Deutsche Krieg politische Klugschriften Herausgegeben von Ernst Läckh Deutsche Verlags-Anstalt Stuttgart - Berti« Der Deutsche Krieg politische Flugschriften Herausgegeben von Ernst ^äckh preis jedes Heftes 50 Pfennig Bisher sind erschienen: 4. Heft: Dr. Paul Rohrbach, Warum es der Deutsche Krieg ist! 2. Heft: Friedrich Naumann, Deutschland und Frankreich 3. Heft: Professor Dr. <5. H. Becker, Deutschland und der Islam 4. Heft: Gottfried Traub, Der Krieg und die Seele 5. Heft: M. Erzberger, M.d.R., Die Mobilmachung 6. Heft: Professor Dr. H. Oncken, Deutschlands Weltkrieg und die Deutschamerikaner 7. Heft: Axel Schmidt, Die russische Sphinx s. Heft: Geheimrat Prof. Dr. Rudolf Gucken, Die weltgeschichtliche Bedeutung des deutschen Geistes y. Heft: Professor Dr. Gustav Roloff, Deutschland und Rußland im Widerstreit seit 200 Iahren 40. Heft-. Oberfinanzrat Prof. I)r. Hermann Losch, Englands Schwache und Deutschlands Stärke 44. Heft: Dr. Paul Nathan, Die Enttäuschungen unserer Gegner 42. Heft: Geheimrat Professor Dr. O. Binswanger, Die seelischen Wirkungen des Krieges 43. Heft: Dr. Carl Anton Schäfer, Deutsch-türkische Freundschaft 44. Heft: Dr. Fritz Wertheimer, Deutschland und Osiasien 45. Heft: Gertrud Bäumer, Der Krieg und die Frau 46. Heft: Graf Ernst zu Reventlow, England, der Feind 47. Heft: Friedrich Lienhard, Das deutsche Elsaß 4S. Heft: prof .vr.ArnoldOskarMeyer ,WorinliegtEnglandsSchuld? 49. Heft: Geheimrat Professor Dr. Erich Marcks, Wo stehen wir? 20. Heft: Professor Dr. Gustav E. pazaurek, Patriotismus, Kunst und Kunsthandwerk 24. Heft- Prof. Dr. G. Kampffmeyer, Nordwesiafrika und Deutschland 22. Heft: Richard Eharmatz, Österreich-Ungarns Erwachen 23. Heft: Dr. Alfons paquet, Nach Osten! 24. Heft: Dr. Ernst Iäckh, Die deutsch-türkische Waffenbrüderschaft 25. Heft: Anton Fendrich, Der Krieg und die Sozialdemokratie Fortsetzung auf der Z. Llmschlagselte ^ '.' ' - - . ' > , V : - '' - --^ '^ , ^ ^ V ' ' ' ^ ' ' " ' Der Deutsche Krieg politische Nugschristen Herausgegeben von Ernst Iäckh Zweiunddreißigstes Heft Deutsche Verlags-Ansialt Stuttgart und Berlin 595S Freie Meere! Von s G. v. Schulze-Gaevernih Mitglied des Reichstages Deutsche Verlags-Ansialt Stuttgart und Verlin ily^is Alle Rechte vorbehalten Druck der Beuffchen NerlagS-Anslalt ln Siuitgari Papier von der Papierfabrik Salach in Galach, Wliriiemberg Den deutschen Fliegern in Dankbarkeit zugeeignet vom Verfasser. Durch freie 5üste zu freien Meeren! ^^u Haag im Morizhaus, der bürgerlich vornehmen Residenz der Oranier, findet sich ein unvergeßliches Bild: „Niederländische Schiffe, eine englischeFregatte einbringend." Dieses Bild, wie all' jene lichtdurchflofsenen Seestücke, erinnert an eine Zeit, da die Seeherrschaft der Briten noch nicht unbestritten feststand. Ein Tromp durchfegte damals den Kanal — einen symbolischen Besen am Topmast. Ein Nuyter erschien drohend in der Themsemündung. Ein Hugo Grotius forderte „die Freiheit der Meere", d. h, die Gleichberechtigung Aller an der See, dieser Hochstraße der Völker. Mittagsstunden menschlicher Kultur! Im Hintergründe lag der siebzigjährige Freiheitskampf einer fast hoffnungslosen Minderheit mit dem weltumspannenden Despotismus. Glaubenseifer und Toleranz — vaterländische Hingabe und volle Entfaltung der Einzelkräfte — oranisches Heldentum, kaufmännischer Wagemut und bürgerliche Freiheit hatten jenen Sieg erfochten, den hohe Wissenschaft und höchste Kunst verherrlichten. Sieghaft durch Nacht und Not flammte Rembrandts deutscheste Seele gen Himmel. Am 1650 besaß Holland den Welthandel. Die niederländische Handelsflotte umfaßte an Tonnengehalt mehr als die Hälfte aller europäischen Schiffahrt. Nachahmend wandten sich damals die Blicke der ganzen Welt, auch Englands, jenem Lande zu, „das keine Wälder hat und doch die Schiffe der ganzen Welt baut". Der Große Kurfürst wie Friedrich Wilhelm I. von Preußen wurzelten geistig tief in den Niederlanden. Aber die Größe der Niederlande brach an der harten Tatsache des Krieges. Nachdem England die Bestrafung des Grotius verlangt und durch seinen Kronjuristen das Eigentum an den britischen Meeren bis zu den deutschen und amerikanischen Küsten für sich gefordert hatte, sprach es „durch die lautere Sprache der Kriegsschiffe". Während die Holländer ihre Ostindienfahrer nur im Bedarfsfalle als Kriegsschiffe armierten, baute das bis dahin noch binnen- ländische England — Wollausfuhrland! — die ersten eigentlichen Kriegsschiffe. Diese Schiffe waren den Gegnern vor allem artilleristisch überlegen. Mit ihnen hat England den Niederländern die Navigationsakte aufgezwungen — jenes Gesetz, welches Hollands Zwischenhandel vernichtete. Als Zeichen seiner Demütigung mußte Holland den englischen Schiffen den Flaggengruß zugestehen. Damals erklärte Cromwell: England dürfe es nicht dulden, daß ohne seine Genehmigung auf dem Ozean eine andereFlagge erscheine als dieseine. Dieser Satz, der wie die ganze Cromwellsche Politik von den nachfolgenden Monarchen und Staatsmännern aufgenommen wurde, hat alle britische Politik, auch die gesamte britische Wirtschaftspolitik — ausgesprochen oder unausgesprochen — beherrscht. Ich erinnere an Ad. Smiths Stellung zur Navigationsakte. Der Sturz der Niederlande wurde dadurch beschleunigt, daß dieses Land nur Küste ohne Landmacht war und den Schutz eines starken deutschen Hinterlandes entbehrte. Deutschland blieb träger Zuschauer des niederländischen Dramas, obgleich ihm der Oranier auf dem Reichstage von Worms das „res tua aZitur" hatte zurufen lassen, da am Niederrhein um die Herrschaft der Meere gekämpft werde. Mit Erfolg haben später die Engländer die nächststarke Festlandsmacht, damals Frankreich, gegen die Niederlande in das Feuer geführt, bis diese einst so gefürchteten Gegner im 18. Jahrhundert als geduldete Bundesgenossen Englands einem geschichts- losen Stilleben verfielen, „verrentnern". England und Holland hießen damals die „Seemächte" — nach dem witzigen Ausspruch des Alten Fritz: „Das englische Kriegsschiff mit der holländischen Schaluppe im Schlepptau." Seit jenen Tagen führt der Brite den Dreizack des Neptun, der zugleich das Zepter der Welt ist. „Und das Reich der freien Amphitrite Will er schließen wie sein eigen Äaus," So kennzeichnet Schillers Weitblick die letzte Ursache allen Weltkrieges seines und unseres Zeitalters. Diese Kriege richteten sich zunächst gegen Frankreich, als den gefährlichsten Mitbewerber um die See- und Weltherrschaft. Wenn überhaupt in dem wechselvollen Gange der europäischen Politik von Erbfeindschaft die Rede sein kann, dann erwuchs solche in dem fast zweihundertjährigen Kampfe zwischen England und Frankreich. Der französische Historiker Arthur Girault, Professor der Universität Poitiers und Mitglied des Institut Colonial International, behandelt in seinem Werke „Principes cie Lolonisglivn" (Paris 1904) die Zeit von 1688 bis 1813, während welcher nicht weniger als sieben große Kriege zwischen Frankreich und England ausgefochten wurden. „Alle diese Kriege sind für England Geschäftskriege (guerres ci'afkalres) gewesen, deren Zweck es war, die See- und Kolonialmacht Frankreichs zu zerstören. England stachelte alle Bündnisse an, die in Europa gegen uns geschlossen wurden, und während unsere Truppen auf dem Festlande beschäftigt waren, zerstörte es unsere Marine und bemächtigte sich unserer Kolonien." Zu Beginn dieses Kampfes war Frankreich überlegen an Bevölkerungszahl und an Staatseinnahmen. Auch auf kolonialem Gebiet hatte Frankreich den Vorsprung. Die englischen Ansied- lungen an der Ostküste Nordamerikas waren durch Frankreich vom Hinterlands abgeschnitten: Kanada, das Mississippital, Louisiana, das blühende Westindien bezeichneten den ununterbrochenen Zusammenhang eines größeren Frankreichs in Amerika. Auch in Indien war Frankreich früher aufgestanden als England. Dupleix entdeckte das Geheimnis, Indien zu erobern: mittels indischer Soldaten, indischer Steuerzahler und einer Handvoll europäischer Befehlshaber. Dupleix' Gedanken haben die Engländer später lediglich zur Ausführung gebracht, wie Seeley ausdrücklich anerkennt. Noch während des amerikanischen Unabhängigkeitskrieges beherrschte der geniale Suffren den Indischen Ozean, jene See, die wir bis zu den Fahrten der „Emden" als den eigensten Besitz Englands anzusehen gewohnt waren. England siegte, indem es seine Kräfte auf die Flotte zusammenfaßte und seine Landkriege durch Fremde ausfechten ließ: einst verwandte es Franzosen gegen Niederländer, sodann Deutsche gegen Franzosen, heute Franzosen gegen Deutsche. „Amerika wurde, nach Pitt, in Deutschland erobert." Frankreich vernichtete zudem in der Revolution seine eigene Flotte, indem es die Überlieferung der Flotte planmäßig zertrümmerte. Zwar konnte Carnot — den revolutionären Schwung und die vom Konvent auf die Spitze getriebene Staatsallmacht benutzend — das Landheer wieder aufbauen. Eine Flotte aber war nicht zu improvisieren, mochten auch die Fahnen französischer Revolutionsheere die Inschrift tragen: „Liderte Amerika>pak.>Akt.