämlich N 1 und zwei zueinander fremde, in der nulldimensionalen Menge M abgeschlossene Mengen. Das Komplement C(N„) von iS r „ ist eine Umgebung von N t . Nach Satz III existiert also eine Umgebung U < C(N S ) von N x mit zu M fremder Begrenzung. Die Mengen M 1 = U- M und M,, — M — M l sind zueinander fremd, in M abgeschlossen und es gilt N 1 < M x , N„ < i¥ 2 .
Die Bedingung ist hinreichend. Angenommen nämlich, sie sei erfüllt und es sei p ein beliebiger Punkt von M, V eine Umgebung von p. Die Mengen (p) und M—U sind zueinander fremd und in M abgeschlossen. Es existiert also eine Zerspaltung von M in zwei in M abgeschlossene Mengen M x und M„, so daß ( p)0 Summe sei von endlich vielen (bzw. von einer Nullfolge von) zueinander fremden, in M abgeschlossenen Mengen, deren Durchmesser < e sind.
Wir beweisen zunächst die Notwendigkeit der Bedingung 7 ). Ist M eine kompakte nulldimensionale Menge und e > 0 gegeben, dann existiert zu jedem Punkt von M eine Umgebung mit Durchmesser < e und mit zu M fremder Begrenzung. Nach dem Boreischen Theorem ist M schon in der Summe von endlich vielen unter diesen Umgebungen, etwa von U 1 , U 2 , ..., U n , enthalten. Setzen wir A 1 =U 1 -M und A m = [U m — (U 1 + Z7 2 + ... + Ï7 m _i)] • Jtí (ra = 2,3...), dann sind die Mengen A m , wie man leicht sieht, in M abgeschlossen und zueinander fremd, und es gilt M = A t + Ä, + ... + A n .
co
Sei nun M eine halbkompakte nulldimensionale Menge, also M= M n ,
n=1
wo die M n kompakte nulldimensionale Mengen sind, und sei e > 0 vorgelegt. Die Menge M n ist nach dem eben Bewiesenen enthalten in der Summe von endlich vielen Umgebungen, deren Begrenzungen zu M fremd und deren Durchmesser < ~ sind. Die für alle Mengen M n auf diese Weise definierten Umgebungen kann man in eine Folge {U { } von Umgebungen mit gegen Null konvergierenden Durchmessern anordnen. Setzen wir dann A m = [U m — (U t . + U m _ i)] • M, so genügen die
Mengen A m offenbar den Forderungen von Satz V.
ö ) Vgl. Menger, Monatshefte f. Math. u. Phys. 34 (1924), S. 148.
5a ) (Zusatz bei der Korrektur): Für die Gültigkeit der folgenden Charakterisierungen ist natürlich nur erforderlich, daß die Menge in irgendeinem sie umfassenden metrischen Raum kompakt bzw. halbkompakt sei. Für das letztere ist nach Hausdorff (Mengenlehre, 1914, S. 311) notwendig und hinreichend, daß die Menge total beschränkt (d. h. für jedes «>0 Summe von endlich vielen Mengen mit Durchmessern < e) bzw. Summe von abzählbar vielen total beschränkten Mengen sei.
e ) Vgl. Menger, Wiener Ber. 133 (1924), S. 421.
') Dieser Beweis entsteht durch Kombination des Satzes 11 mit einem von Menger oft verwendeten Verfahren. — (Zusatz bei der Korrektur): Der Beweis von Satz V läßt sich sehr einfach auch ohne Benützung von Satz II auf Grund der totalen Beschränktheit von M erbringen.
742
W. Hurewicz.
Den Beweis dafür, daß die Bedingungen von Satz V auch hinreichend seien, stützen wir auf den folgenden
CO
Satz VI. Ist M = 2J A n , ivo die Mengen A n eine Nullfolge von
n=i
•paarweise fremden, in M abgeschlossenen Mengen darstellen, dann gibt es zu jeder der Mengen A n und zu jeder Umgebung U von A n eine Umgebung V < U von A n , deren Begrenzung zu M fremd ist.
Wir beweisen die Behauptung etwa für die Menge A 1 und für die vorgelegte Umgebung U 0 von A 1 . Es sei {A*} die Teilfolge der Folge {A n }, welche aus allen Mengen A n besteht, die mit der Begrenzung B (U 0 )
von U 0 mindestens einen Punkt gemein haben. Wir zeigen zunächst, daß
°° *
die Menge P 0 = Ai in M abgeschlossen ist. Sei zu diesem Zweck p
n=l
ein zu M gehöriger Häufungspunkt von P 0 . Gehört p zu B(U 0 ), dann gehört p per definitionem auch zu P 0 . Liegt aber p nicht in B(U 0 ), dann ist der Abstand zwischen p und B(U 0 ) positiv, etwa = r > 0. Sei dann die natürliche Zahl m so gewählt, daß die Durchmesser aller
* • .CO .
Mengen A n , für n^_m, kleiner als r sind. Die Menge A m+1e besitzt den
k=0
Punkt p nicht als Häufungspunkt; also ist p Häufungspunkt der in M
m — L ^
abgeschlossenen Menge £ A n und gehört folglich zu P 0 . Die Menge P 0
11=1
ist also abgeschlossen.
Die Mengen A 1 und P 0 -)- A., sind in M abgeschlossen und zueinander fremd ; sie liegen daher getrennt. Es gibt daher eine offene Menge U 1 mit folgenden Eigenschaften : P 0 -f- A„ < U x , U 1 ■ A 1 = 0. Sei nun P i die Summe aller Mengen der Folge {A n }, welche zur Begrenzung B (U^ von ZTj nicht fremd sind. P t ist wiederum in M abgeschlossen und zu P 0 -f- A.-, fremd. Wir unterscheiden zwei Fälle :
a) A 3 ist Teilmenge von P 1 . Dann sind die Mengen P x + A s = P 1 und P 0 -f A 2 getrennt.
b) A 3 ist nicht Teilmenge von P 1 . Dann ist P 1 -^4 3 = 0 und die Mengen P t und 7 J 0 + A 2 + A s sind getrennt.
In beiden Fällen gibt es eine offene Menge £7 2 mit der Begrenzung B(U„), so daß folgende Bedingungen erfüllt sind:
P i 0 Summe einer Nullfolge von paarweise fremden, in M abgeschlossenen Mengen < s. Ist dann ein Punkt p von
CO
M und ein e > 0 vorgegeben, dann können wir M = 2J A¡ setzen, wobei
n=l
p im A 1 liegt, A 1 < U(p: e ) gilt und die Mengen A n den Voraussetzungen von Satz VI genügen. Es existiert dann, dem Satz VI zufolge, eine Umgebung V von p, mit zu M fremder Begrenzung, so daß A 1 < V < U(p; s) gilt. Also ist M nulldimensional. Damit ist Satz V in allen Stücken bewiesen.
Es seien noch zwei Nebenergebnisse erwähnt, welche durch den Beweis von Satz V mitbewiesen sind : a) Eine zusammenhängende Menge M kann nicht in eine Folge von paarweise fremden in M abgeschlossenen Mengen mit gegen Null konvergierenden Durchmessern gespalten werden 9 ). Dies ist eine unmittelbare Folge von Hilfssatz 2.
b) Bilden die Komponenten oder die Quasikomponenten 9 ) einer Menge M eine Nullfolge, dann stimmen die Komponenten und die Quasikomponenten von M überein. Nehmen wir erstens an, die Komponenten {A n ) der Menge M bilden eine Nullfolge. Seien p und q zwei Punkte von M, die zu verschiedenen Komponenten, etwa zu A ± und A m gehören. Da die A n in M abgeschlossen sind, können wir auf die Folge {A n } den Satz VI anwenden. Es existiert also eine offene Menge V mit zu M fremder Begrenzung, so daß A 1 < V gilt und q nicht in V liegt. Dann liefert die Formel M — M • V -f- (M — M- F) eine Zerlegung von M in zwei in M abgeschlossene Mengen, von denen die eine den Punkt p, die andere den Punkt q enthält, p und q gehören also zu verschiedenen Quasikomponenten. Folglich stimmen die Komponenten und die Quasikomponenten von M überein.
Nehmen wir zweitens an, die Quasikomponenten von M bilden eine Nullfolge {B n }. Die B n sind in M abgeschlossen. Wären die Kompo-
7a ) (Zusatz bei der Korrektur): Satz VI läßt sich einfacher beweisen, wenn
man folgende leicht beweisbare Tatsache benützt: Sind M l und M., in M abgeschlossene
Mengen und gibt es unter den Mengen A¡ keine, die sowohl mit M 1 als auch mit M.,
Punkte gemein haben, dann existieren zwei offene Mengen und U„ > , so
daß keino Menge A¡ g'eichzeitig mit U t und U« Punkte gemein hat.
8 ) Nach Sierpiñski (Tôkohu Math. J. 13, S. 300) kann man gewisse nichtbeschränkte Kontinua in abzählbar unendlich viele paarweise fremde Teilkontinua zerlegen.
9 ) Vgl. Hausdorff, Grundzüge der Mengenlehre 1914, S. 248.
Normalbereiche und Dimensionstheorie.
745
neiiten mit den Quasikomponenten von M nicht identisch, so ließe sich mindestens eine der Mengen B n , etwa B 1 in zwei in B 1 und mithin in M abgeschlossene, zueinander fremde Mengen B[ und Bi zerlegen. Auf die Folge Bí, B¡ , B„, B :i , ..B u , ... kann man Satz VI anwenden und daraus wie oben folgern, daß je zwei Punkte p und q, von denen der eine injBÍ, der andere in liegt, in verschiedenen Quasikomponenten von M liegen, im Widerspruch zur Annahme, B\_ — Bi + sei eine Quasikomponente von 31.
§2.
Über die Summen nulldimensionaler Mengen.
Bekanntlich ist die Summe zweier nulldimensionaler Mengen (wie schon aus der Zerlegbarkeit der Strecke in die nulldimensionale Menge aller rationalen und die nulldimensionale Menge aller irrationalen Punkte hervorgeht) nicht notwendig nulldimensional. Menger 10 ) und Urysohn 11 ) haben aber bewiesen, daß die Summe abzählbar vieler nulldimensionaler kompakter abgeschlossener Mengen und mithin die Summe abzählbar vieler nulldimensionaler halbkompakter F„ 12 ) stets nulldimensional ist. Wir gehen nunmehr daran, einen wesentlich allgemeineren Satz zu beweisen :
Satz VII. In einem separablen Raum ist die Summe abzählbar vieler abgeschlossener nulldimensionaler Mengen nulldimensional.
CO
Sei M = J£M n , wo die Mengen M n abgeschlossen und nulldimen-
n= 1
sional sind. Sei ein Punkt p von M und eine Umgebung U von p beliebig vorgegeben. Wir haben zu zeigen: Es gibt eine Umgebung F von p < U, deren Begrenzung zu M fremd ist.
Da M 1 nulldimensional ist, existiert eine Umgebung F 3 V ., die Menge aller Unstetigkeitspunkte von M mit M fl , und untersuchen nun, indem M ein für allemal als separabel vorausgesetzt wird, diese beiden Mengen näher. Nach einem Satz von Menger und von Urysohn ist M,, ein G a , M-,, ein F„\ 1S ) ferner ist klar, daß die Menge M ■ M„ nulldimensional ist, denn jeder ihrer Punkte ist ja Unstetigkeitspunkt sogar von M.
Bezeichnen wir mit M* die abgeschlossene Hülle von M-,. -M in M, so folgt aus M = M ■ M fl + M* auf Grund von Satz VIII:
Satz IX. Jeder Punkt von M>. ist ein Stetigkeitspunkt der Menge M*.
Aus diesem Satz ergeben sich zahlreiche Folgerungen. Zunächst ist jeder Punkt von M>_ als Stetigkeitspunkt von M* auch Häufungspunkt von dieser Menge und mithin von M-M>.. Es gilt also:
Satz X. Die Menge M -Mi ist entweder leer oder insichdicht und dicht in M;..
Nennen wir ferner eine Menge nirgends nulldimensional, wenn sie keine in ihr offene nulldimensionale Menge enthält 14 ); dann gilt:
Satz XI. Die Mengen M, i und M* sind entiveder leer oder nirgends nulldimensional.
Mit Rücksicht auf Satz X genügt es zu beweisen, daß M * nirgends nulldimensional ist (denn M* ist dicht in Mj). Sei etwa U eine offene Menge derart, daß U-M* +0 ist. In U liegt ein Punkt p von M>.. Nach Satz IX ist p ein Stetigkeitspunkt von M* und somit von U-M\ . Also ist V ■ M * nicht nulldimensional und daher ist M-M* nirgends nulldimensional.
Satz XII. Jede separable Menge M kann auf eine einzige Weise in zwei Mengen M 1 und M 2 zerlegt iverden, so daß M 1 nulldimensional und M„ entiveder leer oder in M abgeschlossen und nirgends nulldimensional ist.
Angenommen, es gäbe zwei solche Zerlegungen M=M 1 J r M. 2 und M = Ml + M> . Da M. 2 in M abgeschlossen ist, existiert eine Umgebung U, so daß U-M , da diese Menge nirgends null-
13 ) Menger (Monatshefte 34, S. 141) beweist dieB folgendermaßen: Für jede natürliche Zahl n ist die Menge M u aller Punkte, die eine Umgebung mit zu M fremder
1 00
Begrenzung und einem Durchmesser < — besitzen, offen und es gilt M u = IT :
M n=l
also ist Mfi ein Gä.
14 ) Die oben als nirgends nulldimensional bezeichneten Mengen sind jene, die im Sinne von Brouwer (Journ. für d. reine u. angew. Math. 142) „in keinem Punkte nulldimensional" sind.
Normalbereiche und Dimensionstheorie.
749
dimensional ist. Folglich gilt M l < Ml ; aus denselben Gründen gilt auch Ml < M 1 . Also ist M 1 = M[ und _M 2 = M', . Es kann somit nicht mehr als eine Zerlegung geben, die den Forderungen von Satz XII genügt. Eine aber wird geliefert durch die Formel M = {M — M* ) -j- M* .
Nennen wir eine Menge 31 stetig, wenn jeder Punkt von 31 ein Stetigkeitspunkt von M ist 15 ). Die Summe endlich oder abzählbar unendlich vieler stetiger Mengen ist, wie man sofort sieht, stetig. Wir bezeichnen mit M r die Summe aller stetigen Teilmengen von 31. Die Menge M„ ist also die größte stetige Teilmenge von M. Wir zeigen
Satz XIII. Die Menge M v ist ein F„ in M .
Es gilt nämlich M v = M ■ (M v )i. Denn erstens ist jeder Punkt von M„ ein Stetigkeitspunkt von M t , und gehört mithin zu M ■ (M v );.. Zweitens liegt jeder Punkt von M-(M,.)x in M,.. Denn sonst gäbe es in M—M v einen Stetigkeitspunkt p von M v . Dann wäre aber, wie man leicht sieht, die Menge M,, + (p) stetig, was unmöglich ist, da M v die größte stetige Teilmenge von M ist. Die Menge (M r );. aber ist ein F„ und damit ist Satz XIII bewiesen.
Menger ist für den Fall kompakter Mengen auf Aussagen über das Hausdorfïsche Residuum und die Bairesche Kategorie der Menge Mi geführt worden unter der Voraussetzung, daß die Menge M-M>. nulldimen- sional sei in allen Punkten einer in M>. dichten Teilmenge 16 ). Wir wollen ähnliche Aussagen für beliebige separable Mengen herleiten, und zwar unter der Voraussetzung, daß M keinen stetigen Teil enthält, also für Mengen mit 31,. = 0. Dabei nennen wir eine Menge M total irreduzibel, wenn M — 31 in 31 dicht liegt 17 ) und total irreduzibel in N(N > 31), wenn N■ (M — M) in N-M dicht ist. Wir sagen ferner, eine Menge M sei von erster Kategorie, wenn 31 Summe ist von abzählbar vielen in M nirgends dichten Teilmengen (üblicherweise sagt man dann, M sei von erster Kategorie in bezug auf sich selbst). Dann gilt:
Satz XIV. Ist 31 v = 0, dann ist 1. M>. total irreduzibel und 31-31x
lr ') S. Mazurkiewicz nennt (Fund. Math. 2, S. 201) diese Mengen quasizusammenhängend.
16 ) Einige Überdeckungssätze der Punktmengenlehre, Wiener Ber. 133, S. 442.
17 ) Hausdorff bezeichnet (Mengenlehre 1914, S. 281) als Residuum der Menge M die Menge M-M—M und nennt reduzibel jene Mengen, welche durch iterierte Residuenbildung leer gemacht werden können. Die von Menger vorgeschlagene Bezeichnung total irreduzibel für jene Mengen, deren Komplement zur abgeschlossenen Hülle in dieser letzteren dicht liegt, findet ihre Rechtfertigung darin, daß diese Mengen mit ihrem Hausdorffschen Residuum identisch sind, also durch Residuenbildung überhaupt nicht reduziert werden.
750
W. Hurewicz.
total irreduzibel in M, 2. M ■ M u dicht in M, 3. Mi und M-M-,. von erster Kategorie.
Wäre nämlich 1. M> . nicht total irreduzibel, dann gäbe es einen Punkt p von M>. , der nicht Häufungspunkt von M>. — M>. wäre. Es existierte also eine Umgebung U von p, so daß U ■ Mi < Mi. NachSatz X wäre die Menge V-M-Mi nicht leer. Nach Satz IX wäre jeder Punkt von U-M-Mi Stetigkeitspunkt von M ■ Mi = M* und mithin von U ■ M ■ M >. — U-M- Mi. Also wäre V-M-Mi eine stetige Teilmenge von M, was der Voraussetzung il#,, = 0 widerspricht. Ganz analog zeigt man, daß M -Mi total irreduzibel in M ist. Aus dem Bewiesenen folgt unmittelbar, daß 2. M-M,, dicht in M ist. Auf Grund der Tatsache, daß jedes total irreduzible F„ von erster Kategorie im Sinne von Baire ist 18 ), folgt aus Satz XIV 1., daß der F„ M¡. und der F„ in M M ■ M> von erster Kategorie ist.
Die Voraussetzung M v —0 ist (ebenso wie die Mengersche Voraussetzung) insbesondere erfüllt, wenn die Menge M -Mi nulldimensional ist. Dieser Fall kann sich wirklich ereignen. Sierpiñski hat eine Menge M konstruiert 1 "), für welche M -Mi sogar bloß abzählbar ist. Wenn die Menge Mi von zweiter Kategorie im Sinne von Baire oder mit ihrem Hausdorffschen Residuum nicht identisch ist, dann ist sie Satz XIV zufolge sicher nicht nulldimensional. Auf der Suche nach anderen hinreichenden Bedingungen dafür ist Menger auf seinen neuen Typus von Uberdeckungssätzen geführt worden; wir verweisen diesbezüglich auf die Mengersche Darstellung 20 ).
Hier ziehen wir noch eine einfache Folgerung aus dem Bewiesenen:
Satz XV. 1st die Menge M -Mi nicht nulldimensional, dann ist sie Summe einer in M total irreduziblen Menge von erster Kategorie und einer nirgends nulldimensionalen Menge.
Setzen wir P — M- Mi. Mit Rücksicht auf Satz XI brauchen wir nur zu zeigen, daß die Menge P—P>_ total irreduzibel und von erster Kategorie ist. Da die Menge Q = M —in M offen ist, gilt, wie man leicht sieht, Q.Qi = Q.Mi = M-M,.-Fi-Mi = P-Pi. Die Menge P-Pi = Q-Qi ist nulldimensional, also nach Satz XIV eine Menge von erster Kategorie, welche in Q und mithin in M total irreduzibel ist.
18 ) Dies folgt daraus, daß in einer total irreduziblen Menge jede abgeschlossene Menge nirgends dicht liegt.
19 ) Fund. Math. 2, S. 81.
30 ) Wiener Ber. 133, S. 421.
Normalbereiche und Dimensionstheorie.' 1
751
§ 4.
Abgeschlossene Komponenten.
Sei M eine beliebige Menge, p ein Punkt der abgeschlossenen Hülle M von M. Wir betrachten die Menge M p aller Punkte q von M, die folgende Eigenschaft haben: Es existiert keine offene Menge U mit zu M fremder Begrenzung, so daß q in U, p im Komplement C(l7) von Ü liegt. Der Punkt p gehört offenbar zu M . Ferner ist, wie man sofort sieht, die Menget— M in M offen 21 ); also ist die Menge M p abgeschlossen. Wir bezeichnen daher die Menge M p als die zu p gehörige abgeschlossene Komponente von M .
Ist beispielsweise M im R 1 die Summe der offenen Intervalle ( — 1, 0) und (0, 1). Die abgeschlossenen Komponenten von M sind die drei abgeschlossenen Intervalle [—1,0], [0,1], [—1,1], wobei das letztangeführte Intervall die abgeschlossene Komponente des Punktes 0 ist. Dieses Beispiel zeigt, daß die verschiedenen abgeschlossenen Komponenten einer Menge nicht notwendig untereinander fremd sind.
Aus der Definition der abgeschlossenen Komponente folgt unmittelbar
Satz XVI. Sind p und q zwei Punkte der abgeschlossenen Hülle von M und liegt q in der zu p gehörigen abgeschlossenen Komponente von M, so liegt auch p in der zu q gehörigen abgeschlossenen Komponente von M.
Ferner beweisen wir mit der von Menger ausgebildeten Methode der Einschließung von Umgebungsbegrenzungen:
Satz XVII. Die abgeschlossenen Komponenten einer kompakten Menge sind zusammenhängende Mengen.
Sei p ein Punkt von M. Angenommen, die zu p gehörige abgeschlossene Komponente M p von M wäre nicht zusammenhängend, also Summe von zwei fremden nicht leeren, abgeschlossenen Mengen M' und M". Der Punkt p möge etwa in M' liegen. Sei U eine offene Menge, so daß M' < U und M" • U — 0 gilt. Die Begrenzung B ( U ) von U ist zu M p fremd. Zu jedem Punkt q der kompakten abgeschlossenen Menge M • B (U) existiert eine Umgebung U(q) von q mit zu M fremder Begrenzung derart, daß p in C(U ) liegt. Unter den Mengen U q gibt es nach dem Boreischen Theorem endlich viele, etwa TJ 1 , U„ , ..., U n , in deren Summe M-B {JJ) enthalten ist. Die Menge V = U — U 3 + Í7 2 + ... + U m ist eine Umgebung von p mit zu M fremder Begrenzung, und jeder Punkt von M"
21 ) Ist nämlich g ein Punkt von M — Mj,, so gibt es eine Umgebung U von q mit zu M fremder Begrenzung derart, daß p weder im Innern von U, noch auf der Begrenzung von U liegt. Dann ist die Umgebung U zu M,, fremd und folglich U M. aller Stetigkeitspunkte von M ein F„ ist, so erhalten wir als Nebenergebnis
Satz XXII. Die Summe aller Teilkontinua einer kompakten abgeschlossenen Menge ist ein F a .
Eine Menge heißt diskontinuierlich , wenn sie kein Kontinuum enthält. Aus dem Bewiesenen folgt, daß für kompakte abgeschlossene Mengen auch die Umkehrung gilt: Eine kompakte abgeschlossene diskontinuierliche Menge ist nulldimensional. Auf Grund von Satz VII folgt daraus der Mazurkiewiczsche Satz 22 ): Unter den halbkompakten F„ stimmen die nulldimensionalen und die diskontinuierlichen Mengen überein.
II. Teil.
Über Normalbereiche und zugehörige unstetige Mengen.
§ 5.
Die Hauptsätze über Normalbereiche.
Wir wenden uns der Aufgabe zu, die Mengen M von folgender Beschaffenheit zu untersuchen: Auf jeden Punkt von M zieht sich eine Folge von in M offenen Mengen zusammen, deren Begrenzungen in M eine gewisse Eigenschaft haben, oder, was auf dasselbe hinausläuft, deren Begrenzungen in M einem gewissen Bereich 93 von Mengen angehören. Wir nennen solche Mengen total unstetig in bezug auf den Bereich 93. Die total unstetigen Mengen hinsichtlich des Bereiches 58, welcher bloß die leere Menge enthält, sind die nulldimensionalen Mengen.
2 ' 3 ) Fund. Math. 3, S. 67. — Die Mengen ohne Teilkontinuum, die wir im Anschluß
an Menger als diskontinuierlich bezeichnen, werden vielfach „punkthaft" (punktiform) genannt.
754
W. Hurewicz.
Einen Bereich 9Î von Mengen nennen loir einen Normalbereich, wenn folgende Bedingungen erfüllt sind:
1. Ist M eine Menge aus 9 c , so auch jede Teilmenge von M.
2. 1st M Summe von abzählbar vielen in M abgeschlossenen Mengen, die zum Bereich 9? gehören, dann gehört auch M zum Bereich 9 c.
Der Bereich aller separablen nulldimensionalen Mengen ist auf Grund von Satz Vila ein Normalbereich. Weitere Beispiele von Normalbereichen liefern der Bereich aller abzählbaren Mengen, ferner der Bereich aller Mengen, die im Baireschen Sinn von erster Kategorie in bezug auf eine bestimmte Menge sind 23 ).
Wegen der Bedingung 1. erhält jeder Normalbereich die leere Menge. Daher ist jede nulldimensionale Menge in bezug auf einen beliebigen Normalbereich total unstetig. Es gilt ferner:
Theorein I. Damit eine separable Menge M in bezug auf einen Normalber eich 9 c total unstetig sei, ist notwendig und hinreichend, daß M Summe einer nulldimensionalen Menge und einer Menge aus 9Î sei.
Die Bedingung ist notwendig. Ist nämlich M total unstetig in bezug auf den Bereich 9Î, dann existiert zu jedem Punkt p von M und zu jeder natürlichen Zahl n eine Relativumgebung (d. h. eine p enthaltende in M
offene Menge) U" (p) von p, deren Durchmesser < ^ ist und deren Begrenzung in M eine Menge aus 9Î ist. Aus dem verallgemeinerten Borel- schen Theorem folgt sodann, daß AI für jede natürliche Zahl n Summe einer Folge Z7", U", ..., Um, • • • von in M offenen Mengen ist, deren Durchmesser < — und deren Begrenzungen in M Mengen aus 9 Î sind. Sei B ( Um) die Begrenzung von U',\ in M. Setzen wir
N = VB (U2).
«,m=l
Da die Mengen B (Um) in M und daher auch in N abgeschlossen sind, ist N eine Menge aus 9?. Ferner ist die Menge M — N nulldimensional, denn die Begrenzungen der Mengen ( M — N) ■ Um sind in M leer und auf jeden Punkt von M — N zieht sich eine Folge von Mengen aus dem System {Um} zusammen.
Die Bedingung ist hinreichend. Sei nämlich M = M -j- N, wo M' eine nulldimensionale Menge, N eine Menge aus 9Î bezeichnet. Auf Grund von Satz II zieht sich auf jeden Punkt von M eine Folge {U n } von Umgebungen mit zu M' fremden Begrenzungen zusammen. Die Begrenzungen
23 ) Man kann leicht zeigen, daß es zu jedem Bereich von Mengen einen kleinsten ihn enthaltenden Normalbereich gibt.
Normalbereiche und DimensionBtheorie.
755
der Mengen M ■ U n in M sind Teilmengen von N, gehören also zu 9c. Folglich ist M in bezug auf 9Z total unstetig.
Betrachten wir z. B. das System 9 c aller Teilmengen einer separablen Menge M, die in bezug auf M von erster Kategorie sind. 92 ist ein Normalbereich und M ist in bezug auf 9c total unstetig. Denn die Begrenzungen in M von jeder in M offenen Menge sind sogar nirgends dicht in M. Aus dem Theorem I folgt also:
Satz XXIII. Jede separable Menge M ist nach Vernachlässigung einer Teilmenge von erster Kategorie in M nulldimensional.
Da nach Sierpinski 21 ) jede separable nulldimensionale Menge mit einer Teilmenge R 1 (der Zahlengeraden) homöomorph ist, so folgt aus Satz XXIII Satz XXIV. Jede separable Menge ist nach Vernachlässigung einer Teilmenge von erster Kategorie mit einer linearen Menge homöomorph.
Auf Grund von Theorem I läßt sich die ganze Theorie der hinsichtlich eines beliebigen Normalbereiches total unstetigen Mengen auf die Theorie der nulldimensionalen Mengen zurückführen.
Wir bezeichnen im folgenden mit 9Î stets einen Normalbereich. Zunächst ist klar, daß jeder Teil einer in bezug auf 9? total unstetigen Menge in bezug auf 9Î total unstetig ist. Ferner gilt in Analogie zu Satz III
Satz lila. Ist die separable Menge M total unstetig in bezug auf 9c, und ist die Menge P in P -f- M abgeschlossen, dann existiert zu jeder Umgebung U von P eine Umgebung V < ü von P derart, daß der Durchschnitt von M mit der Begrenzung von V eine Menge aus 9Í ist.
Auf Grund von Theorem I ist M Summe einer nulldimensionalen Menge M' und einer Menge N aus 91. Ist die Menge P in P -\- M abgeschlossen, so ist sie auch in P-f-ili' abgeschlossen, und zu jeder Umgebung U von P gibt es nach Satz III eine Umgebung V < U von P mit zu M' fremder Begrenzung. Der Durchschnitt von M mit der Begrenzung von V ist eine Teilmenge von N, gehört also zu 91. Damit ist Satz lila bewiesen.
Satz III enthält als Spezialfall folgendes Analogon zu Satz II:
Satz IIa. Ist die separable Menge M in bezug auf 9c total unstetig, dann zieht sich auf jeden Punkt des Raumes eine Folge von Umgebungen zusammen, so daß die Durchschnitte von M mit den Begrenzungen dieser Umgebungen zum Bereich 9c gehören. Ist eine separable Menge M in bezug auf 9c total unstetig, so bleibt ihr also diese Eigenschaft nach Hinzufügung eines beliebigen einzelnen Punktes erhalten.
Fund. Math. 2, S. 85. Sierpiñski spricht seinen Satz bloß für Teilmengen Euklidischer Räume aus, doch geht diese Einschränkung in seinen Beweis nicht ein.
756
W. Hurewicz.
Wir beweisen endlich:
Satz IVa. Damit eine separable Menge M in bezug auf 9Î total unstetig sei, ist notwendig und, hinreichend, daß es zu je zwei in M abgeschlossenen zueinander fremden Mengen N 1 und iV 2 zwei in M abgeschlossene Mengen M 1 und M„ gibt, deren Durchschnitt eine Menge aus 9Ï ist und so, daß
N x < M l - M 1 M n _, N„< M 2 - M 1 M v M =M 1 + M,
gilt.
Die Bedingung ist notwendig. Sei nämlich M in bezug auf 9c total unstetig. Sind die Mengen N 1 und N„ zueinander fremd und in M abgeschlossen, so gibt es nach Hilfssatz 1 eine offene Menge U derart, daß N t < U und iV 2 • Ü — 0 ist. Nach Satz III a existiert eine Umgebung V < U von N y , deren Begrenzung mit M einen zu 9c gehörigen Durchschnitt hat. Setzen wir M 1 = V-M und M„ = C(V)-M, wo G(V) das Komplement von F bezeichnet, dann genügen die in M abgeschlossenen Mengen M 1 und Jf 2 allen Forderungen des Satzes IVa.
Die Bedingung ist hinreichend. Angenommen nämlich, sie sei erfüllt. Ist dann p ein Punkt von M, U eine Umgebung von P, so lassen sich nach Voraussetzung zwei in M abgeschlossene Mengen M i und M.-, mit folgenden Eigenschaften bestimmen:
1. M =M 1 + M.,,
2. {p) 0 Summe sei von endlich vielen (von einer Nullfolge von) in M abgeschlossenen Mengen M 1 , M. 2 , ..., M n , deren Durchmesser < e sind und die zu je zweien Durchschnitte haben, die dem Bereich 91 angehören.
Die Bedingung ist notwendig. Ist nämlich die kompakte Menge M in bezug auf 91 total unstetig und ist £ > 0 vorgegeben, dann existiert nach Satz IIa zu jedem Punkt p von M eine Umgebung U(p) von p von folgenden Eigenschaften: 1. Die Durchmesser der U(p) sind < e, 2. die
Normalbereiohe und Dimensionstheorie.
757
Durchschnitte von M mit den Begrenzungen der U(p) sind Mengen aus 9c. Wir wählen unter den Mengen U(p ) nach dem Boreischen Theorem endlich viele, etwa U 1 , U„, ..., U n , in deren Summe M enthalten ist, aus und definieren A m = [U m + + + Die Mengen A m
sind in M abgeschlossen, ihre Durchmesser sind < e. Es gilt ferner für n k A¡- U k == 0. Daraus folgt wegen A k